Zu viel taktisches Klein-Klein, zu wenig Augsburger Grundwerte?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

4:0 zu Hause gegen Hoffenheim verloren. Abgewatscht. Das ganze Spiel über quasi keine Chance gehabt, die Partie für sich zu entscheiden. Fast schon wie letzte Woche in Nürnberg. In Nürnberg kann man mal verlieren, wie auch gegen Hoffenheim. Haben wir auch schon vor dieser Saison gemacht und wird vielleicht auch wieder passieren. Der Club ist ein Traditionsverein mit einer langen Geschichte in der ersten Bundesliga. Wir sind – wenn auch in der Bundesliga mittlerweile etabliert- weiterhin im strukturellen Aufbau. Das Hoffenheim-Spiel kam nach der Pokal-Enttäuschung. Aber Ausreden wird es immer geben. Ich bin ihrer so überdrüssig.

Die Nerven liegen blank

Dieses Jahr waren in Nürnberg vielleicht sogar leicht favorisiert, und mussten uns den Nürnbergern trotzdem 3:0 geschlagen geben. Hoffenheim spielt prinzipiell sehr wechselhaft. Nicht bei uns. Zwei herbe Rückschläge im Abstiegskampf. Zwei von vielen in den letzten Jahren. Normalerweise nichts, was den Augsburger zum Ausrasten bringt. Nach dem Nürnberg-Spiel durfte man trotzdem für Augsburger Verhältnisse seltene Szenen beobachten. Kapitän Daniel Baier lieferte sich hitzige Diskussionen mit den Fans in der Kurve und schmiss am Ende die Binde zu Boden. Die Nerven lagen blank auf beiden Seiten.

Berechtiger Unmut der Fans

Dabei ist der Unmut des Augsburger Publikums mittlerweile nachvollziehbar (Ton und genaue Aussagen in Richtung einiger Spieler möchte ich damit nicht verteidigen). Immer wieder auswärts und mittlerweile auch mehrmals zu Hause geht der Mannschaft nicht nur die richtige Taktik ab sondern auch Augsburger Grundwerte, die unsere Erfolge über die letzten Jahre gesichert haben. In Stuttgart, in Bremen, in Freiburg und auch gegen Nürnberg ließ die Mannschaft vor allem Kampf und Leidenschaft vermissen. So wirkte es zumindest. Die Spieler stehen auf dem Platz und bekommen als erstes die Kritik ab. Es war ganz klar zu erkennen, dass auf diese Art und Weise die Spiele nicht zu gewinnen sind. Einmal ist keinmal. Von diesen Spielen gab es mittlerweile doch einige zu viel.

Augsburger Grundwerte sind nicht zu erkennen

Entsprechend stellt sich die Frage, warum die Mannschaft es nicht schafft, diese Werte immer auf den Platz zu bringen. Ist Manuel Baum hier der Trainer, der diese Werte dauerhaft vermitteln kann? Es scheint zumindest auf Grund der wankelmütigen Leistungen in dieser Saison fragwürdig. Zu denken gegeben hat mir ein Interview mit seinem Trainerkollegen Steffen Baumgart vom SC Paderborn. Dieser hat bewusst verzichtet, spielerische Konzepte zu erklären und betont, dass der Fokus auf den Grundwerten liegen muss.

Nein! Fußball ist zu allererst Laufen, Kämpfen, Leidenschaft. Ich sehe Mannschaften, da können Spieler sieben verschiedene Positionen bekleiden, aber am Ende stehen sie trotzdem alle hinten drin. Weil das Wesentliche fehlt.

Steffen Baumgart, Trainer des SC Paderborn im Interview mit 11Freunde

Fokus auf taktischer Vorbereitung

In Augsburg wird immer wieder über das “gute Gefühl” gesprochen, mit dem man in die Partie am Wochenende gehen will. Es werden spielerische Schwachstellen des Gegners gesucht und die Spieler auf diese vorbereitet. Man verliert sich im Klein-Klein der Taktik und hofft durch die Vorbereitung die strukturellen Mängel im Team bzw. zwischen Team und Trainerstab zu überdecken (Dass Daniel Baier bei seiner Auswechslung Manuel Baum nicht die Hand gegeben hat, obwohl dieser diese angeboten hat, ist sicher nicht nur mir aufgefallen). Ich habe schon des öfteren betont, dass mir dabei die Wut im Bauch manchmal fehlt. Mittlerweile fehlt mir auch das Umgehen mit Rückständen und die psychologische Arbeit im Zusammenhang mit der Einstellung der Mannschaft hinsichtlich unserer Grundwerte. Was passiert in diesem Zusammenhang?

Das komplizierte sportliche Grundkonzept

Im Erfolgsfall kann man Interviews geben wie Sandro Schwarz, Trainer von Mainz 05, vor kurzem gegenüber Spox, in dem er die Arbeit am spielerischen Grundkonzept und entsprechenden Grundlagen betont hat. Im Abstiegskampf kommt es auf die Basis an. In Augsburg wird es Zeit, dass bestimmte Grundwerte wieder selbstverständlich werden. Da brauchen wir gerade nicht über Taktik und Spielideen sprechen, wenn jegliche Umsetzung scheitert. Vielleicht sind die taktischen Anweisungen zu mannigfaltig und viel geworden und das System müsste mal wieder um einige Komplexitäten reduziert werden. Gerade in der Anfangsphase gegen Hoffenheim hat man gesehen, wie es aussieht, wenn ein Team nicht eingespielt ist. In der heißen Phase des Saisonendspurts.

Kein einfaches weiter so

Gerade in diesem Zusammenhang muss Manuel Baum die Mannschaft wieder in die Spur bringen. Sein sportliches Konzept wird denn auch nur zum Tragen kommen, wenn die Spieler überhaupt in der Lage sind es umsetzen zu können. Im Moment ist nicht zu erkennen, wo Automatismen greifen. Spieler wirken eher so, als ob sie von den Anforderungen überfordert wären. Genau mit dem gleichen Problem hatte Baum auch schon im Schlussspurt seiner ersten Saison in Augsburg gekämpft. Seitdem ging kaum etwas voran. Entsprechend wird den Verantwortlichen des FC Augsburg kaum etwas anderes übrig bleiben, als spätestens in der Sommerpause die Reißleine zu ziehen und auf der Trainerposition eine Änderung herbeizuführen, so schade ich dies persönlich auch fände. Das Augsburger Umfeld bringt immer noch eine große Geduld und Ruhe mit, solange zumindest zu erkennen ist, dass alle Spieler in die gleiche Richtung ziehen. Wenn die Spieler denn wissen, welche Richtung das ist. Es wird schleunigst Zeit, dies in der Schlussphase der Saison in jedem Spiel zu zeigen. Ich hoffe, wir haben einen Plan. Einen, den auch jeder einzelne versteht.

Zusammenhalten, das ist unser Ziel

Es ist Mittwochabend. 3 Tage sind vergangen, seit wir in Freiburg abgesoffen sind. Gregor Kobel hat daraufhin vorgeschlagen, dass ein Saufabend der Mannschaft eventuell helfen könnte. Mit Sicherheit könnte so ein Abend helfen. Zumindest dabei den Samstag schnell aus dem Gedächtnis zu löschen. Dafür gibt es allerdings noch eine weitere Möglichkeit. Was wäre besser geeignet, als den aktuellen Tabellenführer vom Thron zu stürzen? Zufällig kommt am Freitagabend die Dortmunder Borussia ins Stadion auf dem Lechfeld.

Keiner würde auf uns wetten

Im Moment würde wohl kein normaler Mensch auf einen Augsburger Sieg wetten. Die letzten Ergebnisse in Kombination mit den anhaltenden Ausfällen lässt ja kaum eine positive Prognose zu. Bei mir als Fan habe ich aber eine komische Gefühlswendung festgestellt. Ich kann weiterhin Pressekonferenzen mit Manuel Baum anschauen, und glaube danach daran, dass wir zumindest eine gute Chance haben auch in diesem Spiel etwas mitzunehmen. Die Underdog-Rolle könnte zusätzlich positiv wirken, indem kaum ein Druck auf den Spielern lastet. Wer es bisher noch nicht mitbekommen hat: Ich werde nicht in den Chor derjenigen einfallen, die sich einen Trainerwechsel wünschen. Ich glaube wir haben qualitative Löcher im Kader, aber den richtigen Trainer. Und ich weiß es sehr zu schätzen, wie wir als Organisation die Ruhe bewahren, zusammenstehen und uns den Problemen stellen.

Die Kritik muss sachlich bleiben

Aus der Pressekonferenz diese Woche habe ich zudem mitgenommen, dass Michael Gregoritsch immer noch ein Bursche ist, den ich für seine Direktheit bewundere. Derweil ist er so selbstkritisch, dass er sich auf und neben dem Platz sicher zuviel hinterfragt. Christian Streich hat vor dem Freiburg-Spiel offenbart, was für einen introvertierten Charakter Johnny Schmid hat. Bei aller Kritik an der Mannschaft und allen anderen beteiligten Personen sollten wir im Gedächtnis behalten, dass wir über Menschen sprechen. Sachliche Kritik ist immer erlaubt, aber bei manchen Äußerungen, die in den Blöcken der Stadien oder den sozialen Medien so von sich gegeben werden, darf man sich schon fragen, ob man auf diese Art und Weise über andere Menschen kommunizieren will. Man sollte dann zumindest nicht mehr erwarten, dass diese Art der Kommunikation leistungsfördernd ist.

Über den Zusammenbruch der Mannschaft

Wenn ich dann sachlich an das Freiburg-Spiel zurückdenke, dann gruselt es mich bei dem Gedanken, wie die Mannschaft so in sich zusammenbrechen konnte. Schon wieder. Genau wie in Bremen. Es wird immer wieder der Fall sein, dass der FC Augsburg ein Gegentor kassiert. Es kann ja aber wohl nicht der Fall sein, dass dann sofort eine ganze handvoll daraus wird, weil das Team direkt “entgleist” und “aus der Spur kommt”. Diese Sorge wird mich etwas begleiten.

Neue Führungsspieler braucht der Club

Neben rein sportlich qualitativen Aspekten fehlen dann Alfred und Jeffrey als Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen, antreiben und dieser Mannschaft eine Struktur geben. Wenn es sportlich kriselt, dann müssten vor allem die Führungsspieler auf dem Platz reagieren und ein Zeichen setzen. Durch den Ausfall einiger dieser Führungsspieler stehen wir aber nun gerade vor einem Problem. Andere Spieler sind das anscheinend nicht gewohnt, weil diese Rollen in der Vergangenheit regelmäßig von anderen Spielern übernommen wurden. Die Last hat sich also eigentlich für die übrigen Leistungsträger erhöht und diese haben es vielleicht noch gar nicht gemerkt. Es wird sich jetzt in den nächsten Spielen zeigen, ob sie diesen neuen Rollen gewachsen sind. Ich schaue gerade auf Spieler wie Philipp Max, Rani Khedira und Michael Gregoritsch, die nun Verantwortung dafür tragen müssen, dass das Mannschaftsgefüge auch dann Haltung bewahrt, wenn es mal durchgeschüttelt wird.

Manuel Baum in der Pflicht

Damit steht Manuel Baum nun vor einer pädagogischen Aufgabe. Er soll dafür sorgen, dass das Mannschaftsgefüge transformiert wird. Ähnliches musste er schon in seiner ersten Saison erreichen, als dann Halil Altintop eine wichtige Führungsrolle übernommen und sich an vorderster Front gegen den Abstieg gestemmt hat. Ich bin gespannt zu sehen, wer jetzt voran gehen wird. Ich hoffe, es finden sich Spieler, die emotional ihre Mitspieler mitnehmen. Und dann ist es an der Mannschaft sich zusammen – mit uns im Rücken – aus dieser Krise zu befreien. Nachdem es Manuel Baum einmal gelungen ist, diese Aufgabe zu erfüllen, hoffe ich auf eine Wiederholung. Manu, mach es nochmal.

P.S.: Da erinnere ich mich gerne daran, dass wir zu Ehren Halil Altintops T-Shirts haben herstellen lassen. Schaut ruhig mal in den Shop (Herren und Damen), die sind dort immer noch recht günstig zu finden. Auch mit Halils Unterschrift (Herren und Damen). Vielleicht will sich die eine oder der andere hier noch ein Exemplar sichern. Die Erlöse gehen weiter ausschließlich an den guten Zweck. Wenn der Gregerl zum Darten die passende Spielkleidung braucht (a fesches Leiberl?) dann darf er sich gerne melden.

In der Ruhe liegt die Kraft

Mit Kritik ist das ja so eine Sache. Kritik kann konstruktiv und hilfreich sein. Kritik kann allerdings auch pauschal und platt vorgetragen werden. Ohne Ziel ist Kritik eine Ablenkung, gerade bei Fußballvereinen schädlich und sorgt für Unruhe. Das ist uns allen klar. Dennoch brach nach dem Spiel in Bremen eine Lawine der Kritik in den sozialen Medien über die Mannschaft und den FCA herein, bei der zumindest ich mich kurz fragte, was das in dieser Form denn sollte. Klar, wir haben deutlich verloren. Aber auch klar: so schlecht wie in Kiel waren wir in Bremen nicht. Zusätzlich tue ich mich schwer damit, basierend auf einzelnen Spielen in Panik zu verfallen. Deshalb will ich heute in aller Ruhe einen Blick auf unsere jetzige Situation werfen.

Die Ausgangslage

Auch wenn es zwischenzeitliche Lichtblicke wie das 3:0 gegen Mainz 05 gibt, ist ganz offensichtlich, dass die Mannschaft seit einiger Zeit sportlich zu kämpfen hat und durch einfache Fehler ganze Spiele wegschenkt. Woran das liegt, ist keinem so wirklich klar. Allerdings werden auch vereinzelte positive Spiele wie gegen Mainz 05 darüber nicht hinwegtäuschen, dass die sportliche Entwicklung nicht die gewünschte ist. Zu wenige Siege, zu wenige Punkte. Wir stecken mitten im Abstiegskampf.

Das Ziel

Kurzfristig kann es nur das Ziel sein, dass wir in dieser Saison zusammen die Klasse halten. Alles andere scheint Utopie. Dafür müssen wir noch einige Punkte sammeln und damit am besten schon in Freiburg anfangen. Der DFB-Pokal braucht uns zumindest bis Anfang April erst gar nicht zu beschäftigen.

Der Weg dorthin

Kämpferisch und geschlossen. Mit vollem Einsatz. Den möchte ich in dieser Situation niemandem absprechen. Hierzu ein Zitat aus einem Interview mit Christoph Kramer und Matthias Ginter, das mit dem mangelnden Einsatz von Fußballspielern mal etwas aufräumt.

Grüße an dieser Stelle an die Mannschaft: Ich weiß, dass ihr euch zerreißen werdet und das richtet. Vor allem mit fitten Leistungsträgern. Daniel Baier kommt nach Gelbsperre gegen den SC Freiburg zurück. Zusätzlich sollten Alfred Finnbogason und Jeffrey Gouweleeuw besser heute als morgen wieder fit werden. Auch ein Ja-Choel Koo war angeschlagen und konnte nicht wie gewohnt helfen. Insgesamt zu viele wichtige Spieler, die nicht zur Verfügung standen. Mia san rot hat in der Vorschau vor dem Bayern-Spiel darauf hingewiesen, dass sportlich bei uns einiges passt, wir aber doch sehr von der Torgefahr eines Alfred Finnbogason abhängen. Es wird wichtig sein, dass dieser wieder eingreifen kann und auch, dass andere Spieler Impulse setzen.

Die Konkurrenten

In Hannover geht es die ganze Saison schon drunter und drüber. Eine Satzungsänderung und ein möglicher Punktabzug wegen einem möglichen Verstoß gegen 50+1 haben dafür gesorgt, dass man sich in Hannover nicht mehr nur auf die Geschehnisse auf dem Rasen konzentriert hat.

Auch in Nürnberg hat man zuletzt dafür gesorgt, das ein neuer Impuls gesetzt wird, in dem man die sportliche Leitung austauschte. Wie viel Sinn das Ganze macht, da die Mannschaft offensichtlich erst noch zeigen muss, dass sie das Zeug für die erste Liga hat? Die Verantwortlichen haben ja erst dafür gesorgt, dass sich der Club in der ersten Liga befindet.

Die Geschehnisse in Stuttgart zeigen auch dort eine große Unruhe im Umfeld der Mannschaft. Markus Weinzierl ist ja schon der zweite Trainer in dieser Saison und mit Michael Reschke durfte ein vorgeblich großer Fußballfachmann den Verein zuletzt verlassen. Dazu wird aus der Kurve gegen den Präsidenten skandiert. Wenn sich da mal ein Club nicht selbst zerlegt.

Unsere Stärke

Die Konstanz, mit der wir in Augsburg bisher arbeiten, kann in dieser Situation nur ein Vorteil sein. Was wäre der Sinn darin, jetzt die sportliche Leitung auszutauschen? Der Transfermarkt ist geschlossen und die Jungs, die jetzt da sind, müssen die Klasse halten.

Natürlich kann man über den Trainer diskutieren. Aber ein reines: “Baum raus” ist einfach nur platt. Baum scheint die Mannschaft immer noch zu erreichen und der Markt an potentiellen Trainern ist überschaubar. Wenn mir in den letzten Wochen jemand vorgetragen hat, dass er gerne den Trainer austauschen würde, habe ich direkt gefragt, wer denn kommen sollte. Antworten, die mich überzeugt hätten diesen Schritt jetzt zu gehen, habe ich keine erhalten. Trainer mit einer klaren Spielphilosophie werden eine ganze Weile brauchen, diese zu implementieren. Bis dahin sind wir evtl. abgestiegen.

Insofern halte ich die Art und Weise, in der die Führung des Vereins mit der sportlichen Krise umgeht, beispielhaft. Diese Ruhe und Geschlossenheit hebt uns von den anderen Clubs ab. So berechtigt dann viele Kritikpunkte im Moment auch sind, so haben diese bis zum Ende der Saison oder dem Moment, wo Manuel Baum die Mannschaft offensichtlich nicht mehr erreicht, zurückzustehen. Bis dahin geht es geschlossen Richtung Klassenerhalt. Und es wird überstrapaziert, aber “Augsburg hält zusammen”. Alles andere würde nur Hannover, Nürnberg und Stuttgart in die Karten spielen. Mit Freiburg begegnen wir am Samstag übrigens einem Club, der es genauso macht und bisher immer wiedergekommen ist. Deshalb lasst uns nun zusammen nicht den Mut verlieren, sondern schlicht konstant weiterarbeiten.

Dis wo ich herkomm

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Sonntagabend und ich sitze im Auto zurück nach Frankfurt. Schneegestöber. Der FC Augsburg hat gerade 3:0 gegen Mainz 05 gewonnen, nachdem er über Monate nicht mehr gewinnen konnte. Spielerisch überzeugend. Eindrucksvoll. Großartig.

Wochenlang mussten wir Fans warten, bis wir wieder einen Sieg unserer Mannschaft feiern konnte. Derweil wurde es tabellarisch immer enger. Die Abstände nach unten schrumpften und nur noch ein einziges mageres Pünktchen trennte uns vom Relegationsplatz. Oben schienen sich einige Teams wie der SC Freiburg oder Fortuna Düsseldorf von uns abzusetzen. Die Lage schien langsam hoffnungslos zu werden.

Unruheherde

Während der FC Augsburg in diesen schwierigen Zeiten seinen Wurzeln treu blieb und ruhig weiter arbeitete, brach im Umfeld langsam Unruhe aus. Gründe dafür schien es endlos zu geben. Die erste Halbzeit in Gladbach genau wie der Konflikt mit Martin Hinteregger warf Fragen auf, ob Manuel Baum die Mannschaft weiterhin erreichte. Die Verpflichtung von Jens Lehmann als Co-Trainer interpretierten einige Externe als vorzeitige Ablösung von Manuel Baum. Dazu durfte sich alle Beteiligten über Wochen Fragen zu Caiuby anhören, der mit einer saftigen Geldstrafe und Einzeltraining bestraft wurde. Er verweilte mal wieder privat deutlich länger in Brasilien, als dies notwendig gewesen wäre.

Positive Impulse oder falscher Weg?

Ich habe schon im Laufe der letzten Woche darauf hingewiesen, dass ich alle Entscheidungen als positive Impulse im Abstiegskampf sehen würde. Viele Stimmen um den Verein sahen in den Aktionen eindeutige Hinweise darauf, dass die Verantwortlichen den bewährten Weg des FCA verlassen hätten. Schlussendlich sorgt der Sieg gegen Mainz 05 nun für kurzfristige Ruhe und für positiven Rückenwind vor den Spielen im Pokal gegen Kiel und in Bremen. Insgesamt stellt sich allerdings grundsätzlich die Frage, welche Rolle eine Periode von 10 Spielen im Rahmen der langfristigen Entwicklung des Vereins spielt.

Grundsätzlich positive Entwicklung

Der FC Augsburg konnte zuletzt weiter für positive Nachrichten sorgen, als er langfristig den Sponsorenvertrag mit der wwk verlängerte. Zudem wurden in diesem Zusammenhang weitere Investitionen in die Infrastruktur in Form eines Jugendinternats gesichert. Die Jugendabteilung schafft es immer wieder hoffnungsvolle Talente an die Bundesligamannschaft heranzuführen. Kevin Danso, Raphael Framberger und Marco Richter konnten in dieser Saison alle schon wesentlich ins Spielgeschehen eingreifen. Zudem hat man mit Sergio Cordova, Fredrik Jensen und mittlerweile Gregor Kobel weitere junge Talente in der Hinterhand, auf die man in der Zukunft bauen kann. Leistungsträger wie Jeffrey Gouweleeuw oder Daniel Baier sehen ihre Zukunft vorerst auch beim FCA. Viele Gründe sich vorerst – auch im Falle eines möglichen Abstiegs – keine Sorgen zu machen.

Insgesamt ist der FC Augsburg grundsätzlich wohl eine der stabilsten Organisationen im deutschen Profifußball. Dabei lässt sich der FCA auch nicht von Stimmen von außerhalb irritieren. Bei Caiuby bestand man darauf vor der Kommunikation mit der Öffentlichkeit mit dem Spieler selbst und persönlich sprechen wollte. Bei Martin Hinteregger trennte man sich von einem sportlichen Leistungsträger, der sich nicht mehr mit dem Club in seiner jetzigen Situation identifizierte. Am Trainer zweifelte man in keinster Weise öffentlich und so kann Manuel Baum weiterhin von der großen Rückendeckung sprechen, die er in Augsburg spürt.

Stabilität als Grundeinstellung

Insgesamt wundert es mich in solchen Situationen dann schon, warum überhaupt eine solch große Unruhe im Umfeld des FC Augsburg entstehen kann. Selbst ich habe dazu tendiert, mich über Kleinigkeiten enorm aufzuregen, derweil mir das Phänomen der “Regression zur Mitte” wohlbekannt ist. Und so braucht nun keiner zu glauben, dass Jens Lehmann den Ausschlag zur Wende des FCA gegeben hat. Vielmehr zahlt sich schlicht die konstante Arbeit aller Beteiligten bis zu diesem Zeitpunkt aus, die nun wieder zu positiven Ergebnissen führt.

Und wenn ich gerade jetzt darüber nachdenke, was ich an meinem Verein am meisten schätze und warum ich gerne sage: “Augsburg, dis is wo ich herkomm”, dann ist das diese Konstanz und Ruhe, mit der gearbeitet wird. Diese Ruhe und Konstanz ist dabei etwas selbstverständliches, für das man sich wahrscheinlich noch nicht einmal bedanken müsste. Ich tue es heute trotzdem gerne, auch wenn die Antwort wahrscheinlich ein knappes “Da nich für” wäre.

Impulse im Abstiegskampf

Ich war am Samstag in Gladbach und mir war nach der ersten Halbzeit klar, dass wir neue Impulse brauchen, um die Saison in die richtige Richtung zu lenken und nicht abzusteigen. Klarer Fokus aller Beteiligten auf den Abstiegskampf. Und wo ich mich letzte Woche noch gefragt habe, was der Scheiß soll, so hat unser FCA zumindest abseits des Platzes wieder etwas in die Spur gefunden. Zumindest meiner Meinung nach. Warum ich das so sehe?

Die richtigen Prioritäten der Spieler

Für Caiuby hatte der FC Augsburg und seine Teamkameraden nicht die notwendige Priorität. Von einem Profifußballer kann man erwarten, dass er während der Saison und seiner zeitlich begrenzten Karriere vieles dem Job unterordnet. Caiuby hat das nun öfters nicht gemacht und sich daher bewusst dagegen entschieden, seinen Beitrag zu leisten. Anstatt ihn weiter zu decken, hat der Verein nun – nachdem man mit Caiuby selbst gesprochen hat – eine klare Grenze gezogen, wie auch schon bei Daniel Opare vor einem Jahr.

Da der FC Augsburg hier nun mit der entsprechenden Konsequenz vorgeht, hat es auch Martin Hinteregger erwischt, der Manuel Baum nach dem Gladbach-Spiel öffentlich im bayrischen Rundfunk kritisierte. Nun bin ich jemand, der die Entwicklung in 2018 auch als enttäuschend bezeichnete. Der Verein kann mit dem letzten Jahr nicht zufrieden sein. Es war allerdings ganz klar, dass diese öffentliche Meinungsäußerung Konsequenzen haben wird. Zudem war klar, dass die Verantwortlichen von Martin Hinteregger auch wissen wollen würden, ob er sich Manuel Baum in Zukunft unterordnen kann und alle gemeinsam wieder an einem Strang ziehen. Martin Hinteregger hat sich laut verlässlich unterrichteten Augsburger Kreisen schon länger mit dem Gedanken beschäftigt, den FCA zu verlassen. Mit seiner Kritik hat er dies nun beschleunigt und sein im 11er verkündetes Ziel, im Winter zu wechseln, erreicht.

Derweil hat sich unser FCA in dieser Situation souverän verhalten und den Störenfried erstmal für ein halbes Jahr nach Frankfurt ausgeliehen, ohne ihn ohne Not zu verschleudern. Als Ersatz konnte kurzfristig Reece Oxford gewonnen werden, der für die zweite Saisonhälfte aus West Ham kommt. Oxford hat in der letzten Saison in Gladbach erste Bundesligaerfahrung sammeln können und ist nach einem enttäuschenden Halbjahr in West Ham sicher heiß darauf zu spielen. Aus Gladbacher Kreisen habe ich vernommen, dass wir mit dem Tausch – bei aller Sympathie für den Typen Hinteregger – sogar noch einen guten Tausch gemacht haben könnten. Zumindest die größte Lücke im Kader wurde somit kurzfristig gestopft.

Die Personalie Jens Lehmann

Aber auch mit dem besten Kader wird das nichts, wenn das Coaching nicht bald mal wieder etwas zulegt. Mir graut es immer noch, wenn ich an die erste Halbzeit in Gladbach zurückdenke. Insgesamt war man in Augsburg allerdings immer von den fußballtaktischen Qualitäten von Manuel Baum überzeugt. Aber anscheinend wurde die Arbeit des Trainerteams intern analysiert und man hat festgestellt, dass diesem eine Komponente fehlt. Ein dekorierter Ex-Profi, der eine direktere Vorbildfunktion übernehmen kann und von dessen Erfahrungen die Spieler profitieren können. Gegenüber der Presse wurde als Vergleich der SV Werder Bremen genannt, wo Tim Borowski unter Florian Kohlfeldt als Co-Trainer arbeitet und diese Rolle übernimmt. Bremen hat sich in diesem Jahr deutlich stabilisiert.

Mit Jens Lehmann hat man einen ambitionierten Kandidaten gefunden, der schon erste Erfahrungen als Co-Trainer sammeln konnte. Unter Arsene Wenger bei Arsenal London, was ein deutliches Plus ist. Er kann im direkten Vergleich bei manchen Prozessen Verbesserungspotential aufzeigen und wird diese Punkte hoffentlich auch ansprechen. Lehmanns Ambitionen sind dabei sicherlich auch nicht, mit dem FCA in der zweiten Liga herum zu dümpeln. Mit ihm wurde der Anspruch gestärkt, unter der derzeitigen sportlichen Führung die Klasse zu halten. An sich ist man weiterhin vom eingeschlagenen Weg überzeugt und festigt die Strukturen.

Der FC Augsburg geht weiter seinen eigenen Weg

Das ist dann auch sehr typisch für unseren FCA. Insgesamt haben sich die Verantwortlichen in der Causa Caiuby nicht drängen lassen, sondern erst nach dem Gespräch mit dem Spieler die Konsequenzen verkündet. Der öffentliche Druck war enorm. Auch bei Martin Hinteregger war dem Verein wohl klar, dass die Suspendierung des Publikumslieblings in der jetzigen Situation nicht nur positive Reaktionen hervorrufen würde. Er wurde aber von Hinteregger in diese Situation manövriert. Wie viel davon bewusst von Hinteregger inszeniert war, sei mal dahingestellt. Zudem musste allen Beteiligten vorher klar gewesen sein, dass die Verpflichtung von Jens Lehmann als Co-Trainer große Aufmerksamkeit erregen wird. Dennoch waren alle Beteiligten von diesen Schritten überzeugt und haben Sie nun durchgezogen.

Dadurch wird der Markenkern des FC Augsburg eher gestärkt als geschwächt, genau wie das Trainerteam um Manuel Baum. Konstanz auf der Trainerposition, auch wenn es sportlich nicht immer perfekt läuft, ist weiterhin in dieser Branche eine Seltenheit. Der FCA ist eben nicht Hannover 96. Nachdem sich Jens Lehmann gerade erst als unerfahrener, lernbegieriger Trainerlehrling präsentiert hat, fällt zumindest mir die Vorstellung schwer, dass er kurzfristig als Chefcoach übernehmen wird.

Der FC Augsburg geht somit weiter seinen Weg und schert sich wenig, was von ihm erwartet wird. Ich habe dabei weiterhin großes Vertrauen in Stefan Reuter, denn wirtschaftliche Vernunft muss immer die erste Priorität sein. Daneben hat es sich zumeist ausgezahlt, dass eben nicht alles nach außen gekehrt wird. Das Martin Hinteregger schon vor dem Gladbach-Spiel kein Musterprofi war, ist dann eben auch aus offiziellen Kreisen nicht zu vernehmen, obwohl man hinter vorgehaltener Hand munkelt. Der FCA wäscht seine Wäsche nicht öffentlich und mir ringt das immer wieder großen Respekt ab.

In guten wie in schlechten Zeiten

Natürlich ist dies alles im Moment keine einfache Phase. Aber vieles sprich immer noch für uns. Der Kader war zu Saisonbeginn groß und nun werden wie sehen, wie tief die Personaldecke wirklich ist. In Ruhe stellen die Verantwortlichen die notwendigen Weichen für die nächsten Spiele. Hannover und Nürnberg geben sich dabei weiterhin große Mühe ganz unten zu landen. Nachdem der Verein nun die ersten Schritte getan hat, ist es an uns Fans die Spieler, die in den nächsten Spielen auf dem Platz stehen werden, zu unterstützen. Die Mannschaft wird das Publikum am Sonntag und in den kommenden Spielen brauchen und der Klassenerhalt sollte für alle oberste Priorität haben.

In dieser schwierigen Phase wird die Phrase “Augsburg hält zusammen” strapaziert werden. Aber wer nun in dieser schwierigen Phase davon abrückt, der braucht sich bei der nächsten Fahrt nach Liverpool nicht nach einer Karte erkundigen. Es läuft nicht immer rund und gerade dann liegt es an uns allen, an einem Strang zu ziehen. Ich bin am Sonntag im Stadion und würde mich freuen, wenn wir gemeinsam den ersten Schritt in die richtige Richtung machen würden.

Servus Hinti!

So wütend

Am Anfang der Spielzeit träumte ich wie fast jedes Jahr vom Europapokal. Am Anfang der Woche erkannte ich diesen Verein nicht wieder. Mit Blick auf die vieldiskutierten Themen der Bundesligawoche legte am Sonntag Hannover 96 mit der Vorstellung von Thomas Doll beeindruckend vor. Doch schon am nächsten Tag tauchten die ersten Gerüchte über eine bevorstehende Verpflichtung von Jens Lehmann in Augsburg auf und als am Nachmittag die Bestätigung folgte, sah man vor dem inneren Auge, wie sich Stefan Reuter in Selbstzufriedenheit über diesen Konter aus dem Lehrbuch des Bundesligaboulevards sonnte. Selbst in Hamburg zog man in stiller Anerkennung den Hut.

Welchen Sinn die Verpflichtung des umstrittenen Altstars als Co-Trainer haben soll, mag sich dem gemeinen Fußballfreund auf den ersten Blick nicht so recht erschließen. Natürlich verfällt man in der gegenwärtigen Situation und mit Blick auf die beteiligten Akteure fast zwangsläufig in die gewohnten Mechanismen reflexhafter Kritik. Doch auch wenn sicherlich jedem ungeachtet von Klischee und Vorurteil eine faire Chance zugestanden werden muss, so bestehen doch berechtigte Zweifel, ob ein Jens Lehmann zu einem Verein wie dem FC Augsburg passt. Ungeachtet der ihm zugedachten Rolle als gut bezahlter Gesprächspartner für den Cheftrainer. Die Diva und der bodenständige Provinzverein?

Es sagt viel über die gegenwärtige Situation aus, dass das Medieninteresse am FCA zuletzt so groß war, als Liverpool mit Jürgen Klopp im Europapokal in Augsburg gastierte. Und dabei soll keinesfalls das oftmals rezitierte Klischee des etwas biederen aber durchweg sympathischen Familienvereins bemüht werden.

Ein Spiel, zwei Sichtweisen

Das andere Klischee dieser Tage ist mit einem Klapphandy verbunden. Ein kritischer Spieler wie Martin Hinteregger ist sicherlich nicht das reine Gegenbild zum stromlinienförmigen Mainstreamprofi. Aber es war sichtlich angenehm, einen Spieler zu sehen, der nicht immer fehlerfrei aber mit großem Herz, Leidenschaft und Sympathie spielte und argumentierte. Sein erstes Bundesligaspiel unter Manuel Baum entschied er noch mit dem Tor des Tages für den FCA. Das vermutlich letzte Spiel beendete er mit einer veritablen Grätsche am Mikrofon des Bayerischen Rundfunks.

Seine Kritik im Nachklang des Spiels mag man zu Recht kontrovers diskutieren. Es mag keine kluge Entscheidung gewesen sein, den Trainer in den Medien derart bloß zu stellen. Wobei die Wortwahl doch darauf hindeutet, dass dies weder in Inhalt noch Form in dieser Weise intendiert war. Aber er hatte Recht und dies mit jedem Wort. Das Spiel war eine Zumutung und die gewählte Taktik erwies sich schon nach den ersten Spielminuten als völlig falsch. Der über ein Jahr andauernde Leistungsabfall tritt mittlerweile überdeutlich zu Tage, was bislang nur durch einige gute Spiele kaschiert wurde, die zwar kaum Punkte aber Anerkennung brachten.

Man kann hier auch die Frage aufwerfen, ob die spielerische Entwicklung dem Trainer oder den besseren Spielern zu verdanken war. Normalerweise ist dies ein Wechselspiel, aber derzeit nimmt sich ein Faktor aus der Gleichung. Zuletzt wirkte Baum unsicher und vor allem auch – und das wiegt weit schlimmer – agierte er entgegen anderslautender Bekundungen ohne die notwendige Selbstkritik.

Da stand nun ein Hinteregger, der wie üblich kein Blatt vor den Mund nahm, während der Trainer sich in größter Erregung gemeinsam mit dem Manager über die Schiedsrichter echauffierte. Und dies in einer Wortwahl, die mindestens ebenso unangebracht war wie die Brandrede des Österreichers.  Innenverteidiger wie auch Trainer waren nach dem Spiel sichtlich aufgebracht. Wie übrigens auch der gemeine Fan, der es mit dem FCA hielt und die vorangehenden 90 Minuten in Gefühlszuständen zwischen peinlich berührt und  konsterniert ertragen musste.

Was eben nicht nur den Spielern anzulasten ist, denn dieselbe Mannschaft war schon gegen ein ebenso famos aufspielendes Gladbach zu anderen Leistungen fähig. Aber was nun blieb war ein Cheftrainer, der in der Pressekonferenz das zu Unrecht gegebene Tor in den Mittelpunkt rückte und allen Ernstes fabulierte, dass man mindestens das Unentschieden wenn nicht gar ein Sieg dank Kontertor verdient gewesen wäre. Nun war die Szenerie vollends nicht mehr ernst zu nehmen. Und es zeigt nicht nur die Empfindlichkeit der Führungsriege in der derzeitigen Situation, sondern vor allem auch eine bedenkliche Fehleinschätzung derselben.

Der neue Augsburger Stil

Das skurrile in dieser Situation ist nun, dass Reuter im Prinzip nun nichts anderes getan hat als Hinteregger. Durch die Verpflichtung von Lehmann hat er den Cheftrainer demontiert und ihm letztlich das Vertrauen entzogen.  Der Clou ist dabei, dass er dies im Gegensatz zum Österreicher tat, ohne selbst das Gesicht zu verlieren. Man könnte fast den Hut ziehen vor diesem feinen Tackling.

Doch was bleibt ist das desolate Bild eines Vereins und seiner handelnden Personen, der zumindest im Boulevard abseits des Platzes wohl leider endgültig in der Bundesliga angekommen ist. Es gab immer wieder große und kleine Aufreger in Augsburg, die mal mehr oder minder souverän gelöst wurden. Und man hat auch gut daran getan, in den Krisen der letzten Jahre an den Trainern festzuhalten. Doch in der gegenwärtigen Situation wirken alle Beteiligten ratlos und lächeln über diese Ratlosigkeit hinweg. Selten hat sich ein Führungsteam mit wirklich jeder zu treffenden Entscheidung derart kolossal vertan. Man hätte die Situation ruhig und besonnen lösen können. Doch hieran hatte man kein Interesse. Es wirkt, als sei dies der neue Stil des FCA.

Und so zauberte man mit Jens Lehmann eine Überraschung aus dem Hut samt der üblichen abgedroschenen Phrasen vom Top-Profi, der für Siegermentalität und Einsatz stehe. Auf der Pressekonferenz betonte der Manager auch auf Nachfrage, dass er nicht den Eindruck gehabt habe, dass Martin Hinteregger noch bedingungslos hinter der Idee Augsburg stehen würde. Und auch da ist dem Innenverteidiger zu folgen. Denn diese Idee Augsburg ist nicht mehr die Idee, die den Verein über Jahre hinweg begleitet und ausgezeichnet hat. Es ist die selbstgefällige Idee einer Führungsetage, die das Augenmaß und das Gespür für den Verein verloren hat.

Was soll der Scheiß?

Das Jahr 2018 will seine Fußballspiele zurück. Nachdem Spiel seiner Fortuna hat Friedhelm Funkel zu Protokoll gegeben, dass sie gespürt hätten, dass wir Probleme haben. Er hat dreimal offensiv gewechselt und am Ende hat die Fortuna den Sieg geholt, nachdem wir sie am Anfang nicht ins Spiel haben kommen lassen. Der FC Augsburg spielt mal wieder anfänglich gut und lässt sich danach das Spiel aus den Händen nehmen. Keiner kann es mehr hören oder sehen.

Ich kann es auch nicht mehr hören, wenn Manuel Baum Dinge sagt wie: “Ich bin überzeugt von den Jungs, die wir haben und von dem, was wir machen. Wir waren ja gut im Spiel, haben aber versäumt das 1:0 zu machen.” Klar, mit ein bisschen Matchglück geht der Pfostenschuss von Daniel Baier ins Tor. Wenn allerdings die gefährlichsten Schüsse deiner Mannschaft (abseits des Freistoßtors von Johnny Schmid) von Daniel Baier und Jan-Ingwer Callsen-Bracker kommen, dann braucht man das auch nicht mehr schön reden. Wenn sich dann ein toller Kerl wie Raphael Framberger dazu noch das Kreuzband reißt, dann war der Start in die Rückrunde direkt katastrophal. An dieser Stelle die besten Genesungswünche, lieber Frambo!

Wir stehen im Moment 3 Punkte besser da, als in unserer schlechtesten Bundesligasaison zum gleichen Zeitpunkt. 3 Punkte ist verdammt wenig. Wir sind mitten im Abstiegskampf. Zur nächstplatzierten Mannschaft beträgt der Abstand nun schon 6 Punkte und zur nächsten Partie geht es gegen Gladbach. Gladbach stellt dieses Jahr ein Team, das eine tolle Saison spielt. Die Lage ist bedrohlich. So bedrohlich wie schon seit Jahren nicht mehr.

Klingen die Aussagen der Verantwortlichen immer danach? Ist die Mannschaft mit dem Kopf im Abstiegskampf angekommen? Ich glaube das nicht bei allen. Anstatt sich mit vollem Fokus auf die Dinge auf dem Platz zu konzentrieren, was von den Verantwortlichen des FCA eingefordert wurde, sind die Ablenkungen immer noch in vollem Gange. Auf Instagram haben auch unsere Spieler in der Winterpause uns an ihrem Leben weiterhin teilhaben lassen und jeder einzelne sollte wissen, wie welches Bild im Moment wirken kann. Klar, jeder Spiel hat ein Recht auf ein Privatleben. Aber privat und in den sozialen Medien ist jeder auch Repräsentant des FC Augsburg und sollte sich entsprechend verhalten.

Mich stört aber noch viel mehr, wie die Organisation des FCA den nötigen Ernst manchmal so gar nicht verströmt. Da wird im Rahmen der Vertragsverlängerung mit WWK vom DFB-Pokal und Europa geträumt. Da produziert die Social Media Abteilung unterhaltsame Videos, im gleichen Trainingslager, in dem den Spielern nahe gelegt wurde, die Ablenkungen abzustellen. Beispiel gefällig?

Insofern teile ich Manuel Baums Überzeugung nicht, wenn es um das geht, was momentan getan wird. Die Ergebnisse teilen diese Überzeugung auch nicht. Gott, wir sind über die letzten 10 Spiele gesehen das schlechteste Team der Liga. Und 10 Spiele ist ein langer Abschnitt. Einfach weiterzumachen, als ob nichts wäre, sollte dann endlich ein Ende haben.

Nicht das es vorteilhaft wäre, nun in Panik zu verfallen. Das meine ich nicht. Aber weder Umfeld noch Mannschaft wirken gerade so, als ob sie den Kampf angenommen hätten. Derweil es aus meiner Sicht ganz einfach ist: Wenn die nächsten 16 Spiele unsere vorerst letzten Spiele in der ersten Liga sind, dann lasst uns zumindest alles versuchen, um das zu verhindern. Ein passender Wintertransfer? Her damit. Mauertaktik und dreckige 1:0 Siege? Her damit. Langweiliges Geschiebe und lange Bälle? Mir ist so egal, wie wir zum Erfolg kommen, so lange die grundlegenden Regeln der sportlichen Fairness eingehalten werden.

Es erwartet gerade niemand mehr, dass wir einen Schönheitspreis gewinnen. Das wird ohne Selbstvertrauen sowieso nichts. Wir müssen uns über einfache Abläufe und die grundlegenden Dinge das Selbstvertrauen und einige Punkte holen und dann können wir weiter schauen. Wenn der FC Augsburg in seiner gesamten Organisation allerdings nicht langsam seine Einstellung ändert, dann haben wir nächstes Jahr ligaweit den besten Innenverteidiger bis 2024 unter Vertrag und dazu noch die längsten Werbeverträge. Aber die Liga ist halt dann zweitklassig und es wäre sehr ärgerlich. Nein, es wäre zum Kotzen. Also lasst endlich den Scheiß und fangt an euch dem Kampf zu stellen!

Wer übernimmt auf dem Platz die Verantwortung?

In meiner ersten Kolumne diesen Jahres habe ich die Frage aufgeworfen, wer beim FCA in der jetzigen Situation auf dem Platz die Verantwortung übernimmt, um das Ruder herumzureißen. Ich will mit dieser Frage nicht abstreiten, dass der Einsatz der Mannschaft passt. “Redlich bemüht” könnte man ins Zeugnis schreiben. Vielleicht fehlt aber mittlerweile die Struktur in der Mannschaft. Klare Anführer sind kaum sichtbar. Mit Marwin Hitz hat der FCA einen ruhigen Leistungsträger verloren, der ein Stützpfeiler war. Auch Daniel Baier ist immer noch da und der Maestro strahlt in seinen guten Momenten immer noch Ruhe und Klasse aus. Allerdings wird auch Baier nicht schneller und fitter oder jünger und braucht seine Auszeiten. Seine Zukunft nach dieser Saison ist weiterhin offen. Gegen Wolfsburg hat man Jeffrey Gouweleeuw bemüht gesehen. Das zweite Gegentor hätte er aber blocken können. Spieler, die konstant und fehlerfrei ihre Leistung abrufen können, sind selten geworden. Bei Philipp Max’ Ballverlusten in Berlin habe ich mir verwundert die Augen gerieben. Und so hat Manuel Baum es geschafft, eine Stammelf zu etablieren, ohne dabei klare Anführer zu positionieren. Wo ist jemand wie Halil Altintop vor zwei Jahren, an dem sich alle aufrichten können, auch wenn es nicht läuft? Wer geht voran?

Identifikation mit dem FCA

Der Kern hierbei wird sein, dass Spieler sich hervortun, für die der Verein FC Augsburg eine bedeutende Rolle spielt. Mehr ist, als vielleicht nur der nächste Arbeitgeber im Profifußball. Bei manchen Spielern nehme ich an, dass der Verein nur eine Durchgangsstation darstellt, wie für Philipp Max am liebsten auf dem Weg nach England, oder auch für Alfred Finnbogason auf dem Weg zum letzten großen Vertrag. Sie profitieren zwar auch, wenn der FC Augsburg gut abschneidet. Sie werden aber sportlich auch dann wieder eine Heimat finden und sich dabei wahrscheinlich noch nicht einmal verschlechtern, wenn wir absteigen sollten. Bei anderen Spielern wie Michael Gregoritsch, Martin Hinteregger oder auch einem Eigengewächs wie Raphael Framberger, sieht die Lage vielleicht schon etwas anders aus. Gerade Kevin Danso und Jeffrey Gouweleeuw haben mit ihren sehr langfristigen Vertragsverlängerungen ein Zeichen gesetzt. Sie fühlen sich in Augsburg geborgen und wohl und verbinden mit dem FCA vielleicht etwas mehr als nur die nächste Karrierestation. Ich hoffe es zumindest. Und sie sind hoffentlich auch bereit in der Rückrunde für diesen Verein über die Schmerzgrenze zu gehen.

Der Coach und die Mannschaftsstruktur

Manuel Baums Hauptaufgabe bestand aus meiner Perspektive in der Winterpause darin, in Einzelgesprächen und innerhalb der Mannschaft diese dezidierten Führungsspieler zu identifizieren und so zu stärken, dass der ein oder andere aktiver führen darf und kann und diese Rolle auch gegen Widerstände übernimmt. Dies bedeutet auch, dass vom Trainer nicht mehr nur die sportliche Leistung alleine honoriert wird, sondern auch die Identifikation. Wenn bei Spielern die Identifikation und damit in entscheidenden Situationen eventuell der Einsatz nicht groß genug sein sollte, dann darf aus meiner Sicht gerne mehr rotiert werden als in der Hinrunde. Fehler sind menschlich und werden auf dem Feld immer wieder passieren. Welche der Spieler sind bereit auch Fehler von Mitspielern auszumerzen und nicht nur für sich sondern in das Team Energie zu investieren? Dies ist für mich ein entscheidender Aspekt im Hinblick auf die sportliche Entwicklung in 2019.

Das Team gewinnt

Zu dieser Einschätzung gelange ich, wenn ich mir anschaue, wie wir in anderen Jahren Erfolg hatten. Am Ende steht das Jahr 2018 bezeichnend für eine schleichende Entwicklung beim FC Augsburg. Wir hatten in den ersten Bundesligajahren immer tolle Teams, bei denen die Spieler zusammen mehr geleistet haben, als man ihnen zugetraut hätte. Am Anfang war dies der Klassenerhalt und später der Einzug in die Europa League. Mittlerweile haben wir deutlich bessere Einzelspieler. Das Team aus diesen Einzelspielern leistet nun weniger, als deutlich weniger begabte und veranlagte Mannschaften der Vergangenheit. Für die Zukunft muss klar werden, dass auf diesem Niveau und in dieser Liga nur funktionierende Teams Erfolg haben. Zumindest dann, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht die von Bayern München oder Borussia Dortmund sind. Ein Team kann Rückschläge besser wegstecken und verschafft sich selbst ein gutes Gefühl. Es bricht nicht auseinander in schwierigen Zeiten.

Gemeinsam zurück in die Erfolgsspur

Nachdem wir in Augsburg immer großartige Teams mit einem gewachsenen Gefüge hatten, war die Weiterentwicklung desselben – im Gegensatz zur Weiterentwicklung jedes einzelnen Spielers – vielleicht nicht genug im Fokus. In der Rückrunde kommt es nun darauf an, dass diese tollen Einzelspieler wieder mehr als Team zusammenarbeiten. Sich Chancen erarbeiten, indem sie Risiken eingehen und vielleicht Fehler machen. Sich gegenseitig helfen, wenn ein anderer einen Fehler gemacht hat. Keine Angst vor Fehlern haben. Sich motivieren und aufrichten. Sich ins Gesicht sagen, wenn etwas scheiße war. Denn anderen dennoch immer respektieren. Vielleicht ist das der wichtigste Aspekt, den ein junger Spieler lernen muss, um im Profifußball dauerhaft Erfolg zu haben. Ich glaube in jedem Fall, dass der FC Augsburg sich auf diesen Punkt konzentrieren muss, um sich in der jetzigen Situation weiterzuentwickeln und aus dem sportlichen Tal zu ziehen. Einzelschicksale sind dabei nicht so bedeutend. Ansonsten wird es in dieser Saison und in den kommenden Jahren schwierig. Manuel Baum konnte sich in schwierigen Situationen bisher immer anpassen. Konnte er auch in der Winterpause die richtigen Hebel umlegen? Ich bin gespannt, ob wir insgesamt wieder mehr ein Team sehen, was sich gemeinsam den Weg aus der Krise erarbeitet.

2018 in einem Wort: Enttäuschend

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Das Ende des Jahres 2018 war für den FC Augsburg durchaus passend. Im Spiel gegen den Vfl Wolfsburg kam die Mannschaft erst ordentlich in die Partie, bevor man das Heft des Handelns aus der Hand gab. In der Abwehr agierte man mehrmals schlampig und ging verdient mit einem 0:2 Rückstand in die Pause. Die Wolfsburger konnten dabei längst nicht alle ihre Chancen in Tore verwandeln. Energiegeladen kam die Mannschaft aus der Pause und konnte die Wolfsburger überraschen und sogar recht zügig zum 2:2 ausgleichen. Danach nahm der Einsatz wieder ab und man beschränkte sich darauf dieses 2:2 zu halten. Zwar zeigte man im Ansatz wieder ansehnlichen Fußball und auch ich machte mir Hoffnungen aufs 3:2. Diese wurden abrupt enttäuscht, als die Wolfsburger einen Konter mustergültig ausspielten und dem FCA selbst kurz vor Schluss das 2:3 und eine letzte Niederlage in 2018 einschenkten. Enttäuscht machten sich die Augsburger Fans bei ungemütlichem Wetter wieder auf den Heimweg.

Schon in der Rückrunde stimmten die Ergebnisse nicht

Die Enttäuschung war für die Augsburger Fans leider nichts neues und so sitzt der Stachel nicht besonders tief. Als ich mir vor einigen Tagen überlegte, was man vom FC Augsburg momentan halten soll, kamen mir direkt viele Träume und Erwartungen in den Sinn. Sowohl auf als auch neben dem Platz gab es sowohl einiges positives, was immer wieder für hohe Erwartungen sorgte, aber auch direkt die Enttäuschungen im Anschluss. Kurz nach dem Jahresabschluss will ich kurz in Erinnerung rufen, dass die Rückrunde der letzten Saison schon das Potential für “viel mehr” gehabt hätte. Damals fing es an, dass die Ergebnisse ausblieben. Spät rutschte man doch noch Richtung Tabellenkeller. Zwar konnte man dann souverän den Klassenerhalt sichern, aber vor der Rückrunde ging der Blick schon eher nach oben. Auf Grund der Hinrunde redete man sich lange ein, auf einem guten Weg zu sein, aber sportlich war 2018 insgesamt enttäuschend. Liegt der Ursprung unserer jetzigen Probleme vielleicht schon länger zurück?

Viel Hoffnung in der Sommerpause

Die Sommerpause bestärkte mich eigentlich im Gegenteil. Es gab einige gute Gründe für eine tolle Saison 2018/19. Der erste war weiterhin Manuel Baum. Ich glaube Manuel Baum ist ein Coach, der die Stärken und Schwächen von Mannschaften präzise analysieren und die eigene Mannschaft entsprechend vorbereiten und einstellen kann. Für mich ist weiterhin deutlich, dass er seine Mannschaft rein sportlich in den langen Pausen immer verbessern konnte. Eine Sommerpause mehr und eine weiterhin konstante Entwicklung konnten der Mannschaft insgesamt nur gut tun. Dazu kam der Kader. Der FC Augsburg musste keinen Leistungsträger außer Marwin Hitz abgeben und dies ist für einen Verein unserer Gewichtsklasse eine irrsinnig gute Quote. Sowohl Gregoritsch als auch Finnbogason trafen zweistellig in der Vorsaison, Hinteregger und Gouweleeuw bilden ein solides Innenverteidiger-Duo und Philipp Max dominierte eine ganze Weile die Linksverteidiger -Position in der Bundesliga. Alle blieben. Selbst aus der Vereinsführung durfte man vernehmen, dass der Klassenerhalt zwar das erste Ziel sei, man dieses aber möglichst zügig abhaken wollte, um danach nach oben zu schauen. Nachdem man zudem das erste Saisonspiel gegen Fortuna Düsseldorf gewann, konnte man wohl niemandem verdenken, hoffnungsfroh an vieles in dieser Saison zu glauben.

Der Absturz nach gutem Start

Der Saisonstart war dann insgesamt recht positiv, obwohl auch in dieser Phase die Ergebnisse nicht immer stimmten. Schnell hatten wir alle mit Fabian Giefer einen Sündenbock gefunden, der unter anderem die Punktverluste gegen Gladbach und Mainz auf seine Kappe nehmen musste. Vor allem die guten Ergebnisse und Spiele gegen die Topteams aus München, Leipzig und Dortmund hielten die Hoffnung auf eine tolle Saison am Leben. Danach zerstörte nun eine unendlich scheinende Serie an sieglosen Spielen die Hoffnung auf einen Höhenflug in dieser Saison. Kurz vor dem Relegationsplatz beendete man die Vorrunde. Das gute Gefühl ist insgesamt verflogen. Es bedarf keiner Analysen um zu erkennen, dass wir absteigen, wenn der Trend nach der Winterpause weitergeht. Wir kassieren zu einfach Gegentore, sind offensiv nur selten torgefährlich mit unseren Abschlüssen und verlieren so viel zu viele Spiele. Die letzten Monate aus Sicht des FC Augsburg waren aus Sicht der eingefahrenen Ergebnisse eine Katastrophe.

Hoffnung für 2019

Aber es geht um Fußball und im Fußball schaut man immer nach oben. Wenn man scheitert, kann man wieder aufstehen und sich beweisen. Man kann nach einem Abstieg wieder aufsteigen. Aber soweit ist es noch lange nicht. Wir bräuchten gar nicht mehr antreten, wenn wir nicht glaubten, gewinnen oder die Klasse halten zu können. Die Ausgangslage war in einigen Jahren aussichtsloser. Dabei ist es aus meiner Sicht wichtig, sich nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, welche Erwartungen an einen selbst bestehen. Scheiße, ich glaube immer noch, dass diese Mannschaft locker 25 Punkte in einer Halbserie holen kann. Zumindest wenn sie sich selber nicht zu viele Gedanken darüber macht und einige Leistungsträger Verantwortung übernehmen und die Mannschaft aus ihrem Tal führen. Es wird spannend zu sehen, wer in den nächsten Wochen voran geht und das Ruder herumreißt.

Nicht einfach weiter so

Dabei ist ja ganz klar, dass Fehler gemacht wurden. Schön und gut, dass diese (angeblich) intern aufgearbeitet werden. Ich glaube aber, dass auch wir Fans ein Recht darauf haben, dass Klartext gesprochen wird. Welche groben Fehler wurden entdeckt und wie gedenkt man diese zu beheben? Gerade in der Winterpause darf man auch mal gerne Tacheles sprechen. Fehler einzugestehen, kann eine Stärke sein. Die letzte Phase hat zumindest dazu geführt, dass wild über Schuldige spekuliert wird und einzelne Spieler in die Kritik geraten sind. Es wird Zeit, dass der Verein proaktiv mit den sportlichen Problemen umgeht und deutlich seine Sicht auf die Dinge schildert. Mit reinem Tisch können wir dann alle zusammen in 2019 sportlich angreifen und hoffentlich neue Erwartungen wecken.

Taktik oder Fitness: Wo hakt es beim FCA?

Wer etwas regelmäßiger von mir lesen will, der sollte mal bei Twitter vorbei schauen. Dort gibt es doch einige kundige FCA Fans und wir diskutieren regelmäßig aktuelle Themen. Mich findet man dort als @andyriedl. Zuletzt hat uns ein aktuelles Problem des FCA beschäftigt. Probleme hatten wir ja zuletzt genug, und so wird es hier in der nächsten Zeit öfter um die offenen Baustellen beim FC Augsburg gehen. Mal schauen, wer das erste Problem direkt wiedererkennt…

Am Ende des Jahres 2018 war in den Spielen recht offensichtlich, dass die Mannschaft gegen Ende der Spielzeit nicht mehr zulegen konnte. Späte Gegentore haben wir viele kassiert und ich habe am Ende immer gezittert. Klar, etwas Küchenpsychologie fliegt mit. Aber die Mannschaft wirkte körperlich einfach platt. Jonathan Sachse war so gut, und hat sich Lauf- und Sprintwerte aller Bundesligamannschaften über die gesamte Hinrunde hinweg angeschaut. Man stellt fest: Der FC Augsburg investiert viel in seinen Spielen und läuft intensiv bzw. sprintet viel.

Soweit so gut. Mir wurde diese Tage die Frage gestellt, wie man die Spieler für die Rückrunde motivieren könnte. Auf Basis dieser Zahlen ist zumindest meine Meinung, dass genügend Motivation vorhanden ist. Es wird genug gelaufen, auch intensiv und schnell. Es ist sogar so, dass die Mannschaft mit manchen Spielen der Hinrunde Bestwerte setzte.  Die Mannschaft hat zwei der sprintintensivsten Partien in der Hinrunde bestritten.

Aber anscheinend gab es in der Hinrunde auch eine Entwicklung diesbezüglich. Gerade in den ersten Spielen sprintete die Mannschaft sehr viel, wobei die Werte im späteren Saisonverlauf rückläufig waren. Darauf hat zumindest Patrick Hauser hingewiesen. So waren wir wohl zur Mitte der Hinrunde das sprintstärkste Team der Liga.

Nach zehn Spieltagen waren wir in der Sprintstatistik übrigens noch Erster. Was man daran nun für Schlüsse ziehen kann, überlass ich euch 😉— Patrick Hauser (@alderlax) 29. Dezember 2018

Und schon fängt man an zu rätseln. Manuel Baum gibt viel auf Sprintstatistiken. Dies hat er in mehreren Pressekonferenzen bestätigt. Wenn weniger gesprintet wird, kann das unterschiedliche Gründe haben. Und bevor ich meine These darlegen will, woran es hakt, will ich ein paar Worte zur Fitness der Mannschaft verlieren. In der ersten Hälfte der Hinrunde war sie anscheinend eine der fittesten Mannschaften. Die Fitness wird regelmäßig durch Laktatmessungen überprüft und ich schätze das Trainerteam als professionell genug ein, dass bei der Fitness keine Mängel vorliegen. Wer das Abrutschen in der Statistik auf die Fitness der Mannschaft schieben will, ist meiner Meinung nach auf der falschen Fährte. Fitness löst sich nicht in Luft auf und ich glaube unsere Jungs haben eine sehr gute Basis.

Aber woran liegt es dann? Aus meiner Sicht liegt es an der Taktik. Ich glaube schlicht, dass unser Spiel zu monoton geworden ist. Die gegnerischen Mannschaften haben Manuel Baum durchschaut und wissen genau, auf was sie sich einzustellen haben. Das Überraschungsmoment fehlt. Die Gegner schaffen es die richtigen Räume eng zu machen und uns den Platz zum Sprinten in der Vorwärtsbewegung zu nehmen. Sprinten in Ballbesitz ist ja nur dann effektiv möglich, wenn es auch Räume gibt, die man auf diese Weise besetzen kann. Dies haben wir leider im Saisonverlauf immer weniger geschafft. Wir laufen mehr hinterher und dies kostet uns viel Energie.

Aus meiner Sicht liegt es somit an Manuel Baum, taktisch neue Schachzüge zu entwickeln, die uns Räume erschließen lassen, in die wir mit Geschwindigkeit sprinten können. Schon in der Vergangenheit war Manuel Baum gut darin, die Mannschaft in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln. Hoffentlich ist er mit seinem Latein nicht am Ende, sondern kann in der Winterpause neue spielerische Abläufe vermitteln. Ein Fokus sollte in Spanien momentan auf diesem Aspekt liegen.

Verbesserungen sind notwendig. Alleine taktisch verbessert ist der FCA trotzdem noch nicht gut genug aufgestellt für das Jahr 2019. Schaut in den nächsten Tagen und Wochen nochmal vorbei, wenn ich auf weitere Probleme bei unserem Lieblingsverein eingehen will. Es gibt leider viel zu tun.