Kaderanalyse Teil 3: Das Mittelfeld

Tor und Abwehr sind abgehakt. Schon ist die Zeit gekommen, sich mit dem Mittelfeld auseinanderzusetzen. In der letzten Saison haben wir an dieser Stelle eingeführt, dass wir vier Positionen betrachten. Es geht dabei um die beiden zentralen Mittelfeldspieler vor der Viererkette (ein Sechser und ein Achter oder auch zwei Sechser, je nachdem wie man das für sich interpretieren will) und die beiden offensiven Außen. Als grundsätzlichen Trend kann man hier wohl erkennen, dass die Außenspieler keine klassischen Flügelspieler mehr sind. Sie ziehen schon recht zügig nach innen, auch um Platz für die aufrückenden Flügelspieler zu machen. Nicht Teil dieser Betrachtung ist der zentrale Spieler hinter der einzigen Spitze. Man kann sich streiten, wie man diese Position benennen sollte. Wir nennen sie für den Moment einmal “hängende Spitze” und behandeln sie mit dem Sturm. Dann ist der Teil über den Sturm nicht ganz so mickrig (über wen sollte man hier momentan auch schreiben).

Leistung in der letzten Saison

Daniel Baier war erneut über lange Phasen wie gewohnt der Stabilisator der Mannschaft, bevor er in der Rückrunde wegen einer Kopfverletzung länger ausfiel. Neben ihm kam oftmals Rani Khedira zum Einsatz, der den zu Bayer 04 Leverkusen gewechselten Dominik Kohr, sehr gut ersetzen konnte. Dieses Tandem verlieh dem FCA über lange Phasen der Saison die notwendige Stabilität, um gegen den Ball solide zu stehen und auch im Spiel mit dem Ball schnell umzuschalten. Baier ist dabei immer noch der Rhythmusgeber in der Mitte und im Spiel mit dem Ball der Dreh- und Angelpunkt des Augsburger Spiels. Je-Choel Koo konnte in seinen Einsätzen war nicht ganz an die Vorsaison anknüpfen, aber dadurch, dass er extrem vielseitig einsetzbar ist und auf vielen Positionen aushelfen kann, ist er wohl der wichtigste Rotationsspieler im Kader gewesen. 

Auf den offensiven Außen ging es dabei nur auf einer Seite so konstant zu. Caiuby war auf der linken Seite gesetzt und spielte eine tolle Saison. Er hatte sich sowohl im Spiel gegen den Ball verbessert, als auch war er mit dem Ball durch seine Physis und sein Kopfballspiel eine wichtige Komponente. Auf der Gegenseite blieben derweil viele Hoffnungen enttäuscht. Marcel Heller konnte die Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllen. Vor dem Tor hatte er kein Glück und der Knoten wollte nicht platzen. Ähnlich unglücklich agierte immer wieder Jonathan Schmid wenn er denn offensiv eingesetzt wurde. Die Position erfuhr erst eine gewisse Stabilität, als Marco Richter für das letzte Saisondrittel übernahm. Ihm gelangen dann zwar auch keine Tore mehr, allerdings erzeugte er deutlich mehr Gefahr als seine Kollegen. Für einen Debütanten machte er seine Sache außerordentlich gut und das Potential für die kommenden Jahre ist deutlich zu erkennen. Wenig überraschend wurde er zum Newcomer der Saison 2017/18 gewählt. Insgesamt blieb so durch die eher unterdurchschnittlichen Leistungen auf dieser Position Potential für den FC Augsburg ungenutzt.

Abgänge

Der Vertrag von Gojko Kacar, der in der letzten Saison kaum noch eine Rolle spielte, lief aus und wurde nicht verlängert. Moritz Leitner wurde nach seiner Leihe zu den Canaries von diesen nun fest verpflichtet und dieses Missverständnis beendet. Takashi Usami wollte in Düsseldorf bleiben, verlängerte seinen Vertrag und wurde erneut nach Düsseldorf verliehen. Marcel Heller wechselt nach Darmstadt zu den Lilien zurück. Die Beiträge aller für den FCA waren kurz und überschaubar. Viele sind mit großen Hoffnungen nach Augsburg gewechselt und diese Hoffnungen wurden nun begraben. 

Zugänge

In diesem Bereich hat der FC Augsburg zurecht erkannt, dass er handeln muss und auch etwas unternommen. Vor allem rechts offensiv haben wohl die Verantwortlichen gesehen, dass dort eine große Lücke im Kader bestand, die es zu schließen galt. Zu diesem Zweck hat man André Hahn nach Augsburg zurückgelotst, der auf dieser Position in Augsburg deutscher Nationalspieler geworden war, als dies noch erstrebenswert schien. Hahn hatte zuerst einigen Erfolg in Gladbach, bevor er immer wieder mit Verletzungen kämpfte. Sein Jahr in Hamburg war zuletzt ein Irrweg, aber hofft nun wohl, in Augsburg an alte Glanzzeiten anknüpfen zu können. Hoffen wir das nicht alle?

Neben Hahn investierte man auch für Frederik Jensen einige Millionen Euro. Für einen 20jährigen erscheint der Betrag schon beträchtlich auch wenn er schon einige Male für die finnische Nationalmannschaft auflaufen durfte. Jensen ist offensiv vielseitig begabt und kann wohl auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Gegen Bilbao blieb Hahn gar auf der Bank während Jensen offensiv rechts startete. Er kommt von Twente Enschede nach Augsburg und wird vor allem dafür sorgen, dass wir offensiv über mehr Optionen verfügen und unser Spiel vielseitiger wird. Dies war vor allem in der Rückrunde der abgelaufenen Saison nach einigen Verletzungen überhaupt nicht mehr der Fall und eine weitere Offensivoption tut unserem Kader auf jeden Fall gut. 

Insgesamt hat man so eine Problemstelle im Kader effektiv angegangen und insgesamt mehr Tiefe geschaffen.

Prognose für die kommende Saison

Hat Daniel Baier noch ein sehr gutes Jahr in seinem strapazierten Körper? Der Maestro ist mittlerweile in die Jahre gekommen, kann aber in den Partien immer noch den Unterschied machen. In Phasen, in denen er fehlt, lief es in der Vergangenheit nicht so gut, auch wenn die Hoffnungen bei Rani Khedira und Ja-Choel Koo ruhen, wenn es zu diesem Fall kommt. Zumindest ein kleines Fragezeichen steht hinter dem Augsburger Kapitän und Leitwolf. Zusätzlich gibt es zu Rani Khedira kaum mehr eine Alternative, die defensiv die Lücken stopft, wenn er denn ausfiele. Die Zentrale wackelt. Hoffen wir gemeinsam, dass sie nicht fällt. 

Auf den offensiven Außen gibt es allerdings viel Grund zur Hoffnung. Auch wenn Caiuby durch die Unruhen (späte Rückkehr, private Ablenkungen) nicht direkt an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen könnte, so stehen doch einige Alternativen parat. Gegen Bilbao rückte Marco Richter nach links und machte seine Sache vielversprechend gut. Dazu ist die rechte offensive Seite nicht wieder zu erkennen. Sowohl André Hahn als auch Frederik Jensen sollten Verbesserungen zum Vorjahr darstellen, wodurch das Augsburger Spiel insgesamt ausgeglichener werden sollte. Neben Entlastung für die linke Seite, wäre der FCA so deutlich schwerer auszurechnen und könnte seine Gegner vor einige Probleme stellen. 

Insgesamt ist man somit im Mittelfeld deutlich breiter eingestellt. Das eingespielte Zentrum sollte weiter den Takt vorgeben, während die Außen wirbeln und für Unruhe sorgen. Ich freue mich darauf, dies in echt bald bewundern zu können. 

Hat die Tiefstapelei ein Ende?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Größer hätte der Unterschied zwischen Erwartungen und Realität nicht sein können. Die meisten Experten hatten den FC Augsburg vor der letzten Saison auf Platz 18 der Tabelle getippt. Mit dem Abstiegskampf hatte die Mannschaft in der letzten Saison dann nichts zu tun. Am Ende war Platz 12 das Resultat. Mehr als der Tabellenplatz bleibt mir in Erinnerung, dass es am Ende der Saison um nichts mehr ging. Wir hatten schon festgestellt, dass der FCA mit dieser Saison im Mittelmaß angekommen ist. Zumindest ist das unser Eindruck.

Viel hängt nun allerdings in der Sommerpause davon ab, wie der FC Augsburg auch außerhalb des Clubs wahrgenommen wird. Welche Möglichkeiten hält ein Spieler für realistisch, der sich überlegt zu wechseln? Während vor der letzten Saison auch außerhalb Augsburgs die Zweifel an der sportlichen Leitung in Person von Trainer Manuel Baum noch erheblich waren und selbst in Augsburg das System Reuter auf den Prüfstand gestellt werden sollte, so hat mittlerweile die breite Öffentlichkeit einen deutlich bessere  Meinung über die Beteiligten. Baum ist immer noch der sympathische, bodenständige Typ, der sich auch nicht scheut, über Druck und Belastung zu sprechen. In der letzten Saison hat er vor allem gezeigt, dass er Spieler verbessern und eine Mannschaft optimal auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen kann. Reuter steht über allem und hat in der letzten Sommerpause eine großartige Trefferquote bzgl. seiner Transfers bewiesen. Insgesamt sorgen die Verantwortlichen so dafür, dass aus den bestehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr gemacht wird als bei genügend Konkurrenten.

Und anscheinend sind nicht nur die Verantwortlichen selbst überzeugt, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Stefan Reuter hat mit seiner Arbeit in der Sommerpause gerade erst begonnen und schon weitere wichtige Bausteine für die Mannschaften der nächsten Jahre gesichert und verpflichtet. Ein wichtiges Zeichen waren zuerst der Vertragsabschluss von Simon Asta und die Vertragsverlängerung von Marco Richter. Nachdem Erik Thommy im Winter mitgeteilt hatte, dass er seine Zukunft nicht mehr in Augsburg sieht, konnte der FCA mit Asta und Richter zwei hochveranlagte Talente langfristig binden. Der eigene Nachwuchs ist dann doch meist von seinen Entwicklungschancen überzeugt und erkennt die positiven Entwicklungen.

Daneben konnte Reuter zwei weitere große Namen an den Lech locken. Nachdem sich André Hahn in der letzten Sommerpause noch für den HSV entschieden hatte und damit falsch gelegen war, kommt er nun doch nach Augsburg zurück. Hahn hatte nach seinem Wechsel von Augsburg nach Gladbach immer wieder sein großes Potential aufzeigen können, war aber auch immer wieder von Verletzungen geplagt. Der HSV war nun sportlich für kaum einen Spieler ein erfüllendes sportliches Umfeld in den letzten Jahren. Hahn hat in seinem Begrüßungsvideo angedeutet, dass er zurückkehrt und der Blick nach oben gerichtet ist. Anscheinend hat er den FCA in den letzten Jahren beobachtet und glaubt nun wieder daran, dass er gemeinsam mit dem Verein wieder erfolgreich sein kann.

In diesem Glauben ist er nicht alleine. Denn auch mit Julian Schieber kommt ein Spieler aus Berlin, der schon für deutliche größere Vereine aktiv war. 156 Bundesligaspiele und auch einige Treffer gegen den FCA zeugen von einem erfahrenen Spieler. Nun hatte auch Schieber mit Verletzungen zu kämpfen und wäre sonst wohl für den FCA nicht verfügbar, aber dennoch werte ich es als ein positives Zeichen, wenn sich ein solch ein positiver Typ für uns entscheidet.

Das heißt nun nicht, dass sowohl Hahn als auch Schieber in Augsburg einschlagen werden. Die Verpflichtungen waren allerdings günstig. Hahn ist erst 27 und kostete gerade einmal 3 Millionen EUR Ablöse. Schieber kommt ablösefrei. Beide füllen offensichtliche Lücken im Kader. In der letzten Saison fehlte eine adäquate Alternative hinter Alfred Finnbogason. Rechts vorne konnten weder Jonathan Schmid noch Marcel Heller überzeugen und Marco Richter kann seine Stärken im Zentrum besser ausspielen. Alles in allem hat sich der FCA in dieser Transferperiode bisher ausschließlich verbessert.

Neben dem Zutrauen von außen wird es allerdings in dieser Sommerpause darauf ankommen, wohin der Weg unserer aktuellen Leistungsträger führt. Wenn sich die Gruppe um Alfred Finnbogason, Michael Gregoritsch, Philipp Max und Jeffrey Gouweleeuw mehrheitlich entscheidet, dem FCA die Treue zu halten, dann müssen selbst geborene Tiefstapler eingestehen, dass das Ziel wohl eher erneutes  Mittelmaß statt Abstiegskampf sein wird. Es wäre ein schöner Gedanke. Bis dahin bleibt zumindest der Eindruck, dass uns außerhalb von Augsburg zumindest in der nächsten Saison weniger Konkurrenten unterschätzen werden. Auch wenn einige von Ihren Spieler den Weg bis dahin zu uns finden werden, wird es nicht leichter werden. Aber leicht war es noch nie und auch damit kennen wir uns aus.