Der Fußball und seine Helden: Was wir vom FC Bayern lernen können

Dieser Beitrag wird freundlichst präsentiert vom August Gin, denn wenn der August dabei ist, dann ist auswärts wie ein Heimspiel.

Oftmals wird über Fußball auf eine abstrakte Art und Weise geschrieben. Auch ich will mich hier nicht ausnehmen. Grundsätzlich kann man sich mit einem Verein, seinen Werten und Farben identifizieren. Auch abseits aller beteiligten Personen. In einem zweiten Schritt stellt sich dabei die Frage, für welche Werte und welches Verhalten der Verein steht. Um dies herauszufinden, hilft es, sich das Verhalten der Vertreter dieses Vereins zu betrachten. Bei Fußballvereinen fängt dies beim Aufsichtsrat, dem Präsidenten und weiteren Verantwortlichen, wie Manager, Geschäftsführer und Trainer an. Es setzt sich fort bis zur Mannschaft. Unabhängig von der allgemeinen Philosophie des Vereins und dem Handeln der verantwortlichen Personen, wird es schwer werden, Fans und Sympathisanten dauerhaft ins Stadion zu locken, wenn auf dem Platz nur austauschbare Charaktere vertreten sind. Wenn der Einsatz und die  fußballerische Leistung keine Begeisterung hervorruft, dann bleiben die Zuschauer zu Hause. Leistungsträger, die im Optimalfall aus der eigenen Jugendabteilung entstammen und die Werte des Vereins auf und neben dem Platz repräsentieren, sind daher ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen, mittelfristigen Vereinsstrategie.

Vorbild FC Bayern München?

Wenn der FC Augsburg unter der Woche gegen den FC Bayern München antritt, dann trifft er auf einen Club, der gerade in diesem Bereich im letzten Jahrzehnt wie kein anderer aufgezeigt hat, wie dies zu schaffen ist. Das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger vor kurzem steht sinnbildlich für diese Phase. In dieser waren Spieler, die sich beim FC Bayern München aus der eigenen Jugend in der Profimannschaft durchgesetzt haben, für den Erfolg der letzten Jahre zu großen Teilen mit verantwortlich. Schweinsteiger, Lahm, Müller und Alaba sind herausragende Repräsentanten des FC Bayern München. Sie haben dafür gesorgt, dass die Zuschauer auch in Zeiten, in denen im Umfeld des FC Bayern München viel Unruhe, moralisch fragwürdiges Verhalten (Stichwort: Trainingslager in Katar) und Straftaten (Stichwort: Steuerhinterziehung Hoeneß) vorkamen, ins Stadion geströmt sind. Nicht nur, weil die sportlichen Leistungen zum Zungeschnalzen verführten. Sondern auch, weil man diesen Jungs zur Seite stehen wollte.

Es ist doch enorm, welch emotionale Reaktionen ein endgültig letzter Aufgalopp wie bei Schweinsteiger bei erwachsenen Menschen auslösen kann. Ich habe diese beobachtet und ein längeres Interview mit Schweinsteiger gesehen. In mir wuchs die Hoffnung, dass der eigene Verein irgendwann selbst eine solche Persönlichkeit aus der eigenen Jugend hervorbringen kann. Beim FC Augsburg wäre dies erneut ein nächster Schritt. Gefühlt liegt dieser Schritt noch in weiter Entfernung. Dafür wäre es nötig, Spieler aus der Jugend nicht nur an die Profimannschaft heranzuführen, sondern dort auch zu Führungsspielern weiterzuentwickeln. Und wenn der Spieler seinen sportlichen Zenit erreicht, müsste er sich überdies entscheiden, dem FCA die Treue zu halten. Er müsste den Wunsch unterdrücken, sich sportlich bei einem anderen Verein weiterentwickeln zu wollen. Aber auch der Verein muss zu dem Spieler stehen, wenn er mal eine schlechte Phase durchmacht oder die Form einen Hänger hat. In guten wie in schlechten Zeiten.

Identifikationsfiguren beim FC Augsburg

Der Vorteil für beide Seiten wäre allerdings enorm. Als Fan wünsche ich mir Spieler, mit denen ich persönlich mitfiebern kann. In Augsburg waren dies in den vergangenen Jahren immer langjährige Leistungsträger, die von außen kamen. Darunter waren Spieler, die unseren Club toll repräsentierten. Mit Patrick Mölzl, Michael Thurk, Sascha Mölders und Paul Verhaegh habe ich persönlich gelitten und mich gefreut. Auch heute beobachte ich gerne den Maestro Daniel Baier oder Spieler wie Martin Hinteregger und Gregerl und bange persönlich mit diesen Typen. Neben dem Erfolg des FC Augsburg will ich, dass diese Spieler sich persönlich durchsetzen. Der FCA hat daher in der Vergangenheit schon immer einen guten Job gemacht, einen gewissen Spielertyp, der sich initial bei anderen Vereinen nicht durchgesetzt hatte, zu verpflichten und diese zum Symbol des Augsburger Modells zu machen.

Euphorie durch die Jugend?

Neu dazu sind nun in den letzten beiden Saisons Spieler wie Kevin Danso, Marco Richter und Raphael Framberger gekommen, die von der Qualität der Augsburger Jugendarbeit zeugen. Diese Posterboys des Augsburger Modells können nun eine weitere, tiefe Verbindung zum Augsburger Publikum schaffen. Wenn Marco Richter gegen die Bayern aufläuft und die Möglichkeit hat, dem Spiel einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, so wäre die Euphorie und Freude vielleicht noch größer, wenn ihm dies gelänge. Es ist nicht rational, denn eigentlich geht es ja darum, dass der eigene Verein gewinnt, aber dennoch ist die Identifikation an dieser Stelle vielleicht nochmals erhöht. Schwer vorstellbar, wenn ich mich an meine Reaktion auf die Tore von Mölders und Bobadilla erinner, aber langfristig kann sich daraus meiner Meinung nach eine tiefere Bindung ergeben.

Und insofern der FC Augsburg gerade in dieser Phase seiner Außendarstellung sich zu manchen Themen nicht oder aus meiner Sicht nur ungenügend äußert, so können diese Spieler den Unterschied ausmachen. Sie können Zuschauer binden und ins Stadion locken. Ich will natürlich wissen, ob der FC Augsburg gewinnt und wie er sich schlägt. Ich will aber auch Marco Richter sehen, wie er Verteidiger zum Schwitzen bringt. Ob er Manuel Neuer einen einschenkt. Ich bin gespannt, ob die Spieler aus der eigenen Jugend, allen voran Marco Richter, zu einer kleinen Euphoriewelle führen können. Gerade in Zeiten, wo ein Videospiel wie Fifa mit einem Modus wie “The Journey” aufwartet, braucht man in Augsburg gerade nur ins Stadion zu gehen, um den ein oder anderen spannenden Karriereweg in der Anfangsphase begleiten zu können. Richter hat dieser Karriereweg mittlerweile in die deutsche U21 geführt. Wie geht es weiter? Was kann daraus entstehen? Ich kann es nicht abwarten, dies mitzuverfolgen.

Kaderanalyse Teil 3: Das Mittelfeld

Tor und Abwehr sind abgehakt. Schon ist die Zeit gekommen, sich mit dem Mittelfeld auseinanderzusetzen. In der letzten Saison haben wir an dieser Stelle eingeführt, dass wir vier Positionen betrachten. Es geht dabei um die beiden zentralen Mittelfeldspieler vor der Viererkette (ein Sechser und ein Achter oder auch zwei Sechser, je nachdem wie man das für sich interpretieren will) und die beiden offensiven Außen. Als grundsätzlichen Trend kann man hier wohl erkennen, dass die Außenspieler keine klassischen Flügelspieler mehr sind. Sie ziehen schon recht zügig nach innen, auch um Platz für die aufrückenden Flügelspieler zu machen. Nicht Teil dieser Betrachtung ist der zentrale Spieler hinter der einzigen Spitze. Man kann sich streiten, wie man diese Position benennen sollte. Wir nennen sie für den Moment einmal “hängende Spitze” und behandeln sie mit dem Sturm. Dann ist der Teil über den Sturm nicht ganz so mickrig (über wen sollte man hier momentan auch schreiben).

Leistung in der letzten Saison

Daniel Baier war erneut über lange Phasen wie gewohnt der Stabilisator der Mannschaft, bevor er in der Rückrunde wegen einer Kopfverletzung länger ausfiel. Neben ihm kam oftmals Rani Khedira zum Einsatz, der den zu Bayer 04 Leverkusen gewechselten Dominik Kohr, sehr gut ersetzen konnte. Dieses Tandem verlieh dem FCA über lange Phasen der Saison die notwendige Stabilität, um gegen den Ball solide zu stehen und auch im Spiel mit dem Ball schnell umzuschalten. Baier ist dabei immer noch der Rhythmusgeber in der Mitte und im Spiel mit dem Ball der Dreh- und Angelpunkt des Augsburger Spiels. Je-Choel Koo konnte in seinen Einsätzen war nicht ganz an die Vorsaison anknüpfen, aber dadurch, dass er extrem vielseitig einsetzbar ist und auf vielen Positionen aushelfen kann, ist er wohl der wichtigste Rotationsspieler im Kader gewesen. 

Auf den offensiven Außen ging es dabei nur auf einer Seite so konstant zu. Caiuby war auf der linken Seite gesetzt und spielte eine tolle Saison. Er hatte sich sowohl im Spiel gegen den Ball verbessert, als auch war er mit dem Ball durch seine Physis und sein Kopfballspiel eine wichtige Komponente. Auf der Gegenseite blieben derweil viele Hoffnungen enttäuscht. Marcel Heller konnte die Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllen. Vor dem Tor hatte er kein Glück und der Knoten wollte nicht platzen. Ähnlich unglücklich agierte immer wieder Jonathan Schmid wenn er denn offensiv eingesetzt wurde. Die Position erfuhr erst eine gewisse Stabilität, als Marco Richter für das letzte Saisondrittel übernahm. Ihm gelangen dann zwar auch keine Tore mehr, allerdings erzeugte er deutlich mehr Gefahr als seine Kollegen. Für einen Debütanten machte er seine Sache außerordentlich gut und das Potential für die kommenden Jahre ist deutlich zu erkennen. Wenig überraschend wurde er zum Newcomer der Saison 2017/18 gewählt. Insgesamt blieb so durch die eher unterdurchschnittlichen Leistungen auf dieser Position Potential für den FC Augsburg ungenutzt.

Abgänge

Der Vertrag von Gojko Kacar, der in der letzten Saison kaum noch eine Rolle spielte, lief aus und wurde nicht verlängert. Moritz Leitner wurde nach seiner Leihe zu den Canaries von diesen nun fest verpflichtet und dieses Missverständnis beendet. Takashi Usami wollte in Düsseldorf bleiben, verlängerte seinen Vertrag und wurde erneut nach Düsseldorf verliehen. Marcel Heller wechselt nach Darmstadt zu den Lilien zurück. Die Beiträge aller für den FCA waren kurz und überschaubar. Viele sind mit großen Hoffnungen nach Augsburg gewechselt und diese Hoffnungen wurden nun begraben. 

Zugänge

In diesem Bereich hat der FC Augsburg zurecht erkannt, dass er handeln muss und auch etwas unternommen. Vor allem rechts offensiv haben wohl die Verantwortlichen gesehen, dass dort eine große Lücke im Kader bestand, die es zu schließen galt. Zu diesem Zweck hat man André Hahn nach Augsburg zurückgelotst, der auf dieser Position in Augsburg deutscher Nationalspieler geworden war, als dies noch erstrebenswert schien. Hahn hatte zuerst einigen Erfolg in Gladbach, bevor er immer wieder mit Verletzungen kämpfte. Sein Jahr in Hamburg war zuletzt ein Irrweg, aber hofft nun wohl, in Augsburg an alte Glanzzeiten anknüpfen zu können. Hoffen wir das nicht alle?

Neben Hahn investierte man auch für Frederik Jensen einige Millionen Euro. Für einen 20jährigen erscheint der Betrag schon beträchtlich auch wenn er schon einige Male für die finnische Nationalmannschaft auflaufen durfte. Jensen ist offensiv vielseitig begabt und kann wohl auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Gegen Bilbao blieb Hahn gar auf der Bank während Jensen offensiv rechts startete. Er kommt von Twente Enschede nach Augsburg und wird vor allem dafür sorgen, dass wir offensiv über mehr Optionen verfügen und unser Spiel vielseitiger wird. Dies war vor allem in der Rückrunde der abgelaufenen Saison nach einigen Verletzungen überhaupt nicht mehr der Fall und eine weitere Offensivoption tut unserem Kader auf jeden Fall gut. 

Insgesamt hat man so eine Problemstelle im Kader effektiv angegangen und insgesamt mehr Tiefe geschaffen.

Prognose für die kommende Saison

Hat Daniel Baier noch ein sehr gutes Jahr in seinem strapazierten Körper? Der Maestro ist mittlerweile in die Jahre gekommen, kann aber in den Partien immer noch den Unterschied machen. In Phasen, in denen er fehlt, lief es in der Vergangenheit nicht so gut, auch wenn die Hoffnungen bei Rani Khedira und Ja-Choel Koo ruhen, wenn es zu diesem Fall kommt. Zumindest ein kleines Fragezeichen steht hinter dem Augsburger Kapitän und Leitwolf. Zusätzlich gibt es zu Rani Khedira kaum mehr eine Alternative, die defensiv die Lücken stopft, wenn er denn ausfiele. Die Zentrale wackelt. Hoffen wir gemeinsam, dass sie nicht fällt. 

Auf den offensiven Außen gibt es allerdings viel Grund zur Hoffnung. Auch wenn Caiuby durch die Unruhen (späte Rückkehr, private Ablenkungen) nicht direkt an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen könnte, so stehen doch einige Alternativen parat. Gegen Bilbao rückte Marco Richter nach links und machte seine Sache vielversprechend gut. Dazu ist die rechte offensive Seite nicht wieder zu erkennen. Sowohl André Hahn als auch Frederik Jensen sollten Verbesserungen zum Vorjahr darstellen, wodurch das Augsburger Spiel insgesamt ausgeglichener werden sollte. Neben Entlastung für die linke Seite, wäre der FCA so deutlich schwerer auszurechnen und könnte seine Gegner vor einige Probleme stellen. 

Insgesamt ist man somit im Mittelfeld deutlich breiter eingestellt. Das eingespielte Zentrum sollte weiter den Takt vorgeben, während die Außen wirbeln und für Unruhe sorgen. Ich freue mich darauf, dies in echt bald bewundern zu können. 

Helden der Saison 2017/18

Es ist schon spät und bald steht das erste Pflichtspiel der Saison 2018/19 gegen den TSV Steinbach an. Bevor wir uns komplett auf die neue Saison konzentrieren, muss ich eine Sache allerdings noch auflösen. Durch viel Stress in der Arbeit und Urlaub hätte ich es fast vergessen. Wir haben schon vor einiger Zeit über die Helden der letzten Saison abgestimmt. Es ist nun schon das zweite Mal, dass wir dies hier im Blog gemacht haben und die Beteiligung war erneut rege. Die Ergebnisse vom letzten Jahr findet ihr hier. In den Kommentaren fanden sich auch dieses Jahr wieder einige hilfreiche Beiträge und Anmerkungen und dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Euer Mitwirken macht den Blog lebendig und das freut mich bei jeder einzelnen Reaktion. Nun will ich euch allerdings gar nicht weiter auf die Folter spannen, sondern das Rätsel um die Gewinner der Abstimmungen endlich auflösen:

Wertvollster Spieler der Saison 2017/18: Michael Gregoritsch

Gregerl a.k.a. der linke Schlegel hat in seinem ersten Jahr in Augsburg eingeschlagen wie ein Schuss seines linken Fußes in den Maschen des Tornetzes. Seine sportliche Qualität, die ihn immer wieder spielentscheidende Momente beisteuern ließ, hat wohl auch euch überzeugt. Es zeigte sich, dass Gregoritsch ein Zentrumsspieler ist, dem der Anlauf aus der zweiten Reihe gut tut. Mit 13 Toren hält er nun den Rekord für die meisten Tore in einer Bundesligasaison für den FC Augsburg, den er spitzbübisch Andre Hahn abknöpfte. Der ist nur deshalb (Achtung Humor) zum FC Augsburg zurück gewechselt und versucht sich den Rekord direkt zurückzuholen. Damit ihm das Gelingen kann, wird ihm Michael Gregoritsch einige Tore vorbereiten müssen. Dies würde er mit seinem charismatischen Lausbub-Lachen und auf seine sympathische Art machen, auch wegen derer ich ihn noch lange in Augsburg sehen will. Gregerl ist wertvollster Spieler der Saison 2017/18 geworden und hat damit den Grundstein zur Augsburger Legende gelegt. Weiter so!

Newcomer der Saison 2017/18: Marco Richter

Er kam, sah und spielte sich fest. So stand es hier im letzten Jahr über Kevin Danso und so steht es hier in diesem Jahr erneut über Marco Richter.  Über lange Jahre hatte sich kein Jugendspieler ins Herrenteam hochgespielt und nun setzt sich hier in dieser Kategorie zum zweiten Mal ein Eigengewächs gegen die ganzen Neuzugänge durch. Derweil es in der Hinrunde noch etwas ruhiger um ihn war, ließ er sich gegen Ende der Saison nicht mehr aus der Mannschaft verdrängen. Dabei konnte er immer wieder seine Torgefährlichkeit andeuten und für Aufregung vor dem gegnerischen Tor sorgen. Kevin Danso war schon spektakulär, aber Marco Richter bringt den Atem zum Stocken. Kevin Danso dankenswerterweise eher selten. Beide können wichtige Stützpfeiler für die Zukunft werden, nachdem wir schon viel Freude mit Ihnen hatten. Ich erwarte einige Durchsagen in der kommenden Saison die uns einen Torschützen mit der sagenumwobenen Nummer 23 ankündigen.

Meistverbesserter Spieler der Saison 2017/18: Philipp Max

Nach Kostas Stafylidis setzt sich an dieser Stelle erneut ein Linksverteidiger durch. Bei Philipp Max war ich nach der letzten Saison schon gespannt, wie hoch er die Latte wohl in dieser Saison legen könnte. Er hatte schon in der letzten Saison gezeigt, welche Qualitäten er in der Vorwärtsbewegung hat. Er hat meine Erwartungen übertroffen und Assist um Assist geliefert. 13 Vorlagen stellen einen neuen Bundesligarekord für einen Verteidiger dar und mit zusätzlich 2 Toren, die er selbst erzielt hat, war er an insgesamt 15 Toren beteiligt. Als Verteidiger. Jogi hat ihn zu Hause gelassen und er hat sich (laut Instagram) gut erholt und Kraft getankt, bevor er wieder von Beginn an ins Training eingestiegen ist. In dieser Kategorie gewinnt, wer den unbedingten Willen hat, weiter an sich zu arbeiten. Mein Eindruck ist, dass Philipp Max hier noch nicht zur Ruhe kommt. Wird er sich dem Druck in Augsburg stellen, den Titel des meistverbesserten Spielers zu verteidigen? Es ist bisher noch keinem anderen gelungen. 

Nachdem ich durch die WM etwas fußballmüde war, kehrt das Kribbeln so langsam wieder zurück. Einen ersten Schritt Richtung neuer Saison hatte ich in meiner Kolumne letzte Woche ja schon gemacht. Sportlich ist die letzte Saison ab jetzt abgehakt und alle Blicke richten sich auf Steinbach. Ob wir vielleicht mal wieder die erste Pokalrunde überstehen? Es wird Zeit für neue Helden!

Wer war der beste Newcomer 2017/18?

Nachdem wir nun schon den wichtigsten Spieler der Saison gewählt haben, kommen wir zur zweiten Kategorie: dem besten Newcomer des FCA. In dieser Kategorie werden nur Spieler berücksichtigt, die vor dieser Saison noch keine einzige Minute für das Profiteam des FCA im Einsatz waren. Bei Jugendspielern ist daher wichtig zu beachten, dass sie sehr wohl in einer früheren Saison im Kader gestanden haben dürfen. Als Newcomer-Saison zählt allerdings das Jahr, in dem sie zu ihrem ersten Einsatz gekommen sind. Manchmal kann es sich dabei nur um wenige Minuten am letzten Spieltag handeln (und viele kennen nun einen der diesjährigen Kandidaten schon). Zudem ist dies die Kategorie, in der Neuzugänge beurteilt werden. Neuzugänge werden hier allerdings auch nur dann berücksichtigt, wenn sie vorher nicht für den FCA gespielt haben. Wenn ein Leihspieler fest verpflichtet wird, findet er hier keine Berücksichtigung. Diesen Fall gab es allerdings in diesem Jahr nicht und wird es auch in der nächsten Saison nicht geben. Der FCA hat sich von einem Verein, der Spieler leiht, zu einem Verein, der Spieler verleiht, entwickelt.

Alles in allem gab es trotzdem einen Pool aus Spielern zur Auswahl und ich kann mir vorstellen, dass die Wahl zwischen zwei der Kandidaten eng werden könnte. Folgende fünf Kandidaten konnte ich über die ganze Saison hinweg identifizieren:

Simon Asta

Wenige Minuten am letzten Spieltag machten Simon Asta zum derzeit jüngsten Bundesligaspieler. Asta trainierte schon länger mit den Profis und war als Kandidat im Gespräch als sowohl Daniel Opare als auch Raphael Framberger für die rechte Abwehrseite ausfielen. Am Ende hat Manuel Baum auf dieser Position (zum vorerst letzten Mal?) einen Routinier in Johnny Schmid vorgezogen. Ansonsten hätte Simon Asta schon in dieser Saison den großen Durchbruch feiern können. So bleibt uns nun abzuwarten, ob diesem vielversprechenden Debüt vermehrte Spielzeit in der neuen Saison folgen wird, nachdem Asta nach Saisonende seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat. Wieder ein Talent aus der eigenen Jugend, das in Augsburg selbst sein Profidebüt feiern konnte. Es scheint zur Regel zu werden, und ich feiere es trotzdem hart.

Sergio Cordóva

Der Panther, der momentan durch seine blonde Frisur sehr auffällt, kam mit dem Label “großes Talent” aus Südamerika zum FCA. Spätestens als sich Alfred Finnbogason verletzte, bekam er seine Chance auch von Beginn an. Gerade mal 20 Jahre ist Cordóva alt und absolvierte in der abgelaufenen Saison 26 Spiele in der Bundesliga für den FCA, in denen er 2 Tore erzielte und 2 weitere vorbereitete. Hätte er sich zwischenzeitlich nicht selbst das Außenband im Knöchel gerissen, wären es wohl noch mehr geworden. Ich hatte vor der Saison erwartet, dass die Saison für ihn schwierig werden würde und er Zeit braucht, um sich einzugewöhnen. Seine Leistungen sind eine große positive Überraschung. Sein Potential macht zusätzlich Hoffnung für die Zukunft.

Michael Gregoritsch

Gregerl war schon ein Kandidat für den Titel des wichtigsten Spielers der Saison. Nach seinem Wechsel vom HSV zu uns, hat er mehrmals ordentlich eingeschlagen mit seinem linken Schlegel.  Mit 13 Toren hält er nun den Rekord für die meisten Tore in einer Bundesligasaison für den FCA, den er spitzbübisch André Hahn abknöpfte. Es stellt sich die Frage, wie dieser Kerl nicht der Newcomer der Saison sein könnte.

Rani Khedira

Ablösefrei wechselte Khedira aus Leipzig zum FCA, um hier seine Chance in der Bundesliga zu nutzen und seine Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. Khedira gehört mit 24 Jahren auch noch zu den jüngeren Spielern im Kader und konnte Dominik Kohr nach seinem Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen meist sehr gut ersetzen. Er ist ein fleißiger Arbeiter im Mittelfeld, dem kein Weg zu weit ist. Ich glaube, dass er sich bei seinen Vorstößen noch verbessern könnte, denn 1 Tor und 1 Vorlage spiegeln nicht seine Präsenz rund um den gegnerischen 16er wieder. Dabei scheint Khedira eher ein ruhigerer Charakter zu sein, der nie laut aufspricht. Khedira war wahrlich ein Neuzugang, der schon im ersten Jahr für den FCA einen wichtigen Beitrag geleistet hat.

Marco Richter

Ein Mann darf auf dieser Liste natürlich nicht fehlen. Nachdem er in der Hinrunde nur einmal kurz zum Zuge kam, war die Rückrunde geprägt vom Durchbruch Marco Richters. Er hatte in der U23 sein großes Potential gezeigt und dieses direkt gegen Eintracht Frankfurt bei seinem einzigen Tor auch in der Bundesliga aufblitzen lassen. Danach hatte er noch viele weitere gefährliche Aktionen, denn am Ende der Saison war Marco Richter aus der Startelf des FCA quasi nicht mehr wegzudenken. Wenn diese Entwicklung so weiter geht und Marco Richter den Platz auf der rechten Außenbahn weiter behält, dann erwarte ich nächste Saison wahrlich große Dinge. Technisch äußerst beschlagen, mit dem nötigen Spielwitz ausgestattet, wird er vielen Gegnern noch Kopfschmerzen bereiten.

Im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Neuzugänge auf der Liste. Die Transfers vor Saisonbeginn saßen. Zudem haben wieder zwei eigene Jugendspieler ihr Debüt feiern können. Es hat mich über jede positive Leistung gefreut, die Spieler auf diese Liste katapultierten.

Wer war der beste Newcomer 2017/18?

  • Marco Richter (62%, 58 Votes)
  • Michael Gregoritsch (28%, 26 Votes)
  • Rani Khedira (9%, 8 Votes)
  • Simon Asta (1%, 1 Votes)
  • Sergio Cordóva (1%, 1 Votes)

Total Voters: 94

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Jetzt liegt es an euch abzustimmen, wer der beste Newcomer der abgelaufenen Saison war. Stimmt ab und diskutiert! Habe ich evtl. jemanden vergessen? Die Abstimmung läuft nun bis zum 24.06.2017.

Hat die Tiefstapelei ein Ende?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Größer hätte der Unterschied zwischen Erwartungen und Realität nicht sein können. Die meisten Experten hatten den FC Augsburg vor der letzten Saison auf Platz 18 der Tabelle getippt. Mit dem Abstiegskampf hatte die Mannschaft in der letzten Saison dann nichts zu tun. Am Ende war Platz 12 das Resultat. Mehr als der Tabellenplatz bleibt mir in Erinnerung, dass es am Ende der Saison um nichts mehr ging. Wir hatten schon festgestellt, dass der FCA mit dieser Saison im Mittelmaß angekommen ist. Zumindest ist das unser Eindruck.

Viel hängt nun allerdings in der Sommerpause davon ab, wie der FC Augsburg auch außerhalb des Clubs wahrgenommen wird. Welche Möglichkeiten hält ein Spieler für realistisch, der sich überlegt zu wechseln? Während vor der letzten Saison auch außerhalb Augsburgs die Zweifel an der sportlichen Leitung in Person von Trainer Manuel Baum noch erheblich waren und selbst in Augsburg das System Reuter auf den Prüfstand gestellt werden sollte, so hat mittlerweile die breite Öffentlichkeit einen deutlich bessere  Meinung über die Beteiligten. Baum ist immer noch der sympathische, bodenständige Typ, der sich auch nicht scheut, über Druck und Belastung zu sprechen. In der letzten Saison hat er vor allem gezeigt, dass er Spieler verbessern und eine Mannschaft optimal auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen kann. Reuter steht über allem und hat in der letzten Sommerpause eine großartige Trefferquote bzgl. seiner Transfers bewiesen. Insgesamt sorgen die Verantwortlichen so dafür, dass aus den bestehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr gemacht wird als bei genügend Konkurrenten.

Und anscheinend sind nicht nur die Verantwortlichen selbst überzeugt, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Stefan Reuter hat mit seiner Arbeit in der Sommerpause gerade erst begonnen und schon weitere wichtige Bausteine für die Mannschaften der nächsten Jahre gesichert und verpflichtet. Ein wichtiges Zeichen waren zuerst der Vertragsabschluss von Simon Asta und die Vertragsverlängerung von Marco Richter. Nachdem Erik Thommy im Winter mitgeteilt hatte, dass er seine Zukunft nicht mehr in Augsburg sieht, konnte der FCA mit Asta und Richter zwei hochveranlagte Talente langfristig binden. Der eigene Nachwuchs ist dann doch meist von seinen Entwicklungschancen überzeugt und erkennt die positiven Entwicklungen.

Daneben konnte Reuter zwei weitere große Namen an den Lech locken. Nachdem sich André Hahn in der letzten Sommerpause noch für den HSV entschieden hatte und damit falsch gelegen war, kommt er nun doch nach Augsburg zurück. Hahn hatte nach seinem Wechsel von Augsburg nach Gladbach immer wieder sein großes Potential aufzeigen können, war aber auch immer wieder von Verletzungen geplagt. Der HSV war nun sportlich für kaum einen Spieler ein erfüllendes sportliches Umfeld in den letzten Jahren. Hahn hat in seinem Begrüßungsvideo angedeutet, dass er zurückkehrt und der Blick nach oben gerichtet ist. Anscheinend hat er den FCA in den letzten Jahren beobachtet und glaubt nun wieder daran, dass er gemeinsam mit dem Verein wieder erfolgreich sein kann.

In diesem Glauben ist er nicht alleine. Denn auch mit Julian Schieber kommt ein Spieler aus Berlin, der schon für deutliche größere Vereine aktiv war. 156 Bundesligaspiele und auch einige Treffer gegen den FCA zeugen von einem erfahrenen Spieler. Nun hatte auch Schieber mit Verletzungen zu kämpfen und wäre sonst wohl für den FCA nicht verfügbar, aber dennoch werte ich es als ein positives Zeichen, wenn sich ein solch ein positiver Typ für uns entscheidet.

Das heißt nun nicht, dass sowohl Hahn als auch Schieber in Augsburg einschlagen werden. Die Verpflichtungen waren allerdings günstig. Hahn ist erst 27 und kostete gerade einmal 3 Millionen EUR Ablöse. Schieber kommt ablösefrei. Beide füllen offensichtliche Lücken im Kader. In der letzten Saison fehlte eine adäquate Alternative hinter Alfred Finnbogason. Rechts vorne konnten weder Jonathan Schmid noch Marcel Heller überzeugen und Marco Richter kann seine Stärken im Zentrum besser ausspielen. Alles in allem hat sich der FCA in dieser Transferperiode bisher ausschließlich verbessert.

Neben dem Zutrauen von außen wird es allerdings in dieser Sommerpause darauf ankommen, wohin der Weg unserer aktuellen Leistungsträger führt. Wenn sich die Gruppe um Alfred Finnbogason, Michael Gregoritsch, Philipp Max und Jeffrey Gouweleeuw mehrheitlich entscheidet, dem FCA die Treue zu halten, dann müssen selbst geborene Tiefstapler eingestehen, dass das Ziel wohl eher erneutes  Mittelmaß statt Abstiegskampf sein wird. Es wäre ein schöner Gedanke. Bis dahin bleibt zumindest der Eindruck, dass uns außerhalb von Augsburg zumindest in der nächsten Saison weniger Konkurrenten unterschätzen werden. Auch wenn einige von Ihren Spieler den Weg bis dahin zu uns finden werden, wird es nicht leichter werden. Aber leicht war es noch nie und auch damit kennen wir uns aus.