Puppngschwätz: (Ohne) Pause

Gerade ist Länderspielpause. Allerdings bedeutet das nicht, dass der FC Augsburg und seine Akteurinnen und Akteure untätig geblieben sind. Ganz im Gegenteil: In der vergangenen Woche ging es für die A-Elf im Testspiel gegen den Jahn aus Regensburg und unsere Nationalspieler sind (teilweise) bei ihren Mannschaften. Auch die U23 und die FCA-Frauen durften ran. Und dann war da noch die Sache mit Flo Niederlechners zunächst mysteriöser Operation… Über all diese Schauplätze fahren wir im wöchentlichen „Puppngschwätz“ der Rosenau Gazette einmal kurz mit dem Rasenmäher. Ziehen wir am Starterseil!

Altbekanntes

Für unsere Profis stand am Donnerstag ein Test gegen den SSV Jahn Regensburg auf dem Plan. Aktuell Zweiplatzierter der 2. Bundesliga und von 2007 bis 2012 Wirkungsstätte von Trainer Markus Weinzierl. Das Spiel fand auf heimischem Rasen, gleichwohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Daher war es leider nicht – wie viele der vergangenen Testspiele – im FCA TV zu sehen. Auch sonst sind die Infos dazu recht rar.

Trotzdem war es den beiden Spielberichten zufolge wohl ein munteres Spiel, das der FCA bei Chancenplus auf seiner Seite knapp mit 1:0 für sich entscheiden konnte. Den Siegtreffer in der 67. Minute erzielte Noah Sarenren Bazee per Flachschuss nach einer sehenswerten Kombination über Arne Maier und Andi Zeqiri. Der war es auch, der in der ersten Hälfte aus kurzer Distanz die größte Chance für uns hatte. Der Regensburger Torwart konnte aber erfolgreich vereiteln.

Weitere gute Möglichkeiten hatten Iago (47.) und Hahn (50.). „Im letzten Drittel fehlte allerdings […] die letzte Genauigkeit“, gab der FCA selbst zu. Mal wieder, muss man fast sagen. Denn schon im Testspiel im Januar, das damals noch unter Heiko Herrlich ebenfalls 1:0 für den FCA ausging, hatte es gegen den Jahn an der Chancenverwertung gehapert. Bis heute ist das eines unserer größten Probleme.

Noah Sarenren Bazee sicherte dem FCA im geheimen Testspiel gegen Regensburg (nicht Paderborn, wie auf dem Bild) mit seinem 1:0 den Sieg. (Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Neugesichtetes

Optimistisch stimmt aber, dass die Verteidigung um Oxford und Co. wieder sehr solide arbeitete. Zudem stand Jan Morávek, der seit Ende August zu den Augsburger Dauerverletzten zählt, die ersten 45 Minuten wieder auf dem Platz. Das macht Hoffnung auf eine baldige Rückkehr und darauf, dass Weinzierl im Mittelfeld wieder mehr Optionen zur Verfügung hat.

Nicht zuletzt rückte im Test ein neues Gesicht in die Startelf: Der 18-jährige Dikeni Salifou aus der U19 durfte 75 (!) Minuten lang im (zentralen) Mittelfeld auf sich aufmerksam machen. Mit den Profis stand erstmals auch U17-Spieler Mert Kömür auf dem Rasen, der in der 90. Minute Maier ersetzte.

(Fern-)Reisende

Wo es für die einen ans Testen geht, geht’s für die anderen ans Reisen. Insgesamt acht FCAler sind im Moment mit ihren Nationalmannschaften auf der ganzen Welt unterwegs. Kein Wunder, es is‘ ja auch WM-Quali. Am weitesten reisten dafür zweifellos Carlos Gruezo und Sergio Córdova. Gruezo gelang mit seinen Ecuadorianern am Donnerstag ein 3:0 gegen Bolivien, wobei er die volle Spielzeit über mithelfen durfte. „Panther“ Córdova konnte auch nach seiner Einwechslung in der 75. Minute die 1:3-Niederlage Venezuelas gegen Brasilien nicht mehr abwenden. Am Sonntag spielen die beiden Vereinsgefährten mit ihren Teams gegeneinander.  

Für Gregerl ging es am Samstag mit Österreich in den hohen Norden auf die Färöer-Inseln, die ungefährdet mit 0:2 besiegt wurden. Aufs Feld durfte er immerhin noch in den letzten Minuten. Auch Ex-Augsburger Kevin Danso stand im Aufgebot von Franco Foda, kam aber nicht zum Einsatz. Für unseren polnischen Rechtsverteidiger Robert Gumny war es seit fast einem Jahr das erste Mal, dass er gegen San Marino (5:0) wieder in der Startelf stand. Überhaupt wurde er erst zum fünften Mal in den Kader Polens berufen. Dass er bei seinem zweiten Startelfeinsatz nun gleich die komplette Spielzeit absolvierte, zeigt, welch positive Entwicklung Gumny beim FCA mittlerweile macht.

Gesundheitspflege

Weniger erfreulich lief es dagegen für Freddy Jensen und seine Finnen. Deren 1:2-Niederlage gegen die Ukraine am Samstag musste er von der Bank aus mitansehen. Auch für unseren Flügelflitzer Ruben Vargas verläuft die Länderspielphase nicht optimal. Zwar ist er in die Schweiz gereist. Genau wie seine Kollegen aus der „Nati“, die am Samstag Nordirland mit 2:0 besiegten. Er laboriert im Moment aber an einer Erkältung und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er für das Spiel am Dienstag in Vilnius, Litauen, noch nachgeholt wird. Eher lässt er sich von seiner Mama umsorgen und tritt den Rückweg nach Schwaben an, sobald er wieder fit ist.

Internationale Luft durften zuletzt auch unsere Jungspunde Frederik Winther und Lasse Günther schnuppern. Zwar stand der dänische Innenverteidiger beim 1:0-Sieg seiner U21 im EM-Quali-Spiel gegen Schottland in Edinburgh nicht im Kader. Vielleicht bekommt er aber ja am Dienstag gegen Belgien noch die Chance. Dagegen setzte unser neuer Rechtsaußen mit der deutschen U19 beim sog. „Vier-Nationen-Turnier“ in der Slowakei, das auf die EM-Quali der Junioren vorbereiten soll, ein dickes Ausrufezeichen. Beim 6:1 gegen die Gastgeber am Mittwoch steuerte er höchstpersönlich das vierte Tor bei. Kommt bitte alle (wieder) gesund zurück!

Für die deutsche U19 erzielte Lasse Günther beim 6:1 gegen die Slowakei ein Tor. Stark, Junge! (Foto: Thomas Niedermueller/Getty Images)

Knapp wars

Gerade am Donnerstag durften einige Akteure aus der „Zwoten“ noch mit der A-Mannschaft über den Testspielsieg jubeln. Weinzierl hatte in einem fröhlichen Wechselreigen vor allem in der zweiten Halbzeit auch U23-Spieler wie Innenverteidiger Dominic Schmidt (ab 60. Minute) oder Linksaußen Dorian Cevis (ab 83. Minute) zum Zug kommen lassen.

Am Freitag mussten dieselben Spieler in Eltersdorf dann aber eine denkbar knappe 1:2-Auswärtsniederlage einstecken. Zwar war der FCA II zunächst durch Innenverteidiger Mario Subaric in Führung gegangen. Allerdings kassierte er kurz vor der Pause noch den Ausgleich und kurz vor Spielende (88.) dann das bittere 1:2, das aus einer drückenden Schlussoffensive des SCE resultierte. Nach 16 Spielen steht der FCA mit seinen 19 Punkten nun hinter Eltersdorf auf dem 13. Tabellenplatz der Regionalliga Bayern. Gegen das kleine Kleeblatt, aktuell Drittletzter, ist am Dienstag in der Rosenau sicherlich was zu holen!

Erst glänzend, dann gefrustet

Die Woche der FCA-Frauen startete gut. Um nicht zu sagen: glänzend. Am vergangenen Sonntag (3.10.) in der 2. Runde des Bezirkspokals Schwaben war der höherklassige Bezirksoberligist FC Loppenhausen zu Gast in Augsburg. Und der staunte – wie wahrscheinlich die Augsburgerinnen selbst – nicht schlecht, als er mit einer deftigen Klatsche die Heimreise antreten musste. Zwar hatte der FCA schon zur Pause mit 3:0 geführt, war aber so gar nicht auf Ergebnisverwaltung aus. So stand der 8:0-Siegtreffer von Angreiferin und Dreifach-Torschützin Carmen Drescher in der 90. Minute sinnbildlich für die immense Spielfreude, die die Mannschaft über die komplette Partie aufrechterhielt. Und damit mehr als verdient ins Pokal-Viertelfinale einzieht.

Leider konnten die FCA-Frauen den Pokalglanz nicht ganz in die Liga hinüberretten. Im vierten Spiel am Sonntag bei Aufsteiger TSV Peiting machten die Augsburgerinnen zunächst noch einen 0:1-Rückstand wett, indem sie sich zwischen Minute 31 und 41 ein komfortables Drei-Tore-Polster anlegten. Das ließen sie sich in Hälfte Zwei durch zwei Treffer der TSVlerinnen aber noch abjagen, sodass am Ende ein 3:3 und damit die etwas frustrierende Punkteteilung stand. Mit seinen 8 Punkten und Platz 2 im Gepäck fährt der FCA am Wochenende zum Spitzenspiel gegen Tabellenführer SG Buchenberg.

Flo und die OP

Dafür, dass (zumindest für die Profis) „ligafrei“ ist, haben wir jetzt schon eine ganze Menge durchkämmt. Eine Sache muss ich aber noch erwähnen, weil sie für die kommenden Spieltage recht folgenschwer werden könnte. Am Dienstagabend hat der FCA mitgeteilt, dass unser bisheriger Topscorer (mit 2 Treffern ist der Ausdruck natürlich relativ…) Flo Niederlechner operiert werden musste. Im FCA-Post auf Twitter und auch in der Instagram-Nachricht von Flo selbst wurde nicht gleich klar, warum er sich einer OP hat unterziehen müssen. Das Bild tat dann noch sein Übriges, dass sich z.B. auch Kevin Volland um Flos Wohl sorgte und augenzwinkernd unter dessen Post schrieb: „Gute Besserung Bro. Hoffe es ist noch alles dran 😉😅“.

Im Twitter-Post des FCA war zuerst nicht klar, warum sich Flo hat operieren lassen müssen. Auf Instagram war dagegen gleich von der Leiste die Rede. Wir wünschen ihm schnelle Genesung und endlich keine Schmerzen mehr!

Mittlerweile sind wir alle schlauer. Auch, weil der FCA zumindest in seinem Insta-Post schon die Auflösung mitlieferte. Die Leiste ist es, die unserer Nummer 7 zuletzt immer wieder Schmerzen bereitet hatte und als letztes Mittel nun eben operativ behandelt werden musste. Niederlechner wird laut Weinzierl mindestens drei, vier Wochen aussetzen müssen. So könnte es in der Offensive demnächst ziemlich dünn werden…

Auf der Mittelstürmerposition verfügbar ist natürlich Leihgabe Zeqiri, der sich mit seinem Tor gegen Dortmund allmählich warmgeschossen hat. Sofern Córdova unversehrt aus Südamerika zurückkehrt, wäre auch er eine Alternative, wohl aber nicht von Anfang an. Zur Not könnte auch Hahn wieder den Stoßstürmer mimen. Vor allem in Zeiten von Herrlich hatte er das öfters gemacht. Damit sind die Optionen, zumindest in einem 4-2-3-1-System, im Großen und Ganzen aber schon ausgeschöpft. Vielleicht wird dieser Engpass nun auch (endlich!) zum Anlass genommen, um sich schon mal für das Wintertransferfenster bereitzumachen.

Lichtblicke

Krank, das heißt zum Glück „nur“ erkältet, sind neben Vargas aktuell noch Niklas Dorsch und mittlerweile auch Reece Oxford. Die Augsburger Allgemeine mutmaßte, die Häufung der Fälle könnte daran liegen, dass die drei auch „privat einen engen Draht zueinander“ haben. Bis zum Spiel gegen die Arminia (17.10.) sollten sie aber hoffentlich wieder genesen sein. Ebenfalls auflaufen könnte am Sonntag – jetzt kurz festhalten – unser Langzeitverletzter Finnbo! Vielsagend gab Weinzierl zu Protokoll:

„Wenn er am Montag [ins Mannschaftstraining] einsteigt, wäre er ein Kandidat. Wir werden sehen, ob es reicht.“

Markus Weinzierl über eine mögliche Rückkehr von Finnbo gegen Bielefeld (Quelle: Kicker vom 10.10.2021)

Ja, wollen wir sehen (und leise hoffen), dass es reicht. Und wenn es für Finnbo noch nicht reichen sollte, dann doch zumindest, dass wir am Sonntagabend in der Arena eine halbwegs stabile Offensive begrüßen dürfen. Wir wollen den für die kommenden beiden Heimspiele wiedereröffneten Bierausschank ja nicht gleich dazu nutzen, das Gesehene möglichst schnell wieder zu vergessen. Oder?

Puppngschwätz: Weinzierl, der Wahrsager

Mit Prognosen ist es ja immer so eine Sache im Fußball. Oft kommt es so, wie es Statistiker und Expertinnen vorausgesagt haben. Oft aber auch nicht. Denn der Fußball bleibt ein Spiel, das an vielen Stellen unvorhersehbar ist. An diesem Samstag aber hat FCA-Trainer Markus Weinzierl echte Wahrsager-Qualitäten bewiesen. Wie er das gemacht hat, wollen wir uns im „Puppngschwätz“ von dieser Woche genauer anschauen. Gekrönt wurde sie am Ende vom ersten Dreier des FC Augsburg in dieser Saison. Wie wichtig der war, lässt sich fast nur so ausdrücken: Hallerluja! Was die „Zwote“ und die FCA-Frauen diese Woche getrieben haben, wollen wir euch aber natürlich auch nicht vorenthalten.

Passend zum Wetter: Personalsorgen lichten sich

Das dritte Heimspiel unserer Jungs gegen die Gladbacher Borussia fand am Samstag erstmals in dieser Saison vor ausverkaufter Hütte statt. Leider nicht „ausverkauft“ wie noch vor Corona, sondern nach wie vor unter Pandemiebedingungen mit beschränkter Zuschauerzahl und 3G-Regel. Aber 12.500 Fans in der WWK-Arena, die fußballhungrig sind und heiß auf einen tollen Nachmittag bei schönstem, spätsommerlichem Wetter, sind doch auch schon was! Wie elementar der Rückhalt durch uns Zuschauer für das Spiel der Mannschaft ist, hat Trainer Markus Weinzierl am Donnerstag auf der Pressekonferenz nochmal bekräftigt.

Schönstes Spätsommerwetter war am Samstag in der Arena, wo unsere Birgit die Jungs angefeuert hat. (Foto: Birgit Kaiser)

Dass Jeff Gouweleeuw dort neben ihm platznahm, räumte sofort auch alle Sorgen aus, die Weinzierl letzte Woche zur selben Zeit noch geplagt hatten: Seine Adduktorenprobleme schien unser Abwehr-Jeff vorerst ausgestanden zu haben und stand für diesen Samstag, das war spätestens jetzt klar, uneingeschränkt zur Verfügung. Dagegen musste Weinzierl die Mitteilung machen, dass Felix Uduokhais muskuläre Probleme noch andauern und er für seine Genesung noch eine gewisse Zeit braucht. Auch Gregerl musste wegen muskulärer Probleme pausieren. Immerhin waren Carlos Gruezo, der das Spiel gegen Union wegen seines Länderspieleinsatzes für Ecuador verpasst hatte, und Tobi Strobl nach Sprungsgelenksverletzung zum Team zurückgekehrt. Dauerverletzt sind nach wie vor Alfred Finnbogason und Jan Moravek.

Die Aufstellung

Entsprechend den verfügbaren und fitten Kräften schickte Weinzierl folgende Startelf aufs Feld:

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Oxford – Framberger, Dorsch, Iago – Hahn, Caligiuri – Zeqiri, Vargas

Auf der Bank Platz nahmen Koubek, Winther, Gruezo, Strobl, Pedersen, Maier, Jensen, Niederlechner und Cordova. Wie schon gegen Union und im Testspiel gegen Heidenheim, wo Weinzierl das System erstmals ausprobierte, lief der FCA mit Dreierkette in der Innenverteidigung und vorgezogenen Außenverteidigern auf. Außerdem feierte Neuzugang Andi Zeqiri sein Startelfdebüt. Die ebenfalls leicht ersatzgeschwächten Gladbacher begannen mit einer 4231-Formation. Nach nur vier Punkten aus den letzten vier Spielen standen die Fohlen ungemein unter Zugzwang.

„Bollwerk“ in der Abwehr

Um es schon vorwegzunehmen: Der FCA gewinnt das Spiel in der Abwehr, so die Augsburger Allgemeine am Sonntag. Das kann man durchaus so stehen lassen. Zwar waren die Gäste aus Gladbach von Anfang an mehr in Ballbesitz (je nach Quelle insgesamt 71% bzw. 63%) und versuchten über kontrollierten Spielaufbau und viele Pässe (BMG: 586 vs. FCA: 231) an der in die Mitte gezogenen Augsburger Abwehrkette vorbeizukommen. Die hielt aber mit konsequenter Zweikampfführung dagegen. Auch hier variieren die Zahlen wieder. Laut Kicker hat der FCA ‚nur‘ 45% seiner Zweikämpfe gewonnen (Gladbach demnach 55%), während der Ligaverband 110 vs. 96 gewonnene Zweikämpfe gezählt hat. D.h. hier hatte Augsburg die Nase vorn.

Reece Oxford verteidigte weg, was das Zeug hielt. (Foto via Imago)

Im Grunde ist es aber unerheblich, welche Zahlen nun ‚stimmen‘. Denn wichtig war letztlich, dass die Abwehr das eigene, letzte Drittel einfach toll abgesichert hat. So gab es vor allem in der ersten Hälfte kaum ernsthafte Chancen für die Gäste. Ein Schuss von Mittelfeldmann Denis Zakaria landete auf dem Tordach, nachdem er von Niklas Dorsch noch abgefälscht worden war (11.). In der 50. Minute war dann kurz Luftanhalten angesagt, als die Fohlen doch einmal unsere Innenverteidigung durchbrachen und Stürmer Alassane Plea den Ball an Gikie vorbei ins Tor schob. Doch der Pfiff von Schiri Badstübner folgte auf den Fuß und sorgte für die Erleichterung. Plea hatte knapp im Abseits gestanden.

Der Gladbacher Torwart, Yann Sommer, gab nach dem Spiel dann auch anerkennend zu Protokoll:

„Wir wussten, dass wir gegen eine Mannschaft spielen, die defensiv sehr gut stehen wird und die uns das Leben schwer machen wird. […] Wir hatten keine Idee, wie wir dieses Bollwerk durchspielen können.“

Yann Sommer nach dem Spiel (Quelle: gladbachlive.de)

Ein unverzichtbarer Bestandteil dieses „Bollwerks“ ist mittlerweile Reece Oxford, der am Samstag auf eine überragende Zweikampfquote (86%) kam. Mit 15 gewonnenen Zweikämpfen stach er auch sein Gegenstück in der Innenverteidigung der Borussia, Nico Elvedi, aus (13). Wenn Reece, der erst für Jeff und jetzt für Felix in die Startelf gerückt ist, weiter so Gas gibt, wird’s auch spannend zu sehen, wie der Trainer in Zukunft die (Innen-)Verteidigung besetzt.

Auf der linken Abwehrseite wird ihm Iago jedenfalls erstmal fehlen. Der ist in der 41. Minute von Verteidiger Louis Beyer gefoult worden und dabei unsanft auf der Schulter gelandet. Dass es dafür zumindest Gelb gab, war nur ein schwacher Trost. Denn Iago musste noch vor der Pause durch Mads Pedersen ersetzt werden und noch weiß man auch nicht, wie schlimm seine Schulterverletzung ist.

Mutiger in der Vorwärtsbewegung

Neben der stabilisierten Abwehr hat man am Samstag aber noch etwas gesehen: Die Versuche des FC Augsburg, nach Balleroberung schnell vors gegnerische Tor zu kommen, waren mutiger, irgendwie frecher. So luchste Ruben Vargas Nationalspieler Florian Neuhaus in der eigenen Hälfte den Ball ab und wäre durch gewesen, hätte der Schiri nicht auf (für mich unverständliches) Foul von Vargas zuvor entschieden (30.). Oder die Aktion von Debütant Andi Zequiri in der 64. Minute. Da warf unser Gikie den Ball schnell und weit auf Vargas ab, der an seinen Schweizer Kollegen weiterleitete, der sich dann aber im Duell mit seinem herangeeilten Gegenspieler festlief. Auch den Fernschuss von Dorsch, der aber nach rechts abdrehte (56.), oder den artistischen Fallrückzieher von Vargas (45.) fand ich nicht schlecht.

Auch wenn sie nicht von Erfolg gekrönt waren, zeugen sie doch vom Mut, einfach mal was zu wagen, anstatt sich gegen einen (sonst) starken Gegner wie Gladbach ehrfürchtig zurückzuhalten.

Einen Hauch von Torluft durften wir kurz vor der Pause schon mit Daniel Caliguiris Freistoße(flanke) schnuppern (43.). Die flog von links diagonal durch den Gladbacher Strafraum an den Pfosten, ohne dass sie vorher geklärt wurde. In der 66. Minute folgte dann die offensive, „mutige Doppeleinwechslung“ unseres Trainers, die nicht hätte erfolgen müssen, hätte man das 0:0 einfach verteidigen wollen. So aber kamen Flo Niederlechner für Zeqiri und Dauer-Joker Sergio Cordova für Frami. Und mit ihnen in der 80. Minute die Erlösung! Holy s**t und dreimal Hallerluja! Ich kann euch gar nicht sagen, welch riesiger Stein mir da vom Herzen gefallen ist!

Ja, und wie! (Quelle: Twitter)

Neben zentnerschweren Gesteinsbrocken, die landein, landaus bei uns Fans da gekullert sind, war die Entstehung natürlich auch nicht von schlechten Eltern. Da passte erst Gouweleeuw weit in die gegnerische Hälfte rechts auf Vargas, der im Rückraum Niederlechner herannahen sieht und ihn dort mustergültig mit einem Pass bedient, den unsere Nummer 7 eiskalt verwandelt. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa!

Symptomatisch für die Torentstehung ist auch, dass an ihr letztlich die Hauptakteure des FCA in dieser Partie beteiligt waren. (Ausgenommen einmal Oxford, der aber ja schon erwähnt wurde.) Gouweleeuw, der mit seiner Übersicht den tiefen, genauen Pass schlägt, und Vargas, dessen Zuspiel diesmal goldrichtig ankommt. Das ist dem 23-Jährigen sonst nicht immer geglückt. Trotzdem hat er auf beiden Außenbahnen durchwegs für viel Wirbel gesorgt.

Und dann war da ja noch die Sache mit Markus Weinzierl und Flo Niederlechner. Der hatte Anfang der Woche wieder Probleme mit den Adduktoren und Bauchmuskeln und sein Einsatz von Beginn an war ungewiss. Welch hellseherische Fähigkeiten Weinzierl in dieser Angelegenheit hat aufblitzen lassen, schilderte Flo nach dem Spiel so:

„Der Trainer hat gestern zu mir gesagt, dass ich erst einmal nicht spiele und er Andi von Beginn an bringt, ich dann aber reinkomme und das Spiel entscheide. Das ist schon Wahnsinn, dass es dann genauso kommt.“

Flo Niederlechner über Weinzierls Entscheidung (Quelle: Augsburger Allgemeine)

So konnte der FCA vor heimischem Publikum eeeeeendlich den ersten Saisonsieg einfahren, während er der Borussia die dritte Auswärtspleite in Folge und Adi Hütter den schwächsten Bundesligastart eines Gladbach-Trainers seit 17 Jahren beibrachte. Zudem verdrängten die Augsburger die Fohlen von Platz 11, die nun nur noch auf dem 16. Rang stehen.

Hahnscher Hackentrick

Das Wichtigste zum Spiel der Profis am Samstag haben wir jetzt, glaube ich. Eine Szene will ich aber noch gesondert herausgreifen. Sie und auch die Reaktion der Spieler darauf sind einfach zu köstlich! Es geht um den „Hackentrick“ von André Hahn aus der 28. Minute. Da ergatterte der Flügelflitzer den Ball nach einer Ecke von Cali und wollte ihn an Gegenspieler Ginter vorbei von links in den Strafraum bringen. Damit er ihn mit seinem starken rechten Fuß trifft, kreuzte er die Beine, erwischte den Ball aber nicht richtig und drehte mit Schwung noch ein, zwei Pirouetten.  

Nach dem Spiel stand André dem FCA TV im Interview Rede und Antwort. Für diejenigen, die die Bezahlschranke nicht passieren können, beschreibe ich die Szene gleich kurz. Für alle anderen: Schaut ab Minute 3:10 selber rein! Einfach nur empfehlenswert!

Gerade noch erläutert Hahn ganz seriös, wie wichtig die Punkte gegen Gladbach gewesen seien, auch wenn er dessen Partien als Ex-Spieler immer noch verfolgt. Dann crasht Felix Uduokhai das Interview. Schon jetzt lachen sich beide fast kaputt. Uduokhai: „Hahno, ich hab eine Frage. Erste Halbzeit. Vor meinen Augen. Weltklasse-Hackentrick“. Vor Lachen kann er sich dabei kaum halten. „Was haste dir dabei gedacht?“ Hahn dann mit gespielter ernster Miene: „Ich wollt einfach ne Finte machen mit doppeltem Purzelbaum, um den Gegner zu irritieren.“ Am Ende lachen beide wieder herzhaft. Das ging auch mir beim Anschauen so. Die Stimmung im Team scheint jedenfalls blendend zu sein! Und das offenbar sogar beim verletzten Felix Uduokhai.

Frauen feiern ersten Sieg im zweiten Spiel

Jetzt aber noch kurz zu den FCA-Frauen, die in der Bezirksliga Süd am Sonntag ihr zweites Saisonspiel hinter sich gebracht haben. Ran ging es auswärts gegen die Oberallgäuerinnen vom FC Sonthofen, die bisher noch keine Punkte sammeln konnten. Dagegen stand bei den Augsburger Damen bereits ein Zähler auf dem Konto, eingefahren beim 2:2-Unentschieden zu Hause gegen den SV Freihalden. In Sonthofen dominierte der FCA die Partie von Anfang an. Folgerichtig erzielte Elandra Basha nach 38 Minuten per Traumtor den ersten Treffer für ihre Mannschaft. Sie war erst drei Minuten zuvor für Lisa-Marie Maier eingewechselt worden. Kurz vor Schluss, in der 85. Minute, schnürte die 33-Jährige Angreiferin schließlich den Doppelpack zum 2:0-Endstand. Zusammen mit den drei Punkten, die sie aus dem Allgäu entführen konnten, stehen die FCA-Frauen mit ihren vier Zählern jetzt auf Platz 3.

Elandra Basha erzielte beide Tore beim 2:0-Sieg der FCA-Frauen in Sonthofen. (Foto: https://www.fupa.net/player/elandra-basha-963992)

Die Youngsters am Zug

Gleich zwei Siege in einer Woche durfte die U23 der Augsburger Männer in der Regionalliga Bayern bejubeln. Erst war am Dienstag Wacker Burghausen in der Rosenau zu Gast. Die Burghausener gingen zwar in der 22. Minute mit 1:0 in Führung. Doch nach der Pause drehte der FCA nicht nur auf, sondern auch die Partie. Sie ging schließlich mit einem hart erkämpften 3:1 an die Augsburger Youngsters.

Wie schon im Heimspiel standen auch am Samstag beim „kleinen“ FC Nürnberg Tim Civeja und Lasse Günther in der Startelf, im zentralen Mittelfeld bzw. auf dem rechten Flügel beides heiße Aspiranten auf Einsätze bei den Profis. Seine Klasse konnte Civeja etwa bei einem gekonnten Freistoßtor unter Beweis stellen (14.), das 1:0 für den FCA. Noah Sarenren Bazee, ebenfalls von Beginn an dabei, machte dagegen mit einem Lattenkracher (28.) auf sich aufmerksam. Im weiteren Verlauf erhöhten die Augsburger auf 3:0 und machen es sich mit diesem Sieg nun auf Platz 9 in der Tabellenmitte gemütlich. Zumindest bis Freitag, wenn es nach Illertissen zum Tabellennachbarn geht.

Fazit

Abschließend festhalten lässt sich also: Sowohl die FCA-Profis als auch die Frauen konnten ihre jeweils ersten Saisonsiege einfahren. Die „Zwote“ ging diese Woche gleich zwei Mal als Sieger vom Platz. So eine erfolgreiche Woche darf es von mir aus ruhig öfter geben. Vielleicht macht Weinzierl am Sonntag im Breisgau ja wieder den Wahrsager…

Den Daten nach ein dicker Fisch?

Was haben wir auf diesen Wechsel hingefiebert. Knapp sechs Wochen ist es jetzt her, dass der FC Augsburg stolz den Fang von Niklas Dorsch vom belgischen KAA Gent verkündet hat. Für fünf Jahre und sieben Millionen Euro kommt „Dorschi“ an den Lech. Dabei war er nur der erste dicke Fisch in einer bemerkenswerten Transferserie, die unserem Sportdirektor den Spitznamen „Don Reuter“ eingebracht hat. Denn auf den Dorsch-Coup folgte kürzlich noch ein (von uns nicht ausnahmslos gefeiertes) Tauschgeschäft mit der Hertha. Aus Berlin kam Arne Maier, leihweise. Nach Berlin ging Marco Richter, fix. Dass dann urplötzlich auch noch unser ehemaliger Capitano, Daniel Baier, auf dem Tableau erschien, der den FCA ab 1.9. beim internationalen Scouting unterstützt, setzte dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf. Was soll bei DER Besetzung bitte noch schiefgehen, wollte man meinen.

Tagelang spannte uns die Social Media-Abteilung des FCA mit Andeutungen auf die Folter, bis Strichmännchen Reuter endlich die „30“ aus dem Teich angelte. Wahnsinnsaktion, Jungs und Mädels!

Am Wochenende wurden wir eines Besseren belehrt. Gegen Hoffenheim ging vieles gehörig schief. All unsere (durchaus begründeten) Träume von einer sorgenfreieren Saison mit frischerem Fußball sind fürs Erste zerplatzt. 0:4 zu Hause. Plopp. An einem dieser vielen Gegentore war Niklas Dorsch nicht unbeteiligt. Und auch im DFB-Pokal gegen Greifswald sah unser neuer Sechser mit einem folgenschweren Fehlpass nicht gut aus. Haben wir uns also zu viel von unserem vermeintlichen Königstransfer versprochen? Ist Dorsch am Ende noch gar nicht reif fürs knallharte Oberhaus? Ziemlich ernüchternde Fragen, wenn ihr mich fragt…

Wir wollen sie aber trotzdem stellen und mithilfe von Daten, erneut bereitgestellt von Createfootball, herausfinden, was dran sein könnte. Oder vielleicht auch nicht. So viel sei aber schon mal gesagt: Verzweifeln müssen wir FCA-Fans mit und an Dorschi keinesfalls. Im Gegenteil.

Was Dorschi stark macht

Die Createfootball-Crew sieht in dem 23-jährigen gebürtigen Lichtenfelser vor allem einen Spielertyp verkörpert: einen sogenannten Deep Lying Playmaker, der das Spielgeschehen aus einer defensiven Mittelfeldposition heraus diktiert. Als solcher konzentriert er sich vor allem auf den Spielaufbau, er verfügt über exzellente Übersicht und hohe technische Fertigkeiten am Ball. Was Dorsch zudem von anderen Sechsern unterscheidet, ist sein herausragendes Passspiel. Anders als sie versucht er nicht, das Spiel mit dem Ball einfach zu halten. Sondern es vor allem mit kurzen, flachen Pässen in die für den Gegner gefährliche Zone zu verlagern.

Zeigen lässt sich das, indem man ein paar Passwerte von Dorsch mit denen der anderen zentralen Mittelfeldspieler in der belgischen Pro League vergleicht. So kam der Neuaugsburger in der Saison 2020/21 auf 53 Pässe pro Spiel, von denen er 90% an den eigenen Mann brachte. Bei seinen Ligakollegen waren es weniger (43; 83%). Auch bei Pässen ins letzte Drittel (8.6), von denen 78% beim Mitspieler landeten, hatte Dorsch im Vergleich zu seinen Ligakollegen im zentralen Mittelfeld die Nase vorn (6.9; 71%).

Neben dem progressiven Passspiel liegen Dorschs Stärken laut Createfootball-Daten aber noch woanders. Nämlich darin, dass er eng in die Defensivarbeit eingebunden ist. Konkret heißt das: Er kommt auf extrem viele Balleroberungen. Bei Gent letzte Saison pro Spiel auf durchschnittlich 9.1, während die anderen zentralen Mittelfeldleute im Ligaschnitt nur 7.2 schafften. Insofern zeigt der U21-Europameister hier auch gewisse Eigenschaften eines Ball Winning Midfielders, der proaktiv verteidigt und so das gegnerische Spiel mit Balleroberungen und (taktischen) Fouls stört. Laut den Datenscouts verkörpert der Franzose N’Golo Kanté vom diesjährigen Champions League-Sieger FC Chelsea diesen Spielertypus mustergültig.  

Beim KAA Gent konnte sich Niklas Dorsch in den Schlüsselkategorien eines Deep Lying Playmakers verbessern. (Foto: Matteo Cogliati / Hans Lucas via imago)

Wichtiger Entwicklungsschritt in Belgien

Dass sich Niklas Dorsch zu einem tief stehenden Spielmacher mit guten Balleroberungsqualitäten entwickeln konnte, ist auch dem Jahr in Gent zu verdanken. Denn Trainer Hein Vanhaezebrouck ließ den damals 22-Jährigen bei dessen insgesamt 43 Einsätzen für den belgischen Erstligisten hauptsächlich in dieser Rolle auflaufen. Von der Sechserposition aus konnte Dorsch das Spiel lenken, Seitenverlagerungen und damit Torgefahr erzeugen.

Beim FC Heidenheim, wo Dorsch von 2018 bis 2020 spielte, bekleidete er dagegen eher die Achterposition. Hier war er pro Spiel noch viel häufiger in Dribblings (3.3) und Offensivzweikämpfe (9.8) verwickelt als später in Gent (1.9; 6.9). Auch konnte er vor allem in seiner zweiten Saison beim deutschen Zweiligisten die fürs Offensivspiel so wichtigen Schnittstellenpässe (0.8) und Torschussvorlagen (0.6) noch nicht ganz so stark ausspielen wie dann im Jahr darauf in der belgischen Pro League (1.5; 1.1).

Wo er schwächelt

Ob es nun am Positionswechsel vom zentralen ins defensive Mittelfeld liegt oder nicht. Schwächen sieht Createfootball beim Neuaugsburger noch im Dribbling. In Gent dribbelte er nicht nur weniger, sondern kam dabei auch nur zu 45% zum Erfolg. Der Schnitt in der Pro League lag dagegen höher bei 57%. Auch wenn bei Dorsch am Ende eine hohe Zahl an Balleroberungen steht, so kommt diese doch durch eine geringe Quote an gewonnenen Zweikämpfen zustande. Zwar führte er pro Spiel mehr Defensiv- wie Offensivzweikämpfe (9.6; 6.9) als die anderen Mittelfeldkräfte der belgischen Liga (7.4; 5.7), er gewann davon aber auch weniger (Dorsch: 56 bzw. 36%; Liga: 58 bzw. 44%). Entsprechend tut sich Dorschi noch schwer, Zweikämpfe effektiv und vor allem erfolgreich zu Ende zu führen.

Was die Daten nicht verraten (das können sie auch nicht, Createfootball hat sie uns schon vor Saisonbeginn zukommen lassen): Wie oben schon kurz angesprochen, hatte unser neuer Mann mit der Nummer 30 sowohl gegen Greifswald als auch gegen Hoffenheim Probleme mit dem Passspiel. Obwohl darin ja gerade seine große Stärke liegt. Allerdings galt das nicht in der Breite. Gegen die TSG hatte er die beste Augsburger Passquote mit 89%. Er verlor den Ball „nur“ eben an entscheidender Stelle. Etwa im Vorfeld des 0:2, als er einen Pass von Iago nicht wieder zu diesem zurückbrachte und Hoffenheim aus der anschließenden Ballbesitzphase das Gegentor erzielte. Auch beim 4:2-Arbeitssieg in Greifswald resultierte aus einem misslungenen Vertikalpass von Dorsch auf Niederlechner der frühe Rückstand zum 0:1. Und das bei einer Passquote, die sonst wieder ganz passabel aussah (87%).

Noch unterlaufen Dorschi Passfehler. Mit besserer Kontrolle und Abstimmung mit EM-Mittelfeld-Buddy Arne Maier bekommt er die sicherlich noch in den Griff. (Foto via imago)

Optimistische Prognose

Das klingt jetzt vielleicht erstmal nicht besonders rosig. Dorsch, der neue Lenker und Playmaker im defensiven Mittelfeld, verpatzt die entscheidenden Pässe und geht in viele, gewinnt aber nicht genügend Zweikämpfe. Doch in der Finalrunde der U21-EM, so Createfootball, hat er gerade auch durch solche Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, die eigentlich nicht zu seinen Stärken gehören (stark im Defensivzweikampf, Dribblings, progressive Läufe). Das stimmt (mich) doch optimistisch! Außerdem denke ich, dass der junge Dorsch smart und selbstkritisch genug ist, um in den kommenden Spielen auch noch die wenigen Pässe abzustellen, bei denen er zuletzt ins zu hohe Risiko gegangen ist. Womöglich wollte er, wenn auch einen Tick zu überengagiert, damit gleich zu Beginn demonstrieren, wofür man ihn nach Augsburg geholt hat.   

Den Datenscouts zufolge ist ein Spielertyp wie Dorsch auf der Doppelsechs auch besonders gut mit einem Achter oder einem zweikampfstarken Abräumer kombinierbar. Wie gut, dass Neuzugang Arne Maier genau SO einen zentralen Mann auf der Acht darstellt! Zwar haperte es nach dessen Einwechslung im letzten Drittel gegen die Hoeneß-Elf noch so manches Mal an der Abstimmung zwischen den beiden Nachwuchseuropameistern. Mit FCA-Urgestein Jan Morávek klappte das besser. Doch ich gehe auch hier davon aus, dass sich das legen wird, je länger Maier im Augsburger Mannschaftstraining ist. Im Moment ist das ja gerade einmal eine Woche.

Insofern würde ich in jedem Fall sagen, dass wir uns mit Niklas Dorsch einen richtig dicken Fisch geangelt haben. (Tschuldigung für die bestimmt tausendste Verwendung dieses Wortspiels.) Das geben auch die Daten her. Um sich beim FCA zu akklimatisieren und mit seinen Nebenmännern (ob jetzt Maier oder Moravek) für echten Wirbel zu sorgen, braucht er vielleicht nur noch ein Weilchen. Bei der Frankfurter Eintracht (15:30 Uhr) gibt’s die nächste Chance. Schnapp sie dir, Dorschi! Hejaaa!

Kaderanalyse: Sturm

Nach der frisch verstärkten „Beton“-Festung im Augsburger Tor wollen wir uns jetzt die Abteilung genauer ansehen, die in der 11. Bundesligasaison fürs Überwinden der gegnerischen Tormänner zuständig sein wird: den Sturm und die offensive Zentrale des FCA. Dabei gibt es ein vielversprechendes Comeback zu bejubeln. Aber auch eine lichte Stelle, die womöglich noch geflickt werden muss, um uns keine größeren Sorgen zu bereiten.

Sturmspitze: Alte Hasen und junge Hüpfer

Dass Markus Weinzierl zum Ende der letzten Saison an den Lech zurückgekehrt ist, dürfte Florian Niederlechner ganz besonders freuen. Hatte sich der gebürtige Oberbayer unter Martin Schmidt mit seinen 19 Scorerpunkten noch im Eilverfahren in unsere Herzen geschossen, verlor er unter Heiko Herrlich sogar seinen Stammplatz. Ohne anhaltenden Torerfolg und auf der Bank hatte Flo in seinem zweiten FCA-Jahr nicht mehr viel zu lachen. Der neue alte Trainer sprach ihm dagegen gleich nach seinem Amtsantritt das Vertrauen aus. Umgekehrt machte Niederlechner auch keinen Hehl daraus, dass er nun wieder positiver in die Zukunft schaut, die er auch über 2022 hinaus beim FCA sieht:

„Markus Weinzierl spielt nun einen offensiveren Fußball, das passt perfekt zu mir. Diese Saison war für den Kopf richtig schwer. Ich hoffe, dass die nächste viel besser wird und ich selbst auch wieder mehr Hütten mache als die vier in dieser Saison.“

Flo Niederlechner in der Sportbild vom 2.6.2021

Wie der 30-Jährige selbst hofft, ist definitiv auch zu erwarten, dass er in der kommenden Saison weiter aufblüht. Sofern er von Verletzungen verschont bleibt, wird er im Weinzierl‘schen 4-2-3-1-Lieblingssystem als Sturmspitze gesetzt sein. Das hatte sich schon in den letzten drei Ligaspielen abgezeichnet, in denen Flo dann auch gleich zwei Hütten zimmerte. Zwar stünde auf der 9 auch Dauerbrenner André Hahn bereit. Ihm hatte Herrlich gerade im Schlussspurt den Vortritt vor seinem Sturmkollegen gelassen. Doch unser aktueller Trainer dürfte Hahn, der mit acht eigenen Ligatreffern und fünf Assists eine bärenstarke Saison gespielt hat, künftig eher auf dem rechten Flügel einplanen. In allen bisherigen Pflicht- und Testspielen unter Weinzierl lief er dort von Beginn an auf.

Finnbo, der Zerbrechliche

Alfred Finnbogason ist ein weiterer Kandidat in der Sturmspitze – aber nur wenn, ja WENN ihm seine körperliche Verfassung nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Die letzte Saisonvorbereitung hatte der Isländer endlich einmal uneingeschränkt mitmachen können, sodass er sich berechtigte Hoffnungen auf mehr Einsätze machen durfte. Doch erneut wurde er zum Unglücksraben. 14 Mal musste er in der Saison 20/21 verletzungsbedingt aussetzen, beging nur ein Spiel über die gesamte Länge und schoss: 0 Tore. Oh Finnbo…

Für die kommende Saison wünschen wir dir vor allem körperliche Konstanz, Finnbo! (Foto: xkolbert-press/ChristianxKolbertx via imago).

Im diesjährigen Trainingslager am Walchsee in Österreich absolvierte der 32-Jährige einzelne Einheiten zur Belastungssteuerung individuell. Dafür sammelte er in den Testspielen ordentlich Einsatzminuten und sorgte, wenn schon nicht mit eigenen Treffern, mit feinen Anspielen für seine Offensivpartner für Aufsehen. Angesprochen auf seine Einzelaktionen vor den beiden FCA-Toren im Spiel gegen den aserbaidschanischen Testgegner Qarabag (2:2) entgegnet Finnbogason:

„Wie gesagt, ich fühl‘ mich sehr gut. Wir sind jetzt die zweite Woche im Training und mit jeder Einheit aufm Platz und mit jeder Woche fühlt man sich besser und stärker und kommt dann langsam in die alte Stärke.“

Finnbo im FCA TV vom 15.7.2021

Als er „alte Stärke“ sagt, muss er selbst ein bisschen grinsen. Denn im Grunde ist klar, dass er nicht instant an die Zeiten anknüpfen kann, in denen er noch der mächtige „FinnTORgason“ war. Viel eher wird wohl daran gearbeitet, ihn behutsam und mit Blick auf seinen fragilen Gesundheitszustand als einigermaßen stabiles Backup aufzubauen. Und zwar so, dass er Niederlechner im Sturm ersetzen könnte, sollte der mal verletzt oder abgekämpft vom Platz müssen. Oder mit ihm ein Sturmduo in der Doppelspitze bilden. Diese Variante hat Weinzierl z.B. in der ersten Hälfte gegen Qarabag getestet. Und war mit Niederlechners Ausgleich zum 2:2 nach gemeinsamer Vorarbeit Hahn/Finnbogason gleich von Erfolg gekrönt.

Youngsters auf dem Sprung?

Spannend wird auch die Frage, was der Trainerstab bzw. die Führungsriege mit den jungen Leihgaben vorhat, die kürzlich zum FCA zurückgekehrt sind. Mit dem 20-jährigen Maurice Malone kommt ein echter Augsburger Jung‘ zurück. Er hat in der letzten Saison beim Drittligisten Wehen Wiesbaden vor allem auf dem linken Flügel auf sich aufmerksam gemacht. Malone ist aber vielseitig einsetzbar. Er kann z.B. auch als Mittelstürmer oder hängende Spitze agieren. In seinen vier Wehener Einsätzen hinter der Spitze brachte er es auf, sage und schreibe, vier Tore und eine Vorlage. Damit hat Weinzierl ihn – neben dem linken Flügel – sicherlich auch als Alternative im Sturm auf dem Zettel.

Auch wegen seiner Schnelligkeit dürfte Maurice Malone in der kommenden Saison beim FCA eine Rolle spielen. Wo genau, kommt noch auf. (Foto via imago)

Fraglicher ist da der Verbleib des Venezolaners Sergio Córdova. Wegen der Teilnahme seines Nationalteams an der Copa América stieß er erst nach dem Trainingslager zur Mannschaftsvorbereitung. Bei der Arminia, an die er letzte Saison verliehen war, lief es für den 23-Jährigen nur halbrosig. Auch wegen einer Coronainfektion, die ihn die letzten sechs Spiele außer Gefecht setzte. Nun musste der Mittelstürmer auch beim letzten Testspiel des FCA gegen Cagliari (3:1) pausieren, angeblich wegen muskulärer Probleme. Doch weil „bislang nicht bekannt“ ist, wann er ins Training zurückkehrt, darf durchaus darüber spekuliert werden, ob er zurückkehrt. Angesichts ansehnlicher Alternativen in der Sturmspitze wäre ein Abgang Córdovas jedenfalls verschmerzbar.

Definitiv vom Tisch ist dagegen ein Wechsel des Dänen Nikolai Baden Frederiksen nach Augsburg. Der Mittelstürmer der Turiner Reserve, der letzte Saison in die Österreichischen Bundesliga an Tirol verliehen worden war, hatte mit seinen starken 22 Scorerpunkten das Interesse von so manchem Club geweckt. Eben auch das des FCA. Mittlerweile hat der 21-Jährige aber einen Drei-Jahres-Vertrag bei Vitesse Arnheim unterschrieben. Nach wie vor kein Thema dürfte schließlich auch der Einsatz von Nachwuchsspieler Seong-Hoon Cheon bei den Profis sein. Er stürmt seit 2019 für den FC Augsburg II.

Offensives Mittelfeld: Schwachstelle im System?

Von der relativ soliden Besetzung der Augsburger Sturmspitze(n) geht’s jetzt nach hinten zur hängenden Spitze und ins offensive Mittelfeld. Hier ist die Personaldecke zwar längst nicht mehr so dick wie noch zu Zeiten von Koo, Ji oder Altintop. So schlecht sieht es auf den ersten Blick aber auch nicht aus. Wenn da nicht einige gravierende Wenns und Abers wären…

Das erste Wenn ist Michael Gregoritsch in Person. Der 27-Jährige Grazer, der das gesamte zentrale Offensivspektrum beherrscht, legte mit seiner Auswahl bei der EM ein sehenswertes Turnier hin und leitete mit seinem Treffer den ersten Sieg Österreichs bei einer Europameisterschaft ein. Früher als andere Nationalspieler stieß er zum FCA-Trainingslager hinzu und machte dort einen gelösten, ausgeglichenen und hochmotivierten Eindruck. Dass er in der kommenden Saison voll angreifen will, bekräftigte der geläuterte Profi auch kürzlich:

„Wir haben ein gutes, ehrliches Gespräch geführt und sind klar der Meinung, dass wir jetzt gemeinsam Gas geben. Es gibt nichts, was im Weg steht. Wir wollen wieder nach oben, als Mannschaft und ich persönlich.“

Gregerl im Fußballeck vom 19.7.2021

Dazu passt dann auch die jüngste Vertragsverlängerung um ein Jahr bis 2023. Die hatte sich für Gregerl, der seit 2017 an den FCA gebunden ist, wegen einer an Einsatzzeiten geknüpften Klausel automatisch ergeben. Alles beste Voraussetzungen für einen Neustart, finde ich. Ausschlaggebend wird jetzt aber sein, ob Gregerl die eigenen Erwartungen und die des Trainers auf dem Platz erfüllen kann. Dass die höher sind als das eine mickrige Tor in der letzten Saison, versteht sich von selber. Dabei mischt Gregoritsch weniger im Kampf um die Stammplätze mit. Vielmehr wird der Trainer auf ihn weiterhin als Joker setzen, der für Flo oder Finnbo kommen oder sie in einer offensiven Ausrichtung aus dem Rückraum mit Bällen versorgen kann.

Wackelkandidaten

Wo es genau wackelt, ist bei den nächsten beiden Kandidaten unterschiedlich. Da ist einmal Eigengewächs Marco Richter, der 2017 zu den FCA-Profis gestoßen ist. Seine Lieblingsposition ist eigentlich auf den Außen. Fast genauso oft wurde er in der vergangenen Spielzeit aber auch in der Offensivzentrale eingesetzt. Ein Hinweis darauf, dass man eher dort mit dem 23-Jährigen plant, könnte das jüngste Interesse des FCA an MLS-Flügelstürmertalent Tajon Buchanan sein. (Wobei hier der SC Freiburg aktuell vorne liegen soll.) Dazu braucht es aber einen Verbleib von Richter in Augsburg. Und da wackelt es eben. Zu oft schon gab es Wechselwünsche und auch handfeste -verhandlungen. Jüngstes Beispiel ist der geplatzte Tausch zwischen Richter und Ex-Augsburger Dominik Kohr nach bzw. von Frankfurt. Die Liste ließe sich leicht noch fortsetzen. Ich will aber der Mittelfeld-Kaderanalyse, in der Marco sicher nochmal auftaucht, nicht weiter vorgreifen.

Beim finnischen EM-Fahrer Freddy Jensen, der seit drei Jahren bei uns am Lech ist, ist es eher die Gesundheit, die wackelt. In der letzten Saison kam er wegen Sprunggelenks- und Oberschenkelproblemen gerade einmal auf 13 Bundesligaeinsätze. Dass er trotzdem das Zeug dazu hat, Spiele mitzuentscheiden, zeigte er im Spiel gegen Köln (2:3). Da kam er in der zweiten Hälfte für Finnbogason rein und bediente Gumny und Vargas mustergültig bei ihren Treffern. In einer solchen Rolle, als offensive Verstärkung, die das Spiel nach vorne belebt, zugleich aber auch nach hinten absichert, sehe ich den 23-Jährigen in der kommenden Saison auch. Dass er auch selbst Tore schießen kann, hat er im Testspiel gegen Cagliari gezeigt. Da erzielte er das 2:0 nach Hahn-Vorlage.  

Huh, das 2:0 im Testspiel gegen Cagliari. Freddy, wir wollen mehr davon! (Foto: Sven Beyrich/SPP Friendly via imago)

Sollte Marco Richter (diesmal) wirklich gehen, sähe es im offensiven Mittelfeld des FCA also ziemlich dünn aus. Dass das bis zum Schließen des Transferfensters Ende August kein unrealistisches Szenario ist, zeigen die bisherigen Bemühungen der Club-Verantwortlichen. So wurde schon laut über einen Tausch Richters mit dem gleichaltrigen Lászlo Bénes nachgedacht, der letzte Saison von Gladbach ausgeliehen war und die 10er-Position bekleidete. Zudem bekundete der FCA kürzlich sein Interesse an Frankfurts zentral offensivem Mittelfeldmann Rodrigo Zalazar. Beide Offerten zerschlugen sich inzwischen aber. Bénes ist zurück bei der Borussia und Zalazar hat bei Schalke angeheuert.

Fazit

So wie sich die Transferaktivitäten im Sturm bisher gestalten, stehen die Zeichen aktuell mehr auf Kontinuität anstatt auf großer Veränderung. Flo Niederlechner hat das Vertrauen des Trainers zurück. Für sein Selbstbewusstsein und seine Durchschlagskraft ist das ganz wichtig. Im Vergleich zu unserem „Sorgenkind“ Finnbo hat er die Nase vorn. Doch sollte der (ausnahmsweise, muss man leider fast sagen) verletzungsfrei bleiben, wäre der Konkurrenzkampf zwischen den beiden erfahrenen Angreifern wieder eröffnet. Maurice Malone, zur Not aushilfsweise denkbar, oder Sergio Córdova, womöglich schon auf dem Absprung, werden damit nichts zu tun haben.

Turbulenzen könnte es dagegen noch hinter den Sturmspitzen geben. Für den Fall, dass Richters so oft schon geäußerte Wechselabsichten wirklich wahr werden. Denn dann hätte man mit Jensen ‚nur‘ eine Wechseloption fürs offensive Mittelfeld, die aber gesundheitlich wackelt. Gregerl wird je nach Besetzung der 10 wahrscheinlich weiter vorne als Joker auflaufen und muss – trotz Aufbruchsstimmung – außerdem seine Leistungsschwankungen in den Griff kriegen. Zwar könnte auch Daniel Caliguiri in der Offensivzentrale aushelfen, das aber eben nur behelfsweise. Heißt: Aufgrund all dieser Unsicherheitsfaktoren wäre es wohl nicht schlecht, wenn der FCA die kommenden Wochen noch dazu nutzt, vor allem erst einmal Klarheit in die Angelegenheit Richter zu bringen. Und dann, sollte es nötig sein, nochmal seine Fühler auf dem Transfermarkt auszustrecken.

Lassen wir uns überraschen, was hier passiert! Ich denke aber, der FCA wird für die womöglich sich lichtende Stelle in der Offensivzentrale einen passenden Flicken finden. Unser grundsolider Sturm um Flo und Co. steht derweil wie ne 1!

Die Elf des Jahrzehnts – Offensives Mittelfeld

Nach den defensiven und zentralen Parts im Mittelfeld machen wir die Bühne frei für das offensive Mittelfeld. Die Spieler, die wir für das Voting ausgewählt haben, sind zwar nicht immer ‚waschechte‘ offensive Mittelfeldspieler. Sie übernahmen – je nach übertragener Rolle oder gewählter Grundformation – manchmal auch Aufgaben in der Zentrale oder im Sturm. Trotzdem finden wir, dass wir mit unserer Vorauswahl doch die Akteure erwischt haben, die in den letzten zehn Jahren am prägendsten auf der Zehner-Position waren. Und spielen jetzt an euch ab: Wer ist euer offensiver Mittelfeldspieler des Bundesligajahrzehnts?

Dong-Won Ji

Dong – Won – Jiiiiiiiiiiiii (so dröhnt’s in meinen Ohren noch wie damals in der Arena) durften wir in Augsburg gleich vier Mal begrüßen. Zum ersten Mal, als er 2013 für sechs Monate vom AFC Sunderland ausgeliehen wurde. Zum zweiten Mal genau ein Jahr später, wieder vom damaligen Premier League-Club. 2015 wurde er dann für drei Jahre fest vom BVB verpflichtet, bevor er nach einem kurzen Leih-Ausflug nach Darmstadt zur Saison 2018/19 ein viertes Mal für den FCA auflief. So stand Ji, der auf Koreanisch auch den Spitznamen „Thunfisch“ trägt, wie er einmal verriet, insgesamt fünf Jahre lang in den Diensten des FCA.

Tja, da hat Jeffrey Gouweleeuw, damals noch beim AZ Alkmaar, den abziehenden Dong-Won Ji nicht mehr am 3:1 hindern können. (Foto: DeFodi502 via imago)

Vor allem in seiner ersten Zeit schlug er im offensiven Mittelfeld ein wie eine Bombe. Trug mit fünf Toren allein in der Rückrunde 2012/13 maßgeblich zum Klassenerhalt bei. Sein Doppelpack am 29. Spieltag zu Hause gegen Frankfurt (2:0) war ein ungemein wichtiger Schritt dorthin. Auch beim 4:1 gegen den AZ Alkmaar in der EL-Gruppenphase 2015 steuerte er zu Raul Bobadillas legendärem Dreierpack eine Vorlage bei. Und dieses Hammer-Tor zum 3:1 nach explosivem Antritt von links ins lange Eck. Auch wenn Ji vor allem in seiner letzten Saison u.a. wegen Verletzungspech nie mehr so ganz an seine goldenen Anfangszeiten rankam, so behalten wir den offensiven Alleskönner mit seinen 125 Spielen und 16 Toren für den FCA doch in bester Erinnerung. 

Halil Altintop

Der gebürtige Gelsenkirchener stieß zur Saison 2013/14 zu unserem FCA. Vorher hatte er zwei Jahre in der türkischen Süper Lig bei Trabzonspor verbracht, wo er auch Champions League spielte. Frühere Stationen waren u.a. Frankfurt, Schalke und Kaiserslautern (damals noch erstklassig), wo Altintop im Sturm der endgültige Durchbruch gelang und er sich mit seinen damals 23 Jahren auf Platz 3 der Torschützenliste der Bundesliga katapultierte.

Halil Altintop war immer für Gefahr im Strafraum gut, aber auch für gute Laune. (Foto via imago)

Beim FCA agierte Altintop vor allem auf der offensiven Mittelachse. Dort glänzte er in 128 Spielen nicht nur mit seinem ausgeprägten Torriecher (22 Tore), sondern auch mit seinen Qualitäten als Vorbereiter (14 Vorlagen). In den Augsburger Geschichtsbüchern verewigte sich der ehemalige türkische Nationalspieler außerdem, weil er im Auftaktspiel bei Athletic Bilbao am 17. September 2015 mit seiner 1:0-Führung das erste FCA-Tor in einem Europapokalwettbewerb erzielte. Nach vier Jahren, in denen er sich mit seiner Abgeklärtheit zur festen offensiven Größe entwickelt hatte, war dann aber Schluss:

„Ich hatte in den letzten vier Jahren eine wunderbare Zeit beim FCA. Dennoch sehe ich es nun als notwendig an, diesen Schritt zu machen und den FCA zu verlassen. Ich möchte eine neue Herausforderung annehmen, um auch jungen Nachwuchsspielern beim FCA den Weg frei zu machen.“

Halil Altintop über seinen Wechsel zu Slavia Prag (Quelle: Sport1)

Nach Beendigung seiner Spielerkarriere beim FCK traf Altintop als Individualtrainer beim VfB Stuttgart noch einmal auf Markus Weinzierl als Cheftrainer. Das ist er mittlerweile selber – als Teil eines Trainer-Duos bei der U17 des FC Bayern. Und neben Simon Jentzsch als Torwarttrainer übrigens 😊.

Ja-Cheol Koo

Mit der Leihe von Ja-Cheol Koo zur Rückrunde 2012 vom VfL Wolfsburg legte der FC Augsburg den Grundstein für die „Südkorea-Achse“, die Koo zusammen mit Innenverteidiger Hong und Offensivkraft Ji später bilden sollte. Nachdem sich Koos Dienste zuvor noch Mainz gesichert hatte, klappte der Transfer zu uns schließlich zur Europa League-Saison 2015/2016. Gerade in dieser Spielzeit zeigte Ja-Cheol, was er im offensiven Mittel drauf hatte. Ihm selbst gelangen acht Tore und für seine Mitspieler legte er vier Mal auf. Ein ganz besonders wichtiges war der 1:0-Siegtreffer gegen den Ligakonkurrenten aus Hannover, mit dem Koo den FCA vorzeitig von größeren Abstiegssorgen befreien konnte.

Ja-Cheol Koo bejubelt mit Caiuby und Alex Esswein seinen Schlenzer zum 1:0-Sieg in Hannover. (Foto: DeFodi502 via imago)

Obwohl der Südkoreaner ein ähnliches fußballerisches Profil wie sein Landsmann Ji hat (beide gelten als „in der Offensive universell einsetzbare Spieler“), gab es zwischen ihnen nie Konkurrenzkämpfe. Vielmehr ersetzten sie sich gegenseitig und harmonierten sehr gut, wenn sie gemeinsam auf dem Platz standen. Daher setzte sich Manuel Baum auch für ihren Verbleib über die Saison 2018/19 hinaus ein. Leider vergeblich. Koos Abschiedsnachricht vor seinem Wechsel nach Doha zeigt auch seine tiefe Verbundenheit zum Verein und seine so große (Spiel-)Freude und Herzlichkeit, die ich persönlich sehr gerne an ihm mochte.

„Liebe Fca Fans! Nun habe ich fast 6 Jahre für fca gespielt und war und bin heute immer dankbar und glücklich, Euch jede Woche hinter mir zu haben! Es war eine große Unterstützung im Stadion und Euer lautes Singen ein geiles Gefühl! Dafür möchte ich Euch Danke sagen und bin sehr stolz auf Euch und auch auf mich, dass ich ein fca Spieler war.“

Ausschnitt aus Ja-Cheols Abschiedsnachricht an uns Fans (Quelle: Instagram)

Michael Gregoritsch

Den gebürtigen Grazer verschlug es 2017 an den Lech, wo sich er und der scheidende Altintop die Klinke in die Hand gaben. Dessen Nachfolger sollte er werden, das offensive Spiel hinter den Spitzen machen. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte der damals 23-Jährige eine – im wahrsten Sinne – wechsel-hafte Laufbahn hinter sich. Aus Kapfenberg in Österreich holte ihn die TSG Hoffenheim 2012 zu sich in die zweite Mannschaft. Es folgten Leihen zu den Zweitligisten nach Bochum und ans Hamburger Millerntor. Beim HSV kam er 2015 am Ziel seiner Träume an, in der Bundesliga. Doch dass er dort nur (noch) als Joker zum Einsatz kam, wurmte ihn. Beim FCA wollte er, ausgestattet mit einem 5-Jahres-Vertrag, zur Stammkraft werden.

Vielleicht überwiegen die Glücks- die Frustmomente für Gregerl beim FCA bald wieder. (Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Pool via imago)

Die wurde er zuerst auch. Vor allem in seiner ersten Zeit unter Manuel Baum. Fast immer stand er da über die vollen 90 Minuten auf dem Platz, erzielte 16 Tore und fünf Vorlagen. Spätestens unter Martin Schmidt wurden Gregerls Einsätze dann aber immer kürzer, seine Unzufriedenheit stieg.

„Der Österreicher hat offenbar das Gefühl, dass Schmidt ihn zu einem Spieler machen möchte, der er nicht sein will – ein Achter beinahe, mit weitem Weg zum Tor.“

Sebastian Fischer zu Gregerls schwerem Stand beim FCA (Quelle: SZ vom 21.11.2019)

Aus seiner Unzufriedenheit machte er keinen Hehl und erklärte öffentlich, dass er nur noch „weg will“ vom FCA. Das gefiel den Verantwortlichen (und auch uns Fans) natürlich gar nicht. Prompt wurde er für ein Spiel suspendiert und nach der Winterpause 2020 nach Gelsenkirchen verliehen. Seit Mitte letzten Jahres läuft Gregoritsch wieder in Rot-Grün-Weiß auf, sucht aber immer noch nach seiner alten Form. Dass er sie nur irgendwo tief vergraben, aber nicht ganz verloren hat, zeigte er kürzlich bei der EM im Dress seiner Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien. Da legte er mit seinem Treffer zum 2:1 den Grundstein für den ersten Sieg Österreichs bei einer Europameisterschaft und gab danach ein nicht minder bewegendes Interview, in dem er seine Tränen nicht zurückhalten konnte.

Das von Tränen gezeichnete Gregerl im Interview nach dem 3:1-Sieg Österreichs gegen Nordmazedonien bei der EM 2020.

Ich finde, da hat sich gezeigt, wie sehr es den ehrgeizigen und manchmal vielleicht auch ein bisschen selbstüberschätzten Gregoritsch selbst mitnimmt, wenn es bei ihm nicht läuft. Und WENN es wieder läuft, darüber würden wir uns in der kommenden und vorerst letzten Saison mit ihm doch alle ziemlich freuen, oder?

Piotr Trochowski

Mit dem gebürtigen Polen, der im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie nach Hamburg umsiedelte, kam zur Saison 2015/16 ein Ex-Nationalspieler nach Augsburg. 35 Einsätze hatte Trochowski bis dahin in der Nationalelf gesammelt, wurde mit ihr Vize-Europameister 2008 und Dritter bei der WM 2010. Gelernt hatte er das Handwerk als offensiver Mittelfeldmann in der Bayernjugend, wechselte 2005 aber zum HSV, wo er –anders als in München – auf dieser Position einen Stammplatz ergattern konnte.

Doch bei Trochowski lagen Licht und Schatten stets nah beieinander. „Großartige Auftritte und schwache Leistungen wechselten sich permanent ab.“ Das war in Hamburg so, beim FC Sevilla, der dessen laufenden Vertrag fristlos kündigte, und auch bei uns in Augsburg. In seiner einzigen Bundesligasaison stand er wegen Knie- und Wadenproblemen nur sechs Mal auf dem Platz. In unsere Auswahl zum besten offensiven Mittelfeldspieler haben wir ihn wegen seiner brillanten Auftritte in der Europa League trotzdem aufgenommen. So erzielte er in Alkmaar per Traumfreistoß nicht nur den 1:0-Siegtreffer und machte damit den ersten Triumph des FCA in der Gruppenphase perfekt. In Belgrad legte er auch zum 1:1 für Hong auf und ebnete so den Weg zum historischen Einzug in die Zwischenrunde.

Leider viel zu oft musste Piotr Trochowski seinen Mitspielern von der Tribüne aus zuschauen. (Foto via imago)

Stefan Reuter zog die vereinbarte Option auf Vertragsverlängerung nach Ablauf der Saison 2015/16 bei Trochowski nicht. Und trotzdem spielt der 37-Jährige nach einer dreijährigen Fußballpause mittlerweile wieder. In der Hamburger Oberliga, beim HSV.     

Abstimmung

Jetzt aber ran an eure Computermäuse und Handytasten! Klickt nachfolgend einfach wieder auf einen der Spieler, der aus eurer Sicht die ultimative Antwort auf die Frage ist:

Wer ist für euch der offensive Mittelfeldspieler des Jahrzehnts?

  • Halil Altintop (58%, 90 Votes)
  • Ja-Cheol Koo (33%, 51 Votes)
  • Michael Gregoritsch (5%, 8 Votes)
  • Dong-Won Ji (4%, 6 Votes)
  • Piotr Trochowski (1%, 1 Votes)

Total Voters: 156

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Die Elf des Jahrzehnts – Rechtsverteidiger

Torhüter und Linksverteidiger – auf diesen Positionen habt ihr (hoffentlich) schon fleißig über eure Favoriten für die Elf des letzten Bundesliga-Jahrzehnts abgestimmt. Wir schwenken in der Abwehrreihe jetzt scharf nach rechts und präsentieren euch unsere Vorauswahl in der Rechtsverteidigung. Dabei ging es uns nicht immer um Höchstleistungen, sondern auch um Herz und Haltung. Aber seht selbst! Und gebt eure Stimme ab – für euren Rechtsverteidiger des Jahrzehnts.

Dominik Reinhardt

Schon der Vater von Dominik Reinhardt, Alois, war Profifußballer. Bei Leverkusen, Nürnberg, den Münchner Bayern und bei der A-Nationalmannschaft. So zog es auch den Sohn über die Jugend von Bayer(n) 1999 zum Club. Dort wurde er nicht nur eine Zeit lang vom Vater trainiert, sondern feierte im Mai 2003 auch sein Erstligadebüt. Gegen Leverkusen. Seine Geburtsstadt, seinen Erstverein. In den Folgejahren etablierte er sich beim FCN zur absoluten Stammkraft auf der rechten Abwehrseite.

2009, als Reinhardt nurmehr Ersatzmann war, schlug die Stunde unseres (damals noch zweitklassigen) FCA. Zur Verstärkung der Abwehr um Uwe Möhrle und Co. schnappte man sich den Rechtsverteidiger leihweise für ein Jahr, das mit dem DFB-Pokal-Halbfinale und der Relegation in die Vereinsgeschichte eingehen sollte. Mit seinen 37 Einsätzen, fast alle über 90 Minuten, hatte Reinhardt entscheidenden Anteil daran. Umso bitterer, dass er im Relegationsrückspiel gegen seinen Ex-Verein wegen einer Knieverletzung nach nicht einmal zehn Minuten vom Feld musste… 

Dominik Reinhardt, wie er über die rechte Außenbahn düst. (Foto: Claus Bergmann via imago)

Zwar hatte sich der FCA Reinhardts Dienste schon zuvor fest gesichert. Aber das in der Relegation ramponierte Knie beeinträchtigte ihn in der Folge so stark, dass er in der Aufstiegssaison 2010/11 kaum zum Zug kam. Auch in den Erstligajahren musste der sympathische Rechtsverteidiger immer wieder verletzungsbedingte Rückschläge hinnehmen, bis sein Profivertrag 2015 nach nur 21 Erstligaeinsätzen für den FCA nicht mehr verlängert wurde. Doch er kickte einfach für die Augsburger Reserve weiter, die er bis 2017 als spielender Co-Trainer und bis 2018 sogar als Cheftrainer betreute.

Auch nach seinem Rücktritt hält der heute 36-Jährige unserem FCA als Co- und Techniktrainer der U16 weiter die Treue. Zudem verstärkt er das Kreisligateam seiner Wahlheimat, den SV Thierhaupten, im Landkreis Augsburg als Spieler. Ganz ohne Allüren sagt er: „Fußball ist Fußball! Egal, ob Bundesliga oder Kreisliga. Es soll Spaß machen“. Und genau wegen dieser Haltung und seiner mittlerweile fast 12-jährigen FCA-Verbundenheit hat Dominik Reinhardt unserer Meinung nach einen Platz in unserer Auswahl mehr als verdient.

Johnny Schmid

Mit so vielen Jahren beim FC Augsburg kann Jonathan „Johnny“ Schmid nicht dienen. Dafür aber mit mindestens einem bärenstarken. Der gebürtige Straßburger kam im August 2016 nach einer Saison bei der TSG Hoffenheim zu uns an den Lech. Zuvor hatte er die Jugendmannschaften des SC Freiburg bis in die höchste Spielklasse durchlaufen und sich dort zum Publikumsliebling und „Fußballgott“ aufgeschwungen.

Nach Augsburg kam der flexibel einsetzbare Schmid für 5,3 Mio eigentlich als Mann fürs rechte (offensive) Mittelfeld. Wegen kürzerer Verletzungspausen und weil er vor allem auf Rechtsaußen öfter der Konkurrenz weichen musste, kam er erst nicht immer zum Einsatz. Doch spätestens mit dem Ruck auf die Rechtsverteidigerposition, die nach einer Verletzung von Raphael Framberger und der Suspendierung von Daniel Opare 2018 vakant geworden war, spielte sich der Sohn einer Französin und eines Österreichers mit seiner kämpferischen und taktisch klugen Spielweise als Stammspieler auch in unsere Herzen.    

Ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind uns natürlich Johnnys Zauber-Freistöße. Zum Genießen gibt’s hier gleich drei:

Johnny Schmids Zauber-Freistöße 2018/19 (Quelle: youtube.com)

So kam er in seinen drei Saisons für den FCA insgesamt auf 81 Einsätze, 10 Torvorlagen und 4 Tore. Bevor es ihn zur Saison 2019/20 vorzeitig wieder zurück zu seinem Jugendverein nach Freiburg zog. Wie bei all seinen Wechseln spielte für den heute 30-Jährigen seine Familie, die nach wie vor im Elsass lebt, eine wichtige Rolle:

„Mein Sohn kommt in den nächsten Monaten in die Schule. Daher haben wir uns als Familie entschlossen, uns wieder Richtung Heimat zu orientieren.“

Johnny Schmid über seine Rückkehr zum SCF (AZ vom 31.5.2019)

Dagegen gibt es natürlich rein gar nichts einzuwenden und macht Familienmensch Johnny nochmal eine Nummer sympathischer.

Paul Verhaegh

Zu Paul Verhaegh, unserem niederländischen Bollwerk auf der rechten Abwehrseite und langjährigen Kapitän, muss man eigentlich nicht viel schreiben. Allein seine insgesamt 207 Einsätze für den FCA, davon 156 in sechs Jahren Oberhaus, sprechen für sich. Damit kommt Verhaegh auf die viertmeisten Einsätze, die ein Spieler für Rot-Grün-Weiß je absolviert hat. Seine Qualitäten als sicherer Elfmeterschütze sind unbestritten. Von seinen insgesamt 19 Bundesligatreffern erzielte er allein 17 vom Punkt. Nur zwei gingen daneben, u.a. gegen Manuel Neuer, sodass der Niederländer hier die Vereinsstatistik anführt.

Der hat (mal wieder) gesessen! Der Kapitän nach verwandeltem Strafstoß on fire. (Foto: imago)

Konstanz, Führungsstärke und Ballsicherheit sind Stärken, die das Spiel des langjährigen Rechtsverteidigers ebenfalls auszeichneten. Spielverlagerung.de kommt noch auf weitere, oft weniger beachtete Eigenschaften, die „Berserker-Paule“, wie sie ihn nannten, zu einem ihrer Lieblinge machten. „Verhaegh ist vor allem ein sehr moderner Aufbauspieler, von denen es in dieser Form auf dem Außenverteidiger-Position tatsächlich nur wenige gibt.“ Neben seiner Aufbaustärke rechnen sie ihm auch seine Durchschlagskraft in der Offensive, seine diagonalen Züge in den Halbraum und seine wohldosierten, technisch herausragenden Hereingaben hoch an. Da kann man nur uneingeschränkt zustimmen.

Umso schmerzlicher für uns Fans war da natürlich sein Abschied nach Wolfsburg 2017:

„Ich hatte in Augsburg sieben wunderschöne Jahre vom ersten bis zum letzten Tag. Jetzt war die Chance da, für zwei Jahre nach Wolfsburg zu wechseln. Es war keine einfache Entscheidung, weil ich mir hier einiges aufgebaut habe. Augsburg bleibt für mich immer ein spezieller Ort.“

Paul Verhaegh am Tag seines Abschieds (Kicker vom 6.8.2017)

Auch den heute 37-Jährigen dürfte es nicht weniger geschmerzt haben, dass es die Corona-Pandemie war, die ihm letztes Jahr quasi unfreiwillig das Karriereende beschert hatte. Nach zwei Jahren VW-Stadt war er 2019 zu Twente Enschede in sein Heimatland zurückgekehrt, um dort noch eine Weile weiterzuspielen. Doch nach anfänglichem Verletzungspech und dem coronabedingten Abbruch der Erendivisie ließ Verhaegh seinen Vertrag Ende Juni 2020 schließlich ohne großes Aufsehen auslaufen. Seitdem ist er als Co-Trainer in der 2. Niederländischen Liga tätig, beim FC Den Bosch in der Nähe seines Geburtsorts.

Raphael Framberger

Unser „Frambo“ ist ein waschechter Augschburger Jung‘, 1995 geboren im Josefinum. 2004 kam er zur Jugend des FCA und durchlief ab da alle Nachwuchsmannschaften, bis er 2013 zum Profikader stieß. Zuvor vielfach bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga im Einsatz, feierte Framberger sein Bundesligadebüt am 28.1.2017 in Wolfsburg.

Damals musste er kurzfristig für den grippekranken Verhaegh einspringen und durfte gleich von Beginn an ran. Erst lief es gar nicht gut für den damals 21-Jährigen. Nach dessen Foul und fälliger Freistoßflanke stand es schon nach vier Minuten 0:1. Doch Frami bügelte seinen Fehler später wieder aus, indem er Dominik Kohr mit einer Traumflanke zum 2:1-Siegtreffer bediente. Völlig zurecht wurde der Debütant schließlich auch zum Man of the Match gekürt:

Frami – Man of the Match bei seinem Bundesliga-Debüt am 28.1.2017 (Foto: Twitter)

Weitere drei Torvorlagen (alle 2020) in bisher 58 BL-Einsätzen sollten folgen und unterstreichen, welch wertvolle Impulse Framberger auch fürs Augsburger Offensivspiel setzen kann. In Sachen Schnelligkeit macht „Speedy Frami“ ohnehin niemand was vor. In dieser Saison landete er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 34.48 km/h auf Platz drei der schnellsten Augsburger.

Doch womit Frami in seinen mittlerweile fast 17 Jahren beim FCA am meisten zu kämpfen hatte, sind seine vielen und schweren Verletzungen. 2013: OP am Sprunggelenk. 2015: OP am rechten Außenmeniskus. 2016: Kreuzbandriss im linken Knie. 2017: Meniskusverletzung. 2018: komplizierte Bänderverletzung. 2019: wieder Kreuzbandriss, wieder im linken Knie. Und Anfang dieses Jahres schließlich noch ein Muskelfaserriss, der ihn fast zwei Monate außer Gefecht setzte. Die Liste füllt locker mehrere (Fußballer-)Leben, dabei ist der gebürtige Augsburger erst 25.

Trotzdem kämpfte er sich immer wieder zurück. Durch unzählige Rehas, zurück ins Team und auf den Platz. Er hat unseren allergrößten Respekt und endlich viele verletzungsfreie Monate und Jahre verdient!

„Ich war geschockt, als ich von der Diagnose erfahren habe, dass das Kreuzband erneut gerissen ist. […] [Aber] ich kenne das weitere Vorgehen mit Operation und anschließender Reha ja bereits. Ich werde den Kopf hochnehmen und mich auch durch diese Phase zurückkämpfen.“

Kämpfernatur Frami über seinen zweiten Kreuzbandriss (Transfermarkt vom 23.1.2019)

Die Qual der Wahl

Bei diesen vier Jungs will ich es auch belassen. Denn ich bin der Meinung, dass alle, die sonst noch in Frage kommen, irgendwie auf der gleichen Stufe stehen. Und daher will/kann ich niemanden davon besonders herausgreifen. Da wären z.B. Nachwuchstalent Simon Asta, der ebenfalls dauerverletzungsgeplagte Ronny Philp, der schon erwähnte Daniel Opare, den Österreicher Georg Teigl, die Legende Stephan Lichtsteiner, Leihgabe Tin Jedvaj oder der Neuzugang Robert Gumny. Sie alle hatten über kürzer oder länger, als Stamm- oder Ersatzkraft, für die erste oder zweite Mannschaft oder mit mehr oder weniger durchschlagendem Erfolg auf der Rechtsverteidigerposition Anteil an den letzten 10 Jahren Bundesliga.

Abstimmung

Jetzt aber wieder zurück zu den vier Nominierten: Wählt aus ihnen euren Favoriten und gebt ihm eure Stimme. Ihr habt eine Woche lang Zeit. Also:

Wer ist für euch der Rechtsverteidiger des Jahrzehnts?

  • Paul Verhaegh (89%, 114 Votes)
  • Raphael Framberger (5%, 6 Votes)
  • Johnny Schmid (4%, 5 Votes)
  • Dominik Reinhardt (2%, 3 Votes)

Total Voters: 128

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Lasse(t uns) Günther(n)

Am Freitagnachmittag hat der FC Augsburg mit Lasse Günther seinen ersten Neuzugang für die kommende Saison eingetütet. Der 18-jährige kommt aus der FC Bayern-Jugend ablösefrei an den Lech, wo er einen Vertrag bis 2025 mit Option auf einjährige Verlängerung unterschrieben hat. Auch andere Vereine, darunter Premier-League-Clubs wie Liverpool, Chelsea oder Everton, hatten den jungen Offensivspieler umworben. Der entschied sich aber letztlich für den FCA. Warum? Über die Gründe hat die Rosenau Gazette ein paar interessante Infos in Erfahrung gebracht. Und auch darüber, wo Günthers Platz im Team künftig sein könnte. Aber wollen wir den Ex-Bayer doch zuerst einmal vorstellen – oder eben: Lasse(t uns) Günther(n).

Kürzliches Drittliga-Debüt

Gleich nach seiner Vertragsunterschrift wurde der Neuzugang vom Verein zum Interview gebeten. Etwas schüchtern sitzt er da in seinem grünen „Wir der FCA“-Pulli, den er extra fürs Interview mit dem FCA TV übergezogen hat. Aber seine Antworten klingen schon ziemlich professionell. Angesprochen auf seine Ziele mit dem FCA, sagt er:

„[…] Ich hab‘ mir vorgenommen, dem Team bestmöglich zu helfen. Also mein Ziel ist ganz klar, der Mannschaft zu helfen. Wie ich’s auch persönlich schaffe. Also auf dem Platz und hoffentlich auch neben dem Platz. Und so auch meinen Beitrag dazu leisten kann, dass Augsburg weiterhin eine erfolgreiche Bundesligamannschaft bleibt.“

Lasse Günther im FCA TV-Interview vom 28.05.2021

In der Bundesliga hat Lasse Günther bisher noch kein Spiel absolviert. Dafür aber fünf Spiele für die 2. Mannschaft des FC Bayern. Sein Debüt in der 3. Liga gab er vor knapp zwei Monaten in Ingolstadt (31. Spieltag; 2:2). Daneben stand der junge Offensivmann letztes Jahr für den FC Bayern fünf Mal in der UEFA Youth League auf dem Platz, die Real Madrid gewinnen konnte. International absolvierte Günther außerdem schon 13 Länderspiele für die U16- bis U18-Nationalmannschaften des DFB. In zwei Freundschaftsspielen der U17 gegen England erzielte der pfeilschnelle Rechtsaußen sogar jeweils ein Tor.

Offensivmann Lasse Günther wird den FCA ab der kommenden Saison verstärken. Auf welcher Position genau, davon lassen wir uns mal überraschen. (Foto von Eibner Pressefoto via Imag0)

Unkonventioneller Außenbahn-Flitzer

Die rechte Außenbahn – das ist auch die Position, auf der Lasse Günther bisher am meisten von sich reden gemacht hat. Der Linksfuß kann aber auch die andere Seite bespielen, um dort eine seiner größten Stärken aufzufahren: Geschwindigkeit. Es wird berichtet, dass er einmal eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h erzielt hat. Damit würde er sich in die Bundesliga-Spitzengruppe einreihen, in der auch viele seiner früheren „Teamkollegen“ aus der 1. Mannschaft zu finden sind. Alphonso Davies (35.97 km/h; 3. Platz), Kingsley Coman (35.68; 5.) oder Leroy Sané (35.28; 18.).

Bayernnachwuchs-Experten attestieren Günther außerdem eine manchmal unkonventionelle Spielweise, die es dem Gegner nicht leicht mache. „Dabei sucht der den Weg zur Grundlinie genauso wie auch mal den Zug ins Zentrum, um dort abzuspielen oder durchzustecken.“ Nicht umsonst wird Günthers Spielweise oft auch mit der von Arjen Robben in Verbindung gebracht, seinem großen Vorbild.

Junges Verletzungspech

Im Interview wird der FCA-Neuzugang auch auf seine aktuelle Verletzung angesprochen. Laut Transfermarkt ein Innenbandanriss im Knie, der eine Rückkehr Ende Juni in Aussicht stellt. Günther dazu:

„Es war nur eine kleine Knieverletzung, also nicht so schlimm. Ich werde zu Beginn der Saison wieder auf dem Trainingsplatz stehen können. Fang jetzt nächste Woche meine Reha an und wenn’s positiv verläuft, werd‘ ich rechtzeitig fit sein.“

Lasse Günther im FCA TV-Interview vom 28.05.2021

Gerade, dass er in den letzten zwei Jahren recht oft verletzt war, wird ihm aber auch als Schwäche angelastet. Es ist dabei nichts Ungewöhnliches, dass Nachwuchsspieler in Wachstumsphasen mal eine Zeit lang chronische Probleme haben. Ob das bleibt oder sich legt, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Zudem tut sich Lasse Günther manchmal schwer bei der Ballannahme, auch wenn er den Gegner damit ab und an überrumpelt, und beim Torabschluss. Hier flattern vielleicht ab und an die Nerven auch noch, wie man im Spiel des FC Bayern II in Ingolstadt, als Günther in einer Szene zwei Mal hintereinander aus traumhafter Position das Tor verfehlte, sehen konnte.

Heimatnähe statt Fernweh

Wie kam es jetzt aber dazu, dass sich Lasse Günther dafür entschieden hat, unseren FCA zu verstärken, und nicht etwa die englischen Top-Clubs aus England? Wegen des Berufs des Vaters hatte Familie Günther u.a. schon in New York gewohnt, bevor sie dann nach Unterhaching umzog. Dort schloss sich Lasse zunächst für ein Jahr den Hachingern an, für ein weiteres Jahr unserem FC Augsburg, für dessen U13 er kickte. Günther verließ die FCA-Jugend, nachdem ein Angebot vom FC Bayern ins Haus geflattert war. Schon für den damaligen Wechsel vom Lech an die Isar sei für Familie Günther der kürzere Anfahrtsweg zum Trainingsplatz ausschlaggebend gewesen. Die Fahrt an die Säbener Straße dauert nur 10 Minuten.

Auch jetzt war wohl die Nähe zur (Hachinger) Heimat mitverantwortlich dafür, dass der FCA und die Fuggerstadt bei Lasse (wieder) punkten konnte. Zwar heißt es in Medienberichten, dass es wohl das langfristigere „Konzept“ und die „bessere Perspektive“ gewesen sei, weshalb das Talent dem FCA den Vorzug gegenüber seinen Konkurrenten gegeben hat. Dass die Nähe zur Heimat gerade in Lasses Alter zusätzlich ein Hauptargument war, ist in diesem Alter absolut nachvollziehbar und sollte die Entwicklung Lasses beschleunigen.

Einsatzmöglichkeiten bei den FCA-Profis

Auf der Rechtsaußen-Position, die Günther auch in seinen bisherigen Drittliga-Einsätzen vier Mal besetzt hatte, ist der FCA schon recht stark besetzt. Mit den Ü30ern André Hahn und Daniel Caligiuri sind dort erfahrene Kräfte gesetzt, denen das junge Talent aber seine Schnelligkeit voraushat und mit Tempoläufen schnelle Akzente in die Spitze setzen könnte. Ein ganz ähnliches Profil wie Günther haben dagegen unsere Youngsters Marco Richter und Noah Sarenren Bazee, wobei Richter eher zentral zu sehen ist. Zur ernstzunehmenden Konkurrenz könnte Günther allerdings für Bazee werden, der als Ergänzungsspieler ebenfalls wieselflink ist, aber auch immer wieder von Verletzungen ausgebremst wird.

Da Günther auch die linke Seite bespielen kann, wäre er dort auch als Backup für Ruben Vargas denkbar, der als hängende Spitze aber auch neben dem Neuzugang spielen könnte. (Auf diese rasante Kombi wäre ich ja mal sehr gespannt.) Günther sollte auf jeden Fall eine Spielweise zu Gute kommen, bei der er viel Platz hat, um sein Tempo auszuspielen. Und noch eine Einsatzmöglichkeit Günthers mag kann man an dieser Stelle einmal einwerfen: Linksverteidiger könnte auch noch eine Option werden, ähnlich wie bei Alphonso Davies.

Lasse(s) krachen!

Sportdirektor Stefan Reuter war in seinem Presse-Statement zur Vertragsunterschrift des 18-Jährigen überzeugt: „Wir trauen ihm den sofortigen Schritt in unsere Bundesliga-Mannschaft zu und wollen in der neuen Saison weiter an seiner Entwicklung arbeiten.“ Dass Lasse Günther das Potential hat sich beim FC Augsburg in der Bundesliga zu behaupten scheint dabei unstrittig. Nun kommt es für ihn vor allem darauf an, fit zu werden und zu bleiben und weiter an seinen Defiziten zu arbeiten. Dann lässt sich zusammen mit Lasse Günther auch etwas träumen. Denn bei allem sportlichen und gesundheitlichen: jeder, der Lasse kennengelernt hat, bescheinigt ihm ein “Top Junge” zu sein.

Auch wir von der Rosenau Gazette hoffen daher für dich, Lasse, das wir viele gemeinsame Erfahrungen in der Bundesliga zusammen sammeln! Lass dich in der Reha vollends wiederherstellen, hab‘ anschließend einen gelungenen Trainingsauftakt und möglichst lange Phasen ohne Verletzung. Wir freuen uns, dich in unserer schönen Stadt begrüßen zu dürfen und hoffentlich auch bald auf dem Platz!

Wie ja schon auf deinem Pulli stand: „Wir der FCA“, von dem du jetzt auch ein Teil bist.

Datenbrille: Dani, du fehlst

Eigentlich war Teil 3 unserer kleinen Daten-Serie in Zusammenarbeit mit Createfootball schon früher geplant. Aber dann ging es nach dem bitteren 2:3 gegen Köln (31. Spieltag) beim FCA plötzlich hoch her: Trainerwechsel, verlorenes Schlüsselspiel in Stuttgart (32. Spieltag; 2:1) und damit mitten reingeschlittert in den Abstiegskampf, der am Samstag zu Hause gegen den ebenfalls abstiegsgefährdeten SV Werder Bremen (33. Spieltag; 2:0) in einem nervenaufreibenden Fight endgültig vom Tisch war. Da hieß es auch für die Rosenau Gazette: Business as usual is erstmal nich. Der Verein gibt manchmal einfach die Themen vor.

Trotz alledem kann ein kleiner datenbasierter Kadercheck auch jetzt noch zeigen, an welchen Stellen im Mannschaftsgefüge es in dieser so merkwürdigen Saison mehr oder weniger gelaufen ist. Und auch ein wenig erklären helfen, warum der FC Augsburg sich gerade in den letzten, prä-weinzierlschen Spielen so unglaublich schwer getan hat. Eine Frage, die uns dabei auch umgetrieben hat, ist, ob Carlos Gruezo und Tobias Strobl im Mittelfeld den Weggang unseres Capitanos Daniel Baier kompensieren konnten. Was sagen die Daten dazu?

Teil 3 von 3, unser „Daten-Finale“, jetzt also nach dem großen (gottseidank geglückten!) FCA-Saison-Finale.

Offensive: ausbleibende Torgefahr

Dauerbaustelle war in dieser Saison sicherlich die Offensive. Wer die Spiele unserer Jungs in den letzten Monaten verfolgt hat, für den oder die ist das nichts sonderlich Neues. Aber einige Mannschaftsdaten belegen die Probleme im Offensivspiel und die dadurch ausbleibende Torgefahr nochmal ganz eindrücklich.

Der FCA erzielte bisher* die viertwenigsten Tor pro Spiel. Nur die (immer noch) abstiegsgefährdeten Köln und Bielefeld sowie Schalke, seit dem 30. Spieltag erster feststehender Absteiger, schnitten noch schlechter ab. Zudem kamen pro 90 Minuten nur 2.78 Schüsse aufs Tor. Zum Vergleich: In der Saison 19/20, die bis auf die letzten neun Spieltage unter Trainer Martin Schmidt absolviert wurde, waren es noch 3.69. In der Saison 18/19, in der Manuel Baum bis auf die letzten sechs Spiele auf der Trainerbank gesessen hatte, sogar 4.38 Torschüsse.

Personifizierte Torflaute: Flo Niederlechner

Diese Tor- und Torschussflaute verkörperte Flo Niederlechner wie keine andere Offensivkraft in dieser Saison. Bei 24 Einsätzen kam er auf magere 3 Tore. Seine Chancenverwertung ist im Vergleich zur letzten Saison drastisch abgefallen (von 30% auf 17%).

Dabei darf man aber nicht vergessen, dass er unter Herrlich nicht so oft die Chance bekommen hat, sich zu beweisen. Unter Vorgänger Schmidt stand der Mittelstürmer in allen Spielen (25) in der Startelf und durfte fast immer die vollen 90 Minuten durchspielen. Unter Herrlich (40 Spiele) durfte Niederlechner dagegen nur 24-mal von Beginn ran, wurde oft aus- oder erst eingewechselt (18- bzw. 9-mal) und stand 3-mal – ohne Verletzungsgrund – gar nicht im Kader. Im Rückblick sagte er dazu: „Das war keine leichte Zeit für mich in den letzten Wochen, ich hab‘s auch nullkommanull verstanden“.

Dani Baier hat sich beim FCA vor allem durch seine vorwärts gerichteten Pässe fast unersetzlich gemacht. Flo Niederlechner durch seine Buden. (Foto via Imago)

Defensive: innen hui, außen pfui

Die Abwehr zählte in dieser Spielzeit zu den stabileren Mannschaftsteilen. Vor allem die Innenverteidigung spielte eine solide Saison. Zwar ließ man mit 12.42 Schüssen pro Spiel die drittmeisten aller Bundesliga-Teams zu, steht aber mit 1.41 Gegentoren pro Spiel im oberen Liga-Mittelfeld (Platz 8).

Umso schmerzlicher ist da die Sehnenverletzung und -OP von Felix Udoukhai, die ihn jetzt für das Saisonfinale und auch die EM außer Gefecht gesetzt hat. Wie gut er und Abwehr-Jeff Gouweleeuw aufeinander abgestimmt waren, sah man z.B. auch gegen Stuttgart. Denn genau diese Abstimmung zwischen Gouweleeuw und Reece Oxford als Udo-Ersatz war da eben mehrmals nicht geglückt. So hatte der Gegner bei seinen zwei Treffern viel zu leichtes Spiel.

Ausbleibender Support fürs Angriffsspiel

Anders sieht es in der Außenverteidigung aus. Createfootball hat uns hier detaillierte Daten zu Rechtsverteidiger Raphael Framberger, Robert Gumny (rechts/links) und Linksverteidiger Iago im Vergleich zu 46 anderen Außenverteidigern in der Liga zur Verfügung gestellt. Mit einer sehr schwachen Zweikampfführung sticht hier unser Frambo auf der rechten Seite heraus (nur 57.14% erfolgreiche Defensivzweikämpfe und damit ligaweit Platz 41 von 49). Gumny dagegen schneidet hier hervorragend ab (68.49%; Platz 2), auch Iago hat einen überdurchschnittlichen Wert bzw. Rang bei erfolgreichen Defensivzweikämpfen (63.16%; Platz 14). Bei den Luftduellen machen alle drei keine sonderlich gute Figur (Iago: Platz 24, Gumny: Platz 34, Frami: Platz 38).

Das Problem in der Augsburger Außenverteidigung war aber nicht zwingend das Defensivverhalten, sondern die Unterstützung für die Offensive. Das unterstreichen vor allem zwei Werte. In puncto Passgenauigkeit tut sich erneut unser Augsburger Eigengewächs negativ hervor (mit 62.75% angekommener Pässe besetzt Frami den wenig ruhmreichen letzten Platz in der Liga). Und auch Iago (Platz 36) und Gumny (Platz 30) haben sich in diesem Punkt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Bei Frami lief es besser bei Flanken (39.13% angekommene machen Platz 13). Dagegen nimmt hier der Pole mit nur 7.14% (!) pro Spiel den letzten Platz ein. Zum Vergleich: Herthas Peter Pekarik steht hier mit 62.5% erfolgreichen Flanken pro Spiel ganz oben auf dem Treppchen.

Mittelfeld: Schaltung ausbaufähig

Eine Frage, die die RoGaz beim Daten-Kadercheck vor allem mit Blick aufs defensive Mittelfeld beschäftigt hat, war auch: Wie haben sich Tobias Strobl und Carlos Gruezo auf dieser Position in der Nachfolge von Daniel Baier geschlagen? Unser Mittelfeldchef war nach Ankunft Herrlichs in Augsburg im März 2020 bekanntlich mehr und mehr auf die Ersatzbank verbannt worden. Bis sein Vertrag – nach noch zuvor erfolgter Verlängerung – schließlich vorzeitig aufgelöst wurde. Carlos Gruezo, zur Saison 19/20 zum FCA gekommen, hatte Baier bereits so manches Mal auf der Doppelsechs (neben Rani Khedira) ersetzt. Tobias Strobl war dann zur Saison 20/21 – und als möglicher Baier-Nachfolger – neu verpflichtet worden.        

Im statistischen Vergleich zwischen den dreien zeigt sich zunächst das. Alle haben in etwa gleich viele Pässe pro Spiel empfangen (Spanne reicht hier von 18.77 bis 21.97). Bieten sich als Anspielstation im Zentrum also gleichermaßen an. Dasselbe gilt für Zweikämpfe: Strobl, Gruezo und Baier haben hier erneut ziemlich ähnliche Werte (Spanne: 7.69 bis 8.10).

Worin Baier seine Nachfolger allerdings eindeutig aussticht, ist zum einen sein überragendes Abwehrverhalten. Noch in seiner letzten Saison eroberte der 36-Jährige pro Spiel 11.02 Bälle (Strobl: 8.10, Gruezo: 7.78), fing 6.11 Bälle ab (Strobl: 5.01, Gruezo: 4.06) und gestaltete 1.41 Luftduelle erfolgreich (Strobl: 1.05, Gruezo: 0.48). Dani rackerte also, was das Zeug hielt.

Bei Tobias Strobl und Carlos Gruezo, die als Nachfolger unseres Capitanos ins Team rückten bzw. aufgebaut wurden, ist die Vorwärtsschaltung noch ein wenig gehemmt. (Foto: Tim Rehbein/RHR-FOTO/Pool)

Vorwärts mit dem Capitano

Zum anderen lassen sich Baiers Vorzüge aber vor allem in den vorwärts gerichteten Pässen ausdrücken. Mit 14.7 solcher Pässe pro Spiel (Strobl: 12; Gruezo: 9.6) brachte sich der Capitano viel mehr in das Spiel nach vorne ein. Zwar haben seine Nachfolger die leicht bessere Passquote (Strobl: 83.7%; Gruezo: 82.2%; Baier: 79.6%). Aber ihr Spiel war dabei viel eher auf Sicherheits- als auf Risikopässe ausgelegt, die Baier aus seinem Schaltzentrum vor der Abwehr auf die Außen und in die Spitze verteilte.

Kombiniert man jetzt die fehlenden Impulse aus dem Mittelfeld in die Offensive mit den teils schwachen Pass- und Flankenwerten der Außenverteidigung, lässt sich die Torflaute in dieser Saison – auch ganz unabhängig vom glücklosen Niederlechner – vielleicht ein wenig erklären. Ungefähr so: Kein Baier, der die Bälle auf die Außenbahnen oder nach vorne schiebt, plus wenige und unpräzise Pässe in die Gefahrenzone macht eben: ausbleibende Torgefahr.

Durch die Datenbrille haben wir gesehen, dass es an mindestens drei Stellen im Kader in dieser Saison mehr oder weniger große Baustellen gegeben hat. Torflaute in der Offensive, wenig Mithilfe für den Angriff aus der Außenverteidigung und ein kaum aufbauendes defensives Mittelfeld (im doppelten Sinn) wie noch zu Zeiten von Dani Baier. Sie alle hängen – wie in einem Zirkel – miteinander zusammen und haben ihren Teil dazu beigetragen, dass sich der FCA plötzlich in einem Abstiegsszenario wiedergefunden hat, das „die Tabelle bis zuletzt verschwiegen hat“.

„Bauarbeiter“ Weinzierl

Rückkehrer Markus Weinzierl hat sich dieser offenen, durch die Daten sehr ersichtlichen Baustellen jetzt angenommen. Gleich im ersten Spiel gegen seinen früheren Verein VfB Stuttgart zitierte er Flo Niederlechner wieder in die Startelf, der es seinem Trainer auch prompt mit dem zeitweiligen 1:1-Ausgleich dankte. Im Showdown gegen Bremen warf sich Niederlechner nur so in die Zweikämpfe, wobei der wichtigste dann auch in der Ampel-Karte gegen die Bremer resultierte (was für eine Erlösung!). Und auch ganz allgemein sprach Weinzierl dem FCA-Torjäger Nr. 1 der letzten Saison sein Vertrauen aus.

Auch auf die Baustelle Außenverteidigung begab sich Weinzierl sofort. Gegen die Schwaben hatte es sich vor allem Iago – ganz anders als noch im Spiel gegen Köln – in der gegnerischen Hälfte regelrecht gemütlich gemacht. Das zeigen die beiden Heatmaps. Dort machte er 75% seiner ohnehin starken 93% Pässe und flankte auch doppelt so oft wie noch in Köln. Wenn da mal die Baustelle nicht ein gehöriges Stück vorangekommen ist!

Die helle Stelle links vor dem gegnerischen Sechzehner war Iagos Lieblingsplatz gegen Stuttgart. Quelle: Whoscored.com
Gegen Köln hielt sich Iage vor allem in der eigenen Hälfte vor der Grundlinie auf. Quelle: Whoscored.com

Und im (defensiven) Mittelfeld ließ Weinzierl anstatt Strobl neben Rani Khedira, den es nach der Saison bekanntlich zu den Eisernen nach Berlin zieht, nun schon zweimal Routinier Jan Morávek auflaufen. Der 31-jährige Tscheche hatte unter Herrlich zuletzt ersatzweise gegen Frankfurt gespielt, da die beiden Stammspieler für das Match gegen Köln geschont werden sollten. Allerdings hatte sich schon da gezeigt, wie wertvoll Morávek besonders bei der Ballverteilung aus dem (etwas offensiveren) Zentrum nach vorne ist. Und damit vielleicht die Baier’sche Lücke im Schaltkreis besser schließen kann als so manch anderer Spieler…

Bedenkt man jetzt, wie schnell „Bauarbeiter“ Weinzierl mit dem vorhandenen Kader-„Material“ mit ein paar „Umbauten“ passable Ergebnisse erzielen konnte (trotz 1:2 gegen Stuttgart frischer Zug nach vorn; Kampf pur beim 2:0 gegen Bremen), lässt sich jetzt vielleicht auch eine andere Frage besser beantworten. Sie ist in den letzten Wochen unter uns Fans heiß diskutiert worden. Vor allem, als noch Heiko Herrlich die Trainerbank drückte. Nämlich, ob im Augsburger Kader mehr Potential steckt, er es aber (womöglich aus taktischen Gründen) nicht entfalten „darf“. Oder, ob der aktuelle Kader einfach nicht mehr entfalten „kann“, er schlichtweg zu schwach ist. Max vom Rasenfunk hatte dazu eine ziemlich eindeutige Haltung:

Bei denen geht NICHTS, aber auch wirklich NICHTS spielerisch zusammen. Und es KANN nicht sein, dass diese Mannschaft das nicht kann. Sondern diese Mannschaft SOLL halt so spielen, das IS auch ok, aber ich finds megaSCHEIßE.“

Max in der Schlusskonferenz vom 5.4.2021 zum Spiel des FCA gegen die TSG Hoffenheim

Ich finde, angesichts der kürzlich geleisteten Sofort-Arbeiten von Weinzierl kann man Max da durchaus zustimmen. Der Kader kann offenbar mehr, wenn er denn darf. Zudem bin ich zuversichtlich, dass der Trainer Ideen hat, wie er die Lücke schließen kann, die Dani Baier – nun auch datenbasiert bestätigt – offensichtlich im Mittelfeld hinterlassen hat. Spannend wird z.B. auch, wie mit dem Abgang von Khedira umgegangen wird. Das soll hier aber nicht mehr Thema sein. Um Transferangelegenheiten kümmert sich die Rosenau Gazette bald an anderer Stelle. Word!

Danke für den Datensupport

Mit diesem Text geht nun also auch die kleine Daten-Serie zu Ende, die in Kooperation mit den Jungs von Createfootball entstanden ist. Dadurch haben wir Gelegenheit bekommen, zu erfahren, was man sich unter dem (im Fußball nach wie vor noch nicht ganz geläufigen) Beruf des „Datenscouts“ vorstellen kann (Teil 1). Zudem haben wir den 2:1-Sieg des „FC Effizienz“ gegen die TSG aus Hoffenheim datenbasiert besprochen (Teil 2). Und zum Schluss haben wir jetzt eben einzelne Mannschaftsteile durch die Datenbrille inspiziert und dabei festgestellt, dass Dani fehlt (Teil 3). Markus Weinzierl aber schon gute Ideen zum Lückenfüllen gezeigt hat. Danke für euren Support, Mats und Quirin!

Heja!

* Die Saisonwerte stammen vom 26. April, d.h. sie geben den Stand nach 31 Spieltagen wider. So können sie auch für eine vorläufige „Bilanz“ unter Heiko Herrlich stehen, der ja genau nach diesem 31. Spieltag von seinem Trainerposten beim FCA entbunden wurde. Zwar sind die Vergleichswerte aus den Vorsaisons auf der Basis von 34 Spielen zustande gekommen, sodass die Berechnungsgrundlage um 3 Spiele größer ist als bei den Werten für die laufende Saison. Trotzdem lassen sich gerade bei weit auseinanderliegenden Werten – trotz ihrer nicht ganz exakten Vergleichbarkeit – interessante Tendenzen aufzeigen.  

„Verdammte rot-grün-weiße Wattewölkchen“

Die Nachricht, dass Markus Weinzierl als Cheftrainer zum FCA zurückkehrt, verbreitete sich am vergangenen Montagmittag wie ein Lauffeuer. Zwar hatte schon vorher vieles auf eine Rückkehr unseres „Ex“ hingedeutet und in einigen Medien war die Nachricht vom Trainerwechsel schon früher durchgesickert. Aber jetzt war es eben offiziell. Und damit ging die Nachricht auch viral: Die Kommentarspalten auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. quollen nur so über. Ob zur Vertragsunterschrift des neuen-alten Coachs, zu seinem ersten Training mit der Mannschaft oder zur ersten Pressekonferenz zusammen mit Sportdirektor Stefan Reuter.

Irina und ich haben uns in dieser so einschneidenden Woche mal ein bisschen in den Social Media-Kanälen umgesehen und versucht einzufangen, wie die FCA-Fans und -Follower auf den Trainerwechsel reagiert haben und welche Hoffnungen (oder auch Bedenken) sie mit ihm verbinden.

Fans, Ex-Spieler und andere: Markus Weinzierl wird sich über den Großteil der Reaktionen im Rahmen seiner Rückkehr gefreut haben (Foto via Imago).

Einfach erleichtert

Wenn man sich so durch die Nachrichten und Kommentare rund um den Trainerwechsel scrollt, liest man in allen möglichen Variationen immer wieder ein Wort: „Endlich!“ Zur Tabelle unten lassen sich noch viele weitere Posts hinzufügen, die alle in die gleiche Richtung gehen. An ihnen sieht man, für welche Erleichterung es bei vielen Fans gesorgt hat, dass sich beim FCA nun – endlich (!) – etwas in Bewegung gesetzt hat. Denn allerspätestens nach der desaströsen ersten Hälfte im so wichtigen Spiel gegen den 1. FC Köln war klar: Wir mussten raus aus dem Schlamassel, ein „Weiter so“ konnte es nicht geben, ob auf dem Platz, auf der Bank oder in der Führungsetage. Der Wunsch nach Veränderung, der in den letzten Wochen immer größer geworden war, hat sich jetzt also erfüllt. Heiko Herrlich und Iraklis Metaxas mussten ihre Posten als Chef- bzw. Co-Trainer räumen.

Auf die Veränderung beim FCA in Form des Trainerwechsels reagierten viele Fans mit Erleichterung.

Neue FCA-Freude

Neu besetzt wurden die vakanten Posten auf der Augsburger Bank also mit dem in Bayern sehr bekannten Reiner Maurer als Co- und Markus Weinzierl als Chefcoach. Der wurde in den sozialen Medien von vielen Fans auch gleich mal ganz herzlich begrüßt. „Welcome back, Markus“, „Willkommen zurück“ liest man zuhauf. Auch die RoGaz-Redaktion hat den neuen alten Coach, für den es ebenfalls „wie nach Hause kommen“ gewesen sei, schon (begeistert) daheim willkommen geheißen. Für viele Fans ist es – wie für Weinzierl selbst wohl auch- eine Art Rückkehr in die Heimat. Und auch eine Erinnerung an vergangene, an glanzvollere Tage des FCA.

Begleitet werden die Willkommensgrüße der Fans oft von großer Freude. Die Social Media-User*innen posten Herzchen, schreiben, dass sie sich „freuen“, „happy“ oder „der glücklichste Mensch überhaupt“ seien. Bei Twitter-Userin @Kristaldo hat der Trainerwechsel sogar für „verdammte rot-grün-weiße Wattewölkchen“ gesorgt, auf denen sie seither schwebt. Und wenn wir ehrlich sind, fühlt sich das bei uns auch ein bisschen so an. Wieder ließe sich die Liste an Freuden- und Glücksbekundungen, -GIFs und -Stickern noch ein gehöriges Stück erweitern.

Markus Weinzierl wurde zumindest schon mal in den sozialen Netzwerken herzlich begrüßt. Die Freude über seine Rückkehr überwog dabei.

Feuer für Fans und Mannschaft

Jetzt könnte man natürlich einwenden: Freuen wir uns mal nicht zu früh und heben uns unseren Enthusiasmus lieber für später auf. Für den Moment, wenn Markus Weinzierl mit den Jungs in den letzten drei Partien so viele Punkte holen konnte, dass es für den Klassenerhalt endgültig gereicht hat. Seien wir mal lieber nicht zu optimistisch oder naiv. (Zu den eher skeptischen Stimmen kommen wir gleich noch.) Trotzdem zeigen all die freudigen Reaktionen: Der Trainer hat es innerhalb von wenigen Tagen, ja fast Stunden geschafft, unter den Fans neue „Hoffnung“ zu verbreiten, „Lust auf die nächsten Spiele“ zu wecken und das „Feuer“ neu zu entfachen.

Das war in den letzten Wochen und Monaten, wenn überhaupt, zu einem winzigen Glimmstängelchen zusammengeschrumpft. In den sozialen Netzwerken konnte man die Wut, die Resignation und die Lustlosigkeit (gerade nach den desolaten Vorstellungen gegen Schalke, Bielefeld und Köln) sichtlich merken. Viele machten ihrem Ärger mit Kommentaren in Facebook-Gruppen Luft. Wie schnell sich ein solches Stimmungsbild binnen weniger Tage wandeln kann!

“Weinzierl-is-coming-home – Effekt”

Großen Anteil an diesem „Weinzierl-is-coming-home“-Effekt hatte sicherlich die Pressekonferenz am Dienstagmittag. Hier äußerte sich Weinzierl nicht nur, wie „froh“ er selbst einfach nur sei, wieder in Augsburg zu sein. Er erzählte auch von seiner ersten Trainingseinheit mit der Mannschaft, die „mit viel Eifer und Energie“ trainiert habe. War da vielleicht auch schon ein kleines Fünkchen übergesprungen? Zugleich präsentierte er seine Idee für die verbleibenden drei Schlüsselspiele, dem Klassenerhalt und auch darüber hinaus. Sie klang wie eine Hommage an frühere, an erfolgreichere Tage: Der FCA müsse „die eigene Stärke und Identität wiederfinden, aggressiv und mutig sein, ein ekliger Gegner sein“.

Und genau dieses Vorhaben ist es, das uns wie auch viele andere Fans emotional gepackt hat. In den Social Media-Kanälen und auch außerhalb. Denn es ist verbunden mit der begründeten Hoffnung, dass der FCA sich wieder zu einem „aggressiven, laufstarken und leidenschaftlichen Gegner“ entwickelt, gegen den es sich nur unbequem, eben eklig spielen lässt. Dafür gab es von Twitter-User @Urbster dann auch prompt Glückwünsche „an den Rest der Bundesliga“, die sich auf den Augsburger Ekelfaktor schon mal freuen darf.

Nicht zu unterschätzen war an besagter PK unterdessen auch, dass Weinzierl und Reuter, wie wir finden, glaubhaft versichern konnten, ihren früheren Streit beigelegt zu haben. Der war bekanntlich um den Wechselwunsch Weinzierls im Jahr 2016 zum FC Schalke 04 entbrannt. Die beiden lachten miteinander, schäkerten herum und verbreiteten auch aus Sicht von @KEINESAU07 „so eine gute und motivierte Stimmung“, wie man sie beim FCA seit Monaten nicht mehr gehabt habe. Geschenkt, dass da der Witz von Stefan Reuter vielleicht ein bisschen fehl am Platz wirkte. Er hatte im Spaß erklärt, dass man sogar das Hotel-Personal instruiert habe, Rückkehrer Markus Weinzierl bestens zu umsorgen. Der kam echt flach, oder?

Wow, sehr viel „Weinzierl“-Love. Awesome!

„Promi-Fanbase“

Markus Weinzierl scheint auch eine gewisse „Promi-Fanbase“ zu haben, denn auf Instagram finden sich zur Meldung, dass Markus Weinzierl zurück am Lech ist, einige freudige Bekundungen von bekannten (Ausgburger) Persönlichkeiten, wie Ex-Spieler Nikola „Niko“ Djurdjic, Ivonne Mölders oder auch Yannic Bederke, unserem E-Sport-Champion – hierbei benötigt es (augenscheinlich) gar nicht viele Worte:

Promi-Fanbase für Markus Weinzierl

Aber nicht nur „Promi-Love“ schlägt Markus Weinzierl entgegen, sondern auch sehr viel „Crew-Love“ von Instagram-Usern. Der ein oder andere hofft sogar – mehr oder weniger heimlich – von der Europa-League. Hach, das waren noch Zeiten – oder besser: „Einfach herrlich!“ Und auch der neutrale Zuschauer, wie Instagram-User sebastian.gse, freut sich über das „Comeback des Jahres“ von Weinzierl in der Bundesliga.

Während ein User schreibt, Markus Weinzierl hätte Augsburg nie verlassen sollen, freuen sich andere offenkundiger und hoffen auf einen klaren Aufwärtstrend. Am besten schon am kommenden Freitag, wenn es gegen Markus Weinzierls „Ex“, den VfB Stuttgart, geht. Ausgerechnet dann kommt es zu einem Wiedersehen mit dem Club, bei dem Markus Weinzierl am 20.04.2019 rausflog, als der FCA den VfB furios mit 6:0 schlug. Zuletzt finden wir den Vorschlag eines Instagram-Users sehr gelungen, den 26.04.2021 künftig als „Markus Weinzierl“-Feiertag zu titulieren.

Sehr viel Zuspruch für Markus Weinzierl, die Augsburger Solidarität ist wieder stark zu spüren!

Heuchelei, Geldgier und Startschwierigkeiten

Wir hatten ja schon angekündigt, wir wollen auch Stimmen zu Wort kommen lassen, die Weinzierls Rückkehr eher skeptisch gegenüberstehen. Auch diese Stimmen haben ihre Daseins-Berechtigung, aller Euphorie zum Trotze. Allerdings muss man hier tatsächlich zugeben, dass man die zwischen all den freudigen und teilweise überschwänglichen Kommentaren fast schon mit der Lupe suchen muss.

Wir haben trotzdem ein paar gefunden. Während ein User diese Reaktivierung von Weinzierl heuchlerisch findet, werfen wiederum zwei andere Fans dem Trainer eine gewisse monetäre Grundausrichtung vor – wir erinnern uns alle an den ein wenig unrühmlichen Abgang zum FC Schalke 04. Hier sind einige Fans wohl noch nachtragend, was man aufgrund der Art und Weise des Wechsels damals auch niemandem übel nehmen kann. Aber vielleicht verzeiht auch der letzte „angesäuerte“ Fan Markus Weinzierl, wenn er uns den Klassenerhalt beschert?! Zu wünschen wäre es uns, wäre es ihm.

Um Skepsis und eher „missgünstigere“ Kommentare in den sozialen Netzwerken zu finden, mussten wir eine zeitlang suchen…

Um die Skepsis einmal aus sportlicher Richtung zu betrachten, liest sich ein Kommentar von Thilo Gaus ganz gut, denn er drückt aus, was sich statistisch auch tatsächlich belegen lässt. Denn: Markus Weinzierl ist wahrlich kein „Frühstarter“ gewesen mit seinen bisherigen Bundesligatruppen. Wir betrachten einmal die für uns derzeit interessanten drei Spieltage nach Amtsübernahme Weinzierls, wobei er hier in erster FCA-Tätigkeit am besten in die Amtszeit gestartet ist:

  • VfB Stuttgart (09.10.18 – 20.04.19: 3 Spiele – 3 Niederlagen, 0 Tore, 11 Gegentore
  • FC Schalke 04 (01.7.16 – 30.06.17): 3 Spiele – 3 Niederlagen, 0 Tore, 5 Gegentore
  • FCA (01.07.12 – 30.06.16): 3 Spiele – 2 Niederlagen, 1 Remis, 1 Tor, 5 Gegentore

(Quelle: Transfermarkt)

Da kann man ja nur hoffen, dass es in seiner zweiten FCA-Amtszeit, nun in Punkten ausgedrückt, besser läuft. Denn wir brauchen viele und wir brauchen sie schnell.

Zeitpunkt verpasst?

Berechtigterweise mokieren sich die Fans online auch über den ggf. etwas zu späten Wechselzeitpunkt. Herrlich out, Weinzierl in – das hätte man schon gut und gerne vor drei Wochen sagen können. Auch die FCA-DNA ist durch die unterschiedlichen Trainer und deren bevorzugten Spielstile etwas abhanden gekommen, das sagte nicht zuletzt Markus Weinzierl in der Antritts-PK. Auch die Fans sehen dies teilweise so, dass „die geplante Entwicklung nicht voran kommt“, wenn es „jedes Mal wieder einen komplett neuen Plan, wie die Mannschaft spielen soll“ gibt.

Diverse Kommentare zum Spielstil und zum Wechselzeitpunkt in den sozialen Netzwerken

Berechtigt auch durchaus, trotz aller Euphorie, erstmal auf die Bremse zu treten und nach Worten Taten folgen zu lassen. Der Klassenerhalt steht an erster Stelle und der Ernst der Lage sollte erkannt worden sein. Markus Weinzierl, übernehmen Sie!

„Aufgewärmtes Gulasch“

So, nachdem wir nun von ganz viel Liebe, Euphorie und auch etwas Skepsis gelesen haben, wollen wir, im Namen aller FCA-Fans, hoffen: „Der Markus bagt des scho“. Und die Mannschaft natürlich. Denn Christoph Brandwein schwört, dass aufgewärmtes Gulasch mit jedem Mal besser wird. Diesen schönen, bildlichen Vergleich mit dem Trainer wollen wir einfach mal so stehen lassen. Manchmal muss man die vorliegende Situation auch mit etwas Humor und Ironie nehmen, wie der User nstiehl, der (hoffentlich ironisch) fragt, warum man Herrlich eigentlich entlassen hat. Am überzeugenden, attraktiven Offensivfußball liegts sicher nicht.

Wir stimmen dem Insta-Nutzer cansin_17 zu, dass Heiko Herrlich – trotz aller (teilweise berechtigten) Kritik – ein wenig mehr Würdigung und einen Abschiedspost seitens des FCA verdient hätte. Der sucht sich auf den Social Media-Kanälen nämlich vergeblich. Der Bundesligastart des FCA in dieser Saison konnte sich sehen lassen, auch hat er uns letztes Jahr den Klassenerhalt beschert. Ein bisschen mehr (mediale) Anerkennung wäre doch angebracht, auch wenn das Ende etwas unrühmlich war.

Neverending Lovestory

Instagram-User nico_.1878 fasst es unserer Meinung nach sehr gut zusammen. Zu aller Erst steht das schwierige (!) Unterfangen Klassenerhalt im Mittelpunkt. Und erst dann (hoffentlich) eine weitere erfolgreiche „Augsburg-Weinzierl“-Story, wie in seiner ersten Amtszeit, mit Happy End und einer erneuten Europa League Teilnahme? Wir hätten alle sicher nix dagegen…

Reuter raus?

Abschließend stellt sich bei all den Betrachtungen des Trainers noch die provokante Frage, wie es denn mit dem Manager des Clubs weitergeht, der zuletzt nicht mehr so ein glückliches Händchen wie noch vor ein paar Jahren beweist. maxigerstmeier fragte auf Instagram provokant:

Aber dies ist nicht mehr Part diesen Artikels. Zur „Reuterschen Transferpolitik“ werden wir zu gegebener Zeit mehr von Birgit in der RoGaz lesen.

Bis dahin gilt: Nur der FCA! Und hoffentlich haben wir dann schon den Klassenerhalt sicher.

Datencheck: FC Effizienz

Am Ende war die Freude groß über den (Zitter-)Sieg am vergangenen Wochenende gegen die TSG aus Hoffenheim. Oder – wie unsere Birgit in ihrem Rückblick so schön schreibt – über die drei Eier, die uns der FCA ins Osternest gelegt hat. Wir wollen uns erneut mit dem Spiel #FCATSG befassen – diesmal aber mit datenbasierter Unterstützung. Die haben wir von Createfootball bekommen, mit denen schon Teil 1 unserer kleinen „Daten-Serie“ entstanden ist. Darin hat uns Firmengründer Mats zum Thema „Datenscouting“ Rede und Antwort gestanden.

In Teil 2 geht es aber nicht nur etwa um die brutale Effizienz, die unsere Jungs auch gegen die TSG an den Tag gelegt haben. Im Vorausblick aufs kommende Wochenende auf Schalke werden wir uns auch diesen Gegner datenbasiert vorknöpfen. Und dabei feststellen, dass wir ihn keinesfalls unterschätzen dürfen. Denn trotz aller Misere auf dem Platz und im Verein: Der FC Schalke 04 hat nach wie vor seine Stärken!  

Mit Effizienz zum Sieg gegen die TSG

„Mit Mut, Wille, Kampfgeist und Selbstvertrauen spielten unsere Jungs bissig und vor allem auch sehr effizient.“ So hat Birgit vor allem die ersten 30 Minuten im Spiel gegen Hoffenheim am Samstag beschrieben. Dass sie da den Nagel auf den Kopf getroffen hat, werden nicht nur die meisten FCA-Fans so sehen. Das zeigen auch die Daten.

Die untermauern nämlich diese Augsburger Effizienz. Wie schon beim 3:1 gegen Borussia Mönchengladbach am 25. Spieltag waren auch beim 2:1 an diesem 27. Spieltag alle Schüsse, die aufs Tor kamen (nämlich genau zwei), gleichzeitig Tore. Wie wenig der FCA sonst vor dem Hoffenheimer Tor aktiv war, zeigen die lediglich fünf Ballkontakte, die er im gegnerischen Strafraum verzeichnen konnte. Nur im Heimspiel gegen die FC Bayern im Januar (0:1) waren es noch weniger (4).

Auch der Augsburger Ballbesitzanteil war wieder einmal sehr gering (34.7%). Laut Kicker waren es sogar nur 30%, auf der offiziellen DFL-Seite „noch“ 39%. Der FCA „verschwendete“ also keine Energie darauf, zu versuchen mit dem Ball in gefährliche Räume vorzudringen, sondern konzentrierte sich lieber auf die Nutzung seiner wenigen Chancen nach Umschaltspiel. Und das tat er eiskalt. Effizient eben.

Ruben und André freuen sich über ihre (endseffizienten) Treffer (Foto: Bernd Feil M i S Pool via Imago)

Konter als neue Spezialität?

Laut Createfootball fahren unsere Jungs im Schnitt 3.1 Konterangriffe pro Spiel. Bei der Niederlage im Breisgau (0:2) waren es überdurchschnittlich viele (9), gegen die Kraichgauer jetzt auch wieder 8. Auffällig war dabei erneut die extrem hohe Effizienz, mit der sich der FCA aus diesen Konterangriffen seine Torschüsse erspielt hat. Gegen Freiburg wurden aus 44.4% der Konter Torschüsse, gegen die TSG immerhin aus 37.5%. Und was zuletzt – zumindest gegen Gladbach und die TSG – aus unseren Torschüssen zu 100% wurde, wissen wir ja.  

Kämpferisch und defensiv stark

Dass wir gegen die TSG großen Kampfgeist gezeigt haben, geben auch die Createfootball-Daten her. Ganze 261 Zweikämpfe haben wir letzten Samstag geführt. Nur beim Sieg bei Arminia Bielefeld Ende letzten Jahres (1:0) waren es noch mehr. Zum Vergleich: Im Saisondurchschnitt tragen wir sonst 205 Zweikämpfe aus. Gerade die Defensive um Jeff Gouweleeuw, Felix Udoukhai und Co. gewann starke 70.9% aller Zweikämpfe. Der Saisondurchschnitt liegt hier sonst bei 60.7%. Gerade unser Abwehr-Jeff tat sich zudem mit 8 wichtigen Clearances hervor, mit denen er die Mannschaft vor möglichen weiteren Hoffenheimer Toren bewahrte.

Statt effizient zurückhaltend?

Mit Effizienz, (neuer) Konterspezialität und Kampfstärke vor allem in der Defensive haben sich mit den Daten vor allem positive Aspekte im Augsburger Spiel gegen Hoffenheim gezeigt. Dass der FCA in letzter Zeit sehr effizient war, stellte z. B. auch die Sportschau oder der Kicker fest. Man könnte die Effizienz, die ja letztlich aus dem Verhältnis zwischen den Schüssen aufs Tor und den tatsächlich erzielten Toren entsteht, jetzt aber auch anders sehen, wenn man kritisch mit dem FCA sein möchte…

Gerade in der zweiten Hälfte gegen die TSG ist der FCA ja wieder „in das altbekannte Muster ‚Ergebnis verwalten‘“ verfallen, hat genau 0 Schüsse aufs Tor gebracht und die TSG damit zurück ins Spiel kommen lassen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die wenigen Augsburger Torschüsse, kombiniert mit den wenigen Ballkontakten im gegnerischen Strafraum und wenig Ballbesitz, nicht mehr unbedingt „effizient“. Vielmehr sprechen sie jetzt für spielerische Zurückhaltung oder die (in letzter Zeit ebenso häufig thematisierte) Passivität, die das Herausarbeiten von Torchancen erschwert. Und diese Passivität, quasi die umgedreht gesehene Effizienz, könnte man dem FCA nun eben genauso gut negativ anlasten.

Das will ich aber gar nicht unbedingt; gegen die TSG haben wir einfach zwei Hälften gesehen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und ich bin nach wie vor einfach nur dankbar, dass der FCA den Sieg über die Zeit retten konnte. Ich wollte hier nur kurz zeigen, dass man Daten manchmal eben auch anders lesen kann.  

Unser (klärender) Abwehr-Jeff (Foto: Frank Hoermann SVEN SIMON POOL via Imago)

Wo Schalke besser als der FCA abschneidet

Jetzt aber weg vom vergangenen Samstag, hin zum kommenden Sonntag. Und damit zu #S04FCA, zu dem uns Createfootball zusätzlich eine Preview geschickt hat. (Vielen Dank nochmal dafür an dieser Stelle!) Und die beginnt mit ein paar Aspekten, in denen Schalke besser abschneidet als der FCA. Wenngleich sich die Königsblauen mit ihren gerade einmal 10 Punkten nach wie vor weit abgeschlagen auf Platz 18 der Tabelle wiederfinden und den Abstieg in Liga 2 wohl kaum mehr abwenden können.

Ballbesitz, -eroberungen, Luftduelle und „Progressive Runs“

Trotz dieser verheerenden sportlichen Lage hat Schalke im Vergleich zum FCA (41.2%) überdurchschnittlich viel Ballbesitz (46%). Rot-Grün-Weiß hat damit den geringsten Ballbesitzanteil der Liga. Den ligaweit niedrigsten Wert hat der FCA auch bei den Balleroberungen pro Spiel (51.4), wohingegen sich Schalke mit einem Wert von 72.3 sogar mit Teams wie Leverkusen, dem BVB, RB und Bayern messen kann (das aber natürlich unter Vorbehalt).

Auch in puncto Luftzweikämpfe hat der FCA das Nachsehen gegenüber den Schalkern. Die gewinnen 47% ihrer Luftzweikämpfe und sind darin 17-mal erfolgreich in einem Spiel, während die Augsburger nur 43.4% und 14 gewinnen – wieder der schlechteste Wert in der Liga. Ein bisschen besser schneidet der FCA hingegen bei sog. „Progressive Runs“ ab. So wird eine Spielphase genannt, in der ein Spieler kontinuierliche Ballkontrolle ausübt und damit versucht, die Mannschaft deutlich näher an das gegnerische Tor heranzuführen. Da ist er mit 10.3 solcher Runs pro Spiel „nur“ viertletzter der Liga, während Schalke auf 12 kommt.

Auch morgen wird es zu Luftduellen kommen. Wer wird diesmal die Oberhand gewinnen. (Foto: Bernd Feil/M.i.S/Pool via Imago)

Wo der FCA die Trümpfe im Ärmel hat

Für Schalke hört sich das alles gar nicht mal schlecht an. In den angesprochenen, statistischen Kategorien ist es eher der FCA, der hier schlechter wegkommt. Doch jetzt kommt natürlich das dicke fette Aber, das besser erklären kann, warum der FC Schalke 04 so tief unten drin hängt. Und wo ihn der FCA (hoffentlich auch mit Blick auf Sonntag!) übertrumpfen kann, zur vorzeitigen Sicherung der Klasse ja fast muss.

Hinten die Schießbude der Liga

Die härteste Währung sind im Fußball immer noch die Tore. Und da hat Schalke mit 71 gegen sich einfach viel zu viele bekommen. Alle anderen Teams kommen nicht einmal auf 50. Beim FCA stehen aktuell 41 Gegentore auf dem Konto. Das sind genauso viele wie bei unseren direkten, oberen Tabellennachbarn aus Freiburg, Gladbach und Stuttgart. Dieser „Gegentorflut“ bei Schalke entspricht, dass sie in einem Spiel 15.1 Schüsse aufs eigene Tor und damit die meisten der Bundesliga zugelassen haben. Mit einem Wert von 12.6 ist der FCA hier „nur“ drittschlechtester.

Schaut man auf die Daten, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass zu den vielen Gegentoren und Schüssen aufs Tor auf Schalke auch deren extrem schwaches Zweikampfverhalten geführt hat. Mit nur 57.1% gewonnenen Defensivzweikämpfen verzeichnen die Schalker ligaweit wieder den schlechtesten Wert. Der FCA kommt hier hingegen auf 61.8% – die zweitbeste Quote der Liga!

Ob wir diese verwunderten Blicke nach Gegentoren morgen auch genießen dürfen? (Foto via Imago)

Vorne Ladehemmungen

Auch in umgekehrter Richtung ging bei Schalke nur wenig. Nur 17-mal rappelte es im gegnerischen Netz, bei den Gegnern des FCA immerhin 29-mal. Createfootball macht bei Schalke zudem eine gehörige Flankenschwäche aus, die für Tabellenplatz 18 mitverantwortlich sein kann. Nur 2.3 und damit ligaweit die wenigsten Flanken kamen in einem Spiel bisher an, beim FCA waren’s immerhin 3.1. Allerdings sind, so Createfootball, im Schalker Offensivspiel auch (zunehmend) Bemühungen zu erkennen, schnelle Spieler wie Mittelfeld-Allrounder Amine Harit oder den linken Verteidiger Sead Kolašinac über die Außenbahn Tiefenläufe machen zu lassen und über diesen Weg zum Torerfolg zu kommen.     

Lehren für Sonntag

Was lernen wir zusammenfassend aus den Daten von #FCATSG und #S04FCA für Sonntag? Dass wir auf eine starke Defensive bauen können und auch müssen, um (immer noch zu viele) Schüsse aufs Tor zu verhindern. Die könnten womöglich vermehrt über die Schalker Außen (Harit und Kolašinac sind beide voraussichtlich gesetzt) vors Tor befördert werden. Wobei die Daten eher gegen königsblauen Flankenerfolg sprechen.

Im Gegenzug haben die Daten die gnadenlose Augsburger Effizienz beim Torabschluss bestätigt, die wir vor allem gegen die TSG und Gladbach gesehen haben. Zusätzlich wäre aber auch eine Portion mehr Angriffslust und Risiko nach vorne schön, von mir aus auch gerne in Form von sich gerade offenbar häufenden Kontern. Als Vorbild könnte da doch hervorragend die Bilderbuch-Hälfte aus dem Spiel gegen Hoffenheim dienen!

Ruben Vargas, Matchwinner gegen die TSG mit je einem Tor und Assist, hat seine Magenprobleme inzwischen auskuriert. Jetzt macht aber eine Trainingsblessur seinen Einsatz gegen Schalke noch ungewiss. Dafür hat sich Frami, der wie Vargas zur zweiten Halbzeit ausgewechselt wurde (wegen Schwindel nach Zusammenprall), für Sonntag fit gemeldet. So ist die Fanaufstellung von letzter Woche fast wieder komplett und es kann heißen:

Bitte macht’s nochmal, Jungs! Heja!