Die Personalie Gikiewicz

Nach dem sensationellen Sieg gegen den FC Bayern stand ein FCA-Profi besonders im Mittelpunkt: Rafal Gikiewicz. Auf und neben dem Platz.

Den Sieg hat der FC Augsburg maßgeblich seinem Keeper zu verdanken. Gegen Mané, Sané oder Neuer (!) parierte der Pole bärenstark und untermauerte damit seine Bedeutung für den Verein. Alle drei Augsburger Bundesligasiege tragen die Handschrift Rafal Gikiewicz’. Unüberwindbar in Leverkusen (2:1), gehaltener Elfmeter in Bremen (1:0) und nun gegen die schier übermächtigen Münchner.

Offen angesprochen

Dass Gikiewicz für Augsburg aktuell unverzichtbar ist, weiß er. Nicht das erste Mal tat der selbstbewusste Routinier das am Samstag auch dem anwesenden Journalisten kund. Die Wortwahl des 34-Jährigen hatte am Wochenende dann aber doch etwas mehr Brisanz. Gikiewicz pocht auf einen neuen Vertrag – und sagt das offen, wenn er von “meinem vielleicht letzten Heimspiel gegen Bayern” spricht oder über potentielle Neuzugänge orakelt (“Sie können holen, wen sie wollen. Dahmen? Keine Ahnung. Ich habe bis Sommer Vertrag und was danach passiert, schauen wir”). Gikiewicz stellte am Mikro mehrerer Medien sogar ein Vertragsultimatum. Bis 14. November will er Klarheit. Dann geht die Bundesliga in die WM-Pause.

„Schauen wir, was passiert bis zum 14. November. Dann können sie (die FCA-Verantwortlichen, d. Red.) ja schauen, ob sie einen Jungen holen, denn ich bin ja zu alt, das habe ich ja gezeigt in den letzten Wochen.“

Rafal Gikiewicz nach dem Bayern-Spiel zur Bild

Die Faktenlage

Ganz viel Emotionalität in der Sache, wie man das von Giki schon gewohnt ist. Da macht es dann schon mal Sinn, sich kurz auf die Faktenlage zu besinnen.

Fakt Nummer 1: Giki ist in allen relevanten statistischen Kern-Kategorien der Torhüter in den Top 3 gelistet nach dem siebten Spieltag. In den meisten sogar auf Platz 1. Wenn man seine Leistungen aufsummiert, dann kann man zu dem Urteil kommen, dass er bisher in dieser Saison der beste Keeper der Liga war. So weit, so gut. Wenn man auf seine gesamte Augsburger Zeit schaut, dann waren seine Leistungen in der letzten Saison abgeflacht. Im Jahr davor war er absoluter Leistungsträger und Garant für den Klassenerhalt. Wenn Giki spricht, dann spricht ein erfahrener Leistungsträger, der seinen Sprüchen ganz oft auf dem Platz auch Taten hat folgen lassen.

Von Sadio Mané & Co. nicht zu bezwingen: FCA-Keeper Rafal Gikiewicz. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Fakt Nummer 2: Giki ist kein Keeper, der von Grund auf mitspielen kann. Dies ist nichts, was er in seiner bisherigen Karriere können musste. Es ist allerdings etwas, das Enno Maaßen von seiner Nummer 1 erwartet. Insofern erfüllt Gikiewicz momentan nicht zu 100% das Anforderungsprofil seines Trainers. Experten gehen davon aus, dass er sich im mitspielenden Torwartspiel noch verbessern kann. In seiner Natur liegt es nun grundlegend allerdings nicht und es wird wohl immer ein Makel bleiben.

Fakt Nummer 3: Der FC Augsburg hat sich im Sommer nach Finn Dahmen von Mainz 05 erkundigt und wollte den ehemaligen deutschen U21-Nationalkeeper verpflichten. Dahmens Vertrag läuft in Mainz im Sommer 2023 aus. Dahmen wäre von der spielerischen Veranlagung her eher ein Torhüter nach dem Geschmack von Enno Maaßen. Nicht abschließend geklärt ist, ob Dahmen schon in diesem Sommer die Nummer 1 in Augsburg hätte werden sollen oder erst im nächsten. Er hätte auch ein Jahr hinter Giki auf der Bank Platz nehmen können.

Zweifel erlaubt

Insofern ist es nachvollziehbar, dass Rafal Gikiewicz trotz sportlicher Topleistungen Zweifel haben darf, ob der FC Augsburg auch in der kommenden Saison mit ihm plant. Dazu ist Stefan Reuter als ein Manager bekannt, der auch verdiente Spieler gerne mal hinhält und Entscheidungen nach Saisonende trifft. Aber da hat er sich mit Giki den Falschen ausgesucht. Der hatte schon bei Union Berlin den Verantwortlichen klare Ansagen gemacht. Als Union diese nicht erfüllen wollte, war er – wer kann sich erinnern – nach Augsburg gewechselt. Gikis Verhalten im Moment war daher im Voraus zu erahnen.

Es hat dazu eine gewisse Berechtigung. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Stellen im Tor. Hat Giki frühzeitig Klarheit, dass er den Verein verlässt, verbessert er seine Chancen, auch in der kommenden Saison noch irgendwo zwischen den Pfosten zu stehen. Dass er dabei nicht abwarten kann, bis der FCA in puncto Finn Dahmen oder anderen Kandidaten entscheidet, sollte auch den Fans einleuchten.

Gleichzeitig darf hinterfragt werden, ob es klug ist, den Druck öffentlich zu erhöhen. Statt nur über Gikiewicz’ herausragende Leistungen wird nun auch über die Vertragssituation gesprochen. Ein Keeper, der im Oktober 35 Jahre alt wird, sollte wissen, wie das Fußballgeschäft ist. Ein Vertragsultimatum am Journalistenmikro zu stellen ist nicht gerade professionell. Unabhängig davon, ob berechtigt oder nicht.

Flieg, Giki: Der FCA-Keeper war maßgeblich für den ersten Augsburger Sieg gegen Leverkusen verantwortlich. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Am Montagabend äußerte sich Gikiewicz selbst zum Trubel um seine Person. Er wolle “eine Sache klarstellen”, schrieb der Pole auf Instagram. Er habe ein “sehr gutes Verhältnis” zu allen FCA-Verantwortlichen, auch zu Manager Reuter. Aktuell mache er sich “überhaupt keine Gedanken über meinen Vertrag”.

Die Wette und eine mögliche Klausel

Der FC Augsburg muss daher in den kommenden Wochen eine Wette eingehen. Einerseits muss man sich überlegen, ob man – basierend auf Kern-Torwart-Kompetenzen – einen der besten Spieler der Liga ablösefrei ziehen lassen will. Bei einem Nachfolger wäre unsicher, ob dieser auch auf diesem Niveau abliefern würde, selbst wenn er etwas besser mitspielte.

Andererseits könnte man einen verdienten Leistungsträger, der auch Schwächen aufweist, binden. Ob dessen Leistungen auch nach Verlängerung des Vertrags konstant bleiben oder gerade einem Trotz- oder Konkurrenzbonus unterliegen, mag man nicht einschätzen.

Insgesamt eine schwere Entscheidung für die FCA-Verantwortlichen – die ihnen dank einer nun bekannt gewordenen Klausel womöglich abgenommen werden könnte. Wie die Augsburger Allgemeine am Dienstag berichtete, verlängert sich Gikiewicz’ automatisch bei einer gewissen Anzahl an Spielen. Laut AZ sollen es um die 20 Einsätze sein, die Gikiewicz nach aktuellem Stand problemlos erreichen sollte. Seit seinem Wechsel nach Augsburg stand der Schlussmann in allen Partien zwischen den Pfosten.

Gibt es diese Klausel nicht, braucht es eine offene Kommunikation. Enno Maaßen sollte dabei eine prägende Rolle mit eingeräumt werden. Dazu sollte man sich hier kurzfristig klar werden, mit dem Spieler in jedem Falle wertschätzend kommunizieren und – sollte es dazu kommen – würdig verabschieden. Bei all diesen Punkten schwächelten die Verantwortlichen in der jüngsten Vergangenheit. Man darf an Gikis Stelle zweifeln. Sich vielleicht aber auch positiv überraschen lassen.

Eine Lachnummer


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette bei presse-augsburg.de.

Der Transfersommer ist vorbei und die Saison mittlerweile in vollem Gange. Der FCA sticht sportlich nicht hervor. Mehr als glücklich hat die Mannschaft von Enno Maaßen gegen Leverkusen gewonnen. Ansonsten ist die Saison bisher von großen Enttäuschungen geprägt. Gerade offensiv findet das Team nicht den Weg vors gegnerische Tor und das in Kombination mit Unkonzentriertheiten gegen den Ball führt dann derzeit zu Platz 16. Man mag dem neuen Coach noch ein bisschen mehr Zeit geben, aber diese offensive Harmlosigkeit kann sich der FCA nicht lange leisten. Und die Hoffnung, dass es es auch dieses Jahr ein paar Clubs gibt, die mehr Bemühungen an den Tag legen, um nicht mehr in der Liga zu verbleiben, die tröstet mich momentan nicht. Man könnte sich entsprechend schon über die sportliche Situation ausgedehnt auslassen. Das soll heute aber nicht mein Thema sein. Denn ganz ehrlich: in der letzten Woche war der FCA erneut kurzzeitig aus anderen Gründen erneut die Lachnummer der Liga. Und Kritik ist angebracht.

Pepi im Mittelpunkt

Über den ganzen Sommer hinweg wurde vom FCA recht deutlich kommuniziert, das es eine Verstärkung im Sturmzentrum braucht. Man hatte zuvor Gregoritsch gegen Demirovic getauscht und den Vertrag von Alfred Finnbogason nicht verlängert. Enno Maaßen lässt zudem gerne zwei Stürmer ran und so sah es ganz vorne etwas eng aus im Kader. Kurz vor Transferschluss konnte man dann endlich Mergim Berisha als Neuzugang präsentieren. U21-Nationalspieler, international schon treffsicher, große Freude. Es hätte alles so schön sein können, wenn auch der Berisha Transfer nicht alle Probleme im Kader löst.

Auf der Gegenseite kam es allerdings kurzfristig zu einem Abgang, mit dem ich so nicht gerechnet hätte. Ricardo Pepi verließ den FCA nach Groningen per Leihe. Und die Personalie Ricardo Pepi ist seit dem Winter eine vieldiskutierte. Noch nie hat der FCA so viel für einen Spieler in puncto Ablösesumme ausgegeben. Noch nie hat sich der Club über die sozialen Medien selbst für einen Neuzugang so gefeiert. Und auf jeden Fall wurden genau diese Mitteilungen des FCA, in denen dargestellt wurde, wie großartig der Neuzugang Ricardo Pepi ist, in der letzten Woche wieder hervor geholt und der Club bundesweit ordentlich durch den Kakao gezogen. Höhepunkt war ein Wumms-Meme in dem das Trump-Zitat vom “worst trade deal” verarbeitet wurde. Genau die Zeiten in denen man sich per Social Media obendrein als besten bayrischen Club bezeichnet. Natürlich mit Humor. Alles ganz lustig.

Konsequenzen

Die Konsequenzen aus dem Pepi-Transfer im Winter sind nun seit einer Weile zu spüren. Die ca. 15 Millionen, die in Pepi investiert wurden, fehlen schlicht an anderen Stellen. Man hätte zum Beispiel Doan und Okugawa verpflichten und Gregortisch zum Höchst-Tarif verlängern können und das Maß an Torgefahr, was hierdurch möglich gewesen wäre, kann man sich als FCA Fan schlicht nicht vorstellen. Bei Okugawa wollten wir in diesem Sommer keine 5 Mio. nach Bielefeld überweisen, Doan kostete ca. 8,5 Mio. Es hätte alles so einfach sein können.

Bemüht, aber nicht erfolgreich. Für die irrsinnige Ablöse hätte der FCA mehrere andere Spieler verpflichten können. (Photo by Leonhard Simon/Getty Images)

Und wenn wir schon bei “was wäre wenn” bleiben wollen: Der Abgang von Sturm-Toptalent Dzenan Pejcinovic nach Wolfsburg wird ja gerne Markus Weinzierl in die Schuhe geschoben. Die Verpflichtung eines US-Talents im Winter für Unsummen, während der Top-Nachwuchs aus der eigenen Kaderschmiede auf seine Chance wartet, war an dieser Stelle vielleicht dann eine zusätzliche Dummheit, die eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft verbaut hat. Der Pepi Zugang war – zum jetzigen Zeitpunkt betrachtet – nicht nur wirtschaftlich eine schlechte Entscheidung, sondern eben auch darüber hinaus.

Aufarbeitung

Fehler passieren. Sie gehören zum Geschäftsleben dazu. Die Frage ist, wie man ihre Auswirkungen begrenzt und sie für die Zukunft abstellt. Einerseits ist Pepi der zweite Großtransfer beim FC Augsburg, der komplett schief gegangen ist. Tomas Koubek sitzt noch nicht einmal mehr auf der Bank beim FCA und die Verpflichtung war man damals eingegangen, obwohl man mit Andreas Luthe einen soliden Bundesligaspieler im Kader hatte. Von der Sparsamkeit des Seinsch-FCAs ist manchmal nicht mehr so viel übrig. Dahin müssen wir wieder zurück. Bei Transfers jenseits einer gewissen Größenordnung muss absolut sicher gestellt sein, dass uns die Spieler auch weiterhelfen. 100%. Transfers jenseits der 10 Mio. Euro halte ich für den FCA weiterhin für nicht realistisch.

Zweiteres wirft die Personalie Pepi weitere Fragen auf. Pepi stand gegen Hoffenheim noch in der Startelf. Maaßen hatte sich öffentlich hinter ihn gestellt und ihm eine Entwicklung für die kommenden Monate prophezeit. Dennoch hat anscheinend Pepi nach 8 Monaten nicht das Gefühl gehabt, kurzfristig in Augsburg durchzustarten. War nicht in vollem Umfang angekommen. Und nachdem ich letzte Woche selbst in Hoffenheim war, darf sich hier auch der ein oder andere im Gästeblock selbst im Spiegel in die Augen schauen. Augsburg hält zusammen? Wie hier teilweise über einen 19jährigen im eigenen Trikot hergezogen wurde, war beschämend. So bleibt: Pepi ist nach Gregoritsch und Pejcinovic der nächste, der den FCA in diesem Sommer gerne verlassen hat.

Und beim nächsten Mal. Wer stellt sicher, dass wir nach Koubek und Pepi nicht das nächste Mal groß daneben liegen? (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Was bleibt?

Neuer Trainer, ein paar neue Spieler. Viel verändert hat sich sonst nicht diesen Sommer, in dem uns die neue Offenheit versprochen wurde. Der FCA ist weiterhin ein Club, in dem bis zum Ausscheiden von Klaus Hofmann die Entscheidungsträger gemeinsam alle wesentlichen Entscheidungen getroffen haben. So waren dann auch Stefan Reuter und Michael Ströll beide für den Pepi-Transfer. Und über Fehler spricht man ja nicht. Dies wird auch in diesem Fall nicht anders sein (Oh, wie gerne ich mich täuschen würde. Der Pejcinovic Abgang jetzt im Sommer wurde vom FCA übrigens nicht offiziell kommuniziert). Für die eigenen Entscheidungen gilt es Verantwortung zu übernehmen.

Es bleibt zu hoffen, dass sich aus Fanperspektive auch diese Saison drei Freiwillige finden, die noch mehr Lücken im Kader haben und sportlich damit weniger Erfolg und die wir somit hinter uns lassen können. Wenn durch die Verpflichtung von Enno Maaßen Euphorie aufgekommen sein sollte, dann hat diese nicht lange angehalten. Die Entwicklung beim FCA geht weiter vom sympathischen Kleinen der die Großen ärgert, über den Status der Grauen Maus bis zur zeitweisen Lachnummer der Liga. Ich hätte mir hier über den Sommer eine andere Kurve erhofft. Ich bin allerdings auch ein naiver Fußballfan. Man mag sich trösten: langweilig wird es uns nicht.

Transferfenster zu – doch die Arbeit endet nicht, Herr Reuter

Gegen Ende der Transferperiode hat der FC Augsburg noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Mergim Berisha verstärkt die Schwaben im Sturm. Der U21-Europameister (mit Dorsch und Maier) wird zunächst von Fenerhbahce Istanbul ausgeliehen, der FCA hat jedoch eine Kaufoption.

Damit verpflichtete Rot-Grün-Weiß für diese Saison insgesamt 6 Spieler: Maxi Bauer (Fürth), Julian Baumgartlinger (vereinslos, zuletzt Leverkusen), Ermedin Demirovic (Freiburg), Arne Maier (Hertha, nach Leihe fest verpflichtet), Elvis Rexhbecaj (Wolfsburg) und Mergim Berisha (Fenerbahce). Außerdem bekamen die Nachwuchsspieler Henri Koudossou und Aaron Zehnter einen Profivertrag und einige Leihspieler wie Lukas Petkov kehrten nach Augsburg zurück.

Die Augsburger Transfers in diesem Sommer

Auf der Gegenseite steht mit Michael Gregoritsch nur ein wirklicher Abgang. Die Verträge von Jan Moravek und Alfred Finnbogason liefen aus, Perspektivspieler wie Tim Civeja (Ingolstadt), Lasse Günther (Regensburg) und allen voran Ricardo Pepi (Groningen) ließen sich verleihen. Der Leihvertrag Andi Zeqiris lief planmäßig aus, er kickt jetzt übrigens beim FC Basel.

Mittlerweile in Freiburg am Ball: Michael Gregoritsch (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Auslaufende Verträge

So weit, so in Ordnung. Die Transferperiode des FC Augsburg wurde an anderer Stelle bewertet. In diesem Artikel geht es um die Zeit danach. Denn die Arbeit für Manager Stefan Reuter ist mit dem Ende des Transferfensters keineswegs getan. Die Entscheidungen im Frühjahr 2023 werden den Kader dieser Mannschaft entscheidend beeinflussen.

Nach der Saison laufen gleich acht Verträge aus. Von aktuellen Stammspielern bis zu Kaderleichen ist alles dabei.

  • Rafal Gikiewicz, André Hahn, Florian Niederlechner, Fredrik Jensen, Daniel Caligiuri, Julian Baumgartlinger, Tobias Strobl, Benjamin Leneis

Die Arbeit ist noch nicht getan

Der FC Augsburg um Manager Reuter muss sich die Frage stellen, wie mit diesen Spielern umgegangen werden wird. Das unrühmliche Ende von Moravek und Finnbogason ohne direkte persönliche Verabschiedung in Augsburg und langem Hinhalten ist in den Köpfen der Fans nach wie vor präsent. Dieses Mal braucht es schneller Klarheit – was im Übrigen durch sportlichen Erfolg erleichtert werden sollte.

Ferner steht der FCA natürlich vor der bedeutenden Frage, welche der genannten Spieler den Verein nächstes Jahr noch weiterbringen. Womöglich stellt sich der FCA neu im Tor auf. Ließe man Gikiewicz ziehen, käme etwa der zuletzt gehandelte Finn Dahmen ins Spiel. Der Vertrag des Mainzer Ersatzkeepers läuft nächste Saison aus. Wie sieht es bei Identifikationsfigur André Hahn aus? Wie beim dann auch schon 32-jährigen Florian Niederlechner? Beim Altersargument werden zwangsläufig auch die Argumente für Tobias Strobl (32), Julian Baumgartlinger und Daniel Caligiuri (beide 34) weniger. Und was ist eigentlich mit Fredrik Jensen? Gelingt ihm in Augsburg endlich der Durchbruch?

Das alles sind Fragen, die mitunter nicht sofort beantwortet werden müssen. Dass gleich acht Verträge auslaufen, birgt jedoch ein gewisses Konfliktpotential. Es braucht zeitnahe Klarheit und die richtigen Entscheidungen. Manager Reuter hat also auch in Zukunft einiges zu tun.

Die Zeit rennt … und fehlt?!

Heute war wohl ein kleiner Premierentag im heimischen Augsburg. Während ich, Irina, das erste mal auf der Pressetribüne in der WWK-Arena saß, beorderte FCA-Coach Enno Maaßen direkt das erste mal Neuzugang Mergim Berisha in die erste Elf! Er sollte ein gefährliches Angriffsduo mit Ermedin Demirović bilden, der anstelle des zuletzt verliehenen Pepi stürmte . Zudem spielten Gumny, Gruezo und Caligiuri von Beginn an – sie ersetzten Iago, Framberger und Jensen. Iago und Jensen mussten beide verletzungsbedingt aussetzen.

Ein Wiedersehen gab es vorallem mit Ex-Augsburger und Eigengewächs Marco Richter, der unlängst nach überstandener Krebserkrankung wieder Bundesligaminuten sammeln durfte. Eine Schweigeminute wurde für die Opfer des Terroranschlags der olympischen Spiele von München im Jahr 1972 abgehalten. Ein emotionaler Moment, die ganze Pressetribüne stand und so auch der Rest des Stadions.

Erste Halbzeit – Durchaus gefällig

Und dann ging es auch schon los: Das 21. Duell zwischen der alten Dame und dem FCA begann hierbei durchaus druckvoll. Die Heimmannschaft gab vor tosender Kulisse direkt Vollgas und so auch die Gäste aus der Hauptstadt. Die erste Chance des Spiels durften die Herthaner durch Kanga für sich verzeichnen. Viele kleine Nickligkeiten prägten das Spiel, dies fand seinen Höhepunkt in der Szene des Spiels in Minute 23: Berisha auf Demirovic, der Uremovic umkurvte und von diesem gehalten wurde. Demirovic kam sodann zu Fall, dies alles rund 20 Meter vor dem Berliner Tor.

Vielerorts wurde diese Szene als Notbremse gesehen und folgerichtig wäre dies dann eine rote Karte für Hertha gewesen. Schiri Osmers gab aber nur gelb. Warum nur gelb? Man könnte hier nun argumentieren, dass der Herthaner Plattenhardt noch in Ballnähe stand, also hätte eingreifen können. Ob dies in Realgeschwindigkeit tatsächlich so funktioniert hätte, ist zumindest zu bezweifeln. Zudem wäre ein weiterer Augsburger in Schlagweite gewesen, der im Zweifel ebenso hätte abschließen können. So bleibt hier leider ein fader Beigeschmack. Den daraus resultierenden Freistoß schoss Berisha in die Mauer. Da war eindeutig mehr drin!

Colinas Erben argumentieren in ihrer Kolumne für ntv:

“Die Fernsehbilder sprechen insgesamt eher für eine Rote Karte als für eine Verwarnung, aber sie widerlegen die Entscheidung des Unparteiischen auf dem Feld nicht eindeutig. Das Foulspiel nur als Unterbindung eines aussichtsreichen Angriffs zu bewerten und nicht als Vereitelung einer offensichtlichen Torchance, war daher zumindest kein klarer und offensichtlicher Fehler, sondern eine Entscheidung im Ermessensbereich von Harm Osmers. Dass der Video-Assistent nicht intervenierte, war deshalb korrekt – zumal auch ein On-Field-Review die Zweifel nicht beseitigt hätte. Bei einer Roten Karte hätte der VAR aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls nicht eingegriffen. Bisweilen ist eben nicht nur eine Entscheidung möglich und vertretbar.”

Colinas Erben für ntv

Vor dem Halbzeitpfiff wurde es noch ein wenig munterer: Erst kam Berisha zum Abschluss, traf aber nur den linken Pfosten, dann brachte dieser in der nachfolgenden Szene eine Flanke in den Fünfer, die Kempf vor Demirovic klären konnte. In Minute 31 die erste Verwarnung für den FCA: Carlos Gruezo sah gelb für eine Grätsche. Aber auch die Hertha blieb nicht untätig: Ejuke schlenzte den Ball knapp am Pfosten der Augsburger vorbei. Enno Maaßen wechselte kurzerhand Gruezo, immerhin gelb vorbelastet aus, der wohl bei seiner nächsten Aktion mit gelb-rot vom Feld geschickt worden wäre. Für ihn kam Julian Baumgartlinger ins Spiel.

Ohne weitere nennenswerte Aktionen ging es in einem spielerisch limitierten, aber durchaus phasenweise hitzigen Spiel in die Halbzeitpause. Ein kurzes Zwischenfazit: Der FCA zeigte gute Ansätze, kam wenige Male gefährlich vor den gegnerischen Kasten. Hertha spielte offensiv etwas gefälliger, hatte jedoch viel Glück in der Bewertung der Zweikampfszene zwischen Uremovic und Demirovic. Ein Unentschieden war zu diesem Zeitpunkt ein äußerst gerechtes Resultat.

Carlos Gruezo hatte mal wieder seine liebe Not mit seinen Gegenspielern und musste wegen einer frühen Verwarnung ebenfalls früh raus. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Zweite Halbzeit – Planlos & harmlos

Arne Maier musste sodann in der Kabine bleiben, ist weiterhin wohl angeschlagen. Wir hoffen auf schnelle Genesung und nur eine kleine Blessur. Für ihn kam Ruben Vargas in die Partie. Mal wieder hatte zum Start die Hertha die ersten Chancen: Lukebakio wagte den Schuss aus der Distanz und prüfte damit Goalie Gikiewicz im Augsburger Kasten. Auch Tousart befand dies ein paar Minuten später als ein geeignetes Mittel und zog aus rund 18 Metern einfach mal ab, zielte nur knapp rechts daneben.

In Minute 57 dann der Nackenschlag für die Augsburger Elf: Außenverteidiger Plattenhardt durfte unbedrängt flanken und fand dort Lukebakio, der keine Mühe hatte, die Flanke per Kopf zu verwerten. 1:0 – Führung für die Hertha – und aufgrund der Drangphase der Berliner seit Beginn der zweiten Halbzeit war dies nicht mal unverdient. Hier hat insbesondere aber beim FCA die Zuordnung mal wieder nicht gepasst, Mads Pedersen war der Bewacher vom Torschützen und ist knapp zehn Zentimeter kleiner als ebenjener. Der Videobeweis besagte hier in der Szene übrigens, dass Lukebakio bei seinem Kopfball nicht im Abseits stand.

Wieder lief der FCA also einem Rückstand hinterher, vor 25789 Zuschauer*innen in der WWK Arena tat sich die Maaßen-Elf weiterhin sehr schwer, spielerische Mittel zu finden. Offensive Momente? Größtenteils Fehlanzeige. Rexhbecaj mit einem harmlosen Kopfball aus rund 15 Metern, Christensen konnte jedoch abwehren, ebenso wie Caligiuris Eckball. Im Gegenteil: Vielmehr setzte die Hertha alles drauf und dran, mit einem Tor zum 2:0 nachzulegen. In der 69. Minute wurde auf Seiten der Berliner Marco Richter unter Applaus eingewechselt, er kam für den agilen Ejuke.

Enno Maaßen versuchte noch, mit den beiden Oldies Hahn und Niederlechner (für Berisha und Demirovic) Erfahrung und Abgeklärtheit in die Partie zu bringen. Dies fruchtete aber nicht so wirklich, wie Enno Maaßen hinterher in der Pressekonferenz quasi zugeben musste. Die positionsgetreuen Wechsel bei Rückstand muteten allerdings ein wenig risikoarm an. Die spielerischen Impulse, die die beiden Eingewechselten einbrachten, waren tendenziell auch eher marginal. Ein Lichtblick: In Minute 82 verlies Elvis Rexhbecaj, wie immer unermüdlich rackernd, den Platz und Jungspund Lukas Petkov kam in die Partie. Immerhin ein Nachwuchsspieler, der aufgrund der Personalengpässe und Verletzungssorgen nahe an der ersten Mannschaft zu sein scheint!

Ein ganz großes Manko zeigte sich insbesondere in Halbzeit zwei: Immer wieder wurde deutlich, dass Pässe nicht ankamen oder zu ungenau waren. Dies erschwerte Offensivmomente immens und / oder diese verpufften komplett. Der FCA war anfällig für Fehler im Spielaufbau, diese nutzten die Herthaner für schnelle Gegenangriffe. So auch in der dritten der vier Minuten Nachspielzeit: Erst kam der FCA zu einer Torchance, konnte diese jedoch nicht verwerten, weil Christensen ein Eigentor seines Vordermanns Uremovic vereitelte. Dann strömten die Herthaner zum letzten Gegenangriff aus, allen voran Davie Selke, der auf den mitgelaufenen Marco Richter abgab. Dieser hatte dann kaum Mühe, Gikiewicz zu umspielen und zu verwandeln. 2:0 – Messe gelesen, danach direkt Abpfiff.

Marco Richter als Matchwinner – für das falsche Team möchte man sagen. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Gesamtfazit

Was bleibt war und ist der schlechteste Saisonstart des FCA in der Bundesliga seit 2012/13. War die erste Halbzeit hierbei noch gefällig, nahm dies in der zweiten Halbzeit kontinuierlich ab. In der ersten Halbzeit konnte Neuzugang Berisha sein Können im Ansatz unter Beweis stellen und kombinierte trotz nur kurzer Akklimatisierung ansehnlich mit Sturmpartner Demirovic, beide jeweils ohne einen eigenen Treffer beizusteuern. In Halbzeit zwei kam von beiden – wie von der gesamten Mannschaft – jedoch nur noch wenig. Berisha konnte man hier noch die Eingewöhnungsphase in Augsburg zu Gute halten. Demirovic bemängelte hinterher im Gespräch mit den Medien, dass der letzte Pass nicht ankam. Florian Niederlechner wurde noch deutlicher: Es läge nicht am Sturm, dass man offensiv so harmlos war. Auch ein Robert Lewandowski würde beim FCA derzeit keinen Treffer erzielen, da zum Beispiel zielgenaue Flanken fehlten, um sich Großchancen vor dem gegnerischen Tor zu erarbeiten.

Pech hatte man auch bei der Bewertung der Zweikampfszene in Minute 23. So auch bei den Auswechslungen von Gruezo, der sich eine frühe gelbe Karte einfing und Maier, der mal wieder angeschlagen zu sein scheint. Ohne Maier fehlte eindeutig das strukturierende Element im Mittelfeld, ohne ihn ging nach vorne gefühlt gar nix. In der Verteidigung musste erneut improvisiert werden, denn Iago stand kurzfristig nicht zur Verfügung. So begann Bauer als linker Innenverteidiger in der Dreierkette, vor ihm Mads Pedersen. Auf der anderen Seite begann Gumny als rechter Innenverteidiger, davor Daniel Caligiuri. Insbesondere Bauer gefiel und bestach mit seiner starken Zweikampfquote, aber auch seine Passquote konnte sich sehen lassen. Kapitän Gouweleeuw fiel hierbei ein wenig ab, verlor unter anderem den Zweikampf vor der Flanke auf Lukebakio, die zum 1:0 für die Hertha führte.

Beim 2:0 für Hertha zeigte sich das FCA-Dilemma dann in voller Pracht: Verpasste man es vorne in der Szene zuvor, den Ball im Hertha-Kasten unterzubringen, kassierte man quasi im Gegenzug das Tor zum Endstand durch Richter. Den entscheidenden Zweikampf verlor Baumgartlinger im Mittelfeld, dem hier einfach das Tempo fehlte, um mit Selke mitzusprinten. Allerdings für mich auch die Frage, ob diese Absicherung das Gelbe vom Ei ist, hierfür sollte doch ein etwas schnellerer Spieler ausgewählt werden?! Ebenso bezeichnend, wie offen die Augsburger standen, sodass drei Herthaner nur zwei Augsburgern gegenüberstanden, die auch noch läuferisch unterlegen waren. Wie uneigennützig Selke dann auf Richter ablegte, war dann einfach ein Beispiel an Teamgeist und gegenseitiger Gönnung. Wenns läuft, dann läufts halt einfach.

Beim FCA war aber nicht zu spüren, dass sie das Spiel noch rumreißen wollten und – noch viel schlimmer – es gab einfach keine Ansätze, die untermauern konnten, dass der FCA noch Möglichkeiten hatte, das Spiel zu seinen Gunsten zu gestalten. Bei einem xG Wert von 0,31 auch kein Wunder – und das gegen einen direkten Konkurrenten. Gegen ein Team, das vermutlich wie der FCA lange um den Abstieg spielen wird. Gegen ein Team auf Augenhöhe sind wir also derzeit immer noch nicht in der Lage, gegenzuhalten und zumindest hier noch unentschieden zu spielen. Fehlt hier ggf. auch ein wenig das Mindset der Mannschaft? Man spricht ja oft von Galligkeit, von Gierigkeit. Ich finde, davon sieht und spürt man nicht sonderlich viel derzeit. Florian Niederlechner resümierte, dass dieser schwache Start in die neue Saison auch das Selbstvertrauen der Mannschaft gesenkt hat. Das kann man zumindest als (berechtigtes) Argument werten.

Was fehlt derzeit noch?

Ein Blick auf die Statistik zeigte, dass die Gastmannschaft die Oberhand hatte. 15 Torschüsse zu 7 (pro Hertha), 80% Prozent Passquote, 52 % Ballbesitz. Der FCA hatte eine marginal bessere Zweikampfquote (51:49 %) und legte die etwas bessere Laufleistung an den Tag. In den entscheidenden Szenen war die Hertha heute jedoch bissiger, williger und griffiger. Sie scheinen in der Teamentwicklung einfach schon einen Schritt weiter zu sein als der FCA und konnten Selbstbewusstsein für die weiteren Spiele tanken.

Der FCA rutscht auf den Relegationsrang mit nur drei Punkten und steht vor schwierigen Spielen, auswärts in Bremen am kommenden Freitag sowie das Wochenende darauf gegen Bayern zuhause. Niederlechner schlug medial vor: “Es täte uns gut, wenn wir uns auf die Basics zurückbesinnen. Das Spiel auf die zweiten Bälle etwa.” Er nannte auch Beispiele der Ligakonkurrenz, wie Mainz oder Union etwa, die einen passenden Spielstil an den Tag legen und letzten Endes auch erfolgreich damit sind.

Weiterhin bin ich etwas ratlos bezüglich des In Game Coachings von Enno Maaßen. Es ist mir ein Rätsel, warum nicht nach der Führung von Hertha konsequent umgestellt und etwas mutiger gewechselt wurde. Womöglich ist die Antwort die, dass wir derzeit nichts adäquates auf der Bank sitzen haben. Als Krönung dieses unschönen Augsburger Nachmittags ergab sich als Zweitligarundenpaarung im DFB-Pokal die Ansetzung FC Augsburg gegen den FC Bayern. Schwieriger geht’s wohl kaum.

Mein finales Fazit: Es fehlt nach wie vor die Kreativität sowie ein offensiver Plan. Geht Maier aus der Partie, gibt es kaum mehr offensive Struktur. Dorsch fehlt derzeit einfach immens. Schade, dass die Transferphase nun zu Ende ist und ein Spieler ala Okugawa nicht den Weg an den Lech gefunden hat. Für mich sind die Stürmer bei uns die ärmsten Spieler, da sie kaum gefüttert werden mit passablen Vorlagen. Berisha hat sich beispielsweise in dieser Partie sehr viel selbst erlaufen und erarbeitet.

Eins bleibt Fakt: Enno Maaßen hat noch viel Arbeit vor sich und das braucht weiterhin Zeit. Zeit, die dem FCA teuer zu stehen kommen könnte im Abstiegskampf. Zeit, die der FCA ggf. gar nicht haben kann. Ob Enno die richtigen Spieler für sein System zur Verfügung stehen, ist nach wie vor die große Frage. Eine T-Frage ist aber auch weiterhin und zu so einem Saisonzeitpunkt nicht sinnvoll. Die Augsburger Fans äußerten jedenfalls ganz laut nach dem Spiel ihren Unmut mit Pfiffen und dies muss man auch nachvollziehen können.

Es wird sich zeigen, in welche Richtung diese Saison verläuft und wie arg man in Augsburg zusammenhält, schließlich hat man sich dies einst als Mantra auferlegt. Es wäre schön, wenn man diesen Zusammenhalt ganz bald auch wieder auf dem Feld sehen dürfte.

Die Woche der Wahrheit

Einen Schuss brachte der FC Augsburg im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim auf den gegnerischen Kasten. In einer von Augsburger Harm- und Ideenlosigkeit geprägten Partie hatte die wahrlich keine Sterne vom Himmel spielende TSG nie wirklich Probleme, die drei Punkte einzufahren. Eine verdiente Niederlage aus FCA-Sicht.

Damit hat die Mannschaft von Trainer Enrico Maaßen drei der vier Ligaspiele verloren. Der glückliche 2:1-Sieg in Leverkusen kaschiert die Augsburger Probleme zum Start. Das 0:4 gegen Freiburg war blamabel, das 1:2 gegen Mainz dämlich, das 0:1 in Hoffenheim mutlos. Der Blick in der Tabelle geht damit abermals nach unten. Die angespannte Personallage um den verletzten Stammspieler Felix Uduokhai dämpft die rot-grün-weiße Gemütslage zusätzlich. Aber ist alles schlecht? Noch ist Zeit für eine Trendwende. Der FCA steht vor einer entscheidenden Woche – die womöglich maßgeblich über den weiteren Saisonverlauf bestimmt.

Transfers, Herr Reuter

Der Transfermarkt ist noch bis zum 1. September geöffnet. Dass der FC Augsburg gerne noch Spieler verpflichten möchte, ist kein Geheimnis. Bedarf besteht auf der (vor allem defensiven) rechten Außenbahn sowie verletzungsbedingt womöglich in der Innenverteidigung. Außerdem würde ein torgefährlicher Offensivspieler den Schwaben sehr gut zu Gesicht stehen. Weder Ermedin Demirovic noch Ricardo Pepi oder Florian Niederlechner machten in Sinsheim nachhaltig auf sich aufmerksam. Ersterer wusste zumindest in den vorherigen Partien zu gefallen.

Bemüht, aber glücklos: Neuzugang Ermedin Demirovic. Braucht der FCA einen weiteren Stürmer? (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Ferner sollte sich Manager Stefan Reuter etwas um Kaderausdünnung bemühen. Einen Stammspieler kann und wird der FCA nicht mehr abgeben, einige Profis könnte man jedoch problemlos von der Gehaltsliste streichen. Oder verleihen, um ihnen wie im Falle Maurice Malones Spielpraxis zu geben.

Reuter steht in dieser Woche unter Druck. Die Fans erwarten weitere Neuzugänge, der spielerische Offenbarungseid in den ersten Partien legte die Schwächen dieser Mannschaft offen. Noch kann der Manager gegensteuern und den (eigentlich bundesligatauglichen) Kader punktuell verstärken. Die von Verein ausgerufene Devise “Wir machen nur was, wenn uns der Spieler direkt weiterhilft” ist richtig. Ob gegen Ende der Transferperiode solche Spieler überhaupt noch auf dem Markt sind, gleichzeitig aber auch fraglich.

Steht vor ereignisreichen Tagen: FCA-Manager Stefan Reuter ist in puncto Transfers gefordert. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Heimsieg gegen Hertha

Zum Wochenabschluss trifft der FCA am Sonntag zu Hause auf Hertha BSC. Eine Mannschaft, mit der sich der FCA in dieser Saison messen lassen muss. Eine Mannschaft, die erst einen Zähler auf dem Konto hat (1:1 gegen Frankfurt). Eine Mannschaft, die die wenigsten Tore der Liga erzielt hat (2). Und damit eine Mannschaft, die der FCA schlagen muss. Sechs Zähler nach fünf Partien wären in Ordnung. Man wäre im Soll und würde den Abstand auf die Konkurrenz wahren.

Das Hertha-Spiel ist elementar für den weiteren Saisonverlauf. Ein Sieg kann beruhigen und der Mannschaft für das anschließende Duell mit Aufsteiger Bremen zusätzlichen Schub verschaffen. Eine Niederlage sorgt zwangsläufig für Krisenstimmung, zumal nach dem Bremen-Spiel die Bayern kommen.

Noch ist keineswegs alles schlecht – wie von manchen (zurecht) frustrierten Fans in sozialen Medien suggeriert. Der FC Augsburg ist allerdings gefordert, die Weichen für eine Trendumkehr zu stellen. Mit dem ein oder anderen guten Transfer. Und einem Heimsieg gegen Hertha. Der FCA hat es selbst in der Hand, wie über ihn Anfang September gesprochen wird.

Servus Julian!

Der Mittelfußanbruch von Niklas Dorsch hat im defensiven Mittelfeld des FC Augsburg eine große Lücke gerissen. Noch ist unklar, wie lange wir auf “Dorschi” verzichten müssen. Doch eines ist klar: So schnell wird das wohl leider nichts mit einer Rückkehr. Da mit Felix Götze derzeit nur ein Backup in unseren Reihen steht, hat Sportdirektor Stefan Reuter noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen und mit Julian Baumgartlinger einen sehr erfahrenen Mann an Bord geholt. Der 34 Jahre alte Österreicher war seit dem 01.07.2022 vereinslos und unterschreibt einen Einjahresvertrag bis zum 30.06.2023. Wir sagen an dieser Stelle herzlich Servus und stellen euch Julian gerne etwas genauer vor.

Pfiat di, liebe Heimat!

Der defensive Mittelfeldspieler wurde am 02. Januar 1988 im wunderschönen Salzburg geboren. Im Alter von fünf Jahren startete er sein Fußballabenteuer beim USC Mattsee. Der Ort ist eine so genannte Marktgemeinde mit 3.446 Einwohnern und liegt in etwa 20 Kilometer nordöstlich von Salzburg. Heute spielt der USC in der österreichischen Landesliga Nord.

Im zarten Alter von gerade einmal 13 Jahren verließ Baumgartlinger jedoch seine Heimat, denn mit dem TSV 1860 München klopfte mit einer der besten Ausbildungsvereine Deutschlands an Julians Tür. Man mag von den Kätzchen halten, was man mag, aber sie haben eine der besten Jugendakademien und bilden regelmäßig die Profis von morgen aus. Kevin Volland, die Bender-Zwillinge, Julian Weigl, Florian Neuhaus und Marius Wolf kommen alle aus der Talentschmiede der blauen Münchener. Und mit Philipp Max, Daniel Baier, Tobias Strobl und Felix Uduokhai standen bzw. stehen auch schon einige ehemalige Jugendspieler des TSV in den Diensten des FCA.

Zurück zu unserem neuen 6er. Vom 2001 bis 2006 durchlief er sämtliche Jugendabteilungen der Kätzchen, bevor er schließlich im Alter von 18 Jahren in den Kader der 2. Mannschaft berufen wurde. Bis 2009 kam er dort auf 37 Einsätze in der Regionalliga Süd. Hierbei erzielte er ein Tor. Falls ihr jetzt stutzt und denkt, ich hätte die Regionalliga Bayern mit der Regionalliga Süd verwechselt, hier ein kleiner Exkurs: Die Regionalliga Bayern entstand erst 2012 mit der Regionalligareform. Hier wurde die vierhöchste Spielklasse auf fünf Ligen aufgestockt. Der FC Augsburg II gehörte im Übrigen auch zu deren Gründungsmitgliedern.

Der Sprung in den Profifußball

Zwar gehörte Julian Baumgartlinger der Profimannschaft noch nicht offiziell an, dennoch durfte er sich am 12. November 2007 über sein Profidebüt freuen. Im Zweitligaduell 1860 München gegen Borussia Mönchengladbach wurde der Mittelfeldspieler in der 82. Minute für Torben Hoffmann eingewechselt. Die Partie endete in einem 0:0-Unentschieden. Im Sommer 2008 rutschte Julian schließlich in den Profikader, für den er bis 2009 13 Mal auf dem Platz stand.

Von 2009 bis 2011 ging es zurück in die österreichische Heimat
(Photo by Samuel Kubani/EuroFootball/Getty Images)

Im Sommer 2009 ging es für den gebürtigen Salzburger schließlich für zwei Jahre zurück in die Heimat. Bei FK Austria Wien unterschrieb er einen Dreijahresvertrag und mauserte sich sehr schnell zum Stammspieler in der österreichischen Bundesliga. Obwohl ihn auch hier schon immer mal wieder kleinere Blessuren heimsuchten, schaffte er es in zwei Spielzeiten doch auf 61 Einsätze für den Hauptstadtclub. Wie auch schon bei unseren blauen Nachbarn kommt er hier auf ein erzieltes Tor.

Deutsche Bundesliga, ich komme!

Seinen Vertrag bei den Österreichern erfüllte Baumgartlinger allerdings nicht, denn Ende Juni 2011 bekam er ein Angebot vom FSV Mainz 05, das er selbstverständlich annahm.

Julian Baumgartlinger passt perfekt zu uns. Er ist ein Mittelfeldspieler für das Zentrum oder die Halbpositionen. Er hat uns mit seiner Power, seiner Aggressivität und Laufbereitschaft beeindruckt, darüber hinaus verfügt er über ein großes strategisches Talent. Er wird mit seinen Fähigkeiten das Niveau unserer Mannschaft weiter anheben.

Der damalige Mainz Trainer und Ex-Augsburger Thomas Tuchel über Julian Baumgartlinger

Für den Club aus Rheinland-Pfalz bestritt der defensive Mittelfeldspieler insgesamt 139 Spiele in fünf Jahren bzw. 10.893 Einsatzminuten. Hierbei konnte er den Mainzern nicht nur immer wieder zum Klassenerhalt verhelfen, sondern steuerte auch selbst drei Tore und neun Torvorlagen bei. Sein erstes Tor in der 1. Bundesliga schoss er dabei am 12. Februar 2012 vor Mainzer Kulisse gegen Schalke 04 zum 2:1-Endstand. Ob man es glaubt oder nicht, aber hier sammelte Baumgartlinger auch erste internationale Erfahrungen, denn mit den Mainzern nahm er zwei Mal an der Europa League Qualifikation teil.

Für die Mainzer trug er die Binde am Arm
(Photo credit should read DANIEL ROLAND/AFP via Getty Images)

Doch im Sommer 2016 war schließlich trotz Vertrag bis 2019 Schluss und der FSV verlor nicht nur einen hervorragenden Mittelfeldspieler, sondern auch gleichzeitig noch seinen Kapitän. Bereits am 19.05.2016 wurde das Interesse von Bayer Leverkusen an dem damals 28jährigen Nationalspieler bekannt. Dank einer Ausstiegsklausel konnte der Österreicher für ca. vier Millionen Euro zur Werkself wechseln, um sich “mit den besten Vereinen und Spielern Europas zu messen”.

Julian Baumgartlinger passt hervorragend in unser Anforderungsprofil. Ein Charakterspieler mit Führungsqualitäten, ehrgeizig, körperlich stark und mit strategischen Fertigkeiten.

Leverkusen-Geschäftsführer Rudi Völler über Julian Baumgartlinger

Sechs Jahre lang stand Julian Baumgartlinger bei Bayer 04 unter Vertrag und nahm in dieser Zeit alles an Spielerfahrung mit, was ging. Bundesliga, Europa League, Champions League… Insgesamt stand er 152 Mal für Leverkusen auf dem Platz. In dieser Zeit schoss er sechs Tore und steuerte noch sechs Torvorlagen bei. Zunächst hatte der heute 34Jährige nur einen Vertrag bis 2020, den er aber noch einmal bis 2021 und schließlich trotz schwerer Verletzung noch einmal bis 2022 verlängerte.

Verletzungen – immer wieder…

Und da sind wir auch schon bei dem Thema, das viele Augsburger Fans beim Aufkommen der ersten Gerüchte sehr beunruhigt hat und das auch nicht verschwiegen werden darf: Die Verletzungshistorie. Wirft man einen genaueren Blick auf selbige, dann kann einem schon ein klein wenig mulmig zumute werden. Immerhin erinnert diese doch sehr stark an Tobias Strobl, Jan Morávek und Alfred Finnbogason.

In seiner gesamten Karriere verpasste Julian bereits 104 Spiele aufgrund diverser Blessuren. Hier gab es kleinere Verletzungen wie muskuläre Probleme, Sprunggelenksverletzungen oder auch mal ein leichter Infekt. Doch leider findet man hier auch sehr große Verletzungen wie eine Meniskusverletzung zu Mainzer Zeiten oder aber auch einen Kreuzbandschaden, als er bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stand. Aufgrund letzterem musste er sich gleich zwei Knie-Operationen unterziehen und verpasste so ganze 29 Spiele der letzten Saison.

Es ist daher verständlich, dass Bayer den Vertrag des Österreichers nicht noch einmal verlängerte. Dennoch wurde ihm seitens Coach Gerardo Seoane eine allerletzte große Ehre zuteil. Am letzten Spieltag der Saison 2021/22 durfte Julian nicht nur von Beginn an gegen den SC Freiburg ran, sondern seine Mannschaft auch noch als Kapitän auf das Feld führen. Bei seiner Auswechslung in der 60. Minute bekam er Standing Ovations, denn er war sechs Jahre lang absoluter Führungsspieler und Vertrauensperson auf und neben dem Platz.

Auf und neben dem Platz ein ganz wichtiger Faktor…
(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Karriere beim ÖFB

Seit dem Jahr 2003 ist Julian Baumgartlinger fester Bestandteil der österreichischen Nationalmannschaft. Seine dortige Karriere begann in der U16-Auswahl, für die er zwei Mal auflief. Es folgten 24 Partien für alle Jugendmannschaften des ÖFB, bevor er schließlich 2007 in die U21 aufrückte. Im Jahr 2009 durfte er für diese erstmalig die Kapitänsbinde tragen.

Am 09. September 2009 feierte er schließlich sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. Es handelte sich hierbei um den Einsatz in einem WM-Qualifikationsspiel der Österreicher gegen Rumänien. Baumgartlinger stand nicht nur in der Startelf, sondern spielte auch noch über die vollen 90 Minuten. Endstand der Partie im Ghencea-Stadion in Bukarest (das 2018 im Übrigen abgerissen wurde) lautete 1:1.

Sein erstes und bisher einziges Tor für sein Heimatland erzielte Julian am 03. April 2014 beim 2:1-Sieg über die tschechische Auswahl in einem Freundschaftsspiel. Insgesamt lief der Mittelfeldspieler bisher 84 Mal für den ÖFB auf.

Nach dem Vorrundenaus bei der EM 2016 wurde unser neuer Spieler zum Mannschaftskapitän der Nationalmannschaft ernannt. Trotz seiner zahlreichen Ausfälle, wurde er bei der EM 2021 in den endgültigen Kader der Europameisterschaft berufen, bei der er auch zu einem Einsatz kam. Bei der kommenden Weltmeisterschaft in Katar ist der ÖFB aber nicht vertreten. Im Halbfinale der Playoffs musste man sich Wales geschlagen geben. Julian Baumgartlinger stand aber hier nicht im Kader der Österreicher.

Erfahrung

Nun ist dieser Wechsel natürlich mit einem gewissen Risiko behaftet. Das wissen wir, denke ich, alle. Hört man sich in den verschiedenen Gruppen in den sozialen Netzwerken um, dann hat schon lange kein Wechsel mehr solch eine Unruhe ausgelöst. Natürlich ist das nicht ganz unverständlich, denn immerhin hat man mit Tobias Strobl, Andreas Ottl, Piotr Trochowski, Stephan Lichtsteiner und Co. schon öfter Spieler dieser Kategorie verpflichtet, die dann allesamt nicht so eingeschlagen sind, wie sie sollten. Zudem muss man immer Angst haben, dass nach einer solchen Verletzung ein Spieler keine hundert Prozent mehr geben kann, auch wenn sich Julian Baumgartlinger den ganzen Sommer über fit gehalten hat. Auch die erneute Verletzungsgefahr darf man natürlich nicht außer Acht lassen.

Trotzdem glaube ich, dass sich die Verantwortlichen etwas dabei gedacht haben und wenn Julian fit bleibt, dann kann er uns auf jeden Fall weiterhelfen. Auf seiner Vita stehen derzeit 460 Spiele auf Vereinsebene: 239 in der 1. Bundesliga, 61 in der 1. Bundesliga Österreichs, 23 im Pokal, 12 in der Champions League, 18 in der Europa League usw. Mehr Erfahrung, die er auf und neben dem Platz mit einbringen kann, geht fast gar nicht. Er kann nicht nur junge Spieler mit hochziehen, sondern er hat auch richtig Bock auf die Aufgabe Augsburg.

Wenn man einen Blick auf seine Leistungsdaten in der Saison 20/21 wirft, dann kann man nur anerkennend nicken. Wenn er es schaffen sollte, diese auch nur ansatzweise auf den Platz zu bringen, dann kann er uns wirklich weiterhelfen. Hier ein paar Beispiele:

BezeichnungWert / QuotePlatzierung aller Spieler innerhalb der Bundesliga
Passquote86,0 %33
Zweikampfquote66,1 %4
Luftkämpfe71,0 %11
Balleroberungen1,57 pro Partie14
Schussgenauigkeit71,4 %28
Ballverluste0,63190 von 221
(je höher die Platzierung umso besser in diesem Fall)
Werte Julian Baumgartlinger Saison 20/21 laut Ligainsider

Wollt ihr meine Meinung zu diesem Transfer wissen? Es ist riskant, ja, aber ich denke, wenn Julian Baumgartlinger das zeigt, was er immer bei Bayer Leverkusen abliefern konnte, dann kann er für unseren Kader eine große Bereicherung sein. Um es mit den Worten Rudi Völlers zu sagen:

Julian ist „ein Anker und Stabilisator besonders für unsere jungen Spieler. Julians Erfahrung auf und neben dem Platz ist Gold wert.“

Stimmen zum Transfer

Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter:Wir haben viele junge, entwicklungsfähige Spieler in unserem Kader und gerade durch den langen Ausfall von Niklas Dorsch wollten wir im Mittelfeld noch einen erfahrenen Spieler dazu nehmen, der unserem Team auf und neben dem Platz mit seiner sportlichen Qualität, seiner Mentalität, seiner Persönlichkeit und seiner Erfahrung helfen wird.“

Julian Baumgartlinger: „Ich habe richtig Lust auf den FC Augsburg, denn ich finde es beeindruckend, wie sich der Verein in den letzten elf Jahren in der Bundesliga etabliert hat. Ich bin sicher, dass ich von meiner intensiven Spielweise sehr gut zum Klub und ins Team passe. Ich bin fit und bereit für die Herausforderungen mit der Mannschaft.“

An dieser Stelle wünscht das Team der Rosenau Gazette Julian Baumgartlinger herzlich Willkommen in Augsburg. Wir hoffen sehr, dass er fit und verletzungsfrei bleibt, sodass er uns im Kampf um den Klassenerhalt – und aller weiteren Ziele – aus vollen Kräften unterstützen kann. Alles Gute hier am Lech, lieber Julian!

Nicht gut genug?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne “Einwurf aus der Rosenau Gazette” bei presse-augsburg.de. 

Jetzt ist die Saison des FC Augsburg gestartet und das Ergebnis gegen den SC Freiburg ist nun nicht entscheidend für eine weitere Prognose, so schmerzlich diese 0:4 Niederlage zum Auftakt auch gleich ist. Der FC Augsburg wurde mal wieder von vielen Experten, und Didi Hamann macht hier schon fast einen Sport daraus, als Absteiger getippt. In Augsburg ist die übliche Reaktion hierauf: dann kann doch nichts mehr schief gehen. Und das Abstiegsgespenst brauchen wir nun auch gar nicht geistern zu lassen. Dafür ist es wahrlich viel zu früh.

Dennoch sind die Bedenken externer Experten Ernst zu nehmen. Es ist korrekt, dass Enno Maaßen vor seiner Verpflichtung durch den FC Augsburg keinerlei Bundesligaerfahrung als Trainer gesammelt hat und es sich erst noch zeigen wird, ob er die Eignung für diese Liga mitbringt. Andererseits muss Enno Maaßen mit dem Kader arbeiten, der ihm durch Stefan Reuter und Team zusammen gestellt wurde. Und hier stellt sich zum Saisonstart dann doch noch die ein oder andere Frage.

Kaderstärke insgesamt

Wenn man die Kaderstärke der Bundesligamannschaften aus einer objektiven Brille betrachten will, dann hilft es @Goalimpact auf Twitter zu folgen. Der Account liefert regelmäßig Einschätzungen zur Stärke der Mannschaften inkl. einer Prognose über das Abschneiden in der Saison. Das Ergebnis vor Saisonstart: Platz 17 für den FC Augsburg mit einer Kaderstärke von 135,9. Knapp hinter uns nur noch der VfB Stuttgart. Vor uns mit ca. 4 Punkten Abstand eine Gruppe mehrerer Teams zwischen Platz 10 und 16. Ein Abgleich mit den Kaderwerten von vor 2 Jahren zeigt ein gewisses Abrutschen auf. Vor 2 Jahren kurz nach dem Deadline-Day lag der Wert bei 138,9 und der FCA lag in den Prognosen im Mittelfeld der Liga.

Dieser Eindruck spiegelt dann auch die Arbeit des Managements über den Sommer wieder. Der FC Augsburg hat mit Finnbogason und Gregoritsch Spieler abgegeben, die (bei Finnbo schon eine Weile zurück liegen) für einige Entscheidungen zu Gunsten des FCA gesorgt haben. Demirovic soll sich zu einem Faktor entwickeln, ist ein solcher aber noch nicht. Und auch die Verpflichtung von Elvic Rexhbecaj stopft vorerst nur das Verletzungsloch im Kader, dass durch Dorschs Mittelfußbruch entstanden war.

Kaderveränderungen

Das Gefährliche: Die Konkurrenz schläft nicht. Gerade die Kaderentwicklungen bei Bochum, Freiburg und Co. haben dafür gesorgt, dass der FC Augsburg im Ranking abgefallen ist. Der FCA-Wert vor der letzten Saison bei 135,2 und somit herrscht im Vergleich zur Vorsaison fast Stillstand. Der Kader ist somit zwar minimal besser geworden, allerdings in geringerem Maße als bei der Konkurrenz. Dabei ist die Startelf des FC Augsburg ausgeglichen besetzt und weißt in Bestformation keine großen Lücken auf.

Nur wenn Enno Maaßen seine Spieler verbessert, reicht es für den Klassenerhalt. Zumindest den Versuch sehen wir dokumentiert. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die Schwachstellen liegen woanders. Die ausgeglichene Besetzung bedeutet auch, dass kein Spieler oder vielleicht auch mehrere deutlich hervorstechen. Auch gehen dem FCA nach dem Abgang von Gregerl ein bisschen die Unterschiedsspieler aus. Entsprechende Zugänge waren hier diesen Sommer nicht zu verzeichnen. Eine weitere Schwachstelle ist die Bank/Tribüne. Hier wird es beim FCA dann schon recht schnell eng und die Qualität fällt ab. Deswegen war der Rexhbecaj-Wechsel jetzt auch so wichtig. Die Transferperiode endet aber nun ja doch auch irgendwann und die Spieler müssen auch erst noch in die Mannschaft integriert werden.

Spielerverbesserungen

Ist Enno Maaßen dem Ganzen nun hilflos ausgeliefert? Oder kann er auf den Kader Einfluss nehmen? Momentan liegt sehr viel am Trainer und seiner Arbeit mit den Spielern. In ihren jungen Jahren können Spieler ihren Goalimpact-Score regelmäßig steigern, weil sie sich sportlich verbessern (Freiburg, wir sehen dich). Abgänge werden durch Verbesserungen der anderen Spieler aufgefangen. Wunderdinge sind hier allerdings nicht zu erwarten, wie sich schon in der ersten Partie deutlich gezeigt hat.

Solche Verbesserungen waren jetzt auch in der letzten Saison nicht im benötigten Maße ersichtlich. Sollte es Enno Maaßen gelingen aus dem vorhandenen Spielermaterial mehr als seine Vorgänger heraus zu kitzeln, dann wird nicht nur der Goalimpact-Score steigen, sondern er auch die entsprechende Prognose übertreffen.

Stefan Reuter muss noch einmal nach links und rechts schauen und sollte den Transfer des ein oder anderen Unterschiedsspielers eintüten. Bisher reichte das in dieser Transferperiode nicht aus. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Ein schlechtes Zeugnis

Für Stefan Reuter ist die Situation bis dato allerdings ein schlechtes Zeugnis. Er hat es bis Saisonbeginn nicht geschafft seinem Cheftrainer eine Mannschaft zur Verfügung zu stellen, die – auf Basis der objektiven @Goalimpact-Werte und nicht nur meiner persönlichen Meinung nach – im Bereich zwischen den Tabellenplätzen 10-16 konkurrenzfähig ist. Nach so langer Bundesligazugehörigkeit fällt das Team hinter der Konkurrenz ab und vom Trainerneuling in der Bundesliga wird direkt erwartet, über den eigenen Möglichkeiten abzuliefern. Gerade über die letzten zwei Jahre hinweg ist hier ein schleichender Abfall zu erkennen.

Und bevor nun der ein oder andere wieder mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten kommt. Diese begründen nun wohl nicht, dass wir von Bochum überholt wurden. Es erwartet hier niemand Wunderdinge. Warum der Kader schlechter als vor zwei Jahren dasteht, ist zumindest erklärungsbedürftig, wo doch auch teure Transfers getätigt wurden.

Ausblick

Was sich neben der Prognosen der Experten nicht verändert hat: es wird ein hartes Stück Arbeit für den FC Augsburg in der Liga zu bleiben. Etwas härter vielleicht, als es der ein oder andere erwarten würde und es kann ganz schnell sein, dass die leichte Euphorie und die gute Stimmung, die vor Saisonstart geherrscht haben, schwinden. Ja, das erste Spiel ist hier schon ein erstes deutliches Indiz. Kurzfristig würde es sehr helfen, wenn Stefan Reuter doch noch 1-2 Unterschiedsspieler an den Lech locken würde, die uns sofort helfen.

Über die Saison hinweg liegt unser Schicksal nun in den Händen von Enno Maaßen, der weiter mit der Mannschaft daran arbeitet, seine Art des Fußballspiels umzusetzen und das geformte Team zusammenzuhalten. Nur, wenn Spieler über ihre derzeitige Leistungsfähigkeit hinauswachsen, klappt es mit dem Klassenerhalt. Goalimpact meint, dass wir zu 30% direkt absteigen. Zu 20% landen wir allerdings auch auf einem einstelligen Tabellenplatz. Zu keinem Zeitpunkt in der Saison ist die Aufregung so hoch, wie die Saison verläuft. Hoffen wir, dass das Desaster ausbleibt.

Elvis lebt… und kommt nach Augsburg

Samstag, 23.07.2022… Es lief die 43. Spielminute gegen Stade Rennes, als Niklas Dorsch plötzlich am Seitenrand verletzt liegen blieb. In der Pressekonferenz nach der Partie teilte Trainer Enno Maaßen der Presse und den Fans die Schockdiagnose mit: angebrochener Mittelfußknochen. Reine Ausfallzeit: 4 bis 6 Wochen. Hinzu kommt noch eine gewisse Reha- und Aufbauzeit. Schon vor der Verletzung Dorschis wünschte sich Enno einen weiteren Box-to-Box-Spieler im zentralen Mittelfeld. Jetzt wurde der Wunsch zu einem zwingenden Muss. Sportdirektor Stefan Reuter handelte schnell, indem er mit Elvis Rexhbecaj vom VfL Wolfsburg einen Spieler verpflichtet, der bereits einiges an Erfahrung in der Bundesliga vorweisen kann. Doch wer ist der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler? Wir haben uns seine Vita mal ein bisschen genauer angeschaut und heißen ihn in unserer schönen Fuggerstadt herzlich willkommen.

Erste Schritte im Fußball

Elvis Rexhbecaj wurde am 01. November 1997 in Đonaj (Gjonaj) geboren. Das liegt im heutigen Bezirk Prirzren im Kosovo. Zum Zeitpunkt seiner Geburt war das noch ein Teil der Bundesrepublik Jugoslawien, in der über die ganzen 90er Jahre hinweg Krieg herrschte. Als Elvis gerade einmal 2 Jahre alt war, zog die Familie Rexhbecaj nach Deutschland, wo sie sich zuerst in Spremberg und anschließend in Brandenburg an der Havel niederließen.

Mit dem Fußball begann der zentrale Mittelfeldspieler in der F-Jugend seines Heimatvereins, dem Brandenburger SC Süd 05. Dort spielte er bis 2010. Schon damals wurde er aufgrund seines herausragenden Talents von einigen Bundesligisten umworben. Doch damit er nicht in ein Internat muss und seine Familie ihn begleiten konnte, entschied er sich für den VfL Wolfsburg. Sein Vater erhielt bei den Wölfen sogar eine Anstellung als Platzwart.

Von 2010 bis 2016 durchlief Rexhbecaj sämtliche Jugendmannschaften des VfL, bevor er schließlich Teil der zweiten Mannschaft wurde, die damals in der Regionalliga Nord spielte. Sein Debüt gab er im Oktober 2016, als er gegen Eintracht Norderstedt in der Startelf stand und 55. Minuten lang auf dem Platz sein Können unter Beweis stellen durfte. Für Wolfsburg II lief er bis 2019 in insgesamt 47 Partien auf und steuerte 12 Tore bei.

Wolfsburger Profiluft

Doch bereits in der Saison 2017/18 gehörte Elvis Rexhbecaj auch dem Profikader der Wölfe an, denn am 20.08.2017 erhielt er seinen ersten Profivertrag mit einer Laufzeit von 3 Jahren. Am 28.01.2018 durfte er sich schließlich über sein Bundesligadebüt freuen – unter einem Trainer, den wir in Augsburg nur allzu gut kennen. Unser schweizerischer Ex-Coach Martin Schmidt stand nämlich damals an der Seitenlinie der Wölfe. Allerdings nur bis zum 19.02.2018, bevor er freiwillig zurück trat. Die Partie in Hannover endete im Übrigen mit einem 1:0-Sieg für die Gäste.

Auf Martin Schmidt folgte Bruno Labbadia, der den Mittelfeldspieler keinen Monat nach seinem Antritt das erste Mal durchspielen ließ. Zwar war das vielen Verletzten im Wolfsburger Kader geschuldet, doch Elvis wusste so sehr von sich zu überzeugen, dass er in der Folgesaison nahezu zum Stammspieler avancierte. In wettbewerbsübergreifend 26 Partien stand er bei den Wölfen auf dem Platz. Zudem durfte der geborene Kosovo-Albaner auch über seine ersten Bundesligatreffer jubeln. Am 18. Spieltag der Saison 2018/19 traf er per Abstauber zum zwischenzeitlichen 1:1 auf Schalke. Das Ergebnis – 2:1 für die Hausherren – trübte die Freude aber letztendlich ein wenig.

Vorzeitige Vertragsverlängerung…

Im Mai 2019 verlängerte der damals 21Jährige schließlich seinen 2020 auslaufenden Vertrag um weitere 3 Jahre bis 2023.

Elvis hat sich in den vergangenen Jahren toll und vor allem kontinuierlich entwickelt und den Sprung vom Jugend- zum Bundesligafußballer geschafft, ohne den Fokus für die wesentlichen Dinge zu verlieren. Er arbeitet hart, ist sehr lernbegierig und noch nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Wir freuen uns daher sehr, dass er seinen bei uns eingeschlagenen Weg fortsetzen wird.

Sportdirektor Marcel Schäfer über die Vertragsverlängerung von Rexhbecaj

Vom Wolf zum Bock

Bestimmt hatte der junge Mittelfeldspieler große Hoffnung, sich bei seinem Heimatverein langfristig durchzusetzen. Doch sein Förderer Bruno Labbadia wollte seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Und das, obwohl er mit dem VfL souverän Rang 6 und damit die Europa League erreicht hatte. Es übernahm der Österreicher Oliver Glasner, der nicht mehr auf Rexhbecaj setzte. In der Hinrunde der Saison 2019/20 standen nur 5 Einsätze für ihn zubuche – davon 3 bei der zweiten Mannschaft, einer in der Europa League und einer im DFB Pokal. In der Bundesliga bekam der Kosovo-Albaner nicht eine einzige Minute Spielzeit.

Nur in der Europa League durfte Rexhbecaj einmal sein Können zeigen…
(Photo by Cathrin Mueller/Getty Images)

Also ließ sich Elvis Rexhbecaj im Januar 2020 für 1,5 Jahre an den 1. FC Köln verleihen. Die Kölner steckten tief im Abstiegskampf. Mit gerade einmal 17 Punkten nach 17 Spieltagen drohte auf Rang 15 auch noch der direkte Abstieg. Rexhbecaj selbst aber schlug ein wie eine Bombe. Schon in der Rückrunde 2019/20 konnte er 4 Torvorbereitungen beisteuern und half somit dabei, dass die Kölner letzten Endes mit 36 Punkten auf Rang 14 die Saison beenden konnten. Übrigens punktgleich mit dem FCA, aber aufgrund des besseren Torverhältnisses auf der besseren Tabellenplatzierung.

Die darauffolgende Spielzeit 2020/21 war Rexhbecajs bisher mit Abstand stärkste. In insgesamt 33 Partien trug er das Trikot mit dem Geißbock auf der Brust und erzielte dabei 7 Treffer, was ihn zusammen mit Ondrej Duda auf Platz 1 der vereinsinternen Torjägerliste beförderte. In der kompletten Zeit wurde er von den Coaches Markus Gisdol und anschließend Friedhelm Funkel im kompletten Mittelfeld eingesetzt – defensiv, zentral und offensiv. Elvis Rexhbecaj ist hier sehr flexibel.

Zwar mussten die Kölner den Weg über die Relegation nehmen, doch am Ende setzten sie sich gegen Holstein Kiel durch und hielten die Klasse. Elvis selbst verpasste die beiden Partien aufgrund eines Pferdekusses, was bisher seine einzige Verletzung in seiner gesamten Karriere gewesen ist.

Zu gerne hätte ihn der Club aus NRW damals behalten und die vereinbarte Kaufoption gezogen, doch letztendlich scheitere der Deal, da 7 Millionen einfach nicht stemmbar waren. Doch die Fans der Geißböcke werden Elvis wohl immer als den Derby-Helden in Erinnerung behalten. In der Auswärtspartie gegen den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach schoss der Mittelfeldspieler die Kölner durch zwei Treffer zum verdienten 1:2-Sieg.

Weiter ging’s in Bochum

Zurück in Wolfsburg wartete mit Mark van Bommel wieder ein neuer Trainer, doch auch er wollte nicht auf den damals 23Jährigen setzen. Die Konkurrenz im Mittelfeld war mit Maximilian Arnold, Xaver Schlager, Josuha Guilavogui und Yannick Gerhardt einfach zu groß. Also ließ sich Elvis zum Ligakonkurrenten VfL Bochum verleihen. Das Kuriose dabei: Wolfsburg gegen Bochum lautete gleich mal die Partie am 1. Spieltag. Elvis stand gegen seinen Heimatclub in der Startelf, doch als Sieger konnte er nicht vom Platz gehen. Denn am Ende gewann Wolfsburg mit 1:0.

In Bochum traf unser neuer Spieler auf einen alten Bekannten. Mit Trainer Markus Reis hatte Rexhbecaj nämlich schon in der U19 der Wolfsburger das Vergnügen. Insgesamt dürfte es eine zufriedenstellende Saison für den 24 Jahre alten Spieler gewesen sein. In 32 Bundesliga- und allen 4 Pokalpartien stand er auf dem Platz und bekam das, was sich jeder Spieler wünscht: Einsatzzeit! Zwar konnte er keinen eigenen Treffer für die Bochumer erzielen, aber er steuerte im Pokal 2 Torvorlagen bei. Allerdings nicht gegen uns, sondern erst im Achtelfinale gegen Mainz und im Viertelfinale gegen Freiburg, wo sich der VfL schließlich nach der Verlängerung mit 1:2 geschlagen geben musste.

Durch seine Leistungen avancierte Elvis Rexhbecaj am Ende sogar zum Fanliebling an der Castroper Straße. Allerdings stand von vorneherein fest, dass Bochum den Mittelfeldspieler nicht würde halten können. Die geforderte Ablösesumme konnte sich der Verein schlichtweg nicht leisten.

Ein Blick auf die Leistungsdaten

Noch immer ist die Konkurrenz bei den Wölfen zu groß, sodass Elvis nun in Augsburg eine neue Herausforderung sucht. Die Ablöse liegt dem Vernehmen nach bei 1,75 Millionen Euro zuzüglich anfallender Boni wie die Bild berichtet. Der gebürtige Kosovo-Albaner unterschreibt einen 4-Jahres-Vertrag bis 30.06.2026 und erhält die Rückennummer 13. Die kann nur Glück bringen, denn immerhin trug sie einst unsere Vereinslegende Tobi Werner.

Ich persönlich halte diesen Transfer für sehr sinnvoll. Das Mittelfeld ist nach wie vor eine große Baustelle und mit dem Ausfall von Niklas Dorsch ist sie größer als je zuvor. Elvis Rexhbecaj ist ein Spieler, der uns sofort helfen kann. Bereits seit 2018 konnte er einiges an Erfahrung in der Bundesliga sammeln.

Gerade seine Leistungen in Köln waren sehr stark. Diese lagen vor allem im offensiven Bereich. So landete er mit durchschnittlich 1,47 Balleroberungen pro Spiel auf Rang 24 aller betrachteten Spieler laut Ligainsider. Mit 1,2 Torschussvorlagen in einer Partie erreichte er den 60. Rang und schoss selbst 0,97 Mal auf den gegnerischen Kasten. Seine Schussgenauigkeit lag bei sehr starken 75 %. Genauer gesagt: 21 seiner 28 Torschüsse gingen direkt aufs Tor. Das bedeutet Rang 14 innerhalb der Bundesliga. Bester Augsburger Spieler in dieser Saison war André Hahn mit einer Quote von 67,4%.

In Bochum konnte er vor allem mit seiner Zweikampfstärke überzeugen. Insgesamt waren es 239 gewonnen Duelle und damit eins mehr als André Hahn, der bei uns vereinsintern auf Rang 4 in dieser Kategorie liegt. Zudem ist er ein recht starker Läufer. Für die Bochumer rannte er in der abgelaufenen Saison 320,7 km über das Feld. Innerhalb der Liga erzielten nur 25 Spieler bessere Werte, worunter im Übrigen kein Augsburger ist. Unser Spieler mit den meisten abgespulten Kilometern war in der letzten Saison Reece Oxford mit 309,8 km – allerdings in 30 Partien.

Was außerdem noch positiv hervorzuheben ist, ist seine Verletzungshistorie. Von bisher insgesamt 214 Fußballpartien in unterschiedlichsten Wettkämpfen verpasste er lediglich 3 Stück am Ende der Saison 2020/21. Die reine Ausfallzeit lag hier aber nur bei 12 Tagen. Das liest sich schon sehr gut. Hoffen wir, dass es bei uns genauso positiv verläuft wie zuvor.

Schlussworte

Das gesamte Team der Rosenau Gazette heißt Elvis an dieser Stelle herzlich willkommen. Wir freuen uns schon sehr darauf, ihn im Augsburg-Trikot in der WWK Arena begrüßen zu dürfen. Natürlich wünschen wir ihm viel Glück, Erfolg und dass er verletzungsfrei bleibt.

Elvis selbst freut sich im Übrigen schon auf seine Zeit bei uns. In der offiziellen Pressemeldung sagte er:

„Nach meinen zwei Leihstationen in Köln und Bochum, die meiner Entwicklung sehr gut getan haben, bin ich nun sehr froh, langfristig hier in Augsburg zu sein. Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren super und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Team und dem neuen Trainer, dessen Philosophie gut zu meiner Spielweise passt.“

Und auch Geschäftsführer Sport Stefan Reuter ist von dem 24jährigen Mittelfeldspieler überzeugt.

„Wir haben Elvis schon sehr lange beobachtet. Deshalb sind wir sehr froh, dass der Transfer nun geklappt hat. Ich bin mir sicher, dass Elvis mit seinen Qualitäten unserer Mannschaft sehr gut tun wird und er unsere Fans mit seiner dynamischen, aggressiven und mitreißenden Spielweise begeistern wird.“

Begeistert sind die Fans tatsächlich. Zumindest habe ich bisher nur sehr positive Stimmen zu diesem Wechsel gelesen. Und nicht nur die Verpflichtung an sich konnte überzeugen, sondern auch die Arbeit der Social Media Abteilung. Die Ankündigung fand ich persönlich sehr gelungen.

Salva ♡♡♡
Herzlich Willkommen in Augsburg, Elvis!

Wer weiß… Vielleicht dürfen wir ja in den nächsten Tagen noch einmal solche Posts sehen. Wir würden uns sehr darüber freuen und warten schon gespannt darauf.

Achtung: Fehleralarm!

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist manchmal etwas schwierig, den Verantwortlichen des FC Augsburg zu folgen. So vom Verständnis her. Einerseits hat man eine Phase der neuen Offenheit eingeleitet. Offenheit wird als wichtiger Wert benannt. Auch ich hatte das gefordert, in dem ich die sogenannte Wagenburg einreißen lassen wollte. Stefan Reuter war im Interview bei der Augsburger Allgemeinen, Enrico Maaßen bei a.tv (Ausstrahlung Mittwoch 18:45 Uhr oder auf Abruf in der Mediathek), Christoph Janker als Überraschungsgast beim Podcast Feuer & Flamme (seit diesem Montag abrufbar). Naiv wäre der, der jetzt glaubt, damit würde alles besser. Ich frage mich derweil: Warum erst jetzt? Und hält das an, auch wenn die Kritik, die es massenhaft an den Verantwortlichen in diesem Sommer gab, wieder etwas abklingt? Oder ist es vielleicht nur eine große Beruhigungs-Show?

Andererseits ist es doch auch interessant, was die Verantwortlichen, denn bei all der Offenheit so kommunizieren. Sie geben zu, dass in der jüngsten Vergangenheit nicht alles optimal lief (eine leichte Untertreibung, wenn man den Vorgängen folgt). Es fällt ihnen dennoch schwer Fehler konkret zu benennen. Dies möchte ich gerne an einer Entscheidung festmachen: der Verpflichtung von Markus Weinzierl zum Ende der vorhergegangen Saison.

Der FCA unter Markus Weinzierl

Ja, Markus Weinzierl hat in den letzten Spielen der Saison 2020/21 mit dem FCA die Klasse gehalten. Mit mehr Glück als Verstand. Gegen Bremen bedurfte es eines dummen Platzverweises auf Bremer Seite. Und es war meiner Meinung nach ein Fehler, den FCA unter Heiko Herrlich überhaupt in diese Situation schlittern zu lassen.

In 2021/22 wurde es unter Markus Weinzierl nun nur noch schlimmer. Spieler wie Ruben Vargas fielen in ein spielerisches Loch. Die Mannschaft stagnierte bestenfalls. Es gab weiterhin Spiele, in denen sie einbrach. Insgesamt etablierte Weinzierl weder ein erfolgsversprechendes Spielsystem noch war eine deutliche spielerische Entwicklung zu sehen. Träume zerplatzten. Und Weinzierl ergriff die Flucht nach vorne, in dem er nach dem letzten Spieltag selbst verkündete nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Eine Anschlussbeschäftigung ist kurzfristig nicht in Sicht.

Was sich im Nachhinein allerdings als noch viel tragischer erweisen könnte, sind die mangelhaften Entwicklungschancen vieler Jugendspieler, die Markus Weinzierl diesen bot. Tim Civeja blieb komplett ohne Kadernominierung, genau wie einige andere, und hat den FCA schon per Leihe nach Ingolstadt verlassen. Mit Dejan Pejcinovic sah das größte Talent des FCA-Nachwuchsleistungszentrums keine ausreichende Perspektive beim FCA und wird dem FCA wohl in diesem Sommer den Rücken kehren. Ansonsten hätte man die Vertragsverlängerung wohl schon längst unter Dach und Fach bringen können und Pejcinovic in den ersten Vorbereitungsspielen gesehen. Es war klar, dass Weinzierl schon in seiner ersten Phase kein Trainer war, unter dem die Jugendspieler groß Chancen bekamen. Und trotzdem nahm man es in Kauf, dass hier Porzellan unwiederbringlich zerschlagen wird.

Mit der dargestellten Agilität hätte Stefan Reuter, Heiko Herrlich früher den Rücken kehren sollen. Die Weinzierl-Verpflichtung ist ein hausgemachter Fehler. (Photo by LEON KUEGELER/POOL/AFP via Getty Images)

Die andauernde Rechtfertigung

Und so bildet sich zumindest bei mir der Eindruck, dass es besser gewesen wäre Markus Weinzierl gar nicht erst zu verpflichten. Heiko Herrlichs Schwächen waren offensichtlich. Im Nachhinein hätte man auf der Trainerposition schon früher etwas ändern müssen, und wäre dann nicht darauf angewiesen gewesen, mit Weinzierl jemanden zu holen, der Club und Umfeld schon kennt. Oder man hätte Weinzierl als reinen Retter geholt und im Sommer dann mit jemand komplett Frischen den Neustart gewagt. Und nachdem man sich nun angeschaut hat, was man von einem Trainer will und wie Enno Maaßen dargestellt wird: wie hätte man da nach eingehender Analyse mit Markus Weinzierl weitermachen wollen?

Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen wurde Stefan Reuter explizit gefragt, ob es ein Fehler war, Markus Weinzierl zurückzuholen. Die Antwort: “Nein, damals war es genau richtig. Der Zeitpunkt war extrem spät in der Saison, es waren nur noch drei Spiele zu absolvieren. (…)”. Ja, ja, der Zeitpunkt. Als ob er bei Monopoly die Trainer-Wechsel-Dich-Karte gezogen hätte. Hat er halt nicht. Der Zeitpunkt war selbst gewählt. Die Entscheidung im Nachhinein keine Gute.

Was bleibt?

Außer viel Gerede bisher nicht viel. Mit Enrico Maaßen hat die Führungsspitze zwar einen Trainer gefunden, der im Gegensatz zu so manchem Vorgänger ein guter Kommunikator ist. Seine Erstligareife muss allerdings auch er erst noch beweisen. Dies gilt auch für den Kader. Mit dem drohenden Abgang von Michael Gregoritsch, mit dem man sich anscheinend nicht auf eine Vertragsverlängerung verständigen konnte, gehen dem FCA so langsam die offensiven Unterschiedsspieler aus. Finnbogason und Gregoritsch zu ersetzen, bei gleichzeitiger Formschwäche von Florian Niederlechner wird eine weitere Mammutaufgabe.

Und derweil fallen den Verantwortlichen weiter die einfachen Dinge schwer. Fehler konkret zu benennen und einzugestehen zum Beispiel. Ob die Änderungen im Kommunikationsverhalten nachhaltig sind, wird sich auch zeigen, je nachdem wie sich die sportliche Lage entwickelt. Es bleibt somit spannend rund um den FC Augsburg, der weiter Perfektion nach außen vorgibt, dem ein paar Ecken und Kanten mehr allerdings besser zu Gesicht ständen.

Mit Tränen in den Augen

Montag, 20. Juni 2022… Das lange Warten hatte endlich ein Ende, denn es war Trainingsauftakt. Das heißt unsere Jungs starteten – mit Ausnahme der Nationalspieler – in die Vorbereitung für die kommende Saison. Dabei stand natürlich der obligatorische Laktattest auf dem Programm, bei dem alle Spieler ihre Runden in unserer altehrwürdigen Rosenau drehen durften. Aber halt… Alle? Nein, zwei Spieler waren definitiv nicht dabei, denn im Laufe der letzten Woche fällten Sportdirektor Stefan Reuter und Neu-Trainer Enrico Maaßen die Entscheidung, die Verträge von Alfred Finnbogason und Jan Morávek auslaufen zu lassen. Das Team von der RoGaz möchte daher an dieser Stelle den Beiden ihren Dank für ihre jahrelange Treue und ihre Leistungen aussprechen.

Nachvollziehbar

Rein sportlich gesehen kann man den Entschluss der Verantwortlichen natürlich nachvollziehen. Gerade in den letzten Jahren fielen sowohl Jan als auch Alfred immer wieder aufgrund schwerer Verletzungen aus. Sieht man sich nur mal die letzten drei Spielzeiten an, dann kommt unser Finntorgason auf ganze 391 Ausfalltage und 45 verpasste Spiele. Die Art der Verletzung war dabei ziemlich breit gefächert. Mal war es die Schulter, dann das Knie und dann das Sprunggelenk. Auch von muskulären Problemen hat man sehr oft gehört. Daraus resultierte natürlich Trainingsrückstand, denn jede Blessur wirft einen Spieler automatisch zurück.

Bei Jan Morávek sah das Ganze relativ ähnlich aus. In 3 Jahren verpasste er 29 Spiele und fiel für insgesamt 235 Tage aus. Insgesamt betrachtet ist die Verletzungshistorie des gebürtigen Tschechen wahrlich beeindruckend. In seiner kompletten Zeit beim FC Augsburg stand Jan in nur 133 Spielen mit der Zirbelnuss auf der Brust auf dem Platz.

Das sind natürlich Dinge, die ein Trainer und ein Sportdirektor bedenken müssen. Gerade wenn man den Kader verkleinern möchte, wie Stefan Reuter es in seinem Interview mit der Augsburger Allgemeinen bereits angekündigt hat. Dass man mit den beiden Urgesteinen nicht verlängert hat, erklärt er so:

Wir schätzen Jan Morávek und Alfred Finnbogason sehr. Aber sie sind beide schon über 32 Jahre alt, waren häufig verletzt und haben so einen Kaderplatz besetzt, den ein junger Spieler auch einnehmen kann. Daher war auch das ein Grund. Aber wir wollten diese Personalien zuerst mit dem neuen Trainer besprechen. Darum hat es etwas gedauert. Wir wollen unseren Kader tendenziell etwas verkleinern. Während der Corona – Zeit war es wichtig, einen etwas größeren Kader zu haben, aber wir müssen jetzt schauen, dass jeder Spieler eine Wertigkeit und Wichtigkeit bekommt.

Stefan Reuter im Interview mit der Augsburger Allgemeinen

Sieht man jetzt rein das Sportliche oder auch die wirtschaftlichen Aspekte dann kann man die Entscheidung von Stefan Reuter und Enrico Maaßen zu 100 Prozent nachzuvollziehen. Wie unser Geschäftsführer Sport richtig erklärt, sind sowohl Jan als auch Finnbo in einem Alter, wo es leider langsam aber sicher schwieriger für einen Spieler wird, den Spirit vollkommen auf dem Platz zu bringen. Zudem möchte man beim FC Augsburg den Kader nicht nur verkleinern, sondern auch nach und nach noch weiter verjüngen. Vielleicht sogar mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs. Und hier würden die Beiden einen Kaderplatz besetzen. Wenn sie dann noch regelmäßig ausfallen würden, wäre das natürlich ärgerlich.

Starke Leistung trotz Verletzungspech

Trotzdem blutet mir das Fanherz, wenn ich mir vorzustellen versuche, wie es ohne Alfred und Jan sein wird. Die zwei gehören für mich zum FC Augsburg wie der Tipp des Kasperls vor jedem Heimspiel. Unser isländischer Torgarant war immerhin 6,5 Jahre in der Fuggerstadt zuhause und sein tschechischer Mitspieler sogar 10,5 Jahre. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir tut der Abgang trotz allen Verständnisses sehr weh. Daher habe ich mir das zum Anlass genommen, die Geschichte von Finnbo und Jan noch einmal kurz Revue passieren zu lassen.

Beginnen wir mit Jan Morávek. Der Wechsel des in Prag geborenen Mittelfeldspielers wurde bereits Ende Dezember 2011 von Ex-Manager Andreas Rettig eingefädelt. Der damals gerade einmal 21Jährige stand beim FC Schalke 04 unter Vertrag, wo er aber aufgrund der starken Konkurrenz und muskulärer Probleme in der Hinrunde 2011/12 auf gerade einmal 144 Einsatzminuten kam. Und so ließ sich Jan zu unseren Fuggerstädtern ausleihen und auch ohne Kaufoption wurde man sich im Sommer schließlich über eine feste Verpflichtung einig.

Jan Morávek zeigte immer vollen Einsatz
(Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images)

Ich denke, wir alle wissen, dass Jan Morávek von diesem Zeitpunkt an vom Pech verfolgt gewesen ist. Niemand verletzt sich mit Absicht, denn Schmerzen zu haben oder auch mal krank zu sein, ist alles andere als toll. Immerhin hat er mehr Spiele verpasst – 136 an der Zahl – als gespielt. Trotzdem fand ich Jan immer einen sehr beständigen und vor allem auch sicheren Spieler, wenn er auf dem Platz stand. Viele mögen mir da widersprechen, da er nicht unbedingt ein auffälliger Spieler ist, der mit vielen Toren oder Torchancen aufwarten kann. In seiner kompletten Augsburger Zeit kommt er nämlich auf 10 Scorer – 2 Tore und 8 Torvorlagen.

Doch zum Fußball gehört so viel mehr als das. Das Spielverständnis, das Teamplaying, die Erfahrung, das Spiel mit und gegen den Ball, die Art und Weise auch mal die Passwege zuzustellen oder einen Ball nach vorne in die Spitze zu befördern. All dies hat Jan verinnerlicht und definitiv auch zeigen können. Ich persönlich halte ihn nicht nur für einen hervorragenden Techniker, sondern auch für einen sehr sympathischen Menschen, der äußerst wichtig für das Team gewesen ist. Auch solche Spielertypen braucht es in einer Mannschaft. Typen, die sozusagen das Bindeglied sein können und für ein ordentliches Teamgefüge sorgen. Oder eben auch Spieler, die ihre Erfahrung an die jüngere Generation weitergeben.

All diese Eigenschaften hat Jan Morávek in sich vereint. Zu gerne hätte ich ihn noch weiterhin bei uns im Verein gesehen. Vielleicht nicht in der Profimannschaft als Spieler, aber vielleicht als Coach, Motivator etc. im Nachwuchsleistungszentrum, der seine Erfahrung mit in die Nachwuchsförderung einbringen kann. Wer weiß, vielleicht geht dieser Wunsch ja irgendwann in Erfüllung. Schließlich sollte man niemals “Nie” sagen.

Ein Wikinger im Augsburger Schwabenländle

Führungsspieler, Sprachtalent, Torgarant… Das sind die 3 Worte, mit denen ich Alfred Finnbogason beschreiben würde. Natürlich fiel auch er immer wieder verletzungsbedingt aus, doch für die Mannschaft war er aus meiner Sicht immer ein sehr wichtiger Faktor. Gerade für die Bindung zwischen den Spielern untereinander auf und neben dem Platz. Alfred war nicht umsonst Teil des Mannschaftsrats und zuletzt hinter Jeffrey Gouweleeuw zweiter Kapitän. Gerade seine ruhige Art und dabei trotzdem sein sehr sicheres Auftreten fand ich immer sehr beeindruckend.

Wenn Alfred auf dem Platz stand, gab es oft einen Grund zu jubeln
(Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

Alfreds Vita war schon nicht zu verachten, als ihn der FC Augsburg im Januar 2016 erst einmal per Leihe verpflichtete. International bekannte Vereine wie der SC Heerenveen, Olympiakos Piräus und Real Sociedad San Sebastiàn tauchen dort unter anderem auf. Auch die Erfolge, die der gebürtige Isländer bis dato verbuchen konnte, hatten es in sich. U21-Eredivisie-Sieger, isländischer Meister und Pokalsieger, schwedischer Superpokalsieger, belgischer Pokalsieger, griechischer Meister und zweimaliger Torschützenkönig – einmal in der Besta Deild und einmal in der Eredivisie.

Dass er dann tatsächlich zu uns ins beschauliche Augsburg wechselt, hat mich damals doch ein wenig überrascht, auch wenn wir zum damaligen Zeitpunkt natürlich in der Europa League gespielt haben.

Es ist ein Traum, die Chance zu haben, in der Bundesliga spielen zu können. Ich freue mich unheimlich auf die Herausforderung beim FC Augsburg. Die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mir gezeigt, dass der FCA genau der richtige Verein für mich ist.

Alfred Finnbogason über seinen Wechsel nach Augsburg

Bereits in der Rückrunde 2015/16 zeigte er, warum man ihn zurecht verpflichtet hatte. In 14 Auftritten in der deutschen Bundesliga traf unser Wikinger 7 Mal und legte zudem auch noch 3 Tore auf. Man kann sich also vorstellen, dass der Wunsch der Augsburger Fans sehr groß gewesen ist, den in Reykjavík geborenen Alfred Finnbogason zu behalten. Und ihr Bitten sollte von der sportlichen Leitung erhört werden, denn Alfred blieb und wurde zu einer waschechten Identifikationsfigur.

Insgesamt lief unser isländischer Mittelstürmer in 122 Partien für den FCA auf. Dabei schoss er 39 Tore und bereite von selbigen noch 14 vor. Mit 37 Treffern ist er vor André Hahn (30) und Michael Gregoritsch (29) derzeit noch der Augsburger Toptorschütze im deutschen Oberhaus.

Letzte Worte

Ich könnte jetzt noch viel mehr über die Beiden schreiben. Ja, meines Erachtens hätten sie trotz all ihrer Verletzungen wahre Lobeshymnen verdient. Denn seien wir mal ehrlich: Welche Spieler sind heutzutage so sehr mit ihren Vereinen verwurzelt, dass sie ihnen so lange treu bleiben, wie es Alfred und Jan getan haben? Leider sieht man das im europäischen Fußball nur noch selten, da andere Dinge für viele Spieler im Vordergrund stehen. Geld, Ruhm und sportlicher Erfolg wiegen mehr als Vereinstreue, Freundschaft und eine Familie zu sein. Natürlich ist das nichts unnormales, doch es zeigt, dass sich unsere beiden Urgesteine doch sehr mit dem FCA verbunden gefühlt und diesen auch gelebt und geliebt haben.

Bekanntgabe via Twitter

Am Mittwoch, 15.06.2022, gab der Verein schließlich bekannt, dass man die Verträge des Stürmers und des zentralen Mittelfeldspielers nicht verlängern würde. Sportdirektor Stefan Reuter sagt hierzu in der offiziellen Pressemitteilung:

„Wir haben uns diese Entscheidungen alles andere als leicht gemacht, sind mit unserem neuen Cheftrainer aber übereingekommen, einen neuen Weg einschlagen zu wollen und neue Impulse zu setzen. Jan Morávek, der seit 2012 das FCA-Trikot getragen hat, und Alfred Finnbogason haben durch ihre Leistungen auf, aber auch außerhalb des Platzes, einen wichtigen Anteil daran, dass wir nun schon in unser zwölftes Jahr in Serie in der Bundesliga gehen können. Gleiches gilt für Tobias Zellner und Reiner Maurer, auch wenn sie nicht ganz so lange für unseren FCA tätig waren. Für ihren Einsatz bedanken wir uns bei allen recht herzlich und wünschen Ihnen alles erdenklich Gute für ihre sportliche und persönliche Zukunft.“

Ich gebe hiermit offen zu, dass ich ganz schön schlucken musste, als ich das gelesen habe. Wie oben schon, geschrieben kann ich die Entscheidung absolut verstehen. Doch wenn zwei so verdiente Spieler den Verein verlassen, ist das immer schwierig.

Auch Jan Morávek und Alfred Finnbogason meldeten sich noch einmal zu Wort. “Zehn Jahre ununterbrochen bei einem Verein zu spielen, ist in der heutigen Zeit etwas ganz Besonderes. Ich bedanke mich bei allen FCA-Verantwortlichen, meinen Trainern und Teamkollegen sowie allen Fans, dass ich die Möglichkeit hatte, so lange das FCA-Trikot tragen zu dürfen. Meine Familie und ich haben uns in Augsburg und beim FCA sehr wohl gefühlt und werden diese lange Zeit sehr positiv in Erinnerung behalten. Ich wünsche dem FCA nur das Beste und drücke für die weitere Zukunft in der Bundesliga die Daumen”, sagte Jan zu seinem Abschied.

Besonders bewegt hat mich allerdings Finnbos Abschiedspost, den er in den sozialen Medien geteilt hat. Hier schreibt er:

Danke 🔴🟢⚪️!

Für…..

-die 7 Saisonen gemeinsam!

-Die unglaubliche Fans von FCA! Danke für alles!

-alle Mitspieler, Trainer, co-Trainer und staff die ich auf den Platz und die Kabine teilen dürfte!

-Alle Mitarbeiter von FCA! Danke!

-die Unterstützung in die gute Zeiten und auch in die Schwierige Zeiten

-das ich die Toren mit euch feiern dürfte

Ich bin einer von euch geworden und FCA wird immer in meinen Herzen sein und auch von meiner Familie! ❤️

Alfred Finnbogason auf seinem Facebook-Account

Haltet mich für ein Sensibelchen, aber mir kamen dabei die Tränen!

Time to say Goodbye

Doch nun ist es Zeit für uns, das Team der Rosenau Gazette, Auf Wiedersehen zu sagen. Dies hier ist kein Lebwohl, sondern ein Bis bald, denn wir hoffen sehr, dass wir sowohl Jan, als auch Alfred wieder einmal in Augsburg begrüßen dürfen. Sei es nun als Teil des Teams oder einfach nur als Zuschauer in der WWK-Arena. Wir sind uns sicher: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

Doch an dieser Stelle möchten wir ein paar persönliche Worte an die beiden richten.

Birgit: Lieber Alfred und lieber Jan! Worte können nicht ausdrücken, wie dankbar ich bin, dass ihr ein Teil der FCA-Familie ward und immer sein werdet! Vielen Dank für euren immerwährenden Einsatz, eure Treue und eure Liebe zu unserem Verein! Ihr werdet für immer in unseren Herzen bleiben und ich hoffe sehr, dass ihr immer mit einem Lächeln auf den Lippen an die wunderschöne Zeit in Augsburg zurückdenken werdet. Bis hoffentlich sehr, sehr bald!

Irina: Aus Fansicht tun mir beide Abgänge sehr weh und machen (wohl nicht nur mich) äußerst wehmütig. Gehen doch die zwei letzten verbliebenen Galionsfiguren der erfolgreichsten Augsburger Bundesligazeit. Aus sportlicher Sicht sind beide natürlich ersetzbar und es war wohl richtig, einigen Jungspunden die freiwerdenden Kaderplätze anzubieten. Aber menschlich werden beide brutal fehlen, beide sind und waren zu jeder Zeit angenehme Zeitgenossen und total bodenständige Mitmenschen. Von Herzen vielen Dank für die Bereicherung unseres Vereins und die geile Zeit gemeinsam, euren Einsatz und eure Leidenschaft für diesen Club und diese Stadt. Ich werde euch beide nie vergessen und sage final nur noch: man sieht sich immer zweimal im Leben! (Vielleicht dann in anderer Rolle hier am Lech)

Andi: Afram Island, pu ert frabaer. Auf geht’s Island, du bist super. Diesen Satz habe ich einmal vor einem FCA-Training gelernt und ihn recht stolz zu Finnbogason gesagt. Er hat etwas auf isländisch zurückgesagt, das ich nicht verstanden habe und wir haben beide gelacht. Mit Finnbogason konnte man eigentlich ja auch auf deutsch sprechen. Nach weniger als einem halben Jahr in Deutschland gab er seine erste Pressekonferenz auf deutsch. Eine Randnotiz, die aber zeigt, wie professionell der Stürmer seine Aufgabe beim FCA verstanden hat. Dasselbe gilt für Jan Moravek. Keiner war so lange da, keiner hat es so gut verstanden, Ruhe in Spiel und Klubumfeld zu bringen. Einer der unterschätzten Spieler der Liga. Ach, wenn er doch nicht so oft verletzt gewesen wäre. Alles Liebe euch beiden. Bleibt fit und lasst es euch gut gehen!

Andy: Jan und Alfred, ihr habt euch in das Geschichtsbuch des FC Augsburg eingetragen. Aber all die Jahre, Partien und auch Tore sind nicht das wichtigste. Ihr seid zwei überaus sympathische und bodenständige Menschen, die auch im persönlichen Kontakt heraus ragten. Danke für alles und hoffentlich auf bald!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen