Punktuell Ersatz, aber kaum Verstärkung

Im August ist in Bayern Urlaubszeit. Auch ich war unterwegs. Mit dem Kanu auf allerlei deutschen Flüssen. Dabei habe ich aber auch ein bisschen Urlaub genommen von unserem FC Augsburg. Nach dem verpatzten Saisonauftakt gegen Freiburg wollte ich eine Weile einfach nichts hören und sehen. Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft aber natürlich auch nichts. Das wissen wir FCA-Fans nur zu gut. Und so will ich, was unseren Lieblingsverein angeht, wieder etwas konstruktiver sein und mal versuchen, die zurückliegende Transferperiode zu bewerten. Top oder flop? Gehen wir’s an.

Heißer Sommer?

Am 1. Juli öffnete das Sommertransferfenster, am 1. September um 18.00 Uhr schloss es und dauerte dieses Jahr sogar einen Tag länger als sonst. Der Anfang Juni frisch zum Verein gestoßene Enno Maaßen musste sich wahrscheinlich erst einmal mit dem vorhandenen Kader auseinandersetzen. Daher blieb die Augsburger Wechselgerüchteküche am Anfang noch ziemlich kalt. Eiskalt, wenn ihr mich fragt. Verglichen mit der Konkurrenz.

Nach der anfänglichen Kühle tat sich aber noch etwas und allmählich konnte man das mittlerweile schon bekannte FCA-Schema beobachten: Weil der Verein versucht, möglichst wenig vorher durchsickern zu lassen, hört man über die Medien erst nichts und dann innerhalb kürzester Zeit plötzlich ganz viel. Von der Gesprächsaufnahme über die Vertragsmodalitäten bis hin zur offiziellen Bekanntmachung. Im Grunde lief es bei den „größeren“ Ins und Outs des diesjährigen Sommers, die ich euch jetzt vorstellen will, wieder exakt so.

Zugänge

Mergim Berisha

Einen Tag vor dem Deadline-Day sicherte sich der FCA die Dienste von Stürmer Mergim Berisha, der leihweise für ein Jahr von Fenerbahce Istanbul kommt. Die Torgefährlichkeit des 24-Jährigen hatte zwar in seiner vergangenen Süper Lig-Saison gelitten. Aber genau um seine Bilanz durch Spielpraxis wieder aufzubessern und sich den Wunsch Bundesliga zu erfüllen, schloss sich der Mittelstürmer, der auch als hängende Spitze und Vorlagengeber fungieren kann, dem FC Augsburg an. Der hat mit seiner Leihgabe, die ihm um die 300.000 Euro kostete, einen guten Deal gemacht. Er könnte sich in der aktuell schwächelnden Offensive bezahlt machen. In der Form, die Berisha 2020/2021 bei RB Salzburg gezeigt und die ihm u.a. auch zum Titel des U21-Europameisters verholfen hat, könnte das klappen. Zudem braucht der robuste Stürmer, zu dem ihr hier weiteren Gazetten-Content findet, Hilfe aus dem Mittelfeld.

Ermedin Demirović

Berisha stößt in der Sturmspitze auf seinen möglichen Partner Ermedin Demirović, der im Tausch mit Michael Gregoritsch als erster Sommertransfer vom SC Freiburg gekommen war und beim FCA einen Vertrag bis 2026 unterschrieben hat. Der bosnisch-herzegowinische Nationalspieler lernte seine neuen Teamkollegen noch im Trainingslager kennen. Seine Stärken, u.a. den direkten Weg zum Tor, konnte er in den ersten Spielen aber noch nicht ausspielen. 1,5 Schüsse pro Spiel in den vergangenen vier Spielen, in denen Demi zur Startelf gehörte, sind für einen „echten“ Neuner gelinde gesagt viel zu wenig. Diese Harmlosigkeit vor dem Tor stellt zur Verteidigung des gebürtigen Hamburgers, der wie Berisha 24 ist, allerdings kein individuelles Problem dar. Es ist ein Teamproblem. Womöglich lässt sich das mit Berisha als zweiter Sturmspitze neben Demi zumindest lindern. Dieser soll seinen neuen Kollegen übrigens gut aufgenommen haben.

Elvis Rexhbecaj

Im Grunde aus der Not heraus geboren wurde der Transfer von Elvis Rexhbecaj. Nur vier Tage, nachdem Ende Juli feststand, dass Leistungsträger Niklas Dorsch wegen eines Mittelfußbruches im defensiven Mittelfeld länger ausfallen wird, tütete das Management um Stefan Reuter den Neuzugang vom VfL Wolfsburg für ca. 1,7 Mio. Euro plus Boni ein. Die relativ kurze Reaktionszeit muss man hier lobend hervorheben. Und auch, dass der 24-jährige Deutsch-Kosovare im Mittelfeld vielseitiger als „nur“ als Ersatz für Dorschi einsetzbar ist. Nämlich auch im zentralen und offensiven Mittelfeld, wie das z.B. in Bochum, Elvis‘ letzter Leihstation, der Fall war. Auch beim FCA übernahm er in den vergangenen Ligaspielen und im Pokal zum Teil diese Rolle. Jedoch noch nicht allzu erfolgreich. (Zu) viele Pässe kamen nicht an, einige Male fehlte der Biss, um in den Zweikampf mit dem Gegner einzusteigen. Trotzdem kann sich Elvis, zu dem ihr hier noch mehr von uns lesen könnt, auch nach Dorschis Rückkehr durchaus zur soliden Ergänzung im (gesamten) Mittelfeld mausern. Nicht umsonst wurde er längerfristig bis 2026 verpflichtet.

Julian Baumgartlinger

Dagegen wurde der 34-jährige Routinier Julian Baumgartlinger zunächst nur für ein Jahr verpflichtet. Bis zum 1. Juli 2022 ist Bayer 04 Leverkusen sein letzter Arbeitgeber gewesen. Zwar hat der Österreicher ganze 239 Bundesligaspiele vorzuweisen und bringt auch ordentlich Erfahrung aus seinem Nationalteam mit. Allerdings ist auch die Verletzungshistorie des defensiven Mittelfeldmanns nicht von schlechten Eltern. In seiner letzten Saison bei der Werkself stand er insgesamt keine 90 Minuten (!) auf dem Platz. Daher halte ich die kurze Vertragsdauer für sinnvoll, um darüber hinaus kein Risiko mit Verletzungen einzugehen. Wenn die Gesundheit hält, kann Baumgartlinger mit seiner Erfahrung und Ausstrahlung durchaus eine wertvolle Ergänzung auf der Sechserposition sein. Weitere Details zu ihm findet ihr hier.

U19-Linksverteidiger Aaron Zehnter hat im Juni einen Profivertrag bekommen – und nach der Saison vielleicht ein paar Einsatzminuten. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Weitere Zugänge

Neben diesen „echten“ Neuzugängen in der heißen Phase der Transferperiode gibt es auch Personalien, die schon vorher bekannt waren. Schon im Februar sicherte sich der FCA ablösefrei die Dienste des damaligen Fürthers Maximilian Bauer (22). Als Profiteur von der Verletzung von Felix Uduokhai und Reece Oxford hat er sich in der Innenverteidigung inzwischen zum Stammspieler aufgeschwungen, obwohl er ursprünglich nur als Backup gedacht war. Der gebürtige Niederbayer würde sich über mehr Konkurrenz sogar freuen. Dass Arne Maier (23), der nach Leihe von Hertha BSC für angeblich 5 Mio. verpflichtet wurde, im zentralen Mittelfeld unverzichtbar ist, muss ich, glaube ich, nicht weiter erklären. U19-Linksverteidiger Aaron Zehnter (17) bekam im Juni von Stefan Reuter einen Profivertrag unterbreitet, während die Leihe von Rechtsaußen Lukas Petkov (21) beim SC Verl endete. Beide Youngsters dürfen sich zumindest Kurzeinsätze im Seniorenteam erhoffen. Auf Torwart Benjamin Leneis (23), ebenfalls nach Leihe an den Lech zurückgekehrt und nun vierter Torhüter, trifft das hingegen nicht zu.

Abgänge

Michael Gregoritsch

Wie schon unter den Zugängen geschrieben, verabschiedete sich unser „Gregerl“ Anfang Juli im Tausch mit Demirovic ins Breisgau. Vor Saisonbeginn gab es nicht wenige, die bei diesem Geschäft leichte Vorteile auf Seiten des FCA sahen. Jetzt, nach fast fünf Spieltagen, muss man leider neidlos anerkennen, dass sich das Blatt eindeutig in Richtung SC Freiburg gewendet hat. Der 1,93 Meter-Hüne ist in Topform. Er hat in fünf Spielen bereits drei Mal selbst getroffen und ein Tor vorbereitet. Dagegen kommt Demi nur auf ein Tor und eine Vorlage. (Wobei das Sonntagsspiel gegen die Hertha hier noch nicht eingerechnet ist.) Natürlich können sich diese Quote noch ändern, aber zum jetzigen Stand kann man Gregoritschs Transfer aus Augsburger Sicht nicht anders als mit einem weinenden Auge beurteilen.

Michael Gregoritsch dreht unter der Ägide von Christian Streich weiter auf – so weh es dem FCA-Herz tut. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Ricardo Pepi

Dass Ricardo Pepi, der erst Anfang Januar für die Rekordsumme von ca. 16 Mio. Euro aus der MLS an den Lech gewechselt war, kurz vor Schließen des Transferfensters noch verliehen wurde, wunderte eigentlich niemanden so recht. Er agierte bisher glücklos, schien in Augsburg immer noch nicht recht angekommen zu sein. Dass er beim niederländischen FC Groningen Spielpraxis und Selbstvertrauen sammelt, ist ihm mehr als zu wünschen. Und trotzdem wirkt diese Entscheidung von Vereinsseite wie ein Fehlereingeständnis. Wie ein Fehler, den man mit der Leihe des 19-Jährigen möglichst wieder ausbügeln will. Mindestens finanziell ist er aber nicht mehr so schnell reparabel. Da ändert auch die mutmaßliche Gebühr von 500.000 Euro nichts im Geringsten. Das ist der mächtig bittere Beigeschmack an der Pepi-Leihe.

Weitere Abgänge

Am Deadline-Day verlieh der FCA außerdem noch Jungstürmer Maurice Malone (22) für ein Jahr zum Wolfsberger AC in die Österreichische Bundesliga. Es ist seine dritte Leihe. Die neu geholte Konkurrenz im Sturm ist aber zu groß für ihn. Zu Austria Lustenau nach Österreich ging es leihweise auch noch für Henri Koudossou, 23-jähriger rechter Mittelfeldspieler aus der U23, der erst im Juni seinen ersten Profivertrag bei Augsburg unterschrieben hat. Auch Felix Götze (24), defensives Mittelfeld, wurde kurz vor „Ladenschluss“ erneut verliehen. Nach Kaiserslautern ist für ein Jahr nun Rot-Weiß Essen an der Reihe, wobei RWE in der Kaufpflicht steht, sollte es den Verbleib in der 3. Liga schaffen. Schon etwas früher hatte es auch Linksaußen Lasse Günther (19) leihweise in die 2. Liga zum SSV Jahn Regensburg verschlagen. Durch die Rückkehr von Ruben Vargas wahrscheinlich ebenfalls vor allem konkurrenzbedingt.

Einige Abgänge wurden auch schon vor Beginn der heißen Transferphase am 1. Juli besiegelt. Von Mittelfeldmann Tim Civeja (20), der sich zum FC Ingolstadt in die 3. Liga ausleihen ließ, weil er in der vergangenen Saison in der ersten Mannschaft keine Einsatzminuten bekommen hatte. Und vom rechten Außenverteidiger Jozo Stanić (23), der leihweise in die erste kroatische Liga wechselte. Darüber hinaus wurde der einjährige Leihvertrag von Andi Zeqiri (23) nicht verlängert. Ebenso wenig wie die Verträge der Urgesteine Jan Morávek (32) und Alfred Finnbogason (33). Mora, der zu seinem Stammverein Bohemians Prag zurückgekehrt ist, soll gegen die Hertha verabschiedet werden. Für Finnbo, der beim dänischen Lyngby BK anheuerte, werden ebenfalls Termine geprüft. Das klingt wie Musik in meinen Ohren!

Fazit

Um es erst kurz zusammenzufassen: Die „großen“ Augsburger Transfers des Sommers sind Berisha (ca. 300.000 Euro, Leihe), Demirovic (0 Euro, Tausch), Rexhbecaj (1,7 Mio. Euro) und Baumgartlinger (ablösefrei) auf der Seite der Zugänge. Schon zuvor wurden Bauer (ablösefrei) und Maier (5 Mio. Euro) verpflichtet. Auf der Seite der Abgänge verzeichnen wir Gregoritsch (0 Euro, Tausch) und Pepi (500.000 Euro, Leihe) sowie eine Reihe von jungen Spielern, deren Verleihgebühren – wenn überhaupt – nicht ins Gewicht fallen dürften.

Auf der In-Seite wirkt das erst einmal ordentlich. Gerade wenn man sich diese Passage aus dem Kicker kurz nach Amtsantritt des neuen Trainers in Erinnerung ruft:

„Maaßen hält den Kader prinzipiell für gut und ausgewogen, auch von der Altersstruktur her. Den Nachwuchs möchte er fördern – das verlangt auch Reuter – und während der Vorbereitung schauen, auf welchen Positionen vielleicht doch Bedarf an Neuzugängen besteht. Am ehesten wohl in der Offensive. ‚Wir wollen niemanden für die Breite. Wenn, dann soll uns ein Neuer besser machen‘, sagte er.“

Passage aus dem Kicker vom 20.06.2022

Dieser Bedarf wurde offenbar in der Offensive gesehen, die daraufhin im Grunde jetzt ja komplett umgekrempelt wurde. Berisha und Demi ins erste Glied als Verstärkung, Florian Niederlechner ins zweite, Pepi und Malone verliehen. Bumm! Allerdings ist Demirovic im Vergleich zu Gregoritsch leider noch keine Verstärkung, sondern allerhöchstens Ersatz. Zusammen mit Sturmneuling Berisha könnte sich das aber bessern.

Dass sich Niklas Dorsch erneut so schwer verletzen würde, konnte niemand ahnen. Den sich dadurch eröffnenden Bedarf im defensiven Mittelfeld hat die Führungsebene schnell mit Rexhbecaj und Baumgartlinger geschlossen. Vor allem Rexhbecaj macht Fortschritte, im Mittelfeld dieser Ersatz zu sein. Da der Österreicher für die 6er-Position zuständig ist, plant man mit Elvis eher zentral. Allerdings ist er hier auch noch keine Verstärkung. Vielmehr hätte man im kreativen Mittelfeld zusätzlich jemanden gebraucht. Wie dünn es auf dieser Position aussieht, zeigt sich an der kürzlichen Verletzung von Freddy Jensen. Und was ist, wenn auch noch Maier ausfallen sollte?

Laut Medienberichten fahndete der FC Augsburg – neben Offensivkräften – durchaus auch nach weiteren Spielern auf dieser Position. Symptomatisch ist hier aber z.B. ein Jens Stage vom FC Kopenhagen, der bereits Anfang des Jahres vom FCA hofiert wurde, den im Sommer allerdings nun Ligakonkurrent Werder Bremen für 4 Mio. Euro zu sich locken konnte. Einfach nur ärgerlich.

Lauwarmer Sommer

An den relativ niedrigen Ausgaben (s.o.) sieht man, dass der FCA erpicht darauf war, im Sommer keine allzu großen Transfersummen zu verausgaben. Sein anfängliches Argument war ja auch: Der Kader sei gut und ausgewogen. Dass einige Mannschaftsteile wie z.B. das zentrale Mittelfeld aber Nachholbedarf hatten, wurde zu Saisonstart offensichtlich. Auch für die anderen. Dadurch konnten sie den FCA womöglich in seiner Verhandlungsposition schwächen. Von ihm in seiner „Not“ höhere Preise verlangen. Letztlich hat sich die sportliche Leitung wahrscheinlich aber selbst in diese schwierige Lage manövriert. Mit dem 16 Millionen-Transfer von Pepi hat sie suggeriert, Geld zu haben, das die Konkurrenz womöglich jetzt von ihr verlangt. Das sie mittlerweile aber nicht mehr hat und auch nicht in vergleichsweise „billige“, aber notwendige Transfers wie Stage stecken kann. So müssen die Löcher in der Zentrale und auf der Rechtsverteidigerposition ungestopft bleiben. Ich hoffe nur, dieser lauwarme Transfersommer, der er letztlich war, rächt sich nicht.

Der Dritte im Bunde

Nicht wenige von uns FCA-Fans sitzen seit Tagen vor den Endgeräten und hoffen inständig darauf, dass unser Lieblingsclub vor Schließen des Transferfensters noch zuschlägt. Gestern verbreitete sich auf Social Media dann (endlich) eine neue Nachricht. Nicht einmal einen Tag später machte sie der FC Augsburg offiziell: Mergim Berisha, Mittelstürmer in Diensten von Fenerbahce Istanbul, wird bis Saisonende leihweise an den Lech kommen. Gegen eine Gebühr von kolportierten 300.000 Euro mit Kaufoption. Griaß di, Mergim! Herzlich willkommen in unserer schönen Stadt!

Aber mit wem bekommen wir es da eigentlich zu tun? Und wie kann Berisha dem FCA weiterhelfen?

Von Oberbayern nach Salzburg

Die Fußballerkarriere von Mergim Berisha nimmt schon recht früh konkrete Formen an. 1998 im oberbayerischen Berchtesgaden geboren, kickt der heute 24-Jährige zunächst für den benachbarten FC Bischofswiesen, zu dem er bis heute eine gute Beziehung pflegt. Mit zehn Jahren zieht es den Sohn kosovo-albanischer Eltern dann ins österreichische Salzburg, wo er ab 2008 neben dem Gymnasium auch die Fußballakademie von RB Salzburg besucht und dort alle Jugendmannschaften durchläuft.

Zu seinem Profidebüt kommt Berisha mit knapp sechzehneinhalb Jahren im November 2014 beim FC Liefering, dem „Farmteam“ des RB Salzburg, das damals noch erstklassig spielt. Sein Profieinstand hätte für den Jungspund nicht besser laufen können. Zum 3:0-Sieg seiner Mannschaft steuert er gleich mit seinem ersten Ballkontakt den dritten Treffer bei.

Sozusagen aufgezogen im RB-Stall, unterschreibt Mergim Berisha seinen ersten Profivertrag dann auch fast folgerichtig bei Salzburg.

Geballte Erfahrung als Leihspieler

Gerade in seinen Anfangsjahren als Fußballprofi kann Mergim aber auch außerhalb Salzburgs reichlich Erfahrung sammeln. Im Sommer 2017 wird er für eine Saison an Ligakonkurrent LASK Linz verliehen, der damals von Oliver Glasner trainiert wird. Dort erledigt er, bevor er einen Bänderriss erleidet, seinen Stürmerjob so gut, dass ihn der heutige Frankfurt-Coach gerne behalten hätte. Doch im Folgejahr verleiht Berishas Arbeitgeber ihn weiter. Erst an Zweitligaaufsteiger FC Magdeburg, wo er jedoch keine Rolle spielt. Daher geht es Anfang 2019 zurück in die österreichische Liga zum SCR Altach, wo der Stürmer nun nachhaltig auf sich aufmerksam macht. In dieser Zeit wird er auch erstmals für die deutsche U21-Nationalmannschaft nominiert.

Davon wohl beeindruckt, holen die Salzburger Berisha 2020 wieder zu sich. Die ersten Monate kann sich der mittlerweile 21-Jährige zwar noch nicht recht gegen seine Konkurrenz durchsetzen. In der Saison 2020/2021 gelingt ihm dann aber der endgültige Durchbruch. Mit der österreichischen Meisterschaft, dem Cup und der U21-Europameisterschaft flattert Berisha ein Titel nach dem anderen ins Haus. Ganz zu schweigen von seinen sechs Einsätzen in der Champions League in jener Spielzeit. Nach insgesamt 13 Jahren, in denen Berisha Salzburger Luft geschnuppert hat, wechselt er 2021 schließlich in die Türkei zu Fenerbahçe Istanbul, mit dem er es zu weiteren sechs Europa-League-Einsätzen und zur Vizemeisterschaft bringt.  

Ausgewählte Daten und Fakten

Gerade Berishas Leistungen in CL und EL sind es, die der FC Augsburg in seine Pressemitteilung eingebaut hat (und mit denen er natürlich auch die Qualität des Spielers unterstreichen will): Berisha kann

für RB Salzburg in der Champions League in sechs Spielen sechs Torbeteiligungen (vier Tore, zwei Vorlagen) sowie für Fenerbahce in der Europa League in sechs Begegnungen drei Scorerpunkte aufweisen.“

Pressemitteilung des FCA zum Berisha-Wechsel vom 31.08.2022

Selbst wenn einige wenige Spieler im aktuellen Kader ebenfalls CL-Erfahrung vorweisen können, z.B. Daniel Caligiuri, André Hahn oder Neuzugang Julian Baumgartlinger, so ist Berishas Scorer-Quote hier schon ziemlich phänomenal.

Auch sonst lassen sich die Daten des 1,88 m großen Rechtsfußes durchaus sehen. Gerade in solchen „Hochphasen“, in denen er nicht hinter der Konkurrenz zurückstecken musste oder ihn Verletzungssorgen plagten. 2016/17 bei Liefering z.B. brachte es Berisha in 30 Spielen auf 14 Tore und zwei Vorlagen. In seiner Linzer Zeit kam er in 20 Spielen immerhin auf sechs Tore und fünf Vorlagen. Für Altach sammelte er bei 34 Einsätzen sogar 16 Treffer und 10 Assists. Für mich kein Wunder, dass Salzburg seinen Spieler nach dieser Phase wieder zurückhaben wollte, um selbst von seinen Leistungen zu profitieren.

Mergim Berisha bindet im 2. Gruppenspiel der U21-EM gegen die Niederlande zwei Gegenspieler. (Photo by ATTILA KISBENEDEK/AFP via Getty Images)

Die Saison 2020/2021 stellt für Mergim Berisha entsprechend einen Höhepunkt in seiner Karriere dar, der sich auch in den Aufzeichnungen widerspiegelt. Dort stehen in 42 Einsätzen für die roten Bullen (Liga, Cup, EL und CL) insgesamt 22 Treffer zu Buche, zu denen noch 14 Vorlagen hinzukommen. Die U21-Europameisterschaft und der Titelgewinn dürften ein weiteres Highlight gewesen sein. Im ersten Gruppenspiel, beim 3:0 gegen Ungarn, legte Berisha als hängende Spitze für Teamkollege Ridle Baku sogar einen Treffer auf. Während des Turniers spielte er sich, ob zentral oder auf links außen, außerdem mit unseren beiden Mittelfeldmännern Maier und Dorsch warm. Womit er in Augsburg nun der dritte im Bunde ist, der sich U21-Europameister nennen darf.

Position und Spielertyp

Wie schon angeklungen, agiert Berisha auf dem Feld als klassischer Mittelstürmer, der aber auch auf den Rechts- und Linksaußenpositionen sowie als hängende Spitze eingesetzt werden kann. Nicht umsonst hat ihm der FC Augsburg die Rückennummer 11 überlassen. Bei Altach spielte er z.B. ausschließlich als Mittelstürmer, in Liefering dagegen am häufigsten dahinter. Bei Salzburg trat er oft mit zweiter Sturmspitze (meist mit Patson Daka) auf, die hinter sich einen zentral offensiven Mittelfeldspieler hatte, der beide bediente. Die vielen Vorlagen zeigen aber auch, dass der Augsburger Neuzugang auch „Bedienung“ kann. In Salzburg kam er vereinzelt sogar im offensiven oder rechten Mittelfeld zum Einsatz, was bedeutet, dass er in der Offensive recht flexibel einsetzbar ist.

Neben guter Ballkontrolle und Schusstechnik, die sich u.a. auch bei Standards bewährt, ist auch Berishas Beitrag zur Defensive, frühes und gezieltes Pressing sowie klärende Aktionen, nicht zu unterschätzen. Die robuste Physis kommt dem 1,88-Meter-Mann dabei zugute. Man kann sich gut vorstellen, wie er im Sechzehner dadurch so manchen Gegner in Zaum halten kann. Reuter drückt das, wie ihr es im Tweet nachlesen könnt, so aus: „Mit seiner Körpergröße und Wucht wird er unser Spiel nach vorne beleben“.

Fazit

Rein formal betrachtet, kann Neuzugang Mergim Berisha in der Tat allerhand eindrucksvolle Prädikate vorweisen: Champions und Europa League-Spieler, U21-Europameister, mehrfacher österreichischer Meister und Cupsieger. Eindruck machen auch die Offensivbilanzen vor allem der Stationen, an denen es richtig rund für den 24-Jährigen lief. Liefering, Altach, Salzburg. Zudem halte ich die Vertragskonditionen, die ausgehandelt wurden – 1 Jahr Leihe für mutmaßliche 300.000 Euro mit anschließender Kaufoption –, für einen fairen Deal. Es sieht tatsächlich nach „viel Leistung für wenig Geld“ sowie nach Soforthilfe aus, die Management und Trainer ja zur Bedingung für Neuzugänge gemacht hatten. Außerdem muss Berisha in Augsburg nicht ganz von Null anfangen, da er Maier und Dorsch aus einer Zeit bei der U21 kennt. Genauso sieht er es laut seinem ersten Statement auch. Die Startbedingungen könnten also durchaus schlechter sein.

Bei all den Positionen, die Berisha einnehmen kann, wird es praktisch aber immer darauf ankommen, die Verbindung zum Mittelfeld herzustellen. Auch wenn vorstellbar ist, dass er, z.B. zusammen mit Ermedin Demirovic, in einer körperlich robusten Doppelspitze auftritt und beide als gegenseitige Vorlagengeber fungieren können, braucht es dennoch – wie das bei Salzburg der Fall war – unbedingt Nachschub aus dem zentralen Mittelfeld oder von den Außenbahnen. Ich glaube, da schreibe ich nichts Neues. Uns allen ist diese Lücke in den vergangenen Spielen wahrscheinlich nicht verborgen geblieben. Hier stimmt mich allerdings zuversichtlich, dass Ruben Vargas auf dem linken Flügel wieder einsatzfähig ist und auch die anderen verletzten Offensivkräfte wie z.B. Freddy Jensen bald wieder auf den Platz zurückkehren, um ihrerseits, so gut es eben geht, Brücken ins Mittelfeld zu bauen.

Für die Eingewöhnungsphase hier bei uns in Augsburg alles Gute, Mergim! Und wenn, Ruben, Arne, Demi und du dann eingespielt seid, dann klappt es bestimmt auch bald mit einer Neuauflage deines Europa League-Tors des Turniers! (Noooo pressure 😊)

RoGaz Kaderanalyse 2022: Tor

Der FC Augsburg steckt mitten in der Saisonvorbereitung. Trainingsauftakt unter der Leitung unseres neuen Chef-Coaches Enrico Maaßen war vor rund dreieinhalb Wochen. Es folgten u.a. vier Testspiele. Das letzte gegen den tschechischen Erstligisten Dynamo Budweis fand im Trainingslager statt, das der FCA am Sonntag im Österreichischen Scheffau bezogen hat. Seitdem wird fleißig für das erste Pflichtspiel am 31. Juli trainiert. In der ersten DFB-Pokal-Runde geht es für unsere Fuggerstädter zum Niedersächsischen Regionalligisten Lohne. Zeit für uns von der Rosenau Gazette, den Kader für die kommende Saison bis dahin ins Visier zu nehmen. Von hinten nach vorne starten wir mit den Pfosten, die die Welt bedeuten: mit dem Tor.

Stammspieler

Rafał Gikiewicz

In unserem letzten Kadercheck war Rafał Gikiewicz noch die unumstrittene Nummer 1 im Augsburger Tor. Eine bärenstarke Saison 2020/2021 mit einer ganzen Palette an Glanzparaden hatte ihn dazu gemacht. Auch der Zusammenschnitt der vergangenen Spielzeit zeigt nochmal, wo die Stärken des heute 34-jährigen Polen liegen. Zweifellos in seiner Klasse auf der Linie, die er am besten ausspielen kann, wenn er mit Vorrücken solange wartet, bis der Gegner im Strafraum zum Abschluss kommt. Und Giki dann technisch stark und reaktionsschnell parieren kann.

Der „Beton“ begann aber auch zu bröckeln. Auch wenn Gikiewicz wieder alle 34 Bundesligaspiele über die vollen 90 Minuten bestritt, haperte es des Öfteren an der Abstimmung mit Jeff und Co. in der Innenverteidigung. Abschläge gerieten manchmal bedrohlich kurz und auch vermeintlich haltbare, gegnerische Bälle ließ Rafa wegen nicht immer optimalen Stellungsspiels ins Netz. Gerüchte, dass sich der FCA in Gesprächen mit Bielefelds Stefan Ortega befinde, kamen in der Rückrunde auf. Auch über eine Rückkehr von Marwin Hitz wurde in den Medien laut nachgedacht.

Mit so viel guter Laune wie im Trainingslager hat man Giki zuletzt selten gesehen. Strahl weiter so! (Quelle: @FC Augsburg auf Twitter)

Zwar haben sich die Gerüchte nicht bewahrheitet – Ortega ist jetzt Nummer 2 bei ManCity, Hitz gesetzt beim FC Basel. Sie zeigen aber, dass Gikis ehemaliger Stammplatz zu wackeln begonnen hat. Jüngst im Interview räumte er selbst ein, dass er seine Koffer packen würde, wenn sich die Verantwortlichen für einen Neuzugang im Tor entscheiden. Bzw. vielleicht schon gegangen wäre, wenn Enrico Maaßen nicht frischen Wind mitgebracht hätte. Genau darauf kommt es beim Polen jetzt an. Sich das Spielsystem des neuen Trainers anzueignen, in dem er – im Vergleich zu vorher – höher stehen muss. Um sich stärker am Spielaufbau zu beteiligen und Anspielstation zu sein. Allerdings zeigt sich Giki nicht erst im Trainingslager ungemein lernwillig und extrem gut gelaunt:

„Ich freue mich sehr, dass ich mit 34 neue Sachen lernen kann und ich bin wirklich zufrieden.“

Rafał Gikiewicz im Interview mit FCA TV nach dem Spiel gegen Sandhausen am 8. Juli 2022

Sollte es Gikiewicz gelingen, die Vorstellungen von Maaßen umzusetzen, wird er sich den Status als unangefochtene Nummer 1 bis zu seinem Vertragsende 2023 wieder zurückholen. Gelingt das allerdings nicht und Rafal kann sich nicht wie gewünscht ins Aufbauspiel integrieren, dann ist auch noch ein kurzfristiger Wechsel auf der Stammtorhüterposition denkbar. Die Verantwortlichen werden seinen Trainingsfortschritt daher genau beobachten.

Ergänzungsspieler

Tomáš Koubek

Wie schon in der Vorsaison kam Tomáš Koubek 2021/2022 auf genau null Pflichtspieleinsätze und damit nicht im Ansatz an der zwar nachlassenden, aber doch steten Nummer 1 vorbei. Trotzdem ließ sich der 29-Jährige Tscheche, der 2019 bekanntlich für satte 7,5 Mio. € geholt worden war, nicht beirren. In den Testspielen gegen Schwaben Augsburg, Sandhausen und seine Landsmänner aus Budweis durfte sich Koubek jeweils in der zweiten Hälfte beweisen. Beim 1:1-Gegentreffer gegen Sandhausen aus spitzem Winkel sah er allerdings nicht ganz glücklich aus, weil er für meinen Geschmack ein Stück zu weit rauskam. Ansonsten finde ich es als Außenstehende schwierig, seinen sportlichen Status Quo zu beurteilen. Gerade auch in Testspielen.

Klar ist jedenfalls, der FCA hat grünes Licht für einen Wechsel des bisherigen Ersatzkeepers gegeben. Was angesichts seines mutmaßlich gut dotierten Vertrags, der noch bis 2024 läuft, nachvollziehbar ist. Gerüchte, Frankreich winke Koubek wieder, haben sich jedoch nicht bestätigt. Bisher hat sich kein Abnehmer gefunden. FALLS sich bis zum Schließen des Transferfensters am 1. September aber noch einer findet, wird Stefan Reuter hoffentlich so schnell wie möglich einwilligen. Und idealerweise noch ein anständiges Sümmchen für ihn raushandeln. (Aber bitte kein zu anständiges, nicht, dass der Deal am Ende platzt…)   

Daniel Klein
Die Youngsters „Katze“ Klein und Marcel Lubik beim gemeinsamen Torwarttraining am Wilden Kaiser. (Quelle: @FC Augsburg auf Twitter)

Dass ein Weggang von Koubek aus finanzieller (und sportlicher) Sicht zu verkraften wäre, liegt an Daniel Klein. Der heute 21-Jährige, der im Juli 2021 von der TSG Hoffenheim II kam und bis 2025 unter Vertrag steht, hat nun seine erste FCA-Saison hinter sich. Zwar stand er erst zwei Mal im Profikader – Anfang Januar, als er Tomáš Koubek auf der Bank ersetzte. Er spielte aber vor allem in der Rückrunde regelmäßig für die Zwote in der Regionalliga, wo er in seinen 12 Einsätzen fast immer die volle Spielzeit mitnahm. Einzige Ausnahme war die Partie in der Rosenau gegen Unterhaching, in der der Jugendnationalspieler wegen Notbremse früh Rot sah.

Man hat den Eindruck, in Klein wird (spätestens seit Enno Maaßen) viel Zeit investiert. Dass er eifrig trainiert und für sein Alter sehr selbstbewusst agiert. Im Testspiel gegen den VfB Eichstätt stand er dann auch in der ersten Hälfte zwischen den Pfosten und hat dort einen passablen Job abgeliefert. Da unter Maaßen bekanntlich die Jugend stärker gefördert werden soll und offenbar auch wird, ist es für die anstehende Spielzeit daher durchaus denkbar, dass die ehemalige Nummer 3 im Tor in der Hierarchie vorrücken könnte. Das hat kürzlich auch die Viererkette berichtet, die einen Mann direkt im FCA-Trainingslager hat. Abhängen wird Kleins Vorrücken aber auch von den möglichen Transferaktivitäten rund um seinen Kollegen Koubek.   

Benjamin Leneis

Nicht annähernd eine Chance auf die dritte Torhüterposition hat dagegen wohl Eigengewächs Benjamin Leneis. 2015 zur U17 unserer Fuggerstädter gestoßen und 2018 mit dem ersten Profivertrag ausgestattet, ließ sich der gebürtige Münchner letztes Jahr im Gegenzug zu Kleins Verpflichtung in die dritte Liga zum FC Magdeburg verleihen. Das Ziel: Spielpraxis. Obwohl die Leihdauer wohl nicht unbedingt auf ein Jahr festgelegt war, kehrte der 23-Jährige nach nur einer Saison an den Lech zurück. Ein Innenbandriss hatte ihn wochenlang ausgebremst. Nur einmal, im Viertelfinale des Landespokals, durfte er sein Können zeigen. Dementsprechend wurde aus dem Plan, in Sachsen-Anhalt mehr Profiluft zu schnuppern, nichts.

Auch wenn er gegen die Eichstätter im Testspiel in der zweiten Halbzeit für Klein eingewechselt wurde, fand er im aktuellen Trainingslager keine Berücksichtigung. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass Leneis im Kampf um die Torhüterpositionen in der kommenden Saison keine Rolle spielen wird. Vielmehr könnte sich an die letzte noch eine weitere Leihe anschließen, um die restliche Vertragsdauer bis 2024 sinnvoll zu überbrücken. Selbst wenn Koubek seinen Platz räumen sollte.

Beim FC Magdeburg lief es für Benjamin Leneis nicht wie erhofft. (Photo by Karina Hessland/Getty Images)

Perspektivspieler

Marcel Łubik

Als der FCA verkündete, wen er ins Trainingslager mitnimmt, war neben Jugendspielern wie Josué Mbila oder Fabio Gruber, die bereits in den Testspielen auf sich aufmerksam machen durften, von einem weiteren Namen zu lesen: Marcel Łubik, Stammtorwart unserer Augsburger U19, der letzte Saison aus der eigenen U17 kam. Der 18-jährige Deutsch-Pole hatte entscheidenden Anteil daran, dass der FCA das erste Mal seit 29 Jahren die Meisterschaft in der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest feiern und ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft einziehen konnte. In den beiden Halbfinals gegen Hertha BSC, die beide verloren gingen, musste Łubik zwar insgesamt fünf Mal hinter sich greifen. Trotzdem steckt in dem Nachwuchstorwart eine Menge Potential, mit dem er sich perspektivisch nun auch bei Maaßen empfehlen kann. Möglicherweise stattet man den jungen Keeper nach dem Vorbild von Teamkollege Aaron Zehnter sogar mit einem Profivertrag aus, wenn sich auf den Positionen 2 und 3 noch etwas tun sollte.

Fazit

Auf der Torhüterposition ist für die kommende Saison 2022/2023 definitiv mehr Bewegung drin als in der letzten. Waren die Verhältnisse zwischen Stamm- und Ergänzungsspielern letztes Jahr noch glasklar, könnten sich in den nächsten Wochen durchaus noch Änderungen ergeben. Je nachdem, ob Gikiewicz sich seinen Status als Nummer 1 zurückholen kann, ob sich ein Interessent für Koubek findet und ob der junge Klein schon reif für die zweite Position hinter dem Stammkeeper ist. Perspektivisch muss man auch Łubik – nicht nur bei einem verändertem Torhütergefüge in der ersten Mannschaft – auf dem Schirm haben.

Da ich aber davon ausgehe, dass Giki sich mit seinem Ehrgeiz, seiner Disziplin und seinem neu erlangten Enthusiasmus durchbeißen wird, wird sich der Kader höchstens auf den Positionen hinter ihm verändern. Aber selbst wenn, halte ich die Torwartposition – im Gegensatz zu manch anderer Position in der Mannschaft – für keine, um die wir FCA-Fans uns Sorgen machen müssen.

Goldjunge Enrico Maaßen

Drei Wochen ist es her, dass der FC Augsburg Enrico Maaßen erst mündlich, dann schriftlich als neuen Chefcoach verpflichtet hat. Einige haben die Zwischenzeit genutzt, um Portraits oder Trainerprofile über den 38-jährigen gebürtigen Wismarer anzufertigen. Sehr früh auch der FCA.

Vereine wählen dieses Format gerne, um die Öffentlichkeit mit den wichtigsten Daten und Fakten zu ihrem neuen Mitarbeiter zu versorgen. Dass dabei dessen Karriereerfolge und Vorzüge oft im Vordergrund stehen, dürfte niemanden groß verwundern. Schließlich handelt es sich auch bei solchen Mitteilungen um einen Teil der externen Kommunikation, in der der Club seinen neuen Trainer in einem möglichst guten Licht präsentieren möchte (und damit auch sich selbst). Daher habe ich es nicht ganz verstanden, dass sich Pitt Gottschalk, Chefredakteur bei Sport1, kürzlich ausgerechnet am Trainerportrait unserer Fuggerstädter so gerieben hat. Aber sei’s drum, das soll hier nur eine kleine Randnotiz bleiben.

Auch wir von der Rosenau Gazette haben uns nochmal intensiver auf die Suche nach Material zur Person „Enno“ Maaßen gemacht. Wir wollen aber kein ‚klassisches‘ Portrait abliefern. Sondern vielmehr sehen, wie unser neuer Coach sich selbst beschreibt. Und auch, wie sein fußballerisches Umfeld das bisher getan hat. Ob da auch was Negatives dabei ist? Ihr werdet es sehen 😊

Maaßen über sich selbst

Wenn man Enrico Maaßen über sich sprechen hört (oder liest), stößt man immer wieder auf zwei Selbsteinschätzungen. Einerseits sei er ein sehr familiärer Mensch, der aus seiner Familie – er hat Frau und zwei Kinder – viel Kraft schöpft. Nicht umsonst ist es ihm auch bei uns in Augsburg wichtig, seine Familie möglichst bald nachzuholen. Selbst mit seinen Eltern und Schwiegereltern fährt er – nicht selten zur Verwunderung anderer Hotelgäste – gerne in den Urlaub, wie er jüngst am PK-Mikro verriet.

Die familiäre Seite des 38-Jährigen ist andererseits flankiert mit einer riesigen Leidenschaft für den Fußball. Und das nicht nur während der Arbeitszeit, sondern 24 Stunden am Tag. Ein Fußballverrückter ist er, sagte er schon zu Beginn seiner Trainerzeit 2014/2015 beim Niedersächsischen Oberligisten SV Drochtersen/Assel (D/A). Bei seinem Amtsantritt als U23-Trainer in Dortmund beschrieb er seine Fußballverrücktheit so:

„Als Trainer ist es natürlich schwer, das komplett beiseite zu schieben. Ich bin schon jemand, der das mit Haut und Haaren lebt.“

Enrico Maaßen im BVB-Interview vom 20.09.2020

Wenn sich Enno als Trainertyp einordnen soll, kommt man spätestens seit seiner Dortmunder Zeit nicht um den ganzheitlichen Trainer herum. Was er damit meint: Sich nicht nur auf einen Mannschaftsteil, z.B. die Defensive, zu konzentrieren und davon ausgehend Tore aus dem Umschaltspiel heraus zu erzielen (wie es der FCA ja lange praktiziert hat). Vielmehr legt er sowohl Wert auf die Defensive, die stabil sein soll, und das Spiel gegen den Ball, das mit einer hohen Pressinglinie geführt wird und sich ggf. flexibel am Gegner orientiert. Als auch auf die Offensive, das Spiel mit dem Ball, durch das mit variablem Positionsspiel und Kreativität möglichst viele Torchancen kreiert werden sollen. Zu diesem ganzheitlichen Trainer habe er sich mit der Zeit entwickelt.

Wie unser neuer Chefcoach selbst sagt, erledigt er seine Arbeit im Team auch mit einer positiven Grundstimmung, Ruhe, Empathie und Transparenz: Er sei grundsätzlich jemand, der

„sehr ruhig ist, der auch nah dran ist, dem es wichtig ist, eine gute Atmosphäre in der Mannschaft zu haben, keine Wohlfühlatmosphäre, aber eine, wo jeder gerne zum Training kommt, wo jeder weiß, da gibt’s ne gewisse Transparenz auch, dass jeder weiß, woran bin ich.“

Enrico Maaßen im BVB-TV vom 04.08.2020

Der FCA über Maaßen

An vielen Stellen konnte man bereits nachlesen, dass der FCA in Person von Sportgeschäftsführer Stefan Reuter Enrico Maaßen als seine absolute Wunschlösung auf dem Trainerstuhl bezeichnet. Das wurde er auch auf Maaßens Antritts-PK nicht müde zu betonen. Reuter zeigte sich rundum von ‚seinem‘ neuen Trainer beeindruckt: von dessen Kaderkenntnis, von dessen Spielidee, von dessen Energie und Willen, sich zu verbessern, den man permanent spüren könne. Maaßens Selbstbeschreibung als „positiv Verrückter“ hat Reuter schon vor der PK übernommen.

Auch von unseren Spielern hört man, dass sie ihren neuen Übungsleiter schätzen, „seinen Plan“. Niklas Dorsch, dessen Genesung nach seinem Schlüsselbeinbruch extrem schnell vorangeht (Thank God!), attestiert Maaßen im neuen Kicker – wie schon Reuter – „Freude“ und „Hunger auf Erfolg“, dass er sehr kommunikativ sei und das Team ums Team mit ins Boot hole. Man merkt, die Attribute fangen langsam an, sich zu wiederholen.  

Medien über Maaßen

Beim Blick in die Medien- und Bloglandschaft kommen dagegen noch ein paar weitere Facetten hinzu. In einem sehr frühen Interview auf Blog trifft Ball – Maaßen hatte damals als gerade 30-Jähriger bei D/A angeheuert – heißt es schon, er sei ein Trainertalent. Auch beschreibt der Interviewer seinen Gesprächspartner als ziemlich entspannt. Ennos Lockerheit sei ansteckend, wobei er immer wieder um Contenance und Bescheidenheit bemüht sei, z.B. als er bezweifelt, schon jetzt, während seiner ersten Trainerstation in Niedersachsen, einen „so wertvollen Lehrgangsplatz“ wie den des Fußballlehrers zu bekommen.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im August 2020 durfte sich Maaßen schließlich dann doch noch über seinen Fußballlehrer freuen, nachdem er sich schrittweise – über die B- und A-Lizenz – dazu hochgearbeitet hatte. Unter anderem deswegen sei er auch ein Vielbeschäftigter. 2015 war er nicht nur gelernter KfZ-Mechaniker und Sport- und Fitnesskaufmann. Daneben bildete er sich auch immer wieder erfolgreich weiter. Mit einem Sporttherapie-Fernstudium und seit Beginn seiner Trainerlaufbahn, die bis zum Schritt in den Hauptberuf beim Regionalligisten SV Rödinghausen 2018 immer noch nebenherlief, eben auch durch Trainerlehrgänge.

Bei all seinen Aktivitäten sei Maaßen trotzdem penibel, ein Perfektionist:

„Einer, der überall schraubt – sei es das Geschehen auf dem Rasen oder die Außendarstellung und externe Kommunikation. Wie er in der Öffentlichkeit zitiert wird, segnete er in Dortmund immerzu selbst ab – und regelte die sportlichen Geschäfte auf ähnliche Art und Weise.“

Der Kicker über Enno Maaßen am 09.06.2022

Frühere Weggefährten über Maaßen

Und da wären wir mit dem BVB, in dessen Diensten Maaßen seit 2020 als U23-Trainer stand, bei früheren Stationen angekommen, an denen er ebenfalls Eindruck hinterlassen hat. Was die Offiziellen beim BVB und Rödinghausen über ihn sagen, kommt einem nur allzu bekannt vor. Wunschtrainer, hier wie da. Bei Franz Pfanne, Mittelfeldspieler, den Maaßen aus Rödinghausen zu Dortmund gelotst hat, kommt nochmal unverkennbar der Perfektionist und Fußballverrückte zum Vorschein:

„Enrico ist ein Trainer, der sich wirklich über alles Gedanken macht. Also wirklich über alles. Egal ob auf dem Platz oder daneben. Der ist so fußballverrückt, das ist echt krass.“

Franz Pfanne über Maaßen im Schwatzgelb-Blog vom 20.02.2021

Besonders spannend fand ich aber auch Einschätzungen aus Fanforen. Für den DortmunderJungen z.B. war Maaßen schon längst vor seiner Verpflichtung bei den Schwarz-Gelben ein Traum. Für Molsiris danach dann ein absoluter Glücksgriff. Und TheKillingJoke imponiert, wie er das Team mitgenommen hat.

Ein Post eines Hansa Rostock-Anhängers, der früher mit dem gebürtigen Mecklenburger in der B-Jugend kickte, ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Denn er enthält so vieles davon, wie auch spätere Weggefährten – wie wir jetzt gesehen haben – Maaßen beschrieben haben:

„Ich kenne ihn noch aus der B Jugend in Grevesmühlen. Dort haben wir 1 Jahr lang zusammen gespielt. Er war damals schon ein sehr euphorischer Typ, der als Spieler schon das Spiel gelenkt hat und in der Halbzeit hin und wieder taktische Ideen hatte und generell komplett fussballverrückt war.“

User Draven_ im TM-Forum vom 06.01.2019

Stimmt’s oder stimmt’s nicht?

Sofern man den Selbst- und Fremdbeschreibungen von und zu Enrico Maaßen glauben mag, dürfen wir uns in Augsburg die nächsten drei Jahre über ein wahrliches menschliches und fußballerisches Genie an der Seitenlinie freuen. Die Frage, die sich jetzt aber noch stellt, ist: Stimmen diese Lobeshymnen auf ihn oder nicht? (Die Nähe der Überschrift zur Lieblingskategorie unseres Gregerls im FCA-TV-Format „Was woisch“ ist hier natürlich rein zufällig gewählt 😊.) Ich versuche das zum Schluss noch ein bisschen einzuordnen.

Maaßens Fußballverrücktheit – gerade in seiner ‚Freizeit‘ – ist schwierig zu beurteilen. Aber gerade die Aussagen der früheren (Mit-)Spieler finde ich überzeugend. Auch dass Maaßen sich als ganzheitlicher Trainer begreift, zu dem er geworden ist, leuchtet mir anhand seiner bisherigen Laufbahn komplett ein. Bei D/A ließ er ergebnisorientiert noch hauptsächlich umschalten. In Rödinghausen verlagerte sich sein Fokus auf die Offensive, während beim BVB die individuelle Spielerentwicklung hinzukam. Und dazu gab ihm der Erfolg einfach recht.

In der Tat wirkt Maaßen in Interviews sehr ruhig, sehr besonnen, sehr klar auf mich. Ich höre ihm gern zu. Daher kann ich es gut nachvollziehen, wenn beim FCA schon jetzt der Prozess des Mitnehmens angefangen hat. Den Maaßen selbst ja auch initiiert hat, indem er nicht nur gleich die Mannschaft kennenlernen wollte, sondern auch alle weiteren Player im Verein und drumherum. Schon jetzt fühlen sich viele (wieder) mitgenommen von diesem „Menschenfänger“, wie es die Viererkette kürzlich ausgedrückt hat. Die von Maaßen gleich selbst zum Hintergrundgespräch mitgenommen wurde.

Aber (und hier kommt das vorläufig einzige und sehr kleine Aber): Dass Maaßen das Wort „gemeinsam“ auf der PK so oft genannt hat, wirkte auf mich irgendwie gekünstelt. Fast wie ein einstudierter Teil der aktuellen FCA-Kommunikation, die ja mehr denn je, hat man den Eindruck, um die Wiederherstellung eines Miteinanders auf allen Ebenen bemüht ist. Vor anderen Kameras oder in anderen Zeitungen hat Maaßen das meines Wissens nach nicht so oft betont. Zumindest nicht im Zusammenhang mit dem gesamten Verein, sondern eher mit dem Mannschaftszirkel.

Trotzdem habe ich es Maaßen abgenommen. Vielleicht hat ja auch seine penibel geplante Außendarstellung Wirkung gezeigt? Egal. Ich finde ihn mitreißend. Vielversprechend. Vertrauenserweckend. Allerdings kann erst die nächste Zeit zeigen, ob die angestrebte Gemeinsamkeit zwischen allen Vereinsteilen auch wirklich praktiziert wird. Sollte das aber gelingen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass für den FCA mit Maaßen, diesem Goldjungen, wirklich goldene Zeiten anbrechen. Egal, ob Klaus Hofmann seine Aussage von neulich ironisch gemeint hat oder nicht.

Der Sportdirektor und die Kommunikation

Nach dem turbulenten Saisonabschluss beim FC Augsburg ist vor allem Sportdirektor Stefan Reuter ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. In den vergangenen Wochen haben wir uns in einer Reihe deshalb schon mit Reuters Vita, seinen Trainern und Transfers beschäftigt. Heute soll mit der Kommunikation ein weiterer Aspekt hinzukommen. Wobei ich gleich vorwegnehmen will, dass ihre nähere Betrachtung nicht unproblematisch ist.

Kommunikation von Unternehmen, zu denen zweifellos auch der FCA zählt, lässt sich nämlich grob in eine externe und eine interne Seite differenzieren. Externe Kommunikation, zu der auch die Public Relations (PR) gehören, richtet sich dabei vornehmlich an Zielgruppen außerhalb des Unternehmens. Sie zielt darauf ab, bei ihnen Aufmerksamkeit zu schaffen sowie Akzeptanz, Vertrauen und Glaubwürdigkeit gegenüber dem Unternehmen zu steigern. Um Inhalte an die externen Öffentlichkeiten zu kommunizieren, stehen Unternehmer*innen verschiedene Instrumente zur Auswahl, z.B. Pressemitteilungen, Website, Newsletter, Social-Media-Kanäle, TV-Auftritte, usw.

Externe FCA-Kommunikation

All diese „Instrumente“ nutzt auch der FCA rege. Insofern gibt es eine ganze Fülle an Material der externen FCA-Kommunikation, die man sich näher ansehen kann. Eigentlich schon zu viel. Daher beschränke ich mich in diesem Zusammenhang vor allem auf drei Fernsehauftritte, die der Sportdirektor Anfang des Jahres hingelegt hat. Und versuche dabei eben nicht zu vergessen, dass all das, was Stefan Reuter im TV zum Besten gegeben hat, Teil der Kommunikationsstrategie des Vereins ist. Das heißt, dass er als Geschäftsführer damit steuern möchte, wie andere – z.B. Medien, Geschäftspartner, Investoren, andere Clubs oder auch wir Fans – den FCA wahrnehmen (sollen).

Nur wenige Tage, nachdem der FCA Anfang des Jahres seinen 16 Millionen-Rekordtransfer Ricardo Pepi vermeldet hatte, war Stefan Reuter bei Blickpunkt Sport zu Gast. Auch wenn der Besuch des Sportdirektors – neben dem von Ex-Skispringer Sven Hannawald – vermutlich schon zuvor vereinbart worden war, kam der Zeitpunkt aus Sicht der externen Kommunikation keinesfalls ungelegen.

Solide Finanz- und Wirtschaftsstrategie

Reuter nutzte diese Gelegenheit, um rund um den Pepi-Transfer zunächst die allgemeine Finanz- und Wirtschaftsstrategie des FCA weiter auszurollen und sie als grundsolide darzustellen. Es sei der Weg des FCA, in solche entwicklungsfähigen Spieler zu investieren. Es gebe eine „ganze Vielzahl von jungen Spielern, die Entwicklungspotential haben“. Reuter listet auf:

„Iago, Uduokhai, Oxford, Frederik Winther, Gumny, Dorsch, Maier, wir ham Vargas vorn, wir ham Sergio Cordova. Das sind alles Spieler, die noch Entwicklungspotential haben. Und von daher auch hoffentlich – das is blöd zu sagen – aber die Werte auch erhöhen.“

Stefan Reuter beim Blickpunkt Sport am 9.1.2022

Als weitere solcher Werte, in die investiert wird und wurde, nennt der 55-Jährige die Infrastruktur, das Stadion, das Nachwuchsleistungszentrum und das Internat, das gerade gebaut und spätestens im Sommer fertig sein werde.

Eine solche „Investition in Werte“, wie Reuter all diese unternehmerischen Aktivitäten nennt, sei aber nur möglich gewesen, da der Verein in den letzten Jahren extrem gut gewirtschaftet habe. Sein Eigenkapital deutlich habe erhöhen können.

Den Transfer Ricardo Pepis zum FCA nutzte Stefan Reuter, um den Verein in einer soliden Finanz- und Wirtschaftslage darzustellen. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Überzeugung durch Wiederholung

Sieht man sich Stefan Reuters Auftritt im Doppelpass vom 6. Februar dieses Jahres an, kommen einem viele Dinge, die er da präsentierte, bereits aus dem Bayerischen Fernsehen bekannt vor. Man habe stabil gewirtschaftet, viel in Infrastruktur investiert und könne so weiter gezielt auch in die Mannschaft (re-)investieren. Wie schon bei Blickpunkt Sport führt er im gleichen Atemzug die Abgänge Kevin Danso und Marco Richter auf. Nur durch Abgaben in der gleichen Größenordnung sei ein Transfer wie der von Ricardo Pepi möglich. Im Dopa betont er außerdem mehrmals, dass diese Prozesse in den letzten 10 Jahren, also seit seinem Amtsantritt, stattgefunden hätten. Und in der Sendung a.tv Sport – der Talk vom 9.2.? Da klang das alles ganz ähnlich.  

Aus Sicht der externen Kommunikation lassen sich mit den Schlagwörtern „gut gewirtschaftet“, „Eigenkapital erhöht“ oder „Potential von Spielern entwickeln bzw. entwickelt“ eindeutig wirtschaftliche Themen erkennen, die dem FCA im Moment offenbar besonders wichtig sind. Auf sie soll die Aufmerksamkeit der Bezugsgruppen gelenkt werden. Sie werden gebetsmühlenartig wiederholt, bis sich so ein Keyword auch im Gedächtnis des letzten Zuschauers, der letzten Zuschauerin festgesetzt hat. Diese Art der PR nennt man auch „Issue Management“.

Wer ist die Zielgruppe?

Dabei habe ich mich gefragt, welche Bezugsgruppen damit eigentlich genau angesprochen werden. Ich glaube, zunächst vor allem Geschäftspartner, Sponsoren oder Investoren. Ihnen soll gesagt werden: Wir wirtschaften vernünftig, haben unsere Finanzen im Griff, sind ein verlässlicher und liquider Partner, auf den man setzen kann. Auch Medien und Berichterstatter sollen dieses Image aufgreifen: Der FCA hat sich in den letzten 10 Jahren wirtschaftlich gesund entwickelt. Und das unter der Ägide Reuters. (Das Eigenlob bleibt einem dabei natürlich auch nicht verborgen.) Intern könnte sich dadurch auch Michael Ströll als kaufmännischer Geschäftsführer gelobt fühlen: Good job! Ebenso könnte die Botschaft an andere Vereine gerichtet sein: Schaut her, wir entwickeln Spieler mit Potential und verkaufen sie euch gerne – vorausgesetzt, der Preis stimmt. Und auch bei uns Fans soll das Schwäbische-Hausfrauen-Image weiter gepflegt werden, das den FCA seit vielen Jahren umweht.  

Ausgelassen wird dabei allerdings, dass die „Entwicklung“ von Eigengewächsen wie Kevin Danso oder Marco Richter gar nicht so lukrativ und reibungslos abgelaufen ist, wie Stefan Reuter sich das wohl gewünscht hätte. Beide hatten schon länger Wechselwünsche geäußert. Ein Weggang wurde ihnen aber zunächst verwehrt. Bei Danso lauter, bei Richter leiser. Mit dem Ergebnis, dass mit ihrem Verkauf wohl weniger Transfererlös erzielt wurde als möglich gewesen wäre, wie Andi analysiert hat. Und dass wieder einmal in die Medien geriet, was aus Sicht der Vereinsführung um Reuter und deren externer Kommunikation da besser nichts zu suchen hatte. Denn damit wurde bei Medien, Fans, Vereinen und deren Spielern der unfreiwillige Ruf des FCA weiter befeuert, er lege (jungen) Spielern Steine in den Karriereweg. Egal, wie viel Wahrheitsgehalt man den Aussagen z.B. Dansos zuschreiben kann. Sie standen im Widerspruch zu Reuters „issue“ der erfolgreichen Spielerentwicklung, den er extern kolportieren will.

Vertrauen und Gemeinschaft

Während aller drei Fernsehauftritte war gegenseitiges Vertrauen und gemeinsames Handeln im Führungsstab des FCA als weiteres Thema dauerpräsent. Meist im Zusammenhang mit der Frage nach dem Verbleib von (Ex-)Trainer Markus Weinzierl über die laufende Saison hinaus. Dass sich die beiden sehr gut kennen, wurde Reuter nicht müde zu betonen. Dass – vor allem in der ersten Phase Weinzierls – ein Vertrauensverhältnis gewachsen ist, auch nicht. Exemplarisch:

„Wir hatten vier Jahre, das waren die erfolgreichsten in der Geschichte des FC Augsburg. Und da ist einfach ein Vertrauensverhältnis gewachsen, entstanden, und das spürt man jetzt auch. Also wir kennen uns gut, wir können uns gut einschätzen, und wir versuchen eben gemeinsam, den FCA in die Erfolgsspur zu bringen und da gute Entscheidungen gemeinsam zu treffen.“

Stefan Reuter beim Blickpunkt Sport am 9.1.2022

Auf die Frage hin, ob nach wie vor auch Transferentscheidungen gemeinsam getroffen werden, beteuert er:

„Wir glauben auch, dass des für uns ein ganz erheblicher Erfolgsfaktor ist, dass wir Transfers nur machen, wenn’s einstimmig ist. Klaus Hofmann, Markus Weinzierl, Michael Ströll und ich. Wir müssen alle ja sagen. Dann kann hinterher auch niemand kommen und sagen, ja, ich hätte das anders gemacht. Ich glaub, dass das ganz wesentlich ist. Weil manche Spieler brauchen ne gewisse Zeit, bis sie ankommen, und da isses gut, wenn wir alle in der Verantwortung stehen (…).“

Stefan Reuter beim Blickpunkt Sport am 9.1.2022

Außerdem erweitert Reuter die von ihm beschworene FCA-Gemeinschaft im Dopa auch auf Spieler, Fans und Stadt. In der Mannschaft, im Stadion und in der ganzen Stadt werde immer wieder das „Augsburg hält zusammen“ gelebt, das der Mannschaft gerade in schwierigen Phasen helfe. Er meinte damit zuletzt 5 sieglose Spiele, die coronabedingt auch noch ohne (Heim-)Publikum haben stattfinden müssen. Beim Sieg gegen Union Berlin durften 7.600 Fans ins Stadion zurückkehren, die aus Sicht von Reuter „was bewirkt“ hätten.

FCA-Familie?

Klar, mit den Themen Gemeinschaft und Zusammenhalt (ein älteres Beispiel ist auch Reuters Lieblingswort „Geschlossenheit“) will er weiter am FCA-Image bauen, das bei uns Fans eh schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. We are family. Genau deswegen supporten wir ihn ja auch, unseren FCA. Und wenn Reuter dann noch bekräftigt, wie wichtig die Fans im Stadion seien und an diesem 21. Spieltag „was bewirkt“ hätten (man kann da fast nur verstehen: den 2:0-Sieg), dann kann man sich durchaus als wichtiger Teil der Familie fühlen. Wenn die Ereignisse der letzten Wochen und der Machtkampf auf der Führungsebene dann aber – anders als noch vor wenigen Monaten dargestellt – überhaupt keine gemeinsame Basis mehr vermuten lassen, kommt man vor allem als Fan, für den dieser Zusammenhalt mehr als alles andere zählt, schon ins Zweifeln, was an solchen Phrasen überhaupt dran ist.

Nach dem Kommunikationswissenschaftler Günter Bentele ist die Kernfunktion von PR, Vertrauen zu kommunizieren. Allerdings funktioniere dieser Mechanismus „nur, wenn zwischen Kommunikationsverhalten und gelebtem moralischem Verhalten Kongruenz bestehe.“ Die Kongruenz in diesem Punkt ist aber nicht vorhanden. Daher – das muss ich leider so direkt formulieren – ist mein Vertrauen in das Handeln der FCA-Akteure im Moment auch ziemlich ramponiert.

Ziel: Klassenerhalt?

Es braucht aber gar keine so dramatischen Vorfälle oder „Enthüllungen“ (die ihrerseits natürlich über Medien verbreitet und auf bestimmte Weise dargestellt wurden) wie in den letzten Wochen, an denen sich ein solches mutmaßliches Auseinanderfallen von Anspruch und Wirklichkeit, von kommuniziertem und gelebtem Verhalten zeigt. Denn zuweilen widerspricht Reuter sich schon in seiner externen Kommunikation, die dann nicht ganz konsistent wirkt.

Im Doppelpass stellt Moderator Florian König Stefan Reuter die Frage, ob es ein Vorteil sei, wenn man sozusagen von vornherein weiß, dass man wieder gegen den Abstieg spielt. Da der FCA eines der niedrigsten vier Budgets in der Liga habe, sei alles eine positive Überraschung, was nach oben ausschlage, antwortet Reuter. Und konkretisiert das später: In diesem Jahr gehe es jetzt erstmal nur um den Klassenerhalt. Und man sei „superhappy“, wenn man die Klasse wieder halte. Die nächsten Schritte wolle man in den nächsten Jahren machen. Dazu zählt Reuter die mittel- bis langfristige Etablierung unter den besten 10 in der Bundesliga.

Szenenwechsel, 34. Spieltag, Klassenerhalt bereits eine Woche früher gesichert. Da sagt Reuter plötzlich: „Ich glaube, dass der Kader richtig gut ist, dass wir durchaus eine stärkere Saison hätten spielen können“. Zuvor hatte Weinzierl seinen Rückzug im Alleingang bekanntgegeben. Vor diesem Hintergrund ist die Aussage des Geschäftsführers dann wahrscheinlich auch zu interpretieren. Er stellt die Kaderqualität heraus, die in seinen Aufgabenbereich fällt, und damit zugleich Weinzierls Versäumnis, diese für ein besseres Saisonergebnis genutzt zu haben. Mir geht es hier allerdings eben um den Widerspruch der beiden Aussagen Reuters, die nicht einmal vier Monate auseinanderliegen. Und darum, dass man mit solchen unterschiedlichen Zielvorgaben, Klassenerhalt vs. besseres Ergebnis, auch sein Personal verunsichert, sollten sie auch ihm gegenüber kommuniziert worden sein.

Interne FCA-Kommunikation

Und damit sind wir zum Schluss bei der internen Kommunikation des FCA angekommen. Weit gefasst „fällt unter interne Kommunikation alles, was innerhalb eines Unternehmens kommuniziert wird“. Sie findet also zwischen Führungsebene und Mitarbeitenden sowie untereinander statt. Aufgabe interner Kommunikation ist es u.a. zu informieren, Dialog mit Mitarbeitenden zu führen, sie dadurch zu motivieren, an das Unternehmen zu binden und so ein positives Image zu pflegen:

„Nur gut informierte und wertgeschätzte Mitarbeiter können auch ein positives Unternehmensbild nach außen tragen. Eine transparente Kommunikation trägt damit indirekt zur Erhaltung eines positiven Images bei.“

Zur Aufgabe der Imagepflege durch interne Kommunikation

Interne Kommunikation trägt nicht umsonst den Zusatz „intern“, d.h. es geht hier um Prozesse, die innerhalb des Unternehmens ablaufen und das auch sollen. Das ist beim FCA nicht anders. Für Externe wie mich fallen die Möglichkeiten, etwas von diesen internen Prozessen in den Blick zu bekommen, entsprechend mager aus. Die Ausnahme stellen dann solche kurzen „Gucklöcher“ dar, die sich auftun, wenn die Kommunikationskanäle nicht mehr geregelt funktionieren. Wie das unabgestimmte Kamikaze-Interview von Weinzierl oder das oben schon angesprochene Interview von Kevin Danso, das er dem Kicker nach seinem Wechsel nach Lens gegeben hat.

Auch Alfred Finnbogason gehörte wohl zu den Spielern, die intern lange im Unklaren über Vertragliches gelassen wurden. (Photo by KAI PFAFFENBACH/POOL/AFP via Getty Images)

„Gucklöcher“ auf interne Realitäten

Wie Weinzierl in seinem Interview am 34. Spieltag erklärte, habe ihm die Wertschätzung gefehlt, da die im Laufe der Rückrunde vereinbarten Gespräche bis dahin noch nicht geführt wurden. (Genau diese hatte Reuter übrigens auch im Dopa und bei a.tv angekündigt und zudem durchaus von „gegenseitiger Wertschätzung“ gesprochen.) Auch wurden Klagen von Spielern extern publik, die sich ebenfalls frühere Gespräche über Vertragliches gewünscht hätten. Aber das hatte ich hier auch schon näher ausgeführt und ist mittlerweile auch hinlänglich bekannt. Ob die Beschwerden nun zutreffend sind oder nicht – festhalten lässt sich jedenfalls, dass hier das Ziel interner Kommunikation klar verfehlt wurde, nämlich, dass Mitarbeitende wie Trainer oder Spieler ein positives Unternehmensbild nach außen tragen.

Optimierungswünsche

Als Angehörige der Zielgruppe der (nochmals sehr unterschiedlichen) Fans wünsche ich mir bei der externen Kommunikation von der Geschäftsführung künftig, dass sie häufiger Feedback zu für uns wichtigen Vorgängen gibt. Natürlich beanspruche ich keine Interna, die auch weiterhin geheim bleiben sollen. Und auch Botschaften, die vielleicht eher andere Zielgruppen ansprechen sollen, interessieren mich. Aber ist es zu viel verlangt, z.B. zur aktuellen Trainersuche, die Fans wie kein anderes unter den Nägeln brennt, einfach mal ein kleines Status-Update rauszuschicken? Nur „Wir sind dran, macht euch keine Sorgen“? Das würde auch dem oftmals erweckten Eindruck von Nicht-Kommunikation, Aussitzen oder Totschweigen vorbeugen und wäre ein großer Schritt in Richtung Vertrauens- und Image(wieder)herstellung.

Dasselbe wünsche ich mir für die interne Kommunikation. Nicht, dass ich davon ein Teil wäre. Aber auch hier wäre es für den Verein und seine verbliebenen Verantwortlichen doch wünschenswert, wenn die Mitarbeitenden indirekt zu einem positiven Image des FCA beitragen könnten. Das klappt aber auch hier nur mit regelmäßiger und widerspruchsfreier Kommunikation, die auch im Einklang mit dem tatsächlich gelebten Verhalten steht. Den Werten unseres FCA eben.

Danke Markus!

Schon nach der wenig ruhmreichen 1:4-Heimschlappe gegen den 1. FC Köln und dem fast schon kampflosen 4:0 bei den Leipziger Dosen hatte ich Bammel vor dem Saisonabschluss daheim gegen die Spielvereinigung aus Fürth. Klar, letzten Sonntag wurde der Klassenerhalt eingetütet. Und damit das zwölfte Jahr Bundesliga. Das ist für den FCA, der jede Saison aufs Neue als fast schon sicherer Abstiegskandidat gilt, eine großartige Leistung! Und darüber freue ich mich natürlich auch ungemein!

Vorspann

Meine Freude und wahrscheinlich auch die einiger anderer Fans wurde allerdings dadurch getrübt, dass wir das am 32. Spieltag gegen Köln nicht schon aus eigener Kraft geschafft haben und am 33. in Leipzig dann auch noch auf die Schützenhilfe der Münchner angewiesen waren, die gegen Konkurrent Stuttgart zum Glück punkteten. Das erfuhr die Mannschaft kurz vor Anpfiff im Spielertunnel der RB Arena, wo das Spiel gezeigt wurde.

Dadurch fiel von der Mannschaft der Druck ab, der im Abstiegskampf auf ihr gelastet hatte, wie Flo Niederlechner nach dem Spiel sagte. „War anscheinend nicht so gut für uns“, fügte er noch hinzu und meinte damit die 0:4-Niederlage, die zumindest mich gerade durch ihr Zustandekommen doch ziemlich enttäuschte. Flos Mannschaftskollege Niklas Dorsch sprach sogar von einer Vorführung.

Niklas Dorsch wollte gegen Leipzig nicht vorgeführt werden. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

So hoffte ich für Samstag gegen Fürth einfach, dass wir Fans im Stadion und vor den heimischen Bildschirmen einfach nochmal ein engagierteres Spiel zu sehen bekommen. Dass diese Saison, die von starken Leistungsschwankungen geprägt war, versöhnlich zu Ende geht. Und dass Fans und Mannschaft die Feier, die ja eigentlich schon für den 32. Spieltag geplant war, halbwegs unbeschwert nachholen können. Schon in diesen Punkten war ich mir nicht ganz sicher.

Und dann gab es noch weitere Unbekannte, die in den letzten Wochen aufgelaufen waren: Was passiert mit Spielern, deren Verträge auslaufen? Morávek, Finnbogason, Zeqiri und, ja, auch Maier, dessen Vertragsverlängerung noch nicht in trockenen Tüchern ist? Werden sie verabschiedet und wenn ja, wie? Und wie steht es um Markus Weinzierl, dessen Vertragsverlängerung ja nur noch Formsache sein soll?

All diese offenen Fragen, in denen ich mir schon früher Klarheit gewünscht hätte, bereiteten mir vor der Fahrt zum letzten Heimspiel der Saison schon ein leicht flaues Gefühl im Magen. 

Großbrand in Augsburg

Tja, und wie ich noch so mit diesem (vergleichsweise harmlosen) flauen Gefühl beschäftigt war, überschlugen sich plötzlich die Ereignisse in Augsburg.

Los ging’s schon am Donnerstag mit der regulären Spieltags-Pressekonferenz. Das kann man jetzt im Nachhinein sagen. Auf die Frage hin, ob in Sachen auslaufende Spielerverträge oder -verabschiedungen schon Entscheidungen gefallen seien, verneint Markus Weinzierl, der mit versteinerter Miene hinter dem Mikrofon sitzt. Er könne da leider nicht weiterhelfen. Es habe keine Gespräche gegeben hinsichtlich der Zukunft von einzelnen Spielern und von daher wisse er auch nicht, wie’s weiter geht oder wer verabschiedet wird. Auf sich selbst angesprochen, äußert Weinzierl Ähnliches:

„Nein. Für mich zählt das Gleiche wie für die Spieler, also es gab keine Gespräche bis jetzt. Und es ist auch so, dass wir uns eben vertagt haben oder das besprochen haben. Oder der Verein das so gesagt hat, dass nach der Saison die Gespräche stattfinden.“

Markus Weinzierl auf der PK am 12.05.2022

Weinzierl verbessert sich am Ende, sagt nicht mehr „WIR haben uns vertagt“, sondern „der VEREIN hat das so gesagt“. Das deutet angesichts seiner Amtsniederlegung am Samstag schon zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass Weinzierl mit der späten Ansetzung der Gespräche seitens des Vereins nicht einverstanden war und sich seine Wege und die des FCA wahrscheinlich trennen werden.

Aus für Hofmann

Allein das war schon dicke, am Freitag kam’s dann aber noch dicker. Klaus Hofmann gab bekannt, dass er seine Ämter als Präsident des Fußball-Club Augsburg 1907 e. V. und als Geschäftsführer der FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA, in der die Lizenzspielermannschaft ausgegliedert ist, niederlegt. Aus gesundheitlichen Gründen, hieß es in der Pressemeldung.

Pam. Ein absoluter Hammer, mit dem wohl kaum jemand, der sich nicht im Augsburger inner circle aufhält, gerechnet hätte. Da war die Aufregung natürlich gleich noch größer. Und noch mehr Fragen kamen auf: Wer folgt ihm nach? Werden die beiden vakanten Posten wieder mit einer oder zwei Personen besetzt? Welches Gremium ist jeweils für die Bestimmung eines Nachfolgers zuständig? Diese und noch mehr Fragen hat sich auch Andy gestellt.

Von Leichtigkeit…

Nach einigem Austausch mit den RoGaz-Kolleg*innen, der mir geholfen hat, zuversichtlich zu sein in puncto Nachfolgerfindung für Hofmann, ging’s dann auf in die WWK-Arena. Wetter: der Knaller. Stimmung: zumeist auch. Spannend fand ich auch die verspätete Verabschiedung von Alex Manninger vor Abpfiff. Einerseits erinnerte sie daran, dass auch er, als er 2016 keinen neuen Vertrag mehr erhielt, keine offizielle Verabschiedung bekam. Andererseits hatte Stefan Reuter in seiner Ansprache, wenn ich mich nicht komplett verhört habe, etwas von „gemeinsamer Zusammenarbeit“ gesagt. War das vielleicht schon ein dezenter Hinweis auf eine Antwort auf die vielen offenen Fragen?   

Das Spiel selbst war freilich kein Augenschmaus. Als Fürth zum 1:1-Ausgleich kam, wurde es auf der UBT gleich entsprechend ruhiger. Da wackelte er, der von mir so sehnlich herbeigewünschte, versöhnliche Saisonabschluss. Der 2:1-Siegtreffer durch Gregerl war dann aber der ultimative Stimmungsbooster. Und den Spielern und ihren Kids dabei zuzuschauen, wie sie – nach Klassenerhalt mittlerweile – unbeschwert lachen und sich feiern lassen, hat mich für diesen Tag endgültig versöhnt. (Ok, das Freibier und -wasser war auch nicht schlecht 😊.)  

Bei Freibier und Freiwasser kam Freude auf.

…zu vollem Ernst

Richtig ernst wurd’s dann erst wieder, als über diverse Chats und soziale Medien durchsickerte, dass Markus Weinzierl am Sky-Mikro (!) mitgeteilt hatte, er steht nicht mehr als Trainer zur Verfügung (!) und hat Sportdirektor Stefan Reuter auch noch nicht darüber informiert (!). Von der Tribüne aus hat man davon nichts mitbekommen. Ich zumindest nicht.

Zuerst habe ich mich empört. Weinzierl kann das doch nicht einfach so kommunizieren! Eigenmächtig! Mit dem Verein unabgesprochen! Und das auch noch vor laufenden TV-Kameras! Wie unorthodox und geradezu unprofessionell, wie Andy bereits schrieb! Auch habe ich mich an meine Kritik erinnert, die ich in einem ganz ‚gewöhnlichen‘ Nachbericht, den ich eigentlich geplant hatte, gerne untergebracht hätte: Wenn man mit Weinzierl verlängert, besteht die Gefahr, dass unsere Spielweise, vor allem in Ballbesitz, konzeptlos bleibt, Jugendspieler nicht sinnvoll integriert, aufgebaut und gehalten werden. Das geht auf Weinzierls Kappe. Gut, dachte ich, zumindest das wäre mit seinem Weggang schon mal passé, obwohl ich von Anfang an zum „Team Weinzierl“ gehört habe. Außerdem gehe ich auch d’accord damit, dass der scheidende Trainer durch sein Vorpreschen der Außenwelt zuerst SEINE Version der Geschehnisse präsentieren konnte, in der er die Deutungsmacht über seine eigene Darstellung(en) übernimmt (und sie dem Verein umgekehrt wegnimmt).

Tiefe Einblicke ins FCA-Innere

Dass er diesen unorthodoxen Schritt aber getan hat, um sich in erster Linie als erfolgreichen Bundesliga-Trainer darzustellen, der unter besseren Bedingungen (noch) besser performen könnte, und damit seine weitere Karriere voranzutreiben, sehe ich nicht so. Ich sehe in seinem Handeln vordergründig kein Eigeninteresse. Denn kann es in seinem eigenen Interesse liegen, sich gegenüber potentiellen künftigen Arbeitgebern in der Liga als jemand zu präsentieren, der sich über interne Kommunikationsregeln und Verschwiegenheitsklauseln hinwegsetzt?

Weinzierl hat den Gang vor die TV-Kamera vielmehr als „letzten Ausweg“ gewählt, um Außenstehenden einen Einblick in den fast hermetisch abgeriegelten FCA-Kosmos zu gewähren, aus dem – so ja auch die Policy – kaum etwas nach draußen dringt. Hätte die verbliebene Geschäftsführung um Reuter vorher von seiner Absicht gewusst, hätte sie die Message vereinskonform und ohne interne Diskrepanzen offenzulegen übermittelt.

Und genau das, so mein Eindruck, wollte Weinzierl vermeiden. Er wollte, dass Fans und Öffentlichkeit erfahren, was intern, beim Umgang mit Spielern, Trainer und auch in der Führungsetage nicht stimmt. Dafür bin ich Markus Weinzierl fast noch dankbarer als für Europa League-Teilnahme, alle Nicht-Abstiege und alle unvergesslichen Partien zusammen!

Der Rätsel Lösung?

Auch bei Weinzierls Aussagen, die er am Donnerstag und Samstag getätigt hat, müssen wir natürlich davon ausgehen, dass sie nicht der „ganzen“ Wahrheit entsprechen. Wie schon gesagt, es ist seine Version. Trotzdem haben sie, selbst wenn sie nur teilweise zutreffen, ein paar wichtige Erkenntnisse geliefert, über die wir Fans uns schon lange den Kopf zerbrochen haben.

Auf der PK nach dem Spiel am Samstag bekräftigte Weinzierl, wie schon am Donnerstag, dass mit den Spielern, deren Verträge auslaufen, über ihren Abgang oder Verbleib noch nicht gesprochen worden sei. Es sei in den letzten Wochen eine tägliche Frage gewesen, die die Spieler ihm und sich auch untereinander immer wieder gestellt hätten. Die Unruhe ausgelöst habe. Das kann man mehr als nachvollziehen. Wie soll man bitte seine volle Leistungsfähigkeit einbringen und sich für seinen Arbeitsgeber aufopfern, wenn man sich nicht sicher ist, ob man in ein paar Wochen überhaupt noch dort arbeitet? Eine solche Situation raubt Kräfte. Und die fehlen bei der täglichen Arbeit. Natürlich!

Wie kann das den Verantwortlichen wie einem Stefan Reuter nicht klar sein? Oder steckt dahinter womöglich fast schon System, das keine Rücksicht auf die Bedürfnisse des „Spielermaterials“ nimmt, von ihm aber trotzdem Höchstleistungen erwartet? Kein Wunder, dass Leistungen angesichts dessen schwanken. Dass Spieler sich wegstreiken oder gar nicht erst kommen. Dass Talente lieber woanders ihr Glück versuchen.

Vor dem Hintergrund von Weinzierls Schilderungen zum Umgang mit Spielern erscheinen die “Querelen” um viele Ehemalige wie z.B. Kevin Danso in einem ganz anderen Licht. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Von wegen Gesundheit?

Und dann sagte Markus Weinzierl über Hofmann, der für ihn eine Säule gewesen sei, auch noch:

„Er war am Donnerstag noch am Trainingsplatz gestanden, ist auf die Geschäftsstelle gegangen, war quietschfidel eigentlich.“

Markus Weinzierl in der PK am 14.05.2022

Damit stellte er den vorgeblichen Grund, weswegen der bisherige Präsident und Geschäftsführer aufgehört hatte, explizit infrage und nährte im Grunde Vermutungen, die von einigen Seiten bereits angestellt wurden: In Wahrheit tobt beim FCA unter den Geschäftsführern Hofmann und Reuter seit längerer Zeit ein Machtkampf, dessen Ausmaß größer ist als bisher angenommen. Der ohne Weinzierls Courage vielleicht gar nicht an die Öffentlichkeit gelangt wäre und so weiter Rätselraten über inkonstante Spielerleistungen, Rücktritte und andere unerfreuliche Entwicklungen wie etwa unterlassene Verabschiedungen (drei Aufrufezeichen!!!) angesagt gewesen wäre.

So aber kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen als: Wenn ein echter Umbruch in der Vereinskultur her soll, die plötzlich gar nicht mehr so familiär wirkt wie einst, muss auch der verbleibende Geschäftsführer den Hut nehmen. Zu kaum einem anderen Zeitpunkt wurde das deutlicher. Danke Markus, dass du mir und vielen anderen zu dieser Einsicht verholfen hast! Was aber auch bedeutet: Sollte Reuter bleiben, könnte sich mein anfänglich nur leicht flaues Gefühl im Magen und mein bisher wenig besorgniserregender Bammel auch zu einer ernsthaften Angst um unseren Verein auswachsen.

Break

Mit dem vorangegangenen Text, mit dem ich die ohnehin schon geballte Ladung an Ereignissen für mich rekapitulieren lassen und ein bisschen Ordnung in mein Gefühlschaos bringen wollte, bin ich Sonntagabend um ca. 23.30 Uhr fertig. Dachte ich zumindest. Denn dann kam der nächste, an Ungeheuerlichkeit kaum zu überbietende In your face-Moment, als die Community auf einen Bild-Artikel gestoßen war, der davon sprach, Hofmann sei von seinen Geschäftsführerkollegen erpresst worden. Der Verein wies die Meldung heute als Falschinformation zurück.

Doch so schnell wird es nicht mehr ruhig werden um den FC Augsburg. Ganz im Gegenteil. Die Hüllen sind – auch dank Markus Weinzierl – gefallen. Und sie haben den Blick freigelegt auf Verhältnisse, die mit Werten wie Zusammenhalt oder Familie nur noch herzlich wenig zu tun haben. (Ganz unabhängig davon, ob an dieser Bild-Story irgendetwas dran sein sollte oder nicht.) Mit dieser neuen Realität müssen wir alle jetzt erstmal klarkommen.

Hommage an Hahn

Dieser Artikel ist ein weiterer Teil unserer kleinen Reihe „player to watch“. Darin rücken wir jeweils einen Spieler in den Fokus, weil er es sich im Laufe der Saison einfach verdient hat. Seid gespannt, wen wir euch als Nächstes präsentieren!

Am Freitagnachmittag hatte ich einen kleinen Schockmoment. Auf meinem Handy ploppte plötzlich die Nachricht auf: „Rückschlag vor Kellerduell: Augsburgs komplette Offensivreihe fällt aus“. Nervös öffnete ich sie. „Das kann ja jetzt wohl echt nicht wahr sein“, dachte ich. Hastig scrollte ich nach unten und musste dann lesen, dass nicht nur Michael Gregoritsch, unser aktueller Torgarant, positiv auf das Coronavirus getestet wurde und damit für das Match gegen Wolfsburg ausfällt, sondern auch (erneut) André Hahn. Damit brach für mich eine kleine Welt zusammen. Gerade im Abstiegskampf halte ich Hahn für einen Spieler, der nur schwer ersetzbar ist. Und zweitens könnte der „Hahno“-Countdown beim FC Augsburg schon begonnen haben. Das heißt: Womöglich bleiben erklärten Fans wie mir immer weniger Spieltage, um den 31-Jährigen noch im FCA-Dress zu erleben.

Höchste Zeit also, um André Hahn eine kleine Hommage zu widmen. Enthalten muss die natürlich, wie Hahn sich innerhalb kürzester Zeit vom Regionalligakicker in die Bundesliga aufgeschwungen hat und beim FCA plötzlich in einer Reihe mit Ernst Lehner, Ulrich Biesinger und Helmut Haller stand. Außerdem will ich auch überlegen, wie realistisch das Abgangs-Szenario im Sommer wirklich ist.

Landkind

André Hahn kommt 1990 in der Kleinstadt Otterndorf auf die Welt. Die niedersächsische Stadt hat weniger als 7.500 Einwohner und liegt an der Nordsee, nicht weit weg vom Wattenmeer. Hier, umgeben von Wiesen, Wasser und Dünen, wächst André zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Marcel auf dem Familienhof auf. Der Sport scheint bei Hahns in der Familie zu liegen. Oma Ute war einmal eine der erfolgreichsten Reiterinnen Norddeutschlands und auch Papa Andreas, der von Beruf Versicherungskaufmann ist, war beim TSV Otterndorf für die Handballmannschaft aktiv.

Andrés Leben scheint erst nicht viel anders zu verlaufen als das von anderen Kindern und Jugendlichen. In der Otterndorfer G-Jugend fängt er mit dem Kicken an. Sein erster Trainer, Werner Würger, erinnert sich an ihn als einen Spieler, der „in seinem Jahrgang sicherlich der Schnellste und Beste“ war, wohl aber auch ein bisschen eigensinnig. Das trieb Würger ihm aus. Bis heute habe Hahn sich den Teamgedanken zu Herzen genommen. Ich finde, das kann man bei ihm fast an jedem Spieltag beobachten.

Endstation Regionalliga?

Mit zunehmendem Alter schließt sich Teenie Hahn den Jugendmannschaften der nächstgrößeren Städte Cuxhaven und Bremerhaven an. Mit 17 schafft er es zum HSV, zu seinem Lieblingsverein. Erst in die A-Jugend, später auch in die Zweite Mannschaft. Nebenbei wird er Fahrzeuglackierer. Nach 38 Regionalliga-Partien für die Hamburger schließt sich Hahn 2010 dem Liga-Konkurrenten FC Oberneuland an. Doch er kündigt seinen Vertrag dort vorzeitig. Will stattdessen noch eine Ausbildung im Versicherungsbüro des Vaters anfangen, die Fußballschuhe an den Nagel hängen.

Zum Glück hat er’s nicht gemacht! Denn nach seiner Kündigung geht’s steil aufwärts für den damals 20-Jährigen. Seine „Defizite“ liegen vor allem im technischen Bereich, wie er selbst auch einmal zugab. Die spielen jetzt – wie etwa noch in Hamburg – aber plötzlich keine Rolle mehr. Was zählt, sind Tore, die er jetzt macht und damit die Aufmerksamkeit aus der dritten Liga auf sich zieht. Koblenz holt den Angreifer, der schon damals auf beiden Flügeln und auch im Sturmzentrum spielen kann, für den Rest der Saison zu sich. 2011 nehmen die Kickers Offenbach Hahn für eineinhalb Jahre auf. Während dieser Zeit lernt er auch seine spätere Frau Ragna kennen. In der Winterpause der Saison 2012/2013 klingelt bei André Hahn dann unverhofft das Telefon.

In der Rückrunde 2013 war Neuzugang André Hahn im Abstiegskampf gleich eine große Hilfe. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Reuters Riecher

Am Apparat ist Stefan Reuter, der den bulligen Flügelmann zum FC Augsburg in die erste Bundesliga lotsen will, bevor es etwa die Eintracht aus dem benachbarten Frankfurt tut. 250.000 € Ablöse bekommen die Offenbacher für Hahn. Der befindet sich mit 22 zum ersten Mal in der ersten Liga. Und gleich mitten im Abstiegskampf, für den er aber wie gemacht ist. Einsatz, Wille, Durchsetzungskraft. Das alles hat Hahn, der Fußball arbeitet und ackert. Außerdem läuft er seinen Flügel ab „wie ein Gestörter“, wie Mannschaftskollege Marvin Hitz mal festgestellt hat. Auch heute noch, mit seinen 31 Jahren, taucht Hahno mit knapp 12 km/Spiel immer ganz oben in der Laufleistungstabelle auf. Nicht umsonst heißt es in Augsburg ja auch: „Der Hahn muss laufen“.

Anfang 2014 traut André Hahn seinen Ohren nicht, als Hansi Flick ihn anruft und ihm sagt, er sei mit an Bord der Nationalmannschaft. Beim Testspiel gegen Chile im März 2014 steht er zunächst im Kader, beim 0:0 gegen Polen feiert er sein Debüt, als er nach der Halbzeit für den verletzten Leon Goretzka eingewechselt wird. Damit ist Hahn seit Helmut Haller, der von 1957 bis 1962 für den BC Augsburg spielte und zwischen 1958 und 1970 auf 33 Länderspieleinsätze kam, erst der vierte FCA-Spieler, der für die deutsche Nationalmannschaft nominiert worden wird. Vor Haller schafften das nur noch Ulrich Biesinger und Ernst Lehner. Hahn in einer Reihe mit Haller, Biesinger und Lehner. Hätte ihm das jemand vor einem Jahr erzählt, hätte er wahrscheinlich – wie beim Anruf von Flick – auch erst gedacht, er wird verarscht.

Hahns Höhenflug

Seit Hahns Bundesligadebüt für den FCA am 20.01.2013 gegen Fortuna Düsseldorf, das zugleich die Wende im eigentlich schon aussichtlosen Abstiegskampf einläutete, sind knapp eineinhalb Jahre vergangen. Gerade in der Saison 2013/14 bestreitet Hahn auf dem rechten Flügel fast alle Partien über die komplette Spielzeit und verhilft dem FCA auf Tabellenplatz 8. Spätestens seine Nominierung für die Nationalelf ruft endgültig die Konkurrenz auf den Plan. Vor dem Hintergrund seiner „American-Dream-Geschichte“ finde ich es absolut verständlich, dass der Niedersachse es damals nicht beim FCA belassen hat, sondern sehen wollte, wie weit sein Traum ihn trägt. Ein anderer Verein ist dazu vielleicht auch näher am Wohnort seiner Familie, mit der Hahn nach wie vor eng verbunden ist. Trotzdem war ich damals doch ziemlich geknickt, als er sich im Sommer 2014 letztlich nach Gladbach verabschiedet hat.   

Mit Gladbach war André Hahn in der Champions League auch beim FC Barcelona und Lionel Messi zu Gast. (Photo by JOSEP LAGO/AFP via Getty Images)

 In den drei Jahren, die der Offensivmann für die Borussia spielt, erklimmt er eine weitere Stufe der Karriereleiter. Die Fohlen spielen 2015 und 2016 Champions bzw. Europa League. Und mit ihnen Hahn, der in seinen insgesamt 17 internationalen Einsätzen Teams wie Manchester City, Juventus Turin oder Barcelona gegenübersteht. Verstärkt wird Hahn am Niederrhein im Sturmzentrum eingesetzt. Trotzdem bleibt ihm aber oft nur die Jokerrolle, weil er es an Leuten wie Lars Stindl oder Thorgan Hazard nicht vorbeischafft. Da bringt sich erneut der HSV ins Spiel, der Hahn für rund 6 Mio. Euro als Köngistransfer zurück an die Elbe holt. Was die Nähe zu seiner norddeutschen Heimat angeht, natürlich ein Glücksfall für Familienmensch Hahn. Sportlich stellt sich die Station allerdings (erneut) als Flop heraus. Und so flüchtet sich Hahn nach dem erstmaligen Bundesliga-Abstieg des HSV im Sommer 2018 zurück zum FC Augsburg.

Zweite Heimat

Im Mai 2018 unterschrieb Hahn beim FCA also einen Vier-Jahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2022. In der Pressemitteilung zu seiner (Wieder-)Vorstellung wird er folgendermaßen zitiert:

„Ich freue mich, wieder zurück in Augsburg zu sein, weil ich mich hier sehr wohl gefühlt und dem Verein viel zu verdanken habe. Der FCA schenkt mir erneut das Vertrauen und das möchte ich dem Verein, allen Verantwortlichen und den Fans zurückgeben.“

André Hahn in der FCA-Pressemitteilung vom 30.05.2018

Um sich in und um Augsburg diesmal noch wohler zu fühlen, hat sich Familie Hahn seit Herbst 2018 in einem Haus im Unterallgäu niedergelassen. Zaisertshofen heißt das 1000-Einwohner-Dorf, das 40 Autominuten vom FCA-Trainingsgelände weg und – wie einst Otterndorf – ebenfalls mitten in der Natur liegt. (Dass es im Allgäu richtig hübsch ist, kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen.) Mittlerweile haben die Hahns zwei Söhne.

Anders als in seiner ersten Phase leitete beim FCA nun Manuel Baum die Trainergeschicke, der auf dem rechten Flügel nach wie vor auf den inzwischen 28-Jährigen baute. Unter Martin Schmidt hatte er es schwerer. Hahn wurde zugunsten von Marco Richter oder Ruben Vargas öfter ganz aus dem Kader gestrichen. Während Heiko Herrlich den 1,85 Meter-Mann am liebsten im Sturm auflaufen ließ, wird er von Markus Weinzierl heute flexibler eingesetzt als noch während Hahns erster Phase unter dem heutigen Chef-Coach. Zum Beispiel bildete Hahn seit dem 2:1-Sieg gegen die Bayern, zu dem er auch einen Kopfballtreffer beisteuerte, bis zum Ende der Hinrunde zusammen mit Andi Zeqiri eine Doppelspitze. (Was aber auch der Verletzung von Flo Niederlechner geschuldet war.) In Summe hat Hahn für den FCA 156 Spiele bestritten und dabei 33 Tore und 28 Vorlagen erzielt.

Should I stay or should I go?

Ob Hahn an die fast fünfeinhalb Jahre FCA ab Juni 2022 noch ein Weilchen dranhängt, ist bisher noch nicht klar. Wie die AZ kürzlich berichtet hat, liegen ihr Informationen vor, nach denen sich der Vertrag von André Hahn über eine Klausel zu gleichen Konditionen um ein Jahr verlängern könnte. Voraussetzung dafür wäre eine gewisse Zahl von Startelfeinsätzen. Hier steht der 31-Jährige aktuell bei 21, wobei er für diese „automatische“ Verlängerung angeblich zwischen 25 und 30 erreichen müsste. Dem Verein steht es natürlich aber auch offen, unabhängig vom Greifen der Klausel mit Hahn über einen Verbleib zu verhandeln.

Was! Für! Ein! Strahl! war das 2:0 durch André Hahn gegen Union Berlin am 21. Spieltag.
(Photo by Alexandra Beier/Getty Images)

Als bekennender Hahno-Fan befürworte ich das natürlich sofort! Es gibt aber auch eine Reihe ganz rationaler Argumente, die dafür sprechen. Zunächst ist da diese körperliche Präsenz von Hahn, die jetzt schon häufiger angesprochen wurde. Der Kicker drückt das so aus: „Der robuste Angreifer lebt seit jeher die Basics des Profifußballs: extreme Mentalität und Tempo schlagen Feinmotorik und launisches Talentedasein.“ Dabei heraus kommen dann entweder Gegner, die sich die Zähne an Hahn ausbeißen, atemberaubende Gewaltschüsse wie das 2:0 gegen Union Berlin oder auch kleine Showeinlagen wie der missglückte, aber unglaublich unterhaltsame Rabona-Trick gegen seinen Ex-Club Gladbach.

Wie sagte schon sein Vater so schön:

„André ist auf dem Land groß geworden. Er hat von klein auf mitbekommen, dass man sein Geld mit Arbeit verdient. Und er hat sich im Fußball alles erarbeitet. Er ist ja nicht der ganz große Techniker“.

Vater Andreas Hahn über seinen Sohn in der AZ vom 28.02.2014

Die fehlende technische Finesse könnte man Hahn natürlich auch als Nachteil auslegen. In der Spielweise des FCA mit seinem hohen Pressing und den schnellen Umschaltmomenten und Abschlüssen fällt das aber kaum ins Gewicht. Nach dem Ausfall von Noah Sarenren Bazee, der zuletzt auf dem rechten Flügel zu seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Saison kam, könnte Hahn auf dieser Position sogar noch wichtiger werden. Auch weil Lasse Günther vom Trainerteam eher links gesehen wird und es auch keinen Unterschied macht, ob Reuter mit seiner Offerte in Richtung Linton Maina von Hannover 96, der womöglich als Ersatz für Bazee geplant ist, Erfolg hat oder nicht.

Fazit

Mir sitzt definitiv die Hahn-Brille auf der Nase und ich würde mich unglaublich freuen, Hahno noch eine weitere Saison beim FCA sehen zu können. Sofern er und seine Familie es sich ebenfalls vorstellen können, noch länger in ihrer „zweiten Heimat“ in Schwaben zu bleiben.

Mich faszinieren seine Geschichte und seine Person. Das HSV-Magazin hat dazu mal geschrieben: „Der Weg von André Hahn ist besonders. Deshalb ist André Hahn so normal.“ Genau das ist es, warum ich ihn so schätze. Seine Bodenständigkeit, seinen Fleiß, seinen Kampfgeist. Seine Ruhe und Zurückhaltung, obwohl er gleichzeitig richtig beißen, sich für sein Team aufopfern kann.

Auch wenn es erwiesenermaßen nicht zu empfehlen ist, dass Sportlerinnen und Sportler nach einer Coronainfektion zu schnell wieder in den Trainings- und Spielbetrieb einsteigen, habe ich mich am Sonntag insgeheim doch diebisch gefreut, dass Hahno beim überraschenden 3:0 gegen Wolfsburg die letzten zehn Minuten doch noch aktiv am Spiel teilnehmen durfte. Spätestens zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen kleinen Schock von Freitag dann auch komplett überwunden.

Folge 25: #Wolfsgschwätz

Wir drei Mädels, das sind Birgit, Franzi und Irina, haben uns über die Rosenau-Gazette kennengelernt und pflegen seit jeher eine rege Diskussionkultur in und um Spieltagen zum sportlichen Geschehen des FCA. Irgendwann, so kurz vor Weihnachten des zurückliegenden Jahres, kam dann die Idee auf, warum nicht dieses #Gschwätz vertonen? Die Puppn, das sind wir drei und steht zudem für unsere altehrwürdige Augsburger Puppenkiste. Und Gschwätz? Das bedeutet dann doch einfach nur Klatsch und Tratsch im schwäbischen Sprachgebrauch. Zusammen ergibt es das Puppngschwätz, den FCA Podcast von drei Augsburger Mädels – zum Reinhören für alle, die es mit dem geilsten Club der Welt halten oder einfach nur Lust auf einen Plausch unter Sportskameradinnen haben.

Nach der Länderspielpause rollt an diesem Wochenende der Ball in der Bundesliga wieder. Und damit natürlich auch für den FC Augsburg, der am Sonntag um 15.30 Uhr daheim in der WWK-Arena gegen den VfL Wolfsburg ranmuss. Irina, Birgit und ich haben aus diesem Anlass eine neue Folge “Puppngschwätz” gebastelt.  

Zum Einstieg heißt es gleich: Wie ist die Stimmung vor dem Spiel? Schlottern uns schon die Knie? Oder sind wir voller Hoffnung auf ein paar Punkte? Im Anschluss gibt es dann die aktuellen Neuigkeiten vom FC Augsburg. Inklusive der News, die auf der Pressekonferenz vor der Partie mitgeteilt wurden. Wobei ich schon verraten kann, dass mindestens eine Nachricht uns förmlich vom Hocker gerissen hat.

Zwar haben wir diesmal keinen Gast für unser #Fangschwätz eingeladen. Allerdings werden wir euch ebenfalls eine ausführliche Gegneranalyse liefern. Wie ist der VfL einzuschätzen? Auf welchen Wolf muss der FCA besonders aufpassen? Und welche Aufstellung wird der FCA gegen sie aufs Feld bringen?

Unsere Kategorie #Promigschwätz ist diesmal reichlich bestückt. Denn wenn man mal tiefer in die Geschichtsbücher schaut, tauchen doch so einige Akteure auf, die schon mal etwas mit unserem aktuellen Gegner, dem VfL Wolfsburg, zu tun hatten. Außerdem zieht sich das bis in die Gegenwart durch.

Vorenthalten wollen wir euch auch nicht die aktuellen Gerüchte, von denen in den vergangenen Tagen ein paar aufgelaufen sind. Außerdem sehen wir uns an, wie unsere FCA-Profis mit ihren Nationalteams abgeschnitten haben. Nach der Lage der Liga geben wir traditionell unsere Tipps ab.

Am Ende wollen wir euch noch das Fußballfest näherbringen, das diese Woche in der Champions League der Fußballfrauen stattgefunden hat, und unsere kleine Spendenaktion, die wir uns überlegt haben.

Die Episode #Wolfsgschwätz hört ihr unter folgenden Links:

Folge 23: #Grantlerinnengschwätz

Wir drei Mädels, das sind Birgit, Franzi und Irina, haben uns über die Rosenau-Gazette kennengelernt und pflegen seit jeher eine rege Diskussionkultur in und um Spieltagen zum sportlichen Geschehen des FCA. Irgendwann, so kurz vor Weihnachten des zurückliegenden Jahres, kam dann die Idee auf, warum nicht dieses #Gschwätz vertonen? Die Puppn, das sind wir drei und steht zudem für unsere altehrwürdige Augsburger Puppenkiste. Und Gschwätz? Das bedeutet dann doch einfach nur Klatsch und Tratsch im schwäbischen Sprachgebrauch. Zusammen ergibt es das Puppngschwätz, den FCA Podcast von drei Augsburger Mädels – zum Reinhören für alle, die es mit dem geilsten Club der Welt halten oder einfach nur Lust auf einen Plausch unter Sportskameradinnen haben.

BÄÄÄÄÄM OIDA! Mitten in die Augschburger Lädschn und das Fanherz! Die mehr als unnötige Niederlage des FC Augsburg gestern in Stuttgart hat uns drei Mädels ganz schön weh getan. Da mussten sogar Frustbier und Schokolade ran, um uns irgendwie wieder aufbauen zu können.

Da wir noch immer sehr emotional sind, bekommt ihr uns in dieser Folge auf eine etwas andere Art zu hören. Denn wir verzichten heute auf die klassische Analyse und haben uns stattdessen vorgenommen, über drei große Themen zu diskutieren. (Und – wie es sich für bayerische Schwäbinnen und Augsburgerinnen eben gehört – hier und da auch mal bissle zu granteln.)

Als Erstes sprechen wir in der Diskussion das Spielgeschehen an und picken uns die Ereignisse heraus, die wir als Highlights (oder auch Tiefpunkte) der Partie erachtet haben. Die insgesamt fünf Tore dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Aber auch den Lattenschuss von André Hahn oder dass die Legio in der Mercedes Benz-Arena gesichtet wurde, fanden wir erwähnenswert.

Dann knöpfen wir uns die individuellen Spielerleistungen vor. Dabei sind uns Rafal Gikiewicz oder Ruben Vargas leicht negativ aufgefallen, unsere Innenverteidigung, André Hahn oder Michael Gregoritisch dagegen leicht positiv. Allerdings ließ sich die bittere Niederlage Einzelspielern nicht richtig zuordnen, sondern ist vielmehr Ergebnis einer ungenügenden Mannschaftsleistung. Oder haben etwa die Wechsel in der zweiten Halbzeit den Ausschlag gegeben? Wie sinnvoll waren sie? Und wenn man nun bedenkt, wer dafür verantwortlich ist, ist ja vielleicht doch ein Schuldiger gefunden?

So einfach ist es nicht. Das stellen wir in unserem dritten Teil fest, in dem es zuerst einmal um Taktik, System und Aufstellung geht. Wie ist die 5er-Kette im Vergleich zur 4er-Kette zu bewerten? Warum kriegen wir unsere Stürmer nicht in Szene gesetzt? Dabei scheuen wir uns auch nicht davor, auch die große T- und SD-Frage zu stellen. Wobei es – wie schon gesagt – auf diese Frage aus unserer Sicht keine einfache und vor allem sofort praktikable Antwort geben kann.

Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die Schiedsrichterleistung, die Konkurrenz und die anstehende Länderspielpause. Aber grantig sind wir drei Puppn auch jetzt noch, denn als FCA-Fan hat man es in diesen Tagen wirklich nicht leicht…

Die Grantlerinnen-Episode hört ihr unter folgenden Links:

Podcast.de: https://www.podcast.de/episode/592578334/20032022-grantlergschwaetz

Anchor: https://anchor.fm/irina-mira/episodes/20-03-2022—Grantlerinnengschwtz-e1g05qo

Spotify: https://open.spotify.com/episode/3kpmnvnaiYuBKsfJv8m1yU?si=m8VYvsz7TDqevi1_vZ72wQ&utm_source=whatsapp

Folge 17: #Alternativgschwätz

Wir drei Mädels, das sind Birgit, Franzi und Irina, haben uns über die Rosenau-Gazette kennengelernt und pflegen seit jeher eine rege Diskussionkultur in und um Spieltagen zum sportlichen Geschehen des FCA. Irgendwann, so kurz vor Weihnachten des zurückliegenden Jahres, kam dann die Idee auf, warum nicht dieses #Gschwätz vertonen? Die Puppn, das sind wir drei und steht zudem für unsere altehrwürdige Augsburger Puppenkiste. Und Gschwätz? Das bedeutet dann doch einfach nur Klatsch und Tratsch im schwäbischen Sprachgebrauch. Zusammen ergibt es das Puppngschwätz, den FCA Podcast von drei Augsburger Mädels – zum Reinhören für alle, die es mit dem geilsten Club der Welt halten oder einfach nur Lust auf einen Plausch unter Sportskameradinnen haben.

Unsere heutige Folge steht voll und ganz unter dem Eindruck der 1:2-Heimniederlage, die der FCA gestern gegen Freiburg hat einstecken müssen. Sie trägt den Titel „Alternativgschwätz“, weil gestern in der WWK-Arena doch so einiges anders gelaufen ist als sonst. Zum Beispiel auf der Trainerbank, im Fanblock und sogar über die Stadionlautsprecher. Birgit, die gestern im Stadion war, wird uns dazu ein bisschen was erzählen.

Markus Weinzierl, der mit dem Coronavirus infiziert ist, hat seine Vertreter an der Seitenlinie auflaufen lassen. Auch wenn diesmal sogar wieder 15.000 Zuschauer*innen ins Stadion durften, ist die Stimmung noch nicht wieder die alte. Der Funke springt oft nicht über. Das liegt auch daran, dass die Augsburger Ultra-Szene nach wie vor nicht organisiert auftritt, selbst wenn Mitglieder in der WWK-Arena sein sollten. Und sogar „auf den Ohren“ gabs Veränderungen, denn auch Stadionsprecher Rolf Störmann hat das Virus erwischt…

Aber natürlich werden wir uns auch über Dinge unterhalten, bei denen sich (leider) nicht viel geändert hat. Dazu sezieren wir die beiden Halbzeiten von #FCASCF und stoßen auf (so verflucht bekannte) Probleme wie Abwehr- und Abschlusschwäche. Auch die Stimmen zum Spiel haben wir uns ganz genau angehört und sind davon alles andere als begeistert. Umso begeisterter sind wir, dass wir im #Fangschwätz wieder eine Gästin begrüßen dürfen: Silvana Kleer. Zuletzt soll es trotz allem auch wieder Spielernoten geben. Natürlich muss angesichts der Enge im Tabellenkeller auch die Lage der Liga begutachtet werden. Und was hat eigentlich Heiko Herrlich mit alledem zu tun?

Wenn ihr das wissen wollt, hört gerne rein in die aktuelle Folge! Wir freuen uns wie immer sehr über eure Streams. Klickt einfach auf den jeweiligen Anbieter:

Podcast.de: https://www.podcast.de/episode/591251540/20022022-alternativgschwaetz

Spotify: https://open.spotify.com/episode/3bNDC19sVMZKuhwuYVaBir?si=MSwZ9p5GStCvpy9BuzGVEg&utm_source=copy-link&nd=1

Anchor: https://anchor.fm/irina-mira/episodes/20-02-2022—Alternativgschwtz-e1eljtm

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