Welchen Trainer braucht der FCA?

“Die Luft für Heiko Herrlich wird immer dünner”, titelte der Kicker nach der 0:2-Niederlage des FC Augsburg gegen Wolfsburg. Manager Stefan Reuter stellte sich nach dem nächsten verlorenen Spiel derweil demonstrativ hinter den Coach, eine Trainerdiskussion in Augsburg gebe es nicht. Punkt. Geht die sportliche Talfahrt jedoch so weiter, werden Herrlich wie Reuter irgendwann die Argumente ausgehen. Nur drei der letzten 14 Ligaspiele konnten gewonnen werden, der Abstand zum Relegationsplatz beträgt nur noch fünf Punkte und die sportliche Entwicklung im letzten Jahr wird schmerzlich vermisst. Die Parallelen zu Martin Schmidt werden leider immer deutlicher. Auch der Schweizer rutschte trotz ordentlichem Polster noch in den Abstiegsstrudel. Die Entlassung begründete die Chefetage unter anderem mit der fehlenden sportlichen Entwicklung.

Wie lange hält Stefan Reuter noch an Heiko Herrlich fest? (Foto via imago)

Herrlichs leeres Versprechen

Für was steht Heiko Herrlich eigentlich? Wir haben uns mit dieser Frage schon einige Male beschäftigt und kommen – auch wenn nicht alles schlecht ist – zu dem Ergebnis, dass Wunsch und Realität doch sehr weit auseinander liegen. Immer wieder betont Herrlich, er stehe für offensiv ausgerichteten Fußball. Alle seine bisher trainierten Mannschaften hätten dies gezeigt. Dass der Trainer trotz der bitteren Fakten nicht müde wird, dies zu betonen, verwundert dabei immer mehr. Ligaweit gibt nur Arminia Bielefeld weniger Torschüsse ab als der FCA. Gegen Wolfsburg hatten die Schwaben in der zweiten Halbzeit eine einzige Abschlusssituation – einen Weitschuss von André Hahn.

In den vergangenen Monaten konnte der FC Augsburg seine offensive Harmlosigkeit oft durch gnadenlose Effizienz sowie defensive Kompaktheit kaschieren. Die mit dem Label Angsthasenfußball etikettierte Spielphilosophie wird nun aber immer mehr zum Problem: Vier eigene Treffer in den letzten sechs Spielen und gleichzeitig 13 Gegentore sprechen für sich. Herrlich selbst weiß um die aktuelle Situation und könne die Kritik daher verstehen, wie er vor dem Wolfsburg-Spiel erklärte. Man werde daran arbeiten, sich weiter zu verbessern. Wer regelmäßig die Pressekonferenzen des FC Augsburg verfolgt, hat dieses Versprechen nicht das erste Mal gehört.

Wie lange sitzt Heiko Herrlich noch auf der Augsburger Bank? (Foto via imago)

Herrlich raus?

Und so bleibt die Frage, ob Herrlich noch der richtige Trainer ist. Vielleicht ist er das nicht, doch das soll nicht heißen, dass der FC Augsburg den Coach nun ruckartig entlassen soll. Denn ein Installieren eines Feuerwehrmannes an der Seitenlinie würde die Probleme des FC Augsburg nur verschieben. Die Schwaben werden aller Voraussicht nach in der Bundesliga bleiben – was weniger dem eigenen Leistungsvermögen, sondern vielmehr der schwachen Konkurrenz geschuldet ist.

Der FC Augsburg braucht generell keinen Trainer, der für den kurzfristigen Erfolg steht. Das wurde am Beispiel Martin Schmidt eindrucksvoll deutlich. Vielmehr ist der FC Augsburg ein Verein, der durch Kontinuität auf der Trainerbank punkten kann. Man benötigt einen Trainer, dem man langfristig zutraut, die Mannschaft voranzubringen.

Nun liegt es an Reuter, im Sinne des Vereins zu entscheiden, ob Heiko Herrlich dieser Trainer ist beziehungsweise noch sein kann. Der Manager wird sich diese Frage gut überlegen müssen und daher wohl keine voreiligen Schlüsse ziehen. Denn klar ist ferner, dass mit einer Entlassung Herrlichs auch die Kritik an Reuter wieder an Fahrt aufnimmt. Denn in puncto Trainer – so ehrlich muss man trotz einiger kluger Spielertransfers sein – hat Reuter in den letzten Jahren keine gute Figur abgegeben. Der nächste Schuss muss definitiv sitzen. Reuter kann es sich kaum leisten, 2022 das nächste Trainerexperiment vorzeitig zu beenden. Daher wird Herrlich auch nur entlassen werden, wenn der Geschäftsführer Sport einen passenden Nachfolger in der Hinterhand hat.

Geht die sportliche Entwicklung des FC Augsburg so weiter, muss sich Stefan Reuter eingestehen, auf der Trainerposition (erneut) daneben gegriffen zu haben. Bei all der (berechtigten) Kritik darf gleichzeitig nicht vergessen werden, dass Reuter Markus Weinzierl und Manuel Baum überhaupt erst zum Bundesligatrainer gemacht hat. Es lief also nicht alles falsch. (Foto via imago)

Baum und Weinzierl als Alternativen?

Der Kicker brachte in seiner Montagsausgabe die beiden Ex-Trainer Markus Weinzierl und Manuel Baum ins Spiel. Beide würden im Umfeld des Vereins gehandelt werden. In Fankreisen wurde diese Meldung durchaus positiv zur Kenntnis genommen, doch es stellt sich die Frage, ob eine Rückkehr zum Ex wirklich die klügste Entscheidung ist.

Baum genießt bei den Klubbossen nach wie vor einen hohen Kredit. Bereits auf der Pressekonferenz seines Abschieds schloss die Chefetage nicht aus, dass es in Zukunft zu einer erneuten Zusammenarbeit kommen könnte. Der frühere NLZ-Chef war in Augsburg beliebt, wird von Beobachtern als taktisches Genie beschrieben und würde gewiss auf den ein oder anderen Jugendspieler setzen. Gegen Baum spricht allerdings, dass seine Zeit in Augsburg am Ende wenig erfolgreich war und der 41-Jährige nicht gerade unverbrannt nach Augsburg zurückkehren würde – auch wegen seiner missratenen Arbeit auf Schalke.

Markus Weinzierl indes war für die sportlich erfolgreichste Zeit des FC Augsburg verantwortlich. Erst rettete der gebürtige Straubinger den FCA nach schwachem Start sensationell vor dem Abstieg, dann führte er ihn 2015 in die Europa League und schrieb so Augsburger Fußballgeschichte. Der Name Markus Weinzierl wird also immer mit glorreichen FCA-Zeiten in Verbindung gebracht. Dabei entsteht jedoch die Gefahr, dass man Weinzierls Leistungsvermögen überschätzt. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass der 46-Jährige bei seinen weiteren Stationen auf Schalke und in Stuttgart krachend gescheitert ist.

Seit ihrem Abschied aus der Fuggerstadt ging bei beiden Trainern die Leistungskurve nach unten. Folgt das Comeback am Lech? (Foto via imago)

Das Spiel des FCA muss wieder Spaß machen

Beide Trainer wären durchaus charmante Lösungen und kämen bei den Fans gewiss gut an. Ob sie jedoch den FC Augsburg langfristig prägen können, ist unklar. Daher möchte ich nun einen Blick auf weitere Trainer werfen, die für den FC Augsburg infrage kommen könnten. Hauptkriterium für die Aufnahme in diese Liste ist eine offensive Spielweise. Denn eines sollte an dieser Stelle noch kurz erwähnt werden. Wenige FCA-Fans haben ein Problem damit, Tabellen-13. zu sein, viele allerdings mit der Art und Weise, wie Woche für Woche Fußball gespielt wird. Klar, Fußball ist ein Ergebnissport, er sollte am Ende aber immer auch schön anzusehen sein. Das nur am Rande, nun zu den möglichen Trainerkandidaten. Die Auswahl ist hier rein subjektiv.

Tim Walter

Tim Walter ist seit Ende 2019 vereinslos. Zuletzt trainierte der 45-Jährige den VfB Stuttgart in der 2. Bundesliga, nachdem er sich bei der U23 des FC Bayern sowie bei Holstein Kiel einen Namen gemacht hatte. Die Saison 2018/19 beendete Walter in Kiel auf einem ordentlichen sechsten Platz. Dass die Zeit an der Förde anschließend vorbei war, lag vielmehr am Interesse des VfB, als am mangelnden Vertrauen der Kieler Verantwortlichen. In Stuttgart scheiterte Walter dann allerdings an der hohen Erwartungshaltung innerhalb des Traditionsvereins. Trotz Rang drei zur Winterpause war für den Kraichgauer Schluss.

Das soll jedoch keineswegs bedeuten, dass die Arbeit Walters schlecht war. Sein offensiver Pressing-Ansatz könnte dem FC Augsburg gut zu Gesicht stehen. Da der FCA ligaweit zu den stärksten Teams in puncto Laufbereitschaft zählt, könnte die Zusammenarbeit funktionieren – wenngleich sie mit Risiken verbunden wäre. Walter, der in Stuttgart mit einer Viererkette samt offensiven Außenverteidigern agierte, müsste eine Balance zwischen Angriff und Verteidigung finden. Gelingt dies nicht, fliegt ihm sein offensives Konzept alsbald um die Ohren.

Tim Walter sagte einst in einem Interview mit der Welt, er würde selbst in Abstiegsangst nach vorne spielen: “Die Mannschaften, die weiter hinter in der Bundesliga stehen, spielen einen defensiven, zurückhaltenden Fußball, sie igeln sich hauptsächlich ein. Das wäre nicht meine Idee. Gerade dann würde ich offensiver rangehen.” Sein Ansatz sei es, “die Freude am Spiel zurückzubringen.”

“Ich bin ein offensiv-kreativ denkender Trainer”

Zudem müsste der Kader etwas angepasst werden. Schnelle Außenverteidiger wären zwar vorhanden, aber für Walters Spiel ist ein ballsischerer Mittelfeldspieler elementar. Walter sei “ein Fußballgestalter, kein Zerstörer”, wie er selbst betont. In Stuttgart nahm die zentrale Rolle in der Regel Daniel Didavi ein, in Augsburg fehlt ein derartiger Spieler im Kader – abgesehen von Leihspieler Benes. Nur mal so am Rande: Didavis Vertrag am Neckar läuft wohl im Sommer aus.

Alles in allem scheint Walter zum FC Augsburg passen zu können – jedoch nur, wenn der FCA langfristig mit dem als kantigen wie impulsiven Typen geltenden Fußballlehrer plant. Denn Walters Spielkonzept benötigt Zeit, um perfekt in sich greifen zu können. Gelingt dies, könnten die FCA-Fans viel Freude an ihrer Mannschaft haben: “Ich versuche, ein defensiv gut organisierter, offensiv-kreativ denkender Trainer zu sein.”

Walters Versprechen klingt schon einmal ordentlich. Eine Zusammenarbeit ab der neuen Saison ist hier definitiv klüger, als ein kurzfristiges Installieren in der aktuellen Situation. Mit Holstein Kiel stellte Walter dem FC Augsburg übrigens beinahe ein Bein. Im Pokalachtelfinale stand Anfang 2019 ein glückliches 1:0 für den FCA. (Foto via imago)

Steffen Baumgart

Eine ähnlich offensive Herangehensweise wählt Steffen Baumgart, aktuell Trainer beim SC Paderborn. Der 49-Jährige steht seit 2017 bei den Ostwestfalen unter Vertrag und führte den Klub erst zurück in die 2. Liga und dann ein Jahr später direkt in die 1. Bundesliga. Letztlich stieg der SCP mit deutlichem Abstand ab, überzeugte in seinen Spielen allerdings mit ansehnlichem Offensivdrang. Würde man Baumgart nun einen Kader an die Hand geben, der qualitativ besser ist als der von Paderborn, scheint also durchaus etwas möglich zu sein.

Inwiefern sich der 49-Jährige, der sich sehr wohl bei seinem Klub fühlt, jedoch neu orientieren möchte, ist fraglich. Ein Engagement in Augsburg käme ohnehin erst im Sommer infrage, da Baumgart diese Saison kaum wechseln würde. Mit dem SC Paderborn ist der gebürtige Rostocker derzeit Tabellenneunter. Der Aufstieg, übrigens nicht als Ziel ausgesprochen, scheint noch nicht gänzlich abgeschrieben.

Steffen Baumgart und Heiko Herrlich beim 0:0 im Mai 2020. Letztlich scheint Baumgart zu Höherem berufen als dem SC Paderborn. Ihn wird man langfristig gewiss wieder in der Bundesliga sehen – vielleicht ja beim FC Augsburg. (Foto via imago)

Frank Schmidt

Frank Schmidt leistet seit Jahren konstant gute Arbeit beim FC Heidenheim. Unter seiner Regie gelang dem FCH der Wandel vom Oberligateam zum ambitionierten Zweitligisten. Der gebürtige Heidenheimer steht seit 2007 an der Brenz unter Vertrag und kann gewissermaßen als Christian Streich der 2. Liga bezeichnet werden. Dem dienstältesten Coach des Unterhauses wurde schon oft der Schritt in die Beletage zugetraut, letztlich blieb Schmidt aber immer beim FC Heidenheim – wo er nun sein 500. Pflichtspiel an der Seitenlinie feierte.

Und vermutlich wird er das auch noch länger tun. Angebote von höherklassigeren Vereinen gab es bis dato einige, “aber ich fühle mich hier wertgeschätzt”, wie Schmidt einst in einem Interview mit der Zeit erklärte. Deshalb habe er seinen Vertrag auch bis 2023 verlängert. Außerdem habe der Klub “immer Ziele und ist nie zufrieden, was gut zu mir passt.” Ein Wechsel nach Augsburg scheint daher unwahrscheinlich, hätte jedoch gewiss seinen Reiz. Auch Schmidt überzeugt mit einer offensiv ausgerichteten Spielphilosophie, agiert in der Regel mit Viererkette und zwei Spitzen.

Eine Institution beim FC Heidenheim. Ein Abschied Frank Schmidts scheint undenkbar – auch wenn der 47-Jährige gewiss zum FC Augsburg passen würde. (Foto via imago)

Domenico Tedesco

Domenico Tedescos Aufstieg ins Profigeschäft verlief äußerst rasant. Nach Anfängen im Jugendbereich rettete der Deutsch-Italiener Erzegbirge Aue vor dem Abstieg. Nach einem halben Jahr bei den Veilchen zog es Tedesco dann zum FC Schalke, wo er Markus Weinzierl beerbte und in seiner ersten Saison Vizemeister wurde. Dann folgte in der nächsten Spielzeit der Absturz auf Rang 14 und Tedesco musste gehen. Seit Oktober 2019 trainiert er Spartak Moskau, mit denen er aktuell Tabellendritter ist.

Tedesco wird immer wieder mit einer Rückkehr in die Bundesliga in Verbindung gebracht. Dass er erfolgreichen Fußball spielen lassen kann, hat er bereits bewiesen. Die Vizemeisterschaft sollte man wohl nicht zu hoch hängen, die sportliche Misere gleichzeitig aber auch nicht zu kritisch sehen. Tedesco gilt als Taktik-Experte, der gerne auch mit einer offensiven Dreierkette spielt. Sein Vertrag in Moskau läuft Ende Mai aus. Im Sommer werden sich wohl einige Klubs mit dem immer noch erst 35-Jährigen beschäftigen – auch der FC Augsburg?

Domenico Tedesco im Jahr 2018 zusammen mit Stefan Reuter. Spielt der Jungtrainer in den Überlegungen des Managers eine Rolle? (Foto via imago)

Lucien Favre

Lucien Favre ist zweifellos der klangvollste Name in dieser Auflistung. Seit seiner Entlassung bei Borussia Dortmund ist der Schweizer vereinslos. Letztlich schaffte er es nicht, mit dem BVB um Titel mitzuspielen. Mit Favre spielst du zwar schönen Fußball, gewinnst aber keine Trophäen, lautet ein Vorwurf, mit dem sich der 63-Jährige immer wieder konfrontiert sieht. In Augsburg sollte der Druck nach Tafelsilber allerdings nicht allzu hoch sein.

Favre hat grundsätzlich bei all seinen Stationen überzeugt, egal ob bei Hertha, Gladbach, Zürich oder Nizza. Der Mann mit dem besten Punkteschnitt aller BVB-Trainer gilt als Perfektionist und Verfechter von attraktivem Offensivspiel inklusive barcaesker Passstaffeten. Es wäre höchst interessant, zu sehen, was Favre aus dem Potential des Augsburger Kaders machen könnte. Natürlich bräuchte es im Sommer zusätzlich spielstarke Verstärkungen. Ob Reuter einen derartigen Spitzentrainer an den Lech lotsen kann, scheint jedoch fraglich. Vor kurzem hatte Olympique Marseille Interesse an Favre. Der Schweizer sagte offenbar ab, da er keinen Verein mitten in der Saison übernehmen möchte.

Ist Lucien Favre als FCA-Coach denkbar? Kann der Schweizer mit einer spielerisch limitierteren Mannschaft umgehen? Es wäre höchst interessant, zu erfahren, wie Favre den FC Augsburg spielen lassen würde. (Foto via imago)

Über diese Trainer könnte man zumindest nachdenken

Des Weiteren gibt es freilich weitere interessante Trainerkandidaten. Immer wieder mit einer Rückkehr in die Bundesliga in Verbindung gebracht wird etwa Alexander Zorniger, den es nach seiner Entlassung aus Stuttgart nach Kopenhagen zu Bröndby IF zog. Dort wurde der Ex-Leipziger dänischer Pokalsieger. Zuletzt auf Schalke gehandelt wurde unter anderem Dimitrios Grammozis. Der ehemalige Darmstadt-Coach belegte mit den Lilien Rang Zwei in der Rückrundentabelle. Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen bezüglich der Vertragslaufzeit, wurde die Zusammenarbeit im Sommer beendet.

Ebenso spannend wären Peter Zeidler, der den FC St. Gallen vergangene Saison zur Vizemeisterschaft in der Schweiz geführt hat, Berns Meistertrainer Gerardo Seoane oder Daniel Farke, der mit Norwich City vor dem Aufstieg in die Premier League steht. Schwebt dem FCA eine interne Lösung vor, rücken auch Alexander Frankenberger (U19) und Josef Steinberger (U23) in den Fokus. Dass Reuter ein derartiges Experiment eingeht, scheint allerdings unwahrscheinlich.

Alexander Frankenberger (l) und Josef “Sepp” Steinberger sind aktuell in der zweiten Reihe des FC Augsburg aktiv. Beide machen einen ordentlichen Job, aber sind sie schon bereit für die 1. Liga? (Foto via imago)

Fazit

Der FC Augsburg sollte sich gut überlegen, wie die sportliche Zukunft aussehen soll. Da es für einen neuen Trainer immer angenehmer ist, zur neuen Saison zu übernehmen, scheint ein kurzfristiges und hektisches Agieren auf dem Trainermarkt die falsche Wahl. Bis dahin hat Heiko Herrlich die Chance verdient, positiv auf sich aufmerksam zu machen. Das Messen am tabellarischen Abschneiden sollte hier nicht das einzige Kriterium sein. Vielmehr muss die spielerische Entwicklung in den Vordergrund gerückt werden. Der FC Augsburg wird den Klassenerhalt vermutlich schaffen. Laufen die restlichen Spiele jedoch spielerisch so überschaubar wie aktuell, kann es ein “Weiter so” nicht geben.

Sollten nächste Saison wieder Fans in die Stadien gelassen werden, dürfte ein derartig mutloses Auftreten wie aktuell übrigens selbst von den eigentlich treuen Augsburger Fans mit Pfiffen quittiert werden. Eine Rückkehr zu mutigerem Offensivfußball scheint unabdingbar. Der Vorteil: Destruktiver als jetzt kann es eigentlich kaum noch werden. Wir sind gespannt, wer nächste Saison den FCA trainieren wird. Überrascht Herrrlich mit einer enormen Weiterentwicklung, ist auch eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus nicht ausgeschlossen. Aktuell sieht es allerdings so aus, dass sich die Wege (spätestens) nach der Saison trennen.

Nicht besser?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Angsthasenfußball mag mancher beim FCA gerade erkennen. Eine taktische Ausrichtung, die den Event-dürstigen Zuschauern auf den Sofas in der Region Bayrisch-Schwaben so gar nicht gefällt. Wir müssten doch etwas mutiger agieren. Derweil der Auftritt gegen den BVB ja nicht hoffnungslos war. Und auch gegen Wolfsburg gute Kombinationen sich eingeschlichen haben. Gegen Dortmund ging die Mannschaft von Heiko Herrlich durch ein Tor von André Hahn sogar in Führung. Der Ausgleich nach Standard, der Führungstreffer durch Eigentor. Ja, Dortmund als auch Wolfsburg haben verdient gewonnen, aber der FCA hat es den beiden Branchenriesen doch manchmal schwer gemacht. Es waren keine dieser Tage, die einen als Fan komplett desillusioniert zurücklassen.

Die negativen Stimmen im Umfeld des FCA mehren sich derweil obgleich der etwas schleppenden sportlichen Entwicklung. Schon früher haben wir einen Blick darauf geworfen, wie Heiko Herrlich Fußball spielen will und ob aus meiner Sicht am Trainer gezweifelt werden sollte. In der Zwischenzeit habe ich nun eine These im Internet vernommen, der ich gerne auf den Grund gehen möchte. Diese lautet: “Herrlich macht die Spieler nicht besser”. Die Sorge dabei gilt dann wohl den akuten sportlichen Ergebnissen als auch den zukünftigen Transfererlösen. Der FCA ist darauf angewiesen Spieler auch wieder zu einem höheren Preis zu verkaufen, um die weitere sportliche Entwicklung zu finanzieren. Wenn dem so wäre, dass unter Heiko Herrlich Spieler sich nicht fortentwickeln würden, dann hätten wir somit ein echtes Problem.

Heiko Herrlich hat auch Entwicklungen angestoßen, die ein Lächeln erlauben (Foto: Alex Gottschalk/POOL via Imago)

Kurz habe ich mir überlegt, diese Behauptung zu ignorieren und nur in meinem Kopf laut “Bullshit” zu rufen. Nachfolgend möchte ich die These an Hand einiger Beispiele trotzdem widerlegen. Ich glaube, dass dies wichtig ist, um Heiko Herrlichs Arbeit momentan richtig beurteilen zu können. Und bevor wir auf die Spieler eingehen, die meiner Ansicht nach unter Heiko Herrlich einen deutlichen Sprung gemacht haben, räumen wir vielleicht die Gegenbeispiele aus dem Weg. Daniel Caligiuri und Rafal Gikiewicz kamen schon mit einer enormen Qualität. Offensichtlich besser sind sie nicht geworden. Auch Florian Niederlechner und Alfred Finnbogason haben genau wie Michael Gregoritsch nicht offensichtlich noch an Qualität zugelegt. Bei Gregerl wäre eine Rückkehr zu alter Stärke wünschenswert gewesen. Bei den anderen genannten Spielern ist zumindest aus Sicht der Transfererlöse keine große Steigerung mehr zu erwarten gewesen. Und ja auch ein Rani Khedira oder Jeffrey Gouweleeuw haben eher abgebaut als zugelegt. Es kann aber halt auch nicht bei allen immer nach oben gehen.

Aber schauen wir doch mal auf die Gewinner im Team des FCA, die unter Heiko Herrlich so richtig aufblühen. An erster Stelle steht hier für mich Felix Uduokhai. Uduokhai kam in der gesamten abgelaufenen Saison auf knapp 2000 Einsatzminuten. So viele hat der diesmal schon nach 2/3 der Saison gesammelt. Uduokhai ist der Durchbruch gelungen. Er ist nicht nur mittlerweile absoluter Bundesliga-Stammspieler sondern Leistungsträger. Nicht umsonst durfte er die Augsburger Elf in Jeffs Abwesenheit als Kapitän aufs Feld führen. Und wurde für die Nationalmannschaft nominiert. Es will mir ja wohl hoffentlich keiner Erzählen, dass Heiko Herrlich hieran keinen Anteil hatte.

Felix Uduokhai hat eine eindrucksvolle Entwicklung genommen (Foto via Imago)

Vielleicht bleiben wir dann auch mal kurz bei der Abwehrreihe des FCA. Hier hatte Heiko Herrlich bis zum Wolfsburg-Spiel auf eine 3er Kette umgestellt. Ich mochte diese Systemumstellung prinzipiell. Sie hatte aber auch einen Spieler in die Startelf gespült, den ich dort vor der Saison nicht vermutet hätte. Die Rede ist von Reece Oxford, dessen Zeit in Augsburg mit dem ein oder anderen Lapsus in der Verteidigung startete. Die Unsicherheiten hat Reece wohl mittlerweile abgelegt und sich seinen Platz redlich verdient. Er wirkt wie ein erfahrener Bundesliga-Recke der mit seiner Athletik viele Duelle für sich entscheiden kann. Ich war von diesem Transfer nicht überzeugt, aber Reece zeigt es seinen Zweiflern gerade. Natürlich mit der Hilfe von Heiko Herrlich.

Dazu gibt es zwei Stammspieler in diesem Jahr, die den Sprung mit Bravour gemeistert haben. Nach den Abgängen von Philipp Max und Daniel Baier stellte sich die Frage wer auf der 6er-Position und links hinten in die Bresche springen würde. Sowohl Iago als auch Carlos Gruezo hatten ihre Bundesligatauglichkeit noch nicht dauerhaft unter Beweis gestellt. Hier sind wir nach einer halben Saison deutlich schlauer. Beide machen ihre Sache ordentlich und haben im Vergleich zur letzten Saison einen Sprung gemacht. Beide mag man sich aus der Stammelf momentan nicht wegdenken. Natürlich hat auch hier Heiko Herrlich sein Händchen wieder im Spiel.

TIm Civeja, hier im im Zweikampf mit Jude Bellingham, sorgt momentan für Augsburger Träume hinsichtlich des nächsten Nachwuchs-Juwels (Foto David Inderlied/Kirchner-Media/pool via Imago)

Kommen wir zu einem letzten Spieler, den ich an dieser Stelle herausheben will. FCA-Eigengewächs Tim Civeja wird gerade ja doch ein bisschen gehypt. Nachdem er in der Hinrunde länger verletzt war, feierte er mittlerweile sein Bundesliga-Debüt und durfte nun gegen Dortmund und Wolfsburg auch mal ein paar Minuten länger ran. Civeja steht damit in einer Reihe mit Raphael Framberger, Kevin Danso, Simon Asta und Marco Richter. Es wird sich zeigen, ob er langfristig das Zeug zum Bundesliga-Profi in Augsburg hat. Dass er nun aber überhaupt debütieren durfte und langsam an die Bundesliga herangeführt wird, liegt – mal wieder – an Heiko Herrlich.

Und da mag ich doch abschließend in die Runde fragen: Wer glaubt immer noch, dass Heiko Herrlich keinen Spieler besser gemacht hat? Es scheint im Gegenteil so zu sein, dass Herrlich ein recht gutes Händchen gerade für die jüngeren Spieler hat, was perspektivisch für den FCA wichtig ist. Neben den alten Recken sind es eben dann doch recht viele junge Talente, die beim FCA gerade ran dürfen. Diese Hoffnung auf die Jugend dürfte auch gerne mehr Euphorie auslösen. Dafür wird dem ein oder anderen Jungspund manchmal die Konstanz fehlen und Herrlich hoffentlich geschickt rotieren. Wenn wir allerdings mit diesem Team die Klasse halten und weiter darauf aufbauen können, dann wird mir auf Grund der Entwicklungsperspektiven nicht Bange. Und das sage ich als alter Herrlich-Kritiker. Ich glaube doch, Herrlich und Reuter sind hier gerade an etwas dran. Und übe mich selbst in Geduld. (Und glaubt mir, es fällt auch mir nicht leicht.)

Vertragsverlängerungen: Reuter ist gefordert

Der 2:1-Sieg gegen Union Berlin hat dem FC Augsburg etwas Luft im Abstiegskampf verschafft, die auch durch die Niederlage in Dortmund – der Konkurrenz sei Dank – nicht verpuffte. Nach dem 18. Spieltag waren es sieben Zähler auf den Relegations- und angenehme zehn auf den ersten Abstiegsplatz. Kann der FCA seinen Punkteschnitt halten, wird es auch im Jahr 2022 Bundesligafußball in der Fuggerstadt zu sehen geben. Bleibt die Frage: mit welchem Personal? Demnächst laufen nämlich einige Spielerverträge aus. Im Sommer enden zwar nur drei Kontrakte, ein Jahr später aber satte neun. Die Verantwortlichen um Manager Stefan Reuter müssen also bereits nach dieser Saison überlegen, mit wem man in die Zukunft gehen möchte und bei wem die womöglich letzte Chance auf eine Ablösesumme genutzt werden soll. Mit welchen Spielern soll der FCA verlängern? Wir machen den Check.

Julian Schieber (Vertrag bis 2021, Marktwert: 500 Tsd. Euro)*

Dass Julian Schieber keine sportliche Zukunft beim FC Augsburg hat, ist mehr als offensichtlich. Eine echte Verstärkung war der Stürmer nie, so ehrlich muss man sein. Das rechtfertigt jedoch nicht den Umgang mit seiner Person. Im Sommer beorderte ihn der FC Augsburg zur U23, ließ seinen Spint räumen und vergab seine Nummer neu an Daniel Caligiuri: “Der Trainer hat mir knallhart gesagt, dass er nicht auf mich bauen wird und er – auch auf meinen Körper bezogen – nicht glaubt, dass ich konstant auf Bundesliga-Niveau spielen kann”, resümierte Schieber gegenüber dem Kicker.

Ob dieser Offenheit habe der Ex-Dortmunder “erst mal schlucken müssen” und emotional eine “Mischung aus Entsetzen, Enttäuschung und Wut” erlebt. Die wenigen Angebote, die er in der Folgezeit erhalten habe, hätten ihn “emotional nicht gepackt”, weswegen Schieber weiterhin auf Vereinssuche ist.

RoGaz-Prognose: Eine Verlängerung ist ausgeschlossen. Schieber wird kein Spiel mehr für den FCA machen und bei einem passenden Angebot auch schon im Winter wechseln. Nach wie vor reizt ihn das Abenteuer Asien. Ein Wechsel nach Thailand, von dem der 31-Jährige im Oktober sprach, kommt vorerst aber nicht mehr infrage. Das Transferfenster in der Thai League ist seit dem 10. Januar geschlossen.

Auf dem Rasen hat man Julian Schieber schon lange nicht mehr gesehen. Sein letztes Pflichtspiel für den FC Augsburg ist mehr als 14 Monate her. Insgesamt kam der Stürmer zwölf Mal für Rot-Grün-Weiß zum Einsatz (ein Tor). Es werden keine weiteren Spiele hinzukommen. (Foto via imago)

* Die Angaben zum Marktwerkt entsprechen den Schätzungen von transfermarkt.de, die Verträge enden stets zum 30. Juni.

Marek Suchy (Vertrag bis 2021, Marktwert: 1 Mio. Euro)

Von Marek Suchy haben sich wohl einige FCA-Fans mehr erhofft. Der frühere Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft blieb in Augsburg vieles schuldig und konnte sich nicht nachhaltig für eine Vertragsverlängerung empfehlen. In seinen insgesamt nur zehn Einsätzen war der Innenverteidiger vielmehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator. In der kommenden Saison bekommt der 32-Jährige zudem Konkurrenz von Neuzugang Frederik Winther und Leihrückkehrer Kevin Danso.

RoGaz-Prognose: Ein weiteres Engagement in Augsburg käme mehr als überraschend. Suchy wird den FC Augsburg daher ablösefrei verlassen und womöglich in seine tschechische Heimat zurückkehren.

Keine wirkliche Verstärkung: Dass Marek Suchy seine besten Zeiten offenbar hinter sich hat, wurde leider nicht nur beim Spiel in Sinsheim deutlich. Dem Tschechen mangelt es an Spritzigkeit. (Foto via imago)

Rani Khedira (Vertrag bis 2021, Marktwert: 8 Mio. Euro)

Die Personalie Rani Khedira ist zweifelsohne die schwierigste in dieser Auflistung. Der Vertrag des Mittelfeldspielers endet in wenigen Monaten. Sportlich wäre ein Abgang des 27-Jährigen (mittlerweile) wohl verschmerzbar. Unter Heiko Herrlich ist der gebürtige Stuttgarter keineswegs mehr so gesetzt wie etwa unter Martin Schmidt, wo Khedira quasi unumstrittener Stammspieler war. Es wirkt so, als habe ihm Carlos Gruezo etwas den Rang abgelaufen.

Hätte Khedira noch länger Vertrag und gebe es dann ein lukratives Angebot, würde ihn der FCA also vermutlich verkaufen. Immerhin wird sein Marktwert auf acht Millionen Euro geschätzt. In Corona-Zeiten würde freilich weniger für ihn bezahlt werden, aber mit vier bis fünf Millionen Euro könnte der FCA durchaus rechnen.

Khedira konnte 2017 ablösefrei an den Lech gelotst werden – und hat seinen Marktwert seitdem von 750.000 Euro auf zwischenzeitliche 10,5 Millionen Euro gesteigert. Ein ablösefreier Abgang aus Augsburg wäre daher vor allem finanziell betrachtet sehr schmerzlich. Wohl auch deshalb wollte der FCA in der Vergangenheit mit dem zentralen Mittelfeldspieler verlängern.

Obendrein ist Khedira natürlich weiterhin ein absolut solider Bundesligaspieler, für den man im Falle eines Wechsels Ersatz bräuchte, was grundsätzlich für eine Verlängerung spricht. Weil die Gespräche zuletzt allerdings zum Ruhen gekommen sein sollen und Khedira jüngst selbst offen über einen Wechsel ins Ausland sprach, scheint es insgesamt aber seine letzte Saison für Rot-Grün-Weiß zu sein.

RoGaz-Prognose: Khedira verlängert nicht und wechselt im Sommer ablösefrei den Verein. Wie sein Bruder ist der Mittelfeldspieler großer Fan der Premier League. Möglich scheint eine Backup-Rolle bei einem Mittelklasse-Team wie dem von Ex-Coach Ralph Hasenhüttl trainierten FC Southampton, realistischer ein Engagement bei einem weniger ambitioniertem Klub wie etwa Norwich City. Die Canaries stehen vor dem Aufstieg und sollen bekanntlich ein Fable für deutsche Spieler haben.

Musste sich in dieser Saison des Öfteren in ungewohnter Rolle wiederfinden: Rani Khedira ist zwar jeden Spieltag eine Option für die Startelf, aber längst nicht mehr gesetzt. (Foto via imago)

Rafal Gikiewicz (Vertrag bis 2022, Marktwert: 1,5 Mio. Euro)

Mit Rafal Gikiewicz hat der FC Augsburg endlich das Problem auf der Torhüterposition gelöst. Der Pole ist absoluter Führungsspieler und scheut nicht davor, auch einmal ungemütlichere Töne anzustimmen – auf und nebem dem Platz. Weil zudem die sportliche Leistung stimmt (Gikiewicz wehrt ligaweit die zweitmeisten Schüsse ab), spricht eigentlich nur wenig gegen eine Vertragsverlängerung.

RoGaz-Prognonse: Gikiewicz ist bereits 33 Jahre – ein für einen Torwart gehobenes, aber nicht zwingend leistungsabfallendes Alter. Dennoch wird der FCA Gikiewiczs Entwicklung aufmerksam beobachten und daher wohl nicht voreilig mit seinem ältesten Spieler im Kader verlängern. Bringt der Keeper aber auch in der Folgesaison gute Leistungen, steht einer Verlängerung nichts mehr im Weg.

Der konstanteste Profi in dieser FCA-Saison: Rafal Gikiewicz war von Anfang an ein sicherer Rückhalt einer oft von Leistungsschwankungen gezeichneten Augsburger Mannschaft. Wie lange bleibt der Pole in Schwaben? (Foto via imago)

Jan Moravek (Vertrag bis 2022, Marktwert: 600 Tsd. Euro)

Es ist sehr schwierig, die Leistungen von Jan Moravek fair zu bewerten. Blickt man auf die reinen Fakten, so kam der Tscheche seit 2013 nicht mehr über 16 Einsätze pro Saison hinaus. Viele davon als Joker. In dieser Spielzeit steht die Null in der Statistik. Keine Frage, Moravek ist im Augsburger Kader nur Ergänzungsspieler – und dementsprechend verzichtbar.

Man kann nur spekulieren, welche Rolle der frühere Nationalspieler in Augsburg eingenommen hätte, wenn er denn einmal konstant verletzungsfrei geblieben wäre. Wir sind uns sicher, dass Moravek sein Leistungspotential nie richtig ausschöpfen konnte – dieses aber nun auch mit 31 Jahren nicht mehr ausschöpfen wird.

RoGaz-Prognose: Eine Verlängerung hat für den FC Augsburg keine große Priorität. Weil Angebote für einen verletzungsanfälligen Ü30-Spieler rar sind, deutet derzeit vieles daraufhin, dass Moravek seinen Vertrag erfüllt und den Verein 2022 ablösefrei verlässt. Denkbar auch, dass es den Tschechen zurück in seine Heimat zieht, eventuell zu Ex-Klub Bohemians Prag.

Auch in dieser Saison vielmehr Rekonvaleszent als ernstzunehmende Alternative für den Kader. Jan Moravek erholt sich derzeit von einer Muskelverletzung. (Foto via imago)

Tim Civeja (Vertrag bis 2022, Marktwert: 300 Tsd. Euro)

Zur Vertragslaufzeit Tim Civejas machte der FC Augsburg im Sommer keine Angabe. Bei der Beförderung zum Profi hieß es lediglich, der 19-Jährige erhalte einen “langfristigen Vertrag”. Nach Informationen von transfermarkt.de soll das Arbeitspapier des gebürtigen Dachauers bis 2022 gelten. Bis dahin will der zentrale Mittelfeldspieler, der in Bremen sein Debüt feiern durfte, weiter näher an die erste Mannschaft heranrücken.

RoGaz-Prognose: Der FC Augsburg ist sich dem Potential Civejas bewusst und wird vorzeitig dafür sorgen, dass der Mittelfeldspieler langfristig am Lech bleibt.

Vom eigenen Nachwuchs in die Bundesliga: Tim Civeja steht sinnbildlich für den Weg, den der FCA einschlagen möchte – und genießt daher wohl noch länger das Vertrauen der Verantwortlichen. (Foto via imago)

Felix Götze (Vertrag bis 2022, Marktwert: 725 Tsd. Euro)

Felix Götze konnte bislang nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Immer wieder warfen den zentralen Mittelfeldspieler, der auch als Verteidiger agieren kann, Verletzungen zurück. Seit seinem Wechsel 2018 kam der 22-Jährige neun Mal für die Profis des FCA zum Einsatz. Zuletzt sollte der Ex-Münchner eigentlich verliehen werden, doch eine Corona-Infektion verhinderte den nächsten Karriereschritt.

RoGaz-Prognose: Entscheidend wird sein, was Götze selbst willl. Der FC Ausgburg würde ihm bei einem Wechselwunsch gewiss keine Steine in den Weg legen. Tendenz: Abschied im Sommer.

Eines der wenigen Highlights für Felix Götze im Augsburger Dress: Der Bruder von Weltmeister Mario trifft im September 2018 zum 1:1-Ausgleich gegen den FC Bayern. (Foto via imago)

André Hahn (Vertrag bis 2022, Marktwert: 1,8 Mio. Euro)

André Hahn schien in dieser Saison seinen zweiten Frühling zu erleben. Der 30-Jährige spielte sich mit starken Leistungen in die Startelf, wurde im Dezember dann aber durch eine Covid-Erkrankung ausgebremst. Wieder fit, knüpfte der einfache Nationalspieler nun direkt an seine guten Auftritte an und war zuletzt gegen Union an beiden Treffern beteiligt, bevor er gegen den BVB selbst traf.

Hahn steht insgesamt wenig für Spektakel, dafür aber umso mehr für Kampfgeist und Laufbereitsschaft. Der mannschaftsdienliche Außenspieler mag kein unumstrittener Stammspieler sein, ist aber gegen jeden Gegner eine Option für die Anfangsformation. Gerade solche Spieler braucht man.

RoGaz-Prognose: Der FC Augsburg verlängert noch einmal mit Hahn, wenn ihn die Verantwortlichen von der Rolle als Bindeglied zwischen Startelf und Joker überzeugen können.

André Hahn gehört zu den lauffreudigsten Spielern im Augsburger Kader und spult Spieltag für Spieltag mit die meisten Kilometer ab. Ein Prunkstück, das sich der FCA erhalten sollte. (Foto via imago)

Michael Gregoritsch (Vertrag bis 2022, Marktwert: 4,5 Mio. Euro)

Michael Gregoritsch erlebte nach seinem Wechsel aus Hamburg eine brillante Premierensaison in Rot-Grün-Weiß. 13 Tore und vier Vorlagen sorgten prompt für das Prädikat Königstransfer. In der Folgezeit ließ der zweifelsohne über fußballerisches Talent verfügende Offensivmann seine Klasse aber nur noch selten aufblitzen, bis jetzt kamen nur noch neun weitere Treffer hinzu.

2019 hatte Reuter die Chance, Gregoritsch zu verkaufen. Weil der als harter Verhandlungspartner bekannte Manager aber wohl zu viel Ablösesumme forderte, kam es nicht zu einem Wechsel nach Bremen. Anschließend haben der mehr oder minder erzwungene Leih-Wechsel zum FC Schalke sowie seine dürftige aktuelle Saison (ein Tor, zwei Vorlagen) Gregoritschs Standing in Augsburg nicht gerade verbessert.

RoGaz-Prognose: Den Moment der höchsten Ablösesumme hat der FC Augsburg verpasst. Weil Gregoritschs sportlicher Mehrwert (um den Klinsmann-Sprech zu verwenden) mittlerweile überschaubar ist, spricht wenig gegen einen Wechsel im Sommer – sofern denn die Ablösesumme stimmt.

Die Momente des Jubelns sind seltener geworden. Michael Gregoritsch erzielte in dieser Saison nur einen Treffer und ist immer seltener ein Kandidat für die Startelf. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Maurice Malone (Vertrag bis 2022, Marktwert: 500 Tsd. Euro)

Derzeit ist Maurice Malone an Drittligist SV Wehen verliehen. Beim Zweitligaabsteiger sorgt der Stürmer dabei für ordentlich Furore und steuerte in 17 Spielen bereits acht Tore und sechs Vorlagen bei. Im Sommer kehrt der 20-Jährige wieder nach Ausgburg zurück und will sich in der Bundesliga beweisen. Ob eine gute Saison in Wiesbaden für die Beletage reicht, bleibt vorerst abzuwarten.

Das Vertrauen in das Eigengewächs (seit 2008 im Verein) ist definitiv gegeben. Nicht ausgeschlossen scheint eine weitere Leihe – vielleicht zu einem Bundesligaaufsteiger wie bei Sergio Cordova. Dann müsste der FCA Malones Vertrag aber verlängern, denn Spieler mit nur noch einem Jahr Restvertrag können nicht mehr verliehen werden.

RoGaz-Prognose: Die Sommervorbereitung sowie die generelle Situation im Augsburger Angriff werden darüber entscheiden, ob Malone Chancen auf Einsatzzeiten hat. Kommen die Verantwortlichen zu dem Entschluss, dass dies nicht der Fall ist, kommt es zur Vertragsverlängerung sowie einer Leihe zu einem mittelstarken Verein. Ein endgültiger Abschied aus Augsburg ist unwahrscheinlich.

Maurice Malone zeigt aktuell, dass er eine ernstzunehmende Option für die Zukunft sein kann. Der Linksfuß könnte der nächste Ausgburger Bundesligadebütant aus dem eigenen Nachwuchs sein. (Foto via imago)

Florian Niederlechner (Vertrag bis 2022, Marktwert: 10 Mio. Euro)

Florian Niederlechner wechselte im Sommer 2019 hauptsächich wegen zwei Gründen nach Ausgburg. Der Familienmensch wollte näher an seine oberbayerische Heimat heranrücken – und obendrein seine Einsatzzeiten in der Bundesliga erhöhen. Beides ist dem früheren Freiburger gelungen.

In Augsburg kommt Niederlechner regelmäßig zum Zug und ist gewissermaßen Stürmer Nummer Eins. Der gebürtige Ebersberger genießt auch in sportlich schlechteren Zeiten wie jüngst während seiner 997 Minuten andauernden Torflaute das Vertrauen und wird vom Team geschätzt. Aktuell gibt es wenige Gründe, die gegen eine Zusammearbeit über 2022 hinaus sprechen.

RoGaz-Prognose: Der FC Augsburg setzt auch in Zukunft die Dienste des Topstürmers der abgelaufenen Saison. Weil Niederlechner den FCA sehr schätzt, sollten die Verhandlungen nicht allzu schwierig werden.

Lang ersehnter Torschrei: Florian Niederlechner jubelt über das 1:0 gegen Union Berlin. Wie viele Treffer steuert der Angreifer in seiner Karriere noch für den FC Augsburg bei? (Foto via imago)

Alfred Finnbogason (Vertrag bis 2022, Marktwert: 2,5 Mio. Euro)

Alfred Finnbogason war vor seinem Engagement in Augsburg ein regelrechter Wandervogel. Der Isländer kickte bereits in Belgien, Schweden, den Niederlanden, Spanien und Griechenland. Seit Januar 2016 ist er in Augsburg zu Hause, wo auch seine beiden Kinder zur Welt kamen. In der Fuggerstadt fühlt sich der 31-Jährige pudelwohl, was etwa daran deutlich wird, dass er sich noch während der Weltmeisterschaft 2018 zum FCA bekannte.

Wie die Situation in einem Jahr aussieht, ist allerdings unklar. Finnbogason steht womöglich vor der letzten Möglichkeit auf einen großen Vertrag. Dass er diesen nicht längst schon unterschrieben hat, liegt paradoxerweise am gleichzeitig größten Vor- und Nachteil für den FC Augsburg: seiner Verletzungsanfälligkeit.

Denn wäre Finnbogason in der Vergangenheit längere Zeit verletzungsfrei geblieben, würde er jetzt wohl nicht mehr in Augsburg spielen. Der Isländer ist eigentlich ein Europa-League-Stürmer. Mindestens. Das ist aber nunmal nicht der Fall und somit ist Finnbogasons Wert für die Mannschaft in den letzten Monaten gesunken. Was also will der FC Augsburg? Ein letztes Mal eine Ablösesumme für den 31-Jährigen kassieren oder ihn weiter an den Verein binden? Finnbogasons Zukunft entscheidet sich wohl im Sommer.

RoGaz-Prognose: Eine Sturmspitze mit Niederlechner und Finnbogason kann sich eigentlich mehr als sehen lassen. In Anbetracht der Situation um Sergio Cordova und Maurice Malone könnte sich der FCA bei einem passenden Angebot aber wohl dennoch für einen Verkauf entscheiden. Wir finden allerdings, dass mit dem Publikumsliebling zwingend verlängert werden sollte, wenn sich die Chance dazu bietet und hoffen darauf, dass Finnbogason selbst in der Rückrunde Argumente für einen Verbleib liefert. Ausgang völlig offen.

Was hat Heiko Herrlich noch vor mit Alfred Finnbogason? Die Entscheidung über seine Zukunft hängt auch vom Wohlbefinden des Coaches ab. (Foto via imago)

Fazit

Stefan Reuter steht vor einem anstrengendem Transfer-Sommer. Aufgrund der Vielzahl an Spielern, deren Arbeitspapier im Jahr 2020 ausläuft, werden die Weichen für die Zukunft schon in wenigen Monaten gestellt. Im Einzelfall gilt es dann abzuwägen: letzte Chance auf einen Verkauf mit Ablösesumme oder langfristige Verängerung? Dass die Beantwortung dieser Frage elementar sein kann, zeigt derzeit das Beispiel Rani Khedira.

Die Wochen der Wahrheit

Beim Schreiben dieser Zeilen ist das Bundesligaspiel des FC Augsburg gegen den FC Bayern noch nicht einmal 24 Stunden alt. Beim Blick zurück auf die 0:1-Niederlage schwingt dabei nach wie vor das Gefühl mit, dass gegen den Triple-Sieger mehr drin gewesen wäre als die 15. Niederlage im 19. Bundesligaduell. Die von erschreckendem Angsthasen-Fußball geprägte erste Halbzeit darf und muss kritisiert werden, keine Frage. Gleichzeitig sollte der zweite Durchgang allerdings auch Mut machen. Mut, auch gegen stärkere Gegner bestehen zu können. Gegner, mit denen es der FC Augsburg in den kommenden Wochen zuhauf zu tun bekommt. In den nächsten fünf Spielen treffen die Schwaben ausnahmslos auf Teams aus der Top-6. So auch am Samstag (15.30 Uhr), wenn Union Berlin zu Gast am Lech ist.

Das Hinspiel in Berlin konnte der FCA positiv bestreiten. Ruben Vargas, Michael Gregoritsch und André Hahn sorgten für einen 3:1-Sieg an der Alten Försterei. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Über den Gegner

Die Berliner sind zweifelsohne die Überraschungsmannschaft der Saison. Nach Abschluss der Hinrunde haben die Köpenicker stolze 28 Punkte auf dem Konto – einen weniger als Borussia Dortmund und neun mehr als der FC Augsburg. Vor der Saison wurden die Eisernen von vielen als Abstiegskandidat gehandelt, die Rede war vom viel zitierten “verflixten zweiten Bundesligajahr”.

Diesen kritischen Stimmen trotzt die Mannschaft von Urs Fischers allerdings Woche für Woche. Union hat gerade einmal drei Spiele verloren (unter anderem gegen den FCA) und bietet selbst Spitzenteams Paroli. Den Bayern konnte ein 1:1 abverlangt, gegen Leverkusen (1:0) und Dortmund (2:1) sogar gewonnen werden. Zudem blieb der FCU am Mittwoch in Leipzig das erste Mal in dieser Saison torlos – und das, obwohl Toptransfer Max Kruse immer noch verletzt ausfällt. Zum Vergleich: Der FC Augsburg brachte bereits in sechs Spielen keinen eigenen Treffer zusammen.

Die Eisernen durften in dieser Saison schon häufig jubeln. 28 Punkte bedeuten Tabellenplatz sechs. (Foto via imago)

Urs Fischer als Fußballlehrer – er macht seine Spieler besser

Der Vorjahreselfte stellt mit 32 Treffern die drittbeste Offensive der Liga, nur Dortmund (33) und Bayern (49) haben mehr. An dieser Zahl ist die enorme Weiterentwicklung des langjährigen Zweitligisten sehr gut abzulesen. In der vergangenen Saison erzielte die Fischer-Elf in der gesamten Saison gerade einmal 41 Treffer, also nur neun mehr als bisher. Der damalige Aufsteiger beschränkte sich in seinen Offensivaktionen auf lange Bälle und Standardsituation. Diese Elemente spielen auch heute noch eine entscheidende Rolle (die Ecken und Freistöße von Christopher Trimmel sind die gefährlichsten der Liga). Urs Fischer hat es allerdings geschafft, sein taktisches Repertoire zu erweitern. Union setzt mittlerweile auch auf spielerische Ansätze und variable Formationen. Das Spiel der Köpenicker ist unausrechenbarer als noch in der Vorsaison. Hinzu kommen ein aggressives Anlaufen (höchste Laufdistanz der Liga), ein körperbetontes, aber nicht unfaires Verteidigen sowie ein hervorragender Teamgeist.

All das wird gepaart mit einem Trainer, der es bei nahezu allen Spielern geschafft hat, sie auf ein neues Level zu bringen. Christopher Lenz oder Robert Andrich drohten in der 2. Bundesliga zu versumpfen – jetzt sind sie Bundesliga-Stammspieler. Gleiches gilt für die Ex-Augsburger Marvin Friedrich und Andreas Luthe, die nach düsteren Zeiten in der Fuggerstadt ebenfalls schon als abgeschrieben galten. Dass trotz der derzeitigen Erfolgswelle niemand an der Alten Försterei durchdreht und Fischer statt von Europa vom Klassenerhalt spricht, steht obendrein sinnbildlich für den positiven Weg, den der Verein eingeschlagen hat.

Konnten sich beide nicht in Augsburg etablieren: Andreas Luthe (r) machte 31 Spiele, Marvin Friedrich (2.v.l) kam sogar nur in der U23 zum Einsatz (26 Spiele). Bei Union sind beide unangefochtene Stammspieler. (Foto via imago)

Die Fakten zu #FCAFCU

Alupremiere: Gegen den FC Bayern traf der FC Augsburg in Person von Alfred Finnbogason das erste Mal in dieser Saison Pfosten oder Latte. Kein Team scheitert seltener am Aluminium. Spitzenreiter in dieser Kategorie ist der VfB Stuttgart (zehn).

Elfer-Bilanz: Alfred Finnbogason trat vor dem Bayern-Spiel zehn mal im Augsburger Trikot zu einem Elfmeter an – und war dabei stets erfolgreich. Gegen die Bayern scheiterte der Isländer erstmals. In seiner gesamten Karriere kommt er übrigens auf eine Quote von 28/31.

Kilometerfresser: Union Berlin stellt gleich drei Spieler der zehn laufstärksten Spieler der Bundesliga: Robin Knoche (187 Kilometer), Christopher Lenz (186) und Marvin Friedrich (185). Bielefelds Marcel Hartel spult die meisten Kilometer ab (205), bester Augsburger ist Daniel Caligiuri auf Rang 15 (180).

Passschwach: Der FC Augsburg trifft am Samstag mal wieder auf eine Mannschaft, die eine geringere Passquote vorzuweisen hat. Die 79,6 Prozent des FCA bedeuten ligaweit Rang 15, Union ist einen Platz dahinter mit 78,9 Prozent. Nur Köln (78,4) und Mainz (76,8) sind schlechter.

Zweikampfmoster: Daniel Caligiuri hat ligaweit die zweitmeisten Zweikämpfe für sich entschieden (239). Nur Stuttgarts Wataru Endo hat mehr (262), Dritter ist übrigens Ex-Augsburger Martin Hinteregger (228). Felix Uduokhai landet zusammen mit Unions Christopher Lenz auf einem starken zwölften Rang (187).

Daniel Caligiuri scheint trotz seiner 33 Jahre noch nicht müde zu sein. Man kann gar ncht oft genug betonen, wie wichtig dieser Transfer war. (Foto via imago)

Die letzten Begegnungen

19.09.2020: Union Berlin – FC Augsburg 1:3

25.01.2020: Union Berlin – FC Augsburg 2:0

24.08.2019: FC Augsburg – Union Berlin 1:1

12.03.2011: Union Berlin – FC Augsburg 0:0 (2. Liga)

22.10.2010: FC Augsburg – Union Berlin 2:1 (2. Liga)

Im Oktober 2010 egalisiert der FC Augsburg einen Benyamina-Treffer erst durch Uwe Möhrle, ehe Stephan Hain (Mitte) in der 93. Minute per Hinterkopf zum viel umjubelten 2:1 netzt. (Foto via imago)

Was macht eigentlich Caiuby?

Caiuby Francisco da Silva, der Lockenkopf aus Sao Paulo, sorgte in Augsburg immer wieder abseits des Rasens für Schlagzeilen: Party-Ärger, Schwarzfahrern, Verspätungen, verlängerter Urlaub. Die Liste der Verfehlungen ist lang und gipfelte 2019 in der Suspendierung des Publikumslieblings.

Nachdem der Brasilianer für ein halbes Jahr leihweise bei den Grasshoppers Zürich geparkt wurde, stand er im Sommer 2019 ohne Verein da – bis jetzt. Im Januar unterschrieb der 32-Jährige einen Vertrag bei Ex-Klub FC Ingolstadt, wo er bereits seit einigen Monaten mittrainieren durfte. Am Montag gegen 1860 München feierte der Stürmer sein Comeback für die Schanzer und wurde in der 80. Minute eingewechselt. Die Niederlage konnte allerdings auch Caiuby nicht verhindern. Dank eines gewissen Sascha Mölders besiegten die Löwen den FCI mit 1:0. Nach Abpfiff lagen sich die beiden Ex-Kollegen im Mittelkreis in den Armen. Drei Jahre hatten sie zusammen für den FCA gespielt.

(Bei Sascha Mölders ist übrigens gesichert, dass kein Friseur besucht wurde, obwohl die Haare wieder schön waren. Seine Frau hielt auf Instagram fest, wie der Sohn dem Vater mit dem Rasierer an den Pelz ging. Bestes Vorbild!)

Ein Hauch von Augsburg im Grünwalder Stadion. Caiuby und Sascha Mölders haben offenbar nach wie vor ein gutes Verhältnis. (Foto via imago)

Was sonst noch wichtig ist

Am 27. Januar jährt sich zum 76. Mal der Tag, an dem die Überlebenden im Konzentrationslager Auschwitz aus ihrer Gefangenschaft befreit wurden. Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus unterstützt der FC Augsburg daher in diesem Jahr den “Erinnerungstag im deutschen Fußball“ von der Initiative „Nie wieder“.

Fokus des diesjährigen Erinnerungstages liegt dabei auf Menschen, die im Dritten Reich aufgrund ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung verfolgt und ermordet wurden. “In der Homosexualität sind alle bösen Triebe der Judenseele vereint”, hieß es damals vonseiten der NSDAP.

Der FC Augsburg setzt daher “ein Zeichen gegen Diskriminierung, gegen das Vergessen der menschenverachtenden Gräueltaten der Nationalsozialisten und für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft.”

Die Eckfahnen sowie Jeffrey Gouweleeuws Kapitänsbinde werden die Farben der Regenbogenfahne tragen, außerdem soll die WWK-Arena am Spieltag statt in grün in Regenbogenfarben leuchten. Auch wir lehnen jegliche Art der Diskriminierung ab, sind #ImmernochOriginal1907 und stellen eindringlich klar: Nie wieder!

Gerade in den Kommentaren der sozialen Medien scheint das nicht jedem zu gefallen. Wir freuen uns hier über die Klarheit unseres Clubs:

Doch äußerst verwundert mussten wir feststellen, wie sich manche „FCA-Fans“ in den Kommentaren äußern! Genau diese Kommentare zeigen uns aber, dass es wichtig ist, sich für diese Themen ohne Wenn und Aber einzusetzen! Wir zeigen klare Kante gegen Diskriminierung, Rassismus und Intoleranz und stehen entschieden für eine weltoffene Gesellschaft ein! Wem das nicht gefällt, ist bei Rot-Grün-Weiß an der falschen Adresse!

FC Augsburg in einem Instagram-Kommentar

Die vorraussichtliche Aufstellung

Im Hinspiel setzte Heiko Herrlich noch auf eine Viererkette und bekam die Eisernen damit gut in den Griff. Dennoch ist davon auszugehen, dass der Coach an der mittlerweile bewährten Dreierkette mit Reece Oxford, Jeffrey Gouweleeuw und Felix Uduokhai festhält. Tobias Strobl dürfte für Rani Khedira vor die Abwehrkette rücken.

In der Offensive muss der FCA auf den angeschlagenen Ruben Vargas verzichten, der, wie Herrlich betonte, aber nicht länger ausfallen sollte. Damit bleibt aller Voraussicht nach der lauf- und einsatzstarke André Hahn zusammen mit Marco Richter in der Startelf. Im Vergleich zum Mittwoch dürfte der FCA zudem wieder auf einen echten Stürmer setzen. Dass der FCA gegen die Berliner öfter in Ballbesitz sein wird, spricht in diesem Fall für den etwas spielstärkeren Alfred Finnbogason. Dann stünde Florian Niederlechner als Joker bereit.

Weitere Alternativen sind Noah Joel Sarenren Bazee und insbesondere der nach seiner Einwechslung stark aufspielende Fredrik Jensen. Michael Gregoritsch fehlte gegen die Münchner auf dem Spielberichtsbogen, dürfte aber wieder in den Kader zurückkehren. Raphael Framberger (Muskelfaserriss) ist noch keine Option.

Gikiewicz – Caligiuri, Oxford, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Strobl, Gruezo – Hahn, Richter – Finnbogason

Dass Reece Oxford noch einmal mehrere Spiele in Folge für den FCA in der Startelf stehen wird, haben wohl nur wenige in Augsburg für möglich gehalten. Auch wir hatten den Engländer bereits abgeschrieben, müssen aber festhalten: Der Innenverteidiger macht derzeit einen guten Job! (Foto via imago)

Tipps

Andy: 2:0 – Ich lasse mir meinen Optimismus nicht nehmen. Union liegt uns und wir holen 3 Punkte. Gefeiert werden die Tore mit der Regenbogeneckfahne.

Irina: 1:1 – mehr als ein Punkt springt gegen starke Berliner nicht heraus.

Franzi: 2:1 – vor dem Hammerprogramm der nächsten Wochen müssen gegen den veremeintlich leichtesten Gegner unbedingt Punkte her. Die holen wir uns, weil genau das alle wissen, und dazu Giki gegen seinen alten Verein seine Bude verteidigen wird – als ginge es um Leben und Tod 🙂

Andi: 3:1 – Dieser Tipp ist maßgeblich mit dem Wunsch verbunden, die Mannschaft einmal offensiv nach vorne spielen zu sehen. Die Qualität zum Toreschießen ist ja eigentlich da. Dazu müsste Herrlich allerdings auch etwas risikofreudiger aufstellen. Dann wird der Mut auch belohnt.

„Herrlicher“ Fußball beim FCA?

Ja, ich weiß. Wortspiele mit Heiko Herrlichs Nachnamen gibt es schon zur Genüge. Trotzdem kommt heute noch ein weiteres dazu. Denn ich will hiermit einmal den Versuch starten, mir die Spielidee des Trainers ein bisschen genauer anzusehen. Und dabei auch fragen, ob sich inzwischen so etwas wie ein von Herrlich geprägter Spielstil beim FCA abgezeichnet hat. Eben ein „herrlicher Fußball“. Da ist die Überschrift doch durchaus gerechtfertigt, oder?

Spurensuche

Wenn man sich jetzt – wie ich – auf die Suche nach einer „Idee“ begibt, die der Trainer mit der Mannschaft verfolgt. Tja, wo fängt man da an und wo wird man fündig? Ich denke, da gibt es ganz grundsätzlich zwei Fundgruben, in die man sich begeben kann.

Zum einen kann man sich ansehen, was Herrlich darüber gesagt hat, was und wie er spielen lassen will. In seinen Aussagen, die die Medien in Interviews und Pressekonferenzen eingefangen haben, lassen sich sicherlich Spuren von seiner Ideenwelt finden.

Zum anderen müssen wir natürlich auch darauf schauen, was wir auf dem Platz gesehen haben: Wie sieht unser Kader aus? Mit welcher Formation sind wir aufgelaufen? Welche Spielsysteme hat Herrlich spielen lassen? Welche Mittel und Wege haben wir gegen den jeweiligen Gegner gefunden – oder auch nicht?

Schmidts Vermächtnis

Bevor ich zu unserem aktuellen Trainer komme, will ich ein Stück weit zurückgehen und bei seinem Vorgänger Martin Schmidt ansetzen. Charakteristisch für unsere damalige Spielweise unter Schmidt war sicherlich die relative hohe Verteidigung. Das heißt: Wir haben versucht, dem Gegner weit in seiner eigenen Hälfte den Ball abzunehmen und nach gelungener Balleroberung aufs Tor zuzugehen.

Leider hat das nicht allzu oft geklappt. Im Gegenteil: gerade gegen stärkere Gegner nicht, wie z. B. zu Hause gegen den BVB beim 3:5 in der letzten Saison. Da ist diese hohe Verteidigung in ein permanentes Attackieren und Anrennen“ umgekippt, sodass der FCA letztlich „kopflos ins Verderben gerannt ist“. Das schrieb der Kicker damals. Und zwar deshalb, weil wir es eben meistens nicht geschafft haben, den Gegner vom Ball zu trennen. Der konnte dann einfach hinter unsere hochstehenden Verteidiger passen und antrittsschnelle Stürmer wie Haaland oder Sancho auf (leider erfolgreiche) Torejagd gegen uns schicken.

Diese Spielweise, die man im Training auch als Angriffspressing bezeichnet, hat nicht nur für dauerhohe Torgefahr durch den Gegner gesorgt. Weil die Laufwege in unsere eigene Spielhälfte durch das hohe Verteidigen sehr lang waren, ist uns regelmäßig in der letzten halben Stunde auch die Puste ausgegangen. Der Kicker errechnete: Nach der besagten Partie gegen Dortmund hatten wir „schon 18 Punkte nach Führung verspielt, die meisten der Liga“. Zudem hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon „17 Gegentore ab der 61. Minute“ bekommen, „der zweitschlechteste Wert hinter Mainz (18)“.

Schmidts Antwort darauf war: „eine Balance“ finden, an der gearbeitet werden müsse. Obwohl er grundsätzlich weiterhin an seinem „Ansatz aus Pressing und Umschaltspiel gegen Teams auf Augenhöhe“ festhielt. Die Chance, an einer neuen Balance zu arbeiten, hat er nicht mehr bekommen. Bekanntlich musste Schmidt keine zwei Monate nach dem BVB-Spiel gehen.

Was Herrlich über seine Idee gesagt hat

Als Herrlich im März 2020 beim FCA übernahm, sei er von Stefan Reuter erst einmal mit desolaten Spieldaten konfrontiert worden: mit der schlechtesten Quote der Liga bei Ballbesitz, (angekommenen) Pässen und gewonnenen Zweikämpfen und dazu dem zweitletzten bzw. drittletzten Rang bei zugelassenen bzw. erspielten Torchancen.

Die Torchancen, zu viele gegnerische und zu wenige eigene, erklärte der neue Trainer dann auch gleich zur Chefsache: „Egal, wo ich war, wir haben uns immer sehr viele Torchancen herausgespielt. Das sind Elemente, die ich hier reinbringen möchte“, wird Herrlich von der AZ zu seinem Amtsantritt beim FCA zitiert. Um dem Problem Ballbesitz beizukommen, wurde offenbar auch schon früh als Ziel ausgegeben: in ungefährlichen Zonen des Spielfelds längere Ballbesitzphasen schaffen.

Heiko Herrlich in Aktion(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Mehr eigene Torchancen und mehr eigener Ballbesitz waren also schon früh zwei Elemente von Herrlichs Idee für den Augsburger Fußball. Für André Niebler, Co-Trainer mit B-Lizenz für verschiedene Jugendmannschaften des FCA zwischen 2011 und 2017 und Autor einer erst kürzlich veröffentlichten, ziemlich interessanten Analyse zum Umschaltverhalten des FCA, spiegeln sich die Pläne von Heiko Herrlich für diese Saison aber vor allem in einem Zitat wieder:

Ich habe die Überzeugung, dass man sich in allen vier Spielphasen, gegen den Ball, mit dem Ball und in den Umschaltphasen, verbessern muss. Nur auf Standards oder auf Umschaltphasen zu hoffen, macht es auf Dauer schwer.

Heiko Herrlich über seine Spielidee

Demnach sind es für Heiko Herrlich alle vier Phasen im Spiel, auf die fortan der Fokus gelegt werden soll. Also nicht nur wie bisher die Ballbesitzphase des Gegners und die daran anschließenden Umschaltmomente nach Balleroberung. Sondern jetzt eben auch die eigenen Ballbesitz- und Umschaltphasen. Im Gegensatz zu Schmidts Fußball halte ich das für eine ganz neue Facette unter Herrlich.

Was wir auf dem Platz davon gesehen haben

Trotzdem liegt die große Stärke des FCA nach wie vor im Umschaltspiel bei gegnerischem Ballbesitz. Zu diesem Ergebnis kommt auch die neuerliche DFB-Analyse. Sie nimmt dazu jeweils zwei Szenen aus dem Spiel gegen die Hertha und Schalke mit aufschlussreichen Bildfolgen genauer unter die Lupe. (Ich fasse die Szenen nur kurz zusammen. Schaut sie euch für Genaueres gerne selbst an.)

Einmal, wie die Spieler das Umschalten vorbereiten: durch wenig Raum zwischen den Ketten und druckvolles Anlaufen des gegnerischen Spielers, der zu einem Rück- oder Querpass gezwungen wird. Und einmal, wie sie nach erfolgreicher Balleroberung umschalten: durch variables Spiel nach vorne (je nachdem, wo der Ball erobert wurde, durch die Mitte oder über außen) und schnelles Aufrücken.

In der Analyse heißt es außerdem, der FCA agiere in der Ballbesitzphase des Gegners inzwischen „in einem klassischen 4-4-2-Mittelfeldpressing“, verteidigt also nicht mehr ganz so hoch. Ein Nebeneffekt dieses verschobenen Mittelfeldpressings ist sicherlich, dass die Puste hintenraus wieder öfter gereicht hat. Nicht umsonst waren wir in der Schlussphase bisher überraschend stark und hatten, wie der FCA selbst schreibt, Bis(s) zum Schluss. Die acht eigenen Treffer in der Schlussviertelstunde nach dem 13. Spieltag sprechen laut der DFB-Analyse auch für „eine mental und athletisch topfitte Mannschaft“.

Topfit zum Siegtreffer. Gegen Bielefeld hat es schon geklappt. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Doch die DFB-Analyse versteift sich aus meiner Sicht zu sehr auf die Stärken des FCA. Die Schwächen deutet sie nur an. Da heißt es: Neben dem (neuen) Mittelfeldpressing komme auch das (alte) Angriffspressing hin und wieder zum Einsatz, z. B. bei Rückstand, wenig verbleibender Spielzeit oder gleichwertigen Gegnern. Bielefeld zum Beispiel. Das sei aber bisher nicht ganz so vielversprechend gewesen. Angesichts unseres schwachen Auftritts in Bielefeld, bei dem Herrlich personalbedingt mit Dreierkette und Caligiuri auf der linken (!) Außenbahn hat spielen lassen, kann man das so unterschreiben.

Auch das Ziel, mehr eigenen Ballbesitz (und daraus eigens initiierte Tore) zu generieren, ist in der Praxis noch nicht ganz aufgegangen. Zwar seien genau dafür „neue Veteranen“ wie Caligiuri und Strobl geholt worden, die zusammen mit den „Altgedienten“ wie Gouweleeuw oder Khedira Erfahrung und Übersicht mitbringen sollten. (Warum dazu nicht auch unser „alter Veteran“ Dani Baier getaugt hätte, ist eine andere Frage…) Und auch der miserable Wert von einst hat sich verbessert. Doch gerade in eigenem Ballbesitz fehlen noch Kreativität und Ideen, wie man dem Gegner in der Vertikalen ein Schnippchen schlagen kann. Die neue, offensivere Richtung in Bewegung und Denke ist noch nicht ganz bei der Mannschaft angekommen.   

Was wir für die weiteren Spiele erwarten (dürfen)

Wenn ich die zusammengetragenen „Hinweise“ auf Heiko Herrlichs Spielidee jetzt Revue passieren lasse, kann ich vielleicht Folgendes festhalten. In den kommenden Spielen wird es (ihm) darum gehen:

  1. Die (alte) Stärke des FCA, das Umschalten und die Balleroberung, weiter ausbauen.
  2. Die (neue) Stärke des FCA, die mentale und athletische Fitness auch in der Schlussphase, aufrechterhalten.
  3. Den angestoßenen Prozess, das Spiel mit dem Ball, weiter vorantreiben. Um auch tiefer stehende Gegner zu überwinden, sich auch abseits von Umschaltphasen Chancen zu erarbeiten und so schließlich öfter zum Torerfolg zu kommen.

Vielleicht hat Heiko Herrlich auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart am Sonntag gerade diesen dritten, noch ausbaufähigen Punkt gemeint, als er von seiner Mannschaft – in ungewohnt direkter Manier – forderte, sie müsse jetzt ihre Leistung steigern und „den nächsten Schritt gehen“.

Ob uns das gelingt, wird aus meiner Sicht auch davon abhängen, ob sich die Mannschaft mittelfristig überhaupt damit identifizieren kann, öfter in Ballbesitz zu sein und daraus eigene Aktionen zu kreieren. Ob sie sich in dieser neuen Rolle wohlfühlt, einmal nicht der Außenseiter in Dauer-Lauerstellung zu sein, sondern selbst den Takt vorzugeben. Und ob bei dieser Mission auch alle mitziehen. (So wie umgekehrt für erfolgreiches Umschalten auch bei allen der Wille vorhanden sein muss, das eigene Tor zu verteidigen.)

Gegen den VfB Stuttgart gingen nicht alle Pläne auf. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Am Wochenende beim 1:4 gegen den VfB war dieser Wille zum Angriff leider nur streckenweise, nur in Ansätzen zu erkennen. Nach dem Gegentreffer in der 10. Minute und in den Minuten nach dem Seitenwechsel. Nach toller Vorlage von Vargas erzielte Richter dann auch prompt den Anschlusstreffer.

Und auch der Wille zum Verteidigen, unsere alte Dauerstärke, hatte sich stellenweise verflüchtigt. Wir attackierten nicht konsequent genug im Mittelfeld, ließen uns dort (mit zugegebenermaßen teils genialen Pässen wie von Kempf vor dem 0:2) überspielen und schienen uns gerade in „unserer“ Schlussphase fast aufgegeben zu haben. Darauf deutet jedenfalls hin, dass sich beim 1:4 niemand für den späteren Torschützen Didavi verantwortlich fühlte. Zum Beispiel versuchte Udoukhai nicht einmal mehr, den reingehenden Ball durch ein letztes Reinrutschen noch aus dem Tor zu fischen. Und nach dem Treffer ließen auffällig viele FCA-Spieler sprichwörtlich die Köpfe hängen. Immer eine vielsagende Geste, finde ich.

Von herrlichem Fußball – im herkömmlichen Sinne – kann beim FCA also noch keine Rede sein. Zu viele offene Baustellen gibt es. Trotzdem hat sich beim FCA unter Heiko Herrlich meiner Meinung nach inzwischen so etwas wie eine „herrliche“ Spielidee abgezeichnet. Wenn auch nur ganz leicht und vor allem langsam. Dass die Mannschaft sich diesen Stil, mehr eigene Spielkontrolle auszuüben und sich dabei zugleich auf alte Tugenden zu stützen, mit der Zeit aneignen kann, da bin ich optimistisch. Denn ich finde, er steht ihr.

Allerdings wird das nur klappen, wenn sie das auch wirklich will. Damit meine ich auch Herrlich selbst, der genauso wie sein Team in der Pflicht steht, diesen Willen, diesen geforderten Hunger ins Spiel hinein zu vermitteln. Oder was meint ihr?

Heja!

Blick auf’s Wesentliche

Das ging schneller als erwartet: Der erste Pflichtspielsieg im Jahr 2021 ist bereits am 2.1.21 eingefahren worden. Der Blick auf die Tabelle ist derzeit recht angenehm, der Abstand auf einen Abstiegsplatz komfortabel. Die WWK Arena leuchtet also direkt am Tag nach Neujahr grün, denn der FCA schlägt in einer zweikampfreichen Partie den direkten Konkurrenten 1. FC Köln mit 1:0. Man kann an dieser Stelle nun diskutieren, ob der Sieg verdient war und ob der FCA sich nun – nach mageren vier Tagen “Verschnaufpause” – in der Offensive spielerisch verbessert hat. Und ob gegebenenfalls auf dem Transfermarkt noch was passiert?

Rück-Blick

Die Hiobsbotschaften vor dem Spiel: Framberger und Finnbogason sind beide (mal wieder) verletzt. Dies zwang Trainer Heiko Herrlich schon vor Anpfiff zur (System-)Umstellung. Reece Oxford, vielgescholtener Innenverteidiger des FCA, ergänzte die nominelle Dreierkette rund um Gouweleeuw und Uduokhai. Marco Richter und Ruben Vargas sollten offensiv für Gefahr und kreative Momente sorgen. Vor ihnen startete der (noch) trefferlose Florian Niederlechner im Sturmzentrum. Strobl und Gruezo bildeten das Duo auf der Sechs, Rani Khedira fand sich dadurch auf der Bank wieder. Auf außen bildeten Daniel Caligiuri und Iago die Augsburger Flügelzange. Für den von Covid-19 wieder genesenen André Hahn reichte es noch nicht für die Startelf.

So viel zum Personellen. Das Spiel war spielerisch und im Nachgang betrachtet kein Genuss, da sehr chancenarm. Richtige Hochkaräter waren kaum dabei. Der FCA stand defensiv sicher, offensiv blitzte die ein oder andere ansehnliche Kombination auf. Hatte man in Halbzeit eins noch das Gefühl, dass Köln nur auf dem Papier mitspielte, kam der FC scheinbar hochmotiviert aus der Halbzeitpause. In den zweiten 45 Minuten hatten die Kölner ein paar erwähnenswerte Torabschlüsse, die allesamt der gut aufgelegte “Gike” entschärfte. Oder Florian Niederlechner aus der Gefahrenzone köpfte.

Florian Niederlechner war gut im Spiel gegen den Effzeh (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Heiko Herrlich wechselte sodann ein wenig offensiver: Man merkte auf der Augsburger Bank offensichtlich, dass hier noch drei Punkte möglich sind. Hahn kam für den blassen Vargas in die Partie. Und mit ihm fiel dann die Führung! Schöne Ballstafette über ebenjenen Hahn und dem (mal wieder) laufstarken Caligiuri, ein uneigennütziger Niederlechner legte quer im Strafraum zum mitgelaufenen Iago, der nur noch einschieben musste. 1:0 – so stand’s auch nach 93 Minuten.

Verdient? Aufgrund der statistischen Daten zum Spiel würde ich sagen: Ja. Vor allem Laufleistung, Passquote und Ballbesitz stimmten. Das ist durchaus selten beim FCA in dieser Saison. Die Passquote war hierbei die statistisch beste, der Ballbesitz (mit rund 55%) der zweitbeste Prozentsatz in der Saison 20/21.

  • Torschüsse (Köln:FCA): 12 : 11
  • Laufleistung (Köln:FCA): 110,8 km : 111,5 km
  • Pässe (Köln:FCA): 369 : 468
  • Passquote (Köln:FCA) 71% : 83%
  • Ballbesitz (Köln:FCA) 45% : 55%
  • Zweikampfquote (Köln:FCA) 53% : 47%
  • (alle Daten via kicker.de)

Die Zweikampfquote und auch die Anzahl der Fouls lagen eher in Händen des 1. FC Köln. Kampf ist halt seit jeher ein probates Mittel im Abstiegskampf, vor dem auch der FCA nicht zurückschreckt und schrecken sollte. Bemerkenswert aber, dass der FCA bereits sein 9. Tor in der Schlussviertelstunde erzielt – das sind mehr als die Hälfte der insgesamt 16 erzielten Tore des FCA in dieser Saison. Stefan Reuter sagt dazu: “So häufig, wie das in dieser Saison passiert, ist das sicher kein Zufall mehr.” Fitness, Wille und Moral der Augsburger Jungs stimmen also.

Erwähnenswert hier noch die zwei Abseitstore von Flo Niederlechner, die beide nicht zählten. Die Torflaute für den einsatzwilligen und arbeitsamen Stürmer geht also weiter. Mit Blick auf die Stats haben mich gerade zwei junge, defensiv ausgerichtete Spieler überrascht. Während Uduokhai die beste Zweikampfsquote aller FCA-Spieler hatte (71%), wies Oxford die zweitbeste Passquote (90%) auf (nach Strobl mit 93%). Kapitän Jeff Gouweleeuw enttäuscht hier im Hinblick auf die Zweikampfquote: Mit 29% ist er der schlechteste Zweikämpfer des FCA im Spiel gegen Köln und kassierte obendrein die fünfte gelbe Karte der laufenden Saison. Gegen Stuttgart darf er also auf der Tribüne Platz nehmen. Alle Daten stammen vom Kicker.

Weiterhin führten Wolf auf Kölner und Richter auf Augsburger Seite einen Privatzweikampf auf dem Feld – kleine Nickligkeiten zu Beginn, dann zwei härtere Einsteigen mit konsequenten Sanktionen zu Ende des Spiels. Richter sprach danach von Krieg auf dem Feld: “Auf dem Feld herrscht teilweise Krieg. Wir sind der FCA, wir wollen das Spiel gewinnen. Nach dem Spiel wird sich die Hand gegeben, und alles ist gut.”

Marco Richter wich keinem Zweikampf aus (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Von beiden Seiten wurde von Provokationen und Lamentieren auf dem Feld berichtet – mittlerweile schon und leider Usus in der Bundesliga. Markus Gisdol, Trainer der Kölner, drückte hierzu seine eigene Meinung ganz treffend aus: “Da gibt es nichts zu beschweren, da gilt es sich durchzusetzen. Das ist Profisport, da darf man nicht jammern, sondern muss klare Kante zeigen und dagegenhalten.”

Augen-Blick

Zuletzt baggerte der krisengebeutelte FC Schalke 04 an Marco Richter. Eine Leihe stand hier im Raum. Diesem Vorhaben wurde jedoch (medial) schnell ein Riegel vorgeschoben. So sagte Heiko Herrlich gegenüber der Augsburger Allgemeine zuletzt recht vehement: “Bei Marco Richter kommt ein Wechsel für uns nicht infrage. Das ist kein Thema.”

Scheinbar plant der FCA keine Wintertransfers zu tätigen – trotz zahlreicher und namhafter Ausfälle. Zuletzt erwischte es (mal wieder) das Eigengewächs Raphael Framberger, der einen Muskelfaserriss erlitten hat. Hier hofft Herrlich auf schnelle Rückkehr des Rechtsverteidigers: „Das ist schade, er war sehr gut drauf. Ich hoffe, dass er schnell zurückkommt.“ Auch Alfred Finnbogason fiel gegen Köln aus – bei ihm ist ebenfalls die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr vorhanden. “Finnbo” plagte sich diese Saison schon mehrmals mit Blessuren herum und konnte daher bisher nur zweimal in der Startelf stehen. Es fehlen weiterhin Freddy Jensen und Jan Moravek.

Ein treffsicherer Stürmer – das wünschen sich viele Augsburger Fans diesertags immens. Das haben wir zuletzt in einer Wunschliste für 2021 deutlich gemacht. Flo Niederlechner konnte zuletzt zweimal gegen Köln treffen, stand jedoch bei beiden Treffern und auch sonst sehr oft im Abseits. Einen Assist zum Siegtor steuerte der nimmermüde Arbeiter dennoch bei. Er nähert sich augenscheinlich dem Ende des Torfluchs an. Zu wünschen und zu hoffen wäre es allemal!

Bei Alfred Finnbogason hindessen muss man vielmehr hoffen, dass er eine Zeit lang unverletzt bleibt und nach seinen unzähligen Ausfällen wieder in Form kommt. Denn, wenn er in Form ist, ist er unaufhaltsam. Das haben wir hier in Augsburg noch in guter Erinnerung. Eine Neuverpflichtung eines Stürmers in Augsburg stand daher wohl noch nicht zur Debatte – trotz der Torflaute der Stürmer. Dies liegt vielleicht auch daran, dass auf dem Transfermarkt kaum (erschwingliche) Spieler des präferierten Kalibers verfügbar sind diesertags. Und dass mit Gregerl, Hahn und Richter drei weitere Spieler ggf. auf dieser Position aushelfen könnten. Gerade Hahn ist eigentlich in einer richtig guten Form, gestern im Testspiel gegen Regensburg steuerte er beispielsweise den Siegtreffer bei.

Trotzdessen: Ein Joshua Zirkzee, der seitens des FC Bayern verliehen werden soll, würde auch dem FCA gut zu Gesicht stehen. Aktuell ist laut Medienberichten Eintracht Frankfurt am 19jährigen Holländer dran . Jedoch scheint ein Knackpunkt zu sein, dass Bayern den Frankfurtern keine Kaufoption einräumen möchte. Hier käme der FCA ins Spiel – eine reine Träumerei meinerseits. Aber erinnert mich unweigerlich an die Leihen von Hojbjerg im Jahr 2014 und Leitner 2011. Im Winter auf dem Transfermarkt – und unter Corona-Bedingungen – zuzuschlagen, könnte trotz alledem teuer für den FCA werden.

Gleiches Spiel gilt auch für die Verpflichtung eines zentralen Mittelfeldspielers, der aber nicht zuhauf auf dem Transfermarkt zu finden ist. Zufrieden kann man bisher mit der Besetzung der kreativen Zentrale jedoch nicht sein. Zahlreiche Spieler wurden auf dieser Position ausprobiert, bei allen waren maximal guter Willen und Ansätze vorhanden. Auf den verletzungsanfälligen Freddy Jensen, der für die Position prädestiniert wäre, warten wir hier in Augsburg bislang vergeblich. Zu seinem Fitness- und Gesundheitszustand ist leider nichts bekannt. Auf Transfermarkt steht hierzu: Rückkehr unbekannt, fällt aus wegen Sprunggelenksproblemen. Irgendwie hat man den jungen und begabten Finnen in Augsburg daher ein wenig aus dem Blick verloren. Beim Testspiel am gestrigen Montag gegen Jahn Regensburg suchte man Frederik Jensen vergeblich, hingegen war Noah Sarenren Bazee nach überstandener Verletzung wieder auf dem Platz. Eine gute Nachricht.

Warten auf die Rückkehr. Wann kann Freddy Jensen wieder eingreifen? (Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Auf unserer Bank tummeln sich Nachwuchsspieler wie Civeja, Cheon und Berisha. Ich vermag es nicht zu sagen, ob diese jungen Kicker nun direkt eine Hilfe wären. Erfrischend wären sie allemal. Gegen Regensburg durften Civeja, Petrov und Berisha von Beginn an spielen – Civeja sogar über die volle Distanz. Die Nachwuchsspieler Franjovic, Schuster, Koudelka und Cheon wurden darüber hinaus noch in den Schlussminuten eingewechselt. Insbesondere Civeja hat im defensiven Mittelfeld eine sehr gute Figur abgegeben. Auch der offensivere Berisha wusste durchaus zu überzeugen .

Ich erinnere mich nur zu gerne an unsere (junge und wilde) Flügelzange von anno dazumal – Traore und Ndjeng! Oder an den kometenhaften Aufstieg des Regionalligakickers André Hahn zum deutschen Nationalspieler – im Augsburger Dress. In solche Fußstapfen gilt es zu treten – so groß sie auch sein mögen. Aber der Weg geht nur über ein Bundesliga-Debüt. Das ist diesen oben genannten Jungspielern bisher noch verwehrt geblieben. Vielleicht sehen wir so ein Debüt ja bereits gegen den VfB Stuttgart?

Aus-Blick

Ein Neuzugang externer Art steht seit Sommer 2020 schon fest. “Winther is coming”, titelte der FCA damals auf Instagram und Twitter. Der seit gestern 20jährige Innenverteidiger Frederik Winther, aktueller U21-Nationalspieler Dänemarks, wurde vom FCA für rund 1,3 Mio. Euro verpflichtet und direkt wieder an seinen Stammverein Lyngby verliehen. Alles Gute nachträglich an dieser Stelle! Spätestens zum 01.07.2021 wird man ihn dann wohl am Lech sehen. Interessant: Seine “Zweitposition” ist linker Verteidiger.

Weiterhin enden am 30.06.21 die Leihen von Kevin Danso (Fortuna Düsseldorf), Sergio Cordova (Arminia Bielefeld), Maurice Malone (Wiesbaden) und Jozo Stanic (Zwickau). Man wird sehen müssen, wer hier in Augsburg den Ansprüchen der ersten Fußballbundesliga – sofern wir die Klasse halten (toi, toi, toi) – genügt. Da im Rahmen des jetzigen Wintertransferfensters offenbar, trotz einiger Ausfälle, niemand verpflichtet werden soll – wird der Blick spätestens im Frühjahr in Richtung Sommertransferfenster wandern.

Es enden im Juni 2021 einige Verträge – genauer gesagt die von Rani Khedira, Marek Suchy und Julian Schieber. Schieber ist in Augsburg bekanntlichermaßen gar kein Thema mehr, auch Suchy spielt sportlich nur eine Nebenrolle. Aber der Abgang von Rani Khedira, der eigentlich Baier-Nachfolger sein sollte, würde schon ein wenig (qualitativ) schmerzen.

Spätestens 2022 endet das Arbeitspapier weiterer (Stamm-)Spieler wie Niederlechner, Hahn, Gregerl und Gikiewicz. Und es wird sicherlich bei Spielern wie Vargas, Richter und Uduokhai im Sommer der ein oder andere Interessent anklopfen, wenn diese weiter so spielen sollten wie bisher. Gerade bei den beiden Neunationalspielern Vargas (Schweiz) und Uduokhai (Deutschland) ist dies zu befürchten. Auch Marco Richter wurde zuletzt und mehrfach mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.

Felix Uduokhai durfte bei der Nationalmannschaft schon reinschnuppern. (Foto: Matthias Koch via Imago)

Wenn unser Lazarett sich weiter lichtet – und Spieler wie Jensen, Finnbogason und Bazee zurückkehren – haben wir im Kern einige gute Truppe und gerade offensiv wieder mehr Optionen. Nur für Ausfälle defensiver Natur- gerade von Leistungsträgern – sind wir in der Breite qualitativ nicht gut genug aufgestellt. Gegen den VfB fällt beispielsweise Kapitän Gouweleeuw aus. Vermutlich wird ihn Reece Oxford nach der sehr guten Leistung gegen Köln vertreten dürfen. Gegen Regensburg spielten Khedira und Suchy zusammen in der Innenverteidigung. Es wird sich daher zeigen, wie die “Plan Bs” performen. Spätestens im Sommer wird es wohl (erneut) einen kleinen Umbruch geben. Dies werden wir jedoch zu einer anderen Zeit an anderer Stelle tiefergreifend analysieren.

Der Blick auf die Tabelle gefällt momentan, die Spielweise aber weniger. Die sehr auf Zufall ausgerichtete Marschroute ist meist unattraktiv zum Anschauen – dennoch: ertragsreich. Trainer Heiko Herrlich sagte nach dem Köln-Spiel folgendes zur Spielweise: “Im Offensivspiel haben wir gesagt, dass wir geduldig sein müssen, dass wir Ballbesitz spielen müssen, bis die richtige Situation kommt.”

Daher bleibt es dabei, den Blick auf das Tabellenende nicht zu vernachlässigen und gemäß der gängigen Corona-Regel genügend “Abstand” zu den Kellerkindern zu halten. Es bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass man mit dem vorhandenen Personal durch die extrem lange und strapaziöse Saison ohne große Zwischenfälle kommt. Oder wie Stefan Reuter zuletzt sprach: “Wir sind am 14. Spieltag. Wir freuen uns über den aktuellen Punktestand, haben aber noch viel zu tun.”

In diesem Sinne: Gut Kick und nur der FCA!

Rückfall in alte Zeiten

Letztes Wochenende war ich schon fast froh, dass das Spiel gegen Hertha BSC niemand im Stadion verfolgen musste, der unserem FCA gewogen war. Am Ende war es schlicht nicht schön anzusehen. Anstatt selbst Akzente zu setzen, konnte das Team offensiv kaum mehr für Gefahr sorgen und wurde anstatt dessen von den Herthanern ausgekontert. Das 0:3 ging dann auch in der Höhe in Ordnung und war nach dem zweiten Tor zu Beginn der zweiten Halbzeit kaum mehr in Gefahr. Schade.

Aber einfach so abhaken und weitermachen? Das wäre mir zu einfach. Die Saison läuft bisher zu gut, um jetzt den Schlendrian wieder einziehen zu lassen. Am Samstag gegen Hertha sind mir ein paar Punkte aufgestoßen, die wir in der Vergangenheit zu oft gesehen haben und bei denen jedem Augsburger Fan ein schnelles “nicht schon wieder” auf den Lippen liegt. Was meine ich?

Individuelle Fehler

Wir waren nicht schlecht im Spiel, als der Fehlerteufel zum ersten Mal zuschlug. Felix Uduokhai gab selbst nach dem Spiel zu, dass er in der Elfmetersituation die Situation schon vorher hätte bereinigen müssen. So kam es dann zu diesem dämlichen Strafstoß, der 2 Minuten vor der Halbzeit zum Gegentor führte. Ein Fehler ist kein Fehler, aber zwei Fehler sind ein Fehler zu viel.

Aufgelegt und zugeschaut. Auch Kapitän Jeffrey Gouweleeuw leistete sich einen kapitalen Bock gegen Hertha. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Als dann in der zweiten Halbzeit Jeffrey Gouweleeuw Lukebakio den Ball perfekt auflegte anstatt zur Ecke zur klären, war das Spiel dann schon fast rum. Solch individuelle Fehler brechen einem Team auf diesem Niveau das Genick. Gerade von den Leistungsträgern in der Innenverteidigung war das am Samstag zu wenig, die Unkonzentriertheiten geradezu unerklärlich.

Das fehlende Aufbäumen

Mehr Siegeswillen sollte der FCA im Sommer erhalten durch die Transfers von Gikiewicz, Caligiuri und Strobl. Alle drei durften am Samstag ran und dennoch war nach dem zweiten Gegentor kein Siegeswillen mehr zu sehen. Es war doch noch viel Zeit auf der Uhr nach dem zweiten Gegentor in der 52. Minute. Was fehlte, war ein klares Aufbäumen.

Daniel Caligiuri gelang am Samstag nicht viel. Auch die Impulse in Richtung Mannschaftskollegen fehlten leider. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Führungsspieler, die die Kontrolle über das Geschehen übernehmen. Es ist nicht so, dass der FCA nicht versucht hätte offensiver zu spielen. Offensiv endete in ideenlos und in der Abwehr löchrig. Hertha setzte die Konter und damit dann auch den Schlusspunkt. Das war einfach zu wenig. Zu wenig Ansätze und Impulse aus der Mannschaft, dem Spiel eine Wendung zu geben.

Die fehlenden Impulse von der Bank

Und natürlich hätte ich in dieser Phase des Spiels gedacht, dass vielleicht von der Bank der ein oder andere Impuls kommen könnte. Die Bank war allerdings ausgedünnt. Jensen und Bazee fehlten verletzt. Das Strohfeuer nach den Einwechslungen von Finnbogason und Niederlechner hatte sich schnell wieder erledigt. Hätte Niederlechner seine einzige Chance genutzt, dann hätte das dem Spiel eine andere Wendung geben können. Hätte, hätte. Diese eine Chance war schlicht auch zu wenig.

Bei 0:2 Rückstand darf man auch mal was riskieren, indem man Marco Richter früher bringt. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Bei den Wechseln hatte Herrlich aus meiner Sicht diesmal kein glückliches Händchen. Caligiuri spielte keine gute Partie, dafür musste mit Hahn der formstärkste Augsburger runter. Und bei 0:2 Rückstand muss Marco Richter früher kommen, oder er braucht erst gar nicht im Kader stehen. Naja, wenn dein Team 0:3 verliert, dann hast Du als Coach wahrscheinlich nicht alles richtig gemacht (auch wenn die Saison immer noch sehr gut läuft).

Wenn es gegen Hertha zu wenig ist, dann…

wird es nicht gegen viele Teams reichen. Das Spiel gegen Hertha war damit die schwächste Partie des FCA in dieser Saison bisher. Obwohl der Spielverlauf auch nicht ganz glücklich war. Was wäre passiert, wenn Hahns Tor nicht abseits gewesen wäre (wobei der VAR und abseits an dieser Stelle eine Diskussion für ein anderes Mal sein soll). Dann war es trotzdem noch zu wenig. Mit den individuellen Fehlern in der Abwehr, dem fehlenden Aufbäumen der ganzen Mannschaft und auch den wenig effektvollen Impulsen von außen, wird es schwer. Und ja, einiges davon kennen wir aus der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die uns am Samstag wieder eingeholt hat. Umso verstärkter läuft hoffentlich jetzt in der Länderspielpause die Arbeit, um hier direkt wieder die Kehrtwende zu schaffen. Auch wenn es dann direkt gegen Gladbach geht, die nochmal eine andere Qualität auf den Rasen bringen werden als Hertha.

FCA-Profis auf Reisen: Die Sorge spielt mit

Das nächste Pflichtspiel des FC Augsburg findet erst am Samstag in einer Woche statt. Dann gastiert Rot-Grün-Weiß bei Borussia Mönchengladbach. Dazwischen steht ein Test gegen den Karlsruher SC (12.11.) und einmal mehr einige Länderspiele auf dem Programm, auf die niemand so recht Lust zu haben scheint. Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens sowie des oft überschaubaren sportlichen Werts bleibt die Frage nach dem Sinn. Mehrere FCA-Profis sind in den kommenden Tagen mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Zwei Spieler dürfen sich dabei auf ihr Debüt freuen. Ein Überblick.

Haller, Biesinger, Hahn – Uduokhai?

Felix Uduokhai ist am Freitag das erste Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert worden. Der 23-Jährige hat sich die Berufung redlich verdient. In Fußball-Deutschland gibt es zwar etliche Stimmen, die lieber einen Mats Hummels oder Jerome Boateng statt Uduokhai oder auch Niklas Stark und Robin Koch in der Innenverteidigung gesehen hätten, doch der Zug für die beiden Weltmeister scheint abgefahren. Bundestrainer Jogi Löw will auf andere, jüngere Spieler setzen.

Also bekommt der beste Zweikämpfer der abgelaufenen FCA-Saison, der auch in dieser Spielzeit überzeugt, die Chance auf seine ersten Minuten im DFB-Dress und die Schwaben womöglich ihren vierten Nationalspieler. Nach Helmut Haller, Ulrich Biesinger und André Hahn. Uduokhais Chancen auf Einsatzminuten sind wohl am größten, wenn es im Testspiel gegen Tschechien (11.11.) geht. Darüber hinaus spielt Deutschland in der Nationas League gegen die Ukraine (14.11.) und Spanien (17.11.). Ebenfalls mit dabei ist auch Philipp Max. Endlich. Der Zeitpunkt der Nominierung untermauert klar und deutlich, dass sich Löw eigentlich nicht für Spieler des FC Augsburg interessiert. Umso schöner, dass es nun für Uduokhai geklappt hat.

Vergangene Saison noch gemeinsam für den FCA auf dem Platz – und bald auch in der Nationalmannschaft. Felix Uduokhai und Philipp Max hoffen auf ihr Debüt. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Am Mittwoch könnte es unter Umständen auch zu einem internen FCA-Duell kommen. Denn Tomas Koubek ist für die tschechische Auswahl nachnominiert worden. Realistische Einsatzchancen hat der Keeper jedoch nicht. Der zehnfache Nationalspieler ist im Team der Tschechen nur Torwart Nummer vier. Gegen Deutschland wird wohl Bremens Jiri Pavlenka oder Sevillas Tomas Vaclik zwischen den Pfosten stehen. Selbiges gilt für die Nations-League-Duelle gegen Israel (15.11) und die Slowakei (18.11).

Gumny vor A-Nationalmannschaftsdebüt

Wie Uduokhai träumt unterdessen auch Robert Gumny von seinem ersten Einsatz im Trikot der A-Nationalmannschaft. Der polnische Rechtsverteidiger könnte im Testspiel gegen die Ukraine (11.11.) zum Einsatz kommen. Zudem steht der Neuzugang aus Posen im polnischen Junioren-Aufgebot für das U21-EM-Quali-Spiel gegen Lettland (17.11).

Gegen Hertha BSC feierte Robert Gumny sein Startelfdebüt für Rot-Grün-Weiß. Jetzt will er auch in der polnischen Nationalelf Einsatzminuten sammeln. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Ruben Vargas ist mit der Schweizer Auswahl im Einsatz. Der quirlige Flügelspieler startet mit einem Freundschaftsspiel in Belgien (11.11) in die Länderspielpause und bestreitet zwei Partien in der Nations League gegen Spanien (14.11.) und die Ukraine (17.11).

Ebenso drei Mal im Einsatz sein könnte Michael Gregoritsch. Der Österreicher reist zu einem Freundschaftsspiel nach Luxemburg (11.11) und ist bei den zwei Partien in der Nations League gegen Nordirland (15.11) und Norwegen (18. 11.) mit dabei.

Die vergangene Länderspielpause verlief für Michael Gregoritsch mehr als positiv. Gegen Griechenland und Nordirland gelangen dem Offensivmann ein Tor und eine Vorlage. (Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

Áfram Ísland – Mach es, Alfred!

Während die bisher genannten Spiele von sportlich überschaubarem Wert sind, wird es für Alfred Finnbogason und Island richtig ernst. Der Inselstaat kämpft um eines der letzten verbliebenen Tickets für die Europameisterschaft 2021. Nach dem 2:1-Sieg im Playoff-Halbfinale gegen Rumänien wartet im Finale Ungarn. Setzt sich Island durch, ist die erneute Qualifikation für die EM in trockenen Tüchern. Dann träfen Finnbogason & Co. in Gruppe F auf Deutschland, Portugal und Frankreich. Zudem stehen zwei Partien in der Nations League in Dänemark (15.11.) und England (18.11.) auf dem Spielplan. Damit es etwas mit der dritten Teilnahme an einem großen Turnier in Serie wird, bereiten sich die Isländer übrigens in Augsburg vor.

Ab in den Süden – Gruezo in der WM-Quali im Einsatz

Während die bisher genannten Spiele alle in Europa stattfinden, steht Carlos Gruezo vor kräftezehrenden Reisen nach Südamerika. Der ecuadorianische Nationalspieler ist in zwei WM-Qualifikationsspielen im Einsatz. Zunächst ist “La Tri” im hoch gelegenen La Paz gegen Bolivien gefordert (12.11.). Mehr als 10.000 Kilometer von Augsburg entfernt. Dann steht noch ein Heimspiel gegen Kolumbien auf dem Programm (17.11.).

Übrigens sind auch zwei Leihspieler des FC Augsburg mit ihren Juniorenmannschaften unterwegs. Für den bei Fortuna Düsseldorf geparkten Kevin Danso geht es in der U21-EM-Quali mit Österreich gegen die Türkei (13.11.) und Andorra (17.11). Neuzugang Frederik Winther, der direkt nach seiner Verpflichtung im Sommer an seinen Verein Lynby BK zurückverliehen wurde, ist erstmals für die dänische U21-Auswahl nominiert worden und könnte im EM-Qualispiel in Rumänien zum Einsatz kommen (17.11.). Fredrik Jensen wurde wegen einer Sprunggelenksverletzung übrigens nicht für die finnische Auswahl nominiert.

Auch um seine Chancen auf die anstehende EM zu wahren, ließ sich Kevin Danso im Sommer nach Düsseldorf verleihen. Dort läuft es sportlich gesehen suboptimal: Maue Punktausbeute und persönliche Patzer. In der österreichischen A-Nationalmannschaft hat der Innenverteidiger momentan keine Chance, darf aber zumindest bei den Junioren ran. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Länderspielreisen während Corona: Sinnvoll?

Nun sind die aufgelisteten Spiele mit Ausnahme Islands und Ecuadors sportlich gesehen ziemlich irrelevant. In Zeiten der Corona-Pandemie bedeuten sie obendrein auch noch ein Risiko für den Verein. Dabei geht es nicht nur um die hohe Belastung sowie Verletzungen, wie jüngst von Finnbogason, sondern auch um die Gesundheit. Während sie bei ihren Nationalmannschaften weilten, wurden im Oktober etwa BVB-Profi Manuel Akanji (Schweiz), die beiden Hoffenheimer Andrej Kramaric (Kroatien) und Kasim Adams (Ghana) sowie Herthas Mattéo Guendouzi (Frankreich U21) positiv auf Covid-19 getestet. Das Unverständnis ist bei einigen Vereinen daher groß, wenn ihre Spieler in Risikogebiete reisen.

Die Abstellungspflicht der Bundesligisten ist von der FIFA aktuell ausgesetzt. Geht es in ein Risikogebiet, haben die Vereine das letzte Wort. Werder Bremen entschied sich daher dazu, ihre Nationalspieler bis auf Jiri Pavlenka und Jean-Manuel Mbom nicht freizugeben. Eine Verordnung der Bremer Gesundheitsbehörde schreibt vor, dass sich Spieler, die aus internationalen Corona-Risikogebieten in die Hansestadt zurückkehren, in eine fünftägige häusliche Quarantäne zu begeben haben. Für Werder würde das bedeuten, dass die entsprechenden Akteure unter Umständen in der Bundesliga fehlen. Ähnlich agiert Arminia Bielefeld, wo vier Profis nicht für die Länderspiele freigestellt werden. Venezuelas FCA-Leihgabe Sergio Cordova wurden die Spiele gegen Brasilien und Chile beispielsweise verweigert. Wie sieht die Situation in Augsburg aus?

Wäre eigentlich in der WM-Qualifikation im Einsatz gewesen, bleibt stattdessen aber in Bielefeld: Sergio Cordova, seit 2017 in Augsburg und aktuell nach Ostwestfalen verliehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

FCA-Profis in Risikogebieten aktiv: Quarantänepflicht entfällt

Bolivien, Dänemark, Ecuador, England, Luxemburg, Österreich, Schweiz, Tschechien, Ungarn – all diese Länder werden vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Vonseiten des Augsburger Gesundheitsamtes heißt es eigentlich: “Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich in häusliche Quarantäne begeben und das für den Wohnort zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.” Die Dauer der Quarantäne kann nach der neuesten Verordnung des Bundes bis zu zehn Tage betragen. Ein Corona-Test darf frühestens am fünften Tag nach der Einreise durchgeführt werden, sodass die Quarantäne verkürzt wird. Strenge Regeln, die das Gastspiel des FC Augsburg in Mönchengladbach entscheidend gefährden können? Oder ist der FCA von dieser Regel ausgenommen?

Auf Anfrage der Rosenau Gazette verweist ein Sprecher des Augsburger Umweltreferats auf eine Sonderregelung, nachzulesen in der etwas sperrig formulierten “Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus” des Freistaats Bayern. Dort heißt es in §2 Absatz 3 Satz 2 Nummer 5 zu etwaigen Ausnahmen: Personen, “die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband (wie beispielsweise dem DFB, d. Red.) zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind”, sind von der Quarantäneverordnung ausgenommen.

Das Spiel des FCA in Gladbach ist also nicht gefährdet. Weil bei Länderspielen aber irgendwie immer Bedenken einer Verletzung und mittlerweile auch einer Corona-Infektion mitschwingen, darf man nur hoffen, dass alle Profis unversehrt in die Fuggerstadt zurückkehren. Wenn sie das mit einem Erfolgserlebnis wie dem ersten A-Länderspiel oder der geglückten EM-Quali tun, umso besser.

Der Mythos des Ausbildungsvereins


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

1/5 der Saison 2020/21 ist auch schon wieder gespielt. Unser FCA hat sich bisher sehr respektabel geschlagen. Zwar hat man Niederlagen gegen Leverkusen und Leipzig und Hertha kassiert, dafür konnte allerdings gegen Dortmund gewonnen werden. Dazu konnte man die direkte Konkurrenz fernhalten, indem man gegen Union Berlin und Mainz 05 gewann. Für die spielentscheidenden Momente sorgte die Alte Garde. Im Folgenden will ich einmal betrachten, wie sich die Kaderstrategie des FC Augsburg aus diesem Sommer hier widerspiegelt. Das Gerüst der Mannschaft hat sich verändert. Stefan Reuters Handschrift ist dennoch wieder deutlich zu erkennen. Eine Handschrift die auch sagt: wir sind in Augsburg mehr als ein Ausbildungsverein.

Die Rolle des FCA auf dem Transfermarkt

Insgesamt scheint sich die Rolle des FC Augsburg auf dem Transfermarkt verändert zu haben. Der FC Augsburg muss seine Strategie wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen an die mittlerweile übliche Herangehensweise anpassen. Vereine wie der SC Freiburg oder der FSV Mainz 05 sind da schon viel weiter. Abdou Diallo hat den Mainzern einen Transfergewinn von ca. 23 Mio. EUR eingebracht. Caglar Söyüncü hat dem SC Freiburg einen Transfergewinn von ca. 18 Mio. EUR eingebracht. Mainz hatte mit Gbamin dazu einen weiteren Transfer dieser Größenordnung. Bei uns in Augsburg ist der Baba-Verkauf an den FC Chelsea jetzt schon wieder ein paar Jahre her und bisher der einzige Transfer in dieser Größenordnung. Mit Philipp Max hatte man lange einen Spieler unter Vertrag, bei dem man auf einen hohen Transfergewinn spekulierte. Mit seinem Wechsel zum PSV Eindhoven sind diese Hoffnungen jäh zerplatzt. Nicht einmal 10 Mio. EUR konnte der FCA einstreichen. Dazu hat Max bei seinem Wechsel vom KSC auch schon ca. 3,5 Mio. EUR gekostet. Insgesamt steht so über die letzten 10 Jahre das siebtgrößte Transferminus über alle deutschen Clubs hinweg.

Mehr als 30 Mio. EUR hat man mehr ausgegeben als eingenommen. Derweil erwirtschaftet man weiter Gewinne – zumindest in den Zeiten vor der Coronapandemie. Das Bild wird nur dadurch rund, dass der FCA dafür an anderen Stellen einspart. Bei den Gehältern der Spieler zahlen wir dadurch immer noch mit am schlechtesten. Der FCA muss aufpassen, dass er wirtschaftlich nicht ins Hintertreffen gerät, wenn er sich durch fehlende Transfergewinne keinen so teuren Kader wie andere Clubs leisten kann (und Leistungsträger immer wieder gehen wollen).

Der Baba-Transfer zum FC Chelsea war der einzige Transfer in der Bundesligageschichte des FCA bei dem wirklich Reibach gemacht wurde. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Es scheint für Vereine in der gleichen Größenordnung wie dem FC Augsburg mittlerweile eine etablierte Strategie zu sein, Talente zu jagen, um diese später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die TSG Hoffenheim hat das Vorgehen perfektioniert mit den Transfers von Joelinton und Roberto Firmino. Die Frankfurter Eintracht hat diesen Weg mit den Verkäufen von Jovic und Haller genauso eingeschlagen, wie RB Leipzig mit dem Verkauf von Naby Keita. Wobei RB Leipzig auf Grund der wirtschaftlichen Unterstützung durch den Hersteller von Brausegetränken nicht auf die Verkäufe angewiesen ist und es sich im Fall von Werner ja auch erlauben konnte, den Spieler länger zu halten. als dies wirtschaftlich vielleicht sinnvoll war. Bei allen anderen Vereinen schlägt meistens die wirtschaftliche Notwendigkeit die sportliche Realität. Auch der FCA kann sich dieser wirtschaftlichen Realität nicht entziehen. In der Vergangenheit hat er sich allerdings nicht wie ein klassischer Ausbildungsverein verhalten – zumindest konnte der FCA nicht die entsprechenden Transfergewinne erzielen.

Die Bedürfnisse des FCA

Im Kader des FCA gibt es grob 3 Spielergruppen:

  1. Das Gerüst: Florian Niederlechner, Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason sind drei Beispiele für Spieler in dieser Kategorie. Sie haben ein gewisses Alter und eine gewisse Erfahrung, führen die Mannschaft und sorgen für Stabilität.
  2. Die Auszubildenden: Ruben Vargas, Marco Richter oder auch ein Felix Uduokhai wären hier zu nennen. Sie strotzen vor Potential und sie werden den Ruf von deutlich besseren Clubs erhalten und diesem folgen.
  3. Ergänzungsspieler: Jan Morávek und Marek Suchy sind hier zu nennen. Sie sind wichtig, wenn durch Lücken im Kader oder Verletzungen jemand einspringen muss. Ansonsten ist ihnen bewusst, dass sie nur wenig Spielanteile erhalten werden. Sie sollten nicht für Unruhe sorgen.

Für den FC Augsburg ist wichtig, dass diese drei Gruppen im Gleichgewicht stehen. Es braucht genügend Spieler, die das Gerüst bilden. Marwin Hitz war ein solcher Spieler, genau wie Paul Verhaegh. Als beide kurz nacheinander den Verein verließen entstanden entsprechende Lücken. Bei manchen Spielern ist von außen nicht ganz klar, wie sie ihre Rolle sehen. Rani Khedira kann in Augsburg ein Spieler sein, der über viele Jahre das Gerüst bildet. Hat er Ambitionen nochmal bei einem anderen Club durchzustarten? Und wenn einer der Auszubildenden unruhig wird, dann braucht es ein stabiles Umfeld, das das auffangen kann.

Probleme der Ausbildungsvereine

Ein Ausbildungsverein hat allerdings – trotz der hohen Transfergewinne – auch Probleme. Diese Vereine müssen klassisch eine hohe Anzahl an Transfers tätigen. Dadurch, dass viele Spieler in kurzen Abständen den Verein wieder verlassen, braucht es Ersatz. Es muss auf Teufel komm raus gescoutet werden und die Vereine müssen mit ihren Verpflichtungen richtig liegen. Wenn sie Spieler verpflichten, die sich nicht durchsetzen können, sieht es schnell recht duster aus. Nicht nur bleiben dann die Transfergewinne aus, die Vereine landen dann auch schnell im Abstiegskampf oder steigen ab. Es ist ein schwieriger Kreislauf und an sich ist es wahrscheinlich, dass es einen irgendwann erwischt und man um einen Abstieg nicht drum herum kommt. Ohne ein entsprechendes Gerüst wird es dann schwierig den Fall zu bremsen. Es droht ein sportlicher Neuaufbau.

Der Schwerpunkt der Kaderplanung: das Gerüst

Was uns aus Augsburger Perspektive dann bisher vom Abstieg gerettet hat, war das stabile Kadergerüst. Um das Gerüst zu stärken, hatte der FCA in der Vergangenheit einen erfolgreichen Weg gefunden. Er hat Spieler verpflichtet, die – nicht mehr bei vollster Jugend – sich bei anderen Clubs, bei ihrer ersten Bundesligastation, nicht durchsetzen konnten. Daniel Baier konnte sich in Wolfsburg nicht durchsetzen, genau wie Marwin Hitz. Dazu kamen immer mal wieder Spieler, die aus schwächeren Ligen, v.a. der Niederlande, zum FCA kamen, um dort ihre sportlichen Träume in einer großen Liga zu erfüllen. So kamen Paul Verhaegh, Ragnar Klavan oder Jeffrey Gouweleeuw zum FCA.

Kaum eine Spieler bildete in der Vergangenheit so sehr das Gerüst des FCA wie Paul Verhaegh. (Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Entsprechend beurteile ich mittlerweile jeden Transfer danach ob, er das Augsburger Gerüst stärkt. Durch ein starkes Gerüst, benötigen wir weniger Ausbildungs-Transfers und erhalten uns langfristig unsere sportliche Stabilität. Mit Florian Niederlechner ist dem FCA wohl ein solcher Königstransfer im letzten Sommer gelungen. Mit Gikiewicz und Caliguiri hat man in diesem Sommer Treffer gelandet, die das Gerüst zumindest ein paar Jahre unterstützen. Jede Vertragsverlängerung, die dieses Gerüst stärkt, ist wichtiger, als der Neuzugang eines Auszubildenden oder Ergänzungsspielers. Und die Gerüstspieler konnten in Augsburg in Ruhe ihrem Job nachgehen und sich auf das Sportliche konzentrieren. Win-Win.

Der Augsburger Weg

Hätten wir in Augsburg nur versucht, die Strategien anderer Vereine zu kopieren, dann wäre es wohl nie zu 10 Jahren Bundesliga am Stück gekommen. Der FCA hat sportlich am meisten gewonnen, durch die unkonventionellen Transfers von erfahreneren Spielern. Der Kader einer Bundesligamannschaft ist dabei immer in Bewegung und es ist schwierig, diesen im Gleichgewicht zu halten. Der größte Gewinn für den Verein ist es, wenn sich Spieler langfristig binden und hier eine Heimat finden. Wenn Auszubildende später das Gerüst bilden, wie es ein Philipp Max gemacht hat, indem er länger als gedacht blieb. Wenn jemand wie Rani Khedira verlängert.

Rani Khedira könnte für lange Zeit in unserem Mittelfeld ein wichtiger Pfeiler sein. Eine Vertragsverlängerung wäre dann spätestens im Sommer notwendig. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Wir können uns keine Spieler wie Erling Haaland leisten, aber am Ende würde ich einen Jeffrey Gouweleeuw oder Florian Niederlechner nie eintauschen wollen. Unser Weg ist für uns immer noch der Beste. Wie sonst hätten wir 10 Jahre Bundesliga nacheinander erleben können? Martin Hinteregger weine ich auch deshalb nicht hinterher, weil er von seinem Naturell nicht zum Gerüstspieler taugt. Und die Probleme der letzten beiden Jahre rühren vielleicht schlicht daher, dass das Gerüst der Mannschaft zu wackeln begonnen hat. Nachdem die Transfers im Sommer hier für mehr Stabilität gesorgt haben, kann man nun auch auffangen, dass mit Marco Richter und Noah Sarenren Bazee ein paar der Auszubildenden bisher kaum Akzente gesetzt haben. Heik Herrlich scheint für diesen Weg zudem ein geeigneter Trainer. Und erneut sieht es so aus, als ob Stefan Reuter vieles richtig gemacht hätte.

Ein Blick auf die U23

Der FCA ist gut in die Bundesligasaison gestartet – 2 Siege, 1 Unentschieden und 1 Niederlage stehen zu Buche – doch wie schlägt sich eigentlich die U23 des FCA derzeit? Im Nachfolgenden soll ein Blick auf das “Nachwuchsteam” der Augsburger geworfen werden. Wer drängt sich auf für die erste Mannschaft? Wie sind die Bedingungen in dieser corona-gezeichneten Zeit für die Nachwuchskicker? Und: Wie sind diese in die “Saison” gestartet?

Ein Kommen und ein Gehen

Eins vorweg: Die Regionalliga Bayern, in welcher die U23 des FCA spielt, wurde nach monatelanger Pause fortgesetzt. 11 Spieltage gilt es noch zu absolvieren in dieser kuriosen und corona-geprägten Saison. Am vergangenen Wochenende wurde nun also der Spielbetrieb wieder aufgenommen, nachdem sich die Mehrheit der Fußballclubs im Juni gegen einen Saisonabbruch entschieden hatte. Aus der Wertung fällt außerdem Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München.

Der Nachwuchs des FCA hat hierbei einen personellen Aderlass in der “Sommerpause” verzeichnen müssen: Mit den beiden Innenverteidigern Lasse Jürgensen und Leonhard von Schrötter, den Außenbahn-Spielern Simon Asta, Nicola Della Schiava und Christopher Lannert, sowie mit den Mittelfeldspielern Stefano Russo und Romario Rösch sind dies alles viel versprechende Talente, die auch schon im Blickfeld der ersten Mannschaft standen.

Simon Asta ist weiterhin U20 Nationalspieler des DFB, auf Vereinsebene allerdings mittlerweile für das Kleeblatt unterwegs. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images for DFB)

Insbesondere Simon Asta (wechselte zu Greuther Fürth) und Romario Rösch (zu Mainz 05 II) galten jahrelang als vielversprechende Talente und kommende Leistungsträger des FCA in der Bundesliga. Mit Maurice Malone und Jozo Stanic, die per Leihe an die beiden Drittligisten Wehen Wiesbaden und Zwickau wechselten, hat man jedoch noch etwas vor. Daher wird dies bei beiden vermutlich nur ein temporärer Abschied sein. Insgesamt verließen den FCA II sage und schreibe 14 Spieler, entweder direkt oder per Leihe. Ein riesiger Umbruch, in einer unglaublich dynamischen und unsicheren Zeit – auch im Profifußball.

Abschied auf Zeit

Wie schlagen sich hier unsere Nachwuchskicker, die in der Sommerpause verliehen wurden? Maurice Malone hat in der dritten Liga bisher überzeugen können. 4 von 6 möglichen Spielen absolvierte der junge Stürmer, 1 Tor und ein Assist stehen dabei für ihn zu Buche. Der flexible Offensivspieler sollte dennoch ein wenig mehr Spielzeit bekommen (nur 17% Startelfquote), um mehr Erfahrung im Profifußball zu sammeln. Jozo Stanic spielt hingegen in Zwickau immer: 100% Startelfquote für den 21jährigen Innenverteidiger – seine Leihe endet jedoch erst am 30.06.22 . Bis dahin soll er weiterhin fleißig Einsatzminuten verzeichnen, um dann bestenfalls als gestandener Drittligakicker nach Augsburg zurückzukehren.

Auch Segio Cordova, mit 23 immer noch in gewisser Weise eine Nachwuchshoffnung, wurde zuletzt an Ligakonkurrent Arminia Bielefeld verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Dort spielt er zumeist in der Sturmspitze und hat bisher 3 Spiele absolvieren können (kein Tor, ein Assist). Innenverteidiger und Eigengewächs Kevin Danso wurde in der Sommerpause an Fortuna Düsseldorf in die zweite Liga verliehen. Dort spielt der mittlerweile 22jährige in der Abwehrzentrale und konnte bisher 74% der Einsatzminuten bestreiten. Auch bei ihm hofft der FCA auf Spielpraxis und Wettkampfhärte, denn auf Kevin Danso hält man in Augsburg eigentlich seit vielen Jahren große Stücke.

Ein Teil der Augsburger Fußballgeschichte

Simon Asta (19) war (und ist) mit seinem ersten Profieinsatz im Jahre 2018 der jüngste Bundesliga-Debütant der Augsburger in der Vereinsgeschichte. Nun verließ er die Augsburger – gegen Ende der Transferphase – gen Fürth. Leider hat sich Simon nach seinem vielversprechenden Ligadebüt zuletzt schwer verletzt, so dass er dann in Augsburg keine Alternative war für den Profi Kader.

Stefan Reuter erklärt dies wie folgt: „Wir wollten Simon nach seiner schweren Verletzung die Möglichkeit bieten, in der U23 Spielpraxis zu sammeln und sich so an die Lizenzmannschaft heran zu kämpfen. Als sich für ihn mit einem Wechsel in die 2. Bundesliga nach Fürth eine reizvolle sportliche Herausforderung bot, haben wir dem Wechsel zugestimmt. Wir wünschen Simon Asta alles Gute für seine weitere Entwicklung“. Ob man den jungen Rechtsverteidiger nochmal am Lech kicken sehen wird? Man weiß es (heute) nicht. Wir wünschen ihm jedenfalls eine tolle Entwicklung und hoffen auf eine Rückkehr in die Fuggerstadt. Vielleicht hat der FCA ja sogar eine Rückkauf-Klausel?

Neuzugänge sieht man gerne!

Mit Felix Götze konnte die “Zwote” einen namhaften und prominenten Zugang aus den eigenen Reihen verbuchen. Der jüngste der Götze-Brüder war seit seinem Wechsel zum FCA oft verletzt und hat nie so richtig in die Spur gefunden. Nun soll der zuletzt an Corona erkrankte Mittelfeldspieler in der Regionalliga Bayern, die er aus seiner Zeit beim FC Bayern bestens kennt, Kraft tanken und wieder regelmäßig Fußball spielen. Ob er eine Chance in der ersten Mannschaft hat, vermag man derzeit nicht zu prognostizieren. Fakt ist nur, dass Götze eigentlich hätte abgegeben werden sollen. Zuletzt stand eine Leihe zu Jahn Regensburg im Raum. Die Regionalliga-Jungs des FCA sind aber vermutlich ebenso froh über den unerwarteten “Neuzugang” wie Trainer Josef Steinberger. Der Bruder von Weltmeister Mario Götze traf direkt bei seinem zweiten Einsatz im Dress der U23 zum 1:0 gegen den Tabellenfünften aus Aubstadt. Und machte Medienberichten zufolge auch sonst eine gute Figur.

Felix Götze jubelt nach seinem Tor zum 1:0 des FC Augsburg II gegen den TSV Aubstadt (Foto via Imago)

Einen weiteren Spieler, den man nach wie vor auf dem Zettel haben sollte, ist der Koreaner Seong-hoon Cheon. In der aktuellen Regionalliga-Spielzeit traf der 20jährige bisher in 13 Spielen 4 Mal und gab eine Vorlage. Hier muss man weiterhin sehen, wieviel Spielpraxis er erhält. Nach der Leihe von Maurice Malone ist er wohl erstmal in der Sturmzentrale gesetzt.

Mit vier externen Neuzugängen und sieben “Hochrückern” aus der starken Augsburger U19 ist der Kader einigermaßen bestückt für die Restsaison. Vom Regionalliga Konkurrenten Schweinfurt 05 kam zuletzt der Linksverteidiger Christian Köppen. Aus der RL Südwest kam vom VfR Aalen Lukas Gerlspeck für die Innenverteidigung. Zwei Offensivspieler konnte der FCA II zudem für sich gewinnen. Rechtsaußen Henri Koudossou vom SV Pullach (Bayernliga Süd) sowie Marco Nickel vom Ligakonkurrenten FC Memmingen. Gespannt sein darf man auf den U19-Aufrücker Dorian Cevis, der bei den Stuttgarter Kickers groß geworden ist. Und auf den Mittelstürmer Cisse, der bereits für die österreichische U18 Nationalmannschaft gespielt hat.

Der Fall Schieber

Die Personaldecke der zweiten Mannschaft des FC Augsburg ist relativ dünn. Mit Kilian Jakob spielt seit zwei Spielzeiten ein weiterer Profi in der Regionalliga-Truppe. Julian Schieber scheint dies hingegen verwehrt zu bleiben. Der beim FCA abgeschriebene Stürmer scheint bei keiner FCA-Mannschaft mehr eine Zukunft zu haben. „Ich sollte nicht zum Trainingsgelände kommen, mein Spind wurde aufgelöst, später wurde auch meine Nummer vergeben“, berichtete Stürmer Julian Schieber zuletzt medial. Ein Wechsel im Winter steht nach wie vor im Raum – Anfragen gibt es wohl. Bisher haben diese Schieber aber „emotional nicht gepackt“.

Wir wünschen Julian Schieber und seiner Familie alles Gute und dass er seine lange Karriere ggf. im Ausland fortsetzen kann. In Augsburg ist er sportlich leider nie glücklich geworden – auch auf Grund vieler Verletzungen.

Julian Schieber in der Kurve: Was waren das für Zeiten? Es kommt einem vor, als ob dies vor Ewigkeiten war. (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Saisonausblick für die U23

Nach zwei Spielen seit “Re-Start” muss man sagen: Mit zwei Siegen ist der Nachwuchs gut in die zweite Hälfte der Saison gestartet. Man muss wohl weiterhin mit bangem Blick auf die Bank der U23 schauen. Denn die Personaldecke ist extrem dünn. Die aktuelle Mannschaft ist sehr jung – das Durchschnittsalter liegt bei 21,1 Jahren. Kaum ein erfahrener Spieler über 23 steht in den eigenen Reihen. Der 25jährige Neuzugang Christian Köppel und der 24jährige Hendrik Hofgärtner sind quasi schon die Oldies im Team! Hier wird sich zeigen, wer voran geht in diesen sehr dynamischen und unsteten Zeiten. Auch wird sich zeigen, wie groß die Personaldecke tatsächlich ist, wenn sich z.B. ein Coronafall in der Mannschaft ereignet. (Toi, Toi, Toi, dass dies nicht eintreten wird)

In der Regionalliga Bayern ist die Konkurrenz groß. Dennoch steht der FCA derzeit auf einem soliden sechsten Platz. Da viele andere Teams aber einige Spiele weniger auf dem Buckel haben, ist die derzeitige Tabelle noch nicht besonders aussagekräftig. Mit dem VfB Eichstätt spielt der FCAII jetzt am Wochenende gegen einen direkten Tabellennachbarn. Ob in Eichstätt bis dahin Zuschauer zugelassen sind? Man weiß es nicht – die zweite Corona-Welle, die derzeit in Deutschland für Furore sorgt, macht dies ggf. unmöglich.

Bleibt g’sund!

Es wird eine schwere Saison – mal wieder – für die U23 des FCA. Und Corona sorgt für den Rest. Die erste Mannschaft wird sicherlich gespannt auf die Entwicklung der verliehenen Spieler, aber auch auf die (Stamm-)Kräfte des eigenen Nachwuchses schauen. Eins vermögen wir an dieser Stelle nur zu hoffen: Dass der FCA II eine von abstiegssorgen befreite Restsaison spielt, um weiterhin den Nachwuchstalenten eine Bühne zu geben und den Sprung in die erste Mannschaft so klein wie möglich zu halten. Und, natürlich: Dass die Jungs alle gesund bleiben. Das ist auch in diesen Tagen wohl das Wichtigste!