Euer scheiß Ernst?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

„Ich möchte mal eins loswerden: ich finde unsere Jungs spielen dieses Jahr einen guten Fußball. Es gibt Spielzüge die wirklich Bock machen aufmehr. Die Mannschaft ist stärker als die Jahre zuvor und hat was, das Spaß macht. Ein Lob an Inspektor Baum der das mega gut macht. Auch die Führung des FCA macht viel richtig. Das die Jugend viel mit einbezogen wird, ist sehr positiv zu bewerten! Hut ab und weiter so.“ So kommentierte Thommy am 21.Oktober nach dem Retrospieltag auf der Seite der Rosenau Gazette.

Die Saison startete so gut wie noch nie zuvor und auch gegen Leipzig konnte man mal wieder einen Club mit großen Ambitionen ärgern, nachdem man schon gegen die Bayern und den BVB gut aussah. Es folgten ein Auswärtssieg in Hannover, der Verlängerungserfolg im Pokal gegen Mainz und ein Unentschieden gegen Nürnberg bevor nun vier Niederlagen am Stück zu Buche stehen. In diesen viel Spielen konnte die Mannschaft nur 2 Tore erzielen. Wie schnelllebig doch das Fußballgeschäft ist und sich die Stimmung wenden kann. Ich kann das bei mir selbst im Moment gut beobachten.

Und dennoch fessle ich mir heute die Hände vor der Tastatur zusammen, um nicht emotional über zu reagieren, wie letztes Wochenende in Stuttgart, als ich kurzerhand mit meinen Begleitern entschloss, dass die nächste Kolumne den gewählten Titel haben muss. Jede Niederlage ärgert enorm,versaut mir Wochenende und Arbeitswoche und gärt gewaltig nach. Gerade wenn man davon überzeugt ist, dass diese Mannschaft so viel mehr kann.

Wir haben momentan sportliche Themen sowohl im Spiel mit dem Ball als auch dagegen. Die Gegentore fallen zu leicht, teilweise nach einfachen Fehlern, wie auch wieder gegen Leverkusen. Offensiv spielen wir unsere Möglichkeiten nicht gut genug aus. Letzte Woche gegen Stuttgart hat Julian Schieber selbst angesprochen, dass die Ballzirkulation im letzten Drittel nicht gut genug war und die deutlichen Chancen nicht auf unserer Seite waren. Nach dem Leverkusen-Spiel hat Manuel Baum angesprochen, dass wir  unsere Konter nicht gut genug ausgespielt haben. Die Partien sind eng und werden durch Kleinigkeiten entschieden.

Dabei gehen einem als Fan viele Dinge durch den Kopf: Warum sind wir es überhaupt so defensiv angegangen, wo sich doch in der Schlussphase gezeigt hat, dass wir mit einer offensiveren Gangart Chancen erspielen können? Warum stand Spieler X nicht in der Startelf sondern Spieler Y? Warum wurde so spät gewechselt? Was wird überhaupt unter der Woche gemacht und wo ist das Konzept?

Derweil ist die Situation als FC Augsburg immer noch eine einfache: In Hoffenheim und Leverkusen kann man prinzipiell froh sein, wenn man überhaupt etwas mitnimmt. Haben wir nicht. Schade, aber nicht unerwartet.Kader, Möglichkeiten und auch Umsetzung durch beide Vereine in den letzten Jahren haben das erwartbar gemacht. Gegen Frankfurt haben wir schlicht zum falschen Zeitpunkt gespielt. Inder Rückrunde ist in Frankfurt wieder etwas mehr drin, aber die waren auf dem Zenit ihrer Formkurve. Gegen Stuttgart haben wir uns schlicht nicht gut angestellt und gegen eine Mannschaft, die gut verteidigt hat, offensiv nichts zu Stande gebracht. Wir sind immer noch kein Topteam in dieser Liga und es kann immer mal wieder vorkommen, dass wir eine Reihe von Spielen verlieren.Ärgerlich, schmerzhaft, zum Kotzen, aber leider in unserer wirtschaftlichen DNA verankert. Wichtig ist doch, wie wir mit dieser Situation umgehen.

In diesem Zusammenhang rate ich gerne jedem Fan, sich selbst die Pressekonferenzen mit Manuel Baum auf Youtube anzuschauen. Er analysiert die Schwächen deutlich, wie z.B. im Defensivverhalten gegen Leverkusen. Er zeigt,dass man genau weiß, wie er die Mannschaft einstellen und eine Woche lang vorbereiten will. Und es gibt keinen Menschen, dem man mehr ansieht, wie sehr in diese Niederlagen ärgern. Seitdem er für uns die Klasse gehalten hat,vertraue ich diesem Coach. Dazu glaube ich, dass es im Fußball eine große Stärke ist, wenn jemand konstant mit einer Mannschaft arbeitet und ich behaupte, dass man das bis vor ein paar Wochen in Augsburg auch noch deutlich gesehen hat.

Und wenn, nun ein Marco Richter auf der Bank sitzt (mir schmerzt es sehr, dass zu schreiben, denn ich bin ein Fanboy geworden, auch wenn ich ihm noch nicht ganz verziehen habe, dass er gegen Steinbach sein Trikot nicht herausrücken wollte), dann wird das mit den Trainingsleistungen zusammen hängen. Es werden andere stärker wirken bzw. besser ins Konzept fürs jeweilige Spiel passen. Für Marco heißt das: Gib Gas, Junge. Noch mehr. Genau wie für alle anderen. Heizt den Stammspielern ein und drängt euch auf. Es muss im Training knallen. Nur so wird die Mannschaft besser. Und Stefan Reuter wird sich genau anschauen, wie Manuel Baum mit der Situation umgeht, wie gearbeitet wird und wie hoch die Intensität auch unter der Woche ist.

Von der Qualität  im Kader sind wir prinzipiell alle überzeugt. Es gibt nur eine Stelle, an der ich mit Manuel Baum nicht ganz übereinstimme. Er spricht regelmäßig davon, dass er versucht der Mannschaft durch die Vorbereitung unter der Woche ein gutes, vorbereitetes Gefühl fürs nächste Wochenende zu geben. Ich habe eine scheiß Wut im Bauch auf Grund der letzten Ergebnisse. Ich warte momentan gerade darauf, dass man diese Wut auch bei der Mannschaft erkennt. Manchmal gewinnt im Fußball schlicht der, der es ein bisschen mehr will. Wo ist der Wille, es allen zu zeigen? Der erste Onlineauftritt hat nach dem Leverkusen-Spiel schon geschrieben, die Mannschaft spielt wie ein Absteiger. Es wird Zeit, gegen Schalke für Ruhe zu sorgen.

Der Wunsch zum Sonntag: Konsequent das Potential abrufen

Viel Zeit ist vergangen seit dem 30.09. als der FC Augsburg gegen den SC Freiburg zu Hause spielte und 4:1 gewann. Danach absolvierte der FCA weitere 7 Partien. Die Mannschaft ließ aber konstant die Konsequenz aus dem Spiel gegen Freiburg vermissen. Vor dem Spiel gegen die Bayern konnte man die Punktverluste auf individuelle Fehler von Fabian Giefer schieben. Seitdem Freiburg Spiel glänzt die gesamte Mannschaft des FCA immer wieder dadurch, dass sie erst ihr großes Potential andeutet und dann doch immer wieder enttäuscht. Die Mannschaft lässt unerklärliche Gegentreffer zu oder nutzt die eigenen Chancen nicht. Wir haben zwar schon 13 Punkte auf dem Konto und stehen (noch) nicht am sportlichen Abgrund. Die letzten Spiele treiben mich als Fan dennoch in den Wahnsinn.

Das große Potential

Zwar konnte die Elf von Manuel Baum im Pokal gegen Mainz nach Verlängerung weiterkommen und auch in Hannover gewinnen. Es hätte in beiden Partien gar nicht erst so spannend werden müssen. Die Mannschaft ist in allen Mannschaftsteilen so stark besetzt, dass ich mich an keinen solch guten FCA Kader erinnern kann. Mit Alfred Finnbogason und Michael Gregoritsch haben wir zwei der besten Abschlussspieler, die je für den FCA gespielt haben. Mit Marco Richter, André Hahn und Caiuby sind die Außenbahnen so gut besetzt, wie seit Tobi Werners Abgang nicht mehr. Daniel Baier zieht im Mittelfeld immer noch die Strippen und neben ihm hat sich Rani Khedira zu einem Leistungsträger entwickelt. Und in der Abwehr spielt mit Philipp Max immer noch der beste deutsche Linksverteidiger. In der Innenverteidigung sollte eigentlich das Duo Martin Hinteregger und Jeffrey Gouweleeuw für absolute Sicherheit sorgen. Sogar Johnny Schmid liefert hinten rechts solide Leistungen und Zaubertore ab.  Und Andreas Luthe ist ein sicherer Rückhalt, der zumindest die großen Fehler bisher vermieden und sogar ein paar Punkte festgehalten hat. Alle sind sicher auf ihren Positionen. Das Gerüst wackelt dennoch und die Ergebnisse blieben zuletzt aus. Ich wiederhole mich, wenn ich erwähne, dass mich das als Fan sehr frustriert.

Niederlage gegen Frankfurt beispielhaft

Und so ist die Partie gegen Eintracht Frankfurt bezeichnend für die Spielverläufe, die man als FCA Fan schon aus den letzten Partien kennt. Zuletzt hatte man die Tore zwar immer erst gegen Ende der Spiele kassiert. Grundsätzlich ist es bezeichnend, dass man sowohl in der ersten als auch zweiten Hälfte schlafmützig aus der Kabine kam und sich übertölpeln hat lassen. Danach war man zumindest in der ersten Hälfte mal wieder die bessere Mannschaft und erspielte sich einige Chancen. Und zumindest in diesem Zusammenhang war die Mannschaft  in letzter Zeit konsequent. Die Chancen wurden nicht genutzt und die Mannschaft kam in der ersten Halbzeit nicht zum Ausgleich. Ich kann der Mannschaft auch nicht vorwerfen, dass sie sich während der Partie irgendwann aufgegeben hätte. Insgesamt verlor der FC Augsburg aber erneut verdient und muss in der Tabelle nach unten schauen.

Die derzeitige Entwicklung steht in starkem Gegensatz zu den selbst geäußerten Ambitionen und Plänen. Man wollte schnellstmöglich den Klassenerhalt sichern und dann nach oben blicken. Ein Punktgewinn gegen die Bayern ist nicht nur in dieser Saison auch nur einen einzigen Punkt wert. Gerade auf den guten Spielen gegen hochklassige Gegner darf sich die Mannschaft nicht ausruhen. Wie ausgeglichen die Liga in diesem Jahr ist, zeigte gestern auch Fortuna Düsseldorf, die den Bayern auch ein Unentschieden abtrotzen konnten. Die attraktiven Spiele haben uns in dieser Saison bisher nicht die gewünschten Ergebnisse eingebracht und werden uns auch nicht die Klasse sichern. Die Leistungen müssen konsequent auch gegen die anderen Teams der Liga ohne große Fehler abgerufen werden. ja, man kann immer mithalten.  Aber wir verlieren halt auch zu oft. Und wenn es so weiter geht, werden wir uns in dieser Saison noch umschauen.

Zeit für die Wende

Und selbst wenn die Zeit für Panik noch lange nicht gekommen ist, so würde ich mich dann doch freuen, wenn die Mannschaft ihren Dornröschenschlaf beenden würde. Dafür ist nun Manuel Baum zuständig. Der darf sein Repertoire an pädagogischen Hilfsmitteln mal wieder voll ausschöpfen. Neben der harten Analyse der Fehler im Kreise der Mannschaft wird es vielleicht auch Zeit den Konkurrenzkampf mal wieder etwas zu erhöhen. Habe ich mir zu Baums Anfangszeit eine Stammelf gewünscht, so behalten die  Spieler anscheinend mittlerweile auch dann ihren Platz, wenn sie (mehrmals) grob patzen. Ich will hier nicht auf einzelne Spieler eingehen. Aber vielleicht ist es notwendig, dass diese Fehler auch Konsequenzen haben und andere Spieler die Möglichkeit bekommen, sich beweisen zu dürfen.

Manuel Baum hat uns zumindest in seinem ersten Jahr durch eine handfeste Krise geführt und mittlerweile mehrmals bewiesen, dass er sich in schwierigen Situationen anpassen kann. Es ist der Moment in dieser Saison gekommen, wo dies erneut notwendig geworden ist. Ansonsten wird diese Saison lang und anstrengend. Der Kampf um den Klassenerhalt würde uns (mal wieder) alle ermüden. Es ist Zeit, dass Augsburg weiter zusammenhält, anstatt auseinander zu brechen und wir gemeinsam die Wende einleiten. Ich erwarte, dass die Mannschaft am nächsten Samstag konsequent auftritt und die nervigen Fehler endlich abstellt. Dieses Team hat das Potential für so viel mehr. Es wird Zeit, dass dieses Potential konsistent auf dem Platz abgerufen wird. Ich wünsche mir, dass es gegen Stuttgart direkt losgeht. Ich werde, da sein, um Zeuge der Wende in dieser Saison zu werden. Wir sehen uns am Samstag in Stuttgart!

Manuel Baum sorgt für Glamour in Augsburg

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Nach sieben Spieltagen findet sich der FC Augsburg im Mittelfeld der Tabelle wieder. 8 Punkte aus sieben Spielen sind eine solide Ausbeute. Vor allem da die Mannschaft von Trainer Manuel Baum schon gegen Bayern München und Borussia Dortmund spielen musste. Die trockenen Ergebnisse und die Tabellenposition führen allerdings nicht dazu, dass man ins Schwärmen gerät. Wer sich daher nur am Rande mit der Bundesliga beschäftigt, wird nicht verstehen, warum in Augsburg gerade viele Menschen von der diesjährigen Mannschaft voller Hochachtung sprechen und die Erwartungshaltung in den letzten Wochen nicht gesunken ist.

Es rappelt beim Gegner in den Maschen

Wenn man denn näher hinschaut, dann finden sich schon auch Rückschlüsse in den nackten Zahlen. Der FCA findet sich in einer statistischen Kategorie auf einem Champions League Platz wieder: bei den geschossenen Toren. Nach 4 Toren gegen Freiburg und 3 Treffern gegen Dortmund sind es mittlerweile insgesamt 14 Buden, die der FCA in dieser Saison erzielen konnte. Schon nach dem Freiburg Spiel waren es noch nie so viele Treffer zu diesem Zeitpunkt der Saison. Diesd ist natürlich nach dem Dortmundspiel immer noch wahr. Das Team ist auf Augsburger Rekordkurs. Klar, Dortmund liegt  auch bei den geschossenen Toren mit weitem Abstand an der Spitze der Bundesliga. Danach kommen dann aber Teams wie Borussia Mönchengladbach und wir. Der FC Augsburg: ein Team, das man mit Budenzauber assoziert. Zwickt mich einer?

Gründe für die offensiven Feuerwerke

Zauberhaft ist dann allerdings, wie es dazu kam. Gerade in der Anfangsphase seines Schaffens konnte Manuel Baum offensiv überraschen. Dieser Effekt verpuffte schnell. Die Klasse hielt der FCA vorletzte Saison dann vor allem durch kämpferische, defensive Leistungen im Schlussspurt gegen Dortmund und Hoffenheim. Auch in der letzten Saison hatte der FCA zwar seine defensive Stabilität wiedergefunden, tat sich aber oft schwer für Torgefahr beim Gegner zu sorgen. Defensiv konnte man oft mithalten, die entscheidenden Treffer blieben aber zu oft aus. Nach oben konnte man so in der Tabelle nicht überraschen. Dies scheint sich nun geändert zu haben.

Neuzugänge, die in dieser Saison zu diesem Umschwung geführt hätten, sind allerdings nicht zu vermelden. André Hahn leistet zwar seinen Beitrag, ist allerdings nur einer von vielen. Er ist im Offensivspiel der Mannschaft nicht hervorzuheben, das sehr facettenreich ist und auf vielen Schultern ruht. Fredrik Jensen und Julian Schieber fehlten bisher verletzt. Insofern sind es vor allem die alten Bekannten, die allesamt zusammen durch besseres Spiel zu diesem Umschwung führten. Michael Gregoritsch rackert und trifft immer noch unermüdlich, Alfred Finnbogason trifft, wenn er fit ist, und Philipp Max verfügt weiterhin über den aufregendsten linken Offensivball der Liga. Dazu kommen mit Caiuby, Marco Richter und Ja-Cheol Koo weitere Spieler, die wichtige Beiträge leisten zum Erfolg des variablen Offensivspiels des FC Augsburg. Und mit Raphael Framberger ist auch der Rechtsverteidiger wieder fit, der offensiv für Unruhe beim Gegner sorgen kann. Alles bekannte Namen in Augsburg, alle bisher nicht mit einer der besten Offensiven der Liga assoziiert. Jetzt schon.

Und die wundersame Entwicklung ist dann wohl der konstanten Arbeit von Manuel Baum zuzuschreiben, der mit dieser Mannschaft nun schon seit fast zwei Jahren intensiv arbeitet. Er will seine Ansicht vom Fußballspiel auf den Platz zu bringen. Analytisch auf den Punkt sorgt er damit bisher bei jedem Gegner für Sorgenfalten.  Taktisch variabel kann seine Mannschaft unterschiedliche Systeme spielen. Im Offensivspiel sind einzelne Spielzüge und eingeübte Kombinationen erkennbar. Es sind diese Momente, in denen ich dankbar bin, dass in Augsburg mit ruhiger Hand gehandelt wird. Welch sein Segen, dass Manuel Baum im Abstiegskampf vorletzte Saison nicht entlassen wurde. Es sind auch diese Momente, in denen auffällt, dass Manuel Baum nun mittlerweile einer der alteingesessenen Trainer der Bundesliga ist. Platz 6 nimmt er mittlerweile ein, wenn man die Trainer der Bundesliga nach der Länge ihrer Amtszeiten sortiert. Die Effekte konstanter Arbeit sind deutlich sichtbar.

Vorfreude auf die kommenden Spiele

Insgesamt sorgt dies dafür, dass ich sportlich das Ende der Länderspielpause herbeisehne. Ich will sehen, was sich Manuel Baum wieder hat einfallen lassen. Ich meine damit nicht seine extravagante Kleidungswahl am Seitenrand (von Columbo-Mantel bis zum übergroßen Sommer-Jacket). Mir geht es um das Ergebnis seiner Arbeit mit der Mannschaft, dass sich deutlich auf dem Feld zeigt. In Augsburg wird Fußball nicht mehr nur gearbeitet (das auch und sehr intensiv), sondern auch gespielt. Welch erfreuliche Entwicklung. Ich hoffe sehr, dass sie anhält und auch zu den verdienten Ergebnissen führt. Wenn der spielerische Glamour nicht verpufft ist für den FCA in dieser Saison noch viel möglich.

Manuel Baums größte Zwickmühle

Der FC Augsburg startete in die Saison mit einem neuen Stammtorhüter, nachdem Marwin Hitz den FCA in der Sommerpause ablösefrei Richtung Borussia Dortmund verlassen hatte. Mit der Entscheidung, wer dieser Stammtorhüter werden sollte, tat sich Manuel Baum bis zum Ende der Vorbereitung sehr schwer. Andreas Luthe, der in den letzten Jahren die Nummer 2 war und Fabian Giefer, der eine Saison für den FCA als Nummer 3 auf der Tribüne saß, lieferten sich ein Duell um die Position. Während Giefer in der Generalprobe gegen Bilbao ran durfte, hatte Luthe die Chance sich im Pokal gegen Steinbach zu beweisen. Auch ich hatte die Situation vor der Saison bewertet und war mir sicher, dass der FCA auf dieser Position an Qualität verloren hatte.

Giefer: die ersten Spiele

Am Ende entschied sich Manuel Baum für Fabian Giefer. Gegen Düsseldorf gab es an dieser Entscheidung noch nichts zu mäkeln. Giefer blieb fehlerfei und der FCA fuhr den ersten Saisonerfolg ein. Im zweiten Saisonspiel gegen Gladbach haben zumindest einige dann schon erkannt, dass wir uns in dieser Saison mit anderen Torwartleistungen anfreunden müssen. Der Ausgleich der Gladbacher war zumindest nicht unhaltbar.

Die Fehler gegen Mainz und Gladbach

Nach der Heimpremiere ging es nach Mainz. Und auch wenn ich es vom Gästeblock erst nicht so recht gesehen habe, lag es am Ende mit am deutlich überforderten Giefer, der durch zwei Fehler aus einem 1:0 für den FCA einen 2:1 Sieg für Mainz 05 fabrizierte.


Und so sah sich Manuel Baum vor dem Spiel gegen Bremen vor einer schweren Entscheidung. Andreas Luthe stand allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht als Alternative zur Verfügung, da er nach Aussage des Vereins verletzt ausfällt. Manuel Baum hatte somit nur die Wahl zwischen Giefer, der in den ersten Partien nicht überzeugt hatte, und Benjamin Leneis, der keinerlei Erfahrung in der ersten Liga hat und der eigenen FCA Jugend entstammt. Der FCA hatte sich nämlich vor der Saison nicht nur entschieden, keine neue Nummer 1 zu holen, sondern auch darauf verzichtet, einen erfahrenen dritten Torhüter an Bord zu holen.

Manuel Baum entschied sich dafür, Giefer eine weitere Chance zu geben. Und fast schien Baums Plan auch aufzugehen. Giefer hielt, was er halten musste – zumindest bis zur 75. Minute. Was dann passierte, wurde auch als Slapstick bezeichnet. Giefer wollte eine Hereingabe aufnehmen, der Ball rutschte ihm durch die Beine und Bremen erzielte den 3:2 Siegtreffer. Als Reaktion kamen sowohl Pfiffe als auch Anfeuerungsrufe für Giefer aus dem Augsburger Publikum. Manuel Baum zeigte sich von den Ereignissen nach dem Spiel sichtlich gezeichnet.

Manuel Baums Misere

Damit steht Manuel Baum nun vielleicht vor der wichtigsten Entscheidung seiner Laufbahn in Augsburg. Am Dienstag geht es direkt weiter und der FCA muss gegen die Bayern in München antreten. Die spannendste Frage in diesem Zusammenhang ist: Wen wird Manuel Baum im Tor aufstellen?  Giefer scheint zu diesem Zeitpunkt dem Druck nicht gewachsen zu sein, der damit einher geht, in der Bundesliga Torwart zu spielen. Was geht in seinem Kopf vor und hat Manuel Baum nicht die Pflicht, Giefer in dieser Situation zu schützen? Benjamin Leneis derweil fehlt jegliche Erstligaerfahrung und das Spiel gegen Bayern in München ist die schwerste Partie des Jahres. Eine deutliche Niederlage könnte Leneis langfristig prägen.

Ohne Giefer näher zu kennen, ist für mich die Situation eindeutig. Wenn Baum auch nur den geringsten Zweifel hat, dass Giefer der Situation gewachsen ist, dann muss er im Tor wechseln. Derweil kommt es gar nicht darauf an, wer als Alternative zur Verfügung steht. In dem Moment als sich der FCA entschieden hatte, mit Leneis als Nummer 3 in die Saison zu gehen, war klar, dass diese Situation kommen könnte. Der FCA hatte Leneis damals als fähig befunden und sollte nun nicht daran zweifeln. Leneis bekäme die Gelegenheit, sich gegen eine der besten Mannschaften Europas zu beweisen. Er hat die Chance auf einen großen Abend, den er so schnell nicht vergessen würde. Derweil sollten wir alle in dieser Situation den Mensch im Spieler sehen. Sowohl gegen Mainz als auch gegen Bremen haben viele andere Spieler Fehler gemacht. Im Zweifel sollten wir alle zusammenstehen und unseren eigenen den Rücken stärken. Es gab in den letzten Jahren schon viele sportlich schwierige Situationen. #Augsburghältzusammen habe ich auf T-Shirts drucken lassen. Das gilt immer noch.

Wer rastet, der rostet? Von Rast kann keine Rede sein!

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

So ruhig war es während einer Sommerpause in Augsburg schon lange nicht mehr. Vor zwei Jahren kam Dirk Schuster nach Augsburg und mit ihm ein negativer Bruch nach der Zeit unter Markus Weinzierl. Diese Episode war schnell wieder beendet. Im letzten Sommer musste man sich fragen, ob Manuel Baum das Zeug zum Bundesligatrainer hat, der eine Mannschaft formen und langfristig in dieser Liga arbeiten kann. Das hat er mittlerweile bewiesen. Daneben wurden einige gestandene Spieler letzten Sommer abgegeben, als u.a. Paul Verhaegh und Raul Bobadilla den Verein verlassen haben. Auch bei Marwin Hitz hatte man letztes Jahr schon andauernd gerätselt, ob er geht oder bleibt. Ruhe in der Sommerpause hatten wir jetzt schon eine Weile nicht mehr. 

In diesem Sommer ist alles anders. Der FCA hat letzte Saison sportlich überraschend gut gespielt und souverän den Klassenerhalt eingefahren. Bei einigen Leistungsträgern hatte zumindest ich gedacht, dass es sehr schwierig werden würde, diese zu halten. Marwin Hitz musste man ablösefrei ziehen lassen, wusste dies aber noch vor Saisonende. Sowohl Philipp Max, Jeffrey Gouweleeuw, Michael Gregoritsch als auch Alfred Finnbogason trainieren immer noch in Augsburg auf die neue Saison hin. Daneben rückt zumindest der Transferschluss in England in immer greifbarere Nähe und Stefan Reuter hat in einem Interview geäußert, dass er sich im Moment nicht mit offenen Anfragen beschäftigen würde. Es kommt das Gefühl auf, dass wir mit diesem Kader (abgesehen von einigen Abgängen von Ergänzungsspielern wie Usami zuletzt) in die neue Saison gehen. Nach einem umtriebigen Start in die Transfeperiode ist danach nicht mehr viel passiert. Es ist sehr ruhig und konzentriert in Augsburg gearbeitet worden. Ich beginne Ruhe und Untätigkeit durcheinander zu bringen. 

Momentan fällt es schwer im Kader eine Weiterentwicklung gegenüber der letzten Saison zu sehen. Einzig bei André Hahn erwarte ich, dass er uns sportlich direkt verbessert. Nach einem verkorksten Jahr in Hamburg muss allerdings auch André Hahn sich wieder beweisen. Julian Schieber, Fredrik Jensen und Felix Götze sehe ich eher als Verstärkungen für die Tiefe des Kaders. Wie groß ihr sportlicher Beitrag sein wird, ist deutlich weniger absehbar. Sie werden ihre Zeit brauchen, um sich an die Liga zu gewöhnen (Götze und Jensen) und müssen fit bleiben (Schieber!). Nach dem Abgang von Marwin Hitz und einer fehlenden Verstärkung auf der Position des Rechtsverteidigers stellt sich mir daher die Frage, ob die Mannschaft, die beim Pokalspiel gegen Steinbach auf dem Platz stehen wird, besser ist, als die Elf, mit der wir in die letzte Saison gestartet sind. Ich zweifle.

Etwas Unruhe erfasst mich auch, wenn ich sehe, wie sich die Konkurrenz teilweise verstärkt hat. Mainz 05 hat sich von Diallo, Serdar und Muto getrennt und im Gegenzug über 20 Mio. EUR für Kunde, Mateta und Niakhaté ausgegeben. Keiner der drei ist älter als 22. Mit Caricol, einem 21jährigen spanischen U21-Nationalspieler, soll für 10 Mio. EUR das nächste Talent nach Mainz gelotst werden. Große Investitionen in die sportliche Zukunft der Mannschaft. Investitionen, die wir in Augsburg bisher in diesem Sommer nicht gesehen haben. Dies liegt auch daran, dass wir keine großen Transfererlöse erzielt haben, die wir reinvestieren könnten. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir keine geeigneten Kandidaten identifiziert haben, von denen die sportliche Führung überzeugt wäre. Wie dem auch sei, einer wie Michael Gregoritsch ist in diesem Jahr bisher nicht verpflichtet worden. Bräuchten wir nicht noch einen rechten Schlegel zum linken Schlegel dazu? 

Naja, der Gregerl ist ja auch immer noch da, genau wie die anderen Granaten. Wahrscheinlich haben wir uns als Fans mittlerweile einfach an eine gewisse Drehgeschwindigkeit des Karussells gewöhnt, so dass wir selbst verwundert sind, wenn sich mal nicht so viel bewegt. Zumindest mir geht es im Moment so. Und wenn ich länger darüber nachdenke, dann freue ich mich. Meine Hoffnung liegt darin begründet, dass Manuel Baum die Spieler stetig weiterentwickelt und auch die Leistungsträger von heute noch einen Sprung machen können in der kommenden Saison. Wenn alle fit sind, dann ist das wohl immer noch mit die beste FCA-Mannschaft, die wir je hatten. Zudem waren wir letzte Saison nur dann schwächer, wenn Leistungsträger ausgefallen sind und nicht adäquat ersetzt werden konnten. Die Investitionen in die Kadertiefe könnten sehr lohnend sein und uns einige zusätzliche Punkte bescheren. Dazu kennt sich dieses Team gut, ist eingespielt und kann von Anfang an in den Wettbewerben durchstarten. Wie viel Energie geht jedes Jahr verloren, bis sich alle kennen, das System erlernt haben und wissen, wie sie in welchen Situationen zu reagieren haben? Diese Eingewöhnung ist bei uns in diesem Jahr nicht nötig. Es ist nie alles perfekt, aber insgesamt sind wir wohl gut vorbereitet auf das, was kommt. Lassen wir uns nicht kirre machen, bis es endlich wieder losgeht. Zeit wird es, dass es endlich wieder losgeht. Es ist ja kaum auszuhalten. 

Hat die Tiefstapelei ein Ende?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Größer hätte der Unterschied zwischen Erwartungen und Realität nicht sein können. Die meisten Experten hatten den FC Augsburg vor der letzten Saison auf Platz 18 der Tabelle getippt. Mit dem Abstiegskampf hatte die Mannschaft in der letzten Saison dann nichts zu tun. Am Ende war Platz 12 das Resultat. Mehr als der Tabellenplatz bleibt mir in Erinnerung, dass es am Ende der Saison um nichts mehr ging. Wir hatten schon festgestellt, dass der FCA mit dieser Saison im Mittelmaß angekommen ist. Zumindest ist das unser Eindruck.

Viel hängt nun allerdings in der Sommerpause davon ab, wie der FC Augsburg auch außerhalb des Clubs wahrgenommen wird. Welche Möglichkeiten hält ein Spieler für realistisch, der sich überlegt zu wechseln? Während vor der letzten Saison auch außerhalb Augsburgs die Zweifel an der sportlichen Leitung in Person von Trainer Manuel Baum noch erheblich waren und selbst in Augsburg das System Reuter auf den Prüfstand gestellt werden sollte, so hat mittlerweile die breite Öffentlichkeit einen deutlich bessere  Meinung über die Beteiligten. Baum ist immer noch der sympathische, bodenständige Typ, der sich auch nicht scheut, über Druck und Belastung zu sprechen. In der letzten Saison hat er vor allem gezeigt, dass er Spieler verbessern und eine Mannschaft optimal auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen kann. Reuter steht über allem und hat in der letzten Sommerpause eine großartige Trefferquote bzgl. seiner Transfers bewiesen. Insgesamt sorgen die Verantwortlichen so dafür, dass aus den bestehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr gemacht wird als bei genügend Konkurrenten.

Und anscheinend sind nicht nur die Verantwortlichen selbst überzeugt, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Stefan Reuter hat mit seiner Arbeit in der Sommerpause gerade erst begonnen und schon weitere wichtige Bausteine für die Mannschaften der nächsten Jahre gesichert und verpflichtet. Ein wichtiges Zeichen waren zuerst der Vertragsabschluss von Simon Asta und die Vertragsverlängerung von Marco Richter. Nachdem Erik Thommy im Winter mitgeteilt hatte, dass er seine Zukunft nicht mehr in Augsburg sieht, konnte der FCA mit Asta und Richter zwei hochveranlagte Talente langfristig binden. Der eigene Nachwuchs ist dann doch meist von seinen Entwicklungschancen überzeugt und erkennt die positiven Entwicklungen.

Daneben konnte Reuter zwei weitere große Namen an den Lech locken. Nachdem sich André Hahn in der letzten Sommerpause noch für den HSV entschieden hatte und damit falsch gelegen war, kommt er nun doch nach Augsburg zurück. Hahn hatte nach seinem Wechsel von Augsburg nach Gladbach immer wieder sein großes Potential aufzeigen können, war aber auch immer wieder von Verletzungen geplagt. Der HSV war nun sportlich für kaum einen Spieler ein erfüllendes sportliches Umfeld in den letzten Jahren. Hahn hat in seinem Begrüßungsvideo angedeutet, dass er zurückkehrt und der Blick nach oben gerichtet ist. Anscheinend hat er den FCA in den letzten Jahren beobachtet und glaubt nun wieder daran, dass er gemeinsam mit dem Verein wieder erfolgreich sein kann.

In diesem Glauben ist er nicht alleine. Denn auch mit Julian Schieber kommt ein Spieler aus Berlin, der schon für deutliche größere Vereine aktiv war. 156 Bundesligaspiele und auch einige Treffer gegen den FCA zeugen von einem erfahrenen Spieler. Nun hatte auch Schieber mit Verletzungen zu kämpfen und wäre sonst wohl für den FCA nicht verfügbar, aber dennoch werte ich es als ein positives Zeichen, wenn sich ein solch ein positiver Typ für uns entscheidet.

Das heißt nun nicht, dass sowohl Hahn als auch Schieber in Augsburg einschlagen werden. Die Verpflichtungen waren allerdings günstig. Hahn ist erst 27 und kostete gerade einmal 3 Millionen EUR Ablöse. Schieber kommt ablösefrei. Beide füllen offensichtliche Lücken im Kader. In der letzten Saison fehlte eine adäquate Alternative hinter Alfred Finnbogason. Rechts vorne konnten weder Jonathan Schmid noch Marcel Heller überzeugen und Marco Richter kann seine Stärken im Zentrum besser ausspielen. Alles in allem hat sich der FCA in dieser Transferperiode bisher ausschließlich verbessert.

Neben dem Zutrauen von außen wird es allerdings in dieser Sommerpause darauf ankommen, wohin der Weg unserer aktuellen Leistungsträger führt. Wenn sich die Gruppe um Alfred Finnbogason, Michael Gregoritsch, Philipp Max und Jeffrey Gouweleeuw mehrheitlich entscheidet, dem FCA die Treue zu halten, dann müssen selbst geborene Tiefstapler eingestehen, dass das Ziel wohl eher erneutes  Mittelmaß statt Abstiegskampf sein wird. Es wäre ein schöner Gedanke. Bis dahin bleibt zumindest der Eindruck, dass uns außerhalb von Augsburg zumindest in der nächsten Saison weniger Konkurrenten unterschätzen werden. Auch wenn einige von Ihren Spieler den Weg bis dahin zu uns finden werden, wird es nicht leichter werden. Aber leicht war es noch nie und auch damit kennen wir uns aus.

Domenico & Niko & Tayfun & Manuel

Nun ist sie also zu Ende gegangen, die Bundesligasaison 2017/18.
Liest man sich die Prognosen vor der Saison nochmals durch, muss man als Anhänger des FC Augsburg resümieren: Alles war besser als gedacht.
Weder die zu vielen Spieler, noch der Abgang wichtiger Säulen und die bescheinigte mangelhafte Qualität der Zukäufe konnten verhindern, dass der FCA im Mittelmaß angekommen ist und auch kommende Spielzeit noch in München, Dortmund und Schalke auflaufen darf.

Sicherlich, und das wurde an dieser Stelle auch schon oft genug bescheinigt, ist die Arbeit von Stefan Reuter und Manuel Baum nicht groß genug einzuordnen. Und auch nahezu alle eingesetzten Spieler haben teils sehr über ihrem erwartbaren Niveau gespielt. Jedoch muss die Frage gestellt werden, ob der FC Augsburg auch in einer Bundesligasaison so gut abgeliefert hätte, in der das generelle Niveau dann doch besser gewesen wäre, als es in dieser der Fall war.

Denn Fakt ist: Der FC Augsburg war an der Vizemeisterschaft genauso nah dran, wie Schalke an der Meisterschaft (je 21 Punkte). Ist man Werbefachmann beim Pay TV, könnte man dies mit griffigen Sprüchen wie “Die spannenste Liga aller Zeiten!” umschreiben. Ganz falsch ist das nicht, denn in der Theorie ist für 17 Mannschaften von Platz 2 bis 18 alles drin. Dennoch muss man konsterniert feststellen, dass das Ergebnis vor allem mit der Art, wie in den vergangenen zehn Monaten in Deutschlands Königsklasse Fussball gespielt wurde, zusammenhängt.

Das Umschaltspiel wurde zum allumfassenden Modus Vivendi erhoben. Ballbesitz, Aufbauspiel – ein No Go.
Hingegen wird darauf gebaut, sich an den Gegner anzupassen, flexibel in der Grundformation zu agieren, um schließlich schnell umzuschalten und zu kontern. Meist über die Flügel, mit einem robusten und zugleich agilen Mittelstürmer. Gepaart mit einer gewissen Hoheit über den Luftraum bei Standardsituationen ergibt sich hieraus das Erfolgsrezept der aktuellen Stunde.
Keine Mannschaft perfektionierte diesen Fussball in der Saison 2017/18 so sehr wie Schalke 04 unter Trainer Domenico Tedesco. Mit der Eintracht aus Frankfurt unter Niko Kovac erreichte ein weiteres Team, das sich dieser Philosophie verschrieben hat, das DFB-Pokalfinale. Und mit Tayfun Korkut erlebte der VfB Stuttgart eine von so gut wie allen Experten in Deutschland nicht für möglich gehaltenen Aufschwung, der sie nun nach Europa führt.

Auch Manuel Baums Spielplan sieht die defensive Stabilität als Maxime des Erfolgs vor. Schnelles Umschalten durch Schlüsselspieler wie Khedira, Baier und Gregoritsch und ein flinker Abschluss durch Finnbogason beflügelten uns diese Saison . Es liegt nichts verwerfliches in dieser Art zu spielen, vor allem nicht wenn man wie Augsburg mit seinen wenigen Mitteln gut haushalten muss und in so gut wie jedem Spiel der Außenseiter ist.

Und wenn kommende Saison dann noch punktuell verbessert wird und die anderen Mannschaften weiter nicht offensiv spielen wollen, dann haben wir gute Chancen, dass es tatsächlich auch für uns noch besser werden kann.

Nächste Saison wird noch besser

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die Saison 2017/18 ist noch nicht zu Ende. Nächstes Wochenende steht am letzten Spieltag das Auswärtsspiel in Freiburg an, bei dem es vor allem für den SC Freiburg noch um den direkten Klassenerhalt geht. Auch wenn das letzte Heimspiel gegen Schalke 04 schon so etwas wie einen vorzeitigen Saisonabschluss darstellte, würde ich doch gerne sehen, dass sich die Mannschaft mit einem Sieg in die Sommerpause verabschiedet. Die Saison war schon jetzt äußerst positiv und dieses Gefühl sollten wir in die nächste Saison übertragen. Denn es gibt einige Gründe, warum es in der nächsten Saison noch besser werden könnte.

Die frühe Planungssicherheit

Im Gegensatz zu den Vereinen, die sich immer noch mit dem Abstieg beschäftigen müssen oder gerade erst den Klassenerhalt geschafft haben, können wir nun schon etwas länger wieder für die erste Liga planen. Der Abgang von Marwin Hitz steht mittlerweile fest und Stefan Reuter wird im Hintergrund schon die ersten Transfers festgezurrt haben, die nach Saisonabschluss nach und nach verkündet werden. Wenn er mit seinen Transfers ein ähnlich gutes Händchen wie in diesem Jahr hat, dann könnte die Mannschaft im nächsten Jahr sportlich noch besser aufgestellt sein.

Das sportliche Führungsteam

Nach dieser Saison steht fest, dass wir eines der besten sportlichen Führungsteams in der Liga haben. Die guten Leistungen der Mannschaft in dieser Saison verbunden mit den Transfers von Michael Gregoritsch, Rani Khedira und Sergio Cordova, sind ein weiteres Kapitel der Ära Stefan Reuter, auf das wir gerne zurückblicken werden. Dazu hat sich Manuel Baum als Bundesligatrainer etabliert. Er hat gezeigt, dass er seine spielerischen Konzepte an die Möglichkeiten seiner Mannschaft und an den Gegner anpassen kann. Dabei will er immer gewinnen. Diese grundsätzliche Risikobereitschaft gepaart mit seinem großen Fachverstand mag ich sehr gerne. Mit diesem Duo mache ich mir keine Sorgen um unsere Zukunft.

Der Kern der Mannschaft

Auch wenn mit Marwin Hitz zumindest ein Leistungsträger den Verein verlassen wird, so wird der sportliche Kern der Mannschaft erhalten bleiben. Ich rechne mit einem Abgang von Philipp Max, der in dieser Saison zu aufregend gespielt hat, um nicht zumindest ein Angebot eines ganz großen Vereins zu erhalten, der bereit ist die Börse zu öffnen und uns mit 25+ Millionen für Max zu entlohnen. Dazu wird es vielleicht die ein oder andere Überraschung geben, wenn es den ein oder anderen Spieler doch wegzieht. Dennoch bleiben mit Gouweleeuw, Hinteregger, Baier, Caiuby, Gregoritsch und Finnbogason absolute Leistungsträger, um die herum wir weiter auf- und ausbauen können.

Die weitere Entwicklung der jungen Wilden

Bei Marco Richter fällt es nicht mehr auf, dass er gerade erst seine ersten Spiele in der Bundesliga macht. Er hat sich perfekt in die Mannschaft eingefügt und verbreitet offensiv sehr viel Gefahr. Sergio Cordova hat bei einigen Gelegenheiten schon gezeigt, dass der Sprung in die Bundesliga für ihn nicht zu groß ist. Dazu hat sich Kevin Danso wieder von seiner Verletzung erholt und konnte gegen Schalke zumindest schon wieder kurz mitwirken. Gerne hätte ich an dieser Stelle Kilian Jakob genannt, der allerdings Zeit brauchen wird, um sich von seiner schweren Verletzung zu erholen. Auch Raphael Framberger muss dauerhaft fit bleiben. Zweifel sind auch bei ihm angebracht. Dennoch werden die anderen Jungen mit einer weiteren Vorbereitung und vermehrten Chancen im nächsten Jahr noch mehr Akzente setzen.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich eigentlich gar keinen Bock auf Sommerpause. Nachdem Philipp Max am Samstag in Freiburg gelb-gesperrt fehlen wird, könnte Simon Asta dort sein Profidebüt feiern. Wieder ein Junger, der bei den Profis durchstarten könnte. Egal, wie das Wetter sein wird, die Sonne scheint im vollen Gästeblock und auch die eingeschränkte Sicht wird mich nicht daran hindern, mich tierisch auf die neue Saison zu freuen. Es ist vielleicht trügerisch, aber die Voraussetzungen waren sportlich selten so gut. Darauf sollten wir nun im Sommer aufbauen, um auch den unbelehrbarsten Platz18-Tippern erneut das Gegenteil zu beweisen.

Blick Richtung 2018/19

26. Spieltag in Hannover. Auswärtssieg. 35 Punkte, Platz 8.  André Breitenreiter hat es auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gesagt: der FC Augsburg ist durch.

Er hat damit Recht. Die letzten Zweifel am Klassenerhalt sollten ausgeräumt sein. Und heute kann ich es auch schreiben: Mich haben die Unkenrufe in der letzten Woche (und auch davor) genervt. Die Saison ist so entspannt, wie schon seit Jahren nicht. Die Mannschaft hat durch die Transfers von Stefan Reuter und die Anleitung von Manuel Baum in dieser Saison einen enormen Schritt nach vorne gemacht.  Es ist schon fast langweilig, denn ich habe Vertrauen in unser operatives Führungspersonal. Sportlich machen wir viel richtig. Vielleicht können wir uns darüber einfach mal ein bisschen mehr freuen, anstatt immer die Angst zu beschwören oder das Haar in der Suppe zu suchen. Die Mannschaft wird auch in den kommenden Wochen konzentriert arbeiten und es werden weitere Punkte folgen. Wohin das am Ende führt, wissen wir nicht genau. Es ist eine tolle Spannung, dass auch nach oben noch etwas möglich ist. Ich kann zu diesem Zeitpunkt feststellen, dass in dieser Saison sportlich nichts mehr passieren wird, was mir diese Saison madig machen könnte. Zeit den Blick nach vorne zu richten.

Dabei sollte nicht das Gefühl aufkommen, dass ich unser Team gerne verlieren sehe. Oh, wie ich mich ärgere, wenn wir verlieren. Allerdings gehört das Verlieren mit dazu. Wenn wir Augsburger in der Bundesliga genau so viel gewinnen wie verlieren, dann läuft es super. Niederlagen müssen wir akzeptieren, daraus lernen und weitermachen. Das machen wir gut. Auch die sportliche Konstanz wird nie komplett vorhanden sein. Zumindest nicht, wenn wir den eingeschlagenen Weg weitergehen und unseren Jugendspielern Chancen geben wollen. Wenn wir sie auf höchstem Niveau ins kalte Wasser werfen und Wettkampfluft schnuppern lassen. Manuel Baum hat richtigerweise festgestellt, dass dann auch mal schlechte Partien dabei sein werden. Da brauchen wir dann aber alle nicht sofort in Panik zu verfallen, denn unser Führungspersonal weiß, was es tut. Auch in schlechteren Phasen können wir mit diesem Personal im Club momentan entspannt nach vorne schauen.

Wohin wird uns der Weg in der Zukunft führen? Es wird ein weiteres Jahr in der Bundesliga geben, soviel scheint sicher zu sein. Wer hätte das vor 9 Jahren gedacht? Mit folgenden Fragen werde ich mich in diesem Zusammenhang in den kommenden Wochen beschäftigen, wenn es die Zeit zulässt:

  • Wie sieht unser Kader aus und auf welchen Positionen müssen wir uns fürs kommende Jahr verstärken?
  • Welche Jugendspieler klopfen oben an und bekommen vielleicht in den letzten Spielen oder in der neuen Saison mehr Einsatzmöglichkeiten?
  • Wie geht es unseren Leihspielern? Wer kommt auf Einsätze und könnte sinnvollerweise bei seiner Rückkehr durchstarten?
  • Was sollte neben dem Platz passieren? Welche Entwicklungen sind mir wichtig und was sollte strukturell passieren?

Dabei vergesse ich keineswegs, dass wir noch 8 Spiele vor uns haben. Fast ein Viertel der Saison ist noch zu spielen. Leistungsträger wie Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason werden fit zurückkehren. Manuel Baum wird sportlich die Mannschaft auch in diesen Spielen weiter verbessern. Wir werden in jedem Spiel um den Sieg kämpfen. Ich freue mich darauf. Ich werde alleine vor dem Fernseher zittern. Ich werde im Stadion mit lieben Menschen anstoßen. In Augsburg, auf dem Lechfeld und hoffentlich auch auswärts. Am liebsten samstags um 15:30 Uhr.  Ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele von uns in diesen 8 Spielen darüber freuen, was wir haben, als Angst davor zu haben, was wir verlieren könnten oder sich darüber zu ärgern, dass es noch weiter nach oben gehen könnte und wir es noch nicht ganz geschafft haben. Lasst uns auf Daniel Baier hören, der auf der Pressekonferenz vor dem Hannover-Spiel erneut betont hatte, dass nach dem 34. Spieltag abgerechnet wird. Vielleicht erwachen wir erneut in Europa. Spielt das eine Rolle? Wir werden in jedem Fall in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen. Es hätte uns wieder kaum jemand zugetraut. So schwer es uns Augsburgern fallen mag: Es ist die Zeit gekommen, selbstbewusst und zufrieden nach vorne zu blicken. Zumindest für 8 Spiele.

 

Der Vergleich zur letzten Saison

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Marwin Hitz sagte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hoffenheim: “Ich hatte in der Vorbereitung bereits ein sehr gutes Gefühl. (…) Das Trainingsniveau war sehr hoch.” Und auch wenn jetzt in der Rückrunde der ein oder andere Hänger zu Tage trat, wie am Samstag gegen Hoffenheim, so ist der Unterschied zur letzten Saison frappierend. Der FCA hat nicht nur deutlich mehr Punkte, sondern auch das Spielniveau ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Nicht zuletzt sah man das deutlich gegen Dortmund, als man gegen eine hochveranlagte Dortmunder Mannschaft kaum Chancen zuließ.  Die Ergebnisse passten zudem zum großen Teil, so dass auch das Punktekonto immer noch einen entspannten Blick auf die Tabelle zulässt.

Was hat dazu geführt, dass der FCA deutlich besser da steht?

Wir haben eine Stammelf

Manuel Baum hat aufgehört, wie wild zu rotieren. Er hat verstanden, dass seine Mannschaft eingespielt sein muss und eine gewisse Routine in den Abläufen braucht, um zu funktionieren. Wechsel nimmt er meist nur bei Sperren oder nach Verletzungen vor. Die Stammspieler haben ihm dies zurück gezahlt, indem sie großartige Leistungen gezeigt haben. Philipp Max, Caiuby und Michael Gregoritsch sind nur einige, die meine Erwartungen in diesem Zusammenhang im Laufe der Saison deutlich übertroffen haben.

Die Moral und Konzentration passt

Wer sich in der letzten Saison an das Heimspiel gegen Ingolstadt erinnert, der wird wissen, was ich damit meine. Die Mannschaft ist auf dem Platz immer präsent und hält über Kampf und Einstellung fast jedes Spiel offen. Selbst an Tagen, wo spielerisch nicht viel zusammen geht, wie zuletzt gegen Stuttgart, erhält sie sich so die Chance über Einzelaktionen doch noch Punkte mitzunehmen. Es freut mich sehr, dass die Mannschaft zumindest in jedem Spiel absolut versucht zu punkten, auch wenn es nicht gut läuft.

Manuel Baum macht Spieler besser

Einerseits könnte man sagen, dass dies eine Grundeigenschaft eines Trainers sein sollte. Andererseits glaube ich, dass viele Trainer die Spieler hintenanstellen, um kurzfristig Ergebnisse einzufahren. Bei Manuel Baum erkennt man auf Grund der Leistungssprünge der Spieler sehr deutlich, dass er diese dazu bringen kann, bessere Leistungen abzurufen als während vorhergegangener Karrierestationen. Caiuby ist im Defensivspiel mittlerweile so stark geworden, dass ich ihm in dieser Form nicht zugetraut hätte. Auch bei anderen Spielern sieht man deutliche Verbesserungen. Als aufstrebender Jugendspieler oder Spieler aus der zweiten Reihe bei einem anderen Verein, würde ich mich bei einem Wechsel für einen Verein mit einem solchen Trainer entscheiden, damit mir der nächste Schritt gelingt.

Wir haben keine Leistungsträger abgegeben 

Das ist vielleicht eine etwas freche Darstellung, denn es haben vor der Saison Dominik Kohr, Raul Bobadilla und Paul Verhaegh den Verein verlassen. Verhaegh hatte allerdings schon in der letzten Saison nicht mehr an seine Topleistungen anknüpfen können und Bobadilla war mehr durch Eskapaden als auf dem Platz aufgefallen. Lediglich Kohr war in der letzten Saison durch seine positive Entwicklung aufgefallen. Die Spielgestaltung liegt in Augsburg allerdings weiterhin in den Händen von Daniel Baier. Kohrs Rolle neben Baier war eher zerstörender Natur, welche nicht allzu schwer neu zu besetzen war. Insgesamt hat die Mannschaft so vor der Saison durch kluge Transfers sogar an sportlichem Potential gewonnen.

Hier liegt auch der Schlüssel für die weitere Entwicklung in der nächsten Saison, nachdem wir hoffentlich in diesem Jahr die Klasse halten werden. Ich glaube, dass die Mannschaft zügig die Kurve bekommt, wenn die verletzten und gesperrten Leistungsträger spätestens nach der Länderspielpause wieder auf den Platz zurückkehren. Auf manchen Positionen bedarf es allerdings in der kommenden Saison weiterer Verstärkung um den nächsten Schritt machen zu können. Nachdem wir hoffentlich frühzeitig in diesem Jahr die Planungen vorantreiben können, hoffe ich, dass Stefan Reuter mit seinem Team schon nach einem Rechtsverteidiger, einem Rechtsaußen, einem zweiten Linksaußen und nach Ersatz für den Sturm Ausschau hält. Den Personen Manuel Baum und Stefan Reuter ist allerdings zuzutrauen, dass sie den erfolgreichen Weg noch etwas mehr Richtung Spitze treiben werden. Ich freue mich schon jetzt darauf.