Endlich wieder Schwabenderby!

Der FC Augsburg hat bereits am zweiten Tag des neuen Jahres den ersten Sieg für sich verbuchen können. Nun steht am morgigen Sonntag das Schwabenderby gegen den VfB Stuttgart an. Der VfB ist als Aufsteiger erstaunlich schnell in der ersten Liga angekommen und daher ein ernstzunehmender Konkurrent für den FCA. Anpfiff der Partie ist am Sonntag, 10.01.2021, um 15:30 Uhr.

#Unser Gegner – VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart ist einer der bekanntesten Traditionsvereine und mit 71.500 Mitgliedern der zehntgrößte Sportverein in Deutschland. Der fünfmalige deutsche Meister kann auf eine glorreiche Vergangenheit zurückblicken, wenn man die letzten zehn Jahre ausklammert. 2007 noch sensationell deutscher Meister mit dem Augsburger Armin Veh als Trainer und im Endspiel des DFB-Pokals. Im Folgejahr Champions League Teilnahme mit direkten Duellen gegen Barcelona und Lyon. Danach folgte erst die medienwirksame Ausgliederung der Fußballabteilung aus dem Verein. Dann einige Trainer- und Funktionärswechsel. Heute pendelt der VfB Stuttgart zwischen den ersten beiden Profiligen und auch sonst herrscht viel Trubel im sonst so beschaulichen Bad Canstatt.

Der Fünftplatzierte der ewigen Tabelle spielt seit Anbeginn der Saison 20/21 wieder in der höchsten deutschen Spielklasse. Mit Erik Thommy und Gregor Kobel spielen auch zwei alte Bekannte am Neckar. Mit dem Ex-Hannoveraner Anton und den bisher unbekannten Wataru Endo und Tanguy Coulibaly hat der VfB erfolgreich auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Vereinsikone Mario Gomez hingegen beendete vergangenen Sommer seine glanzvolle Karriere. Aktuell stehen die Stuttgarter auf Platz 11 der Tabelle, einen Platz und Punkt hinter den Augsburgern. Das Duell am kommenden Sonntag wird daher nicht nur ein Duell der Schwaben, sondern auch ein Duell der direkten Tabellennachbarn sein.

Abwehrchef der Schwaben ist seit Sommer Waldemar Anton: Für vier Mio. Euro konnte der 24jährige aus Hannover losgeeist werden. Neben ihm in der Innenverteidigung spielt der 25jährige Marc Oliver Kempf, der seit 2018 im Verein ist. Mit einem Kicker-Notendurchschnitt von 3,32 ist Kempf notenbester Verteidiger des VfB und damit eine Nuance besser als der beste FCA-Verteidiger. Felix Uduokhai kommt auf einen Kicker Notendurchschnitt von 3,39. Torhüter Die Nummer eins, Gregor Kobel ist der drittbeste Torhüter nach Kicker-Noten (Ø  2,82) – und liegt damit nur knapp hinter Welttorhüter Manuel Neuer und dem Wolfsburger Keeper Koen Casteels.

Gregor Kobel damals noch im Trikot des FCA. Seine Leistungen in dieser Saison zeigen, warum Stefan Reuter ihn gerne längerfristig verpflichten wollte (Foto von CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Im Mittelfeld wussten beim VfB insbesondere Neuzugang Endo Wataru , Daniel Didavi, Orel Mangala und Tanguy Coulibaly zu überzeugen. Mit Silas Wamangituka hat der VfB Stuttgart 2019 offensichtlich eine richtigen Glücksgriff gelandet. Der 21jährige Stürmer erzielte in dieser Saison bereits 7 Tore in 14 Spielen und damit sechs Tore mehr als alle FCA-Stürmer zusammen. Gregerl (1), Florian Niederlechner (0) und Finnbogason (0) erzielten in dieser Saison in Summe ein ganzes Törchen. Silas Wamangituka war hinter Kingsley Coman übrigens der zweitschnellste Spieler der aktuellen Saison mit 35,42 km/h. Der VfB-Stürmer findet sich auch deshalb zurecht in der Kicker Elf der bisherigen Saison wieder.

Der FCA gilt als Trainerkiller aus Sicht der Stuttgarter. Beim letzten Aufeinandertreffen im Jahr 2019 gewann der FCA mit sage und schreibe 6:0 und begünstigte dadurch die Entlassung seines Ex-Trainers Markus Weinzierl. Auch ein weiterer Ex-Trainer kam in diesen Genuss. 2014 verlor der VfB gegen den FCA mit 0:1 und der gebürtige Augsburger Armin Veh nahm in Stuttgart seinen Hut. Dieses Mal steht aber (wohl) kein Trainerposten seitens des VfB zur Debatte. Während EX-FCAler Thommy noch Trainingsrückstand nach Ellenbogenbruch hat und gegen den FCA wohl noch nicht im Kader steht, kehrt Medienberichten zufolge Daniel Didavi nach Erkältung zurück und ist durchaus eine Option.

Der VfB Stuttgart ist ziemlich auswärtsstark, feierte seine vier Saisonsiege alle in der Fremde – nur die Bayern und Bayer 04 Leverkusen holten mehr Punkte in fremden Gefilden. Heiko Herrlich lobte indes in der PK vor dem Spiel den Spielstil der Stuttgarter: “Der VfB lebt von seinem Umschaltspiel. Sie spielen erfrischend und frech. Es macht Spaß, bei ihnen zuzuschauen. Meine Mannschaft muss zeigen, dass sie hungrig ist und den nächsten Schritt gehen will.”

Der VfB könnte daher laut Kicker mit folgender Elf antreten:

Kobel - Mavropanos, Anton, Kempf - W. Endo, Sosa - Wamangituka, Mangala - Castro, Didavi - Gonzalez

#Kommentar von VfB-Fan Lennart

Warum läuft es derzeit recht gut bei den Schwaben – sportlich gesehen? Und was steckt hinter dieser (medial sehr präsenten) Auseinandersetzung zwischen “Hitz” und Vogt? Nachdem unser Andy schon im Vorfeld dem Blog “Rund um den Brustring” für ein Interview zur Verfügung stand, schätzt nun VfB-Fan, Blogger und Podcaster Lennart Sauerwald (twitter: @l_sauerwald) die aktuelle Lage der Stuttgarter für uns ein:

“Dass viele Bundesliga-Mannschaften nicht so tief hinten drin stehen wie fast die gesamte zweite Liga kommt unserem schnellen Umschaltspiel mit Tempospielern wie Gonzalez und Wamangituka entgegen. Hinzu kommt, dass junge Spieler wie eben Wamangituka, Coulibaly, aber auch Sosa einen unglaublichen Sprung gemacht haben zu dieser Saison hin. Außerdem haben wir mit Wataru Endo und Orel Mangala zwei sehr starke Sechser. Endo hat ligaweit die meisten Zweikämpfe gewonnen und Mangala ist als Verbindungssspieler im Spielaufbau unglaublich wichtig.

Der vielleicht wichtigste Aspekt ist aber, dass die Mannschaft eine super Einstellung hat. Frühere VfB-Teams haben gerne mal versucht, eine knappe Führung oder gar einen Rückstand zu verwalten. Die aktuelle Truppe zerreißt sich wirklich bis zum Abpfiff deswegen haben wir beispielsweise gegen Union (2:2) oder Hoffenheim (3:3) in letzter Sekunde noch jeweils einen Punkt geholt und gegen Mainz (4:1) und Dortmund (5:1) noch Tore nachgelegt.

Nach der chaotischen Mitgliederversammlung im Sommer 2019 dachten wir ja, mit der Wahl von Claus Vogt sei endlich Ruhe eingekehrt, hinzu kam der sportliche Erfolg in der Hinrunde dieser Saison. Dass die Facebook-Seite “FokusVfB” vom Verein gesteuert wurde, um Mitglieder 2017 von der Ausgliederung zu überzeugen, wurde erstmals ja durch eine Folge der Podcast-Kollegen von VfB STR mit Andreas Schlittenhardt, dem mutmaßlichen Empfänger der Daten, im April 2020 bekannt. Nach den Enthüllungen des kicker war ich eigentlich auch noch entspannt, weil der Verein schnell reagierte und Aufklärung versprach.

Es stellt sich aber mittlerweile heraus, dass die vereinsinternen Konflikte, die im Sommer 2019 in der abgebrochenen Mitgliederversammlung kulminierten, nur verbuddelt, aber nicht gelöst wurden. Das wird daran deutlich, dass bereits vor dem Ende der Bewerbungsfrist am 18.12. Artikel in den Medien erschienen, die von interner Kritik an Vogts Amtsführung und Konflikten mit Thomas Hitzlsperger berichteten. Offensichtlich wurde beides im offenen Brief von Hitzlsperger am 30.12.

Meine Einschätzung: Ob die Vorwürfe gegen Claus Vogt stimmen, vermag ich von außen nicht zu beurteilen. Sie passen auf den ersten Blick nicht zu seinem öffentlichen Bild und seiner Vita als Gründer des FC PlayFair. Wichtig sind mir als Mitglied und Fan aber zwei Punkte:

Zum einen muss meiner Ansicht nach der Vereinsbeirat Claus Vogt als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im März aufstellen, denn es sollte die Entscheidung der Mitglieder sein, ob er sein Amt weiter ausführen darf und nicht die der anderen Vereinsgremien. Zum anderen kann, selbst wenn die Vorwürfe alle zutreffen, die Lösung nicht darin liegen, dass Thomas Hitzlsperger gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der AG und Präsident des e.V. ist. Dadurch verlieren die Mitglieder das letzte bisschen Kontrolle über die Fußball-AG, denn als Vorstandsvorsitzender kann Hitzlsperger nicht gleichzeitig im Aufsichtsrat sitzen. Stand jetzt hält Hitzlsperger an seiner Bewerbung fest und hat dabei scheinbar starke Rückendeckung innerhalb des Vereins.

Meine Vermutung (!) deckt sich mit der von Claus Vogt, dass die Ermittlungen der Agentur Esecon für verschiedene Personen in der AG nichts Gutes bedeuten. Anders kann ich mir die Vehemenz des offenen Briefes von Hitzlsperger und seine Kandidatur, die aufgrund seiner Geschichte als Spieler und des von ihm verantworteten derzeitigen Erfolgs wahrscheinlich sehr aussichtsreich wäre, nicht erklären. Denn der Inhalt der vorgebrachten Kritik an Vogt rechtfertigt für mich nicht die Schärfe der Auseinandersetzung. Als Fan und Mitglied, der dachte, das Schlimmste sei 2019 überstanden gewesen, ist es auf jeden Fall sehr frustrierend, sich nicht aufs Sportliche konzentrieren zu können, sondern sich zu fragen, wer im Verein einen mit welcher Agenda versucht, hinters Licht zu führen.

Hitzelsperger und Vogt gemeinsam auf der Tribüne (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

#Was macht unser FCA?

Der FC Augsburg ist derzeit nicht so medienwirksam unterwegs wie die Stuttgarter. Aktuell ist es doch sehr ruhig in den Augsburger Gefilden. Man hört dieser tags vom wieder genesenen André Hahn und wie hart ihn Corona tatsächlich getroffen hat:

“Ich hatte zum Glück einen milden Verlauf und fast keine Symptome, nur Geschmacks- und Geruchsverlust”, berichtet Hahn gegenüber dem Kicker. Weiterhin erläutert der Mittelfeldspieler wie es ihm jetzt – nach Rückkehr auf den Trainingsplatz – geht. “Mir geht es jetzt wieder super, ich bin in einer Topverfassung, aber natürlich merke ich das noch im Training, dass mir ein bisschen die Puste fehlt. Aber im Großen und Ganzen fühle ich mich körperlich wirklich sehr gut”, so Hahn auf der Homepage des FCA. Am vergangenen Montag stand der 30jährige dann wieder 90 Minuten im Testspiel gegen Regensburg auf dem Platz. “Es fühlt sich großartig an, wieder dabei zu sein”, sagt Hahn selbst zu seiner aktuellen Gemütslage. Weiß aber auch: “Bei 100 Prozent bin ich noch nicht.”

Besonders erwähnenswert ist, dass die beiden “Langzeitverletzten” Jan Moravek und Freddy Jensen wieder auf dem Platz stehen, aber noch individuell trainieren. Der FCA berichtete davon am Donnerstag auf Twitter:

Im Testspiel gegen Regensburg wurde deutlich: Der FCA hat ein paar junge Nachwuchsspieler in der Hinterhand, die kurz vor dem Bundesligadebüt stehen. Gerade Tim Civeja traut Heiko Herrlich einiges zu, eine Verletzung bremste den 19jährigen Mittelfeldspieler zuletzt aus. “Er war fast drei Monate raus, wir haben ihn Schritt für Schritt wieder aufgebaut”, so Herrlich. Die Spiele haben es bisher nicht zugelassen, dem Youngster zum Debüt zu verhelfen. Herrlich prognostiziert jedoch auch: “Er ist nah dran.”

Auch Dion Berisha (17) und Lukas Petkov (20) konnten gegen den Jahn überzeugen und standen die letzten Spieltage schon im Bundesligakader. Herrlich über die eingesetzten Nachwuchsspieler: “Sie haben es alle gut gemacht.” Die Jungspieler haben – gerade nach Rückkehr von Jensen, Moravek und Bazee – aber gewaltige Konkurrenz im Mittelfeld.

Weiterhin angeschlagen sind nach heutigem Stand Alfred Finnbogason, Raphael Framberger sowie Moravek und Jensen. In der PK am Freitag listete Herrlich noch zusätzlich die beiden Verteidiger Mads Pedersen und Felix Götze auf, die derzeit angeschlagen zu sein scheinen. Gegen Stuttgart wird auch Kapitän Jeffrey Gouweleeuw fehlen, der gegen Köln die 5. gelbe Karte gesehen hatte und somit gesperrt ist. Der Niederländer verpasste bis dato noch keine einzige Spielminute in dieser Saison. Fraglich bis dato, wie Heiko Herrlich diesen schwerwiegenden Ausfall kompensieren wird.

Gouweleeuw akrobatisch gegen die Eintracht. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Systemtechnisch bietet sich sowohl die Viererkette an, dann könnte Reece Oxford die Rolle neben Felix Uduokhai bekleiden. Bei einer Dreierkette – so vermutet der Kicker – wären auch Rani Khedira oder Marek Suchy eine Option. So spielte der FCA beispielsweise gegen Jahn Regensburg: In Halbzeit eins durfte Khedira den Part von Gouweleeuw in der Viererkette ausfüllen. In Halbzeit zwei dann als mittlerer Mann in der Dreierkette. Der erfahrene Suchy war in beiden Halbzeiten sein Nebenmann, erscheint aber aufgrund von Geschwindigkeitsdefiziten keine ernsthafte Option gegen die leichtfüßige Offensive des VfB zu sein.

Der Trainer der Stuttgarter, Pellegrino Matarazzo, sagt über die Augsburger übrigens: “Augsburg steht sehr kompakt und lauert auf Konter. Es wird wichtig sein, dass wir die Räume erkennen und die richtigen Entscheidungen treffen, um uns Chancen herausspielen zu können.”

Die Aufstellung könnte daher laut Kicker wie folgt aussehen:

Gikiewicz - Oxford. Khedira, Uduokhai - Caligiuri, Strobl, Gruezo, Iago - Richter, Vargas - Niederlechner

Fitness, Moral und Wille stimmten zuletzt in der Mannschaft. Gegen Suttgart wird es aber auch auf spielerische Elemente ankommen. Interessant wird sein, ob es dem FCA gelingt, wieder mehr Ballbesitzanteile als der Gegner zu erlangen. Gegen Köln lag dieser immerhin bei – aus Sicht der Augsburger – starken 55 Prozent. Gegen Stuttgart droht dem FCA allerdings ein “Negativrekord”: Seit zwölf Bundesligaspielen ist man gegen Aufsteiger zuhause sieglos (7 Remis, 5 Niederlagen). Nur ein Sieg gegen den VfB erspart dem FCA diesen Rekord, den man dem VfL Bochum sodann abnehmen würde.

Jetzt gilt’s!

Den direkten Tabellennachbarn auf Abstand zu halten – das ist das Ziel für das kommende Spiel. Mit aktuell 9 Punkten Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz sieht das tabellarisch aus Augsburger Perspektive recht gut aus. Dennoch darf sich sportlich jetzt nicht auf dem Punktekonto und dem kleinen Pölsterchen ausgeruht werden. Zu dynamisch sind die Entwicklungen und die Ergebnisse in der aktuellen Spielzeit. Gefühlt kann jeder jeden schlagen – außer Schalke, die schlagen (schon lange) keinen (mehr). Heiko Herrlich forderte auf der PK für das kommende Spiel von der Mannschaft, dass sie offensiv noch besser die Spielsituationen ausspielen. Ballverluste besser kompensieren und Standardsituationen konsequenter verteidigen soll.

Stuttgart ist nur einen Punkt hinter dem FCA zu finden, mit der wesentlich besseren Tordifferenz. Sogar einer positiven! Während der VfB ähnlich stabil in der Defensive steht (Gegentore: 19 FCA, 21 Stuttgart), schießt der VfB deutlich mehr Tore (VfB: 26, FCA: 16). Mit einem ähnlichen Willen ausgestattet und mit einer Portion Mannschaftsgeschlossenheit ist der VfB Stuttgart – ungeachtet der Machtspielchen auf Führungsebene – ein ernstzunehmender Gegner. Mit hohem spielerischen Potenzial und dem Ansinnen, langfristig der Bundesliga erhalten zu bleiben.

Der FCA wird gewarnt sein – auch, weil Stuttgart bereits den BVB mit sagenhaften 4 Toren Unterschied schlug. Das Endergebnis: 5:1 für die Schwaben. Und für Torfestivals der besonderen Art sorgte, wie beim furiosen 3:3 gegen die Überraschungsmannschaft Union Berlin. Heiko Herrlich bezeichnete nicht ohne Grund das Stuttgarter Spiel als frisch und frech.

Mit Augsburger Tugenden und 1907% Einsatz ist aber alles möglich. Möge der Bessere gewinnen und ich hoffe, der Bessere heißt: Nur der FCA!

Tipps der Redaktion

  • Andi: 2:1 für den FCA. Heiko Herrlich wirkte auf der Spieltags-PK sehr fokussiert und übte trotz Sieg in Köln überraschend viel Kritik an seinem Team. Der Coach forderte, den nächsten Schritt zu gehen. Das gelingt. Der FCA gewinnt nach einer engagierten Leistung und kann damit etwas entspannter in die schwierigen Spiele bis Februar gehen.
  • Franzi: 3:1 für den FCA. Beflügelt vom historischen 6:0 vor zwei Jahren und motiviert von der Trainerkritik à la „Dem zeigen wir, dass wir’s drauf haben“, läuft es heute in der Offensive rund und wir gewinnen das Ding – nur eben nicht ganz so hoch wie einst.
  • Andy: 2:1 Ich lasse mich nicht abhalten optimistisch zu sein. Wir werden uns Chancen herausspielen und nutzen. Dazu erneut kompakt stehen. Stuttgart kommt erst am Ende zum Anschlusstreffer.
  • Irina: 1:1. Stuttgart liegt uns, ist aber gerade offensiv – wie im Vorbericht schon angedeutet – sehr stark besetzt. Und dort einfach besser in Form (Stichwort: Abschlussstärke) als wir es in der Abteilung Attacke sind. Am Ende teilen wir uns die Punkte, der FCA bleibt weiterhin vor dem VfB in der Tabelle.

Blick auf’s Wesentliche

Das ging schneller als erwartet: Der erste Pflichtspielsieg im Jahr 2021 ist bereits am 2.1.21 eingefahren worden. Der Blick auf die Tabelle ist derzeit recht angenehm, der Abstand auf einen Abstiegsplatz komfortabel. Die WWK Arena leuchtet also direkt am Tag nach Neujahr grün, denn der FCA schlägt in einer zweikampfreichen Partie den direkten Konkurrenten 1. FC Köln mit 1:0. Man kann an dieser Stelle nun diskutieren, ob der Sieg verdient war und ob der FCA sich nun – nach mageren vier Tagen “Verschnaufpause” – in der Offensive spielerisch verbessert hat. Und ob gegebenenfalls auf dem Transfermarkt noch was passiert?

Rück-Blick

Die Hiobsbotschaften vor dem Spiel: Framberger und Finnbogason sind beide (mal wieder) verletzt. Dies zwang Trainer Heiko Herrlich schon vor Anpfiff zur (System-)Umstellung. Reece Oxford, vielgescholtener Innenverteidiger des FCA, ergänzte die nominelle Dreierkette rund um Gouweleeuw und Uduokhai. Marco Richter und Ruben Vargas sollten offensiv für Gefahr und kreative Momente sorgen. Vor ihnen startete der (noch) trefferlose Florian Niederlechner im Sturmzentrum. Strobl und Gruezo bildeten das Duo auf der Sechs, Rani Khedira fand sich dadurch auf der Bank wieder. Auf außen bildeten Daniel Caligiuri und Iago die Augsburger Flügelzange. Für den von Covid-19 wieder genesenen André Hahn reichte es noch nicht für die Startelf.

So viel zum Personellen. Das Spiel war spielerisch und im Nachgang betrachtet kein Genuss, da sehr chancenarm. Richtige Hochkaräter waren kaum dabei. Der FCA stand defensiv sicher, offensiv blitzte die ein oder andere ansehnliche Kombination auf. Hatte man in Halbzeit eins noch das Gefühl, dass Köln nur auf dem Papier mitspielte, kam der FC scheinbar hochmotiviert aus der Halbzeitpause. In den zweiten 45 Minuten hatten die Kölner ein paar erwähnenswerte Torabschlüsse, die allesamt der gut aufgelegte “Gike” entschärfte. Oder Florian Niederlechner aus der Gefahrenzone köpfte.

Florian Niederlechner war gut im Spiel gegen den Effzeh (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Heiko Herrlich wechselte sodann ein wenig offensiver: Man merkte auf der Augsburger Bank offensichtlich, dass hier noch drei Punkte möglich sind. Hahn kam für den blassen Vargas in die Partie. Und mit ihm fiel dann die Führung! Schöne Ballstafette über ebenjenen Hahn und dem (mal wieder) laufstarken Caligiuri, ein uneigennütziger Niederlechner legte quer im Strafraum zum mitgelaufenen Iago, der nur noch einschieben musste. 1:0 – so stand’s auch nach 93 Minuten.

Verdient? Aufgrund der statistischen Daten zum Spiel würde ich sagen: Ja. Vor allem Laufleistung, Passquote und Ballbesitz stimmten. Das ist durchaus selten beim FCA in dieser Saison. Die Passquote war hierbei die statistisch beste, der Ballbesitz (mit rund 55%) der zweitbeste Prozentsatz in der Saison 20/21.

  • Torschüsse (Köln:FCA): 12 : 11
  • Laufleistung (Köln:FCA): 110,8 km : 111,5 km
  • Pässe (Köln:FCA): 369 : 468
  • Passquote (Köln:FCA) 71% : 83%
  • Ballbesitz (Köln:FCA) 45% : 55%
  • Zweikampfquote (Köln:FCA) 53% : 47%
  • (alle Daten via kicker.de)

Die Zweikampfquote und auch die Anzahl der Fouls lagen eher in Händen des 1. FC Köln. Kampf ist halt seit jeher ein probates Mittel im Abstiegskampf, vor dem auch der FCA nicht zurückschreckt und schrecken sollte. Bemerkenswert aber, dass der FCA bereits sein 9. Tor in der Schlussviertelstunde erzielt – das sind mehr als die Hälfte der insgesamt 16 erzielten Tore des FCA in dieser Saison. Stefan Reuter sagt dazu: “So häufig, wie das in dieser Saison passiert, ist das sicher kein Zufall mehr.” Fitness, Wille und Moral der Augsburger Jungs stimmen also.

Erwähnenswert hier noch die zwei Abseitstore von Flo Niederlechner, die beide nicht zählten. Die Torflaute für den einsatzwilligen und arbeitsamen Stürmer geht also weiter. Mit Blick auf die Stats haben mich gerade zwei junge, defensiv ausgerichtete Spieler überrascht. Während Uduokhai die beste Zweikampfsquote aller FCA-Spieler hatte (71%), wies Oxford die zweitbeste Passquote (90%) auf (nach Strobl mit 93%). Kapitän Jeff Gouweleeuw enttäuscht hier im Hinblick auf die Zweikampfquote: Mit 29% ist er der schlechteste Zweikämpfer des FCA im Spiel gegen Köln und kassierte obendrein die fünfte gelbe Karte der laufenden Saison. Gegen Stuttgart darf er also auf der Tribüne Platz nehmen. Alle Daten stammen vom Kicker.

Weiterhin führten Wolf auf Kölner und Richter auf Augsburger Seite einen Privatzweikampf auf dem Feld – kleine Nickligkeiten zu Beginn, dann zwei härtere Einsteigen mit konsequenten Sanktionen zu Ende des Spiels. Richter sprach danach von Krieg auf dem Feld: “Auf dem Feld herrscht teilweise Krieg. Wir sind der FCA, wir wollen das Spiel gewinnen. Nach dem Spiel wird sich die Hand gegeben, und alles ist gut.”

Marco Richter wich keinem Zweikampf aus (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Von beiden Seiten wurde von Provokationen und Lamentieren auf dem Feld berichtet – mittlerweile schon und leider Usus in der Bundesliga. Markus Gisdol, Trainer der Kölner, drückte hierzu seine eigene Meinung ganz treffend aus: “Da gibt es nichts zu beschweren, da gilt es sich durchzusetzen. Das ist Profisport, da darf man nicht jammern, sondern muss klare Kante zeigen und dagegenhalten.”

Augen-Blick

Zuletzt baggerte der krisengebeutelte FC Schalke 04 an Marco Richter. Eine Leihe stand hier im Raum. Diesem Vorhaben wurde jedoch (medial) schnell ein Riegel vorgeschoben. So sagte Heiko Herrlich gegenüber der Augsburger Allgemeine zuletzt recht vehement: “Bei Marco Richter kommt ein Wechsel für uns nicht infrage. Das ist kein Thema.”

Scheinbar plant der FCA keine Wintertransfers zu tätigen – trotz zahlreicher und namhafter Ausfälle. Zuletzt erwischte es (mal wieder) das Eigengewächs Raphael Framberger, der einen Muskelfaserriss erlitten hat. Hier hofft Herrlich auf schnelle Rückkehr des Rechtsverteidigers: „Das ist schade, er war sehr gut drauf. Ich hoffe, dass er schnell zurückkommt.“ Auch Alfred Finnbogason fiel gegen Köln aus – bei ihm ist ebenfalls die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr vorhanden. “Finnbo” plagte sich diese Saison schon mehrmals mit Blessuren herum und konnte daher bisher nur zweimal in der Startelf stehen. Es fehlen weiterhin Freddy Jensen und Jan Moravek.

Ein treffsicherer Stürmer – das wünschen sich viele Augsburger Fans diesertags immens. Das haben wir zuletzt in einer Wunschliste für 2021 deutlich gemacht. Flo Niederlechner konnte zuletzt zweimal gegen Köln treffen, stand jedoch bei beiden Treffern und auch sonst sehr oft im Abseits. Einen Assist zum Siegtor steuerte der nimmermüde Arbeiter dennoch bei. Er nähert sich augenscheinlich dem Ende des Torfluchs an. Zu wünschen und zu hoffen wäre es allemal!

Bei Alfred Finnbogason hindessen muss man vielmehr hoffen, dass er eine Zeit lang unverletzt bleibt und nach seinen unzähligen Ausfällen wieder in Form kommt. Denn, wenn er in Form ist, ist er unaufhaltsam. Das haben wir hier in Augsburg noch in guter Erinnerung. Eine Neuverpflichtung eines Stürmers in Augsburg stand daher wohl noch nicht zur Debatte – trotz der Torflaute der Stürmer. Dies liegt vielleicht auch daran, dass auf dem Transfermarkt kaum (erschwingliche) Spieler des präferierten Kalibers verfügbar sind diesertags. Und dass mit Gregerl, Hahn und Richter drei weitere Spieler ggf. auf dieser Position aushelfen könnten. Gerade Hahn ist eigentlich in einer richtig guten Form, gestern im Testspiel gegen Regensburg steuerte er beispielsweise den Siegtreffer bei.

Trotzdessen: Ein Joshua Zirkzee, der seitens des FC Bayern verliehen werden soll, würde auch dem FCA gut zu Gesicht stehen. Aktuell ist laut Medienberichten Eintracht Frankfurt am 19jährigen Holländer dran . Jedoch scheint ein Knackpunkt zu sein, dass Bayern den Frankfurtern keine Kaufoption einräumen möchte. Hier käme der FCA ins Spiel – eine reine Träumerei meinerseits. Aber erinnert mich unweigerlich an die Leihen von Hojbjerg im Jahr 2014 und Leitner 2011. Im Winter auf dem Transfermarkt – und unter Corona-Bedingungen – zuzuschlagen, könnte trotz alledem teuer für den FCA werden.

Gleiches Spiel gilt auch für die Verpflichtung eines zentralen Mittelfeldspielers, der aber nicht zuhauf auf dem Transfermarkt zu finden ist. Zufrieden kann man bisher mit der Besetzung der kreativen Zentrale jedoch nicht sein. Zahlreiche Spieler wurden auf dieser Position ausprobiert, bei allen waren maximal guter Willen und Ansätze vorhanden. Auf den verletzungsanfälligen Freddy Jensen, der für die Position prädestiniert wäre, warten wir hier in Augsburg bislang vergeblich. Zu seinem Fitness- und Gesundheitszustand ist leider nichts bekannt. Auf Transfermarkt steht hierzu: Rückkehr unbekannt, fällt aus wegen Sprunggelenksproblemen. Irgendwie hat man den jungen und begabten Finnen in Augsburg daher ein wenig aus dem Blick verloren. Beim Testspiel am gestrigen Montag gegen Jahn Regensburg suchte man Frederik Jensen vergeblich, hingegen war Noah Sarenren Bazee nach überstandener Verletzung wieder auf dem Platz. Eine gute Nachricht.

Warten auf die Rückkehr. Wann kann Freddy Jensen wieder eingreifen? (Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Auf unserer Bank tummeln sich Nachwuchsspieler wie Civeja, Cheon und Berisha. Ich vermag es nicht zu sagen, ob diese jungen Kicker nun direkt eine Hilfe wären. Erfrischend wären sie allemal. Gegen Regensburg durften Civeja, Petrov und Berisha von Beginn an spielen – Civeja sogar über die volle Distanz. Die Nachwuchsspieler Franjovic, Schuster, Koudelka und Cheon wurden darüber hinaus noch in den Schlussminuten eingewechselt. Insbesondere Civeja hat im defensiven Mittelfeld eine sehr gute Figur abgegeben. Auch der offensivere Berisha wusste durchaus zu überzeugen .

Ich erinnere mich nur zu gerne an unsere (junge und wilde) Flügelzange von anno dazumal – Traore und Ndjeng! Oder an den kometenhaften Aufstieg des Regionalligakickers André Hahn zum deutschen Nationalspieler – im Augsburger Dress. In solche Fußstapfen gilt es zu treten – so groß sie auch sein mögen. Aber der Weg geht nur über ein Bundesliga-Debüt. Das ist diesen oben genannten Jungspielern bisher noch verwehrt geblieben. Vielleicht sehen wir so ein Debüt ja bereits gegen den VfB Stuttgart?

Aus-Blick

Ein Neuzugang externer Art steht seit Sommer 2020 schon fest. “Winther is coming”, titelte der FCA damals auf Instagram und Twitter. Der seit gestern 20jährige Innenverteidiger Frederik Winther, aktueller U21-Nationalspieler Dänemarks, wurde vom FCA für rund 1,3 Mio. Euro verpflichtet und direkt wieder an seinen Stammverein Lyngby verliehen. Alles Gute nachträglich an dieser Stelle! Spätestens zum 01.07.2021 wird man ihn dann wohl am Lech sehen. Interessant: Seine “Zweitposition” ist linker Verteidiger.

Weiterhin enden am 30.06.21 die Leihen von Kevin Danso (Fortuna Düsseldorf), Sergio Cordova (Arminia Bielefeld), Maurice Malone (Wiesbaden) und Jozo Stanic (Zwickau). Man wird sehen müssen, wer hier in Augsburg den Ansprüchen der ersten Fußballbundesliga – sofern wir die Klasse halten (toi, toi, toi) – genügt. Da im Rahmen des jetzigen Wintertransferfensters offenbar, trotz einiger Ausfälle, niemand verpflichtet werden soll – wird der Blick spätestens im Frühjahr in Richtung Sommertransferfenster wandern.

Es enden im Juni 2021 einige Verträge – genauer gesagt die von Rani Khedira, Marek Suchy und Julian Schieber. Schieber ist in Augsburg bekanntlichermaßen gar kein Thema mehr, auch Suchy spielt sportlich nur eine Nebenrolle. Aber der Abgang von Rani Khedira, der eigentlich Baier-Nachfolger sein sollte, würde schon ein wenig (qualitativ) schmerzen.

Spätestens 2022 endet das Arbeitspapier weiterer (Stamm-)Spieler wie Niederlechner, Hahn, Gregerl und Gikiewicz. Und es wird sicherlich bei Spielern wie Vargas, Richter und Uduokhai im Sommer der ein oder andere Interessent anklopfen, wenn diese weiter so spielen sollten wie bisher. Gerade bei den beiden Neunationalspielern Vargas (Schweiz) und Uduokhai (Deutschland) ist dies zu befürchten. Auch Marco Richter wurde zuletzt und mehrfach mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.

Felix Uduokhai durfte bei der Nationalmannschaft schon reinschnuppern. (Foto: Matthias Koch via Imago)

Wenn unser Lazarett sich weiter lichtet – und Spieler wie Jensen, Finnbogason und Bazee zurückkehren – haben wir im Kern einige gute Truppe und gerade offensiv wieder mehr Optionen. Nur für Ausfälle defensiver Natur- gerade von Leistungsträgern – sind wir in der Breite qualitativ nicht gut genug aufgestellt. Gegen den VfB fällt beispielsweise Kapitän Gouweleeuw aus. Vermutlich wird ihn Reece Oxford nach der sehr guten Leistung gegen Köln vertreten dürfen. Gegen Regensburg spielten Khedira und Suchy zusammen in der Innenverteidigung. Es wird sich daher zeigen, wie die “Plan Bs” performen. Spätestens im Sommer wird es wohl (erneut) einen kleinen Umbruch geben. Dies werden wir jedoch zu einer anderen Zeit an anderer Stelle tiefergreifend analysieren.

Der Blick auf die Tabelle gefällt momentan, die Spielweise aber weniger. Die sehr auf Zufall ausgerichtete Marschroute ist meist unattraktiv zum Anschauen – dennoch: ertragsreich. Trainer Heiko Herrlich sagte nach dem Köln-Spiel folgendes zur Spielweise: “Im Offensivspiel haben wir gesagt, dass wir geduldig sein müssen, dass wir Ballbesitz spielen müssen, bis die richtige Situation kommt.”

Daher bleibt es dabei, den Blick auf das Tabellenende nicht zu vernachlässigen und gemäß der gängigen Corona-Regel genügend “Abstand” zu den Kellerkindern zu halten. Es bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass man mit dem vorhandenen Personal durch die extrem lange und strapaziöse Saison ohne große Zwischenfälle kommt. Oder wie Stefan Reuter zuletzt sprach: “Wir sind am 14. Spieltag. Wir freuen uns über den aktuellen Punktestand, haben aber noch viel zu tun.”

In diesem Sinne: Gut Kick und nur der FCA!

Auf 2021! Auf uns!

Die letzten Tage des ereignisreichen Jahres 2020 stehen nun an und noch immer ist Corona allgegenwärtig. Weihnachten hatten wir besinnlich im kleinsten Kreis verbracht – entschleunigt und ohne großen Prunk. Sportlich gesehen schied der FC Augsburg kurz vor dem Weihnachtsfest glanzlos aus dem DFB-Pokal aus. War zu erwarten, ist zu verschmerzen. Nun ruht die Fußball-Bundesliga für ein paar wenige Tage – und startet kurz nach Neujahr wieder, um unter anderem den Rest der Hinrunde auszuspielen.

Sieben Wünsche für 2021

Natürlich wird dies ohne Fans und ohne Stimmung geschehen. Der Lockdown bleibt uns auch über den Jahreswechsel hinaus “erhalten”. Und doch ist 2021 unweigerlich mit Hoffnung verbunden und mit Besserung. Zeit für mich, zusammenzufassen, was ich vom kommenden Jahr erwarte – sportlich und mit Fokus auf dem FCA. Nicht alles davon ist immer realistisch und sofort machbar. Nicht bei allem werdet ihr mir zustimmen. Dennoch freue ich mich auf euer Feedback und was ihr euch von diesem hoffnungsvoll erwarteten Jahr 2021 erwartet – privat, gesellschaftlich und vor allem: sportlich!

Lest nun im Folgenden die Aspekte, die ich mir von 2021 erhoffe – sportlich auf dem Rasen und auch abseits des Platzes.

#1: Zielwasser

Ein großes Problem in dieser Hinrunde war sicherlich die Torflaute unserer Stürmer! Unser bester Torschütze in dieser Saison bisher: Mittelfeldspieler und Sommer-Neuzugang Daniel Caligiuri! Der (noch) 32jährige konnte bisher starke 7 Scorerpunkte sammeln (4 Tore, 3 Assists). André Hahn erlebte – bis zu seiner Covid-19-Erkrankung – einen zweiten Frühling im FCA Trikot und erzielte in 9 Spielen 3 Tore. Das hat in Augsburg wohl auch keiner mehr in der Form von ihm erwartet. Chapeau und gute Besserung weiterhin an dieser Stelle!

Der geläuterte Rückkehrer Michael “Gregerl” Gregoritsch reiht sich in die Riege der torgefährlichen Mittelfeld-Spieler ein mit einem Tor und zwei Torvorlagen. Weiterhin komplettiert unsere junge Flügelzange, Marco Richter (1 Tor, 1 Vorlage) und Ruben Vargas (3 Tore, 1 Vorlage), die Liste der torgefährlichsten FCA-Spieler. Auch diese beiden werden überwiegend im (offensiven) Mittelfeld eingesetzt.

Kommen wir nun zu unseren beiden Problemkindern:

  • Florian Niederlechner war letztes Jahr sicherlich DER Neuzugang des FCA und performte als Mittelstürmer in Augsburg unglaublich gut. Diese Saison ist irgendwie der Wurm drin – seine Stats (11 Spiele – 0 Tore, 1 Assist) sprechen Bände. Böse Zungen behaupten, er ist auf seinem eigentlichen Leistungslevel angekommen. Bei Flo wünscht sich doch jeder FCAler diesertags sehnlichst, dass der Torknoten platzt!
  • Auch beim verletzungsanfälligen Alfred Finnbogason steht noch die null – null Tore und ein mageres Assists in 9 Spielen sind schlicht und ergreifend zu wenig für die Ansprüche und Erwartungen des sonst so eiskalten Isländers. Auch bei ihm hofft man aktuell, dass er nach einer der unzähligen Verletzungen rasch in Tritt kommt und den Torinstinkt wieder entdeckt.

Beide Stürmer haben durchaus ihre Chancen im Spiel, vergeben sie derzeit aber meist kläglich. Selbst die “hundertprozentigen” gehen einfach nicht rein. Daher ist der erste Wunsch für 2021: Zielwasser für unsere Stürmer!

#2: Offensivpower

Ein wenig mit #1 einhergehend ist Wunsch Nummer zwei: Endlich mehr offensive Durchschlagskraft. Eine attraktivere Spielweise gepaart mit defensiver Stabilität – dies steht sicher bei einigen FCA-Fans auf der Wunschliste. Ein Spielkonzept mit mehr Ballbesitzanteilen und Umschaltmomenten – so in Ansätzen gegen Frankfurt zuletzt gesehen – würde die Herzen der Augsburger höher schlagen lassen. Mit der derzeitigen Spielweise holen wir zwar auch irgendwie Punkte – getreu dem Motto “mühsam nährt sich das Eichhörnchen” – aber Hand aufs Herz: Wollen wir diesen auf Zufall ausgelegten Offensivfußball weiterhin sehen?

Vor allem, da wir weiterhin wohl nur vor’m Fernseher zusehen dürfen. Wenn die Stadionatmosphäre und das Stadion-Erlebnis wegfällt – was bleibt dann noch außer einer spannend-kreativen Spielweise für’s Fan-Auge? Und nein, diese Zeilen hier schreibt sicherlich kein Erfolgsfan und ich verlange auch nicht, dass wir spielen wie der FC Bayern. Gegebenenfalls sollten die Augsburger Verantwortlichen einmal über die Verpflichtung eines echten Spielmachers respektive einer kreativen Schaltzentrale nachdenken.

Wenn das Zusammenspiel klappt, dann ist es wunderschön. Wie hier gegen Gladbach kurz vor Schluss. Mehr davon! (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Diese Saison haben diese Position schon Gregerl, Freddy Jensen, Marco Richter, André Hahn und Tobias Strobl bekleidet. Mit Abstrichen haben Gregerl, Marco Richter und Freddy Jensen dort überzeugen können. Bei Gregerl kehrt leider zu oft der Schlendrian ein: Lust und Unlust wechseln sich kontinuierlich ab. Marco Richter war zu Saisonbeginn verletzt, kämpfte sich zuletzt ran an die erste Elf. Wird aber von Heiko Herrlich offensichtlich nicht in der Zentrale eingeplant, obwohl es Marcos Paradeposition ist. Freddy Jensen weilt derzeit im Krankenstand, kommt nur auf fünf Ligaspiele bisher. In seiner Augsburger Zeit war auch er bisher mehr verletzt als auf dem Platz – leider. Beim Rest der Offensivabteilung merkt man, dass diese definitiv auf anderen Positionen beheimatet sind.

Nach dem Weggang von Ja-Cheol Koo ist diese Position nicht mehr adäquat besetzt worden, so viel steht fest. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die noch unbekannte (?) Rückkehr von Freddy Jensen aus dem Lazarett – dessen Hauptposition das zentrale, offensive Mittelfeld ist. Was ich mir jedoch ausdrücklich nicht wünsche: Leistungsträger an direkte Konkurrenten zu verleihen (siehe Gerücht: Marco Richter zu Schalke 04?). Aber offensichtlich wurde diesem Wechsel schon von FCA-Seiten ein Riegel vorgeschoben. Vielleicht könnte man Marco Richter mal häufiger auf dieser Position ausprobieren – wäre doch einen oder mehrere Versuche wert oder?

#3: Fanrückkehr

Keine Frage! Eine der Hauptanliegen ist es, den Fans eine (kontrollierte) Rückkehr ins Stadion zu ermöglichen. Corona hat ja für die Fussballabstinenz der Fans gesorgt. Und: Fußball auf lange Sicht ohne Fans? Ein Trauerspiel und sowohl finanziell als auch atmosphärisch ein Verlust für die Clubs. Jedoch muss und soll hier die Gesundheit aller im Vordergrund stehen. Sollte es eine Möglichkeit geben und die Zahlen es zulassen, freut sich jeder Fan über den Stadionbesuch, so viel steht fest. Nach so langer Zeit der Abwesenheit ist der Tag der Rückkehr sicherlich ein Fest und solch warme Gedanken halten das “Mindset” aufrecht. Und so lange es aus den bekannten Gründen weiterhin nicht mit der Rückkehr funktioniert, sollten wir uns Momente wie diese vor Augen rufen. Ich hab immer noch Gänsehaut, wenn ich dies sehe – wie unsere FC Augsburg Fans vor Ort leidenschaftlich und trotz Niederlage skandiert haben:

Unvergesslich – diese geniale und sagenhafte Stimmung der FCA Fans an der Anfield Road am 25.02.16.

#4: Klassenerhalt!

Frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben – das wär’s. Nach der turbulenten letzten Saison wäre das sicherlich Balsam auf der geschundenen Fanseele. Und jede Saison Herzinfarkt-Gefahr? Muss nicht unbedingt sein. Daher ist ein gewaltiger Wunsch: Frühzeitig den Klassenerhalt sichern. Punkte hamstern, wo es nur geht und die ein oder andere Überraschung landen – so wie beispielsweise geschehen gegen den BVB am zweiten Spieltag.

Die “Corona-Saison” ist lang, die Pausen sind kurz, es gibt unzählige englische Wochen. Ich wünsche daher unseren Spielern einen langen Atem, heile Knochen und Durchhaltevermögen. Macht es den Gegner unangenehm, gegen den FC Augsburg zu spielen. Und vielleicht wird der Heiko ja offensiv noch ein wenig nachjustieren – siehe Punkt zwei der Liste. Und so ein spannendes und leistungsgerechtes 4:4 gegen den FC Bayern, das hätte doch mal was…

Wer wie gegen Bielefeld die Punkte sammelt, steigt hoffentlich nicht ab. Solche Szenen wollen wir vermehrt sehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Hoffentlich lichtet sich unser Lazarett demnächst, mit Iago und Pedersen fehlten zuletzt zeitwese beide nominellen Linksverteidiger. Und wurden schmerzlichst vermisst. Weiterhin hoffe ich auf die Rückkehr von Jan Moravek, nachdem unsere defensiven Mittelfeldspieler alle noch nicht wirklich überzeugen konnten. Auch wenn man auf den soliden, aber durchweg verletzten Moravek leider nicht zählen kann. Zuletzt wünsche ich mir die schnelle Rückkehr von Jensen und Bazee, die beide etwas offensiven Schwung in die Mannschaft bringen könnten. Und auch sonst dem Trainer kreative Optionen bieten.

#5: Debütanten

Mit Benjamin Leneis (21), Tim Civeja (18), Franjo Ivanovic (17), Dion Berisha (17) und Seong-hoon Cheon (20) stehen aktuell fünf Nachwuchsspieler im Bundesliga-Kader. Civeja, Berisha und Cheon standen die letzten Spiele sogar im Spieltagsaufgebot. Debütieren durfte von den genannten leider noch keiner. Nachdem Spieler wie Erik Thommy, Simon Asta, Albion Vrenezi, Ioannis Gelios und Co. ihr Glück sportlich abseits des Lechs gefunden haben, wäre ein neuer Marco Richter oder ein neuer Frami wirklich wünschenswert. Immerhin ist dies eine Art Referenz für den Club, der sich durchaus als Ausbildungsverein sieht. Albion Vrenezi (mittlerweile bei Jahn Regensburg) und Gelios (bei Holstein Kiel) stehen übrigens aktuell in der kicker-Elf der Hinrunde der 2. Bundesliga!

Für 2021 wünsche ich mir in Bezug auf den Nachwuchs: Die Rückkehr von Maurice Malone im Sommer. Der performt in Wiesbaden bisher wirklich unglaublich gut! Viele Grüße an Andi von der RoGaz an dieser Stelle, der dies vermutlich geahnt hat. Weiterhin wünsche ich mir den Durchbruch von Marco Richter, nach wie vor ein Augsburger Mega-Talent, und zwar am Lech! Und zuletzt hoffe ich, dass Spieler wie Civeja mal Bundesliga-Luft schnuppern dürfen. Ich meine, kann es ein Civeja (noch) schlechter machen als ein Strobl bis dato? Heiko Herrlich, ich lege dir fürs neue Jahr eine Portion Mut unter den Weihnachtsbaum.

#6: FCA-Originale

Wir haben in unserer Serie “Immer noch Original 1907” bislang einige Fans und ihre sagenhaften Geschichten gehört. Und lasst euch gesagt sein, dass IHR es seid, die diesen Club so besonders machen. Die diesen Club so strahlen lassen und zum Leben erwecken. Daher lasst euch bitte nicht euer Fan-Dasein durch irgendwas oder irgendwen trüben. Bewahrt euch den kritischen Blick. Und euer Herzblut für den FCA. Der FC Augsburg braucht die Gemeinschaft der Fans, die Fans brauchen den familiären Charakter des Lieblingsclubs. Daher wünsche ich mir für die Zukunft weiterhin die Solidarität der Fans, die kultigen Originale mit Geschichten aus’m 11er. Und wir brauchen das Wohlwollen sowie den bilateralen Austausch mit den Verantwortlichen des FCA. Besonders in unsteten und hochdynamischen Zeiten wie diesen!

Wie schrieb und sang der gebürtige Augsburger Andreas Bourani vor geraumer Zeit:

(…)

Denkt an die Tage, die hinter uns liegen

Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen

Hier geht jeder für jeden durch’s Feuer

Im Regen stehen wir niemals allein

Und solange unsere Herzen uns steuern

Wird das auch immer so sein!

Ein Hoch auf das, was vor uns liegt

Dass es das Beste für uns gibt

Ein Hoch auf das, was uns vereint

Auf diese Zeit (auf diese Zeit)!

Auf uns” – Andreas Bourani

Wie treffend ist das denn bitte? Adaptiert diese Lyrics gerne mal auf unsere, auf eure aktuelle Situation. Als Fan, als Mensch, als Teil der Gesellschaft. Und ich kriege Gänsehaut, wenn ich merke, wie treffend dies doch ist! Lasst uns zusammenhalten, solidarisch sein – und alles wird gut. Hoffentlich “balder als bald”. 🙂

#7: Titelverteidigung

Der siebte Wunsch ist einer, den ich mit Blick auf das E-Sport-Team des FC Augsburg äußere. Die Sparte sehe ich durchaus auch als Teil des Clubs. Schließlich sind sie alle (langjährige) FCA Fans und Mitglieder aus der Region, also unweigerlich welche “von uns”. Daher wünsche ich den Bederkes und Co. eine gelungene E-Sport-Saison. Und Yannic natürlich die Titelverteidigung des deutschen eBundesliga-Meistertitels. #goyannic

Also, jubelt nochmal so, Jungs:

Viel Gesundheit!

Ich wünsche euch allen viel Gesundheit. Das wünsche ich auch den Spielern und den Mitarbeitenden des FCA. Bleibt gesund und munter. Haltet euch an die Regeln, bleibt ruhig und besonnen. Es kommen wieder bessere Zeiten. Die FCA-Familie hält in diesen entscheidenden Phasen zusammen und wenn’s euch beispielsweise mal langweilig wird oder ihr euch einsam fühlt: Meldet euch bei Transfermarkt an (dort gibt’s ein FCA Forum). Oder tauscht euch im FC Augsburg Forum aus. Vielleicht habt ihr auch Lust, einen Artikel zu verfassen und über euer FCA Fan-Dasein zu berichten? Dann meldet euch gerne bei uns (kontakt@rosenau-gazette.de).

Und jetzt noch einmal der Chorus unserer Vereinshymne – für jeden von euch zum innerlichen Mitsingen, mit Pathos und mit Stolz. Und ganz viel Zuversicht. Auf bessere Tage und bessere Zeiten im Jahr 2021. Rutscht gut rein!

(…)

Rot, Grün, Weiß,

sind die Farben unseres Traums, der FC Augsburg heißt

Und den tragen wir im Herzen dieser schönen Stadt

mit den wunderbarsten Fans, die nicht ein jeder hat

Du bist Glanz und Gloria

Unser FCA!

https://www.fcaugsburg.de/page/hymne-58

Wünsche & Prognosen der Redaktion:

… das wünscht und prognostiziert die Redaktion für 2021:

  • Andi: Ich wünsche mir attraktiveren Fußball vom FC Augsburg. Weiterhin hoffe ich auf das Ende der Torflaute unserer beiden Stürmer! Und zuletzt: die Rückkehr der Fans in die Stadien.
  • Andy: Bei mir ist es eher eine Befürchtung, dass Heiko Herrlich 2021 entlassen wird und wir endgültig ein Club werden, der wie andere Clubs auch die Trainer wechselt.
  • Franzi: Ich wünsch mir ja die Rückkehr von Daniel Baier als Capitano – damit wieder mehr Ordnung und Selbstvertrauen herrscht. Jawoll, das wünsche ich mir – trotz aller Utopie!
  • Irina: Ich hoffe zum Schluss noch, dass wir alle gesund bleiben, der FCA früh die Klasse hält und Yannic wieder eMeister wird. Guten Rutsch an alle!

FCAngespannt

Puh, das war knapp am vergangenen Wochenende. In einer kuriosen Partie konnte der FCA gegen das Schlusslicht der Bundesliga – den FC Schalke 04 – immerhin einen Punkt mitnehmen. Und danach sah es ehrlich gesagt lange Zeit nicht aus! Jetzt kommt am heutigen Mittwochabend mit der Arminia ein weiterer direkter Konkurrent und kann den FCA schlechtesten Falls mit in den Abstiegssumpf ziehen.

Rückblick: FCA – S04

Wie eingangs bereits erwähnt, war das Spiel der beiden Clubs am zurückliegenden Sonntag schon im Vorfeld ein besonderes. Andi von der RoGaz bezeichnete es sogar in seinem Vorbericht als eines der wichtigsten Saisonspiele! Bei Schalke steht mit Manuel Baum seit geraumer Zeit ein alter Bekannter des FCA an der Seitenlinie. Weiterhin spielen beim FCA derzeit mehrere Spieler mit Schalker Vergangenheit – insbesondere Daniel Caligiuri ist hier zu nennen. Der Mittefeldspieler wechselte erst im letzten Sommer von Gelsenkirchen nach Augsburg und hat noch eine ganz besondere Beziehung zum Verein. Gerade Caligiuri erwies sich bisher als Augsburger Glücksgriff – sehr zum Schalker Leidwesen.

Nun, jedenfalls war ebenjenes Sonntagsspiel schon von Anfang an intensiv! Beide Mannschaften schenkten sich nichts und aggressiv anlaufende Schalker machten den Augsburgern einen geordneten Spielaufbau schwer. Die sehr lange sieglosen Schalker – mittlerweile sind es schon 27 Bundesliga Spiele in Folge – wollten spürbar etwas beweisen! Der FCA ging personell arg gebeutelt in die Partie: Rechtsverteidiger Robert Gumny wich auf links aus und Framberger spielte auf seiner angestammten rechten Seite. Herrlich wählte gegen S04 eine eher defensiv ausgerichtete Formation, spielten doch mit Gruezo, Khedira und Strobl drei nominelle defensive Mittelfeldspieler. Strobl war von den drei genannten am offensivsten positioniert. Auf der Bank nahmen neben Torhüter Koubek noch Richter, Finnbogason, Oxford, Suchy und Gregoritsch Platz. Wie eng es derzeit in puncto Spielermaterial aussieht, zeigte auch die restliche Ersatzbank: Mit Civeja, Cheon und Berisha standen drei Jungspunde aus der U23 des FCA im Spieltagskader.

Schon in der zehnten Spielminute wurde es erstmals heikel: Der beste Schalker Spieler bis dato, Mark Uth, ging mit dem Augsburger Innenverteidiger Uduokhai in einen Luftzweikampf und verletzte sich dort augenscheinlich. Die beiden Spieler sind mit den Köpfen zusammengeprallt, Uth ging danach benommen zu Boden. Fast 15 Minuten wurde Uth auf dem Spielfeld behandelt, zig Sanitäter und auch die Teamärzte beider Lager waren im Einsatz. Gott sei Dank waren Spieler und medizinische Kräfte direkt zur Stelle. Florian Niederlechner hat beispielsweise den Teamärzten beim Tragen geholfen! Mark Uth wurde mit der Trage vom Spielfeld und anschließend direkt ins Klinikum gebracht, von dort gab es kurz vor der Halbzeit zumindest leichte Entwarnung. Sowohl Schalke als auch Augsburg wollten die Partie übrigens weiterspielen, Schiedsrichter Gräfe und die Augsburger ließen laut Medienberichten den Schalkern die Wahl.

Auch nach diesem markerschütternden Zwischenfall ging es weiter körperbetont zur Sache: Wieder Udo prallte mit dem Schalker Boujellab im Kopfballduell zusammen, wieder kurze Behandlungspause, der Schalker spielte dann mit Turban weiter. Allgemein war die Partie im Anschluss sehr zerfahren, die Schalker hatten etwas mehr vom Spiel. Waren griffiger und gieriger. Trotzdem ging der FCA nach einem Standard vom Ex-Schalker Caligiuri in Führung, Serdar hatte den Ball noch entscheidend ins eigene Tor abgefälscht.

Mit einem schmeichelhaften 1:0 ging der FCA in die Halbzeitpause. Aus der Schalke gut erholt zurückkam und direkt den Ausgleich erzielen konnte – dank Gruezos misslungenem Rückpass. Die Partie wurde wieder hitziger, erst foulte Sane Niederlechner erbarmungslos und kassierte “nur” Gelb. Dann kassierte der gelb vorbelastete Stürmer des FCA seine zweite Gelbe für einen leichten Wischer im Fallen und durfte frühzeitig duschen gehen. Eine sehr harte Entscheidung des sonst so souveränen SR Gräfe. Schalke drehte sodann das Spiel, Serdar erzielte das zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente 2:1 für S04. Danach spielte aber quasi nur noch der FCA, denn Herrlich wechselte in Unterzahl offensiv und mutig. Richter, Gregerl, Finnbogason – alle drei Offensivoptionen durften für die letzte halbe Stunde ran. Richter war es sodann vorbehalten, in der Nachspielzeit per Kopf das 2:2-Ausgleichstor zu erzielen. In Summe war dieses Ergebnis auch verdient für beide Seiten.

Marco Richter mit dem späten Ausgleich (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

An dieser Stelle wünscht das Team der RoGaz S04-Spieler Mark Uth gute Besserung und rasche Genesung. Der Stürmer ist laut Medienberichten am Montag bereits wieder aus dem Augsburger Klinikum entlassen worden.

Vorschau: DSC – FCA

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heißt eine weit verbreitete Fußballweisheit. In Zeiten von Corona sind englische Wochen an der Tagesordnung. Kurz vor Weihnachten stehen für den FCA noch drei Spiele an. Zwei in der Liga und eine Pokalpartie gegen Leipzig, die zwischenzeitlich zur Diskussion stand, kurz vor dem Weihnachtsfest. Heute Abend wartet mit Arminia Bielefeld ein weiterer direkter Konkurrenz im Abstiegskampf. Die Ostwestfalen spielen bisher unter ihren Möglichkeiten, zahlen oft Lehrgeld. Zuletzt verlor die Arminia mit 2:0 gegen Freiburg. Mit Sergio Cordova spielt ein Augsburger Leihspieler auf Seiten des DSC.

Mit Torhüter Ortega, einer ordentlichen Abwehrreihe rund um den Holländer van der Hoorn und dem erfahrenen Kapitän Fabian Klos hat Arminia wichtige Säulen im Kader. Gerade Klos und seinen Sturmpartner Schipplock muss der FCA auf dem Zettel haben. Die Ostwestfalen haben die zwei laufstärksten Feldspieler der Bundesliga in ihren Reihen (Prietl und Hartel mit rund 139 und 135 km in 11 Partien). Laufstärkster Augsburger ist Caligiuri mit rund 121 gelaufenen Kilometern. Zudem gehört der DSC mit nur 16 gelben Karten zu den fairsten Bundesliga-Teams. So oder so, der FCA wird gewarnt sein. Es verspricht ein laufintensives Spiel zu werden, keine der beiden Mannschaften kann so richtig das Spiel aufbauen. Es wird darauf ankommen, wer das erste Tor macht und defensiv stabiler steht. Augsburg hat bisher 17 Gegentore kassiert, Arminia 22.

Fabian Klos als langfristiger Eckpfeiler der Bielefelder Mannschaft will gegen Augsburg zu Hause natürlich gewinnen (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Ich persönlich, die seit 2014 in Ostwestfalen lebt, gönne den Arminen jeden Punkt und jede Spielminute in der Bundesliga. Arminia gehört einfach zu den Traditionsvereinen in Deutschland und damit auch in die oberste Spielklasse! Schade, dass Corona dem Verein und den Fans dieses Erlebnis ein wenig nimmt. Geisteratmosphäre im Aufstiegsjahr macht diese besagte Aufstiegseuphorie und den dadurch entstehenden “Vorteil” zunichte. Nichtsdestotrotz schlägt sich Bielefeld bis dato wacker, aktuell steht man auf Tabellenplatz 16 mit 7 Punkten. Defensiv ist dies sehr solide, jedoch ist man im Sturm – trotz Urgestein Klos -recht harmlos mit nur 8 erzielten Treffern. Da geht noch mehr. Trotzdem hoffe ich, dass dieser Zustand nicht ausgerechnet gegen den FCA geheilt wird 🙂

Personal und Taktik

Heiko Herrlich steht auf Augsburger Seite diesertags besonders unter Beobachtung. Nach dem guten Saisonstart ist wieder etwas Ernüchterung in Augsburg eingekehrt. Aus den letzten fünf Partien holte der FCA nur magere fünf Punkte. Der aktuelle Trend der Augsburger ist daher eher eine Art Abwärtstrend. Der Punkt gegen Schalke war zwar nicht unverdient, aber eigentlich für die Augsburger Ansprüche zu wenig. Mit dem zurzeit zehnten Tabellenplatz und 13 Punkten sieht das besser aus als der Zustand tatsächlich ist. Auf den Relegationsplatz, den die Bielefelder derzeit belegen, hat man sechs Punkte Abstand – jedoch kann dieser Abstand bei einer Augsburger Niederlage gegen die Arminia auf drei Punkte schmelzen.

Die Moral des FCA stimmt zweifellos. Rückschläge können nachweislich gut weggesteckt werden und die Truppe gibt sich auch in der Nachspielzeit nicht auf. Auch sportlich austrainiert und fit wirken die Spieler. Viele Kilometer legen die Jungs pro Spiel zurück. Jedoch beuteln die Augsburger extreme Personalsorgen und offensiv sieht das aktuell ziemlich mau aus. Wenig eigens kreierte Torchancen, kaum kreative (Umschalt-)Momente, wenig Ballbesitz – hier gilt es anzusetzen. Der kicker berichtete daher zuletzt, dass Herrlich unter Druck steht und nun liefern muss: “Nur 41 Prozent Ballbesitz und eine schwache Passquote von 63 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Erst recht gegen einen sieglosen Tabellenletzten.” Sollte sich der Umstand nicht ändern und der FCA das Spiel gar verlieren, ist die Lage in Augsburger Gefilden dann deutlich angespannter als zuletzt und man rutscht wieder mit in die Abstiegszone hinein.

Heiko Herrlich muss mal wieder eine etwas schwierigere Phase bewältigen (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Beim FCA wird wohl weiterhin der an Covid-19 erkrankte Hahn fehlen. Auch sonst wird es vermutlich wenig Bewegung im Lazarett geben. Über die schnelle Rückkehr eines Linksverteidiger – Iago und/oder Pedersen – würde man sich beim FCA diesertags sehr freuen! Gumny hat das zwar recht ordentlich gemacht, hatte in der zerfahrenen Partie gegen Schalke jedoch keinen besonders gefährlichen Gegenspieler. Gegen die Arminia könnte dies in Person vom quirligen Japaner Ritsu Doan deutlich unangenehmer werden! Der 22jährige Leihspieler von PSV Eindhoven ist bisher die Neuentdeckung der Saison bei den Ostwestfalen. Ggf. könnte auch Sergio Cordova auf den linken Flügel ausweichen.

Beim FCA wird daher einzig der gelb-rot-gesperrte Niederlechner ersetzt werden müssen. Dessen Rolle könnte entweder in Person von Finnbogason oder Gregoritsch neu besetzt werden. Marco Richter hat sich mit seinem Ausgleichstreffer in den Vordergrund gespielt und ist eine ernsthafte Startelf-Option, vielleicht sogar auf seiner Lieblingsposition – der Zehn.

Der FCA geht gem. dem Kicker vermutlich mit folgender Elf in das Spiel:

Gikiewicz - Framberger, Gouweleeuw (C), Uduokhai, Gumny - Khedira, Strobl - Caligiuri, Richter, Vargas - Gregoritsch

Was macht eigentlich – Momo Diabang?

Mamadou “Momo” Diabang – wer könnte den Namen des senegalesischen Stürmers in Augsburg vergessen? Der heute 41jährige schnürte in Deutschland zuallererst für die Arminia aus Bielefeld im Profibereich die Fußballschuhe. Von 2006 bis 2008 kickte er in Augsburg. In der Saison 07/08 stürmte er 27 Mal für den FCA, erzielte hierbei 7 Scorerpunkte. Weiterhin erzielte er in insgesamt 100 2. Liga Partien sowie in 69 1. Liga Partien jeweils 17 Treffer. Die Bielefelder haben ihn sicherlich in bester Erinnerung, erzielte Momo doch am 15.03.2003 drei Treffer gegen Borussia Mönchengladbach. Gerüchte besagen, dass sich Uli Hoeneß sogar nach dem quirligen Offensivspieler erkundigt hatte nach der Partie.

Momo Diabang beim Jubel über eines seiner Augsburger Tore (Foto: imago/Krieger)

Diabang ist nach seiner aktiven Profilaufbahn nach Ostwestfalen zurückgekehrt und kickt derzeit für den Bezirksligisten Türkgücü Gütersloh. Diesen hat er in der vorletzten Saison mit 25 Treffern in 24 Spielen zum Aufstieg in die Bezirksliga geschossen. Beim Spiel der Arminia gegen den FCA wird er daher vermutlich eher den Ostwestfalen die Daumen drücken. Denn Diabang hatte seine sportliche Glanzzeit eigenen Aussagen zufolge bei der Arminia: “In Bielefeld habe ich die beste Zeit als Fußballer erlebt und bin heute noch Hermann Gerland dankbar, der mich zur Arminia geholt hat.“

Tipps der Redaktion

  • Andi: 0:1 – in einem Bundesligaspiel, das den Namen nicht verdient hat, gewinnt der FCA dreckig. Ein guter Moment von Finnbogason reicht, um endlich wieder drei Punkte einzufahren.
  • Andy: 0:1 – Der FCA schafft den Befreiungsschlag und schlägt die Arminia knapp!
  • Irina: 1:2 – Da ich gestern Geburtstag hatte, hoffe ich auf ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk vom FCA! Ich prognostiziere daher frohen Mutes und ggf. wieder zu optimistisch ein diesmal unspektakuläreres Spiel, aus dem der FCA als Sieger hervorgeht!

1. Advent: Augschburgerin im Exil

29.11.2020. Heute ist der erste Advent. Nachdem Andy uns schon grandios dargelegt hat, warum er einst sein Herz an den FCA verloren hat, darf ich – Irina – heute die “Adventsreihe” der Rosenau-Gazette fortsetzen. Die nächsten drei Sonntage werden dann weitere Fans über ihre Passion für den FCA berichten. Natürlich ganz stilecht im Ugly Christmas Sweater und mit Glühwein in der Hand. Was gibt’s schließlich schöneres als den FCA in Verbindung mit Plätzchen, Kinderpunsch, warmen Gedanken an den Augsburger Christkindlsmarkt und das Schwelgen in Erinnerungen? Stay tuned!

Im Herzen eine Augschburgerin!

Nun, ich sitze jedenfalls grade hier inmitten des ersten Advents und sinnier’ über meine Leidenschaft für den FC Augsburg. Viele Bilder ziehen vor meinem inneren Auge vorbei. Inmitten dieser unsteten und hochdynamischen Zeit, Corona hat sich längst als Unwort des Jahres 2020 etabliert, gibt es doch nichts erwärmenderes, als sich die schönen Aspekte des Lebens vor Augen zu führen. Und meine Erinnerungen an den FCA zähle ich hier dazu.

Zum FC Augsburg hab ich eine ganz innige Verbindung und doch ist sie gewissermaßen distanziert. Schließlich lebe ich seit 2014 fast 600 Kilometer entfernt – von der schönsten Stadt der Welt. Meiner Geburtsstadt Augsburg. Hier, in meiner ostwestfälisch-lippischen Wahlheimat, weiß keiner so wirklich was über den FCA. Natürlich kommt unweigerlich und oft die Aussage, dass Augsburg doch irgendwo bei München liegt. Wenn die Leute hier überhaupt wissen, wo Augsburg geografisch einzuordnen ist. Ich darf hier jedenfalls viel Aufklärungsarbeit leisten, so viel steht fest.

Es ist doch schon erstaunlich, dass sich Heimweh und “Patriotismus” erst mit einer gewissen Distanz oder Zeit der Abwesenheit einschleichen. Vor meinem Umzug war ich einfach auf dem Pass geboren in Augsburg. Heute bin ich stolz, Augschburgerin zu sein. Und bin ganz stolz erfüllt, wenn ich im TV was über meine City höre. Das ist meine Stadt. Und dort ist mein Fußball-Club, der sich langsam, aber sicher, vor vielen Jahren mein Herz erschlichen hat.

Ich selbst spiele, seit ich fünf Jahre alt bin, Fußball. Zufällig, weil ich als Kind aus der örtlichen Ballettgruppe geflogen bin und wegen – nennen wir es leichten Bewegungsdrangs – zum Fußball geschickt wurde. Der Fußballplatz liegt auch ganz zufällig direkt neben dem Grundstück meiner Eltern. Ein Katzensprung quasi. Als Mädchen in den 90ern Fußball zu spielen, das war noch was ganz besonderes. Da war man wirklich froh, dass es in der Nähe eine Mädchenmannschaft gab. Einen Luxus, den ich damals direkt vor meiner eigenen Haustür hatte. Und als eine der wenigen Fußballerinnen damals war man schon ein kleines Einhorn, selten und bewundert zwar, aber auch belächelt. Frauen und Fußball? Für mich seit jeher eine geniale Kombination. Für viele andere (teilweise heute noch) schwer erträglich.

Dieser örtliche Fußballverein hat mich jedenfalls, die viele Jahre aus der Ferne dem FC Bayern rund um Lothar Matthäus die Daumen gedrückt hat, gewissermaßen zum FCA geführt. Eines Tages, ein kalter Tag im Frühling 2005, bin ich mit meinen Fußballmädels ins alt-ehrwürdige Rosenaustadion zu einem Regionalliga-Spiel gefahren. Vor diesem Besuch war ich einige wenige Male im Olympiastadion in München gewesen. Die Rosenau – jeder der diese Spielstätte einmal live miterlebt hatte, war direkt in ihrem Bann gefangen. So hat es auch mich mit damals 13 Jahren gepackt – der kleine FCA, dieses charismatische Stadion, das unzählige Geschichten zu erzählen hatte. Und dazu Spieler, die man zwar lokal kannte, aber national niemand. Ich hab’s sofort geliebt. Ein Quasi-Antagonist zum schillernden FC Bayern. Und dem glamourösen Olympiastadion.

Als der FCA dann erst im zweiten Anlauf den Aufstieg geschafft hat, hatte ich mich schon als Stadiongängerin etabliert. Samstag und Sonntag waren bei mir immer für den FCA und die eigenen Fußballspiele reserviert. Dazwischen gab’s nicht mehr viel, bisschen Schule, ein wenig Familie. Und ich hab quasi nur fürs Wochenende gelebt! Trotzdem hab ich erfolgreich mein Abitur bestanden, in dem Jahr, in dem der FCA in die erste Fußballbundesliga aufgestiegen ist. Und es in die großen Stadien der Republik ging, wie beispielsweise nach Dortmund in den Signal Iduna Park. Leider habe ich da oft Probleme mit der Postleitzahl und sitze nicht immer im Gästeblock. 🙁

Früher ging man entweder ins Stadion oder man hat erst Tage später was über den Ausgang der Partie erfahren. Fußball unterhalb der Bundesliga im TV? Fehlanzeige. Für ein Mädel meines Alters und aus dem Augsburger Landkreis kommend ein schwieriges Unterfangen. Ab und an konnte ich meine Eltern zwar nötigen, mich nach Augsburg zu fahren, doch das waren eher die Ausnahmen und nicht die Regel. Erst als ich 16 war, der FCA ist zwei Jahre vorher in die zweite Fußballbundesliga aufgestiegen, bin ich dann häufiger ins Stadion. Und meine erste Dauerkarte gabs dann quasi mit der Volljährigkeit in meinem Abi-Jahr. Fünf Jahre lang war ich quasi jedes Spiel im M-Block. Bei Wind und Wetter, Kälte und Schnee. Das waren mir die liebsten Spiele! Flutlicht, Montagabend, zweite Liga – geiler Scheiß. Das waren die Momente, über die ich heute am liebsten nachdenke. Wenn’s Stadionbier wärmer ist als die Umgebungstemperatur, dann war Fußball angesagt.

Zu diesem Zeitpunkt, es war der 8.5.2011, stand ich im M-Block, als Michael Thurk zur Eckfahne sprintete. Den Eckball in den Fünfmeterraum zirkelte und Stephan Hain den Ball ins Tor spitzelte. Dann brachen alle Dämme. Rettig und Luhukay sprinteten in die Spielertraube, die das vermeintliche Siegtor feierte. Der M-Block außer Rand und Band, Bier schoss in die Höhe, die Fans hüpften und kreischten unnachgiebig. Und ich mittendrin. Wollte es auf Facebook posten, diesen Moment festhalten. 1. Bundesliga in Augsburg – das ist ein denkwürdiger Tag! Aber wie immer in der damaligen Impuls-Arena- kein Empfang. Was soll’s.

Nach Abpfiff des Schiedsrichters wurde es dann hektisch, der Fanpulk drang aufs Spielfeld und breitete sich dort aus. Mittendrin, wieder ich. Die Kleine aus dem Landkreis, total verirrt auf dem grünen Rasen. Die dann in völliger Euphorie Jos Luhukay auf die Schultern sprang, ihn herzte und sich tausendmal bedankte – für diesen Moment. Für die Sensation. Bei der Rückfahrt mit der Tram zum Hauptbahnhof hab ich gelacht wie noch nie und abwechselnd geweint, wie beim ersten Herzschmerz. Das ist halt der FCA. Das ist diese sagenhafte Passion, man weint mit, man lacht. Es kann einem nicht egal sein, was dieser Club macht. Man hängt irgendwie mit drin.

Was ich mit diesem Club, mit diesem Verein und der Familie der Fans so alles erleben durfte – das ist unbeschreiblich. Die ersten zwei Saisons in der Bundesliga, dieses immer ganz knappe “Nicht-Absteigen”. Ein erster Vorgeschmack des Herzinfarkts. Permanent im Krisenmodus zu sein und doch entspannt zu bleiben, das beschrieb damals wie auch heute den FCA. Als wir dann 2014/2015 die Europa League klar machten, war das quasi die Meisterschaft für mich. Der FCA in Europa, da kennt uns #keinesau. Noch schlimmer, als wenn ich hier in Ostwestfalen vom FCA spreche, ich schwör’s.

Jedenfalls hatte ich meine schönste Auswärtsfahrt nach Alkmaar, Holland, im Jahr 2015. Es war der 3. Spieltag der laufenden Europa-League-Saison. Nach verfrühtem Feierabend am Donnerstag, dem 22.10.2015, wurde der örtliche Supermarkt geplündert, meine zwei besten Freunde und eine Arbeitskollegin mit dem Auto abgeholt und die Segel gen Holland gehisst. Von mir, die damals dann schon in Ostwestfalen lebte, ist man schnell in Holland. 3 Stunden, 4 Bier und 2 Staus später sind wir jedenfalls in Alkmaar angekommen. Traum von Amsterdam wurde während des Fußmarsches spontan zu Traum von Alkmaar umgedichtet. Geilstes Feeling, international.

Der FCA hat genialer Weise noch mit 1:0 gewonnen und meine Truppe und ich – wir waren in einer örtlichen Kneipe. Ich habe meinen FCA Schal gegen den Alkmaar Schal des holländischen Kneipen-Wirts getauscht. Heute hängt der FCA Schal in der Fußballkneipe in Alkmaar neben einem AC Mailand und einem FC Barcelona Schal. Das ist Fußball, das ist Europapokal. Das war ein magischer Abend. Und er war noch lange nicht zu Ende, denn es ging am selbigen Abend noch weiter nach Amsterdam, den Sieg feiern. Ich hab’s gefühlt damals, ich fühle es jetzt. Leidenschaft, Nostalgie und ganz viel Sehnsucht. Ob ich nochmal was derartiges erleben darf mit unserem FCA? Ich hab auf jeden Fall den Urenkeln bald mal viel zu erzählen. Und darauf bin ich stolz. Das ist Original 1907!

Heute bin ich älter, weiser und kritischer mit dem FCA. Ihr lest es öfter hier in der Rosenau Gazette. Ich bejubel’ nicht mehr jede Aktion und laufe nicht blind hinterher. Hinterfrage auf der einen Seite und lobe auf der anderen. Der Verein ist nicht mehr der kleine Underdog irgendwo aus dem Süden der Nation. Sondern ein gestandener Bundesligaverein. 10 Jahre in Folge, das ist kein Scherz – es ist Realität. Es macht mich stolz, damit aufgewachsen zu sein. Ein Teil davon zu sein und so viel miterlebt zu haben. Gute wie auch schlechte Zeiten. Ich freue mich, wenn ich irgendwann meinen Kindern kitschige FCA Strampler anziehen darf. Und mein Kind dafür rügen werde, wenn es kein FCA Fan werden sollte – nicht, dass diese Option überhaupt bestünde 🙂

Warum ausgerechnet ich ein Augschburger Original bin? Ich bin mit Augsburg heute verbundener als früher, als ich vor Ort war. Ich verfolge aufmerksam die Entwicklung der Stadt, des Landkreises und meines Herzensclubs. Freue mich immer noch wie ein Kind auf die Bundesligaspiele meines FCA, das zehnte Jahr in Folge mittlerweile. Das ist so geil, weil es so “unerwartet” ist. Und immer noch unfassbar. Diese Dankbarkeit erfüllt mich von Zeit zu Zeit, auch das macht mich zum Original, denn jeder der es mit dem FCA schon länger hält, ist absolut dankbar für die Möglichkeit, Jahr für Jahr Bundesliga zu spielen. Beim FC Bayern anstatt bei Wehen-Wiesbaden. Es ist auch mal ganz schön zu wissen, dass viele Vereine gerne mit uns tauschen würden. Und wir in uns – ungeachtet von Corona – sportlich in einer ganz tollen Lage befinden.

Mittlerweile haben wir Fans aus aller Herren Länder. Und ich weiß, ich hab die Augsburg DNA, weil ich viele abwechslungsreiche Zeiten mitgemacht habe und doch dem FCA treu geblieben bin. Ich geh immer noch am liebsten mit Freunden ins Stadion, trink ein gutes Stadionbier und freue mich über jeden Punkt in der Bundesliga. Ich verteidige diesen Club – auch wenn’s manchmal sinnlos ist und mir die Argumente ausgehen. Bin tieftraurig nach Niederlagen. Kann mir ehrlich nicht helfen, das Wochenende ist dann immer versaut. In Diskussionen gebe ich mein Herzblut für den FCA.

Tobi Werner ist immer noch der größte für mich – das Trikot mit der Nummer 13 hängt im Schrank und ich habe diese ultimative Sehnsucht, gerade in kontaktlosen Zeiten wie Corona, nach Menschen im Stadion und nach glorreichen Auswärtsfahrten. Das sind die wirklich magischen Momente. Das sind die Momente, die jetzt euer Herz erfüllen, wenn Corona mal wieder auf die Stimmung drückt. Und die ihr euch im Geiste unter den Weihnachtsbaum legt. Neben Gesundheit für eure Liebsten.

Bleibt gesund, Leute. Folgt den Regeln. Genießt den Advent. Bleibt Originale und lasst euch die Liebe für den FCA nicht nehmen. Nicht durch schlechte Zeiten. Auch nicht durch schlechte Publicity. Und schon gar nicht von Karl-Heinz Rummenigge. Keep calm und support FCA. Ich tu’s.

TGIF: …und es geht Hertha!

Am kommenden 7. Spieltag gastiert Hertha BSC in Augsburg. Und bringt etwas Hauptstadtflair mit nach Bayerisch-Schwaben. Während die alte Dame derzeit in der unteren Tabellenhälfte zu finden ist, freut man sich als FCAler beim Blick auf die aktuelle Tabelle. Man steht grundsolide und durchaus überraschend auf Platz 6 – ein Tabellenplatz mit Europa-League-Ambitionen? Mit einem Sieg gegen die Alte Dame ist dies durchaus möglich.

FCA – Rückblick auf den 6. Spieltag

Das Spiel des FCA gegen Mainz konnte man getrost mit “richtungsweisend” betiteln. Es sollte darüber entscheiden, ob der Blick erstmal wieder nach oben oder eher Richtung Tabellenkeller gehen würde. Der FCA konnte sodann letzten Samstag gegen Mainz 05 einen insgesamt zwar verdienten, aber im Ergebnis etwas zu hohen 3:1-Sieg einfahren.

Lange sah es nicht nach einem Sieg für die Augsburger aus! Die In-Game- Wechsel von Herrlich und das Festhalten an André Hahn haben sich durchaus bezahlt gemacht. Zudem hat uns Ruben Vargas mit seinem artistischen Fallrückzieher-Tor ein Sahnehäubchen spendiert. Auch die Balleroberung, der Lauf und die uneigennützige Vorlage von Noah Sarenren Bazee zum 3:1 durch André Hahn ist ein Sonderlob wert!

Prädikat sehenswert wie Ruben Vargas zum 1:0 einnetzte (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Hinten (zumeist) sattelfest, vorne (in Ansätzen) bemüht – das fasst den Auftritt der Augsburger gegen Mainz ganz gut zusammen. Belohnung für den am Ende dann doch halbwegs verdienten Auswärtssieg ist der derzeitige Tabellenplatz 6 mit satten 10 Punkten. Und einer positiven (!!) Tordifferenz.

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn vorne in der Offensive hakt es nach wie vor gewaltig. Richtig gefährlich wurden die Augsburger erst nach den Einwechslungen von Finnbogason und Bazee. Vorher war das in der Vorwärtsbewegung – wie zuletzt – äußerst mau. Übrigens: Alfred Finnbogason stand nach seiner Verletzung in der letzten Länderspielpause ganz schön schnell wieder auf dem grünen Rasen. Hoffentlich bleibt er mal länger verletzungsfrei – das wäre wünschenswert. Durch den Ausfall von Flo Niederlechner brauchen wir “Finnbo” mehr denn je fit auf dem Platz!

Über den Gegner – Hertha BSC Berlin

Die Hertha aus Berlin kommt – im Gegensatz zum FCA – noch nicht so richtig in Tritt. Der Hauptstadtclub mit Champions League Ambitionen steht derzeit mit mageren 4 Punkten auf Tabellenplatz 14. Zu wenig für den Big City Club, rund um Investor Lars Windhorst und Geschäftsführer Sport Michael Preetz. Neben glanzvollen Auftritten – wie dem 4:1 Sieg am 1. Spieltag gegen Bremen oder der knappen 4:3 Niederlage gegen die Bayern- gab es auch Klatschen für die Hertha. 1:3 gegen Frankfurt oder 0:2 gegen Stuttgart. Und zuletzt ein mageres 1:1 gegen Wolfsburg. Für die Berliner Ansprüche viiiiel zu wenig. So viel ist sicher.

Edu Löwen zuletzt mit den Berliner Kollegen nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Bei der Hertha gab es zuletzt einen positiven Corona-Test: Abwehrhüne Jordan Torunarigha befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne. Mit Edu Löwen steht bei der Hertha derzeit auch ein Ex-Augsburger unter Vertrag. Für ihn, der den Durchbruch weder bei Hertha noch beim FCA so richtig geschafft hat, wird die Partie sicherlich eine besondere sein. Mal schauen, ob der Mittelfeldspieler in der Startelf stehen wird. Denn Hertha wird am kommenden Samstag vermutlich mit folgender Aufstellung spielen:

Schwolow - Mittelstädt, Alderete, Boyata (C), Pekarik - Tousart, Stark - Cunha, Darida, Lukebakio - Cordoba

Ausblick auf den 7. Spieltag

Der FCA blickt derweil entspannt auf den kommenden 7. Spieltag. Mit 10 Punkten aus 6 Spielen ist man sehr gut in die Saison gestartet. Wobei die Ergebnisse oft über den Spielverlauf hinweg täuschten. Gerade der doch sehr maue Auftritt – phasenweise fand der FCA offensiv gegen den Tabellenletzten gar nicht statt – macht Sorgen. Die Spielweise scheint derzeit defensive Stabilität zu verleihen, jedoch wird dafür augenscheinlich die offensive Kreativität und ein solider Spielaufbau geopfert.

Zuletzt hat Heiko Herrlich versucht, mit Tobias Strobl anstelle von Rani Khedira gegenzusteuern. Tobi Strobl hat sich – analog zu Khedira – oft fallen lassen, Bälle gefordert und verteilt. Leider konnte er sich offensiv kaum einbringen. Auch Gregoritsch blieb bei weitestgehend blass. Der umtriebige Niederlechner, den derzeit ebenfalls eine Torflaute quält, wurde hierbei schmerzlich vermisst. Für das Spiel gegen die Hertha ist er gemäß aktueller Medienberichte noch keine Option. Auch Julian Schieber wird trotz Stürmermangel wohl nicht “begnadigt”.

Marco Richter im Trikot der Zwoten am letzten Freitag(Foto via Imago)

Spannend wird sicherlich die Frage sein, ob Marco Richter nach seiner “Degradierung” (?) in die zweite Mannschaft nun wieder im Kader stehen wird. Er hat dort eine solide Leistung gezeigt- trotz dem prominenten Neuzugang hat die “Zwote” gegen Wacker Burghausen verloren. Ein weiterer Einsatz in der U23 wird es wohl nicht geben, der BFV hatte zuletzt wegen der akuten Covid-19 Lage den Spielbetrieb bis Ende 2020 ausgesetzt und unter anderem den FCAII in die Winterpause geschickt.

Weiterhin ist noch offen, ob sich Ruben Vargas mit seinem fulminanten Auftritt gegen Mainz in die Startelf gespielt hat. Gegebenenfalls muss Gregerl weichen. André Hahn konnte mit seinem Doppelpack seinen Stammplatz erfolgreich verteidigen. Für “Finnbo” kommt ein Startelfeinsatz hingegen vermutlich zu früh. Niederlechner scheint weiterhin auszufallen. Richter könnte zurückkehren. Wünschen würde ich mir persönlich mal Frederik Jensen als Sturmspitze, wie er diese Position auch in der finnischen Nationalmannschaft höchst erfolgreich bekleidet.

Apropos Nationalmannschaft: Am heutigen Freitag wurde bekannt, dass Felix Uduokhai und auch Ex FCA Spieler Philipp Max für die deutsche Nationalmannschaft nominiert wurden. Herzlichen Glückwunsch an die beiden an dieser Stelle!

Defensiv wird es morgen vermutlich nur einen Wechsel geben – gezwungenermaßen. Raphael Framberger muss nach seiner Verletzung gegen Mainz ein paar Wochen pausieren. Für ihn könnte der Neuzugang Robert Gumny sein Startelf Debüt geben. Die Startelf des FCA könnte am Samstag daher wie folgt aussehen:

Gikiewicz - Gumny, Gouweleeuw (C), Uduokhai, Iago - Khedira, Gruezo - Hahn, Caligiuri, Vargas - Gregoritsch

Die letzten Begegnungen

Sa, 30.05.2020Hertha BSC – FC Augsburg 2:0
So, 24.11.2019FC Augsburg – Hertha BSC4:0
Sa, 11.05.2019FC Augsburg – Hertha BSC3:4
Di, 18.12.2018Hertha BSC – FC Augsburg 2:2
Sa, 28.04.2018Hertha BSC – FC Augsburg2:2
Statistisch gesehen hat Hertha BSC die Nase leicht vorne, wenn man die letzten 5 Begegnungen und deren finalen Resultate zu Grunde legt.
Vor einem Jahr feierte die Mannschaft mit den Fans zusammen einen glorreichen Heimsieg. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor… (Foto via Imago)

Was macht eigentlich – Alexander Esswein?

Den Offensivspieler Alexander Esswein kennen wir in Augsburg nur zu gut. Zwischen 2014 und 2016 schnürte der heute 30jährige seine Fußballschuhe für den FCA und absolvierte hierbei 61 Spiele (4 Tore). Beim FCA absolvierte er in der Europa League Saison 15/16 sechs Spiele, zumeist als Rechtsaußen. Von den FCA Fans wurde er nicht gerade vergöttert, galt er doch zeitweilen als “Chancentod”. Als 2016 die Alte Dame bei ihm anklopfte, wechselte er noch in selbigem Sommer für rund 2,5 Mio. Ablöse in die Hauptstadt. Dort konnte er 52 Spiele bestreiten (4 Tore). Nach einigen Kurzeinsätzen bei der zweiten Mannschaft der Hertha und einer Leihe zum VfB Stuttgart lief im Sommer 2020 der Vertrag des Mittelfeldspielers in der Hauptstadt aus. Bis Anfang Oktober war er sodann vertragslos, bis ihn kurz vor Ende der Transferfrist der Zweitligist SV Sandhausen verpflichtete. Dort hat er bisher 2 Spiele bestritten, zuletzt stand er gegen den VfL Osnabrück nicht im Kader.

Alex Esswein im Trikot des FC Augsburg (Foto via Imago)

Tipps der Redaktion

  • Andi: 1:1 – der FCA steht hinten souverän, sorgt aber für zu wenige Akzente, um das Spiel zu gewinnen. Am Ende steht ein leistungsgerechtes Unentschieden.
  • Irina: Nachdem meine bisherigen Tipps meist gestimmt haben, gehe ich es nun mutig und offensiv an – und hoffe, der FCA nimmt sich an diesen beiden Tugenden ein Beispiel. Mit einer verbesserten Offensive und einer sattelfesten Defensive schlagen wir die Hertha knapp mit 2:1.
  • Andy: Die Mannschaft hat gegen Mainz Selbstvertrauen getankt. Vorne können wir wechseln und rotieren und die Hertha aus dem Konzept bringen. Hinten stehen wir solide. In Berlin darf sich am Samstagabend niemand beschweren, dass wir nur 2:0 gewonnen haben.

Ein Blick auf die U23

Der FCA ist gut in die Bundesligasaison gestartet – 2 Siege, 1 Unentschieden und 1 Niederlage stehen zu Buche – doch wie schlägt sich eigentlich die U23 des FCA derzeit? Im Nachfolgenden soll ein Blick auf das “Nachwuchsteam” der Augsburger geworfen werden. Wer drängt sich auf für die erste Mannschaft? Wie sind die Bedingungen in dieser corona-gezeichneten Zeit für die Nachwuchskicker? Und: Wie sind diese in die “Saison” gestartet?

Ein Kommen und ein Gehen

Eins vorweg: Die Regionalliga Bayern, in welcher die U23 des FCA spielt, wurde nach monatelanger Pause fortgesetzt. 11 Spieltage gilt es noch zu absolvieren in dieser kuriosen und corona-geprägten Saison. Am vergangenen Wochenende wurde nun also der Spielbetrieb wieder aufgenommen, nachdem sich die Mehrheit der Fußballclubs im Juni gegen einen Saisonabbruch entschieden hatte. Aus der Wertung fällt außerdem Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München.

Der Nachwuchs des FCA hat hierbei einen personellen Aderlass in der “Sommerpause” verzeichnen müssen: Mit den beiden Innenverteidigern Lasse Jürgensen und Leonhard von Schrötter, den Außenbahn-Spielern Simon Asta, Nicola Della Schiava und Christopher Lannert, sowie mit den Mittelfeldspielern Stefano Russo und Romario Rösch sind dies alles viel versprechende Talente, die auch schon im Blickfeld der ersten Mannschaft standen.

Simon Asta ist weiterhin U20 Nationalspieler des DFB, auf Vereinsebene allerdings mittlerweile für das Kleeblatt unterwegs. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images for DFB)

Insbesondere Simon Asta (wechselte zu Greuther Fürth) und Romario Rösch (zu Mainz 05 II) galten jahrelang als vielversprechende Talente und kommende Leistungsträger des FCA in der Bundesliga. Mit Maurice Malone und Jozo Stanic, die per Leihe an die beiden Drittligisten Wehen Wiesbaden und Zwickau wechselten, hat man jedoch noch etwas vor. Daher wird dies bei beiden vermutlich nur ein temporärer Abschied sein. Insgesamt verließen den FCA II sage und schreibe 14 Spieler, entweder direkt oder per Leihe. Ein riesiger Umbruch, in einer unglaublich dynamischen und unsicheren Zeit – auch im Profifußball.

Abschied auf Zeit

Wie schlagen sich hier unsere Nachwuchskicker, die in der Sommerpause verliehen wurden? Maurice Malone hat in der dritten Liga bisher überzeugen können. 4 von 6 möglichen Spielen absolvierte der junge Stürmer, 1 Tor und ein Assist stehen dabei für ihn zu Buche. Der flexible Offensivspieler sollte dennoch ein wenig mehr Spielzeit bekommen (nur 17% Startelfquote), um mehr Erfahrung im Profifußball zu sammeln. Jozo Stanic spielt hingegen in Zwickau immer: 100% Startelfquote für den 21jährigen Innenverteidiger – seine Leihe endet jedoch erst am 30.06.22 . Bis dahin soll er weiterhin fleißig Einsatzminuten verzeichnen, um dann bestenfalls als gestandener Drittligakicker nach Augsburg zurückzukehren.

Auch Segio Cordova, mit 23 immer noch in gewisser Weise eine Nachwuchshoffnung, wurde zuletzt an Ligakonkurrent Arminia Bielefeld verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Dort spielt er zumeist in der Sturmspitze und hat bisher 3 Spiele absolvieren können (kein Tor, ein Assist). Innenverteidiger und Eigengewächs Kevin Danso wurde in der Sommerpause an Fortuna Düsseldorf in die zweite Liga verliehen. Dort spielt der mittlerweile 22jährige in der Abwehrzentrale und konnte bisher 74% der Einsatzminuten bestreiten. Auch bei ihm hofft der FCA auf Spielpraxis und Wettkampfhärte, denn auf Kevin Danso hält man in Augsburg eigentlich seit vielen Jahren große Stücke.

Ein Teil der Augsburger Fußballgeschichte

Simon Asta (19) war (und ist) mit seinem ersten Profieinsatz im Jahre 2018 der jüngste Bundesliga-Debütant der Augsburger in der Vereinsgeschichte. Nun verließ er die Augsburger – gegen Ende der Transferphase – gen Fürth. Leider hat sich Simon nach seinem vielversprechenden Ligadebüt zuletzt schwer verletzt, so dass er dann in Augsburg keine Alternative war für den Profi Kader.

Stefan Reuter erklärt dies wie folgt: „Wir wollten Simon nach seiner schweren Verletzung die Möglichkeit bieten, in der U23 Spielpraxis zu sammeln und sich so an die Lizenzmannschaft heran zu kämpfen. Als sich für ihn mit einem Wechsel in die 2. Bundesliga nach Fürth eine reizvolle sportliche Herausforderung bot, haben wir dem Wechsel zugestimmt. Wir wünschen Simon Asta alles Gute für seine weitere Entwicklung“. Ob man den jungen Rechtsverteidiger nochmal am Lech kicken sehen wird? Man weiß es (heute) nicht. Wir wünschen ihm jedenfalls eine tolle Entwicklung und hoffen auf eine Rückkehr in die Fuggerstadt. Vielleicht hat der FCA ja sogar eine Rückkauf-Klausel?

Neuzugänge sieht man gerne!

Mit Felix Götze konnte die “Zwote” einen namhaften und prominenten Zugang aus den eigenen Reihen verbuchen. Der jüngste der Götze-Brüder war seit seinem Wechsel zum FCA oft verletzt und hat nie so richtig in die Spur gefunden. Nun soll der zuletzt an Corona erkrankte Mittelfeldspieler in der Regionalliga Bayern, die er aus seiner Zeit beim FC Bayern bestens kennt, Kraft tanken und wieder regelmäßig Fußball spielen. Ob er eine Chance in der ersten Mannschaft hat, vermag man derzeit nicht zu prognostizieren. Fakt ist nur, dass Götze eigentlich hätte abgegeben werden sollen. Zuletzt stand eine Leihe zu Jahn Regensburg im Raum. Die Regionalliga-Jungs des FCA sind aber vermutlich ebenso froh über den unerwarteten “Neuzugang” wie Trainer Josef Steinberger. Der Bruder von Weltmeister Mario Götze traf direkt bei seinem zweiten Einsatz im Dress der U23 zum 1:0 gegen den Tabellenfünften aus Aubstadt. Und machte Medienberichten zufolge auch sonst eine gute Figur.

Felix Götze jubelt nach seinem Tor zum 1:0 des FC Augsburg II gegen den TSV Aubstadt (Foto via Imago)

Einen weiteren Spieler, den man nach wie vor auf dem Zettel haben sollte, ist der Koreaner Seong-hoon Cheon. In der aktuellen Regionalliga-Spielzeit traf der 20jährige bisher in 13 Spielen 4 Mal und gab eine Vorlage. Hier muss man weiterhin sehen, wieviel Spielpraxis er erhält. Nach der Leihe von Maurice Malone ist er wohl erstmal in der Sturmzentrale gesetzt.

Mit vier externen Neuzugängen und sieben “Hochrückern” aus der starken Augsburger U19 ist der Kader einigermaßen bestückt für die Restsaison. Vom Regionalliga Konkurrenten Schweinfurt 05 kam zuletzt der Linksverteidiger Christian Köppen. Aus der RL Südwest kam vom VfR Aalen Lukas Gerlspeck für die Innenverteidigung. Zwei Offensivspieler konnte der FCA II zudem für sich gewinnen. Rechtsaußen Henri Koudossou vom SV Pullach (Bayernliga Süd) sowie Marco Nickel vom Ligakonkurrenten FC Memmingen. Gespannt sein darf man auf den U19-Aufrücker Dorian Cevis, der bei den Stuttgarter Kickers groß geworden ist. Und auf den Mittelstürmer Cisse, der bereits für die österreichische U18 Nationalmannschaft gespielt hat.

Der Fall Schieber

Die Personaldecke der zweiten Mannschaft des FC Augsburg ist relativ dünn. Mit Kilian Jakob spielt seit zwei Spielzeiten ein weiterer Profi in der Regionalliga-Truppe. Julian Schieber scheint dies hingegen verwehrt zu bleiben. Der beim FCA abgeschriebene Stürmer scheint bei keiner FCA-Mannschaft mehr eine Zukunft zu haben. „Ich sollte nicht zum Trainingsgelände kommen, mein Spind wurde aufgelöst, später wurde auch meine Nummer vergeben“, berichtete Stürmer Julian Schieber zuletzt medial. Ein Wechsel im Winter steht nach wie vor im Raum – Anfragen gibt es wohl. Bisher haben diese Schieber aber „emotional nicht gepackt“.

Wir wünschen Julian Schieber und seiner Familie alles Gute und dass er seine lange Karriere ggf. im Ausland fortsetzen kann. In Augsburg ist er sportlich leider nie glücklich geworden – auch auf Grund vieler Verletzungen.

Julian Schieber in der Kurve: Was waren das für Zeiten? Es kommt einem vor, als ob dies vor Ewigkeiten war. (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Saisonausblick für die U23

Nach zwei Spielen seit “Re-Start” muss man sagen: Mit zwei Siegen ist der Nachwuchs gut in die zweite Hälfte der Saison gestartet. Man muss wohl weiterhin mit bangem Blick auf die Bank der U23 schauen. Denn die Personaldecke ist extrem dünn. Die aktuelle Mannschaft ist sehr jung – das Durchschnittsalter liegt bei 21,1 Jahren. Kaum ein erfahrener Spieler über 23 steht in den eigenen Reihen. Der 25jährige Neuzugang Christian Köppel und der 24jährige Hendrik Hofgärtner sind quasi schon die Oldies im Team! Hier wird sich zeigen, wer voran geht in diesen sehr dynamischen und unsteten Zeiten. Auch wird sich zeigen, wie groß die Personaldecke tatsächlich ist, wenn sich z.B. ein Coronafall in der Mannschaft ereignet. (Toi, Toi, Toi, dass dies nicht eintreten wird)

In der Regionalliga Bayern ist die Konkurrenz groß. Dennoch steht der FCA derzeit auf einem soliden sechsten Platz. Da viele andere Teams aber einige Spiele weniger auf dem Buckel haben, ist die derzeitige Tabelle noch nicht besonders aussagekräftig. Mit dem VfB Eichstätt spielt der FCAII jetzt am Wochenende gegen einen direkten Tabellennachbarn. Ob in Eichstätt bis dahin Zuschauer zugelassen sind? Man weiß es nicht – die zweite Corona-Welle, die derzeit in Deutschland für Furore sorgt, macht dies ggf. unmöglich.

Bleibt g’sund!

Es wird eine schwere Saison – mal wieder – für die U23 des FCA. Und Corona sorgt für den Rest. Die erste Mannschaft wird sicherlich gespannt auf die Entwicklung der verliehenen Spieler, aber auch auf die (Stamm-)Kräfte des eigenen Nachwuchses schauen. Eins vermögen wir an dieser Stelle nur zu hoffen: Dass der FCA II eine von abstiegssorgen befreite Restsaison spielt, um weiterhin den Nachwuchstalenten eine Bühne zu geben und den Sprung in die erste Mannschaft so klein wie möglich zu halten. Und, natürlich: Dass die Jungs alle gesund bleiben. Das ist auch in diesen Tagen wohl das Wichtigste!

Zeit zum Durchatmen

Die ersten drei Spieltage der Bundesligasaison 20/21 sind absolviert. Der FCA mischt munter oben mit und nun steht die obligatorische Länderspielpause an. Für die Spieler Zeit zur Regeneration, für die Fans trübe Tristesse. Wir wollen im Nachfolgenden einmal zurückblicken auf den bisherigen Saisonverlauf und schmücken jedes Spiel mit einem reißerischen sowie inhaltlich zusammenfassenden Titel.

Der FCA kann doch Pokal!

Wäre die passende Schlagzeile für das Pokalspiel gegen MTV Celle. Der FC Augsburg experimentierte in Sachen Aufstellung nicht so munter wie im Vorjahr gegen Verl und wurde prompt belohnt. Die erste Elf zeigte sich sattelfest und spielfreudig. Die Joker stachen. Die Belohnung war ein nie gefährdeter und hoher Heimsieg der Augsburger – der den Einzug in Pokalrunde zwei bedeutete. Die sympathischen Celler Jungs hatten hingegen eine tolle Auswärtsfahrt – trotz Pokal-Aus. Und konnten sich noch das ein oder andere Augsburg-Trikot ergattern. “Matchworn”- versteht sich!

Ungefährdet gegen MTV Eintracht Celle. Der FCA startete schon schlechter im Pokal. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Effektiv, Effektiver – FCA!

So oder so ähnlich könnte man das Spiel gegen Union Berlin zum Saisonauftakt titulieren. Der FCA war keineswegs die dominierende Mannschaft, Union hielt lange mit – und der FCA war vor dem Tor gnadenlos effektiv. Eine Chance, ein Treffer – FCA! Hurra. Dank dem starken Ex-Unioner Gikiewicz kassierte man auch nur ein Gegentor, trotz zahlreicher Berliner Chancen in der zweiten Halbzeit.

Auch gegen Union Berlin konnte der FCA feiern. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Tabellenführer für eine Nacht

Eine Nacht Tabellenführer – dieses Gefühl durfte der FCA zuletzt einmal genießen. Denn tatsächlich stand man für etwas mehr als 24 Stunden auf dem Platz an der Sonne. Ein furioses 2:0 gegen den lethargischen Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund machte dies möglich. Leider hatte am darauffolgenden Sonntag die TSG Hoffenheim was dagegen und nahm dank des besseren Torverhältnisses den ersten Tabellenplatz ein. Wieder zeigte sich der FCA gnadenlos effektiv vor dem Kasten und schenkte Bürki im BVB-Tor zweie ein. Hinten hielt man dank überzeugender Defensivarbeit die null. Herausragend hierbei die Defensive rund um Kapitän Jeff und seinem kongenialen Partner Uduokhai.

Die Feierei ging unerwarteterweise auch gegen den BVB weiter. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

No Herrlich, no Party!

Ohne Heiko nix los! So oder so ähnlich könnte die Headline für das Spiel der Augsburger gegen die Wölfte lauten. Heiko Herrlich fehlte mal wieder gegen die Wölfe. Diesmal nicht wegen Verletzung der Quarantäneauflagen, sondern wegen einer körperlichen Verletzung – Pneumothorax, so berichtete Stefan Reuter auf der PK vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg.

Ohne Heiko Herrlich, dafür mit Iraklis Metaxas erstmalig auf der Trainerbank war der FCA offensiv zahnlos und defensiv weniger stabil als zuletzt. Müde Beine? Fehlende Frische? Man weiß es nicht. Eine Stammelf zeichnete sich zuletzt ab, Caligiuri und Hahn haben sich auf den beiden Flügelpositionen offensiv festgespielt. Die Jungspunde Vargas und Richter müssen sich derzeit hinten an stellen.

Platz gehalten, weiter ungeschlagen. Auch Wolfsburg fand noch kein adäquates Mittel gegen unseren FCA. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Mit einem nicht so ganz verdienten Remis in die Länderspielpause – danach wartet RB Leipzig auf die Augsburger. Gegen diesen fulminanten Gegner müssen wir wirklich ausgeruht sein.

Die zweite Garde

Am Freitag (09.10.) hat der FCA ohne seine sieben Nationalspieler sowie Kapitän Jeff Gouweeleuw gegen den Zweitligisten Heidenheim getestet, um im Spielrhythmus zu bleiben – Endergebnis: 1:1. Das Tor für den FCA erzielte Innenverteidiger Marek Suchy. Heiko Herrlich wurde wieder durch Iraklis Metaxas vertreten.

Um den bisher weniger eingesetzten Spielern wie Götze, Richter, Suchy und Bazee Spielpraxis zu bieten, war dieses Testspiel eine ideale Möglichkeit. Richtige Lehren kann man daraus eher weniger ziehen.

Marek Suchy im Testspiel gegen Heidenheim. (Copyright: xBW-Fotox/Eibner-Pressefotox EP_bwf via Imago)

Hey, das geht ab!

Am 17.10.2020 geht’s dann gegen RB Leipzig im eigenen Stadion wieder rund. Hier wartet eine echte Herausforderung auf den FCA, denn Leipzig ist derzeit Tabellenführer. Vermutlich wird sich aufstellungstechnisch nicht viel tun, ggf. ersetzt Neuzugang Gumny unseren Frami, der gegen Wolfsburg phasenweise überfordert wirkte. Mit den schnellen Leipziger Offensivspielern werden insbesondere unsere Außenverteidiger richtig gefordert werden. Der Ausgang des Spiels ist noch unbekannt.

Lassen wir uns überraschen, ob der FCA den Schwung aus den ersten drei Partien mitnimmt und weiterhin oben mitspielen darf. Die Momentaufnahme ist jedenfalls genial, die aktuelle Tabelle rahmen wir uns alle ein. Eine entspannte Saison, mit Blick nach oben, statt nach unten. Zu wünschen wär’s den Spielern, den Fans – dem gesamten Verein.

TGIF: Mach’s nochmal, Augsburg!

Der kleine FC Augsburg hat sich am letzten Wochenende mit seinem sowohl überraschenden als auch verdienten 2:0-Erfolg gegen Dauer-Titelaspirant BVB ins Rampenlicht geschossen. Am kommenden Sonntag fahren die Augsburger also nach Wolfsburg – und ein jeder fragt sich, sind wir womöglich auf einmal der haushohe Favorit gegen die Wölfe?

Mit Karacho statt Bruchlandung!

Buchmacher setzen konsequent jedes Spiel die Quoten “gegen den FCA”. Favorit sind wir gefühlt bei den Wettanbietern nie. Doch dies könnte an jenem Sonntag erstmalig anders sein, haben doch die Wolfsburger an den ersten beiden Spieltagen nur jeweils Remis gespielt und der FCA beide Partien grandios gewonnen. Am vergangenen Samstag – ja, bitte kneift mich mal jemand! – haben die Augsburger Jungs mit 2:0 über den Meisteranwärter BVB triumphiert. Der Underdog vom Lech – plötzlich für 24h Tabellenführer. Das gab’s noch nie. Genauso wenig wie zwei Siege zum Saisonauftakt. Famos!

Ein richtiger Ruck ging am Samstag sodann durch die Fanlandschaft – endlich ist der FCA mal mit Karacho in die neue Saison gestartet. Nicht mit einer Bruchlandung baden gegangen wie gefühlt immer seit Aufstieg in die erste Fußballbundesliga im Jahr 2011. Und viele FCA-Kritiker mussten erstmals in der noch jungen Saison Abbitte leisten: Herrlich hatte am Samstag ein gutes Konzept, Gike hat spitze gehalten, Frambo hat super verteidigt und Caligiuri ist gar kein alter Mann, sondern ebenjene viere haben uns – trotz zahlreicher Vorurteile – zum Sieg gegen die Spitzenmannschaft aus Dortmund geführt. Man möchte nun laut sagen: Weiter so! Und dabei jedem Spieler die Schulter tätscheln.

Formstark und formidabel

Ja, so eine Serie – zwei Spiele in Folge gewonnen zum Auftakt – hat schon was besonderes. Das ist so gut, dass wir laut OneFootball im international Power-Ranking der europäischen Topliga überraschend auf Platz sieben wiederzufinden sind. Hierbei lassen wir sogar den FC Barcelona und den AC Milan hinter uns. Barcelona, Madrid, Mailand, Augsburg. Klingt doch richtig gut! Nach Champions League Nächten ohne Corona mit vollem Haus. Klingt nach spanischen Nächten und Toren in Bobadilla-Manier. Hach, internationales Flair in Augsburg – das wär mal wieder was. Aber wir bleiben hier in Augsburg ganz typisch-grattlig auf dem Boden der Tatsachen. Hier liegt kein Glitzer, sondern schwäbische Erde. Sodele, zum träumen geht ihr aber bitte nach Gelsenkirchen oder Berlin, ja?

Ach, wie wäre es schön, am Sonntag direkt den nächsten Sieg zu feiern (Foto via Imago)

Der Kader scheint Potenzial zu haben, das steht nun schon mal fest. Beziehungsweise: Ist dies erstmal ein Zwischenfazit nach zwei Spieltagen. Und wird sicherlich nicht die letzte Bewertung des Kaders sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist zu sagen: Iago erscheint ein defensiv mindestens ebenbürtiger Max-Nachfolger zu sein. Man freut sich regelrecht auf den Zweikampf rechts hinten zwischen Eigengewächs Framberger und Neuzugang Gumny, denn Frambo hat richtig abgeliefert gegen den BVB. Caligiuri und Hahn haben die Startplätze auf den Flügeln mit ihrer Leistung verteidigt und plötzlich sieht es so aus, als müssten sich die letztes Jahr so starken Vargas und Richter hinten anstellen. Rentner-Blues statt Nachwuchsboom! Zweiter Frühling statt Jugend forscht. Mit “Gike” im Tor sind nun alle völlig zufrieden, nach den Glanztaten gegen den BVB mag man sagen: zurecht! Und Stefan Reuter attestieren, nicht noch ein Pulverfass mit Patzerneigung nach Augsburg gelockt zu haben.

Gruezo vs. Chuck Norris – Carlos gewinnt!

Gruezo! Lionel Christiano Zlatan Gruezo, wer kennt ihn nicht. Chuck Norris sieht alt aus im direkten Duell gegen den Ecuadorianer! Wie er da an der Seitenlinie in der zweiten Halbzeit zwei Dortmunder mit einem Dribbling der Extraklasse aussteigen hat lassen und die Gegner völlig verblüfft wie Slalomstangen zurück ließ – das war Augsburger Weltklasse. Der zuletzt viel gescholtene Weltmeister-Bruder Rani Khedira kommt zwar weit weniger spektakulär daher, macht seine Sache aber mittlerweile auch wieder ganz solide. Wie wäre es denn mal mit einer Vertragsverlängerung in Augsburg, Rani? 🙂

Hinten drin haben wir mit dem jungen “Udo” und dem erfahrenen “Jeff” eine richtig gute Kombo gefunden. Das erinnert mich ein wenig an unser kongeniales Innenverteidiger-Duo Sankoh und Klavan. Nur ohne den Slapstick von Sankoh, ihr versteht. 🙂 Jeff hat aber manchmal das Temperament eines Löwen – dies könnte am Nachnamen liegen. Witz beiseite: an schlechten Tagen fliegt er für Handgriffe wie gegen Haaland mit glatt rot vom Platz und wir verlieren ggf. das Spiel. Man kann sagen: Wir hatten einen Sahnetag und das gewisse Quäntchen Glück auf unserer Seite. Der Fußballgott war gnädig mit uns.

Überraschung: Reece Oxford hat sich ins Team gespielt. (Foto: Passion2Press/Markus Fischer via Imago)

Wer hätte eigentlich gedacht, dass Reece “Flopeinkauf” Oxford nochmal eine ernsthafte Kaderalternative in Augsburg sein würde? Ich glaube, ich hätte die Behauptung lauthals lachend abgetan. Zu durchwachsen und teilweise unbeholfen waren die Auftritte des jungen Engländers in seinen wenigen Einsätzen in der Vergangenheit. Aber hey, das sah wirklich gut aus nach seiner Einwechslung gegen den BVB. Und ich meine das – zu meinem Erstaunen – völlig ernst. Reece Oxford ist wieder wer!

Und was ich final noch anmerken wollte: Der 13-Tore-Mann aus der Vorsaison, Florian Niederlechner, stand auch auf dem Platz und kämpfte mal wieder bis aufs äußerste. Die Vorlage zum 2:0 möchte ich hier besonders lobend erwähnen. Das war wirklich ein genialer Schnittstellenpass. Nächstes Spiel klappt’s aber bestimmt wieder mit einem Tor, Flo. Oder wirst du bald der Top-Vorlagengeber des Teams?

Wölfe zähmen leicht gemacht

Wird unsere Überraschungself also nachlegen bei den Wölfen? Diese haben zumindest am vergangenen Donnerstagabend in der Europa League Qualifikation in Athen ein Pflichtspiel bestritten. Der Torjäger der Wolfsburger – der Niederländer Wout Weghorst – drohte verletzt auszufallen und für die Partie gegen AEK Athen somit genauso wenig eine Alternative zu sein wie die Nummer eins im Tor bei den Wölfen – Koen Casteels. Ggf. kehren sie aber gegen den FCA wieder in den Kader zurück. Die Reisestrapazen der Wolfsburger und das zusätzliche Spiel verbunden mit einer kürzeren Vorbereitungszeit ist natürlich nicht nachteilhaft für die Augsburger. Zudem dürfte in Wolfsburg Frust schieben angesagt sein, schied man doch gestern Abend gegen AEK Athen aus und verpasst somit die Europa League Gruppenphase.

Da ist ein verschmitztes Lächeln angebracht, wenn die Mannschaft so in die Saison startet. Chapeau, Heiko Herrlich. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der FCA scheint auf jeden Fall gewappnet. Eine eingeschworene Einheit stand gegen den BVB auf dem Platz, das konnte man sowohl sehen als auch hören. Zudem hat Herrlich genau die richtige Taktik gegen wenig torgefährliche Dortmunder in petto gehabt. Die Wechsel waren stimmig und kamen gefühlt zum geeigneten Zeitpunkt – ganz anders als noch zu Ende der Rückrunde. Wir haben jetzt auf jeden Fall eine formidable Bank: Derzeit haben wir mit Marco Richter, Eduard Löwen, Ruben Vargas, Alfred Finnbogason, Tobias Strobl, Robert Gumny und Freddy Jensen richtig, richtig gute Alternativen in der Hinterhand. Und all die genannten haben definitiv Stammelfansprüche!

11 Kilometer mehr zu laufen als der Gegner und körperlich gegenhalten, so effektiv vor dem Tor zu sein wie zuletzt sowie ein dynamisches Pressing zu betreiben – das alles könnte diese Saison den FCA auszeichnen. 11 Kilometer mehr zu laufen als die fitten Stars des BVB – Chapeau, Ihr FCA-Kicker! Das ist mal ‘ne Hausnummer.

Presseschau

Mal ein Blick auf den Ex: Der ehemalige FCA-Trainer Manuel Baum macht’s – er wird der nächste Schalke-Trainer. Und als Co-Trainer wird der Ex-Schalke-Spieler Naldo fungieren. Manuel, ruf doch mal bei Markus Weinzierl an und frag nach, ob du dir überhaupt eine Wohnung suchen solltest in Gelsenkirchen 🙂

Weiterhin liest man derzeit in diversen Kanälen, dass sich unser ehemaliger Kai Uwe – pardon, Caiuby – aktuell bei den Schanzern über ein Probetraining empfehlen möchte.

Die deutsche Medienlandschaft überschlug sich letztes Wochenende ja förmlich, da der FCA eine Nacht auf Platz 1 der Bundesliga Tabelle stand. Nur Hoffenheim hatte was dagegen. Die SZ titelte “Platz eins für eine Nacht” – ich muss ganz ehrlich sagen, ein tolles Gefühl, wenn auch nur temporär. Manch ein Augsburg-Fan hätte wohl still und heimlich nix dagegen, wenn das öfter der Fall wäre. Eine Einheit, so bescheinigt man es dem FCA, hätte sich neu gebildet. Daniel “BVB-Killer” Caligiuri scheint einer der Leader im neuen System unter Heiko Herrlich zu sein. Man hats am Samstag gesehen.

Aktuell hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der FCA das dänische Innenverteidiger-Talent Frederik Winther von Lyngby BK verpflichten möchte. Mal sehen, ob da was dran ist. In der Innenverteidigung hatte man zuletzt mit Stanic und Danso zwei Talente aus den eigenen Reihen verliehen. Mit Jeff, Udo und Suchy stehen nur drei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Strobl, Khedira und Oxford können diese Position ebenfalls bekleiden. Ein weiterer gelernter Innenverteidiger macht aufgrund der langen Saison unter Corona-Bedingungen und ohne große Winterpause definitiv Sinn.

Zudem gab’s medial viel Lob für Caligiuri: Denn egal, welches Trikot er trägt. Der BVB kann sich warm anziehen. In seiner 300. Bundesligapartie hat der Italiener maßgeblich dazu beigetragen, den Dortmundern den Traum von der Tabellenführung abzujagen. Die gute Leistung der Augsburger Jungs resultiert auch in gleich vier Berufungen von Augsburger Spielern in die Kicker Elf des Spieltags.

Auch WUMMS ist mal wieder vorne mit dabei und postet ganz herrlich und witzig:

Was macht eigentlich, Philipp Max?

Ex-Augsburg-Spieler Philipp Max macht übrigens in Eindhoven da weiter, wo er beim FCA zuletzt aufgehört hat. Scoren, scoren, scoren. Neben seinem mittlerweile florierenden Tik-Tok-Account scheint sich Philipp Max wieder regelmäßig dem Sprinten-Flanken-Tore schießen zu widmen. Mittlerweile kennen sie seine berühmt-berüchtigten Vorlagen aus dem Halbfeld auch schon in den Niederlanden.

So schnell kann’s gehen: 3 Spiele, 1 Tor, 2 Vorlagen. Philipp Max startet auch in der Eredivisie durch, hat keine einzige Spielminute bisher verpasst. Verdient hat er sich’s allemal und wer weiß – vielleicht ruft ja bald mal Jogi an. Gute Linksverteidiger braucht das Land! Gerade jetzt, wo Jogi gar nicht mehr weiß, wen er nominieren soll vor lauter Verletzten.

Vielleicht sieht man ihn mit seiner in Augsburg lebenden Frau ja das ein oder andere mal in der WWK-Arena und in Augsburg Stadt und Land… Ist immer ein gern gesehener Gast, so viel steht fest.

Fazit und Aufstellung

Der FCA geht einmal als Favorit in die Begegnung. Und zwar auf dem Blatt Papier als deutlicher Favorit, denn es spielen am kommenden Sonntag der Tabellenzweite und somit CL-Platzierte gegen den im grauen Mittelfeld befindlichen Tabellendreizehnten. Übersetzt: FCA gegen VfL Wolfsburg. Mit einer ähnlichen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und einer sattelfesten Defensive lässt sich in Wolfsburg sicherlich auch was holen. Mit einem gut aufgelegten Gikiewicz und dem vorwegschreitenden Caligiuri, der am Sonntag gegen seinen Ex-Ex-Club spielt, scheinen wir wirklich gerüstet zu sein. Caligiuri und seine Ex-Vereine, da war doch was. Mach’s nochmal, Dani! Das wär was.

Die vermutliche Aufstellung – getreu dem Motto “never change a winning team”:

Gikiewicz - Framberger, Uduokhai, Gouweeleuw (C), Iago - Gruezo, Khedira - Caligiuri, Gregoritsch, Hahn - Niederlechner

Tipps der Redaktion

  • Andi: 0:2 – Nach dem Euro-League-Quali-Frust gibt es die nächste Enttäuschung für Wolfsburg. Der FCA gewinnt dank eines starken Rafal Gikiewicz sowie einer harmonierenden Offensive und ist Tabellenführer.
  • Andy: Mein Tipp: 1:1! Der FCA bleibt ungeschlagen und ein spätes Tor sichert das Unentschieden.
  • Irina: Ich tippe mal mutig auf ein 2 zu 1 für unseren FCA. Sonst tippe ich eher pessimistisch, nun schwimme ich auf der euphorischen Erfolgswelle mit und tippe dementsprechend auch Mal optimistisch! Auf geht’s, Augschburg, kämpfen und siegen! Einmal eine ganz untypisch optimistisch tippende Irina – das muss doch belohnt werden. Oder, FCA? 🙂

Kaderanalyse Mittelfeld und Sturm

Das Prunkstück der Augsburger war in der vergangenen Saison definitiv die Offensive. Auch unser defensives Mittelfeld war überdurchschnittlich gut für unsere Verhältnisse besetzt. Da sich auf dem Transfermarkt und in Sachen “Kaderlass” beim FCA einiges getan hat, möchte ich nachfolgend unser Mittelfeld und unseren prominenten Sturm einmal näher vorstellen.

Defensives Mittelfeld

Das defensive Mittelfeld hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison nur punktuell verändert: Relativ früh wurde ein verkappter “Bai-Ersatz “- an den Lech gelotst: Tobias Strobl, gebürtiger Münchener, verstärkt den FCA im defensiven Mittelfeld, war aber länger verletzt und konnte nicht die volle Vorbereitung mitmachen.

Eine weitere entscheidende Personalie ist dann Ende Juni geklärt worden: Kapitän Daniel Baiers Vertrag wurde – zum Unmut vieler Fans – aufgelöst und hat im Augsburger Umfeld hohe Wellen geschlagen.

Jungspund Felix Götze, ebenfalls im defensiven Mittelfeld zuhause, war gemäß medialer Berichterstattung an Covid-19 erkrankt und hat somit die ganze Vorbereitung verpasst. Hier steht noch ein Abgang im Raum – Jahn Regensburg war wohl mal interessiert. Bei Jan Moravek muss man, wie immer, von Spiel zu Spiel schauen: Der verletzungsanfällige Mittelfeldstratege befindet sich immer Mal wieder in der Hessingpark Klinik zur medizinischen Behandlung. Wenn er denn auf dem Platz steht, ist er stets bemüht und auf ihn ist dann auch durchaus Verlass. Edu Löwen ist ein echter Allrounder und kann auch im defensiven Mittelfeld spielen, diese Rolle hat er bspw. beim Club häufiger gespielt.

An Carlos Gruezo mag man sich gewöhnen. (FOTO Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Carlos Gruezo hat seine erste Saison im Augsburger Dress hinter sich und hat einen konstant guten Eindruck gemacht, wenn er denn gespielt hat (11 Liga-Einsätze, 1 DFB-Pokal-Einsatz). Der robuste Ecuadorianer hat gute Chancen auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld in der kommenden Saison. Sein Nebenmann lautet dann wohl erstmal Rani Khedira. Der Bruder von Weltmeister Sami hat sich über Jahre nun den Rang erlaufen und von dem weicht er freiwillig auch nicht ab. Sein Vertrag läuft jedoch nur noch bis 2021, spätestens dann könnte ein Nachfolger aus den eigenen Reihen Tim Civeja heißen. Der 18jährige Nachwuchsspieler durfte zuletzt in Testspielen im defensiven sowie offensiven Mittelfeld ran. Und hat seine Sache echt ordentlich gemacht! Hut ab!

Jeffrey “neuer Kapitän” Gouweleeuw kann auch im defensiven Mittelfeld aushelfen, dies hat er in seinen FCA-Zeiten schon das ein oder andere Mal erfolgreich gemacht. Reece Oxford – eigentlich hauptamtlich Innenverteidiger – kann dies auch spielen, aber in Augsburg war das noch nicht wirklich erfolgsversprechend.

RoGaz Prognose: Götze wird uns wohl noch verlassen. Gruezo und Khedira streiten sich mit Tobi Strobl um die beiden begehrten Startplätze im defensiven Mittelfeld. Jan Moravek ist, wenn er denn fit ist, wie all die Jahre zuvor schon ein solider sowie verlässlich Back Up – zu mehr reicht es wohl aber nicht (mehr). Edu Löwen und der goldene Löwe Jeff könnten diese Position des weiteren verlässlich bekleiden, wenn Not am Mann ist. Oxford ist auf all seinen Parade-Positionen wohl erstmal außen vor (…aber er ist ja noch jung!).

Kreative Schaltzentrale

Gregerl ist nach halbjähriger Leihe zurück am Lech – und zeigt sich in den letzten Testspielen sehr torhungrig. Wenn unsere maulende Mittelfelddiva die Launen in den Griff kriegt und seine Motivation konstant hoch hält, steht einer Startelfgarantie nichts im Wege und er kann die Augsburger, wie in seiner Paradesaison 2017/18 mit 13 Buden, zum Klassenerhalt schießen. Ein hartnäckiger Konkurrent für die Position im zentralen Mittelfeld wird der Winterneuzugang Edu Löwen sein. Noch konnte er sein volles Potenzial in Augsburg noch nicht zeigen. Big things to come also?

Noch nicht ganz in Augsburg angekommen ist Eduard Löwen. Klappt es diese Saison? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Weiterhin steht mit Freddy Jensen ein ambitionierter Jungspund in den Reihen der Augsburger: Zuletzt hat der Offensivakteur seine Finnen binnen 25 Sekunden zum 1zu0-Sieg in der Nations League gegen Irland geschossen. Weitere Konkurrenz im zentralen/offensiven Mittefeld sind Marco Richter und Florian Niederlechner, die beide in einem System mit verkappter Doppelspitze zusammen mit einem Stürmer die Rolle bekleiden könnten.

RoGaz Prognose: Gregerl scheint heiß zu sein auf eine versöhnliche Saison im Augsburger Dress. Mit ihm sollte man rechnen. Aber auch Löwen und Jensen sind ambitioniert und schmeißen ihren Hut in den Ring. Je nach Form kann die Entscheidung in alle Richtungen ausgehen. Im letzten Testspiel gegen Ajax hat Flo Niederlechner diese Rolle – mehr als sogenannter Halbstürmer – bekleidet und interpretiert. Will der FCA offensiv spielen, sind Gregerl und Niederlechner eine gute Wahl, für eine defensive Ausrichtung eher Edu Löwen oder Freddy Jensen, die beide jedoch auch durchaus torgefährlich sind! Qual der Wahl für Heiko Herrlich. Eine echte Überraschung wäre Jungspund Civeja, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck im defensiven und offensiven Mittelfeld hinterlassen hat.

Augsburger Flügelzange

Was früher Ndjeng und Traore waren, sind seit letzter Saison die beiden Youngster Marco Richter und Ruben Vargas. Während ersterer eine tolle U21-EM gespielt und dort phasenweise im Nationaldress brilliert hat, ist Ruben Vargas erstaunlich schnell die Akklimatisierung in der deutschen Bundesliga gelungen. Zudem durfte er letztes Jahr in der Hinrunde in der Schweizer Nati debütieren. Beide sind flink, dynamisch und trickreich. Das tut dem Augsburger Spiel ziemlich gut! Aufgrund des jungen Alters ist die Konstanz halt bei beiden noch nicht vorhanden. Man darf aber dennoch gespannt sein, wenn beide auch 20/21 dem FCA erhalten bleiben, was die beiden noch zu leisten vermögen!

Ruben Vargas hat mit Pedersen und Iago zwei gelernte Verteidiger als Konkurrenz. Wobei diese beiden wohl eher für links hinten eingeplant sind als Startelf sowie Backup-Spieler. Weiterhin können sowohl Marco Richter als auch Andre Hahn und Noah Sarenren Bazee links außen spielen. Freddy Jensen durfte zuletzt in Abwesenheit von Vargas (war bei der Schweizer Nationalmannschaft) auf links außen ran. Auch hier sind wir für Augsburger Verhältnisse gut aufgestellt und haben einige Alternativen.

Rechts außen scheint Marco Richter, trotz Formtief gegen Ende der Saison, gesetzt – doch zuletzt plagte das Augsburger Eigengewächs Blessuren und er konnte einen Teil der Vorbereitung nicht mit dem Team absolvieren. Jetzt tauchen gerade Gerüchte zu einem Kölner Interesse am Eigengewächs auf- verlässt uns der gebürtige Friedberger etwa noch vor Saisonstart?

Der Durchbruch ist geglückt und Ruben links gesetzt. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Erste Alternativen zum Augsburger Jung sind der zu Ende der letzten Saison so starke Noah Sarenren Bazee und Oldie Hahn. Auch Ruben Vargas und Daniel Caliguiri können rechts spielen. Gerade der erfahrene Neuzugang Caligiuri könnte der große Gewinner der Vorbereitung sein und die Abwesenheit von Richter erfolgreich für “Eigenwerbung” genutzt haben. Seine Erfahrung und auch defensive sowie offensive Qualitäten sind sein Trumpf. Georg Teigl, der auf der rechten Außenbahn zuhause ist, wird kein Backup mehr sein wie die letzten Jahre. Er verlässt den FCA und wechselt in seine Heimat zu Austria Wien. Das gab der FCA am vergangenen Montag bekannt.

RoGaz Prognose: Links kommt keiner an Ruben Vargas vorbei. Rechts gibt es ein enges Rennen zwischen Jungspund Marco Richter und den beiden Oldies Caligiuri und Hahn. Je nach taktischer Ausrichtung ist auch eine Job-Rotation denkbar bzw. möglich. Aufgrund Marcos Verletzung geht der Ex-Schalker Daniel Caligiuri wohl erstmal als Favorit auf Rechtsaußen in die Saison. Aber Noah Sarenren Bazee sollte man nicht abschreiben, denn dieser ist im fitten Zustand eine echte Waffe auf außen!

Abteilung Attacke!

So, jetzt kommen wir zum Prunkstück der Augsburger Formation, dem Sturm! Hier hat Heiko Herrlich zwei wirkliche Vollblut-Angreifer zur Auswahl, Flo Niederlechner und Alfred Finnbogason. Während ersterer seine Premierensaison im Augsburger Dress furios absolvierte, ist der oft verletzte und mittlerweile 31jährige Isländer schon eine richtige Institution in der Fuggerstadt und war vor Niederlechner im Sturm unumstritten. Finnbo merkt man jedoch deutlich an, dass es ihm nach einer Verletzung schwer fällt, wieder in den Spielrhythmus zu kommen. Gerade im Sturm braucht man als Spieler Fitness, Spielpraxis und die Bindung zum Spiel.

Nachwuchsstürmer Maurice Malone, den ich schon das ein oder andere Mal als Nachwuchshoffnung im Augsburger Sturm betitelt habe, wurde zuletzt an Drittligist Wehen-Wiesbaden verliehen, unser Edel-Joker Sergio Cordova an den Ligakonkurrenten Arminia Bielefeld. Marco Richter, Andre Hahn und Michael Gregoritsch können ebenfalls im Sturm spielen und sind sicherlich sinnvolle Alternativen, wenn die beiden erstgenannten auszufallen drohen!

Erstmal quält Herrlich jedoch bestimmt die Frage, welchen Akteur er im bevorzugten System mit einem Stürmer spielen lässt von Beginn an. Flo empfiehlt sich mit einer phänomenalen Torquote, Finnbogason als letztjähriger dritter Kapitän glänzt mit Augsburger Erfahrung im Abstiegskampf und einem guten Standing im Verein. Auch hier: Qual der Wahl. Bei einem System mit Doppelspitze ist die Frage jedoch überflüssig.

Keine Alternativen im Sturm (mehr) sind Julian Schieber, der sich Medienberichten zu Folge auf Empfehlung des FCA einen neuen Verein suchen darf – aber noch keinen gefunden hat bis dato. Und weiterhin Nachwuchsspieler Seong-hoon Cheon aus der U23 – Regionalliga – Mannschaft, der jedoch keine Rolle aktuell bei der 1. Mannschaft zu spielen scheint und eher für die “Zwote” eingeplant ist.

RoGaz Prognose: Flo Niederlechner – who else? Der Bomber vom Wertachstrand geht als Platzhirsch in die Saison. Finnbo ist aber ein adäquater Widersacher. Es wird spannend. Ich hätte persönlich gerne noch einen Backup – wie Malone oder Cordova behalten. Gerade Sergio Cordova hat immer sehr gute Leistungen gezeigt bei seinen Joker-Einsätzen und das ein oder andere wichtige Tor erzielt für den FCA. Seine Leihe – zu einem direkten Konkurrent – finde ich eher unglücklich. Wenn er jedoch dort richtig aufblüht und als Torschützenkönig der Bundesliga zurückkommt, der FCA und Arminia die Klasse halten und er beim FCA langfristig bleibt – ja, dann hab ich nix dagegen! Im Sturm haben wir derzeit nur Luxusprobleme. Wenn Niederlechner weiterscort und Finnbo einigermaßen wieder in Tritt kommt, dann haben wir einen Bomben-Sturm! Im wahrsten Sinne des Wortes.

Quo vadis, FCA?

Ja, der Kader wirkt verdünnt, ob der ganzen Personalabgänge. Und doch ist ein kleiner Umbruch ersichtlich. Max ist weg, Luthe ist ebenso weg und Daniel Baier wird schwer vermisst. Jetzt zeigt es sich, wie sich der FCA mit der neuen Mannschaft mit neuem Gesicht präsentiert. Eine neue Rangordnung muss sich noch bilden oder ist gerade auf dem Weg dorthin.

Und ob dieser Kader für die Bundesliga reicht? Eine 10. Saison mit dem FCA in der deutschen Fußballbundesliga. Ja, man muss mich ab und an noch kneifen, denn das ist gigantisch! Das Potenzial ist wie immer da, definitiv. Einiges an Erfahrung ist von Bord gegangen, mit dem Karriereende von Lichtsteiner und mit den Abgängen von Baier, Max und Luthe. Das schmerzt schon etwas, um ehrlich zu sein. Gerade im Abstiegskampf braucht man diese Erfahrung an der ein oder anderen Stelle.

Schon das kommende Wochenende zeigt sich gegen den Oberligisten Celle, wie gut der Kader vorbereitet ist. Obwohl Celle selbst an einem guten Tag kein Gradmesser sein sollte. Jedoch schreibt der DFB-Pokal – sicherlich auch zu Corona-Zeiten – seine eigenen Geschichten und hat bekanntlichermaßen seine eigenen Gesetze. Aus Augsburger Sicht kann man nur sagen: Hoffentlich nicht an diesem Samstag. Der erste potenzielle Stolperstein liegt jedoch nun vor den Augsburger Füßen und es wird sich zeigen, ob der Kader diesen locker-flockig überspringt oder ob er über den Stein stolpern wird und erstmals in der Saison taumelt. Danach liegt der Fokus voll auf der Bundesliga. Und ich hoffe, ich kann stolz sein auf dieses Team. Auf dieses neue Augsburger Team!

Bis dahin: Gut Kick, Jungs. Egal, wer da so auf dem Platz steht.