Reuter raus?!

“Reuter raus” – seit Tagen mehren sich unter den Social-Media-Beiträgen des FC Augsburg derartige Kommentare. Das Echo auf die Vertragsauflösung mit Rekordspieler Daniel Baier ist nach wie vor enorm. Die Degradierung des Capitanos hat ein Beben am Lech ausgelöst – und die Führung des FCA in ein miserables Licht gerückt. Die Klubbosse verspielen bei den Fans immer mehr Kredit.

Nun wurde zur Causa Baier schon viel gesagt und geschrieben, auch in der Gazetten-Redaktion herrschte Fassungslosigkeit über den Umgang mit der Vereinslegende. Es mag unverständlich klingen, dass sich über die Vertragsauflösung eines 36-Jährigen derart echauffiert wird, doch es geht hier immerhin um Daniel Baier – Leader, Kapitän, Rekordspieler. Und es geht – sportliche Beweggründe ausgeklammert – vor allem um die Art und Weise. Erst im Januar verlängerte der FCA mit dem Sechser. Inklusive großer Worte: “Daniel Baier identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem FCA und hat das Spiel in den letzten Jahren geprägt. Daher freuen wir uns, dass wir den Weg gemeinsam fortsetzen“, hieß es damals von Manager Stefan Reuter.

Reuter raus? Die Liste der Verfehlungen ist lang

Ein halbes Jahr später ist die Liebesbekundung von damals passé und die Kritik an den Verantwortlichen des FC Augsburg so omnipräsent wie nie. Und das nicht nur in der Kommentarspalte auf Instagram, sondern auch in den einschlägigen Sportmedien. Der kicker bilanziert in seiner Montagsausgabe: “Bevor sich die Mannschaft zum ersten Mal trifft, gibt es in Augsburg schon wieder Diskussionen.” Denn einmal mehr sorgt beim FCA Chaos für Unruhe. Das liegt vor allem an Verfehlungen der Chefetage um Manager Reuter.

Vorweg, der FCA hat Reuter sehr viel zu verdanken. Nach der Hinrunde der Saison 2011/12 sah nahezu alles danach aus, dass Augsburg bald wieder zweitklassig spielen wird. Unter Markus Weinzierl standen gerade mal neun magere Punkte. Am 27. Dezember 2012 begann am Lech jedoch eine neue Zeitrechung. Weltmeister Reuter heuerte als Geschäftsführer Sport an – und brachte den sportlichen Erfolg zurück. Der FCA feierte sensationiell den Klassenerhalt und konnte sich bis in die Gegenwart im Oberhaus etablieren. Als Extra-Zuckerl gab es die Europa League obendrauf. Die positive Entwicklung des Klubs begründet sich auch in Reuters klugen Transferentscheidungen der Marke Hitz, Baba, Finnbogason, Max oder jüngst Niederlechner. Lange konnte man Stefan Reuter vertrauen. Leider hat der frühere Profi aber bewiesen, dass er auch anders kann. In seiner Zeit beim FCA lag der 53-Jährige nicht selten daneben.

Warum setzen sie mehr auf Quantität statt Qualität, Herr Reuter?

Es wäre absolut vermessen, zu fordern, jeder Neuzugang hätte einzuschlagen. In Zukunft würde ich jedoch gerne auf den ein oder anderen Flop verzichten. Tim Matavz (mit vier Millionen Euro Ablöse damals Rekordeinkauf) sollte der nächste Topstürmer werden, Daniel Opare Oldie Paul Verhaegh auf der Rechtsverteidigerposition beerben. Beide Ideen sind krachend gescheitert. Hinzu kommt aus dem aktuellen Kader etwa ein dauerverletzter Julian Schieber sowie ein vogelwilder Reece Oxford, der Reuter nach einer Katastrophen-Leihe unverständlicherweise von einem längerfristigen Engagement überzeugen konnte und somit sämtliche FCA-Fans weiterhin zur Weißglut bringen darf.

Ungewohntes Terrain: Julian Schieber verbrachte fast mehr Zeit in der Augsburger Hessingpark-Klinik als auf dem Fußballplatz. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Die Kaderzusammenstellung wirft generell große Fragen auf. Beim FCA ging es in der Vergangenheit schlicht zu oft um Quantität statt Qualität. Vor einem Jahr verlängerte Reuter etwa ohne ersichtlichen Grund den Vertrag von Dauerreservist Georg Teigl bis 2022. Folglich ist der Kader völlig aufgebläht, sodass Spieler förmlich zum Wechsel gedrängt werden, notfalls mit Abfindungen. Offensichtlich wollen die Klubbosse damit auch die Hierarchie im Team brechen, denn “wir haben gerade in der Corona-Pause einiges über die Wichtigkeit von Teamfähigkeit und Loyalität dem FC Augsburg gegenüber gelernt”, wie Vorstand Klaus Hofmann jüngst im AZ-Interview erklärte. Einige Spieler im Team sollen diese wohl stören, weswegen nun das große Aussortieren ansteht. Andreas Luthe etwa, der in Augsburg von keinem der Bosse je richtig geschätzt wurde, könnte damit bald das Baier-Schicksal blühen: Führungsspieler, auf Wiedersehen.

Warum fehlt seit Marvin Hitz die Konstanz im FCA-Tor, Herr Reuter?

Die Transferpannen gipfeln derweil im Torwart-Debakel. Nach dem Hitz-Wechsel setzte Reuter auf Fabian Giefer. Der Ex-Düsseldorfer konnte sich seinerzeit auf Schalke nicht durchsetzen und wurde von S04 deshalb ohne jede Spielpraxis für ein halbes Jahr zu Bristol City verliehen. Selbst dort war Giefer am Ende kein Stammspieler mehr. Und das in der zweiten englischen Liga. Reuter griff dennoch zu und lotste den Keeper nach mickrigen 14 Spielen in drei Jahren an den Lech. Der Rest ist Geschichte.


In Mainz führt der FCA bis zur 87. Minute mit 1:0, dann dreht der FSV dank Giefers Katastrophen-Patzern die Partie. Weil der Keeper auch im nächsten Spiel gegen Bremen schlecht aussieht, ist er den Stammplatz bereits am 5. Spieltag wieder los. Luthe übernimmt. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Vor einem Jahr versuchte Reuter seinen Fehlgriff zu korrigieren und präsentierte die große Lösung Tomas Koubek. Der Manager machte den Tschechen mit kolportierten 7,5 Millionen Euro Ablöse prompt zum viertteuersten Torwart der Bundesligageschichte. Folglich hätte man schon etwas erwarten können vom Neuzugang aus Rennes. Doch Koubek entwickelte sich zum mit Abstand größten Flop der Vereinsgeschichte. Wie gut, dass der Schuldige für die Keeper-Krise bereits gefunden ist. Mit Torwarttrainer Zdenko Miletic wurde zum Saisonende nicht verlängert und es wirkt so, als wolle man den vereinstreuen 52-Jährigen für die Koubek-Patzer verantwortlich machen. Eine Farce, die die gern gepriesenen Familienwerte weiter konterkariert. Statt von Mile sollte man sich lieber von Koubek verabschieden, doch ob man ihn überhaupt wieder los wird, ist mehr als fraglich. Falls ja, darf sich Reuter wohl auf ein krasses Minusgeschäft einstellen.

Als mutmaßlich neue Nummer Eins wurde nun Rafal Gikiewicz verpflichtet. Ob dadurch endlich Ruhe zwischen den Pfosten einkehrt, ist derzeit noch unklar. Denn der FCA hat vielmehr ein neues Problem geschaffen, statt das alte zu lösen.

Warum haben Sie das Gregoritsch-Angebot aus Bremen nicht akzeptiert, Herr Reuter?

In den letzten Jahren machte sich Reuter unterdessen einen Namen als knallharter Verhandlungspartner. Das mag sich einige Male ausgezahlt haben, ging aber eben auch nach hinten los. Im vergangenen Sommer hätte Werder Bremen gerne Michael Gregoritsch verpflichtet, doch der Deal scheiterte wegen den zu hohen Ablöseforderungen des FCA. Also blieb der Österreicher bei Rot-Grün-Weiß, spielte überhaupt keine Rolle und schimpfte sich im “Hauptsache weg”-Interview den Frust von der Seele: “Bei aller Liebe, aber ich habe jetzt ein halbes Jahr praktisch nicht gespielt. Da kann man sich nicht hinstellen und wieder eine zweistellige Millionensumme verlangen.” Tatsächlich werden derartige Sphären nach seiner Leihrückkehr aus Gelsenkirchen nun – auch wegen Corona – wohl nicht mehr erreicht. Ähnliches gilt für Marco Richter und vor allem Philipp Max. Es ist sehr schön, dass beide noch in Augsburg unter Vertrag stehen, doch das werden sie gewiss nicht ewig tun. Den Moment der höchsten Ablösesumme hat Reuter verpasst.

Warum durfte ich nicht gehen? “Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich hätte wechseln können, es hat ein Angebot auf dem Tisch gelegen”, poltere Michael Gregoritsch im November 2019. Kurz darauf wurde er vom FCA sanktioniert und zum FC Schalke verliehen. Nun ist der Österreicher wieder zurück. (Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Schuster, Baum, Schmidt – wer von diesen Trainern hat beim FCA funktioniert, Herr Reuter?

Neben den Verfehlungen auf dem Transfermarkt ist Reuter in jüngster Vergangenheit auch verantwortlich für die unruhige Lage auf dem Trainerstuhl. Seit Markus Weinzierl hat sich kein Coach nachhaltig etablieren können. Dirk Schuster wurde nach nicht einmal einem halben Jahr entlassen. Als Grund nannte Reuter “unterschiedliche Auffassungen über die weitere sportliche Ausrichtung und die Art und Weise, wie der FCA Fußball spielen will.” Dass Schuster nicht gerade mit Offensivdrang auffällt und mit seiner destruktiven Spielweise versucht, den Gegner zu zermürben, hätte man aus seiner (zugegeben erfolgreichen) Zeit beim SV Darmstadt jedoch auch vorher wissen können.

Auf Schuster folgte NLZ-Chef Manuel Baum. Erst “bis auf Weiteres”, dann als Chefcoach. Der Taktik-Experte schien einige Profis jedoch zu überfordern. “Ich kann nichts Positives über ihn sagen” meinte Ex-Verteidiger Martin Hinteregger im Januar 2019 nach dem zehnten sieglosen Spiel in Serie. Im April wurde Baum dann entlassen und von Martin Schmidt beerbt.

Die Chemie schien am Anfang zu passen, doch auch diese Beziehung fand ein jähes Ende. Gerade einmal 32 Spiele war Martin Schmidt im Amt, dann setzte ihn Reuter vor die Tür. (Photo by Christof STACHE / AFP)

Der sympatische Schweizer führte den FCA in den verbleibenden sechs Spielen zum Klassenerhalt. Insgesamt war aber auch Schmidt nicht die nachhaltige A-Lösung an der Seitenlinie. Vor der Corona-Unterbrechung feuerte ihn Reuter dann und lotste seinen früheren Teamkollegen Heiko Herrlich nach Schwaben. Auch der Ex-Stürmer schaffte den Klassenerhalt, jedoch mit einem schlechteren Punkteschnitt als sein Vorgänger. Wow. In den gut vier Monaten Amtszeit sorgte der gebürtige Mannheimer zudem für die ein oder andere Negativschlagzeile, was für zusätzliche Unruhe im und um den Verein sorgte. Der FCA ist mittlerweile eben Für Chaos Anfällig.

In die Chefcoach-Diskussionen reiht sich auch ein weiteres unrühmliches Kapitel der Reuter-Ära. Mitten im Ärger um Caiuby und Hinteregger, der in der Suspendierung gipfelte, präsentierte der Manager Ende Januar 2019 Jens Lehmann als neuen Co-Trainer. Puh. Wirklich zusammen passte das letztlich alles nicht. Deswegen waren wohl auch nur wenige FCA-Fans traurig, dass nach Baums Entlassung im April auch für Lehmann Schluss war.

Reuter im Zentrum der Kritik – doch auch über Hofmann darf diskutiert werden

Stefan Reuter mag bei den aufgelisteteten Fehlern gewiss als maßgeblicher Entscheidungsträger aufgetreten sein, fällt die Kaderplanung und Trainerbesetzung doch in seinen Kompetenzbereich. Doch der Fisch stinkt immer vom Kopf her, wie es so schön heißt. Soll bedeuteten, bei all der Kritik an Reuter darf nicht vergessen werden, dass auch Klaus Hofmann hinterfragt werden kann. Der Vorstandschef, der nur allzu gerne vom familiären Verein spricht, trägt Miletics und Baiers Degradierung mit, hat als mächtigster Mann im Klub eigentlich auch das letzte Wort. Als einst Baum und Lehmann entlassen wurden, musste auch Stephan Schwarz gehen. Der technische Direktor, wie Reuter seit 2012 beim FCA, galt als Vertrauter des Managers, kennen sich die beiden doch aus gemeinsamen Zeiten bei 1860 München. Es soll zwar auch zwischen ihm und Reuter Differenzen gegeben haben, doch der Schluss liegt nahe, dass diese Entscheidung insbesondere von Hofmann gefällt wurde.

Klaus Hofmann ist seit Dezember 2014 Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg – und hat dementsprechend viel Macht. Die Hofmann Investoren GmbH besitzt 99 Prozent der Anteile der Fußball-Club Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Mit diesen Zeilen sollte deutlich werden, dass beim FC Augsburg in jüngster Vergangenheit einiges schief gelaufen ist. Der Fall Baier ist hier nur die Spitze des Eisberges. Klar ist auch, dass im Knallhart-Business Bundesliga nicht immer alles ohne Störgeräusche ablaufen kann, sonst wäre es ja auch langweilig. Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich als kleiner FCA an den Chaos-Klubs der Beletage orientieren muss. Aus diesem Grund: Zurück zu den Wurzeln! Zu den Werten des Familienklubs, des Underdogs, der mit klugen Entscheidungen und Ruhe Jahr für Jahr in der Bundesliga bleibt. Bisher ist dies gelungen, doch aktuell stellt sich die Frage, wie lange diese Mission noch gut geht? Ich bin gerne dazu bereit, Reuter, Hofmann & Co. noch eine Chance zu geben. Es könnte aber so langsam die letzte sein.

Hilfe für Markus Gisdol: So wird man wie der FCA!

La Decima. 10 Jahre Bundesliga am Stück. Ein Erfolg, der auch bei der Konkurrenz Eindruck gemacht hat. Mehr als zumindest ich vermutet hätte. Effzeh-Trainer Markus Gisdol hat den FC Augsburg zu einem Vorbild für die Kölner ausgerufen. Man wolle so werden wie der FCA. Das kann ich verstehen. Alles in allem sind wir halt doch ganz geil. Nachdem uns Markus Gisdol nur aus der Ferne kennt, wollt ich ihm auf diesem Wege ein paar mehr oder weniger ernst gemeinte Tipps geben, wie seine Kölner so werden können, wie wir.

Dream BIG

Markus Gisdol hat Zurückhaltung gefordert. Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Das ist nicht der Augsburger Weg. Träumen ist erlaubt. Walther Seinsch träumte von Augsburg im Europapokal, lange bevor wir das Ziel erreichten. Klaus Hofmann träumte von Spielern aus der eigenen Jugend in der ersten Elf. Wir träumten von der Meisterschaft. Träumen ist Essenz des Fantums und muss erlaubt sein. Nicht nur das. Träumen sollte eine Pflicht sein.

Rückschläge sind einkalkuliert

Und auch wenn wir träumen, sind wir nicht naiv. Rückschläge sind einkalkuliert. Wir haben schon oft damit gerechnet, dass wir absteigen. Es würde kurzfristig unser Herz brechen, wäre jedoch keine langfristige Katastrophe. Unsere Liebe kennt – wie auch die der Kölner Fans – keine Liga. Zumindest in den Fällen, in denen es zählt. Das wir unsere eigene Stärke nicht als gegeben annehmen, ist wahrscheinlich die Grundlage der größten Augsburger Qualität: dem Granteln. Sympathisches Motzen bedingt durch Verlustangst. In Köln müsste gegrantelt werden anstatt geklüngelt. Tiefgreifende Änderungen, die eine gezielte Umerziehung und einen Generationenwechsel voraussetzen würde. Aussichtslos? Wahrscheinlich. Keiner grantelt so gut, wie wir Augsburger.

Ein Investor muss her

Warum es sportlich nichts wird in Köln ist zudem glasklar. Ein Investor müsste in Köln mal für Ruhe sorgen. Als Sofortmaßnahme schlage ich daher einen Verkauf von 99% der Anteile an Klaus Hofmann & Co. vor. Das lassen die Statuten der DFL nicht zu? Was die Leipziger gemacht haben, ja doch auch nicht. Da wird sich schon ein Weg finden.

Ohne einen Investor wie Klaus Hofmann geht halt nichts mehr in der Bundesliga. Das müssen auch die Kölner einsehen. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Wenn wir den Bayern erlauben, dass ihre zweite Mannschaft in die zweite Liga aufsteigen darf, dann haben wir in München sicher einen Verbündeten. Klar, Klaus Hofmann müsste dann auch Präsident des Effzeh werden, aber das sollte ja kein Problem sein. Erfolg in der Bundesliga ist nun mal in den letzten Jahren Investorenclubs vorbehalten. Da muss man durch.

Befreit den Geißbock

Neben den eher nebensächlichen Änderungen struktureller Art, bedarf es weiterer wichtiger Einschnitte um den Effzeh in die Augsburger Erfolgsspur zu hieven. Der Fokus muss auf dem Platz liegen und nicht daneben. In Augsburg ist fest verankert, dass kein Maskottchen vom Geschehen auf dem Rasen ablenken darf.

Gebt’s doch zu. Der Geißbock lenkt euch vom Lesen ab. Es sollte hier ja auch nicht um Tiere gehen, sondern um Fußball. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Um die Kölner nicht andauernd mit ihrem Verlust zu konfrontieren, sollten die Hennese dieser Welt sofort in den Augsburger Zoo überführt werden. Klimabedingt fühlen sie sich dort sowieso viel wohler als in Köln. Wetten, dass über dieses Thema mehr diskutiert würde, als über einen Anteilsverkauf?

Bereit sein, das Notwendige zu tun

Wer wie wir Augsburger sein will, der sollte zudem bereit sein, in den wichtigen Momenten das Notwendige zu tun. Und damit meine ich nicht den Zahnpastakauf von Heiko Herrlich. In Augsburg bedeutet das auch, mal einen Elfmeterpunkt zu zerstören, um sich einen Vorteil zu sichern. Durch eindeutige Gesten einem gegnerischen Trainer zu zeigen, was man von ihm hält. Man kann dem FCA zumindest keine fehlende Identifikation mit seinem Ausrüster Nike vorwerfen, dessen Motto ja lautet: “Just do it”.

Butter bei die Fische

Insgesamt hat der Effzeh noch einen weiten Weg vor sich, um so zu werden, wie der FCA. Aber ist das denn überhaupt erstrebenswert? Der Effzeh ist einer der traditionsreichsten und tollsten Clubs dieses Landes mit vielen tollen Fans. Klar, es läuft nicht alles rund beim Effzeh. Aber bei welchem Club tut es das schon? Der Effzeh sollte immer der Effzeh bleiben. Sich und seinen Werten treu verbunden.

Markus Gisdol denkt schon an die Zukunft und freut sich auf sein Engagement beim FC Augsburg. (Photo by RONALD WITTEK/POOL/AFP via Getty Images)

Es ehrt uns trotzdem, dass Markus Gisdol uns als Vorbild sieht. 10 Jahre Bundesliga am Stück sind etwas Besonderes. Vielleicht steckt aber auch mehr dahinter. Gisdol war noch bei keinem seiner Clubs langfristig sportlich erfolgreich. Eine Gisdol Entlassung in Köln in der nächsten Saison ist daher nicht unwahrscheinlich. Der FCA hält meist länger an Trainern fest, aber wie lange ist das bei Heiko Herrlich möglich? Im Zweifel war die Aussage ein gezielter Versuch von Markus Gisdol, sich beim FCA für eine zukünftiges Engagement zu bewerben. Nachdem wir nichts gegen Trainer mit nur kurzfristigen sportlichen Erfolgsaussichten haben (immerhin!), die auch mal komische Dinge sagen, könnte das sogar klappen. So oder so wird man sich wiedersehen. Hoffentlich bald wieder im Stadion, wenn eine erneute Partie FCA – Effzeh für uns alle eine große Freude darstellt. Dieses Aufeinandertreffen hat ja mittlerweile schon fast Tradition.

Welcher Spieler des FC Augsburg hat sich 2019/20 am meisten verbessert?

Wir küren momentan die FCA-Spieler der Saison. In puncto wertvollster Spieler gab es vergangene Woche einen klaren Sieger. Mit 51 Prozent habt ihr für Florian Niederlechner votiert. Gewiss eine nachvollziehbare Wahl. In Kürze folgt die Abstimmung zum Augsburger Newcomer der Saison, doch nun wollen wir uns mit dem Spieler beschäftigen, der sich in der abgelaufenen Spielzeit am meisten verbessert hat. An dieser Stelle sei erwähnt, dass uns die Auflistung diesmal nicht leicht gefallen ist. Denn eine wirklich krasse Verbesserung sehen wir leider nur bei wenigen Profis. Nachfolgend werden die fünf Spieler vorgestellt, die unserer Meinung nach dennoch einen Leistungsschub hinter sich haben.

Raphael Framberger

Der gebürtige Fuggerstädter spielt seit 2004 beim FCA und wurde im Laufe seiner Karriere immer wieder von schlimmen Verletzungen zurückgeworfen. Auch deshalb kommt er nur auf insgesamt 37 Bundesligaspiele. Der Rechtsverteidiger wechselte sich in dieser Saison quasi mit Stephan Lichtsteiner ab und überzeugte dabei alles in allem mehr als der routinierte Schweizer, der für uns ein Verlierer der Saison ist. Kontinuierlich entwickelt sich Framberger zu einem soliden Bundesligaspieler. Das schnelle Augsburger Eigengewächs offenbart zwar immer noch teils große technische Probleme, kann diese aber oft durch seinen unbändigen Einsatzwillen kompensieren. Wie die Rolle des 24-Jährigen in Zukunft aussieht, kann wohl erst nach Abschluss der Transferphase gesagt werden. Am Freitag gab es Gerüchte aus Frankreich, wonach sich der FCA mit Straßburgs Kenny Lala beschäftigen soll. Auch die Spur zu Kevin Rüegg vom FC Zürich scheint noch nicht gänzlich erkaltet. Beide spielen auf Frambergers Position.

Raphael Frambergers Entwicklung scheint noch nicht abgeschlossen. Kann sich der Rechtsverteidiger einen dauerhaften Stammplatz sichern? (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Fredrik Jensen

Zugegeben, seit seinem Wechsel 2018 ist Jensen der Durchbruch in Augsburg nicht gelungen. Nachdem der Finne in seiner Prämierensaison noch gar keine Rolle gespielt hat, war er in Teilen dieser Spielzeit zumindest ab und an ein Faktor. Unter Martin Schmidt schien der 22-Jährige gar aufzublühen, stand dreimal in Serie in der Startelf. Dass zu seinen zehn Spielen (ein Tor, eine Vorlage) keine weiteren Einsätze hinzukamen, liegt neben der Verplichtung Eduard Löwens und dem Leistungsschub Noah Sarenren Bazees vor allem am Trainerwechsel. Der offensive Mittelfeldspieler, der auch auf den Außen eingesetzt werden kann, spielte unter Heiko Herrlich überhaupt keine Rolle. Obwohl Jensen nicht verletzt war, stand er unter dem Neucoach kein einziges Mal im Kader. Schade eigentlich, denn das Potential des Nationalspielers scheint noch nicht ausgeschöpft.

Andreas Luthe

Als Andreas Luthe im September 2018 anstelle des völlig indisponierten Fabian Giefer zur Nummer Eins befördert wurde, bekam er die Chance, sich dauerhaft als Stammkeeper zu etablieren. Zuvor hatte er den Kampf um die Nummer Eins gegen Giefer noch verloren. Damals nutzte der heute 33-Jährige diese Chance jedoch nur bedingt, weshalb ihn Reuter & Co. im Winter Gregor Kobel vor die Nase setzten. In der abgelaufenen Saison hatte der FCA – Koubek sei Dank – dann wieder Probleme auf der Torhüterposition, sodass Luthe erneut einspringen musste. In insgesamt zehn Spielen erwies sich der Ex-Bochumer als ein sicherer Rückhalt, zeigte sich im Vergleich zum Vorjahr extrem verbessert und sicherte dem FCA mit starken Paraden den Klassenerhalt. Dennoch könnten seine Tage in Augsburg gezählt sein.

Da, wenn man ihn braucht. Andreas Luthe verbesserte sein Torwartspiel und war gegen Ende der Saison ein souveräner Rückhalt im Kasten der Schwaben. (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Philipp Max

In der Jugend spielte Max zeitweise als Offensivspieler, in der U23 von Schalke 04 agierte der Linksfuß etwa im Mittelfeld. So wirklich nachhaltig als Verteidiger trat Max erst seit seinem Wechsel zum Karlsruher SC in Erscheinung. Daher ist es verständlich, dass der 26-Jährige immer noch kleinere Probleme in der Defensive hat. In der abgelaufenen Saison waren diese jedoch immer weniger zu beobachten. Er geht zwar bisweilen zu früh ins Tackling, doch alles in allem wirkt sein Abwehrverhalten weitaus gefestigter als noch zu Beginn seiner Zeit beim FC Augsburg. Das birgt jedoch auch Nachteile. Denn interessierten Vereinen wird dieser Leistungsschub ebenfalls nicht entgangen sein.

Marco Richter

Zu Beginn der Saison brauchte Richter etwas, um in Tritt zu bekommen. Die kräftezehrende U21-EM zeigte ihre Nachwehen. Dann aber fand der gebürtige Friedberger zurück in die Spur. Seine reine Statistik von vier Toren und drei Vorlagen klingt ausbaufähig, doch Richter nur auf Zahlen zu reduzieren, wäre falsch. Der 22-Jährige verbesserte sich in dieser Saison in der Rückwärtsbewegung und scheint unter Heiko Herrlich gar eine neue Position gefunden zu haben. Als hängende Spitze kommt seine Abschlussstärke noch einnmal besser zur Geltung als auf den Außen. Richters positive Entwicklung bleibt derweil auch bei der Konkurrenz nicht unbemerkt, immer wieder gibt es Gerüchte um einen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach.

Vom eigenen Nachwuchs in die große Fußballbühne Bundesliga. Marco Richter spielt seit 2012 beim FCA. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Abstimmung: Wer war der meistverbesserte FCA-Spieler in dieser Saison?

Letztlich haben wir uns auf oben genannte Spieler geeinigt. Dass sich mit Jensen ein Spieler in der Auflistung befindet, der eigentlich keine goße Rolle gespielt hat, zeigt leider, dass beim FCA vieles im Argen liegt. Zu wenige Spieler zeigten ihr Potential. Das kritisierte nun auch Rani Khedira: “Wir haben sehr gute Einzelspieler, da wäre mehr drin gewesen”, meinte der Führungsspieler im aktuellen Kicker-Sonderheft. Nun seid ihr wieder gefragt. Stimmt ab und wählt den meistverbesserten Spieler der FCA-Saison. Haben wir jemanden vergessen?

Wer war der meistverbesserte Spieler 2019/20?

  • Andreas Luthe (34%, 27 Votes)
  • Raphael Framberger (30%, 24 Votes)
  • Philipp Max (16%, 13 Votes)
  • Fredrik Jensen (11%, 9 Votes)
  • Marco Richter (9%, 7 Votes)

Total Voters: 80

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Welcher Spieler war 2019/20 am wertvollsten für den FC Augsburg?

Die ungewöhnlichste Bundesligasaison der Geschichte ist passé und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen. Nachdem wir uns zuletzt mit den Gewinnern und Verlierern der FCA-Saison beschäftigt haben, starten wir nun mit unseren Abstimmungen zum “Spieler der Saison”. Die ausgewählten Kategorien bleiben gleich, sodass wir den wertvollsten und meistverbesserten Spieler sowie den Newcomer der abgelaufenen Spielzeit küren wollen. Los geht es mit dem wertvollsten Spieler. Wichtig dabei ist, dass “wertvoll” nicht zwingend gleichzusetzen ist mit “bester”. Wir suchen den Spieler, der mit seiner Leistung auf seiner Position einen bedeutenden Anteil am Erfolg des FC Augsburg hatte. Infrage kommt jeder Profi, der in dieser Saison mindestens einmal für Rot-Grün-Weiß auf dem Platz stand. Nach reiflicher Überlegung steht nun eine Shortlist, bestehend aus fünf Spielern, aus der ihr den wertvollsten wählen könnt. Nachfolgend die Kandidaten in alphabetischer Reihung:

Rani Khedira

Seit der Bruder von Weltmeister Sami 2017 an den Lech wechselte, entwickelte er sich zu einer immer wichtiger werdenden Konstante im Kader des FC Augsburg. Auch in dieser Spielzeit war Khedira unumstrittener Stammspieler, stand in 32 Partien auf dem Platz. Teilweise führte der defensive Mittelfeldspieler die Mannschaft sogar als Kapitän auf den Platz. Khediras sportliche Leistungen schwankten in dieser Saison zwar etwas, doch als Führungsspieler war der 26-Jährige quasi unverzichtbar. Der Deutsch-Tunesier könnte die zentrale Achse des FC Augsburg wohl noch für lange Zeit prägen.

Nach seiner enorm starken Saison 2018/19 flachten die Leistungen Rani Khediras in dieser Spielzeit etwas ab. Dennoch ist er unumstrittener Stammspieler – und als Führungsspieler wichtig für den FCA. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Andreas Luthe

Es sagt vieles über das Torwart-Problem beim FC Augsburg aus, wenn nun schon wieder ein neuer Keeper verpflichtet wird. Giefer, Koubek, Gikiewicz – alle drei sollten beziehungsweise sollen endlich für Ruhe im FCA-Kasten sorgen. Gelungen ist dies in den ersten beiden Fällen jedoch nicht, mit anderen Worten, die Transfers sind krachend gescheitert. Wie gut, dass man mit Andreas Luthe eine solide Nummer Zwei im Kader hat. Luthe liefert, wenn er gebraucht wird. Und das auch in dieser Spielzeit. Nach dem Torwartwechsel strahlte der 33-Jährige die geforderte Ruhe aus und hatte mit starken Paraden einen großen Anteil am Klassenerhalt. Mit ihm im Tor kassierte der FC Augsburg 12 Tore in 10 Spielen. Koubek musste in 24 Spielen 51-mal hinter sich greifen. Das reichte aber offenbar nicht, um die Verantwortlichen von sich zu überzeugen.

Philipp Max

Dass Martin Schmidt bis April 2020 als Trainer für den FC Augsburg arbeiten durfte, hat er gewiss auch Philipp Max zu verdanken. Wer weiß, ob Reuter & Co. die Reißleine gezogen hätten, wenn Max im November nicht sehenswert zum 1:0-Siegtreffer in Paderborn getroffen hätte. Es folgte eine spektakuläre Aufholjagd zum Jahresende – und Schmidt durfte erstmal bleiben. Darüber hinaus war Max einer der wenigen Konstanten im Kader, auf dessen Leistungen man sich Woche für Woche verlassen konnte. Seine Mängel in der Rückwärtsbewegung sind immer seltener zu beobachten und in der Offensive überzeugt Max ohnehin. Acht Tore und sechs Vorlagen belegen dies eindrucksvoll.

Philipp Max blickt einmal mehr auf eine starke Saison zurück. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Florian Niederlechner

Was für eine Saison vom Neuzugang des SC Freiburg. Der Stürmer erzielte starke 13 Tore und bereitete neun weitere Treffer vor – Augsburger Bundesligarekord. Niederlechner sei Dank erlebten die FCA-Fans ein sorgenfreies Weihnachtsfest, denn gegen Ende der Hinrunde drehte der gebürtige Ebersberger so richtig auf. Beim 4:2 gegen Hoffenheim war er an allen Toren direkt beteiligt. Hinzu kommt der wichtige Siegtreffer gegen Mainz sowie etliche weitere starke Leistungen für den FCA. Im Jahr 2020 flachte seine Form etwas ab, doch gegen Ende der Rückrunde war er mit seinen wichtigen Toren in Mainz und Düsseldorf ein Garant für den Klassenerhalt.

Felix Uduokhai

Es sind immer wieder kritische Stimmen über Felix Uduokhai zu hören. Die gezogene Kaufoption von kolportieren 7 Millionen Euro sei zu viel für den Ex-Löwen. Ja, die Summe ist hoch, gerade in Corona-Zeiten, aber sportlich gesehen ist der Sachse mit nigerianischen Wurzeln jeden Cent wert. Ein souveränes Stellungsspiel, eine ordentliche Passquote und hohe Pressingressitenz sowie hart geführte Zweikämpfe sprechen für sich. Der statistisch gesehen beste Zweikämpfer im Kader lieferte nach kurzer Anlaufzeit starke Auftritte im FCA-Dress. Gerade als der etatmäßige Abwehrchef, Jeffrey Gouweleeuw, verletzt war, übernahm Uduokhai den Part als Taktgeber in der Defensive. Und das, obwohl er immer noch erst 22 Jahre alt ist. Wir freuen uns auf Udos Zukunft in Schwaben. Man wird noch viel Freude mit ihm haben.

Fels in der Brandung: Felix Uduokhais Premierensaison für die Fuggerstädter machte definitiv Lust auf mehr. (Photo by MATTHIAS HANGST/POOL/AFP via Getty Images)

Die Abstimmung

Das war es nun mit den Kandidaten der ersten Kategorie. Schon bald werden wir auch den meistverbesserten Spieler sowie den Newcomer der Saison küren. Über die getroffene Auswahl lässt sich gewiss diskutieren. Haben wir jemanden vergessen? Wer ist eurer Meinung nach der wertvollste Spieler der Saison? Stimmt ab.

Wer war in der Saison 2019/20 der wertvollste Spieler des FC Augsburg?

  • Florian Niederlechner (51%, 52 Votes)
  • Andreas Luthe (24%, 24 Votes)
  • Philipp Max (15%, 15 Votes)
  • Felix Uduokhai (7%, 7 Votes)
  • Rani Khedira (4%, 4 Votes)

Total Voters: 102

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Die Gewinner und Verlierer der Saison

Der FC Augsburg hat es mal wieder geschafft. Auch in der neunten Bundesligasaison konnte der Klassenerhalt gesichert werden. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich und immer noch als Erfolg zu werten. Am Ende einer turbulenten Saison samt Torwart- und Trainerwechsel stehen aber auch weniger erfreuliche Aspekte wie die schlechteste Rückrunde in der Bundesligageschichte. Das musste auch Stefan Reuter einsehen: “Es gilt, sich Gedanken zu machen, was wir verbessern können, um im nächsten Jahr mehr gute Spiele abzuliefern. Wir hatten Phasen, die uns zu denken geben”, bilanzierte der Manager jüngst im Kicker. Auch wir lassen die Saison nun einmal Revue passieren und blicken auf die Gewinner und Verlierer im Kader.

FC Augsburg: Die Gewinner der Saison

Florian Niederlechner: Eine Saison zum niederknien! Der Neuzugang vom SC Freiburg hat dermaßen eingeschlagen, dass er gar als EM-Kandidat gehandelt wurde. Nun wissen wir alle, dass Jogi Löw den FCA offenbar nicht verfolgt (Stichwort Max) und es somit wohl ohnehin nie zu einer Nominierung gekommen wäre. Doch verdient hätte sie Niederlechner allemal. 13 Saisontore bedeuten FCA-Bundesligarekord (zusammen mit Michael Gregoritsch), zusätzliche neun Vorlagen den Augsburger Höchstwert in puncto Scorerwerten. Darüber hinaus ist der gebürtige Oberbayer ein sehr sympatischer Kerl und sich nicht zu schade, auch einmal die Grätsche auszupacken. Niederlechner und der FCA, eine absolute Liebesbeziehung. Gerne auch für immer.

Ein echter Transfer-Coup. Florian Niederlechner ist der FCA-Spieler der Saison. (Photo by Robert Hradil/Bongarts/Getty Images)

Philipp Max: Vor wenigen Wochen bestritt Philipp Max sein 150. Pflichtspiel für Rot-Grün-Weiß. Dass der 26-Jährige derart oft für den FCA auflaufen wird, hätten nach seiner bärenstarken Saison 2017/18 wohl nur wenige erwartet. Auch in dieser Spielzeit war er unumstrittener Stammspieler und offensiv nicht nur per Standards gefährlich. Acht Tore und sechs Vorlagen bedeuten Rang zwei in der internen Scorer-Tabelle. Außerdem sammelte Max die meisten Ballaktionen pro Spiel und trat vermehrt auch als Leader auf. Selbst ein Turban scheint ihm neuerdings nicht am Einsatzwillen zu hindern. Daher bleibt zu hoffen, dass Max weiterhin am Lech bleibt, auch wenn ihm wohl niemand einen Wechsel zu einem Top-Verein verdenken würde.

Ruben Vargas: Ruben wer? Das dachten sich wohl einige FCA-Fans, als ihn Reuter im Sommer aus dem Hut zauberte und vom FC Luzern verpflichtete. Kenner der Schweizer Liga prophezeiten schon damals, der Junge hätte Talent. Nach einer Saison in der 1. Bundesliga kann man getrost festhalten, dass sich dieser Transfer gelohnt hat. Der Schweizer Nationalspieler stand in 33 Spielen auf dem Platz. Eine Partie verpasste Vargas aufgrund einer Gelbsperre. In seinen Einsätzen überzeugte der erst 21-Jährige mit viel Tempo und einer gesunden Prise Schlitzohrigkeit. Auch seine sechs Tore können sich sehen lassen. Alles in allem hat der Flügelspieler definitiv Lust auf mehr gemacht.

FC Augsburg: Vom Gewinner zum Verlierer?

Andreas Luthe: Eigentlich hätte man auch Luthe in die Liste der Gewinner packen können. Der etatmäßige Ersatzkeeper wurde im Laufe der Saison zur Nummer Eins befördert. In den letzten Spielen der Saison entwickelte er sich zu einem starken Rückhalt, was auch die Statistik zeigt. Während der FC Augsburg mit Luthe 12 Tore in 10 Spielen kassierte, musste man mit Koubek in 24 Partien 51 Gegentreffer schlucken. Dass Luthe hier dennoch als möglicher Verlierer aufgeführt wird, liegt an der Verpflichtung Rafal Gikiewiczs. Auch wenn der Kampf um die Nummer Eins damit freilich noch nicht entschieden ist, steht eines doch fest: Beim FCA scheint man Luthe den Stammplatz nicht wirklich zuzutrauen. Das zeigte schon die leihweise Verstärkung von Gregor Kobel im Winter 2019.

Ein Garant für den Klassenerhalt. Andreas Luthe hielt dem FCA zuletzt, wie hier in Mainz, den Rücken frei. Wie sieht seine Situation in Zukunft aus? (Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

FC Augsburg: Die Verlierer der Saison

Tomas Koubek: Bleiben wir gleich beim leidigen Thema Torwart. Koubek ist der viertteuerste Bundesligakeeper der Historie – hinter Manuel Neuer, Bernd Leno und Yann Sommer. Von den Leistungen dieses Trios ist der Neuzugang aus Rennes aber so weit entfernt, wie der FCA von der Deutschen Meisterschaft. Viel zu oft kosteten die kapitalen Aussetzer des etwas behäbig wirkenden 1,98-Meter-Hünen dem FCA wichtige Punkte. Es tut fast schon weh, den Tschechen derart auseinander zu nehmen, denn er wirkt eigentlich sehr sympatisch, aber leider war das schlicht keine bundesligareife Saison. Folglich verlor er auch den Platz zwischen den Pfosten und durfte im letzten Spiel gegen Leipzig nur ran, weil Luthe verletzt war. Der 27-Jährige ist der klare Verlierer der Saison und das Experiment Koubek somit wohl nach nur einem Jahr gescheitert.

Stephan Lichtsteiner: Ach was waren die Erwartungen groß, als der siebenfache italienische Meister und frühere Schweizer Fußballer des Jahres nach Augsburg wechselte. Ein Hauch von Champions League. Nachdem Lichtsteiner nun seit dem 30. Juni nicht mehr in Schwaben unter Vertrag steht, ist von diesem jedoch wenig bis gar nichts mehr zu spüren. Der Rechtsverteidiger offenbarte nicht wegzudiskutierende Geschwindigkeitsprobleme und wusste sich oft nur mit einem taktischen Foul zu helfen. Der gute Mann ist dann eben doch schon 36 Jahre alt. Zudem war der Kapitän der Nati in seinen 20 Einsätzen mehr mit Meckern als Verteidigen beschäftigt. Alles in allem bleibt es ein enttäuschendes Gastspiel in Augsburg, mit dem Lichtsteiner nur wenige Argumente für eine Vertragsverlängerung lieferte. Nichtsdestotrotz sagen wir Danke, Stephan. Für einen Hauch von Champions League. Alles Gute für die Zukunft.

Daniel Baier: Wenn Baier fit ist, dann spielt er auch. Was lange als ungeschriebenes Gesetzt galt, wird mittlerweile immer öfter gebrochen. Der Kapitän musste nach dem Trainerwechsel von Schmidt zu Herrlich bereits dreimal 90 Minuten auf der Bank schmoren. Herrlichs Begründungen, den 36-Jährigen nicht überbelasten zu wollen, wirkten nach dem Neustart samt englischer Woche plausibel. Warum er den Rekordspieler des FC Augsburg aber in den letzten beiden Duellen nicht aufstellte, bleibt sein Geheimnis. Im Abstiegskracher in Düsseldorf wären Baiers Führungsqualitäten zumindest gefragt gewesen. Zur neuen Saison geht die lebende Legende ins letzte Vertragsjahr. Dabei bekommt der Mittelfeldspieler Konkurrenz von Neuzugang Tobias Strobl und dem in der Rückrunde stark aufspielenden Carlos Gruezo. Wie dann die Rolle des Kapitäns aussehen wird, ist zum jetzigen Stand mehr als fraglich.

Mit 355 Einsätzen Rekordspieler des FCA – und nun nicht mehr gefragt? Daniel Baier fand sich gegen Ende der Saison in ungewohnter Rolle wieder. (Photo by TOBIAS HASE/POOL/AFP via Getty Images)

Man hätte noch weitere Spieler in die Liste aufnehmen können. Einen guten Job machten auch der eben angesprochene Gruezo sowie der beste Zweikämpfer der FCA-Saison, Felix Uduokhai, auf den sich die Fans dank gezogener Kaufoption auch in Zukunft freuen dürfen. Weniger glücklich agierten hingegen André Hahn und in Teilen auch Tin Jedvaj, der wohl wieder nach Leverkusen zurückkehren wird. Ohenhin wird momentan bereits eifrig am Kader für die neue Saison gebastelt – auf der Torhüterposition hat der FCA dabei jedoch vielmehr ein neues Problem geschaffen, statt das alte zu lösen.

Die Kaderzusammenstellung birgt also bereits jetzt Brisanz. Es bleibt spannend, wie Reuter & Co. einerseits den Torhüterüberschuss und andererseits das Thema Daniel Baier managen. Es wäre mehr als schade, wenn der FCA-Kapitän auch nach der neuen Saison als Verlierer gelistet werden müsste.

TGIS: Thank God, it’s Spieltag!

Corona hat (Fußball-)Deutschland weiterhin fest im Griff: Nahezu täglich werden neue Wasserstandsmeldungen zu Tage gefördert und die Infiziertenzahl nach oben korrigiert. Auch in der Bundesliga ist Corona und die Diskussion drumherum Dauerthema. Nicht nur Kalous Video Clou, auch der wenig vorbildliche Ausflug vom masken- und verständnislosen Heiko Herrlich spalten die Gemüter – wie die Coronakrise an sich selbst schon die Bundesrepublik in mehrere Lager teilt. Mittlerweile sind zwei Spieltage in der ersten Fußballbundesliga Deutschlands schon wieder mehr oder minder erfolgreich bestritten worden. Das Fazit fällt durchaus gemischt aus – spür- und greifbare Geisteratmosphäre in Deutschlands Stadien, tanzende Trainer mit Mundschutz und auf Distanz jubelnde Profis. Aber: Was sein muss, muss sein!

Heiko Herrlich – Held oder Hanswurst?

Die dritte Reifeprüfung mit Symbolwirkung für die gesamte Nation steht in einer englischen Woche an. Hart, härter, englische Woche – sagt der Volksmund ganz salopp. Unser FCA empfängt hierbei in der heimischen WWK-Arena vor Geisterpublikum den Tabellenletzten aus Paderborn. Ein regelrechter Abstiegskrimi! Ein jeder fragt sich wohl an dieser Stelle, ob das Geisterspiel erneut seinem Namen alle Ehre macht. Und ob der FCA am 28. Spieltag die sympathischen Paderborner schon in Richtung zweite Liga schicken kann.

Der FC Augsburg jedenfalls konnte den berühmt-berüchtigten Trainerwechsel-Effekt nicht wirklich auskosten, da direkt nach Einstellung von Herrlich die Saison aufgrund von Covid-19 unterbrochen wurde. Die Handschrift von Herrlich war in Spiel 1 “nach Corona” noch nicht zu lesen, hat er sich doch davor selbst aus dem Stadion geschossen mit seinem unerlaubten Quarantäneausbruch zwecks Besorgung von Hygieneartikeln. “Da ganze Bua a Depp”, sagt man ganz treffend und leicht neckisch in Bayern!

Heiko Herrlich zusammen mit Stefan Reuter zurück an der Seitenlinie auf Schalke. (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Gegen Schalke 04 also übernahm der Mundschutz am Oberarm tragende Trendsetter Herrlich an der Seitenlinie. Ganz Fußballdeutschland, ach was, die ganze Welt blickte gebannt nach Gelsenkirchen, um den Badboy Herrlich bei seiner Geisterspiel-Premiere zu verfolgen. Besonders wichtig: Ob die Feuchtigkeitscreme aus dem Bobinger Supermarkt nun etwas geholfen hat gegen den leicht fahlen Hautton vom Heiko? Influencer hassen diesen Trick. Und Heiko Herrlich, für seine subtile Supermarkt-Scharade.

Negative Presse ist besser als gar keine Presse, dachte sich Heiko Herrlich. Gute Presse bekommt er diesertags auf jeden Fall wegen dem ordentlichen Auftritt des FCA auf Schalke. Nicht alle Vereine im Ruhrgebiet sind so gute Gastgeber wie der S04. Bitte, dankeschön. 3 Tore, 3 mal distanziertes Jubeln. Schalke 03! Da kommt gleich richtig Partystimmung und Feierlaune auf! Apropos Party…

What’s on in Partyborn?

…unser nächster Gegner kommt aus dem legendären Partyborn. Oder Paderboring. Ihr könnt euch aussuchen, was eher zutrifft. An Tagen, an welchen der SCP spielt, sicherlich ersteres. Ansonsten regnet es, die Kirchenglocken läuten oder die Ampeln sind rot. Ziemlich abwechslungsreich geht es in der Stadt mit dem größten Computermuseum der Welt zu. FUNFACT am Rande 🙂

Die Spielanlage und das Auftreten der Mannschaft aus der Stadt an der Pader entspricht nicht dem mageren Punktekonto und auch nicht dem tristen Tabellenplatz! Der Club hat eine erstaunlich gute Mischung aus erfahrenen Hasen und jungen Wilden. Leider muss das Team in der Bundesliga diese Saison oft Lehrgeld zahlen, geht hierbei jedoch nie so richtig “unter” oder lässt sich abschießen. Der relativ unbekannte Tormann Zingerle, der Bayernjugend entstammend und gebürtiger Münchner, macht einen erstaunlich guten Job zwischen den Pfosten. An ihm liegt’s sicherlich nicht, dass der SCP hinten rumkrebst in der Bundesligatabelle.

Klaus Gjasula , Christopher Antwi-Adjej, Jans Laurent und Leopold Zingerle: Die Mischung stimmt prinzipiell in Paderborn und herspielen lässt man sich auch selten. Nur Lehrgeld hat man oft bezahlt. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Ansonsten steht in der Innenverteidigung mit Hünemeier ein – im wahrsten Sinne des Wortes – “Hüne” seinen Mann. Eine Position vor ihm spielt Raubein Gjasula, der diese Saison den Kartenrekord in der Bundesliga geknackt hat. Herzlichen Glückwunsch und Ehre, wem Ehre gebührt, an dieser Stelle! Den Wirbelwind Antwi-Adjei und den jungen Spielmacher Sabiri sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben! Interessant ist auch die Tatsache, dass der SCP vier nominelle Mittelstürmer im Kader hat. Und alle vier haben in dieser Spielzeit schon (mehrfach) getroffen! Das entspricht insgesamt 16 der 31 Treffer der Paderborner.

1. Absteiger SCP?

Die Paderborner haben nur mickrige 18 Punkte derzeit auf dem Punktekonto. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt 6 Punkte, auf das rettende Ufer schon satte 9 Zähler. Sollte der FCA gegen Paderborn gewinnen und die Konkurrenz aus Düsseldorf sowie Bremen punkten, sieht es ganz düster aus für die Ostwestfalen. Ich, die ja in Ostwestfale lebt, würde nächste Saison und gerne ohne Corona in der kleinen Schmuckkiste Benteler-Arena wieder im Gästeblock mit dem FCA mitfiebern. Und das nur mit 30 Minuten Anreise! Schade, wenn’s das nicht mehr in der ersten Bundesliga gäbe… Der SCP kann meiner Meinung nach die ganze restliche Saison punkten, aber nur nicht gegen den FCA. Die Punkte brauchen wir selbst.

Der sehr authentische und sympathische Trainer des SC, Steffen Baumgart, könnte folgende Startelf am kommenden Mittwoch auf den Rasen der WWK Arena schicken:

Zingerle  - Collins, Hünemeier, Schonlau, Dräger - Gjasula - Holtmann, Antwi-Adjei, Vasiliadis, Pröger - Srbeny

Ein Blick auf den FCA

Der FCA hat sich nach der unnötigen Last-Minute-Pleite gegen Wolfsburg offensichtlich auf den Hosenboden gesetzt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Denn diese individuellen und kopflosen Fehler in den letzten Spielminuten ziehen sich schon wie ein roter Faden durch die Saison. Der Kopf ist dann gefühlt schon in der Kabine oder gar noch weiter weg.

Gegen Schalke sah das spielerisch – aber auch vom gesamten Auftreten ohne Ball – deutlich besser aus. Mehr gelaufen und mehr gefightet. Sehr ansehnliche Tore geschossen. So kennt man den FCA und will man ihn weiterhin sehen! Sehr aggressives und hohes Pressing, das hat den Schalkern nicht so geschmeckt und die Hinterleute zu Fehlern gezwungen. So zu sehen beim 2:0 durch Sarenren Bazee und beim 3:0 durch Sergio Cordova.

Heiko Herrlich hatte auch zwei gute Händchen, als er die beiden letztgenannten Torschützen einwechselte. Beide drängen natürlich in die Startelf, denn Vargas blieb gegen Schalke beispielsweise sehr blass. Auch Niederlechner läuft seiner Form deutlich hinterher, läuft zwar sehr viel – aber steht auch sehr gerne im Abseits. Die Chance nun für die willigen Ersatzleute, sich zu beweisen. Auch ein großes Lob an den souveränen Andi Luthe an dieser Stelle! Wie viel mentale Stärke im Kopf bewirken kann, merkt man diesertags sehr gut an dem sattelfesten Rückhalt Luthe.

Nach dem Spiel gegen Schalke scheint es nicht viel Änderungsbedarf im Augsburger Team zu geben. Ob Heiko Herrlich trotzdem überrascht? (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Ich persönlich hoffe ja noch, dass der junge Nachwuchsstürmer Maurice Malone bald mal sein Bundesliga-Debüt feiern darf. Unter Heiko Herrlich scheint dies möglich, auch wenn Maurice bisher noch nicht im Kader stand seit der Amtsübernahme im März. Es bleibt abzuwarten, ob Kapitän Daniel Baier wieder in die Startelf zurückkehrt. Die Schonmaßnahme für unseren Oldie scheint aber nur temporär begrenzt zu sein, deshalb tippe ich persönlich auf eine Rückkehr in die erste Elf, obwohl Carlos Gruezo eine großartige Leistung gegen Schalke gezeigt hat und mir diese Entscheidung sehr schwer macht. Heiko Herrlich steht vor der Qual der Wahl! Heimlich hoffe ich auch auf einen Wechsel auf Linksaußen, denn Ruben Vargas kommt noch nicht wieder richtig in Tritt und Noah Sarenren Bazee hat einen guten Job am Sonntag gemacht.

Für den FCA gehts am Mittwoch vor allem darum, das Punktekonto weiter aufzustocken. 30 Punkte klingen viel, trügen jedoch etwas. Die Mannschaften hinter uns punkten ebenfalls, haben teilweise noch ein Spiel weniger als der FCA. Ausruhen? Is’ nicht! Wir werden sehr viel den Ball haben und das Spiel machen müssen – ich bin gespannt, wie wir damit umgehen und was für einen Spielplan Heiko Herrlich hat.

Folgende Elf schickt Heiko Herrlich am Mittwoch sehr wahrscheinlich auf den Platz – getreu dem Motto: “Never change a winning team”

Luthe - Frambeger, Uduokhai, Jedvaj, Max - Baier, Khedira - Vargas, Löwen, Richter - Niederlechner

Was macht eigentlich – Daniel Brinkmann?

Der gebürtige Horn-Bad Meinberger Daniel Brinkmann hat eine Vergangenheit bei beiden Teams: In der Jugend und als Profi insgesamt vier Jahre beim SC Paderborn in seiner Heimat tätig, wechselte Brinkmann 2009 zum FCA an den Lech und stieg 2011 mit diesem in die erste Bundesliga auf. In drei Saisons bestritt der zentrale Mittelfeldspieler insgesamt 66 Spiele für den FCA und erzielte dabei 4 Tore. Nach drei Spielzeiten beim FCA wechselte Brinkmann zu Energie Cottbus. Heute spielt der 34jährige in der Oberliga Westfalen beim SC Wiederbrück im Kreis Gütersloh und ist dort gleichzeitig als Trainer tätig.

Eine kleine Anekdote am Rande: Als ich 2012 bei TuRa Elsen, einer Fußballmannschaft des Paderborner Stadtteils Elsen, ein Probetraining mitmachte, trug eine Spielerin das Trikot vom FCA mit dem Flock von Daniel Brinkmann. Als ich sie fragte, wieso sie denn als Paderbornerin offensichtlich FCA-Fan sei, entgegnete sie mir: “Allein wegen Daniel Brinkmann!”. Einer Legende in Ostwestfalen und ein verdienter Spieler der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft des FCA von 2011 .

Tipps der Redaktion

  • Andy: 3:0 für den FCA! Der SC Paderborn wird von den Augsburgern abgefertigt und zurück in die 2. Liga geschickt. Der FCA beweist erneut seine spielerische Klasse.
  • Irina: Wir gewinnen, jedoch knapper und spannender als beabsichtigt mit 2:1. Zähe und leidenschaftliche Paderborner machen uns das Leben lange schwer. Ich könnte jedoch aus Sympathie mit den Ostwestfalen auch mit einem hochklassigen Remis gut leben, will ich doch nicht Schuld sein, dass mein FCA den SCP höchstpersönlich in die 2. Bundesliga schickt. Stefan Reuter jedenfalls muss sich im Doppelpass den Fragen von Thomas Helmer stellen – sicherlich hofft er im Vorfeld auf einen Sieg, dann plaudert es sich wesentlich angenehmer.
  • Sebastian: Nun geht es aufwärts. Paderboring profitiert nicht vom stimmungsmäßigen Heimvorteil und geht mit 5-0 in Augsburg unter.

Taktische Finesse oder purer Wille? – Im Austausch mit Tobias Escher über die bisherigen Leistungen des FC Augsburg

Tobias Escher ist einer der bekanntesten Fußballanalysten. Mit „Vom Libero zur Doppelsechs“ hat er einen Bestseller geschrieben. Auf www.laptoptrainer.de und bei Spielverlagerung findet man regelmäßig Analysen von ihm. Nicht unlängst hat er die Vorreiterrolle des FC Augsburg in der defensiven Bundesliga unter die Lupe genommen. Nach dem überraschend positiven Saisonstart des FCA wollten wir von Tobias wissen, welche Gründe er für den Erfolg sieht.

Rosenau Gazette (RG): Der FC Augsburg ist eine der Überraschungsmannschaften bisher. Du hattest die Mannschaft vor der Saison deutlich schlechter eingeschätzt. Was hast Du vor der Saison erwartet und warum hattest Du die Mannschaft als Absteiger getippt?

Tobias Escher (TE): Augsburgs Kader wirkte auf mich aufgebläht, es war keine erste Elf erkennbar. Ich hatte mich auch noch an die Eindrücke der vergangenen Saison erinnert, als Manuel Baum mit seiner Taktik einige Male danebenlag, so zum Beispiel im Spiel gegen Ingolstadt. Die taktischen Anpassungen an den Gegner funktionieren aktuell aber viel besser, auch die defensive Kompaktheit hat sich erhöht. Die Liga ist allgemein sehr defensiv ausgerichtet. Das zweite Überraschungsteam der Liga, Hannover, speist sich ausschließlich aus der Defensive. Es ist also eine Mischung: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Liga so defensiv geprägt ist, und noch weniger hatte ich damit gerechnet, dass Augsburg derart kompakt und variabel verteidigt.

RG: Nun steht der FC Augsburg in dieser Saison defensiv bisher sehr kompakt. Manuel Baum wurde immer wieder als offensiver Trainer beschrieben. Wie passt das für Dich zusammen und wie würdest Du die Veränderungen beschreiben, die man in dieser Saison beobachten kann?

TE: Die Spielanlage der Augsburger ist auf jeden Fall defensiver geworden. Gerade in der Anfangszeit hat Baum noch im Zweifel offensiv gedacht. Das hat sich in der Positionierung der Spieler ausgedrückt: Oft standen fünf oder sechs Spieler vor dem Ball. Nun sind gerade die Außenverteidiger defensiver. Baum scheint pragmatischer geworden zu sein.

RG: Von den gegnerischen Mannschaften wird der FC Augsburg als unangenehm zu spielen beschrieben. Liegt dies aus Deiner Sicht an der Strategie oder eher an der Intensität mit der die Mannschaft auftritt? Intensität wünscht sich wohl jeder Trainer gerne und versucht diese zu vermitteln. Das scheint mir allerdings etwas komplexer zu sein, als bei spielerischen Abläufen, die auf einer Tafel aufgemalt werden können.

TE: Teils, teils. Intensität ist natürlich auch vermittelbar – durch die Trainingsabläufe und die Übungen, in dem man immer wieder Zweikampfsituationen im Training schafft. Intensität aber hilft ja ohnehin nur weiter, wenn der taktische Plan die Intensität in die richtigen Bahnen lenkt, also wenn zur richtigen Zeit die richtigen Spieler angelaufen werden. Diese Kombination gelingt den Augsburgern ganz gut momentan.

RG: Im Spiel der Mannschaft kann man klare Variationen zum Beispiel bzgl. Pressingräumen (Angriffs- bzw. Mittelfeldpressing) oder im Spielaufbau wahrnehmen. Wie wertvoll siehst Du die Möglichkeit im Spiel entsprechende Anpassungen bzgl. der verwendeten taktischen Instrumente vornehmen zu können, die von der Mannschaft auch konsequent umgesetzt werden?

TE: Sehr wertvoll, gerade für einen Verein wie Augsburg. Den meisten Gegnern in der Liga ist man individuell unterlegen. Es muss das Ziel sein, den Gegner auf das eigene Niveau herunterzuziehen. Heißt: In Räume locken, in denen der Gegner schwach ist, dort Zweikämpfe erzwingen und umschalten. Genau das macht Augsburg ja, wobei sie hier – wie viele Bundesligisten aktuell – stark mit Mannorientierungen arbeiten.

RG: Manuel Baum wird in der Trainingsarbeit nachgesagt für Situationen mit eigenem Ballbesitz feste Spielzüge einzustudieren, die dann auf dem Platz von der Mannschaft automatisiert umgesetzt werden können. Glaubst Du an den Erfolg dieser Herangehensweise und konntest Du solche Spielzüge erkennen ?

TE: Teils, teils. Feste Spielzüge können einem Team weiterhelfen, wenn sie nicht zu statisch und nicht leicht zu entschlüsseln sind. Wenn man damit die individuelle Kreativität der Akteure erstickt, sehe ich darin wenig Nutzen – schließlich beraubt man sich damit dem Überraschungsmoment. Das sehe ich beim FCA aber nicht, auch weil Daniel Baier sehr viele unterschiedliche Pässe im Aufbau spielt und die Grundstruktur der Mannschaft sich von Spiel zu Spiel wandelt.

RG: Nun, nach 6 Spielen, würdest Du deine Prognose von vor der Saison korrigieren wollen und wie glaubst Du werden die anderen Mannschaften auf den FC Augsburg in Zukunft reagieren?

TE: Tabellenletzter war – im Nachhinein betrachtet – tatsächlich nicht meine beste Prognose. Augsburg scheint gefestigter zu sein, als ich erwartet habe. Ich glaube aber schon, dass sie etwas über ihren Verhältnissen gepunktet haben. Nach expected goals, einer Metrik, die Chancen anhand ihrer statistischen Torwahrscheinlichkeit misst, befindet sich Augsburg im Mittelfeld der Liga; auch bei den eigenen und gegnerischen Torschüssen. Das ist der Bereich, in dem ich Augsburg aktuell sehe.

Danke für Deine Zeit und die aufschlussreichen Antworten!

Nach Darmstadt mit dem Wunsch nach einer Stammelf

Sieben Spiele unter Manuel Baum stehen mittlerweile in den Büchern. Neben den erfreulichen Ergebnissen vor der Winterpause (Sieg gegen Gladbach, Unentschieden gegen Dortmund), sind nun auch Analysen von Niederlagen gegen Hoffenheim, Mainz und Leverkusen notwendig. Siege gegen Bremen und Wolfsburg stehen positiv in der Bilanz, waren aber teilweise glücklich (v.a. gegen Bremen).

In diesen 7 Spielen hat Manuel Baum genauso viele Spieler eingesetzt, wie Dirk Schuster in den 14 Partien zuvor. Beide Trainer haben insgesamt auf 23 Spieler zurückgegriffen. Das ist in Relation zu den absolvierten Spielen eine enorme Anzahl. Pep Guardiola hat letzte Saison in 34 Spielen 25 Spieler eingesetzt, Thomas Tuchel 26 Spieler. Sowohl Dortmund als auch die Bayern mussten international ran. Markus Weinzierl hat in einer vollen Saison mit Dreifachbelastung in der Bundesliga 27 Spieler eingesetzt.

Regelmäßig die Startelf umzubauen und sie den Gegnern anzupassen, gehört laut Süddeutscher Zeitung zu Baums Prinzipien. Derweil führt die andauernde Rotation zu Problemen, denn Automatismen zwischen Spielern, die sich regelmäßig einstellen, wenn diese dauerhaft miteinander Fußball spielen, stellen sich schwerer ein. Es kommt zu Abstimmungsfehlern und Pannen, die in der Abwehr dann vermehrt zu Gegentoren führen. Diese Probleme tauchen noch häufiger auf, wenn man zusätzlich zur Rotation noch versucht den Spielern neue Spielideen einzutrichtern. Wer die letzten Spielen gesehen hat, der wird zustimmen, dass die Gegentore zu leicht fallen und wir es den Gegnern zu leicht machen.

Deswegen liegt meine Hoffnung gegen Darmstadt darin, dass wir langsam zu einer Stammelf finden, die eingespielt und abgestimmt agiert. Der erste Überraschungsphase nach Baums Übernahme der Mannschaft ist vorbei. Man könnte auch sagen: Honeymoon is over. Die Gegner haben nun auch einige Spiele, an Hand derer sie seine Spielweise analysieren können. Deswegen wird es in den nächsten Spielen wieder wichtiger Fehler zu reduzieren und den Hurrafußball etwas zu beschränken. In diesem Fall bin ich zuversichtlich, dass wir mit der Qualität in der Mannschaft den Trend umkehren können. Dennoch muss Manuel Baum jetzt zeigen, dass er seine Philosophie auch ein wenig über Bord werfen kann, um für Stabilität zu sorgen. Ansonsten haben wir in Augsburg bald die erste Krise in Baums Amtszeit an der Backe. Das wäre dann doch recht schnell gegangen.

Wie der Fußball seine Unschuld verlor

Fußball ist ein Produkt, was sich in den letzten Jahren immer bester Nachfrage erfreut hat. Ausverkaufte Stadien im ganzen Land und die Gesamtzuschauerzahl in der Bundesliga ist nur gesunken, wenn Teams mit großen Stadien (Stuttgart, Hannover) ab- und dafür Teams mit kleinen Stadien (Darmstadt, Ingolstadt) aufgestiegen sind. Bzgl. mancher Vereine ist die Nachfrage weiterhin so groß, dass man ein Abebben des Interesses am Fußball generell nicht an den Zuschauerzahlen erkennen kann. Die Stadien in Dortmund, München oder Schalke sind – zumindest im Moment noch – ausverkauft, egal was passiert.

Derweil sieht das bei kleineren Vereinen anders aus. In Augsburg betrug die Auslastung in der letzten Saison bei Bundesligaspielen 94,7%. Da war generell nicht mehr viel Platz im Stadion. Die Auslastung ist nun gesunken auf 89,1 Prozent in dieser Saison. Der Unterschied mag nun nicht nach viel klingen, aber in dieser Saison waren schon zweimal weniger als 26.000 Zuschauer im Stadion, während das in der letzten Saison nie passiert ist. Der Durchschnitt wird durch die Heimspiele gegen die Bayern und Schalke 04 weiterhin hoch gehalten, die bisher immer ausverkauft waren. Dazu kommt, dass uns ein weiteres Freitagsspiel und das Spiel in der englischen Woche gegen Ingolstadt noch bevorstehen, die beide nicht ausverkauft sein werden.

Aber woran liegt das? Der FC Augsburg hat weiterhin seine sportlich beste Saison mit der Teilnahme an der Europa League hinter sich. Sportlich stehen wir auch jetzt ungefähr auf dem Tabellenplatz, auf dem wir die letzte Saison beendet haben (gerade Platz 13, Ende der letzten Saison Platz 12). Die Augsburger Allgemeine hat schon im Sommer gefragt, ob das Interesse am FC Augsburg geringer wird. Als mögliche Gründe wurden hier das ausgefallene Fanfest, eine unglückliche Außendarstellung und schlicht Langeweile angeführt. Das mag alles seinen Teil beitragen.

Allerdings liegt das Problem für mich tiefer. Der Fußball an sich verliert für mich gerade etwas sehr wichtiges: die Unbeschwertheit. Ich habe kein Problem damit anzuerkennen, dass ich durch die WM 2006 wieder zum Fußball zurückgefunden habe. Wie die WM zu Stande kam, wird hier bewusst nicht behandelt und auch welche Rolle die Fifa generell einnimmt. Dennoch ist 2006 für mich etwas passiert, was für den Fußball aus meiner Sicht sehr wichtig war. Es ist die Freude am Spieltag zurückgekehrt. Die Welt war zu Gast bei Freunden und egal bei welcher Paarung hat man mit wildfremden Menschen ein Fest gefeiert. Dabei sind zwar auch viele Betrunkene unterwegs und es geht ab und an unfreundlich zu, aber das hat mich bisher nicht entscheidend gestört.  Der Eventcharakter hat eben auch beinhaltet, dass ich im Stadion bisher keine Angst hatte und unbeschwert aus dem Alltag ausbrechen konnte. Nach der WM 2006 habe ich zum FCA gefunden und freue mich seitdem auf jedes Spiel im Stadion.

Die Ereignisse in den letzten Wochen werfen hierauf einen Schatten. Welche Ereignisse meine ich konkret:

Und während ich hier sitze, überlege ich mir zwar auch, wie die Spiele am Nachmittag ausgehen werden, hoffe aber hauptsächlich, dass das Ganze mal ein Ende findet. Die Frage ist doch dabei: Wird es das? Aufgelistet sind nur die Ereignisse der letzten beiden Wochen, die ich mitbekommen habe. Viel wurde darüber diskutiert, wie Vereine und Fans dafür bestraft werden, was in diesem Zusammenhang passiert. Wer allerdings über die Bestrafung dieser Sachverhalte nachdenkt, der sollte sich im gleichen Atemzug Gedanken machen, was proaktiv unternommen werden kann, damit so etwas nicht mehr passiert bzw. die Situation nicht weiter eskaliert. Und damit meine ich konkret nicht eine Erhöhung des Polizeiaufgebots und der Ordnerzahl. Dies wäre vergleichbar mit dem Fieberzäpfchen gegen Grippesymptome – es löst das Problem selbst nicht. Wenn ein gewisser Handlungsrahmen in der Umgebung von Fußballspielen regelmäßig verlassen wird, dann wird der Sport etwas von seinem derzeitigen Stellenwert einbüßen. Für mich konkret bedeutet dies, dass ich evtl. weniger Spiele besuche. Ich bin früher regelmäßig alleine auswärts gefahren, weil ich recht isoliert wohne und habe mir kaum Sorgen gemacht. Darüber denke ich mittlerweile öfters nach, v.a. da rund um Augsburger Spiele manchmal nicht viele andere individualreisende, unorganisierte Fans unterwegs sind. Ob ich mir in diesen Situationen vorstellen kann, meine kleine Tochter mitzunehmen? Schwierig.

Deshalb sollten sich Fans und Vereine Gedanken machen, wie sie an der derzeitigen Situation etwas ändern können. Ich will im Hinblick auf die Augsburger Situation ein paar Gedanken und Ideen aufschreiben. In Augsburg bringt dabei Augsburg Calling schon seit längerem regelmäßig die unterschiedlichen Fanlager zusammen. Dennoch könnte und sollte mehr passieren:

  • Rund um das Stadion gibt es kaum mögliche Treffpunkte. Der Neubau auf der Wiese hat (u.a. wie in Mainz oder Gladbach) dazu geführt, dass man direkt ins Stadion geht, um dort im Fanzelt oder Block zusammen zu kommen. Jetzt soll zig Jahre nach Eröffnung eine Fankneipe entstehen. Aber auch das ist noch zu wenig. Der Verein sollte sich auch zusammen mit anderen Akteuren Gedanken machen, wie die Situation um das Stadion herum verbessert werden kann.
  • Im Stadion herrscht dann nämlich strikte Fantrennung. Der Gästeblock ist komplett umzäunt und Heim- und Gastfans treffen nicht aufeinander. Ich halte diese Käfighaltung grundsätzlich für provokant und würde mir wünschen, dass dies nur in besonderen Ausnahmefällen bzw. bei ausgewiesenen Risikospielen der Fall ist. Das Gästefans zusätzlich nur alkoholfreies Bier bekommen führt auch dazu, dass diese vorher stoßbetanken. Ziel nicht erreicht.
  • Ich werde an dieser Stelle nicht müde mich zu wiederholen, dass ich mir die Rückkehr der ermäßigten Tageskarten in Kombination mit scharfen Kontrollen der entsprechenden Berechtigung wünsche. Wenn wir weitere sozial schwächere von den Spielen ausschließen,  dann ist das eine Enttäuschung.
  • Bei den nächsten Marketingbemühungen sollte dann evtl. der Satz “, denn Fußballfreundschaft ist für uns Pflicht.” in den Mittelgrund gerückt werden. Wie beim Grundgesetz, sollte auch bei der Vereinshymne jede Zeile gleichberechtigt neben den anderen stehen. Es wäre eine willkommene Abwechslung zur 37. Trikot-Rabattaktion.
  • Und wenn wir dann schon dabei sind, dann dürfte der Verein gerne selbstständig mehr für die Augsburger tun. Abseits der Interessen eines Wirtschaftsunternehmens sollte sich der Verein langfristig überlegen, wie er seinen Teil zum Augsburger Zusammenleben beitragen kann. Da braucht es erst einen neuen Torhüter in Person von Andreas Luthe der durch seinen Stiftung “In Safe Hands” etwas auf die Beine stellt. T-Shirts in Augsburg produzieren zu lassen anstatt in China wäre ja schon mal ein erster Schritt.

Schlussendlich ist mittlerweile eine Zeit gekommen, in der einem der Gedanke kommen mag, den Fußball etwas zu vernachlässigen. Ich sehe das genau anders herum: es ist die Zeit gekommen, das Engagement noch zu erhöhen und den Fußball nicht den Idioten zu überlassen. Der Fußball hat immer noch sehr viele positive Aspekte, die er in den Menschen hervorbringt. Und wenn ich nächste Woche ins Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor fahre, dann meine ich nur in zweiter Linie die Liebe zum Spiel. Und ich weiß: Wir müssen kämpfen.

Mit Hoffnung im Herzen

Am Wochenende habe ich in meiner Kolumne bei Presse Augsburg kritisiert, wie die Augsburger Allgemeine hohe Erwartungen an den FCA herbeischreibt. Robert Götz ist danach bei Facebook in Kontakt mit mir getreten und hat sich sachlich mit meiner Argumentation auseinandergesetzt. Er hat mich allerdings auch gefragt, welche Erwartungen ich selbst an den FCA in dieser Saison habe. Das halte ich in diesem Zusammenhang für eine legitime Frage. Es ist immer leicht die Erwartungshaltung anderer Menschen zu kritisieren, ohne selbst Erwartungen formulieren zu müssen. Entsprechend fing ich an über seine Frage nachzudenken und wollte schon fast wieder auf Facebook direkt antworten. Die Antwort wäre allerdings etwas umfangreicher geraten und ist vielleicht für den ein oder anderen interessant. Es folgt meine Prognose für diese Saison gerade noch rechtzeitig vor dem zweiten Spieltag – der Versuch von (realistischen?) Erwartungen an den eigenen Verein.

Das Schlechte

  • Letzte Saison hatte ich mich über den holprigen Saisonstart gewundert. Dieses Jahr wäre ein positiver Saisonstart eine Überraschung. Durch den Trainerwechsel in der Sommerpause erscheint es mir unrealistisch, dass sofort zu Saisonbeginn alle notwendigen Automatismen greifen. Auch die Länderspielpause ist nicht mehr im früheren Umfang hilfreich, da im Kader des FC Augsburg mittlerweile viele Nationalspieler stehen. Nachdem zudem Spieler wie Jonathan Schmid und Martin Hinteregger, die hoffentlich in dieser Saison wichtige Beiträge leisten, spät verpflichtet wurden, erwarte ich eine holprige erste Phase der Saison.
  • Auf Spieler aus der eigenen Jugend werden wir dabei weiterhin nicht zurückgreifen. Das liegt daran, dass der Kader des FCA immer noch übervoll ist. 3-4 mögliche Spieler für die Rechtsverteidigerposition sind nur das deutlichste Beispiel. Auch auf den offensiven Positionen gibt es weiterhin zu viele Kandidaten, als dass geeignete Jugendspieler sich im Training überhaupt zeigen könnten. Die Marco Richters des FCA müssen daher darauf hoffen, dass einige Transfers in der Winterpause zu Besserung und weiterer Ausdünnung des Kaders führen.
  • Ob die Saison positiv verläuft hängt stark vom Fundament der Mannschaft ab. Dieses Fundament hat mit Ragnar Klavan in der Sommerpause einen starken Stützpfeiler verloren. Es wird sich zeigen, ob sich einer der neueren Innenverteidiger zu einer vergleichbar verlässlichen Größe entwickeln kann. Daneben kämpft Paul Verhaegh mittlerweile regelmäßig mit Verletzungen. Auch Daniel Baier hat in der letzten Saison zum ersten Mal relevante Pausen bekommen und zwischendurch aussetzen müssen. Das vorhandene Fundament bröckelt. Es wird notwendig sein, dass neben Marwin Hitz weitere Spieler sich spielerisch weiterentwickeln, um sportlich konstant voranzugehen.

Das Gute

  • Der FCA verfügt durch diverse Transfers in den letzten Jahren über eine Gruppe Spieler, die genau diesen Sprung zu Leistungsträgern schaffen könnte. Ich erhoffe mir, dass zumindest eine Auswahl aus Caiuby, Koo, Kohr, Stafylidis, Finnbogason und/oder Gouweleeuw bessere und konstante Leistungen bringt und gezeigtes Potential dauerhaft auf dem Platz in zählbares ummünzen kann. Jeder dieser Spieler hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er entscheidende Beiträge leisten kann. Dies muss durch das bröckelnde Fundament von manchem jetzt regelmäßiger passieren, damit es am Ende nicht eng wird.
  • Ich erwarte, dass Dirk Schuster es schafft, dass wir zu unserer Gefährlichkeit über die offensiven Außenpositionen zurückkehren. Wir werden weiterhin nicht in der Lage sein, Gegner spielerisch zu schlagen oder dauerhaft spielerische Lösungen zu finden. Allerdings ist eine bedeutende Komponente der Defensivtaktik von Dirk Schuster schnelles Umschaltspiel. In 2013/14 hatten wir in Augsburg eine der besten Flügelzangen der Liga mit Tobi Werner und André Hahn. Durch die taktischen Umstellungen erwarte ich, dass wir in dieser Saison über diese Positionen wieder mehr Torgefahr ausstrahlen. Die Transfers von Schmid und Usami bestätigen den Fokus bei der Kaderzusammensetzung.
  • Durch die vorgenannten Gründe glaube ich nicht, dass wir in dieser Saison sorglos den Klassenerhalt sichern können. Aber auch wenn Schwierigkeiten auftauchen sollten, sich Spieler nicht wie geplant entwickeln oder am Ende vielleicht auch Pech dazu kommt, hoffe ich, dass wir uns alle in Augsburg erinnern, dass die erste Bundesliga keine Selbstverständlichkeit ist. Ich erwarte vom Verein weiterhin äußerste Ruhe und einen kühlen Kopf in schwierigen Situationen. Wirtschaftliche Vernunft muss weiterhin oberste Priorität haben.

Ich als Fan werde auch diese Saison wieder angehen, als ob es unsere letzte Bundesligasaison ist. Jedes Spiel genießen, mitnehmen was möglich ist und am Ende schauen ob es reicht. Dabei hoffe ich darauf, möglichst viele nette Menschen zu treffen, gemeinsam auf die guten Zeiten anzustoßen und Hoffnung zu haben. Wir spielen immer noch samstags um 15:30 Uhr. Es kann also nur gut werden.