Und wenn sie nicht gestorben sind…

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de. 

Der FCA gibt auf Trainersuche nicht immer ein glückliches Bild ab. Aus Sicht eines Fans will man natürlich möglichst schnell den perfekten Coach verpflichtet haben. Fachlich und persönlich topp, und dazu soll er auch noch zum Verein passen und wirtschaftlich überhaupt vertretbar sein. Nicht so einfach, wenn man es sich mal überlegt.

Vor der Winterpause war es beim FCA mal wieder so weit. Sandro Wagner wusste nicht mehr weiter, der Verein reagierte und erstmal übernahm Manuel Baum den Auftrag bis zum Winter. Und dann? Sollte ein Neuer kommen. Aber wer? Manuel Baum machte in der Zwischenzeit einen guten Job. Gewann gegen Leverkusen. Schaffte es, dass die Mannschaft Spiele wieder eng gestalten konnte. Es liest sich nicht so gut, wie es damals war. Hoffenheim hatte den Wagnerschen FCA noch auseinander genommen.

Verlängerung, die Erste

Manuel Baum hatte in dieser Phase manchmal Pech, aber sein Arbeitsprozess funktionierte sichtlich. Warum dauerte es trotzdem so lang, bis der FCA mit Manuel Baum bis zum Sommer verlängerte? Man kennt sich, weiß was man aneinander hat und verhielt sich wie gute Freunde, die ihre Freundschaft nicht für eine kurze Affäre aufs Spiel setzen wollten.

Aus Friends wurden dennoch Friends mit Benefits. Am Ende war es einfach zu passend mit Manu Baum weiter zu machen und für diesen, in der Bundesliga ein Team als Cheftrainer zu betreuen.

Aus den regelmäßigen Benefits wurde mittlerweile eine heiße Affäre. Der FC Augsburg kletterte in der Tabelle nach oben. Das Team von Manuel Baum gewann gegen Heidenheim, St. Pauli, Wolfsburg und den FC Bayern und das sind nur die Teams, die mir direkt in den Sinn kommen. Ach ja, Köln am Freitag natürlich auch noch. Verloren hat man wenig (ratet wo ich zuletzt im Stadion war. Genau!). Manuel Baum wirkt in der Saison der Sandro Wagner Verpflichtung wie die heißeste Trainerentdeckung Deutschlands. Gerne nochmal lesen. Den FCA kann man mit einem Jungspund vergleichen, der sich unglaublich in die exotische Schönheit verliebt, nur um mit gebrochenem Herzen wieder zu Hause aufzuschlagen und sich von der alten Freundin trösten zu lassen und dabei die Liebe entdeckt.

Gibt es ein Happy End?

Und wir Rom Com Fans in Bayrisch-Schwaben fragen uns natürlich: Was passiert als nächstes? Erkennt unser Jungspund seine wahre Bestimmung, oder stürzt er sich in das nächste Abenteuer? Wird der FCA die Beziehung mit dem Cheftrainer Manuel Baum über den Sommer hinaus ausdehnen? Und lässt sich Manuel Baum darauf ein, obwohl er doch weiß, wie sprunghaft unser Jungspund in den letzten Jahren so war? Der FC Hollywood verweilt momentan zwischen Lech und Wertachstrand.

Das Ende ist dabei natürlich komplett vorhersehbar. Manuel Baum ist äußerst gerne Cheftrainer in der Bundesliga und hat zu keinem Verein eine solche Bindung wie zum FCA. Hier werden ihm auch Ausrutscher (Gladbach, wie immer) verziehen. Der FCA weiß um seine Probleme bei der Trainersuche. Natürlich werden es die beiden miteinander probieren. Manuel Baum bekommt zwei Jahre Vertrag mit dem erklärten Ziel: Europa. Es muss die große Liebe werden und die kennt keine Ländergrenzen. Wenn sich Braut und Bräutigam küssen, spielen im Hintergrund Roy Bianco und die Abbrunzati Boys.

Auf der Suche nach Konstanz


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Ich bin es ja mittlerweile gewöhnt, dass das Fan-Dasein beim FCA mich mitnimmt wie eine Achterbahnfahrt. Aber selbst, wo ich einiges gewöhnt bin über die Jahre hinweg (und so ein Geburtstag ist ja ein guter Moment ein paar Highlights Revue passieren zu lassen), hat diese Saison besonders viele High- und Lowlights. Zwischen himmelhochjauchzend und absoluter Misere war alles schon dran, mehrfach. Zeit, dass nun Konstanz einkehrt und zwar im positiven Sinne.

Ergebnisse

Dies betrifft zu allererst die Ergebnisse des FC Augsburg. Nachdem das Team von Manuel Baum gegen den FC Bayern gewonnen hat, heißt es jetzt in den kommenden Spielen: nachlegen. Dabei ist schon klar, dass das Team gegen Gegner wie St. Pauli und Mainz sportlich anders agieren muss als noch gegen den FC Bayern. Auf der anderen Seite muss der FCA auch einfach mal in diesen Spielen über 90+x Minuten konstant agieren.

Konstanz in den Ergebnissen gab es in 2026 bisher nicht. Gegen Gladbach leistete man sich ein kleines Debakel zum Jahresstart. Gegen Union Berlin und den SC Freiburg konnte man Führungen nicht über die Zeit bringen, aber immerhin war man in beiden Spielen mittendrin statt nur dabei. Und das Highlight, die Saisonbestleistung gegen den FC Bayern München brauche ich an dieser Stelle nicht weiter hervorheben. Ergebnisseitig wenig Konstantes bisher. Zeit, dass sich das ändert.

Personell

Manuel Baum scheint nach 7 Spielen in unterschiedlichen Variationen seine Stammelf gefunden zu haben. Ja, er wechselt auch bedingt durch den sportlichen Ansatz. Seine Achsen hat er allerdings gefunden und Spieler danken es ihm mit verbesserten Formkurven.

Dies geht von Finn Dahmen im Tor, der gegen die Bayern in brenzligen Situationen rettete. In der Innenverteidigung ist Keven Schlotterbeck der Anker, der unter Baum auch die Kapitänsbinde trägt. Auf den Außen liefern sowohl Giannoulis als auch Fellhauer ab während Massengo in der Mitte sich zum Fixpunkt herauskristallisiert. Vorne ist mittlerweile wieder Alexis Claude-Maurice Dreh- und Angelpunkt des Augsburger Offensivspiels und dankt es Baum mit Torbeteiligungen.

Diese personelle Konstanz fördert Vertrauen und Automatismen unter den Spielern und die positiven Effekte davon sind mittlerweile zu erkennen.

Nächste Stufe oder einzelner Ausreißer

Die Frage, die die Mannschaft nun beantworten muss: War das Spiel gegen den FC Bayern ein Einzelfall? Oder kann man andernfalls erkennen, dass die Entscheidung bis zur Sommerpause weiterhin auf Manuel Baum zu setzen, absolut richtig war. Der FCA wollte durch die Trainerverpflichtung nicht seine sportliche Idee über Bord werfen proaktiven Fußball zu spielen. Er wollte zudem weiter auf die eigene Jugend bauen. Trägt dies in der Bundesliga direkt Früchte, weil Manuel Baum eine kurze Anlaufzeit hatte?

Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Saison für den FC Augsburg führt. Findet man zur Konstanz, dann wird man im Februar den Grundstein für eine sorgenfreie Saison legen können. Auf der anderen Seite droht Abstiegskampf bis zum Saisonende. Kann der FCA die Achterbahnfahrt etwas bremsen? Die Wahrheit liegt mal wieder auf dem Platz.

Es ist vorbei

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Mit der Verpflichtung von Sandro Wagner als Cheftrainer hat sich der FC Augsburg in diesem Sommer was getraut. Die Person Sandro Wagner war in mehrerlei Hinsicht eine mutige Entscheidung. Einerseits verfügte Sandro Wagner zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung über keine Cheftrainererfahrung im Profibereich. Andererseits polarisiert die Person Sandro Wagner mehr, als der ganze FCA zusammen. Das Experiment hätte man betiteln können mit: „Die graue Maus sucht die Aufregung: FCA verpflichtet Trainer-Toptalent Sandro Wagner“.

Ich selbst habe mich eingereiht in die Riege derer, die sowohl Potential als auch Gefahr der Verpflichtung gesehen haben. Jess Thorup hat den FCA stabilisiert, der sportliche Ansatz war allerdings mit „konservativ-defensiv“ noch positiv umschrieben. Zudem ging Thorups Team zweimal zum Saisonende die Luft aus. Am Ende wurde dies Thorup und nicht seinem Team angelastet. Sandro Wagner sollte hier Beihilfe schaffen. Killer-Instinkt, proaktivere Spielgestaltung und dazu noch die eigenen Jungen einbauen. Klang zu verlockend, als dass es der FCA nicht probieren wollte.

Das Experiment ist gescheitert

Nach 12 Spieltagen und einigen Klatschen – der letzten unter Wagner am Samstag in Hoffenheim – ist Wagners Weg in Augsburg auch schon wieder zu Ende. Wagner ist wahrscheinlich vor allem an Wagner gescheitert. Benni Weber wird in der Pressemitteilung zum Wagner-Abschied zitiert, dass das Ziel nun sei, die Mannschaft zu stabilisieren und zu punkten. Der FCA macht einen Zwischenschritt. Dieser resultiert aus dem notwendigen Pragmatismus, der sich ergibt, wenn eine Mannschaft sich regelmäßig präsentiert wie gegen die TSG aus Hoffenheim: defensiv offen wie ein Scheuentor.

In einer solchen Situation ist es notwendig, nicht zu sehr an den eigenen Prinzipien festzuhalten sondern Lösungen zu finden. Gemeinsam. Der Glaube an die gemeinsame Lösungsfindung scheint derweil beim FCA zwischen den Beteiligten nicht mehr vorhanden gewesen. Und so ist es eher weniger ein Rauswurf, als eine gemeinsame Beendigung der Zusammenarbeit geworden, die die Episode Sandro Wagner beim FC Augsburg beendet. Es passt irgendwie ins Bild, dass diese für den FCA recht verrückte Zeit, auf so pragmatische Art und Weise endet.

Was kann man mitnehmen?

Der FCA bleibt ein Verein, der Dinge aus Überzeugung tut und einem konkreten Plan folgt. Sandro Wagners Verpflichtung hielt man im Sommer für den nächsten Schritt, im Dezember ist man schlauer. Ob man die Verpflichtung als „Fehler“ bezeichnen muss, wird sich erst noch zeigen. Die Frage ist ja, was man aus dem Ganzen lernt. Warum hat es mit Sandro Wagner nicht geklappt? Nach was hätte Michel Ströll in den langen geführten Gesprächen vor der Verpflichtung fragen müssen, um diesen Ausgang zu verhindern?

Sandro Wagner hat dem FC Augsburg einen Schubs gegeben. Er hat Prozesse angestoßen. Er hatte leider keinen nachhaltigen sportlichen Erfolg. Auf der Pressekonferenz nach seiner Verpflichtung war ich es, der ihn gefragt hatte, ob er wüsste, dass Trainer meist nicht lange in Augsburg bleiben. Dies gilt am Ende des Tage noch mehr für Sandro Wagner, der sich noch weniger verbiegen lässt als seine Vorgänger. Und der FCA wird für seinen Mut weiterhin nicht belohnt, weil am Ende die Voraussetzungen weiterhin nicht passen. Vielleicht war es zu früh für Sandro Wagner beim FCA, vielleicht war der FCA zu früh für Sandro Wagner. Es ist müßig über Schuld zu diskutieren und den Schwarzen Peter zu platzieren. Ich mag an dieser Stelle Sandro Wagner für die Schübse für den FCA und seinen Einsatz und seine Arbeit danken. Ich mag ihm auch Erfolg wünschen für seine Zukunft als Trainer. Sandro Wagner ist eine Bereicherung für den Fußball. Danke, Sandro.

Veränderungen brauchen Zeit und es gilt jetzt den richtigen Trainer zu finden, der den FCA zwar in die richtige Richtung auf seinem Weg befördert, die Organisation und Mannschaft dabei aber nicht überfordert sondern Stück für Stück stärkt. Die Auswahl der richtigen Person wird erneut ein spannender Prozess.  

Manu, mach es nochmal!

In der Zwischenzeit ist es an Manuel Baum für Hoffnung zu sorgen. Und Hoffnung darf man wohl haben. Manuel Baum hat in seiner ersten Amtszeit in einer ähnlichen Situation übernommen und direkt gegen Gladbach und Dortmund gepunktet. Auch damals war er nur als Interimslösung angedacht. Jetzt beim zweiten Lauf wird sich zeigen, was er in der Zwischenzeit gelernt hat. Gladbach konnte er damals ordentlich überraschen. Warum nicht auch Leverkusen jetzt am Wochenende? Später verhalf er vielen Jugendspielern zu ihrem Durchbruch. Am kommenden Wochenende hoffen viele auf den Nikolaus. Ich hoffe darauf, dass Manu Baum dieses Team direkt aus der Versenkung hebt, damit die Arena weihnachtlich grün leuchtet.

Bei Niederlagen in der Kurve? „Wagner, du Feigling“

Das Band zwischen Fans und Mannschaft bestehe weiter, verkündete der Augsburger Vorsänger nach der enttäuschenden Pokal-Niederlage gegen den VfL Bochum. Die Ulrich-Biesinger-Tribüne stehe nach wie vor hinter dem Team. Aber tut sie das auch hinter dem Trainer? Der Unmut gegenüber Sandro Wagner wird immer größer. Die Rosenau-Gazette hat am Rande des Pokalspiels ein paar Stimmen und Eindrücke gesammelt.

Wagner: „Wenn wir verlieren, komme ich“

Kurz nach Abpfiff entlud sich auf den Stehplätzen der an diesem Dienstagabend spärlich besetzten Augsburger Arena (nur 20.280 Zuschauer) der ganze Frust. Die Mannschaft steuerte geknickt auf den Heimblock zu, Chefcoach Sandro Wagner aber schaffte es nicht über den Mittelkreis hinaus. Als er dann in Richtung Kurve applaudierte, schlug ihm ein deutlich hörbares Pfeifkonzert entgegen. Zur Erinnerung: Wagner hatte vor wenigen Wochen betont, er wolle bei Siegen nicht im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen. Vielmehr würde er bei Niederlagen in die Kurve gehen. Wörtlich sagte Wagner damals, nach der 1:4-Pleite gegen zehn Mainzer: „Es ist mir ganz wichtig. Wenn wir die Spiele gewinnen, komme ich nicht. Dann sollen die Spieler gefeiert werden und wenn wir die Spiele verlieren, dann komme ich.“ Es sei seine Philosophie „dass ich mich dann schon vorne hinstelle“.

Doch das waren offenbar nur leere Worte. Wie schon nach der desolaten Vorstellung gegen Leipzig vermied der Trainer den Gang in die Kurve. „Wagner, du Feigling“, kommentierte ein Fan am Dienstag im L-Block, begleitet von „Verpiss dich“-Rufen und einigen Beleidigungen, die wir an dieser Stelle nicht wiedergeben.

Verliert Wagner den Rückhalt unter den eigenen Anhängern?

Wer sich nach dem Spiel unter den Fans der Ulrich-Biesinger-Tribüne umhörte, merkte zumindest eine gewisse Wut auf den Coach. „Ich wünsch mir Thorup zurück“, sagte uns eine Anhängerin aus dem Allgäu. „Was ist denn unter Wagner besser?“, fragte ihre Begleitung, um die Antwort gleich selbst zu liefern. „Gar nix.“ Das sei heute eine „katastrophale Leistung“ gewesen, meinte ein anderer Fan. Der Trainer trage dafür die Verantwortung. „So steigst du ab.“ Vereinzelt waren gar „Wagner Raus“- Rufe zu hören.

„Ein Trainerwechsel wäre völlig idiotisch“

Andere Fans äußerten sich im Gespräch mit unserer Redaktion differenzierter. „Ein Trainerwechsel wäre völlig idiotisch“, meinte ein Fan aus Oberbayern. Man habe sich mit Sandro Wagner für ein Projekt entschieden, das man nicht einfach nach ein paar schlechten Spielen beende, argumentierte er. „Außerdem müssten dann auch Ströll und alle anderen Verantwortlichen gehen“, pflichtete ihm sein Kumpel bei. Ein anderer Fan, ein gebürtiger Augsburger, äußerte sich ähnlich und gab sich optimistisch. „Ich bin von Sandro Wagner überzeugt. So Spiele wie heute tun weh, gehören für den FCA aber leider nun mal dazu.“ Wagner werde es den Kritikern schon bald beweisen. Die nächste Gelegenheit dazu hat er schon am Freitag. Dann kommt Borussia Dortmund ins Schwabenstadion. Mit Wagner in der Kurve?

Weiterhin auf der Suche

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de. 

Augsburg ist fußballerisch momentan eine faszinierende Stadt. Wenn man sich über den FCA unterhält, dann geht es nur um Trainer Sandro Wagner. Und dieser Trainer-Fokussierung bin ich nicht gewöhnt. In all den Jahren, in denen ich den FCA verfolge, hat noch nie ein Trainer so polarisiert wie Sandro Wagner (aber auch nur weil Jens Lehmann nur ein Co-Trainer war). Entweder man findet Sandro Wagner nicht so toll (setzt das entsprechende Wort gerne selbst ein), oder man ist Wagner Fan. Es ist Länderspielpause. Vielleicht blenden wir Wagner mal ein bisschen aus und machen drei Schritte zurück. Wo steht der FCA?

Der FCA ist ein Verein in Entwicklung. Gerade im sportlichen Bereich hat man über die Jahre immer wieder versucht, durch strukturelle und persönliche Wechsel Veränderungen herbei zu führen und positive Entwicklungen anzustoßen, nachdem der Verein über Jahre nicht nur still stand sondern immer weiter abrutschte.

Der Wendepunkt

Den Beginn dieser Suche nach Verbesserungen packe ich in den Mai 2022. Markus Weinzierl hatte dem Verein mitgeteilt, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern würde. Klaus Hofmann hatte kurz zuvor sein Amt als Präsident niedergelegt. Der Club ging auf eine längere Suche nach einem neuen Trainer und anstatt einen alten Bekannten von irgendwem zu verpflichten, holte man Enno Maaßen um attraktiveren Fußball spielen zu lassen und die eigene Jugend zu stärken.

Auf diesen Wendepunkt folgten viele weitere Entwicklungen. Max Krapf wurde Präsident. Stefan Reuter ging, Marinko Jurendic kam und wurde nun in diesem Sommer von Benni Weber abgelöst. Auf dem Trainerposten folgte Jess Thorup auf Enno Maaßen, der nun durch Sandro Wagner abgelöst wurde. Die einzige personelle Konstante ist Michael Ströll, Alleingeschäftsführer und starker Mann. Konstant ist zudem die Idee, nach einer sportlichen Weiterentwicklung zu streben.

Das sportliche Problem

Sportlich haben alle Trainer seitdem die gleiche Problemstellung zu bewältigen. Sie sollen attraktiveren, offensiveren Fußball spielen lassen. Auf der einen Seite führt ein erhöhter Fokus auf die Offensive dazu, dass in der Defensive mehr Risiken eingegangen werden müssen. Enno Maaßen hat 1:1 gegen den Ball verteidigen lassen. Seine Verteidiger haben genügend der Duelle verloren und der FCA zu viele Tore kassiert. Maaßen hat nie das Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive gefunden.

Auch Jess Thorup kam mit dem „Offensive Mindset“ in die Stadt. Direkt gegen Heidenheim wurde ein Tor-Feuerwerk gezündet. Letzte Saison zu Hause gegen Mainz kassierte er ordentlich und fing dann an den Bus vor dem Tor zu parken. Auf einmal war der Wille zu offensiv-orientiertem Fußball weg. Am Ende der Saison dann auch die Verantwortlichen, Thorup und Jurendic, selbst. Der FCA wusste welchen Weg er gehen wollte und war wieder auf der Suche nach einer funktionierenden Konstellation, die den Verein in die richtige Richtung befördert. Auch Sandro Wagner muss weiterhin das Rätsel des Gleichgewichts lösen.

Die Mannschaft

Man kann allerdings konstatieren, dass der FCA zumindest im Bezug auf das eigene Team Schritte nach vorne gemacht hat. Die Situation für Sandro Wagner ist deutlich leichter als damals Enno Maaßens Ausgangslage. Die Mannschaft verfügt mittlerweile wieder über Leistungsträger. Bei den Namen Dahmen und Matsima glänzen Augen. Zudem hat sich etwas grundsätzliches gewandelt. Noch vor wenigen Jahren haben Spieler schnell davon geredet, den nächsten Schritt bei einem anderen Club machen zu wollen. In diesem Sommer war dies von keinem zu hören. Und alle Leistungsträger sind geblieben.

Den sportlich Verantwortlichen ist es zusätzlich auf zwei Arten gelungen das Team zu verstärken. Einerseits wurden clevere Transfers getätigt. Ich bin gespannt, ob die Verpflichtung von Fabian Rieder am Ende alle anderen Transfers dieses Sommers überragen wird. Ich finde allerdings auch die Verpflichtung von Han-Noah Massengo sehr gelungen, genau wie auch den Zugang von Elias Saad. Der Trainer hat Wahlmöglichkeiten. Daneben, und hierfür kann man sich in Augsburg in dieser Länderspielpause doppelt auf die eigenen Schultern klopfen, konnte man sowohl mit Mert Kömür als auch mit Noahkai Banks, und damit mit den Top Talenten aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum. verlängern. Beide haben sich sportlich weiterentwickelt. Kömür ist zu einem Unterschiedsspieler gereift. Wenn nun nach den Spielen gegen Mainz und Heidenheim über den Kader hergezogen wurde: ich bin hier nicht dabei. Das ist in der Spitze und in der Breite das beste Augsburger Team in der Bundesliga.

Das Ziel im Blick

Was an der Stelle beruhigen sollte, außer dem guten Team? Der FCA hat seit einigen Jahren sein Ziel fest im Blick. Aktiver Fußball ist weiterhin die Devise, und das kann grundsätzlich nur attraktiver sein, als die volle defensive Orientierung. Es wäre ein Wunder gewesen, wenn Sandro Wagner die Lösung für das Problem nach 6 Wochen in der Bundesliga parat gehabt hätte. Ob er das Puzzle irgendwann löst? Wir werden sehen.

Muss man derweil seine Herangehensweise mögen? Nein, das muss man nicht. Bei aller Polarisierung sollte die Mannschaft und Wagner eine faire Chance und genügend Zeit bekommen, um sich zu versuchen. Auf der anderen Seite darf die Suche nach der sportlichen Lösung nicht jeden Spieltag im Mittelpunkt stehen. Manchmal muss es reichen mit Energie und der nötigen Intensität, pragmatische Lösungen zu finden. Gerne schon gegen Köln. Denn auch wenn man ein großes Ziel vor Augen hat, so müssen doch regelmäßig Erfolgserlebnisse her, um das Punktekonto zu füllen und die Moral nicht schwinden zu lassen.

Mit großer Macht kommt große Verantwortung

Man will ja nach dem Spiel des FC Augsburg gegen Mainz 05 gar nicht allzu viel über das Spiel selbst nachdenken. Wie schlecht der FCA einfach war. Wie schlecht Top-Spieler wie Matsima oder Massengo in manchen Situationen aussahen. Aber woran lag das nun? 1:4 verloren, und dass nachdem man beim Stande von 0:2 in Überzahl kam. Insgesamt eine recht peinliche Nummer, wie leicht es Mainz viel, uns im eigenen Stadion herzuspielen.

Mit der Leistung gegen Mainz gerät vor allem Trainer Sandro Wagner noch mehr in den Fokus. Die Anzahl der Fragen, die er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel beantworten musste, war deutlich höher als nach den vorherigen Spielen. Und das zu Recht. Auch in der Pressekonferenz vor dem Heidenheim-Spiel gab es massenhaft Fragen.

Der Plan funktioniert nicht

Wagner hatte schon gegen St. Pauli sein taktisches Instrumentarium überreizt. Man war in der ersten Hälfte auf eine tiefe Blockverteidigung gewechselt, anstatt aktiv das zweite Tor zu suchen. Aus seiner Sicht hatte man wenig zugelassen, allerdings kam St. Pauli auf diesem Wege zum Elfmeter und somit dann zum Ausgleich.

Wagner hatte nun nach dem Mainz-Spiel selbst angesprochen, dass er die Komplexität reduzieren müsse. Es war auch zu offensichtlich. Mittlerweile funktionieren die einfachen Automatismen auch bei sehr guten Fußballspielern nicht mehr. Top Verteidiger spielen einfache Fehlpässe. Konterverteidigung funktioniert nicht mehr. Und das bei einem Team, bei dem Wagners Vorgänger sehr solide Verteidigungsmechanismen etabliert hatte.

Dazu kommt dann auch noch, dass man auch in der Offensive nicht gefährlich war. Schlotterbecks Lattentreffer kam nach einer Ecke. Aus dem Spiel ergab sich für den FCA nicht viel. Auch nicht in Überzahl. Defensive Stabilität dekonstruiert, offensiv eher harmlos. Oh Shit!

Um den heißen Brei herum

Und Wagners Kommunikation ist dann weiterhin verbesserungswürdig. In der Pressekonferenz betonte er, dass er sich nach solchen Spielen immer vor seine Mannschaft stellen würde. Auf der anderen Seite fehlt im dabei die notwendige Konsequenz. Johannes Graf von der Augsburger Allgemeinen enttarnte dies mit einer sehr pointierten Nachfrage, indem er Wagner fragte, ob denn nun sein Plan oder die Umsetzung seiner Spieler zu der Niederlage geführt hätten. Anstatt nun in der Kommunikation den einfachen Weg zu gehen und die Antwort klar damit zu beginnen, den eigenen Plan zu opfern, antwortet er ausweichend. Einerseits gab er vor, seine Mannschaft schützen zu wollen, andererseits betont er die Rolle der Mannschaft auch bei der gemeinschaftlichen Erarbeitung des Plans. Man könnte herauslesen, dass die Mannschaft immer auch mitverantwortlich ist. Eine klare Übernahme der Verantwortung erfolgt damit nicht.

Ähnlich agierte er auch schon nach dem St. Pauli Spiel. Hier wurde seinerseits mehrmals die Möglichkeit Mert Kömürs betont, auf 2:0 stellen zu können, wenn er sich cleverer angestellt hätte. Wagners Entscheidung in die tiefe Blockverteidigung zu wechseln, war vielleicht noch mehr zu hinterfragen als Kömürs sekundenschnelle Reaktion auf dem Platz. Eine klare Kommunikation hinsichtlich dieser Entscheidung hat – im Gegensatz zum öffentlichen Feedback an der fehlenden Chancenverwertung Kömürs – nicht stattgefunden. Schade für einen Trainer, der sich angeblich vor sein Team stellen will.

Lernkurve möglich?

Die Frage, die sich nun für diese Woche stellt: lernt Wagner aus seinen Fehlern? Er ist der Cheftrainer eines Bundesligisten, dessen Mannschaft am Wochenende sportlich zerlegt wurde. Wenn das Spiel gegen Mainz kein Weckruf war, dann weiß ich auch nicht mehr.

Für Wagner ergeben sich wichtige „Learnings“. Einerseits muss er sportlich mit seinem Team zu den Basics zurück. Gegen Heidenheim geht es nun überhaupt nicht darum, zu glänzen. Es geht darum, ein Bundesligaspiel zu gewinnen. Und wenn die Basics nicht sitzen, dann wird das in dieser Liga nichts.

Auf der anderen Seite stößt Wagners Kommunikation rund um die ersten schlechten Ergebnisse nicht gerade positiv auf. Immerhin hat er in der Pressekonferenz nach dem Mainz-Spiel überhaupt ein Statement abgegeben. Auf der anderen Seite sind seine Aussagen zu lang und er verheddert sich in der eigenen Kommunikation. Das kann einem leid tun. Sandro Wagner täte aber auch gut daran, wenn er erkennen würde, dass die kommunikativen Anforderungen an ihn als Bundesligatrainer andere sind als in seinen vorherigen Positionen. Wenn er sportlich Zeit braucht, um seine Themen umzusetzen, dann könnte er sich diese durch bessere Kommunikation verschaffen und sollte sich bei diesem Thema helfen lassen. Es ist mal wieder so: Der FCA kann gerade jede Hilfe brauchen, die er bekommen kann.

Romanes eunt domus

Eine fantastische Szene in Monthy Pythons „Das Leben des Brian“ ist der Versuch Brians, das Graffiti „Römer, geht nach Hause!“ in Latein an die Hauswand eines römischen Palastes zu bringen. Das geht im ersten Anlauf bekanntlich schief und die anschließende Lehrstunde mit einem Centurio zur korrekten Grammatik entzückt immer ebenso Altphilologen wie Altcineasten. Doch es ist anzunehmen, dass in Augsburg eher ungeliebte Lateinstunden als Monthy Pythons humoristisches Standardwerk die maßgeblichen Berührungspunkte mit den Römern in Augsburg waren – zumindest bis in die jüngere Vergangenheit. Denn neuerdings gewinnt das Römerthema in der Stadtkultur eine ungeahnte Popularität, was nicht nur Stadtführer und Kulturpolitiker erfreut. Der FCA und sein umtriebiger Ausstatter Mitsuno haben mit dem Römertrikot bereits 2024 den Nerv der Stadt und Fans getroffen und bespielen das römische Thema in diesem Jahr noch gekonnter. Das Römertrikot 2025 war in der ersten Auflage schneller ausverkauft als man Cicero sagen konnte und dies erst der Anfang des neuen FCAxRömerhypes. Erklärbar ist das schnell. Das Design ist ansprechend und schwarz-gold mittlerweile auch recht präsent in der Bundesliga, wobei man auch sagen könnte, dass der FCA da einen aktuellen Trend bedient. Aber mit dem römischen Erbe hat der Verein ein funktionierendes Alleinstellungsmerkmal gefunden. Endlich möchte man sagen. So zeigte das Puppenkisten-Thema bislang noch keine Erfolge im steten Bemühen, das provinzielle Image abzulegen. Und so wird stattdessen die Provinz (Raetien) umarmt. Das trifft auf viele Sympathien in einer Stadt, die seit jeher einen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex gegenüber den anderen bayerischen Metropolen pflegt. Ein Komplex, der freilich auch durch die bayerische Politik nur allzu gerne bedient und gefördert wird. Und so wird die Möglichkeit, dem bayerischen Nachbarn die eigene Geschichte im schicken Bundesliga-Trikot unter die Nase zu reiben, gerne genutzt. In Augsburg wurde schon Profifußball gespielt, da war München noch eine recht einsame Furt.

Die Entdeckung des römischen Erbes erfreut nicht nur die Historiker. Denn die Beteiligung der Augsburger Stadtarchäologie bei der Präsentation des neuen Römertrikots rückt an ungewohnter Stelle die Arbeit der Archäologen und die Bedeutung römischer Überreste in den Fokus, was wiederum im Zeughaus bestaunt werden kann. Und vielleicht wird sich der Fan-Nachwuchs künftig nicht nur Fußballprofi auf den Berufswunschzettel schreiben sondern auch das nicht ganz so glamouröse Archäologiestudium ins Auge fassen. Und vielleicht, ganz vielleicht, nutzt der FCA seine neue bayerisch-römische Popularität und seine Einfluss in der endlosen Debatte um das lange überfällige neue Römermuseum. Immerhin setzt die Marketing Abteilung gerade alles auf die Römerkarte. Man könnte auf die Idee kommen, da etwas zurückzugeben und sei es nur ein Engagement im Sponsoring.

Dass der neue Trend in seiner ganzen Konsequenz auch zu weit führen kann, zeigt aber der neue Spielertunnel. Einige Vereine versuchen ja, die lokale Identität schon auf dem Weg zum Spielfeld in das Bewusstsein der Spieler und Zuschauer zu rücken. Sehenswert ist der Spielertunnel „auf Schalke“, eine Remineszens an die Grube und den Pott. Inmitten der etwas absurd plastikhaften Stollenszenerie vergisst man doch schnell den ebenso absurden Gehaltsunterschied, den die modernen Fußballkumpel vom echten Kumpel auf den Rängen trennt. In Augsburg wird dagegen auch das römische Erbe an die Wand gebracht, in feschen LED Leuchten und einem FCA Wappen als Mosaik, natürlich aus echtem italienischen Stein wie man stolz betont. Aber dass man doch die „antiken Amphitheater in Rom und Verona“ bewusst aufgreift und die ganze Inszenierung von „Kämpfen und Siegen“ in den verschlossenen Gittern mündet, die zum Einlauf geöffnet werden, ist dann doch mehr als unglücklich. Dass hier die Gladiatoren in die Arena geführt werden, das war schon im etwas gewöhnungsbedürftigen Spieltagsplakat zum Spiel gegen Bayern München zu erahnen. Vollendet schließlich zur besten Sendezeit im Topspiel der Bundesliga vor der halben Fußballrepublik. Da stört es die Inszenierung wohl kaum, dass die modernen Fußballstadien und der ganze Sport nicht im geringsten mit den antiken Spielen zu tun haben (sollten), auf die nun Bezug genommen wird.

War es noch einigermaßen ignorierbar, dass jedes zweite Stadion mittlerweile in Anlehnung an antike Nomenklatur als Arena tituliert wird, ist die Brücke, die nun geschlagen wird, denkbar unnötig. Die römischen Amphitheater waren keine Orte des friedlichen sportlichen Wetteifers, sondern blutige Stätten, in der wahlweise Tiere und Menschen in detailreich abgestimmten Choreografien aufeinander gehetzt wurden. Den Fußballer nun implizit als Gladiator zu stilisieren, der sich dem Kampf stellt, zeugt dann doch von schlechtem Geschmack und weniger Geschichtsbewusstsein, als gerne mit der Römerkampagne suggeriert wird. Rund um den Fußball, auf wie neben dem Platz, herrscht mehr als genug martialisches Auftreten. Das muss nicht noch künstlich gesteigert werden. Warum die Verantwortlichen es nicht einfach bei der Römertrikot-Kampagne belassen haben, ist nicht klar. Das hätte vollauf genügt, und vielleicht hätte man noch die ein oder andere Zirbelnuss darüber hinaus verkaufen können. Das Trikotdesign ist Geschmackssache. Die Römer-Arenen-Gladiatoren-Inszenierung ist ziemlich geschmacklos. Vielleicht dann doch wieder nächstes Jahr eine Rückkehr zur Puppenkiste?

Was steht auf dem Deckel?

Es ist in der letzten Zeit so viel und so schnell passiert, dass diese Länderspielpause auch mal gut tut. Nach neuem Trainer, neuer sportlichen Leitung, Pflichtspielauftakt und Topspiel bietet sich die Gelegenheit inne zu halten. Ich berichte in der aktuellen Podcastfolge, welche Transfers am Deadline Day noch vorgenommen wurden. Zusätzlich informiere ich auszugsweise über die Leistungen unserer Nationalspieler und blicke auf das Spiel gegen den FC St. Pauli voraus. Viel Spaß beim Reinhören!

Gewachsene Sehnsucht

Für mich ist Fußball weiterhin ein Stadionsport. Ich bin – und das habe ich meinen Eltern zu verdanken – mit Fußball im Stadion groß geworden. In älteren Stadien kann man einmal das Stadion vor dem Spiel umkreisen. Etwas essen, abhängen und sich auf das Spiel freuen. Wenn ich an die positiven Dinge meiner Kindheit zurückdenke, dann nimmt das Stadion einen wichtigen Platz ein. Das Stadion ist mein Happy Place.

Wenn es nach mir ginge, und ich keine allzu langen Wege zu den Stadien hätte, dann wäre ich jede Woche beim FCA im Stadion. Derweil habe ich eine Familie, Kinder, einen Brot-Job und wohne mehrere hunderte von Kilometern von Augsburg entfernt. Der Stadionbesuch ist daher etwas, das gut geplant und, wenn es denn soweit ist, weiterhin umsetzbar sein muss.

Vorfreude auf die neue Saison

Mit Blick auf die neue Saison freue ich mich am meisten auf die Stadionbesuche. Direkt zu Beginn geht es nach Halle zum Pokalspiel und es kribbelt schon arg. Später im Herbst habe ich weitere Heim- und Auswärtsspiele eingeplant, die ich besuchen will.

Die Vorfreude steigt umso mehr, weil ich mir sportlich Verbesserungen verspreche. Der FCA konnte in den letzten 5 Partien der Saison mal wieder nicht gewinnen. Der Mannschaft ging zum Ende der Saison hin die Luft aus. Jetzt heißt es: Neues Spiel, neues Glück. Neu dabei am Seitenrand Sexy Beast Sandro Wagner und im sportlichen Bereich die Augsburger Avengers rund um Benni Weber.

Der letzte Sieg?

Alle Augsburger Fans müssen schon etwas zurückdenken bis zum letzten Augsburger Sieg, den sie im Stadion verfolgen konnten. Ein Auswärtsspiel kommt mir sofort in den Sinne, wenn man an den letzten Sieg des FCA in einem Pflichtspiel zurückdenkt. 12.04. 2025. Ich werde diesen Tag aus unterschiedlichen Gründen lange nicht vergessen. Wir hatten von langer Hand geplant, dass wir auf dem Weg in den Osterurlaub in Bochum halt machen würden. Der eine Teil der Reisegruppe würde sich das Spiel anschauen, der andere Teil im Stadtpark abhängen. Nach dem Spiel ginge es dann zu unserer Enddestination. Soweit so gut. Der Plan war gemacht, das Spiel und damit den letzten Thorup-Sieg habe ich dennoch verpasst.

Schon in der Woche vor der Abreise wurde klar, dass nicht alles glatt lief. Eines unserer Kinder erkrankte und blieb vom Kindergarten zeitweise zu Hause. Ich erkrankte selbst. Auch bei meiner Frau zeigten sich gegen Ende der Woche Zeichen eines viralen Effekts. Sie war schlapp und erkältet. Das kranke Kind sorgte zudem dafür, dass es mit unseren vor dem Urlaub geplanten Arbeiten – sowohl im Job als auch zu Hause – nicht wie geplant voranging. Am Freitag noch war der Stresspegel am oberen Rand des Erträglichen.

Bochum verblieb dennoch auf dem Reiseplan und war noch nicht gestrichen. Für den Samstag verordneten wir uns aber erstmal, dass wir gemeinsam durchschnaufen. Wir frühstückten in Ruhe, packten zu Ende und machten das Auto fertig. Wir würden zwangsweise nicht so früh loskommen, wie es notwendig wäre, um entspannt in Bochum aufzuschlagen. Dafür hatten wir den kollektiven Nervenzusammenbruch zumindest aufgeschoben. Wie die Zeit so verrann, wurde mir aber schon klar, dass das eine enge Kiste werden würde. Unmöglich war es allerdings bei Abfahrt noch nicht. Mein Nervenzusammenbruch folgte dennoch.

Über die Autobahn und direkt über die Grenze

Denn die Einschätzung, dass der Stadionbesuch noch realistisch gewesen wäre, war wahrscheinlich schon bei der Abfahrt fehlerhaft. Auf die deutschen Autobahnen, das Verkehrsaufkommen und die Fehleranfälligkeit aller Beteiligten war denn auch Verlass. Auf der A3 bei Limburg galt es einen Stau bedingt durch zwei Unfälle zu überstehen. Google Maps zeigte zusätzlich im weiteren Streckenverlauf weitere Staus an, und machte somit ein Erscheinen pünktlich zu Spielbeginn unmöglich. Wer hätte gedacht, dass sich bei Leverkusener Heimspielen ein Rückstau auf der A3 ergibt? Da passen doch gar nicht so viele Menschen ins Stadion.

Nachdem wir einen recht deutlichen Umweg für am Ende eventuell eine Halbzeit Fußball gemacht hätten, und die Reisegruppe weiterhin nicht vollends genesen war, brach ich an dieser Stelle das Vorhaben Stadionbesuch ab. Bitter. Ich musste an dieser Stelle schon kurz in einen Stock beißen, um nicht frustriert aufzuschreien. Anstatt um 15:30 Uhr im Stadion zu sein, würden wir zu diesem Zeitpunkt ungefähr die Grenze gen den Niederlanden überqueren.

Vom Spiel abgeschnitten

Und das realsierte ich dann auch erst zu diesem Zeitpunkt: Über die Grenze, außerhalb der rechtlichen Reichweite von Sky Go. Ich war nun nicht mal mehr in der Lage das Spiel zu streamen. Meine Informationen würden sich auf Infos aus dem Live Ticker beschränken. Der FCA ging in der Folge durch Essende in Führung. Immerhin, so dachte ich zu diesem Zeitpunkt, spielt die Mannschaft eine souveräne Partie gegen Bochum. Es wäre nett in Bochum gewesen, aber langweilig.

Wir machten Rast, der Netzempfang war schlecht und die Nachrichten wurden nicht besser. Bochum wurde wohl stärker nach der Halbzeit und kam zum Ausgleich. Meine nervliche Anspannung nahm deutlich zu und ich versuchte in der Folge auf der Weiterfahrt die Laune im Auto nicht vollständig zu vergiften (über den Erfolg des Unterfangens gibt meine Frau immer noch gerne Auskunft). Spätestens mit der roten Karte von Arne Maier fiel mir das immer schwerer. In diesen Momenten hasste ich den Fußball und war zeitweise froh, dass wir es nicht nach Bochum geschafft hatten (immerhin!).

Das Spielende

Mit Spielende kamen wir unserem Reiseziel immer näher. Ich konnte allerdings nicht mehr ganz so hektisch den Liveticker updaten, weil wir den Weg finden mussten und sich unsere Ankunftszeit nach vorne verschoben hatten. Wir mussten mal so langsam Bescheid geben, dass wir kamen und überprüfen, dass uns Einlass gewährt würde. Alles etwas stressig und unübersichtlich.

Zwischendurch blinkte beim FCA die 2 für das zweite Tor auf. Erstmal freue ich mich hierüber nicht mehr. Danke VAR für nichts. Zwischen Ankunft, Check-In und dem Ausladen von Kindern und Gepäck realisierte ich, dass der FCA die Partie in Bochum wahrlich gewonnen hatte. Dreckig und unverdient. Einerseits ballte ich eine Sieger-Faust. Andererseits überkommt mich noch heute bei dem Gedanken daran der Wehmut.

Das Stadionerlebnis schlägt alles

Ich liebe diese Momente im Stadion. Du bist noch im Spiel, aber es sieht nicht gut aus. Du hörst aber nicht auf zu spielen. In einer recht ausweglosen Situation findest Du spielerisch eine Lücke und spielst den Assist des Jahres (Philipp Tietz, du Fußballgott). Dein eigenes Nachwuchstalent bekommt den Ball perfekt serviert und schließt eiskalt ab und erzielt damit das Siegtor in der Fremde. Mert Kömür läuft anschließend in die Kurve und springt jubelnd vor der Kurve nach oben. Beim Anblick der Wiederholungen und Bilder zerreißt es mir das Herz. Ich hätte dabei sein können.

Manch eine(r) wird sich nun fragen, was daran so schlimm ist. Das unterscheidet Menschen, die diesen eruptiven Moment in einem Fanblock bzw. ganz grundsätzlich schon mal selbst erlebt haben, von denen, die diesen Moment nicht kennen. Die Emotion dieses Moments ist so stark und schön, dass man sie immer wieder erleben möchte. Der Moment in Bochum ist mir durchgerutscht. Ich hoffe, das nächste  Erlebnis dieser Art lässt nicht zu lange auf sich warten. Ja, der Titel spricht für sich. Die Sehnsucht ist gewachsen. Wird schon gegen Halle ein Feiertag für uns und unseren FCA?

Genug ist genug

Es ist das Augsburger Friedensfest und der FC Augsburg hat die Gelegenheit genutzt, diesen bedeutungsvollen Tag mit einer Aktion zu kombinieren. Oh, denke ich mir da gleich in diesen ja doch schwierigen weltpolitischen Zeiten: Welche Aktion könnte das wohl sein? Wer Hoffnung hatte, es gäbe eine direkte Beziehung zum Frieden, der hatte sich – wie ich – getäuscht. Der FCA gab sein Ausweichtrikot in den Online-Verkauf.

Das dritte Trikot eines Bundesligisten ist normalerweise an Bedeutungslosigkeit kaum zu überbieten. Nur in Augsburg – wo der Hype Train seit der Verpflichtung eines jungen Amerikaners, nicht mehr ganz so rabiat über die Neuzugänge walzen darf – ist das im zweiten Jahr der heiße Scheiß. Der FCA kann Social Media Marketing und arbeitet sich an diesem Thema einmal ab. Es geht erneut um ein Römertrikot. Diesmal also die Version 2.0, des so beliebten Hemds aus der Vorsaison. Schwarz anstatt dunkelrot und mit feschem Kragen.

Jetzt bin ich der Erste, der ein schönes Trikot zu schätzen weiß. Ich habe mich über neon-gelbe Ausweichtrikots von Nike beschwert. In vielen Jahren waren die Trikots nicht originell und schon gar nicht ästhetisch. Dies alles hat sich durch die Partnerschaft mit Mizuno deutlich verbessert. Man merkt zudem, dass sich der FCA in Eigenregie um das Merchandise kümmert – mit Herzblut. Gott, ich war erst letzte Woche selber im Fanshop und habe mir ein Teil aus der neuen Kollektion geholt.

Der Römertrikot-Wahn geht mir allerdings aus mehreren Gründen auf die Nerven. Und sorry, liebe 28.000, die ihr eines der Leibchen ergattert habt: ich bin keiner von euch. Ich mag sachlich formulieren, was ich an dem Hype kritisch sehe, ohne dass ihr euch den Spaß verderben lasst. Freut euch an eurem Römertrikot und lasst euch die Laune nicht von mir verderben.

Marketing als Selbstzweck?

Wenn der FCA vor dem Verkaufsstart des Trikots den Presseverteiler mit Fotos und Details füttert, dann frage ich mich: Was soll das? Gibt es ein öffentliches Interesse am Römertrikot 2.0? Ist das etwas, was eine Sportredaktion bearbeiten sollte? Aus meiner Sicht wird das erst dann interessant, wenn die Spieler von den andauernden Fotoshootings zu ermüdet sind, um sich noch auf ihre hauptsächliche Tätigkeit zu konzentrieren. Ich glaube, dass ist nicht der Fall.

Auf der anderen Seite werden solche Themen gerade von dem ein oder anderen Sport-Portal oder manch Plattform im Sommerloch gerne aufgegriffen. Eine Nachricht ist, was Klicks bringt. In diesem Sinne immer her mit den Römertrikot-Bildern und rein in die Foto-Strecke. Man muss des dem FCA ja auch mal gönnen. Etwas mehr Aufmerksamkeit hat sich der Club verdient und man muss außergewöhnliche Wege suchen, wenn man an den Platzhirschen vorbei will. Wir werden aber halt über eine Marketing-Initiative, die mit Sport erstmal nichts zu tun hat.

Die soziale Komponente?

Jetzt hat Fußball ja auch etwas mit Gemeinschaft und Zusammenhalt zu tun, zumindest in meinen Augen. Als der FCA in die zweite Liga aufgestiegen war, hatte man extra einen günstigen Trikotpartner (doyoufootball) ausgewählt, damit sich viele ein Trikot für damals ca. 40 Euro ohne Flock leisten konnten. Die Trikots sind in der Zwischenzeit deutlich teurer geworden, und der FCA hat sich dem Markttrend nicht widersetzt. Auch in Augsburg mögen Bundesligafußballer fürs Kicken bezahlt werden.

Das Römertrikot treibt das Ganze noch auf die Spitze. Einerseits wird das Trikot künstlich verknappt (es war zum Verkaufsstart in manchen Größen schon mittags ausverkauft) und man kann gar nicht in Ruhe überlegen, ob man es überhaupt will. So werden doch einige zu unüberlegten Käufen verführt. Auf der anderen Seite gibt es auch dieses Jahr wieder eine Sonderedition in der Box. Hier wird den Mitgliedern Exklusivität vorgegaukelt und ein Preis von 300 Euro aufgerufen. Ein Römertrikot reduziert am Saisonende im Sale? Gab es bisher noch nicht. Menschen, die den Euro etwas mehr umdrehen müssen, um über die Runden zu kommen, werden so ausgeschlossen. Eigentlich schade.

Identitätsstiftend?

Anders handhabt der FCA den Umgang mit Social Media Influencern, die zumeist Fans anderer Clubs sind. Diesen wurde eine Sammler-Box kostenlos zur Verfügung gestellt, um diese über ihre Kanäle vorzustellen und somit den Hype noch mehr anzuheizen. Da kommt dann zumindest bei mir schon die Frage auf, ob man das wirklich noch so will. Craig Bellamy, Trainer der walisischen Nationalmannschaft, hat seinen Spielern sinngemäß den Trikottausch nach Spielen verboten, weil die Spieler zu hart für ihr Trikot gearbeitet hätten, um es zu verschenken. Der FCA nimmt es damit nicht mehr so genau. Wenn es kein Trikot wäre, dann wäre ich hier auch entspannter. Aber ich muss ja auch nicht alles cool finden.

Was zählt ist am Ende auch in diesem Trikot auf dem Rasen. Hier hat sich der FCA in der letzten Saison im ersten Römertrikot nicht viele Gefallen getan. Ich erspare euch eine Aufzählung der Pleiten in diesem Trikot. Die Leistungen waren teilweise erbärmlich. Ein Trikot gewinnt für mich dadurch an Wert, dass die Mannschaft in ihm Erinnerungen schafft, die ich damit identifiziere. Dies mag persönlich gerne jeder anders handhaben, aber ich kaufe mir gerne ein Trikot während einer Saison und lasse mir dann einen Spieler flocken, der sich für mich besonders hervorgetan hat. Der Spieler weiß nichts von der Ehre, aber ich sehe es als solche. Und mich ärgert es, wenn die Trikots schon ausverkauft sind, wenn ich mich entschieden habe. Beim Römer-Trikot brauchte man letzte Saison gar nicht soweit denken. Die Mannschaft dürfte diese Saison im Neuen dann trotzdem gerne besser spielen. Nur gut aussehen bringt nämlich auch nichts.

Erstmal abkühlen

Gerade in diesen wärmeren Tagen sollten wir uns jetzt erstmal abkühlen, gerade wenn ihr in den letzten Tagen in einer elendig langen Schlange standet, um ein Trikot eures FCA zu kaufen.. Der Römertrikot-Hype wird an uns vorbeiziehen. Wie viele Römer-Trikots soll es denn noch geben? Auf der anderen Seite kann der FCA dann nach dem Hype den Fokus wieder mehr aufs restliche Merchandise-Sortiment legen. Ich war mit meinen zwei Töchtern zuletzt im Fanshop und meine kleine Tochter war von den Farben der Torwarttrikots sehr angetan. Günstige Alternativen dazu in Kindergrößen (gerne Shorts und T-Shirts) wären toll und vielleicht ein „Full Kit Bundle-Angebot“. Sinngemäß hat sie nämlich auch gemeint: „Ist doch schade, wenn das so teuer ist, dann kauft das doch keiner.“ Fürs Römertrikot gilt das ja schon mal safe nicht.

Und im nächsten Jahr darf es dann gerne wieder eine richtige Aktion zum Augsburger Friedensfest sein anstatt diesen wichtigen Augsburger Feiertag mit Trikot-Marketing zu überlagern. Und hoffentlich haben die Onlineshop-Mitarbeiter dann auch frei und können feiern. Bis dahin ist nun erstmal wieder gut mit Trikot-Hype und Vorbereitung. Am kommenden Wochenende zählt es endlich wieder auf dem Rasen. Wie schnell die Freude über das Römertrikot abkühlt, wenn sich die Mannschaft in Halle schwertut? Egal. Jetzt geht es endlich wieder los, denn es reicht mit Stimmungsaufbau vor der neuen Saison. Heja FCA!

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