Zeit zum Durchatmen

Die ersten drei Spieltage der Bundesligasaison 20/21 sind absolviert. Der FCA mischt munter oben mit und nun steht die obligatorische Länderspielpause an. Für die Spieler Zeit zur Regeneration, für die Fans trübe Tristesse. Wir wollen im Nachfolgenden einmal zurückblicken auf den bisherigen Saisonverlauf und schmücken jedes Spiel mit einem reißerischen sowie inhaltlich zusammenfassenden Titel.

Der FCA kann doch Pokal!

Wäre die passende Schlagzeile für das Pokalspiel gegen MTV Celle. Der FC Augsburg experimentierte in Sachen Aufstellung nicht so munter wie im Vorjahr gegen Verl und wurde prompt belohnt. Die erste Elf zeigte sich sattelfest und spielfreudig. Die Joker stachen. Die Belohnung war ein nie gefährdeter und hoher Heimsieg der Augsburger – der den Einzug in Pokalrunde zwei bedeutete. Die sympathischen Celler Jungs hatten hingegen eine tolle Auswärtsfahrt – trotz Pokal-Aus. Und konnten sich noch das ein oder andere Augsburg-Trikot ergattern. “Matchworn”- versteht sich!

Ungefährdet gegen MTV Eintracht Celle. Der FCA startete schon schlechter im Pokal. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Effektiv, Effektiver – FCA!

So oder so ähnlich könnte man das Spiel gegen Union Berlin zum Saisonauftakt titulieren. Der FCA war keineswegs die dominierende Mannschaft, Union hielt lange mit – und der FCA war vor dem Tor gnadenlos effektiv. Eine Chance, ein Treffer – FCA! Hurra. Dank dem starken Ex-Unioner Gikiewicz kassierte man auch nur ein Gegentor, trotz zahlreicher Berliner Chancen in der zweiten Halbzeit.

Auch gegen Union Berlin konnte der FCA feiern. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Tabellenführer für eine Nacht

Eine Nacht Tabellenführer – dieses Gefühl durfte der FCA zuletzt einmal genießen. Denn tatsächlich stand man für etwas mehr als 24 Stunden auf dem Platz an der Sonne. Ein furioses 2:0 gegen den lethargischen Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund machte dies möglich. Leider hatte am darauffolgenden Sonntag die TSG Hoffenheim was dagegen und nahm dank des besseren Torverhältnisses den ersten Tabellenplatz ein. Wieder zeigte sich der FCA gnadenlos effektiv vor dem Kasten und schenkte Bürki im BVB-Tor zweie ein. Hinten hielt man dank überzeugender Defensivarbeit die null. Herausragend hierbei die Defensive rund um Kapitän Jeff und seinem kongenialen Partner Uduokhai.

Die Feierei ging unerwarteterweise auch gegen den BVB weiter. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

No Herrlich, no Party!

Ohne Heiko nix los! So oder so ähnlich könnte die Headline für das Spiel der Augsburger gegen die Wölfte lauten. Heiko Herrlich fehlte mal wieder gegen die Wölfe. Diesmal nicht wegen Verletzung der Quarantäneauflagen, sondern wegen einer körperlichen Verletzung – Pneumothorax, so berichtete Stefan Reuter auf der PK vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg.

Ohne Heiko Herrlich, dafür mit Iraklis Metaxas erstmalig auf der Trainerbank war der FCA offensiv zahnlos und defensiv weniger stabil als zuletzt. Müde Beine? Fehlende Frische? Man weiß es nicht. Eine Stammelf zeichnete sich zuletzt ab, Caligiuri und Hahn haben sich auf den beiden Flügelpositionen offensiv festgespielt. Die Jungspunde Vargas und Richter müssen sich derzeit hinten an stellen.

Platz gehalten, weiter ungeschlagen. Auch Wolfsburg fand noch kein adäquates Mittel gegen unseren FCA. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Mit einem nicht so ganz verdienten Remis in die Länderspielpause – danach wartet RB Leipzig auf die Augsburger. Gegen diesen fulminanten Gegner müssen wir wirklich ausgeruht sein.

Die zweite Garde

Am Freitag (09.10.) hat der FCA ohne seine sieben Nationalspieler sowie Kapitän Jeff Gouweeleuw gegen den Zweitligisten Heidenheim getestet, um im Spielrhythmus zu bleiben – Endergebnis: 1:1. Das Tor für den FCA erzielte Innenverteidiger Marek Suchy. Heiko Herrlich wurde wieder durch Iraklis Metaxas vertreten.

Um den bisher weniger eingesetzten Spielern wie Götze, Richter, Suchy und Bazee Spielpraxis zu bieten, war dieses Testspiel eine ideale Möglichkeit. Richtige Lehren kann man daraus eher weniger ziehen.

Marek Suchy im Testspiel gegen Heidenheim. (Copyright: xBW-Fotox/Eibner-Pressefotox EP_bwf via Imago)

Hey, das geht ab!

Am 17.10.2020 geht’s dann gegen RB Leipzig im eigenen Stadion wieder rund. Hier wartet eine echte Herausforderung auf den FCA, denn Leipzig ist derzeit Tabellenführer. Vermutlich wird sich aufstellungstechnisch nicht viel tun, ggf. ersetzt Neuzugang Gumny unseren Frami, der gegen Wolfsburg phasenweise überfordert wirkte. Mit den schnellen Leipziger Offensivspielern werden insbesondere unsere Außenverteidiger richtig gefordert werden. Der Ausgang des Spiels ist noch unbekannt.

Lassen wir uns überraschen, ob der FCA den Schwung aus den ersten drei Partien mitnimmt und weiterhin oben mitspielen darf. Die Momentaufnahme ist jedenfalls genial, die aktuelle Tabelle rahmen wir uns alle ein. Eine entspannte Saison, mit Blick nach oben, statt nach unten. Zu wünschen wär’s den Spielern, den Fans – dem gesamten Verein.

TGIF: Mach’s nochmal, Augsburg!

Der kleine FC Augsburg hat sich am letzten Wochenende mit seinem sowohl überraschenden als auch verdienten 2:0-Erfolg gegen Dauer-Titelaspirant BVB ins Rampenlicht geschossen. Am kommenden Sonntag fahren die Augsburger also nach Wolfsburg – und ein jeder fragt sich, sind wir womöglich auf einmal der haushohe Favorit gegen die Wölfe?

Mit Karacho statt Bruchlandung!

Buchmacher setzen konsequent jedes Spiel die Quoten “gegen den FCA”. Favorit sind wir gefühlt bei den Wettanbietern nie. Doch dies könnte an jenem Sonntag erstmalig anders sein, haben doch die Wolfsburger an den ersten beiden Spieltagen nur jeweils Remis gespielt und der FCA beide Partien grandios gewonnen. Am vergangenen Samstag – ja, bitte kneift mich mal jemand! – haben die Augsburger Jungs mit 2:0 über den Meisteranwärter BVB triumphiert. Der Underdog vom Lech – plötzlich für 24h Tabellenführer. Das gab’s noch nie. Genauso wenig wie zwei Siege zum Saisonauftakt. Famos!

Ein richtiger Ruck ging am Samstag sodann durch die Fanlandschaft – endlich ist der FCA mal mit Karacho in die neue Saison gestartet. Nicht mit einer Bruchlandung baden gegangen wie gefühlt immer seit Aufstieg in die erste Fußballbundesliga im Jahr 2011. Und viele FCA-Kritiker mussten erstmals in der noch jungen Saison Abbitte leisten: Herrlich hatte am Samstag ein gutes Konzept, Gike hat spitze gehalten, Frambo hat super verteidigt und Caligiuri ist gar kein alter Mann, sondern ebenjene viere haben uns – trotz zahlreicher Vorurteile – zum Sieg gegen die Spitzenmannschaft aus Dortmund geführt. Man möchte nun laut sagen: Weiter so! Und dabei jedem Spieler die Schulter tätscheln.

Formstark und formidabel

Ja, so eine Serie – zwei Spiele in Folge gewonnen zum Auftakt – hat schon was besonderes. Das ist so gut, dass wir laut OneFootball im international Power-Ranking der europäischen Topliga überraschend auf Platz sieben wiederzufinden sind. Hierbei lassen wir sogar den FC Barcelona und den AC Milan hinter uns. Barcelona, Madrid, Mailand, Augsburg. Klingt doch richtig gut! Nach Champions League Nächten ohne Corona mit vollem Haus. Klingt nach spanischen Nächten und Toren in Bobadilla-Manier. Hach, internationales Flair in Augsburg – das wär mal wieder was. Aber wir bleiben hier in Augsburg ganz typisch-grattlig auf dem Boden der Tatsachen. Hier liegt kein Glitzer, sondern schwäbische Erde. Sodele, zum träumen geht ihr aber bitte nach Gelsenkirchen oder Berlin, ja?

Ach, wie wäre es schön, am Sonntag direkt den nächsten Sieg zu feiern (Foto via Imago)

Der Kader scheint Potenzial zu haben, das steht nun schon mal fest. Beziehungsweise: Ist dies erstmal ein Zwischenfazit nach zwei Spieltagen. Und wird sicherlich nicht die letzte Bewertung des Kaders sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist zu sagen: Iago erscheint ein defensiv mindestens ebenbürtiger Max-Nachfolger zu sein. Man freut sich regelrecht auf den Zweikampf rechts hinten zwischen Eigengewächs Framberger und Neuzugang Gumny, denn Frambo hat richtig abgeliefert gegen den BVB. Caligiuri und Hahn haben die Startplätze auf den Flügeln mit ihrer Leistung verteidigt und plötzlich sieht es so aus, als müssten sich die letztes Jahr so starken Vargas und Richter hinten anstellen. Rentner-Blues statt Nachwuchsboom! Zweiter Frühling statt Jugend forscht. Mit “Gike” im Tor sind nun alle völlig zufrieden, nach den Glanztaten gegen den BVB mag man sagen: zurecht! Und Stefan Reuter attestieren, nicht noch ein Pulverfass mit Patzerneigung nach Augsburg gelockt zu haben.

Gruezo vs. Chuck Norris – Carlos gewinnt!

Gruezo! Lionel Christiano Zlatan Gruezo, wer kennt ihn nicht. Chuck Norris sieht alt aus im direkten Duell gegen den Ecuadorianer! Wie er da an der Seitenlinie in der zweiten Halbzeit zwei Dortmunder mit einem Dribbling der Extraklasse aussteigen hat lassen und die Gegner völlig verblüfft wie Slalomstangen zurück ließ – das war Augsburger Weltklasse. Der zuletzt viel gescholtene Weltmeister-Bruder Rani Khedira kommt zwar weit weniger spektakulär daher, macht seine Sache aber mittlerweile auch wieder ganz solide. Wie wäre es denn mal mit einer Vertragsverlängerung in Augsburg, Rani? 🙂

Hinten drin haben wir mit dem jungen “Udo” und dem erfahrenen “Jeff” eine richtig gute Kombo gefunden. Das erinnert mich ein wenig an unser kongeniales Innenverteidiger-Duo Sankoh und Klavan. Nur ohne den Slapstick von Sankoh, ihr versteht. 🙂 Jeff hat aber manchmal das Temperament eines Löwen – dies könnte am Nachnamen liegen. Witz beiseite: an schlechten Tagen fliegt er für Handgriffe wie gegen Haaland mit glatt rot vom Platz und wir verlieren ggf. das Spiel. Man kann sagen: Wir hatten einen Sahnetag und das gewisse Quäntchen Glück auf unserer Seite. Der Fußballgott war gnädig mit uns.

Überraschung: Reece Oxford hat sich ins Team gespielt. (Foto: Passion2Press/Markus Fischer via Imago)

Wer hätte eigentlich gedacht, dass Reece “Flopeinkauf” Oxford nochmal eine ernsthafte Kaderalternative in Augsburg sein würde? Ich glaube, ich hätte die Behauptung lauthals lachend abgetan. Zu durchwachsen und teilweise unbeholfen waren die Auftritte des jungen Engländers in seinen wenigen Einsätzen in der Vergangenheit. Aber hey, das sah wirklich gut aus nach seiner Einwechslung gegen den BVB. Und ich meine das – zu meinem Erstaunen – völlig ernst. Reece Oxford ist wieder wer!

Und was ich final noch anmerken wollte: Der 13-Tore-Mann aus der Vorsaison, Florian Niederlechner, stand auch auf dem Platz und kämpfte mal wieder bis aufs äußerste. Die Vorlage zum 2:0 möchte ich hier besonders lobend erwähnen. Das war wirklich ein genialer Schnittstellenpass. Nächstes Spiel klappt’s aber bestimmt wieder mit einem Tor, Flo. Oder wirst du bald der Top-Vorlagengeber des Teams?

Wölfe zähmen leicht gemacht

Wird unsere Überraschungself also nachlegen bei den Wölfen? Diese haben zumindest am vergangenen Donnerstagabend in der Europa League Qualifikation in Athen ein Pflichtspiel bestritten. Der Torjäger der Wolfsburger – der Niederländer Wout Weghorst – drohte verletzt auszufallen und für die Partie gegen AEK Athen somit genauso wenig eine Alternative zu sein wie die Nummer eins im Tor bei den Wölfen – Koen Casteels. Ggf. kehren sie aber gegen den FCA wieder in den Kader zurück. Die Reisestrapazen der Wolfsburger und das zusätzliche Spiel verbunden mit einer kürzeren Vorbereitungszeit ist natürlich nicht nachteilhaft für die Augsburger. Zudem dürfte in Wolfsburg Frust schieben angesagt sein, schied man doch gestern Abend gegen AEK Athen aus und verpasst somit die Europa League Gruppenphase.

Da ist ein verschmitztes Lächeln angebracht, wenn die Mannschaft so in die Saison startet. Chapeau, Heiko Herrlich. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der FCA scheint auf jeden Fall gewappnet. Eine eingeschworene Einheit stand gegen den BVB auf dem Platz, das konnte man sowohl sehen als auch hören. Zudem hat Herrlich genau die richtige Taktik gegen wenig torgefährliche Dortmunder in petto gehabt. Die Wechsel waren stimmig und kamen gefühlt zum geeigneten Zeitpunkt – ganz anders als noch zu Ende der Rückrunde. Wir haben jetzt auf jeden Fall eine formidable Bank: Derzeit haben wir mit Marco Richter, Eduard Löwen, Ruben Vargas, Alfred Finnbogason, Tobias Strobl, Robert Gumny und Freddy Jensen richtig, richtig gute Alternativen in der Hinterhand. Und all die genannten haben definitiv Stammelfansprüche!

11 Kilometer mehr zu laufen als der Gegner und körperlich gegenhalten, so effektiv vor dem Tor zu sein wie zuletzt sowie ein dynamisches Pressing zu betreiben – das alles könnte diese Saison den FCA auszeichnen. 11 Kilometer mehr zu laufen als die fitten Stars des BVB – Chapeau, Ihr FCA-Kicker! Das ist mal ‘ne Hausnummer.

Presseschau

Mal ein Blick auf den Ex: Der ehemalige FCA-Trainer Manuel Baum macht’s – er wird der nächste Schalke-Trainer. Und als Co-Trainer wird der Ex-Schalke-Spieler Naldo fungieren. Manuel, ruf doch mal bei Markus Weinzierl an und frag nach, ob du dir überhaupt eine Wohnung suchen solltest in Gelsenkirchen 🙂

Weiterhin liest man derzeit in diversen Kanälen, dass sich unser ehemaliger Kai Uwe – pardon, Caiuby – aktuell bei den Schanzern über ein Probetraining empfehlen möchte.

Die deutsche Medienlandschaft überschlug sich letztes Wochenende ja förmlich, da der FCA eine Nacht auf Platz 1 der Bundesliga Tabelle stand. Nur Hoffenheim hatte was dagegen. Die SZ titelte “Platz eins für eine Nacht” – ich muss ganz ehrlich sagen, ein tolles Gefühl, wenn auch nur temporär. Manch ein Augsburg-Fan hätte wohl still und heimlich nix dagegen, wenn das öfter der Fall wäre. Eine Einheit, so bescheinigt man es dem FCA, hätte sich neu gebildet. Daniel “BVB-Killer” Caligiuri scheint einer der Leader im neuen System unter Heiko Herrlich zu sein. Man hats am Samstag gesehen.

Aktuell hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der FCA das dänische Innenverteidiger-Talent Frederik Winther von Lyngby BK verpflichten möchte. Mal sehen, ob da was dran ist. In der Innenverteidigung hatte man zuletzt mit Stanic und Danso zwei Talente aus den eigenen Reihen verliehen. Mit Jeff, Udo und Suchy stehen nur drei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Strobl, Khedira und Oxford können diese Position ebenfalls bekleiden. Ein weiterer gelernter Innenverteidiger macht aufgrund der langen Saison unter Corona-Bedingungen und ohne große Winterpause definitiv Sinn.

Zudem gab’s medial viel Lob für Caligiuri: Denn egal, welches Trikot er trägt. Der BVB kann sich warm anziehen. In seiner 300. Bundesligapartie hat der Italiener maßgeblich dazu beigetragen, den Dortmundern den Traum von der Tabellenführung abzujagen. Die gute Leistung der Augsburger Jungs resultiert auch in gleich vier Berufungen von Augsburger Spielern in die Kicker Elf des Spieltags.

Auch WUMMS ist mal wieder vorne mit dabei und postet ganz herrlich und witzig:

Was macht eigentlich, Philipp Max?

Ex-Augsburg-Spieler Philipp Max macht übrigens in Eindhoven da weiter, wo er beim FCA zuletzt aufgehört hat. Scoren, scoren, scoren. Neben seinem mittlerweile florierenden Tik-Tok-Account scheint sich Philipp Max wieder regelmäßig dem Sprinten-Flanken-Tore schießen zu widmen. Mittlerweile kennen sie seine berühmt-berüchtigten Vorlagen aus dem Halbfeld auch schon in den Niederlanden.

So schnell kann’s gehen: 3 Spiele, 1 Tor, 2 Vorlagen. Philipp Max startet auch in der Eredivisie durch, hat keine einzige Spielminute bisher verpasst. Verdient hat er sich’s allemal und wer weiß – vielleicht ruft ja bald mal Jogi an. Gute Linksverteidiger braucht das Land! Gerade jetzt, wo Jogi gar nicht mehr weiß, wen er nominieren soll vor lauter Verletzten.

Vielleicht sieht man ihn mit seiner in Augsburg lebenden Frau ja das ein oder andere mal in der WWK-Arena und in Augsburg Stadt und Land… Ist immer ein gern gesehener Gast, so viel steht fest.

Fazit und Aufstellung

Der FCA geht einmal als Favorit in die Begegnung. Und zwar auf dem Blatt Papier als deutlicher Favorit, denn es spielen am kommenden Sonntag der Tabellenzweite und somit CL-Platzierte gegen den im grauen Mittelfeld befindlichen Tabellendreizehnten. Übersetzt: FCA gegen VfL Wolfsburg. Mit einer ähnlichen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und einer sattelfesten Defensive lässt sich in Wolfsburg sicherlich auch was holen. Mit einem gut aufgelegten Gikiewicz und dem vorwegschreitenden Caligiuri, der am Sonntag gegen seinen Ex-Ex-Club spielt, scheinen wir wirklich gerüstet zu sein. Caligiuri und seine Ex-Vereine, da war doch was. Mach’s nochmal, Dani! Das wär was.

Die vermutliche Aufstellung – getreu dem Motto “never change a winning team”:

Gikiewicz - Framberger, Uduokhai, Gouweeleuw (C), Iago - Gruezo, Khedira - Caligiuri, Gregoritsch, Hahn - Niederlechner

Tipps der Redaktion

  • Andi: 0:2 – Nach dem Euro-League-Quali-Frust gibt es die nächste Enttäuschung für Wolfsburg. Der FCA gewinnt dank eines starken Rafal Gikiewicz sowie einer harmonierenden Offensive und ist Tabellenführer.
  • Andy: Mein Tipp: 1:1! Der FCA bleibt ungeschlagen und ein spätes Tor sichert das Unentschieden.
  • Irina: Ich tippe mal mutig auf ein 2 zu 1 für unseren FCA. Sonst tippe ich eher pessimistisch, nun schwimme ich auf der euphorischen Erfolgswelle mit und tippe dementsprechend auch Mal optimistisch! Auf geht’s, Augschburg, kämpfen und siegen! Einmal eine ganz untypisch optimistisch tippende Irina – das muss doch belohnt werden. Oder, FCA? 🙂

Kaderanalyse Mittelfeld und Sturm

Das Prunkstück der Augsburger war in der vergangenen Saison definitiv die Offensive. Auch unser defensives Mittelfeld war überdurchschnittlich gut für unsere Verhältnisse besetzt. Da sich auf dem Transfermarkt und in Sachen “Kaderlass” beim FCA einiges getan hat, möchte ich nachfolgend unser Mittelfeld und unseren prominenten Sturm einmal näher vorstellen.

Defensives Mittelfeld

Das defensive Mittelfeld hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison nur punktuell verändert: Relativ früh wurde ein verkappter “Bai-Ersatz “- an den Lech gelotst: Tobias Strobl, gebürtiger Münchener, verstärkt den FCA im defensiven Mittelfeld, war aber länger verletzt und konnte nicht die volle Vorbereitung mitmachen.

Eine weitere entscheidende Personalie ist dann Ende Juni geklärt worden: Kapitän Daniel Baiers Vertrag wurde – zum Unmut vieler Fans – aufgelöst und hat im Augsburger Umfeld hohe Wellen geschlagen.

Jungspund Felix Götze, ebenfalls im defensiven Mittelfeld zuhause, war gemäß medialer Berichterstattung an Covid-19 erkrankt und hat somit die ganze Vorbereitung verpasst. Hier steht noch ein Abgang im Raum – Jahn Regensburg war wohl mal interessiert. Bei Jan Moravek muss man, wie immer, von Spiel zu Spiel schauen: Der verletzungsanfällige Mittelfeldstratege befindet sich immer Mal wieder in der Hessingpark Klinik zur medizinischen Behandlung. Wenn er denn auf dem Platz steht, ist er stets bemüht und auf ihn ist dann auch durchaus Verlass. Edu Löwen ist ein echter Allrounder und kann auch im defensiven Mittelfeld spielen, diese Rolle hat er bspw. beim Club häufiger gespielt.

An Carlos Gruezo mag man sich gewöhnen. (FOTO Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Carlos Gruezo hat seine erste Saison im Augsburger Dress hinter sich und hat einen konstant guten Eindruck gemacht, wenn er denn gespielt hat (11 Liga-Einsätze, 1 DFB-Pokal-Einsatz). Der robuste Ecuadorianer hat gute Chancen auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld in der kommenden Saison. Sein Nebenmann lautet dann wohl erstmal Rani Khedira. Der Bruder von Weltmeister Sami hat sich über Jahre nun den Rang erlaufen und von dem weicht er freiwillig auch nicht ab. Sein Vertrag läuft jedoch nur noch bis 2021, spätestens dann könnte ein Nachfolger aus den eigenen Reihen Tim Civeja heißen. Der 18jährige Nachwuchsspieler durfte zuletzt in Testspielen im defensiven sowie offensiven Mittelfeld ran. Und hat seine Sache echt ordentlich gemacht! Hut ab!

Jeffrey “neuer Kapitän” Gouweleeuw kann auch im defensiven Mittelfeld aushelfen, dies hat er in seinen FCA-Zeiten schon das ein oder andere Mal erfolgreich gemacht. Reece Oxford – eigentlich hauptamtlich Innenverteidiger – kann dies auch spielen, aber in Augsburg war das noch nicht wirklich erfolgsversprechend.

RoGaz Prognose: Götze wird uns wohl noch verlassen. Gruezo und Khedira streiten sich mit Tobi Strobl um die beiden begehrten Startplätze im defensiven Mittelfeld. Jan Moravek ist, wenn er denn fit ist, wie all die Jahre zuvor schon ein solider sowie verlässlich Back Up – zu mehr reicht es wohl aber nicht (mehr). Edu Löwen und der goldene Löwe Jeff könnten diese Position des weiteren verlässlich bekleiden, wenn Not am Mann ist. Oxford ist auf all seinen Parade-Positionen wohl erstmal außen vor (…aber er ist ja noch jung!).

Kreative Schaltzentrale

Gregerl ist nach halbjähriger Leihe zurück am Lech – und zeigt sich in den letzten Testspielen sehr torhungrig. Wenn unsere maulende Mittelfelddiva die Launen in den Griff kriegt und seine Motivation konstant hoch hält, steht einer Startelfgarantie nichts im Wege und er kann die Augsburger, wie in seiner Paradesaison 2017/18 mit 13 Buden, zum Klassenerhalt schießen. Ein hartnäckiger Konkurrent für die Position im zentralen Mittelfeld wird der Winterneuzugang Edu Löwen sein. Noch konnte er sein volles Potenzial in Augsburg noch nicht zeigen. Big things to come also?

Noch nicht ganz in Augsburg angekommen ist Eduard Löwen. Klappt es diese Saison? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Weiterhin steht mit Freddy Jensen ein ambitionierter Jungspund in den Reihen der Augsburger: Zuletzt hat der Offensivakteur seine Finnen binnen 25 Sekunden zum 1zu0-Sieg in der Nations League gegen Irland geschossen. Weitere Konkurrenz im zentralen/offensiven Mittefeld sind Marco Richter und Florian Niederlechner, die beide in einem System mit verkappter Doppelspitze zusammen mit einem Stürmer die Rolle bekleiden könnten.

RoGaz Prognose: Gregerl scheint heiß zu sein auf eine versöhnliche Saison im Augsburger Dress. Mit ihm sollte man rechnen. Aber auch Löwen und Jensen sind ambitioniert und schmeißen ihren Hut in den Ring. Je nach Form kann die Entscheidung in alle Richtungen ausgehen. Im letzten Testspiel gegen Ajax hat Flo Niederlechner diese Rolle – mehr als sogenannter Halbstürmer – bekleidet und interpretiert. Will der FCA offensiv spielen, sind Gregerl und Niederlechner eine gute Wahl, für eine defensive Ausrichtung eher Edu Löwen oder Freddy Jensen, die beide jedoch auch durchaus torgefährlich sind! Qual der Wahl für Heiko Herrlich. Eine echte Überraschung wäre Jungspund Civeja, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck im defensiven und offensiven Mittelfeld hinterlassen hat.

Augsburger Flügelzange

Was früher Ndjeng und Traore waren, sind seit letzter Saison die beiden Youngster Marco Richter und Ruben Vargas. Während ersterer eine tolle U21-EM gespielt und dort phasenweise im Nationaldress brilliert hat, ist Ruben Vargas erstaunlich schnell die Akklimatisierung in der deutschen Bundesliga gelungen. Zudem durfte er letztes Jahr in der Hinrunde in der Schweizer Nati debütieren. Beide sind flink, dynamisch und trickreich. Das tut dem Augsburger Spiel ziemlich gut! Aufgrund des jungen Alters ist die Konstanz halt bei beiden noch nicht vorhanden. Man darf aber dennoch gespannt sein, wenn beide auch 20/21 dem FCA erhalten bleiben, was die beiden noch zu leisten vermögen!

Ruben Vargas hat mit Pedersen und Iago zwei gelernte Verteidiger als Konkurrenz. Wobei diese beiden wohl eher für links hinten eingeplant sind als Startelf sowie Backup-Spieler. Weiterhin können sowohl Marco Richter als auch Andre Hahn und Noah Sarenren Bazee links außen spielen. Freddy Jensen durfte zuletzt in Abwesenheit von Vargas (war bei der Schweizer Nationalmannschaft) auf links außen ran. Auch hier sind wir für Augsburger Verhältnisse gut aufgestellt und haben einige Alternativen.

Rechts außen scheint Marco Richter, trotz Formtief gegen Ende der Saison, gesetzt – doch zuletzt plagte das Augsburger Eigengewächs Blessuren und er konnte einen Teil der Vorbereitung nicht mit dem Team absolvieren. Jetzt tauchen gerade Gerüchte zu einem Kölner Interesse am Eigengewächs auf- verlässt uns der gebürtige Friedberger etwa noch vor Saisonstart?

Der Durchbruch ist geglückt und Ruben links gesetzt. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Erste Alternativen zum Augsburger Jung sind der zu Ende der letzten Saison so starke Noah Sarenren Bazee und Oldie Hahn. Auch Ruben Vargas und Daniel Caliguiri können rechts spielen. Gerade der erfahrene Neuzugang Caligiuri könnte der große Gewinner der Vorbereitung sein und die Abwesenheit von Richter erfolgreich für “Eigenwerbung” genutzt haben. Seine Erfahrung und auch defensive sowie offensive Qualitäten sind sein Trumpf. Georg Teigl, der auf der rechten Außenbahn zuhause ist, wird kein Backup mehr sein wie die letzten Jahre. Er verlässt den FCA und wechselt in seine Heimat zu Austria Wien. Das gab der FCA am vergangenen Montag bekannt.

RoGaz Prognose: Links kommt keiner an Ruben Vargas vorbei. Rechts gibt es ein enges Rennen zwischen Jungspund Marco Richter und den beiden Oldies Caligiuri und Hahn. Je nach taktischer Ausrichtung ist auch eine Job-Rotation denkbar bzw. möglich. Aufgrund Marcos Verletzung geht der Ex-Schalker Daniel Caligiuri wohl erstmal als Favorit auf Rechtsaußen in die Saison. Aber Noah Sarenren Bazee sollte man nicht abschreiben, denn dieser ist im fitten Zustand eine echte Waffe auf außen!

Abteilung Attacke!

So, jetzt kommen wir zum Prunkstück der Augsburger Formation, dem Sturm! Hier hat Heiko Herrlich zwei wirkliche Vollblut-Angreifer zur Auswahl, Flo Niederlechner und Alfred Finnbogason. Während ersterer seine Premierensaison im Augsburger Dress furios absolvierte, ist der oft verletzte und mittlerweile 31jährige Isländer schon eine richtige Institution in der Fuggerstadt und war vor Niederlechner im Sturm unumstritten. Finnbo merkt man jedoch deutlich an, dass es ihm nach einer Verletzung schwer fällt, wieder in den Spielrhythmus zu kommen. Gerade im Sturm braucht man als Spieler Fitness, Spielpraxis und die Bindung zum Spiel.

Nachwuchsstürmer Maurice Malone, den ich schon das ein oder andere Mal als Nachwuchshoffnung im Augsburger Sturm betitelt habe, wurde zuletzt an Drittligist Wehen-Wiesbaden verliehen, unser Edel-Joker Sergio Cordova an den Ligakonkurrenten Arminia Bielefeld. Marco Richter, Andre Hahn und Michael Gregoritsch können ebenfalls im Sturm spielen und sind sicherlich sinnvolle Alternativen, wenn die beiden erstgenannten auszufallen drohen!

Erstmal quält Herrlich jedoch bestimmt die Frage, welchen Akteur er im bevorzugten System mit einem Stürmer spielen lässt von Beginn an. Flo empfiehlt sich mit einer phänomenalen Torquote, Finnbogason als letztjähriger dritter Kapitän glänzt mit Augsburger Erfahrung im Abstiegskampf und einem guten Standing im Verein. Auch hier: Qual der Wahl. Bei einem System mit Doppelspitze ist die Frage jedoch überflüssig.

Keine Alternativen im Sturm (mehr) sind Julian Schieber, der sich Medienberichten zu Folge auf Empfehlung des FCA einen neuen Verein suchen darf – aber noch keinen gefunden hat bis dato. Und weiterhin Nachwuchsspieler Seong-hoon Cheon aus der U23 – Regionalliga – Mannschaft, der jedoch keine Rolle aktuell bei der 1. Mannschaft zu spielen scheint und eher für die “Zwote” eingeplant ist.

RoGaz Prognose: Flo Niederlechner – who else? Der Bomber vom Wertachstrand geht als Platzhirsch in die Saison. Finnbo ist aber ein adäquater Widersacher. Es wird spannend. Ich hätte persönlich gerne noch einen Backup – wie Malone oder Cordova behalten. Gerade Sergio Cordova hat immer sehr gute Leistungen gezeigt bei seinen Joker-Einsätzen und das ein oder andere wichtige Tor erzielt für den FCA. Seine Leihe – zu einem direkten Konkurrent – finde ich eher unglücklich. Wenn er jedoch dort richtig aufblüht und als Torschützenkönig der Bundesliga zurückkommt, der FCA und Arminia die Klasse halten und er beim FCA langfristig bleibt – ja, dann hab ich nix dagegen! Im Sturm haben wir derzeit nur Luxusprobleme. Wenn Niederlechner weiterscort und Finnbo einigermaßen wieder in Tritt kommt, dann haben wir einen Bomben-Sturm! Im wahrsten Sinne des Wortes.

Quo vadis, FCA?

Ja, der Kader wirkt verdünnt, ob der ganzen Personalabgänge. Und doch ist ein kleiner Umbruch ersichtlich. Max ist weg, Luthe ist ebenso weg und Daniel Baier wird schwer vermisst. Jetzt zeigt es sich, wie sich der FCA mit der neuen Mannschaft mit neuem Gesicht präsentiert. Eine neue Rangordnung muss sich noch bilden oder ist gerade auf dem Weg dorthin.

Und ob dieser Kader für die Bundesliga reicht? Eine 10. Saison mit dem FCA in der deutschen Fußballbundesliga. Ja, man muss mich ab und an noch kneifen, denn das ist gigantisch! Das Potenzial ist wie immer da, definitiv. Einiges an Erfahrung ist von Bord gegangen, mit dem Karriereende von Lichtsteiner und mit den Abgängen von Baier, Max und Luthe. Das schmerzt schon etwas, um ehrlich zu sein. Gerade im Abstiegskampf braucht man diese Erfahrung an der ein oder anderen Stelle.

Schon das kommende Wochenende zeigt sich gegen den Oberligisten Celle, wie gut der Kader vorbereitet ist. Obwohl Celle selbst an einem guten Tag kein Gradmesser sein sollte. Jedoch schreibt der DFB-Pokal – sicherlich auch zu Corona-Zeiten – seine eigenen Geschichten und hat bekanntlichermaßen seine eigenen Gesetze. Aus Augsburger Sicht kann man nur sagen: Hoffentlich nicht an diesem Samstag. Der erste potenzielle Stolperstein liegt jedoch nun vor den Augsburger Füßen und es wird sich zeigen, ob der Kader diesen locker-flockig überspringt oder ob er über den Stein stolpern wird und erstmals in der Saison taumelt. Danach liegt der Fokus voll auf der Bundesliga. Und ich hoffe, ich kann stolz sein auf dieses Team. Auf dieses neue Augsburger Team!

Bis dahin: Gut Kick, Jungs. Egal, wer da so auf dem Platz steht.

O Captain! My Captain!

Nachdem der FC Augsburg zu Anbeginn der Sommerpause sich von etablierten und erfahrenen Kräften wie Daniel Baier, Andreas Luthe, Stephan Lichtsteiner und zuletzt von Philipp Max trennte, stellt sich nun zum Ende der Vorbereitungsphase die elementare K-Frage. Wer wird Augsburgs neuer Captain und tritt damit in die (gewaltigen) Fußstapfen unser ehemaligen Nummer 10 – Daniel Baier? Wer sind die Stellvertreter und wer komplettiert den Mannschaftsrat – nach den Abgängen von Luthe und Max?

Who’s next?

In Augsburg spricht man diesertags gerne von einem vollzogenen Umbruch, den man zu Beginn der vergangenen Saison eingeläutet und nun vollendet hat. Bekannte Gesichter wechselten erstaunlich frühzeitig an den Lech. Unter anderem Tobi Strobl und Daniel Caligiuri – zwei etablierte Spieler in der deutschen Fußballbundesliga mit etlichen Profijahren auf dem Buckel. Beide Fußballer haben sicherlich die Klasse und den Erfahrungsschatz, um die Kapitänsrolle vollwertig auszufüllen. Caligiuri und Strobl wollen beide auch gemäß eigener medialer Aussage vorangehen auf dem Platz. Caligiuri zur Augsburger Allgemeine: “Ich will (…) jemand sein, der vorangeht, unabhängig von der Kapitänsbinde.” Tobi Strobl durfte schon einmal reinschnuppern ins Kapitänsamt beim FCA. Beim Testspiel gegen Türkgücü München gab Strobl sein Debüt im Augsburger Dress und dies sogleich als Kapitän!

Jeffrey Gouweleeuw durfte schon bei einigen Gelegenheiten die Binde tragen. Was ihm als Kapitän i im Wege steht? Am ehesten wohl seine eigene Verletzungsanfälligkeit. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Anspruch aus den “eigenen Reihen” dürften sicherlich Jeff Gouweleeuw, Alfred Finnbogason und Rani Khedira anmelden. Jeff und Alfred waren zuletzt auch die legitimen Stellvertreter von Daniel Baier, wenn dieser mal nicht auf dem Feld stand. Außenseiterchancen haben sicherlich Florian Niederlechner, als gesetzter und ambitionierter Mittelstürmer. Und der zuletzt wenig präsente André Hahn. Überraschend wäre es durchaus, wenn unsere vermeintliche Nummer 1 – Rafal Gikiewicz – neuer Kapitän werden würde. Auch Michael Gregoritsch oder Carlos Gruezo wären eine handfeste Überraschung. Die Jungspunde Felix Uduokhai, Ruben Vargas, Iago und Marco Richter ziehe ich hier einmal nicht weiter in Betracht – genauso wie übrigens unser Eigengewächs Frami.

Leader, wir brauchen Leader!

Doch was macht einen richtigen Kapitän in der Praxis aus? Es reicht eben heutzutage nicht mehr aus, der dienstälteste Spieler im Kader zu sein und sich mit Verein sowie Stadt vollkommen zu identifizieren. Diese Vorstellung lieben sicherlich wir Fans, zurecht! Aber dann wäre “Frami” unser neuer Kapitän.

Jede(r) in Augsburg weiß: Raphael Framberger kann fliegen. Und die romantisch-veranlagte Fanseele könnte sich keinen besseren Kapitän wünschen, als das Augsburger Eigengewächs. (Photo by Tobias Hase/Pool via Getty Images)

Auch ist nicht der lauteste oder medial präsenteste Kicker der beste Capitano, denn dann würde Michael “Gregerl” Gregoritisch ziemlich schnell ins Visier geraten. Viel mehr kommt es auf die Leadermentalität und Führungskompetenz an: Der neue Kapitän muss ein gewisses Standing in der eigenen Mannschaft haben und den Gegnern Respekt abnötigen. In Zeiten, in denen nichts läuft beim eigenen Team, muss der Kapitän auch mal unangenehm werden und ein Zeichen setzen. Man sagt auch: Auf dem Platz voran gehen! Und der Captain spielt gemäß einer populären Fußball-Weisheit immer! Der Kapitän hat also auch ein wenig Druck – und dem sollte er gewachsen sein. Ein zartes Pflänzchen, ein zart besaiteter Spieler würde hier vermutlich verzagen oder gar versagen. Ein Kapitän sollte durchaus vernünftig sein, präsentiert er sein Team doch nach außen und ist erster Ansprechpartner des Schiedsrichters. Fairplay ist also kein Fremdwort für den Capitano.

Wichtig ist bei der Auswahl sicherlich auch die Meinung von Coach Heiko Herrlich: Wer kann auf dem Spielfeld der “verlängerte Arm” des Trainers sein? Wem vertraut Herrlich und sein Trainergespann an dieser Stelle am meisten? Wer wird den Ansprüchen und Werten des FCA als Verein gerecht? Fragen über Fragen und sicherlich auch die Qual der Wahl. Die Augsburger Allgemeine hatte zuletzt eine Umfrage gestartet unter den Fans – mit dem Ergebnis: Jeffrey Gouweleeuw wäre der neue Kapitän des FCA, seine Stellvertreter heißen sodann Florian Niederlechner und Rani Khedira. Nicht die schlechteste Wahl, die die Anhänger hier getroffen haben.

An Florian Niederlechner und seinen Toren konnte sich das Team in der letzten Saison des öfteren aufrichten. Ist er vielleicht der neue Kapitän? (Photo by Sascha Steinbach/Pool via Getty Images)

Wie ein Kapitän auf einem Schiff – ein Kapitän muss die Mannschaft steuern und den Laden zusammenhalten.

Gut Kick, Captain!

Zu guter Letzt kann man den Verantwortlichen des FCA nur ein glückliches Händchen bei der Auswahl wünschen. Und man möchte ja insgeheim auch nicht in deren Haut stecken, diese Wahl treffen zu müssen. Vielleicht erleben wir eine Überraschung? Vielleicht aber folgen die zuständigen “Wahlbeauftragten” dem Voting der Augsburger Allgemeinen. Wer weiß!

Vielleicht sehen wir den neuen Captain auch schon gegen MTV Celle im DFB-Pokal-Auftakt. Dem neuen Mannschaftsführer wünscht man eine lange Amtszeit, Rückendeckung von den Fans und eine erfolgreiche Saison, durch die er sein Team sodann führt. Und als Fan hoffe ich, dass die Wahl auf jemanden trifft, der dieses Amt verdient und gut umsetzen kann. Und nicht einfach nur der kräftigste Ja-Sager im Kader ist und sich am besten verkaufen kann. Denn Kapitän sein bedeutet weit mehr als nur eine Binde am Arm zu tragen!

7 Fragen, 7 Sekunden – Review zu Season 1

Man nehme einen bekannten Fußballprofi und stelle ihm 7 Fragen für die er jeweils 7 Sekunden für die Beantwortung Zeit hat. Anschließend veröffentlicht man dies natürlich als Video auf Instagram und Facebook. Heraus kommen viele Lacher, gute Laune für den Betrachter und eine Imageaufwertung für den Verein. In Zeiten der Digitalisierung und der weltweiten Pandemie ein einfaches aber probates Mittel, die Fans online zu erreichen und kurzweilig zu unterhalten. The trend is your friend!

7 Fragen, 7 Sekunden… äh, what?

Mit dem Beginn der Rückrunde der Saison 2019/2020 hat der FCA auf seinen Social Media Kanälen die sogenannte “7 Fragen, 7 Sekunden” Challenge ins Leben gerufen. 7 ausgewählte Fragen – darunter Fragen zum FCA, zur Stadt Augsburg, zur Bundesliga und natürlich mindestens eine Fangfrage. Aber auch trickreiche Aufgaben à la “Buchstabiere deinen Nachnamen” sind dabei. Jetzt kommt’s auf, wer in der Grundschule gut aufgepasst hat! Die Spieler vor der Kamera haben dann jeweils ganze 7 Sekunden Zeit, zu antworten. Ziel ist es natürlich, möglichst viele Fragen richtig zu beantworten. Und das ist gar nicht so einfach.

Neu sind solche Aktionen auf Social Media Plattformen hierbei längst nicht mehr. Man erinnere sich an die sogenannte ALS Ice Bucket Challenge aus dem Jahr 2014 oder auch die letztjährige Toilettenpapier Challenge auf Insta und Facebook! Oft haben diese Challenges einen karitativen Charakter, zum Beispiel, um für ALS-erkrankte Spenden zu sammeln und über Erkrankungen generell zu berichten. Mittlerweile haben diese Aktivitäten vermehrt einen Entertainment-Faktor, sind “trendy” und sollen primär kurzweilig für Unterhaltung sorgen. Wer Gefallen an solchen Social Media Videos findet, kann sich einmal auf der Plattform TikTok umsehen – dort gibt es dies zuhauf (Datenschutzprobleme inklusive).

Insgesamt erinnert die Aktion des FCA ein wenig an die “7 Second Challenge” des FC Barcelona auf YouTube aus dem Jahr 2019. Also scheinbar nix neues im Fußballumfeld. Nur, wie haben es die bayerischen Schwaben umgesetzt?

Wir sind Augsburger – und DU nicht!

Der FCA macht ein wenig sein eigenes Ding draus. Man könnte fast sagen einen bayerisch-schwäbische “Remix”. Das medienwirksame Konzept ist hierbei denkbar einfach: Ein bekannter Profi, ein paar profane Fragen und einige Lacher bei den Fangfragen. Nachdem ich mir die Vol. 1 – also alle Videos, die in der Rückrunde der Saison 19/20 veröffentlicht wurden, in einem Rutsch zu Gemüte geführt habe – hab’ ich ein Fazit für mich selbst gezogen, an dem ich euch nachfolgend teilhaben lassen möchte. Wenn ihr euch die Folgen auch anschauen wollt, dann nicht alle auf einmal – wie ich es gemacht habe. Dann hängt es einem etwas zum Hals raus, so viel schon einmal vorab.

Doch fangen wir mal ganz von vorne an… Daniel Baier, unser mittlerweile Ex-Kapitän, sorgte Anfang Januar für den gelungenen Auftakt: War er bei der Frage nach seinen drei Lieblingssongs (“Anton aus Tirol, Hulapalu, Atemlos”) für die Dusche recht zielstrebig, konnte er seinen Vornamen nicht rückwärts buchstabieren. Auch mit dem Nachnamen hat’s nicht so recht geklappt. Ein Bestechungsversuch, um diesen Teil rauszuschneiden aus dem Video, schlug leider auch fehl. O-Ton Daniel Baier: “Mach nochmal, Alter!” – und sorgte für einige Lacher.

Jedoch ungeschlagenes Highlight dieses ersten Videos war die Frage nach der Hymne des FCA: Daniel Baier sollte einen Teil der Vereinshymne des FCA vervollständigen und war sich selbst auf mehrmalige Nachfrage seeeehr, sehr sicher, dass dies “denn wir sind Augsburger … und DU nicht!” heißt. Ich hoffe, ihr treuen FCA-Fans findet den Fehler selbst 🙂 Daniel Baier hätte das aber nach fast 12 Jahren im Verein aber eigentlich auch wissen können…

@Daniel Baier: Hier besser nochmal reinhören!

Wobei sich Baier hier in prominenter Gesellschaft befindet: Auch Andre Hahn konnte sich nicht an den richtigen Songtext erinnern – “…rot-grün-weiß sind die Farben unserer STADT…” anstatt “unseres Traums”. Philipp Max und Raphael Framberger hingegen hatten es etwas einfacher mit dem Ausschnitt der Hymne und beantworteten ihre Fragen dementsprechend auch richtig. Bemerkenswert an dieser Stelle Tomas Koubek, der seinen Vornamen auf Englisch richtig rückwärts buchstabiert hat. Respekt! So viel Sicherheit wünscht man dem gutmütigen Tschechen auch auf dem Spielfeld… Wahrscheinlich hat sich diese Art der Fragestellung ganz schnell in der Kabine herumgesprochen und die Spieler sind mittlerweile gut vorbereitet.

Ganz schön tricky Fragen hier!

Wie schnell doch 7 Sekunden um sein können. Das musste der ein oder andere Profi auf die harte Tour lernen. Die Zeitbeschränkung machte hierbei dem ein oder anderen ziemlich zu schaffen. Bestes Beispiel waren hierbei Marek Suchy und Carlos Gruezo, die beide mit den auf Deutsch gestellten Fragen Probleme hatten und 7 Sekunden natürlich dann sportlich werden für Nicht-Muttersprachler.

Aber Fußballer wären natürlich nicht Fußballer, wenn man nicht über jede Kleinigkeit diskutieren würde: Daniel Baier diskutierte mit dem Moderator genauso wie Marco Richter und Rani Khedira über die Zeit und über die Antworten. Oder generell auch über die dummen Fragen. Hierüber hab ich am meisten geschmunzelt, denn in diesen Situationen ist nix gekünstelt oder gestellt gewesen.

Die Fangfragen hatten es teilweise in sich. Und die Furcht davor war den Spielern deutlich anzumerken. Die besten Antworten auf die Fangfragen waren für mich..

=> Wie viele Monate haben 28 Tage? – Alle! (Lichtsteiner: 1)

=> Wie viele Haare sind auf einer Vollglatze? – Keine (Vargas: 1000 Haare)

=> Was wiegt mehr – Ein kg Grashalme oder ein kg Federn? – Beides wiegt gleich viel (Hahn: Grashalme)

=> Die Mutter vom Mann im Mond hat 3 Kinder – La, Le und ….? – Mann im Mond (Uduokhai: Lu)

=> Zwei Fischer sagen zueinander Petri Heil – Zwei Jäger zueinander Weidmannsheil – was sagen zwei Päpste zueinander? – Es gibt keine zwei Päpste (Teigl: Papa Heil)

Hier mal meine Frage an euch: Wie viele hiervon hättet ihr richtig beantwortet? Schreibt es doch einmal in die Kommentare.

Das Alphabet hat 25 Buchstaben – oder etwa nicht?

Für Schenkelklopfer haben auch einige Augsburger Fußballprofis gesorgt. Beispielsweise Innenverteidiger Felix Uduokhai. Auf die Nachfrage, wer oder was ein Udo ist, antwortet Felix “Lindenberg” (Anm.: Sänger Udo Lindenberg). Ein Udo ist jedoch eine nigerianische Vase – das weiß doch jedes Kind!

Marco Richter erwischte bei “7 Fragen, 7 Sekunden” keinen Sahnetag. (Foto via Imago)

Während Marco Richter denkt, die chemische Formel für Wasser ist CO2, dachte Jan Moravek, dass das Alphabet 25 Buchstaben hat (kleiner Hinweis am Rande: es sind 26). Noah Sarenren Bazee soll eine Augschburger Spezialität nennen und antwortet sodann “Nudeln” – damit hat er die Lacher ebenfalls auf seiner Seite. JA, sagamol, kennt der denn koin Datschi? Ebenfalls wenig informiert war Ruben Vargas, der offensichtlich denkt, dass im Wappen des AEV ein Bär abgebildet ist. Scheinbar interessiert sich der Schweizer nicht sonderlich für Eishockey.

Es geht aber auch anders: Unser Routinier Stephan Lichtsteiner, mittlerweile hat er sein Karriereende medial verkündet, kannte den Augsburger Schäfflerbach. Georg Teigl scheint ein Geographie-Ass zu sein und weiß, dass neben der Schweiz auch Tschechien sowohl an Deutschland als auch an Österreich grenzt.

Funfacts am Rande

Wir erfahren auch ziemlich viel über die Fußballer selbst. Die meisten Spieler können sich noch sehr gut an die Anfänge ihrer Karrieren erinnern – wie beispielsweise an das erste Tor in der Bundesliga oder an das Jahr ihres Bundesligadebüts.

Auch einige Funfacts erfährt man in den knapp dreiminütigen Videos: Zum Beispiel wissen wir Fans nun, dass die Lieblingsband unseres isländischen Stürmer Finnbogason Oasis ist und dass Felix Uduokhai am liebsten Game of Thrones schaut. Zudem hat Nachwuchsprofi Jozo Stanic gegen Raphael Framberger keine Chance auf der PS4. Georg Teigl ist oft privat als Fotograf unterwegs und spielt ebenso gut Klavier wie Fußball. Dies kann man auch auf seinem Insta-Account bestaunen. Richtig gut, Schorsch!

Georg Teigl glänzte abseits des Platzes (Foto via Imago)

Marco Richter war in der Regenbogengruppe im Kindergarten, daher kann er alle Farben des Regenbogens richtig beantworten. Chapeau, Marco! Tobias Werner, mittlerweile Sportdirektor bei Carl-Zeiss Jena, wurde mit mit dem Challenge-Video quasi verabschiedet und outet sich als großer Roger Federer Fan. Während Bazee “Candyshop” unter der Dusche singt, hört Philipp Max “All of Me” im Auto. Und Eduard Löwen würde “was von Justin Bieber” singen, wenn er denn zum Einstand irgendwo etwas singen müsste.

Zeugwart Salva, ebenfalls ehemaliger FCA-Spieler, ist seit 1994 beim FCA im Dienst und plauderte munter aus dem Nähkästchen: Während er bereitwillig erzählt, dass Daniel Baier der sorgsamste und ordentlichste FCA Spieler ist, werden die Angaben zu dem gegenteiligen Extrem tonal zensiert. Schade! Ebendieser Salva ist übrigens auch fast vom Glauben abgefallen, als er hörte, dass Finnen mehr Kaffee trinken als Italiener. Beschwerden gehen dann bitte direkt an Freddy Jensen!

Wusstet ihr eigentlich, dass Tomas Koubek als erstes deutsches Wort “Scheiße” gelernt hat? Zudem würde ich Marco Richter niemals als Touristenführer einstellen, denn er weiß nicht mal die Adresse der WWK-Arena. Er selbst sagt, er findet aber auch so hin. Na, da sind wir ja beruhigt, Marco.

Season 2 – incoming!

Die zweite Staffel ist schon in den Startlöchern. FCA Neuzugänge Strobl und Caligiuri wurden schon in die Mangel genommen. Doch diese möchten wir in einem separaten Beitrag begutachten.

Die erste Staffel hat mir ganz gut gefallen – natürlich sollte man niemals wie ich – alle Videos an einem Stück schauen. Das ist einfach ein richtiger “information overload” – ich hoffe, ihr versteht was ich meine. Wenn man diese Videos jedoch direkt nach Veröffentlichung auf den Kanälen des FCA ansieht, wird man kurzweilig unterhalten und erfährt somit auch ein wenig neues über die sonst so souveränen und abgebrühten Profifußballer.

Die erste Staffel haben zwei Tschechen und ein Weltmeister-Bruder “gewonnen”, nämlich Koubek und Suchy sowie Khedira mit jeweils sechs richtigen Antworten. Gratulation! Ganz hinten zu finden waren die Jungspunde Marco Richter und Noah Sarenren Bazee mit mickrigen zwei korrekten Antworten. Bei jedem einzelnen Teilnehmenden hat man den Ehrgeiz eines Fußballprofis gespürt, denn keiner wollte klein bei geben oder falsch liegen. Man muss aber auch dazu sagen, dass der Schwierigkeitsgrad variiert hat. Natürlich haben die Nicht-Muttersprachler beispielsweise etwas einfachere Fragen bekommen. Auch hatten zwei, drei Spieler das Glück, keine Fangfrage abbekommen zu haben.

Florian Niederlechner holt sich Tipps bei den “7 Fragen, 7 Sekunden” Gewinnern Marek Suchy, Tomas Koubek und Rani Khedira. Wer gewinnt Season 2 von Augsburgs härtester Quizshow? (Foto via Imago)

Diese Funfacts und Fangfragen fand ich echt super interessant und amüsant – der Rest, naja, ist seicht und leicht unterhaltend. Also ungefähr so toll wie Geisterspiele. Aber man kommt damit klar. Ich bin dankbar, dass der FCA uns mitnimmt als Fans. Vor allem in Zeiten der Pandemie und des “Zuhause bleibens”. Zumindest bei den Spaßvideos sind wir als FCA ganz weit vorne medial mit dabei. Und erfahren auch mal neues über unsere Profis, die wir sonst auf dem Rasen anfeuern und deren geschönte Insta-Bilder oft nicht die Realität zeigen.

Sympathisch fand ich eigentlich fast alle Auftritte – zum Beispiel den sich selbst nicht zu ernst nehmenden Schorsch Teigl, den bescheidenen Framberger, den leicht ausrastenden Daniel Baier (ich vermisse ihn jetzt schon!), den urig-schwäbelnde Salva und auch den dauer grinsenden Uduokhai – um mal ein paar wenige zu nennen, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Schön auch zu sehen, dass diese Profis sich nicht alle total selbstsicher vor der Kamera bewegen, sondern auch teilweise richtig nervös und schüchtern sind -zu sehen beispielsweise bei Finnbo, Jan Moravek, Ruben Vargas oder Felix Götze.

Persönlich freue ich mich heute schon auf die zweite Staffel, um unsere vermeintlich neue Nummer Eins im Tor – Rafal Gikiewicz – besser kennen zu lernen oder auch die, die noch nicht dran waren – wie bspw. Gregerl, Freddy Jensen oder Iago – dabei zu beobachten, wie sie sich bei dieser Challenge so schlagen. Lustig ist dieses Format alle mal, die Fangfragen haben es in sich und viele Lacher lockern die Videos auf. Was ich weiterhin noch toll finde, ist, dass die Profis offensichtlich auch viel über den Verein und die Stadt wissen. Wenn jetzt Baier und Hahn noch die Hymne lernen, dann bin ich vollends zufrieden. (Wobei Baier das nun egal sein kann, leider… Ihr versteht.)

So viel nun von mir – es würde mich an dieser Stelle jetzt einmal interessieren: Wie findet ihr dieses Format? Kultig oder eher trashig? Seid ihr gespannt auf Season 2? Schreibt es doch gerne in die Kommentare.

Haifischbecken Profifußball?

“Wenn du nur einmal eine halbe Stunde meinen Kopf hättest, dann würdest du verstehen, warum ich wahnsinnig werde.”  – Vor rund 11 Jahren nahm sich der deutsche Nationaltorhüter Robert Enke selbst das Leben. Er litt lange Zeit unbemerkt an Depressionen. Und verlor – auch durch die Bedingungen in der Fußballwelt – seine Lebenslust. Ganz Fußballdeutschland war und ist immer noch erschüttert. Man muss sich derzeit jedoch unweigerlich die Frage stellen, was der (Profi-)Fußball davon gelernt hat. Die zuletzt geäußerten Rücktritte von großartigen Spielern wie Schürrle und Höwedes haben medial hohe Wellen geschlagen. Und seit Per Mertesacker Anfang 2018 gestand, am Druck im Profilfußballgeschäft fast zerbrochen zu sein, stellt man sich zurecht die Frage nach dem Warum.

“Basti Fantasti” tritt ab – 2007

Im Jahre 2007 hat Fußballdeutschland erstmalig den Atem angehalten: Sebastian Deisler, Mittelfeldstratege des großen FC Bayern München, hatte gerade vor laufenden Kameras sein Karriereende mit jungen 27 Jahren bekannt gegeben. “Basti Fantasti”, so sein Spitzname aufgrund seiner großartigen Fähigkeiten auf dem Platz, hatte im Laufe seiner Karriere mit vielen Verletzungen zu kämpfen und war das Fußballgeschäft müde geworden.

Deisler in prominenter Runde im Trainingslager des FC Bayern. Was nach Spaß aussieht war keiner mehr. (Photo by Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)

Nach 5 Knie-OP’s und diversen Zukunftssorgen beschloss Deisler nun sehr früh, seine Karriere im Fußballzirkus zu beenden. Er erklärte damals: „Ich habe die Freude und den Spaß verloren. Es war zuletzt für mich eine Qual. Ich kann nicht mehr“ Und er ging noch weiter: „Ich habe Krieg geführt gegen mich, bis ich es nicht mehr ausgehalten habe.“ Deisler zieht sich in Folge zurück, verbarrikadiert sich und schließt mit dem Profifußball ab. Reich sein habe ihn nie glücklich gemacht. „Ich war oben angekommen und vor der Tür stand ein Mercedes. Aber das alles hat mich nicht glücklich gemacht“, so Deisler damals.

Ein alter Kollege von Deisler wechselte ebenfalls mit 27 vom Profifußball zum Lehramt – von jetzt auf gleich. Tobias Rau, Nationalspieler, beschreibt dies so: “Ein wichtiger Grund waren die Verletzungen. Ich habe mich immer und immer wieder rangekämpft. Irgendwann war das Feuer weg.“ Heute ist er Lehrer an der Gesamtschule in Borgholzhausen in Nordrhein-Westfalen, fernab des Milliardengeschäft des Fußballs.

Der Verlust von Robert Enke – 2oo9

Der Nationaltorhüter Robert Enke zeigte stets Topleistungen in der deutschen Bundesliga, doch zahlreiche private Schicksalsschläge zeichneten ihn. Lange Jahre litt er unentdeckt an Depressionen. Einst wurde er beim großen FC Barcelona als neue Nummer eins gehandelt. Jedoch wurde wegen Versagensängsten, Selbstzweifeln und Heimweh daraus nichts. Erst 2004 – nach seinem Wechsel zu Hannover 96 – fand Enke nach längerer Auslandsodyssee den sportlich passenden Verein. Dort wurde er auf Anhieb Stammtorhüter und sagte anderen namhaften Clubs aufgrund der Treue zum Verein ab.

Was hat sich 10 Jahre nach dem Tod von Robert Enke getan? Der Druck im Profifußball ist immer noch immens. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)

Die Menschen in und um Hannover verehrten ihn, auch der Rest Fußballdeutschlands schätzten den so ruhigen Torwart sehr. Enke wollte seine Erkrankung, die schon lange ärztlich bekannt war, selbst nicht öffentlich machen, man fand medial andere Gründe. Enke spielt wegen einer Grippe nicht, hieß es dann. Aus Angst vor beruflichen Konsequenzen zog Enke es vor, seine Krankheit zu verheimlichen und wollte sich nicht in einer Klinik behandeln lassen. Bis zum Schluss hielt er seine Krankheit vor Fans, vor allen geheim und keiner schöpfte je Verdacht. Mit 32 Jahren nahm sich Enke 2009 nach vielen Jahren innerlichem Kampf im Hannoveraner Umland das Leben.

Der Fall Rafati – 2011

Der ehemalige Bundesliga-Schiedrichter versuchte sich Ende 2011 an einem Bundesligaspieltag, das Leben zu nehmen. Er erschien zu Anpfiff der Partie nicht im Stadion, seine Assistenten fanden ihm im Hotelzimmer. Rafati konnte geholfen werden und er bekannte sich öffentlich zu seiner Krankheit.

Als hart kritisierter Schiedsrichter hat auch Rafati damals viel einstecken müssen, wie Kritik, Anfeindungen. Der permanente Leistungsdruck habe ihn dann krank gemacht, so Rafati. “Meine Erwartungen an mich selbst und die damit einhergehenden Existenzängste waren immens. (…) Schließlich hielt ich dem Druck nicht mehr stand. Ich wurde depressiv.” Heute ist er Mentaltrainer und klärt andere über Depressionen auf.

Ehrlich, Ehrlicher, Per Mertesacker – 2018

Per Mertesacker ist mit seinen zwei Metern Körpergröße ein gestandener Mann und lernte vielen Stürmern das Fürchten. “Big Fucking German” nannten sie ihn fast ehrfürchtig in England. Doch wie oft er sich an schlechten Tagen vor dem Betreten des Spielfeldes und dem damit verbundenen Leistungsdruck fürchtete, das war ihm nicht anzusehen. Mertesacker schilderte der Öffentlichkeit eingehend, “Vor jedem Spiel habe sein Körper mit Brechreiz und Durchfall gestreikt.”

Per Mertesacker ging kurz vor seinem Karriereende offen mit den mentalen Herausforderungen des Profifußballs um. (Photo by Marc Atkins/Getty Images)

Aus Angst und auch aus einer gewissen Schamhaftigkeit hat er diese Gefühlslage stets verborgen. Auch berufliche Konsequenzen fürchtete der ehemalige Innenverteidiger, zuletzt war er für Arsenal am Ball. Warum “Merte” kurz vor seinem Karriereende nach 15 Jahren Profifußball “ausgepackt” hat? Er wollte “für die nachfolgenden Generationen auch die Schattenseiten des angeblichen Traumberufes ausleuchten”. Nach dem Karriereende wirkte er wie von einer unglaublich großen Last befreit.

Die Karriereenden von Schürrle, Höwedes – 2020

Heute, im Jahr 2020 und in Zeiten der Covid-19- Pandemie, gaben die beiden Weltmeister André Schürrle und Benedikt Höwedes ihre Karriereenden bekannt.

Höwedes ist 32, hat zuletzt in Russland gespielt. Er berichtet im Spiegel, dass er – ähnlich wie Deisler – dem Luxus des Profifußballs nichts abgewinnen konnte, die Werte in der Fußballgesellschaft nicht mehr leben konnte. Dies bemerkte Höwedes 2017 am eigenen Leib. Er wurde auf Schalke, seinem langjährigen Stammverein, zuerst als Kapitän abgesetzt und dann auf die Bank versetzt. “Ich wusste, dass es in dem Geschäft knallhart zugeht. Aber ich hatte immer nur die Sonnenseite kennengelernt. Dann habe ich die volle Breitseite bekommen”, so der Weltmeister von 2014. Höwedes kritisiert die Entwicklung des Fußballs, dieser hat sich brutal entwickelt” und “immer weiter distanziert von den normalen Fans”. Höwedes zieht nun aus eigener Kraft den Schlussstrich und verabschiedet sich aus dem Profifußball.

Gerade noch auf dem Platz und ein paar Monate später den Schlussstrich unter eine große Karriere gezogen, auch weil das Geschäft Profifußball brutale Seiten hat: Benedikt Höwedes. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Auch André Schürrle gab zuletzt sein Karriereende bekannt: Mit 29 Jahren hat der Weltmeister von 2014 dem Profifußball nun den Rücken gekehrt. Schürrle, einst ein Ausnahmetalent, teilte seine Entscheidung auf Instagram mit. Er berichtete von Einsamkeit, dass Tiefen zunahmen und die Höhepunkte immer geringer wurden. Und das Ausblenden von Gefühlen bemängelt er: “Man muss ja immer eine gewisse Rolle spielen, um in dem Business zu überleben, sonst verlierst du deinen Job und bekommst auch keinen neuen mehr”. Sein Leben geht nun jenseits der Öffentlichkeit weiter, freut Schürrle sich auf seinem Instagram Account auf die neuen Herausforderungen und einen neuen Lebensabschnitt.

Quo vadis, Profifußball?

Depression zeichnet sich gemäß der WHO durch große Niedergeschlagenheit aus – eine große Leere im Innern ist nicht selten bei den Betroffenen. Weiterhin erfreuen sich Personen an Dingen kaum bis gar nicht mehr, die vor der Krankheit ein Hobby waren oder Spaß machten. Zuletzt ist eine Antriebslosigkeit zu bemerken, die eine innere Müdigkeit aufzeigt. Eine tiefgreifende, seelische Erkrankung, die negativen Gedanken sind an der Tagesordnung. Man kommt aus diesem Teufelskreis selten allein wieder raus.

Depressionen sind das eine große Extrem. Viele Profisportler kommen aber – wie auch Höwedes und Schürrle zuletzt – mit dem enormen Leistungsdruck und dem medialen Umfeld nicht zurecht. Auch ausbleibender Erfolg kann eine große Last sein. Daher muss man sich die Frage stellen, ob der Profifußball nicht doch eine Art Haifischbecken ist. Heute der Held und morgen der Depp. Im Profifußball ist auch heute noch kein Platz für Schwäche. Aber der Weg, aufzuhören, dem Business noch einen Wink mitzugeben und mündig zu sein, das ist respektabel – wie André Schürrle dies zuletzt handhabte. Das ist menschlich und Fußball als schönste Nebensache der Welt muss das sein. Oder besser: werden. Denn hieran ist wirklich noch zu arbeiten. Ein gutes Beispiel ist hier der BVB, der trotz der langen Stoffwechselerkrankung von Mario Götze nie an diesem gezweifelt hat medial und an im festgehalten hat. Und Schürrle zieht jetzt die Notbremse, bevor es zu spät ist, denn das “in sich hineinfressen”, das “stumme Leiden”, macht die Sache nicht besser. Eher im Gegenteil.

Per Mertesackter freute sich damals schon sehr auf sein Karriereende, denn dann wird er seinen eigenen Worten nach mit über 30 Jahren zum ersten Mal in seinem Leben frei sein. Heute ist der mittlerweile 35jährige Trainer und Experte.

The future is now

Sebastian Deisler hat den Ausweg geschafft. Er schrieb ein Buch darüber. Seine Biografie – mit dem Titel “Zurück ins Leben”. Der Berliner Tagesspiegel schrieb damals: „Sebastian Deisler reißt sich ein tiefes Loch ins Herz, um sich wieder selbst zu gehören. Es ist, als öffne sich für ihn ein neuer Horizont. Ein Horizont ohne die alten Ängste, Qualen, ohne Seelenschmerz“.

Robert Enke verlor diesen Kampf. Damals hieß es auf einer Pressekonferenz: “Wir müssen heute über ein Tabuthema in der Bundesliga sprechen. Robert Enke hatte Depressionen“. Robert Enke konnte seine Krankheit geheim halten. Seine Frau Teresa berichtete einen Tag nach dem Tod ihres Ehemannes, dass dieser panische Angst vor dem Bekanntwerden hatte. Dass er abgeschrieben wäre, in der Bundesliga, in der Nationalmannschaft. Da es damals ein unausgesprochenes Tabu im Profifußball darstellte.

Teresa Enkes Aufklärungsarbeit über Depressionen und ihre Auswirkungen ist noch lange nicht zu Ende. Aber zumindest kleine Fortschritte kann sie erkennen. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Doch sind wir 2020 wirklich weiter als im Jahr 2009? Alle gelobten damals Besserung, man wollte Aufklärungsarbeit leisten. Hier zeigen sich große Defizite in der Umsetzung. Zwar ist das Thema medial nun deutlich präsenter, doch an professioneller psychologischer Betreuung der Spieler und Funktionäre mangelt es heute noch. Ein gutes Vorbild sieht man mit Blick auf die Insel: In England ist es seit mehreren Jahren möglich, sich anonym bei einer Hilfe-Hotline zu melden und psychologische Beratung zu erhalten. Dieses Angebot wird häufig nachgefragt und mit einem Stigmenwechsel in Verbindung gebracht. Über mentale Probleme wird dort heutzutage offener geredet, als hierzulande.

Per Mertesacker hat den Weg in die Öffentlichkeit gewagt, jedoch erst als seine Karriereende schon publik war. Teresa Enkes Robert-Enke-Stiftung trägt einen Teil zur Enttabuisierung bei. Sie berichtet Ende 2019: “Ich finde, wir sind ein ganz großes Stück nach vorne gekommen. Ich krieg mit, wie offen über das Thema Depression gesprochen wird. Ich glaube, viele haben endlich begriffen, dass es sich eben um eine Krankheit handelt.“ Ihre Stiftung hat ein Seelsorgenetzwerk geschaffen mit ca. 70 Sportpsychiatern und eine eigene Hotline für Sportler eingerichtet.

Die großen Ablösesummen, die Gehälter, das mediale Umfeld -all das kann den inneren Druck auf Leistungssportler erhöhen. Auch ein Weltklasse-Spieler wie Gianluigi Buffon berichtete einst davon, als junger Mann unter Depressionen und Panik-Attacken gelitten zu haben. “Es sah für mich so aus, dass sich niemand um mich kümmerte, sondern nur um den Fußballer, den ich darstellte. Alle fragten nur nach Buffon, niemand nach Gigi”, so der Italiener im Jahr 2019. Geholfen hat ihm insbesondere die Hilfe anderer, denn “wenn ich diese Erfahrung nicht gemacht hätte, diese Vernebelungen und Konfusionen mit anderen Menschen nicht geteilt hätte, wäre ich dort vielleicht nicht rausgekommen”.

Wenn Menschen im Profifussball, wie Hannovers Martin Kind, sich zu Aussagen hinreißen lassen – wie “Bei uns wird er keine Chance mehr haben (…) Wir hätten ihn gar nicht verpflichten dürfen damals” – üben sie mehr oder weniger unwissentlich Druck auf andere Personen aus. Wie in dem Falle auf Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler. Spieler, Schiedsrichter, Trainer – keiner soll respektlos an den Pranger gestellt werden. Hier müssen wir lernen. Und daran arbeiten. Das Miteinander rücksichtsvoller gestalten in der Gesellschaft wie im Leistungssport, den Druck von den Spielern/Schiedsrichtern/Trainern nehmen – anstatt dies mit medialen und unbedachten Aussagen noch zu verstärken. Work-Life-Balance und Achtsamkeit sind nicht nur im Alltag eines Büroangestellten wichtig, sondern dies gilt auch für den Profifußball. Denn wo Erfolg ist und so viel Geld fließt, ist auch mentale Stärke gefragter denn je.

André Schürrle auf dem Weg zu Ruhe und Entspannung. Wir wünschen ihm nur das Beste auf seinem Weg. (Photo by Epsilon/Getty Images)

Ein nächster Schritt wäre es nun, wenn Leistungssportler sich anvertrauen dürfen, wenn sie schon vor dem Karriereende zugeben dürfen, was sie fühlen und spüren. Und nicht mundtot gemacht werden. Oder schweigen wollen – aus Angst. Dieses Tabu ist eigentlich eins, was eigentlich keines (mehr) sein sollte.

Und wünschen wir den Menschen, die uns so tolle Momente wie André Schürrle im WM Finale 2014 beschert haben, einen tollen Neubeginn. Mit den kleinen Dingen, die einen erfreuen. Mit wenig Rampenlicht. Und ganz vielen Höhen. Denn André Schürrle braucht nun keinen Beifall mehr.

Mil(l)e grazie!

Der FCA hat einen stark aufgeblähten Kader – das wissen wir alle. Veränderungen sind an dieser Stelle nicht unwahrscheinlich bzw. sind diese gar zwingend notwendig. Auch im Trainerteam kommt es hierbei zu Wechseln auf diversen sportlichen Positionen. Kaum war die alte Saison beendet, gab der FC Augsburg auf seiner Website bekannt, dass sich zu Beginn der neuen Saison Veränderungen im Funktionsteam ergeben werden. Hierdurch ergab sich auch eine Art Hiobsbotschaft für alle treuen FCA-Fans, denn Urgestein Zdenko “Mile” Miletic wird nicht länger Torwarttrainer des Erstligisten sein.

Co-Trainer gesucht und gefunden

Die nachträgliche Saisonanalyse scheint hierbei das Resultat geliefert zu haben, dass ein neuer Co-Trainer sportlich notwendig erscheint. Neben den alten “Co’s” – Jonas Scheuermann und Tobias Zellner, der im Mai einmal als Ersatz für Heiko Herrlich am Seitenrand stand, dürfen wir seit dem 1.7. Iraklis Metaxas in Augsburg begrüßen. Der Deutsch-Grieche, der vor kurzem seinen 53. Geburtstag feierte, war zuletzt als Co-Trainer beim Zweitligisten Darmstadt 98 tätig und komplettiert das Trainerteam rund um Heiko Herrlich.

Ebenjener Heiko Herrlich hatte anfänglich – nach Amtsantritt beim FCA – darauf verzichtet, einen Co-Coach mit nach Augsburg zu bringen: „Heiko Herrlich hatte bei seinem Amtsantritt darauf verzichtet, einen neuen Co-Trainer dazu zu nehmen. Es war aber klar abgesprochen, dass wir nach der Saisonanalyse prüfen, wie wir das Trainerteam weiter sinnvoll ergänzen können“, so Stefan Reuter.

Weiterhin wurden die Verträge des Physios Michael Deiss und des Reha Trainers Sönke Ermgassen nicht verlängert. Stattdessen vervollständigt Rudi Ehmann, zuletzt Physio beim FC Bayern München im Bereich Basketball, nun das Funktionsteam des FCA.

Der scheidende Mile

So schön ein weiterer Co-Trainer in der bereits illustren Runde um Heiko Herrlich erscheint, so traurig ist jedoch die Nachricht des scheidenden Zdenko “Mile” Miletic. Der Vertrag der Torwartlegende, selbst zwischen 2002 und 2007 in 116 Partien für den FCA auf dem Feld stand, lief bereits zum 30.06. aus und wurde nicht verlängert. Stefan Reuter begründet dies in der Pressemitteilung auf der FCA-Website folgendermaßen: “In unserer Saisonanalyse sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir auf der Position des Torwarttrainers eine Veränderung vornehmen wollen“.

Zdenko Miletic mit seinem Arbeitsmaterial. Nach 9 Jahren in der Bundesliga und 13 insgesamt ist die Zeit des zurückhaltenden Torwarttrainers beim FCA im Profiteam vorbei.

Dies muss jedoch nicht unweigerlich das Ende der Ikone am Lech sein, denn offensichtlich hat der langjährige Torwarttrainer – seit 2007 ist er hier in Augsburg im Amt – ein etwas anderes Angebot des FCA vorliegen. „Da ‚Mile‘ ein verdienter und langjähriger Mitarbeiter des FCA ist, haben wir ihm ein Angebot unterbreitet, als hauptamtlicher Torwart-Koordinator in unserem Nachwuchsleistungszentrum die Arbeit mit unseren Nachwuchs-Torhütern weiterzuentwickeln. Wir würden uns daher freuen, wenn uns ‚Mile‘ in neuer Funktion erhalten bleibt, um die Grundlage dafür zu legen, in Zukunft einen Torhüter aus dem eigenen Nachwuchs in der WWK ARENA spielen zu sehen.“

Funktional ersetzen wird “Mile” jedenfalls der 43jährige Kristian Barbuscak, der vom Zweitligisten Jahn Regensburg an den Lech wechselt. Stefan Reuter freut sich augenscheinlich über die Neuzugänge an der Seitenlinie: „Wir freuen uns daher, dass wir mit Iraklis Metaxas und auch mit Kristian Barbuscak zwei absolute Fachmänner für unseren FCA gewinnen konnten, die uns in der individuellen Arbeit mit den Spielern nach vorne bringen werden.“

Das Torwart-Problem

Warum Mile jetzt seinen Hut nehmen muss – nach 13 sportlich erfolgreichen Jahren als Torwarttrainer beim FCA – bleibt ebenso offen, wie die Frage, ob Mile das Angebot des FCA als Koordinator im NLZ annimmt bzw. bereits angenommen hat. Schade ist jedenfalls, dass mit Zdenko Miletic ein Urgestein nun nach einer sportlich schwierigen Phase als einziger Protagonist des Trainerteams gehen muss. Und ihm somit öffentlich die Schuld für die Torwart-Scharade beim FCA in die Schuhe geschoben wird.

Denn eins steht fest: Seit dem Weggang von Marwin Hitz im Jahre 2018 ist beim FCA auf der eminent wichtigen Position des Torhüters eine Unruhe und ein “Wechsel-dich-Spiel” der tendenziell eher negativen Art eingekehrt. Und könnte jetzt ad absurdum getrieben werden. Geht man doch mit nominell vier Stammtorhütern in die Saison – Koubek, Giefer, Luthe und on top noch Neuzugang Rafał Gikiewicz. Letzterer wurde zuletzt vom Ligakonkurrenten Union Berlin ablösefrei verpflichtet.

Mile hat weder Tomas Koubek noch Gregor Kobel verpflichtet und ist nun derjenige, der die verfehlte Planung des FCA auf dieser Position ausbaden darf. (Foto: pmk / NB147469 Fussball)

Dieser Wechsel auf der Torwart-Trainer-Position könnte nun signalisieren, dass man den Schuldigen gefunden hat, der – wie böse Zungen behaupten – keinen Torwart in den letzten Jahren nennenswert und nachweislich verbessern konnte. Aber ob die besagte Person wirklich der Hauptprotagonist in der mittlerweile langjährigen Torhüter-Posse ist, bleibt fraglich. Die Entscheidung pro Giefer, dann pro Koubek und zuletzt pro Gikiewicz haben vermutlich andere getroffen. Diese Personen sitzen vermutlich auch weiterhin sicher im Sattel. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Torwartspiel des FCA in der nächsten Saison weiterentwickelt. Und welchen Beitrag der neue Torwarttrainer hier beisteuern kann. Uuuund, ganz wichtig: Wer unsere neue Nummer eins im Tor wird! ABer dies entscheidet und entschied auch vorher nicht unser Mile.

Mile grazie!

Dankbar bleibe ich jedoch für die Arbeit von Zdenko Miletic und für seine Loyalität zum FCA. 13 Jahre sind eine echte Hausnummer. So lange ist nicht mal Christian Streich Trainer des SC Freiburg! Der gebürtige Kroate Miletic kam 2002 von Arminia Bielefeld und wurde schnell zum Stammtorhüter beim FCA, stieg mit dem FCA 2006 in die zweite Fußballbundesliga auf. Miletic selbst wurde laut der Augsburger Allgemeinen jedoch nur Torwarttrainer beim FCA, weil er im Jahr 2007 als Nummer 1 im Augsburger Tor von Sven Neuhaus abgelöst wurde. Sozusagen, weil er den Konkurrenzkampf verloren hat. Und der FCA gewann einen passionierten Torwarttrainer, der den in Wolfsburg aussortierten Simon Jentzsch zu einem vollkommenen Bundesliga-Stammtorhüter formte. Und aus Marwin Hitz viel mehr als nur eine Nummer 2 machte, die er derzeit beim BVB darstellt!

Wir kann man Mile nicht in bester Erinnerung behalten? Danke für alles! (Foto: kolbert-press / Christian Kolbert)

Der kicker selbst fragt etwas zweifelnd: “Wird das Urgestein, seit 2002 im Klub und seit 2007 Torwarttrainer, nun für die Probleme der vergangenen Jahre sowie die Fehlgriffe mit Giefer und Koubek verantwortlich gemacht?” Und resümiert lapidar: “Es bleibt sehr zweifelhaft, ob ein Wechsel auf diesem Posten wirklich eine Lösung bringt.”

Ich lasse dies mal so im Raum stehen und bedanke mich für 13 Jahre mit dir als Torwarttrainer, Mile. Mil(l)e grazie, für alles!

Deutscher Meister ist nur der FCA!

Der bayerisch-schwäbische FC Augsburg als deutscher Meister? Für viele Fans ein unergründeter und heimlich gehegter Wunschtraum! Yannic Bederke, e-Sportler des FCA, machte diesen Traum am vergangenen Sonntag wahr. Der 19jährige gebürtige Nördlinger, der auch langjähriges Mitglied des FCA ist, krönte sich (und somit auch sein Team, den FC Augsburg) zum deutschen Meister im E-Fußball.

Was lange währt, wird endlich gut! Denn Yannic stand in der Vorsaison schon im Grand Final der VBL Club Championship – der virtuellen Bundesliga in Deutschland. Immer an seiner Seite: Bruder und Teamkollege Philipp, ebenfalls erfolgreicher e-Sportler, der mit ihm für den FC Augsburg in der virtuellen Bundesliga antritt. Zuletzt hat Yannic mit seinem Fußballprofi-Pendant vom FCA, Marco Richter, die Corona-bedingte Bundesliga Home Challenge gerockt – und kurioserweise schoss dieser Marco Richter das goldene Tor zum Sieg im Grand Final!

Yannic Bederke während des Grand Finals. Die Bederke-Faust immer im Gepäck!

Dieses Jahr hat es jedoch lange nicht danach ausgesehen, dass Yannic den Titel in einem namhaft besetzten Turnier gewinnen könnte. Doch er strafte alle Zweifeler Lügen und bewies, was für ein großes Talent er an beiden Konsolen ist. Das Team hinter der “Rosenau Gazette” gratuliert dem Shootingstar des E-Fußballs in Deutschland herzlich zu seinem Titelgewinn und die Krönung zum Deutschen Meister 2020!

Im Nachfolgenden lest ihr unter anderem exklusiv, was Yannic zu seinem Erfolg persönlich sagt und wie es sich für ihn selbst anfühlt, der amtierende Deutsche Meister zu sein:

Rosenau Gazette: Hallo Yannic, erst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, dich interviewen zu dürfen und Gratulation zum Titelgewinn! Wie geht es dir denn heute – mit ein paar Tagen Abstand – s0?

Yannic Bederke: Vielen Dank für die Glückwünsche! Es ist für mich selbst noch nicht wirklich zu glauben was überhaupt passiert ist, um ehrlich zu sein.

Rosenau Gazette: Das kann man – glaube ich – ganz gut nachvollziehen! Beschreib’ doch bitte für unsere Leserinnen und Leser einmal, wie so ein Turnier in der Praxis abläuft und wie du dich während eines Matches fühlst.

Yannic Bederke: Nach einer langen Saison in der VBL Club Championship haben wir als FC Augsburg es in die Playoffs geschafft. Darüber ging es dann für mich ins sogenannte “Grand Final”. Das Turnier lief online ab, zu einer bestimmten Zeit mussten meine Gegner und ich vor der Konsole sitzen und die Partie bestreiten.

Anfangs ging es mit der Gruppenphase los und anschließend in der KO-Runde weiter. Im Halbfinale standen sich dann die beiden besten Spieler pro Konsole gegenüber. Im Finale wurde dann jeweils ein Spiel auf der Xbox und ein Spiel auf der Playstation gespielt, um den deutschen Meister zu finden. Während solchen Spielen ist man extrem nervös! Ich selbst höre dabei Musik, um alles bestmöglich auszublenden und mich zu fokussieren.

Rosenau Gazette: Respekt – ein richtig straffes Programm! Vor allem für dich, wenn man bedenkt, dass du kein E-Sport-Profi bist. Wie viel Zeit bleibt dir denn noch übrig, um neben dem Beruf Zeit für das Training zu finden?

Yannic Bederke: Ja genau! Ich befinde mich aktuell in der Ausbildung zum Notarfachangestellten, die ich auch bald abschließen werde. Deshalb habe ich eine normale 40-Stunden-Woche und kann dann erst abends trainieren. Im Schnitt sind es ca. 2 Stunden vor einem Turnier, die ich nach der Arbeit noch investieren muss. Am Wochenende wird es gerne mal mehr.

Rosenau Gazette: Wolltest du denn selbst immer schon E-Sportler werden oder gab es auch mal was anderes für dich?

Yannic Bederke: Als Kind wollte ich Profi Fußballer werden!

Rosenau Gazette: Na, dann können wir ja glücklich sein, dass das nichts geworden ist. 🙂 Spielst du denn selbst nebenbei noch Fußball im Verein?

Yannic Bederke: Ja, ich spiele selbst beim TSV Oettingen aktiv im Verein Fußball.

Rosenau Gazette: Wie bist du selbst denn eigentlich zum eSport gekommen? Wie muss man drauf sein, um dorthin zu kommen, wo du dich grade selbst befindest?

Yannic Bederke: Das war eher zufällig! Ich spielte, wie jeder Jugendliche wahrscheinlich, gerne FIFA und nahm aus Spaß an kleinen Turnieren teil. Nachdem es dort gut lief trainierte ich, um noch besser zu werden.

Man muss zum einen mit Niederlagen umgehen können und zum anderen einen gewissen Ehrgeiz mitbringen. Man darf nicht zu schnell aufgeben und muss ständig an sich arbeiten.

Rosenau Gazette: Und jetzt bist du deutscher Meister! Hand aufs Herz: Kann man diesen Erfolg denn noch toppen? Was ist dein Ziel im nächsten Jahr?

Yannic Bederke: Mein Ziel ist es, mich auch international für ein großes Turnier zu qualifizieren! Diesen Erfolg zu toppen ist allerdings sehr schwer 🙂

Rosenau Gazette: Wir von der Rosenau Gazette drücken dir natürlich ganz fest die Daumen bei diesem Vorhaben! Eine letzte Frage noch: Du bist bekanntlich auch FCA Mitglied. Seit wann und warum?

Yannic Bederke: Ich bin schon FCA-Fan seitdem ich klein bin! Ich ging mit meinem Bruder ins Stadion und seither ist der FCA als mein Lieblingsverein nicht mehr wegzudenken. Mitglied bin ich seit 2015 und verfolge so oft es geht die Spiele live im Stadion. Aber leider war das ja in letzter Zeit nicht möglich…

Rosenau Gazette: Danke an den amtierenden Deutschen Meister, Yannic, für dieses sympathische Interview. Wir drücken dir weiter die Daumen auf deinem Weg an die internationale E-Sportler-Spitze und hoffen, dass wir bald alle wieder ins Stadion zurückkehren können, um unseren FCA live anzufeuern in Liga 1.

Bis dahin, bleibt alle gesund!

TGIF: Auf ein versöhnliches Ende, FCA!

La décima! Freunde des FCA, es ist angerichtet – der Augsburger Fussballclub und seine Fans dürfen sich auf eine zehnte Saison in Folge im deutschen Oberhaus freuen. Dank einem engagierten Remis gegen Düsseldorf konnte der Klassenerhalt am 33. Spieltag rechnerisch gesichert werden. Unnötig spannend machte es der FCA hierbei phasenweise und trieb seine Fans in den literarischen Wahnsinn. Mal schauen, ob ohne Stress und ohne Druck gegen die roten Bullen aus Leipzig was Zählbares herausspringt.

Heiko Herrlich müssen noch einmal den Arsch hoch bekommen, damit es nicht endet wie in Wolfsburg letztes Jahr. (Foto: Anke Waelischmiller/Sven Simon/ Pool)

Denn: Wenn die Klasse auch erneut gehalten werden konnte, die TV-Tabelle ist für Fußballvereine ebenfalls wichtig und hier zählt die Saison-Endplatzierung. Gerade deshalb so eminent wichtig, da die Corona-Maßnahmen sowieso finanzielle Einbußen für die Clubs bedeuten. Also, Füße hochlegen gegen RB is‘ nicht drin, liebe FCA-Kicker. Es geht noch (finanziell) um was und zudem haben wir was gut zu machen. Na, wer erinnert sich noch an den 18.05.2019?

Ein Tag zum vergessen, FCA!

Viele von uns haben sicherlich diesen Tag aus dem eigenen Gedächtnis gestrichen – aus gutem Grund wohlbemerkt! An diesem sagenhaften Datum – dem 18.05.2019 –  hat der FCA scheinbar schon gedanklich mit der Saison 2018/19 abgeschlossen.  Der FCA lief in der Startelf unter anderem mit Altstar Christoph Janker im defensiven Mittelfeld und Reece Oxford in der Innenverteidigung auf sowie mit dem damals 18jährigen Jungspund Simon Asta als rechtem Verteidiger.

Diese “laissez faire” Einstellung der Augsburger machte sich auch recht schnell beim Gegner bemerkbar, schenkte dieser doch dem trägen Gegner sage und schreibe 8 Gegentore ein. Historischer Negativrekord für den FCA in Liga 1. Und ein Ärgernis für einen jeden FCA-Fan! Ein gewisser Julian Schieber, in Minute 60 für den scheidenden Dong-Wong Ji eingewechselt, erzielte noch den schmeichelhaften Ehrentreffer. Ein tiefer Fall für den sonst so wacker kämpfenden FCA, der mit vielen Ersatzspielern die Saison zu Ende bringen wollte. Das ging augenscheinlich total in die Hose! Und für viele Fans anderer Clubs (wie beispielsweise Werder Bremen) war dies ein regelrechter Skandal, ging es doch für andere Vereine noch um was – und nicht nur um die goldene Ananas.  

Gegen Leipzig muss das anders, FCA!

An dieser Stelle bleibt zu hoffen, dass der FCA seine Lehren aus diesem (Geister-)Spiel gezogen hat und gedanklich am kommenden Samstag noch nicht im Urlaub oder sonst wo ist. Denn wie einleitend geschrieben, ist für den FCA die Platzierung hinsichtlich der TV-Geld-Tabelle äußerst relevant. Mit einem Punkt oder gar 3 Punkten gegen Leipzig könnte man wohl noch gut in der Endtabelle klettern, bei idealem Ausgang der anderen Spiele ist sogar rechnerisch noch Platz 11 möglich. An alle FCA-Spieler: Es geht um Moneten, kapiert? Also rennt, rackert und rockt am Samstag was das Zeug hält. Diese Moneten kann man wieder gut investieren, denn der Kader muss augenscheinlich auch wieder in der Sommerpause ausgemerzt und verbessert werden.

Torwart Tomas Koubek ist mit Sicherheit eine der Personen, über die in der Sommerpause zu sprechen ist. (Foto: Anke Waelischmiller/Sven Simon/ Pool)

Für Punkte braucht‘s jedoch einen Sahnetag gegen die roten Bullen rund um den abwandernden Topstürmer Timo Werner. Andernfalls werden die Leipziger Kicker sicherlich genauso ungnädig mit uns sein wie damals – vor rund einem Jahr – die Wölfe. Noch so eine Schmach für die geschundene Augsburger Seele? Bitte nicht! Ich will mit reinem Gewissen in die Sommerpause gehen und nicht noch ein „versautes“ Wochenende! Ein halbwegs versöhnliches Saisonende – trotz der notwendigen, aber traurigen Tatsache, dass wir Fans leider seit drei Monaten nicht mehr ins Stadion dürfen.

La décima – du bist wunderbar!

Dankbar, demütig und geläutert sind wir FCA Fans nun nach dem Klassenerhalt.

Dankbar – für ein 10. Jahr Bundesliga in Folge. Wer hätte das damals gedacht, als man 2011 erstmalig dank einem Tor von Stephan Hain in die erste Liga aufstieg?

Demütig – weil wir es wieder mit Hängen und Würgen sowie einer Portion Fortune über die Zielgerade geschafft haben. Gefühlt ist jede Saison eine Hängepartie – mit Hoch und Tiefs kennen wir Augsburger uns also gut aus.

Und geläutert letzten Endes – weil wir als FCA halt doch nicht „unabsteigbar“ sind, selbst mit „dem besten Kader aller Zeiten“[1] schafft man es nur auf die hinteren Plätze.

Stolz auf La Decima und dankbar für die Arbeit von Stefan Reuter über all die Jahre (Foto: SVEN SIMON)

Und diese Grenzerfahrungen machen einen sowohl dankbar als auch demütig. Gegen Leipzig muss also nochmal 1907% Leistung her und den absoluten Willen, gegen den Champions League Aspiranten etwas Zählbares zu holen.  Gegen Düsseldorf hat man dank Florian Niederlechner mit dem wiederentdeckten Torinstinkt und Andi Luthe einen Punkt eingetütet.  Machs nochmal, FCA – und zwar nicht wie gegen Wolfsburg, sondern wie gegen Mainz und mit Abstrichen gegen Düsseldorf. Dann gibt’s am 34. Spieltag – unter improvisierten Corona-Bedingungen – noch einen versöhnlichen Abschluss der turbulenten Saison.

La Decima – Danke für eine 10. Saison im Oberhaus.

Die Aufstellung sieht wohl in etwa so:

Luthe – Max, Jeff, Udoukhai, Lichtsteiner – Baier, Khedira – Vargas, Richter, Bazee – Niederlechner

Was macht eigentlich – Ingo Hertzsch?

Der Innenverteidiger Ingo Hertzsch – zwischen 2006 und 2009 kickte er für den FCA – hat den kometenhaften Aufstieg von RB Leipzig am eigenen Leib miterlebt.  2006 wechselte er zum damaligen Zweitligaufsteiger nach Augsburg und sollte dort 70 Zweitligapartien für den FCA absolvieren.

Ingo Hertzsch im Rahmen eines Spiels der DFB-Allstars Nationalmannschaft auf dem Sportplatz in Nordgermersleben in 2019 (Photo by Imago)

Zur Saison 2009/10 wurde er von dem „frisch gegründeten“ Club RB Leipzig verpflichtet, der damals in der Oberliga Nordost antrat. Sofort gelang in ebendieser Saison der Aufstieg in die damalige Regionalliga Nord, in welcher man drei Saisons lang verblieb. 2011 erzielte Hertzsch das „Golden Goal“ zum ersten Titel der Vereinsgeschichte – dem Sachsenpokal.[2] 2013 dann der Meilenstein Aufstieg in die dritte Liga, Ingo Hertzsch mittendrin. 2013 beendete Ingo dann schließlich seine Karriere. [3]

Heute arbeitet der mittlerweile 42jährige in der Marketingabteilung der Leipziger und fühlt sich in Leipzig mit seiner Familie sehr wohl.[4]

Tipps der Redaktion:

  • Sebastian: Die Saison endet mit einem versöhnlichen 2-1
  • Andy: Bei Leipzig geht es noch um was, bei uns nicht. Das merkt man und wir werden mit einer 0:5 Niederlage nach Hause geschickt. Damit endet diese Saison fast so schlimm wie die letzte.
  • Irina: Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn unser talentierter Nachwuchsstürmer Maurice Malone zu seinem Debüt in Liga 1 kommen würde. Ansonsten denke ich, dass es leider nicht viel zu holen gibt für uns, denn RB hat ja noch den direkten CL-Rang 3 zu verteidigen und wird dies mit aller Macht durchsetzen. Daher tippe ich auf ein 3:1 für Leipzig und dann ist endlich Pause! Stefan Reuter, übernehmen Sie!

[1] https://www.rosenau-gazette.de/2019/08/15/der-beste-fca-aller-zeiten/

[2] https://www.welt.de/sport/article194089341/RB-Leipzig-Ingo-Hertzsch-Viele-sehen-uns-als-Bereicherung.html

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/RB_Leipzig#2009%E2%80%932013:_Oberliga_und_Regionalliga

[4] https://www.welt.de/sport/article194089341/RB-Leipzig-Ingo-Hertzsch-Viele-sehen-uns-als-Bereicherung.html

TGIS: Thank God, it’s Spieltag!

Corona hat (Fußball-)Deutschland weiterhin fest im Griff: Nahezu täglich werden neue Wasserstandsmeldungen zu Tage gefördert und die Infiziertenzahl nach oben korrigiert. Auch in der Bundesliga ist Corona und die Diskussion drumherum Dauerthema. Nicht nur Kalous Video Clou, auch der wenig vorbildliche Ausflug vom masken- und verständnislosen Heiko Herrlich spalten die Gemüter – wie die Coronakrise an sich selbst schon die Bundesrepublik in mehrere Lager teilt. Mittlerweile sind zwei Spieltage in der ersten Fußballbundesliga Deutschlands schon wieder mehr oder minder erfolgreich bestritten worden. Das Fazit fällt durchaus gemischt aus – spür- und greifbare Geisteratmosphäre in Deutschlands Stadien, tanzende Trainer mit Mundschutz und auf Distanz jubelnde Profis. Aber: Was sein muss, muss sein!

Heiko Herrlich – Held oder Hanswurst?

Die dritte Reifeprüfung mit Symbolwirkung für die gesamte Nation steht in einer englischen Woche an. Hart, härter, englische Woche – sagt der Volksmund ganz salopp. Unser FCA empfängt hierbei in der heimischen WWK-Arena vor Geisterpublikum den Tabellenletzten aus Paderborn. Ein regelrechter Abstiegskrimi! Ein jeder fragt sich wohl an dieser Stelle, ob das Geisterspiel erneut seinem Namen alle Ehre macht. Und ob der FCA am 28. Spieltag die sympathischen Paderborner schon in Richtung zweite Liga schicken kann.

Der FC Augsburg jedenfalls konnte den berühmt-berüchtigten Trainerwechsel-Effekt nicht wirklich auskosten, da direkt nach Einstellung von Herrlich die Saison aufgrund von Covid-19 unterbrochen wurde. Die Handschrift von Herrlich war in Spiel 1 “nach Corona” noch nicht zu lesen, hat er sich doch davor selbst aus dem Stadion geschossen mit seinem unerlaubten Quarantäneausbruch zwecks Besorgung von Hygieneartikeln. “Da ganze Bua a Depp”, sagt man ganz treffend und leicht neckisch in Bayern!

Heiko Herrlich zusammen mit Stefan Reuter zurück an der Seitenlinie auf Schalke. (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Gegen Schalke 04 also übernahm der Mundschutz am Oberarm tragende Trendsetter Herrlich an der Seitenlinie. Ganz Fußballdeutschland, ach was, die ganze Welt blickte gebannt nach Gelsenkirchen, um den Badboy Herrlich bei seiner Geisterspiel-Premiere zu verfolgen. Besonders wichtig: Ob die Feuchtigkeitscreme aus dem Bobinger Supermarkt nun etwas geholfen hat gegen den leicht fahlen Hautton vom Heiko? Influencer hassen diesen Trick. Und Heiko Herrlich, für seine subtile Supermarkt-Scharade.

Negative Presse ist besser als gar keine Presse, dachte sich Heiko Herrlich. Gute Presse bekommt er diesertags auf jeden Fall wegen dem ordentlichen Auftritt des FCA auf Schalke. Nicht alle Vereine im Ruhrgebiet sind so gute Gastgeber wie der S04. Bitte, dankeschön. 3 Tore, 3 mal distanziertes Jubeln. Schalke 03! Da kommt gleich richtig Partystimmung und Feierlaune auf! Apropos Party…

What’s on in Partyborn?

…unser nächster Gegner kommt aus dem legendären Partyborn. Oder Paderboring. Ihr könnt euch aussuchen, was eher zutrifft. An Tagen, an welchen der SCP spielt, sicherlich ersteres. Ansonsten regnet es, die Kirchenglocken läuten oder die Ampeln sind rot. Ziemlich abwechslungsreich geht es in der Stadt mit dem größten Computermuseum der Welt zu. FUNFACT am Rande 🙂

Die Spielanlage und das Auftreten der Mannschaft aus der Stadt an der Pader entspricht nicht dem mageren Punktekonto und auch nicht dem tristen Tabellenplatz! Der Club hat eine erstaunlich gute Mischung aus erfahrenen Hasen und jungen Wilden. Leider muss das Team in der Bundesliga diese Saison oft Lehrgeld zahlen, geht hierbei jedoch nie so richtig “unter” oder lässt sich abschießen. Der relativ unbekannte Tormann Zingerle, der Bayernjugend entstammend und gebürtiger Münchner, macht einen erstaunlich guten Job zwischen den Pfosten. An ihm liegt’s sicherlich nicht, dass der SCP hinten rumkrebst in der Bundesligatabelle.

Klaus Gjasula , Christopher Antwi-Adjej, Jans Laurent und Leopold Zingerle: Die Mischung stimmt prinzipiell in Paderborn und herspielen lässt man sich auch selten. Nur Lehrgeld hat man oft bezahlt. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Ansonsten steht in der Innenverteidigung mit Hünemeier ein – im wahrsten Sinne des Wortes – “Hüne” seinen Mann. Eine Position vor ihm spielt Raubein Gjasula, der diese Saison den Kartenrekord in der Bundesliga geknackt hat. Herzlichen Glückwunsch und Ehre, wem Ehre gebührt, an dieser Stelle! Den Wirbelwind Antwi-Adjei und den jungen Spielmacher Sabiri sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben! Interessant ist auch die Tatsache, dass der SCP vier nominelle Mittelstürmer im Kader hat. Und alle vier haben in dieser Spielzeit schon (mehrfach) getroffen! Das entspricht insgesamt 16 der 31 Treffer der Paderborner.

1. Absteiger SCP?

Die Paderborner haben nur mickrige 18 Punkte derzeit auf dem Punktekonto. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt 6 Punkte, auf das rettende Ufer schon satte 9 Zähler. Sollte der FCA gegen Paderborn gewinnen und die Konkurrenz aus Düsseldorf sowie Bremen punkten, sieht es ganz düster aus für die Ostwestfalen. Ich, die ja in Ostwestfale lebt, würde nächste Saison und gerne ohne Corona in der kleinen Schmuckkiste Benteler-Arena wieder im Gästeblock mit dem FCA mitfiebern. Und das nur mit 30 Minuten Anreise! Schade, wenn’s das nicht mehr in der ersten Bundesliga gäbe… Der SCP kann meiner Meinung nach die ganze restliche Saison punkten, aber nur nicht gegen den FCA. Die Punkte brauchen wir selbst.

Der sehr authentische und sympathische Trainer des SC, Steffen Baumgart, könnte folgende Startelf am kommenden Mittwoch auf den Rasen der WWK Arena schicken:

Zingerle  - Collins, Hünemeier, Schonlau, Dräger - Gjasula - Holtmann, Antwi-Adjei, Vasiliadis, Pröger - Srbeny

Ein Blick auf den FCA

Der FCA hat sich nach der unnötigen Last-Minute-Pleite gegen Wolfsburg offensichtlich auf den Hosenboden gesetzt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Denn diese individuellen und kopflosen Fehler in den letzten Spielminuten ziehen sich schon wie ein roter Faden durch die Saison. Der Kopf ist dann gefühlt schon in der Kabine oder gar noch weiter weg.

Gegen Schalke sah das spielerisch – aber auch vom gesamten Auftreten ohne Ball – deutlich besser aus. Mehr gelaufen und mehr gefightet. Sehr ansehnliche Tore geschossen. So kennt man den FCA und will man ihn weiterhin sehen! Sehr aggressives und hohes Pressing, das hat den Schalkern nicht so geschmeckt und die Hinterleute zu Fehlern gezwungen. So zu sehen beim 2:0 durch Sarenren Bazee und beim 3:0 durch Sergio Cordova.

Heiko Herrlich hatte auch zwei gute Händchen, als er die beiden letztgenannten Torschützen einwechselte. Beide drängen natürlich in die Startelf, denn Vargas blieb gegen Schalke beispielsweise sehr blass. Auch Niederlechner läuft seiner Form deutlich hinterher, läuft zwar sehr viel – aber steht auch sehr gerne im Abseits. Die Chance nun für die willigen Ersatzleute, sich zu beweisen. Auch ein großes Lob an den souveränen Andi Luthe an dieser Stelle! Wie viel mentale Stärke im Kopf bewirken kann, merkt man diesertags sehr gut an dem sattelfesten Rückhalt Luthe.

Nach dem Spiel gegen Schalke scheint es nicht viel Änderungsbedarf im Augsburger Team zu geben. Ob Heiko Herrlich trotzdem überrascht? (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Ich persönlich hoffe ja noch, dass der junge Nachwuchsstürmer Maurice Malone bald mal sein Bundesliga-Debüt feiern darf. Unter Heiko Herrlich scheint dies möglich, auch wenn Maurice bisher noch nicht im Kader stand seit der Amtsübernahme im März. Es bleibt abzuwarten, ob Kapitän Daniel Baier wieder in die Startelf zurückkehrt. Die Schonmaßnahme für unseren Oldie scheint aber nur temporär begrenzt zu sein, deshalb tippe ich persönlich auf eine Rückkehr in die erste Elf, obwohl Carlos Gruezo eine großartige Leistung gegen Schalke gezeigt hat und mir diese Entscheidung sehr schwer macht. Heiko Herrlich steht vor der Qual der Wahl! Heimlich hoffe ich auch auf einen Wechsel auf Linksaußen, denn Ruben Vargas kommt noch nicht wieder richtig in Tritt und Noah Sarenren Bazee hat einen guten Job am Sonntag gemacht.

Für den FCA gehts am Mittwoch vor allem darum, das Punktekonto weiter aufzustocken. 30 Punkte klingen viel, trügen jedoch etwas. Die Mannschaften hinter uns punkten ebenfalls, haben teilweise noch ein Spiel weniger als der FCA. Ausruhen? Is’ nicht! Wir werden sehr viel den Ball haben und das Spiel machen müssen – ich bin gespannt, wie wir damit umgehen und was für einen Spielplan Heiko Herrlich hat.

Folgende Elf schickt Heiko Herrlich am Mittwoch sehr wahrscheinlich auf den Platz – getreu dem Motto: “Never change a winning team”

Luthe - Frambeger, Uduokhai, Jedvaj, Max - Baier, Khedira - Vargas, Löwen, Richter - Niederlechner

Was macht eigentlich – Daniel Brinkmann?

Der gebürtige Horn-Bad Meinberger Daniel Brinkmann hat eine Vergangenheit bei beiden Teams: In der Jugend und als Profi insgesamt vier Jahre beim SC Paderborn in seiner Heimat tätig, wechselte Brinkmann 2009 zum FCA an den Lech und stieg 2011 mit diesem in die erste Bundesliga auf. In drei Saisons bestritt der zentrale Mittelfeldspieler insgesamt 66 Spiele für den FCA und erzielte dabei 4 Tore. Nach drei Spielzeiten beim FCA wechselte Brinkmann zu Energie Cottbus. Heute spielt der 34jährige in der Oberliga Westfalen beim SC Wiederbrück im Kreis Gütersloh und ist dort gleichzeitig als Trainer tätig.

Eine kleine Anekdote am Rande: Als ich 2012 bei TuRa Elsen, einer Fußballmannschaft des Paderborner Stadtteils Elsen, ein Probetraining mitmachte, trug eine Spielerin das Trikot vom FCA mit dem Flock von Daniel Brinkmann. Als ich sie fragte, wieso sie denn als Paderbornerin offensichtlich FCA-Fan sei, entgegnete sie mir: “Allein wegen Daniel Brinkmann!”. Einer Legende in Ostwestfalen und ein verdienter Spieler der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft des FCA von 2011 .

Tipps der Redaktion

  • Andy: 3:0 für den FCA! Der SC Paderborn wird von den Augsburgern abgefertigt und zurück in die 2. Liga geschickt. Der FCA beweist erneut seine spielerische Klasse.
  • Irina: Wir gewinnen, jedoch knapper und spannender als beabsichtigt mit 2:1. Zähe und leidenschaftliche Paderborner machen uns das Leben lange schwer. Ich könnte jedoch aus Sympathie mit den Ostwestfalen auch mit einem hochklassigen Remis gut leben, will ich doch nicht Schuld sein, dass mein FCA den SCP höchstpersönlich in die 2. Bundesliga schickt. Stefan Reuter jedenfalls muss sich im Doppelpass den Fragen von Thomas Helmer stellen – sicherlich hofft er im Vorfeld auf einen Sieg, dann plaudert es sich wesentlich angenehmer.
  • Sebastian: Nun geht es aufwärts. Paderboring profitiert nicht vom stimmungsmäßigen Heimvorteil und geht mit 5-0 in Augsburg unter.