Den Daten nach ein dicker Fisch?

Was haben wir auf diesen Wechsel hingefiebert. Knapp sechs Wochen ist es jetzt her, dass der FC Augsburg stolz den Fang von Niklas Dorsch vom belgischen KAA Gent verkündet hat. Für fünf Jahre und sieben Millionen Euro kommt „Dorschi“ an den Lech. Dabei war er nur der erste dicke Fisch in einer bemerkenswerten Transferserie, die unserem Sportdirektor den Spitznamen „Don Reuter“ eingebracht hat. Denn auf den Dorsch-Coup folgte kürzlich noch ein (von uns nicht ausnahmslos gefeiertes) Tauschgeschäft mit der Hertha. Aus Berlin kam Arne Maier, leihweise. Nach Berlin ging Marco Richter, fix. Dass dann urplötzlich auch noch unser ehemaliger Capitano, Daniel Baier, auf dem Tableau erschien, der den FCA ab 1.9. beim internationalen Scouting unterstützt, setzte dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf. Was soll bei DER Besetzung bitte noch schiefgehen, wollte man meinen.

Tagelang spannte uns die Social Media-Abteilung des FCA mit Andeutungen auf die Folter, bis Strichmännchen Reuter endlich die „30“ aus dem Teich angelte. Wahnsinnsaktion, Jungs und Mädels!

Am Wochenende wurden wir eines Besseren belehrt. Gegen Hoffenheim ging vieles gehörig schief. All unsere (durchaus begründeten) Träume von einer sorgenfreieren Saison mit frischerem Fußball sind fürs Erste zerplatzt. 0:4 zu Hause. Plopp. An einem dieser vielen Gegentore war Niklas Dorsch nicht unbeteiligt. Und auch im DFB-Pokal gegen Greifswald sah unser neuer Sechser mit einem folgenschweren Fehlpass nicht gut aus. Haben wir uns also zu viel von unserem vermeintlichen Königstransfer versprochen? Ist Dorsch am Ende noch gar nicht reif fürs knallharte Oberhaus? Ziemlich ernüchternde Fragen, wenn ihr mich fragt…

Wir wollen sie aber trotzdem stellen und mithilfe von Daten, erneut bereitgestellt von Createfootball, herausfinden, was dran sein könnte. Oder vielleicht auch nicht. So viel sei aber schon mal gesagt: Verzweifeln müssen wir FCA-Fans mit und an Dorschi keinesfalls. Im Gegenteil.

Was Dorschi stark macht

Die Createfootball-Crew sieht in dem 23-jährigen gebürtigen Lichtenfelser vor allem einen Spielertyp verkörpert: einen sogenannten Deep Lying Playmaker, der das Spielgeschehen aus einer defensiven Mittelfeldposition heraus diktiert. Als solcher konzentriert er sich vor allem auf den Spielaufbau, er verfügt über exzellente Übersicht und hohe technische Fertigkeiten am Ball. Was Dorsch zudem von anderen Sechsern unterscheidet, ist sein herausragendes Passspiel. Anders als sie versucht er nicht, das Spiel mit dem Ball einfach zu halten. Sondern es vor allem mit kurzen, flachen Pässen in die für den Gegner gefährliche Zone zu verlagern.

Zeigen lässt sich das, indem man ein paar Passwerte von Dorsch mit denen der anderen zentralen Mittelfeldspieler in der belgischen Pro League vergleicht. So kam der Neuaugsburger in der Saison 2020/21 auf 53 Pässe pro Spiel, von denen er 90% an den eigenen Mann brachte. Bei seinen Ligakollegen waren es weniger (43; 83%). Auch bei Pässen ins letzte Drittel (8.6), von denen 78% beim Mitspieler landeten, hatte Dorsch im Vergleich zu seinen Ligakollegen im zentralen Mittelfeld die Nase vorn (6.9; 71%).

Neben dem progressiven Passspiel liegen Dorschs Stärken laut Createfootball-Daten aber noch woanders. Nämlich darin, dass er eng in die Defensivarbeit eingebunden ist. Konkret heißt das: Er kommt auf extrem viele Balleroberungen. Bei Gent letzte Saison pro Spiel auf durchschnittlich 9.1, während die anderen zentralen Mittelfeldleute im Ligaschnitt nur 7.2 schafften. Insofern zeigt der U21-Europameister hier auch gewisse Eigenschaften eines Ball Winning Midfielders, der proaktiv verteidigt und so das gegnerische Spiel mit Balleroberungen und (taktischen) Fouls stört. Laut den Datenscouts verkörpert der Franzose N’Golo Kanté vom diesjährigen Champions League-Sieger FC Chelsea diesen Spielertypus mustergültig.  

Beim KAA Gent konnte sich Niklas Dorsch in den Schlüsselkategorien eines Deep Lying Playmakers verbessern. (Foto: Matteo Cogliati / Hans Lucas via imago)

Wichtiger Entwicklungsschritt in Belgien

Dass sich Niklas Dorsch zu einem tief stehenden Spielmacher mit guten Balleroberungsqualitäten entwickeln konnte, ist auch dem Jahr in Gent zu verdanken. Denn Trainer Hein Vanhaezebrouck ließ den damals 22-Jährigen bei dessen insgesamt 43 Einsätzen für den belgischen Erstligisten hauptsächlich in dieser Rolle auflaufen. Von der Sechserposition aus konnte Dorsch das Spiel lenken, Seitenverlagerungen und damit Torgefahr erzeugen.

Beim FC Heidenheim, wo Dorsch von 2018 bis 2020 spielte, bekleidete er dagegen eher die Achterposition. Hier war er pro Spiel noch viel häufiger in Dribblings (3.3) und Offensivzweikämpfe (9.8) verwickelt als später in Gent (1.9; 6.9). Auch konnte er vor allem in seiner zweiten Saison beim deutschen Zweiligisten die fürs Offensivspiel so wichtigen Schnittstellenpässe (0.8) und Torschussvorlagen (0.6) noch nicht ganz so stark ausspielen wie dann im Jahr darauf in der belgischen Pro League (1.5; 1.1).

Wo er schwächelt

Ob es nun am Positionswechsel vom zentralen ins defensive Mittelfeld liegt oder nicht. Schwächen sieht Createfootball beim Neuaugsburger noch im Dribbling. In Gent dribbelte er nicht nur weniger, sondern kam dabei auch nur zu 45% zum Erfolg. Der Schnitt in der Pro League lag dagegen höher bei 57%. Auch wenn bei Dorsch am Ende eine hohe Zahl an Balleroberungen steht, so kommt diese doch durch eine geringe Quote an gewonnenen Zweikämpfen zustande. Zwar führte er pro Spiel mehr Defensiv- wie Offensivzweikämpfe (9.6; 6.9) als die anderen Mittelfeldkräfte der belgischen Liga (7.4; 5.7), er gewann davon aber auch weniger (Dorsch: 56 bzw. 36%; Liga: 58 bzw. 44%). Entsprechend tut sich Dorschi noch schwer, Zweikämpfe effektiv und vor allem erfolgreich zu Ende zu führen.

Was die Daten nicht verraten (das können sie auch nicht, Createfootball hat sie uns schon vor Saisonbeginn zukommen lassen): Wie oben schon kurz angesprochen, hatte unser neuer Mann mit der Nummer 30 sowohl gegen Greifswald als auch gegen Hoffenheim Probleme mit dem Passspiel. Obwohl darin ja gerade seine große Stärke liegt. Allerdings galt das nicht in der Breite. Gegen die TSG hatte er die beste Augsburger Passquote mit 89%. Er verlor den Ball „nur“ eben an entscheidender Stelle. Etwa im Vorfeld des 0:2, als er einen Pass von Iago nicht wieder zu diesem zurückbrachte und Hoffenheim aus der anschließenden Ballbesitzphase das Gegentor erzielte. Auch beim 4:2-Arbeitssieg in Greifswald resultierte aus einem misslungenen Vertikalpass von Dorsch auf Niederlechner der frühe Rückstand zum 0:1. Und das bei einer Passquote, die sonst wieder ganz passabel aussah (87%).

Noch unterlaufen Dorschi Passfehler. Mit besserer Kontrolle und Abstimmung mit EM-Mittelfeld-Buddy Arne Maier bekommt er die sicherlich noch in den Griff. (Foto via imago)

Optimistische Prognose

Das klingt jetzt vielleicht erstmal nicht besonders rosig. Dorsch, der neue Lenker und Playmaker im defensiven Mittelfeld, verpatzt die entscheidenden Pässe und geht in viele, gewinnt aber nicht genügend Zweikämpfe. Doch in der Finalrunde der U21-EM, so Createfootball, hat er gerade auch durch solche Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, die eigentlich nicht zu seinen Stärken gehören (stark im Defensivzweikampf, Dribblings, progressive Läufe). Das stimmt (mich) doch optimistisch! Außerdem denke ich, dass der junge Dorsch smart und selbstkritisch genug ist, um in den kommenden Spielen auch noch die wenigen Pässe abzustellen, bei denen er zuletzt ins zu hohe Risiko gegangen ist. Womöglich wollte er, wenn auch einen Tick zu überengagiert, damit gleich zu Beginn demonstrieren, wofür man ihn nach Augsburg geholt hat.   

Den Datenscouts zufolge ist ein Spielertyp wie Dorsch auf der Doppelsechs auch besonders gut mit einem Achter oder einem zweikampfstarken Abräumer kombinierbar. Wie gut, dass Neuzugang Arne Maier genau SO einen zentralen Mann auf der Acht darstellt! Zwar haperte es nach dessen Einwechslung im letzten Drittel gegen die Hoeneß-Elf noch so manches Mal an der Abstimmung zwischen den beiden Nachwuchseuropameistern. Mit FCA-Urgestein Jan Morávek klappte das besser. Doch ich gehe auch hier davon aus, dass sich das legen wird, je länger Maier im Augsburger Mannschaftstraining ist. Im Moment ist das ja gerade einmal eine Woche.

Insofern würde ich in jedem Fall sagen, dass wir uns mit Niklas Dorsch einen richtig dicken Fisch geangelt haben. (Tschuldigung für die bestimmt tausendste Verwendung dieses Wortspiels.) Das geben auch die Daten her. Um sich beim FCA zu akklimatisieren und mit seinen Nebenmännern (ob jetzt Maier oder Moravek) für echten Wirbel zu sorgen, braucht er vielleicht nur noch ein Weilchen. Bei der Frankfurter Eintracht (15:30 Uhr) gibt’s die nächste Chance. Schnapp sie dir, Dorschi! Hejaaa!

Spieler-Transfers- die Zweite

Das Sommertransferfenster steht vor der Tür und wie unser Sportgeschäftsführer Stefan Reuter bereits angedeutet hat, dürfte diese für uns FCA-Fans richtig spannend werden. Bei einigen Spieler wie Rani Khedira, Marek Suchý und László Bénes ist bereits sicher, dass sie den Verein leider verlassen werden. Mit anderen würde man gerne vorab verlängern. Doch noch ist völlig unklar, wie die Kaderplanung unseres FC Augsburg derzeit aussieht, denn diese hat gerade eben erst vereinsintern begonnen. Wir von der RoGaz haben uns daher die Wartezeit ein wenig versüßt und einen Blick auf die vergangenen Spielzeiten geworfen. Im ersten Teil unserer kleinen Serie konntet ihr bereits sehen, welche Spieler die teuersten Zu- und Abgänge waren, wer ablösefrei kam oder wie viele Transfers überhaupt unter Stefan Reuters Hand getätigt wurden. Wie versprochen ist hier nun der zweite Teil unserer Transferreihe.

Die Topscorer

Insgesamt schossen die Spieler des FC Augsburg seit Stefan Reuters Amtsantritt 365 Tore. Einstecken musste man dagegen 449. Das macht in ca. 9 Jahren ein durchschnittliches Torverhältnis von 41:50. Vergleicht man das mit dem aktuellen Torverhältnis von dieser Saison (36:54), dann sieht man deutlich, dass sich unsere Offensive um ganze 5 Tore unterhalb des Durchschnittes bewegt hat. Das geht natürlich besser und wir Fans wissen ja, dass die Mannschaft es drauf hat, aber am Ende war es ohnehin ein sehr schwieriges Jahr für alle Beteiligten.

Doch ich möchte hier nicht jammern, sondern euch stattdessen unsere Toptorjäger und Topvorbereiter vorstellen, die von Stefan Reuter zu unserem FCA transferiert wurden. Ihr bekommt hier drei Rankings präsentiert – sortiert nach den meisten erzielten Toren, den meisten Vorlagen und den höchsten Scorerpunkten insgesamt.

Die meisten Tore:

RangNamePositionErzielte Tore
1Alfred FinnbogasonMittelstürmer37
2Raúl BobadillaMittelstürmer29
3André HahnRechtsaußen28
4Halil AltintopOffensives Mittelfeld22
4Michael GregoritschHängende Spitze22
Top 5 nach erzielten Toren
Bitte lass es nächste Saison besser laufen – Toptorschütze Alfred Finnbogason (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Die besten Torvorbereiter:

RangNamePositionTore vorbereitet
1Philipp MaxLinker Verteidiger29
2André HahnRechtsaußen27
3CaiubyHängende Spitze17
4Halil AltintopOffensives Mittelfeld14
5Florian NiederlechnerMittelstürmer13
Top 5 nach Torvorbereitung
Seine Flanken und präzisen Pässe waren göttlich (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Topscorer:

RangNamePositionScorerpunkte
1André HahnRechtsaußen55
2Alfred FinnbogasonMittelstürmer50
3Philipp MaxLinker Verteidiger44
4Raúl BobadillaMittelstürmer39
5Halil AltintopOffensives Mittelfeld36
Top 5 nach Scorerpunkten gesamt
Die Trophäe geht hochverdient an André Hahn (Foto via Imago)

Bei all diesen Spielern hatte Stefan Reuter wahrlich ein goldenes Händchen. Gerade bei André Hahn, der am 18.01.2013 – also kurz nachdem unser sportlicher Geschäftsführer beim FCA anheuerte – für eine Ablösesumme von gerade einmal 250.000,00 € zu uns an den Lech wechselte. Nahezu die Hälfte seiner Scorerpunkte (26) sammelte er nämlich in seinen ersten eineinhalb Spielzeiten bei uns, bevor er schließlich für 2,25 Mio. € zu Borussia Mönchengladbach ging.

Auch Alfred Finnbogason, Philipp Max und Raúl Bobadilla kosteten mit 4.000.000,00 €, 3.800.000,00 € und 1.500.000,00 € im Vergleich zu anderen Topstürmern nicht unbedingt ein Vermögen. Halil Altintop kam sogar ablösefrei.

Die Torhüter im direkten Vergleich

Mit Alexander Manninger, Fabian Giefer, Andreas Luthe, Gregor Kobel, Marwin Hitz, Tomáš Koubek und Rafał Gikiewicz standen gleich sieben Torhüter in etwa 9 Jahren bei uns zwischen den Pfosten. Auch Benjamin Leneis lotste Stefan Reuter im Jahr 2015 von Nürnberg zu uns nach Augsburg. Neben der U17, der U19 und unserer Zweitvertretung steht er seit 2018 regelmäßig als 3. Mann in unserem Profikader. Da es für einen Einsatz in der Bundesliga bisher leider noch nicht gereicht hat, haben wir ihn aus unserer Bewertung vorerst außen vor gelassen. Genauso wie Simon Jentzsch, der nach der Verpflichtung von Alexander Manninger nicht mehr allzu viele Spiele für unseren Verein machen durfte. Auf ihn gehe ich aber später noch etwas genauer ein.

Nun kann man natürlich auch bei den Torhütern die Daten auf verschiedene Weise betrachten, doch auch hier ist das gar nicht so einfach. Ein Marwin Hitz hat beispielsweise sehr viele Spiele mehr gemacht als ein Fabian Giefer, weswegen es natürlich klar ist, dass er mehr Gegentore bekommen hat. Um daher fair zu bleiben, habe ich mich für die durchschnittlich kassierten Tore pro Partie entschieden. Schauen wir uns einmal an, welcher Torhüter bei uns die beste Leistung erbracht hat. Die Antwort dürfte nicht viele überraschen, wobei der Vorsprung wahrlich hauchdünn ist.

RangNameSpiele / EinsatzminutenGegentorePartien zu NullTore pro Partie
1Marwin Hitz157 / 14.157212471,35
2Andreas Luthe31 / 2.7804271,36
3Alexander Manninger38 / 3.3335961,55
4Rafał Gikiewicz36 / 3.2405781,58
5Fabian Giefer4 (360)701,75
6Tomáš Koubek25 / 2.2505342,12
7Gregor Kobel18 / 1.6004442,44
Torhüter im Vergleich

Hierzu möchte ich aber eines anmerken: In meinem Ranking halte ich mich lediglich an die Daten. Persönlich bin ich der Meinung, dass es bei den Torhütern auf wesentlich mehr ankommt, als strikt auf die Gegentore. Auch die Kommunikation mit der Hintermannschaft, die Ausstrahlung auf dem Platz und das Spiel gegen den gegnerischen Angreifer spielen ebenfalls eine große Rolle.

Da hat er allen Grund zu jubeln: Reuters erfolgreichster Torwarttransfer Marwin Hitz (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Deswegen halte ich Rafał Gikiewicz für den besten Torwart, den wir mit Marwin Hitz hatten. Er ist nicht nur ein absoluter Teamplayer sondern auch ein toller Motivator. Lange hat er sich auf Platz 3 gehalten, doch das Spiel gegen Bayern am letzten Spieltag der Saison hat seine Quote leider kaputt gemacht. Ich hoffe daher sehr, dass unser Geschäftsführer Sport sieht, was wir an ihm haben, und dass man im Sommer gleich mit ihm verlängert, wenn Gikie das denn möchte.

Das Spiel mit den Leihen

Leihen sind im Fußballgeschäft mittlerweile Gang und Gebe. Alle Vereine praktizieren das sehr gerne, um beispielsweise jungen Spielern Spielpraxis zu ermöglichen, die sie beim eigenen Club nicht so einfach bekommen würden. Zum Beispiel, weil man auf dieser Position recht gut besetzt ist. Doch nicht nur junge Leute werden verliehen sondern auch erfahrene Spieler.

Auf Platz 1 der am meisten verliehenen Spieler steht im Übrigen Atalanta Bergamo mit derzeit 49 verliehenen Spielern. Da das Leihgeschäft im europäischen Fußball schier verrückte Ausmaße angenommen hat, hat die FIFA dem ganzen einen Riegel vorgeschoben. Ab der Saison 2020/21 war es den Clubs nämlich nur noch erlaubt, acht Spieler zu verleihen bzw. auszuleihen. Ausgenommen von dieser Regel sind Nachwuchsspieler unter 22 Jahren, denn aufstrebenden Talenten, die zu wenig Praxis bekommen, soll somit weiterhin die Möglichkeit geboten werden, sich weiter entwickeln zu können.

Auch der FC Augsburg setzt gerne auf dieses Prinzip, wobei doch sehr auffällig ist, dass wir eher verleihen als ausleihen. Insgesamt schloss man 13 Leihverträge ab, in denen sich Spieler dem FC Augsburg auf Leihbasis anschlossen. Diese waren:

  • Dong-Won Ji
  • Raphael Holzhauser
  • Arkadiusz Milik
  • Dominik Kohr
  • Panagiotis Vlachodimos
  • Pierre-Emilie Höjbjerg
  • Alfred Finnbogason
  • Reece Oxford
  • Gregor Kobel
  • Felix Uduokhai
  • Tin Jedvaj
  • Eduard Löwen
  • László Bénes

Von diesen Spielern konnten wir im Nachhinein mit Dong-Won Ji, Dominik Kohr, Alfred Finnbogason, Reece Oxford und Felix Uduokhai fest verpflichten, die sich bei uns auch sehr gut integrierten und teilweise auch zu Leistungsträgern avancierten.

Verliehen hat man während Stefan Reuters Amtszeit insgesamt 27 Spieler – teilweise sogar mehrfach. Spitzenreiter hierbei ist Tim Rieder, der bereits für die U19 und die U23 gespielt hat. Gleich drei Mal hat man ihn verliehen – zu Slask Wroclaw, nach Darmstadt und zum TSV 1860 München – bevor er schließlich letzten Sommer an Kaiserslautern verkauft wurde. Erik Thommy, Tim Matavz, Nikola Djurdic und Takashi Usami wurden je zwei Mal verliehen, bevor man sie schließlich ziehen ließ, da sie sich bei uns leider nicht durchsetzen konnten. Insgesamt kommt man auf genau 33 Leihverträge, die mit anderen Clubs abgeschlossen wurden. Wer derzeit verliehen ist und im Sommer zurückerwartet wird, hat sich RoGaz-Autorin Irina schon einmal genauer angesehen.

Karriereende in Augsburg

Während Stephan Reuters Amtszeit beendeten sechs Spieler der A-Mannschaft ihre aktive Karriere im Profifußball. Einige freiwillig, die anderen nicht ganz so sehr. Ich habe daher mal einen Blick auf jene Rentner geworfen, die unseren FC Augsburg als letzte Station in ihrer Vita stehen haben.

Vom 01.07.2009 bis zu seinem Karriereende am 30.06.2013 stand Simon Jentzsch bei unserem FC Augsburg unter Vertrag und trug maßgeblich an dem „Aufstiegswunder“ aus dem Jahre 2011 bei. Simon war immer ein Typ, auf den man sich stets verlassen konnte. Insgesamt stand er in 111 Partien zwischen unseren Pfosten und kassierte dabei 131 Gegentore. Das macht eine starke Quote von lediglich 1,18 Gegentreffer pro Partie. Vergleicht man das mit allen anderen Torhütern, erkennt man recht schnell, dass Jentzsch den besten Wert überhaupt aufweist. In insgesamt 35 Spielen hielt er seinen Kasten sogar sauber.

Was für ein “Vieh” (Foto: Krieger Simon via Imago)

Nach seiner Zeit in Augsburg gönnte sich der gebürtige Düsseldorfer ein Jahr Pause, ehe er für zwei Spielzeiten als Torwart-Trainer bei Fortuna Düsseldorf fungierte. Heute ist er als solcher in der Jugendabteilung des FC Bayern München tätig. Seit 12.07.2019 trainiert er die Torhüter der U16 und U17. Sein Vertrag läuft jedoch am 30.06.2021 aus. Mal sehen, wohin es ihn dann verschlägt.

Ein weiterer Spieler, der seine Karriere bei uns beendete war Andreas Ottl. Insgesamt bestritt der Münchener 16 Partien in zwei Spielzeiten für Rot-Grün-Weiß. Seit 2017 ist er als Spielerberater tätig. Angestellt ist er bei der arena11 sports group, die unter anderem Spieler wie Sadio Mané oder Marc-André ter Stegen vertritt.

Auch Christoph Janker ist einer der Spieler, die nach dem FCA für keinen anderen Verein mehr aufliefen. 46 Mal stand er für uns in der Abwehr und verhinderte in den 4,5 Jahren so einige Gegentore. Und auch heute noch ist Christoph ein Teil der FCA-Familie. Seit 01.02.2020 arbeitet er als Talent Manager bei unserem FC Augsburg. Diese Stelle wurde eigens für ihn geschaffen und stellt das Bindeglied zwischen Nachwuchs- und Lizenzabteilung dar. Darüber hinaus ist Janker auch noch für die Betreuung der Leihspieler zuständig, um eine noch engere Bindung der gerade verliehenen Lizenzspieler zu gewährleisten.

Heute ist Christoph Janker als Talent Manager beim FC Augsburg tätig (Foto via Imago)

Jan-Ingwer Callsen-Bracker war ebenfalls teil der Aufstiegsmannschaft aus dem Jahr 2011 und bis zu seiner Verletzung im „Wunder von Belgrad“ kaum mehr aus der Innenverteidigung weg zu denken. Doch nach seiner langen Ausfallzeit lief er gerade noch zwei Mal im Augsburger Trikot auf. Insgesamt kommt Callsen-Bracker dennoch auf 150 Spiele, 13 Tore und 3 Torvorlagen. Seit Dezember 2019 ist er neben seiner Tätigkeit in der DFB-Akademie auch noch Mitglied im Aufsichtsrat unseres geliebten FCA.

Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner war nur eine Saison bei uns zu Gast. Der Schweizer hatte unter anderem Vereine wie Arsenal London, Juventus Turin und Lazio Rom in seinem Lebenslauf stehen und sollte vor allem seine (internationale) Erfahrung mit einbringen. So gut gelang ihm das allerdings nicht, sodass man seinen Vertrag am Ende auch nicht verlängerte. Insgesamt bestritt er 20 Partien und kam dabei auf eine Torvorlage. Nach seinem Karriereende am 12.08.2020 wurde im März 2021 bekannt, dass Lichtsteiner ein Praktikum bei einem Zürcher Unternehmen als Uhrmacher begonnen hat. Zudem sitzt er nun im Verwaltungsrat des HC Lugano, einer der bedeutsamsten und erfolgreichsten Mannschaften im Schweizer Eishockey.

Scheiden tut weh

Am Ende kommen wir nun zu der wohl schmerzhaftesten Trennung, die wir Augsburg Fans in den letzten Jahren hinnehmen mussten. Im September 2020 gab man bekannt, dass man den Vertrag mit Spielführer Daniel Baier auflöst, der daraufhin seine aktive Karriere beendete. Man muss unserem damaligen Kapitän wirklich hoch anrechnen, dass er das Angebot, das es wohl von 59+1 gegeben haben soll, nicht annahm, sondern lieber aufhörte, um als letzte Station in seinem Lebenslauf den FC Augsburg stehen zu haben.

Viele Fans vermissen unseren “Mister FCA” (Foto via Imago)

Baier hat mit Abstand die meisten Spiele für die Rot-Grün-Weißen bestritten. In 355 Partien stand er im defensiven Mittelfeld auf dem Platz, schoss 8 Tore, legte 25 auf und übernahm nach Paul Verhaeghs Abgang im Jahr 2017 für drei Jahre die Kapitänsbinde. Heute ist es eher ruhig um Dani, den aber viele Fans gerne wieder bei uns im Verein sehen würden. Ein paar Mal durfte man ihn in der Champions Corner oder auch im Doppelpass sehen, doch ansonsten konzentriert sich Baier noch voll auf seine Familie. Es ist nicht bekannt, ob er darüber nachdenkt, den Weg als Trainer oder vielleicht als Verantwortlicher einzuschlagen. Doch bei einem bin ich mir sicher: Irgendwann werden wir ihn bestimmt in irgendeinem Verein wiedersehen.

Unsere Talentschmiede

Im Jahr 2007 wurde das Leistungszentrum unseres FC Augsburg offiziell anerkannt und bildet somit eine tragende Säule des Vereins. Die grundlegenden Aufgaben des NLZ bestehen aus drei zentralen Bereichen:

  • Ausbildung von Spielern für die Lizenzmannschaft
  • Wahrnehmung einer regional ausgerichteten, sozialen Verantwortung in der Arbeit mit jungen Menschen
  • Positiver Image-Transfer
Unsere “Talentschmiede” – Das Nachwuchsleistungszentrum an der Donauwörtherstraße (Foto via Imago)

Jeder Erst- und Zweitligist ist im Übrigen laut DFL dazu verpflichtet, ein solches Leistungszentrum zu haben, um die Lizenz für die Bundesliga zu bekommen. So heißt es auf der Homepage der DFL:

Alle am Spielbetrieb der Bundesliga und 2. Bundesliga teilnehmenden Clubs sind dazu verpflichtet, als Fördereinrichtung ein Leistungszentrum zu führen (§ 3 Nr. 2 LO). Die Leistungszentren sollen eine qualitativ hohe Ausbildung talentierter Nachwuchsspieler in den verschiedenen Altersklassen gewährleisten. Die Lizenzierungsvoraussetzungen gelten verbindlich für alle Bewerber der Bundesliga und 2. Bundesliga, in den beiden Spielklassen müssen unterschiedliche Voraussetzungen (Kategorie I und II) erfüllt werden.

DFL Vorgabe Leistungszentrum

Das NLZ des FCA bringt regelmäßig junge Talente hervor, die sowohl für uns als auch für andere Vereine auflaufen bzw. für deren Erfolge mitverantwortlich sind. Seit Reuters Amtsantritt bekamen 20 junge Spieler die Chance ein wenig Profiluft zu schnuppern oder einmal im Profikader zu stehen. Teilweise verlieh oder verkaufte man sie. Andere stehen noch heute bei uns unter Vertrag.

Augsburger Jungs

Doch wer sind diese Jungs, die wir aus unserer Talentschmiede hervorgebracht haben?

NamePositionHeute bei…MarktwertErfolge bzw. andere Vereine
Arif EkinLVTSV Rain/Lech50 T €TSV 1860 München II
Bajram NebihiHSSelangor FA II125 T €Union Berlin
Mail UhdeDMTSV Schwabmünchen100 T €Keine
Erik ThommyLMVfB Stuttgart4,5 Mio. €1. Aufstieg in Liga 2 mit Jahn Regensburg 2017 2. Regelmäßige Einsätze in der Bundesliga
Raphael FrambergerRVFC Augsburg2,00 Mio. €1. Teilnahme an der EL 2015/16 2. Regelmäßige Einsätze in der Liga
Tim RiederDM1. FC Kaiserslautern300 T €Stammspieler beim TSV 1860 München und Lautern
Marco SchusterDMWaldhof Mannheim250 T €Stammspieler → wechselt im Sommer zu Paderborn (2.Liga)
Bastian KurzLMSchwaben Augsburg125 T €Kickers Offenbach, Rot-Weiß Erfurt
Kevin DansoIVFortuna Düsseldorf (Leihe)5,00 Mio. €Stammspieler bei DD, Leihe in die Premier League 2019/20, U21-Österreich
Marco RichterRAFC Augsburg6,00 Mio, €Stammspieler und Berufung in die U21 (DFB) → Teilnahme EM 2019
Julian Günther-SchmidtHSFC Saarbrücken250 T €Carl Zeiss Jena, Fortuna Köln
Simon AstaRVGreuther Fürth250 T €Aufstieg mit Fürth in die 1. Bundesliga
Jozo StanicIVFSV Zwickau (Leihe)400 T €Kroatien U19
Felix SchwarzholzDMFC Augsburg II75 T €
Benjamin LeneisTWFC Augsburg200 T €Regelmäßig 3. Torhüter bei den Profis
Maurice MaloneLMSV Wehen Wiesbaden (Leihe)500 T €Stammspieler in der 3. Liga, 12 Tore
Tim CivejaDMFC Augsburg / FC Augsburg II300 T €Debüt gegen Werder Bremen und weitere Einsätze
Lukas PetkovZMFC Augsburg / FC Augsburg II175 T €Debüt gegen Bayern München
Dion BerishaLAFC Augsburg / FC Augsburg II300 T €Kadernominierungen und Einsätze bei Testspielen
Seong-hoon CheonMSFC Augsburg / FC Augsburg II250 T €Kadernominierungen und Einsatz bei Testspielen
Nachwuchsspieler unseres geliebten FCA

Das Profigeschäft ist ein Haifischbecken und nicht jeder Spieler ist automatisch dafür geeignet, sich da durchzubeißen. Im Endeffekt schafft das sogar nur ein kleiner Teil. Doch der FC Augsburg leistet hier tolle Arbeit. Das sieht man alleine schon daran, dass in den letzten 9 Jahren gleich so viele Spieler wenigstens einmal im Profikader standen.

Durfte dieser Jahr sein Profidebüt feiern – Mittelfeldtalent Tim Civeja (Foto via Imago)

Wie genau das im Nachwuchsleistung abläuft, hat RoGaz-Autor Andi schon mal genauer für euch untersucht. Sein ausführliches Interview mit dem kaufmännischen Leiter Roy Stapelfeld könnt ihr hier nachlesen.

Schwierige Aufgabe

Alle Transfers – egal ob ablösefrei oder gegen eine finanzielle Gegenleistung – bringen immer ein gewisses Risiko mit sich. Kein sportlicher Verantwortlicher kann im Voraus sagen, wie sich ein Spieler entwickelt oder ob er sich bestmöglich ins Team integrieren kann. Manchmal spielt auch wie bei Felix Götze das Pech eine große Rolle, der wegen Hüftproblemen fast ein ganzes Jahr ausfiel.

Oder aber ein Spieler bleibt hinter seinen Erwartungen zurück, wie das Beispiel Marek Suchý zeigt. Er schien als Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft ein mehr als nur erfahrener Spieler zu sein, der zudem auch noch auf internationaler Ebene einst brilliert hat. Doch bei uns kam er leider nie so wirklich zu Zug. Sein Start war nämlich ebenfalls gleich mal von Pech gekrönt, denn auch er fiel wegen einer Verletzung an der Hüfte zu Beginn der Saison satte 123 Tage aus. Da hatte sich natürlich schon mit Felix Uduokhai und Jeffrey Gouweleeuw schon die Stammformation für die Saison gefunden. Und auch Trainer Herrlich setzte nicht auf den gebürtigen Tschechen, der mit dem FC Basel viermal die Schweizer Meisterschaft gewann und auch Champions League spielte.

Fazit

Ich persönlich möchte die Verantwortung, die Stefan Reuter in Händen hält, nicht tragen müssen, denn am Ende ist immer er derjenige, der den Kopf hinhalten muss. Das sollten wir alle im Hinterkopf behalten. Stefan Reuter trifft seine Entscheidungen in der Meinung, das Beste für den Verein zu tun. Und auch wenn er in manchen Fällen daneben lag, so kann man doch sagen, dass er im Großen und Ganzen einen sehr guten Job gemacht hat. Er lebt und liebt den Verein, wie wir alle es tun, und er möchte sicherlich dem FC Augsburg in keinster Weise schaden. Und sind Fehler nicht auch irgendwo menschlich?

Nun ist die Saison 2020/21 also zu Ende und wir dürfen gespannt sein, was unsere sportliche Leitung in diesem Jahr aus dem Hut zaubert. Er selbst hat bereits angedeutet, dass es im Sommer einige Veränderungen geben wird. Wie diese genau aussehen werden, steht natürlich noch nicht fest, denn die Kaderplanung beginnt erst jetzt so richtig, nachdem man erneut die Klasse gehalten hat. Doch wir alle fiebern schon darauf hin, wie wir in der nächsten Saison auflaufen werden. Und wie ich Stefan Reuter in den letzten Wochen, die ich für die Recherche dieses Artikels aufgewendet habe, kennen gelernt habe, wird er alles tun, was das Beste für den FCA ist. Damit wir auch im nächsten Jahr sagen dürfen: Auf ins nächste Jahr Bundesliga!

Reuters Transferspielchen

Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. Kaum ist das letzte Spiel abgeschlossen, häufen sich die Gerüchte um mögliche Transfers und Wechsel, aber bis sich diese Transfers verwirklichen lassen, müssen sich die Vereine bis zu den offiziellen Transferperioden gedulden, welche von der FIFA vorgegeben werden. In der Regel ist es den Clubs im Sommer möglich, vom 01.07. bis zum 31.08. neue Spieler für sich zu gewinnen, die noch bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen. Um uns daher die Wartezeit ein wenig zu versüßen, haben wir uns deshalb in einer kleinen Serie die letzten Transferperioden einmal genauer angesehen. Vor allem auch deswegen, da die Kritik an Sportdirektor Stefan Reuter immer lauter wird. Doch hat er wirklich einen so schlechten Job gemacht? Und hat er immer nur aufs Geld geachtet oder hatte er dabei vielleicht sogar mal ein glückliches Händchen?

Ein Weltmeister kommt nach Augsburg

Am 27.12.2012 stellte der FC Augsburg Stefan Reuter als neuen Geschäftsführer des Bereichs Sport vor, nachdem man seinen Vorgänger Jürgen Rollmann nach nur wenigen Wochen aufgrund unüberbrückbarer interner Differenzen entlassen hatte.

Zu jener Zeit steckte der Verein in einer kleinen Krise, denn die Hinrunde hatte man mit gerade mal 9 Punkten auf Platz 17 beendet. Eine Veränderung und vor allem auch Sicherheit fehlten in jenen Tagen an allen Ecken und Enden. Und so holte unser damaliger Präsident Walther Seinsch mit Stefan Reuter einen erfahrenen Mann an Bord des wankenden Schiffes. Gerade als Spieler hat unser Geschäftsführer Sport so ziemlich alles gewonnen, was möglich ist. Er wurde Weltmeister, Europameister, gewann mit Borussia Dortmund die Champions League und 5 Deutsche Meistertitel.

Reuter – ein Risiko?

Bei seinen vorherigen Stationen Borussia Dortmund und dem TSV 1860 München konnte Stefan Reuter schon einige Fähigkeiten aufweisen und weitere sammeln, die es für einen solch wichtigen Posten braucht. Allerdings war seine Einstellung doch ein Risiko für unseren Verein, denn gerade bei den Blauen aus München lief es für den gebürtigen Dinkelsbühler nicht gerade gut. Drei Jahre lang war er dort beschäftigt, bevor man ihm im Februar 2009 schließlich einen neuen Sportdirektor vor die Nase setzte und im einen Großteil seiner Aufgaben entzog, da es für den angeschlagenen Zweitligisten sportlich immer weiter bergab ging. Man wollte ihn zwar weiterhin als Geschäftsführer und Sponsoren-Betreuer behalten, doch für Reuter war das keine Option.

Es gab nochmal ein Gespräch, aber wir haben keine Lösung gefunden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist aber klar, dass ich dieses Angebot nicht annehmen kann.

Stefan Reuter über seine Entlassung

Doch gerade wenn man jetzt auf die letzten fast 9 Jahre zurück blickt, kann man sagen, dass die Entscheidung Walther Seinschs goldrichtig war. Denn Stefan Reuter hat es mit seinen Entscheidungen geschafft, uns immer wieder in der Liga zu halten und brachte uns sogar mit dem Erreichen der Europa League den größten Erfolg unserer Vereinshistorie ein. Und das ist etwas, das wir alle nicht vergessen sollten, denn auch die sportliche Leitung trägt einen großen Anteil an dieser Leistung.

Eine furchtbare Jacke, wenn es nach unserem Geschmack geht! (Foto via Imago)

Die Transferzahlen im Überblick

Werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die absoluten Zahlen, da man hieran am besten sieht, wie viele Transfers unter Reuter getätigt wurden. Und das waren wirklich nicht wenige. Was jedoch auffällig ist, dass gerade in den letzten Jahren auffällig viele Leihen – sowohl als Zu- als als auch Abgänge – getätigt wurden.

Zugänge:

SaisonZugänge gesamtDavon LeihenLeihendeSpieler aus der eigenen Jugend
2012/1341
2013/141544
2014/1515123
2015/1614141
2016/171331
2017/181352
2018/1917274
2019/2020352
2020/2111142
Zugänge Gesamtübersicht

Abgänge:

SaisonAbgänge gesamtDavon LeihenLeihendeKarriereende
2012/13311
2013/14143
2014/1514321
2015/161024
2016/171851
2017/18188
2018/19114
2019/2019422
2020/2117532
Abgänge Gesamtübersicht

Insgesamt hat Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter 246 Transfers getätigt. 122 Zugänge sind hierbei zu verzeichnen und ganze 18 Spieler aus der eigenen Jugendabteilung bekamen die Chance, sich auch mal mit den Großen messen zu dürfen. Dem stehen 124 Abgänge gegenüber, wobei dazu zu sagen ist, dass bei allen Zahlen auch die beendeten Leihverträge berücksichtigt wurden. Betrachtet man den jeweiligen Durchschnitt, so kommt Stefan Reuter auf 13,56 Zugänge und 13,78 Abgänge pro Saison.

Investitionen in neue Spieler

Immer wieder liest man, dass Stefan Reuter so ein unglaublicher Sparfuchs sei, der nur wenig Geld in neue Spieler investieren möchte. Das mag bis zu einem gewissen Grad auch stimmen, denn gerade in den letzten Jahren holte man immer wieder junge Talente zu uns an den Lech. Beispielsweise einen Mads Pedersen, den man für ca. 800.000,00 € von FC Nordsjælland verpflichtete. Außerdem ist es kein Geheimnis, dass unsere sportliche Leitung auch gerne mal ablösefreie Spieler mit einem Vertrag ausstattet. Doch darauf gehe ich später noch genauer ein.

Bevor ich euch aber – unabhängig von deren Leistung – die Top 5 der teuersten Einkäufe präsentiere, schauen wir uns doch erst einmal an, wie viel Stefan Reuter überhaupt in neue Spieler investiert hat. Das gestaltet sich nicht als ganz so einfach, da teilweise die vereinbarten Leihsummen nicht bekannt sind. Doch einen groben Überblick zu haben ist doch auch schon mal nicht schlecht.

SaisonSumme Zugänge
2012/13300.000,00 €
2013/144.550.000,00 €
2014/1512.450.000,00 €
2015/1616.700.000,00 €
2016/1723.700.000,00 €
2017/187.550.000,00 €
2018/196.650.000,00 €
2019/2031.500.000,00 €
2020/2110.300.000,00 €
Ausgaben für Zugänge pro Saison

Wir reden hier von einer Summer von 113.700.000,00 €, die Stefan Reuter in neue Spieler (inkl. Leihen) investiert hat. Das ergibt in etwa neun Jahren, die der gebürtige Dinkelsbühler, eine durchschnittliche Summe von 12.633.333,33 € pro Saison.

Die teuersten Zugänge

Doch nun möchte ich euch natürlich nicht länger auf die Folter spannen und euch die teuersten Zugänge präsentieren. Auf Platz 5 liegt dabei Michael Gregoritsch, der seit 04.07.2017 bei uns unter Vertrag stand. Er kam für 5.500.000,00 € vom Hamburger SV. Der viertteuerste Transfer war Iago, den man zu Beginn der Saison 2019/20 von SC Internacional Porto Allegre für 6.500.000,00 € zu uns transferierte.

Ein klein wenig mehr gab man laut Transfermarkt für Felix Uduokhai aus. 7.000.000,00 € musste Stefan Reuter für ihn an den VfL Wolfsburg überweisen, was für seine Leistung aber ein wirklich angemessener Preis war. Seinen Marktwert von damals (6.800.000,00 €) konnte er in der Zwischenzeit nämlich auf 13.000.000,00 € steigern. Platz 2 geht an Tomáš Koubek. Doch trotz einer Transfersumme von 7.500.000,00 € konnte er bei uns nicht wirklich überzeugen, wie wir im zweiten Teil unserer Serie im direkten Torwartvergleich noch sehen werden.

Die unangefochtene Nummer 1 ist kein geringerer als Martin Hinteregger. Ihn verpflichtete man am 31.08.2016 für eine stolze Summe von 10.500.000,00 € von RB Salzburg . Wie ein Blick auf die Leistungsdaten zeigt, war Hinti auch ein sehr wichtiger Spieler in den letzten Jahren. In 2,5 Spielzeiten machte er für unseren FC Augsburg 83 Spielen und traf dabei fünf Mal das gegnerische Tor. Sein Abgang war natürlich alles andere als glücklich, dennoch war Hinteregger mit der beste Innenverteidiger, den wir bei uns willkommen heißen durften.

Teuerster Zugang der bisherigen Vereinsgeschichte: Innenverteidiger Martin Hinteregger (Foto via Imago)

Geld für die FCA-Kasse

Natürlich haben wir uns auch die Abgänge näher angeschaut und hier ein Ranking erstellt. Doch auch hier wieder zuerst eine Aufstellung der Gesamteinnahmen. Hierzu sei auch gesagt, dass die genauen Summen teilweise nicht öffentlich gemacht wurden, wie zum Beispiel die vereinbarten Summen für Leihspieler.

SaisonSumme Abgänge
2012/130,00 €
2013/14700.000,00 €
2014/156.900.000,00 €
2015/1626.900.000,00 €
2016/1715.050.000,00 €
2017/187.900.000,00 €
2018/192.850.000,00 €
2019/2019.500.000,00 €
2020/218.600.000,00 €
Einnahmen durch Abgänge pro Saison

Insgesamt konnte Stefan Reuter dem Verein somit 88.400.000,00 € mit seinen Verkäufen in die Kasse spülen, was eine jährliche Einnahme von 9.822.222,22 € bedeutet. Die fünf teuersten Abgänge brachten uns dabei einen Umsatz in Höhe von 54.000.000,00 € ein.

Die Top 5 der teuersten Abgänge

Auf Platz 5 findet sich hier Ragnar Klavan wieder. Wer kennt ihn noch, den gebürtigen Esten? Er kam im Juli 2012 für eine Ablösesumme von 250.000,00 € von AZ Alkmaar nach Augsburg. In insgesamt 140 Spielen lief der Innenverteidiger für uns auf und wurde schließlich am 20.07.2016 für 5.000.000,00 € an den FC Liverpool verkauft, nachdem der Club in der Europa League auf ihn aufmerksam geworden war.

Die vierthöchste Ablöse erzielte man durch den Verkauf von Jeong-ho Hong, den man am 01.09.2013 für 2.000.000,00 € verpflichtet hatte. Doch in 61 Partien konnte der Innenverteidiger seinen Marktwert steigern und brachte unserem FC Augsburg damit eine Summe von 6.000.000,00 € ein.

Der wohl schmerzhafteste Abgang für viele FCA-Fans liegt mit Philipp Max auf Rang 3. Für 8.000.000,00 € verkaufte man in an PSV Eindhoven, wo er in dieser Saison auch internationale Luft schnuppern durfte. Insgesamt spielte der gelernte Linksverteidiger fünf Jahre beim FC Augsburg. In 156 Spielen schoss er 15 Tore und legte 29 auf. Gerade in dieser Saison hat man leider gemerkt, dass sein Zug auf der linken Außenbahn doch ziemlich fehlt.

Er fehlt uns immer noch unglaublich… (Foto via Imago)

Platz 2 geht an Martin Hinteregger. Auch hier handelt es sich (wie bei allen 5 Topabgängen) um einen Verteidiger. Nachdem er bereits im Januar 2019 nach seiner Kritik am damaligen Trainer Manuel Baum dorthin ausgeliehen wurde, verkaufte man ihn schließlich im Sommer an die Frankfurter Eintracht. Die Ablösesumme, für deren Einigung man einen ganzen Monat gebraucht hatte, belief sich am Ende auf 9.000.000,00 €.

Der unangefochtene Spitzenreiter

Dies sind aber immer noch stolze 17.000.000,00 € weniger als beim Spitzenreiter. Abdul Raman Baba kam am 12.08.2014 von Greuther Fürth nach Augsburg. Man bezahlte gerade einmal 2.500.000,00 € für ihn und relativ genau ein Jahr später klopfte der FC Chelsea an Stefan Reuters Tür, der schließlich den Rekordtransfer des FC Augsburg eintütete. Für 26.000.000,00 € ließ man Baba schweren Herzens in die Premier League ziehen.

Der Rekordtransfer schlechthin… (Foto via Imago)

Für den FC Chelsea, bei denen er bis 2022 immer noch unter Vertrag steht, durfte er in gerade einmal 23 Spielen auflaufen. Das sind weniger als er für uns in einer Saison gemacht hat. Da waren es nämlich 32. Doch für Chelsea scheint Baba nicht so wichtig zu sein, wie er es für uns war, denn der Arme wird seit Jahren ständig ausgeliehen und hatte zugleich mit einigen Verletzungssorgen zu kämpfen. Für mich persönlich trotzdem eine Verschwendung von Talent.

Ablösefreie Spieler

Wie oben schon erwähnt, wird Stefan Reuter oftmals nachgesagt, dass er viele ablösefreie Spieler unter Vertrag nimmt, um Geld zu sparen. Gerne wird von seinen Kritikern in den sozialen Netzwerken auch gesagt, dass diese Spieler dann oft nur eine mangelnde Leistung an den Tag legen. Das stimmt aber keinesfalls. Denn in den ganzen 9 Jahren, in denen Stefan Reuter bei uns in Augsburg ist, hat er gerade einmal 19 ablösefreie Spieler zu uns gelockt. Und einige Namen bringt man dabei sicher nicht mit einem Flop in Verbindung. Hier eine Aufstellung der detaillierten Leistungsdaten:

SpielerPositionEinsätzeSpielminutenTore / VorlagenGegentore / Zu Null
Michael ParkhurstInnenverteidiger21370/0
Somen TchoyiOM2290/0
Marwin HitzTorwart14714.1571/0212/47
Halil AltintopOM1288.85322/14
Christoph JankerAbwehr462.3760/0
Piotr TrochowskiOM124182/1
Daniel OpareRV221.8680/0
Andreas LutheTorwart312.7800/042/7
Georg TeiglRV301.3270/2
Gojko KacarDM291.4091/1
Rani KhediraDM12710.0746/4
Marcel HellerRM251.3670/2
Julian SchieberMS122991/0
Felix GötzeDM92021/0
Stephan LichtsteinerRV201.3460/1
Marek SuchýIV137880/0
Rafal GikiewiczTorwart363.2400/057/8
Tobias StroblDM311.9690/0
Daniel CaligiuriRechtsaußen352.8257/5
Ablösefreie Zugänge

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich sehe nicht unbedingt viele Spieler, die, obwohl sie lediglich für ein Handgeld zu uns gekommen sind, komplett versagt haben. Im Gegenteil: Spieler wie Marwin Hitz, Rani Khedira, Christoph Janker, Rafal Gikiewicz oder Daniel Caligiuri bringen bzw. brachten regelmäßig ihre Leistung und haben für unseren FC Augsburg alles gegeben. Nur weil ein Spieler ablösefrei kommt, muss das nicht zwangsläufig eine schlechte Sache sein. Ich würde sogar soweit gehen und unserem Sportdirektor hier ein doch sehr geschicktes Händchen nachsagen. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.

Zwei ablösefreie Spieler, die immer alles geben… (Foto via Imago)

Ausblick auf Teil 2

In diesem ersten Teil unserer kleinen Transferserie, habe ich euch nun einen kleinen Einblick in die groben Zahlen der einzelnen Zu- und Abgänge gegeben. Im zweiten Teil möchte ich euch gerne die Topscorer näher bringen oder euch auch alle Torhüter vorstellen, die in den letzten Jahren bei uns zwischen den Pfosten standen. Außerdem verrate ich euch, wer seine Karriere in unserem schönen Augsburg beendet hat oder was aus unseren eigenen Nachwuchstalenten wurde. Das Ganze lest ihr hier in den nächsten Tagen in der Rosenau Gazette. Ihr dürft daher mehr als nur gespannt sein!

Augsburger Leihgeschäfte

Der FC Augsburg hat schon seit jeher einen relativ breiten Kader – zu Spitzenzeiten umfasste dieser sogar über 40 Spieler. In der zurückliegenden Sommerpause hat der FCA sodann die Chance genutzt, einige junge Spieler in die unteren Ligen zu verleihen, um ihnen Spielpraxis zu gewähren. Diese hätten sie in Augsburg wohl in der Form nicht erhalten. Zudem konnte der FCA somit den Kader etwas verschlanken. Die Kritik am breiten Teamgefüge ebbte dadurch auch etwas ab. Im Nachfolgenden nun der detaillierte Blick auf unsere Jungprofis “im Exil” und wie sie sich fernab des Lechs so schlagen und ggf. ihre Leihe nutzen, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Verteidiger verliehen

Zu Beginn wandert der Blick in die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens: Kevin Danso, ein Augsburger Eigengewächs, kickt derzeit in den Farben der Fortuna. In der zweiten Liga bestritt der österreichische U21-Nationalspieler bis dato 25 von 27 möglichen Saisonspielen – man kann ihn daher guten Gewissens als Stammspieler bezeichnen. Hierbei erzielte der 22jährige ein Tor und steuerte zwei Assists bei. Sein Kicker Notenschnitt liegt derzeit bei soliden 3,23. Die Leihe endet am 30.06.2021, sein Vertrag in Augsburg ist sogar noch bis 2024 datiert. Wird man den ambitionierten Innenverteidiger bald wieder im Augsburg Dress sehen? Viele Augsburger Fans wünschen sich dies zumindest sehnlichst.

Werden wir Kevin Danso nochmals im Augsburg Dress sehen? In Düsseldorf weiß er durchaus zu überzeugen…. (Foto: Fotostand / Wagner via Imago)

Von der Metropole Düsseldorf nun in das malerisch-beschauliche Lyngby in Dänemark: Hier schnürt derzeit Frederik Winther seine Fußballschuhe. Der 20jährige Innenverteidiger wurde vergangenen Herbst relativ spät in der Transferphase für rund 700.000 Euro verpflichtet. Und direkt wieder an seinen Heimatverein und Jugendclub Lyngby BK verliehen. Dort kam er zu Beginn auch regelmäßig zum Einsatz, bis ihm eine Covid-19-Erkrankung in die Quere kam. Anschließend spielte er nur noch sporadisch für den dänischen Fußballclub, von 22 möglichen Einsätzen absolvierte Winther nur 12. Laut TM.de sind dies 36% Startelf-Anteil sowie nur 39% der möglichen Spielminuten. Dabei gelang ihm keine Torbeteiligung. Am 01.07.2021 wird Frederik dann in Augsburg erwartet. Noch ist er eine große Unbekannte für die Augsburger. Sein Vertrag in der Fuggerstadt läuft bis 2025. Laut Transfermarkt ist seine Nebenposition die linke Außenverteidigung.

Im sächsischen Zwickau beweist sich gerade Jozo Stanic fernab der Heimat. Jozo ist hierbei ein echter Augsburger Jungspund aus dem eigenen Stall – der in Augsburg geborene Innenverteidiger spielt seit seinem 14. Lebensjahr beim FCA. Beim Drittligisten FSV Zwickau zählt der ehemalige kroatische U19-Nationalspieler zum Stammpersonal. Mit 97% Startelf Quote (bedingt durch eine Gelbsperre) und 96% der möglichen Spielminuten (bei zwei Auswechslungen) lässt sich dies auch faktisch untermauern (Quelle: TM.de). Gegen Kaiserslautern konnte er nun gerade mit seinem ersten Profi-Tor spät einen Punkt sichern. Stanic ist neben seiner Hauptposition in der Innenverteidigung auch auf beiden Aussenverteidiger-Positionen einsetzbar. Sein Kicker-Notendurchschnitt liegt derzeit bei 3,29.

Sonderfall Asta

Zu guter Letzt nun ein Blick Richtung Franken: Simon Asta, jüngster Augsburger Bundesliga-Debütant aller Zeiten, ist vergangenen Herbst nach Fürth gewechselt. Der Rechtsverteidiger kommt dort leider nicht wirklich zum Zuge. Zu stark ist die Konkurrenz auf dieser Position. Unter anderem ist auf dieser Position auch ein gewisser David Raum zu Hause, der jedoch zur kommenden Saison nach Hoffenheim wechseln wird. Der 22jährige Raum spielte zuletzt eine tragende Rolle innerhalb der Junioren-Nationalmannschaft bei der U21-EM.

Asta ist für den FCA trotz eines bis 2022 laufenden Vertrags beim Kleeblatt weiterhin interessant. Ob es hier ggf. eine Rückkauf-Option gibt seitens des FCA? Offiziell findet man hierzu nichts. Hingegen sollen die Fürther gem. der offiziellen Pressemeldung noch eine vereinsseitige Option auf eine einjährige Verlängerung besitzen.

Augsburgs jüngster Bundesligadebütant ist dem FCA abhanden gekommen – gibt es hier vielleicht noch eine Zukunft? Leider war dies keine Leihe, sondern ein fester Wechsel. (Foto: kolbert-press/Dammaschke-Gerstmeyr via Imago)

Nachwuchs für das Mittelfeld

Felix Götze ist seit letztem Herbst leihweise für den 1. FC Kaiserslautern im Einsatz. Bei den roten Teufeln kommt er derzeit aber kaum zum Zuge. Nur zwei von sieben Partien konnte der mittlerweile 23jährige Allrounder bestreiten. Somit kann er die Lauterer wohl kaum vom Abstieg bewahren, wonach es derzeit (leider) aussieht. Der kleinste Götze kann hierbei im defensiven Mittelfeld, in der Innenverteidigung und auf der rechten Außenverteidiger-Position spielen. Bis zum 30.06.21 läuft die Leihe, der Vertrag in Augsburg hingegen noch ein Jahr länger. Ob Götze sich der Konkurrenz beim FCA im kommenden Sommer stellen darf? Es bleibt abzuwarten.

Ein weiterer Nachwuchsakteur, der es seit jeher in der Augsburger Profimannschaft schwer hat, ist Kilian Jakob: Der aus der 1860-Jugend stammende Defensivspieler ist derzeit an den Drittligisten Türkgücü München ausgeliehen. Dort kommt er regelmäßig zum Einsatz, hierbei zeigt er sich sehr flexibel. Er bekleidete in seinen 7 Einsätzen ausschließlich die linke Seite, jedoch im Wechsel offensiv, wie defensiv (LV,LM, LA). Für die Augsburger Bundesligamannschaft hat der heute 23jährige im Jahre 2018 sogar eine Partie bestreiten dürfen. Die Leihe endet am 30.06.2021, der Vertrag in Augsburg läuft noch ein weiteres Jahr. Auch hier stellt sich die Frage, ob Jakob mehr als nur ein Stammspieler für die Reserve darstellt – ähnlich wie bei Götze.

Sturmhoffnung gesucht

Stürmer Sergio Córdova ist derzeit an Ligakonkurrent Arminia Bielefeld ausgeliehen. Hier kommt der 23jährige regelmäßiger zum Einsatz, als dies in Augsburg zuvor der Fall war. 23 von 27 Spielen konnte er bestreiten, hiervon stand er jedoch nur rund 50 Prozent der Spielminuten auf dem Platz. Die Zeit reichte ihm aus, um zwei Tore und eine Torvorlage zu erzielen. In Augsburg hält man eigentlich sehr viel vom robusten Angreifer – doch auch in Bielefeld konnte er bisher kaum überzeugen! Seine Ausleihe endet ebenfalls am 30.06.21 – ggf. macht eine weitere Leihe – dann in die zweite Liga – Sinn. Sein Vertrag beim FCA endet nämlich erst im Jahr 2025.

Ein Angreifer aus den eigenen Reihen, besser gesagt aus dem Augsburger Nachwuchs, weiß in der dritten Liga derzeit zu überzeugen. Maurice Malone, ehemaliger U19 Nationalspieler Deutschlands , schnürt seine Stiefel derzeit für den SV Wehen Wiesbaden. Der 20jährige gebürtige Augsburger kommt auf 27 Saisonspiele (von 30 möglichen) und erzielte hierbei 18 Scorerpunkte (11 Tore, 7 Assists). Damit schafft er es in die Top-10 der erfolgreichsten Torschützen der dritten Liga, die vom Ex-Augsburger Mölders angeführt wird. Er kommt beim SVWW bevorzugt auf dem linken Flügel zum Einsatz, dort kann er vorallem seine Tempovorteile sehr gut ausspielen. Malone hat aktueller Prognosen nach gute Chancen, eine (Neben-) Rolle in der kommenden Saison beim FCA zu spielen.

Von Maurice Malone verspricht sich die RoGaz Redaktion (zukünftig) eine Menge! (Foto via Imago)

Prognosen

Da sind wir auch schon direkt bei der abschließenden Prognose. Danso, Winther und Stanic sind drei Innenverteidiger, die nach derzeitigem Stand zum 1.7.21 ihren Dienst in Augsburg antreten. Wer und wieviele hiervon eine Chance in Augsburg erhalten werden, ist auch abhängig von den Plänen des ambitionierten Felix Uduokhai. Dieser strebt durchaus nach höherem, zum Beispiel erhofft er sich eine Teilnahme an der EM oder an Olympia diesen Sommer. Aktuell ranken sich einschlägige Gerüchte um den Ex-Wolfsburger, der BVB soll an ihm interessiert sein.

Ein Abgang dürfte sicher sein, der Vertrag von Marek Suchy endet am 30.06.21. Der tschechische Verteidiger ist mittlerweile 33 Jahre alt und spielt sportlich wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle. Meist ist er Ergänzungsspieler. Hier könnte einer der drei genannten Youngster diese Rolle einnehmen. Zuzutrauen wäre es insbesondere Kevin Danso, da dieser bereits in Deutschland und der Liga (sportlich) angekommen ist. Auch Frederik Winther wäre durchaus denkbar, hier muss man jedoch abwarten, wie sich der 20jährige fernab der Heimat in Augsburg akklimatisiert.

Stanic ist positionsmäßig noch etwas polyvalenter als die anderen beiden, kann zum Beispiel auch auf den Außenverteidiger Positionen spielen. Ein Innenverteidiger Duo Danso – Udo wäre beispielsweise auch denkbar, wenn – bei einem sehr wahrscheinlichen Khedira Abgang – Jeffrey Gouweleeuw auf die 6er Position rücken würde. Diese Position hat er bereits bei AZ Alkmaar als Kapitän bekleidet.

Frederik Winther kommt derzeit bei seinem Heimatclub nicht zum Zuge. Aber vielleicht fasst das Talent in Augsburg schnell Fuß. (Foto: Gonzales Photo/ Rune Mathiesen via Imago)

Götze und Jakob hingegen werden vermutlich im Profikader keinen Fuß fassen können, Götze kriegt in der dritten Liga kaum Spielzeit. Jakob hatte schon vor seiner Leihe kaum Perspektiven in der Bundesligamannschaft. Sergio Cordova kommt leider bei Arminia kaum zum Zuge. Das hat man sich in Augsburg sicher anders erhofft. Eine erneute Leihe in die zweite Liga wäre möglicherweise eine Überlegung wert. Gute Ansätze sieht man sowohl in Bielefeld – auch zu Augsburger Zeiten hat man diese durchaus wahrnehmen können! Aber ob es für mehr als nur eine Ergänzungsrolle in Liga eins reicht? Dies ist zumindest fraglich.

Teil 2 – to be continued…

Eine zweite Option in der Augsburger Offensive ist der gebürtige Augsburger Maurice Malone. Dieser hat derzeit mehr Erfolgserlebnisse zu verbuchen als Sergio Cordova. Malone kann sowohl auf beiden Flügeln, als auch im Zentrum spielen. Ggf. ist auch hier noch eine weitere Leihe sinnvoll, zu einem ambitionierten Zweitligisten beispielsweise. Ein guter Backup wäre Malone auch für den FCA allemal – Caligiuri ist mittlerweile 33 Jahre alt, André Hahn wird bald 31. Eine Verjüngung stünde dem FCA hier durchaus gut zu Gesicht.

Um Marco Richter und Ruben Vargas tummeln sich sicherlich nach einer guten Saison die Interessenten, daher kommt es auch darauf an, ob und wer den Verein möglicherweise verlässt. Eine superflinke Flügelzange – bestehend aus Noah Sarenren Bazee und Maurice Malone, im Zentrum der kreative Vargas und im Sturm der abschlussstarke Richter – wäre doch eigentlich genial und zukunftsorientiert. Als Backup dann die erfahrenen Niederlechner, Hahn, Caligiuri – hach, man darf doch wohl noch träumen. Dies alles hängt auch davon ab, wen wir künftig an der Augsburger Seitenlinie sehen dürfen? Ist dies noch Heiko Herrlich oder gibt es eine Trainer Rochade?

Dass vermutlich nach dieser Saison personell wieder mindestens ein Mini-Umbruch ansteht, ist abzusehen. Dies werden wir in einem zweiten Teil näher betrachten. Und ggf. tauchen dann schon, je weiter die Saison fortschreitet, die ersten Gerüchte zu Zu- und Abgängen in der Sommerpause auf. Bis dahin gilt es erstmal, die Leihspieler weiterhin zu beobachten. Denn das vorherig dargelegte ist nur eine Momentaufnahme. Vielleicht schießt Cordova die Arminia ja doch noch zum Klassenerhalt? Die nächsten Wochen werden es zeigen. Stay tuned!

Hurra, ein Löwen für den FCA!

Die deutschen Bundesligisten befinden sich derzeit noch im Wintertrainingslager in wärmeren Gefilden und auf dem Transfermarkt geht es heiß her. Denn: In sechs Tagen startet die Bundesliga bereits in die Rückrunde. Ein jeder Fan schaut in diesen Tagen gebannt auf Aktivitäten des eigenen Vereins. In unserem Blickfeld liegt natürlich insbesondere der FCA, der vor dem Wochenende das letzte Testspiel vor dem Rückrundenauftakt auf Malta bestritten hat. Die Gerüchteküche brodelt aktuell und auch der FCA ist mittendrin statt nur dabei. Wurde die Gregerl-Leihe, sprich: der Transfer von Michael “Gregerl” Gregoritsch nach Gelsenkirchen, bereits vor dem Jahreswechsel eingetütet, konnte zu Beginn der Woche ein weiterer Transfer abgeschlossen werden.

Der zweite Löwe beim FCA

Nachdem letztes Wochenende bereits medial durchsickerte, dass Mittelfeldspieler Eduard Löwen das Trainingslager des Erstligisten Hertha BSC in den USA verlassen hatte und zu einem deutschen Erstligisten wechseln würde, haben viele deutsche Fußballfans wohl gedacht: Der geht doch bestimmt zu Werder Bremen. Doch noch am Sonntag selbigen Wochenendes wurde dann recht schnell offiziell, dass Eduard “Edu” Löwen für 1 ½ Jahre auf Leihbasis zum FCA wechseln wird. Neben der Leihe bis Sommer 2021 hat man sich – wie vom FCA bestätigt – auch eine Kaufoption sichern können. Die Augsburger haben einen zweiten Versuch gewagt. Es war in der zurückliegenden Sommerpause schon einmal darüber verhandelt worden, ob der Ex-Nürnberger Löwen für viel Geld an den Lech wechseln würde.

Beim Clubb gab es an Eduard Löwen kein Vorbeikommen. Die Hertha erkannte das und holte den talentierten Mittelfeldspieler nach dem Abstieg nach Berlin. (Photo credit CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Damals entschied dieser sich jedoch für die Berliner Hertha, die laut Medienberichten rund 7 Mio. Euro an den 1. FC Nürnberg als Transfersumme überwies. Nun hat der FCA also einen zweiten Löwen in seinen Reihen – neben Jeffrey Gouweleeuw – dem „goldenen Löwen“.  Einer, der bereits in jungen Jahren Spielpraxis als “Teilzeit-Stammkraft” in der 1. Bundesliga gesammelt hat (beim 1. FC Nürnberg in der Saison 2018/19) und eigentlich ein gelernter Abwehrspieler ist.  Mit dem „Glubb“ ist er sowohl in die 1. Liga aufgestiegen als auch in die 2. Liga abgestiegen (in den Saisons 2017/18 und 18/19). Der 22jährige Deutsch-Russe hat insgesamt 7 Spiele für die deutsche U21 Nationalmannschaft absolviert und war dort Teamkollege von FCA-Eigengewächs Marco Richter sowie Zimmerkamerad von Wolfsburg-Leihgabe Felix Uduokhai, der nach Löwens Aussage auch ein guter Kumpel ist.

“Der Koffer” – Wer ist nun dieser Löwen?

Im Sommer 2019 schloss er sich – wie bereits angedeutet der Hertha an – und bereute dies im Winter nun offensichtlich nach nur 7 Kurzeinsätzen in der Hinrunde schon wieder. Denn nun ist er in Augsburg gelandet und ist dort wohl der langersehnte Baier-Nachfolger. “Edu” ist ein großgewachsener Achter, der laut Martin Schmidt zudem auch den Gregoritsch-Abgang langfristig kompensieren soll. Insbesondere bedeutet dies auch, dass nachträglich die sträflich vernachlässigte Position von Ja-Cheol Koo, der uns im Sommer 2019 nach vier Jahren für ein Engagement in Katar verlassen hat, durch Löwen nachbesetzt wird.

Die Mannschaft des FCA funktioniert im Moment gut. Löwen hat Zeit sich zu akklimatisieren, anzukommen und ins Mannschaftsgefüge einzufügen. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Viele Fans des FCA monierten in der letzten Sommerpause, dass wir keinen richtigen Achter mehr in den eigenen Reihen haben. Eine Rolle, wie sie Koo über mehrere Jahre hinweg perfekt ausgefüllt hat. Robust, kreativ, kopfballstark, am besten auch noch torgefährlich – all das muss ein zentraler Mittelfeldspieler heutzutage sein. Und all das scheint Löwen mitzubringen, wenn man den Worten von Clubberern über ihren ehemaligen Spieler Glauben schenken darf.  Ante Covic nannte Löwen einst ganz ehrfürchtig einen „Koffer“.  Gemeint war hiermit wohl die Robustheit und körperliche Physis des Spielers sowie dessen Polyvalenz, nur so zur kleinen Aufklärung am Rande.

Martin Schmidt’s Puzzlestück

Martin Schmidt bezeichnet seinen Winter-Neuzugang jedenfalls als Puzzlestück, das dem FCA noch gefehlt hat und sieht den 1.88 cm großen sowie 91 kg schweren Löwen als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive. Er kann sowohl die Spielmacherrolle bekleiden als auch auf der Doppelsechs spielen. Löwen sorgt in dem aktuellen FCA Kader nicht nur in der Breite für mehr Qualität, sondern lässt den FCA durch seine Vielseitigkeit variabler werden. Zudem sichert man sich ab, für den Fall der Fälle, dass sich aus dem kongenialen Doppelsechs-Duo Dani und Rani einer verletzt. (TOI, TOI, TOI!) 

Daniel Baier und Rani Khedira sind nun seit Jahren die lautstarken Anführer im Augsburger Mittelfeld. Endlich gibt es wieder eine Alternative mehr. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

So geschehen im Herbst 2019, als erst Daniel Baier mehrfach ausfiel und anschließend Rani Khedira eine Verletzung plagte. Dann bleiben nicht mehr viele Alternativen übrig:  Jan Moravek ist leider öfter in der Hessingpark-Klinik zu Gast als auf dem Fußballplatz, der Sommerneuzugang Gruezo sowie der junge Götze sind nach langwierigeren Verletzungen noch in der Aufbauphase, Oxford fehlt schlichtweg die Erfahrung und wirkt bei seinen Einsätzen nicht gerade prädestiniert für die Sechser-Rolle.  Eine Leihe wird hier kolportiert, um ihm in der Rückrunde Spielpraxis zu verschaffen. In der offensiven Mittelfeldzentrale vermisste man in der Hinrunde – neben dem vor der Winterpause so starken Fredrik Jensen – eine wirkliche Alternative. Am besten eine Alternative, die sowohl den Konkurrenzkampf im Mittelfeld anheizt und darüber hinaus so richtig Qualität mitbringt. Mit einem Auge muss man in Augsburg auch immer auf den Renteneintritt von Kapitän und Urgestein Daniel Baier schielen, für den wir bis dato noch keinen würdigen Nachfolger parat haben. Zudem ist Rani Khedria mittlerweile ein so starker 6er geworden, dass sicher im Sommer einige Bundesligisten anfragen dürften. Man sichert sich also durch den Löwen-Transfer schon frühzeitig ab in Augsburg.

“Gut gebrüllt, Löwen!”

Auf all diese Fragen könnte die Antwort Löwen lauten.  Der körperlich robuste und auch offensiv präsente Löwe wirkt geradezu prädestinierend für die Rolle eines Achters – dies kann in der Rückrunde noch eminent wichtig für den FCA werden, wenn sehr offensiv ausgerichtete Mannschaften ihre Visitenkarte in Augsburg abgeben. Dann braucht es einen Spieler, der physisch dagegen halten kann.  Einen Spieler, der zugleich defensiv stark ist, jedoch auch offensiv etwas mit dem Ball anzufangen weiß und ein kreatives Element in der Vorwärtsbewegung darstellt. Neben dem bereits auskonzipierten und mehrfach erprobten 4-4-2 System kann so zukünftig auch das 4-2-3-1 systemtaktisch wieder mehr in den Vordergrund rücken. Und macht den FCA somit nicht nur variabler, sondern für Gegner auch schwerer einzuschätzen. Das hat in der Hinrunde häufig gefehlt. Zu berechenbar war die taktische Marschroute von FCA-Trainer Martin Schmidt. Mit einem goldenen Löwen in der Verteidigung und einem „ganz normalen“ Löwen in der Mittelfeldzentrale kann dies in der Rückrunde jedoch anders werden. Noch besser. Hoffen wir an dieser Stelle, dass wir in der Rückrunde nach Spielende sagen dürfen: „Gut gebrüllt, Löwen!“.

Was liegt in der Zukunft von Philipp Max?

Einer der großen Gewinner der Hinrunde ist mit Sicherheit Philipp Max. 6 Tore und 4 Vorlagen in 15 Spielen alleine in dieser Hinrunde. Das unser Konto bei 23 Punkten steht, ist auch Philipp Max Verdienst. Hinten solide und nach vorne erneut der Playmaker, den wir schon aus früheren Jahren kennen. Erneut hatte ich das Gefühl, das Gefahr für den Gegner entsteht, sobald Max den Ball am Fuß hatte.

Überraschende Wende im Karriereplan

AUGSBURG, GERMANY – DECEMBER 17: Philipp Max nach seinem ersten Tor gegen die Düsseldorfer Fortuna (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Derweil hatte auch ich nicht mehr damit gerechnet, dass Max beim FCA nochmal solch eine Phase erleben würde. Dies liegt vor allem daran, dass auch ich im Sommer gedacht hätte, dass Max den FCA nach vier Jahren durch einen Wechsel zu einem größeren Verein verlassen würde. Selbst wenn Max einen Wechsel öffentlich nie forciert hatte, so war klar, dass der Wunsch, zu einem internationalen Top Club zu wechseln, da war. Sein Name wird nun seit 2 Jahren in jeder Transferperiode immer wieder genannt. Nachdem der FCA Gerüchte nicht lanciert oder kommentiert, hat da sicher Max’ Berater mit seinen wirtschaftlichen Interessen seine Finger im Spiel und will seinen Spieler in der öffentlichen Debatte halten. Diese Taktik sollte der Berater hinterfragen, denn mittlerweile wird jeder möglicherweise interessierte Verein wissen, das er bei einer Kontaktaufnahme gleich in den Zeitungen steht.

Anstehende Gerüchte im Winter

SINSHEIM, GERMANY – DECEMBER 13: Philipp Max nach seinem ersten Tor gegen die TSG 1899 Hoffenheim (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Somit warte ich nun allerdings im Winter schon wieder darauf, dass diverse Vereine gehandelt werden, um sich auf der linken Seite durch eine Verpflichtung von Max zu verstärken. Die Voraussetzungen sind gegenüber dem Sommer weiterhin unverändert. Max hat in Augsburg Vertrag bis 2022 und die aufgerufene Ablöse wird nicht unerheblich sein. Auch wenn das Interesse bei manchem Verein in der Zwischenzeit gestiegen ist, so ist auch die aufgerufene Summe je Tor und Vorlage durch Stefan Reuter mit Sicherheit angepasst worden. Immerhin ist Max weiterhin erst 26 Jahre alt und hat noch einige gute Jahre vor sich. Zudem hat er sich auch bei uns in schwierigen Phasen immer professionell verhalten und wird dies mit Sicherheit auch bei einem möglichen zukünftigen Arbeitgeber. Aber vielleicht haben seine Leistungen nun dazu geführt, dass ein großer Verein das Konto plündert und ihn abwirbt.

Derweil frage ich mich, was Max wirklich will. Aus meiner Sicht gibt es nur zwei sinnvolle Karrierealternativen:

A) Der Top Club will ihn

Sehen wir es realistisch: Wenn Barcelona, Madrid, Manchester, Chelsea oder Juventus sich melden würden, dann könnten wir es wohl alle verstehen, wenn Max dem Wunsch nachgeben würde und es bei einem solchen Club versuchen wollen würde. Die sportliche Chance seines Lebens sich dort zu beweisen und international Erfahrungen zu sammeln, sollte er annehmen. Wir würden ihn feiern, uns für den Einsatz während der Jahre bedanken und ihm alles Gute wünschen. Und ihm auch in Zukunft alle Daumen drücken. So wie damals als Ragnar Klavan zu Liverpool wechselte.

B) Der Weg zur FCA Legende

Wenn die Anfragen allerdings eher mittelmäßige Alternativen betreffen, dann würde ich Max raten, diesen Clubs eiskalt abzusagen. Max hat gerade den Rekord der meisten Bundesliga Assists beim FCA aufgestellt. Er kann in Augsburg Marken für die Ewigkeit aufstellen und sich ein Denkmal setzen. Wenn er in Augsburg bliebe könnte er hier noch 10 gute Jahre haben (und nicht nur 2-3 bis bei einem anderen Club wieder der Jugendwahn einsetzt) und eine ganze Generation an weiteren Spielern prägen. Um Max herum könnte der FCA ein Team aufbauen, dass nach oben schaut und vielleicht erneut einen Trip nach Europa plant. Max kann sich seinen Platz in einer Elf des Jahrhunderts für den FCA jetzt schon zu Beginn des Jahrhunderts zementieren.

Max macht Augsburg sexy

COLOGNE, GERMANY – DECEMBER 01: Annabell Max und Philipp Max bei der SportsTotal Christmas Party (Photo by Joshua Sammer/Getty Images)

Ein Faktor ist bei der Person Philipp Max quasi unbeachtet geblieben: Max ist extravagant und nicht langweilig. Mit seinen Frisuren, Tattoos und seiner Affinität für Mode sticht er in Augsburg hervor. Mit seinen Instagram Gewinnspielen macht er mehr Lärm auf Social Media als der FCA selbst. In dieser eher langweiligen deutschen Mittelstadt steht er für Aufregung und für Modernität. Genau das, was diese Stadt braucht. Mit ihm können sich Jugendliche identifizieren und er ist in diesem Zusammenhang – fast unbeachteterweise – ein irrsinnig gutes Vorbild. Er zeigt, dass man Leute nicht nach ihrem Aussehen sondern nach ihrer Leistung beurteilen muss. Genauso bieder wie der Schnauzer des Papas früher war, genauso stylisch ist Max Junior jetzt unterwegs. Dabei stehen beide für große Professionalität und Leistungsbereitschaft. Max würde ich eine Rolle beim FC Augsburg auch nach seinem Karriereende wünschen, in der er dies an Jugendliche vermitteln kann.

Wider besseren Wissens träume ich romantische Fußballfan-Träume

Insgesamt wünsche ich mir so sehr, dass Max – außer der Top Club ruft – in der Stadt bleibt, in der er einer der wenigen Stars sein kann. Sieht, dass er hier etwas besonderes haben kann. Viele Jahre die Sicherheit genießt, sich ganz auf seine Leistungen auf dem Platz konzentrieren zu können. Mit Florian Niederlechner frühstückt und die Liga zerlegt. Eine Legende wird. Das vielleicht sogar ausspricht. Aber egal, wie Philipp Max und der FCA sich am Ende entscheiden werden, stand kaum ein Spieler in den letzten Jahren so sehr für den FCA wie Philipp Max. Dafür darf man zwischendurch auch mal danke sagen: Danke, Philipp Max.

Die Augsburger Transfer-Zwickmühle

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist ruhig um den FCA. Zumindest, wenn wir von Zugängen für die neue Saison sprechen. Außer Florian Niederlechner vom SC Freiburg konnten wir noch keinen Spieler von einem Wechsel nach Augsburg überzeugen. Bei Marvin Friedrich haben wir die Rückkaufklausel in seinem Vertrag gezogen und ihn (vorerst) von Union Berlin zurückbeordert. Das dahinterliegende Konstrukt gleicht allerdings eher einer Leihe, die durch den Rückkauf zu Ende ging. Friedrich ist darüber bisher so glücklich, wie Martin Hinteregger es im Winter war. Zum Thema zurück: Insgesamt wenig Bewegung, was Neuzugänge für die neue Saison angeht. Ist das nun gut oder schlecht?

In den vorherigen Transferperioden waren wir froh, wenn es zu Anfang ruhig zuging. Dies hat den einfachen Hintergrund, dass am Anfang der Transferperiode die großen Clubs ihre Deals machen und Vereine wie der FCA in dem Getümmel nicht mithalten können. Clubs wie der FCA müssen daher grundsätzlich abwarten, bis sich die Kader der großen Vereine sortiert haben und können erst dann zuschlagen – oder riskieren zu viel für Spieler auszugeben. Insgesamt war ich deshalb in den vergangenen Jahren immer beruhigt, wenn zu Anfang der Transferperiode keine oder wenige Transfers verkündet wurden.

Diese Ruhe habe ich in dieser Sommerpause nicht unbedingt. Dies hat gleich mehrere Gründe:

  1. Gute Transfers sind auch zu Beginn der Transferperiode möglich. Gerade bei ablösefreien Spielern, besteht die Möglichkeit, dass diese sich direkt entscheiden. Verhandlungen bzgl. der Ablöse sind mit dem abgebenden Verein nicht notwendig. Es kann daher schnell gehen. Dies hat damals bei Rani Khedira gut funktioniert, der eine wirkliche Vestärkung war. Oder es verlassen einen selbst die sportlich wertvollen Akteure wie in unserem Fall vor kurzem Kostas Stafylidis und Dong Won Ji. Ablösefreie Spieler sind dabei nicht grundsätzlich günstiger als andere Verpflichtungen, da das weniger an Ablöse meist durch ein hohes Handgeld ausgeglichen wird. Aber die Wechsel können schlicht früher und schneller von statten gehen. Zu Beginn dieser Transferperiode haben wir bei ablösefreien Spielern bisher in die Röhre geschaut. Beunruhigend.
  2. Der Kader hat so viele Löcher wie noch nie. Wir haben bisher keinen Keeper mit Bundesligaformat und sind auf allen Abwehrpositionen für die neue Saison unterbesetzt. Auch im Mittelfeld und in der Offensive sieht es noch nicht viel besser aus. Verstärkungen sind durch die Bank dringend notwendig. War der Kader im letzten Sommer so tief wie noch nie, so ist er gerade so dünn wie noch nie. Viele offene Fragen sind ungeklärt. Anstatt die offenen Kaderfragen (Hinteregger? Kobel? Max?) langsam einzugrenzen, geben wir eher noch Spieler ab (Jonathan Schmid!) und schaffen so neue Lücken. Alle diese Themen auf den letzten Drücker zu klären, wird nicht möglich sein. Deshalb braucht es eine zeitnahe Klärung einiger Personalien. Auch hier fehlen die Ergebnisse, die mich beruhigen würden.
  3. Die taktischen Vorstellungen und Umstellungen von Martin Schmidt setzen voraus, dass wir über die entsprechenden Spieler verfügen, die diese auf dem Feld umsetzen können. Das vergrößert den Handlungsbedarf in diesem Sommer zusätzlich. Wir brauchen gezielt Spieler, die ins System passen und dieses tragen können. Da kann man nicht immer warten, dass einem solche in den Schoß fallen. Für einige sportlich passende Spieler muss man evtl. gezielt mehr ausgeben, um die sportliche Entwicklung insgesamt zu beschleunigen. Bisher ist von solchen Transfers nichts zu sehen.

Und so sehr ich davon überzeugt bin, dass im Hintergrund fieberhaft gearbeitet wird, so würde es mich in dieser Transferperiode nicht beunruhigen, wenn dann doch zeitnah Vollzug bei einigen Personalien gemeldet würde. Es ist doch eher so, dass im Kader so viel Bewegung zu erwarten ist, dass diese Phasen ohne Vollzugsmeldung mich kirre machen.

Dazu kommt, dass wir gerade erst einen neuen Kaderplaner vorgestellt haben, der hoffentlich keine Eingewöhnungszeit braucht. Was macht er anders und wie sieht sein Plan aus? Keiner weiß es genau. Ist er der richtige für all diese Themen? Die Transferbilanz war in den letzten Perioden nicht überzeugend. Zeit, dass sich etwas tut. Abzuwarten fällt mir persönlich schwer und ich fiebere auf die nächsten Meldungen hin. Aber noch habe ich Hoffnung, dass uns Stefan Reuter aus dieser Zwickmühle hinaus manövriert.

Stefan Reuters aggressives Angriffspressing – ein Blick auf den Transfersommer

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Zum 31.08. ging die Sommertransferperiode zu Ende. In der letzten Woche der Transferperiode tat sich beim FCA überhaupt nichts mehr. Auch davor tat sich wenig. Mit Untätigkeit von Seiten des Vereins ist dies allerdings nicht zu verwechseln. Nach der Transferperiode will ich daher einen Gesamtblick auf die Aktivitäten von Stefan Reuter in diesem Sommer werfen und erklären, warum seine Strategie für mich Hand und Fuß hat.

Die Neuverpflichtungen – vor allem Tiefe, nur einmal Spitze

Mit Julian Schieber, Felix Götze und Fredrik Jensen kamen Ergänzungsspieler, die dem Kader des FCA mehr Tiefe geben. Klar, vor allem Götze und Jensen sollen sich weiterentwickeln und später größere Rollen übernehmen. Kurzfristig werden sie sportlich aber erstmal an das Niveau der ersten Bundesliga herangeführt. Den Verpflichtungen geht voraus, dass in der Rückrunde der letzten Saison Alternativen gefehlt haben und wir auf manchen Positionen (zentral im Mittelfeld, auf den offensiven Positionen) zu wenig Alternativen hatten. Rechts hinten hatte wir zwischenzeitlich keine Alternative mehr. Dieses Problem sollte zumindest teilweise behoben sein.

André Hahn verstärkte direkt die Startelf des FCA und hat mit seinen zwei Pflichtspieltreffern gegen Steinbach und Düsseldorf spielentscheidende Aktionen zum guten Saisonstart des FC Augsburg beigetragen. Die Kadertiefe sorgt dafür, dass die Mannschaft Spiele eng halten kann. Die Leistungsträger, in deren Reihe sich Hahn direkt eingefügt hat, stoßen den Bock zu Gunsten des FC Augsburg um. In diesem Sinne hat es sich jetzt schon ausgezahlt, André Hahn zurückzuholen. Wenn er  von außen in die Mitte rückt und seine Kopfbälle anbringt, dann scheint das einige Verteidiger noch zu überraschen.

Die Abgänge – bis auf einen Leistungsträger sind alle geblieben

Der Wechsel von Marwin Hitz stand schon vor dem letzten Spieltag fest. Vor der Sommerpause hatte ich große Sorge, dass Hitz nicht der einzige Leistungsträger bleiben würde, der den FCA verlässt. Nach Hitz sind die Abgänge allerdings sehr unspektakulär ausgefallen. Leitner, Opare, Kacar, Heller und Parker sind Abgänge, die den Kader etwas ausdünnen und die keine Lücken hinterlassen, die wir nicht schließen könnten.

Die Namen Hinteregger, Gouweleeuw, Gregoritsch, Finnbogason und Max hat man zwar im Sommer viel gelesen, die Spieler sind aber alle geblieben. Von einigen hat man gehört, dass sie mit dem FCA noch viel vor haben. Andere haben wohl einfach nicht das richtige Angebot anlocken können, bei dem sie selbst von einem Wechsel überzeugt gewesen wären und Stefan Reuter nicht ablehnen hätte können. Den Einfluss dieser Spieler hat man früh in der Saison schon wieder gemerkt: Gegen Düsseldorf traf Hinteregger zum Ausgleich, Max legte gegen Gladbach erneut Gregortisch vor. Die Abläufe sind automatisiert und die Spieler können ihre Qualitäten weiterhin in gewohnten Rollen entfalten. Jeder einzelne unserer Leistungsträger ist ein Puzzlestein, welches unseren Gegnern in diesem Jahr weiterhin Probleme bereiten wird – wie das hohe Anlaufen beim offensiven Angriffspressing.

Die Jugend – viele Wetten auf die Zukunft

Schon bis hierhin spricht vieles für eine erfolgreiche Sommerpause. Der FCA konnte seine Leistungsträger halten, hat den Kader in der Tiefe verstärkt und mit André Hahn einen weiteren Leistungsträger dazu geholt. Derweil habe ich die bedeutendste Entwicklung im Hinblick auf den Kader der nächsten Jahre noch gar nicht thematisiert. Sie liegt auch schon einige Zeit zurück und wurde schon Ende Mai bekannt gegeben. Marco Richter hatte seinen Vertrag langfristig verlängert. Richter ist offensiv der wohl flexibelste Spieler im Kader. Er kann falsche Neun, auf außen und auf der Zehner-Position spielen und überrascht den Gegner immer wieder. Ich habe gegenüber vielen Personen den Mund bzgl. Marco Richter sehr voll genommen. Ich glaube an seinen großen Durchbruch und daran, dass er als erster Spieler seit vielen Jahren als Spieler aus der eigenen Jugend eine prägende Rolle für die Mannschaft einnehmen kann. Das er seine Zukunft weiter in Augsburg sieht, ist großartig und nach dem Abgang von Erik Thommy keine Selbstverständlichkeit.

Dazu hat Simon Asta seinen ersten Profivertrag unterschrieben, genau wie das immer wieder Spieler aus der eigenen Jugend tun. Dadurch, dass der Kader etwas ausgedünnt wurde, bekommen sie vielleicht im Laufe der Saison eher ihre Chance. Der FC Augsburg sieht weiterhin viel Potential in den eigenen Jugendspielern und setzt das Konzept der letzten Jahre weiter fort.

Und so sitze ich nun hier in der ersten Länderspielpause der Saison 2018/19 und glaube daran, dass eine mannschaftliche Weiterentwicklung verbunden mit einer tabellarischen Verbesserung möglich ist. Zumindest hat Stefan Reuter sehr gute Voraussetzungen dafür geschaffen, in der er aggressiv Spieler gehalten und weitere verpflichtet hat. Nun liegt es an Manuel Baum die Mannschaft entsprechend zu trainieren als auch ein- und aufzustellen. Danach kann aber nur die Mannschaft selbst, als Summe aller Spieler, diesen nächsten Schritt machen und dafür muss sie an sich und ihre Abläufe und Möglichkeiten glauben. Was soll ich sagen: Ich bin dabei, wenn wir diese Saison viele noch mehr ärgern als sonst.

Die bisherige Arbeitsbilanz des Stefan Reuter

In meiner Januar-Kolumne habe ich eine kleine Ode auf Stefan Reuter geschrieben, der sein fünfjähriges Dienstjubiläum im Winter in Augsburg feiern durfte. Nachdem die Wintertransferperiode schon wieder etwas länger vorbei ist, bleibt nun etwas Zeit, um einen Blick auf Reuters gesamte Transferbilanz als Manager des FC Augsburg zu werfen, bevor wir uns vielleicht in den kommenden Wochen auch daran machen, ein paar Gedanken in Richtung Kaderplanung für den Sommer zu verschwenden.

Wie sehr Stefan Reuter die sportlichen Geschicke des FCA in den letzten Jahren geprägt hat, lässt sich schon alleine daran sehen, dass sich nur noch 5 Spieler im 25 Spieler starken Kader des FC Augsburg finden, die nicht von Stefan Reuter ursprünglich fest verpflichtet wurden. Und auch diese haben zwischenzeitlich von Reuter Vertragsverlängerungen erhalten.

Insgesamt hat Reuter 33 Spieler fest verpflichtet. Dafür hat er ca. 57 Millionen Euro ausgegeben. Nicht alle davon haben sich durchgesetzt. Áber manche davon waren großartige Transfers. Es folgen die meiner Meinung nach 5 besten:

  1. Abdul Rahman Baba (Sommer 2014): Baba war nur eine Saison für den FCA tätig. Während dieser spielte er eindrucksvoll und ließ den FC Chelsea alle Hemmungen vergessen. 20 Millionen Euro wechselten den Besitzer und Baba verließ den FCA wieder.
  2. Philipp Max (Sommer 2015): Als Ersatz für Baba kam Philipp Max vom Karlsruher SC. Die Ablöse war mit fast 4 Millionen Euro hoch, vor allem für einen Spieler, der sein Potential in der ersten Liga noch nicht unter Beweis gestellt hatte. Max hat sich mittlerweile zum aufregendsten Augsburger Spieler entwickelt und wird alles dafür geben, damit er im Sommer für Deutschland bei der WM spielen darf.
  3. Michael Gregoritsch (Sommer 2017): Gerade erst im Sommer vom HSV gekommen sieht Gregerl schon jetzt wie ein Spieler aus, der regelmäßig um die 10 Tore pro Saison schießen wird. Dazu ist er technisch stark und wird auch weiterhin einige Vorlagen geben. Mit Gregoritsch hat der FCA neben Finnbogason eine weitere offensive Waffe erhalten, die diesen vielleicht in Zukunft in den Schatten stellen kann.
  4. Alfred Finnbogason (Sommer 2016): Es hat gedauert. Verletzungen haben immer wieder dafür gesorgt, dass Finnbogason pausieren musste, wie auch in den letzten Spielen wieder. Wenn Finnbogason fit ist, dann ist er der komplettste Stürmer, den der FCA in all den Jahren in der ersten Liga hatte. Abschlussstark, kombinationssicher, mit gutem Kopfballspiel und stark gegen den Ball.
  5. Jeffrey Gouweleeuw (Winter 2015/16): Gerade hatte man den AZ Alkmaar in der Europa League geschlagen und einen talentierten Innenverteidiger dabei entdeckt. 3 Jahre später hat sich Gouweleeuw zum Anker in der Innenverteidigung entwickelt. Derweil Hinteregger der spektakulärere Spieler von den beiden ist, sticht er gelegentlich auch durch Fehler hervor. Gouweleeuw ist im Gegensatz konsistenter und in der Spieleröffnung noch besser. Der einzige Wintertransfer auf dieser Liste.

So wie es Volltreffer gab, gab es auch schlechte Transfers. Die fünf schlechtesten aus meiner Sicht waren bisher:

  1. Tim Matavz (Sommer 2014): So viele Tore in der Eredevise. Am Ende hat Matavz nur beeindruckt, indem er die schlechtesten Laktattestdurchläufe der Mannschaft aufwies. Mehrmals. In diesem Fall ist es nicht gelungen, vor einem Transfer herauszufinden,  ob ein Spieler die professionelle Einstellung eines Erstligaspielers hat.
  2. Jonathan Schmid (Sommer 2016): Alex Esswein wechselte gerade nach Berlin. Als Ersatz war Jonathan Schmid auserkoren. Schmid hat eine ordentliche Ablöse gekostet und seitdem selten für besondere Momente gesorgt. Bisher ist dieser Transfer eine einzige Enttäuschung.
  3. Fabian Giefer (Sommer 2017): Der wunderlichste Transfer im Sommer war die Verpflichtung von Fabian Giefer. Marwin Hitz wechselte nicht und trotzdem gab man Geld für einen Torhüter aus. Giefer saß bisher nur auf der Tribüne und ist anscheinend nicht besser als Andreas Luthe. Klar, man wollte sich absichern. Aber vielleicht hätte Hitz auch einfach verlängert, wenn man die Kosten des Giefer Transfers noch auf seine Vergütung aufgeschlagen hätte.
  4. Takashi Usami (Sommer 2016): Usami war einst als großes Talent aus Japan zum FC Bayern München gewechselt und sich danach auch bei der TSG 1899 Hoffenheim nicht durchgesetzt. Der FCA holte ihn aus Japan erneut nach Europa. Nur damit er sich erneut nicht durchsetzt. Usami ist momentan nach Düsseldorf ausgeliehen, allerdings sind meine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Rückkehr begrenzt.
  5. Nikola Djurdjic (Sommer 2014): Im Sommer 2014 kamen zwei Stürmer. Keiner davon konnte sich durchsetzen. Djurdjic kam mit weniger Hoffnung beladen als Matavz. Dennoch konnte auch er nur für sehr wenige positive Momente in Augsburg sorgen. Ein klassischer Fehleinkauf.

Der FCA musste bisher immer eine recht hohe Anzahl an Spielern verpflichten. Das liegt daran, dass aus der eigenen Jugend bis vor kurzem kaum ein Talent bei den Profis Fuß fassen konnte. Zudem entwickeln sich Spieler weiter und müssen mit Gewinn verkauft werden. Dies führt dann zu einer Verpflichtung von Ersatz für diese Spieler. Mit der reinen Anzahl von Transfers hebt man sich allerdings in keinster Weise ab. Auch Clubs wie Freiburg, Frankfurt oder Mainz hatten eine ähnliche Anzahl von Transfers. Und das, obwohl diese Vereine schon deutlich früher in ihre Jugendmannschaften investiert haben. Die Trefferquote von Stefan Reuter scheint daher zu passen. Das Transferminus liegt dabei auch nicht weit abseits von anderen Vereinen. Große Sprünge sind dabei weiterhin nicht zu erwarten, v.a. da der FCA immer noch mit die niedrigsten Gehälter zahlen kann. Junge Profis kommen daher vor allem für die Entwicklungsmöglichkeiten und wollen den Verein wieder verlassen, wenn sie sich sportlich weiterentwickelt haben und ein entsprechendes Angebot kommt. Stefan Reuter hatte bisher ein gutes Händchen dafür, die richtigen Spieler zu verpflichten, die hungrig angegriffen haben, um sich in der Bundesliga zu etablieren und sich derweil auch bei Enttäuschungen ruhig verhalten haben. Meist gelingt es ihm dabei korrekt, das Potential der Spieler richtig einzuschätzen. Aus meiner Sicht ist das in dieser Branche der entscheidende Aspekt, der für den FCA einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil darstellt. Hoffen wir, dass es im Sommer auch wieder klappt.

Zusammenfassung der Wintertransfers 2017/18

Stefan Reuter hat wieder ein Brett vorgelegt in dieser Transferperiode. Die Aufgabe war zumindest aus meiner Sicht klar definiert. Der Kader war in der Hinrunde zu groß. Durch die positiven Ergebnisse drang keine Unruhe nach draußen, aber einige Spieler waren mit ihrer Situation sicher nicht zufrieden. Der FCA hat zumindest für die Rückrunde den Kader deutlich entschlackt. Damit sollte auch in der Rückrunde in Augsburg weiter Ruhe herrschen (So dachte ich zumindest bis zur Opare-Suspendierung). Folgende Spieler haben den FCA in der Winterpause verlassen:

  • Georg Teigl (ausgeliehen an Eintracht Braunschweig)
  • Tim Rieder (ausgeliehen an Slask Wroclaw)
  • Konstantinos Stafylidis (ausgeliehen an Stoke City)
  • Jan-Ingwer Callsen-Bracker (ausgeliehen an den 1. FC Kaiserslautern, Vertrag verlängert bis 2019)
  • Moritz Leitner (ausgeliehen an Norwich City)
  • Dong-Won Ji (ausgeliehen an Darmstadt 98, Vertrag verlängert bis 2019)
  • Marvin Friedrich (verkauft an Union Berlin, mit Rückkaufklausel)
  • Erik Thommy (verkauft an den VfB Stuttgart)

Der Kader des FC Augsburg umfasst immer noch 25 Profispieler (inkl. Opare). Nachdem wir uns alleinig auf die Bundesliga konzentrieren können, sollte diese Kadergröße für die Rückrunde vollkommen ausreichen. Pep Guardiola hat zuweilen damals beim FC Bayern mit einem 24-Mann Kader gearbeitet. Mit Dreifachbelastung und deutlich mehr Nationalspielern. Zudem ist unter den genannten Spielern kein einziger, der ein Leistungsträger in der Hinrunde war und von uns nicht zu ersetzen ist. Teigl, Rieder, Callsen-Bracker, Leitner und Friedrich haben alle keine einzige Pflichtspielminute in der Bundesliga absolviert. Stafylidis kam gerade auf zwei, Ji auf drei Kurzeinsätze. Erik Thommy kam bei 10 Kadernominierungen auf 6 Einsätze und insgesamt 167 Einsatzminuten. Tore und Torvorlagen Fehlanzeige. So reagierte auch Manuel Baum auf der Pressekonferenz vor dem Frankfurt-Spiel entspannt, als er sinngemäß feststellte, dass die Spieler, die abgegeben wurden, wohl zum Großteil auch bei den eingetretenen Verletzungsproblemen nicht geholfen hätten. Es wird wohl in der Rückrunde darauf ankommen, ob die Qualität in der zweiten Reihe reicht und nicht in der dritten.

Bzgl. der Abgänge sind zwei Gruppen zu unterscheiden. Es gibt einerseits die große Gruppe von Spielern, die an andere Vereine ausgeliehen wurden. Die ausgeliehenen Spieler erhalten die Möglichkeit sich dort weiterzuentwickeln und besser nach Augsburg zurückzukehren. Oder sich für andere Vereine zu empfehlen. Wer in dieser Saison beobachtet, wie wichtig Daniel Opare für uns geworden war, der weiß, dass dieses Modell sehr wohl funktionieren kann. Zumindest sportlich. Wünschen wir allen ausgeliehenen Spielern bei den aufnehmenden Vereinen alles Gute und viel Erfolg für die Rückrunde. Im Sommer wird sich zeigen, wo deren Weg nach den Leihen hinführt. Nachdem bei Marvin Friedrich wohl eine Rückkaufoption besteht, kann man ihn getrost in diese Gruppe packen.

Erik Thommy ist ein anderer Fall und die Überraschung des Transferfensters. Thommy war im Sommer aus Regensburg nach Augsburg zurückgekehrt und hatte unter Manuel Baum seine Einsätze bekommen. Objektiv bin ich mit der Anzahl der Einsätze nicht unzufrieden und hielt die Entwicklung für vielversprechend. Ich hatte erwartet, dass Thommy in der Rückrunde noch das ein oder andere gute Spiel für uns macht. Nun gab es im Hintergrund wohl längst Gespräche zwischen dem Verein und Thommy über die Verlängerung seines auslaufenden Vertrags. Der FCA wollte mit Thommy verlängern. In diesem Zusammenhang hatte Thommy für sich entschieden, den FCA im Sommer zu verlassen. Warum der VfB Stuttgart nun schon im Winter Geld in die Hand genommen hat, um Thommy an Bord zu holen, hat sich direkt gezeigt. Thommy spielt in Stuttgart direkt auch unter dem neuen Trainer Korkut. Dennoch hat er für mich noch nicht nachhaltig gezeigt, dass er die nötige Klasse für die 1. Liga hat. Anstatt ruhig und zielstrebig weiter in Augsburg seine Chance zu suchen, wird Thommy nun für den VfB Stuttgart tätig. Der VfB, ist nach dem FCA, Jahn Regensburg und dem 1.FC Kaiserslautern Thommys vierter Verein in drei Jahren. Thommy gibt aus meiner Sicht eine fixe Perspektive aus der Hand, sich in der Bundesliga zu etablieren und greift in Stuttgart nach den Sternen. Es bleibt für ihn zu hoffen, dass der VfB die Klasse hält und er sich dort durchsetzen kann. Der FCA erhält zumindest eine geringe Transferentschädigung. Bzgl. der Einsatzchancen ergeben sich durch den Wechsel offensiv nun mehr Möglichkeiten für Marco Richter, wenn  er nach seiner Bänderverletzung im Sprunggelenk wieder fit ist. Seine erste Chance gegen Frankfurt hat er direkt bravorös genutzt. Auch Johnny Schmid steht als Ersatz auf den Außenbahnen bereit, und hat weiterhin die Möglichkeit sein Potential zu bestätigen.

Insgesamt bin ich mit der Transferperiode sehr zufrieden. Stefan Reuter hat die in ihn gesetzten Erwartungen voll erfüllt. Hoffen wir, dass die Ergebnisse in der Rückrunde dies widerspiegeln und wir weiterhin sportlich so erfolgreich sein werden. Im Schnitt hat Reuter im Winter zuletzt immer einen Neuzugang präsentiert. Diese haben aber nicht immer eingeschlagenen. Nehmen wir Moritz Leitner nur als Beispiel. Er hat nun im Winter nichts übers Knie gebrochen. Auch das ist zu loben. Wir handeln weiterhin wirtschaftlich sinnvoll und geben nun auch der eigenen Jugend mehr Chancen. Die Transferpolitik stimmt mich grundsätzlich positiv.

Die Herausforderung steht jetzt an, da Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason mittelfristig verletzt fehlen werden und Spieler wie Sergio Cordova und Kevin Danso zeigen müssen, ob sie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können. Lassen wir uns überraschen, wer von den Jungs groß durchbrechen wird. Manuel Baum wird es schon richten und die Spieler entsprechend ihrer Stärken auf- und einstellen. Ich bin zuversichtlich, dass schon morgen das nächste positive Ergebnis folgt.