TGIF: Spitzenreiter FC Augsburg?

Die Bundesliga ist zurück – und der FC Augsburg lädt zum Topspiel. Am Samstag (15.30 Uhr) empfängt der FCA RB Leipzig in der WWK Arena zum Duell Zweiter gegen Erster. Leider kann die Partie kurzfristig doch nicht mit Zuschauern stattfinden, da der Corona-Inzidenz-Wert in Augsburg mit knapp 50 zu hoch ist. Binnen kürzester Zeit war das zweite Heimspiel der Saison ausverkauft, nun müssen die laut Hygienkonzept zugelassenen 6.000 Fans zu Hause bleiben. Schade um die treuen Anhänger, doch angesichts steigender Infektionszahlen hatten die Verantwortlichen keine Wahl.

Dass die Unterstützung im Stadion zum entscheidenden Faktor werden kann, hat man gegen Dortmund eindrucksvoll gesehen. Kann die Mannschaft auch ohne Fans zu Höchstleistungen aufsteigen und den großen Favoriten ärgern? Es wäre die nächste Sensation in dieser jungen Bundesligasaison – und womöglich eine historische. Bei einem Sieg gegen die Sachsen winkt dem FCA die erstmalige Tabellenführung. “Wir würden uns nicht wehren”, erklärte Manager Stefan Reuter gegenüber der Augsburger Allgemeinen. “Das übergeordnete Ziel ist es aber, die Klasse zu halten.” Sollte dies frühzeitig gelingen, “sind wir gerne bereit, uns über andere Dinge zu unterhalten.”

Bevor dies so weit sein sollte und die Augsburger Fans zu träumen beginnen dürfen, liegt jedoch noch ein steiniger Weg vor dem FCA, denn “mit sieben Punkten hat noch kein Verein die Klasse gehalten.” Die Aufgabe am Samstag wird schwer, keine Frage. Doch vielleicht kann der FCA ja auch gegen Leipzig überraschen.

Bisher läuft die Saison aus FCA-Sicht überragend. Kann die gute Form auch gegen Leipzig bestätigt werden, winkt die Tabellenführung. (Foto via imago)

Über den Gegner

Die Corona-Krise trifft alle Vereine hart, heißt es immer so schön. RB Leipzig gehört aber gewiss zu den Klubs, die am lockersten durch die Pandemie gehen. Hält mit Red Bull doch ein Sponsor mit prall gefüllten Kassen seine schützende Hand über den polarisierenden Spitzenklub. Das wurde im Sommer einmal mehr deutlich. Red Bull stundete insgesamt 100 Millionen Euro an Krediten, die der Konzern den Leipzigern zuvor gewährt hat. Somit wurde aus Schulden plötzlich Eigenkapital.

“Es ist eine Transaktion, die völlig üblich ist, insbesondere in der freien Wirtschaft, aber auch im Fußballgeschäft und auch in der Bundesliga”, sagte RB-Finanzdirektor Florian Hopp damals der Deutschen Presse-Agentur. Es mag sein, dass Leipzig damit einmal mehr die teils so schwammig formulierten DFL-Statuten umgeht und somit offiziell alles rechtens ist. Im Zuge der Chancengleichheit und Fairness muss der Vorgang jedoch hinterfragt werden. Auch der FCA steht wegen Corona nicht vor dem finanziellen Ruin. Das liegt aber vielmehr an vernünftigem Wirtschaften anstatt jahrelanger Finanzspritzen durch einen Brausekonzern.

Sportlich gesehen machen die Leipziger ihre Sache in den letzten Jahren fantastisch – das darf bei aller Kritik nicht zu kurz kommen. Im Sommer wurde die Mannschaft von Julian Nagelsmann mit dem Champions-League-Halbfinale für jahrelange gute Arbeit belohnt. Im Kader der “Roten Bullen” befinden sich mit Peter Gulacsi, Willi Orban, Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann, Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Marcel Sabitzer eine Menge an Stammspielern, die bereits zu Zweitligazeiten das RB-Trikot trugen. Ergänzt werden diese Spieler jedes Jahr durch teure Neuzugänge wie nun etwa Alexander Sörloth, der für 20 Millionen Euro von Crystal Palace kam. Weil in Österreich ein weiterer RB-Klub spielt, wurde mit Hee-chan Hwang traditionell noch ein Spieler aus Salzburg verpflichtet und alles in allem steht eine qualitativ sehr starke Mannschaft auf dem Platz.

Die Qualität der Sachsen bekam der FCA in der vergangenen Saison zu spüren. 1:3 und 1:2 gingen die beiden Partien verloren. (Foto via Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Fakten zu #FCARBL

Effizient: Kein Team gab in den ersten drei Spielen weniger Torschüsse ab als der FC Augsburg (24). Leipzig hingegen kommt mit 51 Versuchen auf Platz zwei hinter dem FC Bayern. Dennoch haben beide Teams sieben Punkte auf dem Konto.

Lauffreudig: Kein Team spulte bisher mehr Kilometer ab als die Mannschaft von Heiko Herrlich (369,5). Leipzig belegt in dieser Statistik Rang 14 (340,0). Bei den Sprints sowie den intensiven Läufen belegt der FCA jeweils Platz vier.

Stabilität: Nur der FC Augsburg und Leipzig gerieten in dieser Saison noch nicht in Rückstand.

Ungeschlagen: Ex-Augsburger Julian Nagelsmann hat noch nie gegen die Schwaben verloren. In neun Duellen mit Hoffenheim und Leipzig feierte der 33-Jährige bei zwei Remis sieben Siege. Nur gegen Mainz holte er so oft drei Punkte.

Weiße Weste: Der FCA blieb in drei Spielen bereits zwei Mal ohne Gegentor. Ansonsten gelang dies nur Wolfsburg und Dortmund.

Starker Rückhalt: Auch dank Rafal Gikiewicz kassierte der FCA bisher nur einen Gegentreffer (Foto via imago).

Die letzten Begegnungen

27.06.2020: FC Augsburg – RB Leipzig 1:2

21.12.2019: RB Leipzig – FC Augsburg 3:1

02.04.2019: FC Augsburg – RB Leipzig 1:2 n. V. (Pokal)

09.03.2019: RB Leipzig – FC Augsburg 0:0

20.10.2018: FC Augsburg – RB Leipzig 0:0

Presseschau

Heiko Herrlich ist zurück auf dem Platz. Nach überstandenem Lungenkollaps kann der 48-Jährige gegen Leipzig wieder an der Seitenlinie stehen. Vor seinem Comeback sprach er mit dem Kicker über die Zeit im Krankenhaus. Der Coach fühle sich “gut”, muss aber noch ein paar Kleinigkeiten beachten: “Es ist mit den Ärzten besprochen, dass ich wieder voll dabei sein kann. Ich soll aber schauen, dass ich nicht zu häufig schreie.” Seine Mannschaft sollte ihm also eher wenig Gründe liefern, sich aufzuregen.

Herrlich befand sich nie in Lebensgefahr und scheint auch keine Folgeschäden davon getragen zu haben, dennoch klingt die Beschreibung der Krankheit ziemlich drastisch: “Die Untersuchung hat ergeben, dass ein Lungenflügel praktisch nicht mehr da war.” Glücklicherweise ist nun wieder alles in Ordnung und Herrlich kann den FCA wieder zu Siegen coachen.

So emotional und lautstark wie hier in Düsseldorf sollte sich Heiko Herrlich am Samstag wohl besser nicht verhalten. Zumindest wenn es nach seinen Ärzten geht (Foto via Sascha Steinbach/Pool via Getty Images).

Was macht eigentlich Raúl Bobadilla?

Stammspieler, Europapokalheld, Fanliebling: Raúl Bobadilla erlebte vier schöne und ereignisreiche Jahre in Augsburg. In insgesamt 105 Pflichtspielen für Rot-Grün-Weiß gelangen dem kantigen Stürmer 29 Tore und zehn Assists. Den wichtigsten Treffer erzielte er gewiss in der Europa League in Belgrad. Durch seinen Kopfball kurz vor Schluss gewann der FCA mit 3:1 bei Partizan und zog sensationell in die nächste Runde ein – ein Tor, für das ihm ganz Augsburg auf ewig dankbar ist.

In der Saison 2017/18 kehrte der gebürtige Argentinier mit paraguayischen Wurzeln zu seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach zurück. Anders als in seiner ersten Zeit von 2009 bis 2012 wurde Bobadilla jedoch nicht mehr richtig glücklich bei den Fohlen und wechselte daher zu den Argentinos Juniors. Nach einer enttäuschenden Premierensaison wurde der mittlerweile 33-Jährige nach Paraguay zu Guarani verliehen. Dort blühte der Angreifer auf und erzielte zwölf Tore und vier Vorlagen. Diese Entwicklung blieb auch im Nationalverband nicht unbemerkt und so durfte Bobadilla vor wenigen Tagen nach fast fünf Jahren Abstinenz sein Comeback in der Nationalmannschaft Paraguays feiern. Beim 2:2 gegen Peru wurde er in der 63. Minute für den Ex-Ingolstädter Dario Lezcano eingewechselt. Herzlichen Glückwunsch, Boba!

Höhepunkt einer magischen Nacht: Raúl Bobadilla köpft den FCA gegen Partizan Belgrad in die nächste Runde, wo der FC Liverpool wartet. Es war sein insgesamt sechstes Tor im Turnier. (Photo ANDREJ ISAKOVIC/AFP via Getty Images)

Die voraussichtliche Aufstellung

Die Nationalspieler sind wieder zurück, im Vergleich zum Rest des Teams aber womöglich nicht ganz ausgeruht. Carlos Gruezo etwa war noch in der Nacht zum Mittwoch für Ecuador im Einsatz, Fredrik Jensen und Michael Gregoritsch machten drei Spiele in sieben Tagen. Auch Ruben Vargas, Robert Gumny, Tomas Koubek und Alfred Finnbogason waren auf Reisen. Letzterer verletzte sich gegen Dänemark und wurde früh mit Oberschenkelproblemen ausgewechselt. Gegen Leipzig ist er keine Option.

Dafür könnte jedoch Tobias Strobl in die erste Elf rücken, sodass Gruezo vorerst auf der Bank Platz nimmt. Die Viererkette indes machte ihren Job in den letzten Spielen mehr als ordentlich, sodass hier wohl kaum gewechselt werden dürfte. Spannend bleibt die Position auf den Außen. Caligiuri scheint gesetzt, doch wer bekleidet die andere Flanke? Der wiedererstarkte André Hahn, der seine Verletzung überwundene Marco Richter (mit wiedererstarktem Fokus auf den FCA, obwohl er anderswo den nächsten Schritt machen will) oder Nationalspieler Vargas?

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Strobl – Caligiuri, Gregoritsch, Hahn – Niederlechner

Tipps

Andy: Ich habe diese Saison schon genug gegen den FCA getippt und daneben gelegen. Ich versuche daraus zu lernen. Am Samstag ärgern wir auch die Dosen und gewinnen etwas glücklich aber nicht ganz unverdient mit 2:1. Klar dabei: Florian Niederlechner trifft wieder.

Irina: Im Spitzenspiel gibt es für den FCA vor Geisterkulisse nix zu holen – 1:3 unterliegen wir den Leipzigern, sodass der Blick in der Tabelle wieder etwas nach unten geht.

Andi: 1:1 – RB verzweifelt an Gikiewicz und der FCA nutzt eine seiner wenigen Chancen. Mit der Tabellenführung wird es damit zwar nichts, Rot-Grün-Weiß bleibt aber immer noch ungeschlagen.

Ungeschlagen – unglaublich!

Wer hätte das gedacht? Der FC Augsburg liegt punktgleich mit RB Leipzig und Eintracht Frankfurt auf dem zweiten Platz der Fußball Bundesliga. Lediglich die um zwei Treffer schlechtere Tordifferenz sorgt dafür, dass die erste Tabellenführung der Augsburger Vereinsgeschichte weiterhin Traum statt Realität bleibt. Auch wenn jede(r) in Schwaben das Tableau nach drei Runden realistisch einzuschätzen weiß, freut es doch viele, dass der große Nachbar aus München hinter dem FCA rangiert und der eigene Klub so fulminant in die neue Spielzeit gestartet ist. Nach dem 0:0 in Wolfsburg geht es nun in die Länderspielpause: Akkus aufladen, damit die Form danach bestätigt werden kann.

Dank einer couragierten Leistung bleibt der FC Augsburg auch im dritten Bundesligaspiel ungeschlagen und grüßt von Tabellenplatz zwei. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Gute Besserung, Trainer!

Bevor es nun über das Spiel gehen soll, wollen wir über unseren Cheftrainer sprechen. Heiko Herrlich verpasste wie schon in Frühjahr das Duell gegen die Wölfe. Jetzt hatte dies aber vielmehr ernste statt amüsante Zahnpasta-Gründe. Herrlich liegt seit Freitag im Krankenhaus und erholt sich von einem Lungenkollaps. Seit ein paar Tagen haben die FCA-Fans dahingehend ein neues Fremdwort gelernt: Pneumothorax heißt es in der Medizin.

Schon vor der Abreise nach Niedersachsen versicherte Manager Stefan Reuter unterdessen, die gesundheitliche Situation sei “nicht dramatisch, aber schon so, dass Heiko behandelt werden muss.” Mittlerweile gehe es dem Chefcoach bereits wieder besser und es ist davon auszugehen, dass er schon bald wieder zur Mannschaft stoßen kann. In Wolfsburg wurde der 48-Jährige derweil von Iraklis Metaxas vertreten. Der im Sommer verpflichtete Co-Trainer ist ein alter Weggefährte Herrlichs. Beide kennen sich bereits vom DFB sowie aus Bochum und Leverkusen.

Metaxas bekam für das Wolfsburg-Spiel nun formell die Verantwortung übertragen. Das restliche Trainerteam um Assistent Tobias Zellner sei aber ebenso in die Entscheidungen mit eingebunden gewesen, hieß es. Es bleibt festzuhalten, dass der Einstieg als Bundesligatrainer geglückt ist. Gleichzeitig wünscht die gesamte Gazetten-Redaktion unserem Cheftrainer weiterhin eine erholsame Genesung. Gute Besserung, Heiko!

Ordentliches Debüt: Bei seinem ersten Auftritt als Verantwortlicher an der Seitenlinie holt Iraklis Metaxas einen Punkt in Wolfsburg (Photo via Imago)

Der Blick aufs Spiel

Zugegeben, der VfL Wolfsburg hätte den Sieg mehr verdient gehabt als Rot-Grün-Weiß. Die Niedersachsen investierten mehr, verpassten es allerdings, sich zu belohnen. Dass es am Ende beim torlosen Remis blieb, liegt derweil an mehreren Gründen.

Das nötige Spielglück: Nach etwa 25 Minuten traf Josip Brekalo den FC Augsburg mit seinem platzierten Distanzschuss mitten ins Herz. So ziemlich alle Beteiligten im Lager der Schwaben schienen sich mit dem Gegentreffer abzufinden, niemand reklamierte. Dabei stand Wout Weghorst in der Entstehung des Treffers mit der Achillessehne im Abseits. Das Tor wurde nach Rücksprache mit dem VAR aberkannt und es ging mit dem 0:0 in die Kabinen.

Natürlich war das eine korrekte Entscheidung durch den Köllner Videokeller. Ob der Gegentreffer nicht gefallen wäre, wenn Weghorst die paar Millimeter näher zur eigenen Hälfte gestanden wäre, darf gleichzeitig aber auch bezweifelt werden.

Zum Schluss stellte der FCA das Offensivspiel quasi ein

Die richtigte Taktik: Iraklis Metaxas vertraute der Mannschaft, die so bravourös gegen den BVB gewonnen hatte, wählte jedoch eine andere Taktik. Während sich der FCA gegen Dortmund fast ausschließlich auf die Defensive beschränkte, machte er in Wolfsburg zumindest in der ersten Halbzeit Alarm in der Vorwärtsbewegung. Statt 20 Prozent Ballbesitz wie vorherige Woche erreichte Augsburg am Sonntag phasenweise Werte um die 45 Prozent. Der Offensivdrang wurde mit aussichtsreichen Chancen für Michael Gregoritsch (11.) oder Florian Niederlechner (21., 30.) belohnt.

Darüber hinaus ließ sich der FCA immer wieder tief fallen, um auf Konter zu lauern. Bei Balleroberung durch beispielsweise Carlos Gruezo schaltete die Offensive blitzschnell um und suchte den Weg in die Spitze. Insbesondere Daniel Caligiuri bewies sich dabei als sicherer Passgeber. Seine Bälle in die Tiefe sorgten einige Male für Gefahr.

Im zweiten Abschnitt konzentrierten sich die Schwaben dann aufs Verteidigen. Der VfL wurde stärker, war vermehrt in der Augsburger Hälfte aktiv, kam aber nur selten zwingend vor den Kasten Rafal Gikiewiczs. In Zukunft sollte in diesen Spielphasen allerdings auch die Offensive nicht vergessen werden. Gerade mit eigenem Ballbesitz muss dann etwas Entlastung geschaffen werden. Ansonsten wird es schwierig, dreifach zu punkten.

Längst am Lech angekommen: Daniel Caligiuri avanciert immer mehr zum Königstransfer. Der 32-Jährige ist nach wenigen Wochen in Augsburg unumstrittener Stammspieler. (Photo via Imago)

Ist das der beste Kader, den der FCA je hatte?

Starke Bank: Gegen Wolfsburg wechselte der FCA drei National- sowie einen früheren Champions-League-Spieler ein. Ich kann mich nicht erinnern, dass der FCA jemals eine so starke Bank vorzuweisen hatte. Ruben Vargas, Fredrik Jensen und Alfred Finnbogason sorgten noch einmal für Wirbel in der Offensive. Tobias Strobl stabilisierte das Zentrum. Auch wenn bis auf einen Abschluss nicht viel zu Stande kam, ist es ein großer Luxus, diese Spieler als Joker bringen zu können.

Es bleibt zu hoffen, dass es dem Trainerteam gelingt,weiter ein ausgewogenes Maß zwischen Stammelf und Zufriedenheit im Team aufrechtzuerhalten. Dank der Möglichkeit von fünf Wechseln sollte dies leichter funktionieren. Doch wie lange sich Alfred Finnbogason, Tobias Strobl oder auch Robert Gumny mit der Ersatzbank zufrieden geben, bleibt abzuwarten.

Der starke Kader wird derweil auch dadurch unterstrichen, dass es Marco Richter nicht einmal ins Aufgebot schaffte. Aus Leistungsgründen, wie nach dem Spiel auf der PK erklärt wurde. Eduard Löwen verlässt den FCA nach einem halben Jahr derweil schon wieder. Auch für ihn hatte es bisher noch nicht mal zu einer Kadernominierung gereicht.

Ein starker Keeper: Mit Gikiewicz scheint der FCA das zwei Jahre andauernde Torwartproblem endlich gelöst zu haben. Der Pole war einmal mehr ein starker Rückhalt und sicherte mit überragenden Paraden gegen Weghorst (7.) und Mehmedi (53.) das Remis. Weil auch etwaige Fernschüsse den 32-Jährigen nicht vor allzu große Probleme stellten, sicherten sich Gikiewicz und Augsburg das zweite Spiel ohne Gegentor in Serie.

Ein Gegentor nach drei Bundesligaspielen: Rafal Gikiewicz ist maßgeblich für den gelungenen Auftakt des FCA verantwortlich. (Photo via Imago)

Die Noten zum Spiel

Rafal Gikiewicz ist für uns zweifelsohne der Man of the Match. Positiv herauszuheben ist darüber hinaus Felix Uduokhai, der seine Ablösesumme Woche für Woche rechtfertigt und gegen seinen Ex-Klub Flanke um Flanke wegköpfte. Raphael Framberger, Rani Khedira, André Hahn und Florian Niederlechner machten ihre Aufgabe ordentlich und überzeugten mit Einsatzwillen. Das Quartett offenbarte allerdings auch Unkonzentriertheiten und büßte im zweiten Abschnitt an Form ein. Im Kader gibt es für nahezu jede Position Alternativen. Die Spieler sind also gefordert.

Gikiewicz (1,5) – Framberger (4), Gouweleeuw (3), Uduokhai (2,5), Iago (3) – Khedira (4), Gruezo (3,5) – Caligiuri (3), Gregoritsch (3,5), Hahn (4) – Niederlechner (4)

Einwechselspieler: Vargas (4), Jensen (3,5), Finnbogason (3), Strobl (o.B.), Oxford (o.B.)

Ausblick

Nun geht es mit einem breiten Lächeln in die eigentlich unliebsame Länderspielpause. Insgesamt sieben FCA-Profis sind dabei in den nächsten Tagen mit ihren Nationalteams im Einsatz: Robert Gumny (Polen U21), Michael Gregoritsch (Österreich), Ruben Vargas (Schweiz), Fredrik Jensen (Finnland), Alfred Finnbogason (Island), Tomas Koubek, der für die tschechische Auswahl nachnominiert wurde und auch der eigentlich angeschlagene Carlos Gruezo (Ecuador) .

Nach der Länderspielpause wartet am 17. Oktober ein echtes Brett auf den FC Augsburg. In der bereits mit Corona-Kapazität ausverkauften WWK Arena kommt es zum Topspiel gegen RB Leipzig. Dass die Partie diese Bezeichnung zu Recht trägt, zeigt der Blick auf die Tabelle. Es trifft der 2. auf den 1. – immer noch unglaublich.

TGIF: Mach’s nochmal, Augsburg!

Der kleine FC Augsburg hat sich am letzten Wochenende mit seinem sowohl überraschenden als auch verdienten 2:0-Erfolg gegen Dauer-Titelaspirant BVB ins Rampenlicht geschossen. Am kommenden Sonntag fahren die Augsburger also nach Wolfsburg – und ein jeder fragt sich, sind wir womöglich auf einmal der haushohe Favorit gegen die Wölfe?

Mit Karacho statt Bruchlandung!

Buchmacher setzen konsequent jedes Spiel die Quoten “gegen den FCA”. Favorit sind wir gefühlt bei den Wettanbietern nie. Doch dies könnte an jenem Sonntag erstmalig anders sein, haben doch die Wolfsburger an den ersten beiden Spieltagen nur jeweils Remis gespielt und der FCA beide Partien grandios gewonnen. Am vergangenen Samstag – ja, bitte kneift mich mal jemand! – haben die Augsburger Jungs mit 2:0 über den Meisteranwärter BVB triumphiert. Der Underdog vom Lech – plötzlich für 24h Tabellenführer. Das gab’s noch nie. Genauso wenig wie zwei Siege zum Saisonauftakt. Famos!

Ein richtiger Ruck ging am Samstag sodann durch die Fanlandschaft – endlich ist der FCA mal mit Karacho in die neue Saison gestartet. Nicht mit einer Bruchlandung baden gegangen wie gefühlt immer seit Aufstieg in die erste Fußballbundesliga im Jahr 2011. Und viele FCA-Kritiker mussten erstmals in der noch jungen Saison Abbitte leisten: Herrlich hatte am Samstag ein gutes Konzept, Gike hat spitze gehalten, Frambo hat super verteidigt und Caligiuri ist gar kein alter Mann, sondern ebenjene viere haben uns – trotz zahlreicher Vorurteile – zum Sieg gegen die Spitzenmannschaft aus Dortmund geführt. Man möchte nun laut sagen: Weiter so! Und dabei jedem Spieler die Schulter tätscheln.

Formstark und formidabel

Ja, so eine Serie – zwei Spiele in Folge gewonnen zum Auftakt – hat schon was besonderes. Das ist so gut, dass wir laut OneFootball im international Power-Ranking der europäischen Topliga überraschend auf Platz sieben wiederzufinden sind. Hierbei lassen wir sogar den FC Barcelona und den AC Milan hinter uns. Barcelona, Madrid, Mailand, Augsburg. Klingt doch richtig gut! Nach Champions League Nächten ohne Corona mit vollem Haus. Klingt nach spanischen Nächten und Toren in Bobadilla-Manier. Hach, internationales Flair in Augsburg – das wär mal wieder was. Aber wir bleiben hier in Augsburg ganz typisch-grattlig auf dem Boden der Tatsachen. Hier liegt kein Glitzer, sondern schwäbische Erde. Sodele, zum träumen geht ihr aber bitte nach Gelsenkirchen oder Berlin, ja?

Ach, wie wäre es schön, am Sonntag direkt den nächsten Sieg zu feiern (Foto via Imago)

Der Kader scheint Potenzial zu haben, das steht nun schon mal fest. Beziehungsweise: Ist dies erstmal ein Zwischenfazit nach zwei Spieltagen. Und wird sicherlich nicht die letzte Bewertung des Kaders sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist zu sagen: Iago erscheint ein defensiv mindestens ebenbürtiger Max-Nachfolger zu sein. Man freut sich regelrecht auf den Zweikampf rechts hinten zwischen Eigengewächs Framberger und Neuzugang Gumny, denn Frambo hat richtig abgeliefert gegen den BVB. Caligiuri und Hahn haben die Startplätze auf den Flügeln mit ihrer Leistung verteidigt und plötzlich sieht es so aus, als müssten sich die letztes Jahr so starken Vargas und Richter hinten anstellen. Rentner-Blues statt Nachwuchsboom! Zweiter Frühling statt Jugend forscht. Mit “Gike” im Tor sind nun alle völlig zufrieden, nach den Glanztaten gegen den BVB mag man sagen: zurecht! Und Stefan Reuter attestieren, nicht noch ein Pulverfass mit Patzerneigung nach Augsburg gelockt zu haben.

Gruezo vs. Chuck Norris – Carlos gewinnt!

Gruezo! Lionel Christiano Zlatan Gruezo, wer kennt ihn nicht. Chuck Norris sieht alt aus im direkten Duell gegen den Ecuadorianer! Wie er da an der Seitenlinie in der zweiten Halbzeit zwei Dortmunder mit einem Dribbling der Extraklasse aussteigen hat lassen und die Gegner völlig verblüfft wie Slalomstangen zurück ließ – das war Augsburger Weltklasse. Der zuletzt viel gescholtene Weltmeister-Bruder Rani Khedira kommt zwar weit weniger spektakulär daher, macht seine Sache aber mittlerweile auch wieder ganz solide. Wie wäre es denn mal mit einer Vertragsverlängerung in Augsburg, Rani? 🙂

Hinten drin haben wir mit dem jungen “Udo” und dem erfahrenen “Jeff” eine richtig gute Kombo gefunden. Das erinnert mich ein wenig an unser kongeniales Innenverteidiger-Duo Sankoh und Klavan. Nur ohne den Slapstick von Sankoh, ihr versteht. 🙂 Jeff hat aber manchmal das Temperament eines Löwen – dies könnte am Nachnamen liegen. Witz beiseite: an schlechten Tagen fliegt er für Handgriffe wie gegen Haaland mit glatt rot vom Platz und wir verlieren ggf. das Spiel. Man kann sagen: Wir hatten einen Sahnetag und das gewisse Quäntchen Glück auf unserer Seite. Der Fußballgott war gnädig mit uns.

Überraschung: Reece Oxford hat sich ins Team gespielt. (Foto: Passion2Press/Markus Fischer via Imago)

Wer hätte eigentlich gedacht, dass Reece “Flopeinkauf” Oxford nochmal eine ernsthafte Kaderalternative in Augsburg sein würde? Ich glaube, ich hätte die Behauptung lauthals lachend abgetan. Zu durchwachsen und teilweise unbeholfen waren die Auftritte des jungen Engländers in seinen wenigen Einsätzen in der Vergangenheit. Aber hey, das sah wirklich gut aus nach seiner Einwechslung gegen den BVB. Und ich meine das – zu meinem Erstaunen – völlig ernst. Reece Oxford ist wieder wer!

Und was ich final noch anmerken wollte: Der 13-Tore-Mann aus der Vorsaison, Florian Niederlechner, stand auch auf dem Platz und kämpfte mal wieder bis aufs äußerste. Die Vorlage zum 2:0 möchte ich hier besonders lobend erwähnen. Das war wirklich ein genialer Schnittstellenpass. Nächstes Spiel klappt’s aber bestimmt wieder mit einem Tor, Flo. Oder wirst du bald der Top-Vorlagengeber des Teams?

Wölfe zähmen leicht gemacht

Wird unsere Überraschungself also nachlegen bei den Wölfen? Diese haben zumindest am vergangenen Donnerstagabend in der Europa League Qualifikation in Athen ein Pflichtspiel bestritten. Der Torjäger der Wolfsburger – der Niederländer Wout Weghorst – drohte verletzt auszufallen und für die Partie gegen AEK Athen somit genauso wenig eine Alternative zu sein wie die Nummer eins im Tor bei den Wölfen – Koen Casteels. Ggf. kehren sie aber gegen den FCA wieder in den Kader zurück. Die Reisestrapazen der Wolfsburger und das zusätzliche Spiel verbunden mit einer kürzeren Vorbereitungszeit ist natürlich nicht nachteilhaft für die Augsburger. Zudem dürfte in Wolfsburg Frust schieben angesagt sein, schied man doch gestern Abend gegen AEK Athen aus und verpasst somit die Europa League Gruppenphase.

Da ist ein verschmitztes Lächeln angebracht, wenn die Mannschaft so in die Saison startet. Chapeau, Heiko Herrlich. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Der FCA scheint auf jeden Fall gewappnet. Eine eingeschworene Einheit stand gegen den BVB auf dem Platz, das konnte man sowohl sehen als auch hören. Zudem hat Herrlich genau die richtige Taktik gegen wenig torgefährliche Dortmunder in petto gehabt. Die Wechsel waren stimmig und kamen gefühlt zum geeigneten Zeitpunkt – ganz anders als noch zu Ende der Rückrunde. Wir haben jetzt auf jeden Fall eine formidable Bank: Derzeit haben wir mit Marco Richter, Eduard Löwen, Ruben Vargas, Alfred Finnbogason, Tobias Strobl, Robert Gumny und Freddy Jensen richtig, richtig gute Alternativen in der Hinterhand. Und all die genannten haben definitiv Stammelfansprüche!

11 Kilometer mehr zu laufen als der Gegner und körperlich gegenhalten, so effektiv vor dem Tor zu sein wie zuletzt sowie ein dynamisches Pressing zu betreiben – das alles könnte diese Saison den FCA auszeichnen. 11 Kilometer mehr zu laufen als die fitten Stars des BVB – Chapeau, Ihr FCA-Kicker! Das ist mal ‘ne Hausnummer.

Presseschau

Mal ein Blick auf den Ex: Der ehemalige FCA-Trainer Manuel Baum macht’s – er wird der nächste Schalke-Trainer. Und als Co-Trainer wird der Ex-Schalke-Spieler Naldo fungieren. Manuel, ruf doch mal bei Markus Weinzierl an und frag nach, ob du dir überhaupt eine Wohnung suchen solltest in Gelsenkirchen 🙂

Weiterhin liest man derzeit in diversen Kanälen, dass sich unser ehemaliger Kai Uwe – pardon, Caiuby – aktuell bei den Schanzern über ein Probetraining empfehlen möchte.

Die deutsche Medienlandschaft überschlug sich letztes Wochenende ja förmlich, da der FCA eine Nacht auf Platz 1 der Bundesliga Tabelle stand. Nur Hoffenheim hatte was dagegen. Die SZ titelte “Platz eins für eine Nacht” – ich muss ganz ehrlich sagen, ein tolles Gefühl, wenn auch nur temporär. Manch ein Augsburg-Fan hätte wohl still und heimlich nix dagegen, wenn das öfter der Fall wäre. Eine Einheit, so bescheinigt man es dem FCA, hätte sich neu gebildet. Daniel “BVB-Killer” Caligiuri scheint einer der Leader im neuen System unter Heiko Herrlich zu sein. Man hats am Samstag gesehen.

Aktuell hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der FCA das dänische Innenverteidiger-Talent Frederik Winther von Lyngby BK verpflichten möchte. Mal sehen, ob da was dran ist. In der Innenverteidigung hatte man zuletzt mit Stanic und Danso zwei Talente aus den eigenen Reihen verliehen. Mit Jeff, Udo und Suchy stehen nur drei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung. Strobl, Khedira und Oxford können diese Position ebenfalls bekleiden. Ein weiterer gelernter Innenverteidiger macht aufgrund der langen Saison unter Corona-Bedingungen und ohne große Winterpause definitiv Sinn.

Zudem gab’s medial viel Lob für Caligiuri: Denn egal, welches Trikot er trägt. Der BVB kann sich warm anziehen. In seiner 300. Bundesligapartie hat der Italiener maßgeblich dazu beigetragen, den Dortmundern den Traum von der Tabellenführung abzujagen. Die gute Leistung der Augsburger Jungs resultiert auch in gleich vier Berufungen von Augsburger Spielern in die Kicker Elf des Spieltags.

Auch WUMMS ist mal wieder vorne mit dabei und postet ganz herrlich und witzig:

Was macht eigentlich, Philipp Max?

Ex-Augsburg-Spieler Philipp Max macht übrigens in Eindhoven da weiter, wo er beim FCA zuletzt aufgehört hat. Scoren, scoren, scoren. Neben seinem mittlerweile florierenden Tik-Tok-Account scheint sich Philipp Max wieder regelmäßig dem Sprinten-Flanken-Tore schießen zu widmen. Mittlerweile kennen sie seine berühmt-berüchtigten Vorlagen aus dem Halbfeld auch schon in den Niederlanden.

So schnell kann’s gehen: 3 Spiele, 1 Tor, 2 Vorlagen. Philipp Max startet auch in der Eredivisie durch, hat keine einzige Spielminute bisher verpasst. Verdient hat er sich’s allemal und wer weiß – vielleicht ruft ja bald mal Jogi an. Gute Linksverteidiger braucht das Land! Gerade jetzt, wo Jogi gar nicht mehr weiß, wen er nominieren soll vor lauter Verletzten.

Vielleicht sieht man ihn mit seiner in Augsburg lebenden Frau ja das ein oder andere mal in der WWK-Arena und in Augsburg Stadt und Land… Ist immer ein gern gesehener Gast, so viel steht fest.

Fazit und Aufstellung

Der FCA geht einmal als Favorit in die Begegnung. Und zwar auf dem Blatt Papier als deutlicher Favorit, denn es spielen am kommenden Sonntag der Tabellenzweite und somit CL-Platzierte gegen den im grauen Mittelfeld befindlichen Tabellendreizehnten. Übersetzt: FCA gegen VfL Wolfsburg. Mit einer ähnlichen Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und einer sattelfesten Defensive lässt sich in Wolfsburg sicherlich auch was holen. Mit einem gut aufgelegten Gikiewicz und dem vorwegschreitenden Caligiuri, der am Sonntag gegen seinen Ex-Ex-Club spielt, scheinen wir wirklich gerüstet zu sein. Caligiuri und seine Ex-Vereine, da war doch was. Mach’s nochmal, Dani! Das wär was.

Die vermutliche Aufstellung – getreu dem Motto “never change a winning team”:

Gikiewicz - Framberger, Uduokhai, Gouweeleuw (C), Iago - Gruezo, Khedira - Caligiuri, Gregoritsch, Hahn - Niederlechner

Tipps der Redaktion

  • Andi: 0:2 – Nach dem Euro-League-Quali-Frust gibt es die nächste Enttäuschung für Wolfsburg. Der FCA gewinnt dank eines starken Rafal Gikiewicz sowie einer harmonierenden Offensive und ist Tabellenführer.
  • Andy: Mein Tipp: 1:1! Der FCA bleibt ungeschlagen und ein spätes Tor sichert das Unentschieden.
  • Irina: Ich tippe mal mutig auf ein 2 zu 1 für unseren FCA. Sonst tippe ich eher pessimistisch, nun schwimme ich auf der euphorischen Erfolgswelle mit und tippe dementsprechend auch Mal optimistisch! Auf geht’s, Augschburg, kämpfen und siegen! Einmal eine ganz untypisch optimistisch tippende Irina – das muss doch belohnt werden. Oder, FCA? 🙂

TGIF: Ein Schritt in Richtung Normalität

Auftakt gelungen! Dank diszipliniertem Abwehrverhalten und einer gnadenlos effektiven Offensive setzte sich der FC Augsburg am vergangenen Wochenende mit 3:1 gegen Union Berlin durch. Die drei Punkte zum Start waren angesichts der schwierigen nächsten Spiele Gold Wert. Vor dem Duell sprachen wir bereits vom “wichtigsten Saisonstart aller Zeiten“, denn nun warten mit Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen harte Brocken auf die Mannschaft von Heiko Herrlich. Als ersten Härtetest kommt am Samstag (15.30 Uhr) der BVB nach Schwaben.

Dann sind erstmals seit der Corona-Pause auch wieder Fans im Stadion zugelassen. Dafür präsentierte der FCA unter der Woche ein Hygienekonzept, das durchdacht und dem Pandemiegeschehen angebracht wirkt: 6.000 Zuschauer, Mund- und Nasenschutz bis zum Sitzplatz, personalisierte Tickets. Beim Preis zeigt sich der FCA zudem von seiner familiären Seite und verlangt – trotz damit verbundenem Minusgeschäft – für alle Plätze 15 Euro. Eine überragende Aktion des Vereins, die nicht selbstverständlich ist. Das zeigt der Blick in andere Stadien, wo mitunter die regulären Sitzplatzpreise zu bezahlen sind. “Wir möchten dadurch unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden”, sagte Geschäftsführer Michael Ströll.

Leere Ränge, keine Stimmung: Diese traurige Athmosphäre begleitete zuletzt die Spiele des FC Augsburg. Gegen den BVB sind 6.000 Fans zugelassen. Ein Schritt in Richtung Normalität (Foto: Marcel Engelbrecht/firosportphoto/POOL)

Herrlich freut sich derweil auf die Unterstützung der Zuschauer und sagte vor der Partie gegenüber dem Kicker: “Gerade für Mannschaften wie uns ist es extrem wichtig, dass man die Fans im Rücken hat, dass man sie spürt. Das treibt die Mannschaft nach vorne, das pusht sie bei jeder Balleroberung, jedem Zweikampf. Klar, dass das einen Spieler zu Höchstleistungen treibt.”

Die Fakten zu #FCABVB

Effektiv: Der BVB brauchte in der vergangenen Saison gerade einmal fünf Chancen pro Tor – Ligaspitze. Acht Gelegenheiten pro Treffer beim FCA können sich allerdings auch sehen lassen.

Weiße Weste: Etwas überraschend hat nicht der FC Bayern, sondern Borussia Dortmund am häufigsten zu Null gespielt hat – 15-Mal. Der FCA konnte seinen Kasten sieben Mal sauber halten.

Starke Bank: BVB-Coach Lucien Favre wechselte insgesamt zehn Mal ein Tor ein (Ligaweit Platz zwei). Dem FCA gelangen fünf Jokertore.

Wiedersehen: Am Samstag kommt es zum Wiedersehen mit Marwin Hitz. Der Schweizer stand von 2013 bis 2018 im Kasten der Schwaben. Auf der Gegenseite war Julian Schieber drei Jahre für den BVB aktiv. Beide werden am Samstag aber relativ sicher nicht zum Einsatz kommen.

Über den Gegner

Kann der BVB diesmal die Bayern ärgern und ein Wörtchen im Meisterschaftskampf mitreden? Vermutlich eher nicht. Das liegt aber vielmehr an der krassen Übermacht der Roten als der schwarz-gelben-Kaderstärke. Denn der BVB hat es in dieser Spielzeit wieder einmal geschafft, ein starkes Team zusammenzustellen. Jadon Sancho konnte trotz Millionenangebot aus Manchester gehalten, Thomas Meunier ablösefrei aus Paris geholt werden. Hinzu kommen einmal mehr hungrige Talente wie Reinier (18), Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (17) und vermutlich bald auch schon Youssoufa Moukoko (15). Sancho und Winter-Neuzugang Erling Haaland sind ebenso gerade einmal 20 Jahre alt.

Apropos Haaland: Das norwegische Wunderkind steuerte für den BVB in 20 Einsätzen bisher 18 Tore und drei Vorlagen bei. Beim 3:5-Spekakel im Januar wurde Haaland beim Stand von 3:1 für den FCA eingewechselt – wenig später folgte ein Dreierpack. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Nationalspieler mit dieser Quote zufrieden ist, wie er unter der Woche den Ruhr Nachrichten sagte: “Ich hätte locker-leicht mehr als 50 Tore schießen können. Das soll nicht überheblich klingen, das ist vielmehr einfach gut so, denn das zeigt mir, dass das Potenzial dazu vorhanden ist.” Der ganze FC Augsburg erzielte in der abgelaufenen Saison übrigens 45 Treffer.

Es bleibt spannend, wie sich diese junge Mannschaft entwickelt. In den entscheidenden Spielen (im Pokal in Bremen, in der Champions-League in Paris) konnte der BVB dem Druck oft nicht wirklich standhalten. Darüber hinaus tat sich die Mannschaft von Lucien Favre auch immer wieder schwer, wenn es gegen den FCA ging.

Einstand nach Maß: Erling Haaland wurde gegen den FCA in der 56. Minute eingewechselt und trug sich drei Minuten später schon in die Torschützenliste ein. Bitter für Augsburg: Es folgten zwei weitere Treffer und der FCA verlor trotz 3:1-Führung mit 3:5. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Die letzten Begegnungen

18.01.2020: FC Augsburg – Borussia Dortmund 3:5

17.08.2019: Borussia Dortmund – FC Augsburg 5:1

01.03.2019: FC Augsburg – Borussia Dortmund 2:1

06.10.2018: Borussia Dortmund – FC Augsburg 4:3

26.02.2018: Borussia Dortmund – FC Augsburg 1:1

Presseschau

Weil es in dieser Woche ziemlich ruhig rund um den FC Augsburg war, wollen wir nach Mainz blicken, wo es vor dem Heimspiel gegen Stuttgart zu einer neuen Eskalationsstufe in der Fußball-Bundesliga gekommen ist. Am Mittwoch boykottierten die Profis der Nullfünfer das Training – aus Solidarität mit Mitspieler Adam Szalai. Dem war zuvor nahegelegt worden, sich einen neuen Verein zu suchen. Zwei Wochen zuvor im Pokal markierte der Ungar noch das wichtige 2:1 gegen Havelse.

Jetzt wird der Stürmer aber offenbar nicht mehr gebraucht und soll sich in der U23 fit halten. Über die Gründe der Degradierung wurde in den Sportmedien des Landes heftig spekuliert. Während Mainz-Vorstand Rouven Schröder und Coach Achim Beierlorzer auf der Pressekonferenz beteuerten, es handle sich um eine rein sportliche Entscheidung, schrieb die Bild von Differenzen in puncto Gehaltsverzicht und der Kicker (Donnerstagsausgabe) von einem heftigen Streit zwischen Szalai und Beierlorzer. So oder so, dem FCA kann es eigentlich nur recht sein, wenn es bei einem direkten Konkurrenten kriselt.

Was macht eigentlich Milan Petrzela?

Milan Petrzela wechselte im Juli 2012 von Viktoria Pilsen in die Fuggerstadt. Kurz zuvor war der Mittelfeldspieler für die tschechische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Einsatz und kam dementsprechend mit durchaus großen Erwartungen nach Augsburg, wo der damals 29-Jährige einen Vertrag bis 2015 unterschrieb. Nach 13 enttäuschenden Einsätzen für Rot-Grün-Weiß löste der FCA den Kontrakt nach einer Saison jedoch wieder auf und Petrzela kehrte nach Tschechien zurück. Seit 2019 spielt der Offensivmann nun für den 1. FC Slovacko, wo er auch noch mit 37 Jahren Stammspieler ist. In der abgelaufenen Saison stand er für den 9. der Fortuna Liga 30-mal auf dem Platz. Dabei gelangen dem zweifachen Familienvater fünf Tore und drei Assists.

Die voraussichtliche Aufstellung

Wenig spricht dagegen, dass Herrlich seine erste Elf im Vergleich zum Union-Spiel großartig ändern wird. In der Defensive scheint Neuzugang Robert Gumny etwas schneller zu sein als Raphael Framberger und damit eventuell eine Option gegen die brachial temporeiche Offensive des BVB. Gegen die technisch starken Dortmunder ist aber vermutlich gerade ein Kämpfertyp der Marke Frambo das richtige Gegenmittel, sodass wir das Augsburger Eigengewächs in der Startelf erwarten. Im Angriff scheint ein Stürmer mit einem Zehner dahinter die richtige Taktik. Denn Michael Gregoritsch hat seine Sache gegen Berlin sehr ordentlich gemacht und war vor allem in der Rückwärtsbewegung ein wichtiger Faktor. Gegen den Vizemeister werden die Defensivqualitäten des Österreichers umso mehr gefordert sein.

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Gruezo, Khedira – Caligiuri, Gregoritsch, Vargas – Niederlechner

Zurück in alter Form? Nach einer starken Vorbereitung könnte Michael Gregoritsch in dieser Saison eine ziemlich wichtige Rolle einnehmen. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Tipps

Andy: 1:2 – Der FCA kann es lange spannend halten, bevor der BVB kurz vor Schluss das entscheidende Tor macht.

Irina: 1:3 – Haaland erwischt erneut einen Sahnetag und zeigt dem FCA die Grenzen auf. Augsburg muss seine Punkte anderswo holen.

Andi: 1:3 – Haaland, Sancho & Co. sind dann doch eine Nummer zu groß für den FCA. Abhaken und nächste Woche in Wolfsburg punkten.

TGIF: Der wichtigste Saisonstart aller Zeiten?

Start geglückt! Mit einem souveränen, ungefährdeten 7:0-Pokalsieg gegen den Fünftligisten MTV Eintracht Celle hat der FC Augsburg die neue Spielzeit eingeleitet. Ohne das ungleiche Duell überbewerten zu wollen, war es doch wichtig, dass die Mannschaft von Heiko Herrlich die Saison 2020/21 ordentlich beginnt. Am Samstag (15.30 Uhr) wird es merklich schwieriger, wenn Rot-Grün-Weiß in Berlin gefordet ist. Nun ist der FCA traditionell ziemlich schwach am 1. Spieltag, in der Bundesliga gab es neben einem 2:2 gegen Freiburg (Saison 11/12) und einem 2:1-Sieg in Düsseldorf (18/19) ausnahmslos Niederlagen zum Start.

Gegen Union Berlin sollte eine Niederlage tunlichst vermieden werden, denn in den nächsten vier Spielen warten mit Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen andere Kaliber. Herrlich wäre es zu wünschen, wenn er mit einem Erfolgserlebnis starten würde.

In den beiden Duellen der letzten Saison hatte Union die Nase vorn. Auf das 1:1 in Augsburg folgte ein 2:0-Sieg für Berlin an der Alten Försterei. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Fakten zu #FCUFCA

Standardstärke: Am Samstag sollte der FCA möglichst wenig gegnerische Standards zulassen. Denn nahezu keine Mannschaft steht bei Ecken und Freistößen für mehr Gefahr als Union Berlin. Die Köppenicker haben den ruhenden Ball derart perfektioniert, dass fast die Hälfte ihrer Tore auf diese Weise zustande kommen. In der Saison 2019/20 waren es 20 von 41, beim FCA übrigens 11/46.

Ecken-Kontrast: In der abgelaufenen Saison brauchte Eisern Union dementsprechend auch wenige Standards für Tore. Alle 12 Ecken zappelte der Ball im gegnerischen Tor – Ligaspitze. Der FCA belegt in dieser Rangliste den letzten Platz. Alle 64 Ecken gibt es ein Tor für Rot-Grün-Weiß.

Fehlpass-Festival: Die Passquote ist bei beiden Teams miserabel und eigentlich auch nicht erstligatauglich. 76 (Union) beziehungsweise 75 Prozent (Augsburg) bedeuten die schlechtesten Werte der Liga. Heiko Herrlich scheint dies erkannt zu haben und legte in der Vorbereitung vermehrt den Fokus auf Ballstaffetten.

Ballbesitz, nein danke: In puncto Ballbesitz sieht es ebenfalls düster aus. 42 Prozent bei Union bedeuten Rang 17, gruselige 38 Prozent beim FCA folgerichtig den letzten Platz. Auch hier kann Heiko Herrlich beim FCA eventuell für einen kleinen Umschwung sorgen, nun da er die Mannschaft von Saisonbeginn an betreut.

Über den Gegner

Als FCA-Fan konnte man sich nur allzu gut in die Lage der Berliner Anhänger hineinversetzen: “Ihr steigt doch eh ab!” Für viele Fußballexperten war die Ausgangslage vor der Saison klar und Union quasi schon als Absteiger besiegelt. Bekanntlich kam alles anders und die Mannschaft von Trainer Urs Fischer landete vor dem FC Ausgburg auf einem starken 11. Platz. Union hat es allen gezeigt – und dabei obendrein viel Freude gemacht.

Nun gehen die Hauptstädter also ins viel zitierte “verflixte zweite Bundesligajahr.” Kann Eisern Union eine ähnlich starke Saison hinlegen und abermals die Klasse sichern? Viel wird dabei wohl von den eigenen Fans abhängen. Kein Klub ist wohl so auf die Unterstützung im Stadion angewiesen wie der FCU. Die für diesen Famililienverein so wichtigen, traditionsbewussten Anhänger fehlten nach der Corona-Pause und vielleicht auch deshalb gab es in den ersten fünf Spielen nach dem Neustart keinen Sieg. Gegen den FCA sind nach den bestehenden Corona-Regeln 4.300 Zuschauer an der Alten Försterei gestattet.

Am Samstag kommt es unterdessen zu einem doppelten Wiedersehen. Andreas Luthe tauschte im Sommer mit Rafal Gikiewicz die Seiten und hütet nun für Berlin den Kasten. Ihr Pflichtspieldebüt ist indes beiden geglückt, wenn auch vollkommen unterschiedlich. Beim Augsburger 7:0 gegen Celle bekam Gikiewicz äußerst wenig zu tun, während Luthe mit Berlin beim Karslruher SC schon mehr gefordert war. Erst in der Verlängerung sicherte sich die Fischer-Elf mit einem 0:1 den Einzug in die zweite Runde. Im Pokal noch nicht mit dabei, aber gegen den FCA eventuell eine Option ist Star-Neuzugang Max Kruse. Der ehemalige Nationalspieler laborierte in der Vorbereitung an einer Knöchelverletzung. Einen Kaderplatz gegen die Schwaben “schließe ich aber nicht aus”, meinte Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Ob Max Kruse dann immer noch die Klasse hat Sebastian Andersson zu ersetzen, wird sich bei den Eisernen zeigen. Der Schwede war mit 12 Toren und 3 Vorlagen in der letzten Saison bei weitem Unions bester und effektivster Offensivspieler. Seit kurzem spielt er nun für den 1. FC Köln. Er wird in Berlin in jedem Fall eine Lücke hinterlassen.

Neues Abenteuer am Lech. Rafal Gikiewicz hat beim FCA einen Vertrag bis 2022 unterschrieben (Foto: xemx via imago).

Presseschau

Das Ende der Vorbereitung ist immer auch die Zeit für diverse Saisonprognosen. Beim Blick auf die hiesigen Predictions fällt auf, dass der FCA für viele schwer einzuschätzen ist. Das soll nun an der Prognose von OneFootball deutlich werden.

So wurde der FCA bei der Überraschung der Saison von fünf der insgesamt neun Protagonisten genannt. Im Gegenzug bekam Heiko Herrlich allerdings auch zwei Stimmen bei der Kategorie “erste Trainerentlassung” und einen bei den Abstiegsrängen – der FCA scheint für viele eine Wundertüte zu sein.

Beim Rasenfunk hat man da vielleicht etwas genauer hingeschaut. Die Experten tippen den FCA alle ins solide Mittelfeld. Die Hörerschaft sieht uns allerdings auf einem Abstiegsplatz. Beste Voraussetzungen also, um mal wieder viele zu überraschen.

Was macht eigentlich Tim Matavz?

Kaum ein Spieler kam mit mehr Vorschusslorbeeren nach Augsburg als Tim Matavz. 2014 wechselte der slowenische Nationalspieler für 4 Millionen Euro von der PSV Eindhoven nach Schwaben und avancierte prompt zum Rekordtransfer des FCA. Zuvor hatte der Stürmer für PSV, Vitesse Arnheim und den FC Groningen in 293 Spielen respektable 131 Treffer erzielt. Doch beim FCA funktionierte er nicht wirklich – drei Tore in 34 Spielen standen für Matavz zu Buche. Nach drei Jahren FCA und zwei Leih-Stationen in Genua und Nürnberg zog es den Slowenen zurück nach Arnheim. In diesem Sommer wechselte der mittlerweile 31-Jährige dann von den Niederlanden in die Vereinigten Arabischen Emirate und geht mittlerweile für Al-Wahda FC Abu Dhabi auf Torejagd.

Aber an sich waren das ja noch schöne Zeiten, als Spieler von der PSV Eindhoven zu uns kamen wegen der sportlichen Perspektiven und nicht anders herum. Viele Grüße an dieser Stelle an Philipp Max.

Unglückliches Gastspiel in der Fuggerstadt. Die hohen Erwartungen an seine Person konnte Tim Matavz nie erfüllen. (Photo CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die voraussichtliche Aufstellung

Es ist davon auszugehen, dass Heiko Herrlich seine Mannschaft nicht allzu sehr verändert. Spannendste Frage bleibt das gewählte System – Gregoritsch oder Finnbogason? Zehner oder Doppelspitze? Gegen die Dreier- beziehungsweise Fünferkette der Berliner vermuten wir eher letzeres, sodass der hoffentlich wieder zu alter Form zurückfindende Gregoritsch wohl als Joker kommen wird. Der FCA ist in der Vorbereitung weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben, sodass sich dem Coach zusätzliche Alternativen durch Robert Gumny, Tobias Strobl oder die im Pokal überzeugenden André Hahn und Fredrik Jensen bieten. Auch Marco Richter scheint nach seiner Blessur eine Option sein. Insgesamt steht eine Elf, mit der man absolut gegen Union gewinnen kann. Wir sind heiß!

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Gruezo – Caligiuri, Vargas – Finnbogason, Niederlechner

Ging verletzungsfrei und motiviert durch die Vorbereitung. Iago hat aktuell seinen Platz als Linksverteidiger sicher (Foto: xemx via imago).

Tipps

Andy: 0:0 – beide Teams finden offensiv keine Lösungen und auch die Berliner Fans machen keinen Unterschied.

Irina: Taktisch intensiv geführte Partie mit einem späten Augsburger Tor, das zum ersten Sieg der neuen Bundesligasaison reichen sollte.

Andi: Gikiewicz gewinnt das intere Keeper-Duell mit Luthe und hält seinen Kasten sauber. Der FCA gewinnt mit 2:0, Vargas und Finnbogason treffen.

TGIS: Thank God, it’s Spieltag!

Corona hat (Fußball-)Deutschland weiterhin fest im Griff: Nahezu täglich werden neue Wasserstandsmeldungen zu Tage gefördert und die Infiziertenzahl nach oben korrigiert. Auch in der Bundesliga ist Corona und die Diskussion drumherum Dauerthema. Nicht nur Kalous Video Clou, auch der wenig vorbildliche Ausflug vom masken- und verständnislosen Heiko Herrlich spalten die Gemüter – wie die Coronakrise an sich selbst schon die Bundesrepublik in mehrere Lager teilt. Mittlerweile sind zwei Spieltage in der ersten Fußballbundesliga Deutschlands schon wieder mehr oder minder erfolgreich bestritten worden. Das Fazit fällt durchaus gemischt aus – spür- und greifbare Geisteratmosphäre in Deutschlands Stadien, tanzende Trainer mit Mundschutz und auf Distanz jubelnde Profis. Aber: Was sein muss, muss sein!

Heiko Herrlich – Held oder Hanswurst?

Die dritte Reifeprüfung mit Symbolwirkung für die gesamte Nation steht in einer englischen Woche an. Hart, härter, englische Woche – sagt der Volksmund ganz salopp. Unser FCA empfängt hierbei in der heimischen WWK-Arena vor Geisterpublikum den Tabellenletzten aus Paderborn. Ein regelrechter Abstiegskrimi! Ein jeder fragt sich wohl an dieser Stelle, ob das Geisterspiel erneut seinem Namen alle Ehre macht. Und ob der FCA am 28. Spieltag die sympathischen Paderborner schon in Richtung zweite Liga schicken kann.

Der FC Augsburg jedenfalls konnte den berühmt-berüchtigten Trainerwechsel-Effekt nicht wirklich auskosten, da direkt nach Einstellung von Herrlich die Saison aufgrund von Covid-19 unterbrochen wurde. Die Handschrift von Herrlich war in Spiel 1 “nach Corona” noch nicht zu lesen, hat er sich doch davor selbst aus dem Stadion geschossen mit seinem unerlaubten Quarantäneausbruch zwecks Besorgung von Hygieneartikeln. “Da ganze Bua a Depp”, sagt man ganz treffend und leicht neckisch in Bayern!

Heiko Herrlich zusammen mit Stefan Reuter zurück an der Seitenlinie auf Schalke. (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Gegen Schalke 04 also übernahm der Mundschutz am Oberarm tragende Trendsetter Herrlich an der Seitenlinie. Ganz Fußballdeutschland, ach was, die ganze Welt blickte gebannt nach Gelsenkirchen, um den Badboy Herrlich bei seiner Geisterspiel-Premiere zu verfolgen. Besonders wichtig: Ob die Feuchtigkeitscreme aus dem Bobinger Supermarkt nun etwas geholfen hat gegen den leicht fahlen Hautton vom Heiko? Influencer hassen diesen Trick. Und Heiko Herrlich, für seine subtile Supermarkt-Scharade.

Negative Presse ist besser als gar keine Presse, dachte sich Heiko Herrlich. Gute Presse bekommt er diesertags auf jeden Fall wegen dem ordentlichen Auftritt des FCA auf Schalke. Nicht alle Vereine im Ruhrgebiet sind so gute Gastgeber wie der S04. Bitte, dankeschön. 3 Tore, 3 mal distanziertes Jubeln. Schalke 03! Da kommt gleich richtig Partystimmung und Feierlaune auf! Apropos Party…

What’s on in Partyborn?

…unser nächster Gegner kommt aus dem legendären Partyborn. Oder Paderboring. Ihr könnt euch aussuchen, was eher zutrifft. An Tagen, an welchen der SCP spielt, sicherlich ersteres. Ansonsten regnet es, die Kirchenglocken läuten oder die Ampeln sind rot. Ziemlich abwechslungsreich geht es in der Stadt mit dem größten Computermuseum der Welt zu. FUNFACT am Rande 🙂

Die Spielanlage und das Auftreten der Mannschaft aus der Stadt an der Pader entspricht nicht dem mageren Punktekonto und auch nicht dem tristen Tabellenplatz! Der Club hat eine erstaunlich gute Mischung aus erfahrenen Hasen und jungen Wilden. Leider muss das Team in der Bundesliga diese Saison oft Lehrgeld zahlen, geht hierbei jedoch nie so richtig “unter” oder lässt sich abschießen. Der relativ unbekannte Tormann Zingerle, der Bayernjugend entstammend und gebürtiger Münchner, macht einen erstaunlich guten Job zwischen den Pfosten. An ihm liegt’s sicherlich nicht, dass der SCP hinten rumkrebst in der Bundesligatabelle.

Klaus Gjasula , Christopher Antwi-Adjej, Jans Laurent und Leopold Zingerle: Die Mischung stimmt prinzipiell in Paderborn und herspielen lässt man sich auch selten. Nur Lehrgeld hat man oft bezahlt. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Ansonsten steht in der Innenverteidigung mit Hünemeier ein – im wahrsten Sinne des Wortes – “Hüne” seinen Mann. Eine Position vor ihm spielt Raubein Gjasula, der diese Saison den Kartenrekord in der Bundesliga geknackt hat. Herzlichen Glückwunsch und Ehre, wem Ehre gebührt, an dieser Stelle! Den Wirbelwind Antwi-Adjei und den jungen Spielmacher Sabiri sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben! Interessant ist auch die Tatsache, dass der SCP vier nominelle Mittelstürmer im Kader hat. Und alle vier haben in dieser Spielzeit schon (mehrfach) getroffen! Das entspricht insgesamt 16 der 31 Treffer der Paderborner.

1. Absteiger SCP?

Die Paderborner haben nur mickrige 18 Punkte derzeit auf dem Punktekonto. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt 6 Punkte, auf das rettende Ufer schon satte 9 Zähler. Sollte der FCA gegen Paderborn gewinnen und die Konkurrenz aus Düsseldorf sowie Bremen punkten, sieht es ganz düster aus für die Ostwestfalen. Ich, die ja in Ostwestfale lebt, würde nächste Saison und gerne ohne Corona in der kleinen Schmuckkiste Benteler-Arena wieder im Gästeblock mit dem FCA mitfiebern. Und das nur mit 30 Minuten Anreise! Schade, wenn’s das nicht mehr in der ersten Bundesliga gäbe… Der SCP kann meiner Meinung nach die ganze restliche Saison punkten, aber nur nicht gegen den FCA. Die Punkte brauchen wir selbst.

Der sehr authentische und sympathische Trainer des SC, Steffen Baumgart, könnte folgende Startelf am kommenden Mittwoch auf den Rasen der WWK Arena schicken:

Zingerle  - Collins, Hünemeier, Schonlau, Dräger - Gjasula - Holtmann, Antwi-Adjei, Vasiliadis, Pröger - Srbeny

Ein Blick auf den FCA

Der FCA hat sich nach der unnötigen Last-Minute-Pleite gegen Wolfsburg offensichtlich auf den Hosenboden gesetzt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Denn diese individuellen und kopflosen Fehler in den letzten Spielminuten ziehen sich schon wie ein roter Faden durch die Saison. Der Kopf ist dann gefühlt schon in der Kabine oder gar noch weiter weg.

Gegen Schalke sah das spielerisch – aber auch vom gesamten Auftreten ohne Ball – deutlich besser aus. Mehr gelaufen und mehr gefightet. Sehr ansehnliche Tore geschossen. So kennt man den FCA und will man ihn weiterhin sehen! Sehr aggressives und hohes Pressing, das hat den Schalkern nicht so geschmeckt und die Hinterleute zu Fehlern gezwungen. So zu sehen beim 2:0 durch Sarenren Bazee und beim 3:0 durch Sergio Cordova.

Heiko Herrlich hatte auch zwei gute Händchen, als er die beiden letztgenannten Torschützen einwechselte. Beide drängen natürlich in die Startelf, denn Vargas blieb gegen Schalke beispielsweise sehr blass. Auch Niederlechner läuft seiner Form deutlich hinterher, läuft zwar sehr viel – aber steht auch sehr gerne im Abseits. Die Chance nun für die willigen Ersatzleute, sich zu beweisen. Auch ein großes Lob an den souveränen Andi Luthe an dieser Stelle! Wie viel mentale Stärke im Kopf bewirken kann, merkt man diesertags sehr gut an dem sattelfesten Rückhalt Luthe.

Nach dem Spiel gegen Schalke scheint es nicht viel Änderungsbedarf im Augsburger Team zu geben. Ob Heiko Herrlich trotzdem überrascht? (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Ich persönlich hoffe ja noch, dass der junge Nachwuchsstürmer Maurice Malone bald mal sein Bundesliga-Debüt feiern darf. Unter Heiko Herrlich scheint dies möglich, auch wenn Maurice bisher noch nicht im Kader stand seit der Amtsübernahme im März. Es bleibt abzuwarten, ob Kapitän Daniel Baier wieder in die Startelf zurückkehrt. Die Schonmaßnahme für unseren Oldie scheint aber nur temporär begrenzt zu sein, deshalb tippe ich persönlich auf eine Rückkehr in die erste Elf, obwohl Carlos Gruezo eine großartige Leistung gegen Schalke gezeigt hat und mir diese Entscheidung sehr schwer macht. Heiko Herrlich steht vor der Qual der Wahl! Heimlich hoffe ich auch auf einen Wechsel auf Linksaußen, denn Ruben Vargas kommt noch nicht wieder richtig in Tritt und Noah Sarenren Bazee hat einen guten Job am Sonntag gemacht.

Für den FCA gehts am Mittwoch vor allem darum, das Punktekonto weiter aufzustocken. 30 Punkte klingen viel, trügen jedoch etwas. Die Mannschaften hinter uns punkten ebenfalls, haben teilweise noch ein Spiel weniger als der FCA. Ausruhen? Is’ nicht! Wir werden sehr viel den Ball haben und das Spiel machen müssen – ich bin gespannt, wie wir damit umgehen und was für einen Spielplan Heiko Herrlich hat.

Folgende Elf schickt Heiko Herrlich am Mittwoch sehr wahrscheinlich auf den Platz – getreu dem Motto: “Never change a winning team”

Luthe - Frambeger, Uduokhai, Jedvaj, Max - Baier, Khedira - Vargas, Löwen, Richter - Niederlechner

Was macht eigentlich – Daniel Brinkmann?

Der gebürtige Horn-Bad Meinberger Daniel Brinkmann hat eine Vergangenheit bei beiden Teams: In der Jugend und als Profi insgesamt vier Jahre beim SC Paderborn in seiner Heimat tätig, wechselte Brinkmann 2009 zum FCA an den Lech und stieg 2011 mit diesem in die erste Bundesliga auf. In drei Saisons bestritt der zentrale Mittelfeldspieler insgesamt 66 Spiele für den FCA und erzielte dabei 4 Tore. Nach drei Spielzeiten beim FCA wechselte Brinkmann zu Energie Cottbus. Heute spielt der 34jährige in der Oberliga Westfalen beim SC Wiederbrück im Kreis Gütersloh und ist dort gleichzeitig als Trainer tätig.

Eine kleine Anekdote am Rande: Als ich 2012 bei TuRa Elsen, einer Fußballmannschaft des Paderborner Stadtteils Elsen, ein Probetraining mitmachte, trug eine Spielerin das Trikot vom FCA mit dem Flock von Daniel Brinkmann. Als ich sie fragte, wieso sie denn als Paderbornerin offensichtlich FCA-Fan sei, entgegnete sie mir: “Allein wegen Daniel Brinkmann!”. Einer Legende in Ostwestfalen und ein verdienter Spieler der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft des FCA von 2011 .

Tipps der Redaktion

  • Andy: 3:0 für den FCA! Der SC Paderborn wird von den Augsburgern abgefertigt und zurück in die 2. Liga geschickt. Der FCA beweist erneut seine spielerische Klasse.
  • Irina: Wir gewinnen, jedoch knapper und spannender als beabsichtigt mit 2:1. Zähe und leidenschaftliche Paderborner machen uns das Leben lange schwer. Ich könnte jedoch aus Sympathie mit den Ostwestfalen auch mit einem hochklassigen Remis gut leben, will ich doch nicht Schuld sein, dass mein FCA den SCP höchstpersönlich in die 2. Bundesliga schickt. Stefan Reuter jedenfalls muss sich im Doppelpass den Fragen von Thomas Helmer stellen – sicherlich hofft er im Vorfeld auf einen Sieg, dann plaudert es sich wesentlich angenehmer.
  • Sebastian: Nun geht es aufwärts. Paderboring profitiert nicht vom stimmungsmäßigen Heimvorteil und geht mit 5-0 in Augsburg unter.

Mach kaputt, was dich kaputt macht

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Seit 10 Jahren hatte die Bundesliga keinen anderen Meister mehr als den FC Bayern München oder Borussia Dortmund. Wer das Buch “The Number’s Game” gelesen hat, der weiß, dass der sportliche Erfolg zu über 80% von den Gehaltsausgaben eines Vereins abhängt. Es gibt hier eine nachgewiesene Abhängigkeit. Wer sich teure Spieler leisten kann, ist erfolgreicher, als der Club, der es nicht kann. Und wundern tun wir uns hierüber schon seit langem nicht mehr. Was man allerdings feststellen kann: früher war das nicht so. In den ersten sieben Jahren ihrer Existenz, gab es in der Bundesliga sieben unterschiedliche Meister. Da kann ein Verein wie der FC Augsburg oder SC Freiburg noch so gut arbeiten. Mehr als ein vereinzelter Euro League Lotteriegewinn bleibt unmöglich.

Der Fußball braucht keine Rettung

Wenn Herr Watzke, seines Zeichens Geschäftsführer von Borussia Dortmund, in diesen Tag sagt: “Es geht um die Rettung des Fußballs”, dann meint er damit vornehmlich die Vormachtstellung seines eigenen Clubs im aktuellen System. Denn als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, da lag auf der Wiese vor unserem Haus immer noch ein Ball mit dem meine Tochter kicken konnte, wann auch immer sie wollte. Der Fußball an sich wird durch die derzeitige Situation nicht verschwinden. Zudem ist die derzeitige Situation nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wenn ein Club wie Schalke 04 nach wenigen Wochen schon kurz vor der Insolvenz steht, dann liegt das wohl eher an den 200 Mio. EUR Verbindlichkeiten, die trotz abbezahltem Stadion dort schon auf den Büchern lasteten, als an der Krise selbst. Die Krise und der RB Leipzig haben gezeigt, dass die Lizenzierungsbedingungen der DFL eine Farce sind. Also werden gewisse Bedingungen, wie eine Liquiditätsprüfung nunmehr gleich ausgesetzt. Natürlich nur vorübergehend.

Hans-Joachim Watzke sieht die Vormachtstellung seines Clubs gefährdet und hat gefährliche Ideen. (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Dabei bietet die Situation auch Chancen und diese werden aus ungewohnter Ecke adressiert. DFL-Geschäftsführer Seifert hat den Vorschlag einer Gehaltsobergrenze auf den Tisch gebracht. Eine Gehaltsobergrenze würde den sportlichen Wettbewerb in der Liga deutlich erhöhen und für ausgeglichenere Verhältnisse sorgen. Indem die Verteilung von Fernsehgeldern unabhängig der sportlichen Ergebnisse vorgenommen würde, ginge dies auch grundsätzlich nicht zu Lasten der Spieler. In diesen Situationen würden schlicht die Spieler bei den kleineren Vereinen zukünftig mehr verdienen können. Nachdem die Liga auch für Zuschauer wieder attraktiver würde, gäbe es wahrscheinlich grundsätzlich ein mehr an Einnahmen und damit auch ein Gehaltsplus für die Spieler im Gesamten. Das System funktioniert in den US-Ligen schon seit Ewigkeiten.

Machtstellungen sollen zementiert werden

Die großen Vereine wollen aber natürlich ein “weiter so” unter allen Umständen und sind hierfür auch bereit, die Prinzipien des deutschen Profifußballs komplett auszuhöhlen. Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, hat sich nun erst kürzlich dafür ausgesprochen, die 50+1 Regel abzuschaffen. Hierdurch könnten sich viele Vereine retten, ohne dass das System im Gesamten und damit die Vormachtstellung des FC Bayern angegriffen würde. Dem Branchenprimus geht es derweil weiter hervorragend, wo er doch gerade jetzt eine Transferoffensive für den Sommer angekündigt hat.

Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, äußert seine gefährlichen Gedanken, wie alles so bleiben kann, wie es ist. Aber wer will denn das? (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die Corona-Krise scheint dabei für einige Verantwortliche der geeignete Vorwand zu sein, auf den sie lange gewartet haben. Sie hängen weiter ihrer Verblendung nach, in der sie sich schon in den letzten Jahren immer mehr von den Fans auf den Rängen entfremdet hatten. Diese Fans können momentan auf den Rängen nicht gegen Änderungen an den Umständen des Ligabetriebs demonstrieren, sondern engagieren sich vielerorts für die Gesellschaft. Es gibt nun eben doch einiges, was gerade wichtiger ist als Profifußball.

Zeit für Aufstand und Wandel

Derweil ist jetzt der Moment, wo wir mit besonderer Achtsamkeit darauf achten müssen, dass uns “der Fußball” von den Watzkes und Hainers dieser Welt nicht vollends zerstört wird. Die kleinen Vereine sollten eine Koalition bilden, genau wie dies schon vorher von den Fanszenen vorgemacht wurde. Denn jetzt genau ist der Moment gekommen, um für eine gerechtes und chancengleiches System im Profifußball einzustehen, in dem die Vereine weiter das Rückgrat bilden. Es ist Zeit, dass der Fußball wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt und der wirtschaftliche Wettlauf beendet wird. Damit wir in Augsburg nicht mehr nur von der Meisterschaft träumen sondern auch realistisch Meister werden können. Das Spiel ist kurz davor zu beginnen. Es ist der Moment die eigenen Farben und Visionen zu verteidigen. Es ist der Moment, wo es in Augsburg heißt: “Fäuste hoch”.

Geisterstunde

Ein schales Helles aus dem dünnen Plastikbecher, der unverwechselbare Geruch von Bier und billigem Deospray in der Nase und das lautstarke Nörgeln eines beständig Unzufriedenen nur wenige Reihen hinter einem. Es ist nicht ganz klar, ob die Umstehenden mit leerem Blick seinen Ausführungen folgen oder mit Sorge an den nächsten Arbeitstag und den drohenden Spott der Kollegen denken. Bierduschen und Sonnenbrand, Motzrentner und Bayernfan. Was klingt das plötzlich alles verheißungsvoll. Wie schön wäre es, jetzt im Block zu stehen.

Spielpause

Die Aussetzung des Spielbetriebs war natürlich alternativlos und erfolgte vielleicht fast schon zu spät angesichts der Rolle, die Großveranstaltungen bei der Verbreitung des Virus spielten. Wie geht es nun weiter? Die Frage wird seit Wochen eifrig diskutiert und ist dabei fast Sinnbild aller anderen Debatten rund um die derzeitigen gesellschaftlichen Einschränkungen, die viele Meinungen und wenige Graustufen kennen.

Aber: Es steht vollkommen außer Frage, dass es derzeit dringendere Fragen gibt, als die Problematik, wann die Bundesliga wieder angepfiffen wird. Jeden, der sich gesundheitliche Sorgen macht oder in Kurzarbeit Existenzängste hat, hinterlässt die Debatte rund um die Aussetzung der Bundesliga mit einem Kopfschütteln. Mindestens. Fußball ist nur eine Nebensache. Aber für viele auch die schönste Nebensache der Welt.

Geisterspiele

Von dem Gang ins Stadion sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach weit entfernt. Alle Großveranstaltungen sind derzeit bis Ende August offiziell untersagt und auch die ersten Veranstaltungen im Herbst werden schon abgesagt. Und so ist Geisterspiel das Wort der Fußballstunde. Die Profiligen sollen (vielleicht) ab Anfang Mai in enger Taktung vor leeren Tribünen mit einem minimalen Personalaufwand der Liga zu einem würdigen Ende verhelfen. Wobei würdig in dem Fall heißt, das die Verpflichtungen aus den Fernsehverträgen eingehalten werden und so umgekehrt die dringend benötigten Fernsehgelder an die Vereine ausgezahlt werden. Dass der Stillstand der Bundesliga und so ziemlich aller anderen Profiligen weltweit den milliardenschweren Fußballzirkus in gravierende Nöte bringt, ist indes Thema einer anderen Debatte auf diesem Kanal.

Masterplan?

Die Geisterpläne der eigens eingesetzten „Task Force“ , die letzte Woche auch in Presse und Öffentlichkeit seziert worden sind, enthalten nichts wirklich überraschendes – man hatte auf ein Konzept gehofft, dass alle Probleme gesellschaftspolitisch und medizinisch überzeugend löst. Schlicht das Hoffen auf ein Fußballwunder. Was herauskam ist nicht viel mehr als der dringende Appell, sich konsequent die Hände zu waschen, eingekleidet in die schicken Folien einer Powerpointpräsentation und garniert mit allerlei grafischem Pepp aus dem Handbuch aktueller Marketingkurse. Einen großen Charme hat dabei übrigens die grafische Veranschaulichung der Personen im Stadion, eine (unbeabsichtigt) humorvolle Symbiose von Stadionplan und Tipp-kick.

Als die Liga am 16.03. diskutierte passierte das noch in Form eines Präsenzmeetings in Frankfurt. Wie sich die Zeiten geändert haben. (Photo by Thomas Lohnes/Getty Images)

Trotzdem wirkt der gesamte Plan seltsam steril. Da hat es selbst die österreichische Liga geschafft, ihrem Konzept mit einer farblichen Codierung von Zonen und Personal den Anstrich eines adäquaten Masterplans für Notzeiten zu geben. Inhaltlich gibt es aber natürlich kaum einen Unterschied.

Und so erfährt man viel über die Zahl der Personen, die ein Fußballspiel mitsamt Übertragung wohl mindestens benötigt (ca. 300) und dass die Bar im Mannschaftshotel gesperrt wird. Privat solle man Menschenansammlungen meiden und nach Möglichkeit Einwegtaschentücher verwenden. Nun denn. Sollte eine Person positiv getestet werden, erfolgt keine automatische Meldung an die Presse und die Vereine sollen für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen. Auch das begleitend veröffentlichte medizinische Konzept liefert keinen großen Erkenntnisgewinn. Für Menschenansammlungen vor dem Stadion ist die DFL nicht verantwortlich. Der Vorteil der Banalität des Konzepts ist dessen Universalität. Mit den Kriterien könnte man auch ein Museum wieder öffnen.

Fußball ist unser Leben?

Das Konzept der DFL Taskforce dient nicht dazu, die aufgeheizte Diskussion rund um das Thema Geisterspiele zu versachlichen. Man kommt nicht umhin, den Kritikern Recht zu geben, die die Sonderrolle des Fußballs in der gegenwärtigen Debatte monieren. Während das Land stillsteht und jeder Einzelne zur Wahrung von Abstand und Verzicht angehalten wird, möchte der Fußball lieber heute als morgen seinen Betrieb wieder aufnehmen. Und wer meint, dass die Fans den Fußball herbei sehnen, dem sei der bemerkenswerte Kommentar der Ultras ans Herz gelegt, die deutliche Kritik am Vorhaben der DFL geäußert haben.

Gespenstisch

Und doch könnte der Fußball ein Stück Normalität bieten, zumindest denjenigen, die gerne dem Fußball anhängen. Clubs und Konzerte, Museen und Demonstrationen werden derzeit in die digitale Welt verlegt. Warum also nicht auch die Bundesliga? Man mag sich Geisterspiele in Augsburg vorstellen. Wie Rolf Störmann eigens angefertigten Pappkameraden auf der Ulrich Biesinger Tribüne begrüßt und der Torjubel gleich mit der Tormelodie vom Band kommt. Was vor Wochen noch als undenkbare Alternative abgetan wurde, ist jetzt fast Sehnsuchtsort. Insgeheim hat mittlerweile auch die Stimmung eines schweigsamen Testspiels einen großen Reiz. Und eine gewisse Authentizität. Denn es wird auf das Spiel und das Sportliche reduziert. Ohne den großen Marketingrahmen, das Torwandschießen und die Gratisproben.

Choreo ohne Fans oder auch die Frage: Was bleibt ohne Fans im Stadion? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Doch der Wunsch, am Samstagnachmittag wieder Fußball im heimischen Wohnzimmer zu sehen, birgt auch ein anderes Risiko. Was wäre, wenn eine Mannschaft nach mehren positiven Befunden aufgrund der Quarantäne in Gänze oder in Teilen ausfallen würde? Wenn dem FCA die erste Elf fehlen und eine Niederlagenserie zum Abstieg führen würde? Rechtfertigt es da der Verweis auf finanzielle Nöte und die Sehnsucht des Fans, die Spiele wieder anzupfeifen?

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Das Konzept der DFL kann der Gesellschaft die Sonderrolle, die die Bundesliga spielen soll, immer noch nicht erklären. Und so wird man sich weiter die Frage stellen, ob und wann die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gesellschaftlich, moralisch und sportlich sinnvoll ist. Ich würde mich prinzipiell freuen, wenn ein sinnvoller Weg gefunden werden könnte. Der Jubel auf dem Sofa wäre gewiss. Aber eben nicht um jeden Preis. König Fußball muss sich auch unterordnen. Es wird auch finanzielle Lösungen für alle Profivereine geben. Alles andere wäre in dem Millionenzirkus Bundesliga schwer denkbar und vermittelbar.

Denn Fußball ist nur Nebensache. Insbesondere in diesen Tagen. Und man kann der ganzen Situation doch durchaus etwas Positives abgewinnen. Heiko Herrlich ist seit fünf Wochen als FCA Trainer ungeschlagen.

TGIF: Bremer Stadtmusikanten vs. Augsburger Puppenkiste

Heute ist Freitag, der letzte Arbeitstag der Woche und spätestens in vier Stunden geht’s an die Stechuhr und ich hab‘ Feierabend.  Jawollja! Wie mir geht’s da wohl noch etlichen anderen Arbeitnehmern, die sich schon zu Arbeitsbeginn klammheimlich aufs Wochenende freuen. Hoch die Hände, Wochenende, FCA, ole ole. und #TGIF – all diese Slogans haben eins gemeinsam: Die Vorfreude auf zwei arbeitsfreie Tage nach einer intensiven Arbeitswoche. Und was gibt’s da schöneres als seinen Gelüsten zu frönen, den Hobbies nachzugehen und mit der eigenen Clique abzuhängen? (Richtig: Nix! 😂 ) Für mich bedeutet Wochenende ja immer Bundesliga-Zeit. Und natürlich FCA-Zeit. Auf das Spiel meiner Augschburger fieber‘ ich quasi die ganze harte Arbeitswoche hin. Umso schöner, wenn der FCA dann auch noch punktet und das Wochenende komplett super wird. Wenn da das Wörtchen wenn nicht wär… und der SV Werder Bremen.

Immer wieder samstags!

Also, immer wieder samstags spielt der FC Augsburg in der 1. Fußballbundesliga. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Anhänger aus Hannover, Kaiserslautern und von 1860 München sind an dieser Stelle nun vor Neid erblasst und würden sicherlich gerne mit uns tauschen. Daher hab ich nicht nur eine gewaltige Vorfreude auf das Wochenende und auf den FCA allgemein – sondern auf das 9. Jahr Bundesliga in der Augsburger Vereinsgeschichte.

Ein unfassbares Privileg, wenn man mal intensiver drüber nachdenkt. Ganz demütig werde ich, wenn ich einmal kurz Revue passieren lasse, was wir in 9 Jahren Glanz & Gloria erlebt haben. Fast-Abstieg, Fast-EL, Erstmalige EL-Teilnahme und so weiter. 2020 soll nun also das Jahr der Augsburger werden und wir wollen frühzeitig nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Ob das wohl so einfach wird? Nach den jüngsten Auftritten sind sich da nicht mehr alle so sicher in Datschiburg, wie noch am Ende der Hinrunde.

Facts, it’s all about facts

Der Gegner möchte uns das Leben morgen ab 15:30 Uhr jedenfalls so schwer wie möglich machen. Die launische Diva aus Bremen ist zu Gast im beschaulichen Bayerisch-Schwaben. Selbst arg mit akuten Abstiegssorgen gebeutelt, versucht man den Fisch aus der Weser – pardon – den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und hat mit Kevin Vogt einen alten Augsburger Bekannten aus Hoffenheim loseisen können. Der Abwehrhüne soll die mit Verletzungspech geplagte Defensivreihe der Werderaner verstärken. Aktuell stehen die Grün-Weißen mit 17 Punkten aus 19 Spielen auf dem Relegationsplatz. Nicht zufriedenstellend für einen ambitionierten Traditionsclub wie dem SVW. 

Ruben Vargas: Durchbruch gegen Bremen
Als Ruben Vargas am 01.09.2019 in Bremen sein zweites Tor erzielte war spätestens klar, was wir im Sommer für ein großes Talent verpflichtet hatten (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Martin Schmidt, der Augsburger Trainer, bezeichnet den Gemütszustand seiner Spieler inklusive seiner selbst als „wütend“.[1] Denn drei Niederlagen in Folge sind so gar nicht nach dem Geschmack des Schweizers. Und überhaupt, nachdem man die Hinrunde erstmal zu zwei Dritteln verpennt hat und sich dann akuter Sorgen nur durch ein fabulöses letztes Drittel entledigt hat – ist diese Niederlagenserie natürlich jetzt ärgerlich. Und genauso erwartbar wie unnötig. Die Winterpause kam den Augsburger Kickern jedenfalls nicht unbedingt zu Gute. Schmidt selbst weiß, dass die Partie gegen die Werderaner also kein Selbstläufer wird.[2] 

Am 01.02.2020 kommt es nun also zum 17. Aufeinandertreffen zwischen FCA und SVW in der Bundesliga. Hierbei ist die Bilanz ziemlich ausgeglichen bei 8 Augsburger-, 7 Werder-Siegen sowie 2 Unentschieden. Während unser FCA in den letzten 10 Spielen starke 5 Siege erkämpfen konnte, stehen für die Bremer sage und schreibe 6 Niederlagen zu Buche.  Das Hinspiel zwischen den beiden Clubs ging 3:2 für Bremen aus. Ärgernis der Partie war der Feldverweis für Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner. Neuzugang Ruben Vargas zeigte erstmals seine offensiven Qualitäten und traf doppelt.

Funfact am Rande:  Ein torloses Remis gab es noch nie!

Unser Gegner: Der SV Werder Bremen– Lebenslang Grün-Weiß.

Mit Bremen kommt der Dritte der Ewigen Tabelle und viermalige Deutsche Meister nach Augsburg. Seit 39 Jahren spielen die Grün-Weißen in der 1. Bundesliga – Chapeau. In Sachen Ligazugehörigkeit und Konstanz sind sie definitiv Vorbild für den FCA. Viele unruhige Jahre liegen hinter dem erfolgreichsten Bremer Verein. Gut aufgestellt ist man mittlerweile in der Chefetage mit Ehrenspielführer Baumann und dem Münsteraner Klaus Filbry. Auch die ehemaligen Werder-Spieler Clemens Fritz und Marco Bode bekleiden wichtige Positionen im Verein. Ob Florian Kohlfeldt seine Tätigkeit genauso lang wie Rehhagel und Schaaf ausüben darf? Fraglich.  Denn Statistiken – wie kein einziges Zu-Null-Spiel in der Hinrunde und die Schießbude der Liga mit 41 Gegentoren –  werfen Fragen auf. 

Bremer Sorgen sind Augsburger Freud’

Einziger Lichtblick: Während der FCA in der Rückrunde auf den ersten Punkt wartet, hat Bremen beim Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf direkt dreifach gepunktet.  Werder Bremen konnte im DFB-Pokal überwintern und trifft im DFB-Pokal-Achtelfinale am kommenden Dienstag auf Borussia Dortmund.  Vielleicht ist die Konzentration am Samstag in Augsburg dann nicht so groß? Wer weiß, wer weiß.

Offenbar fahren die Bremer ziemlich dezimiert nach Augsburg, denn mit Ex-FC Augsburg Spieler Langkamp, Selassie und Augustinsson fallen wichtige Stützen in der Defensive aus.  Mittelfeldspieler Bargfrede kann ebenfalls sicher nicht spielen.[3]  Marco Friedl muss hingegen vom Spielfeldrand zusehen –  dank 5. gelber Karte und der damit verbundenen Sperre. Kapitän Moisander kehrt nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder in die Anfangsformation zurück. Die Bremer haben mit Rashica einen der schnellsten Bundesligaspieler in ihren Reihen und in Jiri Pavlenka einen sehr sicheren Rückhalt.

Kevin Vogt: neu bei Bremen
Neue Farben, bekanntes Gesicht: nachdem er in Hoffenheim diese Saison weniger zum Einsatz kam, welchselte Kevin Vogt nun im Winter vorerst nach Bremen. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Defensive stehen mit Kevin Vogt und Ömer Toprak starke Innenverteidiger zur Verfügung. Mit Nuri Sahin, den Eggestein-Brothers, dem Ich-hab-die-Haare-schön Mittelfeldspieler Davy Klaassen sowie Bittencourt weist Bremen große Qualität im Mittelfeld auf.  Der ewige Claudio Pizarro treibt auch im Jahre 2020 noch sein Unwesen in den gegnerischen Abwehrreihen. Die Augsburger Abwehrspieler sollten sich warm anziehen.  Gut auch für den FC Augsburg, dass den SVW weiterhin Personalprobleme plagen. Die Bremer Führungsriege beschäftigt sich derzeit mit einem neuen Stürmer, aber konnte noch niemanden vermelden respektive verpflichten.[4]

Die voraussichtliche Aufstellung der Bremer sieht folgendermaßen aus:
Pavlenka - Toprak, Vogt, Moisander - Goller, Sahin, Bittencourt - M. Eggestein, Klaassen - Rashica – Sargent

Quo vadis, FCA?

Beim FCA sieht es danach aus, als hätte sich Andre Hahn nach seinem unglücklichen Auftritt gegen Union direkt wieder aus der ersten Elf rotiert. Eduard Löwen oder Freddy Jensen könnten in der Zentrale seinen Platz einnehmen. Ein interessanter Aspekt wird sein, ob Schmidt auf Jedvaj als Rechtsverteidiger setzt. Oder eher den routinierten Lichtsteiner bevorzugt. Jedvaj hatte ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erlebt, der Kroate spielt der eigenen Aussage nach aber auch wesentlich lieber im Innenverteidiger-Verbund.  Gespannt bin ich persönlich auch, ob Finnbogason schon eine Option für die erste Elf ist und sich Martin Schmidt dem Experiment mit zwei Stürmern wieder annähert. Dies ist sicherlich abhängig vom Fitnesszustand des Isländers.

Lichtsteiner: Einsatz gegen Bremen?
Über Stephan Lichtsteiner wurde diese Woche viel berichtet: vor allem über seine Bedeutung abseits des Platzes. Darf er diese Woche wieder auf dem Feld helfen? (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der noch angeschlagene Cordova und der für die Olympia-Quali abgestellte Iago fehlen ebenso wie Stürmer Julian Schieber. Letzterer laboriert an einer hartnäckigen Wadenverletzung. Zudem wurde heute bekannt, dass Mads Pedersen nach Zürich ausgeliehen wird für die Rückrunde. Martin Schmidt hat alles in allem trotzdem mal wieder die Qual der Wahl. Und derzeit wenig verletzte Spieler zu beklagen.

Gegen Union agierte die Truppe um Kapitän Daniel Baier offensiv kopflos und fahrig, defensiv ließ der FCA zu viele Chancen des Gegners zu. Oft ließ man sich abermals zu individuellen Fehlern hinreißen (Koubek, Jedvaj, Hahn). Diese Punkte müssen schleunigst verbessert und optimiert werden, sonst droht der nächste Punktverlust gegen einen direkten Konkurrenten.

Ich würde darauf tippen, dass die FCA Startformation gegen Bremen folgendermaßen aussieht:
Koubek - Jedvaj, Gouweleeuw, Uduokhai, Max - Khedira, Baier - M. Richter, Löwen, Vargas – Niederlechner

So sieht es übrigens auch der Kicker.[5]

Was macht eigentlich – Torsten Oehrl?

Der nahe Coburg geborene Torsten Oehrl, heute 34 Jahre alt, hat sowohl für den SV Werder Bremen (2008 -2010) als auch für den FC Augsburg (2010-2013) gespielt. Ich erinnere mich noch sehr gut an seinen Seitfallzieher im Jahr 2010 gegen den FSV Frankfurt – das Tor wurde damals zum Tor des Monats Dezember von den Zuschauern der Sportschau gewählt.[6]  Eine Tormaschine war er beim FCA wahrlich nicht (nur 7 Bundesligatore).

Thorsten Oehrl feiert eines seiner seltenen Bundesligatore gegen Hertha BSC Berlin am 25. Februar 2012 mit – natürlich – Daniel Baier. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Auch bei den Bremern hatte er zu kämpfen, denn dort hat er den Durchbruch nicht geschafft in der Bundesliga und kam zumeist nur in der 2. Mannschaft zum Zuge. Bis 2017 hat Torsten Oehrl noch aktiv Fußball gespielt, beim FC Bayern II in der Regionalliga. Seit 2018 ist er vornehmlich Trainer, zuletzt beim Bezirksligisten FC Oberhaid (Aus im Oktober 2018). [7] Der gelernte Industriekaufmann blickt jedoch stolz auf seine FCA-Zeit zurück und sagte einst im Interview: „Das war mit die coolste Zeit”.[8]

Tipps der Redaktion

·        Irina: Ich bin zwiegespalten. Mein euphorisches Ich sagt, dass wir das wuppen und mit 2:1 gewinnen, da wir frei und frisch aufspielen. Mein leicht pessimistisches FCA-Gemüt jedoch gewinnt derzeit häufiger die Oberhand und munkelt, dass es eher in Richtung eines glücklichen Remis geht.

·        Andy: Mein Tipp ist ein 3:1 für den FCA. Überzeugend zurück in die Erfolgsspur gegen schlechte Bremer.

·        Sebastian: Wildes 3:2, Hauptsache zurück in die Erfolgsspur


[1] https://fcaugsburg.de/wns/schmidt-dreier-in-dieser-direktbegegnung-waere-unglaublich-wichtig/

[2] Ebd.

[3] https://www.werder.de/aktuell/news/profis/20192020/personal-update-vor-augsburg-30012020

[4] https://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-Werder-Bremen-in-Augsburg-In-Ruhe-punkten,werder12392.html

[5] https://www.kicker.de/4588835/spielinfo/fc-augsburg-91/werder-bremen-4

[6] https://www.sportschau.de/sendung/tdm/archiv/chronik10er/dezember2010tdm100.html

[7] https://www.focus.de/regional/bayern/bamberg-torsten-oehrl-legt-traineramt-in-oberhaid-nieder_id_9732062.html

[8] https://www.infranken.de/regional/forchheim/sport/torsten-oehrl-ein-profi-im-spielkreis;art291,3219032

Domenico & Niko & Tayfun & Manuel

Nun ist sie also zu Ende gegangen, die Bundesligasaison 2017/18.
Liest man sich die Prognosen vor der Saison nochmals durch, muss man als Anhänger des FC Augsburg resümieren: Alles war besser als gedacht.
Weder die zu vielen Spieler, noch der Abgang wichtiger Säulen und die bescheinigte mangelhafte Qualität der Zukäufe konnten verhindern, dass der FCA im Mittelmaß angekommen ist und auch kommende Spielzeit noch in München, Dortmund und Schalke auflaufen darf.

Sicherlich, und das wurde an dieser Stelle auch schon oft genug bescheinigt, ist die Arbeit von Stefan Reuter und Manuel Baum nicht groß genug einzuordnen. Und auch nahezu alle eingesetzten Spieler haben teils sehr über ihrem erwartbaren Niveau gespielt. Jedoch muss die Frage gestellt werden, ob der FC Augsburg auch in einer Bundesligasaison so gut abgeliefert hätte, in der das generelle Niveau dann doch besser gewesen wäre, als es in dieser der Fall war.

Denn Fakt ist: Der FC Augsburg war an der Vizemeisterschaft genauso nah dran, wie Schalke an der Meisterschaft (je 21 Punkte). Ist man Werbefachmann beim Pay TV, könnte man dies mit griffigen Sprüchen wie “Die spannenste Liga aller Zeiten!” umschreiben. Ganz falsch ist das nicht, denn in der Theorie ist für 17 Mannschaften von Platz 2 bis 18 alles drin. Dennoch muss man konsterniert feststellen, dass das Ergebnis vor allem mit der Art, wie in den vergangenen zehn Monaten in Deutschlands Königsklasse Fussball gespielt wurde, zusammenhängt.

Das Umschaltspiel wurde zum allumfassenden Modus Vivendi erhoben. Ballbesitz, Aufbauspiel – ein No Go.
Hingegen wird darauf gebaut, sich an den Gegner anzupassen, flexibel in der Grundformation zu agieren, um schließlich schnell umzuschalten und zu kontern. Meist über die Flügel, mit einem robusten und zugleich agilen Mittelstürmer. Gepaart mit einer gewissen Hoheit über den Luftraum bei Standardsituationen ergibt sich hieraus das Erfolgsrezept der aktuellen Stunde.
Keine Mannschaft perfektionierte diesen Fussball in der Saison 2017/18 so sehr wie Schalke 04 unter Trainer Domenico Tedesco. Mit der Eintracht aus Frankfurt unter Niko Kovac erreichte ein weiteres Team, das sich dieser Philosophie verschrieben hat, das DFB-Pokalfinale. Und mit Tayfun Korkut erlebte der VfB Stuttgart eine von so gut wie allen Experten in Deutschland nicht für möglich gehaltenen Aufschwung, der sie nun nach Europa führt.

Auch Manuel Baums Spielplan sieht die defensive Stabilität als Maxime des Erfolgs vor. Schnelles Umschalten durch Schlüsselspieler wie Khedira, Baier und Gregoritsch und ein flinker Abschluss durch Finnbogason beflügelten uns diese Saison . Es liegt nichts verwerfliches in dieser Art zu spielen, vor allem nicht wenn man wie Augsburg mit seinen wenigen Mitteln gut haushalten muss und in so gut wie jedem Spiel der Außenseiter ist.

Und wenn kommende Saison dann noch punktuell verbessert wird und die anderen Mannschaften weiter nicht offensiv spielen wollen, dann haben wir gute Chancen, dass es tatsächlich auch für uns noch besser werden kann.