TGIF: Ein Schritt in Richtung Normalität

Auftakt gelungen! Dank diszipliniertem Abwehrverhalten und einer gnadenlos effektiven Offensive setzte sich der FC Augsburg am vergangenen Wochenende mit 3:1 gegen Union Berlin durch. Die drei Punkte zum Start waren angesichts der schwierigen nächsten Spiele Gold Wert. Vor dem Duell sprachen wir bereits vom “wichtigsten Saisonstart aller Zeiten“, denn nun warten mit Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen harte Brocken auf die Mannschaft von Heiko Herrlich. Als ersten Härtetest kommt am Samstag (15.30 Uhr) der BVB nach Schwaben.

Dann sind erstmals seit der Corona-Pause auch wieder Fans im Stadion zugelassen. Dafür präsentierte der FCA unter der Woche ein Hygienekonzept, das durchdacht und dem Pandemiegeschehen angebracht wirkt: 6.000 Zuschauer, Mund- und Nasenschutz bis zum Sitzplatz, personalisierte Tickets. Beim Preis zeigt sich der FCA zudem von seiner familiären Seite und verlangt – trotz damit verbundenem Minusgeschäft – für alle Plätze 15 Euro. Eine überragende Aktion des Vereins, die nicht selbstverständlich ist. Das zeigt der Blick in andere Stadien, wo mitunter die regulären Sitzplatzpreise zu bezahlen sind. “Wir möchten dadurch unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden”, sagte Geschäftsführer Michael Ströll.

Leere Ränge, keine Stimmung: Diese traurige Athmosphäre begleitete zuletzt die Spiele des FC Augsburg. Gegen den BVB sind 6.000 Fans zugelassen. Ein Schritt in Richtung Normalität (Foto: Marcel Engelbrecht/firosportphoto/POOL)

Herrlich freut sich derweil auf die Unterstützung der Zuschauer und sagte vor der Partie gegenüber dem Kicker: “Gerade für Mannschaften wie uns ist es extrem wichtig, dass man die Fans im Rücken hat, dass man sie spürt. Das treibt die Mannschaft nach vorne, das pusht sie bei jeder Balleroberung, jedem Zweikampf. Klar, dass das einen Spieler zu Höchstleistungen treibt.”

Die Fakten zu #FCABVB

Effektiv: Der BVB brauchte in der vergangenen Saison gerade einmal fünf Chancen pro Tor – Ligaspitze. Acht Gelegenheiten pro Treffer beim FCA können sich allerdings auch sehen lassen.

Weiße Weste: Etwas überraschend hat nicht der FC Bayern, sondern Borussia Dortmund am häufigsten zu Null gespielt hat – 15-Mal. Der FCA konnte seinen Kasten sieben Mal sauber halten.

Starke Bank: BVB-Coach Lucien Favre wechselte insgesamt zehn Mal ein Tor ein (Ligaweit Platz zwei). Dem FCA gelangen fünf Jokertore.

Wiedersehen: Am Samstag kommt es zum Wiedersehen mit Marwin Hitz. Der Schweizer stand von 2013 bis 2018 im Kasten der Schwaben. Auf der Gegenseite war Julian Schieber drei Jahre für den BVB aktiv. Beide werden am Samstag aber relativ sicher nicht zum Einsatz kommen.

Über den Gegner

Kann der BVB diesmal die Bayern ärgern und ein Wörtchen im Meisterschaftskampf mitreden? Vermutlich eher nicht. Das liegt aber vielmehr an der krassen Übermacht der Roten als der schwarz-gelben-Kaderstärke. Denn der BVB hat es in dieser Spielzeit wieder einmal geschafft, ein starkes Team zusammenzustellen. Jadon Sancho konnte trotz Millionenangebot aus Manchester gehalten, Thomas Meunier ablösefrei aus Paris geholt werden. Hinzu kommen einmal mehr hungrige Talente wie Reinier (18), Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (17) und vermutlich bald auch schon Youssoufa Moukoko (15). Sancho und Winter-Neuzugang Erling Haaland sind ebenso gerade einmal 20 Jahre alt.

Apropos Haaland: Das norwegische Wunderkind steuerte für den BVB in 20 Einsätzen bisher 18 Tore und drei Vorlagen bei. Beim 3:5-Spekakel im Januar wurde Haaland beim Stand von 3:1 für den FCA eingewechselt – wenig später folgte ein Dreierpack. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Nationalspieler mit dieser Quote zufrieden ist, wie er unter der Woche den Ruhr Nachrichten sagte: “Ich hätte locker-leicht mehr als 50 Tore schießen können. Das soll nicht überheblich klingen, das ist vielmehr einfach gut so, denn das zeigt mir, dass das Potenzial dazu vorhanden ist.” Der ganze FC Augsburg erzielte in der abgelaufenen Saison übrigens 45 Treffer.

Es bleibt spannend, wie sich diese junge Mannschaft entwickelt. In den entscheidenden Spielen (im Pokal in Bremen, in der Champions-League in Paris) konnte der BVB dem Druck oft nicht wirklich standhalten. Darüber hinaus tat sich die Mannschaft von Lucien Favre auch immer wieder schwer, wenn es gegen den FCA ging.

Einstand nach Maß: Erling Haaland wurde gegen den FCA in der 56. Minute eingewechselt und trug sich drei Minuten später schon in die Torschützenliste ein. Bitter für Augsburg: Es folgten zwei weitere Treffer und der FCA verlor trotz 3:1-Führung mit 3:5. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Die letzten Begegnungen

18.01.2020: FC Augsburg – Borussia Dortmund 3:5

17.08.2019: Borussia Dortmund – FC Augsburg 5:1

01.03.2019: FC Augsburg – Borussia Dortmund 2:1

06.10.2018: Borussia Dortmund – FC Augsburg 4:3

26.02.2018: Borussia Dortmund – FC Augsburg 1:1

Presseschau

Weil es in dieser Woche ziemlich ruhig rund um den FC Augsburg war, wollen wir nach Mainz blicken, wo es vor dem Heimspiel gegen Stuttgart zu einer neuen Eskalationsstufe in der Fußball-Bundesliga gekommen ist. Am Mittwoch boykottierten die Profis der Nullfünfer das Training – aus Solidarität mit Mitspieler Adam Szalai. Dem war zuvor nahegelegt worden, sich einen neuen Verein zu suchen. Zwei Wochen zuvor im Pokal markierte der Ungar noch das wichtige 2:1 gegen Havelse.

Jetzt wird der Stürmer aber offenbar nicht mehr gebraucht und soll sich in der U23 fit halten. Über die Gründe der Degradierung wurde in den Sportmedien des Landes heftig spekuliert. Während Mainz-Vorstand Rouven Schröder und Coach Achim Beierlorzer auf der Pressekonferenz beteuerten, es handle sich um eine rein sportliche Entscheidung, schrieb die Bild von Differenzen in puncto Gehaltsverzicht und der Kicker (Donnerstagsausgabe) von einem heftigen Streit zwischen Szalai und Beierlorzer. So oder so, dem FCA kann es eigentlich nur recht sein, wenn es bei einem direkten Konkurrenten kriselt.

Was macht eigentlich Milan Petrzela?

Milan Petrzela wechselte im Juli 2012 von Viktoria Pilsen in die Fuggerstadt. Kurz zuvor war der Mittelfeldspieler für die tschechische Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im Einsatz und kam dementsprechend mit durchaus großen Erwartungen nach Augsburg, wo der damals 29-Jährige einen Vertrag bis 2015 unterschrieb. Nach 13 enttäuschenden Einsätzen für Rot-Grün-Weiß löste der FCA den Kontrakt nach einer Saison jedoch wieder auf und Petrzela kehrte nach Tschechien zurück. Seit 2019 spielt der Offensivmann nun für den 1. FC Slovacko, wo er auch noch mit 37 Jahren Stammspieler ist. In der abgelaufenen Saison stand er für den 9. der Fortuna Liga 30-mal auf dem Platz. Dabei gelangen dem zweifachen Familienvater fünf Tore und drei Assists.

Die voraussichtliche Aufstellung

Wenig spricht dagegen, dass Herrlich seine erste Elf im Vergleich zum Union-Spiel großartig ändern wird. In der Defensive scheint Neuzugang Robert Gumny etwas schneller zu sein als Raphael Framberger und damit eventuell eine Option gegen die brachial temporeiche Offensive des BVB. Gegen die technisch starken Dortmunder ist aber vermutlich gerade ein Kämpfertyp der Marke Frambo das richtige Gegenmittel, sodass wir das Augsburger Eigengewächs in der Startelf erwarten. Im Angriff scheint ein Stürmer mit einem Zehner dahinter die richtige Taktik. Denn Michael Gregoritsch hat seine Sache gegen Berlin sehr ordentlich gemacht und war vor allem in der Rückwärtsbewegung ein wichtiger Faktor. Gegen den Vizemeister werden die Defensivqualitäten des Österreichers umso mehr gefordert sein.

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Gruezo, Khedira – Caligiuri, Gregoritsch, Vargas – Niederlechner

Zurück in alter Form? Nach einer starken Vorbereitung könnte Michael Gregoritsch in dieser Saison eine ziemlich wichtige Rolle einnehmen. (Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Tipps

Andy: 1:2 – Der FCA kann es lange spannend halten, bevor der BVB kurz vor Schluss das entscheidende Tor macht.

Irina: 1:3 – Haaland erwischt erneut einen Sahnetag und zeigt dem FCA die Grenzen auf. Augsburg muss seine Punkte anderswo holen.

Andi: 1:3 – Haaland, Sancho & Co. sind dann doch eine Nummer zu groß für den FCA. Abhaken und nächste Woche in Wolfsburg punkten.

TGIF: Der wichtigste Saisonstart aller Zeiten?

Start geglückt! Mit einem souveränen, ungefährdeten 7:0-Pokalsieg gegen den Fünftligisten MTV Eintracht Celle hat der FC Augsburg die neue Spielzeit eingeleitet. Ohne das ungleiche Duell überbewerten zu wollen, war es doch wichtig, dass die Mannschaft von Heiko Herrlich die Saison 2020/21 ordentlich beginnt. Am Samstag (15.30 Uhr) wird es merklich schwieriger, wenn Rot-Grün-Weiß in Berlin gefordet ist. Nun ist der FCA traditionell ziemlich schwach am 1. Spieltag, in der Bundesliga gab es neben einem 2:2 gegen Freiburg (Saison 11/12) und einem 2:1-Sieg in Düsseldorf (18/19) ausnahmslos Niederlagen zum Start.

Gegen Union Berlin sollte eine Niederlage tunlichst vermieden werden, denn in den nächsten vier Spielen warten mit Dortmund, Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen andere Kaliber. Herrlich wäre es zu wünschen, wenn er mit einem Erfolgserlebnis starten würde.

In den beiden Duellen der letzten Saison hatte Union die Nase vorn. Auf das 1:1 in Augsburg folgte ein 2:0-Sieg für Berlin an der Alten Försterei. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Die Fakten zu #FCUFCA

Standardstärke: Am Samstag sollte der FCA möglichst wenig gegnerische Standards zulassen. Denn nahezu keine Mannschaft steht bei Ecken und Freistößen für mehr Gefahr als Union Berlin. Die Köppenicker haben den ruhenden Ball derart perfektioniert, dass fast die Hälfte ihrer Tore auf diese Weise zustande kommen. In der Saison 2019/20 waren es 20 von 41, beim FCA übrigens 11/46.

Ecken-Kontrast: In der abgelaufenen Saison brauchte Eisern Union dementsprechend auch wenige Standards für Tore. Alle 12 Ecken zappelte der Ball im gegnerischen Tor – Ligaspitze. Der FCA belegt in dieser Rangliste den letzten Platz. Alle 64 Ecken gibt es ein Tor für Rot-Grün-Weiß.

Fehlpass-Festival: Die Passquote ist bei beiden Teams miserabel und eigentlich auch nicht erstligatauglich. 76 (Union) beziehungsweise 75 Prozent (Augsburg) bedeuten die schlechtesten Werte der Liga. Heiko Herrlich scheint dies erkannt zu haben und legte in der Vorbereitung vermehrt den Fokus auf Ballstaffetten.

Ballbesitz, nein danke: In puncto Ballbesitz sieht es ebenfalls düster aus. 42 Prozent bei Union bedeuten Rang 17, gruselige 38 Prozent beim FCA folgerichtig den letzten Platz. Auch hier kann Heiko Herrlich beim FCA eventuell für einen kleinen Umschwung sorgen, nun da er die Mannschaft von Saisonbeginn an betreut.

Über den Gegner

Als FCA-Fan konnte man sich nur allzu gut in die Lage der Berliner Anhänger hineinversetzen: “Ihr steigt doch eh ab!” Für viele Fußballexperten war die Ausgangslage vor der Saison klar und Union quasi schon als Absteiger besiegelt. Bekanntlich kam alles anders und die Mannschaft von Trainer Urs Fischer landete vor dem FC Ausgburg auf einem starken 11. Platz. Union hat es allen gezeigt – und dabei obendrein viel Freude gemacht.

Nun gehen die Hauptstädter also ins viel zitierte “verflixte zweite Bundesligajahr.” Kann Eisern Union eine ähnlich starke Saison hinlegen und abermals die Klasse sichern? Viel wird dabei wohl von den eigenen Fans abhängen. Kein Klub ist wohl so auf die Unterstützung im Stadion angewiesen wie der FCU. Die für diesen Famililienverein so wichtigen, traditionsbewussten Anhänger fehlten nach der Corona-Pause und vielleicht auch deshalb gab es in den ersten fünf Spielen nach dem Neustart keinen Sieg. Gegen den FCA sind nach den bestehenden Corona-Regeln 4.300 Zuschauer an der Alten Försterei gestattet.

Am Samstag kommt es unterdessen zu einem doppelten Wiedersehen. Andreas Luthe tauschte im Sommer mit Rafal Gikiewicz die Seiten und hütet nun für Berlin den Kasten. Ihr Pflichtspieldebüt ist indes beiden geglückt, wenn auch vollkommen unterschiedlich. Beim Augsburger 7:0 gegen Celle bekam Gikiewicz äußerst wenig zu tun, während Luthe mit Berlin beim Karslruher SC schon mehr gefordert war. Erst in der Verlängerung sicherte sich die Fischer-Elf mit einem 0:1 den Einzug in die zweite Runde. Im Pokal noch nicht mit dabei, aber gegen den FCA eventuell eine Option ist Star-Neuzugang Max Kruse. Der ehemalige Nationalspieler laborierte in der Vorbereitung an einer Knöchelverletzung. Einen Kaderplatz gegen die Schwaben “schließe ich aber nicht aus”, meinte Fischer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Ob Max Kruse dann immer noch die Klasse hat Sebastian Andersson zu ersetzen, wird sich bei den Eisernen zeigen. Der Schwede war mit 12 Toren und 3 Vorlagen in der letzten Saison bei weitem Unions bester und effektivster Offensivspieler. Seit kurzem spielt er nun für den 1. FC Köln. Er wird in Berlin in jedem Fall eine Lücke hinterlassen.

Neues Abenteuer am Lech. Rafal Gikiewicz hat beim FCA einen Vertrag bis 2022 unterschrieben (Foto: xemx via imago).

Presseschau

Das Ende der Vorbereitung ist immer auch die Zeit für diverse Saisonprognosen. Beim Blick auf die hiesigen Predictions fällt auf, dass der FCA für viele schwer einzuschätzen ist. Das soll nun an der Prognose von OneFootball deutlich werden.

So wurde der FCA bei der Überraschung der Saison von fünf der insgesamt neun Protagonisten genannt. Im Gegenzug bekam Heiko Herrlich allerdings auch zwei Stimmen bei der Kategorie “erste Trainerentlassung” und einen bei den Abstiegsrängen – der FCA scheint für viele eine Wundertüte zu sein.

Beim Rasenfunk hat man da vielleicht etwas genauer hingeschaut. Die Experten tippen den FCA alle ins solide Mittelfeld. Die Hörerschaft sieht uns allerdings auf einem Abstiegsplatz. Beste Voraussetzungen also, um mal wieder viele zu überraschen.

Was macht eigentlich Tim Matavz?

Kaum ein Spieler kam mit mehr Vorschusslorbeeren nach Augsburg als Tim Matavz. 2014 wechselte der slowenische Nationalspieler für 4 Millionen Euro von der PSV Eindhoven nach Schwaben und avancierte prompt zum Rekordtransfer des FCA. Zuvor hatte der Stürmer für PSV, Vitesse Arnheim und den FC Groningen in 293 Spielen respektable 131 Treffer erzielt. Doch beim FCA funktionierte er nicht wirklich – drei Tore in 34 Spielen standen für Matavz zu Buche. Nach drei Jahren FCA und zwei Leih-Stationen in Genua und Nürnberg zog es den Slowenen zurück nach Arnheim. In diesem Sommer wechselte der mittlerweile 31-Jährige dann von den Niederlanden in die Vereinigten Arabischen Emirate und geht mittlerweile für Al-Wahda FC Abu Dhabi auf Torejagd.

Aber an sich waren das ja noch schöne Zeiten, als Spieler von der PSV Eindhoven zu uns kamen wegen der sportlichen Perspektiven und nicht anders herum. Viele Grüße an dieser Stelle an Philipp Max.

Unglückliches Gastspiel in der Fuggerstadt. Die hohen Erwartungen an seine Person konnte Tim Matavz nie erfüllen. (Photo CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die voraussichtliche Aufstellung

Es ist davon auszugehen, dass Heiko Herrlich seine Mannschaft nicht allzu sehr verändert. Spannendste Frage bleibt das gewählte System – Gregoritsch oder Finnbogason? Zehner oder Doppelspitze? Gegen die Dreier- beziehungsweise Fünferkette der Berliner vermuten wir eher letzeres, sodass der hoffentlich wieder zu alter Form zurückfindende Gregoritsch wohl als Joker kommen wird. Der FCA ist in der Vorbereitung weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben, sodass sich dem Coach zusätzliche Alternativen durch Robert Gumny, Tobias Strobl oder die im Pokal überzeugenden André Hahn und Fredrik Jensen bieten. Auch Marco Richter scheint nach seiner Blessur eine Option sein. Insgesamt steht eine Elf, mit der man absolut gegen Union gewinnen kann. Wir sind heiß!

Gikiewicz – Framberger, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Gruezo – Caligiuri, Vargas – Finnbogason, Niederlechner

Ging verletzungsfrei und motiviert durch die Vorbereitung. Iago hat aktuell seinen Platz als Linksverteidiger sicher (Foto: xemx via imago).

Tipps

Andy: 0:0 – beide Teams finden offensiv keine Lösungen und auch die Berliner Fans machen keinen Unterschied.

Irina: Taktisch intensiv geführte Partie mit einem späten Augsburger Tor, das zum ersten Sieg der neuen Bundesligasaison reichen sollte.

Andi: Gikiewicz gewinnt das intere Keeper-Duell mit Luthe und hält seinen Kasten sauber. Der FCA gewinnt mit 2:0, Vargas und Finnbogason treffen.

TGIS: Thank God, it’s Spieltag!

Corona hat (Fußball-)Deutschland weiterhin fest im Griff: Nahezu täglich werden neue Wasserstandsmeldungen zu Tage gefördert und die Infiziertenzahl nach oben korrigiert. Auch in der Bundesliga ist Corona und die Diskussion drumherum Dauerthema. Nicht nur Kalous Video Clou, auch der wenig vorbildliche Ausflug vom masken- und verständnislosen Heiko Herrlich spalten die Gemüter – wie die Coronakrise an sich selbst schon die Bundesrepublik in mehrere Lager teilt. Mittlerweile sind zwei Spieltage in der ersten Fußballbundesliga Deutschlands schon wieder mehr oder minder erfolgreich bestritten worden. Das Fazit fällt durchaus gemischt aus – spür- und greifbare Geisteratmosphäre in Deutschlands Stadien, tanzende Trainer mit Mundschutz und auf Distanz jubelnde Profis. Aber: Was sein muss, muss sein!

Heiko Herrlich – Held oder Hanswurst?

Die dritte Reifeprüfung mit Symbolwirkung für die gesamte Nation steht in einer englischen Woche an. Hart, härter, englische Woche – sagt der Volksmund ganz salopp. Unser FCA empfängt hierbei in der heimischen WWK-Arena vor Geisterpublikum den Tabellenletzten aus Paderborn. Ein regelrechter Abstiegskrimi! Ein jeder fragt sich wohl an dieser Stelle, ob das Geisterspiel erneut seinem Namen alle Ehre macht. Und ob der FCA am 28. Spieltag die sympathischen Paderborner schon in Richtung zweite Liga schicken kann.

Der FC Augsburg jedenfalls konnte den berühmt-berüchtigten Trainerwechsel-Effekt nicht wirklich auskosten, da direkt nach Einstellung von Herrlich die Saison aufgrund von Covid-19 unterbrochen wurde. Die Handschrift von Herrlich war in Spiel 1 “nach Corona” noch nicht zu lesen, hat er sich doch davor selbst aus dem Stadion geschossen mit seinem unerlaubten Quarantäneausbruch zwecks Besorgung von Hygieneartikeln. “Da ganze Bua a Depp”, sagt man ganz treffend und leicht neckisch in Bayern!

Heiko Herrlich zusammen mit Stefan Reuter zurück an der Seitenlinie auf Schalke. (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Gegen Schalke 04 also übernahm der Mundschutz am Oberarm tragende Trendsetter Herrlich an der Seitenlinie. Ganz Fußballdeutschland, ach was, die ganze Welt blickte gebannt nach Gelsenkirchen, um den Badboy Herrlich bei seiner Geisterspiel-Premiere zu verfolgen. Besonders wichtig: Ob die Feuchtigkeitscreme aus dem Bobinger Supermarkt nun etwas geholfen hat gegen den leicht fahlen Hautton vom Heiko? Influencer hassen diesen Trick. Und Heiko Herrlich, für seine subtile Supermarkt-Scharade.

Negative Presse ist besser als gar keine Presse, dachte sich Heiko Herrlich. Gute Presse bekommt er diesertags auf jeden Fall wegen dem ordentlichen Auftritt des FCA auf Schalke. Nicht alle Vereine im Ruhrgebiet sind so gute Gastgeber wie der S04. Bitte, dankeschön. 3 Tore, 3 mal distanziertes Jubeln. Schalke 03! Da kommt gleich richtig Partystimmung und Feierlaune auf! Apropos Party…

What’s on in Partyborn?

…unser nächster Gegner kommt aus dem legendären Partyborn. Oder Paderboring. Ihr könnt euch aussuchen, was eher zutrifft. An Tagen, an welchen der SCP spielt, sicherlich ersteres. Ansonsten regnet es, die Kirchenglocken läuten oder die Ampeln sind rot. Ziemlich abwechslungsreich geht es in der Stadt mit dem größten Computermuseum der Welt zu. FUNFACT am Rande 🙂

Die Spielanlage und das Auftreten der Mannschaft aus der Stadt an der Pader entspricht nicht dem mageren Punktekonto und auch nicht dem tristen Tabellenplatz! Der Club hat eine erstaunlich gute Mischung aus erfahrenen Hasen und jungen Wilden. Leider muss das Team in der Bundesliga diese Saison oft Lehrgeld zahlen, geht hierbei jedoch nie so richtig “unter” oder lässt sich abschießen. Der relativ unbekannte Tormann Zingerle, der Bayernjugend entstammend und gebürtiger Münchner, macht einen erstaunlich guten Job zwischen den Pfosten. An ihm liegt’s sicherlich nicht, dass der SCP hinten rumkrebst in der Bundesligatabelle.

Klaus Gjasula , Christopher Antwi-Adjej, Jans Laurent und Leopold Zingerle: Die Mischung stimmt prinzipiell in Paderborn und herspielen lässt man sich auch selten. Nur Lehrgeld hat man oft bezahlt. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Ansonsten steht in der Innenverteidigung mit Hünemeier ein – im wahrsten Sinne des Wortes – “Hüne” seinen Mann. Eine Position vor ihm spielt Raubein Gjasula, der diese Saison den Kartenrekord in der Bundesliga geknackt hat. Herzlichen Glückwunsch und Ehre, wem Ehre gebührt, an dieser Stelle! Den Wirbelwind Antwi-Adjei und den jungen Spielmacher Sabiri sollte man ebenfalls auf dem Zettel haben! Interessant ist auch die Tatsache, dass der SCP vier nominelle Mittelstürmer im Kader hat. Und alle vier haben in dieser Spielzeit schon (mehrfach) getroffen! Das entspricht insgesamt 16 der 31 Treffer der Paderborner.

1. Absteiger SCP?

Die Paderborner haben nur mickrige 18 Punkte derzeit auf dem Punktekonto. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt 6 Punkte, auf das rettende Ufer schon satte 9 Zähler. Sollte der FCA gegen Paderborn gewinnen und die Konkurrenz aus Düsseldorf sowie Bremen punkten, sieht es ganz düster aus für die Ostwestfalen. Ich, die ja in Ostwestfale lebt, würde nächste Saison und gerne ohne Corona in der kleinen Schmuckkiste Benteler-Arena wieder im Gästeblock mit dem FCA mitfiebern. Und das nur mit 30 Minuten Anreise! Schade, wenn’s das nicht mehr in der ersten Bundesliga gäbe… Der SCP kann meiner Meinung nach die ganze restliche Saison punkten, aber nur nicht gegen den FCA. Die Punkte brauchen wir selbst.

Der sehr authentische und sympathische Trainer des SC, Steffen Baumgart, könnte folgende Startelf am kommenden Mittwoch auf den Rasen der WWK Arena schicken:

Zingerle  - Collins, Hünemeier, Schonlau, Dräger - Gjasula - Holtmann, Antwi-Adjei, Vasiliadis, Pröger - Srbeny

Ein Blick auf den FCA

Der FCA hat sich nach der unnötigen Last-Minute-Pleite gegen Wolfsburg offensichtlich auf den Hosenboden gesetzt und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Denn diese individuellen und kopflosen Fehler in den letzten Spielminuten ziehen sich schon wie ein roter Faden durch die Saison. Der Kopf ist dann gefühlt schon in der Kabine oder gar noch weiter weg.

Gegen Schalke sah das spielerisch – aber auch vom gesamten Auftreten ohne Ball – deutlich besser aus. Mehr gelaufen und mehr gefightet. Sehr ansehnliche Tore geschossen. So kennt man den FCA und will man ihn weiterhin sehen! Sehr aggressives und hohes Pressing, das hat den Schalkern nicht so geschmeckt und die Hinterleute zu Fehlern gezwungen. So zu sehen beim 2:0 durch Sarenren Bazee und beim 3:0 durch Sergio Cordova.

Heiko Herrlich hatte auch zwei gute Händchen, als er die beiden letztgenannten Torschützen einwechselte. Beide drängen natürlich in die Startelf, denn Vargas blieb gegen Schalke beispielsweise sehr blass. Auch Niederlechner läuft seiner Form deutlich hinterher, läuft zwar sehr viel – aber steht auch sehr gerne im Abseits. Die Chance nun für die willigen Ersatzleute, sich zu beweisen. Auch ein großes Lob an den souveränen Andi Luthe an dieser Stelle! Wie viel mentale Stärke im Kopf bewirken kann, merkt man diesertags sehr gut an dem sattelfesten Rückhalt Luthe.

Nach dem Spiel gegen Schalke scheint es nicht viel Änderungsbedarf im Augsburger Team zu geben. Ob Heiko Herrlich trotzdem überrascht? (Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

Ich persönlich hoffe ja noch, dass der junge Nachwuchsstürmer Maurice Malone bald mal sein Bundesliga-Debüt feiern darf. Unter Heiko Herrlich scheint dies möglich, auch wenn Maurice bisher noch nicht im Kader stand seit der Amtsübernahme im März. Es bleibt abzuwarten, ob Kapitän Daniel Baier wieder in die Startelf zurückkehrt. Die Schonmaßnahme für unseren Oldie scheint aber nur temporär begrenzt zu sein, deshalb tippe ich persönlich auf eine Rückkehr in die erste Elf, obwohl Carlos Gruezo eine großartige Leistung gegen Schalke gezeigt hat und mir diese Entscheidung sehr schwer macht. Heiko Herrlich steht vor der Qual der Wahl! Heimlich hoffe ich auch auf einen Wechsel auf Linksaußen, denn Ruben Vargas kommt noch nicht wieder richtig in Tritt und Noah Sarenren Bazee hat einen guten Job am Sonntag gemacht.

Für den FCA gehts am Mittwoch vor allem darum, das Punktekonto weiter aufzustocken. 30 Punkte klingen viel, trügen jedoch etwas. Die Mannschaften hinter uns punkten ebenfalls, haben teilweise noch ein Spiel weniger als der FCA. Ausruhen? Is’ nicht! Wir werden sehr viel den Ball haben und das Spiel machen müssen – ich bin gespannt, wie wir damit umgehen und was für einen Spielplan Heiko Herrlich hat.

Folgende Elf schickt Heiko Herrlich am Mittwoch sehr wahrscheinlich auf den Platz – getreu dem Motto: “Never change a winning team”

Luthe - Frambeger, Uduokhai, Jedvaj, Max - Baier, Khedira - Vargas, Löwen, Richter - Niederlechner

Was macht eigentlich – Daniel Brinkmann?

Der gebürtige Horn-Bad Meinberger Daniel Brinkmann hat eine Vergangenheit bei beiden Teams: In der Jugend und als Profi insgesamt vier Jahre beim SC Paderborn in seiner Heimat tätig, wechselte Brinkmann 2009 zum FCA an den Lech und stieg 2011 mit diesem in die erste Bundesliga auf. In drei Saisons bestritt der zentrale Mittelfeldspieler insgesamt 66 Spiele für den FCA und erzielte dabei 4 Tore. Nach drei Spielzeiten beim FCA wechselte Brinkmann zu Energie Cottbus. Heute spielt der 34jährige in der Oberliga Westfalen beim SC Wiederbrück im Kreis Gütersloh und ist dort gleichzeitig als Trainer tätig.

Eine kleine Anekdote am Rande: Als ich 2012 bei TuRa Elsen, einer Fußballmannschaft des Paderborner Stadtteils Elsen, ein Probetraining mitmachte, trug eine Spielerin das Trikot vom FCA mit dem Flock von Daniel Brinkmann. Als ich sie fragte, wieso sie denn als Paderbornerin offensichtlich FCA-Fan sei, entgegnete sie mir: “Allein wegen Daniel Brinkmann!”. Einer Legende in Ostwestfalen und ein verdienter Spieler der Bundesliga-Aufstiegsmannschaft des FCA von 2011 .

Tipps der Redaktion

  • Andy: 3:0 für den FCA! Der SC Paderborn wird von den Augsburgern abgefertigt und zurück in die 2. Liga geschickt. Der FCA beweist erneut seine spielerische Klasse.
  • Irina: Wir gewinnen, jedoch knapper und spannender als beabsichtigt mit 2:1. Zähe und leidenschaftliche Paderborner machen uns das Leben lange schwer. Ich könnte jedoch aus Sympathie mit den Ostwestfalen auch mit einem hochklassigen Remis gut leben, will ich doch nicht Schuld sein, dass mein FCA den SCP höchstpersönlich in die 2. Bundesliga schickt. Stefan Reuter jedenfalls muss sich im Doppelpass den Fragen von Thomas Helmer stellen – sicherlich hofft er im Vorfeld auf einen Sieg, dann plaudert es sich wesentlich angenehmer.
  • Sebastian: Nun geht es aufwärts. Paderboring profitiert nicht vom stimmungsmäßigen Heimvorteil und geht mit 5-0 in Augsburg unter.

Mach kaputt, was dich kaputt macht

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Seit 10 Jahren hatte die Bundesliga keinen anderen Meister mehr als den FC Bayern München oder Borussia Dortmund. Wer das Buch “The Number’s Game” gelesen hat, der weiß, dass der sportliche Erfolg zu über 80% von den Gehaltsausgaben eines Vereins abhängt. Es gibt hier eine nachgewiesene Abhängigkeit. Wer sich teure Spieler leisten kann, ist erfolgreicher, als der Club, der es nicht kann. Und wundern tun wir uns hierüber schon seit langem nicht mehr. Was man allerdings feststellen kann: früher war das nicht so. In den ersten sieben Jahren ihrer Existenz, gab es in der Bundesliga sieben unterschiedliche Meister. Da kann ein Verein wie der FC Augsburg oder SC Freiburg noch so gut arbeiten. Mehr als ein vereinzelter Euro League Lotteriegewinn bleibt unmöglich.

Der Fußball braucht keine Rettung

Wenn Herr Watzke, seines Zeichens Geschäftsführer von Borussia Dortmund, in diesen Tag sagt: “Es geht um die Rettung des Fußballs”, dann meint er damit vornehmlich die Vormachtstellung seines eigenen Clubs im aktuellen System. Denn als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, da lag auf der Wiese vor unserem Haus immer noch ein Ball mit dem meine Tochter kicken konnte, wann auch immer sie wollte. Der Fußball an sich wird durch die derzeitige Situation nicht verschwinden. Zudem ist die derzeitige Situation nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wenn ein Club wie Schalke 04 nach wenigen Wochen schon kurz vor der Insolvenz steht, dann liegt das wohl eher an den 200 Mio. EUR Verbindlichkeiten, die trotz abbezahltem Stadion dort schon auf den Büchern lasteten, als an der Krise selbst. Die Krise und der RB Leipzig haben gezeigt, dass die Lizenzierungsbedingungen der DFL eine Farce sind. Also werden gewisse Bedingungen, wie eine Liquiditätsprüfung nunmehr gleich ausgesetzt. Natürlich nur vorübergehend.

Hans-Joachim Watzke sieht die Vormachtstellung seines Clubs gefährdet und hat gefährliche Ideen. (Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Dabei bietet die Situation auch Chancen und diese werden aus ungewohnter Ecke adressiert. DFL-Geschäftsführer Seifert hat den Vorschlag einer Gehaltsobergrenze auf den Tisch gebracht. Eine Gehaltsobergrenze würde den sportlichen Wettbewerb in der Liga deutlich erhöhen und für ausgeglichenere Verhältnisse sorgen. Indem die Verteilung von Fernsehgeldern unabhängig der sportlichen Ergebnisse vorgenommen würde, ginge dies auch grundsätzlich nicht zu Lasten der Spieler. In diesen Situationen würden schlicht die Spieler bei den kleineren Vereinen zukünftig mehr verdienen können. Nachdem die Liga auch für Zuschauer wieder attraktiver würde, gäbe es wahrscheinlich grundsätzlich ein mehr an Einnahmen und damit auch ein Gehaltsplus für die Spieler im Gesamten. Das System funktioniert in den US-Ligen schon seit Ewigkeiten.

Machtstellungen sollen zementiert werden

Die großen Vereine wollen aber natürlich ein “weiter so” unter allen Umständen und sind hierfür auch bereit, die Prinzipien des deutschen Profifußballs komplett auszuhöhlen. Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, hat sich nun erst kürzlich dafür ausgesprochen, die 50+1 Regel abzuschaffen. Hierdurch könnten sich viele Vereine retten, ohne dass das System im Gesamten und damit die Vormachtstellung des FC Bayern angegriffen würde. Dem Branchenprimus geht es derweil weiter hervorragend, wo er doch gerade jetzt eine Transferoffensive für den Sommer angekündigt hat.

Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, äußert seine gefährlichen Gedanken, wie alles so bleiben kann, wie es ist. Aber wer will denn das? (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die Corona-Krise scheint dabei für einige Verantwortliche der geeignete Vorwand zu sein, auf den sie lange gewartet haben. Sie hängen weiter ihrer Verblendung nach, in der sie sich schon in den letzten Jahren immer mehr von den Fans auf den Rängen entfremdet hatten. Diese Fans können momentan auf den Rängen nicht gegen Änderungen an den Umständen des Ligabetriebs demonstrieren, sondern engagieren sich vielerorts für die Gesellschaft. Es gibt nun eben doch einiges, was gerade wichtiger ist als Profifußball.

Zeit für Aufstand und Wandel

Derweil ist jetzt der Moment, wo wir mit besonderer Achtsamkeit darauf achten müssen, dass uns “der Fußball” von den Watzkes und Hainers dieser Welt nicht vollends zerstört wird. Die kleinen Vereine sollten eine Koalition bilden, genau wie dies schon vorher von den Fanszenen vorgemacht wurde. Denn jetzt genau ist der Moment gekommen, um für eine gerechtes und chancengleiches System im Profifußball einzustehen, in dem die Vereine weiter das Rückgrat bilden. Es ist Zeit, dass der Fußball wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt und der wirtschaftliche Wettlauf beendet wird. Damit wir in Augsburg nicht mehr nur von der Meisterschaft träumen sondern auch realistisch Meister werden können. Das Spiel ist kurz davor zu beginnen. Es ist der Moment die eigenen Farben und Visionen zu verteidigen. Es ist der Moment, wo es in Augsburg heißt: “Fäuste hoch”.

Geisterstunde

Ein schales Helles aus dem dünnen Plastikbecher, der unverwechselbare Geruch von Bier und billigem Deospray in der Nase und das lautstarke Nörgeln eines beständig Unzufriedenen nur wenige Reihen hinter einem. Es ist nicht ganz klar, ob die Umstehenden mit leerem Blick seinen Ausführungen folgen oder mit Sorge an den nächsten Arbeitstag und den drohenden Spott der Kollegen denken. Bierduschen und Sonnenbrand, Motzrentner und Bayernfan. Was klingt das plötzlich alles verheißungsvoll. Wie schön wäre es, jetzt im Block zu stehen.

Spielpause

Die Aussetzung des Spielbetriebs war natürlich alternativlos und erfolgte vielleicht fast schon zu spät angesichts der Rolle, die Großveranstaltungen bei der Verbreitung des Virus spielten. Wie geht es nun weiter? Die Frage wird seit Wochen eifrig diskutiert und ist dabei fast Sinnbild aller anderen Debatten rund um die derzeitigen gesellschaftlichen Einschränkungen, die viele Meinungen und wenige Graustufen kennen.

Aber: Es steht vollkommen außer Frage, dass es derzeit dringendere Fragen gibt, als die Problematik, wann die Bundesliga wieder angepfiffen wird. Jeden, der sich gesundheitliche Sorgen macht oder in Kurzarbeit Existenzängste hat, hinterlässt die Debatte rund um die Aussetzung der Bundesliga mit einem Kopfschütteln. Mindestens. Fußball ist nur eine Nebensache. Aber für viele auch die schönste Nebensache der Welt.

Geisterspiele

Von dem Gang ins Stadion sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach weit entfernt. Alle Großveranstaltungen sind derzeit bis Ende August offiziell untersagt und auch die ersten Veranstaltungen im Herbst werden schon abgesagt. Und so ist Geisterspiel das Wort der Fußballstunde. Die Profiligen sollen (vielleicht) ab Anfang Mai in enger Taktung vor leeren Tribünen mit einem minimalen Personalaufwand der Liga zu einem würdigen Ende verhelfen. Wobei würdig in dem Fall heißt, das die Verpflichtungen aus den Fernsehverträgen eingehalten werden und so umgekehrt die dringend benötigten Fernsehgelder an die Vereine ausgezahlt werden. Dass der Stillstand der Bundesliga und so ziemlich aller anderen Profiligen weltweit den milliardenschweren Fußballzirkus in gravierende Nöte bringt, ist indes Thema einer anderen Debatte auf diesem Kanal.

Masterplan?

Die Geisterpläne der eigens eingesetzten „Task Force“ , die letzte Woche auch in Presse und Öffentlichkeit seziert worden sind, enthalten nichts wirklich überraschendes – man hatte auf ein Konzept gehofft, dass alle Probleme gesellschaftspolitisch und medizinisch überzeugend löst. Schlicht das Hoffen auf ein Fußballwunder. Was herauskam ist nicht viel mehr als der dringende Appell, sich konsequent die Hände zu waschen, eingekleidet in die schicken Folien einer Powerpointpräsentation und garniert mit allerlei grafischem Pepp aus dem Handbuch aktueller Marketingkurse. Einen großen Charme hat dabei übrigens die grafische Veranschaulichung der Personen im Stadion, eine (unbeabsichtigt) humorvolle Symbiose von Stadionplan und Tipp-kick.

Als die Liga am 16.03. diskutierte passierte das noch in Form eines Präsenzmeetings in Frankfurt. Wie sich die Zeiten geändert haben. (Photo by Thomas Lohnes/Getty Images)

Trotzdem wirkt der gesamte Plan seltsam steril. Da hat es selbst die österreichische Liga geschafft, ihrem Konzept mit einer farblichen Codierung von Zonen und Personal den Anstrich eines adäquaten Masterplans für Notzeiten zu geben. Inhaltlich gibt es aber natürlich kaum einen Unterschied.

Und so erfährt man viel über die Zahl der Personen, die ein Fußballspiel mitsamt Übertragung wohl mindestens benötigt (ca. 300) und dass die Bar im Mannschaftshotel gesperrt wird. Privat solle man Menschenansammlungen meiden und nach Möglichkeit Einwegtaschentücher verwenden. Nun denn. Sollte eine Person positiv getestet werden, erfolgt keine automatische Meldung an die Presse und die Vereine sollen für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen. Auch das begleitend veröffentlichte medizinische Konzept liefert keinen großen Erkenntnisgewinn. Für Menschenansammlungen vor dem Stadion ist die DFL nicht verantwortlich. Der Vorteil der Banalität des Konzepts ist dessen Universalität. Mit den Kriterien könnte man auch ein Museum wieder öffnen.

Fußball ist unser Leben?

Das Konzept der DFL Taskforce dient nicht dazu, die aufgeheizte Diskussion rund um das Thema Geisterspiele zu versachlichen. Man kommt nicht umhin, den Kritikern Recht zu geben, die die Sonderrolle des Fußballs in der gegenwärtigen Debatte monieren. Während das Land stillsteht und jeder Einzelne zur Wahrung von Abstand und Verzicht angehalten wird, möchte der Fußball lieber heute als morgen seinen Betrieb wieder aufnehmen. Und wer meint, dass die Fans den Fußball herbei sehnen, dem sei der bemerkenswerte Kommentar der Ultras ans Herz gelegt, die deutliche Kritik am Vorhaben der DFL geäußert haben.

Gespenstisch

Und doch könnte der Fußball ein Stück Normalität bieten, zumindest denjenigen, die gerne dem Fußball anhängen. Clubs und Konzerte, Museen und Demonstrationen werden derzeit in die digitale Welt verlegt. Warum also nicht auch die Bundesliga? Man mag sich Geisterspiele in Augsburg vorstellen. Wie Rolf Störmann eigens angefertigten Pappkameraden auf der Ulrich Biesinger Tribüne begrüßt und der Torjubel gleich mit der Tormelodie vom Band kommt. Was vor Wochen noch als undenkbare Alternative abgetan wurde, ist jetzt fast Sehnsuchtsort. Insgeheim hat mittlerweile auch die Stimmung eines schweigsamen Testspiels einen großen Reiz. Und eine gewisse Authentizität. Denn es wird auf das Spiel und das Sportliche reduziert. Ohne den großen Marketingrahmen, das Torwandschießen und die Gratisproben.

Choreo ohne Fans oder auch die Frage: Was bleibt ohne Fans im Stadion? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Doch der Wunsch, am Samstagnachmittag wieder Fußball im heimischen Wohnzimmer zu sehen, birgt auch ein anderes Risiko. Was wäre, wenn eine Mannschaft nach mehren positiven Befunden aufgrund der Quarantäne in Gänze oder in Teilen ausfallen würde? Wenn dem FCA die erste Elf fehlen und eine Niederlagenserie zum Abstieg führen würde? Rechtfertigt es da der Verweis auf finanzielle Nöte und die Sehnsucht des Fans, die Spiele wieder anzupfeifen?

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Das Konzept der DFL kann der Gesellschaft die Sonderrolle, die die Bundesliga spielen soll, immer noch nicht erklären. Und so wird man sich weiter die Frage stellen, ob und wann die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gesellschaftlich, moralisch und sportlich sinnvoll ist. Ich würde mich prinzipiell freuen, wenn ein sinnvoller Weg gefunden werden könnte. Der Jubel auf dem Sofa wäre gewiss. Aber eben nicht um jeden Preis. König Fußball muss sich auch unterordnen. Es wird auch finanzielle Lösungen für alle Profivereine geben. Alles andere wäre in dem Millionenzirkus Bundesliga schwer denkbar und vermittelbar.

Denn Fußball ist nur Nebensache. Insbesondere in diesen Tagen. Und man kann der ganzen Situation doch durchaus etwas Positives abgewinnen. Heiko Herrlich ist seit fünf Wochen als FCA Trainer ungeschlagen.

TGIF: Bremer Stadtmusikanten vs. Augsburger Puppenkiste

Heute ist Freitag, der letzte Arbeitstag der Woche und spätestens in vier Stunden geht’s an die Stechuhr und ich hab‘ Feierabend.  Jawollja! Wie mir geht’s da wohl noch etlichen anderen Arbeitnehmern, die sich schon zu Arbeitsbeginn klammheimlich aufs Wochenende freuen. Hoch die Hände, Wochenende, FCA, ole ole. und #TGIF – all diese Slogans haben eins gemeinsam: Die Vorfreude auf zwei arbeitsfreie Tage nach einer intensiven Arbeitswoche. Und was gibt’s da schöneres als seinen Gelüsten zu frönen, den Hobbies nachzugehen und mit der eigenen Clique abzuhängen? (Richtig: Nix! 😂 ) Für mich bedeutet Wochenende ja immer Bundesliga-Zeit. Und natürlich FCA-Zeit. Auf das Spiel meiner Augschburger fieber‘ ich quasi die ganze harte Arbeitswoche hin. Umso schöner, wenn der FCA dann auch noch punktet und das Wochenende komplett super wird. Wenn da das Wörtchen wenn nicht wär… und der SV Werder Bremen.

Immer wieder samstags!

Also, immer wieder samstags spielt der FC Augsburg in der 1. Fußballbundesliga. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Anhänger aus Hannover, Kaiserslautern und von 1860 München sind an dieser Stelle nun vor Neid erblasst und würden sicherlich gerne mit uns tauschen. Daher hab ich nicht nur eine gewaltige Vorfreude auf das Wochenende und auf den FCA allgemein – sondern auf das 9. Jahr Bundesliga in der Augsburger Vereinsgeschichte.

Ein unfassbares Privileg, wenn man mal intensiver drüber nachdenkt. Ganz demütig werde ich, wenn ich einmal kurz Revue passieren lasse, was wir in 9 Jahren Glanz & Gloria erlebt haben. Fast-Abstieg, Fast-EL, Erstmalige EL-Teilnahme und so weiter. 2020 soll nun also das Jahr der Augsburger werden und wir wollen frühzeitig nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Ob das wohl so einfach wird? Nach den jüngsten Auftritten sind sich da nicht mehr alle so sicher in Datschiburg, wie noch am Ende der Hinrunde.

Facts, it’s all about facts

Der Gegner möchte uns das Leben morgen ab 15:30 Uhr jedenfalls so schwer wie möglich machen. Die launische Diva aus Bremen ist zu Gast im beschaulichen Bayerisch-Schwaben. Selbst arg mit akuten Abstiegssorgen gebeutelt, versucht man den Fisch aus der Weser – pardon – den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und hat mit Kevin Vogt einen alten Augsburger Bekannten aus Hoffenheim loseisen können. Der Abwehrhüne soll die mit Verletzungspech geplagte Defensivreihe der Werderaner verstärken. Aktuell stehen die Grün-Weißen mit 17 Punkten aus 19 Spielen auf dem Relegationsplatz. Nicht zufriedenstellend für einen ambitionierten Traditionsclub wie dem SVW. 

Ruben Vargas: Durchbruch gegen Bremen
Als Ruben Vargas am 01.09.2019 in Bremen sein zweites Tor erzielte war spätestens klar, was wir im Sommer für ein großes Talent verpflichtet hatten (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Martin Schmidt, der Augsburger Trainer, bezeichnet den Gemütszustand seiner Spieler inklusive seiner selbst als „wütend“.[1] Denn drei Niederlagen in Folge sind so gar nicht nach dem Geschmack des Schweizers. Und überhaupt, nachdem man die Hinrunde erstmal zu zwei Dritteln verpennt hat und sich dann akuter Sorgen nur durch ein fabulöses letztes Drittel entledigt hat – ist diese Niederlagenserie natürlich jetzt ärgerlich. Und genauso erwartbar wie unnötig. Die Winterpause kam den Augsburger Kickern jedenfalls nicht unbedingt zu Gute. Schmidt selbst weiß, dass die Partie gegen die Werderaner also kein Selbstläufer wird.[2] 

Am 01.02.2020 kommt es nun also zum 17. Aufeinandertreffen zwischen FCA und SVW in der Bundesliga. Hierbei ist die Bilanz ziemlich ausgeglichen bei 8 Augsburger-, 7 Werder-Siegen sowie 2 Unentschieden. Während unser FCA in den letzten 10 Spielen starke 5 Siege erkämpfen konnte, stehen für die Bremer sage und schreibe 6 Niederlagen zu Buche.  Das Hinspiel zwischen den beiden Clubs ging 3:2 für Bremen aus. Ärgernis der Partie war der Feldverweis für Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner. Neuzugang Ruben Vargas zeigte erstmals seine offensiven Qualitäten und traf doppelt.

Funfact am Rande:  Ein torloses Remis gab es noch nie!

Unser Gegner: Der SV Werder Bremen– Lebenslang Grün-Weiß.

Mit Bremen kommt der Dritte der Ewigen Tabelle und viermalige Deutsche Meister nach Augsburg. Seit 39 Jahren spielen die Grün-Weißen in der 1. Bundesliga – Chapeau. In Sachen Ligazugehörigkeit und Konstanz sind sie definitiv Vorbild für den FCA. Viele unruhige Jahre liegen hinter dem erfolgreichsten Bremer Verein. Gut aufgestellt ist man mittlerweile in der Chefetage mit Ehrenspielführer Baumann und dem Münsteraner Klaus Filbry. Auch die ehemaligen Werder-Spieler Clemens Fritz und Marco Bode bekleiden wichtige Positionen im Verein. Ob Florian Kohlfeldt seine Tätigkeit genauso lang wie Rehhagel und Schaaf ausüben darf? Fraglich.  Denn Statistiken – wie kein einziges Zu-Null-Spiel in der Hinrunde und die Schießbude der Liga mit 41 Gegentoren –  werfen Fragen auf. 

Bremer Sorgen sind Augsburger Freud’

Einziger Lichtblick: Während der FCA in der Rückrunde auf den ersten Punkt wartet, hat Bremen beim Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf direkt dreifach gepunktet.  Werder Bremen konnte im DFB-Pokal überwintern und trifft im DFB-Pokal-Achtelfinale am kommenden Dienstag auf Borussia Dortmund.  Vielleicht ist die Konzentration am Samstag in Augsburg dann nicht so groß? Wer weiß, wer weiß.

Offenbar fahren die Bremer ziemlich dezimiert nach Augsburg, denn mit Ex-FC Augsburg Spieler Langkamp, Selassie und Augustinsson fallen wichtige Stützen in der Defensive aus.  Mittelfeldspieler Bargfrede kann ebenfalls sicher nicht spielen.[3]  Marco Friedl muss hingegen vom Spielfeldrand zusehen –  dank 5. gelber Karte und der damit verbundenen Sperre. Kapitän Moisander kehrt nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder in die Anfangsformation zurück. Die Bremer haben mit Rashica einen der schnellsten Bundesligaspieler in ihren Reihen und in Jiri Pavlenka einen sehr sicheren Rückhalt.

Kevin Vogt: neu bei Bremen
Neue Farben, bekanntes Gesicht: nachdem er in Hoffenheim diese Saison weniger zum Einsatz kam, welchselte Kevin Vogt nun im Winter vorerst nach Bremen. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Defensive stehen mit Kevin Vogt und Ömer Toprak starke Innenverteidiger zur Verfügung. Mit Nuri Sahin, den Eggestein-Brothers, dem Ich-hab-die-Haare-schön Mittelfeldspieler Davy Klaassen sowie Bittencourt weist Bremen große Qualität im Mittelfeld auf.  Der ewige Claudio Pizarro treibt auch im Jahre 2020 noch sein Unwesen in den gegnerischen Abwehrreihen. Die Augsburger Abwehrspieler sollten sich warm anziehen.  Gut auch für den FC Augsburg, dass den SVW weiterhin Personalprobleme plagen. Die Bremer Führungsriege beschäftigt sich derzeit mit einem neuen Stürmer, aber konnte noch niemanden vermelden respektive verpflichten.[4]

Die voraussichtliche Aufstellung der Bremer sieht folgendermaßen aus:
Pavlenka - Toprak, Vogt, Moisander - Goller, Sahin, Bittencourt - M. Eggestein, Klaassen - Rashica – Sargent

Quo vadis, FCA?

Beim FCA sieht es danach aus, als hätte sich Andre Hahn nach seinem unglücklichen Auftritt gegen Union direkt wieder aus der ersten Elf rotiert. Eduard Löwen oder Freddy Jensen könnten in der Zentrale seinen Platz einnehmen. Ein interessanter Aspekt wird sein, ob Schmidt auf Jedvaj als Rechtsverteidiger setzt. Oder eher den routinierten Lichtsteiner bevorzugt. Jedvaj hatte ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erlebt, der Kroate spielt der eigenen Aussage nach aber auch wesentlich lieber im Innenverteidiger-Verbund.  Gespannt bin ich persönlich auch, ob Finnbogason schon eine Option für die erste Elf ist und sich Martin Schmidt dem Experiment mit zwei Stürmern wieder annähert. Dies ist sicherlich abhängig vom Fitnesszustand des Isländers.

Lichtsteiner: Einsatz gegen Bremen?
Über Stephan Lichtsteiner wurde diese Woche viel berichtet: vor allem über seine Bedeutung abseits des Platzes. Darf er diese Woche wieder auf dem Feld helfen? (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der noch angeschlagene Cordova und der für die Olympia-Quali abgestellte Iago fehlen ebenso wie Stürmer Julian Schieber. Letzterer laboriert an einer hartnäckigen Wadenverletzung. Zudem wurde heute bekannt, dass Mads Pedersen nach Zürich ausgeliehen wird für die Rückrunde. Martin Schmidt hat alles in allem trotzdem mal wieder die Qual der Wahl. Und derzeit wenig verletzte Spieler zu beklagen.

Gegen Union agierte die Truppe um Kapitän Daniel Baier offensiv kopflos und fahrig, defensiv ließ der FCA zu viele Chancen des Gegners zu. Oft ließ man sich abermals zu individuellen Fehlern hinreißen (Koubek, Jedvaj, Hahn). Diese Punkte müssen schleunigst verbessert und optimiert werden, sonst droht der nächste Punktverlust gegen einen direkten Konkurrenten.

Ich würde darauf tippen, dass die FCA Startformation gegen Bremen folgendermaßen aussieht:
Koubek - Jedvaj, Gouweleeuw, Uduokhai, Max - Khedira, Baier - M. Richter, Löwen, Vargas – Niederlechner

So sieht es übrigens auch der Kicker.[5]

Was macht eigentlich – Torsten Oehrl?

Der nahe Coburg geborene Torsten Oehrl, heute 34 Jahre alt, hat sowohl für den SV Werder Bremen (2008 -2010) als auch für den FC Augsburg (2010-2013) gespielt. Ich erinnere mich noch sehr gut an seinen Seitfallzieher im Jahr 2010 gegen den FSV Frankfurt – das Tor wurde damals zum Tor des Monats Dezember von den Zuschauern der Sportschau gewählt.[6]  Eine Tormaschine war er beim FCA wahrlich nicht (nur 7 Bundesligatore).

Thorsten Oehrl feiert eines seiner seltenen Bundesligatore gegen Hertha BSC Berlin am 25. Februar 2012 mit – natürlich – Daniel Baier. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Auch bei den Bremern hatte er zu kämpfen, denn dort hat er den Durchbruch nicht geschafft in der Bundesliga und kam zumeist nur in der 2. Mannschaft zum Zuge. Bis 2017 hat Torsten Oehrl noch aktiv Fußball gespielt, beim FC Bayern II in der Regionalliga. Seit 2018 ist er vornehmlich Trainer, zuletzt beim Bezirksligisten FC Oberhaid (Aus im Oktober 2018). [7] Der gelernte Industriekaufmann blickt jedoch stolz auf seine FCA-Zeit zurück und sagte einst im Interview: „Das war mit die coolste Zeit”.[8]

Tipps der Redaktion

·        Irina: Ich bin zwiegespalten. Mein euphorisches Ich sagt, dass wir das wuppen und mit 2:1 gewinnen, da wir frei und frisch aufspielen. Mein leicht pessimistisches FCA-Gemüt jedoch gewinnt derzeit häufiger die Oberhand und munkelt, dass es eher in Richtung eines glücklichen Remis geht.

·        Andy: Mein Tipp ist ein 3:1 für den FCA. Überzeugend zurück in die Erfolgsspur gegen schlechte Bremer.

·        Sebastian: Wildes 3:2, Hauptsache zurück in die Erfolgsspur


[1] https://fcaugsburg.de/wns/schmidt-dreier-in-dieser-direktbegegnung-waere-unglaublich-wichtig/

[2] Ebd.

[3] https://www.werder.de/aktuell/news/profis/20192020/personal-update-vor-augsburg-30012020

[4] https://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-Werder-Bremen-in-Augsburg-In-Ruhe-punkten,werder12392.html

[5] https://www.kicker.de/4588835/spielinfo/fc-augsburg-91/werder-bremen-4

[6] https://www.sportschau.de/sendung/tdm/archiv/chronik10er/dezember2010tdm100.html

[7] https://www.focus.de/regional/bayern/bamberg-torsten-oehrl-legt-traineramt-in-oberhaid-nieder_id_9732062.html

[8] https://www.infranken.de/regional/forchheim/sport/torsten-oehrl-ein-profi-im-spielkreis;art291,3219032

Domenico & Niko & Tayfun & Manuel

Nun ist sie also zu Ende gegangen, die Bundesligasaison 2017/18.
Liest man sich die Prognosen vor der Saison nochmals durch, muss man als Anhänger des FC Augsburg resümieren: Alles war besser als gedacht.
Weder die zu vielen Spieler, noch der Abgang wichtiger Säulen und die bescheinigte mangelhafte Qualität der Zukäufe konnten verhindern, dass der FCA im Mittelmaß angekommen ist und auch kommende Spielzeit noch in München, Dortmund und Schalke auflaufen darf.

Sicherlich, und das wurde an dieser Stelle auch schon oft genug bescheinigt, ist die Arbeit von Stefan Reuter und Manuel Baum nicht groß genug einzuordnen. Und auch nahezu alle eingesetzten Spieler haben teils sehr über ihrem erwartbaren Niveau gespielt. Jedoch muss die Frage gestellt werden, ob der FC Augsburg auch in einer Bundesligasaison so gut abgeliefert hätte, in der das generelle Niveau dann doch besser gewesen wäre, als es in dieser der Fall war.

Denn Fakt ist: Der FC Augsburg war an der Vizemeisterschaft genauso nah dran, wie Schalke an der Meisterschaft (je 21 Punkte). Ist man Werbefachmann beim Pay TV, könnte man dies mit griffigen Sprüchen wie “Die spannenste Liga aller Zeiten!” umschreiben. Ganz falsch ist das nicht, denn in der Theorie ist für 17 Mannschaften von Platz 2 bis 18 alles drin. Dennoch muss man konsterniert feststellen, dass das Ergebnis vor allem mit der Art, wie in den vergangenen zehn Monaten in Deutschlands Königsklasse Fussball gespielt wurde, zusammenhängt.

Das Umschaltspiel wurde zum allumfassenden Modus Vivendi erhoben. Ballbesitz, Aufbauspiel – ein No Go.
Hingegen wird darauf gebaut, sich an den Gegner anzupassen, flexibel in der Grundformation zu agieren, um schließlich schnell umzuschalten und zu kontern. Meist über die Flügel, mit einem robusten und zugleich agilen Mittelstürmer. Gepaart mit einer gewissen Hoheit über den Luftraum bei Standardsituationen ergibt sich hieraus das Erfolgsrezept der aktuellen Stunde.
Keine Mannschaft perfektionierte diesen Fussball in der Saison 2017/18 so sehr wie Schalke 04 unter Trainer Domenico Tedesco. Mit der Eintracht aus Frankfurt unter Niko Kovac erreichte ein weiteres Team, das sich dieser Philosophie verschrieben hat, das DFB-Pokalfinale. Und mit Tayfun Korkut erlebte der VfB Stuttgart eine von so gut wie allen Experten in Deutschland nicht für möglich gehaltenen Aufschwung, der sie nun nach Europa führt.

Auch Manuel Baums Spielplan sieht die defensive Stabilität als Maxime des Erfolgs vor. Schnelles Umschalten durch Schlüsselspieler wie Khedira, Baier und Gregoritsch und ein flinker Abschluss durch Finnbogason beflügelten uns diese Saison . Es liegt nichts verwerfliches in dieser Art zu spielen, vor allem nicht wenn man wie Augsburg mit seinen wenigen Mitteln gut haushalten muss und in so gut wie jedem Spiel der Außenseiter ist.

Und wenn kommende Saison dann noch punktuell verbessert wird und die anderen Mannschaften weiter nicht offensiv spielen wollen, dann haben wir gute Chancen, dass es tatsächlich auch für uns noch besser werden kann.

Ankommen im Mittelmaß

In den sieben Jahren, die der FC Augsburg nun schon in der Bundesliga spielen darf, hatte man genau drei Mal vor dem 30. Spieltag nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Das erste Mal in der Saison 2013/14, in der man Achter wurde. Zum zweiten Mal in der Ausnahmesaison 2014/15, die uns allen die bislang wohl schönsten Fußballabende in Rot, Grün und Weiß bescherte, und uns in der nachfolgenden Saison quer durch Europa schickte. Und nun also dieses Jahr zum dritten Mal. Damit nähert man sich den 50% an, dem guten Durchschnitt, dem Mittelmaß. Was andernorts eine negative Konnotation hat, dürfte in Augsburg große Freude auslösen.

Schaut man sich die ersten sieben Jahre der Fussball Bundesliga an, beginnend mit der Saison 1963/64, so dürfte mancher, der noch nicht so viele Lenze hat kommen und gehen sehen, durchaus überrascht sein: Mit Köln, Bremen, 1860 München, Braunschweig, Nürnberg, dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach gab es gleich sieben verschiedene Deutsche Meister. Ein Glücksfall für die noch junge Bundesliga und auch wenn dominante Mannschaften über einige Zeit das bundesdeutsche Fussballgeschehen prägten, so kann man fast von grandioser Abwechslung sprechen wenn man heutige Zeiten dagegen hält. In den vergangenen 20 Jahren gab es lediglich drei Deutsche Meister (Bremen, Stuttgart & Wolfsburg jeweils mit einer Meisterschaft), die nicht aus München oder Dortmund kamen. Als der FC Bayern am vergangenen Wochenende vorzeitig die Meisterschaft beim 1:4-Erfolg in Augsburg feiern durfte, war es sein sechster (in Zahlen: 6) in Folge. Ist man Fussballfan in Deutschland und nicht Anhänger der beiden dominanten Teams – man hat heutzutage nur noch wenige Träume.

In Augsburg war der Traum eigentlich stets: Noch ein Jahr länger Bundesliga spielen, bevor es vielleicht dann doch wieder in die zweite Liga geht.
Und um Spannung und Dramatik zu wahren, seiner eigenen Rolle als Verein mit stets dem kleinsten Etat gerecht zu werden, durfte man in den vergangenen sieben Jahren auch nahezu immer bis fast zum Schluss bangen und mitfiebern und hoffen. Auch mit Abschluss der Saison 2017/18 wird man resümieren: Gut gemacht, alle Ziele erreicht. Vielleicht wäre mehr drin gewesen, wie Michael Gregoritsch kürzlich zitiert wurde, vielleicht kann man aber auch froh sein, trotz wichtiger Abgänge, trotz viel Kritik am zunächst aufgeblähten Kader, der dann sträflich harsch ausgedünnt wurde, und trotz Verletzungen wichtiger Säulen der Mannschaft, einfach solide Arbeit gemacht zu haben und mit dem Abstieg eigentlich die gesamte Saison nicht viel zu tun gehabt zu haben. Vielleicht.

Wenn der FC Augsburg nun den Weg von Hertha BSC Berlin oder Mainz 05 gehen würde, ein Weg in das Mittelmaß, man dürfte sehr dankbar darüber sein. Seit Jahren haben sich diese beiden Mannschaften, deren Ausstrahlung nicht arg unähnlich derer des FC Augsburg sind, im Mittelfeld der Bundesliga etabliert. Mal mit Ausreißern nach oben, mal nach unten – aber meist: grundsolide. Wie Augsburg, durfte man auch in Mainz und Berlin internationale Luft schnuppern und feierte dies wie den Gewinn der Meisterschaft. Überhaupt: Ist der Europapokal nicht die eigentliche Meisterschaft? Der Nicht-Abstieg ein Pokalgewinn?

Mit der zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fussballs wird die Schere zwischen den ganz Großen und dem Rest immer größer werden. In anderen Ligen, in Spanien, in Italien, in England und (nicht ganz neuerdings) auch in Frankreich ist man das schon gewohnt. In Deutschland, dem Land in dem 50+1 wie ein teures Porzellan aus dem Familienerbe behandelt und aus Rücksicht auf einen ausgeglichenen Wettbewerb und die Tradition nicht angefasst werden darf, glaubte man bis zuletzt an eine ausgewogene erste Liga. Hielt man zwischenzeitlich inne und stellte fest, dass der Tabellenzweiten einen geringeren Punktevorsprung auf den Relegationsplatz als Punkterückstand auf die Bayern hatte, dann könnte man durchaus auch resümieren: Ja, die Bundesliga ist in der Tat noch sehr ausgeglichen.

Diese erste Einschätzung täuscht jedoch, wenn man sich die Tabellenkonstellation nach dem letzten Spieltag der vergangenen sieben Jahre jedoch mal näher ansieht. Ganz oben, wie bereits beschrieben, fast immer die Bayern, dahinter zwar in abwechselnder Reihung die etatstarken Teams, folgend der Rest. Was diese Monotonie der Ergebnisse mit der Fussballbegeisterung in Deutschland nachhaltig machen wird, bleibt abzuwarten – und auch in Augsburg muss man seinen Weg aus den sinkenden Publikumszahlen finden müssen um das Fussballprojekt FCA langfristig in der Bundesliga halten zu können.

Doch wenn der Abstieg irgendwann tatsächlich kein Thema mehr wäre in Augsburg, die Meisterschaft unerreichbar und auch die internationalen Plätze schon fast automatisch durch die natürlichen Anwärter aus Dortmund, Schalke, Leverkusen, Leipzig, Hoffenheim und Gladbach besetzt, was bleibt denn noch übrig an Träumen und Zielen? Wofür quält man sich durch Montagsspiele bei -5°C in Dortmund, durch immer teurer werdende Tickets und TV-Abos, durch eine immer größer werdende Entfremdung zwischen Verein und Anhängerschaft, wie man sie vielerorts derzeit erlebt?

Was ist langfristig noch drin für den FC Augsburg? Auf eure Meinungen sind wir gespannt.

Eingenordet

FC Augsburg – Hannover 96
(9. Spieltag, 1:2)

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Das Bibliographische Institut dürfte an diesem Sonntag viel zu tun haben. Der Verlag, bei dem der Duden erscheint, darf nämlich eine grundlegende Änderung vornehmen. Schlägt man zukünftig im Vollständigen Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache den Begriff unnötig nach, so wird das Spiel des FC Augsburg gegen Hannover 96 am 9. Spieltag der Bundesligasaison 2017/18 fortan als Paradebeispiel angegeben werden. Aber der Reihe nach…

Die Ausgangslage

Mit jeder Menge Vorschusslorbeeren startete das Team von Manuel Baum in die Woche. Bei der TSG 1899 Hoffenheim holte man in der vergangenen Woche einen Punkt – das jedoch eher glücklich als souverän. Dennoch, in Hoffenheim punkten war keine Muss-Aufgabe, wenn man sich den Spielplan für die Saison anschaute.

Gegen Hannover punkten jedoch schon. Auch wenn die Niedersachsen fulminant in die Saison gestartet waren und sicherlich noch vor dem FCA als das Überraschungsteam der Stunde gehandelt werden dürften, war davon auszugehen, dass ein Heimspiel gegen Hannover gewonnen werden müsste, möchte man das Minimalziel ‘Klassenerhalt’ wuppen. Zumal der Trend bei den Hannoveranern nach zwei Niederlagen eher nach unten zeigte.

Das Ergebnis

Das Pläne nicht immer aufgehen, dürfte nun keiner so gut wissen wie Manuel Baum und seine Mannen nach diesem bitteren Nachmittag. Eine druckvolle erste Halbzeit spielte der FCA, erzielte mit Gregoritsch das 1:0, das zwar in der Summe der Torschüsse verdient, aber dennoch glücklich war. Doch nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel hektisch und man konnte zusehen, wie die Augsburger die Zügel mehr und mehr aus der Hand gaben.

Hannover kam mehr und mehr ins Spiel, und Joker Niclas Füllkrug bestrafte die Augsburger Schludrigkeit in der Folge doppelt. Am Ende hieß es 1:2 für Hannover und kaum jemand im Stadion konnte sich so wirklich erklären, wie man nach so dominanten 45 Minuten auf so dumme Weise noch verlieren konnte.

Was war gut?

Sicherlich, der FCA machte von Anfang an Druck. Bis zum 1:0-Treffer von Michael Gregoritsch war es ein sehr einseitiges Spiel und Hannover 96 kam kaum über die Mittellinie. Man spielte sich gute Chancen heraus, kam auf 9 Ecken. Und dennoch: Die Chancenverwertung war katastrophal!

Hannover verteidigte nämlich nicht so bärenstark wie es das Halbzeitergebnis und die zugehörigen Spieldaten ahnen lassen würde. Sie hatten vielmehr Glück, dass weder Caiuby (3′), Finnbogason (6′) oder Gregoritsch (7′, 8′, 10′) die Führung eher machen.

Über die volle Distanz hinweg können eigentlich nur Marwin Hitz, der immer da zu sein scheint, wenn es brenzlig wird, und Michael Gregoritsch, der nicht nur wegen des Tores positiv auffiel, sondern immer mehr ins Spiel findet. Gut für uns, denn auf einen dauerproduzierenden Finnbogason können wir uns anscheinend nicht verlassen.

Was war schlecht?

Allem voran: Die Mannschaftsleistung in der zweiten Halbzeit. Man agierte so dermaßen kopflos, machte Fehler in der Defensiven und ließ nicht mehr erkennen, wie man in der ersten Halbzeit nur so gut aufspielen konnte. Man wusste, dass Hannover sich durch Konter ins Spiel bringen würde, und dennoch ließ man sich gnadenlos auskontern. Absolut unnötig.

Auch die bereits monierte Chancenverwertung muss an dieser Stelle nochmals angesprochen werden. Nun ist man als geneigter Fan ja schon erstaunt, wie viele Möglichkeiten aus dem Spiel heraus in dieser Saison erspielt werden, und bisher war die Ausbeute ja durchaus passabel. Gestern jedoch fehlte der nötige Willen, das Ding auch bis zum Abschluss durchzuziehen.

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Gänzlich unverständlich war der Positionswechsel auf Rechtsaußen. Heller machte in den vergangenen Wochen eine solide Partie nach der anderen. Warum Baum nun gegen Hannover gerade Schmid bringt, wenn der Gegner hinten links nur einen Ostrzolek hat, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Schmid war bemüht, versuchte sich auch als Distanzschütze, aber an die Qualität eines Marcel Heller kommt er auch nach 52 guten Trainingswochen nicht ran.

Was kommt als nächstes?

Vielleicht war die Niederlage auch ganz gut, um die aufkeimende Über-Euphorie mal wieder ein wenig einzufangen. Unter der Woche wurde Christoph Biermanns 11 Freunde-Artikel “Augsburg startet durch” in sämtlichen Kanälen rauf- und runtergefeiert. Vor allem Biermanns letzter Satz ließ wohl einige noch so hartnäckige Grantler sich am Zwetchgendatschi verschlucken:

Wenn der FCA auf diesem Niveau bleibt und etwas Glück hat, ist sogar die Qualifikation für die Europa League möglich.

Endlich wieder Bilbao, ist ja auch viel wärmer im Spätsommer als in Leipzig! Vielleicht nochmal nach England, Arsenal so wie die Kölner oder doch gleich Manchester United? Die Stammtisch-Granden waren sich schon alle einig: Wenn’s die Fachpresse weiß, wird es sicher stimmen.

Dass ausgerechnet Hannover, der Biedermann unter den Bundesligaclubs, die Augsburger Euphorie wieder einnordet, dürfte uns allen nun ein Wink mit dem Gartenzaun sein: Wir sind immer noch der FC Augsburg und zwölf Punkte nach neun Spieltagen sind ganz toll, aber das Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt.

Sollte man den schon früher klarmachen, dürfen wir gerne zu träumen beginnen. Was passiert, wenn man zu viel träumt, darf man in Köln aktuell beobachten. Da brennt die Hütte lichterloh, und wenn auch gegen Werder Bremen nicht gepunktet wird, dann hilft dem jecken Rheinländer auch das Abenteuer Europa League nicht weiter.

Apropos Bremen, da geht es kommende Woche hin. Hoffentlich regnet es aus Eimern und der Wind bläst ordentlich durchs’s Weserstadion um alle Spieler des FC Augsburg daran zu erinnern, das diese Bundesligasaison immer noch die schwerste der jungen Vereinshistorie in Deutschlands höchster Spielklasse ist und man sich doch bitte 90 Minuten auf sein Tagesgeschäft konzentriert.

 

Hartes Brot

TSG 1899 Hoffenheim – FC Augsburg
(8. Spieltag, 2:2)

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Nach der schier endlos wirkenden Länderspielpause stand für den FC Augsburg eine nicht ganz so leichte Aufgabe auf dem Programm. Als Tabellensechster fuhr man nach Sinsheim, wo mit der TSG 1899 Hoffenheim der Tabellendritte aufwartete. In der Vorbereitung schienen sich jedoch mehr Medien für die Personalie Nagelsmann in Zusammenhang mit dem FC Bayern oder für das Regionalliga-Spiel des FC Augsburg II gegen den TSV 1860 München zu interessieren.

Dass es an diesem 8. Spieltag der Bundesliga für beide Mannschaften um wichtige Punkte ging, fiel bei dem ganzen Boulevardgeschnatter ein wenig hinten runter.

Das Ergebnis

Ein beachtenswertes 2:2 durfte man aus Augsburger Sicht mit nach Hause nehmen. Nicht ganz unverdient, aber durchaus auch nicht ganz glücklos kam man zu dieser Punkteteilung in einem Spiel, in dem nicht nur optisch die Vorteile bei Hoffenheim lagen. Dennoch: Hinten kackt die Ente und so steht man nun nach 8 Spieltagen mit sensationellen 12 Punkten auf dem Tableau.

Was war gut?

Was Fussballexperte Tobias Escher im Interview mit der Rosenau Gazette vergangene Woche bereits vertiefte, zeigte sich gestern auch wieder auf dem Platz: Augsburg steht hinten sehr kompakt, schafft im Mittelfeld Überzahlsituationen und kann so schnelle Konter setzen um mit wenig Chancen ein Maximum an Toren herauszuholen. Das klappt, wenn man gute Stürmer wie Finnbogason oder Gregoritsch hat, die langsam aber sicher ins Rollen kommen. Dem Isländer merkte man gestern die zweidrei Bier an, die wohl aufgrund der ersten WM-Qualifikation des Landes geflossen sind. Gregoritsch hingegen erwies sich als verlässlicher Joker und glänzte als er glänzen musste. Eine sehenswerte Ballannahme, ein kühler Kopf und ein gutes Auge im Abschluss beim zwischenzeitlichen 1:1 darf er sich in sein Spielzeugnis eintragen lassen.

Und wo wir gerade bei den Österreichern sind: Kevin Danso feierte seinen ersten Saisoneinsatz mit einer überaus soliden Leistung. Ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man den noch verletzten Rani Khedira adäquat ersetzen kann.

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Was war schlecht?

Im Spiel in die Tiefe muss sich die Mannschaft von Manuel Baum in der kommenden Woche steigern. Dann empfängt der FC Augsburg mit Hannover 96 ein Team, das in der Spielanlage eine sehr große Ähnlichkeit mit der eigenen aufweist: Hinten dicht stehen und nichts zulassen, möglichst den Gegner kommen lassen und dann schnell kontern.

Dass sich der FCA gegen solche Mannschaften schwer tut, konnte man schon beim 0:0 gegen Stuttgart feststellen. Nun hatte man am 6. Spieltag auch noch mit der Sperre von Daniel Baier zu kämpfen und sah deutlich, wie wichtig er für den Spielaufbau ist. Dennoch müssen auch Max und Heller sicherlich noch eine Schippe draufpacken, um das Bollwerk der Niedersachsen knacken zu können. Mit sechs Gegentoren weißt Hannover hier hinter Dortmund den zweitbesten Wert der Liga auf. Ebenfalls 12 Punkte und nur acht eigene Treffer sprechen von der hervorragenden Chancenverwertung.

Es erwartet uns also entweder ein taktisch hochinteressantes Schmankerl oder ein Grottenkick, der sich 87 Minuten im Mittelfeld abspielt.

Der Aufreger des Spieltags

Schreibt man in dieser Saison über den 1. FC Köln, so kann man sich die Schlagzeile “Köln hadert mit dem Videobeweis” auf Wiedervorlage legen. Bei der 1:2-Niederlage gegen Stuttgart gab es wieder so eine Szene, die Schmadke und Stöger nicht verstanden. Ein Elfmeter wurde erst gepfiffen, dann zurückgenommen. Dass dabei nicht alles nach dem Handbuch ablief, einverstanden. Dass die Entscheidung, den Strafstoß nicht zu geben jedoch korrekt war, geschenkt. Denn, lieber Effzeh, die Partie verlor man nicht deswegen, sondern weil man einfach keinen Stürmer im Kader hat, der Tore schießen kann und eine Abwehr, die der Stuttgarter Akolo beim Siegtreffer im Alleingang nass gemacht hat.

Glaubt uns, liebe Kölner: In Augsburg hadern wir auch sehr oft mit Schiedsrichterentscheidungen. Doch wenn man nach acht Spieltagen nur auf einen Punkt kommt, dann kann es nicht nur am Unparteiischen liegen.

Und auf den Business Seats?

Dort freut man sich, dass es bis auf die Verletzung von Sergio Cordova alle Stamm- und Nationalspieler gesund aus der Länderspielpause zurückgeschafft haben und grantelt zugleich ein wenig über die diese Woche näher vorgestellte UEFA Nations League. Kommende Saison werden alle lieb gewonnenen Testspiele gegen unterklassige Fussballnationen wegfallen und nur Fussballdeutschland mit einem Knaller nach dem anderen versorgt werden. Alles mit dem Ziel: die fussballfreie Zeit noch weiter zu minimieren und bundesdeutsche Ehen noch mehr zu strapazieren.

Wir hoffen, dass RTL den TV-Zuschlag bekommt, denn das sollte dann wohl Grund genug sein, dem Ganzen vollends fern zu bleiben.

In other news: Moritz Leitners Hund hat sich vong Style her schon mal auf die kalte Jahreszeit eingestellt.