André Hahn, du geile Sau

Es gibt momentan so viele Dinge, bezüglich derer sich ein jeder irrt. Umso leichter sollte es einem fallen, dies zuzugeben. Bei mir ist heute der Moment gekommen, um öffentlich meine Meinung zur sportlichen Perspektive von André Hahn zu korrigieren. Vor der Saison hatte ich ihm einen schweren Stand hervorgesagt. Ich hatte nicht mehr viel mehr als die Rolle eines Ergänzungsspielers vermutet. Welch ein gravierender Fehler.

Wenn wir heute abstimmen würden, dann würde ich zwar Gike immer noch als wichtigsten Spieler der Saison beim FCA sehen. André Hahn würde ich allerdings gerne im direkten Vergleich zur letzten Saison den Pokal für den meistverbesserten Spieler übergeben. Welch eine Märchenstory.

Was vor dieser Saison geschah

Mittlerweile ist es über 8 Jahre her, seit André Hahn von den Kickers aus Offenbach zum FCA wechselte. In den anderthalb Jahren, die auf seinen Wechsel folgten, gelang ihm der Durchbruch in der Bundesliga. Er wurde zum Nationalspieler. Zu brachial war sein Offensivdrang. Eiskalt seine Abschlüsse. Es folgte der Wechsel auf Grund einer Ausstiegsklausel nach Gladbach. Spiele auf internationalem Niveau. Tore. Verletzungen. Zum 01.07.2017, während das Chaos beim HSV schon herrschte, der Wechsel dorthin, um eine neue Herausforderung zu suchen.

Ein Jahr später, als Absteiger mit dem HSV, die Rückkehr nach Augsburg. Im Jahr nach seiner Rückkehr bekam er direkt viel Spielzeit. 32 Pflichspieleinsätze standen zu Buche. 5 Tore und 5 Vorlagen standen dabei zusätzlich in der Statistik. Eine solide, wenn auch durchwachsene Bilanz. Letzte Saison dann nur noch 16 Pflichtspieleinsätze und gerade mal 2 Tore. Gerade mal 4 Spiele über 90 Minuten. Es schien, als neigte sich die Zeit des André Hahn dem Ende entgegen. Eine Rückkehr verbunden mit der Hoffnung die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Enttäuschte Hoffnung bis dahin.

Ungünstige Vorzeichen vor der Saison

Nun hätte man eventuell vermuten können, dass sich gegen Ende der letzten Saison schon abgezeichnet hätte, wie André Hahn unter Heiko Herrlich aufblühen würde. Eine Sehnenreizung setzte Hahn allerdings in der zweiten Saisonhälfte außer Gefecht. Am Ende reichte es im Schlussspurt gerade noch zu vier Kurzeinsätzen.

Auch für die Abwehrarbeit ist sich André Hahn nie zu schade (Foto: Andreas Gora via Imago)

Und diese Kurzeinsätze hätte ich auch für diese Saison wieder vermutet. Gerade auch weil der FCA mit Richter, Vargas und Bazee seine explosiven Offensivspieler halten konnte. Dazu kam in der Sommerpause noch mit Daniel Caligiuri ein weiterer Veteran mit viel Qualität an Bord. Die Ausgangslage war für Hahn nicht gerade vorteilhaft.

Ein toller Saisonstart

Dennoch setzte sich Hahn im internen Konkurrenzkampf durch, und traf direkt am ersten Spieltag gegen Union Berlin und später gegen Mainz 05 sogar doppelt. Es schien alles wie am Schnürchen zu laufen. Der FCA startete toll in die Saison. Hahn war in toller Form mit dabei und an Toren beteiligt. Herrlich scheint dabei gerade an der Vielseitigkeit Hahns einen Narren gefressen zu haben. Er lässt ihn auf dem Flügel ran, aber auch gerne im Sturmzentrum.

Was Hahn dabei in allen Rollen zu Gute kommt, ist sein unbedingter Einsatzwille. Offensivpressing oder Mittelfeldpressing, Hahn kann beides und ist gerade gegen den Ball viel unterwegs und zermürbt den Gegner. Nachdem Herrlichs Fokus in dieser Saison oftmals war, die defensive Stabilität zu stärken, verwundert es nicht, dass er dabei immer wieder gerne auf André Hahn zurückgreift.

Widerstände im Saisonverlauf

Und so könnte die Geschichte nun einfach märchenhaft bis zum heutigen Tage weiter gehen immer getreu dem Motto: “und wenn sie nicht gestorben sind…”. Dann wäre es allerdings nicht die Geschichte des André Hahn. Hahn infizierte sich nämlich dann mit dem Corona-Virus und fiel nach dem 09. Spieltag erstmal bis nach der verkürzten Winterpause aus. Erst gegen Köln konnte er wieder eingreifen und musste sich über zwei Kurzeinsätze auch erst wieder ans Team heranarbeiten.

Aber erneut ist nun der Knoten geplatzt. In den letzten 5 Partien kam er immer über 90 Minuten zum Einsatz. 3 Tore und 1 Vorlage stehen im Statistikbuch. Auf 7 Tore und 3 Vorlagen kommt er in der Bundesliga bisher. Und dies in einer Saison, in der dem Team so ein bisschen die Offensivkraft abhanden gekommen ist. Umso wichtiger ist jeder einzelne Treffer.

Manchmal ist nicht geschimpft, eben nicht genug gelobt

Die Entscheidung für diesen Text ist dann nach dem Hoffenheim-Spiel gefallen. Ein Spiel, in dem Hahn in der ersten Halbzeit einen Vargas-Pass mustergültig verwertete. Die alte Geschwindigkeit ist wieder da. Der Antritt, vor dem sich Gegner schon in 2014 fürchteten. Dazu eine schnörkellose Ballannahme und ein trockener Abschluss ins lange Eck. Fußball kann so einfach aussehen und so viel Spaß machen. Bei WhoScored ergab seine Leistung 7,9 Punkte und damit seinen besten Saisoneinsatz. Was zumindest ich bei Hahn manchmal ausblende, ist sein starkes Kopfballspiel. 5 Luftduelle konnte er gegen Hoffenheim nämlich zudem für sich entscheiden.

Seine Sprungkraft ist auch in Jubelsprüngen in letzter Zeit wieder sehr gut erkennbar. (Foto: emspor via Imago)

Und so sehr ich Gike hinten im Tor zu schätzen weiß, gibt es keine Siege ohne Tore. Hahn hat diese Saison davon bisher am meisten geschossen für den FCA. Zeit die individuellen Leistungen nun auch mal gebührend zu loben, gerade weil ich nicht mehr mit ihnen gerechnet hätte. Und nachdem Hahn nun nach den Spielen über die sozialen Medien ein paar Worte an die Fans gerichtet hat, will ich gerne ein paar Worte an ihn richten:

“Lieber André, wir haben alle mitbekommen, dass die letzten Jahre und auch diese Saison nicht immer leicht waren für dich. Ich weiß es sehr zu schätzen, wie du sichtbar Vollgas gibst und dich immer wieder zurück gearbeitet hast. Und ich gönne Dir jedes deiner Erfolgserlebnisse von ganzen Herzen. Wie gerne ich gegen Hoffenheim in Stadion dein Tor gefeiert hätte. Ausgerastet wäre. Aber solange Du weiter beim FCA bist, werde ich daran glauben, dass ich weiter solche Tore und Leistungen von Dir sehen werde. Wir sehen uns im Stadion! Dein Andy von der RoGaz “

P.S.: Jogi Löw scheinen die abschlussstarken Zentrumsspieler abhanden gekommen zu sein. Ich hätte da ja eine Idee, und würde glatt eine Sascha Mölders Aktion andenken, um bei einem Comeback dabei zu sein. Wer sich noch spontan erinnert, in welche Stadt Sascha Mölders damals gefahren ist, der packe es in die Kommentare.

Es ist ok


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Viele Personalentscheidungen rund um den geliebten Club werden entweder mit riesigen Hoffnungen und Erwartungen gesehen, oder es wird der Schrecken direkt hinter der nächsten Ecke vermutet. Das Umfeld des FC Augsburg war dabei schon immer ein ruhiges und in letzter Zeit sind kaum Gerüchte nach außen gelangt.

Rani Khedira mal wieder

Und warum nun genau in diesen Tagen die Personalie Rani Khedira erneut in einigen Medien aufgegriffen wurde, weiß nun auch keiner so genau. Letzten Sommer, im Juni 2020 sah es so aus, als ob eine Verlängerung Khediras beim FCA nicht viel mehr als eine Formalie wäre. Aus der Formalie wurde eine Hängepartie. In diesem Zusammenhang betonte Stefan Reuter: „Die gegenseitige Wertschätzung ist da“. Im November 2020 stellte Khedira selbst noch fest: „Wir machen uns keinen Stress. Noch sind es sieben Monate, da ist nicht die allergrößte Eile angesagt.“ Bis zum Januar hatten sich die Vorzeichen dann gedreht. Eine Verlängerung war anscheinend schon fast vom Tisch. Khediras Aussage vor drei Monaten: “Wir werden sehen, ob sich die Ambitionen des FCA und meine decken”. Zudem immer wieder die Hinweise aufs Ausland. Ende Januar klang es dann nun so, als ob der FCA sein Angebot zurückgezogen hätte.

Die Planungen für die kommende Saison sind nun Corona-bedingt nicht gerade einfach. Hohe Millionenbeträge an Einnahmen gehen den Vereinen momentan verloren. Während der FCA laut AZ noch überlegte, ob er unter diesen Bedingungen Rani Khedira erneut ein Angebot zur Vertragsverlängerung vorlegen sollte, hat sich Rani Khedira laut kicker schon anderweitig orientiert. Laut Sky geht es zu Union Berlin. Wahrscheinlich auch Corona-bedingt ist ein Wechsel ins Ausland erstmal vom Tisch. Union Berlin wirbt diesmal dem FCA einen ablösefreien Spieler ab. Zuletzt war dies den Augsburgern im Sommer mit Rafal Gikiewicz gelungen.

Khedira hat beim FCA schon einiges mitgemacht. (Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Pool via Imago)

Wie aufgezeigt hat die Personalie Khedira eine Vorgeschichte. Gespräche über eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags gab es in der Vergangenheit zur Genüge. Nur zusammen einen gemeinsamen Nenner haben Verein und Spieler anscheinend nie gefunden. So durfte Khedira nun in diese Saison gehen, ohne dass sein Kontrakt über diese hinaus Gültigkeit besitzt. Er kann am Ende der Saison den Verein somit ablösefrei verlassen (und ein ordentliches Handgeld einstreichen).

Ein Fixpunkt im Kader

Khedira ist derweil seit dieser Saison der dienstälteste Spieler im defensiven Mittelfeld (zumindest wenn man Jan Moravek etwas offensiver sieht). Nach dem Abgang von Daniel Baier in der Sommerpause war meine Vermutung, dass er hier in dieser Saison die große Konstante sein würde. So sah es dann zu Saisonbeginn auch aus. Khedira und Carlos Gruezo bildeten regelmäßig das Duo vor der Abwehr. Zwischenzeitlich verdrängten dann Tobias Strobl und auch Tim Civeja Khedira etwas, bevor nun – bedingt auch durch Civejas Verletzung – Khedira seinen Stammplatz zuletzt wieder zurückeroberte.

Die etwas schwankenderen Einsatzzeiten Khediras in dieser Saison sollten dabei das sportliche Gesamtbild von ihm nicht trüben. Sein Wechsel vor fast vier Jahren von RB Leipzig zum FCA hat sich für beide Seiten voll ausgezahlt. Der FCA hatte ablösefrei einen Spieler gefunden, der die Mannschaft verstärkte und sich in diesen Jahren zu einem Fixpunkt im Kader entwickelte. Über 120 Pflichtspiele hat er in diesem Zeitraum für den FCA absolviert. Eine sehr stattliche Zahl.

Wohin geht Khediras Blick in der Zukunft? (Foto: nordphoto GmbH / Engler nph00076 via Imago)

Khedira selbst konnte seine Bundesligatauglichkeit vollends unter Beweis stellen und sich in der ersten Liga etablieren. Dazu war er in der Öffentlichkeit einer der ruhigeren Charaktere, der stets ein professionelles Bild abgab. Er wäre für einige Vereine eine solide Verstärkung in der Breite. Es würde mich zudem nicht wundern, wenn er am Ende bei einem neuen Verein mehr spielen dürfte als gedacht. Bei Union Berlin sollte er den Stamm der Mannschaft verstärken. In jeder Sicht hat er sich selbst in die Lage versetzt im Alter von 27 Jahren den besten Vertrag seiner Profikarriere zu unterzeichnen.

Entscheidungsgründe

Warum lässt man so einen nun zu einem anderen Verein ziehen? Es kann sein, dass man sich für einen Verbleib Khediras wirtschaftlich arg strecken hätte müssen. Khedira selbst liebäugelte selbst mit einem Wechsel ins Ausland und gerade in England liegen die wirtschaftlichen Möglichkeiten vieler Clubs immer noch über denen der Bundesliga und gerade des FCA. Wer weiß, welche Beträge noch im letzten Sommer gefordert hatte? Es stellt sich wie immer die Frage, wie teuer ein Verbleib Khediras geworden wäre.

Derweil es aus Club-Sicht wohl nicht nur ums Geld geht. Khediras weitere sportliche Entwicklung sorgt zumindest bei mir nicht für die allergrößten Hoffnungen. Es ist zumindest zweifelhaft, ob Khedira sportlich dauerhaft Leistungsträger bleiben würde und sich auf dem Platz noch deutlich verbessern könnte. Nicht gerade eine Situation, in der man euphorisch die Geldbörse zückt.

Welche Rolle hat Khedira für das Gerüst?

Nun wird das Sportliche ja auch beeinflusst durch das Zusammenspiel der einzelnen Spieler nicht nur auf dem Platz. Khedira scheint nun keiner der Spieler zu sein, die in dieser Gruppe einen negativen Einfluss ausüben oder die Gruppenprozesse stören würde. Um eine Verlängerung zu deutlich verbesserten Konditionen allerdings rechtfertigen zu können – und ohne den Einfluss einer Verbesserung der Konditionen im Mannschaftsgefüge zu unterschätzen – müsste er wohl einer der wichtigsten Gerüstspieler im Kader sein.

Rani Khedia bei einem TV Auftritt. Es ist immer schade, gute Typen gehen zu sehen (Foto via Imago)

Abschließend scheint es so, als ob der FC Augsburg sich bewusst dazu entschieden hätte, Khediras Wechsel in Kauf zu nehmen und ihn nicht aggressiv weiter an den Club binden zu wollen. Dies hängt auch damit zusammen, dass man mit Khedira wohl zu keiner gemeinsamen Sicht bzgl. der zukünftigen sportlichen Entwicklung (und evtl. seiner Bezahlung in diesem Zusammenhang) gekommen war. Khediras Entscheidung für Union ist nun auch eine gegen die Perspektive in Augsburg.

Khedira ist zwar ein guter, aber kein herausragender Kicker. Er gehört auch nicht zu den absoluten Führungsspielern im Kader. Khedira scheint ein netter und umgänglicher Mensch zu sein und ich wünsche ihm nur das Beste. Sein Wechsel ist trotzdem ok. Der FC Augsburg baut die Mannschaft nach dem kleinen Umbruch im letzten Sommer weiter um. Die Identifikation mit dem Augsburger Projekt wird bei den Personalentscheidungen wieder wichtiger. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf tut der Umbruch nicht mehr ganz so weh.

Profi-Fußball, ich verabscheue dich

Die Pandemie Corona stellt uns als Fußballfans vor besondere Herausforderungen. Zumindest ich hatte mich damit abgefunden, dass Spiele unter Ausschluss von Fans trotzdem stattfinden und der Ligabetrieb weiterläuft. Immerhin hatte die Liga früh ein Hygienekonzept vorgelegt und schien recht strikt im Umgang mit Corona. Die letzten Wochen haben mir allerdings den Zahn gezogen. Ich kann mir diesen Scheiß nicht mehr antun. Zu viele Vorfälle sind rund um den kommerziellen Fußball passiert, die bei mir dazu geführt haben, dass ich dem Ganzen kaum mehr Freude mehr abgewinnen kann. Ich habe abgeschaltet. Und zuletzt auch beim FCA nicht mehr so oft eingeschaltet. Eine unvollständige Zusammenfassung:

Auf die Gesundheit der Spieler wird geschissen

Wo soll man anfangen? Juventus Turin hatte Álvaro Morata in der Champions League eingesetzt, obwohl er noch nicht wieder vollständig von einer Grippe genesen war. Das Resultat: Morata brach ohnmächtig nach dem Spiel zusammen. Ein unverantwortlicheres Handeln von Trainern und Ärztestab ist kaum vorstellbar. Und das ganz ohne Covid-19.

Von der Club WM in die Quarantäne. (Photo by Gaston Szermann/DeFodi Images via Getty Images)

Der Virus spielt aber doch auch im Alltag der Profifußballer eine prominente Rolle, so gerne das öffentlich ausgeblendet wird. Nachdem beim FC Augsburg der letzte Infektionsfall schon etwas länger her ist, ging es allerdings beim FC Bayern München ordentlich rund. Nachdem sich Leon Goretzka und Javi Martinez schon vor einer Weile infizierten, war bei der Club WM in Katar Thomas Müller an der Reihe. Kurz danach wurde Benjamin Pavard positiv getestet. Gerade mit den Virusmutationen, die sich mittlerweile im Umlauf befinden, werden weitere Ansteckungen noch realistischer. Anstatt ein Team in Gruppenquarantäne zu stecken, wird leichtfertig die Gesundheit inkl. langfristiger Folgen vieler weiterer Spieler und Beteiligter aufs Spiel gesetzt. Dies hat sich gerade auch wieder beim Länderspiel gegen Island gezeigt. Es gab einen positiven Test bei der Nationalmannschaft. Mehr als ein einzelner Kontakt ersten Grades war nicht ausfindig zu machen (und es versteht auch keiner warum das bei anderen Sportarten anders ist). Es ist fahrlässig.

Wenn da jemals Demut war

Und grundsätzlich war da von Seiten der Verantwortlichkeiten dann schon mal von Demut die Rede. Die Aussagen vieler Verantwortlichen hat dem Realitäts-Check nicht standgehalten. Klar, an der Speerspitze findet sich auch hier wieder der FC Bayern München. Es wäre ja auch mal positiv überraschend, wenn nicht jedes Klischee komplett erfüllt würde. Da wird eine Teilnahme an einer Club WM in Katar grundsätzlich und auch in diesen Zeiten schon nicht mehr hinterfragt. Anstatt dessen, wird dann von Hansi Flick die Bedeutung des eigenen Jobs überhöht. Mann, Du bist verdammt noch mal Fußballtrainer im Profibereich. Jede Krankenschwester trägt mehr Verantwortung als Du. Du kannst ja noch nicht mal dafür sorgen, dass sich nicht dein halbes Team mittlerweile an Corona angesteckt hat. Und ich hoffe, dass keiner dieser Spieler langfristig gesundheitliche Schäden davon trägt, für die Du dann mit verantwortlich bist.

Hansi Flick: von der Realität sichtlich entfernt (Photo by DANIEL ROLAND/POOL/AFP via Getty Images)

Aber auch die anderen Clubs lassen sich gerade im internationalen Zirkus einspannen. Da werden dann schon mal galant Heimspiele ins Ausland verlegt, damit sie überhaupt stattfinden können, so geschehen beim Leipziger Konstrukt und Borussia Mönchengladbach. Max Eberl hatte in der Zuschauer-Debatte noch Union Berlin zur Demut aufgerufen. Während der Einzelhandel weiter geschlossen bleibt, die Friseure nicht öffnen durften und wer weiß wie viele Gastronomen das Handtuch werfen mussten, wird dann halt Champions League in Budapest gespielt. The Show must go on. Wir sind an dem Punkt, wo ich bei all diesem weltfremden, abgehobenen Gedöns nur noch kotzen muss. Warum es dann in diesen Zeiten überhaupt Länderspiele braucht, sind die kritischeren Menschen müde geworden zu hinterfragen. Man kommt ja mit dem Hinterfragen auch nicht mehr hinterher.

Die fehlende Vorbildfunktion

Derweil stehen die Teams in der Öffentlichkeit und das Handeln von Spielern und Verantwortlichen hat automatisch Strahlkraft. Die Politik hat es bis jetzt schon nicht hinbekommen, Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen, dass Jobs, die definitiv im Home Office ausgeführt werden können, auch wirklich von dort erledigt werden. Egal, ob das Büro dann leer aussieht oder der Chef auch wirklich darauf vertraut, dass zu Hause gearbeitet wird.

Die Party endete nicht auf dem Platz. Ein Bewusstsein für die allgemeine Lage war anscheinend nicht vorhanden. (Photo by LEON KUEGELER/POOL/AFP via Getty Images)

Da führt das Verhalten der Fußballer zwangsläufig dazu, dass ich mir zu Hause denke: “Wenn die sich nicht einschränken, warum sollte ich denn”. Viel größer könnte man den Graben zwischen dem Fan zu Hause und dem Geschehen rund um die Stadien der Republik nicht mehr ziehen. Oder man scheißt zusammen auf alle Regeln und feiert ohne Rücksicht auf irgendeine Regel zusammen einen Derby-Sieg. Wie viel Ignoranz gegenüber der Gesamtsituation kann man denn haben? Kritisch kann man anmerken, dass auch Feierfotos beim FCA hier nicht positiv herausstechen. Wie vieles in der Außensicht wirkt, ist den Beteiligten dabei oftmals wohl nicht mehr bewusst. Sonst gäbe es nicht auch zur letzten “Human Rights”-Aktion noch ein Filmchen.

Die prekären Arbeitsverhältnisse der Jugendtrainer

Dabei ist der Fußball schon lange eine Industrie, die die Hoffnungen und die Begeisterung der Beteiligten für die schönste Sache der Welt schamlos ausnutzt. Ronald Reng hat mit “Mroskos Talente” ein Buch geschrieben, in dem das vor allem für den Scoutingbereich transparent wird. Ähnliches hat nun WDR im Format Sport inside für die Jugendtrainer aufgedeckt. Die Jugendtrainer selbst in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesliga sind dabei oft als Mini Jobber angestellt. Geltendes Arbeitsrecht wird teilweise nicht eingehalten. Leider ist auch der FCA hier keine Ausnahme. Während man den Mitgliedern ans Herz legt über eine Vereinsmitgliedschaft in die Jugend zu investieren, ist die Bezahlung der Jugendtrainer auch in Augsburg unterirdisch. Johannes Graf hat in der Augsburger Allgemeinen aufgezeigt, dass 120 Stunden Arbeit in manchen Fällen nur 600 Euro Gehalt gegenüberstanden. Das ist schlicht nicht okay.

Die Sippenhaft

Jetzt könnte man ja mit dem Fingerpointing anfangen. Es sind ja immer nur die anderen. Klar abgegrenzt wird sich aber auch nicht. Und so gibt es zwar immer noch die positiven Momente rund um den Fußball, wenn sich z.B. eine große Zahl von Fußballprofis angestoßen durch die 11 Freunde öffentlich gegen Homophobie positioniert oder Eintracht Profis an die Opfer in Hanau erinnern. Die große Ausnahme, durch die klar werden würde, dass das System nicht vollkommen zerbrochen ist, sehe ich in meiner momentanen Stimmung allerdings nicht. Denn wenn die Verbände oder großen Vereine voran gehen, dann läuft der Rest wie die Lemminge hinterher. Kurz – zu Beginn der Pandemie – hat der Fußball seine gesellschaftliche Sonderstellung verteidigen müssen. Fast ein Jahr später, hat er sie durch das Verhalten der allermeisten Verantwortlichen unter den Bus geworfen. Das Tüpfelchen auf dem i kommt in der kommenden Woche, wenn abseits der Öffentlichkeit die Champions League reformiert wird und die Unterschiede, zwischen groß und klein noch größer werden. Wenn Max-Jacob Ost auf Twitter nicht darauf hingewiesen hätte, wäre es auch mir nicht aufgefallen. Teilnehmen an der Abstimmung darf mit Rainer Koch für Deutschland ein alter Bekannter.

Ich habe den Fußball und seine Rolle lange verteidigt. Zu viel Gutes könnte er anstoßen. Zu sehr hat er auch mich in der Vergangenheit mit anderen Menschen zusammengebracht. Zu viele tolle Erlebnisse beschert. So, wie das im Moment läuft, verfolge ich momentan lieber esports. Dort wird die Gesundheit der Aktiven nicht fahrlässig aufs Spiel gesetzt und die Spieler sind Leute wie Du und ich, für die nicht jeden Tag eine neue Sonderregel gefunden werden muss. Am Ende wird es wohl grundsätzlich weniger Fußball. Denn mit den Menschen, die ich über den Fußball kennen gelernt habe, kann ich mich auch gut über Bücher unterhalten oder, wenn Corona es wieder erlaubt, ein Eis essen gehen. Und aus der Distanz, vielleicht im Radio, ein Spiel verfolgen. Der Weg zurück wird immer weiter.

Von Grindavik in die Fuggerstadt

Grindavík ist eine Stadt in West-Island mit ca. 2.500 Einwohnern. In Island geht das nach Aussage von Alfreð Finnbogason schon als Großstadt durch. In der Woche vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, in dem Alfreð immer noch auf Grund einer Wadenverletzung fehlte, unterhielt er sich mit mir über seine Heimat und einige der Dinge, die er in seiner langen Profikarriere gelernt hat. Einem, dem in Königsbrunn mit seinen 30.000 Einwohnern schon die Decke auf den Kopf fiel, begreiflich zu machen, wie es ist aus Island zu kommen und dort zu leben, ist dabei als Aufgabe an sich nicht zu unterschätzen. Wenn man allerdings wie ich, vieles in seinem Leben an der Qualität seiner zwischenmenschlichen Beziehung fest macht, dann ist Island sicher eine Reise wert, wenn alle Menschen dort so freundlich und offen sind wie Alfreð selbst.

Zusammen durch Island

Wenn wir in Island einen Tag zusammen verbringen würden, dann ginge es vom Flughafen zur Blue Lagoon. “Das sind ja nur 10 Minuten vom Flughafen. Von dort würden wir weiter fahren zur Hallgrímskirkja mitten in Reykjavik. Da hat man einen tollen Blick. Das ist auch ein Klassiker. Und von da aus dann auf die Hauptstraße in Island und erst einmal kurz zum Hafen. Wenn man dann noch Zeit hat, dann ginge es zum Geysir, wo das Wasser in einer Fontäne aus dem Boden aufsteigt. Das kann man an einem Tag schaffen und es wäre ein guter Tag.”

Mit dem Fahrrad ein zu umfangreiches Programm für Alfred und mich, wenn wir gemeinsam durch Island touren. Auch beim Wetter ist nicht zu viel Zuversicht angesagt. Aber Spaß hätten wir gemeinsam einigen. (Foto via Imago)

Alfreðs Familie besitzt ein Unternehmen, das im Fischfang und der Fischverarbeitung tätig ist. “Die meisten Menschen wohnen an der Küste. Die Fischindustrie ist wohl immer noch die Hauptindustrie in Island.” erläutert Alfreð in unserem Gespräch. Fisch isst er selbst immer noch am Liebsten. Wenn er die Wahl hat, dann vor allem isländischen Hummer. “Da muss man Glück haben, das man mal einen bekommt. Die Lieferkette von Fisch nach Süddeutschland ist eher länger. Guter Fisch ist teurer und schwerer zu bekommen”. So wie ich als Kind durch den Hühnerstahl meiner Urgroßeltern gestapft bin, ist Alfreð mit Fisch aufgewachsen.

Bolzplatz Held

Essen würden wir gemeinsam sicher hervorragend. “Im Urlaub esse ich fast täglich Fisch, weil er sehr sehr gut und frisch ist. So bin ich auch aufgewachsen.” Und übernachten würden in Grindavik” scherzt Alfreð selbst während des Interviews “um am nächsten Tag noch mehr Zeit zu haben.” Neben dem Salzfischmuseum könnten wir dann vielleicht auch bei Alfreðs Home Turf vorbei schauen. “Da müssten wir zu der Schule, auf die ich im Alter zwischen 11 und 16 Jahren gegangen bin. Ein Hartplatz. Kleine Tore. Dort habe ich die meiste Zeit verbracht. Und immer wenn ich zu Hause Langeweile hatte, bin ich 5 Minuten dort hin gegangen und habe dort alleine oder mit Freunden gespielt. Gute Zeiten! So einen Platz muss man haben, um die Basis zu lernen und zu spielen”.

Kulturell ist Island sowohl geprägt von europäischen als auch amerikanischen Einflüssen. Björk macht für Alfreð eher Musik für ältere Menschen. Das Wikinger Klischee ist daneben wahrscheinlich genau so ausgelutscht, wie jeder Verweis, den man als Deutscher aufs Oktoberfest im Ausland erleiden muss. Alfreð ist bekennender Oasis Fan. Seine Jugend verbrachte er weniger in der Natur als auf dem Bolzplatz. Fünf gegen fünf. Immer wieder und aus Spaß an der Sache. Die Natur hat er erst später zu schätzen gelernt, seit er Urlaub in Island macht. “Was ich am besten finde, sind die warmen Quellen. Dorthin muss man teilweise eine Stunde wandern. Aber dort bin ich gerne und es ist sehr entspannt.” Björk und das Wetter vermisst er immer noch nicht. Seine Träume sind andere: “Es ist immer noch meine große Hoffnung, dass Oasis wieder zusammen kommt und ein Konzert spielt, bei dem ich dabei sein kann.”

Die Grundlagen gelernt auf dem Bolzplatz seiner Schule. Die Muskeln entspannt in einer heißen Quelle. (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Aus Rückschlägen gelernt

Aus Island wegzugehen war dabei nicht immer leicht. Erste Erfahrungen hat Alfreð in diesem Zusammenhang gemacht, als er noch während der Schulzeit für sieben Monate zu einer Gastfamilie nach Sardinien zog. “Die Sprache nicht zu können, ist anstrengend. Immer im Kopf übersetzen zu müssen. Es dauert immer eine gewisse Zeit bis man die Sprache lernt. Wenn ich isländisch spreche mit meiner Familie und meinen Freunden, dann muss ich gar nicht nachdenken. Wenn man eine fremde Sprache spricht, dann muss man immer nachdenken. Es kostet viel Energie. Und die ersten paar Monate in einem neuen Land, spürt man die Müdigkeit, weil man immer nachdenken muss. Das ist der größte Teil.” Daneben kennt man sich in Island, wie in einem kleinen Dorf, und es ist sehr sicher. Die Polizei trägt keine Pistolen. In Italien gab es in der Klasse genau einen Schüler mit dem er sich auf englisch verständigen konnte. “Ich konnte auch viel besser englisch als der italienische Englischlehrer. Das war ganz witzig.” Daneben war Sardinien eine wunderschöne Insel mit den schönsten Stränden in Europa. Alfreð hat dann eben viel Zeit investiert, um selbst italienisch zu lernen und den Anschluss zu finden. Sonst hätte ihn am Wochenende vielleicht niemand mit zum Strand genommen.

Auch der Durchbruch im Profifußball war kein einfacher. Auf seiner ersten Profistation in Lokeren war der Beginn famos, bevor es dann schnell schwierig wurde. “Ich dachte, dass ich sehr gut vorbereitet wäre. Aber es gibt wenig, was dich darauf vorbereitet, in einem anderen Land alleine zu sein ohne Freunde und Familie, wenn es fußballerisch nicht läuft. Ich war jung und ehrgeizig und wusste nicht, was richtig und falsch ist. Ich hätte mir mehr Unterstützung gewünscht, aber das war sehr lehrreich. Das war meine schwierigste Zeit als Profi. Ich kam und in den ersten 4-5 Spielen ging es richtig gut und zwei Monate später war ich nicht mehr im Kader. Es ging sehr schnell in beide Richtungen. Wenn es läuft muss man bodenständig bleiben und ruhig, weil es kann zum Beispiel mit Verletzungen und neuen Trainern so schnell in eine andere Richtung gehen.” Eine der wichtigsten persönlichen Lernerfahrungen von Alfreð, war es in den vielen Jahren mit Rückschlägen umzugehen zu lernen. In Schweden und auch in den Niederlanden konnte er dann wieder mit seiner Treffsicherheit glänzen.

Glück muss man sich erarbeiten

Nach mittlerweile über 10 Jahren, die er außerhalb von Island Fußball spielt, ist Alfreð die Rolle von Glück bewusst. Es wird ihm im Fußball zu schnell geurteilt, ob jemand gute oder schlechte Arbeit leistet. “Menschen gehen unterschiedlich damit um, wenn es nicht läuft. Ausschlagend ist doch, wie du mit diesen schlechten Phasen umgehst. Wie du da weiter arbeitest. Im Fußball wird oft auf das Ergebnis geschaut und es wird vergessen, was dahinter steckt. Wenn du erfolgreich bist, dann ist es egal wie. Wer Erfolg hat, hat Recht. Und das ist für mich nicht immer richtig. Es gibt für mich schon eine richtige Art die Dinge zu machen. Professionell und mit Respekt”. Derweil gilt aber auch: kein Erfolg ohne harte Arbeit. “Klar, wenn es läuft, dann läuft es. Aber ich glaube nicht zu viel an Glück. Glück muss man sich auch erarbeiten. Aber Kleinigkeiten entscheiden oft, ob man nach einem Spiel der Held oder der Depp ist. Nur mit der Hoffnung auf Glück wird man nicht erfolgreich.” Das er an sich arbeitet und immer lernen will, erkennt man auch daran, dass er ein abgeschlossenes Sportmanagement Studium hat. Und wir das Interview in fließendem Deutsch führen können.

Bescheiden bleiben und hart arbeiten. Dann kommt das Abschlussglück zurück. Alfred hat gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen. (Foto via Imago)

Seit mittlerweile über 5 Jahren ist Alfreð nun in Augsburg und hat ein Faible für unsere grünen Trikots. “Ich habe mich immer gut in grün gefühlt” gibt der Profi eine gewisse emotionale Verbundenheit zu. Das Grün unserer aktuellen Auswärtstrikots entspricht genau dem Grünton im Wappen von Breiðablik Kópavogur, der ersten fußballerischen Station Alfreðs im Erwachsenenbereich. Die weiteren Vereinsfarben von Breiðablik Kópavogur sind übrigens – welch Zufall – rot und weiß. Die beiden Bedeutungen des Spitznamens Blikar, den die Mannschaft von Breiðablik Kópavogur laut Wikipedia trägt, waren Alfreð dagegen nicht bekannt. Die eine ist “die Glorreichen”, die andere “die Enten”. Wer darin im Moment nicht die Mannschaft des FC Augsburg wiedererkennt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Vorbild und Führungsspieler

Am Ende des Gesprächs habe ich nicht nur Island besser kennen gelernt. Ich glaube auch, einen soliden Eindruck von Alfreð Finnbogason selbst erhascht zu haben. Als Rekordtorschütze unseres verehrten Clubs in der Bundesliga (35 Tore bis dato) strahlt er ein natürliches Selbstbewusstsein in seine Fähigkeiten aus. Er weiß, wie er mit schweren Phasen umzugehen hat und dass er sich über harte Arbeit das Glück zurückerobern kann. Und bleibt dabei immer bescheiden.

Ihr erahnt es vielleicht: Alfred Finnbogason ist ein Typ, den ich auch persönlich gerne mag. Er ist halt einfach ein dufter Kerl. (Foto via Imago)

Die Zeit für das Interview ist verflogen. So viele Fragen verbleiben auf meinem Zettel. Was hat es mit dem isländischen “ð” auf sich? Über seine Zeit in Schweden, wo auch ich ein Jahr verbrachte, konnten wir gar nicht sprechen. Gibt es Ähnlichkeiten in der Kultur, die es ihm dort leichter gemacht haben, durchzustarten? Wo sollte man in San Sebastian essen gehen? In welchem Umfeld fühlt er sich grundsätzlich am wohlsten und was wird er irgendwann aus Augsburg mitnehmen? Aber wer wird von Abschied sprechen wollen. Ein Mensch wie Alfreð Finnbogason ist eine Bereicherung für jedes Team. Wenn wir von Gerüstspielern sprechen, dann ist er jemand, bei dem sich junge Profis viel abschauen können. Hoffentlich noch lange. Ich werde in Zukunft noch genauer hinschauen, gerade wenn wir wieder mal in grün antreten.

More Risk, more Fun

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Gibt es etwas besseres, als ins Wochenende zu starten und der FCA hat schon gewonnen? Wohl kaum. Lange sah es in der Begegnung gegen Borussia Mönchengladbach nicht danach aus als könnten wir irgendetwas mitnehmen. Die Partie gegen Hertha BSC ging in der Vorwoche schon sang- und klanglos verloren. Genau wie schon in der Vorrunde. Und auch wenn es diesmal vom Ergebnis nicht ähnlich deutlich war, so könnte man auf kaum frustrierende Art und Weise verlieren. Als Fan des FC Augsburg wird man mit Blick auf die spielerische Entwicklung gerade auf eine arge Geduldsprobe gestellt. Aber gerade gegen Gladbach hat man gut gesehen, wie es sich auszahlen kann, mal etwas mehr Risiko einzugehen (solange der Gegner seine Chancen nicht nutzt).

No Risk, no Fun. (Foto: Andreas Gora via Imago)

Bei aller Bescheidenheit

Das Engelchen auf der einen Schulter will mich beruhigen. Es flüstert: “die Punkteausbeute ist doch ok” oder “aus den letzten 4 Partien haben wir 7 Punkte geholt und nur eine Partie verloren” oder “wirtschaftlich können wir noch immer keine Bäume ausreißen” oder “als Fan darf man nicht immer sportliche Höchstleistungen erwarten”. Das Teufelchen auf der anderen Schulter übernimmt trotzdem das Kommando. Ja, wir stehen nicht am Abgrund, aber der Abstand zu den Abstiegsrängen ist trügerisch. Gegen Mainz haben wir uns glücklich zu einem 1:0 Sieg gewurschtelt. Insgesamt haben wir durch individuelle Fehler der Gegner sowieso gerade mehr Glück als Verstand. Stindl verschoss für Gladbach einen der vielen Elfmeter, die wir gerade verursachen. Das gleicht nicht die sportliche Mutlosigkeit aus, die wir insgesamt seit Wochen und Monaten fast immer ausstrahlen.

Keine Wechsel in der Aufstellung?

Vor einer Woche gegen Hertha hat es mir schon gereicht, als ich die Aufstellung gesehen habe. Keine Wechsel? Keinen einzigen? Gegen Hertha dachte Heiko Herrlich also, dass die gleiche 11 die besten Siegchancen hat wie gegen Mainz 05. Keine Anpassung auf Grund des taktischen Konzepts und der Spielweise des Gegners? Ich habe vor kurzem einen längeren Vortrag von Thomas Tuchel gesehen, in dem er erklärte, wie er als Trainer von Mainz 05 immer erschrak, weil er so viele Wechsel in seiner Startelf vornahm, obwohl die Mannschaft in der Vorwoche gewonnen hatte. “Never change a winning team” kann der FC Bayern abziehen. Wir müssen uns auf den Gegner einstellen und unsere Mannschaft anpassen. Oder einfach denken, dass wir erneut die 11 auf den Platz stellen, die den Bus am geschicktesten vor dem Tor parken kann. Gegen Gladbach musste Heiko Herrlich teilweise notgedrungen wechseln. Aber auch Marco Richter bekam mal wieder eine Chance von Anfang an. Geht doch möchte man im Nachhinein laut schreien.

Ein Wechsel in der Startaufstellung der sich auszahlte: Marco Richter bejubelt seinen Führungstreffer (Foto: Bernd Feil/M.i.S./Pool via Imago)

Der Game Plan: Der Bus parkt

Dazu haben wir genau einen “Game Plan”. Auch unter Heiko Herrlich wollen wir uns hinten rein stellen und dann im Ballbesitz über lange Bälle umschalten. Wer erkennt den Unterschied zur Zeit unter Martin Schmidt? Musste Schmidt gehen, weil sich unser Spiel nicht weiterentwickelt hat? Oh…

In der Partie gegen Hertha und auch in der ersten Hälfte gegen Gladbach konnte man zudem gut erkennen, wie das dazu führt, dass man von einem Gegner komplett eingeschnürt und erdrückt wird. Hertha hatte ein deutliches Chancenplus und hätte die Partie auch deutlicher gewinnen können. Gladbach hatte auch ein großes Chancenplus, konnte aber schlicht zu wenig aus den Gelegenheiten machen. Giki und dem Glück sei dank (Auf Twitter kam die Frage auf, ob Giki der Transfer der Saison wäre – in der gesamten Bundesliga. Was wären wir momentan ohne diesen Keeper?) Das Zuschauen hat erneut mal wieder zu großen Teilen keinen Spaß gemacht. Der Tickerer von OneFootball hatte es nach 18 Minuten gegen Gladbach so ausgedrückt: “Augsburg setzt überhaupt keinen Stich. Zu langsam, zu spät, zu zahm. Das kann nicht Sinn der Sache sein.”

Wo war Ruben Vargas in den letzten Partien? Nur Heiko Herrlich weiß es. (Foto: Bernd Feil/M.i.S./Pool via Imago)

Ein Jahr Herrlich und kein Mut

Und so lässt sich nach einem Jahr mit Heiko Herrlich als Trainer feststellen, dass dieser Trainer auf der Risiko-Skala den absoluten Gegenpol zu Julian Nagelsmann darstellt. In Situationen in denen Nagelsmann – der Trainer in der Bundesliga mit dem größten Hang zum Risiko – das Risiko wählt, entscheidet sich Heiko Herrlich dazu, lieber nochmal auf Nummer sicher zu gehen. Nagelsmann hatte selbst auf einem Trainerkongress erklärt, wie er seine Aufstellung wählt. Gegen Gegner, die er als gleichwertig und schlechter einschätzt, wählt er die offensivere Aufstellungsvariante. Heiko Herrlichs Ansicht dazu ließ sich gegen Mainz 05 und Hertha BSC gut beobachten. Vargas, Richter, Gregortisch und Bazee hätten sich den Weg schon fast sparen können. Gegen Gladbach war es nun keine offensive Offenbarung Niederlechner auf die Bank zu setzen und Richter spielen zu lassen. Zumindest sah es in der ersten Halbzeit schon wieder nach Debakel aus.

Das Glück ist mit den Mutigen

Gerade gegen Hertha, mit den besten Voraussetzungen nach dem frühen Tor, hätte der FCA sich mehr zutrauen müssen. Sich nicht nur passiv hingeben sollen. Und es war nun bei weitem nicht das erste Mal. Wo um Himmels Willen ist hier eine sportliche Entwicklung unter Heiko Herrlich zu erkennen? Und wie will er es langfristig in Augsburg schaffen, ohne jemals bewusst ein Risiko eingehen zu wollen? Gegen Gladbach kam in der zweiten Halbzeit vielleicht so etwas wie eine erste Antwort. Vargas für Bénes war ein Anfang und Vargas sorgte per Kopf auch für die Führung. In den nächsten Partien ist die Zeit gekommen, Änderungen direkt von Anfang an vorzunehmen und mehr Mut an den Tag zu legen. Oder sich weiter der Hilflosigkeit zu ergeben. Es darf sich dann aber keiner beschweren, es hätte keine Warnungen gegeben. Die Partie gegen Gladbach sollte zeigen, wie weit uns ein bisschen Mut diese Saison noch tragen kann. Wenn man keine Alpträume auf Grund der Gelegenheiten der Gladbacher bekommt.

Nicht besser?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Angsthasenfußball mag mancher beim FCA gerade erkennen. Eine taktische Ausrichtung, die den Event-dürstigen Zuschauern auf den Sofas in der Region Bayrisch-Schwaben so gar nicht gefällt. Wir müssten doch etwas mutiger agieren. Derweil der Auftritt gegen den BVB ja nicht hoffnungslos war. Und auch gegen Wolfsburg gute Kombinationen sich eingeschlichen haben. Gegen Dortmund ging die Mannschaft von Heiko Herrlich durch ein Tor von André Hahn sogar in Führung. Der Ausgleich nach Standard, der Führungstreffer durch Eigentor. Ja, Dortmund als auch Wolfsburg haben verdient gewonnen, aber der FCA hat es den beiden Branchenriesen doch manchmal schwer gemacht. Es waren keine dieser Tage, die einen als Fan komplett desillusioniert zurücklassen.

Die negativen Stimmen im Umfeld des FCA mehren sich derweil obgleich der etwas schleppenden sportlichen Entwicklung. Schon früher haben wir einen Blick darauf geworfen, wie Heiko Herrlich Fußball spielen will und ob aus meiner Sicht am Trainer gezweifelt werden sollte. In der Zwischenzeit habe ich nun eine These im Internet vernommen, der ich gerne auf den Grund gehen möchte. Diese lautet: “Herrlich macht die Spieler nicht besser”. Die Sorge dabei gilt dann wohl den akuten sportlichen Ergebnissen als auch den zukünftigen Transfererlösen. Der FCA ist darauf angewiesen Spieler auch wieder zu einem höheren Preis zu verkaufen, um die weitere sportliche Entwicklung zu finanzieren. Wenn dem so wäre, dass unter Heiko Herrlich Spieler sich nicht fortentwickeln würden, dann hätten wir somit ein echtes Problem.

Heiko Herrlich hat auch Entwicklungen angestoßen, die ein Lächeln erlauben (Foto: Alex Gottschalk/POOL via Imago)

Kurz habe ich mir überlegt, diese Behauptung zu ignorieren und nur in meinem Kopf laut “Bullshit” zu rufen. Nachfolgend möchte ich die These an Hand einiger Beispiele trotzdem widerlegen. Ich glaube, dass dies wichtig ist, um Heiko Herrlichs Arbeit momentan richtig beurteilen zu können. Und bevor wir auf die Spieler eingehen, die meiner Ansicht nach unter Heiko Herrlich einen deutlichen Sprung gemacht haben, räumen wir vielleicht die Gegenbeispiele aus dem Weg. Daniel Caligiuri und Rafal Gikiewicz kamen schon mit einer enormen Qualität. Offensichtlich besser sind sie nicht geworden. Auch Florian Niederlechner und Alfred Finnbogason haben genau wie Michael Gregoritsch nicht offensichtlich noch an Qualität zugelegt. Bei Gregerl wäre eine Rückkehr zu alter Stärke wünschenswert gewesen. Bei den anderen genannten Spielern ist zumindest aus Sicht der Transfererlöse keine große Steigerung mehr zu erwarten gewesen. Und ja auch ein Rani Khedira oder Jeffrey Gouweleeuw haben eher abgebaut als zugelegt. Es kann aber halt auch nicht bei allen immer nach oben gehen.

Aber schauen wir doch mal auf die Gewinner im Team des FCA, die unter Heiko Herrlich so richtig aufblühen. An erster Stelle steht hier für mich Felix Uduokhai. Uduokhai kam in der gesamten abgelaufenen Saison auf knapp 2000 Einsatzminuten. So viele hat der diesmal schon nach 2/3 der Saison gesammelt. Uduokhai ist der Durchbruch gelungen. Er ist nicht nur mittlerweile absoluter Bundesliga-Stammspieler sondern Leistungsträger. Nicht umsonst durfte er die Augsburger Elf in Jeffs Abwesenheit als Kapitän aufs Feld führen. Und wurde für die Nationalmannschaft nominiert. Es will mir ja wohl hoffentlich keiner Erzählen, dass Heiko Herrlich hieran keinen Anteil hatte.

Felix Uduokhai hat eine eindrucksvolle Entwicklung genommen (Foto via Imago)

Vielleicht bleiben wir dann auch mal kurz bei der Abwehrreihe des FCA. Hier hatte Heiko Herrlich bis zum Wolfsburg-Spiel auf eine 3er Kette umgestellt. Ich mochte diese Systemumstellung prinzipiell. Sie hatte aber auch einen Spieler in die Startelf gespült, den ich dort vor der Saison nicht vermutet hätte. Die Rede ist von Reece Oxford, dessen Zeit in Augsburg mit dem ein oder anderen Lapsus in der Verteidigung startete. Die Unsicherheiten hat Reece wohl mittlerweile abgelegt und sich seinen Platz redlich verdient. Er wirkt wie ein erfahrener Bundesliga-Recke der mit seiner Athletik viele Duelle für sich entscheiden kann. Ich war von diesem Transfer nicht überzeugt, aber Reece zeigt es seinen Zweiflern gerade. Natürlich mit der Hilfe von Heiko Herrlich.

Dazu gibt es zwei Stammspieler in diesem Jahr, die den Sprung mit Bravour gemeistert haben. Nach den Abgängen von Philipp Max und Daniel Baier stellte sich die Frage wer auf der 6er-Position und links hinten in die Bresche springen würde. Sowohl Iago als auch Carlos Gruezo hatten ihre Bundesligatauglichkeit noch nicht dauerhaft unter Beweis gestellt. Hier sind wir nach einer halben Saison deutlich schlauer. Beide machen ihre Sache ordentlich und haben im Vergleich zur letzten Saison einen Sprung gemacht. Beide mag man sich aus der Stammelf momentan nicht wegdenken. Natürlich hat auch hier Heiko Herrlich sein Händchen wieder im Spiel.

TIm Civeja, hier im im Zweikampf mit Jude Bellingham, sorgt momentan für Augsburger Träume hinsichtlich des nächsten Nachwuchs-Juwels (Foto David Inderlied/Kirchner-Media/pool via Imago)

Kommen wir zu einem letzten Spieler, den ich an dieser Stelle herausheben will. FCA-Eigengewächs Tim Civeja wird gerade ja doch ein bisschen gehypt. Nachdem er in der Hinrunde länger verletzt war, feierte er mittlerweile sein Bundesliga-Debüt und durfte nun gegen Dortmund und Wolfsburg auch mal ein paar Minuten länger ran. Civeja steht damit in einer Reihe mit Raphael Framberger, Kevin Danso, Simon Asta und Marco Richter. Es wird sich zeigen, ob er langfristig das Zeug zum Bundesliga-Profi in Augsburg hat. Dass er nun aber überhaupt debütieren durfte und langsam an die Bundesliga herangeführt wird, liegt – mal wieder – an Heiko Herrlich.

Und da mag ich doch abschließend in die Runde fragen: Wer glaubt immer noch, dass Heiko Herrlich keinen Spieler besser gemacht hat? Es scheint im Gegenteil so zu sein, dass Herrlich ein recht gutes Händchen gerade für die jüngeren Spieler hat, was perspektivisch für den FCA wichtig ist. Neben den alten Recken sind es eben dann doch recht viele junge Talente, die beim FCA gerade ran dürfen. Diese Hoffnung auf die Jugend dürfte auch gerne mehr Euphorie auslösen. Dafür wird dem ein oder anderen Jungspund manchmal die Konstanz fehlen und Herrlich hoffentlich geschickt rotieren. Wenn wir allerdings mit diesem Team die Klasse halten und weiter darauf aufbauen können, dann wird mir auf Grund der Entwicklungsperspektiven nicht Bange. Und das sage ich als alter Herrlich-Kritiker. Ich glaube doch, Herrlich und Reuter sind hier gerade an etwas dran. Und übe mich selbst in Geduld. (Und glaubt mir, es fällt auch mir nicht leicht.)

Der coolste Club des Landes

Dies ist der zweite Teil einer dreiteiligen Beitragsreihe, über die Entwicklung des FCA abseits des Platzes und die Wünsche und Visionen, die der Autor hiermit aus persönlicher Sicht verbindet. Im ersten Teil wurde gezeigt, wie die Kurve den Verein in 2020 überflügelte.

Viel ist in 2020 passiert. Auch einiges, was mir persönlich nicht gefallen hat. Schwamm drüber. Wenn ich an den FC Augsburg denke, dann träume ich. Sehe so viele Möglichkeiten. Auch in 2021. Und würde gerne meinen größten Traum an dieser Stelle mit euch teilen.

Dieser Traum hat ein paar Basiskomponenten. Stefan Reuter arbeitet weiter ordentlich am Kader und mit Heiko Herrlich haben wir einen Trainer, der zumindest die Klasse hält. Wirtschaftlich macht Michael Ströll weiter seine Hausaufgaben und wir übernehmen uns nicht. Soweit so gut, so langweilig. Bis dahin könnten wir die grauste Maus der Liga sein.

Wo geht es in 2021 strukturell hin? Wir haben ein paar Ideen. (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Dennoch sehe ich für unseren FCA das Potential sich in 2021 zum coolsten Club der Liga aufzuschwingen. Das wird an ein paar Stellen Mut erfordern. Ist aber möglich, weil die Konkurrenz sich nun nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegensatz zum Kampf um die deutsche Meisterschaft, besteht eine realistische Chance, dass der FCA sich riesige Sympathien in ganz Deutschland erarbeitet. Wolfsburg und Leverkusen werden als Werksmannschaften nie große Sympathien auf sich vereinigen. Auch vor Hoffenheim und Leipzig braucht man keine Angst zu haben. Die Bayern und auch der BVB sind sportlich in andere Sphären entschwebt und polarisieren zu stark. Bei diesen Clubs hätte man nun auch keine Konkurrenz für den FCA vermutet. Union Berlin war lange an der Spitze, bevor man sich beim Thema Zuschauer während der Corona-Krise viele Sympathien verspielte. Genau wie Union Berlin hat der SC Freiburg sich in die Mitte des Fußball-Establishments verabschiedet. DFB-Präsident Fritz Keller mit seinem Freiburger Hintergrund ist auch nur ein weiterer DFB-Funktionär. Sowohl Freiburg als auch Union haben die Verteilung der TV-Gelder nicht öffentlich in Frage gestellt. Derweil Mainz 05 kurz vor dem Jahreswechsel im Chaos versank (dabei natürlich aber noch nicht an Schalke 04 oder Hertha BSC heran reicht). Und auch beim VfB Stuttgart passiert viel abseits des Platzes.

Die Konkurrenz um den Titel coolster Verein ist damit gar nicht so groß. Es bleibt ein kleines Grüppchen Vereine übrig, die sich um diesen Titel der größten Mehrheitsfähigkeit balgen. Neben uns nehme ich die Frankfurter Eintracht und Borussia Mönchengladbach als Clubs wahr, die zumindest keine Abneigung in mir hervorrufen. Ein überschaubares Grüppchen, aus dem man sich abheben müsste. Aber wie könnte man das schaffen?

Investoren geben Anteile an Verein zurück

In Augsburg halten Investoren 99% der Kapitalgesellschaft. Der Verkauf von Anteilen ist eine übliche Praxis. Eine Rückführung von Anteilen bzw. ein Plan für die Rückführung von Anteilen von Investoren an einen e.V. wäre ein Novum. Ich kann mich an keine geplante Aktion in diesem Zusammenhang erinnern. Nun kann man sich fragen: Warum würden Investoren so etwas tun? Ich kann mir hier auch keine Ad-hoc “alles auf einmal”-Aktion vorstellen. Aber der Plan, sich öffentlich dazu zu bekennen, eine Rückführung von Anteilen für sinnvoll zu halten und diese schrittweise umsetzen zu wollen inkl. einem sanften Einstieg, würde dem FCA bundesweite Aufmerksamkeit bescheren. Und den Wert aller Anteile steigern. Wertsteigerung durch Eigentumsübertragung. Ein Win-Win oder ein strukturelles 6-Punkte-Spiel.

Fans ziehen in den Aufsichtsrat ein

Auch dies ist ein Thema, bei dem aus meiner Sicht niemand verlieren kann. Es geht mal wieder um den Aufsichtsrat der KGaA. Dort sind im Moment nur Investoren vertreten, obwohl der e.V. strukturell 50+1 durchsetzen müsste. Offensichtlich hätte die Verantwortlichen der KGaA Einfluss darauf, welche Vereinsvertreter sich am Ende im Aufsichtsrat wiederfinden würden. Wie viel Kontrollfunktion übernimmt das Gremium in der Realität wirklich? Sich hier von Investorenseite weiter zu verweigern, ist schlicht unsympathisch. Durch kleine Anpassungen könnte auch hier viel gewonnen werden.

FC Augsburg etabliert breites Bündnis “Augsburg hält zusammen”

Einige Vereine haben mittlerweile Corporate Social Responsibility Abteilungen. Werder Bremen ist hier weit vorne dabei. Wenn die Corona-Krise uns etwas gezeigt hat, dann das es breitere Bündnisse braucht. Unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg einzelner Beteiligter. Und anstatt nun ein große CSR-Abteilung aufzubauen, könnte der FCA sein Engagement in ein unabhängiges Bündnis z.B. in Stiftungsform einbringen. Unter diesem organisatorischen Dach könnten die Anstrengungen des Vereins, der Fans, die durch die UBT sehr viele Aktionen auf die Beine gestellt haben, verstetigt und unterstützt werden. Gerade die Aktionen des UBT sind aus meiner Sicht das Größte, was 2020 im Umfeld des FCA passiert ist. Werdet dort Mitglied, kauft T-Shirts, packt Päckchen oder spendet Geld. Hier ist so, so viel geleistet werden. Man stelle sich vor, es ginge einfach noch viel mehr.

Lass es uns anpacken, Michael Ströll (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Schlussendlich würde ich behaupten, dass die Fanszene des FC Augsburg schon riesiges leistet. Der FCA ist aufgefordert strukturell und nachhaltig nachzuziehen. Mehr Mitbestimmung zu ermöglichen und den Kommerz auch mal Kommerz sein zu lassen. Dieser Club könnte der coolste des Landes sein. Und es widerspricht sich nicht, dass dies auch wirtschaftlich für den FCA positiv wäre. Der FCA könnte mehr Fans und Sponsoren anziehen. In diesem Sinne: Augsburg hält hoffentlich noch mehr zusammen in 2021!

Die wunderbarsten Fans, die nicht ein jeder hat

Dies ist der erste Teil einer dreiteiligen Beitragsreihe, über die Entwicklung des FCA abseits des Platzes und die Wünsche und Visionen, die der Autor hiermit aus persönlicher Sicht verbindet.

Wenn man als FCA Fan schon seit der zweiten Liga dabei ist, dann hat man ein über die Jahre auch ein Gefühl für die Mit-Fans des FCA entwickelt. Viele Entwicklungen mussten lange von Vereinsseite offensiv vorangetrieben werden. Wobei Vereinsseite und Fanseite bis zum Aufstieg in die zweite Liga nicht so genau getrennt werden konnten. Ab 2006 war der FCA dann umso mehr darauf bedacht immer mehr Fans für sich zu gewinnen. Oft war in diesem Zusammenhang von der verlorenen Generation zu hören. Das waren diejenigen, die zwar Interesse an Fußball haben, aber auf Grund der Niedrigklassigkeit des FCA, dem FCB, BVB oder einem anderen Bundesligaclub in die Arme gelaufen und so für den FCA verloren gegangen waren.

Durch die Klassen bis in die Bundesliga

Und so schaffte der FCA den Aufstieg durch die Klassen. Regionalliga, Zweite Liga, neues Stadion, Bundesliga, Europa League. Ausverkaufte Spiele, Anfield auf dem Lechfeld, Weltklasse Choreographien. Dennoch hat der Verein meist das Bild nach außen geprägt. In Gladbach unter der Woche oder an einem Sonntag in Wolfsburg war der Auwärtsblock weiterhin trotzdem recht leer. Die Kurve teilte auch mal gegen eigene Spieler aus, wenn diese die falsche Vergangenheit hatten. Bei kritischen Themen blieb man manchmal auch sehr ruhig. Alles in allem, geschah wenig, was dafür sorgte, dass man sich viel vom Einerlei der Bundesligavereine und ihrer Fanszenen abhob. Außer, dass man schlichtweg weniger war und deswegen auch weniger auffiel. Verlorene Generation eben.

Deutliche Signale aus der Kurve kamen nicht immer, wenn ich sie mir erhofft hätte. (Foto: Christian Kolbert via Imago)

2020: Die Herausforderung

2020 war dann in diesem Zusammenhang doch eine Überraschung. Anstatt sich während der Corona-Zeit auszuruhen und etwas ruhiger zu machen, haben sich sowohl der Verein als auch die Augsburger Fanszene in Form des UBT e.V. rein geschmissen. Der FCA hat “Augsburg hält zusammen 2020” ausgerufen und ein Webportal aufgesetzt, auf dem unterschiedliche Aktionen gesammelt wurden. Der UBT e.V. hat eine Vielzahl an Aktionen gestartet und in Bewegung gehalten.

Und das Letzere ist das Besondere. Denn irgendwann war der erste Lockdown zu Ende. Die Bundesliga hatte ein ausreichendes Hygienekonzept vorgelegt und die Saison 2019/20 wurde fortgesetzt. Und damit endeten die Aktionen von Vereinsseite zwar nicht, aber sie ebbten doch merklich ab. Manchmal hatte man das Gefühl, dass von Vereinsseite nur noch das gemacht wurde, was von Sponsorenseite vorgebracht wurde. Ganz im Gegenteil zum Engagement des UBT e.V. Stetig und mit riesigem Einsatz, ohne über bezahlte Kräfte und riesige Ressourcen zu verfügen, wurde ein Aktion nach der nächsten gefahren. Es braucht ein 4minütiges Video, um alle Aktionen zusammenzufassen. Und ich bewundere sehr, was dort geleistet wurde. Mittlerweile kann man die Aktivitäten des UBT sogar über eine eigene App auf dem Smartphone verfolgen.

Die Fanszene im Vordergrund

Und so hat sich in 2020 ergeben, dass die aktive Fanszene anfing, den Verein selbst zu überstrahlen. Während der FCA vor leeren Rängen spielte, hielten die Fans den Kontakt zur Bevölkerung und unterstützen Unternehmen um Unternehmen. Hätte mir das jemand während eines Auswärtsspiels in einem halbleeren Auswärtsblock erzählt, ich hätte es nicht geglaubt. Oder vielleicht doch. Denn abseits der Meinung, die oft Klicks und Aufmerksamkeit bringt, ist die Mehrheit der Fußballfans kein Chaotenhaufen. Glauben gerade Ultras daran, dass das Erlebnis im Stadion Menschen zusammenbringt. Geht es um mehr als nur das, was auf dem Rasen passiert. Definiert sich Fußballfantum eben nicht nur über Krawall.

Der Weg des FCA wurde oft kritisiert. In 2020 übernahmen die Fans eindeutig die Führung. (Foto: Burghard Schreyer via Imag0)

Und so kommt es nun, dass vielleicht der ein oder andere sein Bild von organisierten Fußballfans überdenkt. Dass der FCA zwar ein Club geworden ist, der auch dem Kommerz hinterherläuft und den Fans nicht genügend Einfluss zugesteht. Dass sich aber in Augsburg eine Fanszene gebildet hat, die zwar selbst noch transparenter handeln könnte, derweil aber schon außerordentliches auf die Beine stellt. Es ist soweit gekommen, dass 2020 selbst bei mir das Jahr geworden ist, in dem ich nicht mehr eher die Mitgliedschaft beim FCA e.V. abgeben würde, als beim UBT e.V. Und damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Es braucht eine Perspektive für den FCA

Nun liegt es in der Zukunft an uns allen, den FCA e.V. wieder zu dem Verein zu machen, bei dem wir alle am liebsten Mitglied sind. Denn irgendwie ist es schon schade, dass sich der FCA an vielen Stellen gefühlt eher zurückhält und nicht mehr macht. Wenn es die Fans ehrenamtlich können, was sollte ein Club mit so vielen hauptamtlichen Mitarbeitern und Vernetzungspotential auf die Beine stellen können? Riesiges! Dass der FCA die Perspektive gewinnt, was er hier schaffen kann und es dann auch wirklich angeht, dafür sollten wir alle gemeinsam sorgen. Aber es hat nun ja auch niemand behauptet, dass 2021 oder irgendein anderes Jahr langweilig werden würde.

Mittendrin statt nur dabei


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Schon vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart war klar, dass die Tabellensituation für den FCA weiterhin recht komfortabel ist. 19 Punkte hatte die Mannschaft schon vor dem Spiel gesammelt und die Hinrunde ist noch nicht vorbei. Das Soll ist mehr als erfüllt, auch wenn die Niederlage gegen die Stuttgarter schmerzt. Gerade deswegen sind noch längst nicht alle Anhänger in Augsburg zufrieden. In der Offensive, im Spiel mit dem Ball, kann die Mannschaft sich zu wenige Möglichkeiten erspielen. Die Torausbeute ist mau. Und gegen den VfB hat sah man zudem gegen eine gute Offensive auch defensiv nicht immer sattelfest aus. Und mit einer gewissen Ironie mag man feststellen: es ist dann doch noch ein weiter Weg, bis wir in die Champions League einziehen.

Dabei will ich die Kritik an der Spielweise der Mannschaft gar nicht entkräften. Selbst Heiko Herrlich war in der Spieltagspressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart so kritisch wie selten. Es ist auch den Verantwortlichen klar, dass diese Mannschaft noch besser spielen können sollte. Jetzt kommt es darauf an, dieses Potential abzurufen. Was Heiko Herrlich dabei sehen will und welchen Fußball er sich von der Mannschaft auf dem Platz wünscht, ist ein Thema für ein anderes mal. Aber Zufriedenheit rein auf Basis der erzielten Ergebnisse gibt es seinerseits nicht.

Auch Heiko Herrlich ist nicht mit allem zufrieden, was seine Mannschaft so abliefert, auch wenn die Punktausbeute prinzipiell stimmt (Foto via Imago)

Allerdings habe ich mich in den letzten Wochen dann doch etwas gewundert. Denn obwohl noch Verbesserungspotential vorhanden ist, klingt es an manchen Stellen fast schon so, als ob unter Heiko Herrlich keine Verbesserungen zu erkennen wären. Nun könnte ich hier über Gegenpressing-Momente anfangen zu philosophieren, die deutlich zu erkennen sind, aber darum geht es mir nicht. Gegen den VfB war man in der zweiten Halbzeit dran und hatte beim Stande von 1:2 Möglichkeiten wieder ins Spiel zu kommen. Sich aus der Situation des 0:2 wieder ins Geschehen reinzuarbeiten ist eine Leistung für sich, auch wenn sie dieses Mal nicht von Erfolg gekrönt war.

Als Heiko Herrlich den FC Augsburg letztes Jahr übernommen hat, waren aus meiner Sicht die sportlichen Fähigkeiten der Mannschaft nicht das Hauptproblem. Was mich am allermeisten ärgerte, waren die unfassbaren Zusammenbrüche des Teams. Zum Saisonende gegen Wolfsburg, auswärts in Gladbach, man könnte diese Reihe noch etwas fortsetzen. Spiele zum Schämen. Unserer Farben nicht würdig. So schlimm war keine der Niederlagen in diesem Jahr. Auch nicht erfreulich, aber bei weitem nicht so erniedrigend.

Und vielleicht betrachten wir uns dann mal das Mannschaftsgerüst und die mentale Stabilität des Teams in dieser Saison. Klar haben wir auch Spiele verloren. Gegen Hertha sah es gar nicht gut aus. Aber keine dieser Leistungen kommt auch nur annähernd in den Bereich der Negativ-Leistungen noch aus der Vorsaison, die Martin Schmidt nie abgestellt bekam trotz aller Wanderungen durch die Schweizer Berge. Ganz im Gegensatz: In den engen Spielen, wenn es in die Endphase geht, dann würde ich im Moment blind auf unser Team wetten.

Gerade am Ende konnten wir dieses Jahr noch oft jubeln. Viel wahres steckt bis dato in “Unverhofft kommt oft”. (Foto: Bernd Feil/M.i.S/Pool via Imago)

Anstatt, dass uns am Ende der Spiele die Puste ausgeht und wir die Punkte verschenken wie in der Vergangenheit, können wir noch einen Gang zulegen. Wer mag deutliche Siege nicht? Aber mehr und mehr Partien in der Bundesliga sind eng und werden durch wenige individuelle Fehler oder Einzelleistungen entschieden. Das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben, für diese Momente sorgen zu können, wenn es darauf ankommt ist viel wert. Und Heiko Herrlich gebührt mein vollster Respekt dafür, dies mit der Mannschaft zusammen erarbeitet zu haben.

Und so sitze ich als FCA Fan in der Schlussphase nun öfters vor dem Bildschirm und habe Dominic Torreto aus der Filmserie “The Fast & the Furious” vor mir, wie er am Ende des Rennens im ersten Teil überholt und sinngemäß sagt: “nicht zu früh beschleunigen”. Dabei hat er diese süffisante Lächeln auf den Lippen, weil er weiß, wie gut er ist. Diese Siege gegen Köln und Bielefeld sind aus dieser Hinsicht einfach großartig. Big Points.

Dieses Selbstbewusstsein, dass Dominic Torreto, gespielt von Vin Diesel, in den “The Fast and the Furious” Filmen verkörpert, steht unserem Team sehr gut (Photo by Elsa/Getty Images)

Und mit dieser Entwicklung im Hintergrund fällt es mir einfach, Heiko Herrlich nun erstmal zu vertrauen. Ich, der Herrlich auch sehr offen für sein Verhalten am Anfang seiner Zeit beim FCA kritisiert hat. Ich sehe, dass es voran geht. Er redet die momentanen Leistungen nicht schön und hat an Kernpunkten, die Mannschaft in die richtige Richtung gelenkt. Es ist das erste Mal seit längerem, dass ich wieder an die sportliche Entwicklung glaube. Und ich bin immer noch ein Verfechter davon, Trainer langfristig arbeiten zu lassen. Schnelle Wunderentwicklungen sind so gut wie nie zu erwarten. Wer weiß, ob wir dieses Team noch wiedererkennen, wenn wir wieder ins Stadion dürfen. Heiko Herrlich ist zumindest in meinen Augen mittendrin mit dieser Mannschaft weiter an seiner Vorstellung von Fußball zu erarbeiten. Auf die so bekannten Einbrüche, warten wir hoffentlich weiterhin vergeblich.

Neues Jahr, neues Glück?

Weihnachten und der Jahreswechsel sind verflogen. In der Bundesliga geht es in dieser Corona-Saison schon wieder weiter. So recht angefreundet habe ich mich noch nicht damit. Aber was soll’s. Hier ein paar Infos zum heutigen Spiel.

Über #KOEFCA

Köln ist einer der Gegner, gegen den der FCA eine positive Bilanz vorweisen kann. Soweit so gut. Derweil ist der Saisonverlauf des Effzeh etwa umgedreht zu dem des FCA. Der Effzeh kam schwer in die Saison, während der FCA stark startete und später etwas abbaute. Der FCA konnte gegen die Eintracht kurz vor Weihnachten zwar spielerisch Akzente setzen, traf aber nicht ins Tor. Die Ladehemmung der Stürmer Finnbogason und Niederlechner hält nun schon die gesamte bisherige Hinrunde an und sorgte für detaillierte Wünsche zu Neujahr, genau wie das Offensivspiel an sich. Es würde nicht schaden, wenn einer der Stürmer gegen den Effzeh trüfe.

Time to Rise für Florian Niederlechner (Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Pool via Imago)

Über den Gegner

Irgendwie konnte es passieren, dass der Effzeh Köln in diesen Tagen nicht einer der größten Skandalclubs des Landes ist. Schalke 04 und Mainz 05 nehmen die Topränge der sportlichen Problemtabelle ein und Köln konnte sich durch ein paar gesammelte Pünktchen etwas aus dem Keller absetzen. Derweil das dicke Ende bei den Kölnern vielleicht noch ins Haus steht. Für die aktuelle Saison hatten die Kölner mit 4 Geisterspielen kalkuliert. Die weiteren Verluste führen nun dazu, dass der Effzeh Kredite aufnehmen muss. Graue Maus werden die Kölner mit ihrem unseriösen wirtschaftlichen Verhalten sicher nicht. Gerade bei einem Club wie Köln ist die mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung spannender als das kurzfristige sportliche Tun. Zumindest wenn der Effzeh nicht gegen den FCA spielt.

Einer der seriösen Planer des Effzeh: Horst Heldt. Da ist man direkt froh, dass in Augsburg wirtschaftlich nachhaltig Michael Ströll arbeitet. (Foto: BEAUTIFUL SPORTS/WUNDERL/POOL via Imago)

Was macht eigentlich Andrew Sinkala?

Andrew Sinkala spielte zwischen 2001 und 2006 83 mal für den Effzeh. Nach einigen gesundheitlichen Problemen während seiner Zeit in Paderborn kam er 2008 als Ergänzungsspieler nach Augsburg (unter keinem geringerem als Holger Fach). Bis 2012 absolvierte er 72 Partien für unseren FCA und erzielte 3 Tore. Sinkala hat sich damit für ewig in die Annalen des FCA eingetragen als Teil der Aufstiegsmannschaft 2011. Der FCA war dann auch Sinkalas letzte höherklassige Station als Spieler. Danach ging es zurück nach Köln, allerdings zu Viktoria. Anfang Mai 2020 gab der FC Hennef 05 bekannt, dass Sinkala neuer Co-Trainer von Marek Dabrowski bei der dortigen U19-Mannschaft wird.

Andrew Sinkala in der Bundesliga für den FCA im Einsatz. Lang ist’s her. (Foto: imago/Sven Simon)

Voraussichtliche Aufstellung

Torhüter Gikiewicz blieb in Augsburg und verbrachte Weihnachten ohne seine Familie. Gegen den Effzeh wird er wieder der gewohnt sichere Rückhalt des Teams sein. In der Innenverteidigung werden wieder Jeffrey Gouweleeuw und Felix Uduokhai das Rückgrat bilden. Links außen kommt Iago zum Einsatz während rechts Robert Gumny den verletzten Raphael Framberger (Muskelfaserriss) ersetzt. Bleibt zu hoffen, das zusätzliche Wehwehchen keinen Einsatz verhindern.

Daniel Caligiuri ist schnell der Dreh- und Angelpunkt des Augsburger Spiels geworden. Das bleibt er auch gegen Köln. (Foto:Christian Kolbert via Imago)

Im Mittelfeld hat Heiko Herrlich dann die Qual der Wahl. Ich hoffe auf ein Duo Gruezo/Khedira und auf Marco Richter auf der 10. Links sollte Ruben Vargas zum Einsatz kommen, während rechts Daniel Caligiuri zu Recht gesetzt ist. Im Sturm hat sich Florian Niederlechner verdient, dass wir weiter seine Durststrecke mit ihm durchleiden. Alfred Finnbogason “war bisher noch nicht Training”, wie Herrlich auf der PK erklärte. Der Isländer ist nicht mit in die Domstadt gereist. “Bei ihm müssen wir abwarten und geduldig sein, bis er wieder soweit ist.” André Hahn steht nach überstandener Corona-Infektion wieder zur Verfügung und könnte als Joker Akzente setzen. Insgesamt ist die Devise grundsätzlich: Früh wechseln. Gregerl für Richter oder der angesprochene Hahn für Vargas wären die Alternativen früh in der zweiten Hälfte. Insgesamt bietet die Personalsituation keine Ausreden. Heute sollten wir schon vor der Schlussphase unser Potential zeigen.

Tipps

Andy: 1:2 – der FCA startet mal wieder gut nach einer Pause und holt drei Punkte. Das Ergebnis ist enger als der Spielverlauf.

Andi: 0:1 – wie im letzten Auswärtsspiel in Köln trifft Florian Niederlechner und beendet endlich seine Torkrise. Perfekter Auftakt ins neue Jahr!

Franzi: 1:1 – wir punkten heute auf jeden Fall, auch wenn es – wegen der anhaltenden Ladehemmungen in der Offensive – nicht ganz für einen Dreier reicht. Aber hey, auf einem Punkt zum Jahresbeginn lässt sich aufbauen!