TGIF: Brunos Alte Dame

Es geht Schlag auf Schlag in der Geisterliga. Nach den Spitzenspielen gegen Schalke und Paderborn darf der FCA in die Hauptstadt und den Rasen im Olympiastadion kaputt treten. Es wird so oder so keine leichte Aufgabe, denn die Hertha zeigt unter Bruno Labbadia ein ganz neues Gesicht. Aber der Reihe nach. Kurz und schmerzlos: die Spieltagsvorschau.

Fakten zum Spiel #BSCFCA

Der FCA ist nominell weiterhin unter Heiko Herrlich ungeschlagen, die einzige Niederlage verpasste der neue Coach zahnpastabedingt. Es fällt schwer, nach drei Spielen ein Zwischenfazit über die Augsburger Geisterspieltauglichkeit zu fällen. Man hatte das Gefühl, dass es nach dem Auswärtssieg auf Schalke steil nach oben gehen würde und die ersten Minuten im Spiel gegen Paderborn befeuerten das kleine Fünkchen Hoffnung auf große Fußballzeiten. Ballbesitz und Passsicherheit sind bislang ungekannte Begriffe für die Augsburger Anhängerschaft. Allerdings ließ sich auch der FCA vom eigenen Auftritt irritieren und rasch bröckelte die Fassade. Paderborn verteidigte gut und hatte sogar die besseren Chancen. Vollkommen zurecht wurde Andi Luthe zum Mann des Spiels erklärt. Das war insgesamt ein hartes Stück Arbeit an einem lauen Mittwochabend. Auch für die Zuschauer.

Andi Luthe war gegen Paderborn der beste Mann. Man fragt sich schon, warum er in dieser Form nicht schon die ganze Saison die Nummer 1 war. (Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Es ist unschwer zu erkennen, dass man noch weit von dem Fußball entfernt ist, den der neue Coach sehen und spielen lassen will. Sicherlich auch nicht verwunderlich angesichts der gegenwärtigen Umstände. Schon zu normalen Zeiten wäre es schwer, die Spielidee in der laufenden Saison derart umzukrempeln. Man wird sehen, welches Gesicht der FCA in Berlin zeigen wird. Es sind jedenfalls auch angesichts der Belastung durch die englische Woche einige Änderungen in der Startelf zu erwarten.

In der Abwehr sind wohl angesichts der beiden Spiele ohne Gegentor die wenigsten Veränderungen zu erwarten, allenfalls hätte Jeff Gouweleeuw wieder eine Chance bekommen können, wenn er sich nicht die fünfte gelbe Karte abgeholt hätte. Davor besteht wieder etwas mehr Auswahl. Flo Niederlechner und die beiden Außen Ruben Vargas und Marco Richter könnten sich eine Pause gönnen. Auf Berliner Seite kommt wohl in der Verteidigung verletzungsbedingt der Nachwuchs zum Zug. Man hat aber nicht den Eindruck, dass das ein Problem sein könnte angesichts der derzeitigen Form der Mannschaft.

Alles neu macht der Bruno

Gerade angesichts des üblichen Trubels in Berlin war es durchaus überraschend, dass Neucoach Bruno Labbadia die Hertha in die sportliche Spur bringen konnte. Die Geisterspielsaison läuft bislang außerordentlich gut für ihn und die Berliner. Den anfänglichen Auswärtssieg in Hoffenheim sollte man nicht überbewerten. Dem folgte aber ein deutlicher Derbysieg gegen Union und auch in Leizig nahm man einen Punkt mit. Die Ära Klinsmann wirkt wie aus einer anderen Zeit. Schon vergessen ist auch der kleine Skandal rund um das Kalou-Video. Es blüht in Brunos Berlin, was auch an alten Damen wie Vedad Ibisevic liegt, dem der Gehaltsverzicht offenbar gut tat und der wieder trifft und assistiert. Aber nicht nur seine Formkurve zeigt unter dem neuen Trainer nach oben.

Gefühlt ist Bruno Labbadia in der Bundesliga omnipräsent. Zuletzt trainierte er Wolfsburg (wir erinnern uns), Stuttgart und Hamburg. Aber es wirkt, als hätte man den Coach mit dem Charme eines Sparkassenvorstands schon auf jeder Trainerbank gesehen. Vielleicht tut man ihm unrecht, nur das ewige Scheitern zu sehen und doch lässt sich ein Schmunzeln nicht zurückhalten, wenn die Beteiligten beim Amtsantritt in Berlin von einem längerfristigen Engagement sprechen. Was allerdings auch an der sprunghaften Alten Dame liegt. Ein Erfolg mit dem immer etwas biederen Hauptstadtverein wäre Big Bruno zu wünschen.

Was macht eigentlich Julian Schieber?

Das große Warten auf den Höhenflug von Julian Schieber. Kommt er noch? (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Wo ist der sympathische Schwabe? Will man den Statistiken Glauben schenken, war er letztmals vor der Winterpause im Kader. Eine kleine Veränderung tut der Offensive des FCA sicher gut, warum also nicht einmal wieder den alten Herthaner bringen? Heiko, ich weiß, dass Du als großer Freund der Gazette auch das hier lesen wirst. Bring den Schieber! Gerne zusammen mit Córdova. Oder Jensen anstelle von Löwen (dessen Tricks kennen die Herthaner aus dem Effeff). Und natürlich von Anbeginn an mit Sarenren Bazee außen. Dann klappt das auch mit den Punkten in Berlin. Damit rechnet der Bruno nie. Versprochen.

Tipps

Sebastian: Mit der ungewohnten Aufstellung lassen wir in Berlin Ball und Mann laufen, dominieren nach belieben und gewinnen vollkommen ungefährdet 4-1. Vier Tore Schieber.

Andy: Der Trend ist dein Freund. Oder aber eben nicht. Die Berliner strotzen vor Selbstbewusstsein und Form und werden leider damit auch uns 1:2 nach Hause schicken.

TGIS: Thank God, it’s Spieltag!

Corona hat (Fußball-)Deutschland weiterhin fest im Griff: Nahezu täglich werden neue Wasserstandsmeldungen zu Tage gefördert und die Infiziertenzahl nach oben korrigiert. Auch in der Bundesliga ist Corona und die Diskussion drumherum Dauerthema. Nicht nur Kalous Video Clou, auch der wenig vorbildliche Ausflug vom masken- und verständnislosen Heiko Herrlich spalten die Gemüter – wie die Coronakrise an sich selbst schon die Bundesrepublik in mehrere Lager teilt. Mittlerweile sind zwei Spieltage in der ersten Fußballbundesliga Deutschlands schon wieder mehr oder minder erfolgreich bestritten worden. Das Fazit fällt durchaus gemischt aus – spür- und greifbare Geisteratmosphäre in Deutschlands Stadien, tanzende Trainer mit Mundschutz und auf Distanz jubelnde Profis. Aber: Was sein muss, muss sein!

Heiko Herrlich – Held oder Hanswurst?

Die dritte Reifeprüfung mit Symbolwirkung für die gesamte Nation steht in einer englischen Woche an. Hart, härter, englische Woche – sagt der Volksmund ganz salopp. Unser FCA empfängt hierbei in der heimischen WWK-Arena vor Geisterpublikum den Tabellenletzten aus Paderborn. Ein regelrechter Abstiegskrimi! Ein jeder fragt sich wohl an dieser Stelle, ob das Geisterspiel erneut seinem Namen alle Ehre macht. Und ob der FCA am 28. Spieltag die sympathischen Paderborner schon in Richtung zweite Liga schicken kann.

Der FC Augsburg jedenfalls konnte den berühmt-berüchtigten Trainerwechsel-Effekt nicht wirklich auskosten, da direkt nach Einstellung von Herrlich die Saison aufgrund von Covid-19 unterbrochen wurde. Die Handschrift von Herrlich war in Spiel 1 “nach Corona” noch nicht zu lesen, hat er sich doch davor selbst aus dem Stadion geschossen mit seinem unerlaubten Quarantäneausbruch zwecks Besorgung von Hygieneartikeln. “Da ganze Bua a Depp”, sagt man ganz treffend und leicht neckisch in Bayern!

Heiko Herrlich zusammen mit Stefan Reuter zurück an der Seitenlinie auf Schalke. (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Gegen Schalke 04 also übernahm der Mundschutz am Oberarm tragende Trendsetter Herrlich an der Seitenlinie. Ganz Fußballdeutschland, ach was, die ganze Welt blickte gebannt nach Gelsenkirchen, um den Badboy Herrlich bei seiner Geisterspiel-Premiere zu verfolgen. Besonders wichtig: Ob die Feuchtigkeitscreme aus dem Bobinger Supermarkt nun etwas geholfen hat gegen den leicht fahlen Hautton vom Heiko? Influencer hassen diesen Trick. Und Heiko Herrlich, für seine subtile Supermarkt-Scharade.

Negative Presse ist besser als gar keine Presse, dachte sich Heiko Herrlich. Gute Presse bekommt er diesertags auf jeden Fall wegen dem ordentlichen Auftritt des FCA auf Schalke. Nicht alle Vereine im Ruhrgebiet sind so gute Gastgeber wie der S04. Bitte, dankeschön. 3 Tore, 3 mal distanziertes Jubeln. Schalke 03! Da kommt gleich richtig Partystimmung und Feierlaune auf! Apropos Party…

What’s on in Partyborn?

…unser nächster Gegner kommt aus dem legendären Partyborn. Oder Paderboring. Ihr könnt euch aussuchen, was eher zutrifft. An Tagen, an welchen der SCP spielt, sicherlich ersteres. Ansonsten regnet es, die Kirchenglocken läuten oder die Ampeln sind rot. Ziemlich abwechslungsreich geht es in der Stadt mit dem größten Computermuseum der Welt zu. FUNFACT am Rande 🙂

Die Spielanlage und das Auftreten der Mannschaft aus der Stadt an der Pader entspricht nicht dem mageren Punktekonto und auch nicht dem tristen Tabellenplatz! Der Club hat eine erstaunlich gute Mischung aus erfahrenen Hasen und jungen Wilden. Leider muss das Team in der Bundesliga diese Saison oft Lehrgeld zahlen, geht hierbei jedoch nie so richtig “unter” oder lässt sich abschießen. Der relativ unbekannte Tormann Zingerle, der Bayernjugend entstammend und gebürtiger Münchner, macht einen erstaunlich guten Job zwischen den Pfosten. An ihm liegt’s sicherlich nicht, dass der SCP hinten rumkrebst in der Bundesligatabelle.

Klaus Gjasula , Christopher Antwi-Adjej, Jans Laurent und Leopold Zingerle: Die Mischung stimmt prinzipiell in Paderborn und herspielen lässt man sich auch selten. Nur Lehrgeld hat man oft bezahlt. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Ansonsten steht in der Innenverteidigung mit Hünemeier ein – im wahrsten Sinne des Wortes – “Hüne” seinen Mann. Eine Position vor ihm spielt Raubein Gjasula, der diese Saison den Kartenrekord in der Bundesliga geknackt hat. Herzlichen Glückwunsch und Ehre, wem Ehre gebührt, an dieser Stelle! Den Wirbelwind Antwi-Adjei und den jungen Spielmacher Sabiri sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben! Interessant ist auch die Tatsache, dass der SCP vier nominelle Mittelstürmer im Kader hat. Und alle vier haben in dieser Spielzeit schon (mehrfach) getroffen! Das entspricht insgesamt 16 der 31 Treffer der Paderborner.

1. Absteiger SCP?

Die Paderborner haben nur mickrige 18 Punkte derzeit auf dem Punktekonto. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt 6 Punkte, auf das rettende Ufer schon satte 9 Zähler. Sollte der FCA gegen Paderborn gewinnen und die Konkurrenz aus Düsseldorf sowie Bremen punkten, sieht es ganz düster aus für die Ostwestfalen. Ich, die ja in Ostwestfale lebt, würde nächste Saison und gerne ohne Corona in der kleinen Schmuckkiste Benteler-Arena wieder im Gästeblock mit dem FCA mitfiebern. Und das nur mit 30 Minuten Anreise! Schade, wenn’s das nicht mehr in der ersten Bundesliga gäbe… Der SCP kann meiner Meinung nach die ganze restliche Saison punkten, aber nur nicht gegen den FCA. Die Punkte brauchen wir selbst.

Der sehr authentische und sympathische Trainer des SC, Steffen Baumgart, könnte folgende Startelf am kommenden Mittwoch auf den Rasen der WWK Arena schicken:

Zingerle  - Collins, Hünemeier, Schonlau, Dräger - Gjasula - Holtmann, Antwi-Adjei, Vasiliadis, Pröger - Srbeny

Ein Blick auf den FCA

Der FCA hat sich nach der unnötigen Last-Minute-Pleite gegen Wolfsburg offensichtlich auf den Hosenboden gesetzt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Denn diese individuellen und kopflosen Fehler in den letzten Spielminuten ziehen sich schon wie ein roter Faden durch die Saison. Der Kopf ist dann gefühlt schon in der Kabine oder gar noch weiter weg.

Gegen Schalke sah das spielerisch – aber auch vom gesamten Auftreten ohne Ball – deutlich besser aus. Mehr gelaufen und mehr gefightet. Sehr ansehnliche Tore geschossen. So kennt man den FCA und will man ihn weiterhin sehen! Sehr aggressives und hohes Pressing, das hat den Schalkern nicht so geschmeckt und die Hinterleute zu Fehlern gezwungen. So zu sehen beim 2:0 durch Sarenren Bazee und beim 3:0 durch Sergio Cordova.

Heiko Herrlich hatte auch zwei gute Händchen, als er die beiden letztgenannten Torschützen einwechselte. Beide drängen natürlich in die Startelf, denn Vargas blieb gegen Schalke beispielsweise sehr blass. Auch Niederlechner läuft seiner Form deutlich hinterher, läuft zwar sehr viel – aber steht auch sehr gerne im Abseits. Die Chance nun für die willigen Ersatzleute, sich zu beweisen. Auch ein großes Lob an den souveränen Andi Luthe an dieser Stelle! Wie viel mentale Stärke im Kopf bewirken kann, merkt man diesertags sehr gut an dem sattelfesten Rückhalt Luthe.

Nach dem Spiel gegen Schalke scheint es nicht viel Änderungsbedarf im Augsburger Team zu geben. Ob Heiko Herrlich trotzdem überrascht? (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Ich persönlich hoffe ja noch, dass der junge Nachwuchsstürmer Maurice Malone bald mal sein Bundesliga-Debüt feiern darf. Unter Heiko Herrlich scheint dies möglich, auch wenn Maurice bisher noch nicht im Kader stand seit der Amtsübernahme im März. Es bleibt abzuwarten, ob Kapitän Daniel Baier wieder in die Startelf zurückkehrt. Die Schonmaßnahme für unseren Oldie scheint aber nur temporär begrenzt zu sein, deshalb tippe ich persönlich auf eine Rückkehr in die erste Elf, obwohl Carlos Gruezo eine großartige Leistung gegen Schalke gezeigt hat und mir diese Entscheidung sehr schwer macht. Heiko Herrlich steht vor der Qual der Wahl! Heimlich hoffe ich auch auf einen Wechsel auf Linksaußen, denn Ruben Vargas kommt noch nicht wieder richtig in Tritt und Noah Sarenren Bazee hat einen guten Job am Sonntag gemacht.

Für den FCA gehts am Mittwoch vor allem darum, das Punktekonto weiter aufzustocken. 30 Punkte klingen viel, trügen jedoch etwas. Die Mannschaften hinter uns punkten ebenfalls, haben teilweise noch ein Spiel weniger als der FCA. Ausruhen? Is’ nicht! Wir werden sehr viel den Ball haben und das Spiel machen müssen – ich bin gespannt, wie wir damit umgehen und was für einen Spielplan Heiko Herrlich hat.

Folgende Elf schickt Heiko Herrlich am Mittwoch sehr wahrscheinlich auf den Platz – getreu dem Motto: “Never change a winning team”

Luthe - Frambeger, Uduokhai, Jedvaj, Max - Baier, Khedira - Vargas, Löwen, Richter - Niederlechner

Was macht eigentlich – Daniel Brinkmann?

Der gebürtige Horn-Bad Meinberger Daniel Brinkmann hat eine Vergangenheit bei beiden Teams: In der Jugend und als Profi insgesamt vier Jahre beim SC Paderborn in seiner Heimat tätig, wechselte Brinkmann 2009 zum FCA an den Lech und stieg 2011 mit diesem in die erste Bundesliga auf. In drei Saisons bestritt der zentrale Mittelfeldspieler insgesamt 66 Spiele für den FCA und erzielte dabei 4 Tore. Nach drei Spielzeiten beim FCA wechselte Brinkmann zu Energie Cottbus. Heute spielt der 34jährige in der Oberliga Westfalen beim SC Wiederbrück im Kreis Gütersloh und ist dort gleichzeitig als Trainer tätig.

Eine kleine Anekdote am Rande: Als ich 2012 bei TuRa Elsen, einer Fußballmannschaft des Paderborner Stadtteils Elsen, ein Probetraining mitmachte, trug eine Spielerin das Trikot vom FCA mit dem Flock von Daniel Brinkmann. Als ich sie fragte, wieso sie denn als Paderbornerin offensichtlich FCA-Fan sei, entgegnete sie mir: “Allein wegen Daniel Brinkmann!”. Einer Legende in Ostwestfalen und ein verdienter Spieler der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft des FCA von 2011 .

Tipps der Redaktion

  • Andy: 3:0 für den FCA! Der SC Paderborn wird von den Augsburgern abgefertigt und zurück in die 2. Liga geschickt. Der FCA beweist erneut seine spielerische Klasse.
  • Irina: Wir gewinnen, jedoch knapper und spannender als beabsichtigt mit 2:1. Zähe und leidenschaftliche Paderborner machen uns das Leben lange schwer. Ich könnte jedoch aus Sympathie mit den Ostwestfalen auch mit einem hochklassigen Remis gut leben, will ich doch nicht Schuld sein, dass mein FCA den SCP höchstpersönlich in die 2. Bundesliga schickt. Stefan Reuter jedenfalls muss sich im Doppelpass den Fragen von Thomas Helmer stellen – sicherlich hofft er im Vorfeld auf einen Sieg, dann plaudert es sich wesentlich angenehmer.
  • Sebastian: Nun geht es aufwärts. Paderboring profitiert nicht vom stimmungsmäßigen Heimvorteil und geht mit 5-0 in Augsburg unter.

Glück auf, auf Schalke ohne Daniel Baier

Es ist doch ungewohnt. Gerade auf das Spiel auf Schalke hatte ich mich besonders gefreut. Ich wollte zusammen mit einem Kumpel aus dem Pott dort ins Stadion und die Mannschaft unterstützen. So sucht man nun an einem Sonntagmittag nach den Amazon oder DAZN-Zugangsdaten und macht es sich daheim vor dem Fernseher bequem. Kurz vor dem Spiel dazu die Nachricht, dass Daniel Baier auf der Bank sitzt. Wer von uns beiden heute bequemer sitzt? Wir hätten wohl beide nicht vermutet, dass wir während des Spiels überhaupt sitzen.

Fakten zum Spiel #S04FCA

Schalke hat auf Dortmund ganz klar die Grenzen aufgezeigt bekommen. Wir haben gegen Wolfsburg unglücklich verloren. Unglücklich, weil ein solch spätes Gegentor natürlich nicht mehr hätte sein müssen. Und weil wir unsere gute Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht nachhaltig nutzen konnten und evtl. etwas Pech mit der Entscheidung des VAR hatten. Insgesamt stehen sich heute so zwei Teams gegenüber, die beide sportlich nicht ihre beste Phase durchlaufen in dieser Saison. Welcher Club kann evtl. die eigene Saisonwende einläuten? Können wir uns etwas aus dem Keller befreien oder rutschen wir vollends hinein? Oder kann Schalke Schritte Richtung internationales Geschäft machen? Eine spannende, wenn auch nicht hochklassige Partie, die uns mit diesem Hintergrund erwartet.

Der Gegner

Der große, verschuldete FC Schalke 04. Schalke war in der Phase der Bundesliga-Pause wohl am meisten damit beschäftigt, die eigenen Finanzen zu sortieren. Von 200 Mio. EUR Verbindlichkeiten ist da die Rede. Zudem konnte man immer wieder von einer drohenden Insolvenz lesen. Ruhe in der Arbeit sieht anders aus (aber immerhin war ihr Trainer nicht einkaufen). Schalke definiert das Mittelmaß in diesem Jahr. Der Club aus Gelsenkirchen hat in dieser Saison bisher weniger Tore geschossen als unser FCA. Das Ziel müsste sein, defensiv gegen die Schalker wenig zuzulassen und nach vorne mit gezielten Aktionen für Unruhe zu sorgen. (Man muss wohl nicht erwähnen, dass Schalke natürlich weniger Tore als wir kassiert hat).

Presseschau

David Bernreuther hat im Kicker einen bemerkenswerten Kommentar zu Heiko Herrlich geschrieben. Noch nie ist wohl ein Trainereffekt so schnell verpufft, wie bei uns diesmal. Aber ist Heiko Herrlich durch den Supermarkt-Vorfall schon eine “lahme Ente”? Oder stellen sich seine Spieler vor ihn und zeigen heute eine trotzige, gute Leistung auf Schalke? Ich fand es spannend zu Herrlichs Maßnahmen und Arbeit etwas mehr Details zu lesen.

Daniel Baier in Trainingsjacke während eines Spiels zu sehen ist äußerst ungewohnt. Auf Grund des Barts aber wohl zumindest aus ästhetischen Gründen gerechtfertigt. Gibt es einen geheimen Plan? (Photo by TOBIAS HASE/POOL/AFP via Getty Images)

Heiko Herrlich geht ein weiteres Risiko ein, indem er Daniel Baier auf die Bank setzt und Rani Khedira die Kapitänsbinde überträgt. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nichts riskieren würde. Allerdings steht auch eine englische Woche an und vielleicht ist das Ganze auch nur ein Poker, damit Baier unter der Woche bei vollen Kräften ist. Der Jüngste ist der Gute ja nun nicht mehr und genau in dieser Zeit sollte unser großer Kader ein Vorteil sein.

Ich möchte allerdings auch nicht unerwähnt lassen, dass sich Spieler selbst schon auf Grund des Corona-Virus gegen eine Teilnahme am Spielbetrieb entschieden haben. Kante vom FC Chelsea und Deeney vom FC Watford haben für sich die Saison beendet. Das Milliardengeschäft Fußball bringt seine Mitarbeiter weiter in gesundheitliche Gefahr und es ist mir immer noch etwas mulmig dabei.

Was machen eigentlich die Hormone?

Ich lese gerade “Leaders eat last” von Simon Sinek und aus seinen Ausführungen wird recht klar, welchen Effekt auf die Chemie in den Körpern der Spieler die fehlenden Zuschauer haben. Das Hormon Sertonin wird ausgeschüttet, wenn man den Stolz verspürt, von anderen anerkannt und angefeuert zu werden z.B. wenn Spieler die Gesänge aus der Kurve hören oder ihren Namen gebrüllt bekommen. Die Spieler spielen nun also regelmäßig mit einem niedrigeren Serotonin-Level und es bedarf wohl gezielter Maßnahmen, um das in der Arbeit mit den Teams auszugleichen. Der Kick auf dem Feld muss anders erzeugt werden. Aber wie?

Tipps

Andy: 0-0. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie letztes Jahr. Beide Teams zu harmlos vor dem gegnerischen Tor. Dazu kommt das leere Stadion, die Arena. Nichts für Liebhaber der gepflegten Kombinationen.

TGIF: Geisterhaftes Wolfsburg

Endlich! Wieder! Bundesliga! Aller Unkenrufe zum Trotz, alle Bedenken einmal ausgeklammert, am Samstag wird in Augsburg wieder Fußball gespielt. Und die Gazette ist schon ganz aufgeregt. Man hat das Gekicke doch schon sehr vermisst. Wer sich schon mal einstimmen will oder vergessen hat, wie es um das Sportliche steht, dem sei unsere kontaktlose Spieltagsvorschau ans Herz gelegt.

Fakten zum Spiel #fcavfl

Das wichtigste vorweg: Heiko Herrlich ist seit zwei Monaten als FCA Trainer ungeschlagen. Das dürfte Vereinsrekord sein und Stefan Reuter wird sich jeden Abend vermutlich selbst für diesen Glücksgriff auf die Schulter klopfen. Am Samstag wird sich Wolfsburg daran versuchen, die Serie zu beenden. Zumindest Heiko Herrlich kann das Spiel gelassen angehen, denn er wird gar nicht auf der Bank sitzen. Dazu gleich mehr.

Heiko Herrlich hat seinen eigenen Weg gefunden, sein Debüt beim neuen Arbeitgeber in Zeiten von Corona zu boykottieren. Schaut ihr am Samstag zu? (SASCHA SCHUERMANN/AFP via Getty Images)

Vorweg ein kleiner Rückblick in den März, denn die nominell immer noch laufende Bundesligasaison ist verständlicherweise derzeit ganz weit weg. Man erinnert sich vage an einen guten Auftritt in München und den Rauswurf von Martin Schmidt, der durchaus für Kontroversen sorgte. Die Zahlen lassen einen aufhorchen. Stand jetzt sind es nur fünf Punkte zum Relegationsplatz und der FCA hat nur einen Punkt aus den vergangenen fünf Spielen geholt. Vielleicht wäre der ein oder andere Verantwortliche froh über einen Saisonabbruch gewesen. Sportlich wird es nicht leichter.

Mit dem neuen Trainer und angesichts der langen Unterbrechung ist vollkommen unklar, wie der FCA in dieses Spiel gehen wird. Große spielerische Änderungen sind nicht zu erwarten, auch wenn Heiko Herrlich unlängst eröffnete, dass er offensiver spielen lassen möchte und Wert auf spielerische Lösungen legt. Personell wird gemunkelt, dass Alfred Finnbogason auszufallen droht. Der Trainer hat eine Aufstellung im Kopf, diese aus taktischen Gründen aber noch nicht verraten. Hoffentlich wurden die Co-Trainer rechtzeitig eingeweiht.

Der Gegner

Der Werksverein aus der Autostadt spielt unter Oliver Glasner eine solide bis gute Saison. Das Hinspiel war eine Nullnummer und damit im Vergleich zum Debakel in der letzten Saison eine wahre Wohltat. Die letzten Bundesligaspiele des VFL waren auch mehr als in Ordnung. Unentschieden gegen Leipzig, Berlin und Düsseldorf und Siege gegen Mainz, Hoffenheim und Paderborn. Aber das sind Spiele aus einer anderen Zeit. Im Europapokal setzte es zuletzt eine Heimniederlage vor leeren Rängen gegen Donezk. Ist die Geisterspielerfahrung von Vorteil? So manch einer munkelt, dass in Wolfsburg kein großer Unterschied zur üblichen Stimmung erkennbar war.

Wout Weghorst fehlt gelbgesperrt und neben einigen anderen Ausfällen hat sich auch Yannick Gerhardt zuletzt im Training schwerer verletzt. Gute Besserung an dieser Stelle! Zur Vorbereitung studierte Oliver Glasner übrigens nach eigener Aussage Spiele von Leverkusen und Regensburg als dort Heiko Herrlich Trainer war. Es ist in jeder Hinsicht eine Wundertüte. Auch wir sind gespannt.

Die Presseschau

Die DFL hat am Donnerstag eine Reihe von Beschlüssen im Zusammenhang mit der Fortsetzung des Spielbetriebs gefasst und lässt nun unter anderem mehr Auswechslungen zu (bis zu fünf) und ermöglicht Spiele an einem Ausweichort, sollten diese an den ursprünglich vorgesehenen Spielstätten aufgrund von Auflagen der Behörden nicht durchführbar sein. Theoretisch kann die Saison außerdem bis in den Juli verlängert werden.

Ansonsten hat die Presse natürlich in den vergangenen Tagen das Für und Wider der Bundesligafortsetzung ausführlich debattiert. Empfehlenswert ist der Kommentar von Kathrin Gilbert in der ZEIT, die für den experimentellen Charakter des Neustarts wirbt. Holger Gertz zeichnet in einem bemerkenswerten Artikel in der Süddeutschen nach, wie Stillstand und Krise die absurden Missstände im Profifußball offen legen und fürchtet, dass Geisterspiele genau das nehmen, was den Zirkus bislang trotz aller berechtigten Kritik ausgezeichnet haben: Bilder und Geschichten. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn der Vorhang noch ein wenig länger geöffnet bleibt.

Die Denkpause im Sportbetrieb (heißt nicht so, weil man mit dem Denken aufhört, sondern weil man damit anfängt) hat zum Beispiel dazu geführt, dass ein Teil der Kundschaft darüber nachgedacht hat, was diese Begriffe eigentlich bedeuten, mit denen man immer befeuert wird. Milliarden-TV-Vertrag zum Beispiel. Live ist ja gerade nichts geboten, was einen davon abhält, mal nachzurechnen. Um es fußballerisch zu sagen, in der zupackenden Sprache des leider auch schon verstorbenen Managers Rudi Assauer: “Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt.”

Holger Gertz, Brot und Geisterspiele, Süddeutsche Zeitung vom 10.5.2020

Übrigens können sich Sky Abonnenten Fan-Gesänge und Emotionen passend zum Spielgeschehen einspielen lassen. Na dann.

Was macht eigentlich Heiko Herrlich?

Aber zurück zu Augsburgs Rekordtrainer, der das mit dem Geschichten produzieren etwas missverstanden hat. Kurz zusammengefasst gingen dem Trainer in der Quarantäne in Bobingen die Hygieneprodukte aus und anstatt an der Rezeption nachzufragen suchte er selbst den örtlichen Supermarkt auf. Als wäre das noch nicht genug, berichtet er von diesem kleinen Abenteuer in aller langweiligen Ausführlichkeit in der virtuellen Spieltagspressekonferenz. Sensationell. Sicherlich kann man jetzt wieder anfügen, dass der Fußball vielleicht doch ganz bodenständig ist. Dass man die Zahnpasta beim Hotelaufenthalt vergisst, ist ein Naturgesetz. Der Heiko ist einfach einer von uns.

Heiko Herrlich ist halt einer von uns. Diese vielen neuen Regularien muss man halt erstmal im Kopf behalten. (ROBERT MICHAEL/AFP via Getty Images)

Aber es ist die Unbedachtheit, die einen fassungslos hinterlässt. Nicht nur, dass offenbar vollkommen bedenkenlos gegen das DFL Konzept verstoßen wird. Es wird auch noch mit viel Liebe zum Detail ausgeführt, als wäre es das Normalste überhaupt. Als hätte nicht die gesamte Liga mit finsteren Mienen und starrem Blick wochenlang gebetsmühlenartig zu Protokoll gegeben, dass sie um den Ernst der Lage wisse und auf welchem Prüfstand das gesamte Unternehmen Wiederanpiff steht. Heiko Herrlich gibt schon wie Salomon Kalou einen vielsagenden Einblick in Sein und Schein im Fußballzirkus.

Heiko Herrlich zieht übrigens die Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten und wird die Mannschaft am Samstag nicht von der Bank aus betreuen. Wenn der Trainer in ähnlich eintöniger Emotionalität seine Kabinenansprachen hält, wie er in Pressekonferenzen von Ausflugsgeschichten erzählt, muss dies kein Nachteil sein.

Tipps

Irina: Tippe auf ein schnödes und zerfahrenes 1 zu 1. Ein typisches Geisterspiel ohne Highlights.

Andi:0-0. Eine Nullnummer für alle Beteiligten, diese Bundesligawiederaufnahme. Weg damit.

Sebastian: 4-3, am Ende macht Andi Luthe in der 97. Minute vom Punkt den Siegtreffer nachdem er zuvor zwei (unberechtigte) Elfmeter gehalten hat. Das Spiel ist ein auf und ab, von dem man sich noch jahrelang erzählen wird. Der Auftakt einer Siegesserie, an deren Ende der Einzug in den Europapokal steht.

Geisterstunde

Ein schales Helles aus dem dünnen Plastikbecher, der unverwechselbare Geruch von Bier und billigem Deospray in der Nase und das lautstarke Nörgeln eines beständig Unzufriedenen nur wenige Reihen hinter einem. Es ist nicht ganz klar, ob die Umstehenden mit leerem Blick seinen Ausführungen folgen oder mit Sorge an den nächsten Arbeitstag und den drohenden Spott der Kollegen denken. Bierduschen und Sonnenbrand, Motzrentner und Bayernfan. Was klingt das plötzlich alles verheißungsvoll. Wie schön wäre es, jetzt im Block zu stehen.

Spielpause

Die Aussetzung des Spielbetriebs war natürlich alternativlos und erfolgte vielleicht fast schon zu spät angesichts der Rolle, die Großveranstaltungen bei der Verbreitung des Virus spielten. Wie geht es nun weiter? Die Frage wird seit Wochen eifrig diskutiert und ist dabei fast Sinnbild aller anderen Debatten rund um die derzeitigen gesellschaftlichen Einschränkungen, die viele Meinungen und wenige Graustufen kennen.

Aber: Es steht vollkommen außer Frage, dass es derzeit dringendere Fragen gibt, als die Problematik, wann die Bundesliga wieder angepfiffen wird. Jeden, der sich gesundheitliche Sorgen macht oder in Kurzarbeit Existenzängste hat, hinterlässt die Debatte rund um die Aussetzung der Bundesliga mit einem Kopfschütteln. Mindestens. Fußball ist nur eine Nebensache. Aber für viele auch die schönste Nebensache der Welt.

Geisterspiele

Von dem Gang ins Stadion sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach weit entfernt. Alle Großveranstaltungen sind derzeit bis Ende August offiziell untersagt und auch die ersten Veranstaltungen im Herbst werden schon abgesagt. Und so ist Geisterspiel das Wort der Fußballstunde. Die Profiligen sollen (vielleicht) ab Anfang Mai in enger Taktung vor leeren Tribünen mit einem minimalen Personalaufwand der Liga zu einem würdigen Ende verhelfen. Wobei würdig in dem Fall heißt, das die Verpflichtungen aus den Fernsehverträgen eingehalten werden und so umgekehrt die dringend benötigten Fernsehgelder an die Vereine ausgezahlt werden. Dass der Stillstand der Bundesliga und so ziemlich aller anderen Profiligen weltweit den milliardenschweren Fußballzirkus in gravierende Nöte bringt, ist indes Thema einer anderen Debatte auf diesem Kanal.

Masterplan?

Die Geisterpläne der eigens eingesetzten „Task Force“ , die letzte Woche auch in Presse und Öffentlichkeit seziert worden sind, enthalten nichts wirklich überraschendes – man hatte auf ein Konzept gehofft, dass alle Probleme gesellschaftspolitisch und medizinisch überzeugend löst. Schlicht das Hoffen auf ein Fußballwunder. Was herauskam ist nicht viel mehr als der dringende Appell, sich konsequent die Hände zu waschen, eingekleidet in die schicken Folien einer Powerpointpräsentation und garniert mit allerlei grafischem Pepp aus dem Handbuch aktueller Marketingkurse. Einen großen Charme hat dabei übrigens die grafische Veranschaulichung der Personen im Stadion, eine (unbeabsichtigt) humorvolle Symbiose von Stadionplan und Tipp-kick.

Als die Liga am 16.03. diskutierte passierte das noch in Form eines Präsenzmeetings in Frankfurt. Wie sich die Zeiten geändert haben. (Photo by Thomas Lohnes/Getty Images)

Trotzdem wirkt der gesamte Plan seltsam steril. Da hat es selbst die österreichische Liga geschafft, ihrem Konzept mit einer farblichen Codierung von Zonen und Personal den Anstrich eines adäquaten Masterplans für Notzeiten zu geben. Inhaltlich gibt es aber natürlich kaum einen Unterschied.

Und so erfährt man viel über die Zahl der Personen, die ein Fußballspiel mitsamt Übertragung wohl mindestens benötigt (ca. 300) und dass die Bar im Mannschaftshotel gesperrt wird. Privat solle man Menschenansammlungen meiden und nach Möglichkeit Einwegtaschentücher verwenden. Nun denn. Sollte eine Person positiv getestet werden, erfolgt keine automatische Meldung an die Presse und die Vereine sollen für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen. Auch das begleitend veröffentlichte medizinische Konzept liefert keinen großen Erkenntnisgewinn. Für Menschenansammlungen vor dem Stadion ist die DFL nicht verantwortlich. Der Vorteil der Banalität des Konzepts ist dessen Universalität. Mit den Kriterien könnte man auch ein Museum wieder öffnen.

Fußball ist unser Leben?

Das Konzept der DFL Taskforce dient nicht dazu, die aufgeheizte Diskussion rund um das Thema Geisterspiele zu versachlichen. Man kommt nicht umhin, den Kritikern Recht zu geben, die die Sonderrolle des Fußballs in der gegenwärtigen Debatte monieren. Während das Land stillsteht und jeder Einzelne zur Wahrung von Abstand und Verzicht angehalten wird, möchte der Fußball lieber heute als morgen seinen Betrieb wieder aufnehmen. Und wer meint, dass die Fans den Fußball herbei sehnen, dem sei der bemerkenswerte Kommentar der Ultras ans Herz gelegt, die deutliche Kritik am Vorhaben der DFL geäußert haben.

Gespenstisch

Und doch könnte der Fußball ein Stück Normalität bieten, zumindest denjenigen, die gerne dem Fußball anhängen. Clubs und Konzerte, Museen und Demonstrationen werden derzeit in die digitale Welt verlegt. Warum also nicht auch die Bundesliga? Man mag sich Geisterspiele in Augsburg vorstellen. Wie Rolf Störmann eigens angefertigten Pappkameraden auf der Ulrich Biesinger Tribüne begrüßt und der Torjubel gleich mit der Tormelodie vom Band kommt. Was vor Wochen noch als undenkbare Alternative abgetan wurde, ist jetzt fast Sehnsuchtsort. Insgeheim hat mittlerweile auch die Stimmung eines schweigsamen Testspiels einen großen Reiz. Und eine gewisse Authentizität. Denn es wird auf das Spiel und das Sportliche reduziert. Ohne den großen Marketingrahmen, das Torwandschießen und die Gratisproben.

Choreo ohne Fans oder auch die Frage: Was bleibt ohne Fans im Stadion? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Doch der Wunsch, am Samstagnachmittag wieder Fußball im heimischen Wohnzimmer zu sehen, birgt auch ein anderes Risiko. Was wäre, wenn eine Mannschaft nach mehren positiven Befunden aufgrund der Quarantäne in Gänze oder in Teilen ausfallen würde? Wenn dem FCA die erste Elf fehlen und eine Niederlagenserie zum Abstieg führen würde? Rechtfertigt es da der Verweis auf finanzielle Nöte und die Sehnsucht des Fans, die Spiele wieder anzupfeifen?

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Das Konzept der DFL kann der Gesellschaft die Sonderrolle, die die Bundesliga spielen soll, immer noch nicht erklären. Und so wird man sich weiter die Frage stellen, ob und wann die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gesellschaftlich, moralisch und sportlich sinnvoll ist. Ich würde mich prinzipiell freuen, wenn ein sinnvoller Weg gefunden werden könnte. Der Jubel auf dem Sofa wäre gewiss. Aber eben nicht um jeden Preis. König Fußball muss sich auch unterordnen. Es wird auch finanzielle Lösungen für alle Profivereine geben. Alles andere wäre in dem Millionenzirkus Bundesliga schwer denkbar und vermittelbar.

Denn Fußball ist nur Nebensache. Insbesondere in diesen Tagen. Und man kann der ganzen Situation doch durchaus etwas Positives abgewinnen. Heiko Herrlich ist seit fünf Wochen als FCA Trainer ungeschlagen.

Fans, vermummt euch!

Es sind ganz großartige Zeiten um Fan des FC Augsburg zu sein. Anfang April habe ich in meiner monatlichen Kolumne beschrieben, warum ich gerade in diesen Zeiten stolz darauf bin, FCA Fan zu sein. Dieses Gefühl hat sich über die Osterfeiertage und in der letzten Woche nur noch verstärkt. Die Ulrich-Biesinger-Tribüne hat an den Osterfeiertagen zusammen mit den Profis Jozo Stanic und Andreas Luthe viele von Corona betroffene Sozialeinrichtungen besucht und Geschenke da gelassen. Dazu haben diese großartigen Menschen ein Angebot für Augsburger Unternehmen gestartet, in dem sie bei Bedarf Waren an Kunden ausliefern. Ich finde diese Aktionen Wahnsinn und bin gerührt (inkl. Tränen in den Augen) von eurem Engagement. Der FCA selbst tut weiterhin sein übriges, indem er die Augsburger Tafel aktiv unterstützt und seine Aktivitäten fortführt.

Wollt ihr die Ulrich-Biesinger-Tribüne bei ihren Bemühungen unterstützen? Dann spendet oder werdet Mitglied. Das mit der Mitgliedschaft ist übrigens ganz einfach durch ein Onlineformular machbar und dauert keine 3 Minuten. Ich habe es gerade für euch ausprobiert.

Ich bin zudem der festen Überzeugung, dass die Aktionen auch viele andere dazu anregen, in diesen schwierigen Zeiten solidarisch zu handeln und zu helfen. Auch hier in meinem Kämmerchen habe in den letzten Wochen überlegt, wie wir hier zusätzlich unterstützen können. Was mir immer wieder aufgefallen ist auf den Pressefotos des FCA bzw. von den Aktionen: die Beteiligten tragen weiterhin keine Masken. Derweil ist gut bekannt, dass Infizierte relativ lange keine Symptome aufweisen können, in dieser Zeit allerdings schon ansteckend sind. Masken schützen alle Beteiligten davor, dass sich der Virus auch bei Kontakt weiterhin wie zuvor ausbreitet.

Derweil ist es in der momentanen Zeit schwer an Masken zu kommen und manche Spezialmasken sollten auch dem medizinischen Fachpersonal vorbehalten bleiben, das diese nun deutlich dringender braucht als der Otto-Normal-Bürger. Wir hatten hier allerdings noch einen Stapel T-Shirts aus zurückliegenden Aktionen rumliegen und ich habe mit @astimumm auf Twitter jemanden gefunden, die aus diesen T-Shirts nun Stück um Stück Mund-Nasen-Masken herstellt. Das Ergebnis könnt ihr ab heute im Shop bestellen. Es gibt vier Modelle:

Ich bitte zu beachten, dass die Masken von den Motiven leicht abweichen können – jede ist irgendwie ein Unikat. Dazu fällt zumindest die erste Rutsche recht klein aus, und ist daher vor allem für kleinere Köpfe zu empfehlen. Die Versandkostenpauschale ist dazu da, die anfallenden Versandkosten zu decken. Der Betrag, den ihr für die Masken bezahlt geht 1:1 an den Bunten Kreis zumindest solange wir die Halil-Shirts zerschneiden. Hier bei uns bleibt – wie immer – kein Cent hängen. Wir werden die Masken im Shop zumindest solange Nachfrage und Material vorhanden ist immer wieder nachfüllen. Zusätzlich: Wer etwas anderes als die Masken im Shop bestellt, bekommt Masken im Artikelwert dazugelegt und alle gezahlten Beträge gehen auch dann an den Bunten Kreis. Schreibt doch am besten vorher eine Email zur Koordination an kontakt@rosenau-gazette.de, wenn ihr auch etwas anderes als Masken bestellen wollt.

Über eine Email freuen wir uns auch dann, wenn ihr als Fanclub selbst noch einen Stapel Rest-Shirts im Keller entdeckt bzw. euch in der Lage seht, Mund-Nasen-Masken nach Schnittmuster zu nähen.

Es ist doch vertrackt. Fans, die sich in den letzten Jahren vermummen wollten, dürfen das nun – genau wie alle anderen. Macht es bitte auch. Leider darf dafür keiner mehr ins Stadion. Mit der Welle an Solidarität von so vielen Beteiligten werden wir als Verein und Fans gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervorgehen. Zusammen. Auch abseits des Feldes. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eine Maske bestellen würdet, so dass wir hier von der Rosenau Gazette auch unseren Beitrag in dieser Situation leisten können. Danke!

Stay Home… and watch e-Football.

Seit über drei Wochen pausiert nun die Fußball-Bundesliga wegen Covid-19. Das führt unweigerlich zu einer großen Tristesse bei allen Bundesligafans. Aber auch die Fußball-Clubs müssen nun überdenken, wie man in Zeiten der Krise und Ausgangssperre die Bundesliga zu den Fans bringen kann. Der Weg der Digitalisierung kann auch hier erfolgsversprechend sein. Stichwort: e-Football!

Virtuelles Fußballvergnügen statt Stadionatmosphäre

Ein erster Ansatz wurde vor rund zwei Wochen geschaffen: Anstatt Fußball auf dem Rasen wird auf der Konsole Fußball gespielt und jede(r) kann dabei zusehen. Die sogenannte Virtual Bundesliga Home Challenge aus dem Hause des e-sports wird also zum probaten Mittel für die Gesellschaft, die nach wie vor nicht aus dem Haus gehen darf, aber nach Fußballereignissen jeglicher Art lechzt.[1]

E-Sports –  oder besser: e-Football –  ist hierbei nicht mal mehr was „neues“, fast jeder Club weist mittlerweile eine eigene Riege an e-Sportlern auf. Aber neu ist, dass Fußballfans, aktuell die Qual der Wahl haben, sich alte Schinken aus längst vergessenen Zeiten zu Gemüte zu führen oder sich eben verstärkt dem e-Football zu widmen. Und all das nur, weil rausgehen schlicht und ergreifend derzeit keine Option ist.

Vor ein paar Monaten hätte ich noch gesagt: Beides ist definitiv keine erstrebenswerte Freizeit-Alternative für mich und wenn ich die „Qual der Wahl“ hätte, würde ich mir dann doch den Bundesligaklassiker VfL Wolfsburg – FCA (das glorreiche 1:8 aus FCA-Sicht) reinziehen. Ok, das war gelogen! Aber es soll an dieser Stelle verdeutlichen, wie sehr mir e-Sports bisher egal war, mich nur rein sekundär tangiert hat. Nun… Besondere Zeiten verlangen besondere Maßnahmen. Und hey, here we go..

Das Schöne am e-Football….

Unter dem Motto „Stay Home…and Play“ startete die DFL Mitte März jedenfalls ein eFootball-Turnier der besonderen Art. 29 Erst- und Zweitligaclubs stellen jeweils einen Profifußballer und einen e-Sportler. Zudem wirken auch die Schiedsrichter Deniz Aytekin und Daniel Schlager an dieser Event-Reihe mit. Die Partien werden von der DFL ausgelost und via Social Media übertragen. In diesem Fall auf den beiden Streaming-Plattformen YouTube und Twitch.  Dies sorgt dafür, dass die breite Masse erreicht wird. Die e-Sportler und Fußballprofis spielen jeweils ein Spiel, gewertet wird das Gesamtresultat beider Partien.[2]

Der FCA unterstützt derzeit nicht nur Pflegepersonal mit Gratisgetränken und hilft mit Mann und Maus an der Augsburger Tafel aus. Auch an der Konsole tritt der FC Augsburg an und misst sich mit der prominent besetzten Konkurrenz. Für den FCA geht neben FCA-Profi und Eigengewächs Marco Richter der e-Sportler Yannic „Yannic0109“ Bederke vom FCA e-Sports Team an den Start. Die letzten beiden Wochenenden duellierten sich also begnadete Fußball-Profis sowie e-Sportler an der Playstation 4 Konsole anstatt auf den grünen Rasen zurückzukehren.  Und dies ganz bequem von der Couch aus, rein virtuell verbunden. Und vor allem ganz wichtig: dies alles ohne jegliche Infektionsgefahr!

AUGSBURG, GERMANY – Marco Richter hält sich zu Hause fit und schmeißt zwischendurch die Playstation 4, um seinen FCA würdig bei der Home Challenge zu vertreten. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Fußball und e-Sports können hiervon beide profitieren und Synergieeffekte nutzen. Für den in Deutschland neben dem Fußball koexistierenden e-Football ist diese Eventreihe nochmal ein Bekanntheits- respektive Beliebtsheitsboost. Die Bundesligaclubs hingegen können ihren Fans in einer fußballarmen Zeit ein Entertainment direkt auf dem Sofa bieten. Die fußballvermissende Fanseele kann hierbei zumindest zum Teil geheilt werden und die fußballfreie Zeit einigermaßen sinnvoll überbrückt werden, bis das runde Leder wieder regelmäßig in den Stadien der Republik rollt.

Man kann sich schon mal darauf einstimmen, was unweigerlich kommen wird: Fußball im TV statt in den heiligen Hallen des Fußballs, den Arenen und Stadien Deutschlands. Denn selbst wenn die Bundesligen bald wieder starten sollten, es werden vermutlich erstmal nur Geisterspiele anstehen. Mit dem Zuschauer vor der Glotze, statt in der Fankurve. [3]

Virtueller Meister Wehen Wiesbaden?

Der FCA hat sich bisher auf jeden Fall recht beachtlich geschlagen an den ersten beiden virtuellen Spieltagen. Gegen Hannover haben die beiden rot-grün-weissen Vertreter mit 2:1 gegen Hannover 96 die Oberhand behalten, am letzten Spieltag wurde der Hamburger SV mit 5:2 abgespeist. Am kommenden Ostersonntag spielen Marco Richter und Yannic Bederke dann wieder auf der PS4 – gegen Vertreter:Innen des 1. FSV Mainz 05.

Das Schöne am e-Football ist, dass alle mit gleicher Spielstärke (sog. FIFA 85er-Modus) unterwegs sind.[4] Und damit sind schon für relativ faire Rahmenbedingungen gesorgt, wie ich finde. Das bedeutet, dass kleinere Clubs auch mal die Chance bekommen, oben mitzuspielen.

An einem Punkt hat sich auch auf dem virtuellen Rasen nicht geändert: Wir wollen Titel gewinnen. Unsere Chancen sind vielleicht besser denn je. Auch abseits der breiten Öffentlichkeit, hat e-sports eine breite Akzeptanz erlangt. Ein krasses Finalevent wird Corona allerdings im Falle der Home Challenge verhindern. Bederke hat Erfahrung mit Grand Finals, wird er Marco Richter mitziehen und mit ihm gemeinsam gewinnen? (Photo by Daniel LEAL-OLIVAS / AFP via Getty Images)

Und ähnlich wie im DFB-Pokal ist es hier auch die Tagesform, auf die es schlussendlich ankommt. Ist doch sehr erfrischend, dass Clubs wie Wehen Wiesbaden auf einmal Chancen auf die virtuelle Meisterschaft haben. Wann gab‘s denn sowas zuletzt? Also, die richtig große Dramatik und Spannung im Titelkampf? Die aktuelle Saison in der Bundesliga hätte diese haben können, aber Corona hatte leider etwas dagegen. Vielleicht kommt es ja nach dem Lockdown noch zum großen Showdown, wer weiß.

Ein klein wenig obsessed

Ich habe mich auf jeden Fall am letzten Wochenende dabei erwischt, richtig krass mit dem FCA mitzufiebern. Auch wenn es „nur“ virtueller Fußball ist. Es ist dennoch mein Team auf dem Rasen, mit realen Augsburgern an der Konsole. Die gleichen Spieler stehen auf dem Platz, auch wenn sie nur kleine, willenlose Schachfiguren sind in diesem Fall. Die Identifikation ist aber unweigerlich da.

Richter scort mit Richter im Spiel gegen den HSV? Geile Sache! Mein Augsburger Fanherz hüpft jedenfalls wieder in höheren Sphären derzeit und dafür bin ich absolut dankbar. Das Gute ist auch, dass es hierbei auch nicht drauf ankommt, sich selbst gefährden zu müssen.

Man kann e-Sports gut auf der Couch schauen. Das obligatorische Stadionbier schnell aus dem Kühlschrank gefischt, eine Packung Chips aufgemacht und ich kann ganz bequem vom Sofa aus das Geschehen live verfolgen. Alternativ: im Garten Bratwürstle grillen und auf dem Tablet/Notebook/Smartphone das Spiel miterleben. Ihr braucht nur eine einigermaßen stabile Internetverbindung.

Mir gelingt dieses „Mitfiebern“ jedenfalls immer besser. Nach drei Wochen Quarantäne bin ich derzeit richtig in Übung und nehme gerne neue Dinge an, die gegen Einsamkeit und Langeweile helfen. Vorsichtig optimistisch zu sein, ist gerade zu meiner eigenen persönlichen Challenge geworden.

Digitalisierung sei Dank

Wie in allen Bereichen merke ich derzeit verstärkt, wie uns Digitalisierung in allen Lebenslagen und Alltagssituationen extrem bereichert. E-Sports und die Bundesliga Home Challenge sind nur eine Sache von vielen. Home Office, Homeschooling, Podcasts und Videochat, Online Streaming – für so vieles bin ich sehr dankbar im Moment. Das wird einem erst in Zeiten des Notstands bewusst.

Über Videochat halte ich gebürtige Augsburgerin, die sich im Exil in Ostwestfalen/Lippe befindet, Kontakt zur Heimat. Eine wirklich gute Sache! In solchen Zeiten ist man dann auch mehr und mehr geneigt, bisher „ungeliebte“ Dinge – wie eben in meinem Fall den e-Football – nochmal auf den Prüfstand zu stellen und diesen Dingen eine zweite Chance zu geben.

Bei mir hat es funktioniert. Ich bin jetzt ein wenig angefixt. Und feuere unsere Jungs an der Konsole am kommenden Wochenende wieder an. Wenn der reale Marco Richter mit der virtuellen #23 eine Bude schießt, schrei ich künftig genauso laut wie im Stadion. Versprochen!

Wie ich eingangs schon schrieb: Ungewöhnliche Zeiten – ungewöhnliche Maßnahmen. Wird Zeit, dass diese Dinge endlich wieder in unseren Alltag Einzug halten und ungeliebte Alternativen wertgeschätzt werden. Der richtige Fußball kann niemals ersetzt werden, aber – gerade aktuell in dieser misslichen Lage – durch den e-Football ordentlich vertreten werden!

Ganz getreu dem Motto: #stayhomeandwatchefootball


[1] https://virtual.bundesliga.com/de/news/dfl-organisiert-efootball-turnier-in-der-fussballfreien-zeit

[2] https://virtual.bundesliga.com/de/news/efootball-turnier-bundesliga-home-challenge-geht-in-die-zweite-runde

[3] https://www.wa.de/sport/borussia-dortmund/fussball-sti44685/coronavirus-zuschauer-geisterspiele-hoeness-kehl-personenanzahl-saison-watzke-bvb-schalke-dfl-13587093.html

[4] https://www.pineapps.at/fifa-85-modus/

Stolz Augsburger zu sein

ieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Martin Schmidt wurde entlassen und kurz darauf Heiko Herrlich als neuer Trainer eingestellt. Alleine dieser Vorgang sorgte im Umfeld des FC Augsburg für viele Diskussionen. War der Trainerwechsel richtig oder falsch? Insgesamt war allerdings klar, dass sich die Spielweise der Mannschaft gehörig ändern musste, damit wir in dieser Saison nicht absaufen würden.

All das ist noch nicht einmal einen Monat her und dennoch kommt es mir selbst wie eine Ewigkeit vor. Die Änderungen, die danach auf uns alle zukamen, hat wohl keiner so kommen sehen. Der Corona-Virus Covid19 hat unser aller Leben gehörig durcheinander gewirbelt. Unser Leben und die Pläne und Vorsätze unseres Clubs für den Saisonendspurt. Anstatt nun am Wochenende gegen Paderborn dem Klassenerhalt deutlicher näher zu kommen, sind es nun eher wirtschaftliche Probleme, die dem FCA auf Grund der fehlenden Sky-Millionen und Zuschauereinnahmen bevor stehen. Wie für uns alle, ist die Lage auch für unseren Verein schwierig.

Der FCA ist zwischenzeitlich zu Krafttraining mit Bierkisten übergegangen, um sich fit zu halten. (Foto: FCA)

Stolz dank Ulrich Biesinger Tribüne

In dieser Situation habe ich in den letzten Wochen aufmerksam beobachtet, wie der FCA auf die Situation reagiert. Dabei stach der Verein nicht als erstes in Auge. Sehr schnell veröffentlichte die Ulrich Biesinger Tribüne (UBT) ein Hilfsangebot für Menschen, die in dieser Zeit Unterstützung benötigen. Fußball ist eben nicht nur das, was auf dem Platz passiert. Es geht am Ende um die Gemeinschaft drumherum. Diese hat in Augsburg schnell so reagiert, dass ich mich selbst stolz dieser Gemeinschaft zugehörig fühle. Wie gerade ein Fan-Verein wie die UBT so schnell nach seiner Gründung so durchschlagend handelt, ist dabei besonders beeindruckend. Alle dort Aktiven hatten sich vor wenigen Wochen wohl eher darauf eingestellt, Unterstützung für die Mannschaft im Abstiegskampf zu organisieren. Mit äußerster Agilität, die zuletzt nur unsere Abwehrspieler an den Tage legten, wenn es darum ging, sich im entscheidenden Moment vom eigenen Gegenspieler zu entfernen und den Weg aufs Tor frei zu machen, hat man sich hier angepasst. Vollsten Respekt und weiter so!

Besonnenheit ist Trumpf

Die Reaktion des Vereins ist dabei wohl am ehesten mit dem Wort besonnen zu beschreiben. Und dies meine ich äußerst positiv. In Zeiten, in denen sich Hans-Joachim Watzke für so kompetent hielt, in der Sportschau genau zu wissen, welche Maßnahmen für Bundesliga-Vereine angemessen sind, und sich damit recht schnell zum Depp machte, ist es doch schön zu sehen, dass die FCA Chefs genau wissen, dass sie keine Virologen und Politiker sind. Die Verantwortlichen des FCA drücken zudem nicht öffentlich auf die Tränendrüse und betonen nicht, wie sehr sie auf die Einnahmen aus den restlichen Spielen angewiesen sind. Diese Rolle überlässt man dem roten Bonzenclub aus München mit dem großen Festgeldkonto. Es ist uns bewusst, dass die Situation für die Vereine und auch für den FCA nicht einfach ist. Wie froh bin ich dennoch, dass wir uns für unsere Vereinsverantwortlichen nicht schämen müssen, da sie ihre Lage und die des Vereins einzuordnen wissen.

Gezielte Hilfe zusammen mit Partnern

Im Hintergrund hat der FCA zudem an einem breiten Angebot an Hilfsangeboten gearbeitet und in der letzten Woche vorgestellt und direkt angepackt. Von Mittwoch bis Freitag gab es einen Getränke Drive Trough für Pflegepersonal, sei es aus Krankenhäusern, Altenheimen oder Behinderteneinrichtungen, um diesem für ihre tägliche Arbeit grundsätzlich, aber ganz besonders in diesen Tagen, zu danken. Die Geschäftsführer des Vereins, Spieler und Fans packten zusammen an. Vorbildlich!

Helfen und sogar noch Spaß dabei haben? Beim FCA ist das möglich. (Foto: FCA)

Hier sind in den kommenden Wochen viele weitere Aktionen geplant, die alle über eine gemeinsame Webseite für die Stadt und Region gebündelt werden. Auch die Aktion der UBT ist hier neben den weiteren Aktionen zu finden. Diese umfassen momentan u.a. neben den bisher genannten:

  • Digitale Spendenplattform
  • Gutschein-Verteilung
  • Unterstützung Tafel Augsburg e.V.
  • Verkauf Motto T-Shirt für guten Zweck

#Augsburghältzusammen keine leere Phrase

Insgesamt ist es in dieser kritischen Situation sehr schön, zu sehen, dass sowohl Fans als auch Verein den vielgenutzten Slogan “Augsburg hält zusammen” nicht nur in guten Zeichen zu Marketingzwecken vor sich her tragen. Gerade jetzt, wo viele Menschen Sorgen haben und Unterstützung benötigen, zeigt die Fußballgemeinschaft aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt ist. Ich predige ja immer wieder, dass es kaum eine andere Plattform gibt, die wie der Fußball in der Lage ist, Menschen zusammen zu bringen. Der FC Augsburg und viele Menschen, die sich mit dem Verein identifizieren, zeigen gerade eindrücklich, dass dies nicht nur am Samstag um 15:30 Uhr gilt. Und wo es in der Hymne heißt “Wir sind seit 1907 / nicht nur am Samstag für dich da.” können wir evtl. bald eine weitere Strophe hinzufügen. Für Tradition kann man sich im Profifußball seit einiger Zeit nichts mehr kaufen. Aber diese Werte und eine solche Einstellung sind zumindest für mich unbezahlbar. Da lebt der Stolz auf Augsburger zu sein, und der wird zumindest mich noch eine ganze Weile durch diese schwere Zeit tragen.

Lebbe geht weida

Es sind nun einige Wochen vergangen, seit der Corona-Virus Covid19 Deutschland unter seine Kontrolle gebracht hat. Die derzeitige Situation führt für viele Menschen zu außerordentlichen Belastungen. Sie sind evtl. betroffen, weil Freunde oder Angehörige krank geworden und auf ein funktionierendes Gesundheitssystem angewiesen sind. Vielleicht haben sie die eingeleiteten Maßnahmen wirtschaftlich getroffen, weil Arbeitgeber Kurzarbeit angemeldet haben oder insolvent gingen. Oder es sind bei Freiberuflern und Selbstständigen schlicht die Aufträge ausgeblieben. In jedem Fall betreffen uns alle die Einschränkungen unserer Grundrechte der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit. Dazu ist momentan schwer abzusehen, ob und wann wir den Normalzustand wie vor dem Virus zurückbekommen.

Der Blog als Nebensache

In dieser außergewöhnlichen Situation hat es sich vor dem damals noch als Geisterspiel angesetzten Wolfsburg-Spiel schlicht ergeben, dass die Aktivitäten hier auf dem Blog zum Erliegen kamen. Wir Autoren der Rosenau Gazette schreiben hier in unserer Freizeit. Der Blog ist ein nicht-kommerzielles Hobby. In der Situation, in der wir uns alle vor wenigen Wochen wiedergefunden haben, konzentrierte zumindest ich mich zwischenzeitlich auf die wichtigen Themen in meinem Leben. Wie gehe ich persönlich mit der Situation um, damit ich nicht abdrehe? Wie organisieren wir unser Leben als Familie? Welche neuen Abläufe etablieren wir? Wie kann ich von zu Hause aus arbeiten und mich mit meinen Kollegen abstimmen? Fußball und der FCA – und in diesem Zusammenhang auch dieser Blog – wurden ganz schnell zu einer absoluten Nebensache.

Gewöhnung an die Umstände

Einige Wochen gingen mittlerweile ins Land und für alle obigen Fragen habe ich für mich persönlich mittlerweile befriedigende Antworten gefunden. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Hier in Hessen, wo ich lebe, sagt man: Lebbe geht weider.

Rückkehr zum Alltag

Es ist zwar alles anders, aber mittlerweile doch schon wieder etwas gewohnt. Dazu kann man mittlerweile erkennen, dass die eingeleiteten Maßnahmen Wirkung zeigen, und die Situation in den Griff zu bekommen ist. Nun heißt es schlicht, Geduld zu haben und mit der Rückkehr zum Alltag nichts zu überstürzen. Wie die Gesellschaft an sich, werden wir nun hier im Blog langsam und Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren. Es gibt genügend Themen rund um unseren FCA, zu denen es sich zu schreiben lohnt. Ich kann feststellen, dass es mich mit gehörig Stolz erfüllt, wie sich Fans (sehr schnell und mit gezielten Maßnahmen) und auch der Verein angeboten haben, zu helfen. Auch der Weg zurück zu Pflichtspielen vor Publikum ist ein spannendes Thema. Für alle von uns nehmen diese Spiele einen wichtigen Platz in unserem Leben ein.

#Augsburghältzusammen

Manche der Themen werden wir hier in den kommenden Wochen kommentieren und begleiten. Die Inhalte scheinen uns nach einem ersten gemeinsamen Ideen-Brainstorming so schnell nicht auszugehen. Mal schauen, was wir hier so hinbekommen neben unserem veränderten Alltag. Vielleicht bereitet euch die Lektüre ja etwas Freude. Vielleicht wollt ihr auch gerne zu einem bestimmten Thema etwas lesen? Kommentiert gerne mit hier im Blog oder in den sozialen Medien und lasst uns wissen, wozu wir eurer Meinung nach schreiben sollten. Wir freuen uns in dieser Situation auch auf den Austauch mit anderen Fans. In jedem Fall wünschen wir euch allen in dieser Situation, dass es euch gut geht und ihr gesund bleibt. Ganz getreu dem Motto #Augsburghältzusammen.

Endspurten oder Absaufen?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

25 Spiele und damit rund 3/4 der Saison sind gespielt. Der FCA steht auf Platz 14 der Tabelle und der Abstand zum Relegationsplatz beträgt noch 5 Punkte. Während ein Club wie der Effzeh Köln unter Markus Gisdol ein Formhoch erwischt, mittlerweile 5 Punkte Vorsprung vor dem FCA und noch ein Spiel offen hat, ist unsere Lieblingsbeschäftigung das Verlieren geworden. Man könnte sagen, in der Rückrunde haben wir alle Arten des Verlierens durch.

Das Positive

Nach dem Licht am Ende des Tunnels muss man mittlerweile mit Nachdruck suchen. Die gute Phase zum Ende der Hinrunde verhallt so langsam komplett. Gerade mal gegen Werder Bremen – mittlerweile wahrscheinlich das schwächste Team der Liga – konnten wir durch eine bessere zweite Halbzeit gewinnen. Gegen Freiburg hat es mit Glück zu Hause für einen Punkt gereicht, weil Freiburg vor dem Tor schlicht zu harmlos war. Dazu können wir uns Niederlagen schön reden. Gegen die Bayern – die laut Thomas Müllers Aussage nach dem Spiel ausgelaugt und müde waren – sah die Partie defensiv zumeist stabil aus. Dazu konnten wir nach vorne Nadelstiche setzen. Auch gegen Gladbach sah es schon nicht mehr ganz so gruselig aus, wie noch zuvor oder in der Hinrunde. Ach, und Andreas Luthe hatte auch keinen Aussetzer im Tor gegen die Bayern. Das Ergebnis der letzten 3 Partien waren dennoch 0 Punkte. Da bleibt jetzt in dieser Situation nur das kurzfristige Hoffen auf den Trainereffekt und dann auf die positiven Anpassungen unter Heiko Herrlich.

Die Sorgen

Dafür bleiben einige der Kritikpunkte offen, die ich schon vor der Saison adressiert hatte. Führungsspieler sind zwar erkennbar. Daniel Baier hat immer noch eine wichtige Funktion für die Mannschaft, genau wie Jeffrey Gouweleeuw, Rani Khedira, Philipp Max und Florian Niederlechner. Die Mannschaft hat eine offensichtliche Gruppe an Führungsspielern, aber auch das führt nicht dazu, dass konstant Leistung abgeliefert wird. Mit 52 Gegentoren tummeln wir uns zurecht schon wieder Richtung Tabellenkeller und können mit den schlechtesten Teams der Liga mithalten. Ja, die defensive Stabilität geht uns zumeist ab. Dazu scheinen die spielerischen Möglichkeiten dieses Teams limitiert. Wo man am Anfang der Saison noch gedacht hat, dass das Team sich einfach einspielen muss, ist mittlerweile ersichtlich, dass der Plan nicht beinhaltet, den Ball zu halten. Das tuen wir dann auch sehr wenig.

Die Aussichten

Wolfsburg ist ein solides Bundesligateam – im Gegensatz zu uns – mit ungefähr 10 Punkten und 20 Gegentoren weniger auf dem Konto. Im Heimspiel gegen die Wölfe und auswärts eine Woche später auf Schalke geht es schon um viel. Wenn wir gegen diese beiden Mittelklasseteams nicht punkten, könnten wir noch weiter nach unten abrutschen. Und in der Länderspielpause dann doch mit dem Rücken zur Wand stehen. Das verschafft zwar dem neuen Trainer Zeit, aber auch nicht viel. Und der Druck, ein Erfolgserlebnis zu liefern, wird immens steigen.

Ohne die entsprechenden Ergebnisse sind die Aussichten mau. Aufstehen und weitermachen ist angesagt. Nützt ja nichts. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Auch wenn wir jetzt vorher in einem der Spiele punkten sollten, so können wir uns darauf leider nicht ausruhen. Am Ende wird es auf den Endspurt ankommen. Gegen Paderborn, Hertha und Mainz geht es nicht um einen Schönheitspreis. Wir konnten die Top Teams nicht ärgern. In letzter Zeit konnten wir niemanden ärgern. Gegen die direkte Konkurrenz müssen wir gewinnen. Egal wie.

Das Ziel

Aus dieser Saison kann kein größerer Erfolg als der Klassenerhalt mehr entstehen. Ich will das gar nicht unterschätzen. Florian Kohfeldt als äußerst talentierter Trainer säuft gerade mit dem SV Werder Bremen ab. Auch für Martin Schmidt war bei uns jetzt Schluss. Für uns kann es auch nächstes Jahr in der ersten Liga weitergehen. Wir haben immer noch alle Möglichkeiten uns selbst zu retten und unseren Beitrag zur Langeweile der Liga zu leisten.

Mit Andreas Luthe sollte vorerst Ruhe im Tor einkehren. Er kann der Mannschaft in dieser schwierigen Phase Sicherheit geben. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Dabei ausblenden müssen wir für den Rest der Saison trotz Trainerwechsel, dass dieser Kader das Potential für mehr gehabt hätte. Ja, hinten rechts und im Tor haben wir Bedarf für Verbesserung. Ansonsten ist der Kader dicke mit Talent bestückt und wir haben keine Verletzungssorgen. Den Klassenerhalt vorausgesetzt, kann Heiko Herrlich im Sommer ganz in Ruhe schauen, wie er das Potential in der nächsten Saison ausgeschöpft bekommt.

Was ist zu tun?

Sportlich haben wir aus dem Bayern-Spiel erkannt, dass wir defensiv stabil stehen können. Dafür brauchen wir mit Andreas Luthe einen Torhüter, der dem Team Sicherheit gibt. Darauf basierend können wir versuchen Umschaltmomente zu schaffen, um Tore zu schießen. Und eine paar erste, überraschende Herrlich-Ideen (herrliche Ideen) umsetzen. Hübsch wird es nicht, aber das sollte uns nicht kümmern. Im Gegensatz zum Bayern-Spiel müssen wir dann auch mal wieder ein paar der Chancen nutzen und besser abschließen.

Zurück in die Spur müssen wir. Die Spieler haben genügend offensive Qualität, um auch wieder für Furore zu sorgen. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

So ein ehemaliger Weltklasse-Knipser hat da vielleicht das richtige Händchen. Da wird dann aber auch nicht immer Manuel Neuer im Tor des Gegners stehen. Mit Kampf und Zusammenhalt, unter Verwendung einfacher sportlicher Abläufe, die wir perfektionieren, können wir die Situation zu einem zufriedenstellenden Ende bringen.

Ich glaube immer noch, dass es werden wird – das mit dem Klassenerhalt. Da mache ich mir weiterhin kaum Sorgen. Ich verstehe aber mittlerweile, warum sich die Mainzer damals so viele Gedanken zur sportlichen Entwicklung unter Martin Schmidt gemacht haben. Wir haben jetzt schon die Reißleine gezogen. Kampf und Zusammenhalt bis zur Sommerpause wird nun umso nötiger werden, damit Heiko Herrlich seine Ideen langfristig umsetzen kann. Die Identität der Mannschaft muss Gier und Siegeswillen ausstrahlen. Wir bleiben der FCA, noch mehr nun mit Heiko Herrlich.