Die Elf des Jahrzehnts – Torhüter

Zehn Jahre Oberhaus voll mit den unterschiedlichsten Erinnerungen liegen hinter uns. Gerade eben haben wir mit der Wahl des Rookies der Saison, den Rückblick auf die zehnte Bundesligasaison des FCA abgeschlossen, und können Robert Gumny zu dieser Ehre gratulieren.

Ab jetzt wollen wir uns in der Sommerpause etwas Zeit nehmen und im Gesamten auf die “Decima”, die ersten zehn zusammenhängenden Jahre in der Bundesliga zurückblicken. Was haben wir mit unseren Jungs gelitten oder uns mit ihnen gefreut, wenn sie uns wieder mal das eine oder andere Erfolgserlebnis geschenkt haben? Wie groß war die Freude, als wir am Ende der Saison 2014/15 den Einzug in die Europa League feiern durften? All diese Emotionen haben wir uns zum Anlass genommen, um zum Jubiläum gemeinsam mit euch die „Elf des Jahrzehnts“ zu wählen. In den kommenden Wochen werden wir euch nach und nach auf jeder Position mehrere Kandidaten vorstellen, die es unserer Meinung nach verdient hätten, in die Top-Elf zu kommen. Als System haben wir hierbei ein 4-2-3-1 gewählt, da dieses bei unserem FC Augsburg am meisten praktiziert wurde. Heute möchten wir euch unsere Auswahl der Top-Torhüter präsentieren.

Simon Jentzsch

Wer kennt ihn nicht, den 1,96 m großen Hühnen, der von 2009 bis 2013 bei uns zwischen den Pfosten stand? Meines Erachtens hat Simon Jentzsch einen maßgeblichen Anteil daran, dass wir in Augsburg das Aufstiegswunder erleben durften, denn seine Leistungen waren durch die Bank weg sehr gut. Er war für das Team immer ein sehr großer Rückhalt und führte die Mannschaft auch als Kapitän auf den Platz.

Der Hüne von Augsburg (Foto: DeFodi via imago)

Insgesamt machte der gebürtige Düsseldorfer für unseren FCA 111 Spiele – 33 davon in der ersten Bundesliga. Gerade in unserer ersten Saison im Oberhaus war Jentzsch als Nummer 1 gesetzt. In 28 Partien bekam er hierbei 41 Gegentore, was einen Schnitt von 1,46 Gegentoren pro Partie ergibt. Das ist im Vergleich zu manch anderen Torhütern ein sehr guter Wert. Sämtliche Leistungen unserer Torhüter haben wir uns in unserer Transferserie ja schon einmal genauer angesehen. 7 Mal hielt Jentzsch seinen Kasten sogar komplett sauber und trug auch damit dazu bei, dass wir am 33. Spieltag der Saison 2011/12 nach einem 0:0 gegen den Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach über den sicheren Klassenerhalt jubeln durften.

In der Saison 2012/13 durfte er nur noch 5 Mal für Rot-Grün-Weiß auflaufen. Dies ist aber auch einer Fingerverletzung geschuldet, die ihn ab September 2012 immer wieder quälte. Das war auch mit ein Grund, warum er seine aktive Karriere nach insgesamt 514 Spielen beendete.

Alexander Manninger

Die Vita des gebürtigen Österreichers ist wirklich beeindruckend. Internationale Topkaräter wie der FC Arsenal, Juventus Turin und der AC Florenz reihen sich dort wie eine Kette aneinander. Und auch für uns war Manninger ein solcher Schatz, als man den damals 35-Jährigen im November 2012 verpflichtete. Die Kritiker schimpften natürlich sofort ob des doch schon fortgeschrittenen Alters, aber Alex belehrte sie alle eines Besseren.

Nicht umsonst wurde Manninger gerne als „The Wall“ bezeichnet. Auch bei uns waren seine Leistungen sehr gut. In insgesamt 38 Partien stand der gebürtige Österreicher bei uns im Tor. Dabei kassierte er 59 Gegentore, was somit einen Durchschnitt von 1,55 Toren pro Spiel bedeutet. Was Alex zu einer FCA-Legende macht, ist sein gehaltener Elfmeter gegen Greuther Fürth im Jahr 2013. Das beflügelte die Mannschaft so sehr, dass wir den Absteiger mit 3:1 besiegten und somit die Klasse zum zweiten Mal in Folge halten konnten.

Manninger – The Wall (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=QNqXWMngbpE)

Mit der Verpflichtung von Marwin Hitz bekam Manninger zwar nur noch wenige Einsatzzeiten, dennoch zeigte er immer Verständnis und vor allem auch Leistung, wenn er dann doch einmal ran musste. Im Juli 2016 lockte ihn jedoch eine neue Herausforderung in Form eines Angebots des FC Liverpool in die Premier League. Doch aufgrund seiner Paraden und Präsenz auf dem Platz wird Alexander Manninger für mich persönlich immer einer der besten Torhüter bleiben, die bei unserem FC Augsburg zwischen den Pfosten standen.

Marwin Hitz

Zu Beginn der Saison 2013/14 konnte Sportdirektor Stefan Reuter Marwin Hitz ablösefrei vom VfL Wolfsburg zu uns nach Augsburg locken. Für die Wölfe durfte er in 5 Jahren Einsatzzeit lediglich 19 Spiele machen.

Bei unserem FCA arbeitete er sich nach und nach zum Stammtorhüter nach oben. Bestritt er in der Saison 2013/14 noch 19 Liga- und eine Pokalpartie, war er in den Spielzeiten 15/16, 16/17 und 17/18 gar nicht mehr aus unserem Tor wegzudenken. Insgesamt stand Marwin Hitz 157 Mal für die Fuggerstädter im Kasten: 141 Mal in der Bundesliga, 8 Mal im DFB-Pokal und 8 Mal in der Europa League.

Wenn ich an Marwin Hitz denke, dann kommt mir sofort in den Sinn, was für ein unglaublicher Teamplayer er war und wie gut er mit seiner Hintermannschaft zusammenarbeitete. Gefühlt gab es da niemals großartige Unsicherheiten, was auch die Anzahl der Gegentore zeigt. In allen Begegnungen kommt der gebürtige Schweizer auf 212 Gegentore, was einen Schnitt von 1,35 Toren pro Spiel bedeutet. Ganze 47 Mal blieb sein Kasten dabei sogar komplett sauber. Auf 4 Jahre gerechnet, heißt das, dass er in durchschnittlich 11,75 Spielen pro Saison kein Tor kassierte. Das sind 34,6 Prozent einer Bundesligasaison.

Was uns Augsburgern wohl immer in Erinnerung bleiben wird, ist nicht nur der geschundene Elfmeterpunkt des 1. FC Köln sondern auch Marwins legendäres Tor gegen Bayer Leverkusen im Februar 2015. Sein Ausgleichstreffer zum 2:2 wurde damals im Übrigen auch zum Tor des Monats gewählt.

Auch ein Torhüter kann treffen (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=XUPPy1ZGuzA)

Nach 4 Jahren hieß es allerdings leider „Adieu Marwin“, denn Hitz verlängerte seinen auslaufenden Vertrag nicht und ging stattdessen zu Ligakonkurrent Borussia Dortmund.

Andreas Luthe

Der nächste Kandidat, den das Team der RoGaz ausgewählt hat, ist Andreas Luthe. Ich kann nur für mich selbst sprechen, doch ich persönlich mochte ihn immer sehr gerne und hätte mir für ihn gewünscht, dass er sich bei uns zu Hitz’ Nachfolger mausern kann. Doch es sollte leider nicht sein und das, obwohl Luthe mit seiner fast schon ruhigen Art im Tor immer sehr sicher und souverän wirkte.

Am 01.07.2016 kam der in Velbert geborene Luthe vom VfL Bochum in unser schönes Schwabenländle, wo er erst mal nur als Nummer 2 hinter Stammtorhüter Markwin Hitz fungierte. Mit dessen Abgang dachten eigentlich viele, dass nun Luthes Zeit bei uns gekommen sei, der vorher in 4 Bundesligapartien bereits sein Können unter Beweis stellte.

Leider begann dann bei unserem FC Augsburg das „Torhüterkarusell“. Immer schien Andi derjenige zu sein, der das Nachsehen hatte. Erst setzte man ihm in der Saison 2018/19 Fabian Giefer vor die Nase, den man aber nach nur 4 Spielen aussortierte. Luthe spielte die Vorrunde ordentlich zu Ende, doch dann lieh man Gregor Kobel von der TSG Hoffenheim aus. Und wieder musste der Westfale zurück auf die Bank. Im Sommer kam mit Tomasz Koubek ein weiterer Torhüter zu unserem FCA. Andreas Luthe war wieder mal nur der Ersatzmann, der aber nach dem 25. Spieltag übernahm und uns somit zum Klassenerhalt 2019/20 verhalf.

Auch von uns gibt’s ein “Daumen hoch” für Andi (Foto: Bernd Feil via imago)

Dabei sehen Luthes Werte wirklich sehr ordentlich aus. In 31 Partien, in denen er zwischen den Pfosten stand, kassierte er 42 Gegentore. Mit einem Durchschnitt von 1,36 Gegentoren pro Spiel liegt er somit nur ganz knapp hinter Marwin Hitz. In 7 Spielen bekam er sogar gar keinen Gegentreffer. Vergleicht man das beispielsweise mal mit den Werten von Koubek (2,12) oder Kobel (2,44) dann kann man sich schon fragen, warum Andreas Luthe nicht mehr Vertrauen der Verantwortlichen bekam.

Am 03.08.2020 wurde am Ende bekannt, dass Andreas Luthe um die Auflösung seines bis 2022 datierten Vertrags gebeten habe, nachdem man erneut nicht auf ihn setzte. Der FCA gewährte ihm diese Bitte und ließ ihn somit ablösefrei zu Union Berlin ziehen, wo er nun endlich Stammtorhüter sein darf.

Rafal Gikiewicz

Die Stimmen in den sozialen Netzwerken waren teilweise ganz schön kritisch, als man am 29.06.2020 bekannt gab, dass man mit Rafal Gikiewicz von Union Berlin nun schon die zweite Saison in Folge einen neuen Torhüter verpflichtete. Viele Fans hätten gerne Andreas Luthe bei uns im Tor gesehen und das, obwohl Gikiewicz bei den Eisernen zwei tolle Spielzeiten hingelegt hatte. Ihm hatten es der Club aus der Hauptstadt nämlich auch zu verdanken, dass sie das erste Mal in der Vereinsgeschichte ins Oberhaus einziehen durften.

Recht schnell jedoch strafte der gebürtige Pole all seine Kritiker Lügen, denn bei uns mutierte Gikie von Beginn an zum wichtigsten Spieler. In jeder einzelnen Partie zeigte unser „Beton“ volle Leistung und Einsatzkraft. Ich bin eindeutig davon überzeugt, dass es ohne Rafal noch viel knapper geworden wäre, als es am Ende ohnehin wurde. Nicht umsonst habt ihr ihn zu unserem „wichtigsten Spieler der Saison 2020/21“ gewählt.

Was ich an unserer Nummer eins sehr schätze, sind seine Emotionen und seine Ehrlichkeit. Er sagt, wenn ihm etwas nicht passt, führt seine Hintermannschaft aus vollem Halse und gibt auch mal sehr denkwürdige Interviews.

In allen Partien dieser Saison, fehlte unsere Mauer nicht eine einzige Minute. Er bestritt alle 34 Ligaspiele und beide Pokalpartien über die vollen 90 Minuten. Hierbei spielte Gikie 8 Mal zu Null und bekam alles in allem 57 Gegentore. Doch ohne seine Präsenz und seine motivierenden Art hätte es bestimmt schlechter für uns ausgesehen. Laut bundesliga.de ist unser Torhüter außerdem erneut auf Platz 2 von allen betrachteten Keepern in dieser Spielzeit. Insgesamt 132 Torschüsse konnte der Pole halten. Und auch beim Kicker bekommt er nach Manuel Neuer und Stefan Ortega die drittbeste Durchschnittsnote (2,85).

“An mir kommst du nicht vorbei” – Gikie, der Beton (Foto: Martin Hangen via imago)

Wir von der Rosenau Gazette sind uns daher einig, dass die Verantwortlichen alles dafür tun sollten, um den 2022 auslaufenden Vertrag mit unserem Torhüter schon in diesem Jahr vorab zu verlängern. Ich denke, ich spreche für viele, wenn ich sage, dass man Gikie unbedingt noch über mehrere Jahre bei uns im schönen Augsburg zwischen den Pfosten sehen möchte.

Abstimmung

Und nun seid ihr gefragt. Welcher der oben genannten Torhüter war für euch der Beste und hat daher einen Platz in unserer „Elf des Jahrzehnts“ verdient? Ich persönlich könnte mich nicht so leicht entscheiden, daher sind wir schon sehr gespannt auf das Ergebnis.

Wer war der Torhüter des Jahrzehnts

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Welcher Spieler hat sich 2020/21 am meisten weiterentwickelt?

Auch in diesem Jahr kürt das Team der Rosenau Gazette die Spieler der Saison. Ihr dürft dabei wählen, welcher Spieler euch dabei am meisten überzeugt hat. In der nächste Woche steht die Wahl des Newcomers des Jahres an. Doch heute geht es um die Wahl der Spieler, die sich eurer Meinung nach im Vergleich zur Vorsaison am meisten verbessert haben. Die Auswahl jener Spieler ist uns auch in diesem Jahr nicht leicht gefallen, denn gefühlt hat das ganze Team abgebaut. Dennoch haben sich einige Jungs tatsächlich gemacht und fünf von ihnen möchten wir euch heute vorstellen. Hier sind die Spieler, die sich in unseren Augen am meisten weiterentwickelt haben.

Reece Oxford

Der junge Engländer, der in der Saison 2018/19 zuerst per Leihe und 2019/20 schließlich ganz zu uns wechselte, hatte keinen leichten Start bei unserem FCA. Gerne wird er in den sozialen Netzwerken zum “Opfer” gemacht und angefeindet, wenn er einen Fehler gemacht hat. Dabei vergessen viele seiner Kritiker gerne, dass Oxford noch recht jung ist und noch mitten in seiner Entwicklungsphase steckt.

Und genau in dieser hat er in der kürzlich abgelaufenen Spielzeit einen gewaltigen Sprung gemacht. Stand Reece in der Saison 2019/20 nur zwei Mal in der Startelf, schaffte er es in diesem Jahr ganze 14 Mal. Zudem durfte er während der Sperr- bzw. Verletzungsunterbrechungen die beiden Stammkräfte Felix Uduokhai und Jeffrey Gouweleeuw vertreten und machte dieses mehr als nur ordentlich. Natürlich hat er sich auch den einen oder anderen Patzer geleistet. Doch seien wir mal ehrlich: Fehler sind menschlich und gehören zum Leben dazu. Sie sorgen dafür, dass ein Spieler daraus lernt und bringen ihn in seiner Entwicklung weiter.

Da läuft der glatt mal dem Alaba den Ball ab… (Foto: Martin Hangen via Imago)

Auch Oxfords Werte und Quoten haben sich allesamt verbessert. Seine Passquote beispielsweise ist von 65,6 Prozent auf 82,1 Prozent gestiegen. Ganze 5,41 Bälle konnte er während einer Partie durchschnittlich klären, was eine Steigerung von über 3 Bällen pro Spiel ausmacht. Das klingt jetzt nicht nach viel, doch Oxford liegt hierbei auf Rang 3 von allen betrachteten Spielern laut Ligainsider. Doch das kann er noch besser. Im Blocken macht ihm nämlich kein einziger Gegner etwas vor. Hier liegt Reece nämlich auf Platz 1 mit im Durchschnitt 1,57 geblockten Bällen pro Spiel. Im Vorjahr holte übrigens auch ein Augsburger diese Art der Krone und diesen sehen wir uns jetzt genauer an, denn auch er hat es in unsere Auswahl geschafft.

Felix Uduokhai

In der letzten Saison war Felix vom VfL Wolfsburg an uns ausgeliehen, doch schnell war den Verantwortlichen klar, dass man den Innenverteidiger unbedingt halten müsse. Gesagt – getan. Stolze 7 Millionen Euro Ablösesumme zahlte der FCA für Udo und dieser ließ uns nicht eine Sekunde lang an ihm zweifeln.

Auch in dieser Spielperiode legte Felix noch einmal ordentlich zu. In sämtlichen Partien, die er in dieser Saison für uns bestritt – 31 an der Zahl – stand der gebürtige Annaberg-Buchholzer in der Startelf. Das sind ganze zehn Mal mehr als noch letztes Jahr. Dass Felix in der Abwehr eine absolute Bank ist, darüber lässt sich wohl kaum streiten. Nicht nur, dass er hervorragend im Zweikampf ist (Rang 11 laut Ligainsider), sondern auch im Bereich Tackling und Ballklärungen liegt er in den Top 10 (jeweils Platz 6). Außerdem ist Udo sehr kopfballstark, wie das wichtige Tor gegen Borussia Dortmund am 2. Spieltag beweist, denn damit leitete er unseren Heimsieg gegen die Schwarz-Gelben ein.

Sein – und unser – Highlight dürfte aber die Berufung in die Nationalmannschaft gewesen sein. Er durfte zwar sein Debüt im A-Team leider noch nicht feiern, doch wir sind uns sicher, dass das früher oder später kommen wird. Wir alle können nur hoffen, dass er uns auch in der nächsten Spielzeit noch erhalten bleibt, denn Felix gehört definitiv zu unseren wichtigsten Spielern.

Bärenstarke Leistung über die ganze Saison hinweg (Foto via Imago)

André Hahn

Zu diesen zählt aber auch unser Topscorer André Hahn. Wohl kaum einer hätte damit gerechnet, dass er nach der doch recht schwachen Saison 2019/20 derart einschlagen und an seine erste Verpflichtungszeit bei uns anknüpfen würde. Gerade einmal sechszehn Einsätze hatte er in der Vorsaison zu verbuchen – neun davon von Beginn an. Das war aber auch einer Sehnenreizung geschuldet, die ihn von Mai bis Juni außer Gefecht setzte und aufgrund derer er fünf Spiele verpasste.

Trotzdem sah das in dieser Saison ganz anders aus. Trotz Coronavirusinfektion stand Hahn in 30 Partien über 2.090 Minuten auf dem Platz. Insgesamt sammelte er 17 Scorerpunkte, indem er 9 Tore schoss und 8 auflegte. Auch bei den Schüssen aufs Tor konnte André seinen Wert in etwa verdoppeln. Schoss er in der letzten Spielzeit noch durchschnittlich 0,59 Mal aufs Tor, so lag er in dieser Saison bei 1,22 Schüssen pro Partie.

Doppelt hält besser – Wir geben das Herz gerne zurück! (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Mit 1.859 intensiven Läufen liegt Hahn vereinsintern auf Rang 2 hinter Daniel Caligiuri. “Der Hahn muss laufen” ist daher nicht nur so ein Spruch, sondern er tut es tatsächlich. Insgesamt waren es nämlich 279,2 km in dieser Saison. Mehr liefen bei uns nur Daniel Caligiuri, Jeffrey Gouweleeuw und Felix Uduokhai, die aber mehr Spiele als Hahn bestritten haben. Auch bei den Sprints (671) liegt André auf Platz 2.

Für uns war der gebürtige Otterndorfer einer der wichtigsten Spieler in der Augsburger Mannschaft und wie man sehen konnte, hat er sich im Vergleich zur Vorsaison prächtig entwickeln können. Das darf er gerne nächstes Jahr noch einmal machen.

Mads Pedersen

Diese Wahl mag einige unserer Leser vielleicht überraschen, doch wenn man die abgelaufene Saison mit der Spielzeit 2019/20 vergleicht, dann taucht der gebürtige Däne hier absolut zurecht auf.

Für unseren FCA stand der 24-Jährige in dieser Saison 15 Mal auf dem Platz. Ganze 9 Mal reichte es sogar für die Startelf, als er Iago in dessen Verletzungspause vertreten durfte. Das sind insgesamt ganze 12 Einsätze mehr als 2019/20. Dort durfte er gerade einmal 162 Spielminuten in drei Partien für Rot-Grün-Weiß auflaufen. Als man ihn am 30.01.2020 nach Zürich verlieh, hatte man große Hoffnung, dass er dort Praxis sammeln dürfte. Leider entpuppte sich das als absolute Fehlanzeige, denn Pedersen durfte nur zweimal für den FC Zürich ran.

Hätte man ihn geblitzt, wäre der Schein wohl weg gewesen! (Foto: Markus Fischer via Imago)

Wirft man einen Blick auf die Werte und Quoten, dann könnten diese im Vergleich zu einem Uduokhai zwar besser sein, aber verglichen mit der Vorsaison hat Mads eine starke Steigerung hingelegt. So konnte er im Bereich Zweikampf seine Quote von 30,8 auf 49,2 Prozent steigern. Und auch beim Tackling legte er von 25,0 Prozent auf 45,9 Prozent ordentlich zu.

Zudem ist Mads Pedersen mit Abstand unser schnellster Spieler. Beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Frankfurt wurde er mit 34,63 km/h nicht nur der schnellste Läufer der Partie, sondern knackte damit auch die vereinsinterne Bestmarke der Saison.

Carlos Gruezo

Auch bei dem gebürtigen Ecuadorianer werden sich manche Leute fragen, wie wir gerade auf ihn kommen, denn wie auch schon Reece Oxford steht auch Gruezo gerne mal im Zentrum der Diskussionen. Doch alleine wenn man sich die Zahl seiner Einsätze anschaut, ist ein Auftauchen bei den am meisten weiterentwickelten Spielern durchaus gegeben.

Noch in der Vorsaison kam Carlos gerade einmal zu 12 Einsätzen. Die Konkurrenz um Rani Khedira und Kapitän Daniel Baier war einfach zu groß. Hinzu kam, dass der heute 26-Jährige aufgrund einer Sprunggelenksverletzung und dadurch entstandenem Trainingsrückstand ganze 138 Tage ausfiel und 15 Spiele verpasste. Doch in der gerade abgelaufenen Saison 2020/21 konnte er sich endlich durchbeißen. Von 36 möglichen Spielen bestritt er 30 über 2.161 Einsatzminuten. 24 Mal lief er sogar von Beginn an auf. Auch bei seiner Nationalmannschaft stand er 3 Mal auf dem Platz.

Nach schwerer Verletzung wieder ran gekämpft (Foto: Peter Schatz via Imago)

Auch seine Werte sind voll und ganz im Soll. Seine Passquote liegt durchschnittlich bei 79,5 Prozent und ist damit um 8,5 Prozent besser als die von Positionskonkurrent Rani Khedira. Mit 1,27 Balleroberungen pro Partie liegt er auf Rang 42 von 247 betrachteten Spielern. Auffallend ist auch, dass Carlos Gruezo mit 0,45 Ballverlusten pro Spiel doch einen sehr guten Wert aufweist. Hier teilt er sich vereinsintern Platz 2 mit Felix Uduokhai. Besser als die beiden ist nur unser Abwehr-Jeff mit einem Wert von 0,33.

Abstimmung

So, nun ist es an euch… Innerhalb der nächsten Woche könnt ihr darüber abstimmen, welcher der oben genannten Spieler in der gerade abgelaufenen Saison die größte Entwicklung an den Tag gelegt hat. Wir sind schon ganz gespannt auf das Ergebnis.

Welcher Spieler hat sich 2020/21 am meisten weiterentwickelt?

  • Reece Oxford (37%, 25 Votes)
  • Felix Uduokhai (36%, 24 Votes)
  • André Hahn (21%, 14 Votes)
  • Mads Pedersen (4%, 3 Votes)
  • Carlos Gruezo (1%, 1 Votes)

Total Voters: 67

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Spieler-Transfers- die Zweite

Das Sommertransferfenster steht vor der Tür und wie unser Sportgeschäftsführer Stefan Reuter bereits angedeutet hat, dürfte diese für uns FCA-Fans richtig spannend werden. Bei einigen Spieler wie Rani Khedira, Marek Suchý und László Bénes ist bereits sicher, dass sie den Verein leider verlassen werden. Mit anderen würde man gerne vorab verlängern. Doch noch ist völlig unklar, wie die Kaderplanung unseres FC Augsburg derzeit aussieht, denn diese hat gerade eben erst vereinsintern begonnen. Wir von der RoGaz haben uns daher die Wartezeit ein wenig versüßt und einen Blick auf die vergangenen Spielzeiten geworfen. Im ersten Teil unserer kleinen Serie konntet ihr bereits sehen, welche Spieler die teuersten Zu- und Abgänge waren, wer ablösefrei kam oder wie viele Transfers überhaupt unter Stefan Reuters Hand getätigt wurden. Wie versprochen ist hier nun der zweite Teil unserer Transferreihe.

Die Topscorer

Insgesamt schossen die Spieler des FC Augsburg seit Stefan Reuters Amtsantritt 365 Tore. Einstecken musste man dagegen 449. Das macht in ca. 9 Jahren ein durchschnittliches Torverhältnis von 41:50. Vergleicht man das mit dem aktuellen Torverhältnis von dieser Saison (36:54), dann sieht man deutlich, dass sich unsere Offensive um ganze 5 Tore unterhalb des Durchschnittes bewegt hat. Das geht natürlich besser und wir Fans wissen ja, dass die Mannschaft es drauf hat, aber am Ende war es ohnehin ein sehr schwieriges Jahr für alle Beteiligten.

Doch ich möchte hier nicht jammern, sondern euch stattdessen unsere Toptorjäger und Topvorbereiter vorstellen, die von Stefan Reuter zu unserem FCA transferiert wurden. Ihr bekommt hier drei Rankings präsentiert – sortiert nach den meisten erzielten Toren, den meisten Vorlagen und den höchsten Scorerpunkten insgesamt.

Die meisten Tore:

RangNamePositionErzielte Tore
1Alfred FinnbogasonMittelstürmer37
2Raúl BobadillaMittelstürmer29
3André HahnRechtsaußen28
4Halil AltintopOffensives Mittelfeld22
4Michael GregoritschHängende Spitze22
Top 5 nach erzielten Toren
Bitte lass es nächste Saison besser laufen – Toptorschütze Alfred Finnbogason (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Die besten Torvorbereiter:

RangNamePositionTore vorbereitet
1Philipp MaxLinker Verteidiger29
2André HahnRechtsaußen27
3CaiubyHängende Spitze17
4Halil AltintopOffensives Mittelfeld14
5Florian NiederlechnerMittelstürmer13
Top 5 nach Torvorbereitung
Seine Flanken und präzisen Pässe waren göttlich (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Topscorer:

RangNamePositionScorerpunkte
1André HahnRechtsaußen55
2Alfred FinnbogasonMittelstürmer50
3Philipp MaxLinker Verteidiger44
4Raúl BobadillaMittelstürmer39
5Halil AltintopOffensives Mittelfeld36
Top 5 nach Scorerpunkten gesamt
Die Trophäe geht hochverdient an André Hahn (Foto via Imago)

Bei all diesen Spielern hatte Stefan Reuter wahrlich ein goldenes Händchen. Gerade bei André Hahn, der am 18.01.2013 – also kurz nachdem unser sportlicher Geschäftsführer beim FCA anheuerte – für eine Ablösesumme von gerade einmal 250.000,00 € zu uns an den Lech wechselte. Nahezu die Hälfte seiner Scorerpunkte (26) sammelte er nämlich in seinen ersten eineinhalb Spielzeiten bei uns, bevor er schließlich für 2,25 Mio. € zu Borussia Mönchengladbach ging.

Auch Alfred Finnbogason, Philipp Max und Raúl Bobadilla kosteten mit 4.000.000,00 €, 3.800.000,00 € und 1.500.000,00 € im Vergleich zu anderen Topstürmern nicht unbedingt ein Vermögen. Halil Altintop kam sogar ablösefrei.

Die Torhüter im direkten Vergleich

Mit Alexander Manninger, Fabian Giefer, Andreas Luthe, Gregor Kobel, Marwin Hitz, Tomáš Koubek und Rafał Gikiewicz standen gleich sieben Torhüter in etwa 9 Jahren bei uns zwischen den Pfosten. Auch Benjamin Leneis lotste Stefan Reuter im Jahr 2015 von Nürnberg zu uns nach Augsburg. Neben der U17, der U19 und unserer Zweitvertretung steht er seit 2018 regelmäßig als 3. Mann in unserem Profikader. Da es für einen Einsatz in der Bundesliga bisher leider noch nicht gereicht hat, haben wir ihn aus unserer Bewertung vorerst außen vor gelassen. Genauso wie Simon Jentzsch, der nach der Verpflichtung von Alexander Manninger nicht mehr allzu viele Spiele für unseren Verein machen durfte. Auf ihn gehe ich aber später noch etwas genauer ein.

Nun kann man natürlich auch bei den Torhütern die Daten auf verschiedene Weise betrachten, doch auch hier ist das gar nicht so einfach. Ein Marwin Hitz hat beispielsweise sehr viele Spiele mehr gemacht als ein Fabian Giefer, weswegen es natürlich klar ist, dass er mehr Gegentore bekommen hat. Um daher fair zu bleiben, habe ich mich für die durchschnittlich kassierten Tore pro Partie entschieden. Schauen wir uns einmal an, welcher Torhüter bei uns die beste Leistung erbracht hat. Die Antwort dürfte nicht viele überraschen, wobei der Vorsprung wahrlich hauchdünn ist.

RangNameSpiele / EinsatzminutenGegentorePartien zu NullTore pro Partie
1Marwin Hitz157 / 14.157212471,35
2Andreas Luthe31 / 2.7804271,36
3Alexander Manninger38 / 3.3335961,55
4Rafał Gikiewicz36 / 3.2405781,58
5Fabian Giefer4 (360)701,75
6Tomáš Koubek25 / 2.2505342,12
7Gregor Kobel18 / 1.6004442,44
Torhüter im Vergleich

Hierzu möchte ich aber eines anmerken: In meinem Ranking halte ich mich lediglich an die Daten. Persönlich bin ich der Meinung, dass es bei den Torhütern auf wesentlich mehr ankommt, als strikt auf die Gegentore. Auch die Kommunikation mit der Hintermannschaft, die Ausstrahlung auf dem Platz und das Spiel gegen den gegnerischen Angreifer spielen ebenfalls eine große Rolle.

Da hat er allen Grund zu jubeln: Reuters erfolgreichster Torwarttransfer Marwin Hitz (Foto: Christian Kolbert via Imago)

Deswegen halte ich Rafał Gikiewicz für den besten Torwart, den wir mit Marwin Hitz hatten. Er ist nicht nur ein absoluter Teamplayer sondern auch ein toller Motivator. Lange hat er sich auf Platz 3 gehalten, doch das Spiel gegen Bayern am letzten Spieltag der Saison hat seine Quote leider kaputt gemacht. Ich hoffe daher sehr, dass unser Geschäftsführer Sport sieht, was wir an ihm haben, und dass man im Sommer gleich mit ihm verlängert, wenn Gikie das denn möchte.

Das Spiel mit den Leihen

Leihen sind im Fußballgeschäft mittlerweile Gang und Gebe. Alle Vereine praktizieren das sehr gerne, um beispielsweise jungen Spielern Spielpraxis zu ermöglichen, die sie beim eigenen Club nicht so einfach bekommen würden. Zum Beispiel, weil man auf dieser Position recht gut besetzt ist. Doch nicht nur junge Leute werden verliehen sondern auch erfahrene Spieler.

Auf Platz 1 der am meisten verliehenen Spieler steht im Übrigen Atalanta Bergamo mit derzeit 49 verliehenen Spielern. Da das Leihgeschäft im europäischen Fußball schier verrückte Ausmaße angenommen hat, hat die FIFA dem ganzen einen Riegel vorgeschoben. Ab der Saison 2020/21 war es den Clubs nämlich nur noch erlaubt, acht Spieler zu verleihen bzw. auszuleihen. Ausgenommen von dieser Regel sind Nachwuchsspieler unter 22 Jahren, denn aufstrebenden Talenten, die zu wenig Praxis bekommen, soll somit weiterhin die Möglichkeit geboten werden, sich weiter entwickeln zu können.

Auch der FC Augsburg setzt gerne auf dieses Prinzip, wobei doch sehr auffällig ist, dass wir eher verleihen als ausleihen. Insgesamt schloss man 13 Leihverträge ab, in denen sich Spieler dem FC Augsburg auf Leihbasis anschlossen. Diese waren:

  • Dong-Won Ji
  • Raphael Holzhauser
  • Arkadiusz Milik
  • Dominik Kohr
  • Panagiotis Vlachodimos
  • Pierre-Emilie Höjbjerg
  • Alfred Finnbogason
  • Reece Oxford
  • Gregor Kobel
  • Felix Uduokhai
  • Tin Jedvaj
  • Eduard Löwen
  • László Bénes

Von diesen Spielern konnten wir im Nachhinein mit Dong-Won Ji, Dominik Kohr, Alfred Finnbogason, Reece Oxford und Felix Uduokhai fest verpflichten, die sich bei uns auch sehr gut integrierten und teilweise auch zu Leistungsträgern avancierten.

Verliehen hat man während Stefan Reuters Amtszeit insgesamt 27 Spieler – teilweise sogar mehrfach. Spitzenreiter hierbei ist Tim Rieder, der bereits für die U19 und die U23 gespielt hat. Gleich drei Mal hat man ihn verliehen – zu Slask Wroclaw, nach Darmstadt und zum TSV 1860 München – bevor er schließlich letzten Sommer an Kaiserslautern verkauft wurde. Erik Thommy, Tim Matavz, Nikola Djurdic und Takashi Usami wurden je zwei Mal verliehen, bevor man sie schließlich ziehen ließ, da sie sich bei uns leider nicht durchsetzen konnten. Insgesamt kommt man auf genau 33 Leihverträge, die mit anderen Clubs abgeschlossen wurden. Wer derzeit verliehen ist und im Sommer zurückerwartet wird, hat sich RoGaz-Autorin Irina schon einmal genauer angesehen.

Karriereende in Augsburg

Während Stephan Reuters Amtszeit beendeten sechs Spieler der A-Mannschaft ihre aktive Karriere im Profifußball. Einige freiwillig, die anderen nicht ganz so sehr. Ich habe daher mal einen Blick auf jene Rentner geworfen, die unseren FC Augsburg als letzte Station in ihrer Vita stehen haben.

Vom 01.07.2009 bis zu seinem Karriereende am 30.06.2013 stand Simon Jentzsch bei unserem FC Augsburg unter Vertrag und trug maßgeblich an dem „Aufstiegswunder“ aus dem Jahre 2011 bei. Simon war immer ein Typ, auf den man sich stets verlassen konnte. Insgesamt stand er in 111 Partien zwischen unseren Pfosten und kassierte dabei 131 Gegentore. Das macht eine starke Quote von lediglich 1,18 Gegentreffer pro Partie. Vergleicht man das mit allen anderen Torhütern, erkennt man recht schnell, dass Jentzsch den besten Wert überhaupt aufweist. In insgesamt 35 Spielen hielt er seinen Kasten sogar sauber.

Was für ein “Vieh” (Foto: Krieger Simon via Imago)

Nach seiner Zeit in Augsburg gönnte sich der gebürtige Düsseldorfer ein Jahr Pause, ehe er für zwei Spielzeiten als Torwart-Trainer bei Fortuna Düsseldorf fungierte. Heute ist er als solcher in der Jugendabteilung des FC Bayern München tätig. Seit 12.07.2019 trainiert er die Torhüter der U16 und U17. Sein Vertrag läuft jedoch am 30.06.2021 aus. Mal sehen, wohin es ihn dann verschlägt.

Ein weiterer Spieler, der seine Karriere bei uns beendete war Andreas Ottl. Insgesamt bestritt der Münchener 16 Partien in zwei Spielzeiten für Rot-Grün-Weiß. Seit 2017 ist er als Spielerberater tätig. Angestellt ist er bei der arena11 sports group, die unter anderem Spieler wie Sadio Mané oder Marc-André ter Stegen vertritt.

Auch Christoph Janker ist einer der Spieler, die nach dem FCA für keinen anderen Verein mehr aufliefen. 46 Mal stand er für uns in der Abwehr und verhinderte in den 4,5 Jahren so einige Gegentore. Und auch heute noch ist Christoph ein Teil der FCA-Familie. Seit 01.02.2020 arbeitet er als Talent Manager bei unserem FC Augsburg. Diese Stelle wurde eigens für ihn geschaffen und stellt das Bindeglied zwischen Nachwuchs- und Lizenzabteilung dar. Darüber hinaus ist Janker auch noch für die Betreuung der Leihspieler zuständig, um eine noch engere Bindung der gerade verliehenen Lizenzspieler zu gewährleisten.

Heute ist Christoph Janker als Talent Manager beim FC Augsburg tätig (Foto via Imago)

Jan-Ingwer Callsen-Bracker war ebenfalls teil der Aufstiegsmannschaft aus dem Jahr 2011 und bis zu seiner Verletzung im „Wunder von Belgrad“ kaum mehr aus der Innenverteidigung weg zu denken. Doch nach seiner langen Ausfallzeit lief er gerade noch zwei Mal im Augsburger Trikot auf. Insgesamt kommt Callsen-Bracker dennoch auf 150 Spiele, 13 Tore und 3 Torvorlagen. Seit Dezember 2019 ist er neben seiner Tätigkeit in der DFB-Akademie auch noch Mitglied im Aufsichtsrat unseres geliebten FCA.

Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner war nur eine Saison bei uns zu Gast. Der Schweizer hatte unter anderem Vereine wie Arsenal London, Juventus Turin und Lazio Rom in seinem Lebenslauf stehen und sollte vor allem seine (internationale) Erfahrung mit einbringen. So gut gelang ihm das allerdings nicht, sodass man seinen Vertrag am Ende auch nicht verlängerte. Insgesamt bestritt er 20 Partien und kam dabei auf eine Torvorlage. Nach seinem Karriereende am 12.08.2020 wurde im März 2021 bekannt, dass Lichtsteiner ein Praktikum bei einem Zürcher Unternehmen als Uhrmacher begonnen hat. Zudem sitzt er nun im Verwaltungsrat des HC Lugano, einer der bedeutsamsten und erfolgreichsten Mannschaften im Schweizer Eishockey.

Scheiden tut weh

Am Ende kommen wir nun zu der wohl schmerzhaftesten Trennung, die wir Augsburg Fans in den letzten Jahren hinnehmen mussten. Im September 2020 gab man bekannt, dass man den Vertrag mit Spielführer Daniel Baier auflöst, der daraufhin seine aktive Karriere beendete. Man muss unserem damaligen Kapitän wirklich hoch anrechnen, dass er das Angebot, das es wohl von 59+1 gegeben haben soll, nicht annahm, sondern lieber aufhörte, um als letzte Station in seinem Lebenslauf den FC Augsburg stehen zu haben.

Viele Fans vermissen unseren “Mister FCA” (Foto via Imago)

Baier hat mit Abstand die meisten Spiele für die Rot-Grün-Weißen bestritten. In 355 Partien stand er im defensiven Mittelfeld auf dem Platz, schoss 8 Tore, legte 25 auf und übernahm nach Paul Verhaeghs Abgang im Jahr 2017 für drei Jahre die Kapitänsbinde. Heute ist es eher ruhig um Dani, den aber viele Fans gerne wieder bei uns im Verein sehen würden. Ein paar Mal durfte man ihn in der Champions Corner oder auch im Doppelpass sehen, doch ansonsten konzentriert sich Baier noch voll auf seine Familie. Es ist nicht bekannt, ob er darüber nachdenkt, den Weg als Trainer oder vielleicht als Verantwortlicher einzuschlagen. Doch bei einem bin ich mir sicher: Irgendwann werden wir ihn bestimmt in irgendeinem Verein wiedersehen.

Unsere Talentschmiede

Im Jahr 2007 wurde das Leistungszentrum unseres FC Augsburg offiziell anerkannt und bildet somit eine tragende Säule des Vereins. Die grundlegenden Aufgaben des NLZ bestehen aus drei zentralen Bereichen:

  • Ausbildung von Spielern für die Lizenzmannschaft
  • Wahrnehmung einer regional ausgerichteten, sozialen Verantwortung in der Arbeit mit jungen Menschen
  • Positiver Image-Transfer
Unsere “Talentschmiede” – Das Nachwuchsleistungszentrum an der Donauwörtherstraße (Foto via Imago)

Jeder Erst- und Zweitligist ist im Übrigen laut DFL dazu verpflichtet, ein solches Leistungszentrum zu haben, um die Lizenz für die Bundesliga zu bekommen. So heißt es auf der Homepage der DFL:

Alle am Spielbetrieb der Bundesliga und 2. Bundesliga teilnehmenden Clubs sind dazu verpflichtet, als Fördereinrichtung ein Leistungszentrum zu führen (§ 3 Nr. 2 LO). Die Leistungszentren sollen eine qualitativ hohe Ausbildung talentierter Nachwuchsspieler in den verschiedenen Altersklassen gewährleisten. Die Lizenzierungsvoraussetzungen gelten verbindlich für alle Bewerber der Bundesliga und 2. Bundesliga, in den beiden Spielklassen müssen unterschiedliche Voraussetzungen (Kategorie I und II) erfüllt werden.

DFL Vorgabe Leistungszentrum

Das NLZ des FCA bringt regelmäßig junge Talente hervor, die sowohl für uns als auch für andere Vereine auflaufen bzw. für deren Erfolge mitverantwortlich sind. Seit Reuters Amtsantritt bekamen 20 junge Spieler die Chance ein wenig Profiluft zu schnuppern oder einmal im Profikader zu stehen. Teilweise verlieh oder verkaufte man sie. Andere stehen noch heute bei uns unter Vertrag.

Augsburger Jungs

Doch wer sind diese Jungs, die wir aus unserer Talentschmiede hervorgebracht haben?

NamePositionHeute bei…MarktwertErfolge bzw. andere Vereine
Arif EkinLVTSV Rain/Lech50 T €TSV 1860 München II
Bajram NebihiHSSelangor FA II125 T €Union Berlin
Mail UhdeDMTSV Schwabmünchen100 T €Keine
Erik ThommyLMVfB Stuttgart4,5 Mio. €1. Aufstieg in Liga 2 mit Jahn Regensburg 2017 2. Regelmäßige Einsätze in der Bundesliga
Raphael FrambergerRVFC Augsburg2,00 Mio. €1. Teilnahme an der EL 2015/16 2. Regelmäßige Einsätze in der Liga
Tim RiederDM1. FC Kaiserslautern300 T €Stammspieler beim TSV 1860 München und Lautern
Marco SchusterDMWaldhof Mannheim250 T €Stammspieler → wechselt im Sommer zu Paderborn (2.Liga)
Bastian KurzLMSchwaben Augsburg125 T €Kickers Offenbach, Rot-Weiß Erfurt
Kevin DansoIVFortuna Düsseldorf (Leihe)5,00 Mio. €Stammspieler bei DD, Leihe in die Premier League 2019/20, U21-Österreich
Marco RichterRAFC Augsburg6,00 Mio, €Stammspieler und Berufung in die U21 (DFB) → Teilnahme EM 2019
Julian Günther-SchmidtHSFC Saarbrücken250 T €Carl Zeiss Jena, Fortuna Köln
Simon AstaRVGreuther Fürth250 T €Aufstieg mit Fürth in die 1. Bundesliga
Jozo StanicIVFSV Zwickau (Leihe)400 T €Kroatien U19
Felix SchwarzholzDMFC Augsburg II75 T €
Benjamin LeneisTWFC Augsburg200 T €Regelmäßig 3. Torhüter bei den Profis
Maurice MaloneLMSV Wehen Wiesbaden (Leihe)500 T €Stammspieler in der 3. Liga, 12 Tore
Tim CivejaDMFC Augsburg / FC Augsburg II300 T €Debüt gegen Werder Bremen und weitere Einsätze
Lukas PetkovZMFC Augsburg / FC Augsburg II175 T €Debüt gegen Bayern München
Dion BerishaLAFC Augsburg / FC Augsburg II300 T €Kadernominierungen und Einsätze bei Testspielen
Seong-hoon CheonMSFC Augsburg / FC Augsburg II250 T €Kadernominierungen und Einsatz bei Testspielen
Nachwuchsspieler unseres geliebten FCA

Das Profigeschäft ist ein Haifischbecken und nicht jeder Spieler ist automatisch dafür geeignet, sich da durchzubeißen. Im Endeffekt schafft das sogar nur ein kleiner Teil. Doch der FC Augsburg leistet hier tolle Arbeit. Das sieht man alleine schon daran, dass in den letzten 9 Jahren gleich so viele Spieler wenigstens einmal im Profikader standen.

Durfte dieser Jahr sein Profidebüt feiern – Mittelfeldtalent Tim Civeja (Foto via Imago)

Wie genau das im Nachwuchsleistung abläuft, hat RoGaz-Autor Andi schon mal genauer für euch untersucht. Sein ausführliches Interview mit dem kaufmännischen Leiter Roy Stapelfeld könnt ihr hier nachlesen.

Schwierige Aufgabe

Alle Transfers – egal ob ablösefrei oder gegen eine finanzielle Gegenleistung – bringen immer ein gewisses Risiko mit sich. Kein sportlicher Verantwortlicher kann im Voraus sagen, wie sich ein Spieler entwickelt oder ob er sich bestmöglich ins Team integrieren kann. Manchmal spielt auch wie bei Felix Götze das Pech eine große Rolle, der wegen Hüftproblemen fast ein ganzes Jahr ausfiel.

Oder aber ein Spieler bleibt hinter seinen Erwartungen zurück, wie das Beispiel Marek Suchý zeigt. Er schien als Kapitän der tschechischen Nationalmannschaft ein mehr als nur erfahrener Spieler zu sein, der zudem auch noch auf internationaler Ebene einst brilliert hat. Doch bei uns kam er leider nie so wirklich zu Zug. Sein Start war nämlich ebenfalls gleich mal von Pech gekrönt, denn auch er fiel wegen einer Verletzung an der Hüfte zu Beginn der Saison satte 123 Tage aus. Da hatte sich natürlich schon mit Felix Uduokhai und Jeffrey Gouweleeuw schon die Stammformation für die Saison gefunden. Und auch Trainer Herrlich setzte nicht auf den gebürtigen Tschechen, der mit dem FC Basel viermal die Schweizer Meisterschaft gewann und auch Champions League spielte.

Fazit

Ich persönlich möchte die Verantwortung, die Stefan Reuter in Händen hält, nicht tragen müssen, denn am Ende ist immer er derjenige, der den Kopf hinhalten muss. Das sollten wir alle im Hinterkopf behalten. Stefan Reuter trifft seine Entscheidungen in der Meinung, das Beste für den Verein zu tun. Und auch wenn er in manchen Fällen daneben lag, so kann man doch sagen, dass er im Großen und Ganzen einen sehr guten Job gemacht hat. Er lebt und liebt den Verein, wie wir alle es tun, und er möchte sicherlich dem FC Augsburg in keinster Weise schaden. Und sind Fehler nicht auch irgendwo menschlich?

Nun ist die Saison 2020/21 also zu Ende und wir dürfen gespannt sein, was unsere sportliche Leitung in diesem Jahr aus dem Hut zaubert. Er selbst hat bereits angedeutet, dass es im Sommer einige Veränderungen geben wird. Wie diese genau aussehen werden, steht natürlich noch nicht fest, denn die Kaderplanung beginnt erst jetzt so richtig, nachdem man erneut die Klasse gehalten hat. Doch wir alle fiebern schon darauf hin, wie wir in der nächsten Saison auflaufen werden. Und wie ich Stefan Reuter in den letzten Wochen, die ich für die Recherche dieses Artikels aufgewendet habe, kennen gelernt habe, wird er alles tun, was das Beste für den FCA ist. Damit wir auch im nächsten Jahr sagen dürfen: Auf ins nächste Jahr Bundesliga!

Reuters Transferspielchen

Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison. Kaum ist das letzte Spiel abgeschlossen, häufen sich die Gerüchte um mögliche Transfers und Wechsel, aber bis sich diese Transfers verwirklichen lassen, müssen sich die Vereine bis zu den offiziellen Transferperioden gedulden, welche von der FIFA vorgegeben werden. In der Regel ist es den Clubs im Sommer möglich, vom 01.07. bis zum 31.08. neue Spieler für sich zu gewinnen, die noch bei anderen Vereinen unter Vertrag stehen. Um uns daher die Wartezeit ein wenig zu versüßen, haben wir uns deshalb in einer kleinen Serie die letzten Transferperioden einmal genauer angesehen. Vor allem auch deswegen, da die Kritik an Sportdirektor Stefan Reuter immer lauter wird. Doch hat er wirklich einen so schlechten Job gemacht? Und hat er immer nur aufs Geld geachtet oder hatte er dabei vielleicht sogar mal ein glückliches Händchen?

Ein Weltmeister kommt nach Augsburg

Am 27.12.2012 stellte der FC Augsburg Stefan Reuter als neuen Geschäftsführer des Bereichs Sport vor, nachdem man seinen Vorgänger Jürgen Rollmann nach nur wenigen Wochen aufgrund unüberbrückbarer interner Differenzen entlassen hatte.

Zu jener Zeit steckte der Verein in einer kleinen Krise, denn die Hinrunde hatte man mit gerade mal 9 Punkten auf Platz 17 beendet. Eine Veränderung und vor allem auch Sicherheit fehlten in jenen Tagen an allen Ecken und Enden. Und so holte unser damaliger Präsident Walther Seinsch mit Stefan Reuter einen erfahrenen Mann an Bord des wankenden Schiffes. Gerade als Spieler hat unser Geschäftsführer Sport so ziemlich alles gewonnen, was möglich ist. Er wurde Weltmeister, Europameister, gewann mit Borussia Dortmund die Champions League und 5 Deutsche Meistertitel.

Reuter – ein Risiko?

Bei seinen vorherigen Stationen Borussia Dortmund und dem TSV 1860 München konnte Stefan Reuter schon einige Fähigkeiten aufweisen und weitere sammeln, die es für einen solch wichtigen Posten braucht. Allerdings war seine Einstellung doch ein Risiko für unseren Verein, denn gerade bei den Blauen aus München lief es für den gebürtigen Dinkelsbühler nicht gerade gut. Drei Jahre lang war er dort beschäftigt, bevor man ihm im Februar 2009 schließlich einen neuen Sportdirektor vor die Nase setzte und im einen Großteil seiner Aufgaben entzog, da es für den angeschlagenen Zweitligisten sportlich immer weiter bergab ging. Man wollte ihn zwar weiterhin als Geschäftsführer und Sponsoren-Betreuer behalten, doch für Reuter war das keine Option.

Es gab nochmal ein Gespräch, aber wir haben keine Lösung gefunden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist aber klar, dass ich dieses Angebot nicht annehmen kann.

Stefan Reuter über seine Entlassung

Doch gerade wenn man jetzt auf die letzten fast 9 Jahre zurück blickt, kann man sagen, dass die Entscheidung Walther Seinschs goldrichtig war. Denn Stefan Reuter hat es mit seinen Entscheidungen geschafft, uns immer wieder in der Liga zu halten und brachte uns sogar mit dem Erreichen der Europa League den größten Erfolg unserer Vereinshistorie ein. Und das ist etwas, das wir alle nicht vergessen sollten, denn auch die sportliche Leitung trägt einen großen Anteil an dieser Leistung.

Eine furchtbare Jacke, wenn es nach unserem Geschmack geht! (Foto via Imago)

Die Transferzahlen im Überblick

Werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die absoluten Zahlen, da man hieran am besten sieht, wie viele Transfers unter Reuter getätigt wurden. Und das waren wirklich nicht wenige. Was jedoch auffällig ist, dass gerade in den letzten Jahren auffällig viele Leihen – sowohl als Zu- als als auch Abgänge – getätigt wurden.

Zugänge:

SaisonZugänge gesamtDavon LeihenLeihendeSpieler aus der eigenen Jugend
2012/1341
2013/141544
2014/1515123
2015/1614141
2016/171331
2017/181352
2018/1917274
2019/2020352
2020/2111142
Zugänge Gesamtübersicht

Abgänge:

SaisonAbgänge gesamtDavon LeihenLeihendeKarriereende
2012/13311
2013/14143
2014/1514321
2015/161024
2016/171851
2017/18188
2018/19114
2019/2019422
2020/2117532
Abgänge Gesamtübersicht

Insgesamt hat Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter 246 Transfers getätigt. 122 Zugänge sind hierbei zu verzeichnen und ganze 18 Spieler aus der eigenen Jugendabteilung bekamen die Chance, sich auch mal mit den Großen messen zu dürfen. Dem stehen 124 Abgänge gegenüber, wobei dazu zu sagen ist, dass bei allen Zahlen auch die beendeten Leihverträge berücksichtigt wurden. Betrachtet man den jeweiligen Durchschnitt, so kommt Stefan Reuter auf 13,56 Zugänge und 13,78 Abgänge pro Saison.

Investitionen in neue Spieler

Immer wieder liest man, dass Stefan Reuter so ein unglaublicher Sparfuchs sei, der nur wenig Geld in neue Spieler investieren möchte. Das mag bis zu einem gewissen Grad auch stimmen, denn gerade in den letzten Jahren holte man immer wieder junge Talente zu uns an den Lech. Beispielsweise einen Mads Pedersen, den man für ca. 800.000,00 € von FC Nordsjælland verpflichtete. Außerdem ist es kein Geheimnis, dass unsere sportliche Leitung auch gerne mal ablösefreie Spieler mit einem Vertrag ausstattet. Doch darauf gehe ich später noch genauer ein.

Bevor ich euch aber – unabhängig von deren Leistung – die Top 5 der teuersten Einkäufe präsentiere, schauen wir uns doch erst einmal an, wie viel Stefan Reuter überhaupt in neue Spieler investiert hat. Das gestaltet sich nicht als ganz so einfach, da teilweise die vereinbarten Leihsummen nicht bekannt sind. Doch einen groben Überblick zu haben ist doch auch schon mal nicht schlecht.

SaisonSumme Zugänge
2012/13300.000,00 €
2013/144.550.000,00 €
2014/1512.450.000,00 €
2015/1616.700.000,00 €
2016/1723.700.000,00 €
2017/187.550.000,00 €
2018/196.650.000,00 €
2019/2031.500.000,00 €
2020/2110.300.000,00 €
Ausgaben für Zugänge pro Saison

Wir reden hier von einer Summer von 113.700.000,00 €, die Stefan Reuter in neue Spieler (inkl. Leihen) investiert hat. Das ergibt in etwa neun Jahren, die der gebürtige Dinkelsbühler, eine durchschnittliche Summe von 12.633.333,33 € pro Saison.

Die teuersten Zugänge

Doch nun möchte ich euch natürlich nicht länger auf die Folter spannen und euch die teuersten Zugänge präsentieren. Auf Platz 5 liegt dabei Michael Gregoritsch, der seit 04.07.2017 bei uns unter Vertrag stand. Er kam für 5.500.000,00 € vom Hamburger SV. Der viertteuerste Transfer war Iago, den man zu Beginn der Saison 2019/20 von SC Internacional Porto Allegre für 6.500.000,00 € zu uns transferierte.

Ein klein wenig mehr gab man laut Transfermarkt für Felix Uduokhai aus. 7.000.000,00 € musste Stefan Reuter für ihn an den VfL Wolfsburg überweisen, was für seine Leistung aber ein wirklich angemessener Preis war. Seinen Marktwert von damals (6.800.000,00 €) konnte er in der Zwischenzeit nämlich auf 13.000.000,00 € steigern. Platz 2 geht an Tomáš Koubek. Doch trotz einer Transfersumme von 7.500.000,00 € konnte er bei uns nicht wirklich überzeugen, wie wir im zweiten Teil unserer Serie im direkten Torwartvergleich noch sehen werden.

Die unangefochtene Nummer 1 ist kein geringerer als Martin Hinteregger. Ihn verpflichtete man am 31.08.2016 für eine stolze Summe von 10.500.000,00 € von RB Salzburg . Wie ein Blick auf die Leistungsdaten zeigt, war Hinti auch ein sehr wichtiger Spieler in den letzten Jahren. In 2,5 Spielzeiten machte er für unseren FC Augsburg 83 Spielen und traf dabei fünf Mal das gegnerische Tor. Sein Abgang war natürlich alles andere als glücklich, dennoch war Hinteregger mit der beste Innenverteidiger, den wir bei uns willkommen heißen durften.

Teuerster Zugang der bisherigen Vereinsgeschichte: Innenverteidiger Martin Hinteregger (Foto via Imago)

Geld für die FCA-Kasse

Natürlich haben wir uns auch die Abgänge näher angeschaut und hier ein Ranking erstellt. Doch auch hier wieder zuerst eine Aufstellung der Gesamteinnahmen. Hierzu sei auch gesagt, dass die genauen Summen teilweise nicht öffentlich gemacht wurden, wie zum Beispiel die vereinbarten Summen für Leihspieler.

SaisonSumme Abgänge
2012/130,00 €
2013/14700.000,00 €
2014/156.900.000,00 €
2015/1626.900.000,00 €
2016/1715.050.000,00 €
2017/187.900.000,00 €
2018/192.850.000,00 €
2019/2019.500.000,00 €
2020/218.600.000,00 €
Einnahmen durch Abgänge pro Saison

Insgesamt konnte Stefan Reuter dem Verein somit 88.400.000,00 € mit seinen Verkäufen in die Kasse spülen, was eine jährliche Einnahme von 9.822.222,22 € bedeutet. Die fünf teuersten Abgänge brachten uns dabei einen Umsatz in Höhe von 54.000.000,00 € ein.

Die Top 5 der teuersten Abgänge

Auf Platz 5 findet sich hier Ragnar Klavan wieder. Wer kennt ihn noch, den gebürtigen Esten? Er kam im Juli 2012 für eine Ablösesumme von 250.000,00 € von AZ Alkmaar nach Augsburg. In insgesamt 140 Spielen lief der Innenverteidiger für uns auf und wurde schließlich am 20.07.2016 für 5.000.000,00 € an den FC Liverpool verkauft, nachdem der Club in der Europa League auf ihn aufmerksam geworden war.

Die vierthöchste Ablöse erzielte man durch den Verkauf von Jeong-ho Hong, den man am 01.09.2013 für 2.000.000,00 € verpflichtet hatte. Doch in 61 Partien konnte der Innenverteidiger seinen Marktwert steigern und brachte unserem FC Augsburg damit eine Summe von 6.000.000,00 € ein.

Der wohl schmerzhafteste Abgang für viele FCA-Fans liegt mit Philipp Max auf Rang 3. Für 8.000.000,00 € verkaufte man in an PSV Eindhoven, wo er in dieser Saison auch internationale Luft schnuppern durfte. Insgesamt spielte der gelernte Linksverteidiger fünf Jahre beim FC Augsburg. In 156 Spielen schoss er 15 Tore und legte 29 auf. Gerade in dieser Saison hat man leider gemerkt, dass sein Zug auf der linken Außenbahn doch ziemlich fehlt.

Er fehlt uns immer noch unglaublich… (Foto via Imago)

Platz 2 geht an Martin Hinteregger. Auch hier handelt es sich (wie bei allen 5 Topabgängen) um einen Verteidiger. Nachdem er bereits im Januar 2019 nach seiner Kritik am damaligen Trainer Manuel Baum dorthin ausgeliehen wurde, verkaufte man ihn schließlich im Sommer an die Frankfurter Eintracht. Die Ablösesumme, für deren Einigung man einen ganzen Monat gebraucht hatte, belief sich am Ende auf 9.000.000,00 €.

Der unangefochtene Spitzenreiter

Dies sind aber immer noch stolze 17.000.000,00 € weniger als beim Spitzenreiter. Abdul Raman Baba kam am 12.08.2014 von Greuther Fürth nach Augsburg. Man bezahlte gerade einmal 2.500.000,00 € für ihn und relativ genau ein Jahr später klopfte der FC Chelsea an Stefan Reuters Tür, der schließlich den Rekordtransfer des FC Augsburg eintütete. Für 26.000.000,00 € ließ man Baba schweren Herzens in die Premier League ziehen.

Der Rekordtransfer schlechthin… (Foto via Imago)

Für den FC Chelsea, bei denen er bis 2022 immer noch unter Vertrag steht, durfte er in gerade einmal 23 Spielen auflaufen. Das sind weniger als er für uns in einer Saison gemacht hat. Da waren es nämlich 32. Doch für Chelsea scheint Baba nicht so wichtig zu sein, wie er es für uns war, denn der Arme wird seit Jahren ständig ausgeliehen und hatte zugleich mit einigen Verletzungssorgen zu kämpfen. Für mich persönlich trotzdem eine Verschwendung von Talent.

Ablösefreie Spieler

Wie oben schon erwähnt, wird Stefan Reuter oftmals nachgesagt, dass er viele ablösefreie Spieler unter Vertrag nimmt, um Geld zu sparen. Gerne wird von seinen Kritikern in den sozialen Netzwerken auch gesagt, dass diese Spieler dann oft nur eine mangelnde Leistung an den Tag legen. Das stimmt aber keinesfalls. Denn in den ganzen 9 Jahren, in denen Stefan Reuter bei uns in Augsburg ist, hat er gerade einmal 19 ablösefreie Spieler zu uns gelockt. Und einige Namen bringt man dabei sicher nicht mit einem Flop in Verbindung. Hier eine Aufstellung der detaillierten Leistungsdaten:

SpielerPositionEinsätzeSpielminutenTore / VorlagenGegentore / Zu Null
Michael ParkhurstInnenverteidiger21370/0
Somen TchoyiOM2290/0
Marwin HitzTorwart14714.1571/0212/47
Halil AltintopOM1288.85322/14
Christoph JankerAbwehr462.3760/0
Piotr TrochowskiOM124182/1
Daniel OpareRV221.8680/0
Andreas LutheTorwart312.7800/042/7
Georg TeiglRV301.3270/2
Gojko KacarDM291.4091/1
Rani KhediraDM12710.0746/4
Marcel HellerRM251.3670/2
Julian SchieberMS122991/0
Felix GötzeDM92021/0
Stephan LichtsteinerRV201.3460/1
Marek SuchýIV137880/0
Rafal GikiewiczTorwart363.2400/057/8
Tobias StroblDM311.9690/0
Daniel CaligiuriRechtsaußen352.8257/5
Ablösefreie Zugänge

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich sehe nicht unbedingt viele Spieler, die, obwohl sie lediglich für ein Handgeld zu uns gekommen sind, komplett versagt haben. Im Gegenteil: Spieler wie Marwin Hitz, Rani Khedira, Christoph Janker, Rafal Gikiewicz oder Daniel Caligiuri bringen bzw. brachten regelmäßig ihre Leistung und haben für unseren FC Augsburg alles gegeben. Nur weil ein Spieler ablösefrei kommt, muss das nicht zwangsläufig eine schlechte Sache sein. Ich würde sogar soweit gehen und unserem Sportdirektor hier ein doch sehr geschicktes Händchen nachsagen. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.

Zwei ablösefreie Spieler, die immer alles geben… (Foto via Imago)

Ausblick auf Teil 2

In diesem ersten Teil unserer kleinen Transferserie, habe ich euch nun einen kleinen Einblick in die groben Zahlen der einzelnen Zu- und Abgänge gegeben. Im zweiten Teil möchte ich euch gerne die Topscorer näher bringen oder euch auch alle Torhüter vorstellen, die in den letzten Jahren bei uns zwischen den Pfosten standen. Außerdem verrate ich euch, wer seine Karriere in unserem schönen Augsburg beendet hat oder was aus unseren eigenen Nachwuchstalenten wurde. Das Ganze lest ihr hier in den nächsten Tagen in der Rosenau Gazette. Ihr dürft daher mehr als nur gespannt sein!

Fanpower!

Täglich grüßt das Murmeltier… Oder anders ausgedrückt: Jede Saison das gleiche – unser FC Augsburg steckte bis kurz vor zwölf mitten im Abstiegskampf. Und das obwohl wir zwischenzeitlich den Abstand auf den Relegationsplatz auf komfortable 9 Punkte hatten ausbauen können. Doch Unruhe und Unsicherheit im Team, Differenzen mit dem ehemaligen Trainer und teilweise wirklich unterirdische Leistungen sorgten dafür, dass wir wieder mittendrin statt nur dabei waren. Alle Fans mussten wirklich Nerven wie Drahtseile haben. Sämtliche Anhänger unseres FCA wären so gerne im Stadion gewesen, um unsere Jungs anzufeuern und nach vorne zu brüllen.

Doch da das aufgrund der Coronapandemie immer noch nicht möglich ist, habe ich mir zusammen mit einigen anderen Fans etwas ausgedacht. Wir haben es sogar geschafft, einige Fanclubs – zum Beispiel die Moosdeifl und die Bella Augusta – mit ins Boot zu holen. So eine Fanaktion kann in der Mannschaft schon etwas auslösen, wie man bereits beim Spiel gegen Mainz sehen konnte, wie ihr hier bei der Rosenau Gazette nachlesen könnt.

Das große Zittern

Wenn uns die desolate erste Halbzeit gegen den 1. FC Köln eins gezeigt hat, dann dass wir Fans an allen Ecken und Enden fehlen. Die Trainersituation mal außer Acht gelassen. Blutleer, kraftlos, einer Arbeitsverweigerung gleich – das alles sind Ausdrücke, die mehr als einmal in den sozialen Netzwerken gefallen sind. Und leider muss ich ehrlicherweise zugeben, dass das auf diesen Auftritt zutrifft. Ich selbst saß in der Halbzeit fassungslos vor dem Fernseher und war den Tränen nahe. Das war nicht der FCA, den ich so sehr zu lieben gelernt habe. Und nicht nur mir ging es so, sondern dem kompletten Team unseres Blogs.

Dennoch bin ich mir sicher, dass wenn Fans im Stadion gewesen wären, wir in diesem sogenannten Sechs-Punkte-Spiel einen anderen Auftritt unserer Mannschaft gesehen hätten. Es ist nur eine Vermutung, aber der Support von der UBT und auch von sämtlichen Rängen hat unsere Jungs schon mehr als einmal beflügelt.

Doch leider ist diese Saison allgemein für unseren FC Augsburg nicht gerade einfach. In nur einem einzigen Spiel durften 6000 Anhänger die Mannschaft live im Stadion anfeuern. Natürlich ergeht es allen anderen Teams ebenso, doch gerade kleine Vereine wie Freiburg, Mainz oder eben auch unser FC Augsburg leben von ihren Anhängern. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir die Jungs so gut es geht unterstützen, auch wenn wir gerade leider nur begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung haben. Aber genau diese gilt es zu nutzen, auch wenn es Arbeit, Geld, Kraft und Schweiß kostet. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber ich nehme das für meinen Herzensverein sehr gerne in Kauf.

Die Idee und das Ziel

Das Ziel einer solchen Aktion ist natürlich vollkommen klar: Man will die Jungs anfeuern, pushen und zeigen, dass man in jeder Situation hinter ihnen steht. Wir sind ihr zwölfter Mann auf dem Platz und mit den Herzen immer bei ihnen. Gerade in dieser schweren Phase der Saison, wo wir erneut um den Klassenerhalt kämpfen und zittern mussten, war es wichtiger denn je, dem Team zu zeigen, dass wir Fans sie nicht vergessen oder gar fallen gelassen haben. Sie sollten sehen, dass sie diesen Kampf nicht alleine führen müssen, sondern dass wir das ganze GEMEINSAM durchstehen. Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen. Auch wenn das einige Kritiker anders sehen, wenn man den Posts in den sozialen Netzwerken Glauben schenken darf.

Zurück zu unseren Projekten, denn dieses Mal waren es sogar mehrere gleichzeitig. Die Idee entstand auch dieses Mal bei einer Diskussion in einer Facebookgruppe. Schon vor dem Spiel gegen Köln regte ein Mitglied dort eine Unterhaltung an, in der man gemeinsam nach Möglichkeiten suchte, das Team zu unterstützen.

Ich war natürlich gerne bereit, den Kontakt zur Fanbetreuung herzustellen, da ich seit meinem Fanvideo recht guten Kontakt zu Markus Wiesmeier pflege. Ich schrieb ihn an und er rief mich noch am selben Nachmittag zurück. Fast eine Stunde lang besprachen wir die diversen Möglichkeiten, die aber aufgrund der Coronaauflagen leider nicht gerade zahlreich ausfielen. Laut Hygienekonzept der DFL dürfen sich nämlich am Spieltag selbst keine Leute, die nicht einen nachweisbaren Grund haben, auf dem Stadiongelände aufhalten. Dazu zählen zum Beispiel Angestellte des FCA, Sicherheitsleute oder Journalisten.

Natürlich hätten wir es sämtlichen Fans schon vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln gerne ermöglicht unseren FCA in persona zu unterstützen. So auf die Schnelle hatten wir dazu aber leider keine Chance. Eine größere Aktion muss unweigerlich mit der Polizei und der Stadt abgesprochen werden. Deswegen einigten wir uns am Ende auf eine Plakataktion am Trainingsgelände. Da wir aber leider nur einen Tag Zeit gehabt hätten, beschlossen wir, das ganze auf den nächsten Spieltag gegen den VfB Stuttgart zu verschieben. Der Plan: Beim Abschlusstraining sollten einige Plakate und Spruchbänder aufgehängt werden, um unsere Jungs zu motivieren.

Projekt für das Spiel gegen den VfB

Es konnte also losgehen. Und da es sich auch hierbei um ein Gemeinschaftsprojekt handelte, möchte ich mich in erster Linie bei allen bedanken, die mir hierbei geholfen und das Team somit unterstützt haben. Zum Beispiel bei Michaela Brieschenk, mit der ich mich auch schon bei der Videoaktion ausgetauscht habe und die mir auch hierbei mit Rat und Tat zur Seite stand. Ein großes Dankeschön auch an Tobias Wagner, der ein Spruchband für die Unterstützung der Mannschaft gesprüht hat und beim Bremenspiel mit seiner ruhigen Art dafür sorgte, dass ich nicht vollkommen ausflippte. Danke auch an alle Fanclubs und Fans, die bei beiden Projekten mitgemacht haben. Und natürlich auch vielen Dank an Markus, der es in Absprache mit dem Verein möglich gemacht hat, dass wir auch in diesen schweren Zeiten unserem Verein unterstützen konnten.

Unsere Aktion beim Abschlusstraining fand in der WWK-Arena statt, obwohl es eigentlich zuerst auf dem Trainingsgelände geplant war. Doch da das Training ins Stadion verlegt wurde, hängten Markus und seine Helfer die Plakate und Bänder kurzerhand dorthin. Insgesamt waren es 4 große Spruchbänder, vor denen unsere Jungs trainierten.

Quelle: Markus Wiesmeier
Quelle: FC Augsburg

Gleichzeitig organisierte die Fanbetreuung in Zusammenarbeit mit dem Fanclub „Fanfahrt Supporters“ eine weitere Aktion. Hierbei ließ man motivierende Sprüche über den Monitor über dem Familienblock einfliegen. Mehrfach las man „Kämpfen und Siegen“ oder „Wir stehen hinter euch“. Und genau das war ja unser Ziel: Wir wollten unserem Herzensverein zeigen, dass wir immer hinter ihnen stehen und dass sie auch in Coronazeiten auf uns zählen können.

Quelle: FC Augsburg

Unsere Aktion machte nicht nur die regionale Presse auf sich aufmerksam. Gleich zweimal wurde unser Coach Markus Weinzierl in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Bremen darauf angesprochen. Unter anderem von einem Journalisten vom Münchner Merkur. Unser neuer alter Coach erläuterte daraufhin, wie wichtig es für das Team sei, zu wissen, dass ganz Augsburg hinter ihnen steht.

Wir merken links und rechts, dass ganz Augsburg uns positiv gegenüber steht und uns die Daumen drückt. Ich persönlich merke das in allen Dingen, die ich vor der Quarantäne irgendwo miterlebt habe. Das merken wir und bekommen wir natürlich auch zugespielt und da freuen wir uns drüber. Alle Unterstützung, die wir jetzt brauchen und alle Daumen, die gedrückt sind, die helfen uns. Und es sind die Kleinigkeiten, wo wir uns festhalten, wo wir uns aufrichten, die uns gut tun.

Markus Weinzierl in der PK vor dem Spiel gegen Bremen

Vollgas gegen Werder Bremen

Die Aktion, die wir für das Spiel gegen Bremen planten, sollte daher natürlich um einiges größer werden, denn dieses war ein klassisches Endspiel. Der Matchball lag bei uns und wir brauchten ihn nur noch zu verwandeln. Die Unterstützung der Fans war daher unerlässlich.

Ich selbst plante zusammen mit Markus von der Fanbetreuung in Zusammenarbeit mit den Fanclubs eine weitere Plakataktion im Stadion. Auch ein Artikel in der Augsburger Allgemeinen rief dazu auf, uns dabei zu unterstützen. Die Abgabe sollte bis Freitagmittag geschehen, damit die Fanbetreuung unsere Werke am Nachmittag anbringen konnte. Hierfür brauchten sie in etwa sieben Stunden.

Quelle: Markus Wiesmeier
Quelle: Markus Wiesmeier

Insgesamt zierten am Ende ca. 35 Spruchbänder und Plakate unsere wunderschöne WWK-Arena. Mir wurden sogar Spruchbänder aus Nordhessen und auch aus Mühlheim an der Ruhr zugeschickt, die ich zusammen mit meinen drei Spruchbändern abgab. Auf meinen Werken, die ich aus insgesamt 20 Metern Vliestapete fertigte, schrieb ich folgendes:

  • Treu an eurer Seite
  • Ihr seid unser Stolz
  • We believe in you, Reece!
Quelle: Markus Wiesmeier

Gerade die persönliche Widmung an Reece Oxford war mir besonders wichtig. Auch wenn er gegen Stuttgart zwei Mal nicht gerade gut aussah, so weiß ich doch, dass er ein riesiges Talent ist. Sein Start bei unserem FC Augsburg war bestimmt nicht so, wie er es sich vorgestellt hat. Mehr als einmal patzte er in spielentscheidenden Situationen und zog damit den Unmut einiger Anhänger auf sich. Aber gerade in dieser Spielperiode hat der Junge eine wahnsinnige Entwicklung vorgenommen. Laut Ligainsider liegt der geborene Engländer mit durchschnittlich 1,61 geblockten Bällen pro Partie sogar auf Platz 1 von allen betrachteten Spielern der Saison 2020/21. Doch das nur so am Rande bemerkt.

Neben den Spruchbändern fertigte ich zudem noch ein ca. zehn Meter hohes FCA-Trikot aus Folie an, auf das ich eine große 12 klebte, das natürlich im Namen aller Fans den bildlichen zwölften Mann signalisieren sollte.

Quelle: Markus Wiesmeier
Quelle: Markus Wiesmeier

Auch hier ein riesiges Dankeschön an alle Fanclubs und Fans, die dabei mitgewirkt haben. Ohne euren Support hätten wir das so nicht auf die Reihe bekommen.

Quelle: Markus Wiesmeier

Schwenkt eure Fahnen für den FCA

Das sollte natürlich noch nicht alles sein, denn wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, wurde in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, sich vor dem Stadion zu versammeln, um den Mannschaftsbus in einem großen Spalier zu empfangen. Dabei sollte man sich selbstverständlich an die Vorgaben – Abstand und das Tragen einer Maske – halten, was zum Großteil auch wirklich gemacht wurde.

Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, selbst auch an die WWK-Arena zu fahren. Mit mir dabei waren zwei meiner Kinder sowie meine gleichgesinnten Freunde Tobi, Sandra, Sammy und Heike. Und was uns dort im ersten Moment erwartete, war der absolute Wahnsinn. Bestimmt habt ihr die Bilder bereits im Fernsehen gesehen oder ward vielleicht sogar selbst vor Ort. Ich kann jedoch nur für mich selbst sprechen, wenn ich sage, dass ich absolut geflasht war. Etwa 800 bis 1000 Leute waren gekommen, um den Bus des FC Augsburg zu empfangen. Die Stimmung war gigantisch und man sang bereits im Vorfeld lauthals Lieder, die auch immer auf der Ulrich-Biesinger Tribüne ertönen.

Quelle: FC Augsburg

Der Bus kam um kurz nach 14:00 Uhr am Gelände um die WWK – Arena an. Auf die Spieler unseres FC Augsburg wartete ein riesiges Fahnenmeer und sämtliche Fans zeigten ihre Leidenschaft und Liebe zu diesem wunderbaren Verein. Falls sich übrigens jemand fragen sollte, ob die Spieler von dieser Aktion gewusst haben, dann kann ich diese Frage mit einem eindeutigen Nein beantworten. Dies bestätigte Finanz-Geschäftsführer Michael Ströll beim wöchentlichen Podcast „Feuer und Flamme“.

Die Spieler wussten es nicht. Wir haben die Spieler damit nicht konfrontiert vor dem Spiel. Wir wussten, dass sich da Fans zusammen tun – zum Teil unorganisierte, aber auch Fanclubs – die unterstützen wollen. Da war unser Fanbeauftragter Markus Wiesmeier ein Stück weit mit im Boot, also informiert, dass welche kommen wollen. Aber ich hab ehrlich gesagt nicht mit so vielen Leuten gerechnet. Ich war einfach nur überwältigt.

Michael Ströll im Podcast “Feuer und Flamme” am 17.05.2021
Quelle: Birgit Kaiser

Rot, Grün, Weiß sind uns’re Farben

Viele Fans fuhren nach dem Busempfang nach Hause, um dort vor dem Fernseher das Spiel zu verfolgen. Doch etwa 100 hartgesottene Fans zogen weiter vors Stadion, um dort von außen das Team so gut es ging zu unterstützen. Über die komplette Partie hinweg schrien wir lauthals die bekannten FCA-Lieder . Von „Rot, Grün, Weiß sind uns’re Farben“, über „Oleee, Ole, Ola – nur der FCA“ bis hin zu „Zwischen Lech und Wertachstrand“ war wirklich alles vertreten. Wir ließen es uns auch nicht nehmen, den Schiri nach Ruben Vargas’ roter Karte als „Schieber“ zu bezeichnen. So etwas gehört zu einem spanenden Fußballspiel mit dazu. Die Partie verfolgten wir nämlich während des Supports über unsere Handys und Tablets. Und so war es kein Wunder, dass die Emotionen immer weiter hoch kochten.

Quelle: Birgit Kaiser

Aber an einen Mann wären selbst tausend Fans niemals heran gekommen und das ist „der Mann mit der Tonne“. Das war im Übrigen einer von Greenkeeper Arndt Valberts Rasenhelfern. Der hatte kurzerhand eine von den Mülltonnen, die normalerweise im Stadionumlauf stehen, zur Trommel umfunktioniert und damit unseren FC Augsburg in jeder einzelnen Situation mit allen Kräften angefeuert. Er war es auch, der uns das 1:0 signalisiert hat, kurz bevor die Torhymne los ging, sodass wir vor der Arena in frenetischen Jubel ausbrechen konnten. Für mich persönlich der Mann des Tages!

Nachdem unser FCA den Sack in der 90. Minute schließlich zumachte, konnten wir kaum noch an uns halten. Die Stimmung erreichte ihren absoluten Höhepunkt. Lauthals trällerten wir „Wir wollen die Mannschaft sehen“ und die kam dann tatsächlich auf den Balkon bei der VIP-Tribüne, um noch mit uns Fans zu feiern.

Quelle: Birgit Kaiser
Quelle: Birgit Kaiser
Quelle: Birgit Kaiser

Eine kleine Information noch am Rande: Nach drei ziemlich stummen Tagen, ist meine Stimme nun endlich wieder zu mir zurück gekehrt. Diese wollte nämlich kurzerhand lieber bei der WWK-Arena bleiben. Doch meine Heiserkeit zeigt nur eines: Ich habe – wie alle anderen Fans auch – Vollgas gegeben. Seht selbst…

Quelle: Birgit Kaiser

Hallerluja

Nach Abpfiff hörte man gefühlt 50.000 Steine, die sämtlichen Anwesenden vom Herzen vielen. Ein kollektives Aufatmen ging durch die Gruppe und wir konnten es im ersten Moment alle gar nicht fassen. Ich selbst konnte nur mühsam die Tränen zurückhalten. Wir haben es erneut geschafft, die Klasse zu halten, haben einige Experten Lügen gestraft und gehen nun zusammen mit Markus Weinzierl in unser elftes Jahr im Oberhaus. Natürlich muss die Saison und eventuell sogar die letzten Jahre analysiert und aufgearbeitet werden, bevor man schließlich einige Hebel ansetzt und diverse Stellschrauben, neu justiert.

Was ich damit sagen will, ist, dass man im Sommer wohl einiges von unserem FC Augsburg hören wird. Denn wie Stefan Reuter bereits angedeutet hat, wird in der Sommerpause wohl einiges auf dem Transfermarkt passieren. Was genau das sein wird, werden wir zu gegebener Zeit sehen. Doch wir von der Rosenau Gazette haben da auch schon mal den einen oder anderen Blick darauf geworfen.

Aber um nun zum Schluss noch eines zu sagen: Wenn man gegen Werder Bremen eines gesehen hat, dann dass wir Fans für unser Team wirklich wichtig sind. Natürlich haben sie die Leistung auf dem Platz selbst erbracht, aber ich bin ganz bei Markus Weinzierl, der bei Blickpunkt Sport im Bayerischen Rundfunk folgendes sagte:

Das hat uns schon nochmal geholfen gestern und auch nochmal gepusht, dass wir die Fans da gesehen haben und dass viele da waren bei der Einfahrt eben ins Stadion. Das hat die Spieler schon berührt. Natürlich ist es so, dass wir ohne Fans gespielt haben, aber trotzdem immer alles gegeben haben und gewusst haben, dass ganz Augsburg hinter uns steht. Und das war nochmal vor dem Spiel ein tolles Zeichen.

Markus Weinzierl bei Blickpunkt Sport

Herzlichen Glückwunsch vom Team der Rosenau Gazette

Liebe Spieler, liebes Team, liebe Verantwortlichen,

es ist mir eine Ehre, euch im Namen aller Redakteure unseres Teams zum Klassenerhalt zu gratulieren. Wir sind alle überglücklich, dass ihr es mit eurer Leidenschaft, eurem Willen und eurem Zusammenhalt auf dem Platz geschafft habt, uns ins elfte Jahr in der Fußballbundesliga zu führen. Unendlich groß war unsere Erleichterung, denn in jeder einzelnen Sekunde einer Partie leiden wir mit euch mit. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir Teil des tollsten Fußballvereins der Welt sein und über euch schreiben zu dürfen, was uns sehr großen Spaß und vor allem auch eine riesige Freude bereitet. Danke für euren Einsatz, auf dass wir auch noch in der kommenden Saison aus dem Oberhaus über euch berichten können!

Rot -Grün-Weiße Grüße von eurem RoGaz-Team

Trainer wechsel’ dich

Trainerwechsel, Freistellungen und Vertragsauflösungen gehören zum alltäglichen Geschäft des Profifußballs wie der morgendliche Kaffee auf den Frühstückstisch. Die einen wechseln öfter, die anderen weniger. Wieder andere schmeißen einfach ohne Vorwarnung hin, obwohl der Vorstand das so überhaupt nicht akzeptieren möchte. Auch bei unserem FC Augsburg stand in dieser Woche ein erneuter Trainerwechsel an, denn nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln sah Sportdirektor Stefan Reuter eine Reaktion als “zwingend notwendig” an. Eben jener Reuter, der im Februar noch davon überzeugt war, die Saison zusammen mit Heiko Herrlich als Cheftrainer zu beenden. Solche Versprechungen hat man schon des Öfteren aus dem Mund des ehemaligen Dortmundspielers gehört. Und genau aus diesem Anlass, haben wir mal einen Blick auf die Trainer geworfen, die unter Reuters Führung beim FC Augsburg tätig waren. Welche Erfolge konnten sie denn bei uns verbuchen und warum ging man am Ende getrennte Wege?

Schwieriger Start

Markus Weinzierl ist der erste von fünf Trainern, die seit 2012 bei uns an der Seitenlinie standen und unter Reuters Führung den Verein verließen bzw. verlassen mussten. Das ergibt in 9 Spielzeiten eine durchschnittliche Amtszeit von 1,8 Saisons pro Coach unter unserem Geschäftsführer Sport. Klingt erst einmal nicht schlecht, doch wir werden später noch sehen, dass der Schein trügt.

Der gebürtige Straubinger kam im Juli 2012 von Jahn Regensburg in unser schönes Augsburg. Wie wir aber alle wissen, ist das jedoch nicht Reuters Verdienst, sondern der von Andreas Rettig. Es war quasi dessen letzte „Großtat“, denn Rettig verließ den Verein mit Ablauf des 30.06.2012.

Zu Beginn seiner Amtszeit sah es jedoch gewaltig nach Abstieg aus, denn am Ende der Hinrunde stand unser FCA mit lediglich 9 Punkten auf Platz 17 der Tabelle. Allerdings starteten wir eine fast schon furiose Aufholjagd und sicherten uns am letzten Spieltag gegen Greuther Fürth den Verbleib im Oberhaus.

Insgesamt blieb Markus Weinzierl 4 Jahre bei unserem FCA, wobei der größte Erfolg seiner Karriere wohl sein dürfte, dass er uns in seinem dritten Jahr bei uns in die Europa League führte. Dort sorgten wir natürlich für eine große Überraschung, als wir uns im „Wunder von Belgrad“ das Bestehen der Vorrunde sicherten. Und auch wenn wir im Sechszehntelfinale gegen den späteren Finalisten FC Liverpool ausschieden, so haben wir ihnen doch einen Kampf geliefert, der sich sehen lassen konnte.

Der größte Styler mit den meisten Punkten (Foto: nordphoto/Kokenge via Imago)

Natürlich haben wir auch einen Blick auf die einzelnen Spielzeiten geworfen, um die Trainer untereinander vergleichen und die Trennungen nachvollziehen zu können. Hier ist die Ausbeute, die Markus Weinzierl mit unseren Jungs vorweisen kann.

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2012/133710-9-181,05Platz 15, 33 P., TV: 33:51
2013/143717- 7-131,57Platz 8, 52 P., TV: 47:47
2014/153515-4-161,4Platz 5, 49 P., TV: 43:43
2015/164514-12-191,2Platz 12, 38 P., TV: 42:52

Time to say goodbye

Wie man später noch sehen kann, hat Markus Weinzierl von allen Trainern der letzten Jahre die besten Werte vorzuweisen. Doch leider lief die Trennung von ihm alles andere als harmonisch ab. Denn obwohl er seinen Kontrakt im April 2015 noch bis 2019 verlängert hatte, kam der gebürtige Straubinger kein Jahr später mit dem Wunsch, etwas anderes machen zu wollen, auf den Verein zu. Mit dem FC Augsburg habe er alles erreicht und man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist.

Wenngleich unser damaliger Kapitän Paul Verhaegh sich für den ehemaligen Cheftrainer aussprach, bekam dieser jedoch keine ordentliche Verabschiedung.

Wir hätten uns alle einen anderen Abschied gewünscht, denn wir hatten vier grandiose Jahre. Das Kapitel ist nun vorbei, wenn er mit Schalke nach Augsburg kommt, ist es nicht geplant, dass es Blumen oder eine große Verabschiedung gibt.

Sportvorstand Stefan Reuter über eine Verabschiedung von Markus Weinzierl (https://www.fotmob.com/news/1q0kgf3nn07561rdstknlusc9w/fca-kein-abschied-f%C3%BCr-markus-weinzierl)

Diese gab es leider auch nicht. Nach dem 1:1 war das Kapitel Weinzierl erledigt. Zumindest vorerst, denn am 26.04.2021 verpflichtete man Markus Weinzierl erneut, damit er unseren FCA zu alter Stärke zurückführt.

Vom Umschaltfußball zur Mauertaktik

Am 15.06.2016 wurde Dirk Schuster als Nachfolger von Markus Weinzierl vorgestellt. Der damals 48-Jährige war vom Ligakonkurrent SV Darmstadt 98 an den Lech gekommen und sah beim FC Augsburg eine sehr gute Perspektive, auch wenn es eine große Herausforderung für ihn war, das Erbe seines erfolgreichen Vorgängers anzutreten. Als primäres Ziel setzte er sich dabei natürlich den Klassenerhalt, aber auch eine sportliche Weiterentwicklung der Mannschaft.

Nur ein halbes Jahr im Amt – Dirk Schuster (Foto via Imago)

Das klappte allerdings nicht wirklich so wie geplant. In insgesamt 16 Spielen, die man unter Schuster bestritt, erreichte man nur folgendes:

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2016/17164-5-71,06Platz 13, 14 P., TV: 11:16

Wirklich ansehnlich war der Fußball unter dem ehemaligen Innenverteidiger nicht, denn die Jungs um Daniel Baier spielten plötzlich einen sehr defensiv ausgerichteten Fußball, was so gar nicht zu den Werten des FC Augsburg passte. Aggressivität, Mut, Kampfgeist gingen unter Schuster komplett verloren. “Mauern bis zum Umfallen” lautete hierbei die Devise.

Ein Veilchen zum Abschied

So trennte man sich am 14.12.2016 von Trainer Dirk Schuster, nachdem man am 14. Spieltag 1:0 beim Hamburger SV verloren hatte.

Die letzten Wochen hat sich das angedeutet und es war eine Tendenz zu erkennen, die uns nicht gefallen hat. Und nach dem HSV-Spiel haben wir die Dinge nochmal intern besprochen und sind zu dem Schluss gekommen, jetzt auch kurzfristig zu handeln. Weil wir eben auch die Gefahr sehen, dass unsere Ziele in Gefahr geraten. Und das war der Grund, warum wir jetzt auch zwei Spieltage vor der Winterpause so eine Entscheidung treffen. Die entscheidenden Gründe sind einfach, dass man – wie ich es gesagt habe – dass man der festen Überzeugung ist, dass man gemeinsam die Zukunft nicht erfolgreich gestalten kann. Das Gefühl war einfach da, dass auch ein Stück weit die Überzeugung innerhalb der Mannschaft fehlt.

Stefan Reuter zur Trennung von Dirk Schuster am 15.12.2016 (https://www.welt.de/sport/video160317878/So-begruendet-Reuter-die-Entlassung-von-Dirk-Schuster.html)

Der offizielle Trennungsgrund waren laut Reuter also sportliche Gründe. Seltsam ist dabei allerdings, dass Dirk Schuster zuvor mit einem Veilchen beim Training aufgetaucht war. Angeblich kam er zwar von Hamburg mit einer Magen-Darm-Grippe zurück und stürzte nachts in seinem Badezimmer. Ob das jedoch so stimmt, bleibt fraglich, denn es gibt durchaus Gerüchte, dass etwas ganz anderes dahinter steckte.

Vereinsinterne Lösung

Daraufhin setzte man Manuel Baum, der zum damaligen Zeitpunkt Cheftrainer im Nachwuchsbereich war, als Interimslösung ein. Nachdem dieser in den zwei Spielen vor der Winterpause einen Sieg gegen Gladbach und ein Unentschieden in Dortmund einfahren konnte, beförderte man ihn kurzerhand zum Cheftrainer der Profis.

Daher wollen wir langfristig mit Manuel Baum zusammenarbeiten. Für das Amt des Cheftrainers benötigt er keine Eingewöhnungszeit, weil er bereits seit zweieinhalb Jahren für den FCA arbeitet und die FCA-Philosophie im Nachwuchs erfolgreich implementiert hat.

Stefan Reuter über die Einsetzung von Manuel Baum als Cheftrainer (https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/news/manuel-baum-wird-cheftrainer-fc-augsburg-noblmd.jsp)

Auch wenn es nicht ganz so erfolgreich wie unter einem Weinzierl lief, war Manuel Baum doch immer mit Feuer und Leidenschaft an der Seitenlinie dabei und schrie lauthals seine Anweisungen quer über den Platz.

Leidenschaft, viele gute sportliche Ideen und das ein oder andere Fashion Highlight: Manuel Baum (Foto: Tim Rehbein/RHR-FOTO/Pool via Imago)

Bis 09.04.2021 und somit über zwei Jahre war Manuel Baum Trainer unseres FCA und seine Werte sind die zweitbesten nach Markus Weinzierl.

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2016/17206-6-81,2Platz 13, 38 P., TV: 35:51 (24:35)
2017/183510-11-141,17Platz 12, 41 P., TV: 43:46
2018/19329-7-161,06Platz 15, 25 P., TV: 37:54

Lehmann sollte es richten…

Den Anfang von Manuel Baums Ende könnte man wohl in den Januar 2019 datieren, als Innenverteidiger Martin Hinteregger seinen Trainer in einem öffentlichen Interview kritisierte, nachdem man 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach verloren hatte. Das war das bis dato 10. Spiel in Folge, in dem man keinen Sieg einfahren konnte.

Der Verein reagierte daraufhin in zweierlei Form, indem man zuerst am 28.01.2019 Jens Lehmann als weiteren Co-Trainer einstellte und am 31.01.2019 wurde Hinteregger an Eintracht Frankfurt verlieh. Dadurch sollte der Mannschaft ein neuer Impuls – vor allem in der Defensive – verliehen werden.

Ich denke, dass es schon ein Riesenvorteil ist, ich sag jetzt, von Jens oder von mir, dass wir nahezu alle Situationen, die die Jungs auf dem Platz oder neben dem Platz erleben – wie sie mit einer Verletzung umgehen – dass wir das im Grunde in unserer Karriere selbst erlebt haben. Das erhöht dann natürlich ein Stück weit dann nochmal weit die Glaubwürdigkeit, wenn der Jens hin geht.

Stefan Reuter bei der Vorstellung von Jens Lehmann als neuen Co-Trainer (https://www.youtube.com/watch?v=bIDy1v1jK9s)

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für meinen Geschmack hat alleine diese Aussage sehr stark an Baums Autorität gesägt. Große Veränderungen sah man nämlich auch mit Jens Lehmann als Co-Trainer nicht. Man schaffte zwar drei Siege in neun gemeinsamen Spielen, doch man kassierte auch ganze 21 Gegentore. Das macht somit einen Schnitt von 2,33 Toren pro Spiel.

Baum fällt

Somit blieb Sportdirektor Stefan Reuter gar nichts anderes übrig, als am 09.04.2019 die Reißleine zu ziehen, nachdem man am vorherigen Spieltag mit 0:4 von der TSG Hoffenheim aus dem eigenen Stadion geschossen wurde. Gefeuert wurden dabei nicht nur Trainer Manuel Baum und Co-Trainer Jens Lehmann, sondern auch der technische Direktor Stefan Schwarz.

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten wirklich alles probiert, dass wir in der Konstellation mit Manuel Baum als Cheftrainer die Wende schaffen, die Weichen auf Erfolg stellen. Das ist uns leider nicht hinreichend gelungen. Und jetzt nach der klaren Niederlage gegen Hoffenheim und eben auch der Niederlage gegen Nürnberg hat uns die Überzeugung gefehlt, dass wir das nochmal dauerhaft hinkriegen. Die Leistungen waren einfach auch zu schwankend und das hat uns dazu bewogen, einen klaren Schnitt zu machen, um mit der Neuausrichtung in die nächsten Wochen zu gehen, den Saisonendspurt optimistisch anzugehen und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des FC Augsburgs zu stellen.

Stefan Reuter über die Entlassung von Manuel Baum, Jens Lehmann und Stefan Schwarz (https://www.youtube.com/watch?v=ikGyFsqW5q4)

Bei jener Pressekonferenz, an der auch Präsident Klaus Hofmann teilnahm, fiel auch gleich der Name des neuen Trainer.

Schweizer Zeiten in Augsburg

Die Erwartungen an Martin Schmidt waren groß. Stefan Reuter erklärte die Einstellung Schmidts damit, dass er ein sehr erfahrener Bundesligatrainer sei, der die Werte, die wir bei uns in Augsburg schätzen, verkörpert und hoch hält. Diese beschrieb er als athletisch und leidenschaftlich.

Am 10.04.2019 trat unser schweizerischer Trainer also seinen Job beim FC Augsburg an. Unter ihm spielte man schönen Umschaltfußball wie einst unter Weinzierl und dass wir teilweise sehr hohe Niederlagen einstecken mussten, lag vor allem an dem Sommerzugang zwischen den Pfosten und der damit einhergehenden Unsicherheit in der Abwehr.

SaisonAnzahl SpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2018/1962-1-31,17Platz 15, 32 P., TV: 51:71 (14:17)
2019/20267-6-131,04Platz 14, 27 P., TV: 36:52

Trotz Kampf zum Adieu

Die Entlassung Schmidts am 09.03.2020 traf viele von uns doch überraschend. Zwar war man nicht gerade positiv in die Rückrunde gestartet und konnte in den letzten 5 Spielen lediglich einen Punkt einfahren, doch gerade der kämpferische Auftritt gegen Bayern München hatte sämtlichen Fans große Hoffnungen gemacht, dass man nun die Wende schaffen könnte.

Der beste Hoodie-Träger aller Trainer bisher. Sportlich ging es irgendwann nicht mehr voran. (Foto via Imago)

Doch am nächsten Tag die Meldung „Martin Schmidt freigestellt“. Nach nicht einmal einem Jahr wurde der Schweizer aus den gleichen Gründen entlassen wie einst Manuel Baum oder Dirk Schuster.

Die natürlich enttäuscht waren, weil sie es gerne selbst gedreht hätten, aber auch gesagt haben, aufgrund der Statistiken, die deutlich gegen uns sprechen, die deutlich in die falsche Richtung zeigen, was Passquote, was Zweikampfquote usw. angeht, haben sie volles Verständnis gehabt. Und wünschen dem FC Augsburg – uns allen – viel Erfolg, dass wir unser Ziel erreichen, die Klasse zu halten.

Stefan Reuter am 10.03.2020 über die Entlassung von Martin Schmidt (https://www.youtube.com/watch?v=oyGHVgPm5Vg)

Nicht wirklich HERRLICH

Neben Stefan Reuter saß bei jenem Mediengespräch sogleich der neue Trainer, Heiko Herrlich. Viel wurde von ihm erwartet, da er doch einst der Aufstiegsheld von Jahn Regensburg gewesen war. Auch führte er Bayer Leverkusen in die Europa League. Seine Vita versprach offensiv ausgerichteten Powerfußball, denn immerhin konnte er bei seinen vorherigen Stationen Unterhaching, Regensburg und Leverkusen einen Tordurchschnitt von 61,25 Toren pro Saison vorweisen.

Tja, aber bei uns sah das leider ganz anders aus und somit war die Kritik, die in den letzten Monaten von Tag zu Tag zunahm, durchaus berechtigt. Die Auftritte unserer Jungs wurden mit jedem Spiel passiver und unansehnlicher. Einige Werte von Heiko Herrlich haben wir in unserem Bericht „Besser, Herr Reuter“ bereits näher untersucht. Doch auch hier eine Aufstellung seiner Ausbeute mit dem FC Augsburg:

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2019/2092-3-41Platz 15, 36 Punkte TV: 45:63 (9:11)
2020/213310-6-171,07Platz 13, 33 Punkte TV: 31:47

Nach der desaströsen Vorstellung unserer Jungs in dem 6-Punkte- Spiel gegen den 1. FC Köln, hatte der Verein allerdings gar keine andere Wahl, als zu handeln, denn auch Heiko Herrlich selbst konnte sich diesen katastrophalen Auftritt seiner Mannschaft nicht erklären.

Wir haben eine unglaublich, unfassbar desaströse erste Halbzeit gespielt. Ich kann gar nicht glauben, dass man in so ein wichtiges Spiel so rein gehen kann.

Heiko Herrlich in der PK nach dem Spiel gegen Köln (https://www.youtube.com/watch?v=w5tI4u3G9Do)

Ein alter Bekannter

Selbst Stefan Reuter wandte sich von seinem Freund ab, obwohl er monatelang dessen Rücken gestärkt hatte. Er bat die Öffentlichkeit darum, dass man den Verantwortlichen das Wochenende über Zeit geben möge, die aktuelle Situationen zu analysieren und eine Lösung zu finden. Und das tat man auch, indem man am Montagnachmittag offiziell die Trennung von Heiko Herrlich und seinem Co-Trainer Iraklis Metaxas bekannt gab.

Die Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Trainers fand am Dienstagmittag um 13:00 Uhr statt. In dieser bedankte sich Sportdirektor Stefan Reuter noch einmal bei den beiden freigestellten Trainern, erklärte aber auch, dass diese Handlung mehr oder weniger unausweichlich gewesen war.

Weil wir natürlich in den letzten vier Spielen gegen direkte Konkurrenten – mit Ausnahme von Frankfurt, aber Schalke, Bielefeld und Köln – nur einen Punkt geholt haben. Und die Art und Weise wie die Mannschaft dann gespielt hat. Ich glaube, wir machen das hier nicht immer vom Ergebnis abhängig, sondern wir müssen spüren, dass die Überzeugung da ist. Und auch die Überzeugung innerhalb der Kabine da ist, dass wir das aus eigener Kraft schaffen. Das hat uns gefehlt und darum sind wir zu dem Entschluss gekommen, jetzt noch in dieser Saison auch zu reagieren.

Stefan Reuter über die Entlassung von Herrlich und Metaxas (https://www.youtube.com/watch?v=ng3LuigRCXA)

Wie auch schon Sportdirektor Stefan Reuter, möchte sich das Team von der Rosenau Gazette bei Heiko Herrlich und Iraklis Metaxas für deren Einsatz bedanken und wünscht ihnen auf diesem Weg alles Gute für ihre private und sportliche Zukunft.

Da wusste Heiko Herrlich wohl schon, was auf ihn zukommt… (Foto: Peter Schatz / Pool via Imago)

Unser Fazit zum Schluss

9 Jahre, 5 Trainer… Das klingt ganz in Ordnung, vor allem auch, wenn man sich die Trainerwechseln bei unseren derzeitigen Konkurrenten genauer ansieht. So hatte Schalke 04 im gleichen Zeitraum 12, der 1. FC Köln 9, Hertha BSC 7, Mainz 05 9, Werder Bremen 6 und Arminia Bielefeld ebenfalls 9 Trainer.

Was uns allerdings Sorgen bereitet, ist der mit 2 Jahren doch recht kurze Zeitraum, in dem wir drei Trainerwechsel hatten. Auch die kurzen Einsatzzeiten von Schuster, Schmidt und Herrlich sprechen nicht gerade dafür, dass man bei der Einstellung dieser Trainer den richtigen Durchblick gehabt hat. Natürlich war man von jedem einzelnen zu Beginn sehr überzeugt, aber diese Begeisterung war dann auch recht schnell abgenutzt. Gerade Dirk Schuster und Martin Schmidt waren nicht einmal ein Jahr im Amt.

Auffallend ist zudem auch, dass Stefan Reuter bei allen Wechseln – mit Ausnahme von Markus Weinzierl, da dieser von sich aus ging – immer die gleichen Argumente angab. “Wir waren nicht mehr überzeugt”, “Unser Ziel die Klasse zu halten war in Gefahr”, “In den letzten Wochen und Monaten sah man einen deutlich negativen Trend”, “Wir müssen die Wende schaffen” usw. kommt bei jeder einzelnen Freistellung vor.

Man sollte bedenken, dass es ein Sportdirektor nicht leicht hat, denn er trägt eine gewaltige Verantwortungen bei den Entscheidungen, die er zum Wohle des Vereins treffen muss. Trotzdem sind auch Stefan Reuters Beschlüsse nicht immer nachzuvollziehen. An einem Trainer hält er fest, obwohl seit wirklich langer Zeit ein Negativtrend – auch für Außenstehende – deutlich zu erkennen war. Andere Cheftrainer entließ er recht schnell, obwohl die Zahlen und Werte lange nicht so schlimm aussahen.

Natürlich spielt hier auch der Druck von außen und vielleicht auch Sympathie eine Rolle. Dennoch kann man schon die Meinung vertreten, dass Reuters Leistungen ebenfalls schwankend sind, wie er Manuel Baum einst vorgeworfen hat. Und so ist es kein Wunder, dass die Kritik an unserem Geschäftsführer Sport selbst ebenfalls immer lauter wird. Auch, weil es von außen nicht möglich ist, in die Kabine zu blicken. Die Außenperspektive wird sich deswegen immer von der Innenperspektive unterscheiden.

Lasst uns wieder jubeln! (Foto via Imago)

Nun hat Stefan Reuter also unseren Erfolgstrainer zurück ins Boot geholt, diesen aber auf dessen eigenen Wunsch nur mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet. Ob aus Sicherheit oder um zuerst einmal zu sehen, wie es gemeinsam läuft, bleibt die Frage und abzuwarten. Für Markus Weinzierl wünschen wir uns jedoch, dass er an seinen Erfolg bei uns anknüpfen kann und dass man doch längerfristig mit ihm plant. Denn sonst stehen wir im nächsten Jahr wieder genau da, wo wir jetzt stehen und dass wäre dann Trainerwechsel Nummer 4 in drei Jahren. Zu viel für unseren Geschmack…

Willkommen daheim, Markus!

Das ganze Wochenende lang fieberten sämtliche Fans auf die Entscheidung des FC Augsburg hin, ob man Trainer Heiko Herrlich entlassen würde oder nicht. Denn nach der desaströsen Leistung in der ersten Halbzeit gegen den 1. FC Köln war eines klar: So kann es nicht weiter gehen. Der Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz ist auf 4 magere Punkte zusammen geschrumpft. Die Spekulationen in den sozialen Netzwerken überschlugen sich. Und tatsächlich zog der Verein am Montagvormittag die Reißleine und entließ den gebürtigen Mannheimer sowie seinen Co-Trainer Iraklis Metaxas. Auch ein Nachfolger steht bereits fest. Es ist jener Mann, den so viele Anhänger des FCA gefordert haben: unser „Europaheld“ Markus Weinzierl. Mit ihm kommt Reiner Maurer als Co-Trainer an den Lech, der mit Türkgücü München den Aufstieg in die 3. Liga geschafft hat. Diese Entwicklungen haben wir uns daher zum Anlass genommen, mal einen kleinen Blick auf Markus Weinzierls Karriereverlauf zu werfen.

Karriere als Spieler

Seine aktive Zeit als Spieler begann der gebürtige Straubinger, der als Libero fungierte, in der Jugendabteilung seines Heimatvereins, dem TSV Straubing. 1989 wechselte er zum 1. FC Passau, der zu jener Zeit in der Oberliga Bayern spielte. Insgesamt kommt Markus Weinzierl dort auf 7 Tore in 47 Einsätzen. In der Saison 1994/95 legte er einen kleinen Zwischenstopp beim SV Lohhof ein, der seine Spiele in der Regionalliga Süd austrug. In 1928 Einsatzminuten schoss unser neuer alter Coach insgesamt 5 Tore.

Danach wurde der große FC Bayern auf ihn aufmerksam, wo er in 113 Spielen bei den Amateuren auflief. Bei der A-Mannschaft stand er in der Saison 1997/98 sieben Mal im Profikader. Gegen Mannschaften wie Leverkusen, Dortmund, Bremen, Kaiserslautern usw. saß unser Markus dort auf der Bank, doch für einen Einsatz unter Coach Giovanni Trapattoni reichte es leider nie.

Uns hätte er ja in einem rot-grün-weißen Trikot besser gefallen. 😉 (Foto via Imago)

Sein Profidebüt gab er somit erst 1999 in der 2. Bundesliga bei den Stuttgarter Kickers, wo er von 1999 bis 2001 unter Vertrag stand. 43 Spiele machte er für die Kickers in diesen beiden Jahren, erzielte ein Tor und legte eines auf. Seine nächste Station war die SpVgg Unterhaching. Dort blieb er allerdings nur ein halbes Jahr und kam dabei nicht über 6 Begegnungen hinaus.

Zum 01.01.2002 wechselte Weinzierl nach Regensburg, die damals in der Oberliga / Regionalliga Bayern spielten. Noch 33 Mal spielte er für den Jahn, bevor er sich in der Saison 2004/05 schwer verletzte und seine Karriere daraufhin beenden musste.

Vom Spieler zum Trainer

Am 01.07.2007 heuerte Markus Weinzierl als Co-Trainer unter dem damaligen Coach Günter Güttler beim SSV Jahn Regensburg an. Der Jahn stieg in jener Saison von der Regionalliga Süd in die 3. Liga auf. Genug für Coach Güttler, der zum Ligakonkurrent Wacker Burghausen wechselte. Es übernahm Thomas Kristl, den man aber nach dem 16. Spieltag entließ. So kam es, dass man Markus Weinzierl am 24.11.2008 sprichwörtlich ins kalte Wasser warf und ihm kurzerhand den Posten des Cheftrainers zuteilte. Und das ohne Fußballlehrer – Lizenz.

Von Anfang an hatte er es nicht gerade leicht, denn Regensburg stand finanziell am Abgrund. Geld für Transfers hatte man kaum. Und doch schaffte es Weinzierl, der die Mannschaft auf einem direkten Abstiegsplatz übernommen hatte, am letzten Spieltag den Klassenerhalt zu sichern. Das war für den Verein eine kleine Sensation, war man doch nur ganz knapp an der Insolvenz vorbei geschrammt.

Auch in der folgenden Saison konnte der Jahn mit sieben Punkten Vorsprung die Klasse zu halten. Zu Beginn der Spielzeit 2009/10 mischte man sogar im Aufstiegsrennen mit. Doch im Herbst brach man aufgrund der dünnen Kaderbesetzung ein.

In der Saison 2010/11 arbeitete der Straubinger neben seinem Job auch an seiner Trainerlizenz. Die Doppelbelastung war nicht einfach, denn er musste immer wieder zwischen Regensburg und Köln pendeln. Nicht viele Coaches halten dieser Belastung stand, denn drei Tage in der Woche vom Team getrennt zu sein, macht die Arbeit nicht unbedingt einfach. Dennoch schaffte man auch in diesem Jahr den Klassenerhalt – auf Platz 8 – und etablierte sich somit vollständig im Profigeschäft.

Vom Trainer zum Aufstiegshelden

2011/12 sprach eigentlich alles dafür, dass der Jahn absteigen würde, denn aufgrund mangelnder finanzieller Mittel und zahlreicher Abgänge, musste sich Markus Weinzierl seinen Kader aus Regionalligaspielern und Jungs aus der eigenen Jugend zusammen basteln.

Ich glaube, wir alle wissen, dass es diese Saison ganz ganz schwer wird.

Markus Weinzierl zu Beginn der Saison 2011/12
(https://www.liga3-online.de/markus-weinzierl-trainer-des-jahres/)

Es gab also kaum Hoffnung. Doch Weinzierl schaffte es, aus einem potentiellen Abstiegskandidaten eine Mannschaft zu formen. Er setzte seine Fähigkeiten als Teamplayer ein und kitzelte das bestmögliche aus seinen Spielern heraus. Er gab jedem Spieler das Gefühl gebraucht zu werden.

Und so kam es schließlich, dass Jahn Regensburg am Ende der Saison mit 61 Punkten auf Rang 3 und damit auf dem Relegationsplatz zur 2. Liga landete. Diese fand gegen den Karlsruher SC statt. Es wurde denkbar knapp, denn das Hinspiel in Regensburg ging 1:1 aus. Im Rückspiel führte Karlsruhe zwischenzeitlich mit 2:1, doch Weinzierl motivierte seine Jungs dazu alles zu geben. In der 66. Spielminute traf André Laurito zum 2:2 und der Jahn stieg in die 2. Bundesliga auf.

Als Aufstiegsheld direkt nach Augsburg (Foto: imago/Stockhoff)

Und da man immer aufhören soll, wenn es am schönsten ist, verlängerte Weinzierl seinen Vertrag damals nicht und schloss sich unserem FCA an.

Schwieriger Start in Augsburg

Wie wir alle wissen, stand Markus Weinzierl schon einmal bei uns unter Vertrag: Vom 01.07.2012 bis 30.06.2016. Er gilt als erfolgreichster Trainer der jüngeren FCA – Historie, da er uns in die Europa League geführt hat. Doch darauf komme ich noch zu sprechen.

In Augsburg hatte Weinzierl keinen guten Start. Nach der Hinrunde der Saison 2012/13 stand man mit gerade einmal 9 Punkten auf einem direktem Abstiegsplatz. Doch der FC Augsburg kündigte nicht dem jungen Trainer sondern Sportvorstand Jürgen Rollmann. Und das nach nicht einmal 10 Wochen im Amt. Trennungsgrund: Unüberbrückbare Differenzen. Für Rollmann kam Stefan Reuter und sofort verstärkte man noch einmal den Kader. Neben André Hahn holte man Dong-Won Ji, Michael Parkhurst und Somen Tchoyi.

Tja, und was soll man sagen: Unser FCA legte in der Rückrunde richtig los und sicherte sich im letzten Spiel der Saison gegen Greuther Fürth den direkten Klassenerhalt.

Die folgenden beiden Jahre kann man nur als die „Blütezeit des Markus Weinzierl“ beschreiben, denn es waren die wohl erfolgreichsten der Vereinsgeschichte. 2013/14 erreichte man beispielsweise das DFB-Pokal Achtelfinale, das man gegen Bayern München 0:2 verlor. Doch in der Bundesliga-Tabelle landete man überraschend auf Platz 8 mit 52 Punkten. Die darauf folgende Saison lief sogar noch besser, denn man konnte von 35 Partien 15 gewinnen. Wer erinnert sich noch daran, wie wir am letzten Spieltag 3:1 in Gladbach (Platz 3) gewannen, obwohl wir zur Pause 0:1 zurück lagen? Aber durch Tore von Höjbjerg und Matavz drehten wir die Partie binnen 5 Minuten, bevor Sascha Mölders in der 5. Minute der Nachspielzeit dem ganzen die Krone aufsetzte.

Der Jubel kennt keine Grenzen (Foto via Imago)

Am Ende diesen Jahres wurde Weinzierl von der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) zum besten Trainer der Saison gewählt und setzte sich dabei gegen namenhafte Konkurrenz wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp durch.

Markus Weinzierl – Unser Europaheld

In der Folgesaison betrat der FC Augsburg also zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte europäischen Boden. Und dort stellten wir uns gar nicht mal so schlecht an, würde ich sagen. Viele Fußballexperten sahen uns schon weit abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz, doch unsere Jungs konnten alle überraschen.

Im „Wunder von Belgrad“ schlugen wir unseren direkten Konkurrenten FK Partizan Belgrad 3:1 und warfen sie kurzerhand aus dem Wettbewerb. Im Sechszehntelfinale sollte allerdings gegen den späteren Finalisten FC Liverpool Schluss sein. Jedoch gingen wir nicht gnadenlos unter, wie im Vorfeld prophezeit wurde, sondern lieferten Jürgen Klopp und seinen Jungs einen Kampf, der sich sehen lassen konnte. Es brauchte schon einen Handelfmeter, um uns den Garaus zu machen.

“Da schau mal, deine Jungs spielen uns an die Wand!” – Markus Weinzierl und Jürgen Klopp in Anfield beim Sechszehntelfinale in der Europa League (Foto via Imago)

In der Liga lief es durch die Doppelbelastung zuerst leider nicht so gut. Am zehnten Spieltag lagen wir beispielsweise auf Platz 18, doch wir wären nicht der FCA, wenn wir uns nicht wieder heran gekämpft hätten. Am Ende schafften wir es mit 38 Punkten auf Platz 12, auch wenn der Vorsprung auf den Relegationsplatz mit zwei Punkten denkbar knapp war.

Aufhören, wenn es am schönsten ist

Die Trennung von Markus Weinziel lief leider alles andere als harmonisch ab, weswegen wir von Glück reden können, dass er heute wieder bei uns ist. Im April 2015 hatte der Oberpfälzer seinen Vertrag bei uns noch bis 2019 verlängert, doch nicht einmal ein Jahr später kam er mit dem Wunsch nach Veränderung auf die Verantwortlichen zu.

Wir haben alles erreicht, was wir zusammen erreichen konnten. Jetzt muss einer mit neuen Ideen und neuen Visionen übernehmen. Nun ist es an der Zeit für den nächsten Schritt.

Markus Weinzierl über den Wechsel nach Schalke (https://www.tz.de/sport/fussball/schalke-offenbar-kurz-vor-verpflichtung-von-weinzierl-zr-6428479.amp.html)

Es begann ein regelrechtes Tauziehen um Markus Weinzierl, der gerne zu Schalke 04 wechseln wollte. Er setzte sich am Ende durch und ließ über seinen Rechtsanwalt den zuvor geschlossenen Vertrag auflösen. Für eine Ablösesumme von ca. 3 bis 5 Millionen Euro (genaue Summe nicht bekannt) ließ man ihn schließlich ohne offizielle Verabschiedung ziehen.

Kein Glück auf Schalke!

Natürlich waren die Erwartungen an Weinzierl riesig, hatte er doch mit uns so viel erreicht. Doch in Gelsenkirchen hatte er es sehr schwer, eben weil die Schalker ihre Ziele sehr hoch steckten. Das Erreichen der internationalen Wettbewerbe war Pflicht!

Vom Regen in die Traufe (Foto via Imago)

Aber genau das schaffte Weinzierl leider nicht. Mit 11 Siegen, 10 Unentschieden und 13 Niederlagen stand man am Ende der Saison 2016/17 lediglich auf Platz 10 in der Tabelle. In der Europa League war man im Viertelfinale gegen Ajax Amsterdam ausgeschieden. Gleiches gilt für den DFB-Pokal. Dort verlor man gegen den FC Bayern München mit 0:3.

Kein Wunder also, dass der Verein nach Saisonende reagierte und Weinzierl durch Domenico Tedesco ersetzte. Immerhin hatte man das Saisonziel weit verfehlt. Das ganze ging sogar so weit, dass Weinzierl ein letztes Treffen mit seinem Sportvorstand verweigerte.

Stuttgarter Zeiten

Am 07.10.2018 gab der VfB Stuttgart die Trennung von Trainer Tayfun Korkut bekannt, der in insgesamt 8 Partien nur einen Sieg einfahren konnte. Die Stuttgarter lagen mit nur 5 Punkten auf dem letzten Platz in der Tabelle. Retten sollte den baden-württembergischen Club kein geringerer als unser Markus Weinzierl.

Doch auch dort lief es für ihn nicht wirklich rund. In 23 Spielen konnte er nur 4 Siege und 4 Unentschieden einfahren. 15 Partien verlor er mit dem VfB. Es war daher ein offenes Geheimnis, dass ausgerechnet das Spiel gegen Augsburg am 30. Spieltag der Saison 2018/19 das entscheidende für Weinzierl sein sollte. Sein Stuhl wackelte kräftig und viele Fans hatten bereits vor der Parte eine Entlassung gefordert. Immerhin lag man mit nur 21 Punkten auf dem Relegationsplatz.

Des einen Freud, des andren Leid… (Foto via Imago)

Und so waren es unsere Jungs, die Markus’ Schicksal schließlich besiegelten. Wir hatten mit Martin Schmidt einen neuen Coach an der Seitenlinie stehen, der in seinem ersten Heimspiel natürlich einen guten Eindruck hinterlassen wollte. Und was für ein Eindruck das war! Der FC Augsburg fuhr den höchsten Sieg unserer Bundesligahistorie ein und schoss den VfB mit 6:0 aus der WWK-Arena.

Dieses für uns so tolle Erlebnis bedeutete für Markus Weinzierl allerdings leider das Ende, denn der Club gab noch am selben Tag seine Freistellung bekannt.

Zurück in der Heimat

Der VfB Stuttgart war Weinzierls vorerst letzte Trainerstation. Das bedeutet, dass er relativ genau zwei Jahre ohne Beschäftigung war. Allgemein war es sehr ruhig um unseren Erfolgstrainer. Im Mai 2020 hatte er einen Auftritt bei Blickpunkt Sport, wo er auch über Geisterspiele, unseren FC Augsburg und den damaligen Neutrainer Heiko Herrlich sprach. Doch ansonsten sah und hörte man recht wenig von ihm.

Bis Februar 2021… Schon da gab es Spekulationen, dass Weinzierl Trainer Heiko Herrlich beerben sollte. Diese verliefen sich jedoch im Sand, da Sportvorstand Stefan Reuter seinem Coach immer wieder den Rücken stärkte.

Doch gestern Vormittag schließlich die Hammermeldung: Markus Weinzierl kommt zurück zu unserem FC Augsburg. Das ganze Wochenende über hatte der Großteil der Fans bereits nicht nur eine Entlassung Heiko Herrlichs sondern auch eine Wiederverpflichtung des Straubingers gefordert.

Passt wie angegossen und steht ihm immer noch hervorragend (Foto via Imago)

Tatsächlich erfüllte Stefan Reuter ihnen genau diesen Wunsch und stattete Weinzierl mit einem Vertrag bis 2022 aus.

In der ausführlichen Analyse sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir einen Wechsel auf der Trainer-Position vornehmen müssen. Wir haben daraufhin mit Markus Weinzierl am Wochenende ausführliche und sehr gute Gespräche geführt. Hierbei sind wir zur Überzeugung gelangt, dass Markus der absolut richtige Trainer für die jetzige Situation ist und er enorm große Lust verspürt, wieder beim FC Augsburg zu arbeiten.

Stefan Reuter über die Einstellung von Markus Weinzierl (https://www.fcaugsburg.de/article/fca-trennt-sich-von-heiko-herrlich-markus-weinzierl-neuer-cheftrainer-13664)

Auch Markus Weinzierl gab ein Statement ab, wie sehr er sich freue, noch einmal die Chance bei uns zu bekommen.

Ich freue mich riesig wieder mit Stefan Reuter und der Mannschaft zusammenzuarbeiten und an die erfolgreichen gemeinsamen Jahre anknüpfen zu können. Ich habe dem Verein viel zu verdanken und möchte den FCA wieder in die Erfolgsspur führen. Es ist schön, dass ich die Möglichkeit bekomme, wieder für den FCA als Trainer zu arbeiten und bin überzeugt, dass wir unser Ziel, die Klasse zu halten, gemeinsam erreichen werden.

Markus Weinzierl über seine Rückkehr (https://www.fcaugsburg.de/article/fca-trennt-sich-von-heiko-herrlich-markus-weinzierl-neuer-cheftrainer-13664)

An seiner Seite

Nachdem der FC Augsburg Co-Trainer Iraklis Metaxas ebenfalls entlassen hat, gesellt sich ein neues Gesicht auf die Augsburger Trainerbank. Mit Reiner Maurer hat man einen wirklich sehr erfahrenen Mann an die Seite von Markus Weinzierl gestellt. Der 61 Jahre alte Fußballlehrer hat nämlich selbst einige Trainerstationen als Chef hinter sich. So arbeitete er bereits von 2004 bis 2006 sowie von 2010 bis 2012 beim TSV 1860 München.

Seinen größten Erfolg kann er mit Drittligist Türkgücü München verzeichnen, die er vom 01.07.2019 bis 31.05.2020 anführte. Mit ihm schafften die Münchener den Aufstieg von der Regionalliga in die nächsthöhere Klasse, auch wenn dieser aufgrund der Coronakrise abgesprochen wurde. Türkgücü befand sich zu jenem Zeitpunkt nämlich auf Platz eins der Tabelle, als die Saison unterbrochen wurde. In 26 Spielen schaffte Maurer hier einen Schnitt von 2,31 Punkten pro Partie.

Vorerst nur für 3 Spiele an Weinzierls Seite – Co-Trainer Reiner Maurer (Foto: kolbert-press/Christian Kolbert via Imago)

Weitere Stationen Maurers sind vor allem in Griechenland zu finden. So trainierte er unter anderem AS Rhodos, AO Kavala und OFI Kreta. Aber er schreckte auch nicht vor weiten Entfernungen zurück, denn er stand vom 09.11.2015 bis 18.11.2017 bei Angthong FC in Thailand unter Vertrag.

Reiner Maurer ist aber vorerst nur für die letzten drei Spiele als Weinzierls Co-Trainer vorgesehen. Wie es danach weiter geht, ist noch vollkommen offen. Da Maurer aber ursprünglich aus dem Allgäu kommt, kann er sich sehr gut vorstellen, beim FC Augsburg zu bleiben. Welche Funktion er nach Saisonende bekleiden könnte, klärt man laut Stefan Reuter im Sommer.

Erwartungen

Mit Markus Weinzierl, Reiner Maurer, Tobias Zellner und Jonas Scheuermann sehen wir unser Trainerteam sehr gut aufgestellt. Weinzierl war schon immer ein Typ, der aus Mannschaften eine Einheit auf dem Platz formen konnte. Mit Feuer und Leidenschaft agiert der Straubinger am Seitenrand und lebt jede Partie, als stünde er gerne selbst auf dem Platz.

Genau so einen Impuls ist bei unseren Jungs zwingend notwendig, denn das Zusammenspiel hat unter Heiko Herrlich von außen betrachtet doch sehr gelitten.

Ich habe alle Spiele gesehen. Einfach, weil mich der Verein interessiert, weil mich die Mannschaft interessiert in den letzten Monaten. Und mir ist so ein bisschen die Identität verloren gegangen von den Jungs. Wie ich sie kenne, wie sie spielen.

Markus Weinzierl bei der Vorstellungs-PK am 27.04.2021

Das mag der Unzufriedenheit einiger Spieler geschuldet sein, doch nun ist es sehr wichtig, dass Weinzierl genau an diesem Punkt ansetzt. Dass unsere Jungs es können, haben sie in der zweiten Halbzeit gegen Köln gezeigt. Nicht viel hat gefehlt und man hätte das 0:3 noch ausgleichen können.

Ich denke, ich spreche im Namen vieler Fans, dass wir nun hoffen dürfen, attraktiven, leidenschaftlichen und vor allem auch kämpferischen Fußball zu sehen. In den letzten Wochen und Monaten ließ das der FCA doch sehr vermissen.

Aber ich bin der Meinung, dass Markus Weinzierl es schaffen wird, die Jungs aufeinander einzuschwören, sodass wir die noch fehlenden Punkte, die uns die Klasse sichern, holen werden. Dazu muss aber eines passieren – und nein, ich will euch keine Angst machen, sondern nenne einfach nur die Fakten. Weinzierl muss nämlich seine eigene Serie brechen.

Weinzierl und der FCA… Eine Symbiose, die seinesgleichen sucht! (Fotomontage via Imago)

Bei seinen bisherigen Bundesligastationen schaffte unser neuer alter Coach es nämlich nie, in den ersten drei Partien einen Sieg einzufahren. Sowohl bei Schalke als auch bei Stuttgart verlor er alle drei Spiele, bei unserem FC Augsburg schaffte er immerhin ein Unentschieden. Da wünschen wir ihm doch, dass er es wie einst zu Regensburger Zeiten macht. Dort fuhr er nämlich ein Unentschieden und zwei Siege ein. Also mach es noch einmal wie beim Jahn, Markus!

Eine Vorstellung, die einem das Herz aufgehen lässt

Natürlich ist die Vorgabe ganz klar: Klasse halten und sich dann im Sommer ordentlich auf die kommende Saison vorbereiten. Das ganze ist laut Aussage unseres Coach natürlich auch ein langwieriger Prozess, denn eine Mannschaft zu entwickeln macht man nicht mal einfach so von heute auf morgen.

Wer die Pressekonferenz zur Vorstellung von Markus Weinzierl gesehen hat, der hat bereits gehört, wie der Plan unsers alten und neuen Trainers ungefähr aussieht. Ich kann nur für mich selbst sprechen, doch ich habe ihm jedes einzelne Wort abgenommen. So viel Leidenschaft und Begeisterung haben wir bei unserem FCA schon länger nicht mehr in einer derartigen Veranstaltung gesehen.

Eine Aussage ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben, denn sie beschreibt mit jedem einzelnen Wort die Tugenden unseres Vereins. Viel zu lange haben wir diese nicht mehr sehen oder verspüren dürfen.

Da müssen wir wieder hin kommen. Die eigenen Stärken heraus zu kehren, die eigene Identität wieder zu finden, eben aggressiv, mutig zu sein, Spaß am Zweikampf zu entwickeln und eklig zu sein. Ein ekliger Gegner zu sein, wo man unangenehm dem Partner gegenübertritt – dem Gegenspieler. Und das habe ich vermisst und da will ich die Jungs von der Einstellung, von der Mentalität wieder hinbringen. Plus natürlich eine spielerische Entwicklung. Plus natürlich auch den Umschaltmoment, der mir auch ein bisschen gefehlt hat. Das war immer die größte Stärke des FC Augsburg.

Markus Weinzierl bei der Vorstellungs-PK am 27.04.2021

Herzlich willkommen, Markus und Reiner!

Wir, das komplette Team der Rosenau Gazette, heißen Markus Weinzierl und natürlich auch Reiner Maurer herzlich willkommen (zurück) in unserem schönen Schwabenländle.

Wir freuen uns sehr, dass ihr hier seid, und wünschen euch einen guten und vor allem auch erfolgreichen Start. Gerne hätten wir euch live im Stadion begrüßt und euch einen tollen Empfang bereitet. Wir Fans stehen hinter euch und der Mannschaft, auch wenn wir euch leider nur von zu Hause aus unterstützen können. Im Herzen stehen wir an eurer Seite.

Rot-Grün-Weiße Grüße

Herrlich, ein Sündenbock?!

Lediglich 29 Tore konnten unsere Jungs bisher in der laufenden Saison erzielen. Die Stimmen, die eine Entlassung Herrlichs fordern, werden in den sozialen Netzwerken immer lauter. Aufgrund der Frage, ob ein Cheftrainer immer die alleinige Schuld an dem Auftreten einer Mannschaft trägt, haben wir uns im ersten Teil unserer zweiteiligen Co-Trainer-Reihe die Aufgaben eines Trainers genauer angeschaut und dabei festgestellt, dass dieser einige davon abgibt. Außerdem haben wir gesehen, dass unser Coach mit Nico Schneck und Roman Týce schönen Offensivfußball auf den Platz zaubern konnte. Dieses Ziel hatte Heiko Herrlich sich auch für unseren FCA vorgenommen. Doch wie wir alle wissen, ist das momentan nicht der Fall. Deswegen möchten wir euch in dieser Episode den Mann an Heiko Herrlichs Seite vorstellen. Dabei betrachten wir gleichzeitig eine Station in Herrlichs Vita, bei der er nicht brillieren konnte. Diese zeigt nämlich, dass ein Trainer manchmal einfach nur ein Sündenbock für die Entscheidung anderer sein kann.

Kurze Episode in Bochum

Mit der Verpflichtung Heiko Herrlichs am 27.10.2009 ging der VfL Bochum damals ein großes Risiko ein, denn bis dato hatte Herrlich noch nie eine Profimannschaft trainiert. Mannschaften wie die U19 von Borussia Dortmund sowie die U17 und die U19 der DFB-Auswahl waren auf seinem Lebenslauf zu finden. Doch der Revierklub war zum Handeln gezwungen, denn dank der Vorgänger Marcel Koller und Frank Heinemann stand der VfL mit gerade einmal 8 Punkten nach 10 Spieltagen auf einem direkten Abstiegsplatz.

So nahm man zum 11. Spieltag den ehemaligen Stürmer unter Vertrag. Dieser brachte seinen Co-Trainer aus der U19-Nationalmannschaft zu dem gefährdeten Erstligisten mit: Iraklis Metaxas, auf den wir gleich noch genauer eingehen werden.

Nun wird es interessant, da man bei Herrlichs vorherigen Stationen sehen konnte, dass dieser in Zusammenarbeit mit Nico Schneck und Roman Týce geschafft hat, Mannschaften zu absoluten Torgaranten zu formen. Beim VfL Bochum lief das jedoch anders. Zwar stellte man auch hier das System auf ein 4-2-3-1 um, doch die Taktik war defensiv ausgerichtet. Wie auch jetzt bei uns in Augsburg.

Wirklich zufrieden dürfte Herrlich über seine Leistung in Bochum nicht sein… (Foto: imago/Norbert Schmidt)

In insgesamt 22 Spielen für die Bochumer konnte man nur 4 Siege einfahren. Wirft man hierbei einen Blick auf die Tore, so stellt man fest, dass die Mannschaft in der gesamten Zeit gerade einmal 22 Tore schießen konnte. Bekommen hat man 37. Das bedeutet eine Ausbeute von einem geschossenem Tor und 1,68 erhaltenen Toren pro Spiel.

Von wegen nicht emotional

Doch der offizielle Trennungsgrund ein halbes Jahr später war nicht die schlechte Tabellenplatzierung, sondern ein Ausraster Heiko Herrlichs, was wiederum zeigt, dass doch Feuer in ihm stecken muss.

So wie die Mannschaft am Montag trainiert hat, hatte ich allen Grund eine Wanne durch die Kabine zu treten. Aber nicht in Reichweite der Spieler.

https://www.sueddeutsche.de/sport/vfl-bochum-heiko-herrlich-der-klub-wurde-nervoes-1.937014-2

Nach einer schlechten Trainingseinheit trat dieser nämlich eine Plastikwanne durch die Kabine und beschimpfte die Spieler als „Osterhasen“. Allgemein habe ein sehr rauer Umgangston geherrscht und mehrere Spieler hatten sich bei der Führung über den Coach beschwert.

Der Mann an Herrlichs Seite

Wie auch schon beim VfL Bochum steht heute Iraklis Metaxas unserem Coach als Co-Trainer zur Seite. Seit 10.07.2020 ist der gebürtige Kölner, der am 10.07. dieses Jahr 54 Jahre alt wird, Teil des Trainerteams. Im Jahr 2001 erwarb er seine Fußballlehrer-Lizenz mit Prädikatsauszeichnung. Sprich, er gehörte zu den Besten seines Jahrgangs.

Trotz ausgiebiger Recherchen, haben wir nicht herausfinden können, wie Metaxas zum Fußball gekommen ist, oder ob er jemals selbst im Profibereich als Spieler aktiv gewesen war. Viel spricht nicht dafür, denn auf keiner der gängigen Seiten gibt es ein Spielerprofil mit dem Namen Iraklis Metaxas. Daraus lässt sich schließen, dass Metaxas ein so genannter “Theoretiker” ist, was aber jetzt nichts schlechtes sein muss.

Auf Metaxas’ Lebenslauf stehen bisher 11 Stationen:

  • 01.01.2001 – 26.10.2009: DFB Jugend → Koordinator Talentförderung
  • 01.07.2008 – 26.10.2009: Deutschland U19 → Co-Trainer unter Heiko Herrlich (15 Spiele) und Horst Hrubesch (5 Spiele)
  • 27.10.2009 – 30.06.2011: VfL Bochum → Co-Trainer unter Heiko Herrlich (22 Spiele), Dariusz Wosz (2 Spiele) und Friedhelm Funkel (37 Spiele)
  • 01.07.2011 – 30.06.2013: VfL Bochum II → Trainer
  • 01.07.2013 – 31.12.2013: SC Freiburg → Co-Trainer unter Christian Streich (26 Spiele)
  • 01.01.2014 – 22.03.2015: Leiter der Freiburger Fußballschule
  • 01.01.2014 – 22.03.2015: SC Freiburg II → Trainer
  • 12.11.2015 – 14.09.2016: Griechische Nationalmannschaft → Co-Trainer unter Michael Skibbe (8 Spiele)
  • 15.09.2016 – 23.02.2019: Leverkusen U19 → Trainer
  • 24.02.2019 – 30.06.2020: SV Darmstadt 98 → Co-Trainer unter Dimitrios Grammozis (47 Spiele)
  • Seit 10.07.2020: FC Augsburg → Co-Trainer unter Heiko Herrlich

Griechisches System und seine Folgen

Wie bereits erläutert, gibt der Trainer auch Aufgaben ab, da er diese alleine gar nicht schaffen würde. Und drei Mal dürft ihr raten, welchen Bereich unser Coach gerne einmal anderen überlässt. Richtig: die Taktik!

Die taktische Ausrichtung machte meistens mein Co-Trainer Iraklis Metaxas.

https://www.sueddeutsche.de/sport/vfl-bochum-heiko-herrlich-der-klub-wurde-nervoes-1.937014-2

So war es beim VfL Bochum, also ist davon auszugehen, dass Herrlich auch bei uns seinem Kompagnon diese Aufgabe zuteil werden lässt. Und dass Metaxas gerne defensiv auflaufen lässt, ist kein Geheimnis. Sieht man sich die Statistik an, welche Spieler am meisten unter Herrlichs Co eingesetzt wurden, so stellt man fest, dass diese überwiegend Defensivspieler sind. Auf Platz 1 steht dabei Christian Mengert (defensives Mittelfeld) mit 69 Einsätzen. Danach folgen mit Jannik Stevens und Julian Wolff ein linker Verteidiger und ein Innenverteidiger. Die erste Offensivkraft ist Sam Schreck, der im Jahr 2018 unter Herrlich im Kader von Bayer Leverkusen stand, mit 36 Einsätzen.

Vergleichsspielchen

Wie wir in unserem vorherigen Artikel bereits sehen konnte, zeigte Heiko Herrlich mit seinen vorherigen Mannschaften wunderschönen Offensivfußball. Torgefahr garantiert! Hier mal eine kleine Übersicht, damit ihr wisst, was ich meine.

TeamTorverhältnis gesamtTorverhältnis pro Spiel
SpVgg Unterhaching63 : 59 (in 38 Spielen)1,66 : 1,55
Regensburg 2015/1620 : 9 (in 13 Spielen)1,54 : 0,69
Regensburg 2016/1762 : 50 (in 38 Spielen)1,63 : 1,32
Leverkusen 2017/1858 : 44 (in 34 Spielen)1,71 : 1,29
Leverkusen 2018/1926 : 29 (in 17 Spielen)1,53 : 1,71
Leverkusen Europa League16 : 9 (in 6 Spielen)2,66 : 1,50

Nun haben wir natürlich auch verglichen, wie die Torausbeute mit bzw. unter Iraklis Metaxas ausgesehen hat. Mit dem VfL Bochum erreichte man in 22 Spielen ein Torverhältnis von 22:37. Das bedeutet, dass die Bochumer pro Spiel durchschnittlich lediglich ein Tor schießen konnten und 1,68 kassierten. Bei Bochum II, die Iraklis Metaxas selbst trainierte stehen folgende Werte auf dem Papier: Jahr 1 → 42:64 (1,17:1,78), Jahr 2: 47:42 (1,24:1,11)

Derzeit hat der FCA ein Torverhältnis von 29:42. Das heißt, man schießt pro Partie 1,07 Tore und kassiert 1,56. Sehr ähnliche Werte im Vergleich zu Bochumer Zeiten, wenn ihr mich fragt.

Welche taktischen Anweisungen hier wohl gegeben werden? “Bloß nicht nach vorne”?(Foto via Imago)

Unser Fazit

Ein Cheftrainer hat es nicht leicht. Er hat viele verschiedene Aufgaben, die er an die richtigen Leute delegieren muss. Daher ist das Team um ihn herum genauso wichtig und zur Verantwortung zu ziehen wie er selbst. Und trotzdem ist der Trainer derjenige, der den Kopf hin hält und im Zweifelsfall auch seine Koffer packen muss. Zuerst geht immer der Chef.

Wie man an den von uns gewählten Beispielen sehr gut sehen kann, ist es nicht nur Heiko Herrlich allein, der die Schuld an unserer momentanen Passivität und der unattraktiven Spielweise trägt. Bei seinen vorherigen Stationen hat er nämlich durchaus gezeigt, dass er für offensiven Fußball steht und es schafft, dass sich seine Mannschaften viele Chancen heraus arbeiten.

Dieses Ziel hatte er sich eigentlich auch für den FC Augsburg gesetzt.

Wir haben uns immer – egal, wo ich war – sehr viele Torchancen heraus gespielt. Das war in Regenburg so. Da hatten wir bei den beiden Aufstiegen die meisten Torchancen und die meisten Tore. Und auch in Leverkusen in meinem ersten Jahr hatten wir statistisch die zweitmeisten Großchancen gehabt. Und das sind auch Elemente, die ich hier rein bringen möchte.

Heiko Herrlich bei seiner Vorstellung am 10.03.2020

Gab es eine Alternative?

Wie unsere Auswertung zeigt, hat unser Coach in diesem Fall nicht gelogen, denn sowohl mit Unterhaching, Regensburg und Leverkusen konnte Herrlichs Team sehr viele Tor vorweisen. Allerdings hatte er bei Bayer und auch in Regensburg mit Nico Schneck einen Co-Trainer, der als ehemaliger zentraler Mittelfeldspieler offensiv ausgerichtet war. Auch Roman Týce wusste als ehemaliger Spielführer, worauf es ankommt.

Doch obwohl beide zum damaligen Zeitpunkt frei gewesen wären, entschied man sich dafür, Iraklis Metaxas ins Augsburger Boot zu holen. Eine Entscheidung, die wir angesichts der Episode in Bochum nicht wirklich nachvollziehen können. Zwar haben Herrlich und er auch schon die U19-Nationalmannschaft über einen Zeitraum von 16 Monaten zusammen trainiert, doch Metaxas hat für unseren Geschmack seinen Chef auch im Stich gelassen. Denn während Herrlich seine Koffer packen musste, blieb der Grieche damals in Bochum.

Für uns wäre Nico Schneck die bessere Wahl als Co-Trainer gewesen. Nicht nur aufgrund der Torausbeute bei den vorangegangen Stationen, sondern auch, weil das Team Schneck und Herrlich eine Zusammenarbeit von 2,5 Jahren vorweisen kann. Mit Iraklis Metaxas arbeitete Herrlich insgesamt nur ein Jahr und 10 Monate zusammen.

Man sieht deutlich, dass die Wahl des richtigen Co-Trainers sehr viel ausmachen kann, denn er hat mehr Einfluss, als man glauben möchte. Ein Co kann sehr wohl auch die Taktik für ein Spiel ausgeben und bei der Aufstellung mitsprechen, wenn der Cheftrainer ihm diese Aufgabe überträgt.

Schuldfrage?!

Daher müssen wir uns alle die Frage stellen, ob man Heiko Herrlich die alleinige Schuld für die derzeitige Situation zuweisen kann. Wir sagen, nein… Er trägt die Verantwortung und muss dafür gerade stehen, aber nicht alle Entscheidungen trifft er selbst. Bei der Personaleinstellung hat auch die sportliche Leitung ein Wörtchen mitzureden.

Heiko Herrlich hatte bei seinem Amtsantritt darauf verzichtet, einen neuen Co-Trainer dazu zu nehmen. Es war aber klar abgesprochen, dass wir nach der Saisonanalyse prüfen, wie wir das Trainerteam weiter sinnvoll ergänzen können. Wir freuen uns daher, dass wir mit Iraklis Metaxas und Kristián Barbuščák zwei absolute Fachmänner für unseren FCA gewinnen konnten, die uns in der individuellen Arbeit mit den Spielern nach vorne bringen werden.

https://www.media-sportservice.de/2020/07/13/fc-augsburg-ex-leverkusener-iraklis-metaxas-unterstuetzt-heiko-herrlich/

Habt ihr schon mal beobachtet, wie die Wechsel innerhalb einer Partie vonstatten gehen? Unser Coach nimmt immer Rücksprache mit seinem Assistenten. Und dieser steht für einen sehr defensivlastigen Fußball…

Stefan Reuter redet auch gerne mal ein Wörtchen mit (Foto via Imago)

Hat man Heiko Herrlich also am Ende vielleicht nur den falschen Mann an die Seite gestellt? Könnte durchaus sein, denn die Beweise, dass Herrlichs trainierte Mannschaften es auch anders können, sind nicht von der Hand zu weisen. Bleibt die Frage: Wer hat über diese Personalie entschieden? War es Herrlich selbst oder jemand anders?

Iraklis Metaxas wäre nicht der erste Co-Trainer, den man ungefragt in den Verein geholt hat, denn wir alle erinnern uns sicherlich noch an Jens Lehmann… Und hatte Manuel Baum damals ein Mitspracherecht?

Erklärungen zum Schluss

Wir wollen Heiko Herrlich hier nicht in Schutz nehmen, denn auch wir sind der Meinung, dass es so über die Dauer nicht weitergehen kann. Wir wollten mit diesem Bericht lediglich aufzeigen, dass nicht immer die Schuld beim Cheftrainer alleine liegt, der allerdings immer zur Verantwortung gezogen wird.

Natürlich kann man den Unmut vieler Fans durchaus nachvollziehen. Die Art und Weise, wie unsere Jungs momentan Fußball spielen, ist nur sehr schwer zu ertragen. Man wünscht sich den Mut, den Willen und den Kampfgeist zurück, den wir unter Herrlichs Vorgängern sehen durften. Aber man hat weder beim Trainer noch bei unserem ersten Co-Trainer das Gefühl, als würden sie das Team in die richtige Richtung bewegen. Zumindest hört man bei jedem Spiel die gegnerische Bank, unsere eigene aber nicht.

Doch noch ist ein Trainerwechsel nicht in Sicht. Das würde wahrscheinlich auch zum jetzigen Zeitpunkt zu viel Unruhe ins Team bringen. Aber eines dürfte feststehen: es wird ziemlich sicher ein sehr spannender Sommer. Und vielleicht finden wir ja mal wieder einen Augsburger Sonderweg, an dem wir zwar am Cheftrainer festhalten, dafür allerdings deutliche Veränderungen bei Co-Trainer und Trainerteam vornehmen.

Herrlich offensiv!

Wirft man einen Blick auf die Rückrundentabelle, so steht eine Punkteausbeute von 13 Punkten aus bisher 11 Spielen auf dem Augsburger Hausaufgabenzettel vor dem Spiel gegen Bielefeld. Das bedeutet einen soliden 8. Platz. In den letzten 5 Spielen vor dem Duell gegen Schalke 04 lag unser FCA sogar im Bereich der internationalen Plätze. Mit 9 Zählern stand lediglich der FC Bayern, VfL Wolfsburg, RB Leipzig und dem VfB Stuttgart vor uns. Und trotzdem werden die Stimmen, die eine Entlassung Heiko Herrlichs fordern, in den sozialen Netzwerken immer lauter. Zu unansehnlich sei die Augsburger Spielweise, der Hang zur Passivität kaum mehr ertragbar. Aber kann Heiko Herrlich wirklich immer alleine für die Taktik verantwortlich gemacht werden oder ist er eigentlich nur der Sündenbock für die Entscheidungen anderer? Macht immer der Coach die Aufstellung oder gibt dieser auch Aufgabenbereiche ab? Wer sind bzw. waren die Co-Trainer, die Heiko Herrlich dabei zur Seite stehen?

Aufgaben eines Trainers

Das Tätigkeitsfeld eines Fußballtrainers ist sehr umfangreich. Er ist quasi der Kapitän, der ein Schiff durch die stürmische See lenken muss. Oder – um es auch anders auszudrücken – er ist derjenige, der die Verantwortung trägt und den Kopf hin hält. Auf einer Broschüre des BDFL (Bund deutscher Fußballlehrer) finden sich folgende Bereiche, die grundsätzlich in einem Verein anfallen und zunächst auch den Aufgabenbereich eines Fußballlehrers betreffen:

  • Trainingssteuerung (z.B. Leistungsdiagnostik)
  • Trainingsplanung (z.B. Vorbereitung, Nachbereitung, Dokumentation)
  • Austausch mit dem Funktionsteam
  • Austausch mit der medizinischen Abteilung
  • Mannschaftsführung (z.B. Gespräche mit Spielern)
  • Kaderplanung (z.B. Scouting, Kontakt zu Spielerberatern)
  • Taktiktraining / – schulung (z.B. Spielanalyse, Präsentationen)
  • Athletik-, Fitness-, Konditionstraining
  • Gegneranalyse
  • Austausch mit Vereinsverantwortlichen
  • Nachwuchsförderung
  • Organisation / Administration
  • Medien- und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Pressekonferenzen, Interviews)

Es handelt sich hierbei um so viele unterschiedliche Aufgaben, die ein Mensch alleine kaum bewältigen kann. Es ist also sehr wichtig, dass ein Coach ein gutes Team um sich herum aufbaut, dem er vollstes Vertrauen schenken und somit auch Tätigkeiten übergeben kann.

Was macht eigentlich ein Co-Trainer?

Heiko Herrlich hat mit Iraklis Metaxas, Tobias Zellner und Jonas Scheuermann drei Co-Trainer, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen und entlasten. Doch warum ist ein guter Co-Trainer so wichtig? Wie oben schon gesehen, ist es nicht damit getan, die Mannschaft jeden Tag auf dem Platz zu trainieren. Hinzu kommen Einzeltrainings und spezielle Einheiten zur Vorbereitung wichtiger Spiele. Auch für die Psyche eines Spielers muss ein Trainer oder Co-Trainer ein gewisses Fingerspitzengefühl haben.

Insgesamt lässt sich das Mannschaftsumfeld in drei große Bereiche teilen, die entweder vom Cheftrainer oder eben vom Co-Trainer verantwortet werden. Diese sind Mannschaftsführung, Trainingsbetrieb und Spielbetrieb. Hierbei fallen einem Trainerassistenten oft folgende Aufgaben zu:

Zusätzlicher Beobachter: Der Co beobachtet einzelne Spieler und deren Leistungen im Training, hilft dabei diese zu analysieren und auch zu bewerten. Dies ist wichtig im Hinblick auf die Taktik und auch für die Aufstellung. Der Co-Trainer informiert den Coach über die momentane Verfassung eines Spielers und hat somit auch ein Mitspracherecht, wer bei einer Partie in der Anfangsformation auftauchen darf.

Zweite Meinung zur besseren Reflexion: Ein Assistent hat die wichtige Aufgabe, dem Cheftrainer mit seinen Ansichten zu unterstützen, denn laut einem bekannten Sprichwort „sehen vier Augen mehr als zwei“. Ein Co-Trainer hilft also bei der Analyse und Bewertung einer bestimmten Person oder auch einer Situation. Somit ist eine objektive und bessere Arbeit gewährleistet.

Sprachrohr zur Mannschaft: Natürlich ist der persönliche Kontakt zwischen Trainer und Spielern sehr wichtig. Doch da er gleichzeitig die oberste Autorität ist, übernimmt sein Assistent oftmals die Aufgabe, Informationen weiter zu geben, Fragen zu beantworten oder auch geplante Spielzüge während des Spiels zu besprechen.

Trainingsorganisation: Da ein Cheftrainer oftmals nicht alle Trainingsmethoden gleichzeitig beobachten kann (z.B. Torwarttraining und Koordinationstraining), steht ihm der Co zur Seite und hilft somit dabei, dass das Training effizienter gestaltet werden kann.

Vertretung des Haupttrainers: Wie wir selbst schon erlebt haben, kann es vorkommen, dass ein Coach nicht an einem Spiel teilnehmen kann. In diesem Fall übernimmt der Co-Trainer die Unterstützung der Mannschaft vom Seitenrand aus.

Die bisherigen Stationen des Heiko Herrlich

Zur Beginn der Saison 2004/05 beendete Heiko Herrlich seine Karriere als aktiver Spieler. Auf seiner Vita tauchen einige große Erfolge auf. So gewann der frühere Mittelstürmer mit Borussia Dortmund beispielsweise zweimal die Deutsche Meisterschaft, zweimal den Deutschen Supercup, die Champions League und den Weltpokal. Mit Bayer Leverkusen (1993) und und Borussia Mönchengladbach (1995) konnte er den DFB-Pokal mit nach Hause nehmen.

Im Jahr 2005 erwarb Herrlich die DFB-Trainerlizenz und übernahm daraufhin die A-Jugend von Borussia Dortmund. Der FC Augsburg ist seine 9. Station als Cheftrainer. Hier eine kurze Auflistung, wo unser Coach bisher sein “Unwesen” getrieben hat:

  • 01.07.2005 – 30.06.2007: Borussia Dortmund U19
  • 01.07.2007 – 30.06.2008: Deutschland U17
  • 01.07.2008 – 27.10.2009: Deutschland U19
  • 27.10.2009 – 29.04.2010: VfL Bochum
  • 01.07.2011 – 30.06.2012: SpVgg Unterhaching
  • 01.07.2013 – 30.06.2015: FC Bayern München U17

Bei seinen bisherigen Tätigkeiten konnte Heiko Herrlich mit der U19 der DFB-Auswahl die Europameisterschaft gewinnen, die vom 14.07.2008 bis 26.07.2008 stattfand. Allerdings stand er dabei nicht selbst, sondern sein Vorgänger Horst Hrubesch an der Seitenlinie, der nach dem Turnier die U20 übernahm. Zudem wurde unser Coach mit Jahn Regensburg Meister der Regionalliga Bayern.

Seit 10.03.2020 steht Herrlich bei unserem FC Augsburg unter Vertrag. Da die Kritik an ihm jedoch immer größer wird, haben wir uns angeschaut, was er bisher alles geleistet hat und vor allem auch, mit welchen Männern er dabei zusammen gearbeitet hat. Da die Betrachtung aller Stationen den Rahmen sprengen würde, haben wir uns 4 davon herausgepickt: SpVgg Unterhaching, Jahn Regensburg, Bayer Leverkusen und VfL Bochum.

Heiko Herrlich bei Unterhaching

Am 01.07.2011 trat Herrlich seine fünfte Station bei Unterhaching an. Er blieb dort für genau eine Saison. Am 25.05.2012 gab der Verein die einvernehmliche Vertragsauflösung bekannt. Laut Aussage das Vereins zog es Herrlich damals aus privaten Gründen zurück in seine Heimat Dortmund.

63 Tore in der Liga – Ligabestwert für die junge Truppe aus Unterhaching (Foto: imago/Lackovic)

Mit der Spielvereinigung bestritt Heiko Herrlich insgesamt 45 Spiele. 18 davon konnte er gewinnen. Man beendete die Saison auf Tabellenplatz 15 und schaffte somit den Klassenerhalt in Liga 3. Dazu sei gesagt, dass das Durchschnittsalter innerhalb des 40-köpfigen Kaders bei gerade einmal 21 Jahren lag.

Doch einen kleinen Erfolg konnte Herrlich auch hier verbuchen: Am 09.05.2012 gewann Unterhaching den Landespokal Bayern (Toto-Pokal) gegen SC Eltersdorf mit 4:3 und sicherte sich somit die Teilnahme am DFB-Pokal.

Der Co und sein System

Nun kann man natürlich sagen, dass Herrlich mit den Hachingern nicht großartig erfolgreich war. Das mag stimmen, wenn man nur auf die Tabellenplatzierung schaut. Sieht man sich aber das Torverhältnis an, so wird deutlich, dass Unterhaching in dieser Saison auf 63 Tore kam. Das war Ligabestwert. Nicht einmal die Aufsteiger Sandhausen und Aalen konnten so viele Tore schießen.

Herrlichs Co-Trainer war Roman Týce. Der gebürtige Tscheche, der zu seiner Spielzeit im defensiven Mittelfeld zuhause war, spielte unter anderen bei Unterhaching und dem TSV 1860 München.

Ein Löwe bei Haching – Herrlichs Co Roman Týce (Foto: imago/Buthmann)

Das bevorzugte System bei den Hachingern war ein 4-4-2 mit einer Doppel 6. Alles in allem wurde dabei sehr offensiv ausgerichteter Fußball gespielt. Gerade die 63 Tore sprechen dafür, dass alles nach vorne ging. Zudem stehen ganze 14 Spiele auf der Liste, in denen 3 und mehr Tore geschossen wurden. Zwei Mal konnte man die Kugel sogar 6 Mal im gegnerischen Kasten versenken.

Aufstiegsheld Heiko Herrlich

Am 01.01.2016 übernahm Herrlich den SSV Jahn Regensburg, nachdem man Vorgänger Christian Brand aufgrund negativer Stimmung im Umfeld entlassen hatte.

In der Saison 2015/16 bestritt der Jahn unter Heiko Herrlich 17 Spiele. 9 davon konnte man gewinnen. In 13 Spielen in der Regionalliga Bayern schoss man 20 Tore und kassierte selbst nur 9, was am Ende Platz 1 und die Regionalligameisterschaft bedeutete. In der Qualifikationsrunde zur 3. Liga setzten sie sich nach einer 0:1-Niederlage mit einem 2:0 gegen die zweite Delegation der Wölfe durch und sicherten sich so den Aufstieg in Liga 3.

Und dort legte Regensburg einen Auftritt hin, der sich sehen ließ. Mit 62 geschossenen Toren knackte man auch hier den Ligabestwert und schaffte es am Ende der Saison auf den Relegationsplatz zur 2. Bundesliga. Dort ging es gegen den TSV 1860 München. Das Hinspiel in Regensburg ging 1:1 aus. Doch in der Allianz Arena zeigten die Oberpfälzer was in ihnen steckt, schossen die “Kätzchen” mit 2:0 aus ihrem eigenen Stadion und somit in die Krise.

Mit Heiko Herrlich konnte Jahn Regensburg gleich zwei Mal in Folge aufsteigen (Foto via Imago)

Der Mann an Herrlichs Seite

Heiko Herrlichs Co-Trainer zu jener Zeit war Nico Schneck, den er auch später mit nach Leverkusen nahm. Schneck spielte zu seiner aktiven Zeit im zentralen Mittelfeld. Überwiegend trat er bei verschiedenen Vereinen in der Regionalliga gegen den Ball, da er zeitgleich Sportwissenschaften an der Universität Bielefeld studierte. Dort durfte er auch ein Spiel bei der ersten Garde machen und somit Profiluft schnuppern.

Im Juni 2016 holte Herrlich ihn schließlich als seinen Kompagnon an die Donau. Während man gemeinsam die erste Mannschaft coachte, spielte Nico selbst noch für die zweite Brigade der Regensburger.

Ein eingeschworenes Team – Nico Schneck und Heiko Herrlich (Foto via Imago)

Gemeinsam stellten die beiden das Spielsystem von einem 4-4-2 mit Doppel 6 auf ein 4-2-3-1 um und zeigten wirklich wunderschönen Offensivfußball. 62 geschossenen Tore und 20 Siege (in 43 Spielen) kommen nicht von ungefähr.

Herrlichs Zeit bei Bayer Leverkusen

Herrlichs Zeit bei Bayer 04 Leverkusen dauerte in etwa 1,5 Jahre. Vom 01.07.2017 bis 23.12.2018 durfte er dort zusammen mit Nico Schneck anheuern. Wie auch schon zuvor setzten die beiden überwiegend auf ein offensiv ausgerichtetes 4-2-3-1. Allerdings stellten die beiden auch gerne einmal auf ein 3-4-3 um.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit von Herrlich und Schneck kann sich gerade in der ersten Saison sehen lassen. Kurz vor Schluss verspielte man zwar noch einen Platz in der Champions League, doch sicherte man sich mit Tabellenplatz 5 die Teilnahme an der Europa League. Auch ein Blick auf die verschiedenen Daten zeigt wie gut die beiden harmonierten. So schoss man beispielsweise durchschnittlich 15 Mal pro Spiel auf den gegnerischen Kasten. 1,7 dieser Schüsse landeten im Tor, denn am Ende der Saison standen ganze 58 Tore auf der Habenseite.

Sieht nach taktischen Spielchen aus! (Foto via Imago)

In die folgende Spielzeit 2018/19 startete man nicht überragend. Mit 3 Niederlagen aus den ersten drei Partien lag man auf dem letzten Tabellenplatz. Doch das Team Herrlich / Schneck schaffte es bis zu seiner Entlassung am 23.12.2018, die Mannschaft auf Platz 9 zu bringen. Die Spieldaten sehen auch hier nicht schlecht aus: In 17 Partien schoss man im Durchschnitt 14 Mal aufs Tor, traf dabei 26 Mal und lief in etwa 120 km pro Spiel. Die Passquote lag bei satten 80 Prozent.

Fragwürdige Entlassung

In der Europa League lief es bei Bayer recht ordentlich: Mit 4 Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden erreichte man unangefochten die Tabellenführung. 16 Tore konnte man in den 6 Vorrundenspielen erzielen und ca. 86 Prozent der Pässe kamen beim eigenen Mann an.

Warum also entließ man Heiko Herrlich und Nico Schneck, obwohl sie im Zeitraum kurz vor ihrer Freistellung vier der letzten fünf Pflichtspiele gewinnen konnten? Dazu äußerte sich Sportdirektor Rudi Völler wie folgt:

Vor allem mit dem schlechten Saisonstart hatten wir schon seit vielen Wochen eine Diskussion. Die Entwicklung war leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben.

https://www.sportbuzzer.de/artikel/heiko-herrlich-entlassung-details-bayer-leverkusen-reaktionen/

Einerseits kann man diese Aussage schon nachvollziehen. Die Vereinsführung hat sich bei einem so wertvollen Kader sicher eine bessere Platzierung in der Liga gewünscht. Der Zeitpunkt der Entlassung wirft allerdings einige Fragen auf.

Bisheriges Fazit

Wie man bisher sehen kann, spielte Heiko Herrlich mit seinen Co-Trainern Roman Týce und Nico Schneck ansehnlichen und vor allem auch sehr effizienten Offensivfußball. Alleine wenn man auf die Anzahl der Schüsse pro Spiel und die Torausbeute der einzelnen Mannschaften blickt, wird deutlich, dass unser Coach eigentlich immer sehr auf so ein System setzte.

Doch es gibt eine Station in Heiko Herrlichs Vita, bei der es ähnlich passiv lief wie derzeit bei uns in Augsburg. Diese Episode dauerte relativ genau ein halbes Jahr. Aber was dort genau passiert ist, das sehen wir uns im zweiten Teil unserer kleinen Co-Trainer Serie an. Ihr dürft gespannt sein!

3 Eier fürs Osternest

Hurra, endlich wieder Bundesliga! Zwei Wochen mussten eingefleischte Fußballfans in ganz Deutschland darauf warten, bis am Wochenende in neun Stadien endlich wieder der Ball rollte. Nicht nur das Spitzenduell RB Leipzig gegen den FC Bayern München stand an diesem Spieltag an, sondern auch unser Spiel gegen die TSG aus Hoffenheim. Anpfiff der Partie, die in unserer heimischen WWK-Arena stattfand, war am Samstag um 15:30 Uhr.

Unser Gegner – TSG 1899 Hoffenheim

Auch wenn viele die Sinsheimer als reinen Kommerzverein beschimpfen, so stimmt das jedoch nicht ganz, denn die TSG hat bereits eine lange Vereinshistorie vorzuweisen. Alles begann mit der Gründung am 01.07.1899. Somit ist der Verein aus Baden-Württemberg ganze 8 Jahre älter als unser FC Augsburg. Allerdings gibt es erst seit 1921 eine Fußballabteilung. Davor fand in Sinsheim überwiegend Turnsport statt.

Nach dem Einstieg von Dietmar Hopp 1989, schafften es die Kraichgauer binnen zehn Jahren von der Kreisliga A in die Oberliga. Also war es für die TSG Zeit, einen neuen Cheftrainer an Land zu ziehen. Das war kein geringerer als der heutige Übertrainer der Liga – Hansi Flick. Er führte die Hoffenheimer in die Regionalliga.

Sein Nachfolger ab Juli 2006 war Ralf Rangnick, der heute als potentieller Bundestrainer gehandelt wird. Er führte Hoffenheim nicht nur in die zweite sondern auch direkt weiter in die erste Bundesliga, wo sie sich seit der Saison 2008/09 erfolgreich halten können.

Hoffenheim in der Saison 2020/21

Derzeit erstreckt sich der Kader der TSG Hoffenheim über 32 Spieler. Davon sind 17 regelmäßig für ihre Nationalmannschaften im Einsatz. Trainer Sebastian Hoeneß holte man im August 2020 von der Zweitvertretung des FC Bayern München, mit welcher er die Meisterschaft der 3. Liga gewinnen konnte. Hoeneß’ bevorzugtes Spielsystem ist eigentlich ein 4 – 2 – 3 – 1, wie es auch Heiko Herrlich bei unserem FCA gerne anwendet.

So wirklich überzeugen konnte Hoffenheim dieses Jahr allerdings noch nicht. Das mag aber auch der Doppelbelastung Liga und Europa League geschuldet sein. In den vorherigen 26 Spielen konnten die Hoffenheimer lediglich 8 Siege einfahren. 6 Mal teilte man sich mit dem Gegner die Punkte. 12 Niederlagen sorgten allerdings auch dafür, dass man die Kraichgauer vor der Partie mit 30 Punkten auf Platz 11 der Tabelle findet. Eine besonders bittere Klatsche erhielten die TSGler dabei von Tabellenschlusslicht Schalke 04, die gegen Hoffenheim ihren einzigen Saisonsieg einfahren konnten.

Ausgangssituation vor der Partie

Die bisherige Bilanz gegen TSG 1899 Hoffenheim sprach leider nicht gerade für uns. In bisher 31 Spielen konnten unsere Jungs 10 Siege und 6 Remis einfahren. 15 Spiele gingen an die Hoffenheimer. Sieht man sich das Torverhältnis an, so standen 52 Tore für die Kraichgauer und 40 Tore für unseren FC Augsburg auf dem Papier.

1:3 lautete das Ergebnis der vorherigen beiden Partien. Gerade das Spiel in der Hinrunde wird uns wohl nicht so gut in Erinnerung bleiben, denn die TSG lag zu der Zeit 3 Punkte hinter uns in der Tabelle und konnte mit dem Sieg gegen uns zu uns aufschließen, bzw. uns aufgrund des besseren Torverhältnisses sogar überholen.

Den letzten Sieg für unsere Jungs gab es am 13.12.2019. Die Partie wurde in Sinsheim ausgetragen und der FCA gewann mit 4:2 durch Tore von Philipp Max (2), Frederik Jensen und Iago. Der letzte Heimsieg unseres Teams lag schon über 6 Jahre zurück, denn dieser war am 01.02.2015.

Herrlichs Plan gegen Hoffenheim

Obwohl es ein Feiertag war, fand die Pressekonferenz vor dem Spiel am Freitagmittag wie geplant statt. Um Punkt 13:00 Uhr nahmen Coach Heiko Herrlich und Marco Richter auf dem Podium Platz. Wirklich viele Informationen konnte man aus diesem Pressegespräch allerdings nicht ziehen, denn neben der obligatorischen Frage nach dem Personal wurde sehr viel über die Länderspielpause und die Vorzüge des anwesenden Stürmers gesprochen.

Doch ein bisschen was konnte man unserem Trainer dann doch entlocken und ich selbst war doch überrascht, dass seine geliebte Tatik „Wir müssen versuchen hinten kompakt zu stehen“ überhaupt nicht erwähnt wurde. Stattdessen lautete die Vorgabe für die Partie am Samstag:

Jetzt ist erst mal das Spiel gegen Hoffenheim. Jetzt unabhängig von den Gegnern, die danach kommen, wollen wir jetzt am besten die drei Punkte hier halten und das Ziel muss sein, Hoffenheim hier zu überholen.

Heiko Herrlich in der PK am 02.04.2021

Das war doch schon mal eine Kampfansage an den Gegner, dessen Stärken und Schwächen man sehr gut zu kennen glaubte. Auch wenn die TSG mit zwei Niederlagen im Gepäck zu uns in die WWK-Arena kam, so sah Herrlich in ihnen eine Menge Potential, da sie bisher doch sehr viele Kontertore gemacht haben.

Überraschung am Karsamstag

Ich denke, ich spreche für viele Fans, wenn ich sage, dass unsere Startaufstellung doch eine kleine Sensation war. Viele – mich eingeschlossen – haben mit einer ähnlich defensiven Ausrichtung wie in den Spielen zuvor gerechnet. Auch ist man wohl davon ausgegangen, das die üblichen Verdächtigen, die gerne den Zorn so genannter „Fans“ auf sich ziehen, wieder von Beginn an ran durften.

Zurück in der Startelf und gleich ordentlich abgeliefert – Carlos Gruezo (Foto: Peter Fastl via Imago)

Doch das Gegenteil war der Fall. Im Vergleich zum Spiel gegen SC Freiburg nahm Heiko Herrlich zwei Änderungen in der Anfangsformation vor. Im defensiven Mittelfeld durfte Carlos Gruezo für Tobias Strobl ran. Für László Bénes rückte Ruben Vargas ins Team und das, obwohl er drei Partien für seine Nationalmannschaft in den Beinen hatte und erst am Donnerstag zur Mannschaft gestoßen war.

Aufstellung: Gikiewicz – Gumny, Uduokhai, Gouweleeuw, Framberger – Gruezo, Khedira – Vargas, Richter, Caligiuri – Hahn
Bank: Koubek, Strobl, Suchý, Bénes, Sarenren Bazee, Finnbogason, Oxford, Pedersen, Gregoritsch

Dem gegenüber stand eine 3-4-1-2 – Formation der Hoffenheimer, die einige Verletzungssorgen zu kompensieren hatten. Zudem hatten sie mit 12 Nationalspielern einige nicht zu einhundert Prozent fitte Männer in ihrem Kader.

Aufstellung: Baumann – Richards, Grillitsch, Posch – John, Samassekou, Rudy, Kadeřábek – Baumgartner – Rutter, Bebou
Bank: Pentke, Bogarde, Adams, Akpoguma, Belfodil, Skov, Sessegnon, Gaćinović, Vogt

Erste Halbzeit top…

Pünktlich um 15:30 Uhr pfiff Schiedsrichter Guido Winkmann die Partie in unserem Wohnzimmer an. Gleich von Beginn an war den Kraichgauern ihre Unsicherheit anzumerken, während unser FCA um einiges besser in die Partie kam. Bereits in der fünften Spielminute konnten wir unsere erste Torchance verbuchen: Nach Fehlpass von Florian Grillitsch schaltete das Team perfekt um. Vargas verlagert das Spiel auf die rechte Seite zu Caligiuri, der ins Zentrum zog und den direkten Abschluss suchte. Nur ganz knapp ging der Ball am linken Pfosten vorbei. Das war doch schon mal ein sehr guter Auftakt.

Nur drei Minuten später verlor Hoffenheim erneut den Ball, den sich Khedira schnappte und weiter zu Cali passte. Dieser spielte den Hoffenheimer Grillitsch perfekt aus und legte ab auf Ruben Vargas, der die Kugel von der Strafraumgrenze aus direkt im langen Eck versenkte. Keine Chance für Baumann – 1:0 für unseren FC Augsburg!

In der Folge ließ man Hoffenheim ein wenig kommen. Doch den Gästen fiel nicht wirklich viel ein, musste man doch erneut einem frühen Rückstand hinterher laufen. Und so war es erneut der kleine Wirbelwind Vargas, den die Kraichgauer nicht unter Kontrolle brachten.

In der 23. Spielminute spielte Vargas einen Zuckerpass vom eigenen Strafraum aus auf André Hahn, der zwei Hoffenheimer Abwehrspieler eiskalt stehen ließ und frei auf Keeper Baumann zuhielt. Vollkommen abgebrüht und mit Nerven wie Drahtseilen versenkte er den Ball und machte damit Saisontor Nummer 7 perfekt.

Doch noch schienen unsere Jungs nicht genug zu haben, denn nur zwei Minuten später flankt Hahn auf Vargas, doch leider geht dessen Kopfball klar über den gegnerischen Kasten. Und auch Robert Gumny hatte das 3:0 auf dem Fuß, als er nach Ecke von Caligiuri nur knapp das TSG-Tor verfehlte.

Der Mann der ersten Halbzeit – ein Tor, eine Vorlage, TOP! (Foto: Sascha Meiser/APF/Pool via Imago)

In Hälfte 1 hatte uns Hoffenheim nicht wirklich viel entgegen zu setzen. Sie bemühten sich zwar, doch unsere Abwehr hatte hinten alles im Griff. Nur ein einziges Mal wurde es gefährlich. In der 39. Spielminute flankte Mittelfeldspieler Sebastian Rudy aus dem Halbfeld in den Augsburger Strafraum. Dort setzte sich Bebou im Kopfballduell durch, doch unsere Wand Rafal Gikiewicz war zur Stelle und verhinderte den Anschlusstreffer.

So ging es mit einer 2:0-Führung in die wohlverdiente Pause und ich muss sagen, dass das wohl die beste erste Hälfte war, die wir seit dem Hinrundenspiel gegen Mainz 05 sehen durften.

Zweite Halbzeit Flop…

Das Aufregendste an der zweiten Halbzeit dürften – aus Augsburger Sicht – wohl die Wechsel in der Halbzeitpause gewesen sein. Sebastian Hoeneß brachte mit Vogt (für Samassékou), Sessegnon (für John) und Gaćinović (für Rudy) gleich drei frische Kräfte.

Auf Augsburger Seite wurde zwei Mal gewechselt. Mads Pedersen kam für Raphael Framberger, der nach einem Zusammenstoß über Schwindel klagte. Pedersen übernahm daraufhin die linke Abwehrseite – Robert Gumny rutschte auf rechts. Auch Ruben Vargas bat in der Pause um Auswechslung, da er laut Sportdirektor Stefan Reuter vollkommen platt war. Für ihn kam Michael Gregortisch in die Partie.

Ich denke, der Einsatz hat sich gelohnt.

Heiko Herrlich über Ruben Vargas nach dem Spiel

Der erste Torschuss nach Wiederanpfiff ereignete sich in der 62. Spielminute auf Seiten der Kraichgauer, als Kadeřábek in die Arme von Gikiewicz köpfte. Nur zwei Minuten später rettete unser Schlussmann erneut, als er einen Schuss von Bebou mit der Hacke ans Außennetz lenkte.

Die komplette Partie wirkte nunmehr sehr zäh. Nach vorne ging für uns überhaupt nichts mehr. Null Torschüsse stehen auf unserer Auswertung von Hälfte 2. Der FCA machte hinten dicht und zitterte sich so zum Erfolg. Auch als man nach der Einwechslung von Reece Oxford auf einer Dreierkette umstellte, agierte man weiter sehr passiv.

Ab der 86. Minute wurde es jedoch leider noch einmal spannend, denn der TSG gelang durch ein Traumtor des zuvor eingewechselten Robert Skov der 2:1-Anschlusstreffer. Noch ganze acht Minuten mussten die FCA Fans bibbern. Aber schließlich – und Gott sei Dank – wanderten drei verdiente Punkte ins Augsburger Osternest und das vorgegebene Ziel, Hoffenheim in der Tabelle zu überholen, wurde erreicht.

Unhaltbar für Gikie – Robert Skov macht den Anschlusstreffer (Foto: Peter Fastl/POOL via Imago)

Noch eine kleine Information am Rande: Dies war der 100. Sieg der Augsburger Bundesligahistorie. Das gesamte Team der Rosenau Gazette gratuliert ganz herzlich!

Stimmen zum Spiel

Daniel Caligiuri: Die erste Halbzeit war richtig gut von uns. Wir sind mit viel Selbstvertrauen auf den Platz gegangen und es freut mich, dass wir mal früh 2:0 in Führung gehen konnten. Wir wussten, dass uns Hoffenheim Räume bieten wird. Diese haben wir sehr gut genutzt. Zum Schluss mussten wir leider noch zittern, weil wir das dritte Tor, das vor der Pause möglich war, nicht gemacht haben.

Marco Richter: Dieser Dreier ist sehr wichtig, nicht nur für die Tabelle, sondern auch für unser Selbstvertrauen. Wir freuen uns über die drei Punkte, die in meinen Augen auch verdient waren. Wir konnten so Hoffenheim überholen und den Abstand nach unten vergrößern. Daher sind wir zufrieden.

André Hahn: Es war ein enorm wichtiger Sieg, weil wir an Hoffenheim vorbei gezogen sind und endlich die negative Heimserie gegen Hoffenheim beendet haben. Der Trainer hatte in seiner Analyse darauf hingewiesen, dass Hoffenheim sehr hoch stehen wird und wir diese Räume nutzen wollen. Das haben wir bei den beiden Toren sehr gut gemacht.

Rafal Gikiewicz: Ich glaube, die erste Halbzeit war entscheidend. Aber in der zweiten Halbzeit spielen wir scheiße. In der Bundesliga kannst du nicht eine gute Halbzeit spielen und dann in der zweiten Halbzeit so passiv sein.

Stefan Reuter: In der zweiten Halbzeit haben wir es nicht mehr gut gemacht. Auf den Außenpositionen haben wir keinen Druck mitbekommen.

Heiko Herrlich: Ich habe eine sehr gute erste Hälfte von meiner Mannschaft gesehen. Wir sind gut ins Spiel gekommen, waren griffig in den Zweikämpfen und hatten gute Balleroberungen. So haben wir zwei sehr gute Tore erzielt. Wir haben das Spiel kontrolliert und hatten sogar die Möglichkeit, auf 3:0 zu erhöhen. In der Pause mussten wir zweimal wechseln. Ruben Vargas war platt. Am Morgen hatte er noch über Magen-Darm-Probleme geklagt. Raphael Framberger hatte einen Zusammenprall gehabt. In der zweiten Hälfte hatten wir zu viele einfache Ballverluste. Das werden wir aufarbeiten, aber auch die guten Szenen der ersten Hälfte hervorheben. Am Ende mussten wir noch zittern. Insgesamt geht der Sieg aber in Ordnung.

Die erste Hälfte gibt Anlass zu großer Freude (Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Pool via Imago)

Das sagen die Hoffenheimer

Florian Grillitsch: Das 0:1 fällt früh und dann laufen wir wieder einem Rückstand hinterher. Es ist unglücklich für uns, aber wir haben heute nicht die richtige Antwort gehabt, haben nicht gewusst, wie wir uns Chancen herausspielen können. Beim 0:2 hat die Restverteidigung einfach nicht gepasst, so bekommen wir wieder ein Gegentor. Danach hat sich Augsburg hinten rein gestellt und die Räume wurden eng.

Robert Skov: Wir waren gut vorbereitet auf die Augsburger Stärken, aber wir haben es auf dem Platz nicht hinbekommen in der ersten Hälfte. Das muss besser funktionieren. Wir sind natürlich extrem enttäuscht über die drei Niederlagen nacheinander.

Sebastian Hoeneß: Glückwunsch an Augsburg zum Sieg. Die Anfangsphase haben wir uns natürlich anders vorgestellt. Wir wussten, wenn wir hinten liegen, ist es schwer zurück zu kommen. Umso bitterer waren die beiden Gegentore. Damit hatten wir zu kämpfen, wir sind zu ruhig geworden. Danach kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf mehr machen. Wir haben es ordentlich gespielt. Nach der Pause haben wir das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagert, aber uns hat die Effizienz gefehlt.

“Gegen Augsburg kann man mal verlieren – Hoffenheim kassiert die 3. Niederlage in Folge (Foto: Peter Fastl/POOL via Imago)

Ein Blick auf die Spielstatistik

FC Augsburg:

  • Ballbesitz: 39 %
  • Schüsse: 7 – 2 davon direkt aufs Tor
  • Pässe: 282
  • Passquote: 78 % (in Halbzeit 1: 82 %)
  • Laufdistanz: 122,4 km
  • Abseits: 4
  • Begangene Fouls: 7
  • Ecken: 2
  • Gewonnene Zweikämpfe gesamt: 106
  • Am meisten gewonnene Zweikämpfe: Daniel Caligiuri (18)
  • Schnellster Spieler: Robert Gumny (32,06 km/h)
Gib Gummi, Gumny! (Foto: Sven Simon/POOL via Imago)

TSG Hoffenheim:

  • Ballbesitz: 61 %
  • Schüsse: 16 – 6 davon direkt aufs Tor
  • Pässe: 679
  • Passquote: 86 % (in Halbzeit 1: 86 %)
  • Laufdistanz: 122,2 km
  • Abseits: 2
  • Begangene Fouls: 10
  • Ecken: 10
  • Gewonnene Zweikämpfe gesamt: 100
  • Am meisten gewonnene Zweikämpfe: Georginio Rutter (15)
  • Schnellster Spieler: Florian Grillitsch (33,57 km/h)

Fazit

Gerade die ersten 30 Minuten waren sehr vielversprechend. Mit Mut, Wille, Kampfgeist und Selbstvertrauen spielten unsere Jungs bissig und vor allem auch sehr effizient. Doch danach verfiel man wieder in das altbekannte Muster “Ergebnis verwalten” und machte den Gegner somit stark. Natürlich sind wir froh und glücklich, dass wir einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen konnten. Doch man stellt sich automatisch die Frage: Warum nicht öfter so wie in der ersten Halbzeit? Warum dieser Hang zur Passivität?

Am Sonntag (15:30 Uhr) geht es gegen das weit abgeschlagene Tabellenschlusslicht Schalke 04. Wir hoffen sehr, dass wir mehr von der Griffigkeit sehen, die uns gegen die TSG Hoffenheim in Hälfte 1 ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Auf geht’s, Jungs! Holt euch den 101. Sieg!!!