11 mündige Spieler sollt ihr sein

Man darf sich durchaus die Frage stellen, warum einerseits die Spieler auf Gehälter verzichten sollen und andererseits Millionensummen in neue Spieler, Ablösezahlungen und Gehälter investiert werden. Unlängst wurden im Boulevard Stimmen laut, dass die Abgänge von Daniel Baier und Andreas Luthe damit zusammen hingen, dass sich diese kritisch zu den geforderten Gehaltskürzungen äußerten. Der FCA wollte sich hierzu nicht äußern. Doch die Frage bleibt: Wie mündig dürfen Spieler sein?

Daniel Baier sagte auch neben dem Platz manchmal die unbequeme Wahrheit. Beim FCA wollte man sie wohl nun nicht mehr hören. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der medizinischen folgte die wirtschaftliche Krise. Kurzarbeit, Gehaltseinbußen und auch Jobverluste wurden zu allgegenwärtigen Begriffen und traurigen Aspekten der vergangenen Wochen und werden dies auch noch für unabsehbare Zeit sein. Auch den Profifußball traf dies mit voller Wucht, ohne Spielbetrieb seiner Wirtschaftsgrundlage beraubt. Dabei stand der millionenschwere Fußballzirkus unter besonderer Beobachtung und wurde zum vieldiskutierten Beispiel. Doch unabhängig davon, dass die Debatte auf allen Seiten oftmals mit mehr Emotionen anstelle von Argumenten geführt wurde, darf man doch skeptisch sein, ob Kurzarbeit auf Kosten der Sozialkasse, wie es in einigen Vereinen gerade der unteren Profiligen praktiziert wurde, angemessen gewesen sein mag. Hier war der Fußball ein besonderes Spiegelbild der Gesellschaft. Die Krise legte in manchen Bereichen auch eine jahrelange Misswirtschaft offen. Umso positiver ist es hervorzuheben, dass FCA Präsident Hoffmann Instrumenten wie der Kurzarbeit von vornherein ein Riegel vorschob. Ja mehr noch: der FCA machte einmal mehr eine gute soziale Figur und half mit der PR wirksamen Initiative “Augsburg hält zusammen 2020”.

Um dem Verein in der schwierigen Zeit entgegen zukommen, verzichteten schließlich auch die Spieler auf Teile ihres Gehalts. Doch die Investitionen, die dann getätigt wurden, geben mitunter Rätsel auf, gerade in Anbetracht der erwarteten Verluste. Eine millionenschwere Kaufoption und Neuzugänge, die mutmaßlich auch nicht zu den Geringverdienern zählen. Auch wenn diese Investitionen bis zu einem gewissen Grad sportlich Sinn machen mögen, überrascht es nicht wirklich, dass sich nicht nur den Fan wunderte sondern auch mancher Spieler nachfragte.

Stefan Reuters Entscheidungen bzgl. der Kaderzusammenstellung wurden laut eigenen Aussagen im AZ-Interview auch von nicht-sportlichen Faktoren beeinflusst. (Photo by MARTIN MEISSNER/POOL/AFP via Getty Images)

Dass nun der Präsident mögliche kritische Stimmen als unbotmäßige Kritik verstanden haben will, die ihm die Augen geöffnet habe, ist kein gutes Zeichen im Hinblick auf das derzeitige Binnenklima im Verein. Die Spieler sind auch Angestellte und Mitarbeiter, wie an anderer Stelle auch dürfen sie ein berechtigtes Interesse daran haben, was ihr Arbeitgeber mit den eingesparten Summen plant. Das muss keine basisdemokratische Mitsprache implizieren, aber es sollte doch eine Perspektive aufgezeigt werden, wohin das Schiff steuert. Das haben die Verantwortlichen vermutlich versäumt. Und nehmen nun womöglich die Spieler für die garstigen Widerworte in die Verantwortung. Ausgang ungewiss.

In einem höchst emotionalen Umfeld wie dem der Fußballvereine, millionenschwere Wirtschaftsunternehmen mit dem Image von wahlweise Familienunternehmen oder Malochervereinen, rückt natürlich das Agieren Einzelner sofort in den kritischen Fokus der Öffentlichkeit. Da ist der FCA kein Ausnahmefall, auch über Unions Sebastian Polter ergoss sich ein wüster Sturm der Entrüstung angesichts dessen kolportierter Weigerung, auf Gehalt zu verzichten. Doch auch hier gab es zwei Seiten. Der Profisport ist eine vollkommen überbezahlte Blase – was allerdings auch ein hausgemachtes Problem ist. Ein Problem von Investoren, Managern und Präsidenten, die diese Blase immer mehr befüllen. Dass die Spieler als mündige Angestellte zu Wort kommen möchten und Fragen stellen, wenn auch vielleicht für manchen Gutsherren unangenehme, sollte selbstverständlich sein.

Andi Luthe viel schon in der Vergangenheit als Mensch mit sinnvoller Meinung auf. Seine kritischen Nachfragen könnten nun beim FCA zum Abschied geführt haben. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Umso begrüßenswerter sind daher Initiativen wie das von Andi Luthe mitgetragene neue Spielerbündnis, das sich gerade erst hinsichtlich einiger völlig unangebrachter Äußerungen des Hannover 96 Patriarchen Martin Kind zu Wort meldete. Nicht nur die Fans sollten kritische Fragen stellen, auch die Spieler sollten dies tun. Es ist im Interesse aller Vereine und der mündigen Fußballkultur.

Was war die Panne der FCA-Saison 2019/20?

Letzter Teil unserer Abstimmungen: Nachdem sich Florian Niederlechner (wertvollster Spieler), Andreas Luthe (meistverbesserter Spieler) und Ruben Vargas (Newcomer der Saison) in den traditionellen Kategorien durchsetzen konnten, wollen wir nun ein neues Voting integrieren: Wir suchen nun die Panne der FCA-Saison. Nachfolgend kommen also fünf weniger glorreiche Momente aus der abgelaufenen Spielzeit. Klasse gehalten und sich mit etwas Humor erinnern.

Michael Gregoritsch (“Hauptsache weg”)

November 2019: Unter Martin Schmidt spielte Michael Gregoritsch überhaupt keine Rolle, stand zeitweise nicht einmal im Kader. Während der Länderspielpause lederte er dann öffentlich gegen den FCA: “Für mich ist klar, dass ich im Winter unbedingt von Augsburg weg will, damit ich die Möglichkeit habe, regelmäßig zu spielen und mich fürs Nationalteam zu empfehlen”, sagte der Österreicher damals. Ob er dann fix wechseln dürfe oder verliehen werde, sei ihm egal. “Hauptsache weg”. Darüber hinaus kritisierte er, dass ihn Manager Stefan Reuter im Sommer nicht hatte wechseln lassen und meinte: “Bei aller Liebe, aber ich habe jetzt ein halbes Jahr praktisch nicht gespielt. Da kann man sich nicht hinstellen und wieder eine zweistellige Millionensumme verlangen.” Der FCA suspendierte Gregoritsch und parkte ihn leihweise beim FC Schalke, nun ist der 26-Jährige wieder zurück. Nach seinem Frust-Interview schien er keine Zukunft mehr am Lech zu haben, doch vielleicht blüht der Offensivmann ja unter Heiko Herrlich wieder auf.

Quo vadis, Gregerl? In der Saison 2017/18 gelangen dem Österreicher 13 Tore und vier Vorlagen. Kann er daran noch einmal anknüpfen? (Photo by Christof STACHE / AFP)

André Hahn (vs. Köln)

Ein Tag zum Vergessen. Beim 1. FC Köln ergibt sich dem FCA im Dezember früh die Chance, in Front zu gehen. Nach Foul an Niederlechner zeigte Schiedsrichter Stieler in der 9. Minute auf den Punkt. Hahn übernahm Verantwortung, doch FC-Keeper Horn parierte den unplatzierten Rechtsschuss. Dann scheint dennoch alles nach Plan zu laufen. Erst sah Kölns Czichos in der 39. Minute die gelb-rote-Karte, dann netzte Niederlechner in der 43. zum 0:1. Eine Minute vor Halbzeitpfiff dezimierte sich dann aber auch der FCA. Hahn ging zu ungestüm in den Zweikampf und bekam ebenfalls Gelb-Rot, nachdem er zuvor bereits verwarnt wurde. Die wohl bitterste Halbzeit in der Karriere des Flügelspielers.

Heiko Herrlich (Zahnpasta)

Heiko Herrlichs Start als Cheftrainer des FC Ausgburg hätte ungewöhnlicher nicht sein können. Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt gab die DFL bekannt, die Bundesliga zu unterbrechen. Als nach mehr als zwei Monaten Corona-Pause endlich wieder gespielt werden durfte, fehlte Herrlich auf der Bank. Er hatte die strengen Hygieneauflagen der DFL missachtet und war zum Einkaufen gegangen, um sich Handcreme und eine Tube Zahnpasta zu besorgen. Blöd nur, dass er zu diesem Zeitpunkt eigentlich mit dem Team im Quarantäne-Hotel sein sollte. Doppelt blöd, dass er das alles auch noch selbst auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel aufdeckte und ganz unverblümt darüber sprach. Umso mehr dürfte sich der Coach gefreut haben, als der FCA in seinem “echten Debüt” auf Schalke mit 3:0 gewann.

Brachte sich selbst in die Bredouille: FCA-Coach Heiko Herrlich sah seinen Fehler zwar ein, fehlte aber dennoch auf der Bank gegen Wolfsburg. Tobias Zellner sprang ein und die Schwaben verloren mit 1:2. (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Tomas Koubek (vs. Gladbach)

Sonntagmorgen 5 Uhr. An einem düsteren Oktobertag machte ich mich auf den Weg nach Mönchengladbach. Weil der FCA gegen die Fohlen eigentlich immer ganz gut aussah, reiste ich durchaus optimistisch ins Rheinland. Nach 13 Minuten Spielzeit sah meine Gemütslage und die der mitgereisten Augsburg-Fans jedoch ganz anders aus. Gladbach führte bereits 3:0. Bis kurz vor Ende des ersten Durchgangs dümpelte das Spiel so vor sich hin, Rot-Grün-Weiß hatte sogar ein paar Abschlüsse. In der 39. Minute hatte dann jedoch Keeper Tomas Koubek seinen großen Auftritt. Erst verstolperte der Tscheche nach Uduokhai-Rückpass den Ball, nachfolgend versuchte er Gegenspieler Plea zu blocken, statt das Leder aufzunehmen. Eine mehr als unglückliche Situation an einem rabenschwarzen FCA-Tag, an dem die Schmidt-Elf mit 1:5 unter ging. Immerhin hatte Koubek damit seinen Platz in den einschlägigen Saisonrückblicken sicher.

Marco Richter (vs. Mainz)

Was der FC Augsburg in den ersten 15 Minuten gegen Mainz auf den Rasen zauberte, hatte was von Champions League. Überfallartig scheuchte Martin Schmidt seine Truppe nach vorne, nach sechs Minuten standen bereits zwei Pfostentreffer. Wie aus dem Nichts ging der FSV dann jedoch durch einen Sonntagsschuss Levin Öztunalis in Führung. Dass die Nullfünfer zu dem Zeitpunkt überhaupt noch nicht in Rückstand waren, lag neben dem Spielglück auch am “Fehlschuss der Saison”, wie die Bild nach der Partie titelte. Vargas eroberte das Leder kurz vorm linken Strafraumrand, eilte auf FSV-Schlussmann Zentner zu und legte dann quer auf den völlig blank stehenden Richter. Das leere Tor vor Augen setzte der Younsgter das Ding jedoch neben den Kasten. Am Ende können alle Beteiligten darüber lachen. Der FCA gewann mit 2:1 – auch dank Richters zwischenzeitlichem Ausgleichstreffer. Geht doch!

Hatte dann am Ende doch noch etwas zu lachen: Marco Richter (m.) mit Fredrik Jensen (l.) und Florian Niederlechner nach seinem Ausgleichstreffer gegen Mainz. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Abstimmung: Was war die Panne der FCA-Saison 2019/20?

Das war es nun mit den weniger glanzvollen FCA-Momenten der Saison. Ob es diese Kategorie auch nächstes Jahr geben wird, ist noch offen. Es hätte wohl niemand etwas dagegen, wenn wir sie nach einer erfolgreichen Saison 2020/21 nicht mehr brauchen. Doch nun seid erst einmal ihr wieder gefragt. Stimmt ab.

Was war die Panne der FCA-Saison 2019/20?

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Fans in den Aufsichtsrat: jetzt!

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist Sommer 2020 in Augsburg und der Aufsichtsrat der FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA wird weiter am Verein vorbei besetzt. Vorausgegangen war die Berufung von Jan-Ingwer Callsen-Bracker in den genau diesen Aufsichtsrat im Dezember. Meine Kritik hat auch nur bedingt mit der Person Callsen-Brackers zu tun, der sportlich lange ein Leistungsträger, ein Musterprofi und ein Vorbild war.

Aber in diesem Sommer ist es in Augsburg nicht mehr viel wert, wenn man Musterprofi, Leistungsträger oder gar Kapitän ist. Daniel Baier wurde gerade erst vom Hof gejagt. Anderen Spielern und darunter auch Andreas Luthe als Keeper, der den Klassenerhalt sicherte, wurde vom Verein wohl ein Abschied nahegelegt. Luthe entschied sich dann zu Union Berlin zu wechseln. Dafür gibt der FCA auch in Zeiten von Corona Geld aus. Mit Daniel Caliguiri kam ein neuer Topverdiener. Die Kaufoption von Felix Uduokhai war auch teuer. Zurückhaltung in Krisenzeiten ist in Augsburg nicht angesagt. Die Gründe für all diese Entwicklungen müssen die Verantwortlichem dem Aufsichtsrat der KGaA erklären. Fans findet man in diesem Gremium genau wie Frauen bisher keine.

Die Hintergründe

Die FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA (nachfolgend: “KGaA”) ist die Gesellschaft, in die der FC Augsburg 1907 e.V. (nachfolgend: “e.V.”) den Profibereich ausgegliedert hat. An der KGaA hält die Hofmann Investoren GmbH 99% der Anteile und der e.V. 1%. Die Stimmrechte liegen allerdings nur zu 49% bei der Hofmann Investoren GmbH und zu 51% beim e.V. Grund hierfür ist, dass die ominöse 50+1 Regel dafür sorgt, dass weiterhin die Mehrheit der Stimmrechte bei den Vereinsmitgliedern und nicht bei einem Investor liegen sollte. Entsprechend sollte eigentlich nach Maßgabe von 50+1 der Verein alle wesentlichen Entscheidungen bzgl. der KGaA treffen. In Augsburg ist das dennoch nicht so.

AUGSBURG, GERMANY – MAY 11: Jan-Ingwer Callsen-Bracker (links), Christoph Janker (2. v.l.) und Dong Won Ji (2 v.r.) werden von Klaus Hofmann (C) und Stefan Reuter verabschiedet. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Ich habe an dieser Stelle schon früher über die Problematik in Bezug auf die Rolle der Person Klauf Hofmann geschrieben. Auf Wikipedia kann man gut nachlesen, welche Einzelpersonen an der Hofmann Investoren GmbH beteiligt sind und Google hilft dabei, etwas über die Lebensläufe und Hintergründe der einzelnen Personen herauszufinden. Ich will an dieser Stelle keine Einzelpersonen an den Pranger stellen, sondern mir geht es um die Struktur dem Grunde nach. Fakt ist: Von den Einzelinvestoren an der Hofmann Investoren GmbH finden sich fast alle im Aufsichtsrat der KGaA wieder. Hofmann selbst vertritt den e.V. als Präsident und in Personalunion als größter Anteilseigner die Hofmann Investoren GmbH. Einen Posten in der Geschäftsführung des FCA hat er zudem inne.

Die Funktion des Aufsichtsrats

Laut Wikipedia ist es Aufgabe des Aufsichtsrats, die Geschäftsführung der KGaA zu überwachen (§ 111 AktG). Hierzu kann der Aufsichtsrat Geschäftsführungsmaßnahmen von seiner Zustimmung abhängig machen (§ 111 Abs. 4 Satz 2 AktG). Im Endeffekt ist der Aufsichtsrat der KGaA dazu da, die Geschäftsführung der KGaA zu kontrollieren und die Interessen des Vereins, der 51% der Stimmrechte hält, durchzusetzen.

AUGSBURG, GERMANY – SEPTEMBER 09: Klaus Hofmann, Präsident des e.V. vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Hierfür sind regelmäßige Sitzungen notwendig und es ist notwendig, dass der Aufsichtsrat über die wichtigsten Entscheidungen in der KGaA informiert wird bzw. diese freigibt. Um diese Funktion entsprechend der Statuten der Liga “50+1”-konform erfüllen zu können, müsste der Aufsichtsrat mit einem Anteil von 50+1 % mit Mitgliedern besetzt sein, die vom e.V. ausgewählt wurden und dessen Interessen vertreten. Dies ist in Augsburg nicht der Fall. Auch nach der Benennung von Jan-Ingwer Callsen-Bracker setzt sich der Aufsichtsrat mehrheitlich aus Mitgliedern zusammen, die in die Hofmann Investoren GmbH investiert haben und bzgl. Ihrer Interessen dort zugehörig sind. 50+1 wird dadurch auf Ebene des Aufsichtsrats der KGaA in Augsburg aktiv untergraben.

Unabhängig von der Person Callsen-Bracker

Callsen-Bracker ist ein Sympathieträger in Augsburg. Er hat sich immer für den Club auf und neben dem Rasen aufgeopfert und professionell verhalten. Ich war selbst in Mainz als er den Elfmeter zum ersten Bundesligasieg des FCA verwandelte. Callsen-Bracker sagte, dass er “auch (s)eine langjährige Erfahrung als Profi-Fußballer in das Gremium einbringen“ werde. Dies ist nicht verkehrt, bei all den Vertretern der Finanzindustrie im Gremium.

FRANKFURT AM MAIN, GERMANY – DECEMBER 10: Sven Voss (L) and Jan-Ingwer Callsen-Bracker beim DFB Leadership Festival 2019 (Photo by Alexander Scheuber/Getty Images for DFB)

Dazu bringt er doch eine weitere Perspektive ein, heuerte Callsen-Bracker doch erst unlängst bei der DFB Akademie im Bereich Neuro-Athletik an. Callsen-Bracker denkt mit und kann sicher inhaltliche Impulse geben, gerade auch was das Nachswuchsleistungszentrum angeht, das aber eben auch in den Beritt des e.V. und nicht der KGaA fällt. Nicht umsonst unterstützt jedes Vereinsmitglied mit ihren Beiträgen den Nachwuchs.

Was weiterhin fehlt

Und so wird genau an dieser Stelle klar, was allen Führungsgremien des FCA weiterhin fehlt: Frauen. Beruflich lehne ich mittlerweile Einladungen zu Veranstaltungen ab, wenn dort nur Männer als Referenten auftreten. Callsen-Bracker sorgt zwar für Verjüngung in den Gremien des FCA, aber es bleibt insgesamt ein Altherrenclub mit 100% Männeranteil. Dem e.V. fehlen zudem mittlerweile sechs Vertreter im Aufsichtsrat der KGaA, die die Vereinsinteressen der “50+1”-Regel vertreten. Auf die Lizenz wird das auch für die nächste Saison keine Auswirkungen haben. Aber das mit der Lizenzierung nimmt die DFL ja nicht so ernst. Klaus Hofmann prangert das bei anderen Vereinen gerne an. Und trickst selbst beim FCA.

Insgesamt haben die Vereinsmitglieder lange zugeschaut. Wie lange schauen sie noch zu? Spieler werden gegangen, weil sie mündig sind und ihre Interessen vertreten. Klaus Hofmann hatte noch öffentlich Konsequenzen angedroht. “Augsburg hält zusammen” und so. Die Mannschaftsstruktur passt allerdings bedingt durch die Transfers und Trainerentscheidungen der Führungsriege schon eine Weile nicht. Wann erkennt nun noch der Letzte, dass wir mindestens zwei verlorene Jahre in der Bundesliga hinter uns haben und es Zeit für Veränderungen ist. Eine erste wäre, im Rahmen der nächsten Mitgliederversammlung die Besetzung des Aufsichtsrats der KGaA auf die Tagesordnung zu heben und die eigenen Rechte endlich wahrzunehmen. Zeit wird’s!

Reuter raus?!

“Reuter raus” – seit Tagen mehren sich unter den Social-Media-Beiträgen des FC Augsburg derartige Kommentare. Das Echo auf die Vertragsauflösung mit Rekordspieler Daniel Baier ist nach wie vor enorm. Die Degradierung des Capitanos hat ein Beben am Lech ausgelöst – und die Führung des FCA in ein miserables Licht gerückt. Die Klubbosse verspielen bei den Fans immer mehr Kredit.

Nun wurde zur Causa Baier schon viel gesagt und geschrieben, auch in der Gazetten-Redaktion herrschte Fassungslosigkeit über den Umgang mit der Vereinslegende. Es mag unverständlich klingen, dass sich über die Vertragsauflösung eines 36-Jährigen derart echauffiert wird, doch es geht hier immerhin um Daniel Baier – Leader, Kapitän, Rekordspieler. Und es geht – sportliche Beweggründe ausgeklammert – vor allem um die Art und Weise. Erst im Januar verlängerte der FCA mit dem Sechser. Inklusive großer Worte: “Daniel Baier identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem FCA und hat das Spiel in den letzten Jahren geprägt. Daher freuen wir uns, dass wir den Weg gemeinsam fortsetzen“, hieß es damals von Manager Stefan Reuter.

Reuter raus? Die Liste der Verfehlungen ist lang

Ein halbes Jahr später ist die Liebesbekundung von damals passé und die Kritik an den Verantwortlichen des FC Augsburg so omnipräsent wie nie. Und das nicht nur in der Kommentarspalte auf Instagram, sondern auch in den einschlägigen Sportmedien. Der kicker bilanziert in seiner Montagsausgabe: “Bevor sich die Mannschaft zum ersten Mal trifft, gibt es in Augsburg schon wieder Diskussionen.” Denn einmal mehr sorgt beim FCA Chaos für Unruhe. Das liegt vor allem an Verfehlungen der Chefetage um Manager Reuter.

Vorweg, der FCA hat Reuter sehr viel zu verdanken. Nach der Hinrunde der Saison 2011/12 sah nahezu alles danach aus, dass Augsburg bald wieder zweitklassig spielen wird. Unter Markus Weinzierl standen gerade mal neun magere Punkte. Am 27. Dezember 2012 begann am Lech jedoch eine neue Zeitrechung. Weltmeister Reuter heuerte als Geschäftsführer Sport an – und brachte den sportlichen Erfolg zurück. Der FCA feierte sensationiell den Klassenerhalt und konnte sich bis in die Gegenwart im Oberhaus etablieren. Als Extra-Zuckerl gab es die Europa League obendrauf. Die positive Entwicklung des Klubs begründet sich auch in Reuters klugen Transferentscheidungen der Marke Hitz, Baba, Finnbogason, Max oder jüngst Niederlechner. Lange konnte man Stefan Reuter vertrauen. Leider hat der frühere Profi aber bewiesen, dass er auch anders kann. In seiner Zeit beim FCA lag der 53-Jährige nicht selten daneben.

Warum setzen sie mehr auf Quantität statt Qualität, Herr Reuter?

Es wäre absolut vermessen, zu fordern, jeder Neuzugang hätte einzuschlagen. In Zukunft würde ich jedoch gerne auf den ein oder anderen Flop verzichten. Tim Matavz (mit vier Millionen Euro Ablöse damals Rekordeinkauf) sollte der nächste Topstürmer werden, Daniel Opare Oldie Paul Verhaegh auf der Rechtsverteidigerposition beerben. Beide Ideen sind krachend gescheitert. Hinzu kommt aus dem aktuellen Kader etwa ein dauerverletzter Julian Schieber sowie ein vogelwilder Reece Oxford, der Reuter nach einer Katastrophen-Leihe unverständlicherweise von einem längerfristigen Engagement überzeugen konnte und somit sämtliche FCA-Fans weiterhin zur Weißglut bringen darf.

Ungewohntes Terrain: Julian Schieber verbrachte fast mehr Zeit in der Augsburger Hessingpark-Klinik als auf dem Fußballplatz. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Die Kaderzusammenstellung wirft generell große Fragen auf. Beim FCA ging es in der Vergangenheit schlicht zu oft um Quantität statt Qualität. Vor einem Jahr verlängerte Reuter etwa ohne ersichtlichen Grund den Vertrag von Dauerreservist Georg Teigl bis 2022. Folglich ist der Kader völlig aufgebläht, sodass Spieler förmlich zum Wechsel gedrängt werden, notfalls mit Abfindungen. Offensichtlich wollen die Klubbosse damit auch die Hierarchie im Team brechen, denn “wir haben gerade in der Corona-Pause einiges über die Wichtigkeit von Teamfähigkeit und Loyalität dem FC Augsburg gegenüber gelernt”, wie Vorstand Klaus Hofmann jüngst im AZ-Interview erklärte. Einige Spieler im Team sollen diese wohl stören, weswegen nun das große Aussortieren ansteht. Andreas Luthe etwa, der in Augsburg von keinem der Bosse je richtig geschätzt wurde, könnte damit bald das Baier-Schicksal blühen: Führungsspieler, auf Wiedersehen.

Warum fehlt seit Marvin Hitz die Konstanz im FCA-Tor, Herr Reuter?

Die Transferpannen gipfeln derweil im Torwart-Debakel. Nach dem Hitz-Wechsel setzte Reuter auf Fabian Giefer. Der Ex-Düsseldorfer konnte sich seinerzeit auf Schalke nicht durchsetzen und wurde von S04 deshalb ohne jede Spielpraxis für ein halbes Jahr zu Bristol City verliehen. Selbst dort war Giefer am Ende kein Stammspieler mehr. Und das in der zweiten englischen Liga. Reuter griff dennoch zu und lotste den Keeper nach mickrigen 14 Spielen in drei Jahren an den Lech. Der Rest ist Geschichte.


In Mainz führt der FCA bis zur 87. Minute mit 1:0, dann dreht der FSV dank Giefers Katastrophen-Patzern die Partie. Weil der Keeper auch im nächsten Spiel gegen Bremen schlecht aussieht, ist er den Stammplatz bereits am 5. Spieltag wieder los. Luthe übernimmt. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Vor einem Jahr versuchte Reuter seinen Fehlgriff zu korrigieren und präsentierte die große Lösung Tomas Koubek. Der Manager machte den Tschechen mit kolportierten 7,5 Millionen Euro Ablöse prompt zum viertteuersten Torwart der Bundesligageschichte. Folglich hätte man schon etwas erwarten können vom Neuzugang aus Rennes. Doch Koubek entwickelte sich zum mit Abstand größten Flop der Vereinsgeschichte. Wie gut, dass der Schuldige für die Keeper-Krise bereits gefunden ist. Mit Torwarttrainer Zdenko Miletic wurde zum Saisonende nicht verlängert und es wirkt so, als wolle man den vereinstreuen 52-Jährigen für die Koubek-Patzer verantwortlich machen. Eine Farce, die die gern gepriesenen Familienwerte weiter konterkariert. Statt von Mile sollte man sich lieber von Koubek verabschieden, doch ob man ihn überhaupt wieder los wird, ist mehr als fraglich. Falls ja, darf sich Reuter wohl auf ein krasses Minusgeschäft einstellen.

Als mutmaßlich neue Nummer Eins wurde nun Rafal Gikiewicz verpflichtet. Ob dadurch endlich Ruhe zwischen den Pfosten einkehrt, ist derzeit noch unklar. Denn der FCA hat vielmehr ein neues Problem geschaffen, statt das alte zu lösen.

Warum haben Sie das Gregoritsch-Angebot aus Bremen nicht akzeptiert, Herr Reuter?

In den letzten Jahren machte sich Reuter unterdessen einen Namen als knallharter Verhandlungspartner. Das mag sich einige Male ausgezahlt haben, ging aber eben auch nach hinten los. Im vergangenen Sommer hätte Werder Bremen gerne Michael Gregoritsch verpflichtet, doch der Deal scheiterte wegen den zu hohen Ablöseforderungen des FCA. Also blieb der Österreicher bei Rot-Grün-Weiß, spielte überhaupt keine Rolle und schimpfte sich im “Hauptsache weg”-Interview den Frust von der Seele: “Bei aller Liebe, aber ich habe jetzt ein halbes Jahr praktisch nicht gespielt. Da kann man sich nicht hinstellen und wieder eine zweistellige Millionensumme verlangen.” Tatsächlich werden derartige Sphären nach seiner Leihrückkehr aus Gelsenkirchen nun – auch wegen Corona – wohl nicht mehr erreicht. Ähnliches gilt für Marco Richter und vor allem Philipp Max. Es ist sehr schön, dass beide noch in Augsburg unter Vertrag stehen, doch das werden sie gewiss nicht ewig tun. Den Moment der höchsten Ablösesumme hat Reuter verpasst.

Warum durfte ich nicht gehen? “Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich hätte wechseln können, es hat ein Angebot auf dem Tisch gelegen”, poltere Michael Gregoritsch im November 2019. Kurz darauf wurde er vom FCA sanktioniert und zum FC Schalke verliehen. Nun ist der Österreicher wieder zurück. (Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Schuster, Baum, Schmidt – wer von diesen Trainern hat beim FCA funktioniert, Herr Reuter?

Neben den Verfehlungen auf dem Transfermarkt ist Reuter in jüngster Vergangenheit auch verantwortlich für die unruhige Lage auf dem Trainerstuhl. Seit Markus Weinzierl hat sich kein Coach nachhaltig etablieren können. Dirk Schuster wurde nach nicht einmal einem halben Jahr entlassen. Als Grund nannte Reuter “unterschiedliche Auffassungen über die weitere sportliche Ausrichtung und die Art und Weise, wie der FCA Fußball spielen will.” Dass Schuster nicht gerade mit Offensivdrang auffällt und mit seiner destruktiven Spielweise versucht, den Gegner zu zermürben, hätte man aus seiner (zugegeben erfolgreichen) Zeit beim SV Darmstadt jedoch auch vorher wissen können.

Auf Schuster folgte NLZ-Chef Manuel Baum. Erst “bis auf Weiteres”, dann als Chefcoach. Der Taktik-Experte schien einige Profis jedoch zu überfordern. “Ich kann nichts Positives über ihn sagen” meinte Ex-Verteidiger Martin Hinteregger im Januar 2019 nach dem zehnten sieglosen Spiel in Serie. Im April wurde Baum dann entlassen und von Martin Schmidt beerbt.

Die Chemie schien am Anfang zu passen, doch auch diese Beziehung fand ein jähes Ende. Gerade einmal 32 Spiele war Martin Schmidt im Amt, dann setzte ihn Reuter vor die Tür. (Photo by Christof STACHE / AFP)

Der sympatische Schweizer führte den FCA in den verbleibenden sechs Spielen zum Klassenerhalt. Insgesamt war aber auch Schmidt nicht die nachhaltige A-Lösung an der Seitenlinie. Vor der Corona-Unterbrechung feuerte ihn Reuter dann und lotste seinen früheren Teamkollegen Heiko Herrlich nach Schwaben. Auch der Ex-Stürmer schaffte den Klassenerhalt, jedoch mit einem schlechteren Punkteschnitt als sein Vorgänger. Wow. In den gut vier Monaten Amtszeit sorgte der gebürtige Mannheimer zudem für die ein oder andere Negativschlagzeile, was für zusätzliche Unruhe im und um den Verein sorgte. Der FCA ist mittlerweile eben Für Chaos Anfällig.

In die Chefcoach-Diskussionen reiht sich auch ein weiteres unrühmliches Kapitel der Reuter-Ära. Mitten im Ärger um Caiuby und Hinteregger, der in der Suspendierung gipfelte, präsentierte der Manager Ende Januar 2019 Jens Lehmann als neuen Co-Trainer. Puh. Wirklich zusammen passte das letztlich alles nicht. Deswegen waren wohl auch nur wenige FCA-Fans traurig, dass nach Baums Entlassung im April auch für Lehmann Schluss war.

Reuter im Zentrum der Kritik – doch auch über Hofmann darf diskutiert werden

Stefan Reuter mag bei den aufgelisteteten Fehlern gewiss als maßgeblicher Entscheidungsträger aufgetreten sein, fällt die Kaderplanung und Trainerbesetzung doch in seinen Kompetenzbereich. Doch der Fisch stinkt immer vom Kopf her, wie es so schön heißt. Soll bedeuteten, bei all der Kritik an Reuter darf nicht vergessen werden, dass auch Klaus Hofmann hinterfragt werden kann. Der Vorstandschef, der nur allzu gerne vom familiären Verein spricht, trägt Miletics und Baiers Degradierung mit, hat als mächtigster Mann im Klub eigentlich auch das letzte Wort. Als einst Baum und Lehmann entlassen wurden, musste auch Stephan Schwarz gehen. Der technische Direktor, wie Reuter seit 2012 beim FCA, galt als Vertrauter des Managers, kennen sich die beiden doch aus gemeinsamen Zeiten bei 1860 München. Es soll zwar auch zwischen ihm und Reuter Differenzen gegeben haben, doch der Schluss liegt nahe, dass diese Entscheidung insbesondere von Hofmann gefällt wurde.

Klaus Hofmann ist seit Dezember 2014 Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg – und hat dementsprechend viel Macht. Die Hofmann Investoren GmbH besitzt 99 Prozent der Anteile der Fußball-Club Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Mit diesen Zeilen sollte deutlich werden, dass beim FC Augsburg in jüngster Vergangenheit einiges schief gelaufen ist. Der Fall Baier ist hier nur die Spitze des Eisberges. Klar ist auch, dass im Knallhart-Business Bundesliga nicht immer alles ohne Störgeräusche ablaufen kann, sonst wäre es ja auch langweilig. Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich als kleiner FCA an den Chaos-Klubs der Beletage orientieren muss. Aus diesem Grund: Zurück zu den Wurzeln! Zu den Werten des Familienklubs, des Underdogs, der mit klugen Entscheidungen und Ruhe Jahr für Jahr in der Bundesliga bleibt. Bisher ist dies gelungen, doch aktuell stellt sich die Frage, wie lange diese Mission noch gut geht? Ich bin gerne dazu bereit, Reuter, Hofmann & Co. noch eine Chance zu geben. Es könnte aber so langsam die letzte sein.

Unser Capitano

Donnerstag der 23.07.2020 und eine Ära geht zu Ende. Daniel Baier hat seinen Vertrag mit dem FC Augsburg einvernehmlich aufgelöst und wird in der kommenden Saison doch nicht mehr für den Verein in der Bundesliga auflaufen, für den er 11,5 Jahre seine Knochen hingehalten hat. 11,5 Jahre sind eine lange Zeit. Im Profifußball quasi eine Unendlichkeit. Es wurde zwar ein Abschiedsspiel vereinbart, aber der Abschied im Rahmen eines regulären Bundesligaspiels vor heimischen Publikum bleibt Daniel Baier verwehrt.

Ich habe mir nach dieser Nachricht einige Tage Zeit genommen, um diesen Abschied für mich einzuordnen. Wir haben hier im Blog den Abschied ad hoc kommentiert, weil die Vertragsauflösung kein gutes Licht auf den FCA werfen kann. Nicht wenn man den Vertrag erst im Januar verlängert hat und wenn es bei der Person um den verdientesten Spieler des FC Augsburg geht. Wenn man mit dem Spieler Stillschweigen zu Internas vereinbart und die Gerüchte über Daniel Baiers Widerstand gegen einen Gehaltsverzicht in Zeiten von Corona trotzdem mehrfach den Weg in die Öffentlichkeit finden (schämt euch ihr elendigen Plaudertaschen).

Für mich ist Daniel Baiers Abschied aber vor allem ein emotionaler Vorgang. Ein besseres Wort als Schock fällt mir nicht ein. Wie soll man es sonst nennen, wenn man ein Instagram-Video durchhält bis zu den Worten “Euer Capitano” und einem an der Stelle immer wieder die Tränen kommen. Und ich wollte einige persönliche Worte dazu finden. So viele wie eben nötig.

Ich möchte schimpfen und argumentieren. Aber es nützt nichts. So oft habe ich Daniel Baier in Frankfurt spielen sehen. Es kommt kein weiteres Mal für den FCA dazu. Immer hat er gekämpft und alles gegeben. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Ich bin in den letzten 11,5 Jahren zweimal umgezogen, habe meine Frau geheiratet und bin Vater von zwei gesunden Töchtern geworden. In all der Zeit gab es immer eine Konstante: meine Liebe zum FCA und Daniel Baier in rot-grün-weiß. Nun ist er weg. Und ich fühle mich leer.

Muss man dabei über das Sportliche überhaupt noch etwas sagen? Daniel Baier zählt die Stationen in seinem Dankesvideo (ja, das mich immer wieder zum heulen bringt) kurz auf. Aufstieg, Klassenerhalte, Europa, Klassenerhalte. Über 350 massive Pflichtspiele. Nach Verhaeghs Abschied die Übernahme des Kapitänsamts. Das Spiel auf dem Platz hat er vorher schon gelenkt. Er war über Jahre unser bester Spieler. Ich habe bei Twitter die Frage in den Raum geworfen, ob es in den letzten 10 Jahren einen ähnlich konstanten 6er in der Bundesliga gab. Ich habe keine Antwort erhalten, die dies nahelegte. Ohne es nachzuschauen, würde ich wetten, dass kein Spieler in diesem Zeitraum so viele Bälle abgefangen hat wie er. Daniel Baier wurde – aus meiner Sicht – um die WM 2014 beschissen und hätte Nationalspieler und Weltmeister werden sollen. Er ist – auch zu seinen sportlich besten Zeiten – immer in Augsburg geblieben. Mit Sicherheit nicht, weil es keine anderen Angebote gegeben hätte.

November 14, 2008 in München: Daniel Baier noch mit der Trikotnummer 7 trifft zum ersten Mal für den FCA. Ich war im Stadion und vielleicht war es auch einfach sein bestes Tor. (Photo by Thomas Langer/Bongarts/Getty Images)

Baier ist dabei jemand, der in Augsburg nicht nur zu Gast ist. Er ist jemand, den in Augsburg jeder zu kennen scheint. Früher als Feier-Baier abends unterwegs, später im Café oder beim Einkaufen, hat man Baier auch gerne in der Stadt getroffen. Baier hat sich nie versteckt und war immer einer von uns. Das liegt auch daran, dass er ein Profi mit Ecken und Kanten war, der auch mal unbequeme Wahrheiten ausgesprochen hat. In der Saison vor der Europa League hat er den Zuschauerzuspruch in einer englischen Woche im Winter kritisiert. Ich fand die Aussage in der Sache falsch, aber es brauchte Mumm es zu sagen. Im platzte auch mal der Kragen. Fragt Hasenhüttl. Passiert jedem von uns und machte ihn nur noch sympathischer. Beim Familientag hat er dafür Kollegen auch mal dazu angehalten ein extra Autogramm zu schreiben.

Warum will man mit 36 Jahren überhaupt noch in der ersten Bundesliga seine Gesundheit aufs Spiel setzen? Wahrscheinlich nicht, weil man das Geld braucht. Ich glaube Daniel Baier hat davon geträumt, mit einem Erfolg seine Karriere zu beenden. Im Pokal noch einmal weit zu kommen. Oben zu schnuppern an den Europa League Plätzen. Als Team zu zeigen, dass der FCA es noch kann. Kann er es noch? Oh, wie sehr wollte ich das als Fan nochmal sehen. Wir werden es herausfinden. Die letzten beiden Jahre waren verloren. Wir sind als Club auf der Stelle getreten und haben uns dabei noch die Füße angeschlagen. Es ärgert mich sehr, dass Daniel Baier seinen Abschied nicht nach einem guten Jahr feiern kann.

Ob wir noch jemals eine solche Saison erleben werden wie 2015/16? Es wird für immer das erste Jahr europäischer Fußball für den FC Augsburg bleiben. Natürlich mit Daniel Baier. (Photo by Johannes Simon/Bongarts/Getty Images)

Gute Jahre kommen hoffentlich wieder. Aber nicht mit Daniel Baier. Die Angst, die ich als Fan habe, ist ganz einfach. Ich fürchte, dass der Traum zu Ende ist. Auch, weil jemand wie Daniel Baier fehlt. Weil man sich nicht mehr so sehr mit der 11 auf dem Rasen identifiziert. Mit Daniel Baier hat man mit gelitten und sich mit gefreut. Genau wie mit Mölders, Werner und Hitz. Ich habe mich mit diesen Spielern identifiziert, weil sie sich mit dem Club identifiziert haben. Und insgesamt waren es wohl die besten Jahre, um Fan des FC Augsburg zu sein. Wir mögen sportlich relevant bleiben. Aber wird es jemals wieder so geil?

Daniel Baier selbst vergönne ich dann bald, dass er auf unsere Seite wechselt. Es bleibt eine meiner Lieblingsgeschichten als er in 2012 als Fan zur EM gefahren ist und mit Bastian Schweinsteiger das Trikot getauscht hat. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, dass Baier selbst nach einem Spiel auf die Tribüne schaut, einen sieht, sein Trikot hochwirft und fragt: “War geil heute, oder?” und man antwortet: “Ja, war geil heute. Du bist der Größte.” Ja, Daniel Baier – unser Capitano – du bist der Größte. Niemand kann Dir mehr nehmen, was Du in Augsburg geschaffen hast. Irgendwann benennen wir hoffentlich eine Tribüne nach Dir.

Und wenn in Augsburg die Mannschaften auf dem Weg in Richtung Rasen sind, dann wird an der Spitze dein o-beiniger Gang fehlen. Es wird fehlen, dass Du dem Schiedsrichter oder Gegenspieler in einer Unterbrechung den Arm um die Schultern legst und ihm ein paar nette Worte sagst. Deine Diskutiererei wird manchmal auch fehlen (aber nur manchmal). Und es wird fehlen, welchen Einfluss Du auf gegnerische Teams hattest. Deren Fans in den sozialen Medien sind alle heilfroh, dass ihre Teams nicht mehr gegen dich spielen müssen.

Das Foto entstand am 30. Juli 2011 im Niederrhein Stadion in Oberhausen. Ich habe mir beim Jubeln die Hose am Zaun zerrissen. Gerne möchte ich dich nach all den Jahren genau so umarmen wie Paul Verhaegh damals. (Photo by Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images)

Es war klar, dass wir uns zeitnah von Dir, Daniel Baier dem aktiven Bundesliga-Kicker, verabschieden hätten müssen. Wie lange wäre es ohne die Vertragsauflösung noch weiter gegangen? Das eine Jahr? Wahrscheinlich. Aber im Gegensatz zu den letzten Tagen hätten wir als Fans uns auf diesen Moment vorbereiten können. So durchleiden wir weiter diesen Schock. Aber es wird die Zeit kommen, da werden wir mit viel Stolz auf diese tolle Zeit zurück blicken und uns an den gemeinsamen Erinnerungen erfreuen. Denn diese gemeinsamen Erinnerungen, die kann dieser räudige Abschied uns nicht kaputt machen. Danke Dir Daniel Baier für diese vielen tollen gemeinsamen Erinnerungen. Ich habe vor kurzem meiner sechsjährigen Tochter vor dem Schlafengehen von Dir erzählt. Mach Dir keine Sorge, die Erinnerungen und deine Legende werden uns beide überleben.

Sinkt das Schiff?

Am Ende ging es wieder einmal ganz schnell. Schon Anfang der Woche machten die Gerüchte die Runde, dass die Verjüngungs- und Verschlankungskur umfassender ausfallen wird als befürchtet und auch altgediente Spieler betroffen sein könnten. Mit Julian Schieber, Georg Teigl und Fabian Giefer war schon gerechnet worden, Andi Luthe erschien auch auf der ominösen Liste und schließlich fiel in dem Zusammenhang der Name Daniel Baier. Man wurde sichtlich nervös. Das war nicht nur unvorstellbar, das konnte auch nicht gut ausgehen.

Es steht zu vermuten, dass die Entscheidung schon länger klar war aber die neugierige Presse das Timing durcheinander brachte. Andererseits ist kaum vorstellbar, zu welchem Zeitpunkt und bei welcher Gelegenheit, diese Nachricht einigermaßen verdaulich gewesen wäre. Die Vereinsmeldung schlug auch entsprechend ein. Stefan Reuter hat wie gewohnt ein gutes Fingerspitzengefühl für die Befindlichkeiten der Fans gefunden und seinen Emotionen mit großen Worten freien Lauf gelassen. Ebenso hölzern freute sich der Manager noch im Januar über die weitere Vertragsverlängerung des dienstältesten FCA Spielers. Doch das scheint nun im Sommer vergessen.

Am Ende gab es nichts mehr zu diskutieren. Ende aus, Daniel Baier läuft für den FCA nicht mehr auf. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Erwartungsgemäß tobt die sensible Fanseele und über dem Augsburger Manager entlädt sich ein veritabler Shitstorm. Auch die Gazettenredaktion ist sich hier einig und sehr wütend. Wütend wie lange nicht mehr. Wenn wir nicht gerade angesichts der Abschiedsgrüße des Kapitäns aus dem Urlaub still vor uns hin weinen. Natürlich in schwarz-weiß. Soviel Emotion gab es lange nicht.

Doch es gibt leider ein stimmiges Bild mit den Entwicklungen der letzten Woche und Monate. Und inmitten der überbordenden Emotionen muss man sich die Frage stellen, was da gerade beim FCA passiert. Zuletzt traf es schon mit Zdenko “Mile” Miletic einen der wenigen Figuren, die lange Jahre und glaubhaft mit dem Verein verbunden waren. Und hiervon gibt es nicht allzu viele. Im modernen Fußball ist diese Art der Verbundenheit sehr rar und eigentlich ein Kapital, das man erhalten sollte. Auch Daniel Baiers Beziehung zum FCA war persönlich und glaubhaft, über viele Jahre hinweg. Es ist mehr als fraglich, ob dieser harte Schnitt zu Gunsten eines konsequenten sportlichen Wegs nötig war oder sinnvoll ist.

Das habt ihr nicht wirklich getan? Die Aktionen des FCA sorgen im Moment für einige Fragen. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Dass Daniel Baier in den sportlichen Vorstellungen von Heiko Herrlich und Stefan Reuter keine Rolle (mehr) spielt, hat sich abgezeichnet. Schon zuletzt wurde auf den Kapitän keinen Wert mehr gelegt und für die kommende Saison zusätzliche Konkurrenz verpflichtet. Daniel Baier war mit dieser Rolle auf der Ersatzbank nicht glücklich, das war bekannt. Man kann sich vorstellen, dass es in den letzten Gesprächen wohl genau um diese Problematik ging. Und man muss auch von dem langjährigen Stammspieler erwarten können, dass er sich auch über längere Phasen ohne Murren auf die Bank setzt.

Und doch: auch wenn Reuter und Herrlich die sportliche Perspektive – und das Risiko als Ersatzspieler in die letzte Saison zu gehen – klar benannt haben, so ist doch der angebotene Ausweg einer Vertragsauflösung inmitten der Sommerpause nach einer Saison im Ausnahmezustand in keinster Weise verständlich. Der Plan, den Kader zu verjüngen und zu verschlanken hätte man auch auf lange Sicht anlegen können. Sicherlich hat Herrlich eine andere sportliche Vision und die Leistungen des FCA waren in den vergangenen Monaten durchaus schwankend und teilweise auch bedenklich. Aber das hatten wir auch schon alles.

Was Daniel Baier hier sagen will? Etwas in der Art: Am Ende habt ihr besser recht, Stefan Reuter und Heiko Herrlich! (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Jetzt mit Zdenko Mileticund Dani Baier zwei altgediente FCAler für die Fehler gewissermaßen mit-verantwortlich zu machen, ist mehr als bedenklich. Auch da der Erfolg des Herrlichen Spielkonzepts bislang noch nicht auszumachen war. Daniel Baier hat dagegen seinen sportlichen Wert mehr als einmal unter Beweis gestellt. Sicherlich wird es Veränderungen geben (müssen), aber den Kapitän auf diese Weise auzusortieren, ist schlicht unwürdig.

Vielleicht wird der Erfolg dem Wirken des umtriebigen Duos Reuter/Herrlich ja am Ende Recht geben und all dies ist in wenigen Monaten vergessen. Aber vielleicht wird auch ein etwaiger Misserfolg Fragen nach den getroffenen Entscheidungen und Methoden aufwerfen. Spätestens dann ist auch Stefan Reuter nicht mehr zu halten. So oder so. Derzeit muss sich doch Sorgen machen, wohin das Schiff steuert. Der Manager hat derweil noch ein Abschiedsspiel für Daniel Baier in Post-Coronazeiten in Aussicht gestellt.

Na, dann ist ja alles gut.

Mil(l)e grazie!

Der FCA hat einen stark aufgeblähten Kader – das wissen wir alle. Veränderungen sind an dieser Stelle nicht unwahrscheinlich bzw. sind diese gar zwingend notwendig. Auch im Trainerteam kommt es hierbei zu Wechseln auf diversen sportlichen Positionen. Kaum war die alte Saison beendet, gab der FC Augsburg auf seiner Website bekannt, dass sich zu Beginn der neuen Saison Veränderungen im Funktionsteam ergeben werden. Hierdurch ergab sich auch eine Art Hiobsbotschaft für alle treuen FCA-Fans, denn Urgestein Zdenko “Mile” Miletic wird nicht länger Torwarttrainer des Erstligisten sein.

Co-Trainer gesucht und gefunden

Die nachträgliche Saisonanalyse scheint hierbei das Resultat geliefert zu haben, dass ein neuer Co-Trainer sportlich notwendig erscheint. Neben den alten “Co’s” – Jonas Scheuermann und Tobias Zellner, der im Mai einmal als Ersatz für Heiko Herrlich am Seitenrand stand, dürfen wir seit dem 1.7. Iraklis Metaxas in Augsburg begrüßen. Der Deutsch-Grieche, der vor kurzem seinen 53. Geburtstag feierte, war zuletzt als Co-Trainer beim Zweitligisten Darmstadt 98 tätig und komplettiert das Trainerteam rund um Heiko Herrlich.

Ebenjener Heiko Herrlich hatte anfänglich – nach Amtsantritt beim FCA – darauf verzichtet, einen Co-Coach mit nach Augsburg zu bringen: „Heiko Herrlich hatte bei seinem Amtsantritt darauf verzichtet, einen neuen Co-Trainer dazu zu nehmen. Es war aber klar abgesprochen, dass wir nach der Saisonanalyse prüfen, wie wir das Trainerteam weiter sinnvoll ergänzen können“, so Stefan Reuter.

Weiterhin wurden die Verträge des Physios Michael Deiss und des Reha Trainers Sönke Ermgassen nicht verlängert. Stattdessen vervollständigt Rudi Ehmann, zuletzt Physio beim FC Bayern München im Bereich Basketball, nun das Funktionsteam des FCA.

Der scheidende Mile

So schön ein weiterer Co-Trainer in der bereits illustren Runde um Heiko Herrlich erscheint, so traurig ist jedoch die Nachricht des scheidenden Zdenko “Mile” Miletic. Der Vertrag der Torwartlegende, selbst zwischen 2002 und 2007 in 116 Partien für den FCA auf dem Feld stand, lief bereits zum 30.06. aus und wurde nicht verlängert. Stefan Reuter begründet dies in der Pressemitteilung auf der FCA-Website folgendermaßen: “In unserer Saisonanalyse sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir auf der Position des Torwarttrainers eine Veränderung vornehmen wollen“.

Zdenko Miletic mit seinem Arbeitsmaterial. Nach 9 Jahren in der Bundesliga und 13 insgesamt ist die Zeit des zurückhaltenden Torwarttrainers beim FCA im Profiteam vorbei.

Dies muss jedoch nicht unweigerlich das Ende der Ikone am Lech sein, denn offensichtlich hat der langjährige Torwarttrainer – seit 2007 ist er hier in Augsburg im Amt – ein etwas anderes Angebot des FCA vorliegen. „Da ‚Mile‘ ein verdienter und langjähriger Mitarbeiter des FCA ist, haben wir ihm ein Angebot unterbreitet, als hauptamtlicher Torwart-Koordinator in unserem Nachwuchsleistungszentrum die Arbeit mit unseren Nachwuchs-Torhütern weiterzuentwickeln. Wir würden uns daher freuen, wenn uns ‚Mile‘ in neuer Funktion erhalten bleibt, um die Grundlage dafür zu legen, in Zukunft einen Torhüter aus dem eigenen Nachwuchs in der WWK ARENA spielen zu sehen.“

Funktional ersetzen wird “Mile” jedenfalls der 43jährige Kristian Barbuscak, der vom Zweitligisten Jahn Regensburg an den Lech wechselt. Stefan Reuter freut sich augenscheinlich über die Neuzugänge an der Seitenlinie: „Wir freuen uns daher, dass wir mit Iraklis Metaxas und auch mit Kristian Barbuscak zwei absolute Fachmänner für unseren FCA gewinnen konnten, die uns in der individuellen Arbeit mit den Spielern nach vorne bringen werden.“

Das Torwart-Problem

Warum Mile jetzt seinen Hut nehmen muss – nach 13 sportlich erfolgreichen Jahren als Torwarttrainer beim FCA – bleibt ebenso offen, wie die Frage, ob Mile das Angebot des FCA als Koordinator im NLZ annimmt bzw. bereits angenommen hat. Schade ist jedenfalls, dass mit Zdenko Miletic ein Urgestein nun nach einer sportlich schwierigen Phase als einziger Protagonist des Trainerteams gehen muss. Und ihm somit öffentlich die Schuld für die Torwart-Scharade beim FCA in die Schuhe geschoben wird.

Denn eins steht fest: Seit dem Weggang von Marwin Hitz im Jahre 2018 ist beim FCA auf der eminent wichtigen Position des Torhüters eine Unruhe und ein “Wechsel-dich-Spiel” der tendenziell eher negativen Art eingekehrt. Und könnte jetzt ad absurdum getrieben werden. Geht man doch mit nominell vier Stammtorhütern in die Saison – Koubek, Giefer, Luthe und on top noch Neuzugang Rafał Gikiewicz. Letzterer wurde zuletzt vom Ligakonkurrenten Union Berlin ablösefrei verpflichtet.

Mile hat weder Tomas Koubek noch Gregor Kobel verpflichtet und ist nun derjenige, der die verfehlte Planung des FCA auf dieser Position ausbaden darf. (Foto: pmk / NB147469 Fussball)

Dieser Wechsel auf der Torwart-Trainer-Position könnte nun signalisieren, dass man den Schuldigen gefunden hat, der – wie böse Zungen behaupten – keinen Torwart in den letzten Jahren nennenswert und nachweislich verbessern konnte. Aber ob die besagte Person wirklich der Hauptprotagonist in der mittlerweile langjährigen Torhüter-Posse ist, bleibt fraglich. Die Entscheidung pro Giefer, dann pro Koubek und zuletzt pro Gikiewicz haben vermutlich andere getroffen. Diese Personen sitzen vermutlich auch weiterhin sicher im Sattel. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Torwartspiel des FCA in der nächsten Saison weiterentwickelt. Und welchen Beitrag der neue Torwarttrainer hier beisteuern kann. Uuuund, ganz wichtig: Wer unsere neue Nummer eins im Tor wird! ABer dies entscheidet und entschied auch vorher nicht unser Mile.

Mile grazie!

Dankbar bleibe ich jedoch für die Arbeit von Zdenko Miletic und für seine Loyalität zum FCA. 13 Jahre sind eine echte Hausnummer. So lange ist nicht mal Christian Streich Trainer des SC Freiburg! Der gebürtige Kroate Miletic kam 2002 von Arminia Bielefeld und wurde schnell zum Stammtorhüter beim FCA, stieg mit dem FCA 2006 in die zweite Fußballbundesliga auf. Miletic selbst wurde laut der Augsburger Allgemeinen jedoch nur Torwarttrainer beim FCA, weil er im Jahr 2007 als Nummer 1 im Augsburger Tor von Sven Neuhaus abgelöst wurde. Sozusagen, weil er den Konkurrenzkampf verloren hat. Und der FCA gewann einen passionierten Torwarttrainer, der den in Wolfsburg aussortierten Simon Jentzsch zu einem vollkommenen Bundesliga-Stammtorhüter formte. Und aus Marwin Hitz viel mehr als nur eine Nummer 2 machte, die er derzeit beim BVB darstellt!

Wir kann man Mile nicht in bester Erinnerung behalten? Danke für alles! (Foto: kolbert-press / Christian Kolbert)

Der kicker selbst fragt etwas zweifelnd: “Wird das Urgestein, seit 2002 im Klub und seit 2007 Torwarttrainer, nun für die Probleme der vergangenen Jahre sowie die Fehlgriffe mit Giefer und Koubek verantwortlich gemacht?” Und resümiert lapidar: “Es bleibt sehr zweifelhaft, ob ein Wechsel auf diesem Posten wirklich eine Lösung bringt.”

Ich lasse dies mal so im Raum stehen und bedanke mich für 13 Jahre mit dir als Torwarttrainer, Mile. Mil(l)e grazie, für alles!

Die Krise der Führungsspieler

Mein Optimismus war ja schon vor der letzten Saison nicht gerade besonders stark ausgeprägt. Ich hatte vermutet, dass die sportlichen Probleme des FCA in Summe dazu führen, dass wir absteigen. Selten war ich so froh, mich geirrt zu haben. Derweil wird eines der Themen, das ich in meiner pessimistischen Voraussage angesprochen hatte, aktueller denn je. Ich habe letzten Sommer darauf hingewiesen, dass mir beim FCA die Führungsspieler fehlen. In einer innerfamiliären Debatte kam das Thema zuletzt wieder zur Sprache. Es hat sich wenig im Vergleich zum vergangenen Sommer getan. Im Gegenteil: das Management und der Trainer bringen weiterhin Unruhe in den Kader.

Der Maestro

Daniel Baier ist der Größte. Punkt. La Decima ist besonders mit einer Person auf dem Rasen verbunden: unserem Maestro im Mittelfeld. Sportliche Lobeshymnen haben wir schon einige geschrieben und es gibt kein Rütteln an meinem Respekt für die Leistungen von Daniel Baier im Trikot des FC Augsburg. Umso unwirklicher wirkt gerade wie Trainer Heiko Herrlich mit Daniel Baier umgehen darf. Baier wurde in den letzten beiden Partien der Saison noch nicht mal mehr eingewechselt. Selbst Reece Oxford erhielt den Vorzug. Darauf angesprochen lobt Herrlich lieber die Stärken der Mitspieler. Herrlich scheint Baier kalt zu stellen.

Daniel Baier am Boden. Wie geht die Karriere des Maestros in Augsburg zu Ende? (Foto: Frank Hoermann / FOTOAGENTUR SVEN SIMON/POOL)

Dabei muss klar sein: Baier hat das Recht auf einen Abschied nach seinen Vorstellungen. Es ist für mich dabei auch recht einfach zu beurteilen, wer sich in den letzten Monaten professioneller verhalten hat. Trainer Heiko Herrlich machte bekanntlich keine gute Figur. Insgesamt lässt dies allerdings Zweifel aufkommen, ob die etablierteste Führungspersönlichkeit beim FC Augsburg auch im nächsten Jahr diese Rolle weiterhin ausführen darf.

(Als New York Giants Fan erinnert mich die Situation sehr daran, wie Eli Manning für Geno Smith auf die Bank gesetzt wurde. Manning hatte die Giants zu zwei Super Bowl Titeln geführt und eine andauernde Serie von über 100 Spielen, die er von Beginn an spielte. Coach war Ben McAddo. McAddos Auftreten wirkte ähnlich professionell wie das von Heiko Herrlich).

Die Leistungsträger

Hoffnung in der Debatte um Führungsspieler beim FC Augsburg machen drei Männer, die über die gesamte Saison hinweg vorweg marschiert sind. Mit ihren Leistungen haben sie die Grundlage für den erneuten Klassenerhalt gelegt. Mit ihrem professionellen Verhalten waren sie zudem Leuchttürme, an denen sich der Rest der Mannschaft orientieren konnte. Gemeint sind Florian Niederlechner, Philipp Max und Rani Khedira. In der Kombination Sturm, Mittelfeld, Abwehr bilden sie eine Achse, um die der FC Augsburg in der Zukunft aufbauen könnte. Gerade weil alle drei mit Sicherheit noch ein paar gute Jahre vor sich haben.

Das macht alle drei allerdings auch interessant für andere Vereine. Philipp Max wurde in den letzten Wochen mit dem AC Mailand und Borussia Mönchengladbach in Verbindung gebracht. Bei Rani Khedira läuft der Vertrag in 2021 aus und die Gespräche über eine Vertragsverlängerung sind wohl ins Stocken geraten. Wenn wir mit allen dreien in die neue Saison gehen, dann wäre ich frohen Mutes. Abgänge sind hier zu vermeiden, solange uns nicht ein Goldschatz angeboten wird und ich befürchte das Schlimmste.

Im Tor

Über die Situation im Tor habe ich mich erst vor kurzem ausführlich ausgekotzt. Die obige Achse reichte zwar im Saisonabschluss bis ins Tor, weil wir mit Andi Luthe einen Topp-Rückhalt hatten. Für die neue Saison werden die Karten allerdings neu gemischt, da mit Rafal Gikiewicz ein neuer Keeper kommt, der in den letzten Wochen schon nicht mit Zurückhaltung geizte. Dafür soll Andi Luthe den Verein wohl sogar verlassen.

Andreas Luthe mit seinen Teamkollegen kurz nach dem Klassenerhalt gegen Düsseldorf. Menschen wie Andreas Luthe jagt man nicht vom Hof. Man gibt ihnen eine Perspektive für die Laufbahn nach der Karriere auf dem Platz. (Foto: Anke Waelischmiller Sven Simon Pool)

Die Logik mag ich nicht verstehen. Luthe ging als Nummer 2 in die Saison und sprang super in die Bresche als Tomas Koubek seine Schwächen offenbarte. Nun scheint der FCA mit Gikiewicz die Position des ersten Keepers neu besetzt zu haben. Mit welchem Argument jagt man nun die beste Nummer 2 vom Hof, die man sich vorstellen kann? Ich verstehe, dass man sich von Koubek und Giefer trennen will. Aber Luthe scheint auch neben dem Platz zu viele Qualitäten zu haben, als dass man hier leichtfertig einen Abschied provozieren sollte. Ein Trauerspiel.

Die Verletzten

Wenn sie denn durchgehend sportlich fit wären, könnten sie auch mehr Führungsaufgaben auf dem Platz übernehmen. Die Rede ist natürlich von Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason. Gerade Finnbogasons Ansprüche, wenn er denn mal fit ist, sorgen dagegen eher für Unruhe. Bei beiden haben sich die Befürchtungen von vor der Saison leider bewahrheitet. Der FCA wäre naiv sie als Führungsspieler auf dem Platz einzuplanen. Wenn ihre Ansprüche dahingehend größer sind, dann müsste man mit beiden realistisch über ihre Perspektiven sprechen. Gerade Finnbogason scheint beim FCA – leider – keine Perspektive mehr zu haben.

Die nachdrängenden Jungen

Kommen wir zu Hoffnungsmachern. In der letzten Saison haben doch einige jüngere Spieler wichtige Erfahrungen gesammelt. Spieler, die sich weiter verbessern sollten. Die in Zukunft Verantwortung übernehmen könnten. Marco Richter, Ruben Vargas und Felix Uduokhai fallen in diese Kategorie. Die drei haben der Mannschaft sportlich sehr weitergeholfen und wichtige Schritte in ihrer eigenen Entwicklung gemacht. Wer bleibt und tut sich nächste Saison auch neben dem Platz hervor? Für Führungsaufgaben ist es nächste Saison wahrscheinlich trotzdem zu früh.

Die Neuzugänge

Bislang stehen als Neuzugänge Rafal Gikiewicz, Daniel Caligiuri und Tobias Strobl fest. Caliguiri war Führungsspieler auf Schalke. Alle drei sind sehr erfahren. Nach der Jugendwelle im letzten Sommer verstärkt sich der FCA bewusst mit Erfahrung. Problem erkannt? Vielleicht. Alle drei sollten neben ihren sportlichen Rollen Führungsaufgaben beim FCA übernehmen können.

Können wir von Daniel Caliguiri Impulse erwarten, wie er sie auf Schalke geliefert hat? (Foto: nordphotox/xRauch nph00251)

Alle drei müssen allerdings in Augsburg auch erst ankommen und sich akklimatisieren. Respekt muss man sich verdienen. Zudem haben wir auch in der Vergangenheit schon erkannt, dass nicht jeder erfahrene Spieler einschlägt. Stephan Lichtsteiner und Piotr Trochowski sind Namen, die die Hoffnungen dämpfen sollten.

Fazit

Es könnte alles so einfach sein. Der FCA könnte mit Luthe, Max, Baier, Khedira und Niederlechner eine Truppe haben, die die Mannschaft auf dem Platz auch in schwierigen Phasen führt. Momentan glaube ich nur an Florian Niederlechners Einsätze und Beiträge in der nächsten Saison. Khedira, Luthe und Max könnten den FCA wohl im Sommer verlassen. Baier darf evtl. nur noch von der Bank zuschauen. Wer die Führungsaufgaben auf dem Platz dann neben Niederlechner übernimmt steht in den Sternen. Für die Jungen wird es zu früh kommen. Für Neuzugänge wird es im ersten Jahr schwierig werden. Die Kaderplanung sorgt bei mir dahingehend doch für Kopfschütteln. Viel wird daran hängen, ob der FCA auf die Millionen aus möglichen Abgängen angewiesen ist. Hoffen wir es nicht. Hoffen wir, dass Stefan Reuter die Führungstruppe zusammenhalten kann. So wie der Trainer Heiko Herrlich auftritt, wird mir es mir ohne gestandene Führungsspieler ansonsten Angst und Bange. Mal wieder.

Augsburg hält zusammen – ganz Augsburg?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

In der Corona-Pause hat der FCA das Motto “Augsburg hält zusammen” ins Jahr 2020 übertragen. Gelungen, wie ich damals fand. Es hat stolz in mir hervorgerufen, wie Fans und Verein Hand in Hand der schwierigen Situation entgegen getreten sind und weiterhin entgegen treten. Das ist nicht selbstverständlich.

Die Corona-Krise flacht gerade etwas ab und auch die Saison des FC Augsburg ist beendet. Ein guter Moment, um erneut dieses Motto in den Blick zu nehmen. Für was steht “Augsburg hält zusammen” und was könnte noch besser werden? Bisher hat der FCA zwei Kampagnen aus diesem Banner-Text geformt. Beide wurden – wenig nachhaltig – in Krisenzeiten für einen begrenzten Zeitraum vorangetrieben. Beim ersten Mal stand uns das Wasser sportlich bis zum Hals und es brauchte einen Schub im Abstiegskampf. Jetzt nun kam Corona. Beide Male haben wir die Ausgangssituationen getrieben durch den Zusammenhalt gemeistert.

Über die Einzelsituation hinaus

Derweil könnte dieses Mantra “Augsburg hält zusammen” für noch so viel mehr stehen und nicht nur ein Kampagnen-Motto bleiben. Es könnte das “Mia san Mia” der Fuggerstadt werden, ganz dem fuggerschen Gedanken nachempfunden. Dabei müsste der FCA allerdings über seinen eigenen Schatten springen und als Club anders agieren, um dieses Motto dauerhaft authentisch zu vertreten. Was meine ich damit?

In welche Richtung entwickelt sich der Fußball? Es hängt auch am FCA! (Foto: Marcel Engelbrecht/firosportphoto/POOL)

Es heißt ja nun nicht: Augsburg hält zusammen, aber nicht die farbigen, schwulen oder weiblichen Augsburgerinnen. So könnte es einem aber bislang vorkommen. Als der SV Babelsberg 03 Mitstreiter für seine “Nazis raus aus den Stadien” Kampagne gesucht hat, wurden u.a. in Düsseldorf und Freiburg recht schnell T-Shirts mit dem Slogan verkauft. In Augsburg nicht. Als vor kurzem Spieler anderer Vereine die Aufmerksamkeit auf strukturelle Gewalt gegenüber Schwarzen gelenkt haben, war es still in Augsburg. Gerade am letzten Spieltag lief die Social Media Kampagne #SportPride um Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) unter dem Hashtag #SportPride2020 im Sport sichtbar zu machen und für einen diskriminierungsfreien Sport einzustehen. Mainz 05 und andere Bundesligisten beteiligten sich. Der FC Augsburg nicht. Wer dazu beim FC Augsburg eine Frau in verantwortlicher Position suchen sollte, der kann dies lange machen. Gibt es nicht.

Nicht mehr nur Mitläufer sein

Felix Uduokhai hatte kürzlich über Anti-Rassismus-Aktionen gesagt: “Von Mitläufern halte ich wenig”. Die Verantwortlichen des FC Augsburg sollten lange in den Spiegel schauen und sich fragen, ob sie hinsichtlich der oben genannten Bereiche nicht selbst in diese Mitläufer-Kategorie fallen. Klaus Hofmann ist hierzu bisher nur mit fragwürdigen Aussagen aufgefallen und wir haben hier schon versucht wach zu rütteln. Der FCA hatte im Herbst angekündigt den Familientag in diesem Sommer zum Anti-Rassismus-Tag zu machen. Es blieb die einzig angekündigte Aktion in diesem Zusammenhang, die nicht im Zusammenhang von bundesweiten Kampagnen stand.

Es besteht dazu natürlich große Gefahr, dass genau dieser Tag Corona-bedingt dieses Jahr ausfällt. Einerseits verständlich, andererseits sollte sich das Engagement des Vereins in all diesen Belangen nicht nur auf einzelne Tage konzentrieren sondern ein grundsätzlicher Bestandteil von “Augsburg hält zusammen” sein.

Der Mensch im Vordergrund

Den Profi-Fußball plagen viele Sorgen. Zu weit ist er der Normalität entschwunden. Absurde Beträge prägen das Geschäft. Die Bayern zahlen Leroy Sané halb so viel im Jahr, wie der gesamte Augsburger Kader verdient. Und die Augsburger Mannschaft verdient insgesamt immer noch über 35 Millionen EUR. Es wird Zeit, dass der Fußball sich wieder mehr seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wird. Es sollte jedem möglich sein, Bundesligaspiele zu besuchen und sich im Stadion heimisch und sicher zu fühlen, egal welcher Hautfarbe, welches Geschlechts oder welcher sexuellen Orientierung die Person angehört. Auch vor Corona hat sich nicht eine jede im Stadion immer wohlgefühlt. Es wird Zeit, dass wir auch in Augsburg schauen, dass sich das bessert. “Augsburg hält zusammen” halt.

Deutscher Meister ist nur der FCA!

Der bayerisch-schwäbische FC Augsburg als deutscher Meister? Für viele Fans ein unergründeter und heimlich gehegter Wunschtraum! Yannic Bederke, e-Sportler des FCA, machte diesen Traum am vergangenen Sonntag wahr. Der 19jährige gebürtige Nördlinger, der auch langjähriges Mitglied des FCA ist, krönte sich (und somit auch sein Team, den FC Augsburg) zum deutschen Meister im E-Fußball.

Was lange währt, wird endlich gut! Denn Yannic stand in der Vorsaison schon im Grand Final der VBL Club Championship – der virtuellen Bundesliga in Deutschland. Immer an seiner Seite: Bruder und Teamkollege Philipp, ebenfalls erfolgreicher e-Sportler, der mit ihm für den FC Augsburg in der virtuellen Bundesliga antritt. Zuletzt hat Yannic mit seinem Fußballprofi-Pendant vom FCA, Marco Richter, die Corona-bedingte Bundesliga Home Challenge gerockt – und kurioserweise schoss dieser Marco Richter das goldene Tor zum Sieg im Grand Final!

Yannic Bederke während des Grand Finals. Die Bederke-Faust immer im Gepäck!

Dieses Jahr hat es jedoch lange nicht danach ausgesehen, dass Yannic den Titel in einem namhaft besetzten Turnier gewinnen könnte. Doch er strafte alle Zweifeler Lügen und bewies, was für ein großes Talent er an beiden Konsolen ist. Das Team hinter der “Rosenau Gazette” gratuliert dem Shootingstar des E-Fußballs in Deutschland herzlich zu seinem Titelgewinn und die Krönung zum Deutschen Meister 2020!

Im Nachfolgenden lest ihr unter anderem exklusiv, was Yannic zu seinem Erfolg persönlich sagt und wie es sich für ihn selbst anfühlt, der amtierende Deutsche Meister zu sein:

Rosenau Gazette: Hallo Yannic, erst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, dich interviewen zu dürfen und Gratulation zum Titelgewinn! Wie geht es dir denn heute – mit ein paar Tagen Abstand – s0?

Yannic Bederke: Vielen Dank für die Glückwünsche! Es ist für mich selbst noch nicht wirklich zu glauben was überhaupt passiert ist, um ehrlich zu sein.

Rosenau Gazette: Das kann man – glaube ich – ganz gut nachvollziehen! Beschreib’ doch bitte für unsere Leserinnen und Leser einmal, wie so ein Turnier in der Praxis abläuft und wie du dich während eines Matches fühlst.

Yannic Bederke: Nach einer langen Saison in der VBL Club Championship haben wir als FC Augsburg es in die Playoffs geschafft. Darüber ging es dann für mich ins sogenannte “Grand Final”. Das Turnier lief online ab, zu einer bestimmten Zeit mussten meine Gegner und ich vor der Konsole sitzen und die Partie bestreiten.

Anfangs ging es mit der Gruppenphase los und anschließend in der KO-Runde weiter. Im Halbfinale standen sich dann die beiden besten Spieler pro Konsole gegenüber. Im Finale wurde dann jeweils ein Spiel auf der Xbox und ein Spiel auf der Playstation gespielt, um den deutschen Meister zu finden. Während solchen Spielen ist man extrem nervös! Ich selbst höre dabei Musik, um alles bestmöglich auszublenden und mich zu fokussieren.

Rosenau Gazette: Respekt – ein richtig straffes Programm! Vor allem für dich, wenn man bedenkt, dass du kein E-Sport-Profi bist. Wie viel Zeit bleibt dir denn noch übrig, um neben dem Beruf Zeit für das Training zu finden?

Yannic Bederke: Ja genau! Ich befinde mich aktuell in der Ausbildung zum Notarfachangestellten, die ich auch bald abschließen werde. Deshalb habe ich eine normale 40-Stunden-Woche und kann dann erst abends trainieren. Im Schnitt sind es ca. 2 Stunden vor einem Turnier, die ich nach der Arbeit noch investieren muss. Am Wochenende wird es gerne mal mehr.

Rosenau Gazette: Wolltest du denn selbst immer schon E-Sportler werden oder gab es auch mal was anderes für dich?

Yannic Bederke: Als Kind wollte ich Profi Fußballer werden!

Rosenau Gazette: Na, dann können wir ja glücklich sein, dass das nichts geworden ist. 🙂 Spielst du denn selbst nebenbei noch Fußball im Verein?

Yannic Bederke: Ja, ich spiele selbst beim TSV Oettingen aktiv im Verein Fußball.

Rosenau Gazette: Wie bist du selbst denn eigentlich zum eSport gekommen? Wie muss man drauf sein, um dorthin zu kommen, wo du dich grade selbst befindest?

Yannic Bederke: Das war eher zufällig! Ich spielte, wie jeder Jugendliche wahrscheinlich, gerne FIFA und nahm aus Spaß an kleinen Turnieren teil. Nachdem es dort gut lief trainierte ich, um noch besser zu werden.

Man muss zum einen mit Niederlagen umgehen können und zum anderen einen gewissen Ehrgeiz mitbringen. Man darf nicht zu schnell aufgeben und muss ständig an sich arbeiten.

Rosenau Gazette: Und jetzt bist du deutscher Meister! Hand aufs Herz: Kann man diesen Erfolg denn noch toppen? Was ist dein Ziel im nächsten Jahr?

Yannic Bederke: Mein Ziel ist es, mich auch international für ein großes Turnier zu qualifizieren! Diesen Erfolg zu toppen ist allerdings sehr schwer 🙂

Rosenau Gazette: Wir von der Rosenau Gazette drücken dir natürlich ganz fest die Daumen bei diesem Vorhaben! Eine letzte Frage noch: Du bist bekanntlich auch FCA Mitglied. Seit wann und warum?

Yannic Bederke: Ich bin schon FCA-Fan seitdem ich klein bin! Ich ging mit meinem Bruder ins Stadion und seither ist der FCA als mein Lieblingsverein nicht mehr wegzudenken. Mitglied bin ich seit 2015 und verfolge so oft es geht die Spiele live im Stadion. Aber leider war das ja in letzter Zeit nicht möglich…

Rosenau Gazette: Danke an den amtierenden Deutschen Meister, Yannic, für dieses sympathische Interview. Wir drücken dir weiter die Daumen auf deinem Weg an die internationale E-Sportler-Spitze und hoffen, dass wir bald alle wieder ins Stadion zurückkehren können, um unseren FCA live anzufeuern in Liga 1.

Bis dahin, bleibt alle gesund!