Gegen Union im Stadion: so sicher wie nie!

Mit Kindern ins Stadion? Vielleicht direkt gegen Union? Der FCA gibt sich immer mehr Mühe mit Kids Club, Teens Club und diversen Aktivitäten. Aber das ist doch viel zu gefährlich, oder nicht? Beim Fußball machen doch immer diese Problemfans – äh Probleme – und da muss man sich doch schon fragen, ob das für Kinder das richtige Umfeld ist. Und so für normal denkende Menschen auch, oder?

Über manche Themen kann ich mich aufregen, wie unser Maestro auf dem Platz. (Foto: Bongarts)

So oder so denkt vielleicht mancher, wenn er in der Augsburger Allgemeinen regelmäßig die Beiträge zur Sicherheit rund um Fußballspiele liest. Erst letztens war das Thema wieder aktuell unter der Überschrift “Zahl der Problemfans steigt – wie sicher ist der Besuch im Stadion?”. Ich musste mich wieder ärgern und tue es immer noch. Wieder, fragt ihr euch? Ja, wieder. Ich lese mittlerweile nicht mehr ganz so viele Beiträge in der AZ, weil sie online hinter der Paywall verschwinden (mittlerweile sind Spielernoten auch schon ein Plus-Artikel, nachdem zu Beginn der Einführung des Plus-Bereichs die Aussage getätigt wurde, dass nur zusätzliche Inhalte dort landen würden – aber das ist ein anderes Thema). Aber eine kurze Suche zeigt, dass ich mich auch schon in 2016 massiv geärgert habe (und bevor mir Einseitigkeit vorgeworfen wird: ich habe zwischenzeitlich auch schon die Berichterstattung in der AZ verteidigt und tausche mich mit son manchem Redakteur dort auch mal gerne aus). Nun, was ist diesmal der Auslöser? Vielleicht schauen wir noch mal detaillierter auf die Ursache des Ärgernisses:

Der Artikel

Die Überschrift sagt ja schon alles: Die Anzahl der Problemfans steigt und es ist in Frage zu stellen, wie sicher der Gang ins Stadion noch ist. Ist dem so? Wenn Florian Eisele behauptet, die Anzahl der Problemfans steigt, dann setzt er Problemfans mit Eintragungen der Polizei in die Datei “Gewalttäter Sport” gleich. Wie im Artikel angesprochen sind die Eintragungen in die Datei völlig intransparent. Der WDR hat dies in einem Beitrag schön herausgearbeitet. Die Eintragungen basieren vor allem auch auf Verdachtsmomenten und werden nicht entfernt, sollte sich der Verdacht nicht erhärten. Man könnte auf Basis der Daten auch schlicht feststellen: Die Polizei ist besser geworden im Sammeln von Daten. Wie viele der Personen wirklich Problemfans sind, ist vollkommen unklar. Was ist denn auch genau ein Problemfan, außer einem Begriff, den man mal gerne in eine Überschrift packen kann, damit ein Artikel mehr Klicks bekommt? Diese Frage wird leider nicht beantwortet durch die vielen Zitate für die als Hauptquelle – oh Überraschung – mal wieder Polizeioberrat Bernd Waitzmann (wie schon in vorhergegangenen Artikeln) dient.

Die Fakten in Relation

Ab dem fünften Absatz widmet sich der Artikel dann wirklich der Frage der Sicherheit. Bei 3,6 Millionen Besuchern gab es 88 Verletzte (Einsatzkräfte nicht mit eingerechnet) bei Fußballspielen in den ersten Ligen in Bayern. Relativiert werden diese Zahlen nicht. Die Hessenschau hat zuletzt festgestellt, dass es in Hessens Stadien sicher ist wie nie (verrückte Überschrift so ganz ohne Problemfans, aber was haben die auch mit der Sicherheit zu tun). Dabei hat die Hessenschau sogar festgestellt, dass ein Ausflug zum Mainzer Rosenmontagsumzug oder gar auf die Wiesn ein Abenteuer ist im Vergleich mit dem Besuch eines Fußballspiels. Mei, wenn es in Augsburg doch nur Zahlen zum Plärrer gäbe bei der AZ. An dieser Stelle möchte ich schlicht den letzten Abschnitt aus dem Hessenschau-Beitrag zitieren:

Auf der einen Seite stehen emotional aufgebrachte Zuschauer und rivalisierende Fangruppen mit wenigen Verletzten und großem Aufschrei. Auf der anderen Seite löst feierndes Partyvolk mit vielen Verletzten ein rundum zufriedenes Echo der Behörden aus. Klare Antwort: Das passt gar nicht – und das sollte man vielleicht auch häufiger betonen.

Quelle: Hessenschau.de

Ist das nicht arg einseitig?

Dass es so sicher ist in den Stadien, dafür hat die AZ natürlich genau einen Grund gefunden: laut Aussage der Polizei ist natürlich genau sie dafür verantwortlich. Eine Nennung oder gar eine Meinung aus einer Augsburger Organisation wie dem Fanprojekt, das hier als Drehpunkteinrichtung viel zur Ruhe beiträgt, findet sich – mal wieder – nicht. Auch die organisierte Fanszene kommt – gewollt oder ungewollt – nicht zu Wort.

Manchmal sind Fehlentscheidungen für einen selbst recht offensichtlich. (Foto: Bongarts)

Aber ist denn der Beitrag bei der AZ nun irreführend und einseitig? Und muss denn die Frage in der Überschrift wirklich sein? Bevor ich mich hier in aller Länge aufrege, habe ich Florian Eisele auf Twitter dazu befragt. Warum nicht mal beim Urheber anklopfen und das Thema direkt klären? Das versteht doch nun ein jeder, dass sich das einseitig liest, oder? Man könnte sagen, er hat geantwortet wie die meisten Fußballer nach einer herben Klatsche:

Warum es mich aufregt?

Ich halte es für legitim, wenn Menschen nicht ins Stadion gehen, weil es ihnen keinen Spaß macht oder der Fußball angeblich nicht gut genug ist. Wenn allerdings Menschen auch nur den Hauch des Eindrucks bekommen, es könnte im oder ums Stadion gefährlich zugehen, weil die AZ – mal wieder – viele Paragraphen Polizeiaussagen abtippt, genau eine andere Stimme kurz zu Wort kommen lässt, und dabei schon in der Überschrift die Sicherheit in Frage stellt, dann ärgert mich das. So sehr, dass ich vergesse in kurzen Sätzen zu schreiben. Ein Zitat dazu aus einem früheren Beitrag von mir:

Ich würde mich freuen, wenn wir uns alle zusammen mehr auf das verbindende Element des Fußballsports konzentrieren würden. Dazu gehört eine entsprechende Kommunikation von allen Seiten.

Quelle: Rosenau Gazette

Es ist so sicher wie nie gegen Union im Stadion. Es ist Fußball und Fans sind nicht automatisch Problemfans, weil sie in eine Datei eingetragen werden, ohne etwas davon mitzubekommen. Die Polizei muss ihre Jobs und Ausgaben auch irgendwie rechtfertigen und die AZ muss über Klicks Geld verdienen. Schreibt halt der nicht-kommerzielle Hobby-Blogger mal wieder, was er denkt. Schade, dass es das – zumindest aus meiner Sicht – immer mal wieder braucht. Und es braucht Fans, die Interessierte mit ins Stadion nehmen, Hemmschwellen abbauen und begeistert. Für die schönste Nebensache der Welt – die zudem auch noch überaus sicher ist.

3 Gründe, Geduld mit dieser Mannschaft zu haben

Letzte Woche ist dieser Blog überschwemmt worden. Viele sportlichen Aspekte rund um den FC Augsburg sehen gerade nicht rosig aus. Ich hatte einen Beitrag geschrieben über die Gründe, die in dieser Saison für einen Abstieg sprechen. Noch nie hat ein Beitrag hier eine solch große Leserschaft gefunden. Der positive Beitrag von Sebastian ein paar Tage später, über den besten FCA aller Zeiten, soff dagegen regelrecht ab. Nun fragt man sich als Autor, warum mancher Beitrag so ein Echo hervorruft. Liegt es am Format (3 Gründe, …) ? Liegt es an gewissen Buzzwords (Abstieg)? Ihr seid doch nicht etwa durch das A-Wort so schnell zu triggern? Wir werden es heute testen. Denn unser FCA hat leider gegen Dortmund sich herspielen lassen und ich schreibe erneut einen Beitrag der 3 Gründe beinhalten wird. Mit dem Abstieg hat das heute aber nichts zu tun. Abgestiegen wird regelmäßig erst am Ende der Saison und dafür ist es noch zu früh. Heute erkläre ich euch, warum wir alle mit dieser Mannschaft noch etwas Geduld haben sollten.

1. Der Umbruch

Ein solches Kommen und Gehen wie in dieser Transferperiode hat es in meiner Erinnerung beim FCA in all den Bundesligajahren im Kader noch nicht gegeben. Dazu ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Gerade bei Philipp Max ist in der letzten Woche wieder viel bzgl. eines Abgangs auch per Leihe spekuliert worden. Die letzten Tage wurde ein Abgang von Michael Gregoritsch wieder ins Spiel gebracht. Bei den Zugängen wird es auch noch nicht das Ende gewesen sein. Zumindest auf der Rechtsverteidigerposition erwarte auch ich, dass noch etwas passiert. Ich würde auch gerne noch einen weiteren Innenverteidiger sehen. Von der Startelf des letzten Spieltags in Wolfsburg standen am Samstag gegen Dortmund gerade mal drei Spieler immer noch in der Startelf. Martin Schmidt ist dabei die Mannschaft zu formen. Eine Sommervorbereitung mit andauernden Personalrochaden ist ein kurzer Zeitraum um viel zu erreichen.

Ich habe auch keinen Bock immer den anderen beim Jubeln zuzuschauen! (Foto: AFP)

Auch Markus Weinzierl hat lange gebraucht, bis die Mannschaft konsequent umgesetzt hat, was er von ihr wollte. Durch den Umbruch im Sommer wird Martin Schmidt länger brauchen, bis er Inhalte sinnvoll an die Mannschaft vermitteln kann, die von dieser auch auf dem Feld umgesetzt werden können. Wer das Team in der letzten Rückrunde gesehen hat, wusste allerdings, dass der Umbruch kommen musste. Jetzt müssen wir eben durch diese Phase durch.

2. Die Verletzungssorgen

Die vielen Wechsel in der Startelf waren auch notwendig, da doch immer noch viele sportliche Leistungsträger verletzt aussetzen müssen. Ich würde ja immer hoffen, dass man nach der Sommerpause mit einem vollständig gesunden Kader in die Saison starten kann. Unser Kader sieht – auch durch langwidrige und verschleppte Verletzungen – schlimmer aus als bei vielen Teams im Saisonendspurt. Mit Jeffrey Gouweleeuw, Alfred Finnbogason, Philipp Max, Felix Götze, Raphael Framberger, Iago, Sergio Cordova fehlt eine Spieleranzahl, bei deren Ausfall der FC Bayern München mit seiner derzeitigen Kaderstärke schon nicht mehr spielfähig wäre.

Aber ich glaube daran, dass wir es wieder gemeinsam schaffen können, auch wenn es schwer wird. (Foto: AFP)

Wir verkraften weiterhin den massiven Ausfall von internationalen Nationalspielern und sportlichen Leistungsträgern nicht. Wenn die Verletzten allerdings dann zurück kommen, sollte sich vieles wieder beruhigen. Auch dadurch werden die Leistungen auf dem Platz wieder anders aussehen.

3. Identifikation und Gemeinschaft

Der FC Augsburg wird immer teilweise den Charakter eines Ausbildungsvereins haben. Junge Spieler kommen hoffentlich zu uns, mit der Absicht gut und erfolgreich zu spielen und den nächsten Schritt zu machen. Dies sollte aus meiner Sicht allerdings nicht die prägende Eigenschaft unserer Mannschaft sein. Das Team hat über Jahre gut funktioniert, indem die Spieler eine verschworene Gemeinschaft zum Wohle aller gebildet haben. Dies basierte darauf, dass man auch viel auf erfahrene Spieler gesetzt hat, die bei ihren vorherigen Vereinen unglücklich waren. Diesen fanden in Augsburg einen dauerhaften Hort der Zufriedenheit und Ruhe vor. Sie wurden geschätzt und konnten Verantwortung übernehmen und sind dabei aufgeblüht. Daniel Baier ist das beste Beispiel, der es damals nicht schaffte sich sportlich in Wolfsburg durchzusetzen, und in Augsburg eine Heimat fand. Wir haben uns im Sommer wieder von Spielern getrennt, die ihre persönlichen Interessen vor die des Vereins gestellt haben. Dafür haben wir Spieler wie Florian Niederlechner verpflichtet oder mit Alfred Finnbogason verlängert, für die der Verein mehr als nur eine Durchgangsstation ist.

Dafür ist es allerdings notwendig, dass wir unser Team bestmöglich unterstützen und alle zusammenhalten. (Foto: AFP)

Familiäre Bindung in Augsburg ist wichtig und der Ausbildungscharakter auch nur durch ein starkes Mannschaftsgerüst umsetzbar. Ich hoffe, wir haben in diesem Zusammenhang auch bzgl. Kaderstruktur unsere Lektionen aus den letzten Jahren gelernt. Die Entwicklungen in den letzten Transferperioden deuten stark darauf hin, dass endlich wieder das (hoffentlich bald wieder verschworene) Kollektiv über dem Einzelnen steht. Dieses Kollektiv wird sich finden. Der Gesundungsprozess ist aus meiner Sicht schon deutlich voran geschritten. Aber auch diese zwischenmenschlichen Prozesse brauchen schlicht Zeit.

Der mentale Aspekt

Ich bin ein großer Freund davon, Trainer konstant arbeiten zu lassen, und die Resultate ihrer Arbeit erst nach einer längeren Übergangsphase zu beurteilen. Allerdings spiegelt die Mannschaft auch im generellen Auftritt ihre Führung wieder und nicht nur in den Resultaten. Was mir Sorgen macht sind die teilweise blutleeren Auftritte und – wie es wirkt – der mangelnde Einsatz. Ich befürchte, dass die Probleme in diesem Team über die rein sportlichen Themen ins Mentale hineinreichen. Gegen Dortmund in der zweiten Halbzeit ist die Mannschaft vor allem wieder mental zusammengebrochen. Wenn man nun daherkommt, und dieses Team nach einem Spiel als Söldnertruppe bezeichnet, dann fehlt dem Urteil jegliche Empathie. Als ob viele Spieler nach Augsburg wechseln, um abzukassieren und sich aus der Liga schießen zu lassen. Gerade den jungen Spielern ist bewusst, dass an jeder Karrierestation ihre weitere Entwicklung hängt. Sie sind davon abhängig, sportlichen Erfolg zu haben und der Druck ist immens. Es hilft nichts, hier nun auch noch Vorwürfe zu machen. Es verschärft die Situation sogar noch.

Realistische Erwartungen

Derweil sollte die Erwartungshaltung auf den Rängen eine ganz einfache sein: die Spieler sind uns nichts anderes schuldig, als dass sie ihr bestes geben. Wir unterstützen sie dabei bestmöglich. Wenn es am Ende dann nicht reicht, dann ist das eben so. Mund abwischen, weitermachen. Kopf hoch. Am Samstag kommt mit der Union aus Berlin eine eingespielte Truppe mit dem Rückenwind des Aufstiegs. Es ist leicht die Erwartungshaltung für unsere zusammengewürfelte Truppe jetzt schon ins unermessliche zu steigern, gerade wenn man sich anschaut, gegen wen wir in Kürze noch so ran müssen. Aber vielleicht geben wir der Mannschaft einfach alle mal etwas mehr Zeit. Auch am zweiten Spieltag ist noch niemand abgestiegen und im September kommt die erste Länderspielpause. Meine Erwartungen an die Ergebnisse sind vorher sehr gedämpft. Wenn uns einige der Spieler schon vorher zeigen, warum sie unsere Farben tragen, dann werde ich mich deshalb nicht weniger freuen.

Support von den Rängen

Und warum sollte sich den Union Berlin am Samstag nicht wundern, wo sie denn hier gelandet sind. Es wird Zeit, dass auch von den Rängen wieder der Support kommt, der Gegner nervös werden lässt. Gerade auf Gegentore und andere Rückschläge ist mit Trotz und Aufbäumen zu reagieren. Stille ist vollkommen fehl am Platz. Am Ende soll das Gästeteam ruhig froh sein, dass sie Augsburg wieder verlassen dürfen. Und wir feiern auch dieses Jahr Bundesliga, als ob es unser erstes wäre. Zeit für alle, wieder etwas mehr die Augsburger Mentalität des gallischen Dorfs an den Tag zu legen. Einerseits im etwas lockeren Umgang untereinander, andererseits als verschworene Bande nach außen. Bis jetzt hat dieses gallische Dorf nämlich nichts zum Absteigen gebracht.

3 Gründe, warum wir absteigen

Mich freut es auf die kommende Bundesligasaison. Pokal aus, hin oder her. Mich wird es wohl immer auf eine Bundesligasaison des FCA freuen und die besten Jahre in der Bundesliga hatten wir, nachdem wir früh im Pokal gescheitert sind. Es fühlt sich gewohnt an, aber es ist dennoch immer noch etwas besonderes. Überschwänglicher Optimismus ist allerdings fehl am Platze. Letzte Saison haben wir uns gerade noch so gerettet. Nach dem Abschied von Manuel Baum und der Anstellung von Martin Schmidt als Cheftrainer konnte die Mannschaft das Ruder in Frankfurt und gegen Stuttgart kurzfristig herumreißen. Wir können allerdings froh sein, dass wir diese Leistungen nicht länger abrufen mussten. Mit dem 1:8 in Wolfsburg nahm die Saison einen hässlichen Abschluss. Dieses ungute Gefühl begleitet mich nun schon die ganze Sommerpause. Heute trete ich den Dämonen gegenüber und erkläre euch, warum es in dieser Saison nicht zum Klassenerhalt reicht.

Fehlende Führungsspieler

Hatte der FCA vor ein paar Jahren eine funktionierende Achse von Führungsspielern mit Marwin Hitz, Ragnar Klavan, Paul Verhaegh, Daniel Baier und anderen, so ist davon nicht mehr viel übrig. Daniel Baier ist immer noch ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft aber seine WhoScored-Werte deuten an, dass er nicht mehr annähernd die Leistungen aus der Vergangenheit abrufen kann. Im Tor muss sich die neue Nummer 1 Tomás Koubek erstmal etablieren. Und andere Führungsspieler wie Jeffrey Gouweleeuw oder Alfred Finnbogason fehlen zu oft verletzt. Die Neuzugänge wie Marek Suchy müssen sich dann auch erstmal einfinden.

Foto: Bongarts

Von den verpflichteten Spielern der letzten Jahre hat lediglich Rani Khedira das Potential gezeigt zukünftig Verantwortung übernehmen zu können. Michael Gregoritsch mangelt es an der entsprechenden Persönlichkeit (was nicht schlimm ist, denn auch solch besondere Typen braucht ein Team) und Philipp Max könnte die Rolle sportlich locker ausfüllen, hat aber offenkundig den zweiten Sommer nacheinander vor allem einen Wechsel zu einem großen Club mehr als die Identifikation mit dem bestehenden Arbeitgeber im Sinn (verhält sich dabei allerdings wie ein Musterprofi). Insgesamt krankt es daran, dass es weiterhin nicht genügend Führungsspieler gibt, die als Stützpfeiler für die Talente im Club dienen. Wenn es kriselt, dann schlägt das voll durch. Selbst eine Partie bei einem Viertligisten, bei der man die ersten 20 Minuten vollkommen verpennt, bekommt man dann nicht mehr umgebogen. Wenn es sportlich in der kommenden Saison mal wieder nicht läuft, bekommen wir vielleicht die Kurve nicht. Zeichen der Änderung habe ich leider noch nicht gesehen (warte allerdings weiterhin sehnsüchtig).

Das Loch, das sich Defensive nennt

Wir hatten in der abgelaufenen Saison die schlechteste Defensive der Liga. 71 Gegentore zu kassieren ist schon eine Leistung. Das schafft nicht jedes Jahr eine Mannschaft. Zuletzt hat der VfB Stuttgart 2015/16 mehr Gegentore kassiert (und ist abgestiegen). Mit mind. 71 Gegentoren nicht abzusteigen, ist eine Leistung die zuletzt dem Hamburger SV gelungen ist. 2013/14 konnten sie sich mit 75 Gegentoren in die Relegation retten. Heißt: der Fokus in der Transferphase sollte darauf ausgerichtet gewesen sein, die Defensive deutlich zu stärken.

Foto: Bongarts

Dies ist uns nicht gelungen. Mit Martin Hinteregger, Kevin Danso, Jonathan Schmid und Kostas Stafylidis haben wir defensiv einiges an Qualität verloren. Als Ersatz wurde für rechts hinten niemand (!), für die Innenverteidigung Marek Suchy und für links hinten Mads Pedersen und Iago verpflichtet. Zumindest fürs Tor konnten wir mit Tomás Koubek eine potentiell stabile Nummer 1 verpflichten. Hier wollte man den fehleranfälligen, aber talentierten Gregor Kobel halten, schaffte allerdings noch nicht einmal das. Ich persönlich sehe personell keine Verbesserung der Defensive vor allem da Jeffrey Gouweleeuw und Iago auch noch länger verletzt ausfallen. Die Wahrscheinlichkeit ohne verbesserte Defensive abzusteigen, ist sehr hoch. Wie schnell das mit dem Tore kassieren schon wieder geht, hat der Pokal gezeigt.

Der Schmidtsche Überraschungseffekt ist verpufft

Trainer bereiten sich langfristig auf die kommenden Gegner vor. Sie beobachten über Wochen und Monate, wie zukünftige Gegner spielen und stellen sich entsprechend ein. Wenn der Trainer des Gegners wechselt, dann müssen sie improvisieren. Der Club mit dem neuen Trainer verfügt dann über einen Überraschungseffekt. Diesen konnte man deutlich beobachten sowohl nachdem Manuel Baum von Dirk Schuster übernahm als auch nachdem Martin Schmidt von Manuel Baum übernommen hatte. In den Spielen danach war unser FCA jeweils in der Lage offensiv mehr Tore zu erzielen.

Foto: Bongarts

Dieser Effekt ist spätestens jetzt verpufft. Die Gegner haben längst Mainzer und Wolfsburger Videos von Martin Schmidt aus den Archiven geholt und sich angeschaut, wie die verbliebene Rückrunde in der letzten Saison lief. Sie werden sich vorbereiten. Offensiv werden wir die Ideen konstanter und besser umsetzen müssen, um Treffer zu erzielen. Das sollte unterstützt durch die Saisonvorbereitung gelingen. Aber einfacher wird es mit Sicherheit nicht, die notwendigen Treffer für den Klassenerhalt zu erzielen. Gegen Verl hat es auch nur vom Punkt aus gereicht. Aus dem Spiel heraus gab es zwar Chancen, aber es mangelte in der Verwertung. Mal wieder.

Erfolg nur über den Zusammenhalt

Dunkle Wolken zogen schon in der vergangenen Saison am Horizont auf. Haben wir in der Sommerpause genug getan, um diese dauerhaft zu vertreiben? Es bleibt zu hoffen. In den ersten Jahren in der Bundesliga war uns jederzeit klar, dass wir nur zusammen den Klassenerhalt schaffen können. Daran hat sich nichts geändert, aber das Gefühl ist uns allen etwas abhanden gekommen. Der Club propagiert dieses Gefühl sichtbar fast nur über Marketingkampagnen, während Spieler immer öfter öffentlich kritisieren oder ihren Abschied forcieren. Die Charakterköpfe gehen der Mannschaft sichtlich ab. Auch von den Rängen wird dann schnell nicht an öffentlicher Unmutsbekundung gespart. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Mannschaft auch nach einer weiteren Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen gefeiert wurde und wir übers Anfield auf dem Lechfeld gesprochen haben. Es liegt an uns allen, die Wolken wieder zu vertreiben, unser Underdog-Image zurück zu erobern und unsere Leichtigkeit wieder zu finden. Zumindest fürs Underdog-Image haben wir in Verl einiges getan. Es ist viel wichtiger, wie wir uns als Club und als Team präsentieren, als was am Ende dabei raus kommt. Denn wir sind der FCA. Als Fan hoffe ich darauf, dass wir direkt den Dortmunder eins auswischen, rational befürchte ich, dass es dieses Jahr nicht reichen wird. Meine einzige Hoffnung ist, dass uns diese Sorge zusammenrücken und gemeinsam erneut unglaubliches schaffen lässt.

Haller, Schuster, Richter: Wächst in MR23 der nächste Superstar heran?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

In Verl spätestens wurde Marco Richter wieder in die Realität zurückgeworfen. Er mühte sich, ging ins Dribbling und versuchte Akzente zu setzen, nur gelingen wollte ihm wie der gesamten Mannschaft nicht besonders viel. Marco Richter wurde nach knapp 70 Minuten ausgewechselt und der FCA schied aus. Das Spiel war trotzdem positiv für ihn. Klar muss er sich der Konkurrenz erwähren, sein Stand in der Mannschaft scheint allerdings deutlich gefestigter. Er geht nun immerhin mit breiter Brust in seine 3. Bundesligasaison.

Im Laufe der U21 EM in Italien konnte sich Marco Richter in diesem Sommer zudem einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. In einer Konkurrenzsituation mit gleichaltrigen Top-Talenten hatten neben ihm Kevin Danso (jetzt nach Southampton ausgeliehen) und der neu-verpflichtete Mads Pedersen, die Möglichkeit zu zeigen, wie weit sie in ihrer Entwicklung im Vergleich mit anderen Top-Talenten voran geschritten sind. Richter stach heraus und zeigte, dass er gleichaltrige Konkurrenz alt aussehen lassen kann. Er nutzte das Turnier für seine ersten Tore im Trikot der U21 und veranlasste viele internationale Experten, sich über ihn schlau zu machen. Beste Werbung für ihn und den FC Augsburg, auch wenn es für den Titelgewinn am Ende nicht ganz reichte.

Wer Richter in der Endphase der letzten Bundesligasaison spielen hat sehen, der weiß, dass genügend Potential für mehr vorhanden ist. In Frankfurt und zu Hause gegen den VfB Stuttgart war er ein Schlüsselspieler im Kampf um den Klassenerhalt. Erst dadurch hat er sich wohl seinen Platz im Kader für die U21 EM gesichert. Die U21 EM war zwar am Ende durch die Finalniederlage enttäuschend, sorgte aber zumindest dafür, dass Richter auf dem Radar von größeren Vereinen gelandet ist. Sie werden die Entwicklung in der kommenden Saison aufmerksam beobachten. Und es wird sich zeigen, ob Richter es schafft mental stabil zu bleiben. Erst wenn er sich auch von einer Reihe schlechterer Spiele nicht mehr aus der Ruhe bringen lässt, Kritik immer konstruktiv annimmt und auf dem Boden bleibt, wird sich zeigen, ob er über den nächsten Schritt nachdenken kann.

In dieser Saison stellt sich nämlich für ihn die Frage, ob er sich durch konstante Leistungen für einen Vereinswechsel zu einem Top Club aufdrängen kann. Der FCA wird leider dauerhaft bezüglich seiner sportlichen Perspektiven beschränkt bleiben. Die Champions League ist außer Reichweite und wenn ein Spieler die Chance erhält sich dauerhaft bei einem Top Club zu etablieren, dann würde ich ihm einen Wechsel – vorausgesetzt die Ablöse stimmt und er verhält sich fair – nicht übel nehmen. Richter wurde im Zuge der U21 EM auf einen potentiellen Wechsel auch zu den Bayern gefragt und schien potentiell – auch durch viele Jahre in den Münchner Jugendmannschaften – nicht abgeneigt. Top Ambitionen muss er nun allerdings durch top Leistungen hinterlegen.

Wenn es denn soweit kommen sollte – was zumindest ich mir wünschen würde – dann wäre Marco Richter nicht der erste Augsburger, der um Höheres zu erreichen, den Club verlassen muss.

Die Clublegende Helmut Haller wechselte im Alter von 23 Jahren nach Bologna, um dort die italienische Liga auf den Kopf zu stellen und im Verlauf dreimal Meister (zweimal später mit Juventus Turin) und italienischer Fußballer des Jahres zu werden. Seine Tore auch für die deutsche Nationalmannschaft hätte es ohne diesen notwendigen Wechsel weg vom FCA wohl so nicht gegeben.

Viel früher wagte Bernd Schuster den Sprung von Augsburg nach Köln und von dort aus später nach Spanien zum FC Barcelona und Real Madrid. Er war erst 18 Jahre alt und absolvierte für die Herrenmannschaft des FCA nie ein Pflichtspiel. Seine Karriere ist in Augsburg schlicht nicht vorstellbar.

Marco Richter ist jetzt seit 7 Jahren in Augsburg fußballerisch zu Hause und wird im Herbst 22 Jahre alt. Fußballerisch sollte er sich noch etwas weiterentwickeln können, aber ein absoluter Frühstarter wie Bernd Schuster einer war, wird aus ihm nicht mehr. Dies zeigt auch, dass der FC Bayern München ihn in der Jugend aussortiert hatte. Eine etwas späte Entwicklung hat uns diesen Augsburger Glücksfall überhaupt erst beschert. Angekommen in der Bundesliga stellt sich die Frage, ob Marco Richter dauerhaft auf diesem Niveau sich zeigen und dominieren kann. Das Leben eines Profis besteht vor allem aus Konstanz. Die Topclubs klopfen in fünf Jahren nicht mehr an. Aber sollte Richter dieses Jahr 15-20 Torbeteiligungen und viele gute Spiele abliefern, dann ist für ihn und den FCA vieles drin. Ich bestelle mir dann auf jeden Fall seit langem mal wieder ein Trikot und drücke bis dahin feste die Daumen. Denn mit Marco Richter als sportlichem Leistungsträger sollte der Klassenerhalt deutlich schneller zu erreichen sein.

Diese Mannschaft muss es richten

1:2 im Pokal verloren. Ausgeschieden. Nach hinten mit löchriger Abwehr und nach vorne zu harmlos gespielt. Es kann eine lange Saison werden. Die Transferperiode läuft zwar noch, aber zumindest für den Bundesligaauftakt werden uns mögliche Neuzugänge nicht helfen. Wer es bis jetzt nicht nach Augsburg geschafft hat, wird zumindest Teile der Saison verpassen und nicht sofort helfen können. Bis Neuzugänge sich akklimatisiert haben und im System von Martin Schmidt zurechtfinden, dauert es eine Weile. Eine Woche vor dem Saisonstart in der Liga und kurz nach dem Pokalspiel in Verl blicke ich daher auf den derzeitigen Kader, um eine Einschätzung abzugeben, inwiefern wir mit dieser Mannschaft die Klasse halten können.

Tor

Mit Andreas Luthe verfügt der FC Augsburg über die perfekte Nummer zwei. Wäre Luthe fußballerisch noch etwas stärker, würde es vielleicht dauerhaft für die Startelf in der Bundesliga reichen. So ist Luthe ein absoluter Profi abseits des Platzes, der mit seiner veganen Lebensweise und seinem ehrenamtlichen Engagement eine Vorbildfunktion für die Kollegen übernimmt. Gut, dass er verlängert hat. Für Fabian Giefer wird man durch die inkonsistente Spielweise (solche Höhen, solche Täler) keinen Abnehmer finden und ihn notgedrungen weiter mit durchschleppen. Dahinter wird mit Benjamin Leneis langsam ein hoffnungsvolles Torhütertalent aufgebaut. Was fehlte lange? Die klare Nummer 1, die Ruhe und Sicherheit gibt und uns alle ruhig schlafen lässt. Die Gregor Kobel nicht immer war. Die ist mit Tomás Koubek nun gefunden. Koubek durfte direkt im Pokal ran und an ihm lag es nicht, dass wir verloren haben. Wenn er sich mit seinen Mitspielern eingespielt hat, sollten wir auf dieser Position lange Ruhe haben.

Zugänge: Tomás Koubek; Abgänge: Gregor Kobel; Spieler im Fokus: Tomás Koubek

Abwehr

In der Abwehr war abzusehen, dass Martin Hinteregger unter Stefan Reuter keine Zukunft in Augsburg mehr hatte. Reuter hat hart mit der Frankfurter Eintracht verhandelt und sich am Ende für die Ruhe im Kader vor dem Saisonstart entschieden. Mit der anhaltenden Verletzung von Jeffrey Gouweleeuw fehlt so die gesamte Stammpaarung aus der vergangenen Hinrunde. Letztes Jahr gingen wir mit drei guten Innenverteidigern in die Saison. Davon ist nun keiner mehr übrig, denn auch Kevin Danso wurde aus Leihbasis abgegeben. Die Lücke soll nun Neuzugang und Routinier Marek Suchy schließen. Für das Testspiel gegen Bologna und im Pokal durfte zudem Tim Rieder in der Innenverteidigung ran, der in der Rückrunde in Darmstadt nicht mehr zum Zug kam. Dazu wird Rani Khedira wenn notwendig aushelfen, wenn er wieder fit ist. Fest dazugeholt wurde mit eher mittelfristiger Entwicklungsperspektive Reece Oxford. Er könnte sich – bei schneller positiver Entwicklung – langfristig als das Transferschnäppchen des Sommers erweisen. Aber es fehlt momentan mindestens noch ein Innenverteidiger mit Bundesligaqualität. Viel wird zudem davon abhängen, wann Jeffrey Gouweleeuw wieder fit ist und die Abwehr wie gewohnt stabilisieren kann. So ist die Besetzung der Position momentan eine Lotterie und schon auf Grund der Probleme in der letzten Saison ungenügend.

Foto: Bongarts

Auf den Außenverteidigerpositionen ergibt sich ein gemischtes Bild. Links ist man auch bei einem Abgang von Philipp Max gut aufgestellt, der sich immer noch andeutet. Max fehlte im Pokal zudem genauso verletzt wie Neuzugang Iago, der noch länger fehlen wird. Iago und Mads Pedersen könnten sich als ähnlich erfolgreiche Transfers herausstellen, wie Max und Stafylidis vor einigen Jahren. Qualität verliert man kurzfristig trotzdem, bis beide angekommen sind und stabile Leistungen zeigen. Rechts klafft in der Abwehr weiterhin eine große Lücke. Raphael Framberger ist immer wieder langfristig verletzt, Simon Asta schlicht noch nicht weit genug. Tim Rieder als auch Georg Teigl waren bisher keine bundesligatauglichen Alternativen auf der Position. Teigl scheint nun erste Wahl. Ohne eine weiteren Neuzugang bleibt rechts hinten die große Schwachstelle, die uns hoffentlich nicht auf die Füße fällt. Insgesamt wirkt der Abwehrverbund so nach der Transferperiode unnötig ausgedünnt, obwohl wir schon in der letzten Saison die meisten Gegentore in der Liga kassiert hatten.

Zugänge: Marek Suchy, Iago, Mads Pedersen; Abgänge: Martin Hinteregger, Kevin Danso, Christoph Janker, Jan-Ingwer Callsen-Bracker, Jonathan Schmid, Kostas Stafylidis; Spieler im Fokus: Jeffrey Gouweleeuw

Mittelfeld

Das Mittelfeld sollte der Motor der Augsburger Mannschaft in 2019/20 werden. Im Zentrum sind wir sehr gut aufgestellt mit Kapitän Daniel Baier, der nicht unlängst hier zum wertvollsten Spieler der abgelaufenen Saison gewählt wurde. Knapp auf den Fersen war ihm bei der Abstimmung Rani Khedira, der sich zu einem Stützpfeiler der Mannschaft entwickelt hat. Unterstützt werden die beiden von Carlos Gruezo, der zurück in die Bundesliga wechselt und für ein körperliches Element vergleichbar zu #HardKohr sorgen soll, das uns zuletzt abging. Jan Moravek wird wie gehabt als Ergänzungsspieler Lücken füllen, wenn notwendig. Wenn zudem Felix Götze irgendwann, nachdem er sich von seiner Hüft-OP erholt hat, eingreifen könnte, dann wäre dieser Mannschaftsteil sehr ausgewogen besetzt. Khedira dürfte dann allerdings auch nicht in der Innenverteidigung aushelfen müssen. Kann man sich momentan kaum vorstellen.

Foto: Bongarts

Auf den offensiven Außen hat man dankenswerterweise in die Kadertiefe investiert. Noah Bazee ist zwar durch die bestehende Verletzung eine langfristige Verpflichtung, aber Ruben Vargas sollte direkt für Konkurrenz sorgen. Konkurrenz für die beiden gesetzten André Hahn und Marco Richter. Richter brach unter Martin Schmidt in der Rückrunde der letzten Saison vollends durch und lieferte zudem eine eindrucksvolle U21 EM ab. Er wurde von euch zum meistverbesserten Spieler der letzten Saison gewählt. Hahn war als Rückkehrer der Neuzugang des letzten Jahres und steuerte wichtige Torbeteiligungen bei. Georg Teigl steht als zusätzliche Alternative bereit, wenn hinten rechts doch noch jemand kommt. Insgesamt findet sich in der Gruppe viel Offensivpotential. Potential bedeutet leider nicht gleich Tore. Auch in der letzten Saison habe ich mich über großes Potential gefreut und wurde leider enttäuscht. Es wird sich zeigen, ob diese talentierte Gruppe unter Martin Schmidt die Leistungen abliefern kann, die ich mir verspreche.

Zugänge: Carlos Gruezo, Noah Bazee, Ruben Vargas. Abgänge: Ja-Cheol Koo, Dong-Won Ji; Spieler im Fokus: Carlos Gruezo, Marco Richter, Ruben Vargas

Sturm

Wer hat es bemerkt? Den Schmidtschen Umschaltzehner oder auch die hängende Spitze habe ich in diese Gruppe geschmuggelt. Nachdem Michael Gregoritsch nur mit Werder Bremen zu wenig überzeugenden Beträgen in Verbindung gebracht wurde, gehe ich davon aus, dass er in Augsburg bleibt und diese Rolle ausfüllt. Fredrik Jensen, gesund und mit einer vollen Vorbereitung, wäre die Alternative. Jensen hat für mich das Potential zu einer Überraschungen der Saison zu werden. Wenn alles so bleibt, ist diese Position top besetzt. Gregortischs Abschlussstärke wird auch weiterhin ausgleichen, dass er nicht optimal ins System passt.

Foto: Bongarts

Und auch vorne haben wir endlich Alternativen zu den viel verletzten Alfred Finnbogason und Julian Schieber. Es lastet in diesen Fällen nicht mehr alles auf Sergio Cordova. Mit Florian Niederlechner kam aus Freiburg ein zuverlässiger, erfahrener Stürmer, der seine Treffsicherheit in der Bundesliga auch schon unter Beweis gestellt hat. In dieser Besetzung macht diese Gruppe so viel Hoffnung auf mehr und reiht sich ein in einen äußerst stark besetzten Offensivverbund.

Zugänge: Florian Niederlechner; Abgänge: keine; Spieler im Fokus: Florian Niederlechner

Zusammenfassung

Stefan Reuter hat seine Hausaufgaben fast vollständig erledigt. Lediglich rechts hinten in der Abwehr und in der Innenverteidigung gibt es offensichtliche Lücken im Kader, die hoffentlich noch geschlossen werden. Ansonsten präsentiert sich die Augsburger Mannschaft auf dem Papier solide. Was mich besonders freut, dass mit Suchy und Niederlechner auch erfahrene Profis dazu geholt wurden, die den Jungen als Orientierungspunkte dienen können. Wir als FCA, werden nie alle Positionen wunschgemäß besetzen können. Dazu fehlen schlicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Ich glaube allerdings – mal wieder – ,dass der Kader mehr Chancen als Risiken bereithält. Vielleicht können wir in der kommenden Saison für die eine oder andere Überraschung sorgen. Zumindest für den Klassenerhalt hat Martin Schmidt genügend Substanz zur Verfügung, wenn alle fit werden und bleiben. Jetzt muss er dafür sorgen, dass die Spieler in seinem System auch Ergebnisse abliefern und auf ein Ende der Verletzungssorgen hoffen.

Am liebsten auswärts: auch ich will zur Eintracht!

Dieser Beitrag wird freundlichst präsentiert vom August Gin, denn wenn der August dabei ist, dann ist auswärts wie ein Heimspiel.

14. April 2019. Mein persönlicher Tag der Saison 2018/19. Der Tag an dem auch ich (wieder)entdecke – wie Martin Hinteregger – welch ein toller Ort das Waldstation zu Frankfurt ist. Pickepackevoll fasst es über 50.000 Zuschauer. Die Stimmung kocht gerne und oft. Viel besser wird es nicht, wenn man – wie ich – Stadionatmosphäre zu schätzen weiß. Es gibt kein schöneres Gefühl, als Gästefan zu sein und ein solches Stadion stimmungstechnisch am Boden zu sehen. Alternativ kann ich persönlich als Erwachsener auch gut damit leben, wenn ich (in einem grundsätzlich zivilisierten Rahmen) angepöbelt werde. Beides sind Zeichen dafür, dass das Heimteam nicht besonders viel auf die Reihe bekommt. Tolle Zeichen für eine Gastmannschaft, wenn man im Abstiegskampf mit dem Rücken zur Wand steht, gerade den Trainer gewechselt hat und sich an die letzten Strohhalme klammert. Und in Frankfurt flogen die Bierbecher in den Gästeblock und es wurde von den Seiten gepöbelt. Endlich rieb man sich wieder an uns unbequemen Augsburgern, die wir nicht einfach nur die Punkte vorbei gebracht hatten. In einem Spiel, in dem beide Mannschaften Chancen herausspielten, konnten wir unsere Auswärtsschwäche für einen Tag abstreifen und der Frankfurter Eintracht die erste Niederlage seit langem zufügen. Was ein Befreiungsschlag. Ich grinse immer noch, wenn ich an diesen Tag zurück denke. An diesem Tag haben wir unsere Saison gerettet. Unverhoffte 3 Punkte, die am Ende den Unterschied ausmachten. In einer Phase, in der ich nicht mit einem Auswärtserfolg gerechnet hätte.

 
 
 
 
 
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Bin daheim und frage mich, ob das heute wirklich passiert ist. Was ein toller Abend. Geile Reaktion des Teams auf die Woche. #FCAugsburg #SGEFCA

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Die Hoffnung war in der Vergangenheit gegen die Eintracht schon größer. Seit der FCA in die erste Bundesliga aufgestiegen ist, bewegt er sich mit der Frankfurter Eintracht auf Augenhöhe. Naja, zumindest nachdem die Eintracht einen kurzen Zwischenstopp in der zweiten Liga eingelegt hatte. Seitdem ist am Ende des Jahres mal der eine, mal der andere in der Tabelle vorne. Dies ist ein Zustand, der mich dazu bringt, mir die Augen zu reiben und die Arbeit unserer Verantwortlichen in Relation setzt. Die Frankfurter Eintracht verfügt über eine deutliche größere Fanbasis, einen erheblich höheren Zuschauerschnitt und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Dazu hat sie eine lange Geschichte in der ersten Liga vorzuweisen. Aber bis zuletzt konnte wir die Duelle oft eng gestalten. Trotz Schwächephasen wird in Augsburg dann eben doch sehr konstant und ohne den Ausreißer Abstieg gearbeitet. Und das ist genau einer der Gründe, warum ich die Auswärtsspiele in Frankfurt so mag. Es sind meistens Duelle auf Augenhöhe, oft umkämpft und dreckig. Und nur wer der eigenen Mannschaft in den letzten Jahren öfters nicht zugeschaut hat, beschwert sich ernsthaft darüber. Es ist schlicht meist ehrlicher Fußball, wie ich ihn mag.

Es gibt aber noch andere Gründe, warum ich mittlerweile zur Eintracht aufschaue. Wo der Eintracht Podcast und Fußball2000 echte Vorreiter sind, was die breitenwirksame Begleitung eines Fußballclubs auf moderne Art und Weise angeht, hat es der Club selbst geschafft sich durch eine öffentlich sichtbare Grundhaltung ein neues Markenimage zu verpassen. Fast schon etwas in Vergessenheit geraten sind die Zeiten des Randalemeisters. Peter Fischer als Präsident der Eintracht hat dem Club eine klare Kante gegenüber rechts verpasst und bekräftigt diese immer wieder:

Insofern trifft man auch auswärts bei der Eintracht immer wieder auf vernünftige Menschen, mit denen man sich unterhalten und anstoßen kann, solange der Ball nicht im Spiel ist. Gerade in Zeiten in denen Einzelschicksale frühzeitig für politische Agenden instrumentalisiert werden, anstatt auf Ermittlungsergebnisse zu warten, ist dies erfreulich. Gerade dann bin ich beruhigt, Frankfurt mittlerweile mein zu Hause nennen zu dürfen. Diese bunte und stabile Stadt, die sich nicht so schnell von der täglichen Hektik abhalten lässt und so viele liebenswerte Facetten hat. Mein Herz schlägt dennoch weiterhin für den FCA und die Frankfurter Pöbeleien sind Musik in meinen Ohren, wenn es dann doch unsere Farben sind, dich sich im Kampf für mehr bunt in der Welt durchsetzen. Und während mittlerweile schon mal dazu aufgerufen wird, manche Auswärtsspiele nicht zu besuchen, so will ich gerade betonen: Kommt nach Frankfurt, wenn der FCA hier spielt! Plant genau dieses Auswärtsspiel ein! Frankfurt ist unsere Liga, und die Stadt wird euch nicht enttäuschen.

Wer hat in der letzten Saison überzeugt?

Lange habe ich mit mir und dem FCA gehadert. Aber mittlerweile steigt die Vorfreude langsam wieder an und ich freue mich darauf, das der Ball endlich wieder rollt. Es ist schön zu sehen, dass unser Trainer Martin Schmidt die Mannschaft in die Berge führt, um etwas Teamgeist aufzubauen. Gemeinsame positive Erlebnisse befürworte ich, damit bei den Spielern die Erinnerung an das letzte Auswärtsspiel in Wolfsburg langsam überlagert wird. In der letzten Saison hat es oft im Kollektiv nicht gepasst. Schön, dass nicht nur uns auf den Rängen klar geworden ist, dass hier etwas passieren muss.

Und obwohl es im Kollektiv gekracht und gewackelt hat, waren doch bei den Einzelleistungen der Spieler einige Lichtblicke dabei. Diese machen Hoffnung für die neue Runde. Wie schon den Vorjahren will ich gerne einige Einzelleistungen hervorheben und euch abstimmen lassen, wer euch am meisten beeindruckt hat. Die Kategorien bleiben im Vergleich zu den Vorjahren unverändert.

Wichtigster Spieler

Daniel Baier war erneut der Dauerbrenner in der Mannschaft. Durch alle Höhen und Tiefen hat er das Team geführt und war auf dem Feld erneut der Kopf. In der Viererkette war Jeffrey Gouweleeuw der Anker, der auch im Spielaufbau wichtige Aufgaben übernahm. War er verletzt oder nicht in Topform, dann ging die defensive Stabilität vollends flöten. Dabei wurde Gouweleeuw zeitweise auch von Rani Khedira unterstützt. Khedira war aus der Augsburger Mannschaft nicht wegzudenken und entwickelte sich zum Führungsspieler und Stützpfeiler. Philipp Max konnte seine unglaublichen Leistungen aus der Vorsaison nicht bestätigen. Allerdings verlor er im Gegensatz zu anderen nie die professionelle Einstellung. Er ging auch in schwierigen Situationen voran und stärkte das Kollektiv. Offensiv auf den Außen wurde er allerdings von Jonathan Schmid auf der rechten Seite überstrahlt. Schmid schoss Freistöße, gab Vorlagen und war gegen den Ball konstanter als man es vermutet hätte.

Wer war wichtigster Spieler der Saison 2018/19?

  • Daniel Baier (39%, 28 Votes)
  • Rani Khedira (39%, 28 Votes)
  • Jeffrey Gouwelleeuw (13%, 9 Votes)
  • Jonathan Schmid (8%, 6 Votes)
  • Philipp Max (0%, 0 Votes)

Total Voters: 71

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Meistverbesserter Spieler

Gerade in der Rückrunde wurde Kevin Danso ins kalte Wasser geworfen und musste beweisen, dass er die Qualität hat, um in der Bundesliga Stammspieler zu werden. Klar war nicht jede Aktion zu 100 Prozent zu überzeugen, aber Danso zeigte im Gegensatz zu Reece Oxford, dass er den Sprung schaffen kann. Khediras Entwicklung habe ich schon vorher beschrieben. Es war doch ein Lichtblick mit welcher Ruhe und Konstanz er auch in schwierigen Situationen voran gegangen ist. Bei Marco Richter habe ich die ganze Saison auf die Explosion gewartet und Konstanz wird die größte Herausforderung in der näheren Zukunft sein. Aber Richters Leistungen in Frankfurt und zu Hause gegen Stuttgart haben den Klassenerhalt fixiert. Was ein Sprung! In der zweiten Hälfte der Saison kam auch Georg Teigl zu seinen Einsätzen. Er hat gezeigt, dass er doch eine wichtige Rolle als Ergänzungsspieler ausfüllen kann und seine Zukunft in Augsburg damit vorerst gesichert. Auf die Entwicklung von Jonathan Schmid bin ich oben schon eingegangen. Bei Schmid betone ich, dass er in dieser Saison als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde, was eine Umgewöhnung für ihn bedeutete, die er bestens meisterte.

Wer war meistverbesserter Spieler der Saison 2018/19?

  • Marco Richter (51%, 35 Votes)
  • Rani Khedira (26%, 18 Votes)
  • Jonathan Schmid (12%, 8 Votes)
  • Georg Teigl (6%, 4 Votes)
  • Kevin Danso (4%, 3 Votes)

Total Voters: 68

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Bester Newcomer

Diese Kategorie hat mir die meisten Kopfschmerzen bereitet. Gerade wenn ich mir einrede, welchen Sprung wir in der kommenden Saison machen werden, weil ich auf Grund der Verpflichtungen viel Hoffnung schöpfe, blicke ich auf diese Liste. Mit Felix Götze und Fredrik Jensen kamen zwei talentierte, junge Spieler, die vor allem auf Grund ihrer Verletzungen noch nicht zeigen konnten, ob sie dauerhaft in der ersten Liga mithalten können. Götze traf gegen die Bayern, Jensen lieferte im Pokal ein Wahnsinns-Solo ab. Wenige Einzelaktionen stehen nach ihrer ersten Saison zu Buche. Mit André Hahn kam ein Routinier nach Augsburg zurück, der immer wieder wichtige Aktionen beisteuerte, allerdings in der Saison auch Phasen zum Vergessen hatte. Ob es die Verpflichtung von Gregor Kobel brauchte, vor allem da der Keeper nicht beim FCA verblieb, sondern sich für eine Leihe zum VfB Stuttgart entschied, bleibt dahingestellt. Sportlich konnte er nicht vollständig überzeugen. Da bleibt einzig der Lichtblick von Jozo Stanic, der es aus der eigenen Jugend kommend zu seinem Profidebüt geschafft hat.

Wer war der Newcomer der Saison 2018/19?

  • André Hahn (44%, 28 Votes)
  • Felix Götze (27%, 17 Votes)
  • Gregor Kobel (11%, 7 Votes)
  • Jozo Stanic (11%, 7 Votes)
  • Fredrik Jensen (8%, 5 Votes)

Total Voters: 64

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Über eine rege Beteiligung freue ich mich und bin gespannt auf die Ergebnisse.

Der FCA und seine Identität: nicht viel außer Marketing?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Neues Jahr, neues Glück. Es ist schon fast zur Tradition geworden, dass im Sommer nicht nur der Kader umgebaut wird, sondern auch Marketingkampagnen zur Mitgliederwerbung gefahren werden. Letztes Jahr lief alles unter dem Motto “111 Jahre FCA”, dieses Jahr heißt es überaus kreativ “Wir der FCA”.Wer hier schon etwas länger mit liest, der weiß, dass mich die andauernde Marketing-Maschine mittlerweile annervt. Jahrein und jahraus immer wieder die gleichen Ansätze und Aufrufe. Außer dem Aufruf Mitglied zu werden (oder zu bleiben); ansonsten kein Inhalt.

Jetzt hat man sich also Gedanken über die Mitgliedschaft gemacht und ein neues Mitgliederkonzept aufgesetzt. Einfacher soll es werden. Je nach Alter wird Mensch in bestimmte Kategorien eingeteilt. Sieben gibt es davon und ein bisschen lesen ist schon nötig, um alles zu verstehen. Günstiger wird es auch, also wird sich wohl keiner beschweren. Dazu gibt es für alle einen kostenlosen Schal.

Ich vertrete immer noch die Meinung, dass es längst überfällig ist, sich als Verein Gedanken zu machen, welche Werte der Verein vertreten will. Nachhaltigkeit ist dabei ein Thema. Ob es so nachhaltig ist, wieder tausende Schals günstig produzieren zu lassen und einfach kostenlos zu verteilen, wo die Dinger doch nur bei den meisten im Schrank vergammeln werden, halte ich für fraglich. Das Geld fehlt ja zusätzlich dann auch bei der Jugend.

In den Mitteilungen zum Thema berichtet Michael Ströll, Geschäftsführer der FC Augsburg KGaA, vom Thema. Es ist für mich bezeichnend, dass dies kein gewählter Vereinsvertreter macht. Die Trennung Verein / Kapitalgesellschaft gibt es in der Praxis nicht. Der Verein wird von der Kapitalgesellschaft fremdbestimmt, während es eigentlich genau anders herum sein sollte. Auf der Jahreshauptversammlung ist es dann in der Vergangenheit schon mal vorgekommen, dass den Mitgliedern klar gemacht wurde, dass Themen der Kapitalgesellschaft den Verein nicht direkt tangieren. Es wird in Augsburg weiterhin strukturell nicht darauf geachtet, 50+1 umzusetzen. Es ist ermüdend, dass in dieser Hinsicht weiterhin nichts passiert.

Aber manche Themen scheinen ja immer wiederzukehren. Mir ist zum Beispiel auch entgangen, dass schwarz mittlerweile eine unserer Vereinsfarben ist, so wie bei Borussia Mönchengladbach oder den Dortmundern. Und unser rot hatte ich auch irgendwie anders in Erinnerung. Bei unserem neuen Auswärts-Trikot hat man auch keine Rücksicht vor dem Vereinswappen gemacht, dass man schnell umgefärbt hat. Cool sieht das ganze aus. Modisch. Aber mit dem Traditions-Club FC Augsburg hat es halt 0,0 zu tun. Ersetze schwarz durch neongelb und es ist 1:1 die gleiche Idee wie vor ein paar Jahren schon. Auch hier hat der FCA für den schnellen Merchandise-Euro klare Grenzen erneut überschritten.

Als Fan weiß man damit weiterhin nicht genau woran man ist. Die Mannschaft lässt sich am letzten Spieltag 1:8 in Wolfsburg abfertigen, die Charakterköpfe in der Mannschaft fehlen und der Verein bastelt weiterhin an der Marketingblase. Ich war lange nicht so ermüdet wie in dieser Sommerpause und die Vorfreude ist – trotz einiger hoffnungsspendender Transfers – bisher nicht zurückgekommen. Vier Wochen noch bis zum Saisonstart. Momentan könnte es mir nicht egaler sein.

Die Augsburger Transfer-Zwickmühle

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist ruhig um den FCA. Zumindest, wenn wir von Zugängen für die neue Saison sprechen. Außer Florian Niederlechner vom SC Freiburg konnten wir noch keinen Spieler von einem Wechsel nach Augsburg überzeugen. Bei Marvin Friedrich haben wir die Rückkaufklausel in seinem Vertrag gezogen und ihn (vorerst) von Union Berlin zurückbeordert. Das dahinterliegende Konstrukt gleicht allerdings eher einer Leihe, die durch den Rückkauf zu Ende ging. Friedrich ist darüber bisher so glücklich, wie Martin Hinteregger es im Winter war. Zum Thema zurück: Insgesamt wenig Bewegung, was Neuzugänge für die neue Saison angeht. Ist das nun gut oder schlecht?

In den vorherigen Transferperioden waren wir froh, wenn es zu Anfang ruhig zuging. Dies hat den einfachen Hintergrund, dass am Anfang der Transferperiode die großen Clubs ihre Deals machen und Vereine wie der FCA in dem Getümmel nicht mithalten können. Clubs wie der FCA müssen daher grundsätzlich abwarten, bis sich die Kader der großen Vereine sortiert haben und können erst dann zuschlagen – oder riskieren zu viel für Spieler auszugeben. Insgesamt war ich deshalb in den vergangenen Jahren immer beruhigt, wenn zu Anfang der Transferperiode keine oder wenige Transfers verkündet wurden.

Diese Ruhe habe ich in dieser Sommerpause nicht unbedingt. Dies hat gleich mehrere Gründe:

  1. Gute Transfers sind auch zu Beginn der Transferperiode möglich. Gerade bei ablösefreien Spielern, besteht die Möglichkeit, dass diese sich direkt entscheiden. Verhandlungen bzgl. der Ablöse sind mit dem abgebenden Verein nicht notwendig. Es kann daher schnell gehen. Dies hat damals bei Rani Khedira gut funktioniert, der eine wirkliche Vestärkung war. Oder es verlassen einen selbst die sportlich wertvollen Akteure wie in unserem Fall vor kurzem Kostas Stafylidis und Dong Won Ji. Ablösefreie Spieler sind dabei nicht grundsätzlich günstiger als andere Verpflichtungen, da das weniger an Ablöse meist durch ein hohes Handgeld ausgeglichen wird. Aber die Wechsel können schlicht früher und schneller von statten gehen. Zu Beginn dieser Transferperiode haben wir bei ablösefreien Spielern bisher in die Röhre geschaut. Beunruhigend.
  2. Der Kader hat so viele Löcher wie noch nie. Wir haben bisher keinen Keeper mit Bundesligaformat und sind auf allen Abwehrpositionen für die neue Saison unterbesetzt. Auch im Mittelfeld und in der Offensive sieht es noch nicht viel besser aus. Verstärkungen sind durch die Bank dringend notwendig. War der Kader im letzten Sommer so tief wie noch nie, so ist er gerade so dünn wie noch nie. Viele offene Fragen sind ungeklärt. Anstatt die offenen Kaderfragen (Hinteregger? Kobel? Max?) langsam einzugrenzen, geben wir eher noch Spieler ab (Jonathan Schmid!) und schaffen so neue Lücken. Alle diese Themen auf den letzten Drücker zu klären, wird nicht möglich sein. Deshalb braucht es eine zeitnahe Klärung einiger Personalien. Auch hier fehlen die Ergebnisse, die mich beruhigen würden.
  3. Die taktischen Vorstellungen und Umstellungen von Martin Schmidt setzen voraus, dass wir über die entsprechenden Spieler verfügen, die diese auf dem Feld umsetzen können. Das vergrößert den Handlungsbedarf in diesem Sommer zusätzlich. Wir brauchen gezielt Spieler, die ins System passen und dieses tragen können. Da kann man nicht immer warten, dass einem solche in den Schoß fallen. Für einige sportlich passende Spieler muss man evtl. gezielt mehr ausgeben, um die sportliche Entwicklung insgesamt zu beschleunigen. Bisher ist von solchen Transfers nichts zu sehen.

Und so sehr ich davon überzeugt bin, dass im Hintergrund fieberhaft gearbeitet wird, so würde es mich in dieser Transferperiode nicht beunruhigen, wenn dann doch zeitnah Vollzug bei einigen Personalien gemeldet würde. Es ist doch eher so, dass im Kader so viel Bewegung zu erwarten ist, dass diese Phasen ohne Vollzugsmeldung mich kirre machen.

Dazu kommt, dass wir gerade erst einen neuen Kaderplaner vorgestellt haben, der hoffentlich keine Eingewöhnungszeit braucht. Was macht er anders und wie sieht sein Plan aus? Keiner weiß es genau. Ist er der richtige für all diese Themen? Die Transferbilanz war in den letzten Perioden nicht überzeugend. Zeit, dass sich etwas tut. Abzuwarten fällt mir persönlich schwer und ich fiebere auf die nächsten Meldungen hin. Aber noch habe ich Hoffnung, dass uns Stefan Reuter aus dieser Zwickmühle hinaus manövriert.

Dann schaue ich lieber Sascha Mölders beim Kicken zu

Für mich als FCA Fan sind in diesen Tagen zwei bedeutungsvolle Ereignisse von statten gegangen. Zuerst hat der FCA gestern mit einer schallenden 1:8 Klatsche in Wolfsburg diese jämmerliche Saison beendet. Ich gebe gerne zu Protokoll und stehe zu meiner Meinung: dies war die schwächste Bundesligasaison des FCA in seiner Geschichte. Ich habe den FCA in allen acht Jahren intensiv verfolgt und ich habe mich noch nicht so oft geschämt für den Einsatz und die Leistung der Mannschaft wie in dieser Saison. Gerade auswärts darf man sich langsam als Fan schief anschauen lassen, wenn man da noch mitfährt, um das Team zu unterstützen. Am Ende stehen gerechtfertigterweise die meisten Gegentore in der gesamten Liga über die Saison hinweg. Und wenn sich Hannover, Nürnberg und Stuttgart nicht noch dämmlicher als wir angestellt hätten, dann hätten wir uns über den Abstieg in dieser Saison nicht beschweren dürfen. Derweil bin ich noch nicht einmal mehr sauer. Ich bin resigniert und freue mich auch etwas auf die Sommerpause. Zumindest muss man nicht Woche um Woche Angst haben, wieder einen Nackenschlag am Wochenende zu kassieren. Mein Nervenkostüm wird sich hoffentlich bis August erholen.

Die Sommerpause gibt einem auch mal etwas Zeit, über den Tellerrand zu schauen und sich nicht nur mit dem sportlichen Tagesgeschäft zu beschäftigen. Und so kam es zum zweiten bedeutungsvollen Ereignis: Ich habe heute die Zeit genutzt, um mir die neueste Episode des FCA-Podcasts “Feuer und Flamme” einzuverleiben, bei der die Mölders Family in Person von Sascha und Ivonne Mölders zu Gast war. “Feuer und Flamme” hat sich neben “Auf die Zirbelnuss” in der Rückrunde als zweiter FCA Podcast etabliert und die kurzen Episoden sind schöne Lückenfüller im Alltag. Hört gerne mal rein!

Was mir beim Anhören wieder bewusst wurde und das ist jetzt auch nichts neues: Sascha Mölders ist ein Bombentyp, von denen wir anscheinend beim FCA momentan nicht mehr so viele haben. Könnt ihr euch vorstellen, dass so einer sich am letzten Spieltag in Wolfsburg quasi auf den Rasen legen und so herspielen lassen würde? Er geht uns genau wie ein Halil Altintop, ein Tobi Werner oder die anderen Charakterköpfe der Vergangenheit gerade total ab. Und dann gebe ich gerne zu: es ist mir egal wie dick oder dünn, wie jung oder alt, wie schlau oder deppert unsere Spieler sind, so lange sie sich für unsere Farben den Arsch aufreißen. Was die Mannschaft in großen Teilen am Samstag nicht gemacht hat. Das ist als Fußballprofi deine Hauptaufgabe: Samstag 15:30 – alles geben, bis der Schiedsrichter das Spiel beendet. Beim Rest sind wir in Augsburg ja leicht zufriedenzustellen. Aber daran hat es in dieser Saison des öfteren gemangelt.

Natürlich rückt nach diesem Saisonabschluss die Kaderplanung noch mehr in den Vordergrund. Ich habe mich vor kurzem hierüber schon etwas ausgelassen und dort schon betont, dass die Charakterfrage eine ganz wichtige ist. Ich will das heute nochmal betonen und noch einen wichtigen Schritt weitergehen: bevor wir wieder ohne zweiten Stürmer in die neue Saison gehen, lasst doch einfach den Sascha zurück holen. Ich weiß, dass ist überhaupt nicht realistisch, gerade weil es damals mit Stefan Reuter nicht gut zu Ende ging. Aber anstatt dem nächsten jungen Talent, was direkt nach einem Rückstand aufsteckt und welches nur als Wertanlage verpflichtet wurde, schaue ich lieber dem Mölders beim Kicken zu. Da weiß ich wenigstens, dass die Person jede Minute zu schätzen weiß und sich immer voll reinhängt.

Als FCA Fan ist es gerade keine leichte Zeit. Aber zumindest das Underdog Image für die nächste Saison ist gesichert. Jetzt brauchen wir auf dem Platz nur noch 11 Hunde, die nicht nur bellen sondern auch wieder beißen. Was bin ich gespannt auf die Entwicklungen der Sommerpause!