Kaderanalyse Teil 4: Der Sturm

Wie im Teil zum Mittelfeld angekündigt, beschäftige ich mich in diesem Teil nicht nur mit unserem Mittelstürmer, sondern auch mit der hängenden Spitze, die zentral diesen unterstützt. Zwei Positionen, die uns in der Vergangenheit schon ab und an Kopfzerbrechen bereit haben und zumindest eine davon tut es gerade wieder intensiv. Ob ich mir zu Unrecht Sorgen mache, kann jeder einzelne im Nachgang selbst beurteilen.

Leistung in der letzten Saison

Im letzten Jahr haben wir an dieser Stelle die Chancenverwertung kritisiert, nachdem der FC Augsburg ingesamt nur 35 Tore erzielen konnte. Offensiv war die vorletzte Saison zum Vergessen und Besserung war erhofft. In der letzten Saison waren es 43 Tore und somit zumindest 8 Treffer mehr. Von den internationalen Plätzen ist man in diesem Bereich deutlich entfernt, aber für einen Platz zumindest im unteren Mittelfeld ist die Ausbeute ausreichend.

Derweil ist der Aufschwung weitestgehend mit einem Namen verbunden gewesen: Michael Gregoritsch. Der HSV tat, was er sooft in der Vergangenheit schon für andere Vereine tat und verkaufte uns einen hochveranlagten Spieler, der in Augsburg schnell aufblühte. Gregoritsch erzielte 13 Treffer selbst und war an vielen guten Aktionen offensiv beteiligt. Wenn Alfred Finnbogason fit war, setzte er diesen gekonnt in Szene. Finnbogason konnte selbst 12 Tore erzielen. Man kann klar erkennen, dass der FCA im Zentrum deutlich gefährlicher war als im Vorjahr. Sehr gut war er allerdings nur, wenn Finnbogason fit war und spielen konnte. Wie in der Vorsaison plagten den Isländer auch in der letzten Saison Verletzungsprobleme. Hinter Finnbogason gab es keinen adäquaten Ersatz, der im Sturmzentrum dessen Rolle einnehmen hätte können.  Ansonsten wären die Offensivleistungen in der letzten Saison wahrscheinlich noch beeindruckender ausgefallen. Dennoch war die Entwicklung von der vorletzten auf die letzte Saison beachtlich.

Abgänge

Shawn Parker, der in seiner Zeit beim FC Augsburg nie richtig anzukommen schien, hat den FCA in Richtung SpVgg Greuther Fürth verlassen. Ich würde mich freuen, wenn er dort sein Potential wieder auf dem Platz zeigen würde.

Zugänge

Ein Back-Up für Finnbogason wurde anscheinend auch von Stefan Reuter als notwendig eingeschätzt und Julian Schieber aus Berlin ablösefrei verpflichtet. Mit 29 Jahren eigentlich im besten Fußballeralter plagten Schieber in der Vergangenheit des öfteren schon Verletzungen, die mehr Einsätze für seine Clubs regelmäßig verhinderten. Diese Ähnlichkeit mit Finnbogason war aber wahrscheinlich nicht ausschlaggebend für die Verpflichtung. Schieber hat nach Stationen in Nürnberg, Stuttgart und Dortmund auf jeden Fall viel Bundesligaerfahrung und über 150 Pflichtspiele in der ersten Liga im Gepäck, die er mit nach Augsburg bringt. Dabei hat er auch schon gegen den FCA getroffen und mir zumindest einen Nachmittag ordentlich versaut. Im April 2013 schnürte er für den BVB einen Doppelpack gegen uns und wir verloren 4:2. Doppelpacks für uns wären ab jetzt außerordentlich gerne gesehen.

Prognose für die kommende Saison

Nachdem sich Schieber direkt in der Vorbereitung verletzt hat und Finnbogason nicht fit von der WM zurückgekehrt ist (wie habe ich ihm dennoch die Erfüllung dieses Traums gegönnt), wird zumindest zu Saisonbeginn viel davon abhängen, was aus der zweiten Reihe noch so kommt. Sergio Cordova zeigte zwar gute Ansätze in der letzten Saison, aber er ist noch jung und seine Entwicklung sollte man nicht überstürzen. Sollte er dennoch schon eine wichtigere Rolle in der kommenden Saison spielen können?

Weiterhin ist Dong-Won Ji nach seiner Leihe aus Darmstadt wieder in Augsburg und scheint im Sturmzentrum nun erstmal erste Wahl zu sein. Hat er einen weiteren guten Lauf in sich, wie den, der uns vor einigen Jahren die Klasse sicherte? Ji kann im Torabschluss zwischen Verzückung und vollkommener Verzweiflung die gesamte Bandbreite der Gefühle beim Zuschauer hervorrufen. Mit Selbstvertrauen und Form wäre er weiterhin eine Verstärkung. Anzeichen davon würde ich gerne schnell sehen. Damit der Saisonstart nicht verkommt, sollte das ein oder andere Erfolgserlebnis nicht fehlen. Wenn der Saisonstart auf Grund der Sturmsituation nicht misslingt und Finnbogason als auch Gregoritsch gemeinsam fit bleiben und spielen und zukünftig auch von den offensiven Außen noch besser unterstützt werden, dann könnten wir in der Tabelle etwas nach oben schielen. Ansonsten könnten wir uns schnell wieder im Abstiegskampf wiederfinden.

Am Ende kommt es darauf an, ein Tor mehr als der Gegner zu schießen. In der Vergangenheit waren wir in dieser Hinsicht zu leicht auszurechnen. Wenn von unserem Sturm nicht mehr Gefahr ausgeht als in der Vergangenheit, dann wird das auch so bleiben. Ich habe allerdings Hoffnung, dass Manuel Baum die Mannschaft wieder einen Schritt nach vorne bringt. Zumindest hat er dafür nun mehr Optionen und kann sich Varianten überlegen, die die Gegner verzweifeln lassen. Hoffentlich schon gegen Düsseldorf. Ein bisschen Magie, ähnlich wie beim Popo-Tor von Sascha Mölders, würde ich zum Auftakt nicht ablenken.

Hat die Tiefstapelei ein Ende?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Größer hätte der Unterschied zwischen Erwartungen und Realität nicht sein können. Die meisten Experten hatten den FC Augsburg vor der letzten Saison auf Platz 18 der Tabelle getippt. Mit dem Abstiegskampf hatte die Mannschaft in der letzten Saison dann nichts zu tun. Am Ende war Platz 12 das Resultat. Mehr als der Tabellenplatz bleibt mir in Erinnerung, dass es am Ende der Saison um nichts mehr ging. Wir hatten schon festgestellt, dass der FCA mit dieser Saison im Mittelmaß angekommen ist. Zumindest ist das unser Eindruck.

Viel hängt nun allerdings in der Sommerpause davon ab, wie der FC Augsburg auch außerhalb des Clubs wahrgenommen wird. Welche Möglichkeiten hält ein Spieler für realistisch, der sich überlegt zu wechseln? Während vor der letzten Saison auch außerhalb Augsburgs die Zweifel an der sportlichen Leitung in Person von Trainer Manuel Baum noch erheblich waren und selbst in Augsburg das System Reuter auf den Prüfstand gestellt werden sollte, so hat mittlerweile die breite Öffentlichkeit einen deutlich bessere  Meinung über die Beteiligten. Baum ist immer noch der sympathische, bodenständige Typ, der sich auch nicht scheut, über Druck und Belastung zu sprechen. In der letzten Saison hat er vor allem gezeigt, dass er Spieler verbessern und eine Mannschaft optimal auf unterschiedliche Gegebenheiten einstellen kann. Reuter steht über allem und hat in der letzten Sommerpause eine großartige Trefferquote bzgl. seiner Transfers bewiesen. Insgesamt sorgen die Verantwortlichen so dafür, dass aus den bestehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten mehr gemacht wird als bei genügend Konkurrenten.

Und anscheinend sind nicht nur die Verantwortlichen selbst überzeugt, dass die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Stefan Reuter hat mit seiner Arbeit in der Sommerpause gerade erst begonnen und schon weitere wichtige Bausteine für die Mannschaften der nächsten Jahre gesichert und verpflichtet. Ein wichtiges Zeichen waren zuerst der Vertragsabschluss von Simon Asta und die Vertragsverlängerung von Marco Richter. Nachdem Erik Thommy im Winter mitgeteilt hatte, dass er seine Zukunft nicht mehr in Augsburg sieht, konnte der FCA mit Asta und Richter zwei hochveranlagte Talente langfristig binden. Der eigene Nachwuchs ist dann doch meist von seinen Entwicklungschancen überzeugt und erkennt die positiven Entwicklungen.

Daneben konnte Reuter zwei weitere große Namen an den Lech locken. Nachdem sich André Hahn in der letzten Sommerpause noch für den HSV entschieden hatte und damit falsch gelegen war, kommt er nun doch nach Augsburg zurück. Hahn hatte nach seinem Wechsel von Augsburg nach Gladbach immer wieder sein großes Potential aufzeigen können, war aber auch immer wieder von Verletzungen geplagt. Der HSV war nun sportlich für kaum einen Spieler ein erfüllendes sportliches Umfeld in den letzten Jahren. Hahn hat in seinem Begrüßungsvideo angedeutet, dass er zurückkehrt und der Blick nach oben gerichtet ist. Anscheinend hat er den FCA in den letzten Jahren beobachtet und glaubt nun wieder daran, dass er gemeinsam mit dem Verein wieder erfolgreich sein kann.

In diesem Glauben ist er nicht alleine. Denn auch mit Julian Schieber kommt ein Spieler aus Berlin, der schon für deutliche größere Vereine aktiv war. 156 Bundesligaspiele und auch einige Treffer gegen den FCA zeugen von einem erfahrenen Spieler. Nun hatte auch Schieber mit Verletzungen zu kämpfen und wäre sonst wohl für den FCA nicht verfügbar, aber dennoch werte ich es als ein positives Zeichen, wenn sich ein solch ein positiver Typ für uns entscheidet.

Das heißt nun nicht, dass sowohl Hahn als auch Schieber in Augsburg einschlagen werden. Die Verpflichtungen waren allerdings günstig. Hahn ist erst 27 und kostete gerade einmal 3 Millionen EUR Ablöse. Schieber kommt ablösefrei. Beide füllen offensichtliche Lücken im Kader. In der letzten Saison fehlte eine adäquate Alternative hinter Alfred Finnbogason. Rechts vorne konnten weder Jonathan Schmid noch Marcel Heller überzeugen und Marco Richter kann seine Stärken im Zentrum besser ausspielen. Alles in allem hat sich der FCA in dieser Transferperiode bisher ausschließlich verbessert.

Neben dem Zutrauen von außen wird es allerdings in dieser Sommerpause darauf ankommen, wohin der Weg unserer aktuellen Leistungsträger führt. Wenn sich die Gruppe um Alfred Finnbogason, Michael Gregoritsch, Philipp Max und Jeffrey Gouweleeuw mehrheitlich entscheidet, dem FCA die Treue zu halten, dann müssen selbst geborene Tiefstapler eingestehen, dass das Ziel wohl eher erneutes  Mittelmaß statt Abstiegskampf sein wird. Es wäre ein schöner Gedanke. Bis dahin bleibt zumindest der Eindruck, dass uns außerhalb von Augsburg zumindest in der nächsten Saison weniger Konkurrenten unterschätzen werden. Auch wenn einige von Ihren Spieler den Weg bis dahin zu uns finden werden, wird es nicht leichter werden. Aber leicht war es noch nie und auch damit kennen wir uns aus.