Augsburg hält zusammen – ganz Augsburg?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

In der Corona-Pause hat der FCA das Motto “Augsburg hält zusammen” ins Jahr 2020 übertragen. Gelungen, wie ich damals fand. Es hat stolz in mir hervorgerufen, wie Fans und Verein Hand in Hand der schwierigen Situation entgegen getreten sind und weiterhin entgegen treten. Das ist nicht selbstverständlich.

Die Corona-Krise flacht gerade etwas ab und auch die Saison des FC Augsburg ist beendet. Ein guter Moment, um erneut dieses Motto in den Blick zu nehmen. Für was steht “Augsburg hält zusammen” und was könnte noch besser werden? Bisher hat der FCA zwei Kampagnen aus diesem Banner-Text geformt. Beide wurden – wenig nachhaltig – in Krisenzeiten für einen begrenzten Zeitraum vorangetrieben. Beim ersten Mal stand uns das Wasser sportlich bis zum Hals und es brauchte einen Schub im Abstiegskampf. Jetzt nun kam Corona. Beide Male haben wir die Ausgangssituationen getrieben durch den Zusammenhalt gemeistert.

Über die Einzelsituation hinaus

Derweil könnte dieses Mantra “Augsburg hält zusammen” für noch so viel mehr stehen und nicht nur ein Kampagnen-Motto bleiben. Es könnte das “Mia san Mia” der Fuggerstadt werden, ganz dem fuggerschen Gedanken nachempfunden. Dabei müsste der FCA allerdings über seinen eigenen Schatten springen und als Club anders agieren, um dieses Motto dauerhaft authentisch zu vertreten. Was meine ich damit?

In welche Richtung entwickelt sich der Fußball? Es hängt auch am FCA! (Foto: Marcel Engelbrecht/firosportphoto/POOL)

Es heißt ja nun nicht: Augsburg hält zusammen, aber nicht die farbigen, schwulen oder weiblichen Augsburgerinnen. So könnte es einem aber bislang vorkommen. Als der SV Babelsberg 03 Mitstreiter für seine “Nazis raus aus den Stadien” Kampagne gesucht hat, wurden u.a. in Düsseldorf und Freiburg recht schnell T-Shirts mit dem Slogan verkauft. In Augsburg nicht. Als vor kurzem Spieler anderer Vereine die Aufmerksamkeit auf strukturelle Gewalt gegenüber Schwarzen gelenkt haben, war es still in Augsburg. Gerade am letzten Spieltag lief die Social Media Kampagne #SportPride um Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) unter dem Hashtag #SportPride2020 im Sport sichtbar zu machen und für einen diskriminierungsfreien Sport einzustehen. Mainz 05 und andere Bundesligisten beteiligten sich. Der FC Augsburg nicht. Wer dazu beim FC Augsburg eine Frau in verantwortlicher Position suchen sollte, der kann dies lange machen. Gibt es nicht.

Nicht mehr nur Mitläufer sein

Felix Uduokhai hatte kürzlich über Anti-Rassismus-Aktionen gesagt: “Von Mitläufern halte ich wenig”. Die Verantwortlichen des FC Augsburg sollten lange in den Spiegel schauen und sich fragen, ob sie hinsichtlich der oben genannten Bereiche nicht selbst in diese Mitläufer-Kategorie fallen. Klaus Hofmann ist hierzu bisher nur mit fragwürdigen Aussagen aufgefallen und wir haben hier schon versucht wach zu rütteln. Der FCA hatte im Herbst angekündigt den Familientag in diesem Sommer zum Anti-Rassismus-Tag zu machen. Es blieb die einzig angekündigte Aktion in diesem Zusammenhang, die nicht im Zusammenhang von bundesweiten Kampagnen stand.

Es besteht dazu natürlich große Gefahr, dass genau dieser Tag Corona-bedingt dieses Jahr ausfällt. Einerseits verständlich, andererseits sollte sich das Engagement des Vereins in all diesen Belangen nicht nur auf einzelne Tage konzentrieren sondern ein grundsätzlicher Bestandteil von “Augsburg hält zusammen” sein.

Der Mensch im Vordergrund

Den Profi-Fußball plagen viele Sorgen. Zu weit ist er der Normalität entschwunden. Absurde Beträge prägen das Geschäft. Die Bayern zahlen Leroy Sané halb so viel im Jahr, wie der gesamte Augsburger Kader verdient. Und die Augsburger Mannschaft verdient insgesamt immer noch über 35 Millionen EUR. Es wird Zeit, dass der Fußball sich wieder mehr seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wird. Es sollte jedem möglich sein, Bundesligaspiele zu besuchen und sich im Stadion heimisch und sicher zu fühlen, egal welcher Hautfarbe, welches Geschlechts oder welcher sexuellen Orientierung die Person angehört. Auch vor Corona hat sich nicht eine jede im Stadion immer wohlgefühlt. Es wird Zeit, dass wir auch in Augsburg schauen, dass sich das bessert. “Augsburg hält zusammen” halt.

Torhüter, immer wieder Torhüter

Ach, wie wäre ich froh, wenn ich diesen Artikel nicht schreiben müsste. Dieses Thema nervt mich wirklich an. In der Zeit seiner Erstklassigkeit hatte der FC Augsburg bisher genau eine Phase, in der auf der Position des Torhüters Konstanz bestand. Nachdem Marwin Hitz sich den Stammplatz im Tor in der Saison 2013/14 sicherte, war er er bis zu seinem Abschied nach Dortmund in 2018 zumeist ein Top-Rückhalt. Internationale Klasse brachte der zurückhaltende Schweizer oft auf den Platz und gab der Mannschaft mit seinem Spiel von hinten heraus die nötige Sicherheit. Seit dem Sommer 2018 ist nun etwas der Wurm drin. Es ist zumindest in einem gewissen Rahmen ein hausgemachtes Problem.

Die Entscheidung um die Nachfolge von Hitz

Der erste entscheidende Moment in dieser Saga ereignete sich, als zur Saison 2018/19 die Frage anstand, wer Marwin Hitz als Nummer 1 im Tor des FCA ablösen sollte. Hitz fiel im Saisonendspurt aus und Andreas Luthe, der zwei Jahre zuvor gekommen war um die Rolle des erfahrenen Backups von Alex Manninger zu übernehmen, sprang ein und hielt sehr gut. In der Saisonvorbereitung lieferte er sich unter Trainer Manuel Baum ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Fabian Giefer.

Hier in Mainz hätte Fabian Giefer Punkte festhalten können. Ich durfte live im Stadion beobachten, wie er sie durch die Finger gleiten ließ. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Baum entschied sich mit Giefer für den falschen Mann, denn Giefer patzte einige Male und Baum wechselte den Keeper im Laufe der Vorrunde. Luthe durfte ins Tor und sich beweisen und machte seine Sache solide. Damit hätte man das Thema nun zumindest für diese Saison abschließen können.

Der Kobel-Irrweg

Wo der FCA sonst eigentlich eher dafür steht Ruhe zu bewahren, läuft bei den Torhütern alles anders. Im Winter 2019 holte man entsprechend Gregor Kobel per Leihe aus Hoffenheim. Für ein halbes Jahr. Ohne Kaufoption. Kobel hatte sehr gute, aber auch desaströse Momente. Sein Potential war klar erkennbar, seine Schwächen allerdings auch. Er durfte nichtsdestotrotz in der Rückrunde konstant spielen.

Gregor Kobel in Aktion. Und dann auch schon wieder weg. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Im Nachgang zur Saison war der FCA bemüht, Kobel langfristig zu verpflichten. Kobel entschied sich allerdings für eine Verlängerung seines Vertrags in Hoffenheim und eine Leihe in die zweite Liga zum VfB Stuttgart. Spätestens in diesem Moment wurde klar, dass sich der FCA verzockt hatte. Die Leihe von Gregor Kobel und die Geduld mit dem Spieler war ohne Option auf eine dauerhafte, langfristige Verpflichtung schlicht ein Fehler. Aber zumindest kein besonders teurer.

Die teure Fehlverpflichtung von Tomas Koubek

Teuer wurde es dann erst im vergangenen Sommer. Kobel hatte sich gegen den FCA entschieden und die Torhüter-Optionen waren begrenzt. Die ganze Welt hatte mitbekommen, dass sich der FCA auf dieser Position verstärken wollte und rief entsprechende Preise auf. Der FCA nahm schlussendlich Tomas Koubek unter Vertrag. Die Ablösesumme bewegte sich wohl im Bereich um 7,5 Millionen EUR. Happig.

Ich war auswärts in Gladbach dabei als Tomas Koubek eine Slapstick-Einlage hinlegte. Überzeugend ist anders. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Koubek hatte in Rennes in der abgelaufenen Saison keine Bäume ausgerissen, war allerdings im Jahr davor bärenstark gewesen. Der FCA spekulierte darauf, dass er in Augsburg zu seiner früheren Form zurückfinden wurde. Und wurde enttäuscht. Koubek konnte die hohen Erwartungen in ihn nicht erfüllen und schon Martin Schmidt sah sich gezwungen im Tor erneut zu wechseln. Erneut war die Zeit von Andreas Luthe gekommen.

Luthe, mehr als nur ein Musterprofi und sicherer Rückhalt

Andi Luthe ist in all den Jahren mit den Situationen immer professionell umgegangen. Er ist mehr als nur ein Musterprofi. In Augsburg hat er sein ehrenamtliches Engagement mit insafehands e.V. weitergeführt und immer wieder mit klugen Aussagen zu komplexen Themen geglänzt.

In der Corona-Phase der Saison war Andi Luthe ein verlässlicher Rückhalt fürs Team. Ob er das weiter sein darf? (Photo by MARTIN MEISSNER/POOL/AFP via Getty Images)

Nachdem Martin Schmidt im Tor wechselte und Heiko Herrlich auf der Trainerbank übernahm, spielte Luthe die Saison nun als Nummer 1 zu Ende. Auf dem Platz hat er Top-Leistungen abgerufen und uns im Abstiegskampf den ein oder anderen Punkt gerettet. Man sollte glauben, dass er sich nach all den Jahren die Chance verdient hätte, in die neue Saison als Nummer 1 zu gehen. Ob er diese Chance auch bekommt? Wir werden es sehen.

Der Unruheherd Rafal Gikiewicz

Für die Saison 2020/21 standen bisher mit Andreas Luthe, Tomas Koubek, Fabian Giefer und Benjamin Leneis vier Torhüter unter Vertrag. Mehr als drei braucht es eigentlich nicht. Nun hat noch vor dem letzten Bundesligaspiel gegen Leipzig Rafal Gikiewicz seinen Wechsel nach Augsburg in den sozialen Medien bestätigt. Gestern kam die offizielle Bestätigung vom FCA. Torhüter Nummer 5. Gikiewicz kommt zwar ablösefrei, aber der FC Augsburg bezahlt anscheinend deutlich mehr Gehalt als Union Berlin.

Nicht nur auf dem Platz laut. Seiner Verpflichtung ging eine kleine Welle auf den sozialen Medien voraus, während die Saison noch lief. Kein guter Einstand für Rafal Gikiewicz. (Photo by Matthias Kern/Bongarts/Getty Images)

Denn eigentlich wollte Gikiewicz in Berlin bleiben. Er sieht sich selbst als den “König von Köpenick”. Zwei Jahre hat er bei Union gespielt und schon tätigt er solche Aussagen. Der Post in den sozialen Medien kurz vor Saisonende und auch die Auseinandersetzung mit Union jetzt kurz danach zeugen nicht von allergrößter Professionalität. Zudem ist er mit 32 Jahren nun auch nicht die langfristige Lösung auf der Position. Für Unruhe sorgte der Wechsel allemal, bevor Gikiewicz überhaupt in Augsburg angekommen ist.

In Ruhe auf die neue Saison vorbereiten?

Ablösefrei einen 32jährigen Keeper mit der Klasse für die erste Liga dazuholen. Klingt erstmal nach einer prima Idee. Ist es aber vielleicht doch nicht, wenn man etwas tiefer blickt. Auf der Torhüterposition muss sich noch etwas tun. Fünf Keeper sind deutlich zu viele und mindestens einer der Spieler, der über einen gültigen Vertrag in Augsburg verfügt, muss den Verein wohl oder übel verlassen. Soweit so gut. Wer will die übrigen Keeper allerdings übernehmen? Gerade für Koubek und Giefer werden die Interessenten jetzt nicht Schlange stehen.

Die große Frage ist zudem, wer in der nächsten Saison im Kasten steht. Luthe hätte sich aus meiner Sicht eine faire Chance verdient, die Nummer 1 zu bleiben. Gikiewicz müsste erstmal auf die Bank. Wenn das mal nicht zu mehr Unruhe führen würde. Im Zweifel wird sich Luthe erneut mit der Reservistenrolle begnügen müssen. Wie wertvoll wäre es, wenn er dennoch in Augsburg bliebe? Sehr! Die Mannschaft ist auf Führungsspieler mit seiner Persönlichkeit angewiesen. Wenn wir in der Sommerpause nun Gikiewicz gegen Luthe tauschen, dann ist das zumindest für mich nicht nachvollziehbar. Aber was weiß ich schon.

Das Funkeln in ihren Augen

oder auch: Kein Fußball ohne Fans

Erste Male. Mein Club der FC Augsburg hat mir so viele schöne erste Male beschert. Erstes Mal zweite Liga. Erstes Mal gegen die Löwen gewonnen. Erstes Mal erste Liga. Erstes Mal Westfalenstadion. Erstes Mal Klassenerhalt. Erstes Mal gegen die Bayern gewonnen. Erstes Mal gegen den BVB gewonnen. Erstes Mal international. Erstes Mal in Alkmaar. Erstes Mal in Liverpool. Das erste Mal zehn Jahr am Stück Bundesliga – La Decima. Ich habe sicher viele erste Male vergessen. Oft denke ich mir: “Ach, das hatten wir auch noch nicht. Das ist wieder ein erstes Mal.”. Und es ist jedes Mal etwas besonderes und bleibt in Erinnerung.

La Decima oder auch die traurigste Feier eines Klassenerhalts so ganz ohne Fans (Photo by Sascha Steinbach/Pool via Getty Images)

In den letzten Wochen durften wir allerdings noch viele weitere erste Male genießen, auf die ich gerne verzichtet hätte: “Das erste Bundesligaspiel ohne Fans” und “Das erste Mal Klassenerhalt ohne Fans” zum Beispiel. Mir fiel es schon schwer zu akzeptieren, dass der Rest der Saison 2019/20 vor leeren Rängen gespielt wird. Für die Saison 2020/21 ist das nicht akzeptabel. Da braucht es eine Lösung mit Fans, oder wir lassen das Ganze komplett bleiben. Warum ich das so sehe, möchte ich euch an Hand eines ganz besonderen ersten Males erläutern, das ich kurz vor der Corona-Krise noch erleben durfte.

Das Heimspiel gegen Freiburg war außergewöhnlicher. Besonderer noch als die anderen ersten Male. Ich war deutlich aufgeregter als sonst. Meine Aufregung erreichte ungefähr den Stand des Hoffenheim-Auswärtsspiels, als am letzten Spieltag der Klassenerhalt noch nicht zu 100% sicher war. Ich war wirklich sehr aufgeregt.

Zum ersten Mal ins Stadion

Meine 6jährige Tochter beobachtet nun schon seit einiger Zeit mein Fußball-Fantum mit einiger Faszination. Sie hat mittlerweile verstanden, dass Paps nicht gut anzusprechen ist, wenn er vor dem Fernseher sitzt und seinen FCA verfolgt. Wir basteln dann parallel aus leeren Toilettenpapierrollen Spieler und stellen diese in der Spielformation auf dem Boden auf. Wenn der FCA ein Tor schießt, dann spielen wir den Spielzug nach und jubeln beide. Sie immer noch mit etwas Zurückhaltung. Zuletzt hat sie mir sinngemäß erklärt, dass sie zwar kein Fan eines Fußballvereins sei, aber bis sie einen Verein gefunden hätte, mit mir den FCA unterstützen würde. Sie wächst in Frankfurt auf und die Eintracht ist ein irrsinniger Magnet. Ich schlage mich wacker.

Gegen Freiburg war es nun endlich so weit. Wir hatten einen Stadionbesuch schon früher anvisiert, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Das Wetter war traumhaft für diesen Wintertag. Die Temperatur war mild und die Sonne schien. Dazu war Mitgliederspieltag und es gab viele Aktionen im Stadionrund. Meine Tochter war auch sehr aufgeregt. Sie hat sehr wohl bemerkt, wie viel es mir selbst bedeutet, dass sie mitkommt. Dazu kannte sie die ganzen Abläufe nicht.

Hand-in-Hand haben wir den Spieltag vom Fußweg zum Stadion, über den Einlass, das Abholen des Stadionkuriers, die Luftballonstation und die Fotobox, den FCA-Knacker und das Beobachten der Ehrenrunde des Kids Club gemeinsam angegangen. Oma, Opa und der Onkel haben uns begleitet und dazu beigetragen, dass sie sich doch sehr geborgen fühlte. Die Gummibärchen, die Oma dabei hatte, haben den Rest erledigt.

Und die Augen begannen zu funkeln

Und so saßen wir vor Spielbeginn auf unseren Plätzen. Bis dahin hatte sich der Stadionbesuch nicht von anderen Events unterschieden, die wir schon gemeinsam besucht haben. Das Interesse am Geschehen auf dem Rasen bei meiner kleinen Maus ist dazu noch sehr begrenzt. Und dennoch passierte dann etwas, dass meiner Maus ein Leuchten in die Augen zauberte und mir heute immer noch ein paar Tränchen in die Augen treibt, wenn ich mich daran erinnere: die Kurve begann zu singen. Dieser wunderschöne Chor von unterschiedlichen Menschen, die so laut sangen, wie sie es noch nicht anderswo gehört hatte. Die ihr bewusst machten: dieser Ort ist besonders. Ich danke jedem, der in diesem Moment gesungen und uns dieses gemeinsame Erlebnis beschert hat. Ihr erstes Mal. Mein erstes Mal mit ihr. Ich werde mich immer daran erinnern.

Was zählt, passiert im Stadion

Fußball ist ein Stadionsport. Na klar, ich kann mich zu Hause hinsetzen und das Spiel im Stream oder im TV verfolgen. Es ist einfach nicht dasselbe. Im Rahmen dieses Stadionsports nehmen die organisierten Fanszenen eine wichtige Rolle ein. Sie sorgen gezielt für Stimmung und Support. Es ist leicht zu erkennen, dass die Plätze auf der Haupttribüne noch nicht gefüllt waren, als die Kurve anfing zu singen. Sponsoren finanzieren die Clubs und hängen sich an ihre Popularität. Dies passiert nicht aus Selbstlosigkeit. Sie haben wenig damit zu tun, ob meine Tochter gerne mal wieder ins Stadion gehen möchte. Zwischen den Fans auf den Rängen und dem Geschehen auf dem Rasen gibt es eine Rückkopplung. Die anderen Fans sorgen dafür, dass das Stadionerlebnis besonders ist und das ich seit Jahrzehnten immer wieder zurück komme.

Am Ende war das Ergebnis auf dem Spielfeld dafür verantwortlich, dass zumindest für mich der Tag nicht dennoch getrübt wurde. Als Fan kann ich mich nicht freimachen, dass meine Laune vom sportlichen Resultat beeinflusst wird. Das Spiel war mau, aber Philipp Max’ Tor, war das erste FCA-Tor, das meine Tochter im Stadion sah. Der Jubel war sicherlich auch sehr beeindruckend. Wie um sie herum Menschen aufgesprungen und sich in die Arme gefallen sind. Unterschiedlichste Menschen vereint durch ein sehr einfaches Ereignis. Wie kann man diese Momente nicht lieben?

Auf viele weitere erste Male

Unser Weg nach Augsburg ist weit. Wir kommen wieder. Wann und zu welchem Spiel wird sich zeigen. Aber wie jeder Fußball-Fan, der Kinder hat, hoffe ich, eine Stadionbegleitung für eine lange Zeit gefunden zu haben. Unser FCA wird auch noch in der Zukunft für viele erste Male sorgen. Erste Male, bei denen dann vielleicht meine Tochter schon direkt dabei ist. Die Aussichten für die Zukunft könnten abseits aller sportlichen Gedanken deutlich trostloser sein. Hoffen wir, dass auch in der nächsten Saison gemeinsame Stadionbesuche wieder möglich sind.

TGIS: Was stellt Heiko Herrlich diesmal an?

Wer erinnert sich nicht an die letzte Saison, als Martin Schmidt den Klassenerhalt unter Dach und Fach gebracht hatte? Es ging gegen Schalke. Sowohl für Schalke als auch für uns ging es um nichts mehr. Es gab die langweiligste Partie seit langem. Am Ende stand ein 0:0 Unentschieden. Wird es am Mittwoch gegen Hoffenheim genau so schlimm? Im Zweifel wird zumindest die Frage für Unterhaltung sorgen, was Heiko Herrlich an diesem Spieltag anstellt. Sein unprofessionelles Verhalten in den letzten Wochen prägt das Bild des FCA in der Öffentlichkeit mehr als die ansteigende Form.

Die Fakten über #FCATSG

Faktisch wird der FCA zum Zeitpunkt des Anpfiffs noch nicht gerettet sein. Düsseldorf spielt zeitgleich gegen Leipzig und vom Ausgang der Partie wird abhängen, ob es am Samstag gegen die Fortuna nochmal spannend wird. Dies ließe sich leicht vermeiden, indem wir einfach selbst am Mittwoch gegen Hoffenheim gewinnen. Weniger als ein Unentschieden kann ja kaum dabei herauskommen, wenn Andi Luthe den Kasten erneut sauber hält.

Mann der Stunde: der blendend aufgelegte Andreas Luthe. (Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

Auch für die TSG geht es noch um etwas. Es winkt weiterhin der Einzug ins internationale Geschäft. 3 Punkte Rückstand auf Wolfsburg auf Platz 6 sind weiterhin aufzuholen. Zum jetzigen Zeitpunkt der Saison ist ein hitziges und umkämpftes Mittelfeldduell zu erwarten.

Über den Gegner

Der Hopp-Club aus dem Kraichgau ist wohl der einzige Verein in der Bundesliga, der es absolut großartig findet, dass die Saison ohne Zuschauer zu Ende gespielt wird. Es kommt einem vor wie vor Ewigkeiten, dass Spiele auf Grund von Protesten gegen die Hoppsche-Investitionspolitik und das Selbstgebaren eines Milliardärs unterbrochen wurden. Gerade aus diesem Grund ist es umso bedauerlicher, dass die Partie ohne Zuschauer stattfindet. Denn auch die Augsburger Kurve hatte schon in der Vergangenheit immer wieder deutlich ihre Ablehnung gegenüber Dietmar Hopp kommuniziert. Ich hätte mich auf friedlichen und nicht-diskriminierenden Protest sehr gefreut.

Und schon ist Alfred Schreuder wieder weg. Wie Hoffenheim für die nächste Saison die Weichen stellt, wird spannend. (Photo by MARIUS BECKER/POOL/AFP via Getty Images)

Daneben hat die TSG erst vor kurzem Trainer Alfred Schreuder entlassen, nachdem man sich in sportlicher Hinsicht nicht auf ein gemeinsames Zukunftsbild einigen konnte. Schreuder war dabei vor allem dadurch aufgefallen, dass er Spieler regelmäßig positionsfremd einsetzte. Am Ende war es ihm nicht vergönnt dauerhaft die Nachfolge von Julian Nagelsmann anzutreten, der die TSG an dieser Stelle in den letzten Jahren sportlich arg verwöhnt hatte. Gegen Augsburg wird ein Trainerteam unter der Führung von Sportchef Rosen die Hoffenheimer am Spielfeldrand begleiten.

Was macht eigentlich Kostas Stafylidis?

Der Kapitän der griechischen Nationalmannschaft wechselte vor der Saison ablösefrei vom FCA ins Kraichgau. Dort kam er allerdings nie richtig an. Sieben Einsätze und nur vier von Beginn an sind dann doch wenig für einen Spieler von Stafylidis Kaliber. Entsprechend wird schon über eine Trennung zur neuen Saison spekuliert. Der FCA ist mit Iago und dem Rückkehrer Pedersen auch im Falle eines Abgangs von Philipp Max (gerüchteweise zum AC Mailand oder zu Borussia Mönchengladbach) auf dieser Seite gut aufgestellt.

Kostas Stafylidis ohne Perspektive in Hoffenheim? (Photo by Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images)

Diese Saison könnte die Saison sein, in der ehemalige Spieler vom FCA sportlich hart getroffen werden. Stafylidis kam erst gar nicht zum Einsatz. Erik Thommy darf zwar viel spielen und scort auch regelmäßig, könnte mit Fortuna Düsseldorf dennoch zum zweiten Mal nacheinander absteigen (nachdem er schon letzte Saison mit dem VfB Stuttgart nicht die Klasse halten konnte). Kevin Vogt blüht ein Abstieg mit dem SV Werder Bremen, nachdem er kein Vertrauensverhältnis zu Alfred Schreuder in Hoffenheim mehr hatte.

Tipps

Irina: 2 zu 2, es geht hoch her und der FCA spielt befreit auf. Herrlich hält sich an der Seitenlinie ausnahmsweise mal zurück.

Sebastian: 1-1. Nach dem vermeintlichen Siegtreffer in der 96. Minute legt sich Andi Luthe den Ball beim Versuch den Schiedsrichter zu umarmen noch selbst ins Tor.

Andy: Hoffenheim kann sich nicht mehr so recht motivieren. Unser FCA dahingegen wittert die Chance daheim selbst den Klassenerhalt zu besiegeln. Wir gewinnen 2:1.

Immer wieder Herrlich

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

1:0 in Mainz gewonnen. 7 Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. 3 Spiele noch zu spielen. Der Klassenerhalt ist dem FC Augsburg auch in dieser Saison quasi nicht mehr zu nehmen. Es könnte die Zeit der ungetrübten Freude sein. Es könnte so herrlich sein. Wenn da nicht der Herrlich wäre.

Das Sportliche

Vielleicht einmal vorweg. Sportlich sieht das doch gar nicht so übel aus, was die Mannschaft auf den Rasen bringt. Gerade hinten haben wir zuletzt mehrmals zu null gespielt. Auch gegen Mainz kein Gegentor kassiert. Siege gegen Schalke und Mainz. Dazu ein paar Unentschieden. Die Mannschaft scheint sich Stück für Stück zu stabilisieren. Ich hebe gerne den Wert von kontinuierlicher sportlicher Arbeit hervor. Wenn Heiko Herrlich mit dem Trainerteam die Arbeit in den kommenden Wochen und dann in der Vorbereitung auf die neue Saison so fortsetzen kann, dann scheint die sportliche Zukunft unseres Teams positiv. Aber will man Heiko Herrlich wirklich an der Seitenlinie haben?

Die Geschichte

Bevor wir nun auf die Vorkommnisse in Augsburg zu sprechen kommen, die sich unser derzeitiger Cheftrainer in wenigen Wochen schon geleistet hat, werfen wir vielleicht einen Blick in die Vergangenheit. Ich will Heiko Herrlich nun wirklich nicht auf Basis eines einzelnen Ereignisses beurteilen. Die Vergangenheit kann uns aber vielleicht helfen, ein Muster zu erkennen.

Schauen wir uns als erstes daher die Trainer-Schwalbe von Heiko Herrlich an. Heiko Herrlich war zu diesem Zeitpunkt Trainer von Bayer 04 Leverkusen. Leverkusen spielte gegen Borussia Mönchengladbach. Der Ball geht ins Aus. Denis Zakaria von Gladbach will sich den Ball zum Einwurf holen. Herrlich lässt diesen durch seine Beine und hebt ab, als der Gladbacher Spieler an ihm vorbei will um den Ball zu holen.

Seine Erklärung im Nachhinein ist dann bizarr: Er habe das Gleichgewicht verloren. Es habe vielleicht etwas komisch ausgesehen. Man möchte laut “Bullshit” rufen. Später hat er sich natürlich in aller Form entschuldigen müssen.

Der Augsburger Bullshit

In Augsburg war Heiko Herrlich noch gar nicht an der Seitenlinie angekommen, als er sich schon den ersten Aussetzer leistete. Im Teamhotel in Bobingen hatte er Zahnpasta und Gesichtscreme vergessen und ging schnell zum Supermarkt um die Ecke. Kein großes Ding normalerweise. Derweil steckt die Welt in der größten Pandemie seit fast 100 Jahren und das Hygienekonzept der DFL war täglich in den Schlagzeilen. Herrlich durfte das Teamhotel – genau wie alle seine Spieler – nicht verlassen. Er als Führungsperson hätte es besser wissen müssen. Hat er nicht. Hat freimütig von der Aktion auf der Pressekonferenz erzählt. Sich danach öffentlich entschuldigt. Die Aktion allerdings auch relativiert mit dem Hinweis, alle Hygiene-Maßnahmen eingehalten zu haben. Einsicht sah damals schon anders aus.

Sieht so jemand aus, der schnell das Gleichgewicht verliert? (Photo by KAI PFAFFENBACH/POOL/AFP via Getty Images)

Aber Herrlich ist nicht unter zu kriegen. Gerade nach dem Remis gegen Köln holte er zum Tiefschlag gegen Videoschiedsrichter Winkmann aus und unterstellte diesem Parteilichkeit. Warum er hierfür ungestraft davon kam, ist wohl niemanden so recht klar. Ein Unding. Schon in diesem Zusammenhang wies Gianni Costa von der Rheinischen Post auf Herrlichs Fehltritt-Liste hin und forderte ihm zu einer Entschuldigung bei Winkmann auf. Die Möglichkeit sich für den verbalen Fehltritt selbst zu entschuldigen ließ Heiko Herrlich auf der Pressekonferenz vor dem Mainz-Spiel ungenutzt verstreichen.

Gegen Mainz legte Herrlich direkt nach. Bei Einwurf Mainz spielte er einen zweiten Ball aufs Feld (und kam auch dafür wieder ungeschoren davon). Im Interview bei Sky nach dem Spiel verwies er auf ein Versehen auf Grund seiner technischen Fähigkeiten. Heiko, willst Du uns verarschen? Heiko Herrlichs Highlights als Spieler zeigen recht gut, dass der Ball sein Freund ist. Die Erklärung klingt doch zu sehr nach “Gleichgewicht verloren”. Heribert Bruchhagen stellte die Erklärung bei Sky dann auch direkt in Frage.

Die Analyse

Was erkennen wir nun nach einigen Wochen, die Heiko Herrlich nun in Augsburg ist? Heiko Herrlich hat als Trainer Aktionen gebracht, die jede einzelne meinen Magen zum Grummeln bringen. Klar braucht ein Trainer ein sportliches Konzept, um eine Mannschaft zu führen. Daneben würde ich mir aber sehr ein Bewusstsein für die gesellschaftlichen Zusammenhänge über den Profisport hinaus wünschen. Ein Menschenbild, in dem anderen nicht sofort unprofessionelles Verhalten unterstellt wird. Ein Forttragen des Fairplay Gedankens. Und ein aufrichtiges Umgehen mit den eigenen Fehlern. All dies , sehe ich nicht, wenn ich Heiko Herrlich aus der Distanz beobachte.

Heiko Herrlich, wie er sich den Dingen nicht stellt. (Photo by Michael Dalder/Pool via Getty Images)

Mir ist es wichtig, dass dieser Text nicht als Charakterisierung von Heiko Herrlich als Person aufgefasst wird. Ich kenne Heiko Herrlich nicht persönlich. Mir geht es vor allem um ein Beurteilung von Heiko Herrlich in seiner öffentlichen Funktion als Trainer eines Fußballbundesligisten. Als Vorbild für unsere Kinder. Ich bin vor allem Fan dieses Vereins, der gerade in Zeiten von Corona auf seine Werte und das Zusammenhalten abgestellt hat. Ich finde es schade, dass wir gerade einen Trainer zu haben scheinen, der diese Werte nicht ausreichend repräsentiert. Wir in Augsburg wissen nicht, wie es ist abzusteigen. Zumindest sportlich. Die Entwicklung abseits des Platzes ist doch in den letzten Wochen mehr als bedauerlich. Nicht herrlich.

TGIF: Schau Köln, wie Augsburg singt und lacht

Es ist schon fast etwas ungewohnt. Nachdem während der vergangenen englischen Woche 3 Spiele innerhalb von 6 Tagen anstanden, haben wir jetzt über eine Woche Pause bis es daheim gegen den Effzeh aus der Domstadt geht. Spiele gegen den Effzeh sind mir dabei ereignisreicher in Erinnerung als Spiele gegen andere Gegner. Schnell kommt Poldis Pokalauftritt in den Sinn, genau wie Marwin Hitz Stollen vor dem Elfmeter. Ob es am Wochenende wieder so aufregend wird? Ich kann gerne darauf verzichten, so lange die 3 Punkte in Augsburg bleiben.

Fakten zum Spiel #FCAKOE

4 Punkte aus den drei Spielen der englischen Woche. Es hätte schlimmer laufen können. Gegen Paderborn fühlt sich der Punkt allerdings nach zu wenig an und die erste Halbzeit gegen Hertha war schlicht schwach. Vier Punkte hat der FCA Vorsprung auf den Relegationsrang. Ich war froh, dass Werder Bremen im Nachholspiel gegen die Frankfurter Eintracht unter der Woche keine Punkte holen konnte. Der Blick geht eindeutig eher nach unten als nach oben. Hoffen wir, dass wir nicht noch weiter abrutschen und die Psychologie eine noch wichtigere Rolle spielen wird. Köln steht nominell nur einen Platz und 3 Punkte besser da in der Tabelle. Quasi ein Nachbarschaftsduell. Wäre die Arena voll, würde ich unseren FCA als Favoriten sehen. So ist das Ganze eher eine Wundertüte.

Der Gegner

Die Corona-Unterbrechung kam für die Kölner zu absoluten Unzeit. Vorher waren sie in erstaunlicher Form, nachdem Markus Gisdol als Trainer übernommen hatte. Aber warum war Markus Gisdol überhaupt verfügbar, wo man in den ersten Monaten in Köln an übermenschliche Fähigkeiten glauben wollte? Langfristigen Erfolg hatte Gisdol noch bei keiner seiner Stationen. Es bleibt für uns zu hoffen, dass der Gisdol-Effekt mittlerweile verpufft ist und der FCA mit den Kölnern einen schlagbaren Gegner im heimischen Stadion erwartet. So wird die Partie am Sonntag zum Trainerduell: der Wundertrainer kommt um gegen den Zahnpasta-Trainer anzutreten.

Und beim FCA?

Die Eindrücke irritieren zumindest mich etwas. Sportlich haben wir doch einige Probleme. Heiko Herrlich hat zwar ein Grundgerüst gefunden, die Abläufe auf dem Platz bieten aber weiter Entwicklungspotential. Beim Ballbesitz ist in den letzten beiden Partien ein Aufwärtstrend erkennbar. Gerade im letzten Drittel fehlt dann aber meistens die letzte Idee, wie man defensiv starke Teams knacken kann. Gut, dass die Kölner auf dem Papier nicht die defensiv stärkste Truppe der letzten Spiele waren. Dazu fehlten sportliche Leistungsträger wie Max, Gouweleeuw und Finnbogason verletzt oder gesperrt und müssen sukzessive wieder ins Team integriert werden. Spieler wie Freddy Jensen spielen gerade überhaupt keine Rolle. Eine klare Kommunikation zu Verletzungen oder Ausfällen bzw. Begründungen unterbleibt auch Wochen nach Wiederbeginn der Liga.

Felix Uduokhai wird auch in der neuen Saison für den FCA am Ball bleiben. (Photo by MATTHIAS HANGST/POOL/AFP via Getty Images)

Sportlich hat man also viel Arbeit vor sich. In der Liga muss man, um den Klassenerhalt kämpfen. Derweil hagelt es Transfergerüchte von allen Seiten. Neben den Torhütern Ulreich und Gikiewicz, wird Kevin Ruegg als neuer Rechtsverteidiger gehandelt. Dazu soll sich der FCA mit Tobias Strobl über einen ablösefreien Wechsel aus Gladbach einig sein und hat die Kaufoption bei Felix Uduokhai gezogen. Die Bestätigung von Seiten des FCA steht bzgl. aller Personalien aus, der Vfl Wolfsburg hat allerdings bzgl. Uduokhai bestätigt. Dennoch sind wir eigentlich kein Club, bei dem potentielle Transfers so offen durch die Medien hallen. Gerade, wenn es sportlich angespannt ist.

#BlackLivesMatter

Die Corona-Krise ist für mich diese Woche etwas in den Hintergrund gerückt. Genau wie der Fußball. Die Ermordung von George Floyd hat zu globalen Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt. In der letzten Woche haben in der Bundesliga Weston McKennie, Jadon Sancho und Marcus Thuram durch Aktionen auf dem Platz Zeichen gesetzt. Der DFB hat daraufhin geprüft, ob diese Protestaktionen für die Spieler zu Sanktionen führen müssen, allerdings bzgl. der Aktionen auf eine Bestrafung verzichtet. Es ist doch absurd, dass Spieler im Rahmen von ligaweiten Aktionen wie “Zeigt Rassismus die rote Karte” eingebunden werden, bei Eigeninitiative in der gleichen Sache Prüfungen stattfinden.

Weston McKennie trug im Spiel gegen Werder Bremen ein Armband mit dem Schriftzug “Justice for George”, um auf Rassismus und Polizeigewalt aufmerksam zu machen. (Photo by Bernd Thissen/Pool via Getty Images)

Nun mag der ein oder andere auch denken, dass wir es ja mit einem amerikanischen Thema zu tun haben. Dem ist nicht so. Alltagsrassismus ist auch in Deutschland an der Tagesordnung. Wie viele von euch, bin auch ich noch nie Opfer von Rassismus geworden. Aber bei Carolin Kebekus haben Betroffene die Möglichkeit erhalten, ihre Sicht auf die Dinge zu schildern. Vielleicht nehmt ihr euch die Zeit und schaut euch das Video an:

Und so stellt sich gesellschaftlich die spannende Frage, ob wir uns auch – vielleicht durch Fußballer, die ihre Plattform nutzen – auf das Thema Rassismus in Deutschland und mögliche Lösungen fokussieren oder ob wir es einfach unter den Teppich kehren. Da sind doch die sportlichen Resultate wirklich eine absolute Nebensache.

Tipps

Irina: Zarter Hoffnungsschimmer: ein 2 zu 1 Erfolg für den FCA. Warum? Bauchgefühl und viiiiel Optimismus. Beim Blick auf die Tabelle sind die 3 Punkte gegen den direkten Abstiegskonkurrenten übrigens dringend notwendig! 2021 Bundesliga – Augsburg ist dabei.

Sebastian: Köln am Sonntagabend. Das riecht nach einem 2-2 unentschieden.

Andy: Wir schlagen den Effzeh verdient und abgebrüht mit 2:0.

Glück auf, auf Schalke ohne Daniel Baier

Es ist doch ungewohnt. Gerade auf das Spiel auf Schalke hatte ich mich besonders gefreut. Ich wollte zusammen mit einem Kumpel aus dem Pott dort ins Stadion und die Mannschaft unterstützen. So sucht man nun an einem Sonntagmittag nach den Amazon oder DAZN-Zugangsdaten und macht es sich daheim vor dem Fernseher bequem. Kurz vor dem Spiel dazu die Nachricht, dass Daniel Baier auf der Bank sitzt. Wer von uns beiden heute bequemer sitzt? Wir hätten wohl beide nicht vermutet, dass wir während des Spiels überhaupt sitzen.

Fakten zum Spiel #S04FCA

Schalke hat auf Dortmund ganz klar die Grenzen aufgezeigt bekommen. Wir haben gegen Wolfsburg unglücklich verloren. Unglücklich, weil ein solch spätes Gegentor natürlich nicht mehr hätte sein müssen. Und weil wir unsere gute Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht nachhaltig nutzen konnten und evtl. etwas Pech mit der Entscheidung des VAR hatten. Insgesamt stehen sich heute so zwei Teams gegenüber, die beide sportlich nicht ihre beste Phase durchlaufen in dieser Saison. Welcher Club kann evtl. die eigene Saisonwende einläuten? Können wir uns etwas aus dem Keller befreien oder rutschen wir vollends hinein? Oder kann Schalke Schritte Richtung internationales Geschäft machen? Eine spannende, wenn auch nicht hochklassige Partie, die uns mit diesem Hintergrund erwartet.

Der Gegner

Der große, verschuldete FC Schalke 04. Schalke war in der Phase der Bundesliga-Pause wohl am meisten damit beschäftigt, die eigenen Finanzen zu sortieren. Von 200 Mio. EUR Verbindlichkeiten ist da die Rede. Zudem konnte man immer wieder von einer drohenden Insolvenz lesen. Ruhe in der Arbeit sieht anders aus (aber immerhin war ihr Trainer nicht einkaufen). Schalke definiert das Mittelmaß in diesem Jahr. Der Club aus Gelsenkirchen hat in dieser Saison bisher weniger Tore geschossen als unser FCA. Das Ziel müsste sein, defensiv gegen die Schalker wenig zuzulassen und nach vorne mit gezielten Aktionen für Unruhe zu sorgen. (Man muss wohl nicht erwähnen, dass Schalke natürlich weniger Tore als wir kassiert hat).

Presseschau

David Bernreuther hat im Kicker einen bemerkenswerten Kommentar zu Heiko Herrlich geschrieben. Noch nie ist wohl ein Trainereffekt so schnell verpufft, wie bei uns diesmal. Aber ist Heiko Herrlich durch den Supermarkt-Vorfall schon eine “lahme Ente”? Oder stellen sich seine Spieler vor ihn und zeigen heute eine trotzige, gute Leistung auf Schalke? Ich fand es spannend zu Herrlichs Maßnahmen und Arbeit etwas mehr Details zu lesen.

Daniel Baier in Trainingsjacke während eines Spiels zu sehen ist äußerst ungewohnt. Auf Grund des Barts aber wohl zumindest aus ästhetischen Gründen gerechtfertigt. Gibt es einen geheimen Plan? (Photo by TOBIAS HASE/POOL/AFP via Getty Images)

Heiko Herrlich geht ein weiteres Risiko ein, indem er Daniel Baier auf die Bank setzt und Rani Khedira die Kapitänsbinde überträgt. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nichts riskieren würde. Allerdings steht auch eine englische Woche an und vielleicht ist das Ganze auch nur ein Poker, damit Baier unter der Woche bei vollen Kräften ist. Der Jüngste ist der Gute ja nun nicht mehr und genau in dieser Zeit sollte unser großer Kader ein Vorteil sein.

Ich möchte allerdings auch nicht unerwähnt lassen, dass sich Spieler selbst schon auf Grund des Corona-Virus gegen eine Teilnahme am Spielbetrieb entschieden haben. Kante vom FC Chelsea und Deeney vom FC Watford haben für sich die Saison beendet. Das Milliardengeschäft Fußball bringt seine Mitarbeiter weiter in gesundheitliche Gefahr und es ist mir immer noch etwas mulmig dabei.

Was machen eigentlich die Hormone?

Ich lese gerade “Leaders eat last” von Simon Sinek und aus seinen Ausführungen wird recht klar, welchen Effekt auf die Chemie in den Körpern der Spieler die fehlenden Zuschauer haben. Das Hormon Sertonin wird ausgeschüttet, wenn man den Stolz verspürt, von anderen anerkannt und angefeuert zu werden z.B. wenn Spieler die Gesänge aus der Kurve hören oder ihren Namen gebrüllt bekommen. Die Spieler spielen nun also regelmäßig mit einem niedrigeren Serotonin-Level und es bedarf wohl gezielter Maßnahmen, um das in der Arbeit mit den Teams auszugleichen. Der Kick auf dem Feld muss anders erzeugt werden. Aber wie?

Tipps

Andy: 0-0. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie letztes Jahr. Beide Teams zu harmlos vor dem gegnerischen Tor. Dazu kommt das leere Stadion, die Arena. Nichts für Liebhaber der gepflegten Kombinationen.

Mach kaputt, was dich kaputt macht

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Seit 10 Jahren hatte die Bundesliga keinen anderen Meister mehr als den FC Bayern München oder Borussia Dortmund. Wer das Buch “The Number’s Game” gelesen hat, der weiß, dass der sportliche Erfolg zu über 80% von den Gehaltsausgaben eines Vereins abhängt. Es gibt hier eine nachgewiesene Abhängigkeit. Wer sich teure Spieler leisten kann, ist erfolgreicher, als der Club, der es nicht kann. Und wundern tun wir uns hierüber schon seit langem nicht mehr. Was man allerdings feststellen kann: früher war das nicht so. In den ersten sieben Jahren ihrer Existenz, gab es in der Bundesliga sieben unterschiedliche Meister. Da kann ein Verein wie der FC Augsburg oder SC Freiburg noch so gut arbeiten. Mehr als ein vereinzelter Euro League Lotteriegewinn bleibt unmöglich.

Der Fußball braucht keine Rettung

Wenn Herr Watzke, seines Zeichens Geschäftsführer von Borussia Dortmund, in diesen Tag sagt: “Es geht um die Rettung des Fußballs”, dann meint er damit vornehmlich die Vormachtstellung seines eigenen Clubs im aktuellen System. Denn als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, da lag auf der Wiese vor unserem Haus immer noch ein Ball mit dem meine Tochter kicken konnte, wann auch immer sie wollte. Der Fußball an sich wird durch die derzeitige Situation nicht verschwinden. Zudem ist die derzeitige Situation nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wenn ein Club wie Schalke 04 nach wenigen Wochen schon kurz vor der Insolvenz steht, dann liegt das wohl eher an den 200 Mio. EUR Verbindlichkeiten, die trotz abbezahltem Stadion dort schon auf den Büchern lasteten, als an der Krise selbst. Die Krise und der RB Leipzig haben gezeigt, dass die Lizenzierungsbedingungen der DFL eine Farce sind. Also werden gewisse Bedingungen, wie eine Liquiditätsprüfung nunmehr gleich ausgesetzt. Natürlich nur vorübergehend.

Hans-Joachim Watzke sieht die Vormachtstellung seines Clubs gefährdet und hat gefährliche Ideen. (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Dabei bietet die Situation auch Chancen und diese werden aus ungewohnter Ecke adressiert. DFL-Geschäftsführer Seifert hat den Vorschlag einer Gehaltsobergrenze auf den Tisch gebracht. Eine Gehaltsobergrenze würde den sportlichen Wettbewerb in der Liga deutlich erhöhen und für ausgeglichenere Verhältnisse sorgen. Indem die Verteilung von Fernsehgeldern unabhängig der sportlichen Ergebnisse vorgenommen würde, ginge dies auch grundsätzlich nicht zu Lasten der Spieler. In diesen Situationen würden schlicht die Spieler bei den kleineren Vereinen zukünftig mehr verdienen können. Nachdem die Liga auch für Zuschauer wieder attraktiver würde, gäbe es wahrscheinlich grundsätzlich ein mehr an Einnahmen und damit auch ein Gehaltsplus für die Spieler im Gesamten. Das System funktioniert in den US-Ligen schon seit Ewigkeiten.

Machtstellungen sollen zementiert werden

Die großen Vereine wollen aber natürlich ein “weiter so” unter allen Umständen und sind hierfür auch bereit, die Prinzipien des deutschen Profifußballs komplett auszuhöhlen. Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, hat sich nun erst kürzlich dafür ausgesprochen, die 50+1 Regel abzuschaffen. Hierdurch könnten sich viele Vereine retten, ohne dass das System im Gesamten und damit die Vormachtstellung des FC Bayern angegriffen würde. Dem Branchenprimus geht es derweil weiter hervorragend, wo er doch gerade jetzt eine Transferoffensive für den Sommer angekündigt hat.

Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, äußert seine gefährlichen Gedanken, wie alles so bleiben kann, wie es ist. Aber wer will denn das? (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die Corona-Krise scheint dabei für einige Verantwortliche der geeignete Vorwand zu sein, auf den sie lange gewartet haben. Sie hängen weiter ihrer Verblendung nach, in der sie sich schon in den letzten Jahren immer mehr von den Fans auf den Rängen entfremdet hatten. Diese Fans können momentan auf den Rängen nicht gegen Änderungen an den Umständen des Ligabetriebs demonstrieren, sondern engagieren sich vielerorts für die Gesellschaft. Es gibt nun eben doch einiges, was gerade wichtiger ist als Profifußball.

Zeit für Aufstand und Wandel

Derweil ist jetzt der Moment, wo wir mit besonderer Achtsamkeit darauf achten müssen, dass uns “der Fußball” von den Watzkes und Hainers dieser Welt nicht vollends zerstört wird. Die kleinen Vereine sollten eine Koalition bilden, genau wie dies schon vorher von den Fanszenen vorgemacht wurde. Denn jetzt genau ist der Moment gekommen, um für eine gerechtes und chancengleiches System im Profifußball einzustehen, in dem die Vereine weiter das Rückgrat bilden. Es ist Zeit, dass der Fußball wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt und der wirtschaftliche Wettlauf beendet wird. Damit wir in Augsburg nicht mehr nur von der Meisterschaft träumen sondern auch realistisch Meister werden können. Das Spiel ist kurz davor zu beginnen. Es ist der Moment die eigenen Farben und Visionen zu verteidigen. Es ist der Moment, wo es in Augsburg heißt: “Fäuste hoch”.

Fans, vermummt euch!

Es sind ganz großartige Zeiten um Fan des FC Augsburg zu sein. Anfang April habe ich in meiner monatlichen Kolumne beschrieben, warum ich gerade in diesen Zeiten stolz darauf bin, FCA Fan zu sein. Dieses Gefühl hat sich über die Osterfeiertage und in der letzten Woche nur noch verstärkt. Die Ulrich-Biesinger-Tribüne hat an den Osterfeiertagen zusammen mit den Profis Jozo Stanic und Andreas Luthe viele von Corona betroffene Sozialeinrichtungen besucht und Geschenke da gelassen. Dazu haben diese großartigen Menschen ein Angebot für Augsburger Unternehmen gestartet, in dem sie bei Bedarf Waren an Kunden ausliefern. Ich finde diese Aktionen Wahnsinn und bin gerührt (inkl. Tränen in den Augen) von eurem Engagement. Der FCA selbst tut weiterhin sein übriges, indem er die Augsburger Tafel aktiv unterstützt und seine Aktivitäten fortführt.

Wollt ihr die Ulrich-Biesinger-Tribüne bei ihren Bemühungen unterstützen? Dann spendet oder werdet Mitglied. Das mit der Mitgliedschaft ist übrigens ganz einfach durch ein Onlineformular machbar und dauert keine 3 Minuten. Ich habe es gerade für euch ausprobiert.

Ich bin zudem der festen Überzeugung, dass die Aktionen auch viele andere dazu anregen, in diesen schwierigen Zeiten solidarisch zu handeln und zu helfen. Auch hier in meinem Kämmerchen habe in den letzten Wochen überlegt, wie wir hier zusätzlich unterstützen können. Was mir immer wieder aufgefallen ist auf den Pressefotos des FCA bzw. von den Aktionen: die Beteiligten tragen weiterhin keine Masken. Derweil ist gut bekannt, dass Infizierte relativ lange keine Symptome aufweisen können, in dieser Zeit allerdings schon ansteckend sind. Masken schützen alle Beteiligten davor, dass sich der Virus auch bei Kontakt weiterhin wie zuvor ausbreitet.

Derweil ist es in der momentanen Zeit schwer an Masken zu kommen und manche Spezialmasken sollten auch dem medizinischen Fachpersonal vorbehalten bleiben, das diese nun deutlich dringender braucht als der Otto-Normal-Bürger. Wir hatten hier allerdings noch einen Stapel T-Shirts aus zurückliegenden Aktionen rumliegen und ich habe mit @astimumm auf Twitter jemanden gefunden, die aus diesen T-Shirts nun Stück um Stück Mund-Nasen-Masken herstellt. Das Ergebnis könnt ihr ab heute im Shop bestellen. Es gibt vier Modelle:

Ich bitte zu beachten, dass die Masken von den Motiven leicht abweichen können – jede ist irgendwie ein Unikat. Dazu fällt zumindest die erste Rutsche recht klein aus, und ist daher vor allem für kleinere Köpfe zu empfehlen. Die Versandkostenpauschale ist dazu da, die anfallenden Versandkosten zu decken. Der Betrag, den ihr für die Masken bezahlt geht 1:1 an den Bunten Kreis zumindest solange wir die Halil-Shirts zerschneiden. Hier bei uns bleibt – wie immer – kein Cent hängen. Wir werden die Masken im Shop zumindest solange Nachfrage und Material vorhanden ist immer wieder nachfüllen. Zusätzlich: Wer etwas anderes als die Masken im Shop bestellt, bekommt Masken im Artikelwert dazugelegt und alle gezahlten Beträge gehen auch dann an den Bunten Kreis. Schreibt doch am besten vorher eine Email zur Koordination an kontakt@rosenau-gazette.de, wenn ihr auch etwas anderes als Masken bestellen wollt.

Über eine Email freuen wir uns auch dann, wenn ihr als Fanclub selbst noch einen Stapel Rest-Shirts im Keller entdeckt bzw. euch in der Lage seht, Mund-Nasen-Masken nach Schnittmuster zu nähen.

Es ist doch vertrackt. Fans, die sich in den letzten Jahren vermummen wollten, dürfen das nun – genau wie alle anderen. Macht es bitte auch. Leider darf dafür keiner mehr ins Stadion. Mit der Welle an Solidarität von so vielen Beteiligten werden wir als Verein und Fans gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervorgehen. Zusammen. Auch abseits des Feldes. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eine Maske bestellen würdet, so dass wir hier von der Rosenau Gazette auch unseren Beitrag in dieser Situation leisten können. Danke!

Stolz Augsburger zu sein

ieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Martin Schmidt wurde entlassen und kurz darauf Heiko Herrlich als neuer Trainer eingestellt. Alleine dieser Vorgang sorgte im Umfeld des FC Augsburg für viele Diskussionen. War der Trainerwechsel richtig oder falsch? Insgesamt war allerdings klar, dass sich die Spielweise der Mannschaft gehörig ändern musste, damit wir in dieser Saison nicht absaufen würden.

All das ist noch nicht einmal einen Monat her und dennoch kommt es mir selbst wie eine Ewigkeit vor. Die Änderungen, die danach auf uns alle zukamen, hat wohl keiner so kommen sehen. Der Corona-Virus Covid19 hat unser aller Leben gehörig durcheinander gewirbelt. Unser Leben und die Pläne und Vorsätze unseres Clubs für den Saisonendspurt. Anstatt nun am Wochenende gegen Paderborn dem Klassenerhalt deutlicher näher zu kommen, sind es nun eher wirtschaftliche Probleme, die dem FCA auf Grund der fehlenden Sky-Millionen und Zuschauereinnahmen bevor stehen. Wie für uns alle, ist die Lage auch für unseren Verein schwierig.

Der FCA ist zwischenzeitlich zu Krafttraining mit Bierkisten übergegangen, um sich fit zu halten. (Foto: FCA)

Stolz dank Ulrich Biesinger Tribüne

In dieser Situation habe ich in den letzten Wochen aufmerksam beobachtet, wie der FCA auf die Situation reagiert. Dabei stach der Verein nicht als erstes in Auge. Sehr schnell veröffentlichte die Ulrich Biesinger Tribüne (UBT) ein Hilfsangebot für Menschen, die in dieser Zeit Unterstützung benötigen. Fußball ist eben nicht nur das, was auf dem Platz passiert. Es geht am Ende um die Gemeinschaft drumherum. Diese hat in Augsburg schnell so reagiert, dass ich mich selbst stolz dieser Gemeinschaft zugehörig fühle. Wie gerade ein Fan-Verein wie die UBT so schnell nach seiner Gründung so durchschlagend handelt, ist dabei besonders beeindruckend. Alle dort Aktiven hatten sich vor wenigen Wochen wohl eher darauf eingestellt, Unterstützung für die Mannschaft im Abstiegskampf zu organisieren. Mit äußerster Agilität, die zuletzt nur unsere Abwehrspieler an den Tage legten, wenn es darum ging, sich im entscheidenden Moment vom eigenen Gegenspieler zu entfernen und den Weg aufs Tor frei zu machen, hat man sich hier angepasst. Vollsten Respekt und weiter so!

Besonnenheit ist Trumpf

Die Reaktion des Vereins ist dabei wohl am ehesten mit dem Wort besonnen zu beschreiben. Und dies meine ich äußerst positiv. In Zeiten, in denen sich Hans-Joachim Watzke für so kompetent hielt, in der Sportschau genau zu wissen, welche Maßnahmen für Bundesliga-Vereine angemessen sind, und sich damit recht schnell zum Depp machte, ist es doch schön zu sehen, dass die FCA Chefs genau wissen, dass sie keine Virologen und Politiker sind. Die Verantwortlichen des FCA drücken zudem nicht öffentlich auf die Tränendrüse und betonen nicht, wie sehr sie auf die Einnahmen aus den restlichen Spielen angewiesen sind. Diese Rolle überlässt man dem roten Bonzenclub aus München mit dem großen Festgeldkonto. Es ist uns bewusst, dass die Situation für die Vereine und auch für den FCA nicht einfach ist. Wie froh bin ich dennoch, dass wir uns für unsere Vereinsverantwortlichen nicht schämen müssen, da sie ihre Lage und die des Vereins einzuordnen wissen.

Gezielte Hilfe zusammen mit Partnern

Im Hintergrund hat der FCA zudem an einem breiten Angebot an Hilfsangeboten gearbeitet und in der letzten Woche vorgestellt und direkt angepackt. Von Mittwoch bis Freitag gab es einen Getränke Drive Trough für Pflegepersonal, sei es aus Krankenhäusern, Altenheimen oder Behinderteneinrichtungen, um diesem für ihre tägliche Arbeit grundsätzlich, aber ganz besonders in diesen Tagen, zu danken. Die Geschäftsführer des Vereins, Spieler und Fans packten zusammen an. Vorbildlich!

Helfen und sogar noch Spaß dabei haben? Beim FCA ist das möglich. (Foto: FCA)

Hier sind in den kommenden Wochen viele weitere Aktionen geplant, die alle über eine gemeinsame Webseite für die Stadt und Region gebündelt werden. Auch die Aktion der UBT ist hier neben den weiteren Aktionen zu finden. Diese umfassen momentan u.a. neben den bisher genannten:

  • Digitale Spendenplattform
  • Gutschein-Verteilung
  • Unterstützung Tafel Augsburg e.V.
  • Verkauf Motto T-Shirt für guten Zweck

#Augsburghältzusammen keine leere Phrase

Insgesamt ist es in dieser kritischen Situation sehr schön, zu sehen, dass sowohl Fans als auch Verein den vielgenutzten Slogan “Augsburg hält zusammen” nicht nur in guten Zeichen zu Marketingzwecken vor sich her tragen. Gerade jetzt, wo viele Menschen Sorgen haben und Unterstützung benötigen, zeigt die Fußballgemeinschaft aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt ist. Ich predige ja immer wieder, dass es kaum eine andere Plattform gibt, die wie der Fußball in der Lage ist, Menschen zusammen zu bringen. Der FC Augsburg und viele Menschen, die sich mit dem Verein identifizieren, zeigen gerade eindrücklich, dass dies nicht nur am Samstag um 15:30 Uhr gilt. Und wo es in der Hymne heißt “Wir sind seit 1907 / nicht nur am Samstag für dich da.” können wir evtl. bald eine weitere Strophe hinzufügen. Für Tradition kann man sich im Profifußball seit einiger Zeit nichts mehr kaufen. Aber diese Werte und eine solche Einstellung sind zumindest für mich unbezahlbar. Da lebt der Stolz auf Augsburger zu sein, und der wird zumindest mich noch eine ganze Weile durch diese schwere Zeit tragen.