Der Retrospieltag hat das Zeug zur Institution

111 Jahre sind seit dem ersten registrierten Spiel unseres FC Augsburg (bzw. zumindest dessen Vorgängerorganisation) vergangen. Eine lange Zeit. Den Anlass darf man gerne nutzen, um einen etwas größeren Rummel zu veranstalten. Der FC Augsburg hat sich nicht lumpen lassen, und wollte seinen Fans an diesem Tag etwas besonderes bieten. So stand gegen RB Leipzig zum ersten Mal der Retrospieltag an. Auch die organisierte Fanszene hat sich eingeklinkt und eine stadionweite Choreografie organisiert und ist dabei mit einem hohen fünfstelligen Betrag in Vorleistung gegangen. Es sah toll aus, sorgte für Gänsehaut und wird lange in Erinnerung bleiben:

Das Vorspiel

Coole Videos haben auf Youtube von Seiten des FC Augsburg auf das Spiel hingeleitet und die Spieler haben sich darauf eingelassen und ein paar Späße mitgemacht. Dafür ging auf allen Seiten Freizeit drauf, die allerdings insgesamt schon im Vorfeld eine große Vorfreude aufgebaut haben. Vielleicht wollt ihr nochmal reinschauen:

Der FCA hat die Ticketpreise im Vorverkauf reduziert, um das Stadion voll zu bekommen und vielen das Stadionerlebnis zu ermöglichen. So war das Spiel dann auch im Vorhinein im Heimbereich ausverkauft.

Der Spieltag als Erlebnis

Auf dem Stadionvorplatz  gab es ein umfangreiches Programm mit Musik und einem umfangreichen Programm für die Kleinen. Die Mannschaft kam im Retrobus angefahren und auch die Dekoration wurde auf den Spieltag angepasst.

Insgesamt hat der Spieltag so die Erwartungen, die im Vorhinein aufgebaut wurden, gehalten. Zuschauer, die vielleicht auf Grund des Rummels zum ersten Mal da waren, werden vielleicht auf Grund des tollen Erlebnisses wiederkehren. Dass die Mannschaft gegen den Tabellenzweiten und wirtschaftlich überlegenen RB Leipzig sich am Ende einen Punkt erkämpfte, und somit gegen deutsche Topmannschaften sportlich weiter mithalten kann, war dann nur noch das Pünktchen auf dem i. Klar, hätte man sich ein paar Tore oder Torszenen mehr gewünscht, aber die Rückkehr zur defensiven Stabilität gegen einen sehr guten Gegner sollte für uns alle momentan wichtiger sein.

Insgesamt sind viel Mühe und Fleiß von vielen Seiten in diesen Spieltag eingeflossen und das möchte ich an dieser Stelle anerkennen. Bravo! Davon kann man nun vielleicht auch etwas für andere Spieltage lernen, und vermehrt Programm auf dem Stadionvorplatz anbieten. Ich bin mit Sicherheit kein Verfechter der Eventisierung des Fußballs, aber im Augsburger Stadionumfeld gibt es auch mit Fankneipe am Spieltag zu wenige Möglichkeiten für Fans, um gemütlich zusammen zu kommen und zu plaudern.

Was hat gefehlt

Wer mich kennt, der weiß, dass das noch nicht alles ist. Der FC Augsburg hat in dieser Saison nun schon mehrere Marketingkampagnen durchgeführt, um mehr Zuschauer ins Stadion zu locken. Vergrößerte Familienblöcke an dem einen Spieltag, reduzierte Tickets für Schüler an einem anderen. Dies hat vor allem den Hintergrund, das Stadion auch bei unattraktiveren Gegnern voll zu bekommen. Eine Tradition für mich ist allerdings auch, dass der Fußball für alle erschwinglich ist. Damit hat der FC Augsburg gebrochen, als er vor einigen Jahren aufgehört hat, ermäßigte Tageskarten zu verkaufen. Der Vorwand war, dass der Ermäßigungsgrund nicht ordentlich kontrolliert werden könnte. für mich ist das immer noch eine faule Ausrede. Ich werbe weiterhin dafür, dies rückgängig zu machen und Schülern, Rentnern, Arbeitslosen, etc. an jedem Spieltag auch für Einzelspiele zu reduzierten Konditionen Zutritt zu gewähren. Auch gegen Topgegner wie die Bayern, Dortmund oder Schalke.

Weiterhin hat mir beim Retrospieltag eine weitere Dimension gefehlt. Klar, der Fußball ist dazu da, Menschen zu erheitern und zu erfreuen. Dies ist mit Sicherheit gelungen. Nun ist dieser Spieltag auch erstmal mit Kosten verbunden. Allerdings hätte ich mir eine soziale Komponente sehr gewünscht. In den letzten Jahrzehnten sind gesellschaftlich immer wieder Menschen abgehängt worden, denn wir eine Hand hinhalten sollten, um ihnen auf die Beine zu helfen. Der FC Augsburg hätte zumindest einen Teil der Einnahmen (z.B. aus den Retrotrikots) an eine wohltätige Organisation spenden können. Über die Spende hinaus, hätte die Plattform vor vielen Tausend Menschen der Organisation nachhaltig geholfen. An dieser Stelle bleibt aber weiterhin erkennbar, dass der FC Augsburg keine nachhaltige Strategie bzgl. seiner sozialen Verantwortung verfolgt. Leider.

Selber machen ist angesagt

Nachdem das an dieser Stelle auch der einzige Kritikpunkt ist, der nach diesem tollen Samstag bleibt, will ich an dieser Stelle gerne in den Bresche springen. Ich werde zeitnah auf der Rosenau Gazette eine Aktion starten, die klar “retro” ist, und die einer sozialen Organisation helfen wird. Vielleicht tragen wir den Schwung des Retrospieltags gemeinsam noch etwas weiter und helfen denen, die es nicht so dicke haben wie wir. Ich würde mich über jeden freuen, der sich beteiligt.

Stefan Reuters aggressives Angriffspressing – ein Blick auf den Transfersommer

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Zum 31.08. ging die Sommertransferperiode zu Ende. In der letzten Woche der Transferperiode tat sich beim FCA überhaupt nichts mehr. Auch davor tat sich wenig. Mit Untätigkeit von Seiten des Vereins ist dies allerdings nicht zu verwechseln. Nach der Transferperiode will ich daher einen Gesamtblick auf die Aktivitäten von Stefan Reuter in diesem Sommer werfen und erklären, warum seine Strategie für mich Hand und Fuß hat.

Die Neuverpflichtungen – vor allem Tiefe, nur einmal Spitze

Mit Julian Schieber, Felix Götze und Fredrik Jensen kamen Ergänzungsspieler, die dem Kader des FCA mehr Tiefe geben. Klar, vor allem Götze und Jensen sollen sich weiterentwickeln und später größere Rollen übernehmen. Kurzfristig werden sie sportlich aber erstmal an das Niveau der ersten Bundesliga herangeführt. Den Verpflichtungen geht voraus, dass in der Rückrunde der letzten Saison Alternativen gefehlt haben und wir auf manchen Positionen (zentral im Mittelfeld, auf den offensiven Positionen) zu wenig Alternativen hatten. Rechts hinten hatte wir zwischenzeitlich keine Alternative mehr. Dieses Problem sollte zumindest teilweise behoben sein.

André Hahn verstärkte direkt die Startelf des FCA und hat mit seinen zwei Pflichtspieltreffern gegen Steinbach und Düsseldorf spielentscheidende Aktionen zum guten Saisonstart des FC Augsburg beigetragen. Die Kadertiefe sorgt dafür, dass die Mannschaft Spiele eng halten kann. Die Leistungsträger, in deren Reihe sich Hahn direkt eingefügt hat, stoßen den Bock zu Gunsten des FC Augsburg um. In diesem Sinne hat es sich jetzt schon ausgezahlt, André Hahn zurückzuholen. Wenn er  von außen in die Mitte rückt und seine Kopfbälle anbringt, dann scheint das einige Verteidiger noch zu überraschen.

Die Abgänge – bis auf einen Leistungsträger sind alle geblieben

Der Wechsel von Marwin Hitz stand schon vor dem letzten Spieltag fest. Vor der Sommerpause hatte ich große Sorge, dass Hitz nicht der einzige Leistungsträger bleiben würde, der den FCA verlässt. Nach Hitz sind die Abgänge allerdings sehr unspektakulär ausgefallen. Leitner, Opare, Kacar, Heller und Parker sind Abgänge, die den Kader etwas ausdünnen und die keine Lücken hinterlassen, die wir nicht schließen könnten.

Die Namen Hinteregger, Gouweleeuw, Gregoritsch, Finnbogason und Max hat man zwar im Sommer viel gelesen, die Spieler sind aber alle geblieben. Von einigen hat man gehört, dass sie mit dem FCA noch viel vor haben. Andere haben wohl einfach nicht das richtige Angebot anlocken können, bei dem sie selbst von einem Wechsel überzeugt gewesen wären und Stefan Reuter nicht ablehnen hätte können. Den Einfluss dieser Spieler hat man früh in der Saison schon wieder gemerkt: Gegen Düsseldorf traf Hinteregger zum Ausgleich, Max legte gegen Gladbach erneut Gregortisch vor. Die Abläufe sind automatisiert und die Spieler können ihre Qualitäten weiterhin in gewohnten Rollen entfalten. Jeder einzelne unserer Leistungsträger ist ein Puzzlestein, welches unseren Gegnern in diesem Jahr weiterhin Probleme bereiten wird – wie das hohe Anlaufen beim offensiven Angriffspressing.

Die Jugend – viele Wetten auf die Zukunft

Schon bis hierhin spricht vieles für eine erfolgreiche Sommerpause. Der FCA konnte seine Leistungsträger halten, hat den Kader in der Tiefe verstärkt und mit André Hahn einen weiteren Leistungsträger dazu geholt. Derweil habe ich die bedeutendste Entwicklung im Hinblick auf den Kader der nächsten Jahre noch gar nicht thematisiert. Sie liegt auch schon einige Zeit zurück und wurde schon Ende Mai bekannt gegeben. Marco Richter hatte seinen Vertrag langfristig verlängert. Richter ist offensiv der wohl flexibelste Spieler im Kader. Er kann falsche Neun, auf außen und auf der Zehner-Position spielen und überrascht den Gegner immer wieder. Ich habe gegenüber vielen Personen den Mund bzgl. Marco Richter sehr voll genommen. Ich glaube an seinen großen Durchbruch und daran, dass er als erster Spieler seit vielen Jahren als Spieler aus der eigenen Jugend eine prägende Rolle für die Mannschaft einnehmen kann. Das er seine Zukunft weiter in Augsburg sieht, ist großartig und nach dem Abgang von Erik Thommy keine Selbstverständlichkeit.

Dazu hat Simon Asta seinen ersten Profivertrag unterschrieben, genau wie das immer wieder Spieler aus der eigenen Jugend tun. Dadurch, dass der Kader etwas ausgedünnt wurde, bekommen sie vielleicht im Laufe der Saison eher ihre Chance. Der FC Augsburg sieht weiterhin viel Potential in den eigenen Jugendspielern und setzt das Konzept der letzten Jahre weiter fort.

Und so sitze ich nun hier in der ersten Länderspielpause der Saison 2018/19 und glaube daran, dass eine mannschaftliche Weiterentwicklung verbunden mit einer tabellarischen Verbesserung möglich ist. Zumindest hat Stefan Reuter sehr gute Voraussetzungen dafür geschaffen, in der er aggressiv Spieler gehalten und weitere verpflichtet hat. Nun liegt es an Manuel Baum die Mannschaft entsprechend zu trainieren als auch ein- und aufzustellen. Danach kann aber nur die Mannschaft selbst, als Summe aller Spieler, diesen nächsten Schritt machen und dafür muss sie an sich und ihre Abläufe und Möglichkeiten glauben. Was soll ich sagen: Ich bin dabei, wenn wir diese Saison viele noch mehr ärgern als sonst.

111 Jahre FCA und der Weg zur Uli-Biesinger-Tribüne

111 Jahre wird der FC Augsburg in 2018 alt. Eine anständige Feier gab es zuletzt in der Rosenau und auch drum herum wird von Vereinsseite viel gemacht. Es gibt Sonder-Fanartikel wie Schal und T-Shirt, eine Sonderedition des August Gin und die Augsburger Allgemeine hat ein Buch über die Ereignisse während der 111 Jahre herausgebracht. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein Faible für Fußballbücher habe. Über den FC Augsburg gibt es nicht allzu viele. Deswegen bin ich gespannt darauf, einen Blick in dieses neue Buch zu werfen. Der FCA selbst erzählt auf seiner Webseite 111 Geschichten aus 111 Jahren.

Darüber hinaus darf man sich auch in Jahren, in den kein runder oder schnapszahliger Geburtstag zu feieren ist, an die Traditionen des Vereins erinnern. Dafür kämpft die Szene Fuggerstadt nun schon länger. Immer wieder lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die Legenden der Vergangenheit, sei es über einzelne Choreografien, oder indem sie ihnen wie Helmut Haller eine Statue baut.  In der letzten Rückrunde haben FCA-Fans unter dem Dach der Szene Fuggerstadt bei jedem Heimspiel mit einem Infostand am Helmut-Haller-Denkmal, einer eigenen Homepage, einem Bericht im Stadionmagazin und optischen Aktionen bei den Spielen gegen Mainz und Schalke dafür geworben, die Stehplatztribüne im Norden unseres Stadions, zu Ehren des Weltmeisters von 1954 und Dritten der ewigen Torschützenliste der Oberliga Süd, in „Ulrich-Biesinger-Tribüne“ zu benennen.

Eine Entscheidung basierend auf dieser Kampagne wurde vor kurzem getroffen. Diese sollte auf ein möglichst breites Fundament gestellt werden, indem der FC Augsburg seine Mitglieder online über die Umbenennung abstimmen ließ. Das Ergebnis der Abstimmung war laut FCA eine deutliche Mehrheit für die Umbenennung. Wie viele Mitglieder ihre Stimme abgaben, gab der FCA allerdings nicht bekannt. Nachdem allerdings in einem Video mit den aufmunternden Botschaften von Klaus Hofmann und Peter Bircks der Verein selbst seine Unterstützung für die Umbenennung signalisierte, war der Weg seitdem geebnet.

Ich hätte mir gewünscht, dass Vertreter der Szene Fuggerstadt im Video auch zu Wort gekommen wären, so sie denn gewollt hätten. Mir scheint es weiterhin so, als ob der FCA selbst Traditionspflege meist getrieben durch die eigenen Fans oder zu Marketingzwecken betreibt. Wenn man nun mit dem Vereinsgeburtstag wirbt, so könnten auch alle Erlöse der entsprechenden Artikel dem Verein und der Jugendarbeit zu Gute kommen. Für welche Werte dieser Club steht, wird zu selten herausgestellt oder hinterfragt, genau wie er sich zu gesellschaftlich wichtigen Themen meist nicht äußert.

Der Szene Fuggerstadt und allen Beteiligten ist zu gratulieren, dass ihr Vorhaben auf eine breite Zustimmung gestoßen und die Umbenennung geglückt ist. Uli Biesinger ist wahrlich ein tolles Vorbild in der schnelllebigen Fußballwelt und seine Geschichte sollte jedem Jugendspieler in Augsburg bekannt sein. Mit der Umbenennung hat sein Andenken einen festen Platz in Augsburg erhalten. Auch wenn der erste Heimspieltag als Fahnentag ausgerufen wurde, so ist er doch in dieser Saison vor allem der Uli-Biesinger-Tag. An diesem kehrt die Erinnerung an Uli Biesinger dauerhaft ins Stadion auf dem Lechfeld ein und tritt an ihren rechtmäßigen Platz. Hoffen wir, dass die Bewahrung der Erinnerung von Vereinsseite nicht nur ein kurzes Strohfeuer war.

Viel zu tun abseits des Platzes

Es war etwas ruhiger hier an dieser Stelle über den Sommer. Manchmal muss man sich etwas zurückziehen, um wieder Kraft zu schöpfen und Orientierung zu finden. Dazu konnte ich mir über einige Dinge so meine Gedanken machen. Während sportlich die letzte Saison mehr als zufriedenstellend abgeschlossen wurde, ist beim FCA weiterhin nicht alles Gold was glänzt. Auch nach 111 Jahren nicht. Aber langfristig sind auch nicht alle mit der sportlichen Situation zufrieden. Sportliches Mittelmaß und schon liest man die ersten Kommentare, ob das für den FCA dauerhaft genug ist. Derweil der Club die wirtschaftliche Vernunft nicht verliert, werden von außen die Erwartungen schon wieder nach oben getrieben. Woher die Mittel für die weitere Entwicklung kommen sollen, bleibt dabei gerne unbeantwortet. Wir laufen immer noch gegen Windräder (wirtschaftliche Möglichkeiten z.B. in Stuttgart) an und gewinnen Jahr um Jahr unseren eigenen Titel des Nichtabsteigers.

Das Sommerpause ist, erkennt man auch daran, dass auf einmal Themen aufgewärmt werden, die gerade in Augsburg keine Aktualität haben. So kommentierte der geneigte AZ-Redakteur schon mal, wie sich die Liga von Ultras verarschen lässt und wirft dabei Randalierer, kriminelle Gewalttäter und Ultras in einen Topf. Es ist eine alte Debatte und Johannes Graf hätte sicher Augsburger Beispiele benannt, wenn es sie denn in der abgelaufenen Saison gegeben hätte. Es gab sie nur halt nicht. Wie viele Vorfälle mit Augsburger Fanbezug gab es  in der abgelaufenen Saison und wie viele gab es insgesamt in der Liga? Vielleicht können wir auch gleich noch mit den Vorjahren vergleichen und es würde uns auffallen, dass es kein relevantes, systemisches Gewaltproblem in deutschen Stadien gibt. Ich würde sonst nie überlegen, meine 4-jährige Tochter mit ins Stadion zu nehmen. Es muss ja nicht gleich der M-Block sein.

Dass der FCA gut daran tut, diese Kommentare von außen zu ignorieren, zeigt sich an einer Meinungsäußerung aus dem letzten April. Damals hatte Johannes Graf geäußert, dass das Modell Reuter auf den Prüfstand gehöre. In der Transferperiode danach lieferte Reuter ordentlich ab und brachte mit Manuel Baum zusammen die Mannschaft sportlich ein ganzes Stück nach vorne . Das Modell Reuter ist wohl momentan immer noch über jeden Zweifel erhaben.

Derweil gibt es abseits des Platzes einige offene Baustellen beim FCA, die eher weniger adressiert werden. In der letzten Sommerpause hatte ich einige Bereiche identifiziert, in denen der FCA sich weiter verbessern kann. Manche Probleme werden wir wohl kurzfristig nicht lösen. So wird wohl langfristig im Stadion mit Bezahlkarte bezahlt. Immerhin stellt der FCA sicher, dass es keine Ausfälle für die Fans gibt. Dass auch Gästefans eine Bezahlkarte nutzen müssen, ist weiterhin ärgerlich. Warum wir weiterhin auswärts öfters das Ausweichtrikot in grau tragen als unser grünes Auswärtstrikot gehört in die Kategorie der ungelösten Fragen. Anstatt in grau bzw. in dieser Saison schwarz (welches sich nur durch Logo/Sponsor von der Leipziger Variante unterscheidet) zu spielen, würde ich auch auswärts lieber das Heimtrikot sehen, wenn farblich das Auwärtstrikot nicht akzeptiert wird. So hat man das früher doch auch gehandhabt und es war kein Problem. Solange wir nicht wieder auf Neonfarben zurückgreifen, will ich darüber allerdings nicht allzu viel nachdenken.

Mich beschäftigen vor allem zwei Themen:

Die Einbindung von Fans und Mitgliedern beim FCA 

Über die Strukturen beim FCA habe ich schon des öfteren geschrieben. Ich verstehe auch die Rolle des Klaus Hofmann immer weniger. Welche Position nimmt er genau ein? Fakt ist, dass die Mitglieder des Vereins die Mehrheit der Stimmrechte an der KGaA halten, im Aufsichtsrat allerdings nicht vertreten sind. Dort findet man nur Investorenvertreter. Nun bietet der FCA seit neuestem Fan- und Mitgliedersprechstunden an und feiert auch gerne zusammen im Rahmen von 111-Jahr-Feier und Familienfest oder lädt die Fanclubs zum Grillen ein. Bei der Sprechstunde darf man sich vorher anmelden und als Bittsteller erscheinen. Ich übertreibe vielleicht ein bisschen, aber aktive Mitbestimmung in festen Strukturen, die über den momentanen guten Willen der Verantwortlichen hinaus geht und sicherstellt, sieht doch komplett anders aus.

Die fehlende Haltung des FC Augsburg

Der SV Babelsberg 03 hat über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregt, da der Verein für Anti-Nazi-Sprechchöre eine Strafe zahlen sollte. Zumindest fanden sich die Sprechchöre in der Begründung der Strafe wieder, woraufhin sich der Verein weigerte die Strafe zu begleichen und angedroht bekam, vom Spielbetrieb ausgeschlossen zu werden. Viele Vereine nutzten die Gunst der Stunde, um sich mit den Babelsbergern zu solidarisieren. Der SC Freiburg und Fortuna Düsseldorf nahmen die Soli-Shirts  mit dem Aufdruck “Nazis raus aus den Stadien” in die eigenen Fanshops in eigenen Farben auf und verkauften diese zu Gunsten des SV Babelsberg. Der FC Augsburg äußerte sich nicht.

Und kurz bevor nun die achte Bundesligasaison des FC Augsburg startet, bereiten mir diese Themen Kopfschmerzen. Der Übergang von Walther Seinsch zu Klaus Hofmann bedeutet anscheinend auch einen Übergang vom gesellschaftlich engagierten Club (z.B. zusammen mit der Stiftung Erinnerung) zum inhaltsleeren Investorenmodell. Und während ich hier sitze und diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, ob mich das nicht mehr trifft, als ein sportlicher Abstieg (der mich im Fall der Fälle zum Heulen bringen würde). Zumindest langfristig entfremde ich mich von meinem Verein etwas, denn ich bekomme auch aus der Entfernung mit, wie von manch einem im Stadion über “die Kanaken” geschimpft wird. Wie sehr ich mir in diesem Zusammenhang mehr wünsche als nur die nächste inhaltsleere Marketingkampagne. Getrieben und mitbestimmt von der großen Mehrheit des Vereins. Es bleibt in der Zukunft viel zu tun und ich hoffe wir packen es gemeinsam an und feiern uns nicht nur selbst.

Wer rastet, der rostet? Von Rast kann keine Rede sein!

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

So ruhig war es während einer Sommerpause in Augsburg schon lange nicht mehr. Vor zwei Jahren kam Dirk Schuster nach Augsburg und mit ihm ein negativer Bruch nach der Zeit unter Markus Weinzierl. Diese Episode war schnell wieder beendet. Im letzten Sommer musste man sich fragen, ob Manuel Baum das Zeug zum Bundesligatrainer hat, der eine Mannschaft formen und langfristig in dieser Liga arbeiten kann. Das hat er mittlerweile bewiesen. Daneben wurden einige gestandene Spieler letzten Sommer abgegeben, als u.a. Paul Verhaegh und Raul Bobadilla den Verein verlassen haben. Auch bei Marwin Hitz hatte man letztes Jahr schon andauernd gerätselt, ob er geht oder bleibt. Ruhe in der Sommerpause hatten wir jetzt schon eine Weile nicht mehr. 

In diesem Sommer ist alles anders. Der FCA hat letzte Saison sportlich überraschend gut gespielt und souverän den Klassenerhalt eingefahren. Bei einigen Leistungsträgern hatte zumindest ich gedacht, dass es sehr schwierig werden würde, diese zu halten. Marwin Hitz musste man ablösefrei ziehen lassen, wusste dies aber noch vor Saisonende. Sowohl Philipp Max, Jeffrey Gouweleeuw, Michael Gregoritsch als auch Alfred Finnbogason trainieren immer noch in Augsburg auf die neue Saison hin. Daneben rückt zumindest der Transferschluss in England in immer greifbarere Nähe und Stefan Reuter hat in einem Interview geäußert, dass er sich im Moment nicht mit offenen Anfragen beschäftigen würde. Es kommt das Gefühl auf, dass wir mit diesem Kader (abgesehen von einigen Abgängen von Ergänzungsspielern wie Usami zuletzt) in die neue Saison gehen. Nach einem umtriebigen Start in die Transfeperiode ist danach nicht mehr viel passiert. Es ist sehr ruhig und konzentriert in Augsburg gearbeitet worden. Ich beginne Ruhe und Untätigkeit durcheinander zu bringen. 

Momentan fällt es schwer im Kader eine Weiterentwicklung gegenüber der letzten Saison zu sehen. Einzig bei André Hahn erwarte ich, dass er uns sportlich direkt verbessert. Nach einem verkorksten Jahr in Hamburg muss allerdings auch André Hahn sich wieder beweisen. Julian Schieber, Fredrik Jensen und Felix Götze sehe ich eher als Verstärkungen für die Tiefe des Kaders. Wie groß ihr sportlicher Beitrag sein wird, ist deutlich weniger absehbar. Sie werden ihre Zeit brauchen, um sich an die Liga zu gewöhnen (Götze und Jensen) und müssen fit bleiben (Schieber!). Nach dem Abgang von Marwin Hitz und einer fehlenden Verstärkung auf der Position des Rechtsverteidigers stellt sich mir daher die Frage, ob die Mannschaft, die beim Pokalspiel gegen Steinbach auf dem Platz stehen wird, besser ist, als die Elf, mit der wir in die letzte Saison gestartet sind. Ich zweifle.

Etwas Unruhe erfasst mich auch, wenn ich sehe, wie sich die Konkurrenz teilweise verstärkt hat. Mainz 05 hat sich von Diallo, Serdar und Muto getrennt und im Gegenzug über 20 Mio. EUR für Kunde, Mateta und Niakhaté ausgegeben. Keiner der drei ist älter als 22. Mit Caricol, einem 21jährigen spanischen U21-Nationalspieler, soll für 10 Mio. EUR das nächste Talent nach Mainz gelotst werden. Große Investitionen in die sportliche Zukunft der Mannschaft. Investitionen, die wir in Augsburg bisher in diesem Sommer nicht gesehen haben. Dies liegt auch daran, dass wir keine großen Transfererlöse erzielt haben, die wir reinvestieren könnten. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir keine geeigneten Kandidaten identifiziert haben, von denen die sportliche Führung überzeugt wäre. Wie dem auch sei, einer wie Michael Gregoritsch ist in diesem Jahr bisher nicht verpflichtet worden. Bräuchten wir nicht noch einen rechten Schlegel zum linken Schlegel dazu? 

Naja, der Gregerl ist ja auch immer noch da, genau wie die anderen Granaten. Wahrscheinlich haben wir uns als Fans mittlerweile einfach an eine gewisse Drehgeschwindigkeit des Karussells gewöhnt, so dass wir selbst verwundert sind, wenn sich mal nicht so viel bewegt. Zumindest mir geht es im Moment so. Und wenn ich länger darüber nachdenke, dann freue ich mich. Meine Hoffnung liegt darin begründet, dass Manuel Baum die Spieler stetig weiterentwickelt und auch die Leistungsträger von heute noch einen Sprung machen können in der kommenden Saison. Wenn alle fit sind, dann ist das wohl immer noch mit die beste FCA-Mannschaft, die wir je hatten. Zudem waren wir letzte Saison nur dann schwächer, wenn Leistungsträger ausgefallen sind und nicht adäquat ersetzt werden konnten. Die Investitionen in die Kadertiefe könnten sehr lohnend sein und uns einige zusätzliche Punkte bescheren. Dazu kennt sich dieses Team gut, ist eingespielt und kann von Anfang an in den Wettbewerben durchstarten. Wie viel Energie geht jedes Jahr verloren, bis sich alle kennen, das System erlernt haben und wissen, wie sie in welchen Situationen zu reagieren haben? Diese Eingewöhnung ist bei uns in diesem Jahr nicht nötig. Es ist nie alles perfekt, aber insgesamt sind wir wohl gut vorbereitet auf das, was kommt. Lassen wir uns nicht kirre machen, bis es endlich wieder losgeht. Zeit wird es, dass es endlich wieder losgeht. Es ist ja kaum auszuhalten. 

Hat die Tiefstapelei ein Ende?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Größer hätte der Unterschied zwischen Erwartungen und Realität nicht sein können. Die meisten Experten hatten den FC Augsburg vor der letzten Saison auf Platz 18 der Tabelle getippt. Mit dem Abstiegskampf hatte die Mannschaft in der letzten Saison dann nichts zu tun. Am Ende war Platz 12 das Resultat. Mehr als der Tabellenplatz bleibt mir in Erinnerung, dass es am Ende der Saison um nichts mehr ging. Wir hatten schon festgestellt, dass der FCA mit dieser Saison im Mittelmaß angekommen ist. Zumindest ist das unser Eindruck.

Viel hängt nun allerdings in der Sommerpause davon ab, wie der FC Augsburg auch außerhalb des Clubs wahrgenommen wird. Welche Möglichkeiten hält ein Spieler für realistisch, der sich überlegt zu wechseln? Während vor der letzten Saison auch außerhalb Augsburgs die Zweifel an der sportlichen Leitung in Person von Trainer Manuel Baum noch erheblich waren und selbst in Augsburg das System Reuter auf den Prüfstand gestellt werden sollte, so hat mittlerweile die breite Öffentlichkeit einen deutlich bessere  Meinung über die Beteiligten. Baum ist immer noch der sympathische, bodenständige Typ, der sich auch nicht scheut, über Druck und Belastung zu sprechen. In der letzten Saison hat er vor allem gezeigt, dass er Spieler verbessern und eine Mannschaft optimal auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen kann. Reuter steht über allem und hat in der letzten Sommerpause eine großartige Trefferquote bzgl. seiner Transfers bewiesen. Insgesamt sorgen die Verantwortlichen so dafür, dass aus den bestehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr gemacht wird als bei genügend Konkurrenten.

Und anscheinend sind nicht nur die Verantwortlichen selbst überzeugt, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Stefan Reuter hat mit seiner Arbeit in der Sommerpause gerade erst begonnen und schon weitere wichtige Bausteine für die Mannschaften der nächsten Jahre gesichert und verpflichtet. Ein wichtiges Zeichen waren zuerst der Vertragsabschluss von Simon Asta und die Vertragsverlängerung von Marco Richter. Nachdem Erik Thommy im Winter mitgeteilt hatte, dass er seine Zukunft nicht mehr in Augsburg sieht, konnte der FCA mit Asta und Richter zwei hochveranlagte Talente langfristig binden. Der eigene Nachwuchs ist dann doch meist von seinen Entwicklungschancen überzeugt und erkennt die positiven Entwicklungen.

Daneben konnte Reuter zwei weitere große Namen an den Lech locken. Nachdem sich André Hahn in der letzten Sommerpause noch für den HSV entschieden hatte und damit falsch gelegen war, kommt er nun doch nach Augsburg zurück. Hahn hatte nach seinem Wechsel von Augsburg nach Gladbach immer wieder sein großes Potential aufzeigen können, war aber auch immer wieder von Verletzungen geplagt. Der HSV war nun sportlich für kaum einen Spieler ein erfüllendes sportliches Umfeld in den letzten Jahren. Hahn hat in seinem Begrüßungsvideo angedeutet, dass er zurückkehrt und der Blick nach oben gerichtet ist. Anscheinend hat er den FCA in den letzten Jahren beobachtet und glaubt nun wieder daran, dass er gemeinsam mit dem Verein wieder erfolgreich sein kann.

In diesem Glauben ist er nicht alleine. Denn auch mit Julian Schieber kommt ein Spieler aus Berlin, der schon für deutliche größere Vereine aktiv war. 156 Bundesligaspiele und auch einige Treffer gegen den FCA zeugen von einem erfahrenen Spieler. Nun hatte auch Schieber mit Verletzungen zu kämpfen und wäre sonst wohl für den FCA nicht verfügbar, aber dennoch werte ich es als ein positives Zeichen, wenn sich ein solch ein positiver Typ für uns entscheidet.

Das heißt nun nicht, dass sowohl Hahn als auch Schieber in Augsburg einschlagen werden. Die Verpflichtungen waren allerdings günstig. Hahn ist erst 27 und kostete gerade einmal 3 Millionen EUR Ablöse. Schieber kommt ablösefrei. Beide füllen offensichtliche Lücken im Kader. In der letzten Saison fehlte eine adäquate Alternative hinter Alfred Finnbogason. Rechts vorne konnten weder Jonathan Schmid noch Marcel Heller überzeugen und Marco Richter kann seine Stärken im Zentrum besser ausspielen. Alles in allem hat sich der FCA in dieser Transferperiode bisher ausschließlich verbessert.

Neben dem Zutrauen von außen wird es allerdings in dieser Sommerpause darauf ankommen, wohin der Weg unserer aktuellen Leistungsträger führt. Wenn sich die Gruppe um Alfred Finnbogason, Michael Gregoritsch, Philipp Max und Jeffrey Gouweleeuw mehrheitlich entscheidet, dem FCA die Treue zu halten, dann müssen selbst geborene Tiefstapler eingestehen, dass das Ziel wohl eher erneutes  Mittelmaß statt Abstiegskampf sein wird. Es wäre ein schöner Gedanke. Bis dahin bleibt zumindest der Eindruck, dass uns außerhalb von Augsburg zumindest in der nächsten Saison weniger Konkurrenten unterschätzen werden. Auch wenn einige von Ihren Spieler den Weg bis dahin zu uns finden werden, wird es nicht leichter werden. Aber leicht war es noch nie und auch damit kennen wir uns aus.

Obacht, die Saison ist noch nicht vorbei

Gestern konnte der FC Augsburg gegen Mainz 05 drei Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt auch rechnerisch sicherstellen. Eine Saison, die vor Saisonbeginn viele Fragen aufwarf, wird somit am letzten Spieltag in Freiburg in jedem Fall erfolgreich beendet. Manuel Baum hat in den letzten Wochen immer wieder betont, dass der Klassenerhalt unsere Meisterschaft ist. Sieben Spielzeiten in der Bundesliga und wir sind immer noch nicht auch nur einmal abgestiegen. Das hätte ich mir niemals so zu erträumen erhofft.

Derweil wurde die Geschichte vom Ziel des Klassenerhalts in den letzten Wochen von den Verantwortlichen des FC Augsburg arg überstrapaziert. Die Abstände waren schon länger äußerst komfortabel und 40 Punkte brauchte man historisch in den seltensten Fällen, um dem Abstieg zu entgehen. Allerdings hat die Darstellung dazu geführt, dass die Erwartungen im Umfeld nicht aus dem Ruder liefen und die Stimmung ruhig blieb, auch wenn die Ergebnisse in letzter Zeit nicht besonders konstant waren. Zwar waren die Leistungen nicht schlecht, die notwendige Portion Glück, z.B. beim Platzverweis von Jan Moravek in Wolfsburg kombiniert mit dem Lattentreffer von Marco Richter, ging uns allerdings ab. Sonst wäre der Klassenerhalt vielleicht noch früher schon gesichert gewesen und wir hätten deswegen gar keine T-Shirts mehr gedruckt. Gestern wurden T-Shirts verteilt und verkauft, es wurde verkündet, dass gefeiert wird und die Stimmung war ausgelassen.

Dennoch habe ich heute morgen einen Blick auf die Tabelle geworfen und verwundert festgestellt, dass es im Mittelfeld immer noch sehr eng zugeht. Wir stehen im Moment auf Platz 11. Schlechter als Platz 13 wird es für uns nicht mehr werden, aber der Blick nach oben eröffnet noch einige Möglichkeiten. Ein einstelliger Tabellenplatz ist in Reichweite und auch der Abstand auf Platz 7 ist mit sechs Punkten auf Eintracht Frankfurt nicht unmöglich einzuholen, vor allem, da die Eintracht ein äußerst schwieriges Restprogramm vor sich hat und erstmal nächste Woche zu den Bayern darf. Unsere Chancen in der nächsten Saison noch in der Europa League zu spielen, sind zwar äußerst gering, existieren aber dennoch immer noch. Goalimpact berechnet diese momentan mit 1,6 Prozent.

Ich sehe diese Chance allerdings höher, denn ich bin mir nicht sicher, ob alle positiven Entwicklungen, die bei uns zu guten Ergebnissen in den letzten Spielen führen könnten, vollauf berücksichtigt wurden. Zum einen sind fast alle Leistungsträger mittlerweile wieder an Bord. Alfred Finnbogason hat eindrucksvoll gezeigt, welchen Einfluss er in unserem System haben kann und wie wichtig er für uns ist. Als Gegner würde mir das Offensivquartett Finnbogason, Gregoritsch, Caiuby und Richter im Moment ein paar Sorgenfalten bereiten. In dieser Konstellation sind wir offensiv sehr variabel und sollten auch in den letzten Spielen spielerische Lösungen finden. Darüber hinaus stehen wir defensiv gerade auch wieder sehr stabil. Gegen Mainz haben wir sehr wenige Tormöglichkeiten zugelassen. Sportlich haben wir für die letzten drei Partien ein starkes Blatt auf der Hand.

Dafür ist es allerdings notwendig, dass wir die Spannung halten und die Konzentration jetzt auch nach dem offiziellen Klassenerhalt nicht wegbricht. Schon vor einigen Wochen schien sich da ein wenig der Schlendrian einzuschleichen. Diese Reaktion ist aus meiner Sicht vollkommen nachvollziehbar. Der FC Augsburg sollte dem aber spätestens jetzt durch eine geänderte öffentliche Kommunikation entgegenwirken. Manuel Baum hat auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Mainz auf eine Frage zur Fähigkeit der Weiterentwickelbarkeit der Mannschaft mit Blick auf die kommende Transferperiode beantwortet. Dafür ist es aus meiner Sicht deutlich zu früh. Ich hätte mich gefreut, wenn er die Frage mit Blick auf die letzten drei Spiele kurz abgefrühstückt hätte.

Gerade beim Trainerteam liegt jetzt die Verantwortung, die Mannschaft für jedes der letzten drei Spiele entsprechend einzustellen und die Spieler in die Pflicht zu nehmen. Die Bundesligajahre haben gezeigt, dass wir viele unmöglich erscheinende Dinge schaffen können, wenn wir sie nur versuchen (nicht immer, aber in genügend Fällen). Entsprechend sollten wir zumindest versuchen, aus den letzten Spielen das Maximum herauszuholen. Danach wird sich dann zeigen, wofür das vielleicht noch reichen mag.  Folgenden Formulierungsvorschlag biete ich hierfür gerne an: “Wir haben immer gesagt, wir überprüfen nach dem Klassenerhalt unser Saisonziel. Nach oben ist der Zug noch nicht abgefahren. Wir werden jetzt alles in die Waagschale werfen, um auf den Zug noch aufzuspringen. Dafür ist die Partie gegen Hertha ein erstes Endspiel, welches wir mit der breiten Unterstützung unserer Fans, die mit einem Sonderzug anreisen, gewinnen wollen.” Vielleicht können wir dem Mittelmaß noch einmal von der Schippe springen.  So großartig die momentane Situation als FCA Fan schon grundsätzlich ist, so werde ich doch nie aufhören zu träumen, solange Möglichkeiten zumindest rechnerisch noch bestehen. Nicht nach fast sieben vollständigen Spielzeiten in der Bundesliga und der #keineSau-Tour durch Europa.

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Ankommen im Mittelmaß

In den sieben Jahren, die der FC Augsburg nun schon in der Bundesliga spielen darf, hatte man genau drei Mal vor dem 30. Spieltag nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das erste Mal in der Saison 2013/14, in der man Achter wurde. Zum zweiten Mal in der Ausnahmesaison 2014/15, die uns allen die bislang wohl schönsten Fußballabende in Rot, Grün und Weiß bescherte, und uns in der nachfolgenden Saison quer durch Europa schickte. Und nun also dieses Jahr zum dritten Mal. Damit nähert man sich den 50% an, dem guten Durchschnitt, dem Mittelmaß. Was andernorts eine negative Konnotation hat, dürfte in Augsburg große Freude auslösen.

Schaut man sich die ersten sieben Jahre der Fussball Bundesliga an, beginnend mit der Saison 1963/64, so dürfte mancher, der noch nicht so viele Lenze hat kommen und gehen sehen, durchaus überrascht sein: Mit Köln, Bremen, 1860 München, Braunschweig, Nürnberg, dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach gab es gleich sieben verschiedene Deutsche Meister. Ein Glücksfall für die noch junge Bundesliga und auch wenn dominante Mannschaften über einige Zeit das bundesdeutsche Fussballgeschehen prägten, so kann man fast von grandioser Abwechslung sprechen wenn man heutige Zeiten dagegen hält. In den vergangenen 20 Jahren gab es lediglich drei Deutsche Meister (Bremen, Stuttgart & Wolfsburg jeweils mit einer Meisterschaft), die nicht aus München oder Dortmund kamen. Als der FC Bayern am vergangenen Wochenende vorzeitig die Meisterschaft beim 1:4-Erfolg in Augsburg feiern durfte, war es sein sechster (in Zahlen: 6) in Folge. Ist man Fussballfan in Deutschland und nicht Anhänger der beiden dominanten Teams – man hat heutzutage nur noch wenige Träume.

In Augsburg war der Traum eigentlich stets: Noch ein Jahr länger Bundesliga spielen, bevor es vielleicht dann doch wieder in die zweite Liga geht.
Und um Spannung und Dramatik zu wahren, seiner eigenen Rolle als Verein mit stets dem kleinsten Etat gerecht zu werden, durfte man in den vergangenen sieben Jahren auch nahezu immer bis fast zum Schluss bangen und mitfiebern und hoffen. Auch mit Abschluss der Saison 2017/18 wird man resümieren: Gut gemacht, alle Ziele erreicht. Vielleicht wäre mehr drin gewesen, wie Michael Gregoritsch kürzlich zitiert wurde, vielleicht kann man aber auch froh sein, trotz wichtiger Abgänge, trotz viel Kritik am zunächst aufgeblähten Kader, der dann sträflich harsch ausgedünnt wurde, und trotz Verletzungen wichtiger Säulen der Mannschaft, einfach solide Arbeit gemacht zu haben und mit dem Abstieg eigentlich die gesamte Saison nicht viel zu tun gehabt zu haben. Vielleicht.

Wenn der FC Augsburg nun den Weg von Hertha BSC Berlin oder Mainz 05 gehen würde, ein Weg in das Mittelmaß, man dürfte sehr dankbar darüber sein. Seit Jahren haben sich diese beiden Mannschaften, deren Ausstrahlung nicht arg unähnlich derer des FC Augsburg sind, im Mittelfeld der Bundesliga etabliert. Mal mit Ausreißern nach oben, mal nach unten – aber meist: grundsolide. Wie Augsburg, durfte man auch in Mainz und Berlin internationale Luft schnuppern und feierte dies wie den Gewinn der Meisterschaft. Überhaupt: Ist der Europapokal nicht die eigentliche Meisterschaft? Der Nicht-Abstieg ein Pokalgewinn?

Mit der zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fussballs wird die Schere zwischen den ganz Großen und dem Rest immer größer werden. In anderen Ligen, in Spanien, in Italien, in England und (nicht ganz neuerdings) auch in Frankreich ist man das schon gewohnt. In Deutschland, dem Land in dem 50+1 wie ein teures Porzellan aus dem Familienerbe behandelt und aus Rücksicht auf einen ausgeglichenen Wettbewerb und die Tradition nicht angefasst werden darf, glaubte man bis zuletzt an eine ausgewogene erste Liga. Hielt man zwischenzeitlich inne und stellte fest, dass der Tabellenzweiten einen geringeren Punktevorsprung auf den Relegationsplatz als Punkterückstand auf die Bayern hatte, dann könnte man durchaus auch resümieren: Ja, die Bundesliga ist in der Tat noch sehr ausgeglichen.

Diese erste Einschätzung täuscht jedoch, wenn man sich die Tabellenkonstellation nach dem letzten Spieltag der vergangenen sieben Jahre jedoch mal näher ansieht. Ganz oben, wie bereits beschrieben, fast immer die Bayern, dahinter zwar in abwechselnder Reihung die etatstarken Teams, folgend der Rest. Was diese Monotonie der Ergebnisse mit der Fussballbegeisterung in Deutschland nachhaltig machen wird, bleibt abzuwarten – und auch in Augsburg muss man seinen Weg aus den sinkenden Publikumszahlen finden müssen um das Fussballprojekt FCA langfristig in der Bundesliga halten zu können.

Doch wenn der Abstieg irgendwann tatsächlich kein Thema mehr wäre in Augsburg, die Meisterschaft unerreichbar und auch die internationalen Plätze schon fast automatisch durch die natürlichen Anwärter aus Dortmund, Schalke, Leverkusen, Leipzig, Hoffenheim und Gladbach besetzt, was bleibt denn noch übrig an Träumen und Zielen? Wofür quält man sich durch Montagsspiele bei -5°C in Dortmund, durch immer teurer werdende Tickets und TV-Abos, durch eine immer größer werdende Entfremdung zwischen Verein und Anhängerschaft, wie man sie vielerorts derzeit erlebt?

Was ist langfristig noch drin für den FC Augsburg? Auf eure Meinungen sind wir gespannt.

Der FC Augsburg und seine Haltung zu 50+1

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Am 22. März fand bei der Deutschen Fußballliga (DFL) eine Diskussion zur Zukunft der 50+1 Regel statt. Diese Regel stellt sicher, dass die Vereine eine Stimmmehrheit von mind. 50+1 Prozent behalten, auch wenn Sie mehr Anteile als 50% an den ausgegliederten Kapitalgesellschaften verkaufen. Grundsätzlich wird durch die Regel sichergestellt, dass Vereine nicht von Investoren übernommen  und bestimmt werden können. Es verhindert nicht, dass sich Vereine in auswegslose Situationen manövrieren, wie dies u.a. der TSV 1860 München geschafft hat. Ausnahmen von der 50+1 Regel gibt es seit vielen Jahren. Grundsätzliche Ausnahmen sind Bayer 04 Leverkusen und der VfL Wolfsburg, die beide als Werksmannschaften grundsätzlich den Unternehmen und nicht Vereinsmitgliedern gehören. Eine weitere Ausnahmeregel setzt voraus, dass sich ein Investor über Jahrzehnte erheblich für seinen Verein engagiert hat. Dietmar Hopp genießt diese Ausnahme in Hoffenheim, wo er die Mehrheit der Stimmrechte am Verein mittlerweile hält.

Darüber hinaus gibt es praktische Möglichkeiten, die Regelung zu umgehen. Das Konstrukt in Leipzig hat einen Weg gefunden, indem es die Mitgliedschaft beim Verein stark begrenzt. Auch beim FC Augsburg gibt es keinen Entscheidungsträger des Vereins,  der bei der KGaA beteiligt wäre und nicht selbst investiert hätte. Faktisch ist nur Klaus Hofmann von Vereinsseite in der Profiabteilung involviert und hält zugleich mit seinem Konsortium die Mehrheit der Anteile an der KGaA. Im Folgenden soll es nicht über den grundsätzlichen Sinn und Unsinn der 50+1 Regel gehen. Allerdings hat sich der FC Augsburg rund um das Treffen bei der DFL und auch schon früher zur 50+1 Regel geäußert. Die Haltung der Entscheidungsträger des FCA will ich gerne näher betrachten, denn diese wirft zumindest Fragen auf.

Was sagen die Verantwortlichen?

Finanz-Geschäftsführer Michael Ströll sagte der “Augsburger Allgemeinen” im Vorfeld zur Diskussion bei der DFL: “Wenn es Ausnahmeregeln gibt, dann müssen die auch für alle gelten oder es gibt für niemanden eine Ausnahmeregelung.” Ströll verlautbarte in diesem Zusammenhang zusätzlich: “Der FCA will Chancengleichheit am besten im Rahmen von 50+1. Alle sollen mit den gleichen Bandagen kämpfen und mit den gleichen Voraussetzungen in Konkurrenz treten.” Ob er dies auch für die bestehenden Ausnahmen, also die Werksclubs und die TSG Hoffenheim, so verstehen würde, ließ sich an dieser Stelle nicht nachlesen. Allerdings scheint es doch sehr unwahrscheinlich, dass die bestehenden Ausnahmeregelungen von Regeländerungen bzgl. der 50+1 Regel negativ betroffen sein könnten.

Klaus Hofmann hatte sich in einem kicker-Interview, welches am 29.01.2018 erschien, ähnlich und sogar noch deutlicher geäußert. In dem Interview hatte er die Ausnahmeregelungen bzgl. 50+1 alle für schädlich erklärt. Auf Nachfrage bestätigte er, dass er damit auch die Werksclubs und die TSG Hoffenheim meine. Klaus Hofmann hat sich in diesem Zusammenhang auch deutlich zu seiner zukünftigen Vorstellung der 50+1 Regel geäußert. Seine Aussage damals war: “Ich habe Sympathie dafür, dass jeder Verein die Diskussion selbst führen kann, ob er 50+1 haben will oder nicht.” Nun mal ganz ehrlich: Wer glaubt, dass bei einer Diskussion der 50+1 Regel die bestehenden Ausnahmefälle wegfallen werden, der ist einfach nur naiv. Um daher Chancengleichheit zu gewährleisten, soll die 50+1 Regel nicht mehr für alle (mit Ausnahmen) obligatorisch sein? Das ist zumindest die Auffassung, die von Klaus Hofmann so vertreten wurde. Dies kommt einer Abschaffung der 50+1 Regel gleich. Ist dies allerdings im Interesse des Vereins?

Warum kann der Verein kein Interesse an dieser Haltung haben?

Der Verein FC Augsburg kann nur ein geringes Interesse an dieser Haltung haben. Die Lockerung der 50+1 Regel wird meist deshalb gefordert, damit neue Investoren gefunden werden können, die nur durch das Zugeständnis einer Stimmmehrheit an Bord kommen. Der FC Augsburg e.V. hat allerdings schon alle Anteile (99%) an der KGaA verkauft. Durch einen weiteren Anteilsverkauf kann daher kein zusätzliches Kapital generiert werden. Davon ab bleibt das Mittel einer Kapitalerhöhung, um neue Anteile ausgeben zu können. Dieses Mittel stünde jetzt schon zur Verfügung und so lange die Investorengruppe weiterhin eine solche Menge an Anteilen hält, würde ein Neuinvestor  so schnell auch bei einer Kapitalerhöhung keine Stimmmehrheit erlangen, insofern dies möglich wäre. Eine Öffnung von 50+1 ist dafür daher nicht notwendig, außer die Investoren um Klaus Hofmann wollen die Mehrheit der Anteile abgeben und haben daher vor, den Verein in fremde Hände zu geben.

Daneben würde eine Öffnung der Regel bedeuten, dass sich die Lage von Vereinen verbessert, die selbst noch über viele Anteile an ihren Profigesellschaften verfügen. Sie haben dann, durch die offizielle Möglichkeit auch die Stimmmehrheit abzugeben, ein wirkliches Pfund in der Hand. Der FCA würde sich daher durch eine Öffnung der Regel relativ verschlechtern.

Was steckt dann hinter dieser Haltung?

In welchem Interesse äußern sich die beiden Herren dann? Bei Michael Ströll ist die Antwort recht einfach. Er ist Angestellter der KGaA und vertritt die Meinung seines Dienstherren. In diesem Zusammenhang ist er dem Aufsichtsrat zur Rechenschaft verpflichtet. Ein Blick genügt und es fällt auf, dass im Aufsichtsrat keine Vereinsvertreter sitzen sondern nur Vertreter des Investorenkonsortiums. Der Verein soll zwar die Stimmmehrheit haben, aber in der Strukutur sieht man das nicht. Und auch bei Klaus Hofmann scheint die Meinung des Investors den Blick zu trüben. Nachdem für mich keine offenkundigen Gründe ersichtlich sind, warum der Verein eine Öffnung der Regel für positiv erachten sollte, scheint Klaus Hofmann in diesem Zusammenhang seine eigenen Investoreninteressen durch den FCA zu vertreten.

Eine Öffnung der 50+1 Regel könnte dazu führen, dass die bestehenden Investoren auch ganz offiziell die Stimmmehrheit übernehmen könnten. Das diese Agenda auch ganz offen so vertreten wird, verwundert mich zumindest ein bisschen. Die Interessen der Mitglieder, die ihn zum Präsidenten des Vereins gewählt haben, scheinen Klaus Hofmann dabei egal zu sein. Ob wir uns das alle bei seinem Dienstantritt vorgestellt haben, als er – wie er das immer gerne tut – als Fanvertreter aufgetreten ist? Ich befürchte mittlerweile ein Szenario zwischen Dietmar Hopp und Martin Kind, wobei von beiden nicht bekannt wäre, dass sie eine Loge bei einem Ligakonkurrenten zerlegt hätten. Bombige Aussichten auf die achte Bundesligasaison.

Die bisherige Arbeitsbilanz des Stefan Reuter

In meiner Januar-Kolumne habe ich eine kleine Ode auf Stefan Reuter geschrieben, der sein fünfjähriges Dienstjubiläum im Winter in Augsburg feiern durfte. Nachdem die Wintertransferperiode schon wieder etwas länger vorbei ist, bleibt nun etwas Zeit, um einen Blick auf Reuters gesamte Transferbilanz als Manager des FC Augsburg zu werfen, bevor wir uns vielleicht in den kommenden Wochen auch daran machen, ein paar Gedanken in Richtung Kaderplanung für den Sommer zu verschwenden.

Wie sehr Stefan Reuter die sportlichen Geschicke des FCA in den letzten Jahren geprägt hat, lässt sich schon alleine daran sehen, dass sich nur noch 5 Spieler im 25 Spieler starken Kader des FC Augsburg finden, die nicht von Stefan Reuter ursprünglich fest verpflichtet wurden. Und auch diese haben zwischenzeitlich von Reuter Vertragsverlängerungen erhalten.

Insgesamt hat Reuter 33 Spieler fest verpflichtet. Dafür hat er ca. 57 Millionen Euro ausgegeben. Nicht alle davon haben sich durchgesetzt. Áber manche davon waren großartige Transfers. Es folgen die meiner Meinung nach 5 besten:

  1. Abdul Rahman Baba (Sommer 2014): Baba war nur eine Saison für den FCA tätig. Während dieser spielte er eindrucksvoll und ließ den FC Chelsea alle Hemmungen vergessen. 20 Millionen Euro wechselten den Besitzer und Baba verließ den FCA wieder.
  2. Philipp Max (Sommer 2015): Als Ersatz für Baba kam Philipp Max vom Karlsruher SC. Die Ablöse war mit fast 4 Millionen Euro hoch, vor allem für einen Spieler, der sein Potential in der ersten Liga noch nicht unter Beweis gestellt hatte. Max hat sich mittlerweile zum aufregendsten Augsburger Spieler entwickelt und wird alles dafür geben, damit er im Sommer für Deutschland bei der WM spielen darf.
  3. Michael Gregoritsch (Sommer 2017): Gerade erst im Sommer vom HSV gekommen sieht Gregerl schon jetzt wie ein Spieler aus, der regelmäßig um die 10 Tore pro Saison schießen wird. Dazu ist er technisch stark und wird auch weiterhin einige Vorlagen geben. Mit Gregoritsch hat der FCA neben Finnbogason eine weitere offensive Waffe erhalten, die diesen vielleicht in Zukunft in den Schatten stellen kann.
  4. Alfred Finnbogason (Sommer 2016): Es hat gedauert. Verletzungen haben immer wieder dafür gesorgt, dass Finnbogason pausieren musste, wie auch in den letzten Spielen wieder. Wenn Finnbogason fit ist, dann ist er der komplettste Stürmer, den der FCA in all den Jahren in der ersten Liga hatte. Abschlussstark, kombinationssicher, mit gutem Kopfballspiel und stark gegen den Ball.
  5. Jeffrey Gouweleeuw (Winter 2015/16): Gerade hatte man den AZ Alkmaar in der Europa League geschlagen und einen talentierten Innenverteidiger dabei entdeckt. 3 Jahre später hat sich Gouweleeuw zum Anker in der Innenverteidigung entwickelt. Derweil Hinteregger der spektakulärere Spieler von den beiden ist, sticht er gelegentlich auch durch Fehler hervor. Gouweleeuw ist im Gegensatz konsistenter und in der Spieleröffnung noch besser. Der einzige Wintertransfer auf dieser Liste.

So wie es Volltreffer gab, gab es auch schlechte Transfers. Die fünf schlechtesten aus meiner Sicht waren bisher:

  1. Tim Matavz (Sommer 2014): So viele Tore in der Eredevise. Am Ende hat Matavz nur beeindruckt, indem er die schlechtesten Laktattestdurchläufe der Mannschaft aufwies. Mehrmals. In diesem Fall ist es nicht gelungen, vor einem Transfer herauszufinden,  ob ein Spieler die professionelle Einstellung eines Erstligaspielers hat.
  2. Jonathan Schmid (Sommer 2016): Alex Esswein wechselte gerade nach Berlin. Als Ersatz war Jonathan Schmid auserkoren. Schmid hat eine ordentliche Ablöse gekostet und seitdem selten für besondere Momente gesorgt. Bisher ist dieser Transfer eine einzige Enttäuschung.
  3. Fabian Giefer (Sommer 2017): Der wunderlichste Transfer im Sommer war die Verpflichtung von Fabian Giefer. Marwin Hitz wechselte nicht und trotzdem gab man Geld für einen Torhüter aus. Giefer saß bisher nur auf der Tribüne und ist anscheinend nicht besser als Andreas Luthe. Klar, man wollte sich absichern. Aber vielleicht hätte Hitz auch einfach verlängert, wenn man die Kosten des Giefer Transfers noch auf seine Vergütung aufgeschlagen hätte.
  4. Takashi Usami (Sommer 2016): Usami war einst als großes Talent aus Japan zum FC Bayern München gewechselt und sich danach auch bei der TSG 1899 Hoffenheim nicht durchgesetzt. Der FCA holte ihn aus Japan erneut nach Europa. Nur damit er sich erneut nicht durchsetzt. Usami ist momentan nach Düsseldorf ausgeliehen, allerdings sind meine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Rückkehr begrenzt.
  5. Nikola Djurdjic (Sommer 2014): Im Sommer 2014 kamen zwei Stürmer. Keiner davon konnte sich durchsetzen. Djurdjic kam mit weniger Hoffnung beladen als Matavz. Dennoch konnte auch er nur für sehr wenige positive Momente in Augsburg sorgen. Ein klassischer Fehleinkauf.

Der FCA musste bisher immer eine recht hohe Anzahl an Spielern verpflichten. Das liegt daran, dass aus der eigenen Jugend bis vor kurzem kaum ein Talent bei den Profis Fuß fassen konnte. Zudem entwickeln sich Spieler weiter und müssen mit Gewinn verkauft werden. Dies führt dann zu einer Verpflichtung von Ersatz für diese Spieler. Mit der reinen Anzahl von Transfers hebt man sich allerdings in keinster Weise ab. Auch Clubs wie Freiburg, Frankfurt oder Mainz hatten eine ähnliche Anzahl von Transfers. Und das, obwohl diese Vereine schon deutlich früher in ihre Jugendmannschaften investiert haben. Die Trefferquote von Stefan Reuter scheint daher zu passen. Das Transferminus liegt dabei auch nicht weit abseits von anderen Vereinen. Große Sprünge sind dabei weiterhin nicht zu erwarten, v.a. da der FCA immer noch mit die niedrigsten Gehälter zahlen kann. Junge Profis kommen daher vor allem für die Entwicklungsmöglichkeiten und wollen den Verein wieder verlassen, wenn sie sich sportlich weiterentwickelt haben und ein entsprechendes Angebot kommt. Stefan Reuter hatte bisher ein gutes Händchen dafür, die richtigen Spieler zu verpflichten, die hungrig angegriffen haben, um sich in der Bundesliga zu etablieren und sich derweil auch bei Enttäuschungen ruhig verhalten haben. Meist gelingt es ihm dabei korrekt, das Potential der Spieler richtig einzuschätzen. Aus meiner Sicht ist das in dieser Branche der entscheidende Aspekt, der für den FCA einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil darstellt. Hoffen wir, dass es im Sommer auch wieder klappt.