Welcher Spieler war 2019/20 am wertvollsten für den FC Augsburg?

Die ungewöhnlichste Bundesligasaison der Geschichte ist passé und es ist Zeit, ein Fazit zu ziehen. Nachdem wir uns zuletzt mit den Gewinnern und Verlierern der FCA-Saison beschäftigt haben, starten wir nun mit unseren Abstimmungen zum “Spieler der Saison”. Die ausgewählten Kategorien bleiben gleich, sodass wir den wertvollsten und meistverbesserten Spieler sowie den Newcomer der abgelaufenen Spielzeit küren wollen. Los geht es mit dem wertvollsten Spieler. Wichtig dabei ist, dass “wertvoll” nicht zwingend gleichzusetzen ist mit “bester”. Wir suchen den Spieler, der mit seiner Leistung auf seiner Position einen bedeutenden Anteil am Erfolg des FC Augsburg hatte. Infrage kommt jeder Profi, der in dieser Saison mindestens einmal für Rot-Grün-Weiß auf dem Platz stand. Nach reiflicher Überlegung steht nun eine Shortlist, bestehend aus fünf Spielern, aus der ihr den wertvollsten wählen könnt. Nachfolgend die Kandidaten in alphabetischer Reihung:

Rani Khedira

Seit der Bruder von Weltmeister Sami 2017 an den Lech wechselte, entwickelte er sich zu einer immer wichtiger werdenden Konstante im Kader des FC Augsburg. Auch in dieser Spielzeit war Khedira unumstrittener Stammspieler, stand in 32 Partien auf dem Platz. Teilweise führte der defensive Mittelfeldspieler die Mannschaft sogar als Kapitän auf den Platz. Khediras sportliche Leistungen schwankten in dieser Saison zwar etwas, doch als Führungsspieler war der 26-Jährige quasi unverzichtbar. Der Deutsch-Tunesier könnte die zentrale Achse des FC Augsburg wohl noch für lange Zeit prägen.

Nach seiner enorm starken Saison 2018/19 flachten die Leistungen Rani Khediras in dieser Spielzeit etwas ab. Dennoch ist er unumstrittener Stammspieler – und als Führungsspieler wichtig für den FCA. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Andreas Luthe

Es sagt vieles über das Torwart-Problem beim FC Augsburg aus, wenn nun schon wieder ein neuer Keeper verpflichtet wird. Giefer, Koubek, Gikiewicz – alle drei sollten beziehungsweise sollen endlich für Ruhe im FCA-Kasten sorgen. Gelungen ist dies in den ersten beiden Fällen jedoch nicht, mit anderen Worten, die Transfers sind krachend gescheitert. Wie gut, dass man mit Andreas Luthe eine solide Nummer Zwei im Kader hat. Luthe liefert, wenn er gebraucht wird. Und das auch in dieser Spielzeit. Nach dem Torwartwechsel strahlte der 33-Jährige die geforderte Ruhe aus und hatte mit starken Paraden einen großen Anteil am Klassenerhalt. Mit ihm im Tor kassierte der FC Augsburg 12 Tore in 10 Spielen. Koubek musste in 24 Spielen 51-mal hinter sich greifen. Das reichte aber offenbar nicht, um die Verantwortlichen von sich zu überzeugen.

Philipp Max

Dass Martin Schmidt bis April 2020 als Trainer für den FC Augsburg arbeiten durfte, hat er gewiss auch Philipp Max zu verdanken. Wer weiß, ob Reuter & Co. die Reißleine gezogen hätten, wenn Max im November nicht sehenswert zum 1:0-Siegtreffer in Paderborn getroffen hätte. Es folgte eine spektakuläre Aufholjagd zum Jahresende – und Schmidt durfte erstmal bleiben. Darüber hinaus war Max einer der wenigen Konstanten im Kader, auf dessen Leistungen man sich Woche für Woche verlassen konnte. Seine Mängel in der Rückwärtsbewegung sind immer seltener zu beobachten und in der Offensive überzeugt Max ohnehin. Acht Tore und sechs Vorlagen belegen dies eindrucksvoll.

Philipp Max blickt einmal mehr auf eine starke Saison zurück. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Florian Niederlechner

Was für eine Saison vom Neuzugang des SC Freiburg. Der Stürmer erzielte starke 13 Tore und bereitete neun weitere Treffer vor – Augsburger Bundesligarekord. Niederlechner sei Dank erlebten die FCA-Fans ein sorgenfreies Weihnachtsfest, denn gegen Ende der Hinrunde drehte der gebürtige Ebersberger so richtig auf. Beim 4:2 gegen Hoffenheim war er an allen Toren direkt beteiligt. Hinzu kommt der wichtige Siegtreffer gegen Mainz sowie etliche weitere starke Leistungen für den FCA. Im Jahr 2020 flachte seine Form etwas ab, doch gegen Ende der Rückrunde war er mit seinen wichtigen Toren in Mainz und Düsseldorf ein Garant für den Klassenerhalt.

Felix Uduokhai

Es sind immer wieder kritische Stimmen über Felix Uduokhai zu hören. Die gezogene Kaufoption von kolportieren 7 Millionen Euro sei zu viel für den Ex-Löwen. Ja, die Summe ist hoch, gerade in Corona-Zeiten, aber sportlich gesehen ist der Sachse mit nigerianischen Wurzeln jeden Cent wert. Ein souveränes Stellungsspiel, eine ordentliche Passquote und hohe Pressingressitenz sowie hart geführte Zweikämpfe sprechen für sich. Der statistisch gesehen beste Zweikämpfer im Kader lieferte nach kurzer Anlaufzeit starke Auftritte im FCA-Dress. Gerade als der etatmäßige Abwehrchef, Jeffrey Gouweleeuw, verletzt war, übernahm Uduokhai den Part als Taktgeber in der Defensive. Und das, obwohl er immer noch erst 22 Jahre alt ist. Wir freuen uns auf Udos Zukunft in Schwaben. Man wird noch viel Freude mit ihm haben.

Fels in der Brandung: Felix Uduokhais Premierensaison für die Fuggerstädter machte definitiv Lust auf mehr. (Photo by MATTHIAS HANGST/POOL/AFP via Getty Images)

Die Abstimmung

Das war es nun mit den Kandidaten der ersten Kategorie. Schon bald werden wir auch den meistverbesserten Spieler sowie den Newcomer der Saison küren. Über die getroffene Auswahl lässt sich gewiss diskutieren. Haben wir jemanden vergessen? Wer ist eurer Meinung nach der wertvollste Spieler der Saison? Stimmt ab.

Wer war in der Saison 2019/20 der wertvollste Spieler des FC Augsburg?

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Die Gewinner und Verlierer der Saison

Der FC Augsburg hat es mal wieder geschafft. Auch in der neunten Bundesligasaison konnte der Klassenerhalt gesichert werden. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich und immer noch als Erfolg zu werten. Am Ende einer turbulenten Saison samt Torwart- und Trainerwechsel stehen aber auch weniger erfreuliche Aspekte wie die schlechteste Rückrunde in der Bundesligageschichte. Das musste auch Stefan Reuter einsehen: “Es gilt, sich Gedanken zu machen, was wir verbessern können, um im nächsten Jahr mehr gute Spiele abzuliefern. Wir hatten Phasen, die uns zu denken geben”, bilanzierte der Manager jüngst im Kicker. Auch wir lassen die Saison nun einmal Revue passieren und blicken auf die Gewinner und Verlierer im Kader.

FC Augsburg: Die Gewinner der Saison

Florian Niederlechner: Eine Saison zum niederknien! Der Neuzugang vom SC Freiburg hat dermaßen eingeschlagen, dass er gar als EM-Kandidat gehandelt wurde. Nun wissen wir alle, dass Jogi Löw den FCA offenbar nicht verfolgt (Stichwort Max) und es somit wohl ohnehin nie zu einer Nominierung gekommen wäre. Doch verdient hätte sie Niederlechner allemal. 13 Saisontore bedeuten FCA-Bundesligarekord (zusammen mit Michael Gregoritsch), zusätzliche neun Vorlagen den Augsburger Höchstwert in puncto Scorerwerten. Darüber hinaus ist der gebürtige Oberbayer ein sehr sympatischer Kerl und sich nicht zu schade, auch einmal die Grätsche auszupacken. Niederlechner und der FCA, eine absolute Liebesbeziehung. Gerne auch für immer.

Ein echter Transfer-Coup. Florian Niederlechner ist der FCA-Spieler der Saison. (Photo by Robert Hradil/Bongarts/Getty Images)

Philipp Max: Vor wenigen Wochen bestritt Philipp Max sein 150. Pflichtspiel für Rot-Grün-Weiß. Dass der 26-Jährige derart oft für den FCA auflaufen wird, hätten nach seiner bärenstarken Saison 2017/18 wohl nur wenige erwartet. Auch in dieser Spielzeit war er unumstrittener Stammspieler und offensiv nicht nur per Standards gefährlich. Acht Tore und sechs Vorlagen bedeuten Rang zwei in der internen Scorer-Tabelle. Außerdem sammelte Max die meisten Ballaktionen pro Spiel und trat vermehrt auch als Leader auf. Selbst ein Turban scheint ihm neuerdings nicht am Einsatzwillen zu hindern. Daher bleibt zu hoffen, dass Max weiterhin am Lech bleibt, auch wenn ihm wohl niemand einen Wechsel zu einem Top-Verein verdenken würde.

Ruben Vargas: Ruben wer? Das dachten sich wohl einige FCA-Fans, als ihn Reuter im Sommer aus dem Hut zauberte und vom FC Luzern verpflichtete. Kenner der Schweizer Liga prophezeiten schon damals, der Junge hätte Talent. Nach einer Saison in der 1. Bundesliga kann man getrost festhalten, dass sich dieser Transfer gelohnt hat. Der Schweizer Nationalspieler stand in 33 Spielen auf dem Platz. Eine Partie verpasste Vargas aufgrund einer Gelbsperre. In seinen Einsätzen überzeugte der erst 21-Jährige mit viel Tempo und einer gesunden Prise Schlitzohrigkeit. Auch seine sechs Tore können sich sehen lassen. Alles in allem hat der Flügelspieler definitiv Lust auf mehr gemacht.

FC Augsburg: Vom Gewinner zum Verlierer?

Andreas Luthe: Eigentlich hätte man auch Luthe in die Liste der Gewinner packen können. Der etatmäßige Ersatzkeeper wurde im Laufe der Saison zur Nummer Eins befördert. In den letzten Spielen der Saison entwickelte er sich zu einem starken Rückhalt, was auch die Statistik zeigt. Während der FC Augsburg mit Luthe 12 Tore in 10 Spielen kassierte, musste man mit Koubek in 24 Partien 51 Gegentreffer schlucken. Dass Luthe hier dennoch als möglicher Verlierer aufgeführt wird, liegt an der Verpflichtung Rafal Gikiewiczs. Auch wenn der Kampf um die Nummer Eins damit freilich noch nicht entschieden ist, steht eines doch fest: Beim FCA scheint man Luthe den Stammplatz nicht wirklich zuzutrauen. Das zeigte schon die leihweise Verstärkung von Gregor Kobel im Winter 2019.

Ein Garant für den Klassenerhalt. Andreas Luthe hielt dem FCA zuletzt, wie hier in Mainz, den Rücken frei. Wie sieht seine Situation in Zukunft aus? (Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

FC Augsburg: Die Verlierer der Saison

Tomas Koubek: Bleiben wir gleich beim leidigen Thema Torwart. Koubek ist der viertteuerste Bundesligakeeper der Historie – hinter Manuel Neuer, Bernd Leno und Yann Sommer. Von den Leistungen dieses Trios ist der Neuzugang aus Rennes aber so weit entfernt, wie der FCA von der Deutschen Meisterschaft. Viel zu oft kosteten die kapitalen Aussetzer des etwas behäbig wirkenden 1,98-Meter-Hünen dem FCA wichtige Punkte. Es tut fast schon weh, den Tschechen derart auseinander zu nehmen, denn er wirkt eigentlich sehr sympatisch, aber leider war das schlicht keine bundesligareife Saison. Folglich verlor er auch den Platz zwischen den Pfosten und durfte im letzten Spiel gegen Leipzig nur ran, weil Luthe verletzt war. Der 27-Jährige ist der klare Verlierer der Saison und das Experiment Koubek somit wohl nach nur einem Jahr gescheitert.

Stephan Lichtsteiner: Ach was waren die Erwartungen groß, als der siebenfache italienische Meister und frühere Schweizer Fußballer des Jahres nach Augsburg wechselte. Ein Hauch von Champions League. Nachdem Lichtsteiner nun seit dem 30. Juni nicht mehr in Schwaben unter Vertrag steht, ist von diesem jedoch wenig bis gar nichts mehr zu spüren. Der Rechtsverteidiger offenbarte nicht wegzudiskutierende Geschwindigkeitsprobleme und wusste sich oft nur mit einem taktischen Foul zu helfen. Der gute Mann ist dann eben doch schon 36 Jahre alt. Zudem war der Kapitän der Nati in seinen 20 Einsätzen mehr mit Meckern als Verteidigen beschäftigt. Alles in allem bleibt es ein enttäuschendes Gastspiel in Augsburg, mit dem Lichtsteiner nur wenige Argumente für eine Vertragsverlängerung lieferte. Nichtsdestotrotz sagen wir Danke, Stephan. Für einen Hauch von Champions League. Alles Gute für die Zukunft.

Daniel Baier: Wenn Baier fit ist, dann spielt er auch. Was lange als ungeschriebenes Gesetzt galt, wird mittlerweile immer öfter gebrochen. Der Kapitän musste nach dem Trainerwechsel von Schmidt zu Herrlich bereits dreimal 90 Minuten auf der Bank schmoren. Herrlichs Begründungen, den 36-Jährigen nicht überbelasten zu wollen, wirkten nach dem Neustart samt englischer Woche plausibel. Warum er den Rekordspieler des FC Augsburg aber in den letzten beiden Duellen nicht aufstellte, bleibt sein Geheimnis. Im Abstiegskracher in Düsseldorf wären Baiers Führungsqualitäten zumindest gefragt gewesen. Zur neuen Saison geht die lebende Legende ins letzte Vertragsjahr. Dabei bekommt der Mittelfeldspieler Konkurrenz von Neuzugang Tobias Strobl und dem in der Rückrunde stark aufspielenden Carlos Gruezo. Wie dann die Rolle des Kapitäns aussehen wird, ist zum jetzigen Stand mehr als fraglich.

Mit 355 Einsätzen Rekordspieler des FCA – und nun nicht mehr gefragt? Daniel Baier fand sich gegen Ende der Saison in ungewohnter Rolle wieder. (Photo by TOBIAS HASE/POOL/AFP via Getty Images)

Man hätte noch weitere Spieler in die Liste aufnehmen können. Einen guten Job machten auch der eben angesprochene Gruezo sowie der beste Zweikämpfer der FCA-Saison, Felix Uduokhai, auf den sich die Fans dank gezogener Kaufoption auch in Zukunft freuen dürfen. Weniger glücklich agierten hingegen André Hahn und in Teilen auch Tin Jedvaj, der wohl wieder nach Leverkusen zurückkehren wird. Ohenhin wird momentan bereits eifrig am Kader für die neue Saison gebastelt – auf der Torhüterposition hat der FCA dabei jedoch vielmehr ein neues Problem geschaffen, statt das alte zu lösen.

Die Kaderzusammenstellung birgt also bereits jetzt Brisanz. Es bleibt spannend, wie Reuter & Co. einerseits den Torhüterüberschuss und andererseits das Thema Daniel Baier managen. Es wäre mehr als schade, wenn der FCA-Kapitän auch nach der neuen Saison als Verlierer gelistet werden müsste.

Torhüter, immer wieder Torhüter

Ach, wie wäre ich froh, wenn ich diesen Artikel nicht schreiben müsste. Dieses Thema nervt mich wirklich an. In der Zeit seiner Erstklassigkeit hatte der FC Augsburg bisher genau eine Phase, in der auf der Position des Torhüters Konstanz bestand. Nachdem Marwin Hitz sich den Stammplatz im Tor in der Saison 2013/14 sicherte, war er er bis zu seinem Abschied nach Dortmund in 2018 zumeist ein Top-Rückhalt. Internationale Klasse brachte der zurückhaltende Schweizer oft auf den Platz und gab der Mannschaft mit seinem Spiel von hinten heraus die nötige Sicherheit. Seit dem Sommer 2018 ist nun etwas der Wurm drin. Es ist zumindest in einem gewissen Rahmen ein hausgemachtes Problem.

Die Entscheidung um die Nachfolge von Hitz

Der erste entscheidende Moment in dieser Saga ereignete sich, als zur Saison 2018/19 die Frage anstand, wer Marwin Hitz als Nummer 1 im Tor des FCA ablösen sollte. Hitz fiel im Saisonendspurt aus und Andreas Luthe, der zwei Jahre zuvor gekommen war um die Rolle des erfahrenen Backups von Alex Manninger zu übernehmen, sprang ein und hielt sehr gut. In der Saisonvorbereitung lieferte er sich unter Trainer Manuel Baum ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Fabian Giefer.

Hier in Mainz hätte Fabian Giefer Punkte festhalten können. Ich durfte live im Stadion beobachten, wie er sie durch die Finger gleiten ließ. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Baum entschied sich mit Giefer für den falschen Mann, denn Giefer patzte einige Male und Baum wechselte den Keeper im Laufe der Vorrunde. Luthe durfte ins Tor und sich beweisen und machte seine Sache solide. Damit hätte man das Thema nun zumindest für diese Saison abschließen können.

Der Kobel-Irrweg

Wo der FCA sonst eigentlich eher dafür steht Ruhe zu bewahren, läuft bei den Torhütern alles anders. Im Winter 2019 holte man entsprechend Gregor Kobel per Leihe aus Hoffenheim. Für ein halbes Jahr. Ohne Kaufoption. Kobel hatte sehr gute, aber auch desaströse Momente. Sein Potential war klar erkennbar, seine Schwächen allerdings auch. Er durfte nichtsdestotrotz in der Rückrunde konstant spielen.

Gregor Kobel in Aktion. Und dann auch schon wieder weg. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Im Nachgang zur Saison war der FCA bemüht, Kobel langfristig zu verpflichten. Kobel entschied sich allerdings für eine Verlängerung seines Vertrags in Hoffenheim und eine Leihe in die zweite Liga zum VfB Stuttgart. Spätestens in diesem Moment wurde klar, dass sich der FCA verzockt hatte. Die Leihe von Gregor Kobel und die Geduld mit dem Spieler war ohne Option auf eine dauerhafte, langfristige Verpflichtung schlicht ein Fehler. Aber zumindest kein besonders teurer.

Die teure Fehlverpflichtung von Tomas Koubek

Teuer wurde es dann erst im vergangenen Sommer. Kobel hatte sich gegen den FCA entschieden und die Torhüter-Optionen waren begrenzt. Die ganze Welt hatte mitbekommen, dass sich der FCA auf dieser Position verstärken wollte und rief entsprechende Preise auf. Der FCA nahm schlussendlich Tomas Koubek unter Vertrag. Die Ablösesumme bewegte sich wohl im Bereich um 7,5 Millionen EUR. Happig.

Ich war auswärts in Gladbach dabei als Tomas Koubek eine Slapstick-Einlage hinlegte. Überzeugend ist anders. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Koubek hatte in Rennes in der abgelaufenen Saison keine Bäume ausgerissen, war allerdings im Jahr davor bärenstark gewesen. Der FCA spekulierte darauf, dass er in Augsburg zu seiner früheren Form zurückfinden wurde. Und wurde enttäuscht. Koubek konnte die hohen Erwartungen in ihn nicht erfüllen und schon Martin Schmidt sah sich gezwungen im Tor erneut zu wechseln. Erneut war die Zeit von Andreas Luthe gekommen.

Luthe, mehr als nur ein Musterprofi und sicherer Rückhalt

Andi Luthe ist in all den Jahren mit den Situationen immer professionell umgegangen. Er ist mehr als nur ein Musterprofi. In Augsburg hat er sein ehrenamtliches Engagement mit insafehands e.V. weitergeführt und immer wieder mit klugen Aussagen zu komplexen Themen geglänzt.

In der Corona-Phase der Saison war Andi Luthe ein verlässlicher Rückhalt fürs Team. Ob er das weiter sein darf? (Photo by MARTIN MEISSNER/POOL/AFP via Getty Images)

Nachdem Martin Schmidt im Tor wechselte und Heiko Herrlich auf der Trainerbank übernahm, spielte Luthe die Saison nun als Nummer 1 zu Ende. Auf dem Platz hat er Top-Leistungen abgerufen und uns im Abstiegskampf den ein oder anderen Punkt gerettet. Man sollte glauben, dass er sich nach all den Jahren die Chance verdient hätte, in die neue Saison als Nummer 1 zu gehen. Ob er diese Chance auch bekommt? Wir werden es sehen.

Der Unruheherd Rafal Gikiewicz

Für die Saison 2020/21 standen bisher mit Andreas Luthe, Tomas Koubek, Fabian Giefer und Benjamin Leneis vier Torhüter unter Vertrag. Mehr als drei braucht es eigentlich nicht. Nun hat noch vor dem letzten Bundesligaspiel gegen Leipzig Rafal Gikiewicz seinen Wechsel nach Augsburg in den sozialen Medien bestätigt. Gestern kam die offizielle Bestätigung vom FCA. Torhüter Nummer 5. Gikiewicz kommt zwar ablösefrei, aber der FC Augsburg bezahlt anscheinend deutlich mehr Gehalt als Union Berlin.

Nicht nur auf dem Platz laut. Seiner Verpflichtung ging eine kleine Welle auf den sozialen Medien voraus, während die Saison noch lief. Kein guter Einstand für Rafal Gikiewicz. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Denn eigentlich wollte Gikiewicz in Berlin bleiben. Er sieht sich selbst als den “König von Köpenick”. Zwei Jahre hat er bei Union gespielt und schon tätigt er solche Aussagen. Der Post in den sozialen Medien kurz vor Saisonende und auch die Auseinandersetzung mit Union jetzt kurz danach zeugen nicht von allergrößter Professionalität. Zudem ist er mit 32 Jahren nun auch nicht die langfristige Lösung auf der Position. Für Unruhe sorgte der Wechsel allemal, bevor Gikiewicz überhaupt in Augsburg angekommen ist.

In Ruhe auf die neue Saison vorbereiten?

Ablösefrei einen 32jährigen Keeper mit der Klasse für die erste Liga dazuholen. Klingt erstmal nach einer prima Idee. Ist es aber vielleicht doch nicht, wenn man etwas tiefer blickt. Auf der Torhüterposition muss sich noch etwas tun. Fünf Keeper sind deutlich zu viele und mindestens einer der Spieler, der über einen gültigen Vertrag in Augsburg verfügt, muss den Verein wohl oder übel verlassen. Soweit so gut. Wer will die übrigen Keeper allerdings übernehmen? Gerade für Koubek und Giefer werden die Interessenten jetzt nicht Schlange stehen.

Die große Frage ist zudem, wer in der nächsten Saison im Kasten steht. Luthe hätte sich aus meiner Sicht eine faire Chance verdient, die Nummer 1 zu bleiben. Gikiewicz müsste erstmal auf die Bank. Wenn das mal nicht zu mehr Unruhe führen würde. Im Zweifel wird sich Luthe erneut mit der Reservistenrolle begnügen müssen. Wie wertvoll wäre es, wenn er dennoch in Augsburg bliebe? Sehr! Die Mannschaft ist auf Führungsspieler mit seiner Persönlichkeit angewiesen. Wenn wir in der Sommerpause nun Gikiewicz gegen Luthe tauschen, dann ist das zumindest für mich nicht nachvollziehbar. Aber was weiß ich schon.

TGIF: Auf ein versöhnliches Ende, FCA!

La décima! Freunde des FCA, es ist angerichtet – der Augsburger Fussballclub und seine Fans dürfen sich auf eine zehnte Saison in Folge im deutschen Oberhaus freuen. Dank einem engagierten Remis gegen Düsseldorf konnte der Klassenerhalt am 33. Spieltag rechnerisch gesichert werden. Unnötig spannend machte es der FCA hierbei phasenweise und trieb seine Fans in den literarischen Wahnsinn. Mal schauen, ob ohne Stress und ohne Druck gegen die roten Bullen aus Leipzig was Zählbares herausspringt.

Heiko Herrlich müssen noch einmal den Arsch hoch bekommen, damit es nicht endet wie in Wolfsburg letztes Jahr. (Foto: Anke Waelischmiller/Sven Simon/ Pool)

Denn: Wenn die Klasse auch erneut gehalten werden konnte, die TV-Tabelle ist für Fußballvereine ebenfalls wichtig und hier zählt die Saison-Endplatzierung. Gerade deshalb so eminent wichtig, da die Corona-Maßnahmen sowieso finanzielle Einbußen für die Clubs bedeuten. Also, Füße hochlegen gegen RB is‘ nicht drin, liebe FCA-Kicker. Es geht noch (finanziell) um was und zudem haben wir was gut zu machen. Na, wer erinnert sich noch an den 18.05.2019?

Ein Tag zum vergessen, FCA!

Viele von uns haben sicherlich diesen Tag aus dem eigenen Gedächtnis gestrichen – aus gutem Grund wohlbemerkt! An diesem sagenhaften Datum – dem 18.05.2019 –  hat der FCA scheinbar schon gedanklich mit der Saison 2018/19 abgeschlossen.  Der FCA lief in der Startelf unter anderem mit Altstar Christoph Janker im defensiven Mittelfeld und Reece Oxford in der Innenverteidigung auf sowie mit dem damals 18jährigen Jungspund Simon Asta als rechtem Verteidiger.

Diese “laissez faire” Einstellung der Augsburger machte sich auch recht schnell beim Gegner bemerkbar, schenkte dieser doch dem trägen Gegner sage und schreibe 8 Gegentore ein. Historischer Negativrekord für den FCA in Liga 1. Und ein Ärgernis für einen jeden FCA-Fan! Ein gewisser Julian Schieber, in Minute 60 für den scheidenden Dong-Wong Ji eingewechselt, erzielte noch den schmeichelhaften Ehrentreffer. Ein tiefer Fall für den sonst so wacker kämpfenden FCA, der mit vielen Ersatzspielern die Saison zu Ende bringen wollte. Das ging augenscheinlich total in die Hose! Und für viele Fans anderer Clubs (wie beispielsweise Werder Bremen) war dies ein regelrechter Skandal, ging es doch für andere Vereine noch um was – und nicht nur um die goldene Ananas.  

Gegen Leipzig muss das anders, FCA!

An dieser Stelle bleibt zu hoffen, dass der FCA seine Lehren aus diesem (Geister-)Spiel gezogen hat und gedanklich am kommenden Samstag noch nicht im Urlaub oder sonst wo ist. Denn wie einleitend geschrieben, ist für den FCA die Platzierung hinsichtlich der TV-Geld-Tabelle äußerst relevant. Mit einem Punkt oder gar 3 Punkten gegen Leipzig könnte man wohl noch gut in der Endtabelle klettern, bei idealem Ausgang der anderen Spiele ist sogar rechnerisch noch Platz 11 möglich. An alle FCA-Spieler: Es geht um Moneten, kapiert? Also rennt, rackert und rockt am Samstag was das Zeug hält. Diese Moneten kann man wieder gut investieren, denn der Kader muss augenscheinlich auch wieder in der Sommerpause ausgemerzt und verbessert werden.

Torwart Tomas Koubek ist mit Sicherheit eine der Personen, über die in der Sommerpause zu sprechen ist. (Foto: Anke Waelischmiller/Sven Simon/ Pool)

Für Punkte braucht‘s jedoch einen Sahnetag gegen die roten Bullen rund um den abwandernden Topstürmer Timo Werner. Andernfalls werden die Leipziger Kicker sicherlich genauso ungnädig mit uns sein wie damals – vor rund einem Jahr – die Wölfe. Noch so eine Schmach für die geschundene Augsburger Seele? Bitte nicht! Ich will mit reinem Gewissen in die Sommerpause gehen und nicht noch ein „versautes“ Wochenende! Ein halbwegs versöhnliches Saisonende – trotz der notwendigen, aber traurigen Tatsache, dass wir Fans leider seit drei Monaten nicht mehr ins Stadion dürfen.

La décima – du bist wunderbar!

Dankbar, demütig und geläutert sind wir FCA Fans nun nach dem Klassenerhalt.

Dankbar – für ein 10. Jahr Bundesliga in Folge. Wer hätte das damals gedacht, als man 2011 erstmalig dank einem Tor von Stephan Hain in die erste Liga aufstieg?

Demütig – weil wir es wieder mit Hängen und Würgen sowie einer Portion Fortune über die Zielgerade geschafft haben. Gefühlt ist jede Saison eine Hängepartie – mit Hoch und Tiefs kennen wir Augsburger uns also gut aus.

Und geläutert letzten Endes – weil wir als FCA halt doch nicht „unabsteigbar“ sind, selbst mit „dem besten Kader aller Zeiten“[1] schafft man es nur auf die hinteren Plätze.

Stolz auf La Decima und dankbar für die Arbeit von Stefan Reuter über all die Jahre (Foto: SVEN SIMON)

Und diese Grenzerfahrungen machen einen sowohl dankbar als auch demütig. Gegen Leipzig muss also nochmal 1907% Leistung her und den absoluten Willen, gegen den Champions League Aspiranten etwas Zählbares zu holen.  Gegen Düsseldorf hat man dank Florian Niederlechner mit dem wiederentdeckten Torinstinkt und Andi Luthe einen Punkt eingetütet.  Machs nochmal, FCA – und zwar nicht wie gegen Wolfsburg, sondern wie gegen Mainz und mit Abstrichen gegen Düsseldorf. Dann gibt’s am 34. Spieltag – unter improvisierten Corona-Bedingungen – noch einen versöhnlichen Abschluss der turbulenten Saison.

La Decima – Danke für eine 10. Saison im Oberhaus.

Die Aufstellung sieht wohl in etwa so:

Luthe – Max, Jeff, Udoukhai, Lichtsteiner – Baier, Khedira – Vargas, Richter, Bazee – Niederlechner

Was macht eigentlich – Ingo Hertzsch?

Der Innenverteidiger Ingo Hertzsch – zwischen 2006 und 2009 kickte er für den FCA – hat den kometenhaften Aufstieg von RB Leipzig am eigenen Leib miterlebt.  2006 wechselte er zum damaligen Zweitligaufsteiger nach Augsburg und sollte dort 70 Zweitligapartien für den FCA absolvieren.

Ingo Hertzsch im Rahmen eines Spiels der DFB-Allstars Nationalmannschaft auf dem Sportplatz in Nordgermersleben in 2019 (Photo by Imago)

Zur Saison 2009/10 wurde er von dem „frisch gegründeten“ Club RB Leipzig verpflichtet, der damals in der Oberliga Nordost antrat. Sofort gelang in ebendieser Saison der Aufstieg in die damalige Regionalliga Nord, in welcher man drei Saisons lang verblieb. 2011 erzielte Hertzsch das „Golden Goal“ zum ersten Titel der Vereinsgeschichte – dem Sachsenpokal.[2] 2013 dann der Meilenstein Aufstieg in die dritte Liga, Ingo Hertzsch mittendrin. 2013 beendete Ingo dann schließlich seine Karriere. [3]

Heute arbeitet der mittlerweile 42jährige in der Marketingabteilung der Leipziger und fühlt sich in Leipzig mit seiner Familie sehr wohl.[4]

Tipps der Redaktion:

  • Sebastian: Die Saison endet mit einem versöhnlichen 2-1
  • Andy: Bei Leipzig geht es noch um was, bei uns nicht. Das merkt man und wir werden mit einer 0:5 Niederlage nach Hause geschickt. Damit endet diese Saison fast so schlimm wie die letzte.
  • Irina: Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn unser talentierter Nachwuchsstürmer Maurice Malone zu seinem Debüt in Liga 1 kommen würde. Ansonsten denke ich, dass es leider nicht viel zu holen gibt für uns, denn RB hat ja noch den direkten CL-Rang 3 zu verteidigen und wird dies mit aller Macht durchsetzen. Daher tippe ich auf ein 3:1 für Leipzig und dann ist endlich Pause! Stefan Reuter, übernehmen Sie!

[1] https://www.rosenau-gazette.de/2019/08/15/der-beste-fca-aller-zeiten/

[2] https://www.welt.de/sport/article194089341/RB-Leipzig-Ingo-Hertzsch-Viele-sehen-uns-als-Bereicherung.html

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/RB_Leipzig#2009%E2%80%932013:_Oberliga_und_Regionalliga

[4] https://www.welt.de/sport/article194089341/RB-Leipzig-Ingo-Hertzsch-Viele-sehen-uns-als-Bereicherung.html

TGIF: High Noon in Düsseldorf

Die Geisterspielsaison wird nun doch unnötig spannend. Wobei spannend an dieser Stelle ein sehr dehnbarer Begriff ist. Die Bayern sind schon Meister, was auch zu regulären Zeiten kaum einen so Recht interessiert. Die europäischen Plätze versprechen angesichts anhaltender Restriktionen auch keine rechte Attraktivität für diejenigen Vereine, denen man das normalerweise gerne wünschen würde (sprich: Freiburg). Und im Keller ist Paderborn schon abgestiegen und der Rest liefert sich ein Schneckenrennen um Rettung, Abstieg und Relegation. Damit uns nicht langweilig wird, rennt hier auch der FCA noch ein bisschen mit. Und reist zur direkten Konkurrenz ins Rheinland.

Fakten zum Spiel #F95FCA

In der Nachspielzeit gelang der Fortuna in Leipzig noch der Ausgleich zu einem überraschenden 2-2 Unentschieden, so dass die Schampusflaschen in Augsburg flugs wieder vom Feld getragen wurden. Bei zwei ausstehenden Spielen steht man zwar mit 6 Punkten Unterschied und einer erheblich besseren Tordifferenz besser da, wenn es nun zum direkten Aufeinandertreffen kommt. Aber man hat auch schon Eichhörnchen fliegen und Augsburg in Wolfsburg untergehen sehen. Wobei der Abstand trügerisch ist und es nicht einmal eines historischen Heimsiegs für die Fortuna bedürfte. Ungeachtet aller anderen Ergebnisse würde schon eine 4-0 Niederlage in Düsseldorf und ein 0-2 Sieg Leipzigs am letzten Spieltag in Augsburg für den Worst Case genügen. Vorausgesetzt die Düsseldorfer gewinnen dann in Berlin bei den schon geretteten und parkplatzfeiernden Unionern in Berlin. Klingt alles abwegig? Na dann besteht ja kein Anlass, sich die Relegationstermine zu notieren.

Ratlose Gesichter hinterlässt der FCA momentan allerorten (Photo by ANDREAS GEBERT/POOL/AFP via Getty Images)

Eine zusätzliche Würze bekommt das ganze Rechenspiel noch dadurch, dass zeitgleich Mainz gegen Bremen spielt, die beide auch noch in der Verlosung mit dabei sind. Man kann streng genommen auch einfach Bremen und dann am letzten Spieltag Leverkusen die Daumen drücken. Das macht derzeit leider auch etwas mehr Sinn als auf den FCA zu wetten. Denn bei soviel Rechnerei und Unkerei fällt ganz unter den Tisch, dass es Augsburg mal wieder nicht gelungen ist, ein gutes Spiel über zwei Halbzeiten durchzuziehen. Der rote Faden der Geisterspielsaison. Auch gegen Hoffenheim zeigte man zwei Gesichter. Mit Ausnahme der ersten Minuten war die erste Hälfte aus Augsburger Sicht durchaus ansehnlich. Es fehlten einzig die Großchancen, die einem vom Sofa gerissen hätten. Und natürlich Tore. Das dachte sich dann auch Hoffenheim, und zog das Spiel an sich. In der zweiten Hälfte war man chancenlos gegen einen nicht gerade überragenden Gegner. Ist es so einfach, das Spiel des FCA zu lesen und sich darauf einzustellen? Fehlt der Plan B? Man möchte es fast meinen. Und hoffen, dass die letzten beiden Saisonspiele jeweils nur 45 Minuten dauern. Die richtigen 45 Minuten.

Der Gegner

Die Fortuna aus Düsseldorf ist nicht so recht greifbar. Einerseits gefühlt ewiger Underdog mit großer Tradition und einem sympathischen Image als Anti-Bayern. Andererseits irgendwie spröde und ebenso sehr Punk wie „An Tagen wie diesen“ auf Dauerschleife in der Großraumdisko. Die ziemlich durchsichtigen Anspielungen seien verziehen. Bekanntermaßen hat zum neuen Jahr Uwe Rösler den allseits beliebten Friedhelm Funkel abgelöst und man orientiert sich seitdem tabellarisch am Relegationsplatz. Dass die Chance zum Klassenerhalt, mit oder ohne Umweg, noch besteht, ist dennoch eine beachtliche Leistung. Immer wieder gelingen gute Auftritte und Überraschungssiege.

Erik Thommy bisher offensiv sehr effektiv in Düsseldorf. Wird er dem FCA einen ungemütlichen Nachmittag bereiten? (Photo by MARIUS BECKER/POOL/AFP via Getty Images)

Hervorzuheben ist natürlich die gute Saison des Altaugsburgers Erik Thommy, der für ein Jahr aus Stuttgart ausgeliehen wurde. Ob er dank Kaufoption dauerhaft in Düsseldorf bleiben wird, zeigt sich aber erst am Saisonende, wenn klar ist, welcher der beiden Vereine eigentlich in welcher Liga spielen wird. Immerhin: für ein mögliches Relegationsspiel Düsseldorf – Stuttgart wäre Thommy wohl spielberechtigt. Das riecht doch nach einer Geschichte, die nur der Fußball schreiben kann.

Die Presseschau

Der Kicker berichtet in dieser Woche ausführlich über das Spieler-Bündnis, das als neue Interessenvertretung der Spieler ins Leben gerufen wurde und in dessen Kernteam auch Andi Luthe eine große Rolle spielt. Tatsächlich war auffällig, dass in der Debatte um den Re-Start zwar Vereins- und Verbandsfunktionäre mit Sportärzten am Tisch saßen aber keine Spieler. Und auch darüber hinaus gibt es mehr als genug Themen, bei denen sich die Spieler positionieren könnten und sollten. Das soziale Engagement des Augsburger Keepers ist weithin bekannt. Man darf auch auf dieses Projekt gespannt sein.

Andi Luthe macht auch immer wieder neben dem Platz eine großartige Figur (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Unser Andy wiederum hat sich in dieser Woche in seiner Kolumne wie gewohnt mit einer klaren Meinung zu Herrlichs Fehltritten positioniert und dafür durchaus Prügel bezogen. Dabei kann man berechtigte Kritik am Stil und Auftreten von Heiko Herrlich finden und dies auch artikulieren. Zumal er beim Trainerwechsel noch sehr hoffnungsvoll war. Es ist schwierig, Arbeit und Bild eines Trainers in diesen Zeiten zu bewerten. Andererseits sollte man auch als Vereinssympathisant durchaus kritisch sein. Die Frage, wohin der FCA unter Heiko Herrlich und Stefan Reuter steuert, muss man stellen. Wir sind auf Eure Meinung gespannt.

Was macht eigentlich der Aufstiegskampf?

Schneckenrennen auch im Aufstiegskampf! Bielefeld ist sehr zur Überraschung der eigenen Fans und der Fußballfachwelt schon durch und dahinter spielen neben den erwarteten Verdächtigen wie dem VfB und den unaufsteigbaren Hamburgern auch noch unsere Freunde aus Heidenheim eine kleine Außenseiterrolle im Kampf um die Aufstiegsplätze. Die Relegation sollte mindestens drin sein. Pikanterweise geht es am nächsten Spieltag direkt gegen den HSV und zuletzt auf die Alm, die Gerüchten zufolge mit der B Jugend auflaufen werden. Es wäre Heidenheim rund um den ostälbler Sympathieträger Frank Schmidt, der auch schon einmal in Augsburg gehandelt wurde, sehr zu wünschen. Vielleicht kommt es ja sogar zu einem Duell FCA – FCH. Die Relegationsspiele sind übrigens am 2. und 6. Juli. Nur fürs Protokoll.

Tipps

Andy: Der FCA rettet sich in einem verkrampften Spiel mit einem 1:1 zum Klassenerhalt. Immerhin aus eigener Kraft.

Sebastian: Der FCH gewinnt überragend 3-1 zuhause gegen vollkommen chancenlose Hamburger und verdrängt diese vom Relegationsplatz. Das freut auch die Bremer, die noch ihren Kater nach dem Auswärtssieg in Mainz auskurieren.

TGIS: Was stellt Heiko Herrlich diesmal an?

Wer erinnert sich nicht an die letzte Saison, als Martin Schmidt den Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht hatte? Es ging gegen Schalke. Sowohl für Schalke als auch für uns ging es um nichts mehr. Es gab die langweiligste Partie seit langem. Am Ende stand ein 0:0 Unentschieden. Wird es am Mittwoch gegen Hoffenheim genau so schlimm? Im Zweifel wird zumindest die Frage für Unterhaltung sorgen, was Heiko Herrlich an diesem Spieltag anstellt. Sein unprofessionelles Verhalten in den letzten Wochen prägt das Bild des FCA in der Öffentlichkeit mehr als die ansteigende Form.

Die Fakten über #FCATSG

Faktisch wird der FCA zum Zeitpunkt des Anpfiffs noch nicht gerettet sein. Düsseldorf spielt zeitgleich gegen Leipzig und vom Ausgang der Partie wird abhängen, ob es am Samstag gegen die Fortuna nochmal spannend wird. Dies ließe sich leicht vermeiden, indem wir einfach selbst am Mittwoch gegen Hoffenheim gewinnen. Weniger als ein Unentschieden kann ja kaum dabei herauskommen, wenn Andi Luthe den Kasten erneut sauber hält.

Mann der Stunde: der blendend aufgelegte Andreas Luthe. (Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

Auch für die TSG geht es noch um etwas. Es winkt weiterhin der Einzug ins internationale Geschäft. 3 Punkte Rückstand auf Wolfsburg auf Platz 6 sind weiterhin aufzuholen. Zum jetzigen Zeitpunkt der Saison ist ein hitziges und umkämpftes Mittelfeldduell zu erwarten.

Über den Gegner

Der Hopp-Club aus dem Kraichgau ist wohl der einzige Verein in der Bundesliga, der es absolut großartig findet, dass die Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt wird. Es kommt einem vor wie vor Ewigkeiten, dass Spiele auf Grund von Protesten gegen die Hoppsche-Investitionspolitik und das Selbstgebaren eines Milliardärs unterbrochen wurden. Gerade aus diesem Grund ist es umso bedauerlicher, dass die Partie ohne Zuschauer stattfindet. Denn auch die Augsburger Kurve hatte schon in der Vergangenheit immer wieder deutlich ihre Ablehnung gegenüber Dietmar Hopp kommuniziert. Ich hätte mich auf friedlichen und nicht-diskriminierenden Protest sehr gefreut.

Und schon ist Alfred Schreuder wieder weg. Wie Hoffenheim für die nächste Saison die Weichen stellt, wird spannend. (Photo by MARIUS BECKER/POOL/AFP via Getty Images)

Daneben hat die TSG erst vor kurzem Trainer Alfred Schreuder entlassen, nachdem man sich in sportlicher Hinsicht nicht auf ein gemeinsames Zukunftsbild einigen konnte. Schreuder war dabei vor allem dadurch aufgefallen, dass er Spieler regelmäßig positionsfremd einsetzte. Am Ende war es ihm nicht vergönnt dauerhaft die Nachfolge von Julian Nagelsmann anzutreten, der die TSG an dieser Stelle in den letzten Jahren sportlich arg verwöhnt hatte. Gegen Augsburg wird ein Trainerteam unter der Führung von Sportchef Rosen die Hoffenheimer am Spielfeldrand begleiten.

Was macht eigentlich Kostas Stafylidis?

Der Kapitän der griechischen Nationalmannschaft wechselte vor der Saison ablösefrei vom FCA ins Kraichgau. Dort kam er allerdings nie richtig an. Sieben Einsätze und nur vier von Beginn an sind dann doch wenig für einen Spieler von Stafylidis Kaliber. Entsprechend wird schon über eine Trennung zur neuen Saison spekuliert. Der FCA ist mit Iago und dem Rückkehrer Pedersen auch im Falle eines Abgangs von Philipp Max (gerüchteweise zum AC Mailand oder zu Borussia Mönchengladbach) auf dieser Seite gut aufgestellt.

Kostas Stafylidis ohne Perspektive in Hoffenheim? (Photo by Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Diese Saison könnte die Saison sein, in der ehemalige Spieler vom FCA sportlich hart getroffen werden. Stafylidis kam erst gar nicht zum Einsatz. Erik Thommy darf zwar viel spielen und scort auch regelmäßig, könnte mit Fortuna Düsseldorf dennoch zum zweiten Mal nacheinander absteigen (nachdem er schon letzte Saison mit dem VfB Stuttgart nicht die Klasse halten konnte). Kevin Vogt blüht ein Abstieg mit dem SV Werder Bremen, nachdem er kein Vertrauensverhältnis zu Alfred Schreuder in Hoffenheim mehr hatte.

Tipps

Irina: 2 zu 2, es geht hoch her und der FCA spielt befreit auf. Herrlich hält sich an der Seitenlinie ausnahmsweise mal zurück.

Sebastian: 1-1. Nach dem vermeintlichen Siegtreffer in der 96. Minute legt sich Andi Luthe den Ball beim Versuch den Schiedsrichter zu umarmen noch selbst ins Tor.

Andy: Hoffenheim kann sich nicht mehr so recht motivieren. Unser FCA dahingegen wittert die Chance daheim selbst den Klassenerhalt zu besiegeln. Wir gewinnen 2:1.

TGIF: Geisterschorle am Rhein

Mainz ist immer eine Auswärtsfahrt wert. Nicht zuletzt auch kulinarisch. Wenn die Ergebnisse nicht passten, war zumindest die Rieslingschorle im Stadion immer sehr empfehlenswert. Doch das muss dieses Jahr leider ausfallen, es gibt stillen Weißwein vor dem Fernsehschirm.

Fakten zum Spiel #M05FCA

Der FCA geistert weiter etwas unbeholfen durch die Liga. Die erste Hälfte gegen Köln war famos, die Augsburger waren präsent, machten Druck und erspielten sich reihenweise gute Torabschlüsse. Auch die Geschichte der Elfmeter, eine liebgewonnene Tradition beim Zusammentreffen beider Vereine, ist um ein neues Kapitel reicher. Der Schütze Flo Niederlechner ließ sich von einem einfachen Spruch aus der Fassung bringen und scheiterte an dem gut aufgelegten Timo Horn.

Flo Niederlechner: einer von uns. Aufstehen und weitermachen! (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Er ist halt einer von uns, das kennt jeder Sonntagskicker. Auch eine gewisse Tradition hat es nun schon, dass der FCA sein Spiel nur noch 45 Minuten aufzuziehen vermag – und so gehörte die zweite Hälfte den Kölnern und ein 1-1 Unentschieden war das gerechte Ergebnis. Das mag für sich betrachtet auch vollkommen in Ordnung sein. Man macht sich aber doch Sorgen im Hinblick auf den nahenden Saisonabschluss. Denn dieser rückt ebenso schnell näher wie die Abstiegsplätze. Umso wichtiger wäre ein Sieg gegen Mainz, was einer kleinen Vorentscheidung um den Klassenerhalt gleich kommen könnte. Denn Düsseldorf spielt gegen Dortmund. Aber dafür sollte die sportliche Führung des FCA auch den Fokus auf das Sportliche legen. Dazu gleich mehr.

Der Gegner

Es läuft nicht so richtig gut, aber auch nicht ganz schlecht. Anfänglich kam Mainz stotternd aus der Pause mit Unentschieden gegen Köln und Union Berlin sowie Niederlagen gegen Leipzig und Hoffenheim. Am letzten Spieltag gewann man schließlich überzeugend das Derby gegen die Eintracht. Das gibt Rückenwind. Viel wichtiger aber sind die klaren und mehr als richtigen Zeichen gegen Rassismus, die Mainz in dieser Woche setzte. So unter anderem gegenüber einem Mitglied, das sich an der Hautfarbe der Spieler störte.

Presseschau

Während man andernorts die Öffentlichkeit nutzt, um wichtige Statements zu geben, wird in Augsburg über die Schiedsrichter geschimpft. Direkt im Nachgang des Spiels wütete angesichts eines nicht gegebenen Elfmeters Heiko Herrlich über die Ansetzung des Videoschiedsrichters Guido Winkmann und unterstellte ihm aufgrund seines Wohnorts sogar Parteilichkeit. Auch unser aller Lieblingsmanager Stefan Reuter meldete sich zu Wort und kritisierte wiederum den Leiter der Bundesligaschiedsrichter Lutz Fröhlich für seine Kritik an Herrlichs Worten.

Heiko Herrlich sucht den Fehler beim Schiedsrichter anstatt bei der eigenen Mannschaft. Gegen Köln hätte man doch alle Möglichkeiten gehabt, das Spiel selbst zu entscheiden. (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Natürlich war der angemahnte Vorfall strafstoßwürdig und natürlich hätte sich der Schiedsrichter auf Intervention des VAR die Szene nochmals ansehen müssen. Aber danach gleich in den Boulevardmodus überzugehen anstatt sich einmal demütig zu fragen, warum es Woche für Woche nicht gelingt, ein Spiel einmal über 90 Minuten zu gestalten, ist schon kunstfertig. Chapeau. Herrlich diese Fettnäpfchen. Endlich weg von der glattgebügelten Bundesligawohlfühlrhetorik.

Was macht eigentlich die Kaderplanung

Es zeichnet Stefan Reuter ja durchaus aus, dass er neben verbalen Grätschen eifrig und erfolgreich am Kader der nächsten Saison zu basteln vermag. Felix Uduokhai wurde für eine mehr als beträchtliche Summe fest verpflichtet und aus Gladbach kommt wohl Tobias Strobl. Auch Kevin Rüegg vom FC Zürich ist als Rechtsverteidiger wohl immer noch ein Thema. Der Schwerpunkt liegt derzeit wohl (noch) auf der Defensive, was allerdings wohl zu Lasten der Augsburger Eigengewächse Raphael Framberger und Kevin Danso gehen dürfte. Southampton hat die Kaufoption nicht gezogen und Danso wird im Sommer in Augsburg zurückerwartet. Es gibt aber wohl schon Interessenten.

Tipps

Irina: So, ich bin mutig und lehne mich aus dem Fenster. Die Trotzreaktion des FCA im Abstiegskampf beschert uns 3 Punkte. Finnbo scort und wir gewinnen 3-1.

Andy: Mainz wird zerlegt und der FCA macht mit einem 5:1 den Klassenerhalt fix.

Sebastian: Mainz gewinnt mit moralischem Rückenwind verdient 3-1. Da Düsseldorf gegen Dortmund punktet dürfen wir uns auf ein Herzschlagfinale freuen, bei dem der FCA erst am letzten Spieltag aufgrund eines unberechtigten Elfmeters die Klasse hält. Schiedsrichter: Guido Winkmann, der das Spiel im Kölner Trikot pfeift.

TGIF: Brunos Alte Dame

Es geht Schlag auf Schlag in der Geisterliga. Nach den Spitzenspielen gegen Schalke und Paderborn darf der FCA in die Hauptstadt und den Rasen im Olympiastadion kaputt treten. Es wird so oder so keine leichte Aufgabe, denn die Hertha zeigt unter Bruno Labbadia ein ganz neues Gesicht. Aber der Reihe nach. Kurz und schmerzlos: die Spieltagsvorschau.

Fakten zum Spiel #BSCFCA

Der FCA ist nominell weiterhin unter Heiko Herrlich ungeschlagen, die einzige Niederlage verpasste der neue Coach zahnpastabedingt. Es fällt schwer, nach drei Spielen ein Zwischenfazit über die Augsburger Geisterspieltauglichkeit zu fällen. Man hatte das Gefühl, dass es nach dem Auswärtssieg auf Schalke steil nach oben gehen würde und die ersten Minuten im Spiel gegen Paderborn befeuerten das kleine Fünkchen Hoffnung auf große Fußballzeiten. Ballbesitz und Passsicherheit sind bislang ungekannte Begriffe für die Augsburger Anhängerschaft. Allerdings ließ sich auch der FCA vom eigenen Auftritt irritieren und rasch bröckelte die Fassade. Paderborn verteidigte gut und hatte sogar die besseren Chancen. Vollkommen zurecht wurde Andi Luthe zum Mann des Spiels erklärt. Das war insgesamt ein hartes Stück Arbeit an einem lauen Mittwochabend. Auch für die Zuschauer.

Andi Luthe war gegen Paderborn der beste Mann. Man fragt sich schon, warum er in dieser Form nicht schon die ganze Saison die Nummer 1 war. (Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Es ist unschwer zu erkennen, dass man noch weit von dem Fußball entfernt ist, den der neue Coach sehen und spielen lassen will. Sicherlich auch nicht verwunderlich angesichts der gegenwärtigen Umstände. Schon zu normalen Zeiten wäre es schwer, die Spielidee in der laufenden Saison derart umzukrempeln. Man wird sehen, welches Gesicht der FCA in Berlin zeigen wird. Es sind jedenfalls auch angesichts der Belastung durch die englische Woche einige Änderungen in der Startelf zu erwarten.

In der Abwehr sind wohl angesichts der beiden Spiele ohne Gegentor die wenigsten Veränderungen zu erwarten, allenfalls hätte Jeff Gouweleeuw wieder eine Chance bekommen können, wenn er sich nicht die fünfte gelbe Karte abgeholt hätte. Davor besteht wieder etwas mehr Auswahl. Flo Niederlechner und die beiden Außen Ruben Vargas und Marco Richter könnten sich eine Pause gönnen. Auf Berliner Seite kommt wohl in der Verteidigung verletzungsbedingt der Nachwuchs zum Zug. Man hat aber nicht den Eindruck, dass das ein Problem sein könnte angesichts der derzeitigen Form der Mannschaft.

Alles neu macht der Bruno

Gerade angesichts des üblichen Trubels in Berlin war es durchaus überraschend, dass Neucoach Bruno Labbadia die Hertha in die sportliche Spur bringen konnte. Die Geisterspielsaison läuft bislang außerordentlich gut für ihn und die Berliner. Den anfänglichen Auswärtssieg in Hoffenheim sollte man nicht überbewerten. Dem folgte aber ein deutlicher Derbysieg gegen Union und auch in Leizig nahm man einen Punkt mit. Die Ära Klinsmann wirkt wie aus einer anderen Zeit. Schon vergessen ist auch der kleine Skandal rund um das Kalou-Video. Es blüht in Brunos Berlin, was auch an alten Damen wie Vedad Ibisevic liegt, dem der Gehaltsverzicht offenbar gut tat und der wieder trifft und assistiert. Aber nicht nur seine Formkurve zeigt unter dem neuen Trainer nach oben.

Gefühlt ist Bruno Labbadia in der Bundesliga omnipräsent. Zuletzt trainierte er Wolfsburg (wir erinnern uns), Stuttgart und Hamburg. Aber es wirkt, als hätte man den Coach mit dem Charme eines Sparkassenvorstands schon auf jeder Trainerbank gesehen. Vielleicht tut man ihm unrecht, nur das ewige Scheitern zu sehen und doch lässt sich ein Schmunzeln nicht zurückhalten, wenn die Beteiligten beim Amtsantritt in Berlin von einem längerfristigen Engagement sprechen. Was allerdings auch an der sprunghaften Alten Dame liegt. Ein Erfolg mit dem immer etwas biederen Hauptstadtverein wäre Big Bruno zu wünschen.

Was macht eigentlich Julian Schieber?

Das große Warten auf den Höhenflug von Julian Schieber. Kommt er noch? (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Wo ist der sympathische Schwabe? Will man den Statistiken Glauben schenken, war er letztmals vor der Winterpause im Kader. Eine kleine Veränderung tut der Offensive des FCA sicher gut, warum also nicht einmal wieder den alten Herthaner bringen? Heiko, ich weiß, dass Du als großer Freund der Gazette auch das hier lesen wirst. Bring den Schieber! Gerne zusammen mit Córdova. Oder Jensen anstelle von Löwen (dessen Tricks kennen die Herthaner aus dem Effeff). Und natürlich von Anbeginn an mit Sarenren Bazee außen. Dann klappt das auch mit den Punkten in Berlin. Damit rechnet der Bruno nie. Versprochen.

Tipps

Sebastian: Mit der ungewohnten Aufstellung lassen wir in Berlin Ball und Mann laufen, dominieren nach belieben und gewinnen vollkommen ungefährdet 4-1. Vier Tore Schieber.

Andy: Der Trend ist dein Freund. Oder aber eben nicht. Die Berliner strotzen vor Selbstbewusstsein und Form und werden leider damit auch uns 1:2 nach Hause schicken.

TGIF: Geisterhaftes Wolfsburg

Endlich! Wieder! Bundesliga! Aller Unkenrufe zum Trotz, alle Bedenken einmal ausgeklammert, am Samstag wird in Augsburg wieder Fußball gespielt. Und die Gazette ist schon ganz aufgeregt. Man hat das Gekicke doch schon sehr vermisst. Wer sich schon mal einstimmen will oder vergessen hat, wie es um das Sportliche steht, dem sei unsere kontaktlose Spieltagsvorschau ans Herz gelegt.

Fakten zum Spiel #fcavfl

Das wichtigste vorweg: Heiko Herrlich ist seit zwei Monaten als FCA Trainer ungeschlagen. Das dürfte Vereinsrekord sein und Stefan Reuter wird sich jeden Abend vermutlich selbst für diesen Glücksgriff auf die Schulter klopfen. Am Samstag wird sich Wolfsburg daran versuchen, die Serie zu beenden. Zumindest Heiko Herrlich kann das Spiel gelassen angehen, denn er wird gar nicht auf der Bank sitzen. Dazu gleich mehr.

Heiko Herrlich hat seinen eigenen Weg gefunden, sein Debüt beim neuen Arbeitgeber in Zeiten von Corona zu boykottieren. Schaut ihr am Samstag zu? (SASCHA SCHUERMANN/AFP via Getty Images)

Vorweg ein kleiner Rückblick in den März, denn die nominell immer noch laufende Bundesligasaison ist verständlicherweise derzeit ganz weit weg. Man erinnert sich vage an einen guten Auftritt in München und den Rauswurf von Martin Schmidt, der durchaus für Kontroversen sorgte. Die Zahlen lassen einen aufhorchen. Stand jetzt sind es nur fünf Punkte zum Relegationsplatz und der FCA hat nur einen Punkt aus den vergangenen fünf Spielen geholt. Vielleicht wäre der ein oder andere Verantwortliche froh über einen Saisonabbruch gewesen. Sportlich wird es nicht leichter.

Mit dem neuen Trainer und angesichts der langen Unterbrechung ist vollkommen unklar, wie der FCA in dieses Spiel gehen wird. Große spielerische Änderungen sind nicht zu erwarten, auch wenn Heiko Herrlich unlängst eröffnete, dass er offensiver spielen lassen möchte und Wert auf spielerische Lösungen legt. Personell wird gemunkelt, dass Alfred Finnbogason auszufallen droht. Der Trainer hat eine Aufstellung im Kopf, diese aus taktischen Gründen aber noch nicht verraten. Hoffentlich wurden die Co-Trainer rechtzeitig eingeweiht.

Der Gegner

Der Werksverein aus der Autostadt spielt unter Oliver Glasner eine solide bis gute Saison. Das Hinspiel war eine Nullnummer und damit im Vergleich zum Debakel in der letzten Saison eine wahre Wohltat. Die letzten Bundesligaspiele des VFL waren auch mehr als in Ordnung. Unentschieden gegen Leipzig, Berlin und Düsseldorf und Siege gegen Mainz, Hoffenheim und Paderborn. Aber das sind Spiele aus einer anderen Zeit. Im Europapokal setzte es zuletzt eine Heimniederlage vor leeren Rängen gegen Donezk. Ist die Geisterspielerfahrung von Vorteil? So manch einer munkelt, dass in Wolfsburg kein großer Unterschied zur üblichen Stimmung erkennbar war.

Wout Weghorst fehlt gelbgesperrt und neben einigen anderen Ausfällen hat sich auch Yannick Gerhardt zuletzt im Training schwerer verletzt. Gute Besserung an dieser Stelle! Zur Vorbereitung studierte Oliver Glasner übrigens nach eigener Aussage Spiele von Leverkusen und Regensburg als dort Heiko Herrlich Trainer war. Es ist in jeder Hinsicht eine Wundertüte. Auch wir sind gespannt.

Die Presseschau

Die DFL hat am Donnerstag eine Reihe von Beschlüssen im Zusammenhang mit der Fortsetzung des Spielbetriebs gefasst und lässt nun unter anderem mehr Auswechslungen zu (bis zu fünf) und ermöglicht Spiele an einem Ausweichort, sollten diese an den ursprünglich vorgesehenen Spielstätten aufgrund von Auflagen der Behörden nicht durchführbar sein. Theoretisch kann die Saison außerdem bis in den Juli verlängert werden.

Ansonsten hat die Presse natürlich in den vergangenen Tagen das Für und Wider der Bundesligafortsetzung ausführlich debattiert. Empfehlenswert ist der Kommentar von Kathrin Gilbert in der ZEIT, die für den experimentellen Charakter des Neustarts wirbt. Holger Gertz zeichnet in einem bemerkenswerten Artikel in der Süddeutschen nach, wie Stillstand und Krise die absurden Missstände im Profifußball offen legen und fürchtet, dass Geisterspiele genau das nehmen, was den Zirkus bislang trotz aller berechtigten Kritik ausgezeichnet haben: Bilder und Geschichten. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn der Vorhang noch ein wenig länger geöffnet bleibt.

Die Denkpause im Sportbetrieb (heißt nicht so, weil man mit dem Denken aufhört, sondern weil man damit anfängt) hat zum Beispiel dazu geführt, dass ein Teil der Kundschaft darüber nachgedacht hat, was diese Begriffe eigentlich bedeuten, mit denen man immer befeuert wird. Milliarden-TV-Vertrag zum Beispiel. Live ist ja gerade nichts geboten, was einen davon abhält, mal nachzurechnen. Um es fußballerisch zu sagen, in der zupackenden Sprache des leider auch schon verstorbenen Managers Rudi Assauer: “Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt.”

Holger Gertz, Brot und Geisterspiele, Süddeutsche Zeitung vom 10.5.2020

Übrigens können sich Sky Abonnenten Fan-Gesänge und Emotionen passend zum Spielgeschehen einspielen lassen. Na dann.

Was macht eigentlich Heiko Herrlich?

Aber zurück zu Augsburgs Rekordtrainer, der das mit dem Geschichten produzieren etwas missverstanden hat. Kurz zusammengefasst gingen dem Trainer in der Quarantäne in Bobingen die Hygieneprodukte aus und anstatt an der Rezeption nachzufragen suchte er selbst den örtlichen Supermarkt auf. Als wäre das noch nicht genug, berichtet er von diesem kleinen Abenteuer in aller langweiligen Ausführlichkeit in der virtuellen Spieltagspressekonferenz. Sensationell. Sicherlich kann man jetzt wieder anfügen, dass der Fußball vielleicht doch ganz bodenständig ist. Dass man die Zahnpasta beim Hotelaufenthalt vergisst, ist ein Naturgesetz. Der Heiko ist einfach einer von uns.

Heiko Herrlich ist halt einer von uns. Diese vielen neuen Regularien muss man halt erstmal im Kopf behalten. (ROBERT MICHAEL/AFP via Getty Images)

Aber es ist die Unbedachtheit, die einen fassungslos hinterlässt. Nicht nur, dass offenbar vollkommen bedenkenlos gegen das DFL Konzept verstoßen wird. Es wird auch noch mit viel Liebe zum Detail ausgeführt, als wäre es das Normalste überhaupt. Als hätte nicht die gesamte Liga mit finsteren Mienen und starrem Blick wochenlang gebetsmühlenartig zu Protokoll gegeben, dass sie um den Ernst der Lage wisse und auf welchem Prüfstand das gesamte Unternehmen Wiederanpiff steht. Heiko Herrlich gibt schon wie Salomon Kalou einen vielsagenden Einblick in Sein und Schein im Fußballzirkus.

Heiko Herrlich zieht übrigens die Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten und wird die Mannschaft am Samstag nicht von der Bank aus betreuen. Wenn der Trainer in ähnlich eintöniger Emotionalität seine Kabinenansprachen hält, wie er in Pressekonferenzen von Ausflugsgeschichten erzählt, muss dies kein Nachteil sein.

Tipps

Irina: Tippe auf ein schnödes und zerfahrenes 1 zu 1. Ein typisches Geisterspiel ohne Highlights.

Andi:0-0. Eine Nullnummer für alle Beteiligten, diese Bundesligawiederaufnahme. Weg damit.

Sebastian: 4-3, am Ende macht Andi Luthe in der 97. Minute vom Punkt den Siegtreffer nachdem er zuvor zwei (unberechtigte) Elfmeter gehalten hat. Das Spiel ist ein auf und ab, von dem man sich noch jahrelang erzählen wird. Der Auftakt einer Siegesserie, an deren Ende der Einzug in den Europapokal steht.

Endspurten oder Absaufen?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

25 Spiele und damit rund 3/4 der Saison sind gespielt. Der FCA steht auf Platz 14 der Tabelle und der Abstand zum Relegationsplatz beträgt noch 5 Punkte. Während ein Club wie der Effzeh Köln unter Markus Gisdol ein Formhoch erwischt, mittlerweile 5 Punkte Vorsprung vor dem FCA und noch ein Spiel offen hat, ist unsere Lieblingsbeschäftigung das Verlieren geworden. Man könnte sagen, in der Rückrunde haben wir alle Arten des Verlierens durch.

Das Positive

Nach dem Licht am Ende des Tunnels muss man mittlerweile mit Nachdruck suchen. Die gute Phase zum Ende der Hinrunde verhallt so langsam komplett. Gerade mal gegen Werder Bremen – mittlerweile wahrscheinlich das schwächste Team der Liga – konnten wir durch eine bessere zweite Halbzeit gewinnen. Gegen Freiburg hat es mit Glück zu Hause für einen Punkt gereicht, weil Freiburg vor dem Tor schlicht zu harmlos war. Dazu können wir uns Niederlagen schön reden. Gegen die Bayern – die laut Thomas Müllers Aussage nach dem Spiel ausgelaugt und müde waren – sah die Partie defensiv zumeist stabil aus. Dazu konnten wir nach vorne Nadelstiche setzen. Auch gegen Gladbach sah es schon nicht mehr ganz so gruselig aus, wie noch zuvor oder in der Hinrunde. Ach, und Andreas Luthe hatte auch keinen Aussetzer im Tor gegen die Bayern. Das Ergebnis der letzten 3 Partien waren dennoch 0 Punkte. Da bleibt jetzt in dieser Situation nur das kurzfristige Hoffen auf den Trainereffekt und dann auf die positiven Anpassungen unter Heiko Herrlich.

Die Sorgen

Dafür bleiben einige der Kritikpunkte offen, die ich schon vor der Saison adressiert hatte. Führungsspieler sind zwar erkennbar. Daniel Baier hat immer noch eine wichtige Funktion für die Mannschaft, genau wie Jeffrey Gouweleeuw, Rani Khedira, Philipp Max und Florian Niederlechner. Die Mannschaft hat eine offensichtliche Gruppe an Führungsspielern, aber auch das führt nicht dazu, dass konstant Leistung abgeliefert wird. Mit 52 Gegentoren tummeln wir uns zurecht schon wieder Richtung Tabellenkeller und können mit den schlechtesten Teams der Liga mithalten. Ja, die defensive Stabilität geht uns zumeist ab. Dazu scheinen die spielerischen Möglichkeiten dieses Teams limitiert. Wo man am Anfang der Saison noch gedacht hat, dass das Team sich einfach einspielen muss, ist mittlerweile ersichtlich, dass der Plan nicht beinhaltet, den Ball zu halten. Das tuen wir dann auch sehr wenig.

Die Aussichten

Wolfsburg ist ein solides Bundesligateam – im Gegensatz zu uns – mit ungefähr 10 Punkten und 20 Gegentoren weniger auf dem Konto. Im Heimspiel gegen die Wölfe und auswärts eine Woche später auf Schalke geht es schon um viel. Wenn wir gegen diese beiden Mittelklasseteams nicht punkten, könnten wir noch weiter nach unten abrutschen. Und in der Länderspielpause dann doch mit dem Rücken zur Wand stehen. Das verschafft zwar dem neuen Trainer Zeit, aber auch nicht viel. Und der Druck, ein Erfolgserlebnis zu liefern, wird immens steigen.

Ohne die entsprechenden Ergebnisse sind die Aussichten mau. Aufstehen und weitermachen ist angesagt. Nützt ja nichts. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Auch wenn wir jetzt vorher in einem der Spiele punkten sollten, so können wir uns darauf leider nicht ausruhen. Am Ende wird es auf den Endspurt ankommen. Gegen Paderborn, Hertha und Mainz geht es nicht um einen Schönheitspreis. Wir konnten die Top Teams nicht ärgern. In letzter Zeit konnten wir niemanden ärgern. Gegen die direkte Konkurrenz müssen wir gewinnen. Egal wie.

Das Ziel

Aus dieser Saison kann kein größerer Erfolg als der Klassenerhalt mehr entstehen. Ich will das gar nicht unterschätzen. Florian Kohfeldt als äußerst talentierter Trainer säuft gerade mit dem SV Werder Bremen ab. Auch für Martin Schmidt war bei uns jetzt Schluss. Für uns kann es auch nächstes Jahr in der ersten Liga weitergehen. Wir haben immer noch alle Möglichkeiten uns selbst zu retten und unseren Beitrag zur Langeweile der Liga zu leisten.

Mit Andreas Luthe sollte vorerst Ruhe im Tor einkehren. Er kann der Mannschaft in dieser schwierigen Phase Sicherheit geben. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Dabei ausblenden müssen wir für den Rest der Saison trotz Trainerwechsel, dass dieser Kader das Potential für mehr gehabt hätte. Ja, hinten rechts und im Tor haben wir Bedarf für Verbesserung. Ansonsten ist der Kader dicke mit Talent bestückt und wir haben keine Verletzungssorgen. Den Klassenerhalt vorausgesetzt, kann Heiko Herrlich im Sommer ganz in Ruhe schauen, wie er das Potential in der nächsten Saison ausgeschöpft bekommt.

Was ist zu tun?

Sportlich haben wir aus dem Bayern-Spiel erkannt, dass wir defensiv stabil stehen können. Dafür brauchen wir mit Andreas Luthe einen Torhüter, der dem Team Sicherheit gibt. Darauf basierend können wir versuchen Umschaltmomente zu schaffen, um Tore zu schießen. Und eine paar erste, überraschende Herrlich-Ideen (herrliche Ideen) umsetzen. Hübsch wird es nicht, aber das sollte uns nicht kümmern. Im Gegensatz zum Bayern-Spiel müssen wir dann auch mal wieder ein paar der Chancen nutzen und besser abschließen.

Zurück in die Spur müssen wir. Die Spieler haben genügend offensive Qualität, um auch wieder für Furore zu sorgen. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

So ein ehemaliger Weltklasse-Knipser hat da vielleicht das richtige Händchen. Da wird dann aber auch nicht immer Manuel Neuer im Tor des Gegners stehen. Mit Kampf und Zusammenhalt, unter Verwendung einfacher sportlicher Abläufe, die wir perfektionieren, können wir die Situation zu einem zufriedenstellenden Ende bringen.

Ich glaube immer noch, dass es werden wird – das mit dem Klassenerhalt. Da mache ich mir weiterhin kaum Sorgen. Ich verstehe aber mittlerweile, warum sich die Mainzer damals so viele Gedanken zur sportlichen Entwicklung unter Martin Schmidt gemacht haben. Wir haben jetzt schon die Reißleine gezogen. Kampf und Zusammenhalt bis zur Sommerpause wird nun umso nötiger werden, damit Heiko Herrlich seine Ideen langfristig umsetzen kann. Die Identität der Mannschaft muss Gier und Siegeswillen ausstrahlen. Wir bleiben der FCA, noch mehr nun mit Heiko Herrlich.