Reicht es mit diesem Kader für den Klassenerhalt?

Der FCA steht sportlich am Abgrund. Wir kassieren Tore wie am Fließband. 5 Gegentore gegen Freiburg, 3 gegen den FC Bayern und 4 gegen Werder Bremen. Selbst Holstein Kiel hätte uns bei besserer Chancenverwertung eine Hand voll Buden einschenken müssen. Bei jedem anderen Verein hätte alleine diese Kette von Ergebnissen längst dafür gesorgt, dass Manuel Baum durch einen anderen Trainer ersetzt worden wäre. Beim FCA bewahrt man in dieser Hinsicht weiter die Ruhe. Dies fand ich letzte Woche auch noch äußerst positiv. Das Spiel gestern hat dann allerdings selbst mich an den Rande der Verzweiflung geführt. Wie kann man dieses Spiel nicht so interpretieren, dass Manuel Baum entweder die falschen Ansätze hat oder die Mannschaft nicht mehr erreicht?

Nachdem ich das Ganze etwas sacken habe lassen, habe ich mich an den Entwurf eines Beitrags erinnert, der hier schon etwas länger liegt, aber es nicht zur Veröffentlichung geschafft hat. Der Hintergrund ist folgender: Lange habe ich mir zumindest eingeredet, dass die Mannschaft die Qualität hat, den Klassenerhalt locker zu schaffen. Für mich war das zu Saisonbeginn der beste Kader, den der FC Augsburg jemals in der Bundesliga zur Verfügung hatte. Aber ist das immer noch so? Heute will ich einen detaillierten Blick auf den Kader werfen, den Manuel Baum zur Verfügung hat, um die Mission Klassenerhalt in den nächsten Monaten anzugehen. Die jetzige Mannschaft muss auf dem Feld die Klasse halten und sportlich abliefern. Schafft sie das? Könnte ein anderer Trainer hier mehr leisten?

Das Tor

In meiner Analyse vor der Saison habe ich darauf hingewiesen, wie riskant der Poker im Tor ist:

Wenn im Tor die Krise ausbricht, weil der auserkorene Kandidat wider Erwarten qualitativ nicht in der Bundesliga dauerhaft mithalten kann, dann finden wir uns vielleicht doch im Abstiegskampf wieder.

Leider ist es genau so gekommen. Fabian Giefer hat nicht das Zeug zu einem konstanten Bundesliga Keeper. Das ist leider so. Andreas Luthe kann in der ersten Liga zwar mitspielen, ist aber kein Game Changer. Er hält, was er unbedingt halten muss, ohne uns darüber hinaus auch mal den Arsch zu retten. Zumindest meistens. Wir waren mit Marwin Hitz ordentlich verwöhnt in den letzten Jahren, da er die Fähigkeit hatte große Paraden zu zeigen und zudem wenige Patzer einstreute. Diese Zeiten sind vorbei. Der FCA hat reagiert und Gregor Kobel von der TSG Hoffenheim vorerst bis zum Saisonende ausgeliehen. Kobel ist ein Jungspund mit sicherlich großem Talent, dem es allerdings an Erfahrung und Spielpraxis fehlt. So wirkten dann auch die ersten Spiele. Ich bezweifle, dass diese Rückrunde der richtige Zeitpunkt ist, um auf der Torhüterposition zu experimentieren.

Die Abwehr

Mit Jeffrey Gouweleeuw haben wir laut kicker einen der besseren Innenverteidiger der Liga. Mit Martin Hinteregger hatte Jeff einen besonderen Partner, der auch bei den Fans wohl gelitten war. Hinti ist als Typ eine Bombe (Achtung: Wortwitz) und hatte in der Hinrunde auch schon zweimal das Tor gefunden. Beiden unterliefen in der Hinrunde individuelle Fehler, die zu Gegentoren führten, aber insgesamt waren sie zumeist verlässlich. Von diesem tollen Innenverteidiger-Duo ist momentan nichts mehr übrig. Hinteregger wurde für die Rückrunde nach Frankfurt ausgeliehen und Gouweleeuw fehlt verletzt schon die gesamte Rückrunde. Mit Reece Oxford hat man nun keinen Routinier dazu geholt, der für Stabilität sorgen soll sondern einen weiteren Jungspund für ein halbes Jahr verpflichtet.

Von Kevin Danso zu erwarten, dass er von einem Tag auf den anderen mit Oxford die gleiche Qualität aufweist wie Hinteregger mit Gouweleeuw ist dann doch ein feuchter Tagtraum. Die beiden Jungs müssen sich in Ruhe weiterentwickeln und werden Fehler machen. Machen sie ja jetzt schon. Oxford hat gegen Freiburg unglücklich rot gesehen und fehlt nun erst einmal. Wenn dann ein Rani Khedira in der Innenverteidigung aushelfen muss, dann führt das zu Fehlern, wie dem ersten Gegentor in Freiburg. Zudem fehlt Khediras Qualität an anderer Stelle. Die Zusammensetzung des Kaders auf den Innenverteidiger Positionen für diese wichtige Rückrunde ist eine Katastrophe, gerade weil hinter den Jungen niemand mehr helfen kann. Es hätte im Winter zwingend noch eines weiteren Zugangs bedurft, wenn man schon bei Hinteregger konsequent sein wollte. So fehlt Baum schlicht die Qualität im Kader, die es in der Bundesliga braucht und die Gegentore kommen nicht von ungefähr.

Philipp Max war auch zu Anfang der Hinrunde weiterhin der großartige Linksverteidiger, zu dem er sich bei uns entwickelt hat. Danach ging die Form verloren. Rechts hinten wechselten sich Johnny Schmid und Raphael Framberger ab. Beide hatten gute, wie auch nicht so gute Spiele. Beide zeigten grundsätzlich, dass sie in dieser Liga mitspielen können. Framberger fehlt mittlerweile mal wieder langfristig verletzt und wenn Schmid nun ausfällt – wie gegen Kiel – dann stehen wir hinten rechts vor einem großen Problem. Auf Frambergers körperliche Gesundheit zu setzen, hat sich mal wieder (leider) nicht bewährt und hier keine weitere Alternative zu haben ist ein wirkliches Problem.

Hinten links bleibt dann der einzige Lichtblick, obwohl Max mittlerweile links vorne aushelfen muss, da uns auf den offensiven Außen die Alternativen ausgegangen sind. Dazu gleich mehr. Zur Abwehr bleibt allerdings festzustellen, dass dieses tolle Fundament, das wir hatten, nicht mehr da ist und sollte Gouweleeuw nicht schnell wieder fit werden oder Oxford/Danso Entwicklungssprünge machen, der Klassenerhalt in weite Ferne rückt.

Das Mittelfeld

Fixpunkt des Mittelfelds ist nicht mehr Daniel Baier sondern Rani Khedira. Wenn er denn im Mittelfeld spielen darf und nicht hinten aushelfen muss. Er hat alle 17 Spiele der Hinrunde absolviert und sich zum unumstrittenen Stammspieler entwickelt. Derweil ist Khedira kein Magier. Er ist ein solider Ausputzer, der arbeitet und vor allem im Spiel gegen den Ball viele Räume eng macht. Daniel Baier ist neben Khedira immer noch der Maestro, der allerdings nicht mehr die Ausdauer und das Durchhaltevermögen früherer Tage hat. Baier kann nicht mehr alle Lücken stopfen und ist vor allem am Ende von Spielen oft keine Hilfe mehr. Manuel Baum hat ihn – und Baier hat selbst abgestritten verletzt zu sein – gegen Freiburg vor allem deshalb runter genommen, da er eine (von vielen) Schwachstelle im Spiel war. Es stellt sich die Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, für ihn auch mal in eine Jokerrolle zu schlüpfen. Momentan kann er das schlicht nicht, weil uns vor lauter Verletzungen und Ausfällen die Alternativen fehlen. Es ist ein Drama.

Auf den offensiven Mittelfeldpositionen wurde in der Hinrunde viel gewechselt. Michael Gregoritsch war meistens auf der 10 gesetzt, musste aber auch ganz vorne aushelfen. Ja-Cheol Koo erhielt flexibel viele Spielanteile. Derweil konnten die offensiven Mittelfeldspieler nicht so glänzen, wie zumindest ich mir das erhofft hätte. Dies gilt gerade auch auf den Außenbahnen. Caiuby, André Hahn oder Marco Richter spielten zwar viel, aber konnten gerade offensiv nicht die Akzente setzen, die wir alle erwartet hätten. Ob es an der individuellen Qualität der einzelnen Spieler liegt? Ich wage es zu bezweifeln. Nun haben diese Spieler gegen Freiburg alle gar nicht mehr gespielt. Caiuby hat den Verein mittlerweile verlassen und Hahn als auch Richter fielen aus. Wie soll man solche Qualität ersetzen. Wenn Dong-Won Ji nicht gerade in besonders positiver Verfassung wäre und Max offensiv aushülfe, was wäre dann? Wir hatten auf manchen Positionen viel Tiefe im Kader, haben diese aber teils ohne Not verschenkt. Warum hat man im Winter keinen Ersatz für Caiuby verpflichtet? Die Trennung hat sich lange angekündigt und der Verein hat darauf nicht mit einem Neuzugang reagiert. Aus heutiger Sicht scheint dies eine fahrlässige Entscheidung gewesen zu sein. Gregoritsch war trotzdem gegen Freiburg enorm torgefährlich und Gregerl beneide ich in dieser Situation nicht, wo doch seine Nebenspielern andauernd wechseln und Automatismen so natürlich nicht vorhanden sein können.

Der Sturm

Sieben Spiele fiel Alfred Finnbogason in der Hinrunde aus. Julian Schieber war auch lange verletzt und Sergio Cordova zumindest zu Beginn der Saison wohl kein Kandidat für die erste Elf. Cordova hat sich entwickelt und war zu Ende der Hinrunde eine Alternative. Insgesamt kam auch er auf 10 Einsätze und schoss dabei 2 Tore. Aber man darf festhalten, dass Finnbogason nur in Augsburg spielt, weil er so verletzungsanfällig ist. Ansonsten hat er zu viel Klasse für uns. Wir haben weiterhin keinen soliden Back-Up Plan für diese Phasen, wenn er verletzt ist. Julian Schieber ist – oh Wunder – auch schon wieder verletzt. Sergio Cordova zeigt zwar gute Ansätze, aber es reicht nicht. Und Dong-Won Jis Rolle ist optimal nicht in der Spitze sondern aus der Tiefe kommend. Wie sehr ich mir einen zweiten durchschlagskräftigen Stürmer wünschen würde. Auch in der Rückrunde sind wir wieder dauerhaft abhängig von der Gesundheit und Form unseres isländischen Wunder-Kickers. Der Verein hat es verpasst, jemanden zu verpflichten, der nun auch mal Cordova entlasten kann. Alfred, rette uns!

Fazit

Fit und in Vollbesitz ihrer Kräfte ist diese Mannschaft weiterhin eine Wucht. Aber selten hat ein Winter einem Team wohl so zugesetzt wie uns in diesem Jahr. Hatte ich mich im Winter noch gefragt, ob die Spieler ihre Stärken im System Baum ausleben können, so haben sich die Vorzeichen nun deutlich verändert. Haben wir noch genügend Spieler mit Bundesligaqualität, als dass ein anderer Trainer eine Wende herbeiführen könnte? Schon vor dem Spiel gegen Freiburg hat mich ein Blick auf die Bank stark beunruhigt. Es sind im Moment fast die letzten 11, die auf teilweise ungewohnten Positionen eingesetzt werden. So wird das in dieser Liga nichts, wenn es zu oft um Kleinigkeiten geht.

Wer sich die Pressekonferenz nach dem Freiburg Spiel anschaut, der sieht genau, dass Christian Streich wusste, wie anfällig wir sind. Ein Verein kann dauerhafte Abgänge und Ausfälle wie die von Gouweleeuw, Finnbogason, Caiuby, Hinteregger, Hahn, Richter, Framberger und Schieber nicht auffangen. Wenn sich Stefan Reuter dann in dieser Situation vor Manuel Baum stellt, dann ist dies anständig. Fehleinschätzungen bei der Kaderplanung, die in seinen Verantwortungsbereich fallen, haben uns in diese Situation gebracht.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Realistisch wird es in den nächsten beiden Partien gegen Dortmund und in Leipzig schwer zu punkten. Aber zumindest die Personalsituation könnte sich erholen. Noch stehen drei Teams hinter uns und die direkten Duelle stehen noch an. Wir haben es selbst in der Hand weiterhin die Klasse zu halten. Ich mag mich selbst langsam anhören, wie eine Platte mit einem Sprung: Wenn wir Ruhe bewahren und weiter gemeinsam an einem Strang ziehen, sehe ich immer noch die größten Erfolgsaussichten. Ob es am Ende dann reicht, wissen wir alle nicht. Aber wenn wir dann doch mal absteigen sollten, dann sollten wir auch das – wie alles andere zuvor – auf unsere eigene Art und Weise machen.

Kaderanalyse Teil 3: Das Mittelfeld

Tor und Abwehr sind abgehakt. Schon ist die Zeit gekommen, sich mit dem Mittelfeld auseinanderzusetzen. In der letzten Saison haben wir an dieser Stelle eingeführt, dass wir vier Positionen betrachten. Es geht dabei um die beiden zentralen Mittelfeldspieler vor der Viererkette (ein Sechser und ein Achter oder auch zwei Sechser, je nachdem wie man das für sich interpretieren will) und die beiden offensiven Außen. Als grundsätzlichen Trend kann man hier wohl erkennen, dass die Außenspieler keine klassischen Flügelspieler mehr sind. Sie ziehen schon recht zügig nach innen, auch um Platz für die aufrückenden Flügelspieler zu machen. Nicht Teil dieser Betrachtung ist der zentrale Spieler hinter der einzigen Spitze. Man kann sich streiten, wie man diese Position benennen sollte. Wir nennen sie für den Moment einmal “hängende Spitze” und behandeln sie mit dem Sturm. Dann ist der Teil über den Sturm nicht ganz so mickrig (über wen sollte man hier momentan auch schreiben).

Leistung in der letzten Saison

Daniel Baier war erneut über lange Phasen wie gewohnt der Stabilisator der Mannschaft, bevor er in der Rückrunde wegen einer Kopfverletzung länger ausfiel. Neben ihm kam oftmals Rani Khedira zum Einsatz, der den zu Bayer 04 Leverkusen gewechselten Dominik Kohr, sehr gut ersetzen konnte. Dieses Tandem verlieh dem FCA über lange Phasen der Saison die notwendige Stabilität, um gegen den Ball solide zu stehen und auch im Spiel mit dem Ball schnell umzuschalten. Baier ist dabei immer noch der Rhythmusgeber in der Mitte und im Spiel mit dem Ball der Dreh- und Angelpunkt des Augsburger Spiels. Je-Choel Koo konnte in seinen Einsätzen war nicht ganz an die Vorsaison anknüpfen, aber dadurch, dass er extrem vielseitig einsetzbar ist und auf vielen Positionen aushelfen kann, ist er wohl der wichtigste Rotationsspieler im Kader gewesen. 

Auf den offensiven Außen ging es dabei nur auf einer Seite so konstant zu. Caiuby war auf der linken Seite gesetzt und spielte eine tolle Saison. Er hatte sich sowohl im Spiel gegen den Ball verbessert, als auch war er mit dem Ball durch seine Physis und sein Kopfballspiel eine wichtige Komponente. Auf der Gegenseite blieben derweil viele Hoffnungen enttäuscht. Marcel Heller konnte die Hoffnungen, die in ihn gesetzt wurden, nicht erfüllen. Vor dem Tor hatte er kein Glück und der Knoten wollte nicht platzen. Ähnlich unglücklich agierte immer wieder Jonathan Schmid wenn er denn offensiv eingesetzt wurde. Die Position erfuhr erst eine gewisse Stabilität, als Marco Richter für das letzte Saisondrittel übernahm. Ihm gelangen dann zwar auch keine Tore mehr, allerdings erzeugte er deutlich mehr Gefahr als seine Kollegen. Für einen Debütanten machte er seine Sache außerordentlich gut und das Potential für die kommenden Jahre ist deutlich zu erkennen. Wenig überraschend wurde er zum Newcomer der Saison 2017/18 gewählt. Insgesamt blieb so durch die eher unterdurchschnittlichen Leistungen auf dieser Position Potential für den FC Augsburg ungenutzt.

Abgänge

Der Vertrag von Gojko Kacar, der in der letzten Saison kaum noch eine Rolle spielte, lief aus und wurde nicht verlängert. Moritz Leitner wurde nach seiner Leihe zu den Canaries von diesen nun fest verpflichtet und dieses Missverständnis beendet. Takashi Usami wollte in Düsseldorf bleiben, verlängerte seinen Vertrag und wurde erneut nach Düsseldorf verliehen. Marcel Heller wechselt nach Darmstadt zu den Lilien zurück. Die Beiträge aller für den FCA waren kurz und überschaubar. Viele sind mit großen Hoffnungen nach Augsburg gewechselt und diese Hoffnungen wurden nun begraben. 

Zugänge

In diesem Bereich hat der FC Augsburg zurecht erkannt, dass er handeln muss und auch etwas unternommen. Vor allem rechts offensiv haben wohl die Verantwortlichen gesehen, dass dort eine große Lücke im Kader bestand, die es zu schließen galt. Zu diesem Zweck hat man André Hahn nach Augsburg zurückgelotst, der auf dieser Position in Augsburg deutscher Nationalspieler geworden war, als dies noch erstrebenswert schien. Hahn hatte zuerst einigen Erfolg in Gladbach, bevor er immer wieder mit Verletzungen kämpfte. Sein Jahr in Hamburg war zuletzt ein Irrweg, aber hofft nun wohl, in Augsburg an alte Glanzzeiten anknüpfen zu können. Hoffen wir das nicht alle?

Neben Hahn investierte man auch für Frederik Jensen einige Millionen Euro. Für einen 20jährigen erscheint der Betrag schon beträchtlich auch wenn er schon einige Male für die finnische Nationalmannschaft auflaufen durfte. Jensen ist offensiv vielseitig begabt und kann wohl auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Gegen Bilbao blieb Hahn gar auf der Bank während Jensen offensiv rechts startete. Er kommt von Twente Enschede nach Augsburg und wird vor allem dafür sorgen, dass wir offensiv über mehr Optionen verfügen und unser Spiel vielseitiger wird. Dies war vor allem in der Rückrunde der abgelaufenen Saison nach einigen Verletzungen überhaupt nicht mehr der Fall und eine weitere Offensivoption tut unserem Kader auf jeden Fall gut. 

Insgesamt hat man so eine Problemstelle im Kader effektiv angegangen und insgesamt mehr Tiefe geschaffen.

Prognose für die kommende Saison

Hat Daniel Baier noch ein sehr gutes Jahr in seinem strapazierten Körper? Der Maestro ist mittlerweile in die Jahre gekommen, kann aber in den Partien immer noch den Unterschied machen. In Phasen, in denen er fehlt, lief es in der Vergangenheit nicht so gut, auch wenn die Hoffnungen bei Rani Khedira und Ja-Choel Koo ruhen, wenn es zu diesem Fall kommt. Zumindest ein kleines Fragezeichen steht hinter dem Augsburger Kapitän und Leitwolf. Zusätzlich gibt es zu Rani Khedira kaum mehr eine Alternative, die defensiv die Lücken stopft, wenn er denn ausfiele. Die Zentrale wackelt. Hoffen wir gemeinsam, dass sie nicht fällt. 

Auf den offensiven Außen gibt es allerdings viel Grund zur Hoffnung. Auch wenn Caiuby durch die Unruhen (späte Rückkehr, private Ablenkungen) nicht direkt an die Leistungen der Vorsaison anknüpfen könnte, so stehen doch einige Alternativen parat. Gegen Bilbao rückte Marco Richter nach links und machte seine Sache vielversprechend gut. Dazu ist die rechte offensive Seite nicht wieder zu erkennen. Sowohl André Hahn als auch Frederik Jensen sollten Verbesserungen zum Vorjahr darstellen, wodurch das Augsburger Spiel insgesamt ausgeglichener werden sollte. Neben Entlastung für die linke Seite, wäre der FCA so deutlich schwerer auszurechnen und könnte seine Gegner vor einige Probleme stellen. 

Insgesamt ist man somit im Mittelfeld deutlich breiter eingestellt. Das eingespielte Zentrum sollte weiter den Takt vorgeben, während die Außen wirbeln und für Unruhe sorgen. Ich freue mich darauf, dies in echt bald bewundern zu können. 

Kaderanalyse Teil 2: Das Mittelfeld

Im zweiten Teil unserer Kaderanalyse vor der Bundesligasaison 2017/18 wollen wir uns das Mittelfeld des FC Augsburg etwas genauer anschauen. Die Positionsgruppe umfasst zum jetzigen Zeitpunkt 12 Spieler für 4 Positionen. Die Position der hängenden Spitze hatten wir im Vorgang schon bei der Kaderanalyse zum Sturm mit behandelt. Dies ist taktisch wohl auch einer der interessantesten Unterschiede zwischen Markus Weinzierl und Manuel Baum. Baum hat in der Vergangenheit schon mit 2 Stürmern experimentiert und besetzt die Position tendenziell offensiver. Es ist handelt sich damit um eine hängende Spitze, die im Zentrum in die Räume vor stößt, die durch den “echten” Stürmer frei gezogen werden. Bei Weinzierl war die Position zumeist mit einem offensiven, spielgestaltenden Mittelfeldspieler besetzt, dessen Handlungsfeld etwas zurückgezogener angesiedelt war. Regie führt auf dieser Position in Augsburg niemand mehr, da grundsätzlich schneller umgeschaltet und nicht verwaltet werden soll. Eine Position weniger, die wir hier nun heute betrachten.

Leistung in der letzten Saison

Am Mittelfeld kann man wohl wie an keiner anderen Positionsgruppe der Saisonverlauf im letzten Jahr abgelesen werden. Dem Augsburger Spiel fehlten die Konstanten. Daniel Baier mit 27 und Dominik Kohr mit 25 Einsätzen stechen hier noch hervor und katastrophal waren die Leistungen erst, als Baier verletzt fehlte. Auf den Außenbahnen verdiente sich die Saison dann ihren Untertitel “Enttäuschte Hoffnungen”. Rechts außen wurde als Nachfolger von Alex Esswein Jonathan Schmid verpflichtet. Man hoffte, dass er an seine Freiburger Leistungen anknüpfen möge. Schmid ließ offensiv wie defensiv Bundesligaqualität vermissen und ließ erst gegen Ende der Saison in kurzen Phasen sein Können aufblitzen. 25 Einsätzen steht ein mageres Törchen gegenüber, auf einer Position, auf der uns André Hahn und Raul Bobadilla in den vergangenen Jahren regelmäßig zum Juchzen gebracht haben. Links außen war es allerdings noch schlimmer. Nachdem sich Caiuby verletzt hatte – und ich bin angesichts seines Defensivverhaltens immer noch kein Fan – war die linke offensive Seite im Jahr nach Tobi Werners Abgang lange Zeit komplett verwaist. Takashi Usami konnte sich körperlich während seiner Einsätze regelmäßig nicht behaupten und auch Dong-Won ji blieb blass, wenn er außen auf Grund mangelnder Alternativen aushelfen musste. Erst als spät in der Saison Philipp Max links offensiv ran durfte, führte dies zu Belebung. Insgesamt, war der FCA auf dieser Position im letzten Jahr durchweg nicht bundesligatauglich.

Abgänge

Marco Schuster hatte beim FC Augsburg einen Profivertrag bekommen, um die Local Player Vorgaben der DFL einzuhalten. Zum Zuge kam er im Profiteam nie und so können wir seinen Abschied an dieser Stelle zügig abhaken.

Das lässt uns etwas mehr Platz um ein Tränchen für #HardKohr zu verdrücken. Dominik Kohr hat sich während seiner Leihe aus Leverkusen und nach seinem festen Wechsel zu einem Bundesligastammspieler entwickelt. In seinen 99 Bundesligaspielen hat er 36 gelbe Karten gesammelt, was für einen Spieler im Alter von 23 Jahren außergewöhnlich ist. Seine herausstechende Eigenschaft ist seine Aggressivität, die ihn außergewöhnlich macht. Gegen den Ball ist er ein ungemein widerspenstiger Gegenspieler. Mit dem Ball hat er zuletzt an Torgefährlichkeit gewonnen. Nachdem bekannt wurde, dass Bayer 04 Leverkusen ein Rückkaufsrecht besitzt, war auch klar, warum der Transfer im Vorsommer überhaupt so reibungslos geklappt hat. Er wird bei uns auf der Position neben Daniel Baier im Mittelfeld eine große Lücke hinterlassen. Ich bin vor allem gespannt, wer das “Feuer” ins Spiel bringt, wenn es bei Zeiten notwendig wird. Wer macht in Zukunft die “Drecksarbeit” für den FCA?

Markus Feulner kommt hierfür in dieser Saison auch nicht mehr in Frage. Feulner, lange Allzweckwaffe in Augsburg, geriet in der letzten Saison etwas aufs Abstellgleis. Das Ende mit dem Bundesligafußball in Augsburg ist dennoch versöhnlich. Feulner hat sich nach seinem Vertragsende der U23 des FCA angeschlossen und wird perspektivisch eine Trainerkarriere anstreben. In den FCA-Jugendmannschaften kann seine Erfahrung sicher nicht schaden.

Zugänge

Für die Position von Dominik Kohr wurde Rani Khedira von RB Leipzig ablösefrei verpflichtet. Er verkündete vollmundig, dass er für mehr Spielzeit auch auf Gehalt verzichtet. Er kam in Leipzig in den letzten Jahren wenig zum Zug und es wird sich nun zeigen, ob er das Zeug zum Bundesligaspieler hat. In Leipzig war die Konkurrenz im Mittelfeld enorm. Leipzig wollte zwar mit ihm verlängern, aber Khedira sah wohl trotz Dreifachbelastung nur begrenzte Perspektiven. Die Lücke von Dominik Kohr ist eine große und ich bin mir nicht sicher, ob wir auf dieser Position nicht insgesamt an Qualität verloren haben.

Auf den offensiven Außen kam Eric Thommy aus Regensburg nach seiner Leihe zurück. Er hatte mit Regensburg den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga geschafft und war einer der stärksten Spieler der Liga. In Magdeburg fürchtet man sich noch immer, nachdem er für die 3. Liga wohl im letzten Jahr schlicht überqualifiziert war. Auf den offensiven Außenbahnen ist er neben Marcel Heller und Sergio Córdova der dritte Neuzugang. Heller ist ein Routinier, der immer noch mit seiner Schnelligkeit besticht. Für Darmstadt war er während der zwei Bundesligajahre ein absoluter Leistungsträger. Er ist zudem ein engagierter Kämpfer, der auch selbst im ABschluss glänzen kann. Córdova ist in der Gruppe der Joker. Der venezuelanische Jugendnationalspieler braucht Zeit, um sich an den europäischen Clubfußball zu gewöhnen. Auf Grund von Trainingsvideos wird allerdings schnell klar, dass wir uns einen athletischen, hochtalentierten Spieler gesichert haben. Hier stellt sich nur die Frage, wann er uns helfen kann.

Prognose für die kommende Saison

Die Saison wird in ihrem Fundament stehen und fallen mit den Impulsen, die Daniel Baier immer noch geben kann. Baier war über Jahre einer der Dauerrenner des FCA. In den letzten Jahre musste er auf Grund von Verletzungen immer wieder aussetzen. Trotz der großen Anzahl von Mittelfeldspielern im Kader gibt es für Baier keinen adäquaten Ersatz. Nach den Abgängen von Paul Verhaegh und Halil Altintop wird zudem ein größerer Anteil an Führungsaufgaben auf seinen Schultern lasten. Kann Daniel Baier erneut die Basis für den Klassenerhalt legen?

Wenn der Klassenerhalt etwas frühzeitiger gesichert werden soll, dann müssen wir über die offensiven Außen Torgefahr erzeugen und defensiv die Außenverteidiger entlasten. Marcel Heller könnte hier für wichtige Impulse sorgen und die Zeit überbrücken, bis Sergio Córdova sich eingefunden hat. Vielleicht schafft auch Erik Thommy den Sprung und kann mehr beisteuern, als nur ein paar Standards in der Schlussphase einiger Spiele. Er scheint zumindest Takashi Usami auf seiner Position überholt zu haben, der beim letzten Vorbereitungsspiel gegen den PSV Eindhoven nicht mal mehr im Kader stand. Dieses Testspiel könnte auch direkt die Chancen für Thommy verbessert haben, da sich Caiuby mit einem Muskelfaserriss vorerst verletzt abgemeldet kann. Bekommt Thommy direkt die Chance und kann sich beweisen?

Auch für Überraschungen bietet der Kader genügend Potential. Bleibt Jan Morávek gesund und kann endlich dauerhaft Impulse liefern? Kommt Moritz Leitner endlich in Augsburg an und kann sportlich etwas beitragen? Die Erfahrung lehrt: Es ist von beidem nicht auszugehen. Jedoch hat Manuel Baum deutlich mehr Alternativen zur Verfügung als im letzten Jahr und auch die Automatismen sollten langsam besser greifen. Im Mittelfeld zeigt die Tendenz dann doch deutlich nach oben.