Haller, Schuster, Richter: Wächst in MR23 der nächste Superstar heran?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

In Verl spätestens wurde Marco Richter wieder in die Realität zurückgeworfen. Er mühte sich, ging ins Dribbling und versuchte Akzente zu setzen, nur gelingen wollte ihm wie der gesamten Mannschaft nicht besonders viel. Marco Richter wurde nach knapp 70 Minuten ausgewechselt und der FCA schied aus. Das Spiel war trotzdem positiv für ihn. Klar muss er sich der Konkurrenz erwähren, sein Stand in der Mannschaft scheint allerdings deutlich gefestigter. Er geht nun immerhin mit breiter Brust in seine 3. Bundesligasaison.

Im Laufe der U21 EM in Italien konnte sich Marco Richter in diesem Sommer zudem einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. In einer Konkurrenzsituation mit gleichaltrigen Top-Talenten hatten neben ihm Kevin Danso (jetzt nach Southampton ausgeliehen) und der neu-verpflichtete Mads Pedersen, die Möglichkeit zu zeigen, wie weit sie in ihrer Entwicklung im Vergleich mit anderen Top-Talenten voran geschritten sind. Richter stach heraus und zeigte, dass er gleichaltrige Konkurrenz alt aussehen lassen kann. Er nutzte das Turnier für seine ersten Tore im Trikot der U21 und veranlasste viele internationale Experten, sich über ihn schlau zu machen. Beste Werbung für ihn und den FC Augsburg, auch wenn es für den Titelgewinn am Ende nicht ganz reichte.

Wer Richter in der Endphase der letzten Bundesligasaison spielen hat sehen, der weiß, dass genügend Potential für mehr vorhanden ist. In Frankfurt und zu Hause gegen den VfB Stuttgart war er ein Schlüsselspieler im Kampf um den Klassenerhalt. Erst dadurch hat er sich wohl seinen Platz im Kader für die U21 EM gesichert. Die U21 EM war zwar am Ende durch die Finalniederlage enttäuschend, sorgte aber zumindest dafür, dass Richter auf dem Radar von größeren Vereinen gelandet ist. Sie werden die Entwicklung in der kommenden Saison aufmerksam beobachten. Und es wird sich zeigen, ob Richter es schafft mental stabil zu bleiben. Erst wenn er sich auch von einer Reihe schlechterer Spiele nicht mehr aus der Ruhe bringen lässt, Kritik immer konstruktiv annimmt und auf dem Boden bleibt, wird sich zeigen, ob er über den nächsten Schritt nachdenken kann.

In dieser Saison stellt sich nämlich für ihn die Frage, ob er sich durch konstante Leistungen für einen Vereinswechsel zu einem Top Club aufdrängen kann. Der FCA wird leider dauerhaft bezüglich seiner sportlichen Perspektiven beschränkt bleiben. Die Champions League ist außer Reichweite und wenn ein Spieler die Chance erhält sich dauerhaft bei einem Top Club zu etablieren, dann würde ich ihm einen Wechsel – vorausgesetzt die Ablöse stimmt und er verhält sich fair – nicht übel nehmen. Richter wurde im Zuge der U21 EM auf einen potentiellen Wechsel auch zu den Bayern gefragt und schien potentiell – auch durch viele Jahre in den Münchner Jugendmannschaften – nicht abgeneigt. Top Ambitionen muss er nun allerdings durch top Leistungen hinterlegen.

Wenn es denn soweit kommen sollte – was zumindest ich mir wünschen würde – dann wäre Marco Richter nicht der erste Augsburger, der um Höheres zu erreichen, den Club verlassen muss.

Die Clublegende Helmut Haller wechselte im Alter von 23 Jahren nach Bologna, um dort die italienische Liga auf den Kopf zu stellen und im Verlauf dreimal Meister (zweimal später mit Juventus Turin) und italienischer Fußballer des Jahres zu werden. Seine Tore auch für die deutsche Nationalmannschaft hätte es ohne diesen notwendigen Wechsel weg vom FCA wohl so nicht gegeben.

Viel früher wagte Bernd Schuster den Sprung von Augsburg nach Köln und von dort aus später nach Spanien zum FC Barcelona und Real Madrid. Er war erst 18 Jahre alt und absolvierte für die Herrenmannschaft des FCA nie ein Pflichtspiel. Seine Karriere ist in Augsburg schlicht nicht vorstellbar.

Marco Richter ist jetzt seit 7 Jahren in Augsburg fußballerisch zu Hause und wird im Herbst 22 Jahre alt. Fußballerisch sollte er sich noch etwas weiterentwickeln können, aber ein absoluter Frühstarter wie Bernd Schuster einer war, wird aus ihm nicht mehr. Dies zeigt auch, dass der FC Bayern München ihn in der Jugend aussortiert hatte. Eine etwas späte Entwicklung hat uns diesen Augsburger Glücksfall überhaupt erst beschert. Angekommen in der Bundesliga stellt sich die Frage, ob Marco Richter dauerhaft auf diesem Niveau sich zeigen und dominieren kann. Das Leben eines Profis besteht vor allem aus Konstanz. Die Topclubs klopfen in fünf Jahren nicht mehr an. Aber sollte Richter dieses Jahr 15-20 Torbeteiligungen und viele gute Spiele abliefern, dann ist für ihn und den FCA vieles drin. Ich bestelle mir dann auf jeden Fall seit langem mal wieder ein Trikot und drücke bis dahin feste die Daumen. Denn mit Marco Richter als sportlichem Leistungsträger sollte der Klassenerhalt deutlich schneller zu erreichen sein.

Wer hat in der letzten Saison überzeugt?

Lange habe ich mit mir und dem FCA gehadert. Aber mittlerweile steigt die Vorfreude langsam wieder an und ich freue mich darauf, das der Ball endlich wieder rollt. Es ist schön zu sehen, dass unser Trainer Martin Schmidt die Mannschaft in die Berge führt, um etwas Teamgeist aufzubauen. Gemeinsame positive Erlebnisse befürworte ich, damit bei den Spielern die Erinnerung an das letzte Auswärtsspiel in Wolfsburg langsam überlagert wird. In der letzten Saison hat es oft im Kollektiv nicht gepasst. Schön, dass nicht nur uns auf den Rängen klar geworden ist, dass hier etwas passieren muss.

Und obwohl es im Kollektiv gekracht und gewackelt hat, waren doch bei den Einzelleistungen der Spieler einige Lichtblicke dabei. Diese machen Hoffnung für die neue Runde. Wie schon den Vorjahren will ich gerne einige Einzelleistungen hervorheben und euch abstimmen lassen, wer euch am meisten beeindruckt hat. Die Kategorien bleiben im Vergleich zu den Vorjahren unverändert.

Wichtigster Spieler

Daniel Baier war erneut der Dauerbrenner in der Mannschaft. Durch alle Höhen und Tiefen hat er das Team geführt und war auf dem Feld erneut der Kopf. In der Viererkette war Jeffrey Gouweleeuw der Anker, der auch im Spielaufbau wichtige Aufgaben übernahm. War er verletzt oder nicht in Topform, dann ging die defensive Stabilität vollends flöten. Dabei wurde Gouweleeuw zeitweise auch von Rani Khedira unterstützt. Khedira war aus der Augsburger Mannschaft nicht wegzudenken und entwickelte sich zum Führungsspieler und Stützpfeiler. Philipp Max konnte seine unglaublichen Leistungen aus der Vorsaison nicht bestätigen. Allerdings verlor er im Gegensatz zu anderen nie die professionelle Einstellung. Er ging auch in schwierigen Situationen voran und stärkte das Kollektiv. Offensiv auf den Außen wurde er allerdings von Jonathan Schmid auf der rechten Seite überstrahlt. Schmid schoss Freistöße, gab Vorlagen und war gegen den Ball konstanter als man es vermutet hätte.

Wer war wichtigster Spieler der Saison 2018/19?

  • Daniel Baier (39%, 28 Votes)
  • Rani Khedira (39%, 28 Votes)
  • Jeffrey Gouwelleeuw (13%, 9 Votes)
  • Jonathan Schmid (8%, 6 Votes)
  • Philipp Max (0%, 0 Votes)

Total Voters: 71

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Meistverbesserter Spieler

Gerade in der Rückrunde wurde Kevin Danso ins kalte Wasser geworfen und musste beweisen, dass er die Qualität hat, um in der Bundesliga Stammspieler zu werden. Klar war nicht jede Aktion zu 100 Prozent zu überzeugen, aber Danso zeigte im Gegensatz zu Reece Oxford, dass er den Sprung schaffen kann. Khediras Entwicklung habe ich schon vorher beschrieben. Es war doch ein Lichtblick mit welcher Ruhe und Konstanz er auch in schwierigen Situationen voran gegangen ist. Bei Marco Richter habe ich die ganze Saison auf die Explosion gewartet und Konstanz wird die größte Herausforderung in der näheren Zukunft sein. Aber Richters Leistungen in Frankfurt und zu Hause gegen Stuttgart haben den Klassenerhalt fixiert. Was ein Sprung! In der zweiten Hälfte der Saison kam auch Georg Teigl zu seinen Einsätzen. Er hat gezeigt, dass er doch eine wichtige Rolle als Ergänzungsspieler ausfüllen kann und seine Zukunft in Augsburg damit vorerst gesichert. Auf die Entwicklung von Jonathan Schmid bin ich oben schon eingegangen. Bei Schmid betone ich, dass er in dieser Saison als Rechtsverteidiger eingesetzt wurde, was eine Umgewöhnung für ihn bedeutete, die er bestens meisterte.

Wer war meistverbesserter Spieler der Saison 2018/19?

  • Marco Richter (51%, 35 Votes)
  • Rani Khedira (26%, 18 Votes)
  • Jonathan Schmid (12%, 8 Votes)
  • Georg Teigl (6%, 4 Votes)
  • Kevin Danso (4%, 3 Votes)

Total Voters: 68

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Bester Newcomer

Diese Kategorie hat mir die meisten Kopfschmerzen bereitet. Gerade wenn ich mir einrede, welchen Sprung wir in der kommenden Saison machen werden, weil ich auf Grund der Verpflichtungen viel Hoffnung schöpfe, blicke ich auf diese Liste. Mit Felix Götze und Fredrik Jensen kamen zwei talentierte, junge Spieler, die vor allem auf Grund ihrer Verletzungen noch nicht zeigen konnten, ob sie dauerhaft in der ersten Liga mithalten können. Götze traf gegen die Bayern, Jensen lieferte im Pokal ein Wahnsinns-Solo ab. Wenige Einzelaktionen stehen nach ihrer ersten Saison zu Buche. Mit André Hahn kam ein Routinier nach Augsburg zurück, der immer wieder wichtige Aktionen beisteuerte, allerdings in der Saison auch Phasen zum Vergessen hatte. Ob es die Verpflichtung von Gregor Kobel brauchte, vor allem da der Keeper nicht beim FCA verblieb, sondern sich für eine Leihe zum VfB Stuttgart entschied, bleibt dahingestellt. Sportlich konnte er nicht vollständig überzeugen. Da bleibt einzig der Lichtblick von Jozo Stanic, der es aus der eigenen Jugend kommend zu seinem Profidebüt geschafft hat.

Wer war der Newcomer der Saison 2018/19?

  • André Hahn (44%, 28 Votes)
  • Felix Götze (27%, 17 Votes)
  • Gregor Kobel (11%, 7 Votes)
  • Jozo Stanic (11%, 7 Votes)
  • Fredrik Jensen (8%, 5 Votes)

Total Voters: 64

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Über eine rege Beteiligung freue ich mich und bin gespannt auf die Ergebnisse.

Wer war der meistverbesserte Spieler 2017/18?

Der wichtigste Spieler und der beste Newcomer der Saison 2017/18 sind gewählt. Eine letzte Abstimmung steht noch an. Es geht um den meistverbesserten Spieler der abgelaufenen Saison. Verbesserte Spieler sind wichtig für den FCA, da sie bei einem möglichen Weiterverkauf mit ihren Ablösesummen dafür sorgen, dass wir wirtschaftlich überleben können. Zusätzlich schließen sie sportlich die Lücken, die durch vorherige Abgänge entstanden sind und sichern mit ihren sportlichen Leistungen die Klasse.  Gerade bei dieser Abstimmung war die Vorauswahl schwer. Gesucht waren Spieler, die schon während der letzten Saison oder noch früher beim FCA im Profibereich aktiv waren und eingesetzt wurden. Jugendspieler ohne Einsätze vor dieser Saison fallen damit hier raus. Die Newcomer der abgelaufenen Saison sind damit in dieser Kategorie im nächsten Jahr zugelassen und ich hoffe, dass wir in genau einem Jahr hier von Richter und Asta sprechen. Ein Problem bezüglich der Auswahl in diesem Jahr liegt in unserer Kaderstruktur: Der FCA baut immer noch auf Spieler, die schon länger bei uns sind, aber ihre Leistung nicht mehr steigern konnten. Baier, Hitz und Hinteregger  waren zwar alle wichtig, haben aber allesamt schon bessere Saisons gespielt. Zumindest meiner persönlichen Meinung nach.

Insgesamt viel so die Wahl auf die folgenden Kandidaten:

Caiuby

Das vor allem ich zu diesem Schluss kommen würde, ist überraschend. Nachdem Caiuby in vorherigen Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, ist er in der letzten Saison nicht nur mehr auf das Niveau zurückgekehrt, dass er vorher hatte, sondern er hat sich zusätzlich noch verbessert. Caiubys Kopfballspiel war schon vorher sehr gut. Er ist dadurch  vor allem wichtig, um lange Bälle vorne festzumachen oder weiterzuleiten. Nach vorne konnte er auch früher schon Gefahr verbereiten. Sein Defensivspiel ist allerdings verbessert. Er ist im Spiel gegen den Ball bissiger und hartnäckiger geworden und beteiligt sich mehr. Damit hilft er der Mannschaft enorm und  schafft gefährliche Umschaltsituationen. Wenn er in diesen noch einen kühlen Kopf bewahren und besser stehende Mitspieler sehen würde, dann spielen wir bald wieder im Europapokal.

Kevin Danso

Letzte Saison war die erste Profisaison von Kevin Danso. Er durfte beim FC Augsburg in der Bundesliga debütieren und zahlte mit überraschend großartigen Leistungen das Vertrauen zurück. Am Ende standen 7 Einsätze und 613 Einsatzminuten. Das Ganze im Alter von 18 Jahren. Für Kevin Danso war es nun wichtig, in dieser Saison den nächsten Schritt zu machen. Einerseits war der Druck begrenzt, da in der Innenverteidigung mit Martin Hinteregger und Jeffrey Gouweleeuw zwei Leistungsträger dafür sorgten, dass er sich in aller Ruhe entwickeln konnte. Andererseits sollte er weiter lernen und auch die nötige Matchpraxis sammeln. Dies ist trotz zweier Verletzungspausen gelungen, denn durch Ausfälle von Gouweleeuw und Hinteregger und vereinzelte 3er-Ketten Phasen kam er in dieser Saison auf 16 Einsätze und 1106 Einsatzminuten. Somit hat er den Sprung vom Perspektivspieler zum Rotationsspieler geschafft und den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gemacht.

Alfred Finnbogason

Kaum von einem anderen Spieler war der FCA in dieser Saison so abhängig wie Alfred Finnbogason. Wenn er fit ist, dann ist er ein kompletter Stürmer, der Spiele übernehmen und entscheiden kann. 22 Einsätze insgesamt in denen er 12 Tore schoss und 3 weitere vorbereitete waren ein Erfolgsgarant für den FCA. Michael Gregortisch hatte seine besten Partien, wenn Finnbogason auch auf dem Platz stand und ihm die Räume frei zog, in die er dann gezielt stoßen konnte. Finnbogasons Passspiel ist zudem für einen Stürmer seines Kalibers außergewöhnlich. Man fragt sich, was Alfred Finnbogason für den FCA leisten könnte, wenn er eine Saison komplett fit wäre. Und ob er dies schaffen kann.

Jeffrey Gouweleeuw

Gouweleeuw war in der Innenverteidigung ein Leistungsträger und war nur in der Rückrunde 6 Wochen verletzt. Wo er während der letzten Saison noch von Martin Hinteregger überstrahlt wurde, konnte er  in dieser Saison vollends überzeugen. Gouweleeuw besticht durch seine Konstanz. Ihm unterlaufen so gut wie keine groben Schnitzer und im Aufbauspiel beeindruckt er durch seine Pressingresistenz. Mit Hinteregger/Gouweleeuw hat die Innenverteidigung in dieser Saison zu unseren Stärken gezählt. Dies war vor allem auf Gouweleeuws Leistungen zurückzuführen, der ein leiser Anführer beim FCA geworden ist.

Philipp Max

Bei Philipp Max war ich nach der letzten Saison schon gespannt, wie hoch er die Latte wohl in dieser Saison legen könnte. Er hatte schon in der letzten Saison gezeigt, welche Qualitäten er in der Vorwärtsbewegung hat. Er hat meine Erwartungen übertroffen und Assist um Assist geliefert. 13 Vorlagen stellen einen neuen Bundesligarekord für einen Verteidiger dar und mit zusätzlich 2 Toren, die er selbst erzielt hat, war er an insgesamt 15 Toren beteiligt. Als Verteidiger. Verteidigen kann er darüber hinaus solide. Max Stärke ist es, mit weiten Bällen und tiefen Läufen die Feldgröße auszunutzen und den Gegner zu zwingen, dies über geschickte Raumabdeckung zu unterbinden. Wohin kann das führen? Seine eigenen Vorstöße könnte er noch gezielter einstreuen und in manchen Situationen sollte er die Lösung nicht direkt über den langen Ball zu suchen. Max spielt allerdings schon auf internationalem Niveau und sticht beim FCA deutlich hervor. Hoffentlich noch lange.

Nun liegt es an euch: Wer soll der meistverbesserte Spieler des FC Augsburg in der Saison 2017/18 werden?

Wer war der meistverbesserte Spieler 2017/18?

  • Philipp Max (55%, 26 Votes)
  • Caiuby (13%, 6 Votes)
  • Kevin Danso (13%, 6 Votes)
  • Jeffrey Gouweleeuw (11%, 5 Votes)
  • Alfred Finnbogason (9%, 4 Votes)

Total Voters: 47

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