“Unsere Defensive hat kein Bundesliganiveau”

Es waren drastische Worte, die Rafal Gikiewicz nach dem 1:4 gegen den VfB Stuttgart wählte. “Wir machen zu viele Fehler hinten. Ich bin froh, dass ich nur vier Gegentore bekommen habe”, konstatierte der Keeper nach der sechsten Saisonniederlage, um dann noch einmal in aller Deutlichkeit hinterher zu schieben: “Unsere defensive Leistung hat kein Bundesliganiveau.”

Dabei ist die Abwehrarbeit eigentlich Augsburgs Prunkstück in dieser Saison. Vor dem 15. Spieltag kassierten nur fünf Teams weniger Gegentreffer als der FCA. Das liegt einerseits daran, dass Trainer Heiko Herrlich enormen Wert auf defensive Kompaktheit legt und andererseits an einem starken Torwart, der ligaweit die zweitmeisten Schüsse abwehrt.

Gegen Stuttgart wählte Herrlich eine etwas angriffslustigere Taktik. Der FCA stand etwas höher und attackierte früher. Was in der Offensive für aussichtsreiche Abschlussgelegenheiten sorgte, ging jedoch zu Lasten der Sicherung des eigenen Tores. Das 2:0 fiel aus einem langen Ball von VfB-Innenverteidiger Kempf, nachdem der FCA weit aufgerückt war. Das ging viel zu einfach und hatte mit Bundesliganiveau in der Tat wenig zu tun. Aus Augsburger Sicht darf gehofft werden, dass Gikiewicz’ öffentlicher Rüffel die Mannschaft wachrüttelt und somit gegen Bremen (Samstag, 15.30 Uhr) ein anderes Gesicht gezeigt wird. Dass Abwehrchef Jeffrey Gouweleeuw wieder mit dabei ist, sollte für zusätzliche Stabilität sorgen. Dass der FCA mit den Werderanern nicht gerade auf die gefährlichste Offensive der Liga trifft, ebenso.

Der FCA kassierte gegen Stuttgart das erste Mal in dieser Saison vier Gegentore. Was Rafal Gikiewicz vom Auftreten seiner Vordermannschaft hielt, machte der Pole unverblümt klar. (Foto via imago)

Über den Gegner

Bremen hat nahezu das gleiche Torverhältnis wie der FC Augsburg. Beide Teams schossen magere 17 Tore, der SVW kassiert einen Treffer mehr. Dennoch trennen Augsburg und Bremen vier Punkte voneinander, was sich auch durch die etwas bessere Chancenverwertung der Schwaben begründet.

Die Hanseaten hecheln den eigenen Erwartungen aber nicht nur in puncto Offensive hinterher. Von den letzten zwölf Bundesligaspielen hat die Mannschaft von Florian Kohfeldt nur eines gewonnen (1:0 gegen Mainz durch ein Tor von Juniorenspieler Eren Dinkci in der 90. Minute). So langsam verdichten sich die Anzeichen, dass die vergangene Saison, in der sich der Traditionsverein erst in der Relegation retten konnte, eben nicht nur ein Ausrutscher war. Auch wenn das manch eine(r) in Bremen, wo man vor eineinhalb Jahren noch von Europa sprach, nicht wahrhaben will.

Emotionaler Coach an der Seitenlinie: Florian Kohfeldt ist seit November 2017 im Amt. Seitdem qualifizierte sich Werder fast für die Europa League, stieg allerdings auch fast ab. Die Rückendeckung im Klub ist auch jetzt da. (Foto via imago)

“Wir haben sehr, sehr schlecht Fußball gespielt”

Die Realität sieht bekanntlich anders aus. Drei Saisonsiege, Tabellenplatz 13. Dementsprechend wählte Kohfeldt vor zwei Wochen auch deutliche Worte und war nach der 0:2-Niederlage gegen Union Berlin sichtlich bedient: “Wir haben in allen Belangen eine sehr schlechte Leistung abgeliefert. Wir haben sehr, sehr schlecht Fußball gespielt. Mit dieser Leistung kann man kein Bundesligaspiel gewinnen. So wie heute geht es nicht.” Im nächsten Spiel zeigten seine Schützlinge dann allerdings eine Reaktion und sicherten sich ein verdientes 1:1 in Leverkusen.

Auch wenn die sympatischen Bremer gerne an ihren Vereinslegenden festhalten, dürfte so langsam aber sicher über Frank Baumann diskutiert werden. Als Manager ist er maßgeblich für die Kaderzusammenstellung verantwortlich und hat – so ehrlich muss man auch trotz Corona sein – zuletzt keinen guten Job gemacht. Das wurde beispielsweise an unüberlegten Leihdeals samt Kaufpflicht oder dem Verkauf Davy Klaassens (Ajax Amsterdam) deutlich. Natürlich hat der klamme SVW die kolportierten elf Millionen Euro Ablöse gerne genommen. Ein positionsgetreuer Ersatz wurde allerdings nicht verpflichtet.

In Bremen ist man sich der Wichtigkeit des Augsburg-Spiels bewusst. Während der Trainingswoche setzte Kohfeldt auf Geschlossenheit und will die Partie gegen den FCA als Chance sehen. Die Hanseaten haben am Samstag die Gelegenheit, sich etwas vom Abstiegskampf loszueisen – und den FCA gleichzeitg näher an ihn heran zu bringen. (Foto via imago)

Die Fakten zu #SVWFCA

Flankenblock: Kein Team stellt sich mehr Flanken erfolgreich in den Weg als der FC Augsburg (36). Neun Blocks davon gehen auf das Konto von Iago – ligaweit Platz zwei.

Harmlos: Nur Bielefeld und Köln (beide 8,7) geben weniger Schüsse pro Spiel ab als Augsburg (9,5) und Bremen (10,2).

Kopfballschwach: Der FCA ist die Mannschaft der Liga, die es bisher am wenigsten per Kopf versucht hat. Gerade einmal 16 Kopfbälle in Richtung Tor kamen in den bisherigen 15 Spielen zustande. Bremen ist 15. (29), Bayern und Gladbach Erster (43).

Sprints: Der FC Augsburg weist ligaweit die drittmeisten Sprints auf (3672), nur Bayern (3755) und Wolfsburg (3728) haben mehr. Bremen belegt in dieser Statistik den letzten Platz (3038). Der Kontrast zum FCA ist bemerkenswert, zumal es bei den intensiven Läufen ähnlich aussieht: Die Schwaben sind Vierter, Werder Vorletzter.

Torflaute: 1000 Mal probiert, 1000 Mal ist nichts passiert? Florian Niederlechner wartet seit sage und schreibe 929 Minuten auf ein Tor in der Bundesliga – schon jetzt die längste Durststrecke des Stürmers. Nun steht der Oberbayer in Bremen vor dem Erreichen der unrühmlichen Vierstelligkeit.

Trainerbilanz: In sechs Aufeinandertreffen mit Heiko Herrlich konnte Florian Kohfeldt nur einmal gewinnen. 2016 im Pokal gegen die von Herrlich trainierten Regensburger.

Nach 13 Treffern in der Vorsaison steht bisher noch die Null. Wann platzt bei Florian Niederlechner endlich der Torknoten? (Foto via imago)

Die letzten Begegnungen

01.02.2020: FC Augsburg – Werder Bremen 2:1

01.09.2019: Werder Bremen – FC Augsburg 3:2

10.02.2019: Werder Bremen – FC Augsburg 4:0

22.09.2018: FC Augsburg – Werder Bremen 2:3

17.03.2018: FC Augsburg – Werder Bremen 1:3

Ruben Vargas trifft zum 2:1-Endstand im letzten Duell gegen Bremen. Die jüngste Bilanz spricht dennoch klar für Werder, insgesamt hat jedoch der FCA die Nase vorn. Von bis dato 18 Bundesligaspielen konnten die Schwaben bei zwei Remis neun Siege einfahren. (Foto via imago)

Was macht eigentlich Matthias Ostrzolek?

Im Januar 2012 wechselte Matthias Ostrzolek vom VfL Bochum in die Fuggerstadt. Bis 2014 machte der Linksverteidiger 74 Spiele für Rot-Grün-Weiß (kein Tor, elf Vorlagen). Nach zweieinhalb starken Jahren in Augsburg wechselte der Deutsch-Pole zum Hamburger SV, wo seine Leistungskurve fortan nach unten gehen sollte. Nach drei Jahren und 89 Spielen für die Rothosen zog es Ostrzolek zu Hannover 96, mit denen der frühere U21-Nationalspieler in die 2. Liga absteigen sollte.

Im Sommer wurde sein auslaufender Vertrag am Maschsee dann nicht verlängert und Ostrzolek stand ohne Verein da – bis jetzt. Anfang Januar gab der FC Admira Wacker Mödling die Verpflichtung des 30-Jährigen bekannt. Beim von Damir Buric (früher Greuther Fürth) trainierten österreichischen Erstligisten unterschrieb Ostrzolek einen Vertrag bis 2022.

Spielte in seiner Augsburger-Zeit wie hier beim 1:0-Sieg gegen den FC Bayern durchaus eine wichtige Rolle. Matthias Ostrzolek war beim FCA Stammspieler. (Foto via imago)

An dieser Stelle wollen wir noch an einen weiteren Ex-Augsburger erinnern, der unter der Woche für bundesweite Schlagzeilen gesorgt hat. Gratulation zum Einzug ins Pokal-Achtelfinale, Ioannis Gelios!

Die voraussichtliche Aufstellung

Marco Richter fehlt aufgrund seiner mehr als überflüssigen gelb-roten Karten gesperrt. Jeffrey Gouweleeuw kehrt nach seiner fünften gelben Karte wieder in die Startelf zurück. Eine Dreierkette mit Reece Oxford scheint nicht ausgeschlossen, doch gegen die offensiv harmlosen Bremer könnte Herrlich auch wieder zur Viererkette zurückkehren. Ob in dieser Iago den Linksverteidiger gibt, ist mehr als fraglich. Der Brasilianer konnte nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung gegen Stuttgart noch nicht wieder trainieren, sodass vermutlich Mads Pedersen zu seinen zweiten Startelfeinsatz kommen wird. Sein Pendant auf der rechten Seite gibt wohl Robert Gumny, da Raphael Framberger (Muskelfaserriss) noch nicht wieder einsatzbereit ist. Vieles deutet zudem daraufhin, dass sich der Coach für ein kompaktes Zentrum mit Rani Khedira, Carlos Gruezo und Tobias Strobl entscheidet. André Hahn, Michael Gregoritsch und Alfred Finnbogason sind Alternativen für den Angriff.

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Uduokhai, Pedersen – Khedira, Gruezo – Caligiuri, Strobl, Vargas – Niederlechner

Rückkehr in die Startelf: Jeffrey Gouwelleuw wird gegen Bremen wieder ins Abwehrzentrum rücken – und damit hoffentlich für mehr Stabilität sorgen. (Foto via imago)

Tipps:

Andy: 0:3 – Bremen spielt keinen guten Fußball. Wir hatten gegen den VfB und auch Frankfurt spielerische Ansätze gezeigt. Ich höre nicht auf optimistisch zu sein und glaube, dass wir diesmal zu Toren kommen und damit an einen deutlichen Auswärtssieg. Von Stuttgart lernen, heißt auswärts siegen lernen.

Irina: 2:1 – wir verlieren auch gegen Bremen, aber nicht so deutlich wie gegen dem VfB.

Andi: 1:1 – In einem höhepunktarmen Spiel gibt es am Ende keinen Sieger. Werder spielt damit zum siebten Mal in dieser Saison 1:1 und der FC Augsburg kann den Abstand zu einem direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt wahren. Es wäre Flo Niederlechner zu wünschen, dass er seine Torflaute endlich beendet.

Von Oberbayern nach Schwaben

In unserer Serie #ImmernochOriginal1907 erzählt heute Andi, wie er zum FCA gekommen ist. Allgemeine Infos zur Serie und Aktion gibt es hier. Vorher hatten schon IrinaStefanStephan, Sebastian, Franzi und Andy berichtet. Ihr habt auch eine Augsburger Fangeschichte zu erzählen? Dann meldet euch gerne bei uns und haltet die Serie am Leben (kontakt@rosenau-gazette.de). Viel Spaß beim Lesen und ein gutes und vor allem gesundes neues Jahr!

Seinen Verein kann man sich nicht aussuchen heißt es oft. Doch genau das habe ich getan. Ich habe großen Respekt für Menschen, die von Geburt an ein und demselben Klub ihre Treue schwören. Augsburg-Fan seit Tag eins. Das trifft auf mich jedoch nicht wirklich zu. Den FCA fand ich über Umwege.

Seit meiner Geburt Ende der Neunziger spielt der Fußball in meinem Leben eine omnipräsente Rolle. Schuld daran ist mein Vater. Ein fußballverrückter Kerl, der selbst im Kreißsaal die Bundesliga-Konferenz verfolgte und als Trainer der D-Junioren seines Heimatortes im Spiel um die bayerische Meisterschaft mal nur 2:0 gegen die Auswahl des FC Bayern verlor. Bis heute ist er als Coach aktiv und lebt den Fußball. Dabei ist er vielmehr Fan des Sports als von einer bestimmten Mannschaft. Er hat sehr große Sympathien für die brasilianische Nationalmannschaft – ist selbst in Spielen gegen Deutschland für die Selecao -, aber ansonsten keinen Verein, für den sein Herz schlägt. Über meinen Vater bin ich also zum Fußball gekommen, allerdings nicht zum FCA.

Gemeinsam im Sport1-Doppelpass: Mein Vater trägt einen Brasilien-, ich einen FCA-Pulli. (Foto: privat)

FC Augsburg? In meiner Heimat kein Thema

Ich bin im Süden Oberbayerns aufgewachsen. Dort gibt es fast ausschließlich Bayern-Fans, abgesehen von den wenigen verrückten Sechzgern. (In den letzten Jahren hat sich dieses Bild etwas verändert. Immer mehr FCA-Fans kommen mittlerweile aus meiner Region.) Mein erstes Trikot war von Bastian Schweinsteiger, das erste Spiel im Stadion in München. Bayern gegen Sporting Lissabon. Champions League. Mein Nachbar, glühender FCB-Fan mit Dauerkarte, hatte mich mitgenommen. Über die Jahre kamen noch ein paar Spiele und Fan-Accessoires hinzu und die Beziehung zum FC Bayern wurde größer. Ich war damals noch ein kleines Kind und es war sicherlich sehr angenehm, Anhänger eines Vereins zu sein, der jede Woche gewinnt.

Je mehr ich mich allerdings mit Fußball beschäftigte, desto kritischer wurde ich. Ich hinterfragte mein Fan-Sein und kam irgendwann zu dem Entschluss, dass es doch sehr langweilig ist, wenn es stets quasi nur um die Höhe des Sieges geht. Parallel zu diesem Prozess stiegen die Sympathien für den FC Augsburg, der damals noch in der 2. Liga spielte. Wohl auch weil der Verein – auch wenn das einige Schwaben nicht gerne lesen – aus Bayern kam. Ich verfolgte den FC Augsburg schließlich immer intensiver und war am Boden zerstört, als er in der Relegation am 1. FC Nürnberg scheiterte. Aber es sollte ja ein Jahr später klappen.

Wie mich eine Niederlage zum Fan machte

Als Rot-Grün-Weiß in die Bundesliga aufstieg, war ich 13 und bezeichnete mich immer noch als Bayern-Fan. Der kleine FCA nahm jedoch einen immer größeren Platz in meinem Herzen ein und zwei Jahre später durfte ich dann endlich das erste Mal ins Stadion. Freitagabend. Flutlicht. Schalke. Dieses Spiel hat mich endgültig gepackt. Mit welcher Leidenschaft sich Tobi Werner, Dani Baier & Co. in die Zweikämpfe warfen und dafür vom Publikum in der ausverkauften Arena gefeiert wurden, imponierte mir sehr. Das kannte ich vom FC Bayern nicht. Auch wenn der FCA nach einem Doppelpack von Klaas-Jan Huntelaar mit 1:2 verlor, ging ich mit einem Lächeln aus dem Stadion. Das will ich wieder erleben, dachte ich mir.

Jubel dreier FCA-Größen: Tobias Werner brachte Augsburg mit 1:0 in Führung, ehe Schalke die Partie noch drehte. (Foto via imago)

Vielfalt statt Einfalt – der FCA verbindet

Und so setzte ich mich immer häufiger in den Zug, um die zwei Stunden von meinem Heimatort in die Fuggerstadt zu fahren. Oft mit Freunden oder Familienangehörigen, manchmal aber auch alleine. Das machte mir nichts aus, denn einsam war ich bei Spielen des FCA nie. Ich war anfangs überrascht, wie schnell man mit anderen Fans ins Gespräch kommt, liebte es aber immer mehr, mit eigentlich fremden Menschen zu jubeln. Diese verbindende Funktion des Fußballs das erste Mal zu spüren, war beeindruckend. Aus Fremden wurden irgendwann Freunde. Ich lernte immer mehr Menschen kennen, mit denen ich später gemeinsam ins Stadion gehen sollte. Bis heute.

Wie der Fußball allgemein verbindet auch der FC Augsburg. “Und in das Stadion dieses Vereins dürfen keine Nazis rein. Denn hier drinnen gibt es nur Fußballfieber pur. So was Großes gibts nur bei unserm FCA.” Für mich ging es damals also vom Triple-Sieger zum Bundesliga-Underdog. Das mag für manche unverständlich klingen, war für mich jedoch eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Auch wenn ich nicht mit allen Dingen rund um den Verein einverstanden bin, kann ich mir ein Leben ohne den FCA nicht mehr vorstellen.

Und so kamen im Laufe der Jahre etliche schöne FCA-Spiele hinzu. Am Tag des Ticketverkaufs für die Heimspiele in der Euro-League schwänzte ich die Schule, um an Karten zu gelangen. Ich hatte Fieber. FCA-Fieber. Leider war ich damals noch zu jung für die Auswärtsfahrten nach Bilbao, Alkmaar, Belgrad und Liverpool. Das hätte ich sehr gerne live im Block erlebt. Ohnehin sind es vor allem die Spiele in fremden Stadien, die mich begeistern. Je älter ich wurde, desto öfter verfolgte ich den FCA auch außerhalb Schwabens.

Zu Gast im Borussia-Park: Meiner Meinung nach eines der schönsten und stimmungsvollsten Stadien der Bundesliga. (Foto: privat)

Viele meiner Auswärtsfahrten endeten dabei ernüchternd. Nicht selten ging der FCA als Verlierer vom Platz: Pokalaus in Magdeburg, Last-Minute-Niederlagen in Mainz oder Dortmund, 5:1-Klatsche in Gladbach, 6:0-Packung in München. Nur um ein paar Beispiele zu nennen. Nichtsdestotrotz setzte ich mich immer wieder in Bus und Bahn, um den FCA zu unterstützen. Die enorm engagierten Jungs und Mädels von Fanfahrt.de begleiteten mich dabei regelmäßig. Gemeinsam mit anderen Augsburg-Fans durch die Bundesrepublik zu reisen, war und ist für mich das größte. Selbst die Berlin-Fahrt an einem nasskalten Dezember-Dienstag konnten die unermüdlichen Ray Hartung und Jens Schwarz zu einem Erfolg machen. Vielen Dank, dafür. Die schönste Auswärtsfahrt war gewiss der Sonderzug nach Dortmund. Jau, wurde da gefeiert.

Trotz Last-Minute-K.o. durch Paco Alcacer ein unglaublich schöner Tag. Das 4:3 im Dortmunder Westfalenstadion. (Foto: privat)

Zurück ins Stadion – die Sehnsucht wächst

Generell fehlt mir das Stadionerlebnis sehr. Das 1:1 gegen Freiburg war mein letztes Spiel, das ich vor Ort gesehen habe. Es war am 15. Februar. Auch wenn es eine eher maue, ereignisarme Bundesligapartie war und Tomas Koubek mal wieder schlecht bei einem Gegentor aussah, habe ich sehr schöne Erinnerungen an diesen Tag. Ich stand zusammen mit meinem Mitbewohner, dessen und meinem Bruder im M-Block und sorgte so dafür, dass sie den FCA hautnah erleben konnten. Es hat ihnen sehr gefallen und sie wollen wieder kommen. Mit meinem Bruder war ich zuvor schon öfter im Stadion. Auch er war in Kinderjahren Bayern-Fan, fand durch mich aber zum FC Augsburg. Seit etwa fünf Jahren schlägt sein Herz für Rot-Grün-Weiß. Er wird im Januar 16 Jahre alt, zu Weihnachten schenkte ich ihm eine Mitgliedschaft beim FC Augsburg. Ich bin stolz darauf, ihn auf den richtigen Pfad gebracht zu haben. Gemeinsam mit ihm dem FCA zu unterstützen, bedeutet mir sehr viel.

Vor etwa einem Jahr waren wir im Stadio Renato Dall’Ara in Bologna. Natürlich in FCA-Montur, was am Ende dann auch im Stadionkurier zu lesen war. (Fotos: privat)

Immer noch Original 1907

Ich habe den rasanten Aufstieg des FC Augsburg vom ambitionierten Zweitligisten bis hin zum etablierten Bundesligisten erlebt. Für die weniger ruhmreiche Vergangenheit in profifußballfernen Zeiten bin ich mit meinen 22 Jahren zu jung. Leider. Es muss bombastisch gewesen sein, im ausverkauften Rosenaustadion zu stehen. Für FCA-Fans, die den Klub schon damals unterstützten, habe ich übrigens größten Respekt. Ihr seid das Fundament dieses Vereins.

In den vergangenen Jahren ist der FCA sehr gewachsen. Mitgliedszahlen, finanzielle Möglichkeiten, Ausbau von Stadion, Geschäftsstelle und NLZ. Augsburg ist in der höchsten deutschen Spielklasse angekommen. Dennoch bedeutet es mir jedes Jahr enorm viel, wenn der Klassenerhalt endlich perfekt gemacht werden kann. Denn Augsburger Bundesligafußball ist nach wie vor nicht selbstverständlich. Trotz der positiven Entwicklung des Vereins. Das sollte man nicht vergessen.

Natürlich habe auch ich nichts dagegen, wenn der FCA sportlich auf der Erfolgswelle surft und der Blick vielmehr nach Europa als in den Tabellenkeller geht. Aber letztlich – und das ist doch das wunderschöne – bleiben wir alle auch nach den heftigsten Niederlagen, Patzern und Fehlentscheidungen der Chefetage Fan. Fan eines Vereins, der eine enorm integrative Funktion hat. Wir alle sind #ImmernochOriginal1907 – und werden es für immer bleiben. Nur der FCA!

Defensiv hui, offensiv pfui

Der FC Augsburg kann wieder gewinnen. Der 1:0-Sieg in Bielefeld war bei weitem nicht schön anzusehen und ehrlich gesagt auch nicht wirklich verdient. Dafür aber umso wichtiger. Der FCA konnte den Abstand auf die Abstiegsplätze weiter ausbauen und grüßt vor dem anstehenden Duell gegen Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr) von Platz neun.

Rückblick #DSCFCA

Dass gegen die Arminia dreifach gepunktet werden konnte, lag größtenteils an der starken Defensive. Heiko Herrlich überraschte mit einer Dreierkette um Startelfdebütant Reece Oxford und setzte im Zentrum mit Rani Khedira, Carlos Gruezo und Tobias Strobl erneut auf Kompaktheit. Dieser Plan ging auf – wenn auch zu Lasten der offensiven Kreativität. Ligaweit gibt es nur vier Teams, die weniger Tore kassiert haben als Augsburg. Das (in der Vergangenheit oft löchrige) Abwehrverhalten der Schwaben entwickelt sich unter Herrlich immer mehr zum Prunkstück. In den letzten drei Spielen hatte der FCA stets die besseren Zweikampfwerte vorzuweisen.

Gleichzeitig sind die Bemühungen im letzten Drittel lange nicht so uninspiriert gewesen wie im Moment. Dass der Siegtreffer in Bielefeld von einem Innenverteidiger eingeleitet und abgeschlossen wurde, ist bezeichnend. Spiele des FC Augsburg sind derzeit nicht schön anzusehen. Der Erfolg gibt Herrlich jedoch recht. Kann der FCA auch gegen Frankfurt punkten, steht der Klub vor einem entspannten Weihnachtsfest. Fernab jeglicher Abstiegsängste. Doch die Aufgabe am Samstag wird nicht leicht. Auch wenn es beim Gegner aktuell nicht wirklich rund läuft.

Umjubelter Siegtreffer: Jeffrey Gouweleeuw (verdeckt) sorgte in Bielefeld für einen enorm wichtigen Auswärtserfolg. (Foto via imago)

Über den Gegner

Eintracht Frankfurt wartet seit neun Bundesligaspielen auf einen Sieg. Zuletzt konnte die SGE Anfang Oktober gegen Hoffenheim gewinnen (2:1). Danach avancierten die Hessen zum Remiskönig der Liga und teilten siebenmal die Punkte – auch gegen starke Gegner wie Leipzig (1:1), Dortmund (1:1) oder zuletzt Gladbach (3:3). Die Leistung auf dem Platz ist keineswegs schlecht. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter schafft es, auch spielerisch stärkeren Kontrahenten Paroli zu bieten. Nur gegen den FC Bayern (5:0) blieb der Vorjahresneunte ohne eigenes Tor.

Ohnehin ist die Offensive keine allzu große Problemstelle bei den Adlern. André Silva (neun) und Bas Dost (vier) haben nur zwei Tore weniger erzielt als der gesamte FC Augsburg. Hinzukommen die Kreativspieler Daichi Kamada und Aymen Barkok sowie Flügelmann Filip Kostic. Der tempostarke Serbe sucht zwar noch nach der Form der Vorsaison (kein Tor, erst eine Vorlage), ist jedoch jederzeit für einen Überraschungsmoment gut. Auf Augsburgs Rechtsverteidiger kommt also eine knifflige Aufgabe zu.

Ein Verschlafen der Anfangsphase, defensive Unzulänglichkeiten in Form vermeidbarer Fehler und unglückliche Wechsel standen einem Sieg zuletzt im Weg. Folglich gerät die zweifelsohne erkennbare spielerische Entwicklung in den letzten Partien in den Hintergrund. Und der Trainer? Ist Hütter noch unumstritten? Der Österreicher, der Frankfurt 2019 bis ins Halbfinale der Europa League geführt hat, genießt am Main nach wie vor hohen Kredit, muss so langsam allerdings liefern. Von einer Entlassung ist Hütter noch entfernt. Wenn der Abwärtsstrudel jedoch anhält, könnten kritische Stimmen lauter werden.

Hängende Köpfe: Bis zur 90. Minute führte Frankfurt mit 3:1 gegen Gladbach, doch für einen Sieg reichte es auch am Dienstag nicht – 3:3. (Foto via imago)

Die Fakten zu #FCASGE

Kopfballstark: Kein Team entscheidet mehr Kopfballduelle für sich als Frankfurt (299). Allein 72 davon gehen auf das Konto von 1,96-Meter-Mann Bas Dost – Ligaspitze. Der FCA rangiert in dieser Statistik auf Rang elf (236).

Lieblingsgegner: In fünf Spielen gegen die SGE gelangen Marco Richter vier Treffer – darunter auch sein erstes Bundesligator im Februar 2018.

Rückhalt: Rafal Gikiewicz wehrt ligaweit die meisten Torschüsse ab (45, wie Robin Zentner). Frankfurts Kevin Trapp lauert dicht dahinter mit 44.

Schussfreudig: Nur Robert Lewandowski feuert mehr Torschüsse ab als André Silva (43 zu 40). Die neun Ligatreffer des Portugiesen bedeuten in der Torschützenliste Rang drei.

Wiedersehen: Am Samstag kommen zwei alte Bekannte in die WWK Arena. Dominik Kohr und Martin Hinteregger standen beide mehrere Jahre in Augsburg unter Vertrag.

Mittlerweile gemeinsam für Frankfurt im Einsatz: Dominik Kohr (r.) und Martin Hinteregger machten 102 beziehungsweise 83 Spiele für den FC Augsburg. (Foto via imago)

Die letzten Begegnungen

07.02.2020: Frankfurt – Augsburg 5:0

14.09.2019: Augsburg – Frankfurt 2:1

14.04.2019: Frankfurt – Augsburg 1:3

24.11.2018: Augsburg – Frankfurt 1:3

04.02.2018: Augsburg – Frankfurt 3:0

Debüt geglückt: In seinem ersten Spiel als Cheftrainer des FC Augsburg war Martin Schmidt in Frankfurt gefordert. Zum Einstand gab es dank Michael Gregoritsch und einem doppelten Marco Richter einen 3:1-Sieg (Foto via imago).

Presseschau

Als der FC Augsburg im Sommer auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger war, fiel auch der Name Kenny Lala. Der Franzose steht bei Racing Straßburg unter Vertrag und kokettiert seit längerem mit einem Wechsel. Während die Gerüchte um ein Engagement in Schwaben relativ schnell wieder leise wurden, könnte Lala nun doch noch den Weg in die Bundesliga finden. Wie das französische Portal le10sport berichtet, steht der 29-Jährige im Fokus von Eintracht Frankfurt.

Die Hessen hätten auf der Rechtsverteidgerposition durchaus Bedarf. Der frühere Dauerbrenner Danny da Costa scheint ebenso außen vor wie Timothy Chandler oder Almamy Toure. Linksfuß Erik Durm konnte in den letzten Spielen ebenfalls nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen.

Im Sommer 2019 war Lala in der Europa-League-Quali gegen Frankfurt im Einsatz. Spielt er bald gemeinsam mit Filip Kostic & Co.? (Foto via imago)

Was macht eigentlich Marcel Heller?

Wirklich glücklich in Augsburg wurde Marcel Heller nicht. 2017 wechselte der Flügelspieler vom SV Darmstadt in die Fuggerstadt und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Nach einer überschaubaren Saison (25 Spiele, kein Tor, zwei Vorlagen) zog es den früheren U21-Nationalspieler wieder zurück zu den Lilien, wo er bis Juli 2020 aktiv war.

Weil Darmstadt in Person von Neutrainer Markus Anfang nicht mehr auf ihn setzte, war Heller, der von 2007 bis 2009 36 Einsätze für Eintracht Frankfurt machte, vereinslos. Im Oktober sicherte sich nun Bundesligabsteiger Paderborn Hellers Dienste, um in der Offensive für zusätzliche Alternativen zu sorgen. Der mittlerweile 34-Jährige kam seitdem in drei Spielen zum Zug (jeweils als Joker).

Temporeich, aber ineffektiv: Marcel Heller, hier beim 3:0 gegen Frankfurt im Jahr 2018, konnte sich beim FC Augsburg nicht nachhaltig etablieren. Jetzt kickt er in Paderborn. (Foto via imago).

Voraussichtliche Aufstellung

Die Linksverteidiger Iago und Mads Pedersen sind am Freitag wieder ins Training eingestiegen und daher eine Option fürs Frankfurt-Spiel. Somit spricht vieles dafür, dass Herrlich zur gewohnten Viererkette zurückkehrt. Oxford hat gegen die Arminia zwar Argumente für eine erneute Startelfberufung geliefert, werde vom Coach aber eher als Sechser gesehen, wie auf der Spieltags-PK deutlich wurde. Dort haben andere momentan jedoch die Nase vorn.

Darüber hinaus wird Herrlich gewiss den ein oder anderen Wechsel vornehmen. Gumny könnte Framberger ersetzen, Vargas in der Offensive starten. Für mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel bietet sich eine Änderung auf der Zehn an. Florian Niederlechner steht nach abgesessener gelb-rot-Sperre wieder zur Verfügung, aber auch Alfred Finnbogason scheint eine ernstzunehmende Option zu sein.

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Gruezo – Caligiuri, Strobl, Vargas – Finnbogason

Torloses Duo: Alfred Finnbogason und Florian Niederlechner warten beide noch auf ihren ersten Saisontreffer. Bei wem platzt der Torknoten zuerst?

Tipps:

Andy: 3:1 – Für mich als Wahl-Frankfurter sind die Spiele des FCA gegen die SGE immer am wichtigsten. Ruhe am Arbeitsplatz ist das oberste Gut (naja, die Frankfurter Kollegen dürfen sich schon was anhören). Mein Tipp ist daher mehr Wunsch als realistische Einschätzung. Mein FCA schlägt die Eintracht deutlich.

Irina: 1:2 – Der Augsburger Dusel lässt nach – wir verlieren verdient gegen starke Frankfurter.

Franzi: 1:1 – Optimistisch und hart erkämpft, obwohl Frankfurt nach seinen vielen Unentschieden in letzter Zeit alles für einen Sieg tun wird.

Andi: 2:0 – der dreckige Sieg in Bielefeld gibt der Mannschaft endlich den Mut, den man zuletzt so sehr vermisst hatte. Augsburg setzt ein Ausrufezeichen und grüßt an Weihnachten von der oberen Tabellenhälfte.

Zum Siegen verdammt

Die Augsburger Gemütslage vor der richtungsweisenden Partie gegen Schalke (Sonntag, 15.30 Uhr) ist von vielen Sorgenfalten geprägt. Nicht wenige FCA-Fans haben ein schlechtes Gefühl vor dem auf dem Papier leichtesten Duell des Jahres. Gegen einen Klub, der seit 26 Spielen auf einen Sieg wartet, werden die Schwaben doch wohl gewinnen?! So klar ist die Ausgangslage allerdings nicht. Treten die Schwaben ähnlich schlafmützig auf wie nach dem Seitenwechsel in Hoffenheim, werden diese Fehler auch von Schalke bestraft. Es braucht also eine gewaltige Leistungssteigerung. Dass Heiko Herrlich auf der Pressekonferenz jüngst auf die Basics aufmerksam machen musste, ist ein schlechtes Zeichen. In der Bundesliga sollten Laufbereitschaft und Kampfgeist eigentlich selbstverständlich sein – auch und insbesondere gegen Schalke 04. In einem der wichtigsten Spiele der Saison ist der FCA nun gefordert. Es braucht ein anderes Gesicht. Wenn er diese Herausforderung annimmt, ist definitiv etwas möglich gegen die kriselnden Knappen.

Über den Gegner

Zur Schalker Horror-Phase ist alles gesagt und geschrieben. Ist das lustig oder peinlich? Ist es wirklich noch angebracht, sich über den FC Schalke 04 zu amüsieren? Nein, mittlerweile kann einem dieser Klub nur noch leid tun. Es schmerzt das Fußballherz, mit ansehen zu müssen, wie ein so großer Verein führungslos auf den kompletten Ruin zusteuert und sich selbst zerfleischt. S04 kämpft um seine Existenz. Nun sind die Gelsenkirchener nicht gerade unschuldig an ihrer katastrophalen Lage, um es vorsichtig auszudrücken. Missmanagement und wirre Entscheidungen prägen das Image des Chaos-Klubs seit langem. Dennoch wäre es aus neutraler Sicht ein großer Verlust für die Liga, wenn dem so polarisierenden Kultklub bald ähnlich die Lichter ausgeschossen werden wie dem Hamburger SV.

In den nächsten drei Spielen trifft Schalke auf Augsburg, Freiburg und Bielefeld. Wenn die Knappen an Weihnachten immer noch ohne Sieg da stehen, scheint ihr Schicksal fast schon besiegelt. Der FC Augsburg sollte trotz aller Sympathien für S04 und Ex-Coach Manuel Baum jedoch vermeiden, in alte Zeiten zurückzufallen, in denen man nicht selten als Aufbaugegner gedient hat.

Auf der Suche nach dem ersten Sieg. Schalke und Manuel Baum wollen endlich wieder drei Punkte. (Foto via imago)

Die Fakten zu #FCAS04

Abseits: Kein Team in der Bundesliga steht häufiger in der verbotenen Zone als Augsburg und Schalke – beide durchschnittlich 2,7-Mal pro Spiel.

Favoritenrolle: Der FCA verlor noch nie ein Heimspiel gegen einen Tabellen-18. Bei zwei Remis gab es bisher drei Siege – so auch am 6. Spieltag gegen Mainz.

Harmlos: Vor dem gegnerischen Kasten sorgen beide Teams nicht gerade für Dauerbeschuss. Nur die Offensive von Arminia Bielefeld (2,7) gibt ligaweit weniger Torschüsse pro Spiel ab als die von Schalke (2,8) und Augsburg (3,1).

Kein Durchkommen: Gelsenkirchen blockt ligaweit die meisten Schüsse und Pässe, Augsburg die meisten Flanken.

Lieblingsgegner: Florian Niederlechner erzielte gegen keinen anderen aktuellen Bundesligisten mehr Ligatore als gegen Schalke. In fünf Partien traf der 30-Jährige viermal.

Vergangenheit: Die beiden Trainer arbeiteten einst bei der SpVgg Unterhaching zusammen. 2011 holte sich Herrlich Baum als Assistenten mit ins Boot, 2014 stieg dieser dann zum Chefcoach auf.

Wiedersehen: Der Ex-Schalker Daniel Caligiuri hat nach seinem Freistoßtreffer im Revierduell gegen Borussia Dortmund Kultstatus bei Königsblau. Neben dem Derby-Helden trifft auch Michael Gregoritsch auf seinen Ex-Klub. Ebenso war der verletzte Jan Moravek einst für S04 aktiv.

Daniel Caligiuri erzielte in seiner Karriere bereits sechs Tore gegen Borussia Dortmund. Sein wichtigstes war zweifelsohne der Freistoßtreffer zum zwischenzeitlichen 3:4, ehe wenig später Naldo zum historischen 4:4 köpfte. (Foto via imago)

Die letzten Begegnungen

24.05.2020: Schalke – Augsburg 0:3

03.11.2019: Augsburg – Schalke 2:3

05.05.2019: Schalke – Augsburg 0:0

15.12.2018: Augsburg – Schalke 1:1

05.05.2018: Augsburg – Schalke 1:2

Souveräner Auswärtssieg. Im Mai gewann der FCA im Premierenspiel von Heiko Herrlich auf Schalke mit 3:0. Die Tore erzielten Eduard Löwen, Noah Joel Sarenren Bazee und Sergio Cordova. (Foto via imago).

Presseschau

Am Donnerstag ist im Kicker ein sehr lesenswertes Interview mit Raul Bobadilla erschienen. Anlässlich des 5. Jubiläums des Wunder von Belgrad sprach der bullige Sturmer über seine Zeit beim FC Augsburg und sein besonderes Tor in der Europa League: “Manchmal schießen mir noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Es war einer der schönsten Momente meiner Karriere. Wir haben etwas geschafft, das für den FC Augsburg nur schwer zu wiederholen ist.”

Mittlerweile spielt Bobadilla, der von 2013 bis 2017 in Augsburg kickte, in seiner paraquayischen Heimat. Die Bundesliga und den FC Augsburg verfolge der 33-Jährige jedoch noch immer intensiv. Der 166-fache Bundesligaspieler träumt sogar von einer Rückkehr nach Deutschland: “Vielleicht ist es möglich, noch einmal ein oder zwei Jahre in Deutschland zu spielen. 2. Liga oder 3. Liga – das ist mir egal.”

Wir finden: Boba wäre auch in Augsburg ein gern gesehener Rückkehrer. Auch wenn diese Vorstellung wohl nur vorweihnachtliche Träumerei ist, romantisch ist sie allemal.

Was macht eigentlich Georg Teigl?

Georg Teigl ist ein feiner Kerl. Vermutlich hat er auch Stefan Reuter im Sommer 2019 mit seiner sympatischen Wiener Art überzeugt. Anders ist seine damalige Vertragsverlängerung nicht zu erklären. Der Rechtsverteidiger spielte in seiner dann tatsächlich doch vierjährigen Zeit in Augsburg nämlich nie eine Rolle (30 Spiele, davon acht in der Startelf).

Vor einigen Monaten wechselte Teigl in seine Heimatstadt zu Austria Wien. Beim kriselnden Traditionsklub steht der Österreicher regelmäßig in der Startformation, machte zehn von 13 Pflichtspielen. Wirklich rund läuft es für die Austria jedoch nicht. Nach zehn Punkten aus zehn Spielen ist die von Peter Stöger trainierte Viola nur Achter. Immerhin hat Teigl nun endlich einen Stammplatz gefunden. Es sei ihm vergönnt.

Glück gefunden? Georg Teigl darf nach langer Reservistenrolle in Augsburg endlich wieder regelmäßig Fußball spielen. (Foto via imago)

Voraussichtliche Aufstellung

Iago konnte am Freitag noch nicht trainieren und wird deshalb definitiv nicht in der Startelf stehen. Herrlich muss erneut ein Puzzle lösen. Ersetzt er Iago erneut mit Felix Uduokhai? Oder sollte das Innenverteidger-Duo Gouweleeuw /Uduokhai zentral für Stabilität sorgen? Kann Robert Gumny Linksverteidiger? Und was ist eigentlich mit Rani Khedira? Wir gehen davon aus, dass Khedira den Part des auf links rückenden Uduokhai übernimmt. Marek Suchy bleibt nach seinem bescheidenen Auftritt gegen die TSG ein Platz auf der Bank.

In der Offensive sollte es damit nicht allzu viele Veränderungen im Vergleich zum letzten Spieltag geben. Eine immer ernstzunehmendere Option ist allerdings Marco Richter. Zumindest im Kader stehen könnte derweil auch Alfred Finnbogason.

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Khedira, Uduokhai – Strobl, Gruezo – Caligiuri, Vargas – Gregoritsch, Niederlechner

Werden auch gegen Schalke in der Startelf stehen: Carlos Gruezo und Felix Uduokhai. (Foto via imago)

Tipps:

Andy: 3:1 – der FCA gerät früh unglücklich in Rückstand, doch dann beginnen die systematischen Baumfällarbeiten und Schalke wird letztlich deutlich geschlagen.

Irina: 2:1 – der FCA macht’s zum Ende hin unnötig spannend. Aber drei Punkte sind drei Punkte – und die gehen nach Augsburg! PS: nach meinen zuletzt versemmelten Kicktipp-Tipps wäre ich sehr froh, wenn der FCA auch ein bisserl für mich spielen würde.

Franzi: 2:1 -Augsburg dreht nach Rückstand die Partie. Niederlechner schnürt einen Doppelpack und der Niederlechner-Effekt nimmt fortan seinen Lauf.

Andi: 2:0 – der FCA konzentriert sich auf seine Stärken, gewinnt verdient und wird somit nicht zum Aufbaugegner. Erfreuliche Randnotiz: Bei Florian Niederlechner platzt der Torknoten.

Zeit für Optimismus

Dieser Beitrag ist einer von zwei Teilen einer getrennten Betrachtung der sportlichen Aussichten des FC Augsburg zu diesem Zeitpunkt der Saison. Nach zwölf Punkten in den ersten neun Spielen konnte der FCA in der Vergangenheit sowohl einmal europäisch spielen, war aber auch schon bis auf Platz 15 abgerutscht. Was wird es diesmal? Heute geht der Blick Richtung obere Tabellenhälfte.

Zugegeben, die letzten Auftritte des FC Augsburg bescherten vielen Fans Sorgenfalten. Nach dem furiosen Sieben-Punkte-Start kam nicht mehr sonderlich viel von den Schwaben. Es ist daher nachvollziehbar, dass sich der Klub mit Kritik konfrontiert sieht. Es gibt allerdings nach wie vor gute Argumente dafür, dass der FCA in dieser Saison eine ordentliche Rolle spielen kann.

1. Die Laufleistung

Der FC Augsburg gehört zum Bundesligatrio, das die meisten Kilometer abspult. Ein Saisonwert von 1205 gelaufenen Kilometern bedeutet mit Bayer Leverkusen Rang zwei, Bielefeld bringt gut einen Kilometer mehr auf die Kette. Man kann hier argumentieren, dass sich diese hohen Werte auch dadurch ergeben, dass der FCA dem Gegner häufig hinterherläuft. In puncto Ballbesitz rangieren die Fuggerstädter auf einem Abstiegsplatz. Doch das würde der Herrlich-Elf nicht gerecht werden. Denn auch bei den Sprints (ligaweit 6.) sowie den intensiven Läufen (4.) steht der FCA auf einem Europapokalplatz.

Trotz seiner 32 Jahre ist Daniel Caligiuri der Spieler im Kader des FCA, der die beste Laufleistung vorzuweisen hat. Ligaweit rangiert der Neuzugang in dieser Kategorie auf Rang zehn. (Foto via imago)

2. Die Mentalität

Sechs der zwölf Saisontore erzielte Augsburg ab der 80. Minute – und sicherte sich so stets wichtige Punkte. Die je zwei Tore gegen Union Berlin und Mainz bedeuteten einen Sieg, die späten Ausgleichstreffer in Gladbach und gegen Freiburg zumindest ein Remis. Nach Rückstand steckt 1907 in dieser Saison nicht auf und bemüht sich, etwas Zählbares mitzunehmen. Auch wenn dies in Leverkusen oder Hoffenheim nicht geklappt hat, scheint der Glaube im Team vorhanden zu sein. Dass die Mannschaft nach Rückschlägen nicht einbricht, ist zudem ein positiver Schritt in die richtige Richtung. Bisher blieb Rot-Grün-Weiß von krachenden Pleiten verschont. Vergangene Saison setzte es gleich viermal fünf Gegentore (2x Dortmund, Gladbach, Frankfurt).

Eines von vielen späten Toren des FC Augsburg in dieser Saison. André Hahn trifft zum wichtigen 2:1 gegen Mainz 05. (Foto via imago)

3. Die Defensive

Mit 15 Gegentoren aus zwölf Spielen hat der FCA weniger Treffer kassiert als der FC Bayern. Überhaupt gibt es nur fünf Klubs, die defensiv besser stehen als Augsburg. Zum selben Zeitpunkt in der vergangenen Saison mussten die Schwaben schon 24 Gegentreffer hinnehmen – bei gleich vielen erzielten Toren. Dass Heiko Herrlich großen Wert auf die Defensive legt, zahlt sich bisher aus. Ligaweit fangen nur Mainz und Bielefeld mehr Bälle pro Spiel ab als der FC Augsburg. Das Stellungsspiel der Sechserreihe mit den beiden Mittelfeldspielern scheint also zu funktionieren. Außerdem hat kein Spieler mehr erfolgreiche Klärungsaktionen vorzuweisen als Felix Uduokhai. Es empfiehlt sich hier, das Abwehrverhalten des FCA vom Hoffenheim-Spiel loszueisen. Die besorgniserregende Defensivarbeit gegen die TSG war insbesondere auf die Umstellungen in der Viererkette zurückzuführen. Im Nachhinein betrachtet war es ein Fehler, Marek Suchy neben Jeffrey Gouweleeuw zu stellen, da so das bewährte Duo gesprengt wurde.

4. Die Neuzugänge

Respekt, Herr Reuter! Auch wenn weniger als ein Drittel der Saison gespielt ist, lässt sich konstatieren, dass der Manager im Sommer ein glückliches Händchen hatte. Rafal Gikiewicz scheint das Torwart-Dilemma gelöst zu haben. Seit dem Abgang von Marwin Hitz wurde die Konstanz auf dieser so wichtigen Position schmerzlich vermisst. Der 32-Jährige ist ein sicherer Rückhalt, wehrt ligaweit die meisten Schüsse ab. Auch seine Paradenquote kann sich mit 71,7 Prozent mehr als sehen lassen. Nur Frederik Rönnow (72,4) und Koen Casteels (72,3) übertrumpfen den Polen in dieser Statistik.

Sicherer Rückhalt im Augsburger Kasten: Rafal Gikiewicz spielt bisher eine tolle Saison. (Foto via imago)

Königstransfer ist mit Daniel Caligiuri dennoch ein anderer. Der frühere Schalker hat schon jetzt vier Tore erzielt, lässt mit seinen gefährlichen Standards Philipp Max oder Jonathan Schmid vergessen und gewinnt ligaweit die drittmeisten Zweikämpfe. Der Deutsch-Italiener ist ein echtes Mentalitätsmonster, das dem FCA sportlich wie menschlich enorm weiterhilft.

Auch Strobl und Gumny werden performen

Während Gikiewicz und Caligiuri schon jetzt unangefochtene Stammspieler sind, muss sich Tobias Strobl erst noch beweisen. Seit dem 5. Spieltag stand der defensive Mittelfeldspieler zwar in der Startelf, doch sein Platz im Kader scheint nicht in Stein gemeißelt. Nichtsdestotrotz überzeugt der Neuzugang aus Gladbach bisher. Strobl mag in der Außenwahrnehmung etwas unter dem Radar fliegen, sein Spiel ist ruhig, bedacht und wenig spektakulär. Der gebürtige Münchner überzeugt jedoch mit einem Fußballverständnis, an das in Augsburg bisher nicht viele Spieler auf seiner Position heran kamen. Bleibt Strobl länger verletzungsfrei, wird sich auch dieser Transfer auszahlen.

Überzeugt in dieser Saison weniger mit Offensivdrang oder Geschwindigkeit, dafür aber mit viel Übersicht und einer enormen Fußballintelligenz. Neuzugang Tobias Strobl muss sich zwar noch finden, kann sich aber ebenso als Königstransfer herausstellen. (Foto via imago)

Neben diesem Trio, das ablösefrei an den Lech gewechselt war, zog der FCA im Sommer die Kaufoption für Felix Uduokhai. Die kolportierten sieben Millionen Euro wirkten in Corona-Zeiten stattlich, doch auch diese Entscheidung war die richtige. Uduokhai überzeugt in der aktuellen Spielzeit und könnte zusammen mit Jeffrey Gouweleeuw eine Ära in der Innenverteidigung der Schwaben prägen.

Robert Gumny hat bisher leider gezeigt, dass er noch Zeit braucht. Den 22-Jährigen schon jetzt abzuschreiben, wäre jedoch verfrüht. Wenn der polnische Nationalspieler an Selbstvertrauen gewinnt und sein Zweikampfverhalten intelligenter gestaltet, kann allerdings auch er eine gute Rolle im Kader spielen. Auch vor Framberger. Die Anlagen dazu hat er. Obendrein kann nach seiner langen Verletzung auch Carlos Gruezo als Neuzugang tituliert werden. Der dynamische Ecuadorianer zeigt in dieser Saison, warum ihn Reuter geholt hat.

Spielen bisher eine ordentliche Saison: Felix Uduokhai in der Innenverteidigung und Carlos Gruezo auf der Sechs. (Foto via imago)

5. Heiko Herrlich

Herrlich übernahm den Cheftrainerposten am Lech zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Nur wenige Tage nach seiner Vorstellung als Nachfolger von Martin Schmidt wurde der Spielbetrieb coronabedingt eingestellt. Im Kleingruppentraining war es dann schwierig, an Spiel und Taktik zu feilen, also konzentrierte sich der 49-Jährige auf die Basics – und sicherte auf diese Weise den Klassenerhalt. Wenn auch mit einem schlechteren Punkteschnitt als sein Vorgänger.

Zugegeben, wirkliche Verbesserungen nach dem Corona-Neustart waren nicht zu erkennen. Mittlerweile sieht dies jedoch anders aus. Herrlich schaffte es, in der Vorbereitung die wirklich unterirdischen Ballbesitz- und Passwerte zumindest etwas zu verbessern: Statt 36 Prozent Ballbesitz kommt der FCA jetzt auf 41, statt 295 Pässe pro Partie spielt Augsburg nun 382 und nach zuvor gruseligen 2,1 Sequenzen mit mindestens 10 Pässen pro Spiel sind es momentan akzeptable 7,4.

6. Der Niederlechner-Effekt

Florian Niederlechner hat exakt null Bundesligatore in dieser Saison. Vom Niederlechner-Effekt zu sprechen, mag daher seltsam klingen. Doch genau zu diesem wird es kommen. Der Angreifer wird seine Torflaute demnächst beenden. Und wenn der Torknoten erstmal geplatzt ist – Niederlechner selbst sprach vom Ketchup-Effekt -, dann werden noch viele Treffer hinzukommen. Dass der 30-Jährige schon jetzt als “One-Season-Wonder” abgestempelt wird, ist vollkommen überzogen. Niederlechner arbeitet enorm viel fürs Team und übernimmt momentan gewissermaßen die Rolle eines Olivier Giroud, der die WM 2018 ohne Torschuss, aber mit dem Titel beendet hat. Ein physisch starker Angreifer, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und die Defensive unterstützt. Das mag nicht in den klassischen Kompetenzbereich eines Stürmers fallen, ist im Augsburger Spiel mit zuweilen fehlendem Zehner jedoch unabdingbar. Gerade gegen stärkere Gegner. In den kommenden Spielen werden sich Niederlechner wieder mehr Chancen bieten – und dann wird der gebürtige Oberbayer gewiss auch wieder treffen.

Gegen Hoffenheim wie so oft in dieser Saison glücklos. Florian Niederlechner wartet noch auf seinen ersten Ligatreffer. Wann beendet der Stürmer seine Torkrise?

7 . Die nächsten Spiele

Nach dem grandiosen Start bekam der FCA einige Dämpfer verpasst. Nun gilt es, sich aus dem negativen Abwärtstrend – der zweifelsohne erkennbar ist – zu befreien. In der Hinrunde spielt Augsburg quasi nur noch gegen Teams auf Augenhöhe: Schalke, Bielefeld, Frankfurt, Köln, Stuttgart, Bremen und Bayern. Mit Ausnahme der letzten Partie kann der FCA gegen jede Mannschaft gewinnen. Und was mit dieser Mannschaft möglich ist, wenn sie in einen Flow kommt, hat die vergangene Hinrunde gezeigt.

Im Jahresendspurt 2019 holte das damals noch von Martin Schmidt trainierte Team beeindruckende 16 von 18 Punkten. Die Gegner damals hießen Paderborn, Hertha, Köln, Mainz, Hoffenheim und Düsseldorf. Das soll nicht heißen, dass der FCA wieder 16 Punkte holt. Es sollten allerdings genug werden, um die Hinrunde in entspannten Tabellengefilden zu beenden.

Eins steht auch fest. Die Abwärtsspirale beendet man am leichtesten mit Ergebnissen. Es braucht Taten statt Worte. (Foto via imago)

Keine Sau 2.0?

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der FCA in dieser Saison durchaus eine gute Rolle spielen kann. Die Mannschaft ist – gerade mit den Neuzugängen – eigentlich zu stark für den Abstiegskampf. Damit Europa eine ernsthafte Option wird, muss sich die Herrlich-Elf in vielen Bereichen jedoch noch gewaltig steigern. Bis jetzt ist das nämlich nichts anderes als Wunschdenken. Ballbesitz, Zweikampfquote, herausgespielte Chancen. In all diesen Kategorien belegt der FCA einen Abstiegsplatz. Das ist, so klar muss man es formulieren, nicht erstligatauglich. Es gibt aber eben auch positive Dinge, die für eine entspannte Saison der Schwaben sprechen. Insofern sollten manche FCA-Fans etwas positiver durch die aktuelle Situation gehen. Denn es ist bei weitem nicht alles schlecht.

P.S.: Man kann sich auch über den DFB-Pokal für Europa qualifizieren 😉

Auf der Suche nach Kreativität

Der FC Augsburg steht vor der Partie bei der TSG Hoffenheim (Montag, 20.30 Uhr) mit zwölf Punkten aus neun Spielen weiterhin mehr als ordentlich da. Platz acht in der Liga hätten wohl viele vor der Saison unterschrieben. Nichtsdestotrotz musste man sich in den jüngsten Spielen etwas Sorgen machen um die Mannschaft von Heiko Herrlich. Es fehlten die klaren Chancen.

Ligaweit gibt nur Arminia Bielefeld weniger Torschüsse ab als der FC Augsburg (74 zu 81). Beim höhepunktarmen 1:1 gegen Freiburg waren es offiziell zehn. Wirklich gefährlich waren allerdings nur zwei Versuche – ein von Felix Uduokhai abgefälschter Gregoritsch-Volley und der Schuss zum Ausgleich von Ruben Vargas. Obwohl der FCA gegen die Breisgauer mit 59 Prozent Ballbesitz auf seinen höchsten Saisonwert kam, war der daraus resultierende Ertrag überschaubar. Das Offensivspiel der Schwaben wirkte weitestgehend ideenlos. Kreative Überraschungsmomente? Fehlanzeige.

Am Ende sicherte Ruben Vargas einen Punkt gegen den SC. Dass ein abgefälschter Distanzschuss die beste Chance der Herrlich-Elf war, spricht Bände. (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Es braucht mehr Initiative im Zentrum

Von den zentralen Mittelfeldspielern kommt im letzten Drittel zu wenig Offensivgeist. Rani Khedira und Tobias Strobl entschieden sich gegen den SC zu oft für den Rückpass als den Weg in die Spitze. Folglich wurde Stürmer Florian Niederlechner überhaupt nicht in Szene gesetzt und wartet damit weiter auf sein erstes Saisontor. Gegen den SC gab der 30-Jährige keinen einzigen Torschuss ab.

In den kommenden Partien gegen tabellarisch schwächere Teams wird der FCA gefordert sein, Lösungen zu entwickeln. Ballbesitz allein schießt keine Tore. Während die spielerischen Elemente im Spiel der Fuggerstädter bislang also eher vermisst werden, überzeugt der FCA mit anderen Attributen. Die ligaweit beste Laufleistung steht ebenso für den Kampfgeist der Mannschaft wie die Torausbeute in den Schlussminuten. Sechs der elf Saisontore wurden nach der 80. Minute erzielt. Die Mentalität im Team scheint also zu stimmen. Sich allein darauf zu verlassen, wäre jedoch fahrlässig. Der kommende Gegner aus Hoffenheim sollte nicht unterschätzt werden – auch wenn es bei den Kraichgauern momentan überhaupt nicht läuft.

Auch von Michael Gregoritsch kann man etwas mehr Überraschungsmomente im letzten Drittel erwarten. Die Qualität dazu hat der Österreicher allemal. (Photo by CHRISTOF STACHE / AFP)

Über den Gegner

Nach dem so furiosen Saisonauftakt samt 4:1-Sieg gegen den FC Bayern schlittert Hoffenheim in der Bundesliga immer weiter in die Krise. Weil vergangene Woche auch gegen Mainz (1:1) kein Sieg heraus sprang, wartet die TSG seit nunmehr sieben Spielen auf einen Dreier. In der Europa League dagegen surft die Mannschaft von Neu-Coach Sebastian Hoeneß regelrecht auf der Erfolgswelle. Am Donnerstag sicherte sich der Vorjahressechste mit einem 0:0 in Belgrad das vorzeitige Weiterkommen und den Gruppensieg.

Auch wenn die Gegner mit einem völlig harmlosen Roter Stern Belgrad (0 Schüsse aufs Tor), einem überforderten KAA Gent (33 zugelassene Schüsse) sowie coronageplagten Tschechen aus Liberec (15 Spieler nicht dabei) dankbar waren, sind 13 Punkte aus fünf Spielen eine beachtliche Leistung. Warum die gute Form aus der Europa League aber nicht für die Liga konserviert werden kann, ist fraglich.

Hoffenheim hatte zwar viel Pech mit Verletzungen und Corona-Fällen. Insbesondere der lange Ausfall von Toptorjäger Andrej Kramaric schmerzte sehr. Nichtsdestotrotz kann man mit den gezeigten Leistungen in der Bundesliga nicht zufrieden sein. Nur selten schaffte es die TSG in den vergangenen Partien, über 90 Minuten zu überzeugen. Mitreißender Offensivfußball und ein löchriges Abwehrverhalten hielten sich regelmäßig die Waage. Nach einem Transfersommer, in dem so gut wie alle Leistungsträger gehalten werden konnten, hatte man sich im Kraichgau eigentlich mehr ausgerechnet als Platz zwölf – auch wenn die Verantwortlichen gerne betonen, dass der neue Trainer Zeit brauche. Hoeneß kam im Sommer von den Amateuren des FC Bayern. Nun ist der 38-Jährige gefordert, die TSG wieder zurück in die Spur zu bringen.

Auf der Suche nach der Form der Vorsaison: Vor einem Jahr hatte die TSG nach neun Spielen bereits 14 Punkte. Nun wartet man seit Ende September auf einen Sieg. (Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Die Fakten zu #TSGFCA

Augsburger Auswärtsschwäche: In neun Gastspielen in Sinsheim konnte der FCA nur einmal gewinnen – beim 2:4 in der vergangenen Saison.

Fair: Kein Team in der Bundesliga begeht weniger Fouls am Gegner als der FC Augsburg (88). “Unfairstes” Team ist Frankfurt (132), Hoffenheim rangiert auf Platz vier (119).

Kilometerfresser: Der FCA kommt ligaweit auf die größte Laufdistanz (1205,6 abgespulte Kilometer). Die TSG ist Ligaschlusslicht und läuft bislang 166 Kilometer weniger als Rot-Grün-Weiß (1039,2).

Klassenerhalt: Am 34. Spieltag der Saison 2016/17 feierte der FCA in Sinsheim den Klassenerhalt. Ein 0:0 reichte für das rettende Ufer, eine Niederlage hätte unter Umständen den Relegationsrang bedeutet. Der FCA wurde letztlich 13.

Profi-Debüt: Im Oktober 2017 kam FCA-Eigengewächs Marco Richter erstmals für die Schwaben zum Einsatz. Beim 2:2 in Sinsheim wurde der damals 19-Jährige in den Schlussminuten eingewechselt.

Unliebsame Anstoßzeit: Beide Teams warten noch auf ihren ersten Bundesligasieg an einem Montagabend. Augsburg war bislang zweimal zu Wochenbeginn gefordert (0/1/1), Hoffenheim dreimal (0/2/1).

Wiedersehen: Mit Konstantinos Stafylidis und Kevin Vogt befinden sich momentan zwei frühere Augsburger im Kader der TSG. Obendrein treffen auch Tobias Strobl und Michael Gregoritsch auf ihren Ex-Klub.

Stafylidis´ Zeit bei der TSG läuft bislang nicht wirklich optimal. Seit seinem Wechsel im Sommer 2019 lief der Grieche nur siebenmal für Hoffenheim auf. Aktuell muss er wegen einer Schulterverletzung kürzertreten. (Photo by Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Die letzten Begegnungen

17.06.2020: Augsburg – Hoffenheim 1:3

13.12.2019: Hoffenheim – Augsburg 2:4

07.04.2019: Augsburg – Hoffenheim 0:4

10.11.2018: Hoffenheim – Augsburg 2:1

03.03.2018: Augsburg – Hoffenheim 0:2

Vor gut einem Jahr sicherte sich der FCA dank einer kaltschnäuzigen Leistung und eines überragenden Florian Niederlechner drei wichtige Punkte. Der Stürmer war an allen vier Treffern direkt beteiligt.(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Presseschau

Daniel Caligiuri ist bislang ein absoluter Garant für den Erfolg des FC Augsburg. Der 32-jährige Mittelfeldmann, der vor der Saison ablösefrei aus Gelsenkirchen an den Lech wechselte, hat sich sofort als Führungsspieler eingebracht. Weil die sportlichen Leistungen auf dem Platz aktuell stimmen, träumt Caligiuri sogar von der italienischen Nationalmannschaft. “Ich habe immer Ziele vor Augen und eine Nominierung ist sicherlich eines davon,” meinte der Routinier im Gespräch mit Spox. Die Erfüllung dieses Traumes sei zwar “schwer, weil ich in Fußballerjahren nicht mehr der Jüngste bin, aber ich versuche weiterhin, mich über meine Leistungen im Verein zu zeigen und dann schauen wir mal.”

2015 wurde der in Villingen-Schwenningen geborene Sohn eines Italieners bereits für die Squadra Azzurra berufen, kam jedoch nicht zu seinem Debüt. Dies sei damals “schade” gewesen, doch “vielleicht ergibt sich ja nochmal eine Gelegenheit.” Verdient hätte sie der 32-Jährige allemal.

Benvenuto ad Augusta: In den bisherigen zehn Pflichtspielen gelangen Caligiuri bereits vier Tore und ein Assist. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Was macht eigentlich Ioannis Gelios?

Von 2001 bis 2018 stand Ioannis Gelios beim FC Augsburg unter Vertrag. Der Keeper durchlief sämtliche Jugendmannschaften der Schwaben und wurde 2010 in den Profikader befördert. Als Torwart Nummer drei reichte es jedoch nicht fürs Erstligadebüt, sodass der Grieche vornehmlich in der U23 eingesetzt wurde, wo er auf insgesamt 117 Einsätze zurückblickt.

2018 zog es den gebürtigen Augsburger in die 3. Liga zu Hansa Rostock, ehe ihn ein Jahr später Holstein Kiel an die Förde lotste. Nach kleinen Startproblemen stand Gelios beim ambitionierten Zweitligisten ab dem 7. Spieltag immer zwischen den Pfosten. Anfang der aktuellen Saison verlor der 28-Jährige seinen Stammplatz jedoch an den früheren Juniorennationalspieler Thomas Dähne. Weil dieser dann aber an Covid-19 erkrankte, rückte Gelios zurück in den Kasten.

Nun ist Dähne wieder fit, muss sich allerdings erstmal hinten anstellen. “Ioannis hat es in den vergangenen Spielen sehr gut gemacht, und wir müssen gute Leistung honorieren”, erklärte KSV-Coach Ole Werner jüngst. “Er hat es verdient, im Tor zu bleiben, und ich bin sicher, dass er eine gute Leistung bringen wird.” Bislang geht dieser Plan auf. In acht Spielen hielt 1,90-Meter-Mann Gelios dreimal die Null und hatte somit maßgeblichen Anteil daran, dass die Norddeutschen im Aufstiegsrennen mitmischen. Nach zehn Spielen ist Kiel Tabellenführer.

Weil die Chance auf Einsätze beim FCA gering war, wagte Gelios den Schritt in den Norden. Aufgrund seiner derzeit guten Form in Kiel lässt sich konstatieren: Diese Entscheidung war die richtige. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images)

Voraussichtliche Aufstellung

Raphael Framberger wird nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder zurück in die Startelf rücken und Robert Gumny hinten rechts ersetzen. Im Defensivzentrum könnte auch Carlos Gruezo zum Zug kommen, in der Offensive der immer besser in Tritt kommende Marco Richter.

Nach wie vor hat Herrlich einige Ausfälle zu beklagen. Alfred Finnbogasons Sprunggelenksverletzung sei zwar “nicht so schlimm”, wie Manager Stefan Reuter vor einigen Tagen erklärte, für Montagabend reicht es allerdings nicht. Ebenso nicht zur Verfügung stehen der verletzte Jan Moravek sowie die Rekonvaleszenten Fredrik Jensen, Noah Joel Sarenren Bazee, Mads Pedersen und Felix Götze. André Hahn befindet sich aufgrund eines positiven Corona-Tests in häuslicher Quarantäne und wird die nächsten Spiele fehlen. Der in dieser Saison stark aufspielende Offensivmann zeige keine Symptome, hieß es am Sonntag vonseiten des FCA.

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Strobl – Caligiuri, Gregoritsch, Vargas – Niederlechner

Im letzten Duell mit Hoffenheim erzielte Iago sein erstes Bundesligator. Am Montag wird der Brasilianer wieder in der Startelf stehen – und sich erneut in die Torschützenliste eintragen? (Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Tipps

Andy: 2:0 – nach frühem Rückstand schafft es der FCA diesmal nicht, den Ausgleich zu erzielen und kassiert spät das zweite Gegentor.

Irina: 1:1 – nach einem weiteren Unentschieden wird der FCA vielleicht doch noch Remis-Meister.

Andi: 1:1 – zähe Partie in Sinsheim. Nach einem Bundesligaspiel, das nicht allzu oft aus den Archiven gezogen werden wird, bleibt der FCA in der Tabelle vor Hoffenheim. Es gibt das dritte 1:1 in Serie.

Kann Augsburg Favorit?

Der FC Augsburg hat bereits gegen sechs der sieben bestplatziertesten Bundesligateams gespielt. Auch deshalb sind elf Punkte aus acht Partien immer noch ordentlich. Bis Weihnachten trifft die Mannschaft von Heiko Herrlich nur noch auf Gegner, die in der Tabelle hinter dem FCA rangieren. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass die kommenden Spiele, angefangen mit dem Duell gegen Freiburg am Samstag (15.30 Uhr), einfach werden. “Wir dürfen nicht denken, die schweren Gegner sind abgehakt. Denn es wird nicht leichter, im Gegenteil”, mahnte etwa Felix Uduokhai unter der Woche gegenüber dem Kicker. Der Innenverteidiger forderte zudem, “unsere Tugenden” nicht aus dem Blick zu verlieren. Konkret: “Herz, Mentalität, als Einheit auf dem Platz stehen.”

Darf der FC Augsburg am Wochenende wieder jubeln? Aus den letzten sechs Partien gab es nur einen Sieg. (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Alles in allem bleibt die Frage, ob der FCA mit der Favoritenrolle umgehen kann. Denn anders als so oft in dieser Saison gehen die Schwaben diesmal nicht als Underdog in die Partie. Freiburg ist angezählt, hat seit dem 1. Spieltag nicht mehr gewonnen. Bislang hatte Augsburg auf dem Papier lediglich gegen Mainz die besseren Karten. Der 3:1-Sieg war verdient, das Spiel gleichzeitig aber nicht gerade schön anzusehen. Der FCA ist schlicht keine Mannschaft, die sonderlich viel mit eigenem Ballbesitz anzufangen weiß, sondern fühlt sich wohler, wenn nach Ballgewinn umgeschaltet werden kann. Ligaweit weist kein Klub weniger Ballbesitz auf als Rot-Grün-Weiß. Am Samstag könnte die Statistik etwas aufgebessert werden. Denn Freiburg wird dem FCA zumindest phasenweise das Spiel überlassen. Dann sind kreative Momente der Augsburger Offensive unabdingbar.

Über den Gegner

Der SC Freiburg beweist Jahr für Jahr, dass man auch mit einem kleinen Etat in der Bundesliga mithalten kann. In der vergangen Saison hatte die Mannschaft von Kultcoach Christian Streich nie etwas mit dem Abstieg zu tun und klopfte sogar an die Europapokaltür. An Ende wurde es Platz acht und die Dinge an der Dreisam nahmen ihren gewohnten Lauf. Wie so oft in der Vergangenheit verabschiedeten sich einige Stammspieler aus Deutschlands Stadt mit den meisten Sonnenstunden. Innenverteidiger Robin Koch zog es nach Leeds, Offensivstar Luca Waldschmidt zu Benfica Lissabon. Obendrein verließ Keeper Alexander Schwolow den SC gen Berlin. Der Abgang des Trios schmerzte die Breisgauer sportlich sehr. Dass arrivierte Kräfte den Verein verlassen, ist mittlerweile aber genauso einkalkuliert wie eine Saison im Abstiegskampf – nach der es momentan aussieht.

Seit mittlerweile 2012 im Amt. Christian Streich ist der dienstälteste Trainer der akutellen Bundesliga. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Nachdem sich die Weiß-Roten im Pokal bei Waldhof Mannheim schwer taten (1:2), konnte am 1. Spieltag in Stuttgart der erste Dreier eingefahren werden (2:3). Aus den nächsten sieben Spielen holte die Streich-Elf dann aber nur noch drei magere Remis, weswegen sie sich momentan auf Rang 14 wiederfindet.

Woran liegt die aktuelle Formschwäche des SC?

Neben unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen (Elfmeter in Leipzig, Handspiel vor Mainzer Führungstreffer) spielen wohl auch die Neuzugänge eine Rolle. Denn die sind allesamt zwar mehr als vielversprechend, konnten aber noch nicht wirklich auf sich aufmerksam machen. Florian Müller kam als kurzfristiger Ersatz für den verletzten Schlussmann Mark Flekken und macht seine Sache solide. Ermedin Demirovic (Alaves, zuletzt St. Gallen) und Guus Till (Leihe von Spartak Moskau) sollen die Offensive beleben, sind aber (auch verletzungsbedingt) noch überhaupt kein Faktor. Königstransfer ist 10-Millionen-Mann Baptiste Santamaria, der aus Frankreich von Angers losgeeist werden konnte. Bislang geht der defensive Mittelfeldspieler jedoch eher unter, als die Fäden in der Zentrale zu ziehen. Ob sich das nun gegen den FCA ändert? Unterschätzen sollten die Schwaben den Tabellenvierzehnten auf jeden Fall nicht.

Ein Name, den man sich merken sollte – und der obendrein so wunderbar geschmeidig über die Lippen geht: Baptiste Santamaria könnte im Mittelfeld des SC eine Ära prägen. Dem 25-Jährigen wird im Breisgau der nächste Entwicklungsschritt zugetraut. (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

Die Fakten zu #FCASCF

Flanken-Alarm: Freiburg versucht seine Spieler oft mit Hereingaben von Außen in Szene zu setzen. In der Regel geschieht dies über Christian Günter. In der Bundesliga hat nur Leverkusens Moussa Diaby mehr Flanken geschlagen als der Linksverteidiger (32 zu 30). Bester Augsburger ist Iago mit weniger als halb so viel (13).

Heimsieg?: In den insgesamt 30 Aufeinandertreffen setzte sich nur viermal das Auswärtsteam durch (2x Augsburg, 2x Freiburg), in den 16 Duellen in der Bundesliga gab es sogar nur einen Auswärtssieg (Freiburg – Augsburg 2:4, 2014). Alles in allem spricht die Bilanz übrigens klar für den Sportclub, der bei neun Remis 14 Duelle für sich entscheiden konnte.

Lieblingsgegner: In fünf Spielen gegen Freiburg konnte Alfred Finnbogason bereits sechs Treffer erzielen (zwei Dreierpacks). Nur gegen Mainz kommt der Isländer auf dieselbe Quote.

Rückhalt: Nur Mainz-Keeper Robin Zentner pariert mehr Torschüsse als FCA-Schlussmann Rafal Gikiewicz (34 zu 33). Freiburgs Müller rangiert mit 29 Paraden auf einem ordentlichen sechsten Rang.

Wiedersehen: Jonathan Schmid trug von 2016 bis 2019 das Trikot der Schwaben, Florian Niederlechner war zur selben Zeit beim Sportclub unter Vertrag. Vergangenen Sommer tauschten beide die Seiten. Ebenso für Freiburg spielten zudem Daniel Caligiuri und Rafal Gikiewicz.

In 81 Spielen für Rot-Grün-Weiß gelangen Jonathan Schmid vier Tore sowie zehn Assists. Der Elsässer war und ist besonders für seine Standardstärke bekannt. (Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Die letzten Begegnungen

15.02.2020: Augsburg – Freiburg 1:1

21.09.2020: Freiburg – Augsburg 1:1

23.02.2019: Freiburg – Augsburg 5:1

30.09.2018: Augsburg – Freiburg 4:1

12.05.2018: Freiburg – Augsburg 2:0

Beim 1:1 im September 2019 traf Florian Niederlechner zum 1:1-Ausgleich. In dieser Saison wartet der frühere Freiburger noch auf seinen Premierentreffer. Klappt es wieder gegen den Ex-Klub? (Photo by Robert Hradil/Bongarts/Getty Images)

Presseschau

Das Thema Verteilung der TV-Gelder ist im Moment omnipräsent. Der FC Augsburg wurde wie Bielefeld, Stuttgart und Mainz zuletzt nicht einmal zum DFL-Gipfel eingeladen. Das Quartett hatte sich zuvor für eine fairere Verteilung der Fernseheinnahmen ausgesprochen. Der ebenso zu den kleineren Vereinen zählende SC Freiburg verhält sich in der Debatte bislang überraschend defensiv. Zwar positionieren die Schwarzwälder durchaus für Änderungen, scheinen sich mit den Branchengrößen jedoch nicht anegen zu wollen. Deshalb traten die Fans der Breisgauer nun an den Klub heran.

In einem offenen Brief an Finanzvorstand Oliver Leki, der gleichzeitig als 2. stellvertretender Sprecher in der DFL-Spitze sitzt, fordern rund 30 Fanclubs des SC ein Umdenken. Leki solle sich “im Sinne der Integrität des Wettbewerbs für eine deutlich gleichmäßiegere Verteilung aller TV-Gelder einsetzten”, heißt es in dem gemeinsam veröffentlichten Statement. Zudem appellieren die Gruppierungen, bei den Bestrebungen einer Reform nicht kleinbei zu geben: “Lassen Sie sich von vermeintlich großen Playern nicht unter Druck setzen.”

Was macht eigentlich Maurice Malone?

Maurice Malone wurde in dieser Saison zum Drittligisten Wehen Wiesbaden verliehen. Bei Bekanntgabe des Wechsels hieß es von FCA-Manager Stefan Reuter: “Maurice hat das Talent, sich eines Tages in der Bundesliga beweisen zu können. Um ihn behutsam an dieses Top-Niveau heranzuführen, ist die Leihe ein weiterer wichtiger Schritt in seiner Karriere. Wir sind überzeugt, dass er in der 3. Liga zu seinen Einsatzzeiten kommen wird und dort einen Sprung in seiner Entwicklung machen kann.” Bislang zahlt sich die Leihe des Stürmers voll und ganz aus. Während Sergio Cordova bei Arminia Bielefeld nicht so recht in Tritt kommt, überzeugt Malone Woche für Woche.

Am vergangenen Samstag markierte der gebürtige Augsburger mit us-amerikanischen Wurzeln beim 3:3 in Saarbrücken alle drei Treffer. Hinzukommen zwei weitere Tore und zwei Vorlagen. “Es macht Spaß, Maurice zuzuschauen und ihn zu entwickeln”, bilanzierte Wehen-Coach Rüdiger Rehm. Diese Entwicklung kann dem FCA indes nur recht sein. In dieser Saison wäre es mit Einsätzen bei den Profis wohl schwierig geworden. Macht Malone jedoch so weiter, ist er womöglich bereits nächste Saison eine ernstzunehmende Option.

Seit 2008 beim FCA und nun übergangsweise in Hessen geparkt. Maurice Malone könnte der nächste Augsburger Bundesligadebütant aus dem eigenen Nachwuchs sein.(Foto: Imago)

Voraussichtliche Aufstellung

Nach seinem mehr als unglücklichem 12-Minuten-Einsatz samt gelb-roter Karte fehlt Raphael Framberger gesperrt. Deshalb wird Robert Gumny erneut von Beginn an auflaufen. Während der Rest der Viererkette gesetzt ist, wird es im defensiven Mittelfeld spannend. Carlos Gruezo steht nach überstandener Erkältung wieder zur Verfügung, wird jedoch wohl erst auf der Bank Platz nehmen. Damit winkt dem Duo Rani Khedira / Tobias Strobl erneut die Startelf.

Auf den Außenposition haben Daniel Caligiuri und Ruben Vargas wohl die größte Qualität. Gegen die eklig zu bespielenden Freiburger könnte Heiko Herrlich aber auch auf den unermüdlichen André Hahn setzen. Der 30-Jährige kommt aber wohl erst als Joker.

Im Angriff läuft es wohl erneut auf eine Doppelspitze mit Alfred Finnbogason und Florian Niederlechner hinaus, sodass das 4-4-2 der Schwarzwälder quasi gespiegelt wird. Die richtige Taktik? Gegen einen Gegner auf Augenhöhe ergeben sich gewiss mehr Gelegenheiten als in Gladbach, als das Duo lediglich einmal gefährlich vor dem Kasten auftauchte (und das in der 1. Spielminute). Die Vorteile des Doppelsturms gehen aber wohl zu Lasten der spielerischen Kreativität. Für einen Zehner wie etwa Michael Gregoritsch ist dann kein Platz mehr. Von Khedira/Strobl/Gruezo ist die Rolle des Spielgestalters eher nicht zu erwarten. Bis auf Jan Moravek (Muskelverletzung), Noah Joel Sarenren Bazee (Bandanriss im Knie) und eben Framberger stehen Herrlich alle Akteure zur Verfügung. So könnte der FCA auflaufen:

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Strobl – Caligiuri, Vargas – Finnbogason, Niederlechner

Mittlerweile auf den Außen gesetzt: Daniel Caligiuri sorgt in Augsburg mächtig für Furore. Die Fans des FCA haben bislang ziemlich Spaß mit dem früheren Schalker. (Foto: Imago)

Tipps

Andy: 3:1 – ein deutlicher Sieg, bei dem in der Offensive der Knoten platzt. Finnbogason und Niederlechner glänzen und der FCA sammelt weitere drei Punkte.

Irina: 2:1 – der FCA überzeugt und sichert sich drei Punkte gegen einen direkten Konkurrenten.

Andi: 3:1 – ähnliches Spiel wie gegen Mainz. Der FCA tut sich lange schwer und kontert die Freiburger in der Schlussphase eiskalt aus. Finnbogason beendet gegen seinen Lieblingsgegner seine Torflaute und beschert den Schwaben ein entspanntes Wochenende.

Lauffreudig vs. Lauffaul

Länderspielpause vorbei, Fokus auf der Bundesliga wieder da. Am Samstag (15.30 Uhr) gastiert der FC Augsburg bei Borussia Mönchengladbach. Im Vorfeld der Partie werden unmittelbar Gedanken ans letzte Aufeinandertreffen im Borussia-Park laut, als der FCA sang- und klanglos und obendrein hochverdient mit 5:1 unterging. An diesem nasskalten Oktobertag im Gästeblock zu stehen war nicht leicht. Keineswegs. “Gladbach bedankt sich bei Augsburgs Pannen-Kiste” titelte die Bild nach dem Debakel. Allen voran das vierte Tor der Fohlen wird einigen Fans noch lange in Erinnerung bleiben. In bester Slapstick-Manier schenkte sich Keeper Tomas Koubek einen ein.

13 Monate später hat sich der FC Augsburg sportlich gefangen. Mit zehn Punkten aus sieben Spielen steht die Mannschaft von Heiko Herrlich weiterhin ordentlich da. Gladbach weist einen Zähler mehr auf und ist Siebter. Also ein Duell auf Augenhöhe? Vielleicht. Zumindest wenn die Schwaben im Vergleich zum besorgniserregenden Hertha-Spiel eine Reaktion zeigen. Dann ist auch gegen einen Champions-League-Gegner etwas drin. Nichtsdestotrotz sind die Fohlen natürlich der klare Favorit.

Über den Gegner

Nach anfänglichen Startproblemen kommt die Borussia immer besser in Tritt. Auch wenn die Mannschaft von Marco Rose zuletzt in Leverkusen einen Dämpfer hinnehmen musste (4:3), passt die Leistung auf dem Platz in der Regel schon. Es sind zwar immer wieder Unkonzentriertheiten (Abstimmungsprobleme in der Defensive, Fehlpässe im Mittelfeld) zu beobachten, doch Gladbach scheint auf einem guten Weg zu sein. Auch in dieser Saison greifen die Fohlen die Top-4 an.

In der Bundesliga steht im Moment Rang Sieben. Darüber hinaus sind die Rheinländer in der Champions League auf Kurs Achtelfinale. Fünf Punkte nach drei Spielen bedeuten die Tabellenführung. Und das in einer Gruppe mit Real Madrid und Inter Mailand. Unnötige Gegentore aufgrund von eigenem Unvermögen verhinderten letztlich eine noch komfortablere Ausgangslage.

Bitteres Remis: Bis zur 87. Minute führt Gladbach gegen Real Madrid mit 2:0, ehe Benzema und Casemiro zum 2:2 ausgleichen. (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Abseits der sportlichen Leistungen wollen wir an dieser Stelle einmal ein Sonderlob für Max Eberl aussprechen. Der Manager hat es geschafft, den Traditionsverein zu alter Stärke zurück zu führen. Kluge Transfers, immer im Bereich des finanziellen Spielraums. Vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Starter. Der sportliche Erfolg Gladbachs geht zwangsläufig mit Eberl einher. Dass der gebürtige Niederbayer obendrein ein sympatischer, hemdsärmeliger Typ ist, rundet die perfekte Zusammenarbeit ab. Wir hoffen, dass Eberl der Bundesliga noch lange erhalten bleibt.

Die Fakten zu #BMGFCA

Elfer-Kontrast: Borussia Mönchengladbach bekam in sieben Spielen bereits vier Elfmeter zugesprochen (wie Leipzig) und hat übrigens auch alle verwandelt. Augsburg gehört zu den vier Teams, für die noch kein Strafstoß gepfiffen wurde (wie Schalke, Bielefeld und Freiburg).

Fair: Mit 62 hat der FCA ligaweit die wenigsten Fouls am Gegner begangen. Gladbach liegt mit 81 im Mittelfeld, am unfairsten agiert der 1. FC Köln (100).

Lauffreudig vs. Lauffaul?:Nur Arminia Bielefeld spult mehr Kilometer ab als der FCA (960,5 zu 959,8). Die Gladbacher verzeichnen mit Abstand die geringste Laufdistanz und kommen auf fast 135 Kilometer weniger als Rot-Grün-Weiß (826,6).

Herrlich-Bilanz: In sechs Spielen gegen Gladbach gelangen Heiko Herrlich als Trainer fünf Siege (eine Niederlage). Nur gegen Union Berlin ist der Punkteschnitt des Fußballlehrers besser (zwei Spiele, zwei Siege).

Passstark: Gladbachs Nico Elvedi überzeugt ligaweit mit der besten Passquote (94,8 %). Stärkster Augsburger ist Felix Uduokhai auf Rang zehn (91,1 %).

Rückkehr: Im Sommer wechselte Tobias Strobl aus Gladbach an den Lech. Auch André Hahn und Reece Oxford haben eine Vergangenheit bei der Borussia. Auf der Gegenseite trifft Ibrahima Traore auf seinen Ex-Klub. Von 2009 bis 2011 war der Offensivmann in Augsburg aktiv.

In 54 Spielen für den FCA gelangen Traore acht Tore sowie 18 Vorlagen. 2011 wechselte er nach Stuttgart und zwei Jahre später zu den Fohlen. (Photo by SERGEI SUPINSKY/AFP via Getty Images)

Die letzten Begegnungen

29.02.2020: Augsburg – Gladbach 2:3

06.10.2019: Gladbach – Augsburg 5:1

26.01.2019: Gladbach – Augsburg 2:0

01.09.2018: Augsburg – Gladbach 1:1

20.01.2018: Gladbach – Augsburg 2:0

Am 17. Dezember 2016 konnte der FCA das letzte Mal gegen die Rheinländer gewinnen. Beim Debüt von Manuel Baum an der Seitenlinie köpfte Martin Hinteregger zu einem am Ende sehr schmeichelhaften Dreier. (Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Presseschau

Die Zukunft von Rani Khedira scheint ungewiss. Nachdem in der Vergangenheit bereits Meldungen aufkamen, wonach die Gespräche um eine Vertragsverlängerung des Defensivspielers auf Eis legen würden, befeuert nun Khedira selbst etwaige Wechselgerüchte. Der 26-Jährige beschäftigt sich nach eigenen Angaben mit einem Abschied aus der Bundesliga: „Das Ausland spielt in meinen Gedanken eine Rolle“, sagte der gebürtige Stuttgarter im Gespräch mit Sky. Dennoch gelte: „Der FCA bleibt mein erster Ansprechpartner.“ Nichtsdestotrotz scheint ein Abschied aus Augsburg nicht mehr undenkbar. Khediras Vertrag läuft im Sommer aus.

Was macht eigentlich Marcel de Jong?

Marcel de Jong wechselte 2010 von Roda Kerkrade zum FC Augsburg. Damals spielte der FCA noch in der 2. Liga. In den ersten Jahren kam der gebürtige Kanadier mit niederländischen Wurzeln auch regelmäßig zum Zug. In der Saison 2012/13 verlor der Linksverteidiger seinen Stammplatz jedoch an Matthias Ostrzolek und kam vermehrt als Joker von der Bank. So auch im Schwaben-Derby gegen den VfB Stuttgart am 31. Spieltag. In diesem Spiel erzielte der Nationalspieler sein wichtigstes von insgesamt fünf Toren für den FCA: Aus 20 Metern chippte der Linksfuß die Kugel elegant über VfB-Keeper Sven Ulreich. Augsburg gewann und die Weichen für den Klassenerhalt waren gestellt.

Nachdem die Einsätze weniger wurden, löste der FCA den Vertrag de Jongs 2015 auf. Der Defensivspieler wechselte nach 73 Partien für Rot-Grün-Weiß in die MLS zu Kansas City. Über weiteren Stationen in Kanada zog es den heute 34-Jährigen schließlich zum Pacific FC in die Canadian Premier League. Den aktuellen Tabellenvierten führt der Routinier als Kapitän aufs Feld.

Wie de Jong vor einem halben Jahr im Stadionkurier verriet, verfolge er den FC Augsburg nach wie vor “sehr intensiv.” Denn “Augsburg war meine schönste Zeit bisher, hier ist mein Kind auf die Welt gekommen, ich habe dort geheiratet und hatte sportliche Erfolge. Vor eineinhalb Jahren waren wir zum letzten Mal dort und haben viele Bekannte und Freunde besucht. Der FCA wird immer in meinem Herzen bleiben.”

Hatte hohen Kredit bei der Augsburger Anhängerschaft: Marcel de Jongs sympathische Art kam in der Fuggerstadt gut an. (Foto: imago/Krieger)

Voraussichtliche Aufstellung

Auf der Rechtsverteidigerposition wird wohl wieder Robert Gumny beginnen. Raphael Framberger konnte zwar wieder mit dem Team trainieren, scheint nach seinem Faszienriss im Oberschenkel aber noch nicht bei 100 Prozent. 2018 wäre Gumny übrigens beinahe in Gladbach gelandet. Nachdem er sich mit der Borussia bereits einig war, platzte der Deal aber überraschend doch noch. Der Pole blieb zwei weitere Jahre in Posen und wechselte nun zum FCA. Der Rest der Viererkette ist gesetzt.

Im Zentrum entscheidet sich Herrlich wohl für das Duo Khedira/Strobl, da Carlos Gruezo mit der ecuadorianischen Nationalmannschaft im Einsatz war. In der Offensive scheint nur Daniel Caligiuri eine Stammplatzgarantie inne zu haben. Nach starken Leistungen werden obendrein wohl Ruben Vargas und André Hahn beginnen dürfen. Michael Gregoritsch, Alfred Finnbogason sowie auch Marco Richter stehen als Alternativen zur Verfügung. Fredrik Jensen (Sprunggelenksverletzung) und Noah Joel Sarenren Bazee (Bandanriss im Knie) fallen verletzungsbedingt aus.

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Uduokahi, Iago – Khedira, Strobl – Caligiuri, Vargas, Hahn – Niederlechner

Nach seinem Startelfdebüt gegen die Hertha wird Robert Gumny wohl auch am Samstag in der ersten Elf stehen. Es bleibt zu hoffen, dass der 22-Jährige mit ordentlich Selbstvertrauen auftritt – letzte Woche bestritt der Pole sein erstes A-Länderspiel. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Tipps

Andy: 1:1 – Ich habe eigentlich überhaupt keine guten Erinnerungen an Auswärtsfahrten und -spiele in Gladbach. Aber der FCA hat dieses Jahr schon einmal gegen eine Borussia überrascht. Am Ende entführen wir nach einer starken Leistung einen Punkt.

Irina: 3:1 – Gladbach ist eine Nummer zu groß für den FCA. Zu hoffen ist, dass bei Niederlechner der Torknoten platzt.

Andi: 3:1 – der FCA hält kämpferisch gut dagegen, doch am Ende setzt sich die Qualität von Thuram & Co. durch. Keine Punkte für Augsburg.

FCA-Profis auf Reisen: Die Sorge spielt mit

Das nächste Pflichtspiel des FC Augsburg findet erst am Samstag in einer Woche statt. Dann gastiert Rot-Grün-Weiß bei Borussia Mönchengladbach. Dazwischen steht ein Test gegen den Karlsruher SC (12.11.) und einmal mehr einige Länderspiele auf dem Programm, auf die niemand so recht Lust zu haben scheint. Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens sowie des oft überschaubaren sportlichen Werts bleibt die Frage nach dem Sinn. Mehrere FCA-Profis sind in den kommenden Tagen mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Zwei Spieler dürfen sich dabei auf ihr Debüt freuen. Ein Überblick.

Haller, Biesinger, Hahn – Uduokhai?

Felix Uduokhai ist am Freitag das erste Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert worden. Der 23-Jährige hat sich die Berufung redlich verdient. In Fußball-Deutschland gibt es zwar etliche Stimmen, die lieber einen Mats Hummels oder Jerome Boateng statt Uduokhai oder auch Niklas Stark und Robin Koch in der Innenverteidigung gesehen hätten, doch der Zug für die beiden Weltmeister scheint abgefahren. Bundestrainer Jogi Löw will auf andere, jüngere Spieler setzen.

Also bekommt der beste Zweikämpfer der abgelaufenen FCA-Saison, der auch in dieser Spielzeit überzeugt, die Chance auf seine ersten Minuten im DFB-Dress und die Schwaben womöglich ihren vierten Nationalspieler. Nach Helmut Haller, Ulrich Biesinger und André Hahn. Uduokhais Chancen auf Einsatzminuten sind wohl am größten, wenn es im Testspiel gegen Tschechien (11.11.) geht. Darüber hinaus spielt Deutschland in der Nationas League gegen die Ukraine (14.11.) und Spanien (17.11.). Ebenfalls mit dabei ist auch Philipp Max. Endlich. Der Zeitpunkt der Nominierung untermauert klar und deutlich, dass sich Löw eigentlich nicht für Spieler des FC Augsburg interessiert. Umso schöner, dass es nun für Uduokhai geklappt hat.

Vergangene Saison noch gemeinsam für den FCA auf dem Platz – und bald auch in der Nationalmannschaft. Felix Uduokhai und Philipp Max hoffen auf ihr Debüt. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Am Mittwoch könnte es unter Umständen auch zu einem internen FCA-Duell kommen. Denn Tomas Koubek ist für die tschechische Auswahl nachnominiert worden. Realistische Einsatzchancen hat der Keeper jedoch nicht. Der zehnfache Nationalspieler ist im Team der Tschechen nur Torwart Nummer vier. Gegen Deutschland wird wohl Bremens Jiri Pavlenka oder Sevillas Tomas Vaclik zwischen den Pfosten stehen. Selbiges gilt für die Nations-League-Duelle gegen Israel (15.11) und die Slowakei (18.11).

Gumny vor A-Nationalmannschaftsdebüt

Wie Uduokhai träumt unterdessen auch Robert Gumny von seinem ersten Einsatz im Trikot der A-Nationalmannschaft. Der polnische Rechtsverteidiger könnte im Testspiel gegen die Ukraine (11.11.) zum Einsatz kommen. Zudem steht der Neuzugang aus Posen im polnischen Junioren-Aufgebot für das U21-EM-Quali-Spiel gegen Lettland (17.11).

Gegen Hertha BSC feierte Robert Gumny sein Startelfdebüt für Rot-Grün-Weiß. Jetzt will er auch in der polnischen Nationalelf Einsatzminuten sammeln. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Ruben Vargas ist mit der Schweizer Auswahl im Einsatz. Der quirlige Flügelspieler startet mit einem Freundschaftsspiel in Belgien (11.11) in die Länderspielpause und bestreitet zwei Partien in der Nations League gegen Spanien (14.11.) und die Ukraine (17.11).

Ebenso drei Mal im Einsatz sein könnte Michael Gregoritsch. Der Österreicher reist zu einem Freundschaftsspiel nach Luxemburg (11.11) und ist bei den zwei Partien in der Nations League gegen Nordirland (15.11) und Norwegen (18. 11.) mit dabei.

Die vergangene Länderspielpause verlief für Michael Gregoritsch mehr als positiv. Gegen Griechenland und Nordirland gelangen dem Offensivmann ein Tor und eine Vorlage. (Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

Áfram Ísland – Mach es, Alfred!

Während die bisher genannten Spiele von sportlich überschaubarem Wert sind, wird es für Alfred Finnbogason und Island richtig ernst. Der Inselstaat kämpft um eines der letzten verbliebenen Tickets für die Europameisterschaft 2021. Nach dem 2:1-Sieg im Playoff-Halbfinale gegen Rumänien wartet im Finale Ungarn. Setzt sich Island durch, ist die erneute Qualifikation für die EM in trockenen Tüchern. Dann träfen Finnbogason & Co. in Gruppe F auf Deutschland, Portugal und Frankreich. Zudem stehen zwei Partien in der Nations League in Dänemark (15.11.) und England (18.11.) auf dem Spielplan. Damit es etwas mit der dritten Teilnahme an einem großen Turnier in Serie wird, bereiten sich die Isländer übrigens in Augsburg vor.

Ab in den Süden – Gruezo in der WM-Quali im Einsatz

Während die bisher genannten Spiele alle in Europa stattfinden, steht Carlos Gruezo vor kräftezehrenden Reisen nach Südamerika. Der ecuadorianische Nationalspieler ist in zwei WM-Qualifikationsspielen im Einsatz. Zunächst ist “La Tri” im hoch gelegenen La Paz gegen Bolivien gefordert (12.11.). Mehr als 10.000 Kilometer von Augsburg entfernt. Dann steht noch ein Heimspiel gegen Kolumbien auf dem Programm (17.11.).

Übrigens sind auch zwei Leihspieler des FC Augsburg mit ihren Juniorenmannschaften unterwegs. Für den bei Fortuna Düsseldorf geparkten Kevin Danso geht es in der U21-EM-Quali mit Österreich gegen die Türkei (13.11.) und Andorra (17.11). Neuzugang Frederik Winther, der direkt nach seiner Verpflichtung im Sommer an seinen Verein Lynby BK zurückverliehen wurde, ist erstmals für die dänische U21-Auswahl nominiert worden und könnte im EM-Qualispiel in Rumänien zum Einsatz kommen (17.11.). Fredrik Jensen wurde wegen einer Sprunggelenksverletzung übrigens nicht für die finnische Auswahl nominiert.

Auch um seine Chancen auf die anstehende EM zu wahren, ließ sich Kevin Danso im Sommer nach Düsseldorf verleihen. Dort läuft es sportlich gesehen suboptimal: Maue Punktausbeute und persönliche Patzer. In der österreichischen A-Nationalmannschaft hat der Innenverteidiger momentan keine Chance, darf aber zumindest bei den Junioren ran. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Länderspielreisen während Corona: Sinnvoll?

Nun sind die aufgelisteten Spiele mit Ausnahme Islands und Ecuadors sportlich gesehen ziemlich irrelevant. In Zeiten der Corona-Pandemie bedeuten sie obendrein auch noch ein Risiko für den Verein. Dabei geht es nicht nur um die hohe Belastung sowie Verletzungen, wie jüngst von Finnbogason, sondern auch um die Gesundheit. Während sie bei ihren Nationalmannschaften weilten, wurden im Oktober etwa BVB-Profi Manuel Akanji (Schweiz), die beiden Hoffenheimer Andrej Kramaric (Kroatien) und Kasim Adams (Ghana) sowie Herthas Mattéo Guendouzi (Frankreich U21) positiv auf Covid-19 getestet. Das Unverständnis ist bei einigen Vereinen daher groß, wenn ihre Spieler in Risikogebiete reisen.

Die Abstellungspflicht der Bundesligisten ist von der FIFA aktuell ausgesetzt. Geht es in ein Risikogebiet, haben die Vereine das letzte Wort. Werder Bremen entschied sich daher dazu, ihre Nationalspieler bis auf Jiri Pavlenka und Jean-Manuel Mbom nicht freizugeben. Eine Verordnung der Bremer Gesundheitsbehörde schreibt vor, dass sich Spieler, die aus internationalen Corona-Risikogebieten in die Hansestadt zurückkehren, in eine fünftägige häusliche Quarantäne zu begeben haben. Für Werder würde das bedeuten, dass die entsprechenden Akteure unter Umständen in der Bundesliga fehlen. Ähnlich agiert Arminia Bielefeld, wo vier Profis nicht für die Länderspiele freigestellt werden. Venezuelas FCA-Leihgabe Sergio Cordova wurden die Spiele gegen Brasilien und Chile beispielsweise verweigert. Wie sieht die Situation in Augsburg aus?

Wäre eigentlich in der WM-Qualifikation im Einsatz gewesen, bleibt stattdessen aber in Bielefeld: Sergio Cordova, seit 2017 in Augsburg und aktuell nach Ostwestfalen verliehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

FCA-Profis in Risikogebieten aktiv: Quarantänepflicht entfällt

Bolivien, Dänemark, Ecuador, England, Luxemburg, Österreich, Schweiz, Tschechien, Ungarn – all diese Länder werden vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Vonseiten des Augsburger Gesundheitsamtes heißt es eigentlich: “Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich in häusliche Quarantäne begeben und das für den Wohnort zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.” Die Dauer der Quarantäne kann nach der neuesten Verordnung des Bundes bis zu zehn Tage betragen. Ein Corona-Test darf frühestens am fünften Tag nach der Einreise durchgeführt werden, sodass die Quarantäne verkürzt wird. Strenge Regeln, die das Gastspiel des FC Augsburg in Mönchengladbach entscheidend gefährden können? Oder ist der FCA von dieser Regel ausgenommen?

Auf Anfrage der Rosenau Gazette verweist ein Sprecher des Augsburger Umweltreferats auf eine Sonderregelung, nachzulesen in der etwas sperrig formulierten “Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus” des Freistaats Bayern. Dort heißt es in §2 Absatz 3 Satz 2 Nummer 5 zu etwaigen Ausnahmen: Personen, “die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband (wie beispielsweise dem DFB, d. Red.) zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind”, sind von der Quarantäneverordnung ausgenommen.

Das Spiel des FCA in Gladbach ist also nicht gefährdet. Weil bei Länderspielen aber irgendwie immer Bedenken einer Verletzung und mittlerweile auch einer Corona-Infektion mitschwingen, darf man nur hoffen, dass alle Profis unversehrt in die Fuggerstadt zurückkehren. Wenn sie das mit einem Erfolgserlebnis wie dem ersten A-Länderspiel oder der geglückten EM-Quali tun, umso besser.

Money, Money: “Welche Liga wollen wir?”

“Die DFL füttert ihr fettestes Kind 15 Mal mehr als ihr kleinstes. Für die FAIR-Teilung der TV-Gelder!” Dieses Banner platzierten die Fans von Union Berlin im Heimspiel gegen Mainz gut sichtbar an der Gegengerade. Sie kritisierten damit die Verteilung der Medienerlöse, für die die Deutsche Fußball-Liga (DFL) verantwortlich ist. Auch wir wollen nun einen Blick auf die Ausschüttung der Fernseheinnahmen werfen und stellen wenig überraschend fest: Es muss sich etwas ändern – Ansonsten schaufelt sich die Bundesliga ihr eigenes Grab.

Das “fetteste Kind”, der FC Bayern, kassiert laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung 113 Millionen Euro an TV-Einnahmen, das “kleinste”, Zweitligaaufsteiger Würzburg, etwas mehr als 7,5 Millionen Euro. Das entspricht ziemlich genau einem Fünfzehntel des Bayern-Anteils. Bei diesen Angaben handelt es sich um die Vermarktung der nationalen und internationalen TV-Gelder. Der FC Bayern generiert knapp 40 Prozent seiner DFL-Medienerlöse (42,3 Millionen Euro) durch internationale Vermarktung.

Der FCA profitiert noch immer von 2015

Der FC Augsburg bekam dem Kicker zufolge vergangene Saison 6,8 Millionen Euro aus diesem Topf. Entscheidendes Kriterium ist hier die Qualifikation für Europa. Weil der FCA in den letzten zehn Jahren international vertreten war, gibt es einen Zuschuss von der DFL. Union Berlin hingegen bekommt lediglich einen Solidaritätsbeitrag von 3,4 Millionen Euro. Alle Zweitligisten zusammen erhalten in Summe 6,5 Millionen Euro. Ein ziemlich kleines Stück des Europa-Kuchens.

Die internationale Ausschüttung ist also ganz klar an die Leistungen in Champions League und Europa League gekoppelt. Daraus resultiert zwangsläufig, dass die besseren Klubs mehr Geld bekommen. Geld, mit dem sie sich eher wieder für das internationale Geschäft qualifizieren.

Auch beim Blick auf die nationale Verteilung ist sofort ersichtlich, dass Top-Teams bevorzugt werden. Wie der Kicker (Ausgabe vom 26. Juli) berichtet, erhält der FC Bayern von der DFL 70,64 Millionen Euro und Bundesligaaufsteiger Arminia Bielefeld mit 29,80 Millionen Euro weniger als die Hälfte davon. Der FC Augsburg rangiert im unteren Bundesligamittelfeld und kassiert demnach 42,87 Millionen Euro.

Wie kommt diese Verteilung zustande?

So werden die nationalen TV-Gelder derzeit verteilt (Foto: Screenshot dfl.de)

Das Konzept der DFL fußt auf vier grundlegenden Säulen. Den größten Teil nimmt der Bestand ein, worunter eine klassische Fünf-Jahres-Wertung zu verstehen ist. Die jüngste Saison wird dabei am höchsten gewichtet. Ähnlich sieht es bei der Nachhaltigkeit aus. Hier werden alle Spielzeiten der letzten 20 Jahre in einen Topf geworfen und gleich gewichtet. In der dritten Säule geht es um die Einsatzminuten von U23-Spielern. Sie hat wie Säule 2 aber nahezu keinen Einfluss auf die Endtabelle. Komplizierter gestaltet sich der Bereich Wettbewerb, der knapp ein Viertel des Gesamtbetrages ausmacht. Dieser Bereich wird grundsätzlich gleich ermittelt wie Säule 1, wendet allerdings einen anderen Verteilungsschlüssel an. Es wird mit einem abweichenden Prozentsatz gearbeitet, sodass etwa die ersten sechs Teams denselben Betrag erhalten. Der FC Bayern kassiert hier also nicht mehr als der Sechstplatzierte. Nichtsdestotrotz thront der Rekordmeister natürlich an der Spitze der TV-Tabelle.

Die TV-Tabelle der 1. und 2. Bundesliga

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Die Verteilung der TV-Gelder laut Kicker. (Foto: Screenshot Kicker e-magazine).

Beim Betrachten der Grafik kann man den Verteilungsschlüssel mit viel Wohlwollen nachvollziehen. Nur allzu gerne spricht die DFL hier von einer gesunden Verhältnismäßigkeit im Vergleich zwischen dem Erst- und Letztplatzierten. Die Unterschiede seien letztlich mit sportlichem Abschneiden begründbar. Aber sind sie das wirklich? Eigentlich möchte man ja meinen, dass es schlicht fair ist, dass die Topteams mehr Geld bekommen. Sie haben es sich durch Leistung ja auch verdient. Das stimmt und ist gleichzeitig zu kurz gedacht.

Denn wenn die Großen der Liga mehr Geld einnehmen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch in Zukunft oben mitspielen. Folglich kassieren sie wieder mehr Kohle, nur um erneut zu den besten der Liga zu gehören. Ein Teufelskreis, der dazu führt, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander driftet. Das ist schlicht Fakt, wie im Bundesliga-Report der DFL öffentlich nachzulesen ist: Der durchschnittliche Umsatz der sechs umsatzstärksten Bundesligisten ist 200 Millionen Euro höher als der durchschnittliche Umsatz der sechs darauffolgenden Vereine.

Ist das noch fair?

Das Ungleichgewicht betrifft im Übrigen nicht nur die Bundesligisten, sondern zieht sich wie ein Rattenschwanz ins Unterhaus. Der durchschnittliche Umsatz der sechs umsatzschwächsten Bundesligisten ist 30 Millionen Euro höher als der durchschnittliche Umsatz der sechs umsatzstärksten Vereine der 2. Bundesliga. Dass das maßgeblichen Einfluss auf den sportlichen Wettbewerb hat, ist am Beispiel der Relegation eindrucksvoll ersichtlich. Seit Wiedereinführung der Aufstiegsspiele zwischen dem 16. der 1. und dem 3. der 2. Bundesliga im Jahr 2009 hat sich in zwölf Partien neun Mal der Erstligist durchgesetzt. (Im Jahr 2010 scheiterte der FC Augsburg in der Relegation am 1. FC Nürnberg.) Wenn wie vergangene Saison ein Klub fast den siebenfachen Marktwert des Kontrahenten vorzuweisen hat, ist das kaum verwunderlich.

2020 musste sich der FC Heidenheim nur aufgrund der Auswärtstorregel gegen Werder Bremen geschlagen geben. Der Klub, der über 34 Spiele hinweg absoluten Murks auf den Rasen gestolpert hatte, durfte in der Bundesliga bleiben, während der FCH für eine starke Saison nicht belohnt wurde. (Photo by CARMEN JASPERSEN/AFP via Getty Images)

Ungerecht? Na und?!

Ja mei, dann sollen die anderen Klubs halt besser wirtschaften, möchte der gemeine Münchner entgegnen. Wenn man nur auf den eigenen Verein blickt, wirken solche Aussagen nachvollziehbar. Der FC Bayern hat es sich sportlich absolut verdient, die Nummer Eins im Land zu sein, weil er seit Jahrzehnten fantastische Arbeit leistet. Es wäre daher unfair, den FCB die alleinige Verantwortung für das Ungleichgewicht in der Bundesliga aufzuhalsen.

Mittlerweile ist Fußball-Deutschland aber eben an einem Punkt angelangt, an dem der übermächtige Rekordmeister schlicht nicht mehr zu schlagen ist. Selbst ein 9-Punkte-Rückstand scheint kein Problem zu sein für den amtierenden Triple-Sieger. Die Bundesliga avanciert somit immer mehr zur Langweil-Show. Wie etwa in Frankreich ist der Titel quasi schon vor der Saison vergeben. Wenn man sich die beiden letzten Spielzeiten ansieht, kann man fast befürchten, dass dies bald auch für die internationalen Plätze gilt.

Daher muss sich etwas ändern. Die TV-Gelder müssen anders verteilt werden. Eine spannendere, ausgeglichenere Liga kann doch eigentlich nur im Sinne der DFL sein. Und im Sinne des FC Bayern? Sind die Roten überhaupt noch auf die nationale Konkurrenz angewiesen? Der Begriff European Super League geistert seit geraumer Zeit durch die Säbener Straße.

Interessant und erschreckend zugleich ist, dass bei den 113 Millionen Euro Einnahmen des FC Bayern die großzügigen Zuwendungen der UEFA noch gar nicht mitgerechnet sind. Bis zu 135 Millionen Euro (!) erhält der FC Bayern für den Gewinn der Champions League. Derartige millionenschwere Beihilfen sorgen dafür, dass die Größenverhältnisse in den nationalen Ligen zementiert werden. Der Dauerdominanz steht nichts mehr im Wege.

Nicht nur sportlich ein immens wichtiges Tor: Kingsley Comans Siegtreffer im Champions-League-Finale gegen Paris bescherte dem FC Bayern einen Rekordgewinn. Noch nie kassierte eine Mannschaft in der Königsklasse mehr. (Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Corona als Brandbeschleuniger

Die Corona-Krise erschütterte ganz Fußball-Deutschland und potenzierte die Probleme in einigen Vereinen gewaltig. 13 der 36 deutschen Profiklubs sollen von einer Insolvenz bedroht gewesen sein, als die Saison im Frühjahr unterbrochen war. Fehlende Zuschauereinnahmen, gesunkene TV-Honorare – zwischenzeitlich sah es wohl ziemlich düster aus für so manche Erst- und Zweitligisten.

Das sagt im Grunde genommen zwei Dinge aus: Erstens, viele Vereine lebten offensichtlich jahrelang über ihren Verhältnissen. Im Januar verkündete die DFL stolz einen Rekordumsatz. Mal wieder. Es war der nächste Rekordumsatz nach zuvor bereits 14 Rekordumsätzen. Finanzielle Liquidität sollte also vorhanden sein. Eigentlich. Es kann nicht sein, dass ein ganzes Fußballunternehmen vor dem Ruin stehen soll, nur weil ein paar Wochen nicht gespielt wird. Es scheint also nicht immer die wirtschaftlich intelligenteste Entscheidung getroffen und der Blick mitunter zusehr auf den kurzfristigen Erfolg geworfen worden zu sein. Das ist am Beispiel FC Schalke 04 auf dramatische Art und Weise ersichtlich.

In Augsburg sorgt Corona derweil ebenso für Kopfzerbrechen. Doch dank vernünftigem Wirtschaften steht Rot-Grün-Weiß auch in Pandemiezeiten auf einem vergleichsweise gesunden Fundament.

Die Corona-Krise traf auch den FC Augsburg. Millionenschwere Transfers der Marke Tomas Koubek waren in diesem Sommer nicht drin. Also lotste Manager Stefan Reuter Rafal Gikiewicz, Tobias Strobl und Daniel Caligiuri ablösefrei an den Lech. (Foto: Martin Meissner / POOL / AFP)

Zweitens, Corona fungiert als eine Art Brandbeschleuniger, der die Schere in der 1. und 2. Bundesliga weiter auseinander gehen lässt. Denn es liegt auf der Hand, dass Vereine wie der FC Bayern oder RB Leipzig besser durch die Krise steuern als kleinere Klubs. Beim Branchenprimus in München konnte trotz Corona der Mega-Transfer Leroy Sané eingetütet werden, Leipzigs Hauptsponsor Red Bull stundete den Sachsen mal eben 100 Millionen Euro an Krediten. Somit wurde aus Schulden urplötzlich Eigenkapital. Herzlichen Glückwunsch!

Klein gegen Groß: Ein ungleiches Duell

Die Spitzenteams der Bundesliga werden in den aktuellen Krisenzeiten nicht zugrunde gehen. Womöglich stehen sie aufgrund ihrer vernünftigen Finanzpolitik sogar besser da als die internationale Konkurrenz aus Barcelona oder Turin. Aber den mittelstarken und kleinen Profiklubs wird es immer schwieriger gemacht, langfristig mit “denen da oben” mitzuhalten. An dieser Stelle sei ausdrücklich erwähnt, wie stolz es einen FCA-Fan machen darf, dass der eigene Klub immer noch in der Bundesliga dabei ist. Denn beim Blick auf die letzten Jahre fällt auf, dass es Aufsteiger eigentlich überhaupt nicht leicht haben.

Seit der FC Augsburg 2011 in die Beletage aufgestiegen ist, haben sich viele Vereine daran versucht, langfristig in der 1. Liga Fuß zu fassen. Das ist auch einigen Klubs wie Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, dem SC Freiburg oder RB Leipzig (bei weitem kein klassischer Emporkömmling) gelungen. Gleichzeitig mussten sich aber viele Vereine nach spätestens zwei Spielzeiten wieder verabschieden: Nürnberg, Fürth, Braunschweig, Ingolstadt, Darmstadt, Düsseldorf, Paderborn. Die Liste ist lang. Folgt nun Union Berlin? Ginge es nach den TV-Einnahmen müsste man diese Frage mit einem klaren Ja beantworten, denn dort rangieren die Eisernen auf einem direkten Abstiegsplatz.

Union Berlin ist 2019 in die Bundesliga aufgestiegen – und konnte sich trotz den zweitwenigsten TV-Einnahmen vergangene Saison im Oberhaus halten. Nur der SC Paderborn kassierte weniger. Können die Köpenicker erneut den Branchengepflogenheiten trotzen? (Foto: Adam Berry/Bongarts/Getty Images)

Wie nun hoffentlich klar geworden ist, geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander.

Wie könnte man es nun aber besser machen?

Mitte Oktober wurde bekannt, dass insgesamt 14 Klubs der 1. und 2. Bundesliga auf das DFL-Präsidium zugingen, um für eine ausgewogenere Verteilung der Mediengelder ab der Saison 2021/22 zu plädieren. Neben Mainz, Bielefeld und Stuttgart soll den Vorschlag auch der FC Augsburg unterstützen und ein entsprechendes Papier unterschrieben haben. Es ist stark, dass sich der FCA hier so deutlich positioniert – und das nicht erst seit heute. Bereits im Juni meinte Präsident Klaus Hofmann im FCA-Stadionkurier: “Der Fußball muss sich entscheiden, ob er wieder ein sportlicher Wettbewerb werden will oder einfach nur noch Unterhaltungsindustrie sein möchte. Für Ersteres müssen die Parameter geändert werden.” Die entsprechenden Klubs haben nun Anstoß für ein Umdenken gegeben – nun liegt es an der DFL, sich Gedanken zu machen.

“Der Fußball muss sich entscheiden…” Klaus Hofmann sieht die derzeitigen Entwicklungen äußerst kritisch. (Foto: Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images).

Gleiches Geld für alle?

Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand von Mainz 05 forderte im Sommer, die Medienerlöse komplett einheitlich zu verteilen. Gleiches Geld für alle! Im Kicker (Ausgabe vom 26. Juli) stellte er unmissverständlich klar, dass Erfolge eines Klubs “in ganz großen Teilen auf dem eingesetzten Geld” beruhen. Für Lehmann ist klar: “Die Argumentation Leistungsprinzip ergibt keinen Sinn mehr, weil die Erträge in den UEFA-Wettbewerben enorm gewachsen sind.”

Man kann die Deutsche Fußball-Liga durchaus für die Verteilung der TV-Gelder kritisieren. Angesichts der millionenschweren Beihilfen des europäischen Fußballverbandes sollte die DFL allerdings nicht als alleiniger Sündenbock für das nationale Ungleichgewicht verantwortlich gemacht werden. Im Gegenteil. Die UEFA ließ die Medienerlöse in den letzten Jahren explodieren – höher, schneller, größer, weiter. Wohl auch mit dem Gedanken an eine European Super League versuchte sie, dass die Königsklasse für Topklubs der Marke FC Bayern oder Paris Saint-Germain attraktiv bleibt. Womit wir wieder beim viel zitierten Teufelskreis angelangt sind.

Eine gleiche Verteilung des TV-Gelder könnte diese Entwicklung stoppen, so Lehmann. “Man müsste die Medienerlöse der Bundesliga, national wie international, komplett gleich verteilen und der 2. Liga wieder mehr Geld zur Verfügung stellen. Auch von den Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb sollten die nicht beteiligten Vereine einen Teil erhalten. Das mag bei manchen Klubs als nicht gerecht empfunden werden, die Frage ist nur: Welche Liga wollen wir?” Die Zeit, um eine Antwort zu finden, drängt. 2021 wird die Verteilung der TV-Gelder neu geregelt.