Rückfall in alte Zeiten

Letztes Wochenende war ich schon fast froh, dass das Spiel gegen Hertha BSC niemand im Stadion verfolgen musste, der unserem FCA gewogen war. Am Ende war es schlicht nicht schön anzusehen. Anstatt selbst Akzente zu setzen, konnte das Team offensiv kaum mehr für Gefahr sorgen und wurde anstatt dessen von den Herthanern ausgekontert. Das 0:3 ging dann auch in der Höhe in Ordnung und war nach dem zweiten Tor zu Beginn der zweiten Halbzeit kaum mehr in Gefahr. Schade.

Aber einfach so abhaken und weitermachen? Das wäre mir zu einfach. Die Saison läuft bisher zu gut, um jetzt den Schlendrian wieder einziehen zu lassen. Am Samstag gegen Hertha sind mir ein paar Punkte aufgestoßen, die wir in der Vergangenheit zu oft gesehen haben und bei denen jedem Augsburger Fan ein schnelles “nicht schon wieder” auf den Lippen liegt. Was meine ich?

Individuelle Fehler

Wir waren nicht schlecht im Spiel, als der Fehlerteufel zum ersten Mal zuschlug. Felix Uduokhai gab selbst nach dem Spiel zu, dass er in der Elfmetersituation die Situation schon vorher hätte bereinigen müssen. So kam es dann zu diesem dämlichen Strafstoß, der 2 Minuten vor der Halbzeit zum Gegentor führte. Ein Fehler ist kein Fehler, aber zwei Fehler sind ein Fehler zu viel.

Aufgelegt und zugeschaut. Auch Kapitän Jeffrey Gouweleeuw leistete sich einen kapitalen Bock gegen Hertha. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Als dann in der zweiten Halbzeit Jeffrey Gouweleeuw Lukebakio den Ball perfekt auflegte anstatt zur Ecke zur klären, war das Spiel dann schon fast rum. Solch individuelle Fehler brechen einem Team auf diesem Niveau das Genick. Gerade von den Leistungsträgern in der Innenverteidigung war das am Samstag zu wenig, die Unkonzentriertheiten geradezu unerklärlich.

Das fehlende Aufbäumen

Mehr Siegeswillen sollte der FCA im Sommer erhalten durch die Transfers von Gikiewicz, Caligiuri und Strobl. Alle drei durften am Samstag ran und dennoch war nach dem zweiten Gegentor kein Siegeswillen mehr zu sehen. Es war doch noch viel Zeit auf der Uhr nach dem zweiten Gegentor in der 52. Minute. Was fehlte, war ein klares Aufbäumen.

Daniel Caligiuri gelang am Samstag nicht viel. Auch die Impulse in Richtung Mannschaftskollegen fehlten leider. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Führungsspieler, die die Kontrolle über das Geschehen übernehmen. Es ist nicht so, dass der FCA nicht versucht hätte offensiver zu spielen. Offensiv endete in ideenlos und in der Abwehr löchrig. Hertha setzte die Konter und damit dann auch den Schlusspunkt. Das war einfach zu wenig. Zu wenig Ansätze und Impulse aus der Mannschaft, dem Spiel eine Wendung zu geben.

Die fehlenden Impulse von der Bank

Und natürlich hätte ich in dieser Phase des Spiels gedacht, dass vielleicht von der Bank der ein oder andere Impuls kommen könnte. Die Bank war allerdings ausgedünnt. Jensen und Bazee fehlten verletzt. Das Strohfeuer nach den Einwechslungen von Finnbogason und Niederlechner hatte sich schnell wieder erledigt. Hätte Niederlechner seine einzige Chance genutzt, dann hätte das dem Spiel eine andere Wendung geben können. Hätte, hätte. Diese eine Chance war schlicht auch zu wenig.

Bei 0:2 Rückstand darf man auch mal was riskieren, indem man Marco Richter früher bringt. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Bei den Wechseln hatte Herrlich aus meiner Sicht diesmal kein glückliches Händchen. Caligiuri spielte keine gute Partie, dafür musste mit Hahn der formstärkste Augsburger runter. Und bei 0:2 Rückstand muss Marco Richter früher kommen, oder er braucht erst gar nicht im Kader stehen. Naja, wenn dein Team 0:3 verliert, dann hast Du als Coach wahrscheinlich nicht alles richtig gemacht (auch wenn die Saison immer noch sehr gut läuft).

Wenn es gegen Hertha zu wenig ist, dann…

wird es nicht gegen viele Teams reichen. Das Spiel gegen Hertha war damit die schwächste Partie des FCA in dieser Saison bisher. Obwohl der Spielverlauf auch nicht ganz glücklich war. Was wäre passiert, wenn Hahns Tor nicht abseits gewesen wäre (wobei der VAR und abseits an dieser Stelle eine Diskussion für ein anderes Mal sein soll). Dann war es trotzdem noch zu wenig. Mit den individuellen Fehlern in der Abwehr, dem fehlenden Aufbäumen der ganzen Mannschaft und auch den wenig effektvollen Impulsen von außen, wird es schwer. Und ja, einiges davon kennen wir aus der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die uns am Samstag wieder eingeholt hat. Umso verstärkter läuft hoffentlich jetzt in der Länderspielpause die Arbeit, um hier direkt wieder die Kehrtwende zu schaffen. Auch wenn es dann direkt gegen Gladbach geht, die nochmal eine andere Qualität auf den Rasen bringen werden als Hertha.

FCA-Profis auf Reisen: Die Sorge spielt mit

Das nächste Pflichtspiel des FC Augsburg findet erst am Samstag in einer Woche statt. Dann gastiert Rot-Grün-Weiß bei Borussia Mönchengladbach. Dazwischen steht ein Test gegen den Karlsruher SC (12.11.) und einmal mehr einige Länderspiele auf dem Programm, auf die niemand so recht Lust zu haben scheint. Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens sowie des oft überschaubaren sportlichen Werts bleibt die Frage nach dem Sinn. Mehrere FCA-Profis sind in den kommenden Tagen mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Zwei Spieler dürfen sich dabei auf ihr Debüt freuen. Ein Überblick.

Haller, Biesinger, Hahn – Uduokhai?

Felix Uduokhai ist am Freitag das erste Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert worden. Der 23-Jährige hat sich die Berufung redlich verdient. In Fußball-Deutschland gibt es zwar etliche Stimmen, die lieber einen Mats Hummels oder Jerome Boateng statt Uduokhai oder auch Niklas Stark und Robin Koch in der Innenverteidigung gesehen hätten, doch der Zug für die beiden Weltmeister scheint abgefahren. Bundestrainer Jogi Löw will auf andere, jüngere Spieler setzen.

Also bekommt der beste Zweikämpfer der abgelaufenen FCA-Saison, der auch in dieser Spielzeit überzeugt, die Chance auf seine ersten Minuten im DFB-Dress und die Schwaben womöglich ihren vierten Nationalspieler. Nach Helmut Haller, Ulrich Biesinger und André Hahn. Uduokhais Chancen auf Einsatzminuten sind wohl am größten, wenn es im Testspiel gegen Tschechien (11.11.) geht. Darüber hinaus spielt Deutschland in der Nationas League gegen die Ukraine (14.11.) und Spanien (17.11.). Ebenfalls mit dabei ist auch Philipp Max. Endlich. Der Zeitpunkt der Nominierung untermauert klar und deutlich, dass sich Löw eigentlich nicht für Spieler des FC Augsburg interessiert. Umso schöner, dass es nun für Uduokhai geklappt hat.

Vergangene Saison noch gemeinsam für den FCA auf dem Platz – und bald auch in der Nationalmannschaft. Felix Uduokhai und Philipp Max hoffen auf ihr Debüt. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Am Mittwoch könnte es unter Umständen auch zu einem internen FCA-Duell kommen. Denn Tomas Koubek ist für die tschechische Auswahl nachnominiert worden. Realistische Einsatzchancen hat der Keeper jedoch nicht. Der zehnfache Nationalspieler ist im Team der Tschechen nur Torwart Nummer vier. Gegen Deutschland wird wohl Bremens Jiri Pavlenka oder Sevillas Tomas Vaclik zwischen den Pfosten stehen. Selbiges gilt für die Nations-League-Duelle gegen Israel (15.11) und die Slowakei (18.11).

Gumny vor A-Nationalmannschaftsdebüt

Wie Uduokhai träumt unterdessen auch Robert Gumny von seinem ersten Einsatz im Trikot der A-Nationalmannschaft. Der polnische Rechtsverteidiger könnte im Testspiel gegen die Ukraine (11.11.) zum Einsatz kommen. Zudem steht der Neuzugang aus Posen im polnischen Junioren-Aufgebot für das U21-EM-Quali-Spiel gegen Lettland (17.11).

Gegen Hertha BSC feierte Robert Gumny sein Startelfdebüt für Rot-Grün-Weiß. Jetzt will er auch in der polnischen Nationalelf Einsatzminuten sammeln. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Ruben Vargas ist mit der Schweizer Auswahl im Einsatz. Der quirlige Flügelspieler startet mit einem Freundschaftsspiel in Belgien (11.11) in die Länderspielpause und bestreitet zwei Partien in der Nations League gegen Spanien (14.11.) und die Ukraine (17.11).

Ebenso drei Mal im Einsatz sein könnte Michael Gregoritsch. Der Österreicher reist zu einem Freundschaftsspiel nach Luxemburg (11.11) und ist bei den zwei Partien in der Nations League gegen Nordirland (15.11) und Norwegen (18. 11.) mit dabei.

Die vergangene Länderspielpause verlief für Michael Gregoritsch mehr als positiv. Gegen Griechenland und Nordirland gelangen dem Offensivmann ein Tor und eine Vorlage. (Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

Áfram Ísland – Mach es, Alfred!

Während die bisher genannten Spiele von sportlich überschaubarem Wert sind, wird es für Alfred Finnbogason und Island richtig ernst. Der Inselstaat kämpft um eines der letzten verbliebenen Tickets für die Europameisterschaft 2021. Nach dem 2:1-Sieg im Playoff-Halbfinale gegen Rumänien wartet im Finale Ungarn. Setzt sich Island durch, ist die erneute Qualifikation für die EM in trockenen Tüchern. Dann träfen Finnbogason & Co. in Gruppe F auf Deutschland, Portugal und Frankreich. Zudem stehen zwei Partien in der Nations League in Dänemark (15.11.) und England (18.11.) auf dem Spielplan. Damit es etwas mit der dritten Teilnahme an einem großen Turnier in Serie wird, bereiten sich die Isländer übrigens in Augsburg vor.

Ab in den Süden – Gruezo in der WM-Quali im Einsatz

Während die bisher genannten Spiele alle in Europa stattfinden, steht Carlos Gruezo vor kräftezehrenden Reisen nach Südamerika. Der ecuadorianische Nationalspieler ist in zwei WM-Qualifikationsspielen im Einsatz. Zunächst ist “La Tri” im hoch gelegenen La Paz gegen Bolivien gefordert (12.11.). Mehr als 10.000 Kilometer von Augsburg entfernt. Dann steht noch ein Heimspiel gegen Kolumbien auf dem Programm (17.11.).

Übrigens sind auch zwei Leihspieler des FC Augsburg mit ihren Juniorenmannschaften unterwegs. Für den bei Fortuna Düsseldorf geparkten Kevin Danso geht es in der U21-EM-Quali mit Österreich gegen die Türkei (13.11.) und Andorra (17.11). Neuzugang Frederik Winther, der direkt nach seiner Verpflichtung im Sommer an seinen Verein Lynby BK zurückverliehen wurde, ist erstmals für die dänische U21-Auswahl nominiert worden und könnte im EM-Qualispiel in Rumänien zum Einsatz kommen (17.11.). Fredrik Jensen wurde wegen einer Sprunggelenksverletzung übrigens nicht für die finnische Auswahl nominiert.

Auch um seine Chancen auf die anstehende EM zu wahren, ließ sich Kevin Danso im Sommer nach Düsseldorf verleihen. Dort läuft es sportlich gesehen suboptimal: Maue Punktausbeute und persönliche Patzer. In der österreichischen A-Nationalmannschaft hat der Innenverteidiger momentan keine Chance, darf aber zumindest bei den Junioren ran. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Länderspielreisen während Corona: Sinnvoll?

Nun sind die aufgelisteten Spiele mit Ausnahme Islands und Ecuadors sportlich gesehen ziemlich irrelevant. In Zeiten der Corona-Pandemie bedeuten sie obendrein auch noch ein Risiko für den Verein. Dabei geht es nicht nur um die hohe Belastung sowie Verletzungen, wie jüngst von Finnbogason, sondern auch um die Gesundheit. Während sie bei ihren Nationalmannschaften weilten, wurden im Oktober etwa BVB-Profi Manuel Akanji (Schweiz), die beiden Hoffenheimer Andrej Kramaric (Kroatien) und Kasim Adams (Ghana) sowie Herthas Mattéo Guendouzi (Frankreich U21) positiv auf Covid-19 getestet. Das Unverständnis ist bei einigen Vereinen daher groß, wenn ihre Spieler in Risikogebiete reisen.

Die Abstellungspflicht der Bundesligisten ist von der FIFA aktuell ausgesetzt. Geht es in ein Risikogebiet, haben die Vereine das letzte Wort. Werder Bremen entschied sich daher dazu, ihre Nationalspieler bis auf Jiri Pavlenka und Jean-Manuel Mbom nicht freizugeben. Eine Verordnung der Bremer Gesundheitsbehörde schreibt vor, dass sich Spieler, die aus internationalen Corona-Risikogebieten in die Hansestadt zurückkehren, in eine fünftägige häusliche Quarantäne zu begeben haben. Für Werder würde das bedeuten, dass die entsprechenden Akteure unter Umständen in der Bundesliga fehlen. Ähnlich agiert Arminia Bielefeld, wo vier Profis nicht für die Länderspiele freigestellt werden. Venezuelas FCA-Leihgabe Sergio Cordova wurden die Spiele gegen Brasilien und Chile beispielsweise verweigert. Wie sieht die Situation in Augsburg aus?

Wäre eigentlich in der WM-Qualifikation im Einsatz gewesen, bleibt stattdessen aber in Bielefeld: Sergio Cordova, seit 2017 in Augsburg und aktuell nach Ostwestfalen verliehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

FCA-Profis in Risikogebieten aktiv: Quarantänepflicht entfällt

Bolivien, Dänemark, Ecuador, England, Luxemburg, Österreich, Schweiz, Tschechien, Ungarn – all diese Länder werden vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Vonseiten des Augsburger Gesundheitsamtes heißt es eigentlich: “Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich in häusliche Quarantäne begeben und das für den Wohnort zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.” Die Dauer der Quarantäne kann nach der neuesten Verordnung des Bundes bis zu zehn Tage betragen. Ein Corona-Test darf frühestens am fünften Tag nach der Einreise durchgeführt werden, sodass die Quarantäne verkürzt wird. Strenge Regeln, die das Gastspiel des FC Augsburg in Mönchengladbach entscheidend gefährden können? Oder ist der FCA von dieser Regel ausgenommen?

Auf Anfrage der Rosenau Gazette verweist ein Sprecher des Augsburger Umweltreferats auf eine Sonderregelung, nachzulesen in der etwas sperrig formulierten “Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus” des Freistaats Bayern. Dort heißt es in §2 Absatz 3 Satz 2 Nummer 5 zu etwaigen Ausnahmen: Personen, “die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband (wie beispielsweise dem DFB, d. Red.) zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind”, sind von der Quarantäneverordnung ausgenommen.

Das Spiel des FCA in Gladbach ist also nicht gefährdet. Weil bei Länderspielen aber irgendwie immer Bedenken einer Verletzung und mittlerweile auch einer Corona-Infektion mitschwingen, darf man nur hoffen, dass alle Profis unversehrt in die Fuggerstadt zurückkehren. Wenn sie das mit einem Erfolgserlebnis wie dem ersten A-Länderspiel oder der geglückten EM-Quali tun, umso besser.

Der Mythos des Ausbildungsvereins


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

1/5 der Saison 2020/21 ist auch schon wieder gespielt. Unser FCA hat sich bisher sehr respektabel geschlagen. Zwar hat man Niederlagen gegen Leverkusen und Leipzig und Hertha kassiert, dafür konnte allerdings gegen Dortmund gewonnen werden. Dazu konnte man die direkte Konkurrenz fernhalten, indem man gegen Union Berlin und Mainz 05 gewann. Für die spielentscheidenden Momente sorgte die Alte Garde. Im Folgenden will ich einmal betrachten, wie sich die Kaderstrategie des FC Augsburg aus diesem Sommer hier widerspiegelt. Das Gerüst der Mannschaft hat sich verändert. Stefan Reuters Handschrift ist dennoch wieder deutlich zu erkennen. Eine Handschrift die auch sagt: wir sind in Augsburg mehr als ein Ausbildungsverein.

Die Rolle des FCA auf dem Transfermarkt

Insgesamt scheint sich die Rolle des FC Augsburg auf dem Transfermarkt verändert zu haben. Der FC Augsburg muss seine Strategie wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen an die mittlerweile übliche Herangehensweise anpassen. Vereine wie der SC Freiburg oder der FSV Mainz 05 sind da schon viel weiter. Abdou Diallo hat den Mainzern einen Transfergewinn von ca. 23 Mio. EUR eingebracht. Caglar Söyüncü hat dem SC Freiburg einen Transfergewinn von ca. 18 Mio. EUR eingebracht. Mainz hatte mit Gbamin dazu einen weiteren Transfer dieser Größenordnung. Bei uns in Augsburg ist der Baba-Verkauf an den FC Chelsea jetzt schon wieder ein paar Jahre her und bisher der einzige Transfer in dieser Größenordnung. Mit Philipp Max hatte man lange einen Spieler unter Vertrag, bei dem man auf einen hohen Transfergewinn spekulierte. Mit seinem Wechsel zum PSV Eindhoven sind diese Hoffnungen jäh zerplatzt. Nicht einmal 10 Mio. EUR konnte der FCA einstreichen. Dazu hat Max bei seinem Wechsel vom KSC auch schon ca. 3,5 Mio. EUR gekostet. Insgesamt steht so über die letzten 10 Jahre das siebtgrößte Transferminus über alle deutschen Clubs hinweg.

Mehr als 30 Mio. EUR hat man mehr ausgegeben als eingenommen. Derweil erwirtschaftet man weiter Gewinne – zumindest in den Zeiten vor der Coronapandemie. Das Bild wird nur dadurch rund, dass der FCA dafür an anderen Stellen einspart. Bei den Gehältern der Spieler zahlen wir dadurch immer noch mit am schlechtesten. Der FCA muss aufpassen, dass er wirtschaftlich nicht ins Hintertreffen gerät, wenn er sich durch fehlende Transfergewinne keinen so teuren Kader wie andere Clubs leisten kann (und Leistungsträger immer wieder gehen wollen).

Der Baba-Transfer zum FC Chelsea war der einzige Transfer in der Bundesligageschichte des FCA bei dem wirklich Reibach gemacht wurde. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Es scheint für Vereine in der gleichen Größenordnung wie dem FC Augsburg mittlerweile eine etablierte Strategie zu sein, Talente zu jagen, um diese später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die TSG Hoffenheim hat das Vorgehen perfektioniert mit den Transfers von Joelinton und Roberto Firmino. Die Frankfurter Eintracht hat diesen Weg mit den Verkäufen von Jovic und Haller genauso eingeschlagen, wie RB Leipzig mit dem Verkauf von Naby Keita. Wobei RB Leipzig auf Grund der wirtschaftlichen Unterstützung durch den Hersteller von Brausegetränken nicht auf die Verkäufe angewiesen ist und es sich im Fall von Werner ja auch erlauben konnte, den Spieler länger zu halten. als dies wirtschaftlich vielleicht sinnvoll war. Bei allen anderen Vereinen schlägt meistens die wirtschaftliche Notwendigkeit die sportliche Realität. Auch der FCA kann sich dieser wirtschaftlichen Realität nicht entziehen. In der Vergangenheit hat er sich allerdings nicht wie ein klassischer Ausbildungsverein verhalten – zumindest konnte der FCA nicht die entsprechenden Transfergewinne erzielen.

Die Bedürfnisse des FCA

Im Kader des FCA gibt es grob 3 Spielergruppen:

  1. Das Gerüst: Florian Niederlechner, Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason sind drei Beispiele für Spieler in dieser Kategorie. Sie haben ein gewisses Alter und eine gewisse Erfahrung, führen die Mannschaft und sorgen für Stabilität.
  2. Die Auszubildenden: Ruben Vargas, Marco Richter oder auch ein Felix Uduokhai wären hier zu nennen. Sie strotzen vor Potential und sie werden den Ruf von deutlich besseren Clubs erhalten und diesem folgen.
  3. Ergänzungsspieler: Jan Morávek und Marek Suchy sind hier zu nennen. Sie sind wichtig, wenn durch Lücken im Kader oder Verletzungen jemand einspringen muss. Ansonsten ist ihnen bewusst, dass sie nur wenig Spielanteile erhalten werden. Sie sollten nicht für Unruhe sorgen.

Für den FC Augsburg ist wichtig, dass diese drei Gruppen im Gleichgewicht stehen. Es braucht genügend Spieler, die das Gerüst bilden. Marwin Hitz war ein solcher Spieler, genau wie Paul Verhaegh. Als beide kurz nacheinander den Verein verließen entstanden entsprechende Lücken. Bei manchen Spielern ist von außen nicht ganz klar, wie sie ihre Rolle sehen. Rani Khedira kann in Augsburg ein Spieler sein, der über viele Jahre das Gerüst bildet. Hat er Ambitionen nochmal bei einem anderen Club durchzustarten? Und wenn einer der Auszubildenden unruhig wird, dann braucht es ein stabiles Umfeld, das das auffangen kann.

Probleme der Ausbildungsvereine

Ein Ausbildungsverein hat allerdings – trotz der hohen Transfergewinne – auch Probleme. Diese Vereine müssen klassisch eine hohe Anzahl an Transfers tätigen. Dadurch, dass viele Spieler in kurzen Abständen den Verein wieder verlassen, braucht es Ersatz. Es muss auf Teufel komm raus gescoutet werden und die Vereine müssen mit ihren Verpflichtungen richtig liegen. Wenn sie Spieler verpflichten, die sich nicht durchsetzen können, sieht es schnell recht duster aus. Nicht nur bleiben dann die Transfergewinne aus, die Vereine landen dann auch schnell im Abstiegskampf oder steigen ab. Es ist ein schwieriger Kreislauf und an sich ist es wahrscheinlich, dass es einen irgendwann erwischt und man um einen Abstieg nicht drum herum kommt. Ohne ein entsprechendes Gerüst wird es dann schwierig den Fall zu bremsen. Es droht ein sportlicher Neuaufbau.

Der Schwerpunkt der Kaderplanung: das Gerüst

Was uns aus Augsburger Perspektive dann bisher vom Abstieg gerettet hat, war das stabile Kadergerüst. Um das Gerüst zu stärken, hatte der FCA in der Vergangenheit einen erfolgreichen Weg gefunden. Er hat Spieler verpflichtet, die – nicht mehr bei vollster Jugend – sich bei anderen Clubs, bei ihrer ersten Bundesligastation, nicht durchsetzen konnten. Daniel Baier konnte sich in Wolfsburg nicht durchsetzen, genau wie Marwin Hitz. Dazu kamen immer mal wieder Spieler, die aus schwächeren Ligen, v.a. der Niederlande, zum FCA kamen, um dort ihre sportlichen Träume in einer großen Liga zu erfüllen. So kamen Paul Verhaegh, Ragnar Klavan oder Jeffrey Gouweleeuw zum FCA.

Kaum eine Spieler bildete in der Vergangenheit so sehr das Gerüst des FCA wie Paul Verhaegh. (Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Entsprechend beurteile ich mittlerweile jeden Transfer danach ob, er das Augsburger Gerüst stärkt. Durch ein starkes Gerüst, benötigen wir weniger Ausbildungs-Transfers und erhalten uns langfristig unsere sportliche Stabilität. Mit Florian Niederlechner ist dem FCA wohl ein solcher Königstransfer im letzten Sommer gelungen. Mit Gikiewicz und Caliguiri hat man in diesem Sommer Treffer gelandet, die das Gerüst zumindest ein paar Jahre unterstützen. Jede Vertragsverlängerung, die dieses Gerüst stärkt, ist wichtiger, als der Neuzugang eines Auszubildenden oder Ergänzungsspielers. Und die Gerüstspieler konnten in Augsburg in Ruhe ihrem Job nachgehen und sich auf das Sportliche konzentrieren. Win-Win.

Der Augsburger Weg

Hätten wir in Augsburg nur versucht, die Strategien anderer Vereine zu kopieren, dann wäre es wohl nie zu 10 Jahren Bundesliga am Stück gekommen. Der FCA hat sportlich am meisten gewonnen, durch die unkonventionellen Transfers von erfahreneren Spielern. Der Kader einer Bundesligamannschaft ist dabei immer in Bewegung und es ist schwierig, diesen im Gleichgewicht zu halten. Der größte Gewinn für den Verein ist es, wenn sich Spieler langfristig binden und hier eine Heimat finden. Wenn Auszubildende später das Gerüst bilden, wie es ein Philipp Max gemacht hat, indem er länger als gedacht blieb. Wenn jemand wie Rani Khedira verlängert.

Rani Khedira könnte für lange Zeit in unserem Mittelfeld ein wichtiger Pfeiler sein. Eine Vertragsverlängerung wäre dann spätestens im Sommer notwendig. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Wir können uns keine Spieler wie Erling Haaland leisten, aber am Ende würde ich einen Jeffrey Gouweleeuw oder Florian Niederlechner nie eintauschen wollen. Unser Weg ist für uns immer noch der Beste. Wie sonst hätten wir 10 Jahre Bundesliga nacheinander erleben können? Martin Hinteregger weine ich auch deshalb nicht hinterher, weil er von seinem Naturell nicht zum Gerüstspieler taugt. Und die Probleme der letzten beiden Jahre rühren vielleicht schlicht daher, dass das Gerüst der Mannschaft zu wackeln begonnen hat. Nachdem die Transfers im Sommer hier für mehr Stabilität gesorgt haben, kann man nun auch auffangen, dass mit Marco Richter und Noah Sarenren Bazee ein paar der Auszubildenden bisher kaum Akzente gesetzt haben. Heik Herrlich scheint für diesen Weg zudem ein geeigneter Trainer. Und erneut sieht es so aus, als ob Stefan Reuter vieles richtig gemacht hätte.

Ein Blick auf die U23

Der FCA ist gut in die Bundesligasaison gestartet – 2 Siege, 1 Unentschieden und 1 Niederlage stehen zu Buche – doch wie schlägt sich eigentlich die U23 des FCA derzeit? Im Nachfolgenden soll ein Blick auf das “Nachwuchsteam” der Augsburger geworfen werden. Wer drängt sich auf für die erste Mannschaft? Wie sind die Bedingungen in dieser corona-gezeichneten Zeit für die Nachwuchskicker? Und: Wie sind diese in die “Saison” gestartet?

Ein Kommen und ein Gehen

Eins vorweg: Die Regionalliga Bayern, in welcher die U23 des FCA spielt, wurde nach monatelanger Pause fortgesetzt. 11 Spieltage gilt es noch zu absolvieren in dieser kuriosen und corona-geprägten Saison. Am vergangenen Wochenende wurde nun also der Spielbetrieb wieder aufgenommen, nachdem sich die Mehrheit der Fußballclubs im Juni gegen einen Saisonabbruch entschieden hatte. Aus der Wertung fällt außerdem Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München.

Der Nachwuchs des FCA hat hierbei einen personellen Aderlass in der “Sommerpause” verzeichnen müssen: Mit den beiden Innenverteidigern Lasse Jürgensen und Leonhard von Schrötter, den Außenbahn-Spielern Simon Asta, Nicola Della Schiava und Christopher Lannert, sowie mit den Mittelfeldspielern Stefano Russo und Romario Rösch sind dies alles viel versprechende Talente, die auch schon im Blickfeld der ersten Mannschaft standen.

Simon Asta ist weiterhin U20 Nationalspieler des DFB, auf Vereinsebene allerdings mittlerweile für das Kleeblatt unterwegs. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images for DFB)

Insbesondere Simon Asta (wechselte zu Greuther Fürth) und Romario Rösch (zu Mainz 05 II) galten jahrelang als vielversprechende Talente und kommende Leistungsträger des FCA in der Bundesliga. Mit Maurice Malone und Jozo Stanic, die per Leihe an die beiden Drittligisten Wehen Wiesbaden und Zwickau wechselten, hat man jedoch noch etwas vor. Daher wird dies bei beiden vermutlich nur ein temporärer Abschied sein. Insgesamt verließen den FCA II sage und schreibe 14 Spieler, entweder direkt oder per Leihe. Ein riesiger Umbruch, in einer unglaublich dynamischen und unsicheren Zeit – auch im Profifußball.

Abschied auf Zeit

Wie schlagen sich hier unsere Nachwuchskicker, die in der Sommerpause verliehen wurden? Maurice Malone hat in der dritten Liga bisher überzeugen können. 4 von 6 möglichen Spielen absolvierte der junge Stürmer, 1 Tor und ein Assist stehen dabei für ihn zu Buche. Der flexible Offensivspieler sollte dennoch ein wenig mehr Spielzeit bekommen (nur 17% Startelfquote), um mehr Erfahrung im Profifußball zu sammeln. Jozo Stanic spielt hingegen in Zwickau immer: 100% Startelfquote für den 21jährigen Innenverteidiger – seine Leihe endet jedoch erst am 30.06.22 . Bis dahin soll er weiterhin fleißig Einsatzminuten verzeichnen, um dann bestenfalls als gestandener Drittligakicker nach Augsburg zurückzukehren.

Auch Segio Cordova, mit 23 immer noch in gewisser Weise eine Nachwuchshoffnung, wurde zuletzt an Ligakonkurrent Arminia Bielefeld verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Dort spielt er zumeist in der Sturmspitze und hat bisher 3 Spiele absolvieren können (kein Tor, ein Assist). Innenverteidiger und Eigengewächs Kevin Danso wurde in der Sommerpause an Fortuna Düsseldorf in die zweite Liga verliehen. Dort spielt der mittlerweile 22jährige in der Abwehrzentrale und konnte bisher 74% der Einsatzminuten bestreiten. Auch bei ihm hofft der FCA auf Spielpraxis und Wettkampfhärte, denn auf Kevin Danso hält man in Augsburg eigentlich seit vielen Jahren große Stücke.

Ein Teil der Augsburger Fußballgeschichte

Simon Asta (19) war (und ist) mit seinem ersten Profieinsatz im Jahre 2018 der jüngste Bundesliga-Debütant der Augsburger in der Vereinsgeschichte. Nun verließ er die Augsburger – gegen Ende der Transferphase – gen Fürth. Leider hat sich Simon nach seinem vielversprechenden Ligadebüt zuletzt schwer verletzt, so dass er dann in Augsburg keine Alternative war für den Profi Kader.

Stefan Reuter erklärt dies wie folgt: „Wir wollten Simon nach seiner schweren Verletzung die Möglichkeit bieten, in der U23 Spielpraxis zu sammeln und sich so an die Lizenzmannschaft heran zu kämpfen. Als sich für ihn mit einem Wechsel in die 2. Bundesliga nach Fürth eine reizvolle sportliche Herausforderung bot, haben wir dem Wechsel zugestimmt. Wir wünschen Simon Asta alles Gute für seine weitere Entwicklung“. Ob man den jungen Rechtsverteidiger nochmal am Lech kicken sehen wird? Man weiß es (heute) nicht. Wir wünschen ihm jedenfalls eine tolle Entwicklung und hoffen auf eine Rückkehr in die Fuggerstadt. Vielleicht hat der FCA ja sogar eine Rückkauf-Klausel?

Neuzugänge sieht man gerne!

Mit Felix Götze konnte die “Zwote” einen namhaften und prominenten Zugang aus den eigenen Reihen verbuchen. Der jüngste der Götze-Brüder war seit seinem Wechsel zum FCA oft verletzt und hat nie so richtig in die Spur gefunden. Nun soll der zuletzt an Corona erkrankte Mittelfeldspieler in der Regionalliga Bayern, die er aus seiner Zeit beim FC Bayern bestens kennt, Kraft tanken und wieder regelmäßig Fußball spielen. Ob er eine Chance in der ersten Mannschaft hat, vermag man derzeit nicht zu prognostizieren. Fakt ist nur, dass Götze eigentlich hätte abgegeben werden sollen. Zuletzt stand eine Leihe zu Jahn Regensburg im Raum. Die Regionalliga-Jungs des FCA sind aber vermutlich ebenso froh über den unerwarteten “Neuzugang” wie Trainer Josef Steinberger. Der Bruder von Weltmeister Mario Götze traf direkt bei seinem zweiten Einsatz im Dress der U23 zum 1:0 gegen den Tabellenfünften aus Aubstadt. Und machte Medienberichten zufolge auch sonst eine gute Figur.

Felix Götze jubelt nach seinem Tor zum 1:0 des FC Augsburg II gegen den TSV Aubstadt (Foto via Imago)

Einen weiteren Spieler, den man nach wie vor auf dem Zettel haben sollte, ist der Koreaner Seong-hoon Cheon. In der aktuellen Regionalliga-Spielzeit traf der 20jährige bisher in 13 Spielen 4 Mal und gab eine Vorlage. Hier muss man weiterhin sehen, wieviel Spielpraxis er erhält. Nach der Leihe von Maurice Malone ist er wohl erstmal in der Sturmzentrale gesetzt.

Mit vier externen Neuzugängen und sieben “Hochrückern” aus der starken Augsburger U19 ist der Kader einigermaßen bestückt für die Restsaison. Vom Regionalliga Konkurrenten Schweinfurt 05 kam zuletzt der Linksverteidiger Christian Köppen. Aus der RL Südwest kam vom VfR Aalen Lukas Gerlspeck für die Innenverteidigung. Zwei Offensivspieler konnte der FCA II zudem für sich gewinnen. Rechtsaußen Henri Koudossou vom SV Pullach (Bayernliga Süd) sowie Marco Nickel vom Ligakonkurrenten FC Memmingen. Gespannt sein darf man auf den U19-Aufrücker Dorian Cevis, der bei den Stuttgarter Kickers groß geworden ist. Und auf den Mittelstürmer Cisse, der bereits für die österreichische U18 Nationalmannschaft gespielt hat.

Der Fall Schieber

Die Personaldecke der zweiten Mannschaft des FC Augsburg ist relativ dünn. Mit Kilian Jakob spielt seit zwei Spielzeiten ein weiterer Profi in der Regionalliga-Truppe. Julian Schieber scheint dies hingegen verwehrt zu bleiben. Der beim FCA abgeschriebene Stürmer scheint bei keiner FCA-Mannschaft mehr eine Zukunft zu haben. „Ich sollte nicht zum Trainingsgelände kommen, mein Spind wurde aufgelöst, später wurde auch meine Nummer vergeben“, berichtete Stürmer Julian Schieber zuletzt medial. Ein Wechsel im Winter steht nach wie vor im Raum – Anfragen gibt es wohl. Bisher haben diese Schieber aber „emotional nicht gepackt“.

Wir wünschen Julian Schieber und seiner Familie alles Gute und dass er seine lange Karriere ggf. im Ausland fortsetzen kann. In Augsburg ist er sportlich leider nie glücklich geworden – auch auf Grund vieler Verletzungen.

Julian Schieber in der Kurve: Was waren das für Zeiten? Es kommt einem vor, als ob dies vor Ewigkeiten war. (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Saisonausblick für die U23

Nach zwei Spielen seit “Re-Start” muss man sagen: Mit zwei Siegen ist der Nachwuchs gut in die zweite Hälfte der Saison gestartet. Man muss wohl weiterhin mit bangem Blick auf die Bank der U23 schauen. Denn die Personaldecke ist extrem dünn. Die aktuelle Mannschaft ist sehr jung – das Durchschnittsalter liegt bei 21,1 Jahren. Kaum ein erfahrener Spieler über 23 steht in den eigenen Reihen. Der 25jährige Neuzugang Christian Köppel und der 24jährige Hendrik Hofgärtner sind quasi schon die Oldies im Team! Hier wird sich zeigen, wer voran geht in diesen sehr dynamischen und unsteten Zeiten. Auch wird sich zeigen, wie groß die Personaldecke tatsächlich ist, wenn sich z.B. ein Coronafall in der Mannschaft ereignet. (Toi, Toi, Toi, dass dies nicht eintreten wird)

In der Regionalliga Bayern ist die Konkurrenz groß. Dennoch steht der FCA derzeit auf einem soliden sechsten Platz. Da viele andere Teams aber einige Spiele weniger auf dem Buckel haben, ist die derzeitige Tabelle noch nicht besonders aussagekräftig. Mit dem VfB Eichstätt spielt der FCAII jetzt am Wochenende gegen einen direkten Tabellennachbarn. Ob in Eichstätt bis dahin Zuschauer zugelassen sind? Man weiß es nicht – die zweite Corona-Welle, die derzeit in Deutschland für Furore sorgt, macht dies ggf. unmöglich.

Bleibt g’sund!

Es wird eine schwere Saison – mal wieder – für die U23 des FCA. Und Corona sorgt für den Rest. Die erste Mannschaft wird sicherlich gespannt auf die Entwicklung der verliehenen Spieler, aber auch auf die (Stamm-)Kräfte des eigenen Nachwuchses schauen. Eins vermögen wir an dieser Stelle nur zu hoffen: Dass der FCA II eine von abstiegssorgen befreite Restsaison spielt, um weiterhin den Nachwuchstalenten eine Bühne zu geben und den Sprung in die erste Mannschaft so klein wie möglich zu halten. Und, natürlich: Dass die Jungs alle gesund bleiben. Das ist auch in diesen Tagen wohl das Wichtigste!

Können wir was oder haben wir nur Glück?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Der Saisonstart des FC Augsburg lässt die Hoffnungen wachsen. Was ist drin in dieser Saison, in der wir bisher in die zweite Pokalrunde eingezogen sind als auch in drei Bundesligaspielen sieben Punkte sammeln konnten? Wenn man dazu nun noch in die Waagschale wirft, dass wir sowohl gegen Dortmund als auch Wolfsburg zu null gespielt haben. Dass wir bisher in der Bundesliga nur ein einziges Tor kassiert haben. Und auf Platz 2 der Tabelle stehen. Wer beginnt da nicht zumindest etwas zu träumen von den ungeahnten Möglichkeiten? Von Europa und der Meisterschaft?

Derweil ist bisher nur eines klar: die 7 Punkte kann uns niemand mehr nehmen. Wie wir zu den sieben Punkten gekommen sind, ist dann schon einen detaillierten Blick wert. War es am Ende vielleicht nur Glück oder kann dieses Team wirklich was? Das Pokalspiel gegen MTV Eintracht Celle lassen wir dabei einfach mal außen vor. Zu viele Ligen liegen zwischen uns und Celle, um dieser Partie viel Aussagekraft zuzugestehen.

Alles unter Kontrolle oder einfach nur Glück gehabt? Bei Iago sieht das doch sehr kontrolliert aus. (Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Ein einfaches statistisches Mittel um Glück von Können zu unterscheiden ist der sogenannte “Expected Goal” Wert. Jeder Aktion Richtung Tor des Gegners wird ein nummerischer Wert zwischen 0 und 1 zugewiesen. In Summe ergibt sich je Spiel ein Wert der erwarteten Tore je Team. In den Partien bisher ergaben sich folgende Werte basierend auf der Understat-Ermittlung.

  • 1,42 Expected Goals des FCA im Gegensatz zu den 1,05 Expected Goals der Unioner
  • 1,45 Expected Goals des FCA im Gegensatz zu den 1,53 Expected Goals des BVB
  • 1,81 Expected Goals des FCA im Gegensatz zu den 1,32 Expected Goals des VfL Wolfsburg

Was kann man nun daraus ablesen? Das 3:1 gegen Union war verdient, auch wenn vielleicht ein Törchen zu deutlich. Die Abschlussstärke unseres FCA hat es herausgerissen. Gegen den BVB erkennt man, dass der BVB gerade in der Anfangsphase auch gute Chancen hatte, um in Führung zu gehen. Das Spiel hätte auch gut anders laufen können. Da war dann beim Spielverlauf auch etwas Glück dabei. Derweil das Unentschieden gegen die Wolfsburger zwar gerecht aber auch etwas unglücklich war. Der FCA hatte in Person von Florian Niederlechner und Michael Gregoritsch Top-Chancen um das Spiel für sich zu entscheiden. Glück und Pech haben sich so schon nach 3 Spieltagen wieder ausgeglichen.

Wie gut die Leistungen des FCA in den ersten 3 Spielen der neuen Bundesligasaison gerade offensiv schon waren lässt sich auch an den obigen Werten erkennen. Nach Re-Start der letzten Bundesligasaison konnte der FCA 1,4 Expected Goals in neun Spielen genau zweimal knacken (gg. Köln und Schalke). Jetzt war es in drei Spielen schon drei Mal der Fall. Es ist zu erkennen, wie zielgerichtet, das Spiel nach vorne momentan funktioniert und wie viel Gefahr die Mannschaft erzeugt. Gerade im Vergleich zur letzten Saison.

Gerade defensiv war nicht alles sattelfest und der FCA hat auch mal etwas Glück gehabt. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Schlicht bei den Gegentoren hatten wir bisher Glück und die Serie der Spiele ohne Gegentor wird so nicht viel länger anhalten. In der Schlussphase der letzten Saison konnten wir die Gegner in durchschnittlich einer von drei Partien bei unter einem Expected Goal halten. An der Stelle will ich allerdings nun auch mal die Klasse der Gegner mit ins Spiel bringen. Dortmund als auch Wolfsburg komplett aus dem Spiel zu nehmen, wird für uns schlicht nie möglich sein. Die Werte sind bezogen auf die Gegner dann doch sehr gut.

Insgesamt damit für mich sowohl offensiv als auch defensiv eine deutliche Steigerung. Die brauchen wir allerdings auch, um gegen den nächsten Gegner zu bestehen. Gegen Leipzig konnten wir am letzten Spieltag der letzten Saison 0,16 Expected Goals für uns verbuchen. Leipzig hatte deutlich mehr Chancen und die Statistiker notierten 1,89 Expected Goals für Leipzig. Das Ergebnis von 1:2 war da schon etwas schmeichelhaft. Die Statistik wird mir am Ende aber egal sein. Wenn das Team die Leistungssteigerung auch gegen Leipzig auf den Rasen bringen kann, dann ist doch vielleicht was drin. Expected Goals hin oder her: Träumen wir nicht alle ein bisschen von der Tabellenführung?

Zeit zum Durchatmen

Die ersten drei Spieltage der Bundesligasaison 20/21 sind absolviert. Der FCA mischt munter oben mit und nun steht die obligatorische Länderspielpause an. Für die Spieler Zeit zur Regeneration, für die Fans trübe Tristesse. Wir wollen im Nachfolgenden einmal zurückblicken auf den bisherigen Saisonverlauf und schmücken jedes Spiel mit einem reißerischen sowie inhaltlich zusammenfassenden Titel.

Der FCA kann doch Pokal!

Wäre die passende Schlagzeile für das Pokalspiel gegen MTV Celle. Der FC Augsburg experimentierte in Sachen Aufstellung nicht so munter wie im Vorjahr gegen Verl und wurde prompt belohnt. Die erste Elf zeigte sich sattelfest und spielfreudig. Die Joker stachen. Die Belohnung war ein nie gefährdeter und hoher Heimsieg der Augsburger – der den Einzug in Pokalrunde zwei bedeutete. Die sympathischen Celler Jungs hatten hingegen eine tolle Auswärtsfahrt – trotz Pokal-Aus. Und konnten sich noch das ein oder andere Augsburg-Trikot ergattern. “Matchworn”- versteht sich!

Ungefährdet gegen MTV Eintracht Celle. Der FCA startete schon schlechter im Pokal. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Effektiv, Effektiver – FCA!

So oder so ähnlich könnte man das Spiel gegen Union Berlin zum Saisonauftakt titulieren. Der FCA war keineswegs die dominierende Mannschaft, Union hielt lange mit – und der FCA war vor dem Tor gnadenlos effektiv. Eine Chance, ein Treffer – FCA! Hurra. Dank dem starken Ex-Unioner Gikiewicz kassierte man auch nur ein Gegentor, trotz zahlreicher Berliner Chancen in der zweiten Halbzeit.

Auch gegen Union Berlin konnte der FCA feiern. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Tabellenführer für eine Nacht

Eine Nacht Tabellenführer – dieses Gefühl durfte der FCA zuletzt einmal genießen. Denn tatsächlich stand man für etwas mehr als 24 Stunden auf dem Platz an der Sonne. Ein furioses 2:0 gegen den lethargischen Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund machte dies möglich. Leider hatte am darauffolgenden Sonntag die TSG Hoffenheim was dagegen und nahm dank des besseren Torverhältnisses den ersten Tabellenplatz ein. Wieder zeigte sich der FCA gnadenlos effektiv vor dem Kasten und schenkte Bürki im BVB-Tor zweie ein. Hinten hielt man dank überzeugender Defensivarbeit die null. Herausragend hierbei die Defensive rund um Kapitän Jeff und seinem kongenialen Partner Uduokhai.

Die Feierei ging unerwarteterweise auch gegen den BVB weiter. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

No Herrlich, no Party!

Ohne Heiko nix los! So oder so ähnlich könnte die Headline für das Spiel der Augsburger gegen die Wölfte lauten. Heiko Herrlich fehlte mal wieder gegen die Wölfe. Diesmal nicht wegen Verletzung der Quarantäneauflagen, sondern wegen einer körperlichen Verletzung – Pneumothorax, so berichtete Stefan Reuter auf der PK vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg.

Ohne Heiko Herrlich, dafür mit Iraklis Metaxas erstmalig auf der Trainerbank war der FCA offensiv zahnlos und defensiv weniger stabil als zuletzt. Müde Beine? Fehlende Frische? Man weiß es nicht. Eine Stammelf zeichnete sich zuletzt ab, Caligiuri und Hahn haben sich auf den beiden Flügelpositionen offensiv festgespielt. Die Jungspunde Vargas und Richter müssen sich derzeit hinten an stellen.

Platz gehalten, weiter ungeschlagen. Auch Wolfsburg fand noch kein adäquates Mittel gegen unseren FCA. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Mit einem nicht so ganz verdienten Remis in die Länderspielpause – danach wartet RB Leipzig auf die Augsburger. Gegen diesen fulminanten Gegner müssen wir wirklich ausgeruht sein.

Die zweite Garde

Am Freitag (09.10.) hat der FCA ohne seine sieben Nationalspieler sowie Kapitän Jeff Gouweeleuw gegen den Zweitligisten Heidenheim getestet, um im Spielrhythmus zu bleiben – Endergebnis: 1:1. Das Tor für den FCA erzielte Innenverteidiger Marek Suchy. Heiko Herrlich wurde wieder durch Iraklis Metaxas vertreten.

Um den bisher weniger eingesetzten Spielern wie Götze, Richter, Suchy und Bazee Spielpraxis zu bieten, war dieses Testspiel eine ideale Möglichkeit. Richtige Lehren kann man daraus eher weniger ziehen.

Marek Suchy im Testspiel gegen Heidenheim. (Copyright: xBW-Fotox/Eibner-Pressefotox EP_bwf via Imago)

Hey, das geht ab!

Am 17.10.2020 geht’s dann gegen RB Leipzig im eigenen Stadion wieder rund. Hier wartet eine echte Herausforderung auf den FCA, denn Leipzig ist derzeit Tabellenführer. Vermutlich wird sich aufstellungstechnisch nicht viel tun, ggf. ersetzt Neuzugang Gumny unseren Frami, der gegen Wolfsburg phasenweise überfordert wirkte. Mit den schnellen Leipziger Offensivspielern werden insbesondere unsere Außenverteidiger richtig gefordert werden. Der Ausgang des Spiels ist noch unbekannt.

Lassen wir uns überraschen, ob der FCA den Schwung aus den ersten drei Partien mitnimmt und weiterhin oben mitspielen darf. Die Momentaufnahme ist jedenfalls genial, die aktuelle Tabelle rahmen wir uns alle ein. Eine entspannte Saison, mit Blick nach oben, statt nach unten. Zu wünschen wär’s den Spielern, den Fans – dem gesamten Verein.

Gewinner und Verlierer der Vorbereitung

Des einen Freud ist des anderen Leid. Gerade in der Sommerpause und während der Vorbereitung auf die neue Saison. In der Sommerpause werden die Weichen gestellt. Spieler können sich in den Vordergrund spielen, oder können zurückfallen. Gerade in dieser Vorbereitung, während der Cheftrainer Heiko Herrlich zum ersten Mal unter normalisierten Bedingungen (das Kleingruppentraining während der Corona-Pause damit ausgenommen) in Ruhe mit dem Kader an seinen Vorstellungen von Fußball arbeiten konnte. Doof, wenn man gerade dann verletzt ist. Gut, wenn man auf Grund der Verletzung eines Konkurrenten vermehrte Einsatzchancen bekommt und diese zu nutzen weiß. Kurz vor dem Start in die Bundesligasaison ist deshalb ein guter Moment auf die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung zu blicken. Und ein paar Überraschungskandidaten zu präsentieren. Los geht’s!

Die Gewinner

Philipp Max wechselte zu PSV Eindhoven. Damit wurde der Stammplatz hinten links von einem Tag auf den anderen an Iago überreicht. Iagos erste Saison war durchwachsen. Er fehlte auf Grund von Länderspielreisen (Olympiaqualifikation mit Brasilien – es erscheint wie vor einer Ewigkeit) und Verletzungen. Wenn er fit war, versuchte zumindest Martin Schmidt phasenweise Max und Iago gemeinsam auf den Rasen zu bekommen. Im Endspurt der Hinrunde mit sehr guten Erfolgen. Jetzt bekommt Iago die Chance vollends in Augsburg durchzustarten. Es gibt wohl kaum einen Spieler dessen Aussichten sich so sehr verbessert haben wie Iagos.

Iago konnte die komplette Vorbereitung mitmachen und ist bereit durchzustarten (Foto: xemx via Imago)

Außer man heißt Michael Gregoritsch. Vom Chaosclub auf Schalke, wo seine Leihe zu Ende ging, kehrt er zur Idylle des FC Augsburg zurück. Seine Ausfälligkeiten sind quasi vergessen und unter Trainer Heiko Herrlich kann er neu durchstarten. Gregerl hat sich demütig wieder eingereiht in Augsburg. Die ernüchternde Erfahrung auf Schalke war vielleicht ein kleiner Schubs in die richtige Richtung. Dazu konnte sich keiner seiner Konkurrenten auf der Position hinter den Spitzen in der Vorbereitung hervorheben. So ist es sehr wahrscheinlich, dass er auf dieser Position nun erst mal ordentlich Spielzeit bekommt und sich beweisen darf. Wie torgefährlich er sein kann, wissen wir in Augsburg noch sehr gut. Ein zweites Hurra von Gregerl wäre nach der Vorgeschichte eine Überraschung, die aber zumindest ich sehr gerne sehen würde.

Um diese Kategorie abzurunden, möchte ich zwei Spieler nennen, deren Rolle in der kommenden Saison noch wachsen sollte. Sowohl Ruben Vargas als auch Felix Uduokhai haben letzte Saison schon einige Einsätze bekommen, aber auch immer mal wieder Pausen. Bei Uduokhai fällt Tin Jedvaj als Konkurrent weg. Vargas hat mittlerweile eine Stärke und Souveränität erreicht, mit der er aus der ersten Elf des FCA schlicht nicht wegzudenken ist. Beide werden – sollten sie keine groben Böcke schießen oder sich verletzen – absolute Stammspieler beim FCA sein. Damit machen sie Hoffnung. Denn beide haben ihr Potential noch nicht vollständig ausgeschöpft und können noch mehr. Sie werden es in dieser Saison zeigen.

Die Verlierer

Um Eduard Löwen hatte sich der FCA intensiv bemüht. Erst letzten Sommer, als er dann doch zur Hertha nach Berlin gewechselt ist. Dann nochmal im Winter, als man ihn in Berlin schon wieder aussortiert hatte. Momentan ist er noch für die kommende Saison zum FCA ausgeliehen. Danach haben wir Augsburger eine Kaufoption. Derweil scheint ihn allerdings in Augsburg das gleiche Schicksal ereilt zu haben wie in Berlin. Nach dem Trainerwechsel in Augsburg scheint es ein bisschen so, als wüsste Heiko Herrlich nicht so recht wohin mit ihm. Auf den defensiven Mittelfeldpositionen scheinen die Spezialisten Khedira, Gruezo und Strobl die Nase vorn zu haben. Hinter den Spitzen muss er sich hinter Marco Richter und Gregerl einreihen. In der Vorbereitung wurde er so auch hinten rechts eingesetzt, bevor man dort einen weiteren Spezialisten mit Robert Gumny verpflichtete. Hochtalentiert und nicht gebraucht. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle Eduard Löwen in der kommenden Saison einnehmen wird.

Quo vadis Eduard Löwen? Viel unklarer könnte es nicht sein, wie Heiko Herrlich den hochveranlagten Kicker einsetzen will. (Foto: xemx via Imago)

Ganz so schlimm sieht es bei Marco Richter nicht aus. Der FC aus Köln wollte ihn wohl verpflichten. Der FCA will ihn gerne behalten. Richter war letzte Saison Stammspieler und kam vor allem rechts offensiv zum Einsatz. Die Rolle wandelte sich unter Heiko Herrlich ein bisschen, unter dem er zentraler spielen durfte. Richter fühlt sich zentral wohler, konnte derweil dort seine Effektivität noch nicht unter Beweis stellen. Die Position rechts offensiv ist quasi auch vergeben. Mit Neuzugang und neuem Topverdiener Daniel Caliguiri. Nun verletzte sich Richter in der Vorbereitung und hat zentral mit Gregerl auch hochkarätige Konkurrenz. Anstatt befreit drauf los spielen zu können, muss er sich erneut beweisen. Es wird kein einfacher Saisonstart für ihn.

Marco Richters Situation ist dabei eine, in der sich André Hahn gerne befinden würde. Ein Jahr nach seiner Rückkehr nach Augsburg, ist die Hoffnung zerplatzt, er könnte wieder an die Form von früher anknüpfen. Hahn scheint über die Jahre diese Explosivität verloren gegangen zu sein, die ihn zu einem Nationalspieler gemacht hat. Nach der Verpflichtung von Daniel Caliguiri und den positiven Ansätzen von Noah Sarenren Bazee sieht es ganz nach einer Saison als Ergänzungsspieler aus. Als ob seine Zeiten als Bundesliga-Stammspieler vorbei wären. Es wäre geradezu eine Sensation, wenn er nochmal aufblühen würde. War es damals schon. Nichts ist unmöglich. Aber Hahns Situation nach der Vorbereitung, in der auch er als Rechtsverteidiger getestet (und durch Robert Gumnys Verpflichtung als nicht gut genug befunden wurde) könnte wahrlich besser sein. Auch wenn er im Pokal gegen einen Fünftligisten ein zwischenzeitliches Hurra hingelegt hat.

Das Überraschungspotential

Neben den offensichtlicheren Entwicklungen gibt es auch ein paar Spieler, bei denen man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau weiß, wie man ihre Situation interpretieren soll. Zwischen Top und Flop ist alles möglich. Und damit meine ich nicht Julian Schieber und Felix Götze, für die ich momentan keine sportliche Zukunft beim FCA sehe.

Da wäre zum einen Noah Sarenren Bazee. Nachdem er sich von einer langwidrigen Verletzung erholte hatte, konnte er in der Rückrunde auftrumpfen. Nun ist er gerade angeschlagen und die Plätze auf den Flügeln sind mit Caliguiri und Vargas quasi vergeben. Es könnte eine Saison des Lauerns auf die eigene Chance für Sarenren Bazee werden. Nur wann wird sie kommen?

War die tolle Form zum Ende der letzten Saison ein Strohfeuer oder folgt der endgültige Durchbruch? Noah Sarenren Bazees Rolle birgt Überraschungspotential. (Foto: xemx via Imago)

Da wäre zum zweiten Freddy Jensen. Der finnische Nationalspieler sieht sich einer fast übermächtigen Konkurrenz ausgesetzt. Zentral hat er Richter und Gregerl vor sich. In der Vorbereitung durfte er fast nur links offensiv ran, wo er zumindest an Vargas nicht vorbei kommen wird. Auch hier wartet ein Geduldsspiel auf den Spieler. Wie viel haben die Pokaltore auszusagen?Bekommt er eine Chance und kann er sie nutzen?

Diese Frage stellt sich auch bei Reece Oxford. Der FCA hatte eigentlich den Versuch unternommen ihn zum defensiven Mittelfeldspieler umzuschulen. Auf dieser Position hat er allerdings Gruezo, Khedira und Strobl vor sich. Dafür sieht es in der Innenverteidigung etwas lichter aus. Hier tummeln sich “nur” Gouweleeuw, Uduokhai und Suchy. Wird er seine Rolle noch finden?

Fazit

Es ist gut, dass die Zeit des Kaffeesatzlesens zu Ende geht. Am Ende liegt die Wahrheit mal wieder auf dem Platz. Wir haben uns den Kader in all seinen Facetten angeschaut (Tor, Abwehr und Mittelfeld/Sturm). Eins lässt sich leicht feststellen: Auch wenn es mit Philipp Max einen prominenten Abgang gab, ist dieses Team nicht schlechter geworden. Die offensichtliche Lücke rechts in der Verteidigung wurde angegangen. Mit Strobl und Caliguiri hat man sich vielleicht sogar in der Spitze verbessert. Aber am Ende muss eine Mannschaft auf dem Platz stehen. 11 Jungs, die füreinander einstehen, Fehler des anderen ausmerzen, kämpfen und beißen. Wäre das nicht die größte Überraschung, diese Tugenden mal wieder über eine ganze Saison von einer Augsburger Mannschaft zu sehen?

Kaderanalyse Mittelfeld und Sturm

Das Prunkstück der Augsburger war in der vergangenen Saison definitiv die Offensive. Auch unser defensives Mittelfeld war überdurchschnittlich gut für unsere Verhältnisse besetzt. Da sich auf dem Transfermarkt und in Sachen “Kaderlass” beim FCA einiges getan hat, möchte ich nachfolgend unser Mittelfeld und unseren prominenten Sturm einmal näher vorstellen.

Defensives Mittelfeld

Das defensive Mittelfeld hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison nur punktuell verändert: Relativ früh wurde ein verkappter “Bai-Ersatz “- an den Lech gelotst: Tobias Strobl, gebürtiger Münchener, verstärkt den FCA im defensiven Mittelfeld, war aber länger verletzt und konnte nicht die volle Vorbereitung mitmachen.

Eine weitere entscheidende Personalie ist dann Ende Juni geklärt worden: Kapitän Daniel Baiers Vertrag wurde – zum Unmut vieler Fans – aufgelöst und hat im Augsburger Umfeld hohe Wellen geschlagen.

Jungspund Felix Götze, ebenfalls im defensiven Mittelfeld zuhause, war gemäß medialer Berichterstattung an Covid-19 erkrankt und hat somit die ganze Vorbereitung verpasst. Hier steht noch ein Abgang im Raum – Jahn Regensburg war wohl mal interessiert. Bei Jan Moravek muss man, wie immer, von Spiel zu Spiel schauen: Der verletzungsanfällige Mittelfeldstratege befindet sich immer Mal wieder in der Hessingpark Klinik zur medizinischen Behandlung. Wenn er denn auf dem Platz steht, ist er stets bemüht und auf ihn ist dann auch durchaus Verlass. Edu Löwen ist ein echter Allrounder und kann auch im defensiven Mittelfeld spielen, diese Rolle hat er bspw. beim Club häufiger gespielt.

An Carlos Gruezo mag man sich gewöhnen. (FOTO Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Carlos Gruezo hat seine erste Saison im Augsburger Dress hinter sich und hat einen konstant guten Eindruck gemacht, wenn er denn gespielt hat (11 Liga-Einsätze, 1 DFB-Pokal-Einsatz). Der robuste Ecuadorianer hat gute Chancen auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld in der kommenden Saison. Sein Nebenmann lautet dann wohl erstmal Rani Khedira. Der Bruder von Weltmeister Sami hat sich über Jahre nun den Rang erlaufen und von dem weicht er freiwillig auch nicht ab. Sein Vertrag läuft jedoch nur noch bis 2021, spätestens dann könnte ein Nachfolger aus den eigenen Reihen Tim Civeja heißen. Der 18jährige Nachwuchsspieler durfte zuletzt in Testspielen im defensiven sowie offensiven Mittelfeld ran. Und hat seine Sache echt ordentlich gemacht! Hut ab!

Jeffrey “neuer Kapitän” Gouweleeuw kann auch im defensiven Mittelfeld aushelfen, dies hat er in seinen FCA-Zeiten schon das ein oder andere Mal erfolgreich gemacht. Reece Oxford – eigentlich hauptamtlich Innenverteidiger – kann dies auch spielen, aber in Augsburg war das noch nicht wirklich erfolgsversprechend.

RoGaz Prognose: Götze wird uns wohl noch verlassen. Gruezo und Khedira streiten sich mit Tobi Strobl um die beiden begehrten Startplätze im defensiven Mittelfeld. Jan Moravek ist, wenn er denn fit ist, wie all die Jahre zuvor schon ein solider sowie verlässlich Back Up – zu mehr reicht es wohl aber nicht (mehr). Edu Löwen und der goldene Löwe Jeff könnten diese Position des weiteren verlässlich bekleiden, wenn Not am Mann ist. Oxford ist auf all seinen Parade-Positionen wohl erstmal außen vor (…aber er ist ja noch jung!).

Kreative Schaltzentrale

Gregerl ist nach halbjähriger Leihe zurück am Lech – und zeigt sich in den letzten Testspielen sehr torhungrig. Wenn unsere maulende Mittelfelddiva die Launen in den Griff kriegt und seine Motivation konstant hoch hält, steht einer Startelfgarantie nichts im Wege und er kann die Augsburger, wie in seiner Paradesaison 2017/18 mit 13 Buden, zum Klassenerhalt schießen. Ein hartnäckiger Konkurrent für die Position im zentralen Mittelfeld wird der Winterneuzugang Edu Löwen sein. Noch konnte er sein volles Potenzial in Augsburg noch nicht zeigen. Big things to come also?

Noch nicht ganz in Augsburg angekommen ist Eduard Löwen. Klappt es diese Saison? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Weiterhin steht mit Freddy Jensen ein ambitionierter Jungspund in den Reihen der Augsburger: Zuletzt hat der Offensivakteur seine Finnen binnen 25 Sekunden zum 1zu0-Sieg in der Nations League gegen Irland geschossen. Weitere Konkurrenz im zentralen/offensiven Mittefeld sind Marco Richter und Florian Niederlechner, die beide in einem System mit verkappter Doppelspitze zusammen mit einem Stürmer die Rolle bekleiden könnten.

RoGaz Prognose: Gregerl scheint heiß zu sein auf eine versöhnliche Saison im Augsburger Dress. Mit ihm sollte man rechnen. Aber auch Löwen und Jensen sind ambitioniert und schmeißen ihren Hut in den Ring. Je nach Form kann die Entscheidung in alle Richtungen ausgehen. Im letzten Testspiel gegen Ajax hat Flo Niederlechner diese Rolle – mehr als sogenannter Halbstürmer – bekleidet und interpretiert. Will der FCA offensiv spielen, sind Gregerl und Niederlechner eine gute Wahl, für eine defensive Ausrichtung eher Edu Löwen oder Freddy Jensen, die beide jedoch auch durchaus torgefährlich sind! Qual der Wahl für Heiko Herrlich. Eine echte Überraschung wäre Jungspund Civeja, der in der Vorbereitung einen guten Eindruck im defensiven und offensiven Mittelfeld hinterlassen hat.

Augsburger Flügelzange

Was früher Ndjeng und Traore waren, sind seit letzter Saison die beiden Youngster Marco Richter und Ruben Vargas. Während ersterer eine tolle U21-EM gespielt und dort phasenweise im Nationaldress brilliert hat, ist Ruben Vargas erstaunlich schnell die Akklimatisierung in der deutschen Bundesliga gelungen. Zudem durfte er letztes Jahr in der Hinrunde in der Schweizer Nati debütieren. Beide sind flink, dynamisch und trickreich. Das tut dem Augsburger Spiel ziemlich gut! Aufgrund des jungen Alters ist die Konstanz halt bei beiden noch nicht vorhanden. Man darf aber dennoch gespannt sein, wenn beide auch 20/21 dem FCA erhalten bleiben, was die beiden noch zu leisten vermögen!

Ruben Vargas hat mit Pedersen und Iago zwei gelernte Verteidiger als Konkurrenz. Wobei diese beiden wohl eher für links hinten eingeplant sind als Startelf sowie Backup-Spieler. Weiterhin können sowohl Marco Richter als auch Andre Hahn und Noah Sarenren Bazee links außen spielen. Freddy Jensen durfte zuletzt in Abwesenheit von Vargas (war bei der Schweizer Nationalmannschaft) auf links außen ran. Auch hier sind wir für Augsburger Verhältnisse gut aufgestellt und haben einige Alternativen.

Rechts außen scheint Marco Richter, trotz Formtief gegen Ende der Saison, gesetzt – doch zuletzt plagte das Augsburger Eigengewächs Blessuren und er konnte einen Teil der Vorbereitung nicht mit dem Team absolvieren. Jetzt tauchen gerade Gerüchte zu einem Kölner Interesse am Eigengewächs auf- verlässt uns der gebürtige Friedberger etwa noch vor Saisonstart?

Der Durchbruch ist geglückt und Ruben links gesetzt. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Erste Alternativen zum Augsburger Jung sind der zu Ende der letzten Saison so starke Noah Sarenren Bazee und Oldie Hahn. Auch Ruben Vargas und Daniel Caliguiri können rechts spielen. Gerade der erfahrene Neuzugang Caligiuri könnte der große Gewinner der Vorbereitung sein und die Abwesenheit von Richter erfolgreich für “Eigenwerbung” genutzt haben. Seine Erfahrung und auch defensive sowie offensive Qualitäten sind sein Trumpf. Georg Teigl, der auf der rechten Außenbahn zuhause ist, wird kein Backup mehr sein wie die letzten Jahre. Er verlässt den FCA und wechselt in seine Heimat zu Austria Wien. Das gab der FCA am vergangenen Montag bekannt.

RoGaz Prognose: Links kommt keiner an Ruben Vargas vorbei. Rechts gibt es ein enges Rennen zwischen Jungspund Marco Richter und den beiden Oldies Caligiuri und Hahn. Je nach taktischer Ausrichtung ist auch eine Job-Rotation denkbar bzw. möglich. Aufgrund Marcos Verletzung geht der Ex-Schalker Daniel Caligiuri wohl erstmal als Favorit auf Rechtsaußen in die Saison. Aber Noah Sarenren Bazee sollte man nicht abschreiben, denn dieser ist im fitten Zustand eine echte Waffe auf außen!

Abteilung Attacke!

So, jetzt kommen wir zum Prunkstück der Augsburger Formation, dem Sturm! Hier hat Heiko Herrlich zwei wirkliche Vollblut-Angreifer zur Auswahl, Flo Niederlechner und Alfred Finnbogason. Während ersterer seine Premierensaison im Augsburger Dress furios absolvierte, ist der oft verletzte und mittlerweile 31jährige Isländer schon eine richtige Institution in der Fuggerstadt und war vor Niederlechner im Sturm unumstritten. Finnbo merkt man jedoch deutlich an, dass es ihm nach einer Verletzung schwer fällt, wieder in den Spielrhythmus zu kommen. Gerade im Sturm braucht man als Spieler Fitness, Spielpraxis und die Bindung zum Spiel.

Nachwuchsstürmer Maurice Malone, den ich schon das ein oder andere Mal als Nachwuchshoffnung im Augsburger Sturm betitelt habe, wurde zuletzt an Drittligist Wehen-Wiesbaden verliehen, unser Edel-Joker Sergio Cordova an den Ligakonkurrenten Arminia Bielefeld. Marco Richter, Andre Hahn und Michael Gregoritsch können ebenfalls im Sturm spielen und sind sicherlich sinnvolle Alternativen, wenn die beiden erstgenannten auszufallen drohen!

Erstmal quält Herrlich jedoch bestimmt die Frage, welchen Akteur er im bevorzugten System mit einem Stürmer spielen lässt von Beginn an. Flo empfiehlt sich mit einer phänomenalen Torquote, Finnbogason als letztjähriger dritter Kapitän glänzt mit Augsburger Erfahrung im Abstiegskampf und einem guten Standing im Verein. Auch hier: Qual der Wahl. Bei einem System mit Doppelspitze ist die Frage jedoch überflüssig.

Keine Alternativen im Sturm (mehr) sind Julian Schieber, der sich Medienberichten zu Folge auf Empfehlung des FCA einen neuen Verein suchen darf – aber noch keinen gefunden hat bis dato. Und weiterhin Nachwuchsspieler Seong-hoon Cheon aus der U23 – Regionalliga – Mannschaft, der jedoch keine Rolle aktuell bei der 1. Mannschaft zu spielen scheint und eher für die “Zwote” eingeplant ist.

RoGaz Prognose: Flo Niederlechner – who else? Der Bomber vom Wertachstrand geht als Platzhirsch in die Saison. Finnbo ist aber ein adäquater Widersacher. Es wird spannend. Ich hätte persönlich gerne noch einen Backup – wie Malone oder Cordova behalten. Gerade Sergio Cordova hat immer sehr gute Leistungen gezeigt bei seinen Joker-Einsätzen und das ein oder andere wichtige Tor erzielt für den FCA. Seine Leihe – zu einem direkten Konkurrent – finde ich eher unglücklich. Wenn er jedoch dort richtig aufblüht und als Torschützenkönig der Bundesliga zurückkommt, der FCA und Arminia die Klasse halten und er beim FCA langfristig bleibt – ja, dann hab ich nix dagegen! Im Sturm haben wir derzeit nur Luxusprobleme. Wenn Niederlechner weiterscort und Finnbo einigermaßen wieder in Tritt kommt, dann haben wir einen Bomben-Sturm! Im wahrsten Sinne des Wortes.

Quo vadis, FCA?

Ja, der Kader wirkt verdünnt, ob der ganzen Personalabgänge. Und doch ist ein kleiner Umbruch ersichtlich. Max ist weg, Luthe ist ebenso weg und Daniel Baier wird schwer vermisst. Jetzt zeigt es sich, wie sich der FCA mit der neuen Mannschaft mit neuem Gesicht präsentiert. Eine neue Rangordnung muss sich noch bilden oder ist gerade auf dem Weg dorthin.

Und ob dieser Kader für die Bundesliga reicht? Eine 10. Saison mit dem FCA in der deutschen Fußballbundesliga. Ja, man muss mich ab und an noch kneifen, denn das ist gigantisch! Das Potenzial ist wie immer da, definitiv. Einiges an Erfahrung ist von Bord gegangen, mit dem Karriereende von Lichtsteiner und mit den Abgängen von Baier, Max und Luthe. Das schmerzt schon etwas, um ehrlich zu sein. Gerade im Abstiegskampf braucht man diese Erfahrung an der ein oder anderen Stelle.

Schon das kommende Wochenende zeigt sich gegen den Oberligisten Celle, wie gut der Kader vorbereitet ist. Obwohl Celle selbst an einem guten Tag kein Gradmesser sein sollte. Jedoch schreibt der DFB-Pokal – sicherlich auch zu Corona-Zeiten – seine eigenen Geschichten und hat bekanntlichermaßen seine eigenen Gesetze. Aus Augsburger Sicht kann man nur sagen: Hoffentlich nicht an diesem Samstag. Der erste potenzielle Stolperstein liegt jedoch nun vor den Augsburger Füßen und es wird sich zeigen, ob der Kader diesen locker-flockig überspringt oder ob er über den Stein stolpern wird und erstmals in der Saison taumelt. Danach liegt der Fokus voll auf der Bundesliga. Und ich hoffe, ich kann stolz sein auf dieses Team. Auf dieses neue Augsburger Team!

Bis dahin: Gut Kick, Jungs. Egal, wer da so auf dem Platz steht.

Kaderanalyse Verteidigung

5:1 in Dortmund, 5:1 in Mönchengladbach, 5:3 gegen Dortmund, 5:0 in Frankfurt – der FC Augsburg musste in der abgelaufenen Saison viele Gegentore schlucken. Zumindest unter Martin Schmidt. Unter dem mittlerweile Ex-Trainer kassierte der FCA durchschnittlich 2,2 Gegentore pro Partie. Unter Neu-Coach Heiko Herrlich sind es bisher 1,2. In seinen wenigen Spielen schaffte es der frühere Nationalspieler, die Defensive entscheidend zu stabilisieren. Diese Verbesserung mag zwar bisweilen auf einen starken Andreas Luthe zurückzuführen sein, begründet sich aber auch in der deutlich verbesserten Zweikampfquote. Nach dem Trainerwechsel wirkte die Mannschaft etwas bissiger als davor. Nun gilt es, diesen positiven Trend zu bestätigen. Fünf Gegentore in bisher 570 Testspielminuten (gegen Türkgücü wurde 120 Minuten gekickt) sind dahingehend ein ordentlicher Anfang. Dennoch könnte der FCA noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen, wie Teil zwei unserer Kaderanalyse zeigt.

Rechtsverteidigung: Der Konkurrenzkampf ist eröffnet

Herzlich willkommen in Augsburg, Robert Gumny. Der 22-jähirge Rechtsverteidiger kommt vom polnischen Erstligisten Lech Posen zum FCA und soll den Konkurrenzkampf in der Defensive verstärken. Ein Transfer, der bitter notwendig war. Nach Stephan Lichtsteiners Karriereende war Eigengewächs Raphael Framberger quasi der einzige echte Rechtsverteidiger im Kader. Georg Teigl soll sich einen neuen Verein suchen, Jugendspieler Simon Asta vorerst nach seinem Kreuzbandriss bei der U23 Spielpraxis sammeln.

In Augsburg geboren und seit 2004 beim FCA: Raphael Framberger steht sinnbildlich für das Ziel der vereinsführung, Nachwuchsspieler im Profikader zu etablieren. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Framberger hat sich in den letzten Jahren zu einem soliden Bundesligaspieler entwickelt, ist aber leider nach wie vor sehr verletzungsanfällig. Daher brauchte es einen zweiten Spieler auf dieser Position. Mit Gumny bekommt der FCA einen “jungen und sehr talentierten Rechtsverteidiger”, wie Manager Stefan Reuter in einer Mitteilung zitiert wird. In 97 Einsätzen für Posen gelangen dem Rechtsfuß, der in Augsburg auf Landsmann Rafal Gikiewicz trifft, zwei Tore und sechs Assists. Beobachter der polnischen Liga bescheinigen dem U21-Nationalspieler großes Talent und trauen ihm den Sprung in die Bundesliga zu. Einziges Manko: Gumny gilt als verletzungsanfällig, 2018 stand er kurz vor einem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach, fiel dann aber durch den Medizincheck. Im zweiten Anlauf soll es nun klappen. Wir drücken die Daumen und sind gespannt.

Darüber hinaus bieten sich Herrlich weitere Alternativen, falls Framberger und Gumny ausfallen sollten. Neuzugang Daniel Caligiuri bekleidete die defensive Außenposition mitunter auf Schalke sowie im Test gegen Türkgücü München. Der Routinier ist aber eigentlich im Mittelfeld eingeplant, denn “seine Qualität liegt sicherlich in der Offensive. Auf die wollen wir natürlich nicht verzichten”, wie Herrlich jüngst gegenüber dem Kicker erklärte.

Gegen Nürnberg testete Herrlich zudem Eduard Löwen, gegen Heimstetten und Regensburg André Hahn – zwei solide Alternativen, aber eben keine Spezialisten: Auf der Rechtsverteidigerpositon musste der FCA daher nachlegen und hat dies in diesem Jahr auch gemacht.

Innenverteidigung: Ein gesetztes Duo – und zwei Wundertüten

Es gibt nicht wenige FCA-Fans, die die feste Verpflichtung von Felix Uduokhai kritisieren. Die kolportierten 7 Millionen Euro Ablöse seien in Pandemie-Zeiten zu viel. Das kann man durchaus spektisch sehen, doch sportlich lohnt sich der Transfer allemal. Der beste Zweikämpfer der abgelaufenen FCA-Saison ist schon jetzt ein fester Bestandteil im Defensivzentrum und hat mit seinen 22 Jahren immer noch Entwicklungspotential. Ebenso gesetzt ist Jeffrey Gouweleeuw, der mittlerweile schon mehr als 100 Pflichtspiele für Rot-Grün-Weiß vorzuweisen hat und immer noch vergeblich auf eine Nominierung für die niederländische Nationalmannschaft wartet. Es bleibt zu hoffen, dass der Führungsspieler in dieser Saison verletzungsfrei bleibt. Das Duo Jeff-Udo kann sich nämlich sehen lassen. Doch wie sieht es dahinter aus?

Nach seiner Leihsaison mittlerweile fest beim FCA: Zusammen mit Jeffrey Gouweleeuw kann Felix Uduokhai eine Ära prägen. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Nach der Leihe von Kevin Danso zu Fortuna Düsseldorf stehen mit Marek Suchy und Reece Oxford nur noch zwei echte Alternativen bereit. Das Niveau der Stammkräfte erreichen sie jedoch leider (noch) nicht. In den Testspielen hat Oxford zumindest ordentliche Leistungen gezeigt. Der junge Engländer, der nach seiner Leihrückkehr zu West Ham United in die Reservemannschaft degradiert wurde, hat bei vielen FCA-Fans seinen Kredit verspielt. Vielleicht kann er ihn ja diese Saison zurückgewinnen. Suchy indes blickt auf eine unglückliche Premierensaison am Lech zurück: Auch verletzungsbedingt kam der Tscheche nur auf sieben Einsätze – fünf davon nach dem Trainerwechsel. In seiner Zeit in Basel und der Nationalmannschaft hat der 32-Jährige gezeigt, was er kann. Erreicht er das Niveau vergangener Tage, kann er in dieser Spielzeit Gold wert sein.

Der FC Augsburg ist in der Innenverteidigung gut aufgestellt. Es wäre aber ein schmerzhafter Verlust wenn sich Gouweleeuw und/oder Uduokhai verletzen sollten. Weil die Verantwortlichen Gefallen an Suchy und Oxford zu haben scheinen und mit Rani Khedira oder auch Tobias Strobl notfalls zwei zusätzliche Alternativen bereit stehen, wird sich auf dieser Position aller Voraussicht nach nichts mehr tun.

Linksverteidigigung: Wer ersetzt Philipp Max?

Nun verlässt Philipp Max also den FC Augsburg. Nachdem quasi keine Transferperiode vergangen war, in der nicht über einen Wechsel spekuliert wurde, schließt sich der 26 Jährige der PSV Eindhoven an. Dass der Ex-Schalker nicht ewig in Schwaben spielen wird, war klar. Fünf Jahre FCA und 156 Spiele sind ohnehin deutlich mehr als von manchen erwartet.

So gut wie niemand am Lech verdenkt Max, eine neue Herausforderung wagen zu wollen. Auch die Gazetten-Redaktion wünscht für die weitere Karriere alles Gute. Dennoch schmerzt der Abgang eines Führungsspielers natürlich. Wie soll der Dauerbrenner ersetzt werden?

Als naheliegendste Alternative stünde Iago bereit, doch auch um den Brasilianer gab es zuletzt Wechselgerüchte. Der gewöhnlich sehr gut informierte italienische Journalist Gianluca Di Marzio berichtete jüngst von Verhandlungen zwischen Iago und dem AC Mailand. Demnach soll der Berater des U23-Nationalspielers bereits in der Modestadt gewesen sein, um den Transfer über die Bühne zu bringen. Insgesamt ist es aber (gerade nach dem Max-Wechsel) sehr schwer vorstellbar, dass Reuter, der Iago vor einem Jahr für kolportierte 6,5 Millionen aus Porto Alegre verpflichtete, einem Wechsel zustimmen würde. Da müssten die Rossoneri schon tief in die Tasche greifen.

Nach einer unglücklichen Saison samt Verletzungen und Olympia-Quali mit der U23 lastet auf Iago nun wohl deutlich mehr Verantwortung. Es ist davon auszugehen, dass ihn die Klubbosse als Max-Erbe einplanen, vermutlich taten sie das schon vor einem Jahr. Bleibt der talentierte Brasilianer fit, könnte er eine der positiven Überraschungen der Saison werden. Uns würde es freuen.

Ingsesamt zehn Spiele absolvierte Iago in der Saison 2019/20 für Rot-Grün-Weiß. Dabei gelangen dem Brasilianer ein Tor und eine Vorlage. In der neuen Spielzeit könnten es mehr Einsätze werden. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Hinter Iago wird es derweil ziemlich dünn. Mads Pedersen scheint (noch) keine wirkliche Option zu sein. In seinen wenigen Auftritten im FCA-Trikot ließ er leider jede Bundesligatauglichkeit vermissen. Den jungen Dänen nach einem halben Jahr in Deutschland (im Winter wurde er nach Zürich verliehen) abzuschreiben, wäre zwar unfair. Doch kann Pedersen seine Chance tatsächlich nutzen? In den Testspielen gelang ihm das zumindest nicht.

Transfers: Stammspieler oder Iago-Back-up?

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll der FCA für Max acht bis zehn Millionen Euro Ablöse kassieren und eine Weiterverkaufsbeteiligung arrangiert haben. In der Vergangenheit hätte man für den gebürtigen Viersener mehr verlangen können, doch in Pandemie-Zeiten ist eben vieles anders. Dennoch steht eine Summe, mit der man in mehr als passable Linksverteidiger investieren könnte. Nachfolgend eine Liste mit Spielern, die sportlich und preislich interessant für den FCA sein könnten und entweder Stammspieler oder Iago-Backup sein würden. Ein Transfer wird natürlich umso wahrscheinlicher, wenn nach Max auch Iago wechseln sollte. Dann muss der FCA nämlich definitiv tätig werden. Ansonsten könnten Reuter & Co. zumindest nachlegen.

Borna Barisic (Glasgow Rangers), Loris Benito (Girondins Bordeaux), Jan Boril (Slavia Prag), Jamilu Collins (SC Paderborn), Tim Leibold (Hamburger SV), Konstantinos Stafylidis (TSG Hoffenheim), Daley Sinkgraven (Bayer Leverkusen), Maximilian Ullmann (Rapid Wien), Owen Wijndal (AZ Alkmaar). In dieser Liste hätte man auch Ex-Augsburger Abdul Rahman Baba (Chelsea) nennen können, doch der Ghanaer ist seit nahezu einem Jahr verletzt und daher keine Option.

Tim Leibold wechselte 2019 vom 1. FC Nürnberg nach Hamburg. Der 26-Jährige stand in allen 34 Zweitligaspielen über 90 Minuten auf dem Platz und bereitete bei einem Tor stolze 16 Treffer vor. Er ist fast zu gut für die 2. Bundesliga.(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Fazit

Der Max-Abgang schmerzt sehr und hinterlässt eine sportliche Lücke. Ob Iago in die Fußstapfen des Führungsspieler treten kann, wird sich zeigen. Gespannt sein darf man auf Robert Gumny. Bleiben alle Spieler fit, blickt der FCA auf eine ordentliche Defensive. Problematisch wird es, wenn Stammkräfte langfristig ausfallen. Als kleiner FC Augsburg hat man schlicht keinen gleichwertigen Ersatz auf der Bank. Insgesamt steht das Grundgerüst in der Defensive, sodass der FCA in der Viererkette folgendermaßen auflaufen könnte: Gumny – Gouweleeuw – Uduokhai – Iago. Angst und Bange sollte es einem bei dem Gedanken nicht werden.

Kaderanalyse Tor

Es geht wieder los. In den Wochen vor dem ersten Pflichtspiel nehmen wir den Kader des FC Augsburg unter die Lupe. Den Anfang macht die Torhüterposition. Es ist ein einfacher Anfang. Zwar gab es hier viel Bewegung in der Sommerpause. Auch auf der Position des Torwarttrainers. Positiv ist dabei, dass der FCA frühzeitig alle Puzzlesteine sortiert und für Ordnung gesorgt hat. Und sich so auf dieser Position in Ruhe auf die Saison vorbereiten kann. Der Kader ist dabei optimal aufgestellt mit drei Torhütern, die ich nachfolgend vorstellen mag.

Die Nummer 1: Rafal Gikiewicz

Gikiewicz kam im Sommer ablösefrei von Union Berlin. Mit Gikiewicz ist Union aufgestiegen und hat die Klasse gehalten. In der letzten Saison konnte er sein Bundesliganiveau unter Beweis stellen. Unter allen Bundesligatorhütern landete er auf Platz 6, wenn man die “zu Null”-Spiele betrachtet. Es waren immerhin 8 bei 33 Partien. Dabei kassierte er zwar saftige 54 Gegentore, aber die Verteidigung von Union Berlin ist nun mal nicht die beste der Bundesliga. Gikiewicz ist zwar schon 32 Jahre alt, aber könnte dennoch die Lösung auf der Position für die nächsten 2-3 Jahre sein, in der wir uns als FCA Fans keine Sorgen um unser Torwartspiel machen müssen.

Rafal Gikiwicz im Testspiel gegen den SCR Altach (Foto via Imago)

Es sollte helfen, dass Kristian Barbuscak laut Aussagen in einer Medienrunde der beste Torwarttrainer ist, den Gikiewicz hatte, seit er in Deutschland ist. Dazu ist positiv, dass er gut in Augsburg angekommen ist. “Wir haben eine tolle Truppe, ich habe schon ein Haus für meine Familia und einen Kita-Platz für meine Kinder.” Auch wenn er selbst behauptet, dass es einen Konkurrenzkampf bis zum ersten Spieltag gibt: Rafal Gikiewicz ist die Nummer 1 des FC Augsburg und das ist gut so.

Der Back Up: Tomas Koubek

Es hätte alles so gut werden können. Tomas Koubek kam im letzten Sommer aus Frankreich an den Lech und die Ablösesumme in Höhe von kolportierten 7,5 Millionen EUR versprach zumindest einen soliden Bundesligakeeper. Koubek bekam das Vertrauen und durfte sich lange beweisen. Am Ende musste er dennoch für Andreas Luthe auf die Bank. Es war einfach zu wenig für die Bundesliga und den FCA.

Tomas Koubek beim Testspiel gegen den SSV Jahn Regensburg (Foto: kolbert-press/Christian Kolbert via Imago)

Für Koubek ist es ein guter Schritt sich mit der Backup-Position anzufreunden und zur Ruhe zu kommen. Unter Heiko Herrlich und dem neuen Torwarttrainer Kristian Barbuscak Selbstvertrauen zu tanken und auf seine Chance zu lauern. Koubek ist immer noch erst 28 Jahre alt und im besten Fußballalter. Es kann sein, dass er Rafal Gikiewicz in 1-2 Jahren ablöst und erneut die Nummer 1 beim FCA wird. So ähnlich wie damals Tobi Werner ins Rampenlicht rückte nachdem Ibrahima Traore gekommen und wieder gegangen war. Bis dahin haben wir zumindest eine solide Nummer 2.

Der Jungspund: Benjamin Leneis

Gerade auf der Position des dritten Torhüters geht es doch in die richtige Richtung. Auf dieser Position hatte man in den letzten Jahren immer noch einen dritten gestandenen Profi unter Vertrag. Nach den Abgängen von Andreas Luthe und Fabian Giefer werden wir eventuell mehr von Benjamin Leneis sehen. Leneis ist mittlerweile seit 5 Jahren beim FCA und seit 2 Jahren als Profi unter Vertrag. Er war für den FCA auch schon in der U17 und U19 aktiv.

Benjamin Leneis im Testspiel gegen SC Rheindorf Altach (Foto: kolbert-press/Christian Kolbert via Imago)

Mit dem etwas ausgedünnten Kader wird er in Testspielen mehr Einsatzzeiten bekommen und hat die Chance auch in der Bundesliga mal auf der Bank zu sitzen, wenn einer der anderen beiden ausfällt. Bei Ioannis Gelios, mittlerweile Stammkeeper bei Holstein Kiel in der zweiten Liga, hat man es verpasst, ein Augsburger Torwarttalent komplett zu entwickeln. Bei Benjamin Leneis wird sich in den nächsten 1-2 Jahren zeigen, was wir an ihm haben. Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt und fiebere etwas mit.

Fazit

Die Situation im Tor des FCA war über die letzten Saisons hinweg unbefriedigend. Kein Torhüter konnte sich als sicherer Rückhalt durchsetzen. Mit Rafal Gikiewicz nimmt man den nächsten Anlauf. Der Vorteil: Gikiewicz hat für Union eine starke Saison gespielt und kennt die Bundesliga. Mit Koubek ist ein solider Back-Up vorhanden, der Potential hat, wenn er sein Selbstvertrauen zurück gewinnt. Dazu macht mit Benjamin Leneis ein Torhüter aus der eigenen Jugend Druck auf die erfahrenen Männer. Potentiell ist der FCA auf dieser Position so gut aufgestellt wie seit langem nicht. Jetzt müssen die Akteure die Erwartungen nur noch erfüllen. No pressure.