Vom YouTube Video zum Fanprojekt

Birgit Kaiser ist seit sie denken kann FCA-Fan und war vor der Corona-Pandemie regelmäßig in der WWK-Arena – am liebsten mit ihrer Tochter. Aufgrund der langen Stadion-Abstinenz hat sich die 33jährige ein Herz gefasst und Motivationsbrief sowie -video für den FCA erstellt – dies entwickelte sich schnell zum Fanprojekt. Die Rosenau-Gazette wurde so auf die gebürtige Augsburgerin aufmerksam und hat diese über Facebook angesprochen. Heraus kam dieser Gast-Beitrag, den sie zusammen mit RoGaz-Autorin Irina zu ihrem “Herzensprojekt” verfasst hat. Doch lest nachfolgend selbst, was die Organisatorin dazu zu berichten hat:

Im Herzen vereint

Oft heißt es doch sprichwörtlich: „Die spontanen Dinge im Leben sind die besten.“ Das lässt sich auf vielerlei Aktionen im Alltag übertragen. Sei es trotz akuter Unlust etwas zu unternehmen und dann doch einen der schönsten Tage im Leben zu erleben. Oder man geht zufällig irgendwo hin und lernt die Liebe seines Lebens kennen, obwohl man gar nicht damit gerechnet hat.

Ähnlich erging es mir mit dem Fanprojekt, das ich vor kurzem ins Leben gerufen habe. Aber bevor ich damit beginne, möchte ich euch einen kurzen Einblick in mein Leben geben: Schon seit ich denken kann, bin ich absolut fußballbegeistert. Ich bin in einer Familie groß geworden, in der Fußball genauso zum Alltag gehört wie das Abendessen. Mein Vater hat selbst in der Altherrenmannschaft unseres Dorfes gespielt und am Wochenende stand immer Bundesliga auf dem Programm.

Gefühlt jedes Fußballspiel lief bei uns im TV und so war es kein Wunder, dass ich selbst gegen den Ball trat. Ich liebte es, meinem Vater beim Jubeln zuzusehen und sammelte mit ihm die schönsten Kindheitserinnerungen, als er mich mit ins Stadion nahm. Dazu muss ich sagen, dass mein Vater Bayernfan war, aber ich verwende in diesem Fall gerne den Spruch „In den Farben getrennt, im Herzen vereint.“ Wir alle teilen die gleiche Leidenschaft – den Fußball – und dabei ist es egal, für welchen Verein man ist. Was ich sagen möchte, ist, dass ich meinem Vater die Leidenschaft für diesen unglaublichen Sport verdanke, der zwar oft einiges an Nerven kostet, aber trotzdem kann man nicht ohne ihn leben.

Nie mehr ohne den FCA

Zum FCA kam ich, als dieser noch in der Regionalliga Süd gespielt hat, genauer gesagt in der Aufstiegssaison 2005/06. Natürlich habe ich den FCA schon länger verfolgt, aber noch niemals live vor Ort im Stadion. In diesem Jahr jedoch nahm mich ein guter Freund das erste Mal mit in die Rosenau. Und was soll ich sagen: Schon vom ersten Spiel an war ich begeistert. Die ansteckende Stimmung, die Welle purer Emotionen und der Kampfgeist, den die Jungs auf dem Platz zeigten, gingen auf mich über und mit jedem Spiel, das ich mir anschaute, schweißte sich mein Herz mehr und mehr an diesen Verein. Ich fieberte mit, als man beinahe abstieg, fluchte wie einst mein Vater, als man gegen Nürnberg in der Relegation verlor und freute mich umso mehr, als wir es im darauffolgenden Jahr schließlich ins Oberhaus schafften, wo wir uns nun seit sage und schreibe zehn Jahren halten. Das haben wohl die wenigsten erwartet. Aber es freut mich insgeheim, dass der FCA es den Experten zeigt, die in uns immer wieder den „Abstiegskandidaten Nummer 1“ sehen.

Birgit Kaiser und Tochter in FCA-Fanmontur in der WWK Arena. Hach, wie gerne wären wir bald wieder dort! (Foto: Birgit Kaiser)

Die zündende Idee

Aber nun genug von mir und zurück zum eigentlichen Thema –dem Fanprojekt, das vor dem Spiel gegen Mainz 05 stattgefunden hat. Die Idee dazu entstand kurz nach der 2:1 – Niederlage gegen RB Leipzig. Die Tabelle sah damals nicht wirklich rosig aus. Mit 22 Punkten lag der FCA auf Platz 13, auf den Relegationsplatz waren es gerade einmal vier magere Punkte. Ich gebe zu, dass auch ich ein wenig Magengrummeln hatte, da am nächsten Spieltag unser “Angstgegner” Leverkusen auf dem Plan stand. Und unsere Jungs am darauffolgenden Spieltag zum Tabellennachbarn nach Mainz mussten, die nach einem internen Umbruch im Winter einen aufsteigenden Trend verzeichnen konnten.

Auch die Spielweise unserer Mannschaft machte mir etwas Sorgen. Irgendwie sah man ihnen an, dass es ihnen an Selbstvertrauen mangelte. Zumindest erscheinte mir das so, gerade wenn man sich den verschossenen Elfmeter von Alfred Finnbogason gegen die Bayern ansieht. Bis dato hatte er noch nie einen Elfer (für uns) verschossen und normalerweise würde er den wahrscheinlich auch mit verbundenen Augen machen. Solche Situationen gab es zuhauf und ich weiß aus meiner Zeit als Spielerin, dass die Psyche manchmal ein Monster sein kann. Kein Wunder, dass mir schon öfter der Gedanke gekommen ist, irgendetwas für den Club zu machen. Man sieht den Jungs einfach an, dass ihnen die Fans fehlen.

Wie oft konnten wir im Stadion die Spieler mit unseren Anfeuerungsrufen nach vorne peitschen und so das eine oder andere Spiel drehen? Und haben wir nicht das einzige Spiel mit Fans im Rücken gewonnen, das es in der Saison 2020/21 gab? Natürlich sind die Spieler alle Profis, aber man darf die Wirkung von außen nie verkennen. Wir Fans haben mehr Einfluss als wir denken. Das sagte sowohl Trainer Heiko Herrlich als auch André Hahn in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hertha BSC. Ich glaube, wir Fans vermissen es alle unglaublich, unseren Verein anzufeuern und sie mit unseren Emotionen motivieren zu können.

Vom Youtube-Video zum Fanprojekt

Gefühle… Das sind schon so verrückte kleine Dinger, die uns in jedweder Art und Weise beeinflussen und zu Dingen antreiben können, die wir niemals für möglich gehalten hätten. So auch mich, als ich am Morgen des 18.02.2021 mit meinem Sohn am Küchentisch saß. Ich gab kurzerhand bei YouTube „FCA Lieder“ ins Suchfeld ein. In diesem Moment war mir einfach nach Musik zumute. Da gab es natürlich die bekannten Lieder wie unsere Hymne „Wir müssen siegen“ oder auch den Aufstiegssong aus 2011. Doch dann stieß ich auf ein Video, das mit dem Song „FCA – Du bist niemals allein“ unterlegt war. Dort sah man nicht nur Spielszenen vergangener Zeiten und Siege, die ich selbst live im Stadion miterlebt habe, am Ende waren zudem Fangesänge unserer Ulrich-Biesinger-Tribüne angehängt. Doch am meisten hat mich das folgende Lied beeindruckt und es ließ mein Gehirn sofort auf Hochtouren arbeiten, während sich eine gewaltige Gänsehaut ausbreitete:

FCA – für dich sind wir heut’ hier.

FCA – wir stehen alle hinter dir.

Und aus 10.000 Kehlen, singen wir euch dieses Lied.

Und dafür, Jungs, schenkt ihr uns einen Sieg.

Refrain des Liedes “FCA – Du bist niemals allein”

Ich kann nicht sagen, warum ich so emotional reagiert habe, aber plötzlich waren so viele Erinnerungen in meinem Kopf und wollten nicht mehr verschwinden. Ich musste daran denken, wie mir mein Arbeitskollege im M-Block schluchzend um den Hals gefallen ist, weil wir am 27.04.2013 3:0 gegen Stuttgart gewonnen haben. Oder daran, wie toll jedes einzelne Spiel war, das wir in der Europa League bestreiten durften. Erinnerung über Erinnerung prasselte auf mich ein und jede einzelne war schöner als die vorherige. Gleichzeitig überkam mich aber auch ein Gefühl der Trauer, eben weil es momentan nicht so gut läuft und wieder keimte der Gedanke in mir auf, dass man doch irgendetwas tun muss, um die Mannschaft zu pushen.

Da ich meine Gefühle mit irgendjemandem teilen wollte, postete ich das Video kurzerhand in der Facebook-Gruppe „Fc Augsburg“. Die Reaktionen darauf waren – bis auf wenige Ausnahmen – durchwegs positiv. Sogar die Schöpferin des erwähnten Videos meldete sich und ich bedankte mich bei ihr, dass sie mir so einen schönen Moment beschert hat. Doch was viel wichtiger ist: Unter diesem Post entstand die Idee, ein Fanprojekt ins Leben zu rufen. Ein FCA-Fan schrieb zum Beispiel „Dieses Video vllt mal der Mannschaft zukommen lassen.(…)“. Wir waren uns alle einig, dass man daraus eine Aktion für das Team machen könnte. Mir kam dann die Idee, die Fanbetreuung des FCA anzuschreiben, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Gesagt, getan… Noch am selbigen Tag ging dann die Mail raus, wobei ich dazu sagen muss, dass ich ganz schön aufgeregt war.

#NURDERFCA

Schon kurzer Zeit später bekam ich eine Rückmeldung – das Interesse seitens des Vereins war vorhanden. Ich vereinbarte mit Markus Wiesmeier von der Fanbetreuung ein Telefonat. DANKE, lieber Markus, ohne dich hätten wir es niemals geschafft! Ich startete noch einen Post in Facebook und fragte bei den FCA-Fans nach Ideen und ob denn generell das Interesse besteht, bei der Aktion mitzumachen. Interesse war durchaus vorhanden und so tauschten wir einige Gedanken untereinander aus, was man alles machen könnte, ohne gegen die aktuellen Corona-Auflagen zu verstoßen. Am liebsten hätten wir das Stadion mit Plakaten tapeziert oder wären am kommenden Spieltag zur Arena gefahren, um dort Spalier für den Mannschaftsbus zu stehen. Selbstverständlich mit Abstand und Maske! Auch der Gedanke, das Lied „FCA – Du bist niemals allein“ über die Lautsprecher des Stadions abspielen zu lassen, war dabei.

Diese Ideen wurde allerdings leider von der Fanbetreuung zerstreut, wobei Markus’ Tipps bei unserem Telefonat wirklich Gold wert waren. Er erklärte mir, dass die Spieler weder Plakate noch Musik im und ums Stadion herum wahrnehmen würden, da sie sich schon vor dem Spiel im Tunnel befänden, sodass sie das ganze erst nach Abpfiff realisiert hätten. Und das wäre dann doch zu spät gewesen. Bei einem Fanauflauf an der Arena hätte wahrscheinlich der Verein Ärger bekommen, denn am Spieltag selbst dürfen sich laut Hygienekonzept der DFL auf dem Gelände nur Personen mit einer Sondergenehmigung aufhalten – wie zum Beispiel Angestellte und die Presse.

Schließlich konnten wir uns auf folgende Idee einigen: Er würde der Mannschaft einen Brief sowie ein Motivationsvideo übergeben, wenn ich es schaffte, das ganze binnen sechs Tage fertig zu stellen. Das Team sollte es noch vor dem wichtigen Spiel gegen Mainz zu sehen bekommen. Das war natürlich terminlich knapp. Über den Brief machte ich mir keine Gedanken, wohl aber über das Video, denn ich selbst habe noch nie mit einem Schnittprogramm gearbeitet. Doch eine Deadline ist für mich gleichzeitig immer ein Ansporn und lässt mich zu Hochtouren auflaufen. Und genau das tat ich auch. Schon nach dem vorherigen Post haben mir viele Menschen ihre Hilfe angeboten, die ersten Bilder sowie Kurzvideos geschickt. Über das Wochenende wurde das ganze immer mehr und ich konnte schon eine erste Auswahl für das Video treffen.

Ein Freund von mir hat einen YouTube-Kanal und erstellt Videos selbst. Der Haken an der Sache: Er lebt in Kiel. Sind ja nur rund 866 Kilometer. Aber wir leben schließlich in einem modernen Zeitalter, in der Kommunikation auch über weitere Distanzen möglich ist. Er war sofort bereit mir mit dem Video zu helfen, auch wenn wir in den Farben getrennt sind, ist es die gemeinsame Leidenschaft, die zählt.

Der zwölfte Mann

Am Sonntagabend dann die erste Überraschung: Tom Scharnagl, den viele von a.tv oder aus dem Podcast „Feuer und Flamme“ kennen, bot mir an, im Podcast zu berichten. Ich war natürlich begeistert, denn es war schon eine kleine Ehre für mich, in der Öffentlichkeit von der Idee zu sprechen. Doch das war noch nicht alles und ich gebe offen zu, dass das, was als nächstes kam, mich glatt aus den Schuhen gehauen hat.

Tom bot nämlich noch an, einen Bericht für a.tv mit mir zu machen, welcher später in den lokalen Nachrichten erscheinen sollte. Am Montagvormittag setzte ich mich sodann an den Brief, der der Mannschaft vorgelesen werden sollte. Innerhalb von einer halben Stunde hatte ich das ganze aufgesetzt und schickte es einem Freund, Peter Lisboa Arndt. Er ist nicht nur Musiker aus Leidenschaft sondern auch noch Schreibwissenschaftler und zusammen hatten wir folgendes zu Papier gebracht:

Brief von Birgit Kaiser an den FCA (Foto: Birgit Kaiser)

Gleichzeitig ging die Arbeit an dem Video weiter und ich danke meinem Freund Thilo, dass er sich mit mir viele Stunden um die Ohren geschlagen hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon das Design des Briefs sowie die Rohfassung des Videos fertig. Als Aufhänger hatte ich mich dabei für einen Filmausschnitt des legendären Ausgleichstor von Marwin Hitz gegen Leverkusen entschieden, weil diese Szene in Perfektion zeigt, dass man das Unmögliche möglich machen kann, wenn man nur ganz fest daran glaubt, niemals aufgibt und immer weiter kämpft. All das, was wir von unserem FCA gerne wieder vermehrt sehen würden und wozu wir sie mit dem Projekt motivieren wollten.

Überraschung gelungen!

Die größte Überraschung kam aber in Form eines Videos auf mich zu – während der Aufnahme für a.tv. Ich sollte einen Stick in den USB-Slot stecken und die Datei öffnen, während die Kamera auf mich gerichtet war. Und da passierte es: FCA-Spieler Tobi Strobl lächelte mir entgegen und bedankte sich für die Aktion. Worte reichen nicht aus, um meine Gefühle in diesem Moment zu beschreiben. Mein Herz begann zu rasen und die Tränen schossen mir in die Augen, weil ich mich so sehr darüber freute. Das mag vielleicht übertrieben sein, aber sind wir doch ehrlich: Jeder Fan fühlt sich geehrt, wenn er mit einem seiner „Helden“ in Kontakt treten darf.

Insgesamt sind etwa 150 Bilder und Kurzvideos bei mir eingegangen, doch ein absolutes Highlight ist der Beitrag eines Fanclubs aus Israel. Diese knapp einminütige Szene war so toll, dass es unbedingt mit verarbeitet werden musste. Bis um etwa halb zwei Uhr morgens arbeiteten wir zu zweit noch an dem Video, doch ich war mehr als glücklich, dass wir es tatsächlich geschafft hatten. Das muss ich noch dazu sagen: Das Projekt hat auch mir persönlich etwas gebracht, denn dadurch durfte ich ganz viele liebe Menschen kennen lernen!

Das Unmögliche möglich machen

An dieser Stelle möchte ich allen eine kurze Beschreibung des Videos liefern. Aufgrund von Bild- und Tonrechten, Gema usw. werde ich es nirgendwo veröffentlichen. Das Video dauert sechs Minuten und ist bei den Bildszenen mit dem Lied „FCA – Du bist niemals allein“ unterlegt.

Zu Beginn sieht man die legendäre Spielszene, in der Marwin Hitz den Ausgleich gegen Leverkusen geschossen hat. Hier haben wir den Text einblenden lassen, der natürlich in den Vereinsfarben gestaltet ist: „Auch das Unmögliche kann möglich werden, wenn man an sich glaubt.“ Dann beginnt das Lied und es erscheinen viele Bilder und Videos von Fans im Augsburg-Dress oder auch Szenen aus der Kurve. Dabei ließen wir auch immer wieder motivierende Sprüche einfliegen.

Nun ist der Beitrag aus Israel zu sehen, bevor schließlich ein Video von einem Fanmarsch erscheint. Dabei singen die Anhänger im Wechsel „Wir steh’n zu ihm wie jeder weiß. Wir sind immer für ihn da. Für uns zählt nur der FCA“, bevor das Bild „Augsburg hält zusammen“ den Schluss bildet.

Ich hoffe, ihr könnte euch einigermaßen vorstellen, wie das Video aufgebaut ist. Alles war fertig und bereit an Markus Wiesmeier von der Fanbetreuung verschickt zu werden. Ich war gerade dabei, die Email zu schreiben, als mein Telefon klingelte und Robert Götz sich meldete. Dieser wollte einen Bericht in der Augsburger Allgemeinen veröffentlichen. Mittlerweile war mir das ganze doch peinlich, denn ich habe das ganze wirklich gern in die Hand genommen und es war eine gemeinschaftliche Idee. Doch auch dieses Interview gab ich gerne, denn es machte deutlich, dass wir Fans immer hinter unserer Mannschaft stehen und für sie da sind!

Das Warten beginnt

Nach insgesamt 12 Stunden Schneiden konnte ich auf das magische Knöpfchen „Senden“ drücken und das Warten begann. Natürlich bekam ich von der Fanbetreuung neben einem Dankeschön auch Feedback und die Nachricht, dass sowohl Brief als auch Video an die Verantwortlichen weiter geleitet wurden.

Die Mannschaft würde vermutlich im Rahmen der Abschlussbesprechung vor dem Spiel den Inhalt des Briefes erfahren sowie das Video sehen. Spannend war natürlich auch, ob das ganze überhaupt Früchte tragen würde und ich fieberte ziemlich nervös dem Spiel am Sonntag gegen Mainz entgegen. Würden die Jungs es packen? Hat das ganze etwas gebracht? Fragen über Fragen, die mir durch den Kopf gingen.

Dann stand endlich der große Tag an: Sonntag, 28.02.2021, Anstoß: 15:30 Uhr. Pünktlich pfiff der Schiedsrichter die Partie an. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt und ich litt in jeder Szene mit dem Team mit. Bei jedem Fehlpass schimpfte ich vom Allerfeinsten und schrieb mir mit Gleichgesinnten die Emotionen von der Seele, wenn man schon nicht gemeinsam im Stadion sein kann.

In der 25. Minute passierte es schließlich: Wie schon in der Woche zuvor, leistete sich der gegnerische Keeper einen Schnitzer. Niederlechner schnappte sich den Ball, legte quer auf den mitgelaufenen Hahn, der die Kugel nur noch ins leere Tor schieben musste. In diesem Moment ließ ich alles raus, was sich in mir aufgestaut hatte und brüllte meinen armen Fernseher an. Natürlich war das Ding noch nicht durch und es wurde auch noch eine ziemlich enge Kiste. Als Gikiewicz einen Schuss gerade noch so an den Pfosten lenken konnte, blieb mir fast das Herz stehen. Doch dieses Mal überstanden wir die vier Minuten Nachspielzeit ohne Gegentreffer und die drei Punkte gingen auf unser Konto.

Wir hatten es geschafft und einen ganz wichtigen Sieg eingefahren. Natürlich ist dieser nicht nur unserem Fanprojekt zuzuschreiben, aber einen klitzekleinen Einfluss wird es schon gehabt haben. Zumindest wussten die Spieler, dass die Fans trotz allem hinter ihnen stehen und sie bei jedem Spiel unterstützen, auch wenn derzeit nicht vor Ort. Und das ist das, was wir erreichen wollten.

Gleich nach dem Spiel meldete sich André Hahn mit einem Video an die Fans:

„Hey liebe Fans! Ganz wichtige drei Punkte heute. Wir sind froh, dass wir den Kampf in Mainz gewinnen konnten. Wir wissen, es war nicht schön, aber es war extrem wichtig. Vielen Dank für eure Unterstützung! Wir wissen, dass ihr hinter uns steht und wir werden weiter kämpfen. Also, bis dann. Euer André.“

André Hahn nach dem Spiel gegen Mainz

In diesem Moment wurde mir bewusst, dass die Mannschaft das Video und den Brief tatsächlich erhalten haben. Die Freude war riesig, denn in dem Ganzen steckte einiges an Arbeit. Und ja, ich gebe an dieser Stelle offen zu, dass ich den Verantwortlichen und auch unserem Trainer Heiko Herrlich in diesem einen Punkt wirklich dankbar bin, denn diese hätten die Aktion auch ablehnen können.

#AUGSBURGHÄLTZUSAMMEN

Nachdem ich wusste, dass das Team Brief und Video bekommen hatte, konnte ich den Brief auf Facebook posten, damit alle einen Teil des Projekts zu sehen bekamen. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Ich möchte noch einmal betonen: Ohne die Hilfe und Unterstützung von außen wäre das nicht möglich gewesen. Diese Aktion hat gezeigt, dass wir GEMEINSAM etwas erreichen können, wenn wir an uns glauben. Getreu dem Motto: Augsburg hält zusammen!

Aber wenn man jetzt denkt „Spiel gelaufen, Bericht zu Ende“, dann muss ich euch leider enttäuschen, denn noch bin ich nicht ganz fertig. Ich möchte euch die Reaktionen des Vereins nicht verschweigen. Am Donnerstag nach dem Spiel erhielt ich noch einen Anruf von Fanbetreuer Markus, der mir im Namen der Spieler, des Teams und der Verantwortlichen für die gelungene Aktion dankte.

Doch auch das ist noch nicht das Ende, denn am 05.03.2021 bekam ich vom Leiter der Abteilung für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Dominik Schmitz, dann einen Dankesbrief weiter geleitet, der von Stefan Reuter, Michael Ströll sowie Jeffrey Gouweleeuw unterzeichnet war. Natürlich war die Freude riesengroß, da es für mich eine Ehre ist, direkt von meinem Lieblingsverein eine persönliche Nachricht zu erhalten.

Durch Höhen und Tiefen

Das Spiel gegen Hertha ging auch wirklich sehr gut los, denn früh traf Bénes zum 0:1. Doch anschließend ging der Mut leider verloren und man ließ sich zu sehr in die eigene Hälfte drücken. Das Ergebnis war natürlich nicht zufriedenstellend und die Enttäuschung war bei den Fans deutlich spürbar. 

Doch so ist das nun mal im Fußball: Mal gewinnt man zusammen, mal verliert man – auch das gemeinsam. Ich kann nur für mich selbst sprechen, dass ich nach der Niederlage mit den Spielern litt. Wir wissen doch alle, dass sie es fußballerisch drauf haben. Abstiegskampf ist niemals leicht und wenn dann auch noch die mentale Stärke, das Selbstvertrauen und das Quäntchen Glück fehlen, dann klappts auch auf dem Platz nicht. Doch wenn uns diese Fanaktion eines gezeigt hat, dann das Folgende:

Motivation und Zuspruch kann eine ganze Menge beeinflussen! Jeder einzelne von uns hat die Kraft, mit den eigenen Worten die Leistung des Teams zum Positiven zu verändern.

Die Jungs brauchen uns an ihrer Seite und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das nicht das letzte Projekt dieser Art gewesen ist. Mich würde es sehr freuen, wenn man es irgendwann noch einmal schaffen würde, sowas auf die Beine zu stellen, sollten wir noch länger nicht in unser Wohnzimmer dürfen. Und solange heißt es und gilt es: „Augsburg hält zusammen – ihr für uns und wir für euch!“

Eure Birgit

Auf 2021! Auf uns!

Die letzten Tage des ereignisreichen Jahres 2020 stehen nun an und noch immer ist Corona allgegenwärtig. Weihnachten hatten wir besinnlich im kleinsten Kreis verbracht – entschleunigt und ohne großen Prunk. Sportlich gesehen schied der FC Augsburg kurz vor dem Weihnachtsfest glanzlos aus dem DFB-Pokal aus. War zu erwarten, ist zu verschmerzen. Nun ruht die Fußball-Bundesliga für ein paar wenige Tage – und startet kurz nach Neujahr wieder, um unter anderem den Rest der Hinrunde auszuspielen.

Sieben Wünsche für 2021

Natürlich wird dies ohne Fans und ohne Stimmung geschehen. Der Lockdown bleibt uns auch über den Jahreswechsel hinaus “erhalten”. Und doch ist 2021 unweigerlich mit Hoffnung verbunden und mit Besserung. Zeit für mich, zusammenzufassen, was ich vom kommenden Jahr erwarte – sportlich und mit Fokus auf dem FCA. Nicht alles davon ist immer realistisch und sofort machbar. Nicht bei allem werdet ihr mir zustimmen. Dennoch freue ich mich auf euer Feedback und was ihr euch von diesem hoffnungsvoll erwarteten Jahr 2021 erwartet – privat, gesellschaftlich und vor allem: sportlich!

Lest nun im Folgenden die Aspekte, die ich mir von 2021 erhoffe – sportlich auf dem Rasen und auch abseits des Platzes.

#1: Zielwasser

Ein großes Problem in dieser Hinrunde war sicherlich die Torflaute unserer Stürmer! Unser bester Torschütze in dieser Saison bisher: Mittelfeldspieler und Sommer-Neuzugang Daniel Caligiuri! Der (noch) 32jährige konnte bisher starke 7 Scorerpunkte sammeln (4 Tore, 3 Assists). André Hahn erlebte – bis zu seiner Covid-19-Erkrankung – einen zweiten Frühling im FCA Trikot und erzielte in 9 Spielen 3 Tore. Das hat in Augsburg wohl auch keiner mehr in der Form von ihm erwartet. Chapeau und gute Besserung weiterhin an dieser Stelle!

Der geläuterte Rückkehrer Michael “Gregerl” Gregoritsch reiht sich in die Riege der torgefährlichen Mittelfeld-Spieler ein mit einem Tor und zwei Torvorlagen. Weiterhin komplettiert unsere junge Flügelzange, Marco Richter (1 Tor, 1 Vorlage) und Ruben Vargas (3 Tore, 1 Vorlage), die Liste der torgefährlichsten FCA-Spieler. Auch diese beiden werden überwiegend im (offensiven) Mittelfeld eingesetzt.

Kommen wir nun zu unseren beiden Problemkindern:

  • Florian Niederlechner war letztes Jahr sicherlich DER Neuzugang des FCA und performte als Mittelstürmer in Augsburg unglaublich gut. Diese Saison ist irgendwie der Wurm drin – seine Stats (11 Spiele – 0 Tore, 1 Assist) sprechen Bände. Böse Zungen behaupten, er ist auf seinem eigentlichen Leistungslevel angekommen. Bei Flo wünscht sich doch jeder FCAler diesertags sehnlichst, dass der Torknoten platzt!
  • Auch beim verletzungsanfälligen Alfred Finnbogason steht noch die null – null Tore und ein mageres Assists in 9 Spielen sind schlicht und ergreifend zu wenig für die Ansprüche und Erwartungen des sonst so eiskalten Isländers. Auch bei ihm hofft man aktuell, dass er nach einer der unzähligen Verletzungen rasch in Tritt kommt und den Torinstinkt wieder entdeckt.

Beide Stürmer haben durchaus ihre Chancen im Spiel, vergeben sie derzeit aber meist kläglich. Selbst die “hundertprozentigen” gehen einfach nicht rein. Daher ist der erste Wunsch für 2021: Zielwasser für unsere Stürmer!

#2: Offensivpower

Ein wenig mit #1 einhergehend ist Wunsch Nummer zwei: Endlich mehr offensive Durchschlagskraft. Eine attraktivere Spielweise gepaart mit defensiver Stabilität – dies steht sicher bei einigen FCA-Fans auf der Wunschliste. Ein Spielkonzept mit mehr Ballbesitzanteilen und Umschaltmomenten – so in Ansätzen gegen Frankfurt zuletzt gesehen – würde die Herzen der Augsburger höher schlagen lassen. Mit der derzeitigen Spielweise holen wir zwar auch irgendwie Punkte – getreu dem Motto “mühsam nährt sich das Eichhörnchen” – aber Hand aufs Herz: Wollen wir diesen auf Zufall ausgelegten Offensivfußball weiterhin sehen?

Vor allem, da wir weiterhin wohl nur vor’m Fernseher zusehen dürfen. Wenn die Stadionatmosphäre und das Stadion-Erlebnis wegfällt – was bleibt dann noch außer einer spannend-kreativen Spielweise für’s Fan-Auge? Und nein, diese Zeilen hier schreibt sicherlich kein Erfolgsfan und ich verlange auch nicht, dass wir spielen wie der FC Bayern. Gegebenenfalls sollten die Augsburger Verantwortlichen einmal über die Verpflichtung eines echten Spielmachers respektive einer kreativen Schaltzentrale nachdenken.

Wenn das Zusammenspiel klappt, dann ist es wunderschön. Wie hier gegen Gladbach kurz vor Schluss. Mehr davon! (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Diese Saison haben diese Position schon Gregerl, Freddy Jensen, Marco Richter, André Hahn und Tobias Strobl bekleidet. Mit Abstrichen haben Gregerl, Marco Richter und Freddy Jensen dort überzeugen können. Bei Gregerl kehrt leider zu oft der Schlendrian ein: Lust und Unlust wechseln sich kontinuierlich ab. Marco Richter war zu Saisonbeginn verletzt, kämpfte sich zuletzt ran an die erste Elf. Wird aber von Heiko Herrlich offensichtlich nicht in der Zentrale eingeplant, obwohl es Marcos Paradeposition ist. Freddy Jensen weilt derzeit im Krankenstand, kommt nur auf fünf Ligaspiele bisher. In seiner Augsburger Zeit war auch er bisher mehr verletzt als auf dem Platz – leider. Beim Rest der Offensivabteilung merkt man, dass diese definitiv auf anderen Positionen beheimatet sind.

Nach dem Weggang von Ja-Cheol Koo ist diese Position nicht mehr adäquat besetzt worden, so viel steht fest. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die noch unbekannte (?) Rückkehr von Freddy Jensen aus dem Lazarett – dessen Hauptposition das zentrale, offensive Mittelfeld ist. Was ich mir jedoch ausdrücklich nicht wünsche: Leistungsträger an direkte Konkurrenten zu verleihen (siehe Gerücht: Marco Richter zu Schalke 04?). Aber offensichtlich wurde diesem Wechsel schon von FCA-Seiten ein Riegel vorgeschoben. Vielleicht könnte man Marco Richter mal häufiger auf dieser Position ausprobieren – wäre doch einen oder mehrere Versuche wert oder?

#3: Fanrückkehr

Keine Frage! Eine der Hauptanliegen ist es, den Fans eine (kontrollierte) Rückkehr ins Stadion zu ermöglichen. Corona hat ja für die Fussballabstinenz der Fans gesorgt. Und: Fußball auf lange Sicht ohne Fans? Ein Trauerspiel und sowohl finanziell als auch atmosphärisch ein Verlust für die Clubs. Jedoch muss und soll hier die Gesundheit aller im Vordergrund stehen. Sollte es eine Möglichkeit geben und die Zahlen es zulassen, freut sich jeder Fan über den Stadionbesuch, so viel steht fest. Nach so langer Zeit der Abwesenheit ist der Tag der Rückkehr sicherlich ein Fest und solch warme Gedanken halten das “Mindset” aufrecht. Und so lange es aus den bekannten Gründen weiterhin nicht mit der Rückkehr funktioniert, sollten wir uns Momente wie diese vor Augen rufen. Ich hab immer noch Gänsehaut, wenn ich dies sehe – wie unsere FC Augsburg Fans vor Ort leidenschaftlich und trotz Niederlage skandiert haben:

Unvergesslich – diese geniale und sagenhafte Stimmung der FCA Fans an der Anfield Road am 25.02.16.

#4: Klassenerhalt!

Frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben – das wär’s. Nach der turbulenten letzten Saison wäre das sicherlich Balsam auf der geschundenen Fanseele. Und jede Saison Herzinfarkt-Gefahr? Muss nicht unbedingt sein. Daher ist ein gewaltiger Wunsch: Frühzeitig den Klassenerhalt sichern. Punkte hamstern, wo es nur geht und die ein oder andere Überraschung landen – so wie beispielsweise geschehen gegen den BVB am zweiten Spieltag.

Die “Corona-Saison” ist lang, die Pausen sind kurz, es gibt unzählige englische Wochen. Ich wünsche daher unseren Spielern einen langen Atem, heile Knochen und Durchhaltevermögen. Macht es den Gegner unangenehm, gegen den FC Augsburg zu spielen. Und vielleicht wird der Heiko ja offensiv noch ein wenig nachjustieren – siehe Punkt zwei der Liste. Und so ein spannendes und leistungsgerechtes 4:4 gegen den FC Bayern, das hätte doch mal was…

Wer wie gegen Bielefeld die Punkte sammelt, steigt hoffentlich nicht ab. Solche Szenen wollen wir vermehrt sehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Hoffentlich lichtet sich unser Lazarett demnächst, mit Iago und Pedersen fehlten zuletzt zeitwese beide nominellen Linksverteidiger. Und wurden schmerzlichst vermisst. Weiterhin hoffe ich auf die Rückkehr von Jan Moravek, nachdem unsere defensiven Mittelfeldspieler alle noch nicht wirklich überzeugen konnten. Auch wenn man auf den soliden, aber durchweg verletzten Moravek leider nicht zählen kann. Zuletzt wünsche ich mir die schnelle Rückkehr von Jensen und Bazee, die beide etwas offensiven Schwung in die Mannschaft bringen könnten. Und auch sonst dem Trainer kreative Optionen bieten.

#5: Debütanten

Mit Benjamin Leneis (21), Tim Civeja (18), Franjo Ivanovic (17), Dion Berisha (17) und Seong-hoon Cheon (20) stehen aktuell fünf Nachwuchsspieler im Bundesliga-Kader. Civeja, Berisha und Cheon standen die letzten Spiele sogar im Spieltagsaufgebot. Debütieren durfte von den genannten leider noch keiner. Nachdem Spieler wie Erik Thommy, Simon Asta, Albion Vrenezi, Ioannis Gelios und Co. ihr Glück sportlich abseits des Lechs gefunden haben, wäre ein neuer Marco Richter oder ein neuer Frami wirklich wünschenswert. Immerhin ist dies eine Art Referenz für den Club, der sich durchaus als Ausbildungsverein sieht. Albion Vrenezi (mittlerweile bei Jahn Regensburg) und Gelios (bei Holstein Kiel) stehen übrigens aktuell in der kicker-Elf der Hinrunde der 2. Bundesliga!

Für 2021 wünsche ich mir in Bezug auf den Nachwuchs: Die Rückkehr von Maurice Malone im Sommer. Der performt in Wiesbaden bisher wirklich unglaublich gut! Viele Grüße an Andi von der RoGaz an dieser Stelle, der dies vermutlich geahnt hat. Weiterhin wünsche ich mir den Durchbruch von Marco Richter, nach wie vor ein Augsburger Mega-Talent, und zwar am Lech! Und zuletzt hoffe ich, dass Spieler wie Civeja mal Bundesliga-Luft schnuppern dürfen. Ich meine, kann es ein Civeja (noch) schlechter machen als ein Strobl bis dato? Heiko Herrlich, ich lege dir fürs neue Jahr eine Portion Mut unter den Weihnachtsbaum.

#6: FCA-Originale

Wir haben in unserer Serie “Immer noch Original 1907” bislang einige Fans und ihre sagenhaften Geschichten gehört. Und lasst euch gesagt sein, dass IHR es seid, die diesen Club so besonders machen. Die diesen Club so strahlen lassen und zum Leben erwecken. Daher lasst euch bitte nicht euer Fan-Dasein durch irgendwas oder irgendwen trüben. Bewahrt euch den kritischen Blick. Und euer Herzblut für den FCA. Der FC Augsburg braucht die Gemeinschaft der Fans, die Fans brauchen den familiären Charakter des Lieblingsclubs. Daher wünsche ich mir für die Zukunft weiterhin die Solidarität der Fans, die kultigen Originale mit Geschichten aus’m 11er. Und wir brauchen das Wohlwollen sowie den bilateralen Austausch mit den Verantwortlichen des FCA. Besonders in unsteten und hochdynamischen Zeiten wie diesen!

Wie schrieb und sang der gebürtige Augsburger Andreas Bourani vor geraumer Zeit:

(…)

Denkt an die Tage, die hinter uns liegen

Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen

Hier geht jeder für jeden durch’s Feuer

Im Regen stehen wir niemals allein

Und solange unsere Herzen uns steuern

Wird das auch immer so sein!

Ein Hoch auf das, was vor uns liegt

Dass es das Beste für uns gibt

Ein Hoch auf das, was uns vereint

Auf diese Zeit (auf diese Zeit)!

Auf uns” – Andreas Bourani

Wie treffend ist das denn bitte? Adaptiert diese Lyrics gerne mal auf unsere, auf eure aktuelle Situation. Als Fan, als Mensch, als Teil der Gesellschaft. Und ich kriege Gänsehaut, wenn ich merke, wie treffend dies doch ist! Lasst uns zusammenhalten, solidarisch sein – und alles wird gut. Hoffentlich “balder als bald”. 🙂

#7: Titelverteidigung

Der siebte Wunsch ist einer, den ich mit Blick auf das E-Sport-Team des FC Augsburg äußere. Die Sparte sehe ich durchaus auch als Teil des Clubs. Schließlich sind sie alle (langjährige) FCA Fans und Mitglieder aus der Region, also unweigerlich welche “von uns”. Daher wünsche ich den Bederkes und Co. eine gelungene E-Sport-Saison. Und Yannic natürlich die Titelverteidigung des deutschen eBundesliga-Meistertitels. #goyannic

Also, jubelt nochmal so, Jungs:

Viel Gesundheit!

Ich wünsche euch allen viel Gesundheit. Das wünsche ich auch den Spielern und den Mitarbeitenden des FCA. Bleibt gesund und munter. Haltet euch an die Regeln, bleibt ruhig und besonnen. Es kommen wieder bessere Zeiten. Die FCA-Familie hält in diesen entscheidenden Phasen zusammen und wenn’s euch beispielsweise mal langweilig wird oder ihr euch einsam fühlt: Meldet euch bei Transfermarkt an (dort gibt’s ein FCA Forum). Oder tauscht euch im FC Augsburg Forum aus. Vielleicht habt ihr auch Lust, einen Artikel zu verfassen und über euer FCA Fan-Dasein zu berichten? Dann meldet euch gerne bei uns (kontakt@rosenau-gazette.de).

Und jetzt noch einmal der Chorus unserer Vereinshymne – für jeden von euch zum innerlichen Mitsingen, mit Pathos und mit Stolz. Und ganz viel Zuversicht. Auf bessere Tage und bessere Zeiten im Jahr 2021. Rutscht gut rein!

(…)

Rot, Grün, Weiß,

sind die Farben unseres Traums, der FC Augsburg heißt

Und den tragen wir im Herzen dieser schönen Stadt

mit den wunderbarsten Fans, die nicht ein jeder hat

Du bist Glanz und Gloria

Unser FCA!

https://www.fcaugsburg.de/page/hymne-58

Wünsche & Prognosen der Redaktion:

… das wünscht und prognostiziert die Redaktion für 2021:

  • Andi: Ich wünsche mir attraktiveren Fußball vom FC Augsburg. Weiterhin hoffe ich auf das Ende der Torflaute unserer beiden Stürmer! Und zuletzt: die Rückkehr der Fans in die Stadien.
  • Andy: Bei mir ist es eher eine Befürchtung, dass Heiko Herrlich 2021 entlassen wird und wir endgültig ein Club werden, der wie andere Clubs auch die Trainer wechselt.
  • Franzi: Ich wünsch mir ja die Rückkehr von Daniel Baier als Capitano – damit wieder mehr Ordnung und Selbstvertrauen herrscht. Jawoll, das wünsche ich mir – trotz aller Utopie!
  • Irina: Ich hoffe zum Schluss noch, dass wir alle gesund bleiben, der FCA früh die Klasse hält und Yannic wieder eMeister wird. Guten Rutsch an alle!

Gegen Union im Stadion: so sicher wie nie!

Mit Kindern ins Stadion? Vielleicht direkt gegen Union? Der FCA gibt sich immer mehr Mühe mit Kids Club, Teens Club und diversen Aktivitäten. Aber das ist doch viel zu gefährlich, oder nicht? Beim Fußball machen doch immer diese Problemfans – äh Probleme – und da muss man sich doch schon fragen, ob das für Kinder das richtige Umfeld ist. Und so für normal denkende Menschen auch, oder?

Über manche Themen kann ich mich aufregen, wie unser Maestro auf dem Platz. (Foto: Bongarts)

So oder so denkt vielleicht mancher, wenn er in der Augsburger Allgemeinen regelmäßig die Beiträge zur Sicherheit rund um Fußballspiele liest. Erst letztens war das Thema wieder aktuell unter der Überschrift “Zahl der Problemfans steigt – wie sicher ist der Besuch im Stadion?”. Ich musste mich wieder ärgern und tue es immer noch. Wieder, fragt ihr euch? Ja, wieder. Ich lese mittlerweile nicht mehr ganz so viele Beiträge in der AZ, weil sie online hinter der Paywall verschwinden (mittlerweile sind Spielernoten auch schon ein Plus-Artikel, nachdem zu Beginn der Einführung des Plus-Bereichs die Aussage getätigt wurde, dass nur zusätzliche Inhalte dort landen würden – aber das ist ein anderes Thema). Aber eine kurze Suche zeigt, dass ich mich auch schon in 2016 massiv geärgert habe (und bevor mir Einseitigkeit vorgeworfen wird: ich habe zwischenzeitlich auch schon die Berichterstattung in der AZ verteidigt und tausche mich mit son manchem Redakteur dort auch mal gerne aus). Nun, was ist diesmal der Auslöser? Vielleicht schauen wir noch mal detaillierter auf die Ursache des Ärgernisses:

Der Artikel

Die Überschrift sagt ja schon alles: Die Anzahl der Problemfans steigt und es ist in Frage zu stellen, wie sicher der Gang ins Stadion noch ist. Ist dem so? Wenn Florian Eisele behauptet, die Anzahl der Problemfans steigt, dann setzt er Problemfans mit Eintragungen der Polizei in die Datei “Gewalttäter Sport” gleich. Wie im Artikel angesprochen sind die Eintragungen in die Datei völlig intransparent. Der WDR hat dies in einem Beitrag schön herausgearbeitet. Die Eintragungen basieren vor allem auch auf Verdachtsmomenten und werden nicht entfernt, sollte sich der Verdacht nicht erhärten. Man könnte auf Basis der Daten auch schlicht feststellen: Die Polizei ist besser geworden im Sammeln von Daten. Wie viele der Personen wirklich Problemfans sind, ist vollkommen unklar. Was ist denn auch genau ein Problemfan, außer einem Begriff, den man mal gerne in eine Überschrift packen kann, damit ein Artikel mehr Klicks bekommt? Diese Frage wird leider nicht beantwortet durch die vielen Zitate für die als Hauptquelle – oh Überraschung – mal wieder Polizeioberrat Bernd Waitzmann (wie schon in vorhergegangenen Artikeln) dient.

Die Fakten in Relation

Ab dem fünften Absatz widmet sich der Artikel dann wirklich der Frage der Sicherheit. Bei 3,6 Millionen Besuchern gab es 88 Verletzte (Einsatzkräfte nicht mit eingerechnet) bei Fußballspielen in den ersten Ligen in Bayern. Relativiert werden diese Zahlen nicht. Die Hessenschau hat zuletzt festgestellt, dass es in Hessens Stadien sicher ist wie nie (verrückte Überschrift so ganz ohne Problemfans, aber was haben die auch mit der Sicherheit zu tun). Dabei hat die Hessenschau sogar festgestellt, dass ein Ausflug zum Mainzer Rosenmontagsumzug oder gar auf die Wiesn ein Abenteuer ist im Vergleich mit dem Besuch eines Fußballspiels. Mei, wenn es in Augsburg doch nur Zahlen zum Plärrer gäbe bei der AZ. An dieser Stelle möchte ich schlicht den letzten Abschnitt aus dem Hessenschau-Beitrag zitieren:

Auf der einen Seite stehen emotional aufgebrachte Zuschauer und rivalisierende Fangruppen mit wenigen Verletzten und großem Aufschrei. Auf der anderen Seite löst feierndes Partyvolk mit vielen Verletzten ein rundum zufriedenes Echo der Behörden aus. Klare Antwort: Das passt gar nicht – und das sollte man vielleicht auch häufiger betonen.

Quelle: Hessenschau.de

Ist das nicht arg einseitig?

Dass es so sicher ist in den Stadien, dafür hat die AZ natürlich genau einen Grund gefunden: laut Aussage der Polizei ist natürlich genau sie dafür verantwortlich. Eine Nennung oder gar eine Meinung aus einer Augsburger Organisation wie dem Fanprojekt, das hier als Drehpunkteinrichtung viel zur Ruhe beiträgt, findet sich – mal wieder – nicht. Auch die organisierte Fanszene kommt – gewollt oder ungewollt – nicht zu Wort.

Manchmal sind Fehlentscheidungen für einen selbst recht offensichtlich. (Foto: Bongarts)

Aber ist denn der Beitrag bei der AZ nun irreführend und einseitig? Und muss denn die Frage in der Überschrift wirklich sein? Bevor ich mich hier in aller Länge aufrege, habe ich Florian Eisele auf Twitter dazu befragt. Warum nicht mal beim Urheber anklopfen und das Thema direkt klären? Das versteht doch nun ein jeder, dass sich das einseitig liest, oder? Man könnte sagen, er hat geantwortet wie die meisten Fußballer nach einer herben Klatsche:

Warum es mich aufregt?

Ich halte es für legitim, wenn Menschen nicht ins Stadion gehen, weil es ihnen keinen Spaß macht oder der Fußball angeblich nicht gut genug ist. Wenn allerdings Menschen auch nur den Hauch des Eindrucks bekommen, es könnte im oder ums Stadion gefährlich zugehen, weil die AZ – mal wieder – viele Paragraphen Polizeiaussagen abtippt, genau eine andere Stimme kurz zu Wort kommen lässt, und dabei schon in der Überschrift die Sicherheit in Frage stellt, dann ärgert mich das. So sehr, dass ich vergesse in kurzen Sätzen zu schreiben. Ein Zitat dazu aus einem früheren Beitrag von mir:

Ich würde mich freuen, wenn wir uns alle zusammen mehr auf das verbindende Element des Fußballsports konzentrieren würden. Dazu gehört eine entsprechende Kommunikation von allen Seiten.

Quelle: Rosenau Gazette

Es ist so sicher wie nie gegen Union im Stadion. Es ist Fußball und Fans sind nicht automatisch Problemfans, weil sie in eine Datei eingetragen werden, ohne etwas davon mitzubekommen. Die Polizei muss ihre Jobs und Ausgaben auch irgendwie rechtfertigen und die AZ muss über Klicks Geld verdienen. Schreibt halt der nicht-kommerzielle Hobby-Blogger mal wieder, was er denkt. Schade, dass es das – zumindest aus meiner Sicht – immer mal wieder braucht. Und es braucht Fans, die Interessierte mit ins Stadion nehmen, Hemmschwellen abbauen und begeistert. Für die schönste Nebensache der Welt – die zudem auch noch überaus sicher ist.

Wie wir von Mainz 05 lernen können und umgekehrt

Dieser Beitrag wird freundlichst präsentiert vom August Gin, denn wenn der August dabei ist, dann ist auswärts ein Heimspiel.

Es mag daran liegen, dass Mainz direkt vor meiner Tür liegt. Oder es liegt an der wunderbaren Mara Pfeiffer (@wortpiratin auf Twitter), die mir immer wieder vermittelt, was in Mainz wichtiges passiert und was man wissen, sollte, wenn man wieder nach Mainz reist. Eh schon klar, dass ich auch dieses Jahr wieder nach Mainz zum Auswärtsspiel fahre. Ihr wisst, für mich ist es nach dem Spiel bei der Eintracht in Frankfurt die kürzeste Route. Und so will ich euch kurz vor dem Auswärtsspiel in Mainz einen Eindruck vermitteln, was passiert ist, seit der FCA das letzte Mal hier gespielt hat. Weiterhin ist Mainz 05 dem FCA in einigen Bereichen voraus, und ich würde mich freuen, wenn wir uns an der ein oder anderen Stelle etwas abschauen könnten.

Haltung

Kürzlich versammelte sich die AfD in Mainz während der FSV Mainz 05 auswärts in Nürnberg spielte. Der FSV Mainz 05 nutzte die Möglichkeit, um sich deutlich in Richtung der Partei zu positionieren, deren Führungskräfte in einer Reihe mit bekannten Neonazis in Chemnitz marschierten. Der FSV Mainz 05  nutzte die Möglichkeit – zum zweiten Mal, nachdem er sich schon solidarisch mit dem SV Babelsberg 03 gezeigt hatte – um sich deutlich gegen Fremdenhass und Nazis zu positionieren. Ein Fußballverein kann eine große Öffentlichkeit erreichen und das hat der FSV Mainz 05 mit der nachfolgenden Anzeige geschafft.

In Augsburg hat die AfD auch schon einen Parteitag abgehalten und viele Bürger haben sich gegen die Partei positioniert und friedlich demonstriert. Vom FC Augsburg war in diesem Zusammenhang nichts zu hören. Der FCA hatte sich in der letzten Saison auch nicht mit dem SV Babelsberg 03 solidarisiert. Dem FCA fehlt momentan die Haltung, die Mainz 05 in der Öffentlichkeit zeigt, und die unterschiedlichste Künstler und Kulturtreibende von den Toten Hosen bis zu Helene Fischer öffentlich demonstrierten (#wirsindmehr). In Zeiten, in denen die Grenzen zu nationalistischen und offen rassistischen Bewegungen immer mehr verschwimmen, ist es längst überfällig, dass sich der FCA noch deutlicher positioniert. Von Mainz 05 kann er dabei doch einiges lernen. Ich hoffe Michael Ströll schaut sich das ein oder andere ab und beschränkt sich dabei nicht nur auf die langfristigen Marketingverträge.

Eine Heimat für die Fans

Im letzten Jahr hatte der FSV Mainz 05 eine Fanabteilung im Verein gegründet, um die Belange der Fans organisatorisch in die Vereinsarbeit einzubetten. Nun am 11.08.2018 war es soweit und die Fans konnten zudem ihre neue Heimat einweihen: das Fanhaus in Mainz. Über die nächsten mind. 10 Jahre wird das Fanprojekt Mainz in diesem Haus beheimatet sein, indem sich auch eine Fankneipe und ein Jugendtreff befindet. Während man in Augsburg gerade das Funktionsgebäude für die Geschäftsstelle fertig gestellt und in diesem Zuge auch eine Fankneipe eröffnet hat, ist das Fanprojekt weiterhin in der Reese Kaserne angesiedelt. Über ein eigenes Haus und einen etwas zentraleren Anlaufpunkt würde man sich dort vielleicht auch freuen. Vor allem wäre es aber schön, wenn man den Fans grundsätzlich eine breitere Anlaufstelle bieten würde. Wie in vielen Bereichen macht Mainz 05 uns hier vor, wie man sich als Verein weiter professionalisiert und sein Selbstverständnis erweitert.

Auswärts über den eigenen Tellerrand schauen

Und während Mainz nun vielleicht nicht mehr die aufregendste Auswärtsfahrt des Jahres ist, da man sich gut kennt und das Stadion nun wahrlich keine Stimmungshochburg ist, so bieten diese Themen doch genügend Möglichkeiten über den eigenen Tellerrand zu schauen. In Mainz findet man auch im Umfeld des Spiels immer wieder nette Menschen, die einen freundlich begrüßen und mit denen man sich nett austauschen kann. Ich werde sowieso den Weg auf mich nehmen, da der Weg kurz und die Anreise mit der S-Bahn unbeschwerlich ist. Ich kann aber nur allen Augsburger Anhängern raten, nach Mainz zu reisen, um sich ein Bild davon zu machen, in welche Richtung sich der FCA in den nächsten Jahren noch entwickeln kann. Zumindest abseits des Platzes fällt es mir hier immer besonders leicht, am gelebten Beispiel Anregungen zu gewinnen.

Auf dem Platz haben sich die Rollen in letzter Zeit etwas verkehrt und der FCA hat mittlerweile öfters die Nase vorn. Das wird aus meiner Sicht auch heute so bleiben, denn ich glaube das Manuel Baum die Länderspielpause gut genutzt und mit seiner Mannschaft intensiv gearbeitet hat. Am Ende wäre es ja nur nett, wenn wir uns beim FSV Mainz 05 für die Anregungen abseits des Platzes mit fußballerischem Anschauungsunterricht revanchieren würden. Als Gast sollte man ja nicht ohne Geschenke anreisen. Dann kann vielleicht auch der FSV Mainz 05 noch etwas von uns lernen.