TGIF: Spitzenreiter FC Augsburg?

Die Bundesliga ist zurück – und der FC Augsburg lädt zum Topspiel. Am Samstag (15.30 Uhr) empfängt der FCA RB Leipzig in der WWK Arena zum Duell Zweiter gegen Erster. Leider kann die Partie kurzfristig doch nicht mit Zuschauern stattfinden, da der Corona-Inzidenz-Wert in Augsburg mit knapp 50 zu hoch ist. Binnen kürzester Zeit war das zweite Heimspiel der Saison ausverkauft, nun müssen die laut Hygienkonzept zugelassenen 6.000 Fans zu Hause bleiben. Schade um die treuen Anhänger, doch angesichts steigender Infektionszahlen hatten die Verantwortlichen keine Wahl.

Dass die Unterstützung im Stadion zum entscheidenden Faktor werden kann, hat man gegen Dortmund eindrucksvoll gesehen. Kann die Mannschaft auch ohne Fans zu Höchstleistungen aufsteigen und den großen Favoriten ärgern? Es wäre die nächste Sensation in dieser jungen Bundesligasaison – und womöglich eine historische. Bei einem Sieg gegen die Sachsen winkt dem FCA die erstmalige Tabellenführung. “Wir würden uns nicht wehren”, erklärte Manager Stefan Reuter gegenüber der Augsburger Allgemeinen. “Das übergeordnete Ziel ist es aber, die Klasse zu halten.” Sollte dies frühzeitig gelingen, “sind wir gerne bereit, uns über andere Dinge zu unterhalten.”

Bevor dies so weit sein sollte und die Augsburger Fans zu träumen beginnen dürfen, liegt jedoch noch ein steiniger Weg vor dem FCA, denn “mit sieben Punkten hat noch kein Verein die Klasse gehalten.” Die Aufgabe am Samstag wird schwer, keine Frage. Doch vielleicht kann der FCA ja auch gegen Leipzig überraschen.

Bisher läuft die Saison aus FCA-Sicht überragend. Kann die gute Form auch gegen Leipzig bestätigt werden, winkt die Tabellenführung. (Foto via imago)

Über den Gegner

Die Corona-Krise trifft alle Vereine hart, heißt es immer so schön. RB Leipzig gehört aber gewiss zu den Klubs, die am lockersten durch die Pandemie gehen. Hält mit Red Bull doch ein Sponsor mit prall gefüllten Kassen seine schützende Hand über den polarisierenden Spitzenklub. Das wurde im Sommer einmal mehr deutlich. Red Bull stundete insgesamt 100 Millionen Euro an Krediten, die der Konzern den Leipzigern zuvor gewährt hat. Somit wurde aus Schulden plötzlich Eigenkapital.

“Es ist eine Transaktion, die völlig üblich ist, insbesondere in der freien Wirtschaft, aber auch im Fußballgeschäft und auch in der Bundesliga”, sagte RB-Finanzdirektor Florian Hopp damals der Deutschen Presse-Agentur. Es mag sein, dass Leipzig damit einmal mehr die teils so schwammig formulierten DFL-Statuten umgeht und somit offiziell alles rechtens ist. Im Zuge der Chancengleichheit und Fairness muss der Vorgang jedoch hinterfragt werden. Auch der FCA steht wegen Corona nicht vor dem finanziellen Ruin. Das liegt aber vielmehr an vernünftigem Wirtschaften anstatt jahrelanger Finanzspritzen durch einen Brausekonzern.

Sportlich gesehen machen die Leipziger ihre Sache in den letzten Jahren fantastisch – das darf bei aller Kritik nicht zu kurz kommen. Im Sommer wurde die Mannschaft von Julian Nagelsmann mit dem Champions-League-Halbfinale für jahrelange gute Arbeit belohnt. Im Kader der “Roten Bullen” befinden sich mit Peter Gulacsi, Willi Orban, Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann, Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Marcel Sabitzer eine Menge an Stammspielern, die bereits zu Zweitligazeiten das RB-Trikot trugen. Ergänzt werden diese Spieler jedes Jahr durch teure Neuzugänge wie nun etwa Alexander Sörloth, der für 20 Millionen Euro von Crystal Palace kam. Weil in Österreich ein weiterer RB-Klub spielt, wurde mit Hee-chan Hwang traditionell noch ein Spieler aus Salzburg verpflichtet und alles in allem steht eine qualitativ sehr starke Mannschaft auf dem Platz.

Die Qualität der Sachsen bekam der FCA in der vergangenen Saison zu spüren. 1:3 und 1:2 gingen die beiden Partien verloren. (Foto via Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Fakten zu #FCARBL

Effizient: Kein Team gab in den ersten drei Spielen weniger Torschüsse ab als der FC Augsburg (24). Leipzig hingegen kommt mit 51 Versuchen auf Platz zwei hinter dem FC Bayern. Dennoch haben beide Teams sieben Punkte auf dem Konto.

Lauffreudig: Kein Team spulte bisher mehr Kilometer ab als die Mannschaft von Heiko Herrlich (369,5). Leipzig belegt in dieser Statistik Rang 14 (340,0). Bei den Sprints sowie den intensiven Läufen belegt der FCA jeweils Platz vier.

Stabilität: Nur der FC Augsburg und Leipzig gerieten in dieser Saison noch nicht in Rückstand.

Ungeschlagen: Ex-Augsburger Julian Nagelsmann hat noch nie gegen die Schwaben verloren. In neun Duellen mit Hoffenheim und Leipzig feierte der 33-Jährige bei zwei Remis sieben Siege. Nur gegen Mainz holte er so oft drei Punkte.

Weiße Weste: Der FCA blieb in drei Spielen bereits zwei Mal ohne Gegentor. Ansonsten gelang dies nur Wolfsburg und Dortmund.

Starker Rückhalt: Auch dank Rafal Gikiewicz kassierte der FCA bisher nur einen Gegentreffer (Foto via imago).

Die letzten Begegnungen

27.06.2020: FC Augsburg – RB Leipzig 1:2

21.12.2019: RB Leipzig – FC Augsburg 3:1

02.04.2019: FC Augsburg – RB Leipzig 1:2 n. V. (Pokal)

09.03.2019: RB Leipzig – FC Augsburg 0:0

20.10.2018: FC Augsburg – RB Leipzig 0:0

Presseschau

Heiko Herrlich ist zurück auf dem Platz. Nach überstandenem Lungenkollaps kann der 48-Jährige gegen Leipzig wieder an der Seitenlinie stehen. Vor seinem Comeback sprach er mit dem Kicker über die Zeit im Krankenhaus. Der Coach fühle sich “gut”, muss aber noch ein paar Kleinigkeiten beachten: “Es ist mit den Ärzten besprochen, dass ich wieder voll dabei sein kann. Ich soll aber schauen, dass ich nicht zu häufig schreie.” Seine Mannschaft sollte ihm also eher wenig Gründe liefern, sich aufzuregen.

Herrlich befand sich nie in Lebensgefahr und scheint auch keine Folgeschäden davon getragen zu haben, dennoch klingt die Beschreibung der Krankheit ziemlich drastisch: “Die Untersuchung hat ergeben, dass ein Lungenflügel praktisch nicht mehr da war.” Glücklicherweise ist nun wieder alles in Ordnung und Herrlich kann den FCA wieder zu Siegen coachen.

So emotional und lautstark wie hier in Düsseldorf sollte sich Heiko Herrlich am Samstag wohl besser nicht verhalten. Zumindest wenn es nach seinen Ärzten geht (Foto via Sascha Steinbach/Pool via Getty Images).

Was macht eigentlich Raúl Bobadilla?

Stammspieler, Europapokalheld, Fanliebling: Raúl Bobadilla erlebte vier schöne und ereignisreiche Jahre in Augsburg. In insgesamt 105 Pflichtspielen für Rot-Grün-Weiß gelangen dem kantigen Stürmer 29 Tore und zehn Assists. Den wichtigsten Treffer erzielte er gewiss in der Europa League in Belgrad. Durch seinen Kopfball kurz vor Schluss gewann der FCA mit 3:1 bei Partizan und zog sensationell in die nächste Runde ein – ein Tor, für das ihm ganz Augsburg auf ewig dankbar ist.

In der Saison 2017/18 kehrte der gebürtige Argentinier mit paraguayischen Wurzeln zu seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach zurück. Anders als in seiner ersten Zeit von 2009 bis 2012 wurde Bobadilla jedoch nicht mehr richtig glücklich bei den Fohlen und wechselte daher zu den Argentinos Juniors. Nach einer enttäuschenden Premierensaison wurde der mittlerweile 33-Jährige nach Paraguay zu Guarani verliehen. Dort blühte der Angreifer auf und erzielte zwölf Tore und vier Vorlagen. Diese Entwicklung blieb auch im Nationalverband nicht unbemerkt und so durfte Bobadilla vor wenigen Tagen nach fast fünf Jahren Abstinenz sein Comeback in der Nationalmannschaft Paraguays feiern. Beim 2:2 gegen Peru wurde er in der 63. Minute für den Ex-Ingolstädter Dario Lezcano eingewechselt. Herzlichen Glückwunsch, Boba!

Höhepunkt einer magischen Nacht: Raúl Bobadilla köpft den FCA gegen Partizan Belgrad in die nächste Runde, wo der FC Liverpool wartet. Es war sein insgesamt sechstes Tor im Turnier. (Photo ANDREJ ISAKOVIC/AFP via Getty Images)

Die voraussichtliche Aufstellung

Die Nationalspieler sind wieder zurück, im Vergleich zum Rest des Teams aber womöglich nicht ganz ausgeruht. Carlos Gruezo etwa war noch in der Nacht zum Mittwoch für Ecuador im Einsatz, Fredrik Jensen und Michael Gregoritsch machten drei Spiele in sieben Tagen. Auch Ruben Vargas, Robert Gumny, Tomas Koubek und Alfred Finnbogason waren auf Reisen. Letzterer verletzte sich gegen Dänemark und wurde früh mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt. Gegen Leipzig ist er keine Option.

Dafür könnte jedoch Tobias Strobl in die erste Elf rücken, sodass Gruezo vorerst auf der Bank Platz nimmt. Die Viererkette indes machte ihren Job in den letzten Spielen mehr als ordentlich, sodass hier wohl kaum gewechselt werden dürfte. Spannend bleibt die Position auf den Außen. Caligiuri scheint gesetzt, doch wer bekleidet die andere Flanke? Der wiedererstarkte André Hahn, der seine Verletzung überwundene Marco Richter (mit wiedererstarktem Fokus auf den FCA, obwohl er anderswo den nächsten Schritt machen will) oder Nationalspieler Vargas?

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Strobl – Caligiuri, Gregoritsch, Hahn – Niederlechner

Tipps

Andy: Ich habe diese Saison schon genug gegen den FCA getippt und daneben gelegen. Ich versuche daraus zu lernen. Am Samstag ärgern wir auch die Dosen und gewinnen etwas glücklich aber nicht ganz unverdient mit 2:1. Klar dabei: Florian Niederlechner trifft wieder.

Irina: Im Spitzenspiel gibt es für den FCA vor Geisterkulisse nix zu holen – 1:3 unterliegen wir den Leipzigern, sodass der Blick in der Tabelle wieder etwas nach unten geht.

Andi: 1:1 – RB verzweifelt an Gikiewicz und der FCA nutzt eine seiner wenigen Chancen. Mit der Tabellenführung wird es damit zwar nichts, Rot-Grün-Weiß bleibt aber immer noch ungeschlagen.

Ungeschlagen – unglaublich!

Wer hätte das gedacht? Der FC Augsburg liegt punktgleich mit RB Leipzig und Eintracht Frankfurt auf dem zweiten Platz der Fußball Bundesliga. Lediglich die um zwei Treffer schlechtere Tordifferenz sorgt dafür, dass die erste Tabellenführung der Augsburger Vereinsgeschichte weiterhin Traum statt Realität bleibt. Auch wenn jede(r) in Schwaben das Tableau nach drei Runden realistisch einzuschätzen weiß, freut es doch viele, dass der große Nachbar aus München hinter dem FCA rangiert und der eigene Klub so fulminant in die neue Spielzeit gestartet ist. Nach dem 0:0 in Wolfsburg geht es nun in die Länderspielpause: Akkus aufladen, damit die Form danach bestätigt werden kann.

Dank einer couragierten Leistung bleibt der FC Augsburg auch im dritten Bundesligaspiel ungeschlagen und grüßt von Tabellenplatz zwei. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Gute Besserung, Trainer!

Bevor es nun über das Spiel gehen soll, wollen wir über unseren Cheftrainer sprechen. Heiko Herrlich verpasste wie schon in Frühjahr das Duell gegen die Wölfe. Jetzt hatte dies aber vielmehr ernste statt amüsante Zahnpasta-Gründe. Herrlich liegt seit Freitag im Krankenhaus und erholt sich von einem Lungenkollaps. Seit ein paar Tagen haben die FCA-Fans dahingehend ein neues Fremdwort gelernt: Pneumothorax heißt es in der Medizin.

Schon vor der Abreise nach Niedersachsen versicherte Manager Stefan Reuter unterdessen, die gesundheitliche Situation sei “nicht dramatisch, aber schon so, dass Heiko behandelt werden muss.” Mittlerweile gehe es dem Chefcoach bereits wieder besser und es ist davon auszugehen, dass er schon bald wieder zur Mannschaft stoßen kann. In Wolfsburg wurde der 48-Jährige derweil von Iraklis Metaxas vertreten. Der im Sommer verpflichtete Co-Trainer ist ein alter Weggefährte Herrlichs. Beide kennen sich bereits vom DFB sowie aus Bochum und Leverkusen.

Metaxas bekam für das Wolfsburg-Spiel nun formell die Verantwortung übertragen. Das restliche Trainerteam um Assistent Tobias Zellner sei aber ebenso in die Entscheidungen mit eingebunden gewesen, hieß es. Es bleibt festzuhalten, dass der Einstieg als Bundesligatrainer geglückt ist. Gleichzeitig wünscht die gesamte Gazetten-Redaktion unserem Cheftrainer weiterhin eine erholsame Genesung. Gute Besserung, Heiko!

Ordentliches Debüt: Bei seinem ersten Auftritt als Verantwortlicher an der Seitenlinie holt Iraklis Metaxas einen Punkt in Wolfsburg (Photo via Imago)

Der Blick aufs Spiel

Zugegeben, der VfL Wolfsburg hätte den Sieg mehr verdient gehabt als Rot-Grün-Weiß. Die Niedersachsen investierten mehr, verpassten es allerdings, sich zu belohnen. Dass es am Ende beim torlosen Remis blieb, liegt derweil an mehreren Gründen.

Das nötige Spielglück: Nach etwa 25 Minuten traf Josip Brekalo den FC Augsburg mit seinem platzierten Distanzschuss mitten ins Herz. So ziemlich alle Beteiligten im Lager der Schwaben schienen sich mit dem Gegentreffer abzufinden, niemand reklamierte. Dabei stand Wout Weghorst in der Entstehung des Treffers mit der Achillessehne im Abseits. Das Tor wurde nach Rücksprache mit dem VAR aberkannt und es ging mit dem 0:0 in die Kabinen.

Natürlich war das eine korrekte Entscheidung durch den Köllner Videokeller. Ob der Gegentreffer nicht gefallen wäre, wenn Weghorst die paar Millimeter näher zur eigenen Hälfte gestanden wäre, darf gleichzeitig aber auch bezweifelt werden.

Zum Schluss stellte der FCA das Offensivspiel quasi ein

Die richtigte Taktik: Iraklis Metaxas vertraute der Mannschaft, die so bravourös gegen den BVB gewonnen hatte, wählte jedoch eine andere Taktik. Während sich der FCA gegen Dortmund fast ausschließlich auf die Defensive beschränkte, machte er in Wolfsburg zumindest in der ersten Halbzeit Alarm in der Vorwärtsbewegung. Statt 20 Prozent Ballbesitz wie vorherige Woche erreichte Augsburg am Sonntag phasenweise Werte um die 45 Prozent. Der Offensivdrang wurde mit aussichtsreichen Chancen für Michael Gregoritsch (11.) oder Florian Niederlechner (21., 30.) belohnt.

Darüber hinaus ließ sich der FCA immer wieder tief fallen, um auf Konter zu lauern. Bei Balleroberung durch beispielsweise Carlos Gruezo schaltete die Offensive blitzschnell um und suchte den Weg in die Spitze. Insbesondere Daniel Caligiuri bewies sich dabei als sicherer Passgeber. Seine Bälle in die Tiefe sorgten einige Male für Gefahr.

Im zweiten Abschnitt konzentrierten sich die Schwaben dann aufs Verteidigen. Der VfL wurde stärker, war vermehrt in der Augsburger Hälfte aktiv, kam aber nur selten zwingend vor den Kasten Rafal Gikiewiczs. In Zukunft sollte in diesen Spielphasen allerdings auch die Offensive nicht vergessen werden. Gerade mit eigenem Ballbesitz muss dann etwas Entlastung geschaffen werden. Ansonsten wird es schwierig, dreifach zu punkten.

Längst am Lech angekommen: Daniel Caligiuri avanciert immer mehr zum Königstransfer. Der 32-Jährige ist nach wenigen Wochen in Augsburg unumstrittener Stammspieler. (Photo via Imago)

Ist das der beste Kader, den der FCA je hatte?

Starke Bank: Gegen Wolfsburg wechselte der FCA drei National- sowie einen früheren Champions-League-Spieler ein. Ich kann mich nicht erinnern, dass der FCA jemals eine so starke Bank vorzuweisen hatte. Ruben Vargas, Fredrik Jensen und Alfred Finnbogason sorgten noch einmal für Wirbel in der Offensive. Tobias Strobl stabilisierte das Zentrum. Auch wenn bis auf einen Abschluss nicht viel zu Stande kam, ist es ein großer Luxus, diese Spieler als Joker bringen zu können.

Es bleibt zu hoffen, dass es dem Trainerteam gelingt,weiter ein ausgewogenes Maß zwischen Stammelf und Zufriedenheit im Team aufrechtzuerhalten. Dank der Möglichkeit von fünf Wechseln sollte dies leichter funktionieren. Doch wie lange sich Alfred Finnbogason, Tobias Strobl oder auch Robert Gumny mit der Ersatzbank zufrieden geben, bleibt abzuwarten.

Der starke Kader wird derweil auch dadurch unterstrichen, dass es Marco Richter nicht einmal ins Aufgebot schaffte. Aus Leistungsgründen, wie nach dem Spiel auf der PK erklärt wurde. Eduard Löwen verlässt den FCA nach einem halben Jahr derweil schon wieder. Auch für ihn hatte es bisher noch nicht mal zu einer Kadernominierung gereicht.

Ein starker Keeper: Mit Gikiewicz scheint der FCA das zwei Jahre andauernde Torwartproblem endlich gelöst zu haben. Der Pole war einmal mehr ein starker Rückhalt und sicherte mit überragenden Paraden gegen Weghorst (7.) und Mehmedi (53.) das Remis. Weil auch etwaige Fernschüsse den 32-Jährigen nicht vor allzu große Probleme stellten, sicherten sich Gikiewicz und Augsburg das zweite Spiel ohne Gegentor in Serie.

Ein Gegentor nach drei Bundesligaspielen: Rafal Gikiewicz ist maßgeblich für den gelungenen Auftakt des FCA verantwortlich. (Photo via Imago)

Die Noten zum Spiel

Rafal Gikiewicz ist für uns zweifelsohne der Man of the Match. Positiv herauszuheben ist darüber hinaus Felix Uduokhai, der seine Ablösesumme Woche für Woche rechtfertigt und gegen seinen Ex-Klub Flanke um Flanke wegköpfte. Raphael Framberger, Rani Khedira, André Hahn und Florian Niederlechner machten ihre Aufgabe ordentlich und überzeugten mit Einsatzwillen. Das Quartett offenbarte allerdings auch Unkonzentriertheiten und büßte im zweiten Abschnitt an Form ein. Im Kader gibt es für nahezu jede Position Alternativen. Die Spieler sind also gefordert.

Gikiewicz (1,5) – Framberger (4), Gouweleeuw (3), Uduokhai (2,5), Iago (3) – Khedira (4), Gruezo (3,5) – Caligiuri (3), Gregoritsch (3,5), Hahn (4) – Niederlechner (4)

Einwechselspieler: Vargas (4), Jensen (3,5), Finnbogason (3), Strobl (o.B.), Oxford (o.B.)

Ausblick

Nun geht es mit einem breiten Lächeln in die eigentlich unliebsame Länderspielpause. Insgesamt sieben FCA-Profis sind dabei in den nächsten Tagen mit ihren Nationalteams im Einsatz: Robert Gumny (Polen U21), Michael Gregoritsch (Österreich), Ruben Vargas (Schweiz), Fredrik Jensen (Finnland), Alfred Finnbogason (Island), Tomas Koubek, der für die tschechische Auswahl nachnominiert wurde und auch der eigentlich angeschlagene Carlos Gruezo (Ecuador) .

Nach der Länderspielpause wartet am 17. Oktober ein echtes Brett auf den FC Augsburg. In der bereits mit Corona-Kapazität ausverkauften WWK Arena kommt es zum Topspiel gegen RB Leipzig. Dass die Partie diese Bezeichnung zu Recht trägt, zeigt der Blick auf die Tabelle. Es trifft der 2. auf den 1. – immer noch unglaublich.

TGIF: Ein Schritt in Richtung Normalität

Auftakt gelungen! Dank diszipliniertem Abwehrverhalten und einer gnadenlos effektiven Offensive setzte sich der FC Augsburg am vergangenen Wochenende mit 3:1 gegen Union Berlin durch. Die drei Punkte zum Start waren angesichts der schwierigen nächsten Spiele Gold Wert. Vor dem Duell sprachen wir bereits vom “wichtigsten Saisonstart aller Zeiten“, denn nun warten mit Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen harte Brocken auf die Mannschaft von Heiko Herrlich. Als ersten Härtetest kommt am Samstag (15.30 Uhr) der BVB nach Schwaben.

Dann sind erstmals seit der Corona-Pause auch wieder Fans im Stadion zugelassen. Dafür präsentierte der FCA unter der Woche ein Hygienekonzept, das durchdacht und dem Pandemiegeschehen angebracht wirkt: 6.000 Zuschauer, Mund- und Nasenschutz bis zum Sitzplatz, personalisierte Tickets. Beim Preis zeigt sich der FCA zudem von seiner familiären Seite und verlangt – trotz damit verbundenem Minusgeschäft – für alle Plätze 15 Euro. Eine überragende Aktion des Vereins, die nicht selbstverständlich ist. Das zeigt der Blick in andere Stadien, wo mitunter die regulären Sitzplatzpreise zu bezahlen sind. “Wir möchten dadurch unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden”, sagte Geschäftsführer Michael Ströll.

Leere Ränge, keine Stimmung: Diese traurige Athmosphäre begleitete zuletzt die Spiele des FC Augsburg. Gegen den BVB sind 6.000 Fans zugelassen. Ein Schritt in Richtung Normalität (Foto: Marcel Engelbrecht/firosportphoto/POOL)

Herrlich freut sich derweil auf die Unterstützung der Zuschauer und sagte vor der Partie gegenüber dem Kicker: “Gerade für Mannschaften wie uns ist es extrem wichtig, dass man die Fans im Rücken hat, dass man sie spürt. Das treibt die Mannschaft nach vorne, das pusht sie bei jeder Balleroberung, jedem Zweikampf. Klar, dass das einen Spieler zu Höchstleistungen treibt.”

Die Fakten zu #FCABVB

Effektiv: Der BVB brauchte in der vergangenen Saison gerade einmal fünf Chancen pro Tor – Ligaspitze. Acht Gelegenheiten pro Treffer beim FCA können sich allerdings auch sehen lassen.

Weiße Weste: Etwas überraschend hat nicht der FC Bayern, sondern Borussia Dortmund am häufigsten zu Null gespielt hat – 15-Mal. Der FCA konnte seinen Kasten sieben Mal sauber halten.

Starke Bank: BVB-Coach Lucien Favre wechselte insgesamt zehn Mal ein Tor ein (Ligaweit Platz zwei). Dem FCA gelangen fünf Jokertore.

Wiedersehen: Am Samstag kommt es zum Wiedersehen mit Marwin Hitz. Der Schweizer stand von 2013 bis 2018 im Kasten der Schwaben. Auf der Gegenseite war Julian Schieber drei Jahre für den BVB aktiv. Beide werden am Samstag aber relativ sicher nicht zum Einsatz kommen.

Über den Gegner

Kann der BVB diesmal die Bayern ärgern und ein Wörtchen im Meisterschaftskampf mitreden? Vermutlich eher nicht. Das liegt aber vielmehr an der krassen Übermacht der Roten als der schwarz-gelben-Kaderstärke. Denn der BVB hat es in dieser Spielzeit wieder einmal geschafft, ein starkes Team zusammenzustellen. Jadon Sancho konnte trotz Millionenangebot aus Manchester gehalten, Thomas Meunier ablösefrei aus Paris geholt werden. Hinzu kommen einmal mehr hungrige Talente wie Reinier (18), Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (17) und vermutlich bald auch schon Youssoufa Moukoko (15). Sancho und Winter-Neuzugang Erling Haaland sind ebenso gerade einmal 20 Jahre alt.

Apropos Haaland: Das norwegische Wunderkind steuerte für den BVB in 20 Einsätzen bisher 18 Tore und drei Vorlagen bei. Beim 3:5-Spekakel im Januar wurde Haaland beim Stand von 3:1 für den FCA eingewechselt – wenig später folgte ein Dreierpack. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Nationalspieler mit dieser Quote zufrieden ist, wie er unter der Woche den Ruhr Nachrichten sagte: “Ich hätte locker-leicht mehr als 50 Tore schießen können. Das soll nicht überheblich klingen, das ist vielmehr einfach gut so, denn das zeigt mir, dass das Potenzial dazu vorhanden ist.” Der ganze FC Augsburg erzielte in der abgelaufenen Saison übrigens 45 Treffer.

Es bleibt spannend, wie sich diese junge Mannschaft entwickelt. In den entscheidenden Spielen (im Pokal in Bremen, in der Champions-League in Paris) konnte der BVB dem Druck oft nicht wirklich standhalten. Darüber hinaus tat sich die Mannschaft von Lucien Favre auch immer wieder schwer, wenn es gegen den FCA ging.

Einstand nach Maß: Erling Haaland wurde gegen den FCA in der 56. Minute eingewechselt und trug sich drei Minuten später schon in die Torschützenliste ein. Bitter für Augsburg: Es folgten zwei weitere Treffer und der FCA verlor trotz 3:1-Führung mit 3:5. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Die letzten Begegnungen

18.01.2020: FC Augsburg – Borussia Dortmund 3:5

17.08.2019: Borussia Dortmund – FC Augsburg 5:1

01.03.2019: FC Augsburg – Borussia Dortmund 2:1

06.10.2018: Borussia Dortmund – FC Augsburg 4:3

26.02.2018: Borussia Dortmund – FC Augsburg 1:1

Presseschau

Weil es in dieser Woche ziemlich ruhig rund um den FC Augsburg war, wollen wir nach Mainz blicken, wo es vor dem Heimspiel gegen Stuttgart zu einer neuen Eskalationsstufe in der Fußball-Bundesliga gekommen ist. Am Mittwoch boykottierten die Profis der Nullfünfer das Training – aus Solidarität mit Mitspieler Adam Szalai. Dem war zuvor nahegelegt worden, sich einen neuen Verein zu suchen. Zwei Wochen zuvor im Pokal markierte der Ungar noch das wichtige 2:1 gegen Havelse.

Jetzt wird der Stürmer aber offenbar nicht mehr gebraucht und soll sich in der U23 fit halten. Über die Gründe der Degradierung wurde in den Sportmedien des Landes heftig spekuliert. Während Mainz-Vorstand Rouven Schröder und Coach Achim Beierlorzer auf der Pressekonferenz beteuerten, es handle sich um eine rein sportliche Entscheidung, schrieb die Bild von Differenzen in puncto Gehaltsverzicht und der Kicker (Donnerstagsausgabe) von einem heftigen Streit zwischen Szalai und Beierlorzer. So oder so, dem FCA kann es eigentlich nur recht sein, wenn es bei einem direkten Konkurrenten kriselt.

Was macht eigentlich Milan Petrzela?

Milan Petrzela wechselte im Juli 2012 von Viktoria Pilsen in die Fuggerstadt. Kurz zuvor war der Mittelfeldspieler für die tschechische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Einsatz und kam dementsprechend mit durchaus großen Erwartungen nach Augsburg, wo der damals 29-Jährige einen Vertrag bis 2015 unterschrieb. Nach 13 enttäuschenden Einsätzen für Rot-Grün-Weiß löste der FCA den Kontrakt nach einer Saison jedoch wieder auf und Petrzela kehrte nach Tschechien zurück. Seit 2019 spielt der Offensivmann nun für den 1. FC Slovacko, wo er auch noch mit 37 Jahren Stammspieler ist. In der abgelaufenen Saison stand er für den 9. der Fortuna Liga 30-mal auf dem Platz. Dabei gelangen dem zweifachen Familienvater fünf Tore und drei Assists.

Die voraussichtliche Aufstellung

Wenig spricht dagegen, dass Herrlich seine erste Elf im Vergleich zum Union-Spiel großartig ändern wird. In der Defensive scheint Neuzugang Robert Gumny etwas schneller zu sein als Raphael Framberger und damit eventuell eine Option gegen die brachial temporeiche Offensive des BVB. Gegen die technisch starken Dortmunder ist aber vermutlich gerade ein Kämpfertyp der Marke Frambo das richtige Gegenmittel, sodass wir das Augsburger Eigengewächs in der Startelf erwarten. Im Angriff scheint ein Stürmer mit einem Zehner dahinter die richtige Taktik. Denn Michael Gregoritsch hat seine Sache gegen Berlin sehr ordentlich gemacht und war vor allem in der Rückwärtsbewegung ein wichtiger Faktor. Gegen den Vizemeister werden die Defensivqualitäten des Österreichers umso mehr gefordert sein.

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Gruezo, Khedira – Caligiuri, Gregoritsch, Vargas – Niederlechner

Zurück in alter Form? Nach einer starken Vorbereitung könnte Michael Gregoritsch in dieser Saison eine ziemlich wichtige Rolle einnehmen. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Tipps

Andy: 1:2 – Der FCA kann es lange spannend halten, bevor der BVB kurz vor Schluss das entscheidende Tor macht.

Irina: 1:3 – Haaland erwischt erneut einen Sahnetag und zeigt dem FCA die Grenzen auf. Augsburg muss seine Punkte anderswo holen.

Andi: 1:3 – Haaland, Sancho & Co. sind dann doch eine Nummer zu groß für den FCA. Abhaken und nächste Woche in Wolfsburg punkten.

TGIF: Der wichtigste Saisonstart aller Zeiten?

Start geglückt! Mit einem souveränen, ungefährdeten 7:0-Pokalsieg gegen den Fünftligisten MTV Eintracht Celle hat der FC Augsburg die neue Spielzeit eingeleitet. Ohne das ungleiche Duell überbewerten zu wollen, war es doch wichtig, dass die Mannschaft von Heiko Herrlich die Saison 2020/21 ordentlich beginnt. Am Samstag (15.30 Uhr) wird es merklich schwieriger, wenn Rot-Grün-Weiß in Berlin gefordet ist. Nun ist der FCA traditionell ziemlich schwach am 1. Spieltag, in der Bundesliga gab es neben einem 2:2 gegen Freiburg (Saison 11/12) und einem 2:1-Sieg in Düsseldorf (18/19) ausnahmslos Niederlagen zum Start.

Gegen Union Berlin sollte eine Niederlage tunlichst vermieden werden, denn in den nächsten vier Spielen warten mit Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen andere Kaliber. Herrlich wäre es zu wünschen, wenn er mit einem Erfolgserlebnis starten würde.

In den beiden Duellen der letzten Saison hatte Union die Nase vorn. Auf das 1:1 in Augsburg folgte ein 2:0-Sieg für Berlin an der Alten Försterei. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Fakten zu #FCUFCA

Standardstärke: Am Samstag sollte der FCA möglichst wenig gegnerische Standards zulassen. Denn nahezu keine Mannschaft steht bei Ecken und Freistößen für mehr Gefahr als Union Berlin. Die Köppenicker haben den ruhenden Ball derart perfektioniert, dass fast die Hälfte ihrer Tore auf diese Weise zustande kommen. In der Saison 2019/20 waren es 20 von 41, beim FCA übrigens 11/46.

Ecken-Kontrast: In der abgelaufenen Saison brauchte Eisern Union dementsprechend auch wenige Standards für Tore. Alle 12 Ecken zappelte der Ball im gegnerischen Tor – Ligaspitze. Der FCA belegt in dieser Rangliste den letzten Platz. Alle 64 Ecken gibt es ein Tor für Rot-Grün-Weiß.

Fehlpass-Festival: Die Passquote ist bei beiden Teams miserabel und eigentlich auch nicht erstligatauglich. 76 (Union) beziehungsweise 75 Prozent (Augsburg) bedeuten die schlechtesten Werte der Liga. Heiko Herrlich scheint dies erkannt zu haben und legte in der Vorbereitung vermehrt den Fokus auf Ballstaffetten.

Ballbesitz, nein danke: In puncto Ballbesitz sieht es ebenfalls düster aus. 42 Prozent bei Union bedeuten Rang 17, gruselige 38 Prozent beim FCA folgerichtig den letzten Platz. Auch hier kann Heiko Herrlich beim FCA eventuell für einen kleinen Umschwung sorgen, nun da er die Mannschaft von Saisonbeginn an betreut.

Über den Gegner

Als FCA-Fan konnte man sich nur allzu gut in die Lage der Berliner Anhänger hineinversetzen: “Ihr steigt doch eh ab!” Für viele Fußballexperten war die Ausgangslage vor der Saison klar und Union quasi schon als Absteiger besiegelt. Bekanntlich kam alles anders und die Mannschaft von Trainer Urs Fischer landete vor dem FC Ausgburg auf einem starken 11. Platz. Union hat es allen gezeigt – und dabei obendrein viel Freude gemacht.

Nun gehen die Hauptstädter also ins viel zitierte “verflixte zweite Bundesligajahr.” Kann Eisern Union eine ähnlich starke Saison hinlegen und abermals die Klasse sichern? Viel wird dabei wohl von den eigenen Fans abhängen. Kein Klub ist wohl so auf die Unterstützung im Stadion angewiesen wie der FCU. Die für diesen Famililienverein so wichtigen, traditionsbewussten Anhänger fehlten nach der Corona-Pause und vielleicht auch deshalb gab es in den ersten fünf Spielen nach dem Neustart keinen Sieg. Gegen den FCA sind nach den bestehenden Corona-Regeln 4.300 Zuschauer an der Alten Försterei gestattet.

Am Samstag kommt es unterdessen zu einem doppelten Wiedersehen. Andreas Luthe tauschte im Sommer mit Rafal Gikiewicz die Seiten und hütet nun für Berlin den Kasten. Ihr Pflichtspieldebüt ist indes beiden geglückt, wenn auch vollkommen unterschiedlich. Beim Augsburger 7:0 gegen Celle bekam Gikiewicz äußerst wenig zu tun, während Luthe mit Berlin beim Karslruher SC schon mehr gefordert war. Erst in der Verlängerung sicherte sich die Fischer-Elf mit einem 0:1 den Einzug in die zweite Runde. Im Pokal noch nicht mit dabei, aber gegen den FCA eventuell eine Option ist Star-Neuzugang Max Kruse. Der ehemalige Nationalspieler laborierte in der Vorbereitung an einer Knöchelverletzung. Einen Kaderplatz gegen die Schwaben “schließe ich aber nicht aus”, meinte Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Ob Max Kruse dann immer noch die Klasse hat Sebastian Andersson zu ersetzen, wird sich bei den Eisernen zeigen. Der Schwede war mit 12 Toren und 3 Vorlagen in der letzten Saison bei weitem Unions bester und effektivster Offensivspieler. Seit kurzem spielt er nun für den 1. FC Köln. Er wird in Berlin in jedem Fall eine Lücke hinterlassen.

Neues Abenteuer am Lech. Rafal Gikiewicz hat beim FCA einen Vertrag bis 2022 unterschrieben (Foto: xemx via imago).

Presseschau

Das Ende der Vorbereitung ist immer auch die Zeit für diverse Saisonprognosen. Beim Blick auf die hiesigen Predictions fällt auf, dass der FCA für viele schwer einzuschätzen ist. Das soll nun an der Prognose von OneFootball deutlich werden.

So wurde der FCA bei der Überraschung der Saison von fünf der insgesamt neun Protagonisten genannt. Im Gegenzug bekam Heiko Herrlich allerdings auch zwei Stimmen bei der Kategorie “erste Trainerentlassung” und einen bei den Abstiegsrängen – der FCA scheint für viele eine Wundertüte zu sein.

Beim Rasenfunk hat man da vielleicht etwas genauer hingeschaut. Die Experten tippen den FCA alle ins solide Mittelfeld. Die Hörerschaft sieht uns allerdings auf einem Abstiegsplatz. Beste Voraussetzungen also, um mal wieder viele zu überraschen.

Was macht eigentlich Tim Matavz?

Kaum ein Spieler kam mit mehr Vorschusslorbeeren nach Augsburg als Tim Matavz. 2014 wechselte der slowenische Nationalspieler für 4 Millionen Euro von der PSV Eindhoven nach Schwaben und avancierte prompt zum Rekordtransfer des FCA. Zuvor hatte der Stürmer für PSV, Vitesse Arnheim und den FC Groningen in 293 Spielen respektable 131 Treffer erzielt. Doch beim FCA funktionierte er nicht wirklich – drei Tore in 34 Spielen standen für Matavz zu Buche. Nach drei Jahren FCA und zwei Leih-Stationen in Genua und Nürnberg zog es den Slowenen zurück nach Arnheim. In diesem Sommer wechselte der mittlerweile 31-Jährige dann von den Niederlanden in die Vereinigten Arabischen Emirate und geht mittlerweile für Al-Wahda FC Abu Dhabi auf Torejagd.

Aber an sich waren das ja noch schöne Zeiten, als Spieler von der PSV Eindhoven zu uns kamen wegen der sportlichen Perspektiven und nicht anders herum. Viele Grüße an dieser Stelle an Philipp Max.

Unglückliches Gastspiel in der Fuggerstadt. Die hohen Erwartungen an seine Person konnte Tim Matavz nie erfüllen. (Photo CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die voraussichtliche Aufstellung

Es ist davon auszugehen, dass Heiko Herrlich seine Mannschaft nicht allzu sehr verändert. Spannendste Frage bleibt das gewählte System – Gregoritsch oder Finnbogason? Zehner oder Doppelspitze? Gegen die Dreier- beziehungsweise Fünferkette der Berliner vermuten wir eher letzeres, sodass der hoffentlich wieder zu alter Form zurückfindende Gregoritsch wohl als Joker kommen wird. Der FCA ist in der Vorbereitung weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben, sodass sich dem Coach zusätzliche Alternativen durch Robert Gumny, Tobias Strobl oder die im Pokal überzeugenden André Hahn und Fredrik Jensen bieten. Auch Marco Richter scheint nach seiner Blessur eine Option sein. Insgesamt steht eine Elf, mit der man absolut gegen Union gewinnen kann. Wir sind heiß!

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Gruezo – Caligiuri, Vargas – Finnbogason, Niederlechner

Ging verletzungsfrei und motiviert durch die Vorbereitung. Iago hat aktuell seinen Platz als Linksverteidiger sicher (Foto: xemx via imago).

Tipps

Andy: 0:0 – beide Teams finden offensiv keine Lösungen und auch die Berliner Fans machen keinen Unterschied.

Irina: Taktisch intensiv geführte Partie mit einem späten Augsburger Tor, das zum ersten Sieg der neuen Bundesligasaison reichen sollte.

Andi: Gikiewicz gewinnt das intere Keeper-Duell mit Luthe und hält seinen Kasten sauber. Der FCA gewinnt mit 2:0, Vargas und Finnbogason treffen.

TGIF: Celler Pokalheld Felix Krüger im Interview

Es geht wieder los! Am Samstag startet der FC Augsburg gegen den MTV Eintracht Celle in die neue Saison. Wenn der Pokalgegner des FCA fest steht, checke ich normalerweise direkt Google Maps: Wie komme ich am besten nach Celle? Da in Pandemie-Zeiten aber vieles anders ist, fällt die Reiseplanung diesmal flach. Die Partie wird ohne Zuschauer ausgetragen und steigt auch nicht in der Lüneburger Heide sondern in der Fuggerstadt. Wie viele andere Amateurklubs hat auch der MTV das Heimrecht getauscht. Zu groß wären die finanziellen wie organisatorischen Hürden gewesen, das Spiel im heimischen Eintracht Sportpark auszutragen.

Die Vorschau auf #FCAMTV – bitte nicht wie letztes Jahr

Bundesliga gegen Oberliga. Profis gegen Amataeure. Die Ausgangslage für den FCA ist klar. Alles andere als ein Weiterkommen wäre ein Desaster. Dementsprechend schärfte Coach Heiko Herrlich unter der Woche auch die Sinne und stellte klar, es gehe um “Leben oder Sterben.” Martialisch soll es am Samstag in der WWK Arena indes nicht werden, doch “wir wollen diese Hürde nehmen und anders als vergangene Saison einen guten Start hinlegen.”

2019 scheiterten die Schwaben am damaligen Viertligisten SC Verl. Mit einer Viererkette bestehend aus Georg Teigl, Tim Rieder, Marek Suchy und Mads Pedersen verabschiedete sich der FCA nach einer 1:2-Niederlage früh aus dem Wettbewerb. In dieser Saison soll vieles besser werden. Vielleicht gelingt der Mannschaft ja eine furiose Pokalsaison wie 2009/10 oder 2018/19 als es bis ins Halb- beziehungsweise Viertelfinale ging. Träumen darf erlaubt sein. Doch dafür muss nun erst einmal Celle besiegt werden.

Durch ein denkbar unglückliches Eigentor von Marek Suchy liegt der FCA gegen Verl früh zurück. Zur Halbzeit führt der Regionalligist dann sogar mit 2:0. Der Anschlusstreffer durch André Hahn in der 83. Minute kommt zu spät und Rot-Grün-Weiß verabschiedet sich aus dem DFB-Pokal. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Über den Gegner

Der MTV Eintracht Celle entstand in der heutigen Form im Jahr 2005 aus der Fusion zwischen dem Männer-Turn-Verein Celle von 1847 und Eintracht Celle von 1910. Nachdem der Klub in der siebtklassigen Bezirksliga gestartet und zwischenzeitlich in die Kreisliga abgestiegen war, spielt er aktuell in der fünftklassigen Oberliga. In der coronabedingt abgebrochenen Saison 2019/20 belegten die Celler Platz 7 von 18.

Im Niedersachsenpokal der Amateure (es gibt einen Wettbewerb für 3. Liga + Regionalliga und einen ab Oberliga) machte es der MTV jeweils spannend. Gegen den TSV Krä/Kalt zitterte sich Celle mit 6:5 im Elfmeterschießen ins Viertelfinale, wo es dann ein 5:4-Torfestival gegen den VfV Hildesheim gab. Nach einem 3:2-Sieg im Halbfinale gegen Hagen/Uthlede stand die Mannschaft von Trainer Hilger von Elmendorff im Landespokalfinale.

Celler Pokalheld Felix Krüger im Interview: : “Das entscheidende Tor kann auch unser Physiotherapeut machen”

Im Kampf um das DFB-Pokal-Ticket sah es gegen den MTV Gifhorn lange schlecht aus, die Celler lagen mit 1:2 zurück. 25 Minuten vor Schluss kam 1,99-Meter-Kante Felix Krüger ins Spiel, drehte die Partie mit einem Doppelpack zu Gunsten der Eintracht und sicherte seinem Klub damit die erste DFB-Pokalteilnahme der Vereinsgeschichte. Zehn Tage vor dem größten Spiel seiner Karriere haben wir mit ihm gesprochen. Am Telefon wirkt der 27-jährige Stürmer sympatisch und locker: Celle hat Bock auf den FCA!

Herr Krüger, das Pokalspiel rückt immer näher. Können Sie überhaupt noch an etwas anderes denken?

Tatsächlich muss ich noch an etwas anderes denken, weil ich wie alle im Verein noch berufstätig bin. Sonderurlaub wegen einem Pokalspiel gibt es da nicht (lacht). Aber klar, das Spiel ist natürlich jeden Tag in unseren Köpfen. Eine Woche vor dem Pokalduell steht der Oberligastart an (2:2 gegen den Heeslinger SC, d. Red.). Für den Trainer ist es relativ schwierig, uns darauf zu fokussieren, weil wir alle schon den FC Augsburg im Hinterkopf haben. Aber wir haben ein, zwei erfahrene Spieler mit dabei, die den Coach da unterstützen und die Jungen etwas drosseln werden.

Die Oberliga Niedersachsen wurde coronabedingt abgebrochen. Wie ging der MTV durch diese Zeit?

Also von heute auf morgen ging – wie in ganz Deutschland – relativ schnell überhaupt nichts mehr. Wir haben uns dann strikt an die Vorgaben des Landes Niedersachsen gehalten und dementsprechend erst einmal gar nicht trainiert. Nach ein paar Wochen Stillstand konnten wir dann zumindest in Kleingruppen auf dem Platz stehen, um dann wiederum später ins normale Mannschaftstraining einzusteigen. Da ging es dann zu Beginn hauptsächlich darum, die Mannschaft zusammen zuhalten und einfach wieder einen Ball am Fuß zu haben. Das ist unser Hobby, das brauchen und wollen wir, denn wenn wir das nicht dürfen, haben wir alle schlechte Laune.

Wie sieht die konkrete Vorbereitung auf den FC Augsburg aus?

Es kommt nicht so oft vor, dass wir als Oberligist gegen Vollprofis spielen. Jeder einzelne Spieler, der beim FC Augsburg auflaufen wird, wird seinem Gegenpart überlegen sein. In paar Wochen kann man das Defizit zu einem Bundesligateam auch nicht ausgleichen. Deshalb müssen wir versuchen, in den Tagen vor dem Spiel das aufzuarbeiten, was kurzfristig möglich ist. Da geht es um ein, zwei taktische Modelle und insbesondere um Spritzigkeit. Wir werden versuchen, viel zu trainieren, um uns als Mannschaft kompakt auf das Spiel einzustellen. Im Endeffekt geht es aber auch darum, Spaß zu haben. Unser Trainer ist ein erfahrener Mann und wird uns bestens vorbereiten, auch wenn er noch nicht im DFB-Pokal gespielt hat.

Dafür hat Ihr Vater schon Pokalerfahrung. 1984 erreichte er als Keeper des TSV Friesen/Hänigsen sogar die 2. Pokalrunde, wo der große FC Bayern mit Klaus Augenthaler, Lothar Matthäus & Co. wartete. Hätten Sie sich ein ähnliches Kaliber als Gegner gewünscht oder sind Sie zufrieden mit dem Los?

Klar träumt man immer ein bisschen davon, den FC Bayern oder Borussia Dortmund als Gegner zu bekommen, aber ich finde das Los FC Augsburg ziemlich interessant. Das ist eine Bundesligamannschaft, die sich seit Jahren gefestigt hat. Es ist ein echt cooles Los und wir können uns da definitiv nicht beschweren. Wenn man uns vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir als kleiner Oberligist zu einem Pflichtspiel zum FC Augsburg fahren, hätten einen alle ausgelacht.

Auch dank Ihnen ist dieses Duell nun möglich. Wie haben Sie Ihren Doppelpack und den Landespokalsieg gegen Gifhorn gefeiert?

Wir haben schon ein bisschen gefeiert (lacht). Wir hatten nichts geplant, hatten nach dem Spiel dann erst eine gute Zeit auf dem Platz, dann in der Kabine und sind danach vom Finalspielort Hannover nach Celle zum Vereinsheim gefahren. Dort wurde wir empfangen von Fans, Unterstützern und auch Spielern von anderen unterklassigeren Vereinen. Abends sind wir dann noch durch die ein oder andere Bar in der Innenstadt gezogen. In diesem Fall muss man einfach den Moment genießen und dafür haben auch alle im Verein Verständnis gehabt.

Absolut, auch noch einmal Gratulation an dieser Stelle. Wie war der Pokaltitel für Sie persönlich.

Vielen Dank! Das ist ein absoluter Traum, der in Erfüllung geht. Ich habe vor vier Jahren schon eimal in Celle gespielt und hatte dort eine sehr erfolgreiche Zeit, habe dann aber den Sprung in die Regionalliga gewagt (zum TSV Havelse, d. Red.). Dass ich jetzt wieder da bin, bei dem Verein spielen darf, dem ich ohnehin sehr viel zu verdanken habe und dann auch noch mit dafür sorgen kann, dass wir im DFB-Pokal spielen, ist super cool.

Das Pokalspiel scheint zur richtigen Zeit zu kommen, Sie waren zuvor ja sehr lange verletzt.

Ich hatte die letzten drei Jahre einen Syndesmosebandriss, einen Kreuzbandriss und eine Schambeinentzündung. Mein Platz war in dieser Zeit eher auf dem OP-Tisch und in der Rehapraxis statt auf dem Fußballplatz. Der Kreuzbandriss ist relativ schnell verheilt, sodass ich zwischenzeitlich auch wieder kicken konnte. Aber diese Schambeinentzündung war schrecklich, weil generell eigentlich niemand weiß, was dagegen hilft.

Nun ist es so, dass sich der FC Augsburg in der 1. Pokalrunde gerne etwas schwertut. Warum setzt sich am Samstag der MTV Eintracht Celle durch?

Ja, das wissen wir (lacht). Es ist ein Fußballspiel, in das wir als krasser Außenseiter gehen, aber nichts zu verlieren haben. Wir wollen uns so gut wie möglich verkaufen und mit etwas Glück, ganz viel Disziplin und einem Tag, an dem jeder über sich hinauswächst, besteht eine kleine Chance, das Spiel zu gewinnnen.

Was wäre Ihr Wunschergebnis?

1:0 Celle, Tor kurz vor Schluss.

Torschütze Felix Krüger?

Wenn es so wäre, würde ich es natürlich gerne mitnehmen, aber im Endeffekt kann auch unser Physiotherapeut das Ding machen.

Presseschau

Mitte der Woche überraschten Meldungen aus Köln, wonach der FC ein Angebot für Marco Richter abgegeben haben soll. Wie der Kicker (Donnerstagsausgabe) berichtet, liegt die angebotene Summe der Domstädter allerdings weit unter den Vorstellungen von Stefan Reuter & Co. So oder so, warum sollte das Augsburger Eigengewächs überhaupt wechseln? Und, bei allem Respekt, warum zum 1. FC Köln? Ebenso vage erscheinen Gerüchte aus Italien, wonach sich Lazio Rom mit Jeffrey Gouweeleeuw beschäftigen soll. Wir gehen davon aus, dass beide in dieser Saison eine tragende Rolle spielen werden – in Rot-Grün-Weiß.

Derweil verlässt Georg Teigl den FC Augsburg und wechselt in seine Heimat zu Austria Wien. Die Gazetten-Redaktion bedankt sich für dreieinhalb Jahre FCA und wünscht alles Gute für die sportliche wie private Zukunft. Machs gut, Schorsch!

Was macht eigentlich Albian Ajeti?

36 Profiminuten hat Albian Ajeti für den FC Augsburg gespielt. Im März 2016 wurde der Schweizer beim 2:2 in Darmstadt eingewechselt. Trainer war damals noch Markus Weinzierl. Zwei Monate zuvor wurde der damals 18-jährige Mittelstürmer vom FC Basel verpflichtet. Leider kamen in seiner Premierensaison nur noch sechs weitere U23-Einsätze (zwei Tore) hinzu, bei den Profis spielte Ajeti nie eine Rolle. Also verlieh ihn der FCA zum FC St. Gallen in seine Heimat, wo der Rechtsfuß aufblühte und in 38 Spielen 14 Tore und fünf Vorlagen beisteuerte. Beim FCA traute man dem Youngster aber wohl nicht zu, sich gegen Alfred Finnbogason, Raul Bobadilla und später Michael Gregoritsch durchzusetzen.

Also blieb Ajeti in der Schweiz und wechselte zu seinem Jugendklub, dem FC Basel. Nach zwei erfolgreichen Jahren, in denen er sein Nationalmannschaftsdebüt feierte, zog es ihn in die Premier League zu West Ham United. Weil der mittlerweile 23-Jährige bei den Hammers nur Ergänzungsspieler war, schlug im August Celtic Glasgow zu und verpflichtete Ajeti für etwa 5,5 Millionen Euro. Sein Start in Schottland verlief bisher mehr als stark: In den ersten beiden Ligaspielen konnte der Offensivmann jeweils treffen. In der Länderspielpause war Ajeti unterdessen für die Schweiz im Einsatz. Gegen die Ukraine wurde der Ex-Augsburger eingewechselt. Für Ruben Vargas.

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Tipps

Andy: 2:0 für den FCA. Mühevoll in der Offensive, defensiv nie gefährdet. Alles in allem ein langweiliger Nachmittag vor leeren Rängen.

Irina: In der 1. Runde gibt es ein 4:1 für den FCA. Lange wackelig, spät wirds deutlich für die Augsburger. Den Ehrentreffer für Celle markiert Felix Krüger.

Andi: 3:1. Der FCA führt 2:0 bis Felix Krüger eingewechselt wird und es noch einmal spannend macht. Die Herrlich-Elf fängt sich und entscheidet die Partie per Elfmeter. Egal, Hauptsache nächste Runde!

Kaderanalyse Verteidigung

5:1 in Dortmund, 5:1 in Mönchengladbach, 5:3 gegen Dortmund, 5:0 in Frankfurt – der FC Augsburg musste in der abgelaufenen Saison viele Gegentore schlucken. Zumindest unter Martin Schmidt. Unter dem mittlerweile Ex-Trainer kassierte der FCA durchschnittlich 2,2 Gegentore pro Partie. Unter Neu-Coach Heiko Herrlich sind es bisher 1,2. In seinen wenigen Spielen schaffte es der frühere Nationalspieler, die Defensive entscheidend zu stabilisieren. Diese Verbesserung mag zwar bisweilen auf einen starken Andreas Luthe zurückzuführen sein, begründet sich aber auch in der deutlich verbesserten Zweikampfquote. Nach dem Trainerwechsel wirkte die Mannschaft etwas bissiger als davor. Nun gilt es, diesen positiven Trend zu bestätigen. Fünf Gegentore in bisher 570 Testspielminuten (gegen Türkgücü wurde 120 Minuten gekickt) sind dahingehend ein ordentlicher Anfang. Dennoch könnte der FCA noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen, wie Teil zwei unserer Kaderanalyse zeigt.

Rechtsverteidigung: Der Konkurrenzkampf ist eröffnet

Herzlich willkommen in Augsburg, Robert Gumny. Der 22-jähirge Rechtsverteidiger kommt vom polnischen Erstligisten Lech Posen zum FCA und soll den Konkurrenzkampf in der Defensive verstärken. Ein Transfer, der bitter notwendig war. Nach Stephan Lichtsteiners Karriereende war Eigengewächs Raphael Framberger quasi der einzige echte Rechtsverteidiger im Kader. Georg Teigl soll sich einen neuen Verein suchen, Jugendspieler Simon Asta vorerst nach seinem Kreuzbandriss bei der U23 Spielpraxis sammeln.

In Augsburg geboren und seit 2004 beim FCA: Raphael Framberger steht sinnbildlich für das Ziel der vereinsführung, Nachwuchsspieler im Profikader zu etablieren. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Framberger hat sich in den letzten Jahren zu einem soliden Bundesligaspieler entwickelt, ist aber leider nach wie vor sehr verletzungsanfällig. Daher brauchte es einen zweiten Spieler auf dieser Position. Mit Gumny bekommt der FCA einen “jungen und sehr talentierten Rechtsverteidiger”, wie Manager Stefan Reuter in einer Mitteilung zitiert wird. In 97 Einsätzen für Posen gelangen dem Rechtsfuß, der in Augsburg auf Landsmann Rafal Gikiewicz trifft, zwei Tore und sechs Assists. Beobachter der polnischen Liga bescheinigen dem U21-Nationalspieler großes Talent und trauen ihm den Sprung in die Bundesliga zu. Einziges Manko: Gumny gilt als verletzungsanfällig, 2018 stand er kurz vor einem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach, fiel dann aber durch den Medizincheck. Im zweiten Anlauf soll es nun klappen. Wir drücken die Daumen und sind gespannt.

Darüber hinaus bieten sich Herrlich weitere Alternativen, falls Framberger und Gumny ausfallen sollten. Neuzugang Daniel Caligiuri bekleidete die defensive Außenposition mitunter auf Schalke sowie im Test gegen Türkgücü München. Der Routinier ist aber eigentlich im Mittelfeld eingeplant, denn “seine Qualität liegt sicherlich in der Offensive. Auf die wollen wir natürlich nicht verzichten”, wie Herrlich jüngst gegenüber dem Kicker erklärte.

Gegen Nürnberg testete Herrlich zudem Eduard Löwen, gegen Heimstetten und Regensburg André Hahn – zwei solide Alternativen, aber eben keine Spezialisten: Auf der Rechtsverteidigerpositon musste der FCA daher nachlegen und hat dies in diesem Jahr auch gemacht.

Innenverteidigung: Ein gesetztes Duo – und zwei Wundertüten

Es gibt nicht wenige FCA-Fans, die die feste Verpflichtung von Felix Uduokhai kritisieren. Die kolportierten 7 Millionen Euro Ablöse seien in Pandemie-Zeiten zu viel. Das kann man durchaus spektisch sehen, doch sportlich lohnt sich der Transfer allemal. Der beste Zweikämpfer der abgelaufenen FCA-Saison ist schon jetzt ein fester Bestandteil im Defensivzentrum und hat mit seinen 22 Jahren immer noch Entwicklungspotential. Ebenso gesetzt ist Jeffrey Gouweleeuw, der mittlerweile schon mehr als 100 Pflichtspiele für Rot-Grün-Weiß vorzuweisen hat und immer noch vergeblich auf eine Nominierung für die niederländische Nationalmannschaft wartet. Es bleibt zu hoffen, dass der Führungsspieler in dieser Saison verletzungsfrei bleibt. Das Duo Jeff-Udo kann sich nämlich sehen lassen. Doch wie sieht es dahinter aus?

Nach seiner Leihsaison mittlerweile fest beim FCA: Zusammen mit Jeffrey Gouweleeuw kann Felix Uduokhai eine Ära prägen. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Nach der Leihe von Kevin Danso zu Fortuna Düsseldorf stehen mit Marek Suchy und Reece Oxford nur noch zwei echte Alternativen bereit. Das Niveau der Stammkräfte erreichen sie jedoch leider (noch) nicht. In den Testspielen hat Oxford zumindest ordentliche Leistungen gezeigt. Der junge Engländer, der nach seiner Leihrückkehr zu West Ham United in die Reservemannschaft degradiert wurde, hat bei vielen FCA-Fans seinen Kredit verspielt. Vielleicht kann er ihn ja diese Saison zurückgewinnen. Suchy indes blickt auf eine unglückliche Premierensaison am Lech zurück: Auch verletzungsbedingt kam der Tscheche nur auf sieben Einsätze – fünf davon nach dem Trainerwechsel. In seiner Zeit in Basel und der Nationalmannschaft hat der 32-Jährige gezeigt, was er kann. Erreicht er das Niveau vergangener Tage, kann er in dieser Spielzeit Gold wert sein.

Der FC Augsburg ist in der Innenverteidigung gut aufgestellt. Es wäre aber ein schmerzhafter Verlust wenn sich Gouweleeuw und/oder Uduokhai verletzen sollten. Weil die Verantwortlichen Gefallen an Suchy und Oxford zu haben scheinen und mit Rani Khedira oder auch Tobias Strobl notfalls zwei zusätzliche Alternativen bereit stehen, wird sich auf dieser Position aller Voraussicht nach nichts mehr tun.

Linksverteidigigung: Wer ersetzt Philipp Max?

Nun verlässt Philipp Max also den FC Augsburg. Nachdem quasi keine Transferperiode vergangen war, in der nicht über einen Wechsel spekuliert wurde, schließt sich der 26 Jährige der PSV Eindhoven an. Dass der Ex-Schalker nicht ewig in Schwaben spielen wird, war klar. Fünf Jahre FCA und 156 Spiele sind ohnehin deutlich mehr als von manchen erwartet.

So gut wie niemand am Lech verdenkt Max, eine neue Herausforderung wagen zu wollen. Auch die Gazetten-Redaktion wünscht für die weitere Karriere alles Gute. Dennoch schmerzt der Abgang eines Führungsspielers natürlich. Wie soll der Dauerbrenner ersetzt werden?

Als naheliegendste Alternative stünde Iago bereit, doch auch um den Brasilianer gab es zuletzt Wechselgerüchte. Der gewöhnlich sehr gut informierte italienische Journalist Gianluca Di Marzio berichtete jüngst von Verhandlungen zwischen Iago und dem AC Mailand. Demnach soll der Berater des U23-Nationalspielers bereits in der Modestadt gewesen sein, um den Transfer über die Bühne zu bringen. Insgesamt ist es aber (gerade nach dem Max-Wechsel) sehr schwer vorstellbar, dass Reuter, der Iago vor einem Jahr für kolportierte 6,5 Millionen aus Porto Alegre verpflichtete, einem Wechsel zustimmen würde. Da müssten die Rossoneri schon tief in die Tasche greifen.

Nach einer unglücklichen Saison samt Verletzungen und Olympia-Quali mit der U23 lastet auf Iago nun wohl deutlich mehr Verantwortung. Es ist davon auszugehen, dass ihn die Klubbosse als Max-Erbe einplanen, vermutlich taten sie das schon vor einem Jahr. Bleibt der talentierte Brasilianer fit, könnte er eine der positiven Überraschungen der Saison werden. Uns würde es freuen.

Ingsesamt zehn Spiele absolvierte Iago in der Saison 2019/20 für Rot-Grün-Weiß. Dabei gelangen dem Brasilianer ein Tor und eine Vorlage. In der neuen Spielzeit könnten es mehr Einsätze werden. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Hinter Iago wird es derweil ziemlich dünn. Mads Pedersen scheint (noch) keine wirkliche Option zu sein. In seinen wenigen Auftritten im FCA-Trikot ließ er leider jede Bundesligatauglichkeit vermissen. Den jungen Dänen nach einem halben Jahr in Deutschland (im Winter wurde er nach Zürich verliehen) abzuschreiben, wäre zwar unfair. Doch kann Pedersen seine Chance tatsächlich nutzen? In den Testspielen gelang ihm das zumindest nicht.

Transfers: Stammspieler oder Iago-Back-up?

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll der FCA für Max acht bis zehn Millionen Euro Ablöse kassieren und eine Weiterverkaufsbeteiligung arrangiert haben. In der Vergangenheit hätte man für den gebürtigen Viersener mehr verlangen können, doch in Pandemie-Zeiten ist eben vieles anders. Dennoch steht eine Summe, mit der man in mehr als passable Linksverteidiger investieren könnte. Nachfolgend eine Liste mit Spielern, die sportlich und preislich interessant für den FCA sein könnten und entweder Stammspieler oder Iago-Backup sein würden. Ein Transfer wird natürlich umso wahrscheinlicher, wenn nach Max auch Iago wechseln sollte. Dann muss der FCA nämlich definitiv tätig werden. Ansonsten könnten Reuter & Co. zumindest nachlegen.

Borna Barisic (Glasgow Rangers), Loris Benito (Girondins Bordeaux), Jan Boril (Slavia Prag), Jamilu Collins (SC Paderborn), Tim Leibold (Hamburger SV), Konstantinos Stafylidis (TSG Hoffenheim), Daley Sinkgraven (Bayer Leverkusen), Maximilian Ullmann (Rapid Wien), Owen Wijndal (AZ Alkmaar). In dieser Liste hätte man auch Ex-Augsburger Abdul Rahman Baba (Chelsea) nennen können, doch der Ghanaer ist seit nahezu einem Jahr verletzt und daher keine Option.

Tim Leibold wechselte 2019 vom 1. FC Nürnberg nach Hamburg. Der 26-Jährige stand in allen 34 Zweitligaspielen über 90 Minuten auf dem Platz und bereitete bei einem Tor stolze 16 Treffer vor. Er ist fast zu gut für die 2. Bundesliga.(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Fazit

Der Max-Abgang schmerzt sehr und hinterlässt eine sportliche Lücke. Ob Iago in die Fußstapfen des Führungsspieler treten kann, wird sich zeigen. Gespannt sein darf man auf Robert Gumny. Bleiben alle Spieler fit, blickt der FCA auf eine ordentliche Defensive. Problematisch wird es, wenn Stammkräfte langfristig ausfallen. Als kleiner FC Augsburg hat man schlicht keinen gleichwertigen Ersatz auf der Bank. Insgesamt steht das Grundgerüst in der Defensive, sodass der FCA in der Viererkette folgendermaßen auflaufen könnte: Gumny – Gouweleeuw – Uduokhai – Iago. Angst und Bange sollte es einem bei dem Gedanken nicht werden.

Mach’s gut, Stephan!

Am 1. September 2019 verlor der FC Augsburg 3:2 bei Werder Bremen. Diese Partie am 3. Spieltag kann als Paradebeispiel für Stephan Lichtsteiners Intermezzo in Schwaben angesehen werden. Viel Hoffnung gefolgt von viel Ernüchterung! Nach dem frühen Rückstand flankte Lichtsteiner in der 12. Minute mustergültig auf seinen Schweizer Kollegen Ruben Vargas, der per Kopf zum 1:1 ausglich. Zehn Minuten später zeigte sich der erfahrene Abwehrspieler dann jedoch von einer ziemlich naiven Seite, provozierte Bremens Friedl und Klaassen an der Seitenauslinie und holte sich folgerichtig die gelbe Karte ab. Wiederum zehn Zeigerumdrehungen später kreuzten sich dann die Wege von Lichtsteiner und Füllkrug, was Schiedsrichter Sören Storks als Foul wertete und Gelb-Rot zückte. Darüber kann man diskutieren, doch all das wäre hinfällig, hätte sich der 108-fache Nationalspieler zuvor cleverer verhalten.

Sei’s drum. Mittlerweile spielt Stephan Lichtsteiner nicht mehr beim FCA. Mitte August gab der 36-Jährige sein Karriereende bekannt. Damit verlässt ein ganz Großer die europäische Fußballbühne. Weil es der FC Augsburg auf seinen (deutschsprachigen) Kanälen verpasste, sich von Lichtsteiner (wie übrigens auch von Tin Jedvaj) gebührend zu verabschieden, möchten wir dies nun übernehmen. Ein Blick auf eine Karriere mit etlichen Höhen und einem leider unrühmlichen Ende am Lech.

Zürich – Lille – Rom – Turin – London – Augsburg: Stephan Lichtsteiner blickt auf eine bewegte Fußballlaufbahn zurück. Nun beendete der Schweizer seine Karriere. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Lichtsteiner & Vargas: Zwei FCA-Profis aus demselben Ort

Stephan Lichtsteiner wurde 1984 in Adligenswil geboren. Kurioserweise hat mit Ruben Vargas ein weiterer FCA-Profi seine Wurzeln im 5.000-Einwohner-Örtchen im Kanton Luzern. Auch der 22-jährige Flügelspieler begann das Fußballspielen beim lokalen Amateurklub FC Adligenswil. Die Eltern der beiden kennen sich. Als der um 14 Jahre jüngere Vargas einst mit dem Kicken begann, war Lichtsteiner längst in die Fußballwelt gezogen und für den kleinen Ruben “der Held unseres Dorfes”, wie er im September der Sport Bild sagte: “Ich habe zu ihm aufgeschaut. Er war ein Vorbild.”

Ruben Vargas im Trikot der U11 des FC Luzern. Nach einem Turniersieg bekam die Jugendmannschaft von Stephan Lichtsteiner (damals Lazio Rom) die Auszeichnung überreicht. Gemeinsam posierten die späteren FCA-Profis für ein Gruppenbild. © Screenshot FC Augsburg/Instagram

Durchbruch in Zürich, Bänkerslehre in der Hinterhand

Über die Jugend des FC Luzern landete Lichtsteiner 2000 beim damals noch erfolgreichen Traditionsverein Grasshopper Club Zürich. Mit dem GCZ gewann der Verteidiger 2003 die Schweizer Meisterschaft – der erste von vielen Titeln in der Vita des Rechtsfußes.

Die starken Leistungen des damaligen U21-Nationalspielers blieben auch im Ausland nicht unbemerkt. 2005 wechselte Lichtsteiner nach Frankreich zum OSC Lille. Kurz zuvor schloss der bodenständige Fußballer eine Lehre als Bankkaufmann ab. Lichtseiner blickte schon früh über den Tellerand des glitzernden Hochglanzprodukts Profifußball hinaus und schaffte sich ein zweites Standbein, falls es mit der Karriere doch nicht klappen sollte. Nach einer erfolgreichen Zeit in Nordfrankreich zog es den Abwehrmann 2008 nach Italien – wo die Blüte seiner Fußballlaufbahn seinen Anfang nahm.

Lazio Rom – Stammkraft und Nationalspieler

Bei Lazio Rom war Lichtsteiner unumstrittener Stammspieler, stand in drei Spielzeiten in 100 Partien auf dem Platz. In seiner Premierensaison bei den Laziali stand das Double bestehend aus Supercup und Pokalsieg. Zu dieser Zeit war der Vorbildprofi längst Nationalspieler der Schweizer Nationalmannschaft und auf der Rechtsverteidigerposition für jeden Coach ein unverzichtbarer Mosaikstein auf dem Weg zurück in Europas Elite. Die Schweiz hat sich im 21. Jahrhundert zu einer festen Fußballgröße entwickelt – auch dank Lichtsteiner. Insgesamt bestritt er mit der Schweizer Auswahl fünf WM- und EM-Endrunden. Mit Heinz Hermann (118) und Alain Geiger (112) gibt es nur zwei Spieler, die mehr Länderspiele haben als Lichtsteiner. Zu seinen 108 Einsätzen wären eigentlich auch noch ein paar hinzugekommen, doch die coronabedingt abgesagten Länderspiele samt der EM machten dem langjährigen Kapitän einen Strich durch die Rechnung.

Einen wie Lichtsteiner hätte man in einem großen Turnier jedoch nach wie vor gebrauchen können. Der Routinier verkörpert Mentalität und Siegeswillen. Jedem, der daran zweifeln sollte, sei geraten, sich die letzten Sekunden des WM-Qualifikation-Playoffspiels 2018, Schweiz gegen Nordirland, anzusehen. In der 94. Minute, die Schweiz verteidigt einen Eintorevorsprung, legt sich Lichtsteiner den Ball auf Höhe der Mittellinie vor und setzt zum Sprint an. Weil im gleichen Moment abgepfiffen wird, wird aus dem Sprint unmittelbar ein Kniejubel samt ausgebreiteten Armen gen Basler Nachthimmel. Ein klassischer Leader eben.

Juventus Turin – der Aufstieg zur Weltklasse

2011 wagte Lichtsteiner dann das Abenteuer Juventus Turin. Für den italienischen Serienmeister stand der Rechtsverteidiger 201 Mal auf dem Rasen und feierte jedes Jahr mindestens einen Titel: In seinen sieben Jahren bei der Alten Dame holte Lichtsteiner jedes Mal den Scudetto, vier Mal die Coppa Italia und drei Mal den Supercup. Darüber hinaus stand er mit Juve zwei Mal im Finale der Champions League, konnte sich jedoch nie den Henkelpott sichern.

In Turin spielte Lichtsteiner mit Weltstars wie Gigi Buffon, Giorgio Chiellini, Dani Alves, Andrea Pirlo, Paul Pogba, Paulo Dybala, Gonzalo Higuain, Alessandro Del Piero und nicht zuletzt auch eine Saison mit Ex-FCA-Torwart Alexander Manninger.

Stephan Lichtsteiner (1. v. l. u.) vor einem Champions League Spiel gegen die Bayern mit einer hochkarätigen Juve-Mannschaft (Photo CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Zu seiner Zeit bei der Alten Dame erreichte Lichtsteiner sportlich zudem noch einmal ein anderes, höheres Level. An die Glanzleistungen seiner Positionskollegen Dani Alves oder Philipp Lahm kam der Rechtsverteidiger dabei zwar nicht heran, doch der Schweizer avancierte zeitweise definitiv zu einem der besten seiner Zunft: Fehlerlos in der Defensive, sicher im Passspiel und ansehnliche Flanken in der Offensive. Darüber hinaus Führungsspieler und Taktgeber. Alles in allem ein Rechtsverteider, auf den man sich verlassen konnte. Es gibt nicht wenige Fans des italienischen Rekordmeisters, die sich wehmütig an das Zusammenspiel zwischen Pirlo und Lichtsteiner zurückerinnern. Die beiden schienen sich zeitweise nahezu blind zu verstehen.

Über Arsenal nach Augsburg

Weil gegen Ende seiner Zeit bei den Bianconeri die Einsätze weniger wurden und er sich zudem wegen eines geplatzten Wechsels zu Inter Mailand mit der Klubführung verworfen haben soll, verließ Lichtsteiner 2018 Italien und wechselte zu Arsenal London. Im offensiv ausgerichteten Sytsem des damaligen Arsenal-Trainers Unai Emery funktionierte der zu dieser Zeit 34-Jährige jedoch nicht wirklich. Lichtsteiner büßte immer mehr an Geschwindigkeit ein und war für die Dreier- beziehungsweise Fünferkette in der Verteidigung schlicht nicht der richtige Mann. Nach 14 überschaubaren Spielen für die Engländer endete der Einjahresvertrag und der FC Augsburg schnappte zu. Ein Königstransfer dachten sich damals einige FCA-Fans. Respekt, Herr Reuter, so einen international erfahrenen Profi nach Schwaben zu lotsen.

Hat der FC Augsburg jemals einen so renommierten Spieler wie Lichtsteiner verpflichtet? Die Erwartung war riesig, die Enttäuschung umso größer. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Im Nachhinein ist dieses Experiment leider gescheitert. Der zweifache Vater offenbarte nicht wegzudiskutierende Geschwindigkeitsprobleme, die er auch mit seinem Stellungsspiel nicht wettmachen konnte. Die grundsätzliche Idee, Eigengewächs Raphael Framberger einen Routinier an die Seite zu stellen, war jedoch eine äußerst gute. Nach wie vor.

Danke, Stephan!

Insgesamt absolvierte Lichtsteiner 20 Spiele für Rot-Grün-Weiß. Das letzte Mal auf dem Rasen stand der 38-Jährige am 17. Juni bei der 1:3-Niederlage gegen Hoffenheim. Was für ein unrühmliches Ende einer großen Karriere. Auch wenn sich wohl viele FCA-Fans und wohl auch Lichtsteiner selbst mehr vom einjährigen Gastspiel erwartet hätten, kann man als kleiner FC Augsburg durchaus stolz sein, dass ein Spieler dieses Kalibers seine Karriere am Lech beendet hat.

Die Gazetten-Redaktion spricht ein herzliches Dankeschön aus – für deinen Einsatz und deine Erfahrung, die du hoffentlich ausgiebig an Raphael Framberger weitergegeben hast. Danke Stephan, wir wünschen dir für deine private Zukunft alles Gute! Wie die aussieht, ist noch ungewiss. Im Gespräch mit der Luzerner Zeitung sagte er vor wenigen Tagen: “Ich plane nun zweigleisig. Auf der einen Seite mache ich die Trainerdiplome, auf der anderen Seite schaue ich in die Wirtschaft hinein. Ich möchte mir Zeit nehmen, um herauszufinden, wo mein Weg hinführt” – viel Glück dabei.

Was war die Panne der FCA-Saison 2019/20?

Letzter Teil unserer Abstimmungen: Nachdem sich Florian Niederlechner (wertvollster Spieler), Andreas Luthe (meistverbesserter Spieler) und Ruben Vargas (Newcomer der Saison) in den traditionellen Kategorien durchsetzen konnten, wollen wir nun ein neues Voting integrieren: Wir suchen nun die Panne der FCA-Saison. Nachfolgend kommen also fünf weniger glorreiche Momente aus der abgelaufenen Spielzeit. Klasse gehalten und sich mit etwas Humor erinnern.

Michael Gregoritsch (“Hauptsache weg”)

November 2019: Unter Martin Schmidt spielte Michael Gregoritsch überhaupt keine Rolle, stand zeitweise nicht einmal im Kader. Während der Länderspielpause lederte er dann öffentlich gegen den FCA: “Für mich ist klar, dass ich im Winter unbedingt von Augsburg weg will, damit ich die Möglichkeit habe, regelmäßig zu spielen und mich fürs Nationalteam zu empfehlen”, sagte der Österreicher damals. Ob er dann fix wechseln dürfe oder verliehen werde, sei ihm egal. “Hauptsache weg”. Darüber hinaus kritisierte er, dass ihn Manager Stefan Reuter im Sommer nicht hatte wechseln lassen und meinte: “Bei aller Liebe, aber ich habe jetzt ein halbes Jahr praktisch nicht gespielt. Da kann man sich nicht hinstellen und wieder eine zweistellige Millionensumme verlangen.” Der FCA suspendierte Gregoritsch und parkte ihn leihweise beim FC Schalke, nun ist der 26-Jährige wieder zurück. Nach seinem Frust-Interview schien er keine Zukunft mehr am Lech zu haben, doch vielleicht blüht der Offensivmann ja unter Heiko Herrlich wieder auf.

Quo vadis, Gregerl? In der Saison 2017/18 gelangen dem Österreicher 13 Tore und vier Vorlagen. Kann er daran noch einmal anknüpfen? (Photo by Christof STACHE / AFP)

André Hahn (vs. Köln)

Ein Tag zum Vergessen. Beim 1. FC Köln ergibt sich dem FCA im Dezember früh die Chance, in Front zu gehen. Nach Foul an Niederlechner zeigte Schiedsrichter Stieler in der 9. Minute auf den Punkt. Hahn übernahm Verantwortung, doch FC-Keeper Horn parierte den unplatzierten Rechtsschuss. Dann scheint dennoch alles nach Plan zu laufen. Erst sah Kölns Czichos in der 39. Minute die gelb-rote-Karte, dann netzte Niederlechner in der 43. zum 0:1. Eine Minute vor Halbzeitpfiff dezimierte sich dann aber auch der FCA. Hahn ging zu ungestüm in den Zweikampf und bekam ebenfalls Gelb-Rot, nachdem er zuvor bereits verwarnt wurde. Die wohl bitterste Halbzeit in der Karriere des Flügelspielers.

Heiko Herrlich (Zahnpasta)

Heiko Herrlichs Start als Cheftrainer des FC Ausgburg hätte ungewöhnlicher nicht sein können. Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt gab die DFL bekannt, die Bundesliga zu unterbrechen. Als nach mehr als zwei Monaten Corona-Pause endlich wieder gespielt werden durfte, fehlte Herrlich auf der Bank. Er hatte die strengen Hygieneauflagen der DFL missachtet und war zum Einkaufen gegangen, um sich Handcreme und eine Tube Zahnpasta zu besorgen. Blöd nur, dass er zu diesem Zeitpunkt eigentlich mit dem Team im Quarantäne-Hotel sein sollte. Doppelt blöd, dass er das alles auch noch selbst auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel aufdeckte und ganz unverblümt darüber sprach. Umso mehr dürfte sich der Coach gefreut haben, als der FCA in seinem “echten Debüt” auf Schalke mit 3:0 gewann.

Brachte sich selbst in die Bredouille: FCA-Coach Heiko Herrlich sah seinen Fehler zwar ein, fehlte aber dennoch auf der Bank gegen Wolfsburg. Tobias Zellner sprang ein und die Schwaben verloren mit 1:2. (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Tomas Koubek (vs. Gladbach)

Sonntagmorgen 5 Uhr. An einem düsteren Oktobertag machte ich mich auf den Weg nach Mönchengladbach. Weil der FCA gegen die Fohlen eigentlich immer ganz gut aussah, reiste ich durchaus optimistisch ins Rheinland. Nach 13 Minuten Spielzeit sah meine Gemütslage und die der mitgereisten Augsburg-Fans jedoch ganz anders aus. Gladbach führte bereits 3:0. Bis kurz vor Ende des ersten Durchgangs dümpelte das Spiel so vor sich hin, Rot-Grün-Weiß hatte sogar ein paar Abschlüsse. In der 39. Minute hatte dann jedoch Keeper Tomas Koubek seinen großen Auftritt. Erst verstolperte der Tscheche nach Uduokhai-Rückpass den Ball, nachfolgend versuchte er Gegenspieler Plea zu blocken, statt das Leder aufzunehmen. Eine mehr als unglückliche Situation an einem rabenschwarzen FCA-Tag, an dem die Schmidt-Elf mit 1:5 unter ging. Immerhin hatte Koubek damit seinen Platz in den einschlägigen Saisonrückblicken sicher.

Marco Richter (vs. Mainz)

Was der FC Augsburg in den ersten 15 Minuten gegen Mainz auf den Rasen zauberte, hatte was von Champions League. Überfallartig scheuchte Martin Schmidt seine Truppe nach vorne, nach sechs Minuten standen bereits zwei Pfostentreffer. Wie aus dem Nichts ging der FSV dann jedoch durch einen Sonntagsschuss Levin Öztunalis in Führung. Dass die Nullfünfer zu dem Zeitpunkt überhaupt noch nicht in Rückstand waren, lag neben dem Spielglück auch am “Fehlschuss der Saison”, wie die Bild nach der Partie titelte. Vargas eroberte das Leder kurz vorm linken Strafraumrand, eilte auf FSV-Schlussmann Zentner zu und legte dann quer auf den völlig blank stehenden Richter. Das leere Tor vor Augen setzte der Younsgter das Ding jedoch neben den Kasten. Am Ende können alle Beteiligten darüber lachen. Der FCA gewann mit 2:1 – auch dank Richters zwischenzeitlichem Ausgleichstreffer. Geht doch!

Hatte dann am Ende doch noch etwas zu lachen: Marco Richter (m.) mit Fredrik Jensen (l.) und Florian Niederlechner nach seinem Ausgleichstreffer gegen Mainz. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Abstimmung: Was war die Panne der FCA-Saison 2019/20?

Das war es nun mit den weniger glanzvollen FCA-Momenten der Saison. Ob es diese Kategorie auch nächstes Jahr geben wird, ist noch offen. Es hätte wohl niemand etwas dagegen, wenn wir sie nach einer erfolgreichen Saison 2020/21 nicht mehr brauchen. Doch nun seid erst einmal ihr wieder gefragt. Stimmt ab.

Was war die Panne der FCA-Saison 2019/20?

  • Tomas Koubek (42%, 39 Votes)
  • Heiko Herrlich (41%, 38 Votes)
  • Michael Gregoritsch (9%, 8 Votes)
  • Marco Richter (4%, 4 Votes)
  • André Hahn (3%, 3 Votes)

Total Voters: 92

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Reuter raus?!

“Reuter raus” – seit Tagen mehren sich unter den Social-Media-Beiträgen des FC Augsburg derartige Kommentare. Das Echo auf die Vertragsauflösung mit Rekordspieler Daniel Baier ist nach wie vor enorm. Die Degradierung des Capitanos hat ein Beben am Lech ausgelöst – und die Führung des FCA in ein miserables Licht gerückt. Die Klubbosse verspielen bei den Fans immer mehr Kredit.

Nun wurde zur Causa Baier schon viel gesagt und geschrieben, auch in der Gazetten-Redaktion herrschte Fassungslosigkeit über den Umgang mit der Vereinslegende. Es mag unverständlich klingen, dass sich über die Vertragsauflösung eines 36-Jährigen derart echauffiert wird, doch es geht hier immerhin um Daniel Baier – Leader, Kapitän, Rekordspieler. Und es geht – sportliche Beweggründe ausgeklammert – vor allem um die Art und Weise. Erst im Januar verlängerte der FCA mit dem Sechser. Inklusive großer Worte: “Daniel Baier identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem FCA und hat das Spiel in den letzten Jahren geprägt. Daher freuen wir uns, dass wir den Weg gemeinsam fortsetzen“, hieß es damals von Manager Stefan Reuter.

Reuter raus? Die Liste der Verfehlungen ist lang

Ein halbes Jahr später ist die Liebesbekundung von damals passé und die Kritik an den Verantwortlichen des FC Augsburg so omnipräsent wie nie. Und das nicht nur in der Kommentarspalte auf Instagram, sondern auch in den einschlägigen Sportmedien. Der kicker bilanziert in seiner Montagsausgabe: “Bevor sich die Mannschaft zum ersten Mal trifft, gibt es in Augsburg schon wieder Diskussionen.” Denn einmal mehr sorgt beim FCA Chaos für Unruhe. Das liegt vor allem an Verfehlungen der Chefetage um Manager Reuter.

Vorweg, der FCA hat Reuter sehr viel zu verdanken. Nach der Hinrunde der Saison 2011/12 sah nahezu alles danach aus, dass Augsburg bald wieder zweitklassig spielen wird. Unter Markus Weinzierl standen gerade mal neun magere Punkte. Am 27. Dezember 2012 begann am Lech jedoch eine neue Zeitrechung. Weltmeister Reuter heuerte als Geschäftsführer Sport an – und brachte den sportlichen Erfolg zurück. Der FCA feierte sensationiell den Klassenerhalt und konnte sich bis in die Gegenwart im Oberhaus etablieren. Als Extra-Zuckerl gab es die Europa League obendrauf. Die positive Entwicklung des Klubs begründet sich auch in Reuters klugen Transferentscheidungen der Marke Hitz, Baba, Finnbogason, Max oder jüngst Niederlechner. Lange konnte man Stefan Reuter vertrauen. Leider hat der frühere Profi aber bewiesen, dass er auch anders kann. In seiner Zeit beim FCA lag der 53-Jährige nicht selten daneben.

Warum setzen sie mehr auf Quantität statt Qualität, Herr Reuter?

Es wäre absolut vermessen, zu fordern, jeder Neuzugang hätte einzuschlagen. In Zukunft würde ich jedoch gerne auf den ein oder anderen Flop verzichten. Tim Matavz (mit vier Millionen Euro Ablöse damals Rekordeinkauf) sollte der nächste Topstürmer werden, Daniel Opare Oldie Paul Verhaegh auf der Rechtsverteidigerposition beerben. Beide Ideen sind krachend gescheitert. Hinzu kommt aus dem aktuellen Kader etwa ein dauerverletzter Julian Schieber sowie ein vogelwilder Reece Oxford, der Reuter nach einer Katastrophen-Leihe unverständlicherweise von einem längerfristigen Engagement überzeugen konnte und somit sämtliche FCA-Fans weiterhin zur Weißglut bringen darf.

Ungewohntes Terrain: Julian Schieber verbrachte fast mehr Zeit in der Augsburger Hessingpark-Klinik als auf dem Fußballplatz. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Die Kaderzusammenstellung wirft generell große Fragen auf. Beim FCA ging es in der Vergangenheit schlicht zu oft um Quantität statt Qualität. Vor einem Jahr verlängerte Reuter etwa ohne ersichtlichen Grund den Vertrag von Dauerreservist Georg Teigl bis 2022. Folglich ist der Kader völlig aufgebläht, sodass Spieler förmlich zum Wechsel gedrängt werden, notfalls mit Abfindungen. Offensichtlich wollen die Klubbosse damit auch die Hierarchie im Team brechen, denn “wir haben gerade in der Corona-Pause einiges über die Wichtigkeit von Teamfähigkeit und Loyalität dem FC Augsburg gegenüber gelernt”, wie Vorstand Klaus Hofmann jüngst im AZ-Interview erklärte. Einige Spieler im Team sollen diese wohl stören, weswegen nun das große Aussortieren ansteht. Andreas Luthe etwa, der in Augsburg von keinem der Bosse je richtig geschätzt wurde, könnte damit bald das Baier-Schicksal blühen: Führungsspieler, auf Wiedersehen.

Warum fehlt seit Marvin Hitz die Konstanz im FCA-Tor, Herr Reuter?

Die Transferpannen gipfeln derweil im Torwart-Debakel. Nach dem Hitz-Wechsel setzte Reuter auf Fabian Giefer. Der Ex-Düsseldorfer konnte sich seinerzeit auf Schalke nicht durchsetzen und wurde von S04 deshalb ohne jede Spielpraxis für ein halbes Jahr zu Bristol City verliehen. Selbst dort war Giefer am Ende kein Stammspieler mehr. Und das in der zweiten englischen Liga. Reuter griff dennoch zu und lotste den Keeper nach mickrigen 14 Spielen in drei Jahren an den Lech. Der Rest ist Geschichte.


In Mainz führt der FCA bis zur 87. Minute mit 1:0, dann dreht der FSV dank Giefers Katastrophen-Patzern die Partie. Weil der Keeper auch im nächsten Spiel gegen Bremen schlecht aussieht, ist er den Stammplatz bereits am 5. Spieltag wieder los. Luthe übernimmt. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Vor einem Jahr versuchte Reuter seinen Fehlgriff zu korrigieren und präsentierte die große Lösung Tomas Koubek. Der Manager machte den Tschechen mit kolportierten 7,5 Millionen Euro Ablöse prompt zum viertteuersten Torwart der Bundesligageschichte. Folglich hätte man schon etwas erwarten können vom Neuzugang aus Rennes. Doch Koubek entwickelte sich zum mit Abstand größten Flop der Vereinsgeschichte. Wie gut, dass der Schuldige für die Keeper-Krise bereits gefunden ist. Mit Torwarttrainer Zdenko Miletic wurde zum Saisonende nicht verlängert und es wirkt so, als wolle man den vereinstreuen 52-Jährigen für die Koubek-Patzer verantwortlich machen. Eine Farce, die die gern gepriesenen Familienwerte weiter konterkariert. Statt von Mile sollte man sich lieber von Koubek verabschieden, doch ob man ihn überhaupt wieder los wird, ist mehr als fraglich. Falls ja, darf sich Reuter wohl auf ein krasses Minusgeschäft einstellen.

Als mutmaßlich neue Nummer Eins wurde nun Rafal Gikiewicz verpflichtet. Ob dadurch endlich Ruhe zwischen den Pfosten einkehrt, ist derzeit noch unklar. Denn der FCA hat vielmehr ein neues Problem geschaffen, statt das alte zu lösen.

Warum haben Sie das Gregoritsch-Angebot aus Bremen nicht akzeptiert, Herr Reuter?

In den letzten Jahren machte sich Reuter unterdessen einen Namen als knallharter Verhandlungspartner. Das mag sich einige Male ausgezahlt haben, ging aber eben auch nach hinten los. Im vergangenen Sommer hätte Werder Bremen gerne Michael Gregoritsch verpflichtet, doch der Deal scheiterte wegen den zu hohen Ablöseforderungen des FCA. Also blieb der Österreicher bei Rot-Grün-Weiß, spielte überhaupt keine Rolle und schimpfte sich im “Hauptsache weg”-Interview den Frust von der Seele: “Bei aller Liebe, aber ich habe jetzt ein halbes Jahr praktisch nicht gespielt. Da kann man sich nicht hinstellen und wieder eine zweistellige Millionensumme verlangen.” Tatsächlich werden derartige Sphären nach seiner Leihrückkehr aus Gelsenkirchen nun – auch wegen Corona – wohl nicht mehr erreicht. Ähnliches gilt für Marco Richter und vor allem Philipp Max. Es ist sehr schön, dass beide noch in Augsburg unter Vertrag stehen, doch das werden sie gewiss nicht ewig tun. Den Moment der höchsten Ablösesumme hat Reuter verpasst.

Warum durfte ich nicht gehen? “Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich hätte wechseln können, es hat ein Angebot auf dem Tisch gelegen”, poltere Michael Gregoritsch im November 2019. Kurz darauf wurde er vom FCA sanktioniert und zum FC Schalke verliehen. Nun ist der Österreicher wieder zurück. (Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Schuster, Baum, Schmidt – wer von diesen Trainern hat beim FCA funktioniert, Herr Reuter?

Neben den Verfehlungen auf dem Transfermarkt ist Reuter in jüngster Vergangenheit auch verantwortlich für die unruhige Lage auf dem Trainerstuhl. Seit Markus Weinzierl hat sich kein Coach nachhaltig etablieren können. Dirk Schuster wurde nach nicht einmal einem halben Jahr entlassen. Als Grund nannte Reuter “unterschiedliche Auffassungen über die weitere sportliche Ausrichtung und die Art und Weise, wie der FCA Fußball spielen will.” Dass Schuster nicht gerade mit Offensivdrang auffällt und mit seiner destruktiven Spielweise versucht, den Gegner zu zermürben, hätte man aus seiner (zugegeben erfolgreichen) Zeit beim SV Darmstadt jedoch auch vorher wissen können.

Auf Schuster folgte NLZ-Chef Manuel Baum. Erst “bis auf Weiteres”, dann als Chefcoach. Der Taktik-Experte schien einige Profis jedoch zu überfordern. “Ich kann nichts Positives über ihn sagen” meinte Ex-Verteidiger Martin Hinteregger im Januar 2019 nach dem zehnten sieglosen Spiel in Serie. Im April wurde Baum dann entlassen und von Martin Schmidt beerbt.

Die Chemie schien am Anfang zu passen, doch auch diese Beziehung fand ein jähes Ende. Gerade einmal 32 Spiele war Martin Schmidt im Amt, dann setzte ihn Reuter vor die Tür. (Photo by Christof STACHE / AFP)

Der sympatische Schweizer führte den FCA in den verbleibenden sechs Spielen zum Klassenerhalt. Insgesamt war aber auch Schmidt nicht die nachhaltige A-Lösung an der Seitenlinie. Vor der Corona-Unterbrechung feuerte ihn Reuter dann und lotste seinen früheren Teamkollegen Heiko Herrlich nach Schwaben. Auch der Ex-Stürmer schaffte den Klassenerhalt, jedoch mit einem schlechteren Punkteschnitt als sein Vorgänger. Wow. In den gut vier Monaten Amtszeit sorgte der gebürtige Mannheimer zudem für die ein oder andere Negativschlagzeile, was für zusätzliche Unruhe im und um den Verein sorgte. Der FCA ist mittlerweile eben Für Chaos Anfällig.

In die Chefcoach-Diskussionen reiht sich auch ein weiteres unrühmliches Kapitel der Reuter-Ära. Mitten im Ärger um Caiuby und Hinteregger, der in der Suspendierung gipfelte, präsentierte der Manager Ende Januar 2019 Jens Lehmann als neuen Co-Trainer. Puh. Wirklich zusammen passte das letztlich alles nicht. Deswegen waren wohl auch nur wenige FCA-Fans traurig, dass nach Baums Entlassung im April auch für Lehmann Schluss war.

Reuter im Zentrum der Kritik – doch auch über Hofmann darf diskutiert werden

Stefan Reuter mag bei den aufgelisteteten Fehlern gewiss als maßgeblicher Entscheidungsträger aufgetreten sein, fällt die Kaderplanung und Trainerbesetzung doch in seinen Kompetenzbereich. Doch der Fisch stinkt immer vom Kopf her, wie es so schön heißt. Soll bedeuteten, bei all der Kritik an Reuter darf nicht vergessen werden, dass auch Klaus Hofmann hinterfragt werden kann. Der Vorstandschef, der nur allzu gerne vom familiären Verein spricht, trägt Miletics und Baiers Degradierung mit, hat als mächtigster Mann im Klub eigentlich auch das letzte Wort. Als einst Baum und Lehmann entlassen wurden, musste auch Stephan Schwarz gehen. Der technische Direktor, wie Reuter seit 2012 beim FCA, galt als Vertrauter des Managers, kennen sich die beiden doch aus gemeinsamen Zeiten bei 1860 München. Es soll zwar auch zwischen ihm und Reuter Differenzen gegeben haben, doch der Schluss liegt nahe, dass diese Entscheidung insbesondere von Hofmann gefällt wurde.

Klaus Hofmann ist seit Dezember 2014 Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg – und hat dementsprechend viel Macht. Die Hofmann Investoren GmbH besitzt 99 Prozent der Anteile der Fußball-Club Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Mit diesen Zeilen sollte deutlich werden, dass beim FC Augsburg in jüngster Vergangenheit einiges schief gelaufen ist. Der Fall Baier ist hier nur die Spitze des Eisberges. Klar ist auch, dass im Knallhart-Business Bundesliga nicht immer alles ohne Störgeräusche ablaufen kann, sonst wäre es ja auch langweilig. Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich als kleiner FCA an den Chaos-Klubs der Beletage orientieren muss. Aus diesem Grund: Zurück zu den Wurzeln! Zu den Werten des Familienklubs, des Underdogs, der mit klugen Entscheidungen und Ruhe Jahr für Jahr in der Bundesliga bleibt. Bisher ist dies gelungen, doch aktuell stellt sich die Frage, wie lange diese Mission noch gut geht? Ich bin gerne dazu bereit, Reuter, Hofmann & Co. noch eine Chance zu geben. Es könnte aber so langsam die letzte sein.

Welcher Spieler war beim FC Augsburg der Newcomer der Saison?

Ich schreibe diese Zeilen am 23. Juli. Vor wenigen Stunden hat der FC Augsburg Daniel Baiers Vertragsauflösung bekannt gegeben. Ein schwarzer Tag für ganz Schwaben. Daher fällt es schwer, sich mit anderen FCA-Themen zu beschäftigen. Nichtsdestotrotz fehlt bei unseren Abstimmungen noch die Wahl zum Newcomer der Saison. Nachdem ihr Florian Niederlechner zum wertvollsten und Andreas Luthe zum meistverbesserten Spieler gewählt habt, soll nun der Newcomer der Saison gekürt werden. Nachfolgend werden wieder fünf Spieler präsentiert, die manch einer vor der Spielzeit wohl noch nicht so auf dem Zettel hatte.

Carlos Gruezo

Carlos Gruezo erlebte eine Saison mit Höhen und Tiefen. Erst gesetzt, dann verletzt, dann stark zurückgekommen. Insgesamt hat mich der Neuzugang des FC Dallas in der Rückrunde sehr überzeugt. Nach der Verpflichtung gab es in Fankreisen durchaus gewisse Zweifel, ob dem 25-Jährigen der Sprung von der MLS in die Bundesliga gelingen könne. Zugegeben, auch ich war skeptisch. Abgesehen von einem (eher enttäuschenden) Gastspiel in Stuttgart hat Gruezo zuvor doch eher wenig erreicht. In den Spielen nach dem Neustart strafte mich der kleine Kraftwürfel jedoch Lügen, lieferte ab und verdrängte gar Daniel Baier. Die positive Entwicklung des ecuadorianischen Nationalspielers kann gerne so weiter gehen.

Kann sich Gruezo dauerhaft in der Bundesliga etablieren? Spielt er dauerhaft so wie nach dem Neustart, kann er noch sehr wichtig für den FCA werden. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Tin Jedvaj

Jedvaj gefiel mir nie richtig bei Bayer Leverkusen. Meiner Meinung nach hat und hatte der kroatische Nationalspieler schlicht nicht die Qualität für die Champions-League-Ansprüche der Werkself. Nichtsdestotrotz ist Jedvaj natürlich dennoch ein solider Innenverteidiger – und für Vereine wie den FC Augsburg eine Bereicherung. Also lotste ihn Reuter für ein Jahr leihweise in die Fuggerstadt. Jedvaj zeigte ordentliche Auftritte im FCA-Trikot und war über weite Teile der Saison quasi gesetzt, was auch an der Verletzung Jeffrey Gouweleeuws lag. Nun ist der 24-Jährige wieder zurück bei Bayer 04. Weil es der FCA offensichtlich nicht für nötig hielt, ihn (wie auch Lichtsteiner) zu verabschieden, tun wir dies nun an dieser Stelle. Auch Jedvaj hatte seinen Anteil am Klassenerhalt. Vielen Dank, Tin!

Eduard Löwen

Der nächste Leih-Deal in dieser Auflistung. Der FCA hätte den Ex-Nürnberger gerne schon im Sommer verpflichtet, doch der frühere U21-Nationalspieler wechselte zu Hertha BSC. Weil er in der Hauptstadt nicht wirklich glücklich wurde, wagte der FCA im Winter einen neuen Versuch. In die eineinhalb Jahre dauernde Leihe soll dem Vernehmen nach auch eine Kaufoption integriert sein. Ob es sich lohnt, diese zu ziehen, wird vor allem die nächste Saison zeigen. In der Rückrunde zeigte der zentrale Mittelfeldspieler aber zumindest schon einmal seine Qualitäten. Als zweikampfstarker Achter vor der Sechserposition wusste Löwen durchaus zu gefallen. Von seinen zwei Toren bleibt zudem vor allem sein malerischer Freistoßtreffer auf Schalke in Erinnerung.

Frust nach Abpfiff. Trotz Löwens Treffer gegen Borussia Mönchengladbach verlor der FCA mit 2:3 – es war sein erstes Tor für Rot-Grün-Weiß. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Noah Joel Sarenren Bazee

Vielen Dank, Ex-Coach! Der Bazee-Transfer kam gewiss zu großen Teilen wegen Martin Schmidt zustande. Der Schweizer hatte sich den schnellen Flügelspieler für sein Umschaltspiel gewünscht. Dass der FCA zudem ein Faible für verletzungsanfällige Spieler hat (Stichwort Schieber), rundete den Wechsel zum FCA perfekt ab. Syndesmosebandriss & Co. – die Krankenakte des Ex-Hannoveraners ist lang. Somit durfte stark bezweifelt werden, dass sich Bazee am Lech durchsetzen kann. Kritiker behielten nach einer Hinrunde ohne eine einzige Spielminute vorerst Recht, doch dann blühte der Deutsch-Nigerianer so richtig auf. Nach dem Neustart entwickelte sich der 23-Jährige zu einer echten Alternative auf den Außenpositionen. Schmidt bezeichnete Bazee einst als den “deutschen Dembele”. Ein Traum, wenn er sich sportlich gesehen (!) noch ein Stück mehr in Richtung des früheren Dortmunders entwickeln würde.

Ruben Vargas

Scouting gelungen! Es ist immer schön, wenn sich ein Transfer auszahlt, bei Ruben Vargas freut mich dies jedoch besonders. Der mittlerweile 21-jährige Schweizer wagte im Sommer den Schritt vom FC Luzern in die große Fußballbühne Bundesliga. Da möchte man denken, der Junge bräuchte eine gewisse Eingewöhnungszeit. Falsch gedacht. Der Außenspieler legte einen fulminanten Start mit drei Treffern aus drei Spielen hin und feierte infolgedessen sein Debüt in der Nati. Seine Torquote konnte der flinke 1,74-Meter-Mann nicht halten, drei weitere Buden kamen hinzu. Dennoch war Vargas absolut ein Gewinner der Saison. 33 Bundesligaspiele sprechen für sich – und machten definitiv Lust auf mehr.

Nach Vorlage von Niederlechner trifft Vargas in Bremen zum zwischenzeitlichen 2:2. Doch auch sein zweiter Treffer an diesem Nachmittag kann die Niederlage nicht verhindern – 3:2 für Bremen. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Abstimmung: Wer war beim FC Augsburg der Newcomer der Saison?

Diese Abstimmung wird übrigens nicht die letzte sein, denn wir wollen auch noch die Panne der Saison wählen lassen. Der FCA bot ja durchaus einiges an Angriffsfläche, aber dazu nächste Woche mehr. Nun soll der Newcomer gekürt werden. Haben wir jemanden vergessen? Stimmt ab.

Welcher Spieler war beim FC Augsburg der Newcomer der Saison 2019/20?

  • Ruben Vargas (93%, 74 Votes)
  • Noah Joel Sarenren Bazee (4%, 3 Votes)
  • Carlos Gruezo (3%, 2 Votes)
  • Eduard Löwen (1%, 1 Votes)
  • Tin Jedvaj (0%, 0 Votes)

Total Voters: 80

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