Kaderanalyse: Mittelfeld

Der FC Augsburg hat den nächsten Transfer vollzogen. Arne Maier wechselt zunächst auf Leihbasis von Hertha BSC nach Schwaben, im Gegensatz schließt sich FCA-Eigengewächs Marco Richter den Berlinern an. Der FC Augsburg kann Maier langfristig an sich binden, wenn er eine gewisse Anzahl an Einsätzen macht. Davon, dass der Achter auf ausreichend Spielzeit kommt, ist auszugehen. Wie sieht die Lage im Mittelfeld darüber hinaus aus? Der Kadercheck.

Zentrales Mittelfeld

Das zentrale Mittelfeld ist das Herzstück einer jeden Mannschaft. Umso schwerwiegender ist es, dass der FCA auf dieser Position zuletzt eher schwach besetzt war. Im Mittelfeld herrschte vor der Saison der größte Handlungsbedarf, auch weil Sechser Rani Khedira den Verein nach vier Jahren verlassen hat. Manager Stefan Reuter war also gefordert – und scheint seine Hausaufgaben mehr als ordentlich gemacht zu haben.

Dorsch und Maier – U21-Duo als Schaltzentrale

In der Zentrale scheint Neuzugang Niklas Dorsch gesetzt. Der 23-Jährige deutete im Pokal gegen Greifswald bereits an, wie sehr er dem FCA mit seiner Spielintelligenz weiterhelfen kann. Das 4:2 war mustergültig per Chipball vorbereitet. An ihm werden die Fans noch viel Freude haben.

Da hat Stefan Reuter schon einen großen Fisch an Land gezogen (Foto via imago)

Neben ihm könnte Arne Maier auflaufen. Der Olympia-Fahrer gewann vor wenigen Wochen die U21-Europameisterschaft – zusammen mit Niklas Dorsch. Das Duo bildete das zentrale Mittelfeld mit Dorsch als defensiveren Part sowie Maier als Achter und harmonierte perfekt. Beide waren ein Garant für den Titel. Hier könnte der FCA einen echten Transfercoup hingelegt haben.

Gegen Greifswald startete Jan Moravek neben Dorsch im Mittelfeld. Der Tscheche, mittlerweile seit neun Jahren im Verein, spielte eine gute Vorbereitung und genießt das Vertrauen von Markus Weinzierl. Schon zu Europa-League-Zeiten arbeiteten die beiden zusammen. Ist Moravek fit, ist er fast gegen jeden Gegner eine Option für die Startelf. Seine Ballsicherheit kann dem FCA-Spiel nur guttun.

Moravek scheint derzeit der erste Kandidat zum Durchrotieren zu sein. Carlos Gruezo ist in der Vorbereitung hingegen etwas aus dem Blickfeld geraten. Das liegt auch an seiner Corona-Infektion bei der Copa America. Vergangene Saison schien er den Sprung zum Stammspieler zu packen. Jetzt, samt neuer Konkurrenz, werden die Karten neu gemischt.

Eine weitere Optionen auf der Sechs ist Tobias Strobl. Der Routinier konnte vergangene Saison nicht in die Fußstapfen von Daniel Baier treten und laboriert derzeit an einer Sprunggelenksverletzung. Wenn der frühere Gladbacher zum Team zurückkehrt, wird es schwierig, auf Einsatzzeiten zu kommen.

Das gilt auch für Tim Civeja. Das Eigengewächs feierte vergangene Saison seine ersten Einsätze im Profibereich. Dem 19-Jährigen wird in Augsburg viel zugetraut, aber ob er diese Saison sonderlich viele Einsatzminuten sammelt, ist fraglich.

Für Tim Civeja wünschen wir uns auch einiges an Einsatzzeit (Foto via imago)

Insgesamt ist der FC Augsburg im zentralen Mittelfeld mehr als gut aufgestellt. Von den Namen brauchen sich die Schwaben hier auch nicht vor der Bundesligakonkurrenz verstecken. Sollten Spieler verletzt oder gesperrt sein, gebe es mit den Innenverteidigern Reece Oxford und Jeffrey Gouweleeuw weitere Optionen für die Sechs. Der FCA-Kapitän bekleidete die Position bereits in Alkmaar und kann im Mittelfeld seine Spielstärke und Übersicht ideal ausspielen. Wäre Gouweleeuw nicht so wichtig für die Defensive, würden ihn die FCA-Fans bestimmt öfter weiter vorne sehen.

Rechtes Mittelfeld

Auf der rechten Außenbahn scheint Daniel Caligiuri gesetzt. Es ist zwar auch vorstellbar, dass der 33-Jährige unter Markus Weinzierl defensiver agiert, doch wir sehen ihn aktuell (noch) in der Offensive. Der Deutsch-Italiener, der sich derzeit von einer Coronainfektion erholt, will an die gute vergangene Spielzeit anknüpfen.

Gegen Greifswald spielte André Hahn auf rechts. Der gebürtige Niedersache spielte sich vergangene Saison in den Fokus, zeigte seine besten Leistungen allerdings in zentralerer Rolle. Es bleibt spannend, wie Weinzierl mit ihm plant.

Der derzeitige Topscorer (Foto: Eibner-Pressefoto via imago)

Konkurrenz erhält das Duo unter anderem von Neuzugang Lasse Günther. Der 18-Jährige, der bereits in der Jugend beim FCA kickte und nun vom FC Bayern an den Lech zurückgekehrt ist, soll allerdings behutsam an die Profis herangeführt werden. Stammspieler ist Günther nicht, eine vielversprechende Alternative jedoch allemal.

Linkes Mittelfeld

Im linken Mittelfeld deutet alles auf den im Pokal gesperrten Ruben Vargas hin. Der Schweizer EM-Fahrer hat seinen Vertrag in Augsburg erst verlängert und könnte unter Weinzierl eine tragende Rolle einnehmen. Der flinke 23-Jährige hat schon einige hervorragende Ansätze gezeigt. Sein Potential scheint allerdings noch nicht vollends ausgeschöpft. Dem FCA kann dies nur recht sein.

Konkurrenz auf links hat Vargas derzeit eher wenig. Gegen Greifswald setzte Weinzierl auf einen starken Fredrik Jensen. Wir sehen den Finnen aber eher in der Zentrale. Das offensive Mittelfeld haben wir bereits in unserem Offensiv-Check unter die Lupe genommen.

Eine positive Überraschung in dieser Saison könnte Maurice Malone sein. Das FCA-Eigengewächs ist frisch von seiner Leihe aus Wiesbaden zurückgekehrt und soll eine Chance im Profikader bekommen. Zwölf Tore und neun Vorlagen für den SV Wehen lesen sich stark. Nun muss der 20-Jährige jedoch zeigen, dass er auch in der Bundesliga mithalten kann. Die Veranlagungen dazu hat der gebürtige Augsburger.

Wir gratulieren herzlich zum ersten Pflichtspieleinsatz für die Profis! (Foto via imago)

Wie Weinzierl mit Noah Joel Sarenren Bazee plant, ist noch unklar. Der Deutsch-Nigerianer kann beide Außenbahnen bekleiden, gilt allerdings als extrem verletzungsanfällig. Bleibt der frühere Hannoveraner und Wunschtransfer von Martin Schmidt fit, kann er zu einem wichtigen Puzzleteil im Augsburger Spiel werden. Wenn auch nur als Joker.

Fazit: Der FC Augsburg ist auf den Außenbahnen im Prinzip ordentlich aufgestellt. Gerade die Startelfkandidaten versprechen einiges. In der Tiefe wird es allerdings dünn, zumal Sarenren Bazee sehr verletzungsanfällig ist und sich Günther wie auch Malone erst noch beweisen müssen. Nach dem Abgang Marco Richters könnte der FCA daher noch einmal nachjustieren. Hier gilt allerdings das Credo: Nur etwas machen, wenn es die Mannschaft wirklich weiter bringt.

Das erste große Turnier

Ich weiß nicht mehr genau, wo ich im Sommer 1990 war und das Finale der WM gesehen habe. In meiner Erinnerung sehe ich mich vor dem Fernseher meiner Großeltern. Zusammen haben wir gefiebert. Es sind mit meine ersten Erinnerungen an Fußball. Das gemeinsame Erlebnis mit der Familie. Dieses Fiebern mit der eigenen Mannschaft. Der Triumph.

Und auch wenn mich die Nationalmannschaft mit ihren Marketingkampagnen nervt, und der Fußball nicht ansehnlich war, so habe ich die EM in diesem Sommer verfolgt. Auch zusammen mit meiner großen Tochter. Sie ist sieben Jahre alt. Und vielleicht ist diese EM2020, die in 2021 stattfand, das erste große Turnier, an das sie sich erinnert. Und ich würde ihr gerne das gleiche romantische Erlebnis mit auf den Weg geben.

Aus und vorbei. Schneller als gedacht, reichte es sportlich für das deutsche Team nicht mehr und die Enttäuschung war groß. (Foto via Imago)

Und so war der Abend des Portugal-Spiels eine große Freude. Der Abend des Ungarn-Spiels eine große Verwirrung. Der Abend des England-Spiels ein großes Tal der Tränen. Eine bittere Enttäuschung. An diesem Abend habe ich hier dann erzählt, um sie aufzumuntern, dass man ja auch mit anderen Mannschaften als der eigenen Nationalmannschaft mitfiebern kann. Und so kam es, dass ich sie darauf aufmerksam machte, dass ihr Lieblingsspieler noch im Turnier war.

Lieblingsspieler sind ja wie der Lieblingsclub: Man kann sie sich nicht selbst aus freien Stücken aussuchen. Ich kann euch deshalb nicht genau erklären, warum meine Tochter gerade Ruben Vargas toll findet. Naja, die auffälligen Offensivaktionen (die ich natürlich brav herausstelle, wenn Ruben mal wieder am Ball ist) und die Großaufnahmen nach Toren werden beim gemeinsamen Konsum von FCA Spielen ihren Teil beigetragen haben. Rubens sympathische Art und sein freundliches Erscheinungsbild werden den Rest erledigt haben.

Und so habe ich ihr erklärt, dass Ruben Schweizer ist und die Schweiz noch im Turnier war. Und wir haben stolz mit Ruben mitgefiebert. Beim ersten Elfmeterschießen. Nach seiner frühen Einwechslung. Und auch beim zweiten Elfmeterschießen. Kein FCA-Spieler ist bei der EM dem Titel näher gekommen als Ruben Vargas. Kein FCA-Spieler hat mehr Spielminuten gesammelt. Nur Gregerl hatte mehr Spaß. Ruben hat mit 22 Jahren ein famoses erstes großes Turnier gespielt. Er war ein wichtiger Bestandteil einer sehr guten Schweizer Nationalmannschaft. Und vielleicht ist es er und seine Leistungen, die meine Tochter als erste Erinnerung an ihr erstes großes Turnier mit sich tragen wird.

Ruben Vargas bei der EM2020 ist eine Familienerinnerung geworden (Foto: Andrea Staccioli / Insidefoto via Imago)

Klar, auch der Weg der Schweiz endete in einer Enttäuschung. Gerade dann, wenn man so weit kommt und dem Weiterkommen so nahe ist, ist es schwer, sich mit dem Ausscheiden abzufinden. Im Elfmeterschießen, der Lotterie des Fußballs. Das Gute ist: es wird schon bald eine neue Chance geben. Das nächste große Turnier kommt bestimmt und Ruben Vargas wird vielleicht erneut eine Chance bekommen daran teilzunehmen. Gestärkt durch die Erfahrungen dieser EM. Erfahrener und abgezockter. Meine Tochter wird Fußball und die Turniere vielleicht dann noch bewusster wahrnehmen. Ruben hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sie den Zirkus auf einer menschlichen Ebene aufnimmt und vom sportlichen Wettkampf fasziniert ist.

Aber bis dahin geht es wieder um den Ernst des Lebens: die Bundesliga. Meine Tochter freut sich auf die kommende Saison mit dem FCA. Wir waren bisher einmal gemeinsam im Stadion und sie hätte schon mal wieder Lust. Auch um Ruben Vargas spielen zu sehen. Seit kurzem verweilt Ruben Vargas wieder beim FCA, bei seiner Mannschaft. Und hat angekündigt, dass er noch mindestens ein Jahr bleiben will. Und seinen Vertrag erstmal bis 2025 verlängert. Das freut mich. Es herrscht ein bisschen Aufbruchsstimmung in der Stadt. Mit Sicherheit nicht wegen der EM. Endlich mal wieder wegen dem FCA. Und weil Spieler wie Ruben weiter Bock haben für den Club zu kicken. Und ganz Augsburg weiß, was Markus Weinzierl mit einem guten linken Flügelspieler alles anstellen kann.

Die großen Turniere sind der Kaviar der Fußballfans. Wenn er da ist, frisst man so viel, wie man kann. Aber am Ende aller Tage ziehe ich die Bundesliga und eine solide Bratwurst vor. Es wäre doch gelacht, wenn Ruben Vargas in der kommenden Saison nicht einen deutlichen Anteil daran hätte, dass meine Tochter noch frenetischer dem FCA zujubeln kann als jemals zuvor. Es würde uns wohl alle gemeinsam freuen. Ruben, ich glaube an Dich! Und jetzt lass uns mit dem FCA gemeinsam Spaß haben.

Neues aus Europa

Es ist das erste und wahrscheinlich auch für lange Zeit einzige Mal, dass man mit dieser Überschrift zu einem großen Turnier einen Text beginnen kann. Trotz Corona hat die UEFA nicht darauf verzichtet, die Euro 2020 (was ein Wahnsinn, noch nicht einmal die Jahreszahl anzupassen) in vielen Städten über den Kontinent verteilt spielen zu lassen. Es ist Sommerpause, ich habe einen Hang die Nationalmannschaft besser zu finden, als ich sollte (eine typische Fußballfanangewohnheit) und schaue doch ab und an mir Spiele des Turniers an. Dabei kamen mir ein paar Gedanken, die ich gerne festhalten will.

Beste Wünsche für die eigenen Spieler

Drei Spieler, die für nächste Saison vertraglich momentan beim FCA gebunden sind, spielen bei diesem Turnier mit. Die größte Rolle für seine Mannschaft hat dabei wahrscheinlich Michael Gregoritsch. Nach Einwechslung und Treffer in Spiel 1 durfte er in Spiel 2 von Beginn an ran, bevor er in Spiel 3 von außen verfolgte, wie die österreichische Mannschaft ins Achtelfinale des Turniers einzog. Wie wäre es mit einem entscheidendem Treffer in einem K.O.-Spiel? Freddy Jensen und Ruben Vargas wurden beide in Spiel 2 eingewechselt, nachdem es in der ersten Partie nicht zum Debüt gelangt hatte. Ich bin dabei immer hin und her gerissen. Einerseits würde ich die Jungs am liebsten in Watte packen, damit sie sich bei der Nationalmannschaft nicht verletzen. Andererseits wünsche ich Ihnen nur die besten Erfolgsmomente und Erfahrungen.

Gregerl freut sich über seinen Treffer (auch wenn er gezwungen wurde ein Trikot zu tragen, dass überhaupt nicht zu Hose und Stutzen passt)(Foto: GEPA pictures/ Christian Walgram via Imago)

Gregerl ist zudem eine der spannendsten Personalien in diesem Sommer. Gregerls letzte Saison war eine große Enttäuschung. Herrlich und Gregerl passte nicht so richtig. Gregerl in Topform und mit Selbstvertrauen wäre ein Gewinn fürs Team. Einen ordentlichen Transfererlös würde er jetzt im Sommer wohl nicht einbringen. Evtl. würde er trotzdem gerne eine neue Perspektive bei einem anderen Club suchen. Markus Weinzierl kann auch mit Spielern, um die man sich aktiv kümmern mudd. Caiuby und Raul Bobadilla spielten teilweise übermenschlich. Wenn Weinzierl Gregerl mal nicht auf die rechte Spur zurückführen könnte?

Die Gesamtgemengelage

Dieses große Turnier fühlt sich trotz allem komisch an. Das liegt nun nicht nur an der Zuschauerbegrenzung in vielen Stadien. Das liegt auch daran, dass es keine öffentlichen Events und Public Viewing gibt. Martin Hinteregger hat das vor Turnierbeginn so ausgedrückt:

“Dass das ein großes Turnier ist, ist schwer vorstellbar, aber vielleicht kommt mit dem Anpfiff das Feeling, wenn zumindest ein paar Zuschauer im Stadion sind”

Martin Hinteregger

Auch bei mir lief das ähnlich. Als dann erstmal der Fernseher lief, war die EM-Stimmung dann schon etwas gefunden. Naja, zumindest dann wenn das Spiel denn regulär übertragen wurde. Ein Teil der Spiele ist ja bei Magenta TV gelandet. Und die Server hielten natürlich nicht. Es sollte irgendwo möglich sein, einen EM-Pass zu kaufen und alle Spiele sehen zu können. Mit diesen vielen Quellen verliert doch jeder den Überblick und der Spaß geht verloren. Mit diesen vielen Übertragungspartnern macht sich die UEFA das Produkt langfristig kaputt. Unverständlich, wo man doch eigentlich nur aufs Geld schaut.

Spieler als Helden

Wie mit den Spielern indes umgegangen wird, ist weiterhin überaus kritikwürdig. Während Christian Eriksen Herz still stand, hielten die Kameras der Zentralregie voll drauf und es waren die dänischen Spieler, die eine Sichtbarriere um ihren Mannschaftskameraden bildeten. Es waren auch die Mannschaftskameraden, die am schnellsten zur Stelle waren und Eriksen das Leben retteten.

Simon Kjaer, Thomas Delaney, Andreas Christensen und Jonas Wind bangen um das Leben ihres Teamkameraden Christian Eriksen und schaffen selbst Privatsphäre für diesen. Kurz danach musste es weitergehen, denn verbindliche Regelungen für solche Fälle gibt es weiterhin nicht (Foto: Ritzau/Scanpix Liselotte Sabroex via Imago)

Die UEFA hatte schon kurz darauf ein Ultimatum für diese Spieler: entweder spielt ihr heute zu Ende oder morgen um 12 Uhr mittags. Ernst jetzt? Aber ja. Und obwohl medizinische Zwischenfälle immer mal wieder vorkommen im Rahmen von Wettbewerbspartien gibt es keine Regelung wie dann verfahren wird. Kein “ab dieser Schwere brechen wir ab und nachgeholt wird nach mindestens X Tag (en) Pause und dem Angebot psychologischer Betreuung”. Derweil zum Beispiel mögliche Werbeaktivitäten von Spielern genau geregelt sind, gibt es für den Fall eines medizinischen Notfalls kein Protokoll (genau wie Spieler nach Kopfverletzungen weiterhin keinem Protokoll unterliegen und geschützt werden).

Spieler finden ihre Vorbildrolle

Spannend ist sehr wohl zu beobachten, wie manch Spieler seine Vorbildrolle findet. Christiano Ronaldo, der Colaflaschen zur Seite stellt und sagt: “Trinkt Wasser” (und wer Ronaldo sagt, sollte ich bitte auch die Folge 004 FRÜF zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn anhören). Paul Pogba, der die Flasche Heineken entfernt. Auch hierfür wird es jetzt schleunigst eine Regelung geben, die den Spielern das verbietet. Manchmal ist man eben schnell im Regeln. Die UEFA sieht die Spieler noch lange nicht als Partner auf Augenhöhe. Obwohl es weiterhin die Spieler sind, die ihre Knochen hinhalten und die Arbeit auf dem Platz machen. Ohne Spieler keine Spiele. Man fragt sich, wie lange, sie das überhaupt noch mitmachen, dass ein Verband sich auf ihre Kosten die Taschen vollmacht und das Geld irgendwo in der Intransparenz versickert. Dass es noch keine Spielerberater gibt, die Spieler dagegen aufgebracht haben.

Und so kommt es nun, dass ich zwar die UEFA und ihre Haltung in vielen Dingen für schwierig halte, die fortschreitende Kommerzialisierung kritisiere und dennoch mit diesen Spielern fiebere. Mit den Kimmichs und Goretzkas, die es da gibt und die positiv vorangehen in dieser Welt. Mal schauen, wie lange ich das durchhalte und wie sich meine Laune entwickelt. Zumindest momentan bin ich zuversichtlich, dass ich am Mittwoch wieder mit Spannung dabei bin, wenn es gegen die Ungarn geht. Auch, weil man sich bei manchen Spielen etwas mehr wünscht, dass man gewinnt. Und, dass die Arena in München in Regenbogenfarben leuchtet.

Augsburger EM-Fahrer

Nach der Bundesligasaison ist vor der Europameisterschaft. Auch die Relegationsspiele sind derzeit noch in vollem Gange – da kann man einfach nur froh sein, dass der FCA dieser saisonverlängernden “Maßnahme” in letzter Sekunde entkommen ist. Und wir Fans nun einfach vor dem TV diesen internationalen Turnieren beiwohnen dürfen. Die Europameisterschaft wurde bekanntlichermaßen im Jahr 2020 aufgrund der Pandemie-Lage abgesagt und von der UEFA sodann um zwölf Monate verschoben, sodass diese jetzt im Sommer 2021 stattfindet. Genauer gesagt findet das Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 in zehn europäischen Städten und einer asiatischen Stadt (Baku) statt. Das Finale wird sodann im altehrwürdigen Londoner Wembleystadion gespielt.

Dies bedeutet – neben all den coronagerechten Public Viewing “Events” im eigenen Garten – auch, dass nach einer intensiven und bereits sehr gestauchten Bundesligasaison – samt DFB-Pokal, Europa League, Champions League und Co. – noch ein weiteres Format in diesem Sommer ansteht. Zumal dies auch nicht das letzte sein wird, da im Juli und August diesen Jahres noch die Olympischen Sommerspiele in Tokyo, Japan, stattfinden.

Auch einige FCA Spieler und Ex-Akteure werden sich hierbei auf der internationalen Bühne präsentieren dürfen. Welche FCA-(Ex)-Spieler das sind und wer wider Erwarten gar nicht erst nominiert wurde? Ein Überblick:

Österreichische Bundesligaauswahl

Der ÖFB hat zuletzt seinen finalen 26 Mann Kader für die EM2021 bekannt gegeben. Darunter befinden sich 20 Bundesligaspieler. Der FCA stellt mit Reservist Michael Gregoritsch einen dieser Akteure. Gregerl ist hierbei – im Gegensatz zu seinem Club-Engagement- bei der Nationalelf hochangesehen und im Kader gesetzt. Anscheinend ist es daher auch verschmerzbar, dass “Gregerl” keine gute Bundesligasaison hinter sich hat, in der er mehr Ergänzungsspieler war als auf dem Platz stand. 24 der 34 Spiele stand er zwar im Kader, jedoch entspricht dies nur 27% der Spielminuten. Weiterhin hat er kaum Startelfeinsätze, die Startelfquote liegt bei geringen 26%. Zu wenig eigentlich für den ambitionierten österreichischen Stürmer.

Für den FCA ist zu hoffen, dass der 27jährige entweder eine glänzende EM spielt, um sich für andere Vereine interessant zu machen (und somit dem FCA eine gute Ablösesumme zu bescheren). Oder er sich, falls er in Augsburg verbleiben möchte und Weinzierl auf ihn setzt, ordentliches Selbstvertrauen in der Nationalauswahl holt. Der ausgeliehene FCA-Innenverteidiger Kevin Danso hat es übrigens nicht in den EM-Kader geschafft, trotz starker Leistungen im Fortuna-Trikot. Die Konkurrenz auf seiner Paradeposition ist aber auch denkbar stark. Mit seinem Ex-Teamkollegen beim FCA, Martin Hinteregger, David Alaba, der bei den Bayern zuletzt auf dieser Position brillierte und dem Freiburger Stammspieler Lienhart hat Kevin Danso namenhafte Konkurrenten in der österreichischen Nationalmannschaft vor sich. Auch der Hoffenheimer Posch und der Bremer Friedl können diese Position bekleiden.

Österreich trifft in der Vorrunde auf Nordmazedonien, Ukraine und die Niederlande.

Tschechisches Doppel

Zwei (noch) FCA-Spieler stehen überraschend-unüberraschend nicht im EM-Kader Tschechiens. Hierbei handelt es sich um den zweiten Torhüter Tomas Koubek sowie Aushilfsverteidiger und Ex-Nationalmannschaftskapitän Marek Suchy, der den FCA in der Sommerpause verlassen wird und kürzlich verabschiedet wurde. Während Koubek schlicht und ergreifend die Spielpraxis fehlt, konnte Marek Suchy bei seinen wenigen Einsätzen zusätzlich kaum überzeugen.

Nationaltrainer Jaroslav Silhavy berief stattdessen vier andere namenhafte Bundesligaprofis in das 25-köpfige Aufgebot für die EM-Endrunde: Torwart Jiri Pavlenka von Werder Bremen, den Hoffenheimer Verteidiger Pavel Kaderabek, Hertha BSC-Mittelfeldakteur Vladimir Darida und den Leverkusener Angreifer Patrik Schick. Der Herthaner Darida soll die tschechische Auswahl hierbei als Kapitän aufs Feld führen. Tschechien trifft in der Gruppenphase auf Schottland, Kroatien und England. Eine starke Gruppe!

Kurios: Für Verteidiger Ondrej Kudela wird zunächst ein Kaderplatz freigehalten, vorbehaltlich eines noch zu erwartenden Urteils. Der 34-Jährige Spieler von Slavia Prag wurde im April wegen eines “mutmaßlich rassistischen Verhaltens für zehn Spiele in sämtlichen UEFA-Wettbewerben” gesperrt. Gemäß sport1 wird ein Einspruch derzeit noch verhandelt.

Schweizer Jungspund

Deutlich glücklicher dürfte derzeit Ruben Vargas sein trotz seiner roten Karte im so wichtigen Spiel gegen Werder Bremen. Der 22jährige Schweizer ist einer von zwölf Bundesligaspielern, die zuletzt in den EM-Kader der Schweiz berufen wurden. Nati-Coach Vladimir Petkovic nominierte zuerst 29 Akteure, von denen 26 mit zur Europameisterschaft fahren dürfen. Spätestens am 01.07. muss der finale Kader bekannt gegeben werden. Mit 9 Scorerpunkten (6 Tore, 3 Assists) in der abgelaufenen Saison hat Vargas jedenfalls gute Argumente, es in diese finale Auswahl zu schaffen. Die rote Karte zu Saisonende dürfte dem Nationalcoach aber eher nicht so gut geschmeckt haben.

Unter den bisher nominierten Spielern sind einige bekannte Namen, z.B. die vier Gladbacher Embolo, Zakaria, Elvedi und Sommer. Weiterhin die drei Wolfsburger Mehmedi, Mbabu und Renato Steffen. Eintracht Frankfurt stellt zwei Spieler ab, Steven Zuber und Djibril Sow. Ein alter Augsburger Bekannter wird einer der drei Ersatz-Torhüter der Schweizer sein: Es handelt sich konkret um Gregor Kobel, der die Rückrunde 2018/19 beim FCA verbrachte. Der mittlerweile 23jährige steht derzeit beim VfB Stuttgart unter Vertrag, ist aber heiß begehrt auf dem Transfermarkt. Unter anderem der BVB soll an ihm dran sein. Kurios: Mit dem Ex-Augsburger Marwin Hitz und Yann Sommer würde sich Kobel gegebenenfalls sogar mit zwei Landsleuten in Dortmund duellieren.

Die Schweiz trifft in der Vorrunde auf Italien, Türkei und Wales. Keine einfache Aufgabe für die ambitionierten Schweizer.

Ruben Vargas hat eine erstaunlich steile Karriere in der Schweizer Nati hingelegt. Und kann sich jetzt bei der EM ins Rampenlicht spielen…. (Foto: Manuel Geisser via Imago)

Finnisches Rätsel

Ein Rätsel war zu Beginn die Nominierung von FCA-Mittelfeldspieler Fredrik Jensen. Als man zuerst auf den EM-Kader der Finnen blickte, fehlte vom Offensivakteur jede Spur. Aber als der Kicker am 19.05. sodann das vorläufige Aufgebot der Finnen präsentierte, stand der Name des 23jährigen mit auf der Liste. Hierbei befindet er sich in guter Gesellschaft: Mit Keeper Lukas Hradecky von Bayer Leverkusen und Angreifer Joel Pohjanpalo von Union Berlin wurden zwei weitere Bundesligaspieler nominiert. Finnland gilt als klarer Außenseiter, sind sie doch erstmalig bei einer EM dabei. Zudem wurden sie einer echten Hammergruppe zugelost: Man trifft auf Dänemark, Belgien und Russland in der Vorrunde.

Dass Freddy Jensen nominiert wurde, zeigt auch die starke Wertschätzung, die er in seinem Heimatland erfährt. In Augsburg ist er bisher sportlich noch nicht durchgehend erfolgreich, jedoch umso mehr in der finnischen Nationalelf. Dies kommt nicht von ungefähr: In der Nations League B traf der Youngster in vier Einsätzen dreimal ins Tor. In 16 Spielen für die finnische Nationalmannschaft traf Jensen insgesamt sieben Mal. Hierbei wurde er sowohl im offensiven Mittelfeld als auch als Stürmer eingesetzt. Für den FCA hat der Rechtsfuß in der seit kurzem vergangenen Saison nur 13 Auftritte absolvieren können. Dies entspricht einer 3% Startelfquote und 12% der möglichen Spielminuten.

Polnischer Nachrücker

Robert Gumny gilt nicht umsonst als der Senkrechtstarter der Saison beim FCA. Der polnische Juniorennationalspieler hat in der Rückrunde sogar so gut in Augsburg gespielt, dass er auf der “Nachrückerliste” der polnischen Nationalmannschaft geführt wird. Das heißt, im Falle einer Verletzung eines anderen Spielers auf dem 26-Mann-Kader könnte der Rechtsverteidiger ein aktiver EM-Teilnehmer werden. Natürlich wünscht man aber keinem anderen Spieler eine Verletzung. Im endgültigen Aufgebot steht mit Robert Lewandowski nur ein Bundesligaprofi, nachdem der Herthaner Krzysztof Piatek seine Teilnahme verletzungsbedingt absagen musste.

Bei der polnischen Nationalmannschaft steht im Ergebnis auch Rafal Gikiewicz wohl nicht so hoch im Kurs. Während wir Augsburger dem Klasse-Keeper für viele festgehaltene Punkte in der abgelaufenen Saison danken müssen und sich das Argument aufstellen lässt, dass es in der Bundesliga in der abgelaufenen Saison keinen stärkeren Keeper gab, wurde er für die polnische Auswahl nun nicht berufen.

Die polnische Auswahl trifft in der Gruppenphase auf Spanien, Schweden und die Slowakei. Auch eine richtig harte Gruppe. Trotz dem Weltklasse-Angreifer Robert Lewandowski, der zuletzt gegen den FCA den Uralt-Rekord von Gerd Müller einkassierte, gelten die Polen nicht als Favorit für das Weiterkommen in dieser Gruppe. Der Verzicht auf Gikiewicz wird die Chancen aufs Weiterkommen nicht erhöht haben.

Robert Gumny in Lauerstellung – wird er bald in der polnischen Nationalmannschaft durchstarten, nach einer starken Premieren-Saison beim FCA? (Foto: Wolfgang Frank Eibner via Imago)

Frust pur

Der FCA musste leider und wie bereits seit längerem bekannt auf seinen Stamm-Innenverteidiger Felix Uduokhai verzichten. Der 23jährige hatte sich Anfang Mai am Sprunggelenk verletzt und musste operiert werden. Ein richtiger Schock für die Augsburger. In der abgelaufenen Saison stand der Verteidiger in 29 von 31 Partien über 90 Minuten auf dem Platz. Zuletzt wurde er erstmals für die deutsche Nationalmannschaft nominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Seine Verletzung verbunden mit der Operation bedeuteten auch das EM-Aus. Eine große Enttäuschung für den jungen Innenverteidiger.

Ein weiterer enttäuschter Defensivspieler mit Augsburg-Bezug ist Philipp Max. Der 27jährige Außenverteidiger wechselte erst im vergangenen Sommer vom FCA nach Holland – zu PSV Eindhoven. Dort spielt er unter anderem mit Mario Götze zusammen. Schon zu Augsburger Zeiten erzielte der extrem spielstarke Außenverteidiger viele Scorerpunkte. Seine maßgenauen Flanken und präzisen Freistöße sind heute noch unvergessen in der Fuggerstadt.

Nach seinem Wechsel in die Eredivisie machte er dort weiter, wo er in Augsburg aufgehört hatte: Er sammelte Scorer um Scorer. Bundestrainer Jogi Löw hatten die Leistungen des heute 27jährigen noch nie sonderlich interessiert, trotz lauter öffentlicher Bekundungen für den gebürtigen Viersener wurde er bis November 2020 nicht für die deutsche Auswahl nominiert.

Linksverteidiger links liegen gelassen

Am 6. November 2020 berief Bundestrainer Löw Philipp Max sodann in den erweiterten Kader der Nationalmannschaft. Es standen ein Freundschaftsspiel gegen Tschechien sowie zwei Spiele in der  Nations League (gegen Ukraine und Spanien) an. Beim 1:0-Erfolg gegen die tschechische Auswahl stand er in der Startelf und bereitete den Siegtreffer vor.

Auch im März 2021 stand Max noch im Kader der deutschen Elf. Eine Nominierung wäre sicherlich verdient gewesen, da er auch in der Saison 20/21 brillierte. In der Eredivisie gelangen ihm fünf Treffer und er gab weitere acht Torvorlagen. Dies entspricht 85% Startelfquote, somit kann man getrost sagen, dass er sich beim holländischen Vizemeister einen Stammplatz erspielt hat. International konnte sich Max in der abgelaufenen Saison ebenfalls beweisen: In der Europa League absolvierte er alle acht Spiele und gab drei Torvorlagen. In 7 der 8 Partien stand er 90 Minuten auf dem Platz.

Trotz der internationalen Erfahrung, der Berufungen in die Nationalelf zuletzt und der klasse Saison in einer mittlerweile stärkeren Eredivisie konnte Max Löw nicht nachhaltig von sich überzeugen. Stattdessen nominierte Jogi Robin Gosens von Atalanta Bergamo und Christian Günter vom SC Freiburg. Während Gosens Max vom (offensiven) Spielertyp sehr ähnelt, bringt Günter defensivere Stärken mit als die beiden erstgenannten Akteure. Alle drei haben einen starken linken Fuß und eine extrem schnelle Antrittsgeschwindigkeit. Schade, dass es für Philipp – trotz starker Konkurrenz – nicht gereicht hat. Wir wollen seine klasse Leistung – die er über mehrere Saisons hinweg mittlerweile bestätigen konnte – hier trotzdem würdigen.

Funfact: EA hat zuletzt das Team of the Season (TOTS) der Eredivisie veröffentlicht, mit Philipp Max als Linksverteidiger in der Startelf.

Optimismus für Olympia

Auch die olympischen Sommerspiele 2020 waren dem Pandemiegeschehen zum Opfer gefallen und schlussendlich auf 2021 vertagt worden. So findet dieses Großevent erstmals in der Geschichte nicht im Vier-Jahres-Zyklus statt.

In der Disziplin Herrenfußball dürfen seit 1992 nur noch Spieler teilnehmen, die nicht älter als 23 Jahre alt sind. Seit 1996 darf jede Mannschaft zudem noch bis zu drei ältere Spieler nominieren. Über die U21-EM 2019 hatte sich die deutsche Mannschaft als Turnierzweiter für die olympischen Sommerspiele qualifiziert. Hierbei konnte EM-Shooting Star Marco Richter vom FCA deutlich mithelfen, indem er bei der U21 EM 2019 in vier Spielen drei Tore erzielte und 2 Vorlagen gab. Dies bedeutete für ihn persönlich den dritten Platz in der Torschützenliste des Wettbewerbs.

Da des Öfteren Spieler der erfolgreichen Mannschaft der Qualifikation für das olympische Turnier nominiert werden, darf sich Marco Richter demnach berechtigte Hoffnungen machen. Auch Felix Uduokhai war Teil der damaligen Mannschaft, jedoch kam er zu keinem Einsatz im Turnier. Falls er jedoch rechtzeitig fit werden sollte, kann es gut sein, dass auch “Udu” für die Sommerspiele nominiert wird. Alterstechnisch passt das jedenfalls, da sowohl Richter als auch Uduokhai dem für das Turnier relevanten Jahrgang 1997 angehören.

Max for Olympia?

2015 gelang einer deutschen Mannschaft ebenfalls die Olympia-Qualifikation – erstmalig seit 1988. Die Mannen um Trainer Horst Hrubesch konnten 2016 sogar die Silber-Medaille erringen. Mittendrin damals FCA-Spieler Philipp Max, neben bekannten Größen wie Leon Goretzka, Niklas Süle, Julian Brandt sowie den drei Ü23-Spielern Nils Petersen, Sven und Lars Bender. Der Olympia-erfahrene Max wäre daher einer der potenziellen Ü23-Spieler, die Stefan Kuntz nominieren könnte.

Aus der damaligen U21-Nationalmannschaft, mit der Marco und Felix erfolgreich waren, sind keine Linksverteidiger verfügbar, da mit dem Leipziger Klostermann der damalige Linksverteidiger von Jogi Löw für die EM nominiert wurde. Einige andere Spieler – wie Ismail Jakobs (spielt eher Linksaußen) sowie David Raum – sind für die U21 EM nominiert und kommen daher ebenfalls nicht in Frage. Ein hartnäckiger Konkurrent für Max und Olympia könnte gegebenenfalls der ehemalige Nationalspieler Jonas Hector sein. Beide würden jedoch auf Grund ihres Alters einen der drei Ü23-Plätze in Anspruch nehmen müssen.

Neuer Bundestrainer, neues Glück?

Am Dienstag, 25.05., wurde bekannt, dass Hansi Flick Joachim “Jogi” Löw zum 01.07. als Bundestrainer beerben wird und unterschrieb einen Vertrag bis 2024. Er galt als der erfolgreichste Trainer auf dem Markt und als Wunschkandidat des DFB. Zudem war Flick einige Jahre lang u.a. Assistent von Löw und weist damit bereits Erfahrung in diesem Job vor. Er kennt einen Großteil der Spieler persönlich, zum Beispiel durch seine vorherige Anstellung beim FC Bayern.

Fans vielerorts freuen sich – steht Flick doch für offensiven und modernen Fußball. So hat Bayern München die Champions League im Jahr 2020 gewonnen. Und viele erhoffen sich letzten Endes wohl auch, dass der neue Bundestrainer endlich wieder nach dem Leistungsprinzip aufstellt.

Aber ein richtiger Umbruch ist damit wohl nicht zu erwarten, zu nah steht die Person Flick dem DFB, seit seiner früheren Beschäftigungen. Offen ist bis dato noch, wer nun sein(e) Co-Trainer wird/werden. Als Kandidaten galten Miroslav Klose und Hermann Gerland, die sich beide – genau wie Flick selbst – vom FC Bayern zuletzt verabschiedet hatten, allerdings beide mittlerweile abgesagt haben.

Einige Spieler, wie der von Löw verschmähte Max oder auch der noch einsatzlose Felix Uduokhai, bekommen dadurch jedoch in Summe mehr Perspektive im DFB-Dress.

Insgesamt bleibt es im Hinblick auf die Nationalmannschaften so spannend. Und wie immer bleibt die Hauptsorge von Clubfans, dass die Spieler der eigenen Mannschaften heil wieder nach Hause kommen. Dies gilt gerade in diesem Jahr mit Hinblick auf den doch sehr gestauchten Spielplan und die große Belastung für alle Spieler.

FCA-Profis auf Reisen: Die Sorge spielt mit

Das nächste Pflichtspiel des FC Augsburg findet erst am Samstag in einer Woche statt. Dann gastiert Rot-Grün-Weiß bei Borussia Mönchengladbach. Dazwischen steht ein Test gegen den Karlsruher SC (12.11.) und einmal mehr einige Länderspiele auf dem Programm, auf die niemand so recht Lust zu haben scheint. Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens sowie des oft überschaubaren sportlichen Werts bleibt die Frage nach dem Sinn. Mehrere FCA-Profis sind in den kommenden Tagen mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz. Zwei Spieler dürfen sich dabei auf ihr Debüt freuen. Ein Überblick.

Haller, Biesinger, Hahn – Uduokhai?

Felix Uduokhai ist am Freitag das erste Mal für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert worden. Der 23-Jährige hat sich die Berufung redlich verdient. In Fußball-Deutschland gibt es zwar etliche Stimmen, die lieber einen Mats Hummels oder Jerome Boateng statt Uduokhai oder auch Niklas Stark und Robin Koch in der Innenverteidigung gesehen hätten, doch der Zug für die beiden Weltmeister scheint abgefahren. Bundestrainer Jogi Löw will auf andere, jüngere Spieler setzen.

Also bekommt der beste Zweikämpfer der abgelaufenen FCA-Saison, der auch in dieser Spielzeit überzeugt, die Chance auf seine ersten Minuten im DFB-Dress und die Schwaben womöglich ihren vierten Nationalspieler. Nach Helmut Haller, Ulrich Biesinger und André Hahn. Uduokhais Chancen auf Einsatzminuten sind wohl am größten, wenn es im Testspiel gegen Tschechien (11.11.) geht. Darüber hinaus spielt Deutschland in der Nationas League gegen die Ukraine (14.11.) und Spanien (17.11.). Ebenfalls mit dabei ist auch Philipp Max. Endlich. Der Zeitpunkt der Nominierung untermauert klar und deutlich, dass sich Löw eigentlich nicht für Spieler des FC Augsburg interessiert. Umso schöner, dass es nun für Uduokhai geklappt hat.

Vergangene Saison noch gemeinsam für den FCA auf dem Platz – und bald auch in der Nationalmannschaft. Felix Uduokhai und Philipp Max hoffen auf ihr Debüt. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Am Mittwoch könnte es unter Umständen auch zu einem internen FCA-Duell kommen. Denn Tomas Koubek ist für die tschechische Auswahl nachnominiert worden. Realistische Einsatzchancen hat der Keeper jedoch nicht. Der zehnfache Nationalspieler ist im Team der Tschechen nur Torwart Nummer vier. Gegen Deutschland wird wohl Bremens Jiri Pavlenka oder Sevillas Tomas Vaclik zwischen den Pfosten stehen. Selbiges gilt für die Nations-League-Duelle gegen Israel (15.11) und die Slowakei (18.11).

Gumny vor A-Nationalmannschaftsdebüt

Wie Uduokhai träumt unterdessen auch Robert Gumny von seinem ersten Einsatz im Trikot der A-Nationalmannschaft. Der polnische Rechtsverteidiger könnte im Testspiel gegen die Ukraine (11.11.) zum Einsatz kommen. Zudem steht der Neuzugang aus Posen im polnischen Junioren-Aufgebot für das U21-EM-Quali-Spiel gegen Lettland (17.11).

Gegen Hertha BSC feierte Robert Gumny sein Startelfdebüt für Rot-Grün-Weiß. Jetzt will er auch in der polnischen Nationalelf Einsatzminuten sammeln. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Ruben Vargas ist mit der Schweizer Auswahl im Einsatz. Der quirlige Flügelspieler startet mit einem Freundschaftsspiel in Belgien (11.11) in die Länderspielpause und bestreitet zwei Partien in der Nations League gegen Spanien (14.11.) und die Ukraine (17.11).

Ebenso drei Mal im Einsatz sein könnte Michael Gregoritsch. Der Österreicher reist zu einem Freundschaftsspiel nach Luxemburg (11.11) und ist bei den zwei Partien in der Nations League gegen Nordirland (15.11) und Norwegen (18. 11.) mit dabei.

Die vergangene Länderspielpause verlief für Michael Gregoritsch mehr als positiv. Gegen Griechenland und Nordirland gelangen dem Offensivmann ein Tor und eine Vorlage. (Photo by Charles McQuillan/Getty Images)

Áfram Ísland – Mach es, Alfred!

Während die bisher genannten Spiele von sportlich überschaubarem Wert sind, wird es für Alfred Finnbogason und Island richtig ernst. Der Inselstaat kämpft um eines der letzten verbliebenen Tickets für die Europameisterschaft 2021. Nach dem 2:1-Sieg im Playoff-Halbfinale gegen Rumänien wartet im Finale Ungarn. Setzt sich Island durch, ist die erneute Qualifikation für die EM in trockenen Tüchern. Dann träfen Finnbogason & Co. in Gruppe F auf Deutschland, Portugal und Frankreich. Zudem stehen zwei Partien in der Nations League in Dänemark (15.11.) und England (18.11.) auf dem Spielplan. Damit es etwas mit der dritten Teilnahme an einem großen Turnier in Serie wird, bereiten sich die Isländer übrigens in Augsburg vor.

Ab in den Süden – Gruezo in der WM-Quali im Einsatz

Während die bisher genannten Spiele alle in Europa stattfinden, steht Carlos Gruezo vor kräftezehrenden Reisen nach Südamerika. Der ecuadorianische Nationalspieler ist in zwei WM-Qualifikationsspielen im Einsatz. Zunächst ist “La Tri” im hoch gelegenen La Paz gegen Bolivien gefordert (12.11.). Mehr als 10.000 Kilometer von Augsburg entfernt. Dann steht noch ein Heimspiel gegen Kolumbien auf dem Programm (17.11.).

Übrigens sind auch zwei Leihspieler des FC Augsburg mit ihren Juniorenmannschaften unterwegs. Für den bei Fortuna Düsseldorf geparkten Kevin Danso geht es in der U21-EM-Quali mit Österreich gegen die Türkei (13.11.) und Andorra (17.11). Neuzugang Frederik Winther, der direkt nach seiner Verpflichtung im Sommer an seinen Verein Lynby BK zurückverliehen wurde, ist erstmals für die dänische U21-Auswahl nominiert worden und könnte im EM-Qualispiel in Rumänien zum Einsatz kommen (17.11.). Fredrik Jensen wurde wegen einer Sprunggelenksverletzung übrigens nicht für die finnische Auswahl nominiert.

Auch um seine Chancen auf die anstehende EM zu wahren, ließ sich Kevin Danso im Sommer nach Düsseldorf verleihen. Dort läuft es sportlich gesehen suboptimal: Maue Punktausbeute und persönliche Patzer. In der österreichischen A-Nationalmannschaft hat der Innenverteidiger momentan keine Chance, darf aber zumindest bei den Junioren ran. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Länderspielreisen während Corona: Sinnvoll?

Nun sind die aufgelisteten Spiele mit Ausnahme Islands und Ecuadors sportlich gesehen ziemlich irrelevant. In Zeiten der Corona-Pandemie bedeuten sie obendrein auch noch ein Risiko für den Verein. Dabei geht es nicht nur um die hohe Belastung sowie Verletzungen, wie jüngst von Finnbogason, sondern auch um die Gesundheit. Während sie bei ihren Nationalmannschaften weilten, wurden im Oktober etwa BVB-Profi Manuel Akanji (Schweiz), die beiden Hoffenheimer Andrej Kramaric (Kroatien) und Kasim Adams (Ghana) sowie Herthas Mattéo Guendouzi (Frankreich U21) positiv auf Covid-19 getestet. Das Unverständnis ist bei einigen Vereinen daher groß, wenn ihre Spieler in Risikogebiete reisen.

Die Abstellungspflicht der Bundesligisten ist von der FIFA aktuell ausgesetzt. Geht es in ein Risikogebiet, haben die Vereine das letzte Wort. Werder Bremen entschied sich daher dazu, ihre Nationalspieler bis auf Jiri Pavlenka und Jean-Manuel Mbom nicht freizugeben. Eine Verordnung der Bremer Gesundheitsbehörde schreibt vor, dass sich Spieler, die aus internationalen Corona-Risikogebieten in die Hansestadt zurückkehren, in eine fünftägige häusliche Quarantäne zu begeben haben. Für Werder würde das bedeuten, dass die entsprechenden Akteure unter Umständen in der Bundesliga fehlen. Ähnlich agiert Arminia Bielefeld, wo vier Profis nicht für die Länderspiele freigestellt werden. Venezuelas FCA-Leihgabe Sergio Cordova wurden die Spiele gegen Brasilien und Chile beispielsweise verweigert. Wie sieht die Situation in Augsburg aus?

Wäre eigentlich in der WM-Qualifikation im Einsatz gewesen, bleibt stattdessen aber in Bielefeld: Sergio Cordova, seit 2017 in Augsburg und aktuell nach Ostwestfalen verliehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

FCA-Profis in Risikogebieten aktiv: Quarantänepflicht entfällt

Bolivien, Dänemark, Ecuador, England, Luxemburg, Österreich, Schweiz, Tschechien, Ungarn – all diese Länder werden vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Vonseiten des Augsburger Gesundheitsamtes heißt es eigentlich: “Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich in häusliche Quarantäne begeben und das für den Wohnort zuständige Gesundheitsamt kontaktieren.” Die Dauer der Quarantäne kann nach der neuesten Verordnung des Bundes bis zu zehn Tage betragen. Ein Corona-Test darf frühestens am fünften Tag nach der Einreise durchgeführt werden, sodass die Quarantäne verkürzt wird. Strenge Regeln, die das Gastspiel des FC Augsburg in Mönchengladbach entscheidend gefährden können? Oder ist der FCA von dieser Regel ausgenommen?

Auf Anfrage der Rosenau Gazette verweist ein Sprecher des Augsburger Umweltreferats auf eine Sonderregelung, nachzulesen in der etwas sperrig formulierten “Verordnung über Quarantänemaßnahmen für Einreisende zur Bekämpfung des Coronavirus” des Freistaats Bayern. Dort heißt es in §2 Absatz 3 Satz 2 Nummer 5 zu etwaigen Ausnahmen: Personen, “die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband (wie beispielsweise dem DFB, d. Red.) zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind”, sind von der Quarantäneverordnung ausgenommen.

Das Spiel des FCA in Gladbach ist also nicht gefährdet. Weil bei Länderspielen aber irgendwie immer Bedenken einer Verletzung und mittlerweile auch einer Corona-Infektion mitschwingen, darf man nur hoffen, dass alle Profis unversehrt in die Fuggerstadt zurückkehren. Wenn sie das mit einem Erfolgserlebnis wie dem ersten A-Länderspiel oder der geglückten EM-Quali tun, umso besser.

Gewinner und Verlierer der Vorbereitung

Des einen Freud ist des anderen Leid. Gerade in der Sommerpause und während der Vorbereitung auf die neue Saison. In der Sommerpause werden die Weichen gestellt. Spieler können sich in den Vordergrund spielen, oder können zurückfallen. Gerade in dieser Vorbereitung, während der Cheftrainer Heiko Herrlich zum ersten Mal unter normalisierten Bedingungen (das Kleingruppentraining während der Corona-Pause damit ausgenommen) in Ruhe mit dem Kader an seinen Vorstellungen von Fußball arbeiten konnte. Doof, wenn man gerade dann verletzt ist. Gut, wenn man auf Grund der Verletzung eines Konkurrenten vermehrte Einsatzchancen bekommt und diese zu nutzen weiß. Kurz vor dem Start in die Bundesligasaison ist deshalb ein guter Moment auf die Gewinner und Verlierer der Vorbereitung zu blicken. Und ein paar Überraschungskandidaten zu präsentieren. Los geht’s!

Die Gewinner

Philipp Max wechselte zu PSV Eindhoven. Damit wurde der Stammplatz hinten links von einem Tag auf den anderen an Iago überreicht. Iagos erste Saison war durchwachsen. Er fehlte auf Grund von Länderspielreisen (Olympiaqualifikation mit Brasilien – es erscheint wie vor einer Ewigkeit) und Verletzungen. Wenn er fit war, versuchte zumindest Martin Schmidt phasenweise Max und Iago gemeinsam auf den Rasen zu bekommen. Im Endspurt der Hinrunde mit sehr guten Erfolgen. Jetzt bekommt Iago die Chance vollends in Augsburg durchzustarten. Es gibt wohl kaum einen Spieler dessen Aussichten sich so sehr verbessert haben wie Iagos.

Iago konnte die komplette Vorbereitung mitmachen und ist bereit durchzustarten (Foto: xemx via Imago)

Außer man heißt Michael Gregoritsch. Vom Chaosclub auf Schalke, wo seine Leihe zu Ende ging, kehrt er zur Idylle des FC Augsburg zurück. Seine Ausfälligkeiten sind quasi vergessen und unter Trainer Heiko Herrlich kann er neu durchstarten. Gregerl hat sich demütig wieder eingereiht in Augsburg. Die ernüchternde Erfahrung auf Schalke war vielleicht ein kleiner Schubs in die richtige Richtung. Dazu konnte sich keiner seiner Konkurrenten auf der Position hinter den Spitzen in der Vorbereitung hervorheben. So ist es sehr wahrscheinlich, dass er auf dieser Position nun erst mal ordentlich Spielzeit bekommt und sich beweisen darf. Wie torgefährlich er sein kann, wissen wir in Augsburg noch sehr gut. Ein zweites Hurra von Gregerl wäre nach der Vorgeschichte eine Überraschung, die aber zumindest ich sehr gerne sehen würde.

Um diese Kategorie abzurunden, möchte ich zwei Spieler nennen, deren Rolle in der kommenden Saison noch wachsen sollte. Sowohl Ruben Vargas als auch Felix Uduokhai haben letzte Saison schon einige Einsätze bekommen, aber auch immer mal wieder Pausen. Bei Uduokhai fällt Tin Jedvaj als Konkurrent weg. Vargas hat mittlerweile eine Stärke und Souveränität erreicht, mit der er aus der ersten Elf des FCA schlicht nicht wegzudenken ist. Beide werden – sollten sie keine groben Böcke schießen oder sich verletzen – absolute Stammspieler beim FCA sein. Damit machen sie Hoffnung. Denn beide haben ihr Potential noch nicht vollständig ausgeschöpft und können noch mehr. Sie werden es in dieser Saison zeigen.

Die Verlierer

Um Eduard Löwen hatte sich der FCA intensiv bemüht. Erst letzten Sommer, als er dann doch zur Hertha nach Berlin gewechselt ist. Dann nochmal im Winter, als man ihn in Berlin schon wieder aussortiert hatte. Momentan ist er noch für die kommende Saison zum FCA ausgeliehen. Danach haben wir Augsburger eine Kaufoption. Derweil scheint ihn allerdings in Augsburg das gleiche Schicksal ereilt zu haben wie in Berlin. Nach dem Trainerwechsel in Augsburg scheint es ein bisschen so, als wüsste Heiko Herrlich nicht so recht wohin mit ihm. Auf den defensiven Mittelfeldpositionen scheinen die Spezialisten Khedira, Gruezo und Strobl die Nase vorn zu haben. Hinter den Spitzen muss er sich hinter Marco Richter und Gregerl einreihen. In der Vorbereitung wurde er so auch hinten rechts eingesetzt, bevor man dort einen weiteren Spezialisten mit Robert Gumny verpflichtete. Hochtalentiert und nicht gebraucht. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle Eduard Löwen in der kommenden Saison einnehmen wird.

Quo vadis Eduard Löwen? Viel unklarer könnte es nicht sein, wie Heiko Herrlich den hochveranlagten Kicker einsetzen will. (Foto: xemx via Imago)

Ganz so schlimm sieht es bei Marco Richter nicht aus. Der FC aus Köln wollte ihn wohl verpflichten. Der FCA will ihn gerne behalten. Richter war letzte Saison Stammspieler und kam vor allem rechts offensiv zum Einsatz. Die Rolle wandelte sich unter Heiko Herrlich ein bisschen, unter dem er zentraler spielen durfte. Richter fühlt sich zentral wohler, konnte derweil dort seine Effektivität noch nicht unter Beweis stellen. Die Position rechts offensiv ist quasi auch vergeben. Mit Neuzugang und neuem Topverdiener Daniel Caliguiri. Nun verletzte sich Richter in der Vorbereitung und hat zentral mit Gregerl auch hochkarätige Konkurrenz. Anstatt befreit drauf los spielen zu können, muss er sich erneut beweisen. Es wird kein einfacher Saisonstart für ihn.

Marco Richters Situation ist dabei eine, in der sich André Hahn gerne befinden würde. Ein Jahr nach seiner Rückkehr nach Augsburg, ist die Hoffnung zerplatzt, er könnte wieder an die Form von früher anknüpfen. Hahn scheint über die Jahre diese Explosivität verloren gegangen zu sein, die ihn zu einem Nationalspieler gemacht hat. Nach der Verpflichtung von Daniel Caliguiri und den positiven Ansätzen von Noah Sarenren Bazee sieht es ganz nach einer Saison als Ergänzungsspieler aus. Als ob seine Zeiten als Bundesliga-Stammspieler vorbei wären. Es wäre geradezu eine Sensation, wenn er nochmal aufblühen würde. War es damals schon. Nichts ist unmöglich. Aber Hahns Situation nach der Vorbereitung, in der auch er als Rechtsverteidiger getestet (und durch Robert Gumnys Verpflichtung als nicht gut genug befunden wurde) könnte wahrlich besser sein. Auch wenn er im Pokal gegen einen Fünftligisten ein zwischenzeitliches Hurra hingelegt hat.

Das Überraschungspotential

Neben den offensichtlicheren Entwicklungen gibt es auch ein paar Spieler, bei denen man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau weiß, wie man ihre Situation interpretieren soll. Zwischen Top und Flop ist alles möglich. Und damit meine ich nicht Julian Schieber und Felix Götze, für die ich momentan keine sportliche Zukunft beim FCA sehe.

Da wäre zum einen Noah Sarenren Bazee. Nachdem er sich von einer langwidrigen Verletzung erholte hatte, konnte er in der Rückrunde auftrumpfen. Nun ist er gerade angeschlagen und die Plätze auf den Flügeln sind mit Caliguiri und Vargas quasi vergeben. Es könnte eine Saison des Lauerns auf die eigene Chance für Sarenren Bazee werden. Nur wann wird sie kommen?

War die tolle Form zum Ende der letzten Saison ein Strohfeuer oder folgt der endgültige Durchbruch? Noah Sarenren Bazees Rolle birgt Überraschungspotential. (Foto: xemx via Imago)

Da wäre zum zweiten Freddy Jensen. Der finnische Nationalspieler sieht sich einer fast übermächtigen Konkurrenz ausgesetzt. Zentral hat er Richter und Gregerl vor sich. In der Vorbereitung durfte er fast nur links offensiv ran, wo er zumindest an Vargas nicht vorbei kommen wird. Auch hier wartet ein Geduldsspiel auf den Spieler. Wie viel haben die Pokaltore auszusagen?Bekommt er eine Chance und kann er sie nutzen?

Diese Frage stellt sich auch bei Reece Oxford. Der FCA hatte eigentlich den Versuch unternommen ihn zum defensiven Mittelfeldspieler umzuschulen. Auf dieser Position hat er allerdings Gruezo, Khedira und Strobl vor sich. Dafür sieht es in der Innenverteidigung etwas lichter aus. Hier tummeln sich “nur” Gouweleeuw, Uduokhai und Suchy. Wird er seine Rolle noch finden?

Fazit

Es ist gut, dass die Zeit des Kaffeesatzlesens zu Ende geht. Am Ende liegt die Wahrheit mal wieder auf dem Platz. Wir haben uns den Kader in all seinen Facetten angeschaut (Tor, Abwehr und Mittelfeld/Sturm). Eins lässt sich leicht feststellen: Auch wenn es mit Philipp Max einen prominenten Abgang gab, ist dieses Team nicht schlechter geworden. Die offensichtliche Lücke rechts in der Verteidigung wurde angegangen. Mit Strobl und Caliguiri hat man sich vielleicht sogar in der Spitze verbessert. Aber am Ende muss eine Mannschaft auf dem Platz stehen. 11 Jungs, die füreinander einstehen, Fehler des anderen ausmerzen, kämpfen und beißen. Wäre das nicht die größte Überraschung, diese Tugenden mal wieder über eine ganze Saison von einer Augsburger Mannschaft zu sehen?

Welcher Spieler war beim FC Augsburg der Newcomer der Saison?

Ich schreibe diese Zeilen am 23. Juli. Vor wenigen Stunden hat der FC Augsburg Daniel Baiers Vertragsauflösung bekannt gegeben. Ein schwarzer Tag für ganz Schwaben. Daher fällt es schwer, sich mit anderen FCA-Themen zu beschäftigen. Nichtsdestotrotz fehlt bei unseren Abstimmungen noch die Wahl zum Newcomer der Saison. Nachdem ihr Florian Niederlechner zum wertvollsten und Andreas Luthe zum meistverbesserten Spieler gewählt habt, soll nun der Newcomer der Saison gekürt werden. Nachfolgend werden wieder fünf Spieler präsentiert, die manch einer vor der Spielzeit wohl noch nicht so auf dem Zettel hatte.

Carlos Gruezo

Carlos Gruezo erlebte eine Saison mit Höhen und Tiefen. Erst gesetzt, dann verletzt, dann stark zurückgekommen. Insgesamt hat mich der Neuzugang des FC Dallas in der Rückrunde sehr überzeugt. Nach der Verpflichtung gab es in Fankreisen durchaus gewisse Zweifel, ob dem 25-Jährigen der Sprung von der MLS in die Bundesliga gelingen könne. Zugegeben, auch ich war skeptisch. Abgesehen von einem (eher enttäuschenden) Gastspiel in Stuttgart hat Gruezo zuvor doch eher wenig erreicht. In den Spielen nach dem Neustart strafte mich der kleine Kraftwürfel jedoch Lügen, lieferte ab und verdrängte gar Daniel Baier. Die positive Entwicklung des ecuadorianischen Nationalspielers kann gerne so weiter gehen.

Kann sich Gruezo dauerhaft in der Bundesliga etablieren? Spielt er dauerhaft so wie nach dem Neustart, kann er noch sehr wichtig für den FCA werden. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Tin Jedvaj

Jedvaj gefiel mir nie richtig bei Bayer Leverkusen. Meiner Meinung nach hat und hatte der kroatische Nationalspieler schlicht nicht die Qualität für die Champions-League-Ansprüche der Werkself. Nichtsdestotrotz ist Jedvaj natürlich dennoch ein solider Innenverteidiger – und für Vereine wie den FC Augsburg eine Bereicherung. Also lotste ihn Reuter für ein Jahr leihweise in die Fuggerstadt. Jedvaj zeigte ordentliche Auftritte im FCA-Trikot und war über weite Teile der Saison quasi gesetzt, was auch an der Verletzung Jeffrey Gouweleeuws lag. Nun ist der 24-Jährige wieder zurück bei Bayer 04. Weil es der FCA offensichtlich nicht für nötig hielt, ihn (wie auch Lichtsteiner) zu verabschieden, tun wir dies nun an dieser Stelle. Auch Jedvaj hatte seinen Anteil am Klassenerhalt. Vielen Dank, Tin!

Eduard Löwen

Der nächste Leih-Deal in dieser Auflistung. Der FCA hätte den Ex-Nürnberger gerne schon im Sommer verpflichtet, doch der frühere U21-Nationalspieler wechselte zu Hertha BSC. Weil er in der Hauptstadt nicht wirklich glücklich wurde, wagte der FCA im Winter einen neuen Versuch. In die eineinhalb Jahre dauernde Leihe soll dem Vernehmen nach auch eine Kaufoption integriert sein. Ob es sich lohnt, diese zu ziehen, wird vor allem die nächste Saison zeigen. In der Rückrunde zeigte der zentrale Mittelfeldspieler aber zumindest schon einmal seine Qualitäten. Als zweikampfstarker Achter vor der Sechserposition wusste Löwen durchaus zu gefallen. Von seinen zwei Toren bleibt zudem vor allem sein malerischer Freistoßtreffer auf Schalke in Erinnerung.

Frust nach Abpfiff. Trotz Löwens Treffer gegen Borussia Mönchengladbach verlor der FCA mit 2:3 – es war sein erstes Tor für Rot-Grün-Weiß. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Noah Joel Sarenren Bazee

Vielen Dank, Ex-Coach! Der Bazee-Transfer kam gewiss zu großen Teilen wegen Martin Schmidt zustande. Der Schweizer hatte sich den schnellen Flügelspieler für sein Umschaltspiel gewünscht. Dass der FCA zudem ein Faible für verletzungsanfällige Spieler hat (Stichwort Schieber), rundete den Wechsel zum FCA perfekt ab. Syndesmosebandriss & Co. – die Krankenakte des Ex-Hannoveraners ist lang. Somit durfte stark bezweifelt werden, dass sich Bazee am Lech durchsetzen kann. Kritiker behielten nach einer Hinrunde ohne eine einzige Spielminute vorerst Recht, doch dann blühte der Deutsch-Nigerianer so richtig auf. Nach dem Neustart entwickelte sich der 23-Jährige zu einer echten Alternative auf den Außenpositionen. Schmidt bezeichnete Bazee einst als den “deutschen Dembele”. Ein Traum, wenn er sich sportlich gesehen (!) noch ein Stück mehr in Richtung des früheren Dortmunders entwickeln würde.

Ruben Vargas

Scouting gelungen! Es ist immer schön, wenn sich ein Transfer auszahlt, bei Ruben Vargas freut mich dies jedoch besonders. Der mittlerweile 21-jährige Schweizer wagte im Sommer den Schritt vom FC Luzern in die große Fußballbühne Bundesliga. Da möchte man denken, der Junge bräuchte eine gewisse Eingewöhnungszeit. Falsch gedacht. Der Außenspieler legte einen fulminanten Start mit drei Treffern aus drei Spielen hin und feierte infolgedessen sein Debüt in der Nati. Seine Torquote konnte der flinke 1,74-Meter-Mann nicht halten, drei weitere Buden kamen hinzu. Dennoch war Vargas absolut ein Gewinner der Saison. 33 Bundesligaspiele sprechen für sich – und machten definitiv Lust auf mehr.

Nach Vorlage von Niederlechner trifft Vargas in Bremen zum zwischenzeitlichen 2:2. Doch auch sein zweiter Treffer an diesem Nachmittag kann die Niederlage nicht verhindern – 3:2 für Bremen. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Abstimmung: Wer war beim FC Augsburg der Newcomer der Saison?

Diese Abstimmung wird übrigens nicht die letzte sein, denn wir wollen auch noch die Panne der Saison wählen lassen. Der FCA bot ja durchaus einiges an Angriffsfläche, aber dazu nächste Woche mehr. Nun soll der Newcomer gekürt werden. Haben wir jemanden vergessen? Stimmt ab.

Welcher Spieler war beim FC Augsburg der Newcomer der Saison 2019/20?

  • Ruben Vargas (93%, 74 Votes)
  • Noah Joel Sarenren Bazee (4%, 3 Votes)
  • Carlos Gruezo (3%, 2 Votes)
  • Eduard Löwen (1%, 1 Votes)
  • Tin Jedvaj (0%, 0 Votes)

Total Voters: 80

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Die Gewinner und Verlierer der Saison

Der FC Augsburg hat es mal wieder geschafft. Auch in der neunten Bundesligasaison konnte der Klassenerhalt gesichert werden. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich und immer noch als Erfolg zu werten. Am Ende einer turbulenten Saison samt Torwart- und Trainerwechsel stehen aber auch weniger erfreuliche Aspekte wie die schlechteste Rückrunde in der Bundesligageschichte. Das musste auch Stefan Reuter einsehen: “Es gilt, sich Gedanken zu machen, was wir verbessern können, um im nächsten Jahr mehr gute Spiele abzuliefern. Wir hatten Phasen, die uns zu denken geben”, bilanzierte der Manager jüngst im Kicker. Auch wir lassen die Saison nun einmal Revue passieren und blicken auf die Gewinner und Verlierer im Kader.

FC Augsburg: Die Gewinner der Saison

Florian Niederlechner: Eine Saison zum niederknien! Der Neuzugang vom SC Freiburg hat dermaßen eingeschlagen, dass er gar als EM-Kandidat gehandelt wurde. Nun wissen wir alle, dass Jogi Löw den FCA offenbar nicht verfolgt (Stichwort Max) und es somit wohl ohnehin nie zu einer Nominierung gekommen wäre. Doch verdient hätte sie Niederlechner allemal. 13 Saisontore bedeuten FCA-Bundesligarekord (zusammen mit Michael Gregoritsch), zusätzliche neun Vorlagen den Augsburger Höchstwert in puncto Scorerwerten. Darüber hinaus ist der gebürtige Oberbayer ein sehr sympatischer Kerl und sich nicht zu schade, auch einmal die Grätsche auszupacken. Niederlechner und der FCA, eine absolute Liebesbeziehung. Gerne auch für immer.

Ein echter Transfer-Coup. Florian Niederlechner ist der FCA-Spieler der Saison. (Photo by Robert Hradil/Bongarts/Getty Images)

Philipp Max: Vor wenigen Wochen bestritt Philipp Max sein 150. Pflichtspiel für Rot-Grün-Weiß. Dass der 26-Jährige derart oft für den FCA auflaufen wird, hätten nach seiner bärenstarken Saison 2017/18 wohl nur wenige erwartet. Auch in dieser Spielzeit war er unumstrittener Stammspieler und offensiv nicht nur per Standards gefährlich. Acht Tore und sechs Vorlagen bedeuten Rang zwei in der internen Scorer-Tabelle. Außerdem sammelte Max die meisten Ballaktionen pro Spiel und trat vermehrt auch als Leader auf. Selbst ein Turban scheint ihm neuerdings nicht am Einsatzwillen zu hindern. Daher bleibt zu hoffen, dass Max weiterhin am Lech bleibt, auch wenn ihm wohl niemand einen Wechsel zu einem Top-Verein verdenken würde.

Ruben Vargas: Ruben wer? Das dachten sich wohl einige FCA-Fans, als ihn Reuter im Sommer aus dem Hut zauberte und vom FC Luzern verpflichtete. Kenner der Schweizer Liga prophezeiten schon damals, der Junge hätte Talent. Nach einer Saison in der 1. Bundesliga kann man getrost festhalten, dass sich dieser Transfer gelohnt hat. Der Schweizer Nationalspieler stand in 33 Spielen auf dem Platz. Eine Partie verpasste Vargas aufgrund einer Gelbsperre. In seinen Einsätzen überzeugte der erst 21-Jährige mit viel Tempo und einer gesunden Prise Schlitzohrigkeit. Auch seine sechs Tore können sich sehen lassen. Alles in allem hat der Flügelspieler definitiv Lust auf mehr gemacht.

FC Augsburg: Vom Gewinner zum Verlierer?

Andreas Luthe: Eigentlich hätte man auch Luthe in die Liste der Gewinner packen können. Der etatmäßige Ersatzkeeper wurde im Laufe der Saison zur Nummer Eins befördert. In den letzten Spielen der Saison entwickelte er sich zu einem starken Rückhalt, was auch die Statistik zeigt. Während der FC Augsburg mit Luthe 12 Tore in 10 Spielen kassierte, musste man mit Koubek in 24 Partien 51 Gegentreffer schlucken. Dass Luthe hier dennoch als möglicher Verlierer aufgeführt wird, liegt an der Verpflichtung Rafal Gikiewiczs. Auch wenn der Kampf um die Nummer Eins damit freilich noch nicht entschieden ist, steht eines doch fest: Beim FCA scheint man Luthe den Stammplatz nicht wirklich zuzutrauen. Das zeigte schon die leihweise Verstärkung von Gregor Kobel im Winter 2019.

Ein Garant für den Klassenerhalt. Andreas Luthe hielt dem FCA zuletzt, wie hier in Mainz, den Rücken frei. Wie sieht seine Situation in Zukunft aus? (Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

FC Augsburg: Die Verlierer der Saison

Tomas Koubek: Bleiben wir gleich beim leidigen Thema Torwart. Koubek ist der viertteuerste Bundesligakeeper der Historie – hinter Manuel Neuer, Bernd Leno und Yann Sommer. Von den Leistungen dieses Trios ist der Neuzugang aus Rennes aber so weit entfernt, wie der FCA von der Deutschen Meisterschaft. Viel zu oft kosteten die kapitalen Aussetzer des etwas behäbig wirkenden 1,98-Meter-Hünen dem FCA wichtige Punkte. Es tut fast schon weh, den Tschechen derart auseinander zu nehmen, denn er wirkt eigentlich sehr sympatisch, aber leider war das schlicht keine bundesligareife Saison. Folglich verlor er auch den Platz zwischen den Pfosten und durfte im letzten Spiel gegen Leipzig nur ran, weil Luthe verletzt war. Der 27-Jährige ist der klare Verlierer der Saison und das Experiment Koubek somit wohl nach nur einem Jahr gescheitert.

Stephan Lichtsteiner: Ach was waren die Erwartungen groß, als der siebenfache italienische Meister und frühere Schweizer Fußballer des Jahres nach Augsburg wechselte. Ein Hauch von Champions League. Nachdem Lichtsteiner nun seit dem 30. Juni nicht mehr in Schwaben unter Vertrag steht, ist von diesem jedoch wenig bis gar nichts mehr zu spüren. Der Rechtsverteidiger offenbarte nicht wegzudiskutierende Geschwindigkeitsprobleme und wusste sich oft nur mit einem taktischen Foul zu helfen. Der gute Mann ist dann eben doch schon 36 Jahre alt. Zudem war der Kapitän der Nati in seinen 20 Einsätzen mehr mit Meckern als Verteidigen beschäftigt. Alles in allem bleibt es ein enttäuschendes Gastspiel in Augsburg, mit dem Lichtsteiner nur wenige Argumente für eine Vertragsverlängerung lieferte. Nichtsdestotrotz sagen wir Danke, Stephan. Für einen Hauch von Champions League. Alles Gute für die Zukunft.

Daniel Baier: Wenn Baier fit ist, dann spielt er auch. Was lange als ungeschriebenes Gesetzt galt, wird mittlerweile immer öfter gebrochen. Der Kapitän musste nach dem Trainerwechsel von Schmidt zu Herrlich bereits dreimal 90 Minuten auf der Bank schmoren. Herrlichs Begründungen, den 36-Jährigen nicht überbelasten zu wollen, wirkten nach dem Neustart samt englischer Woche plausibel. Warum er den Rekordspieler des FC Augsburg aber in den letzten beiden Duellen nicht aufstellte, bleibt sein Geheimnis. Im Abstiegskracher in Düsseldorf wären Baiers Führungsqualitäten zumindest gefragt gewesen. Zur neuen Saison geht die lebende Legende ins letzte Vertragsjahr. Dabei bekommt der Mittelfeldspieler Konkurrenz von Neuzugang Tobias Strobl und dem in der Rückrunde stark aufspielenden Carlos Gruezo. Wie dann die Rolle des Kapitäns aussehen wird, ist zum jetzigen Stand mehr als fraglich.

Mit 355 Einsätzen Rekordspieler des FCA – und nun nicht mehr gefragt? Daniel Baier fand sich gegen Ende der Saison in ungewohnter Rolle wieder. (Photo by TOBIAS HASE/POOL/AFP via Getty Images)

Man hätte noch weitere Spieler in die Liste aufnehmen können. Einen guten Job machten auch der eben angesprochene Gruezo sowie der beste Zweikämpfer der FCA-Saison, Felix Uduokhai, auf den sich die Fans dank gezogener Kaufoption auch in Zukunft freuen dürfen. Weniger glücklich agierten hingegen André Hahn und in Teilen auch Tin Jedvaj, der wohl wieder nach Leverkusen zurückkehren wird. Ohenhin wird momentan bereits eifrig am Kader für die neue Saison gebastelt – auf der Torhüterposition hat der FCA dabei jedoch vielmehr ein neues Problem geschaffen, statt das alte zu lösen.

Die Kaderzusammenstellung birgt also bereits jetzt Brisanz. Es bleibt spannend, wie Reuter & Co. einerseits den Torhüterüberschuss und andererseits das Thema Daniel Baier managen. Es wäre mehr als schade, wenn der FCA-Kapitän auch nach der neuen Saison als Verlierer gelistet werden müsste.