Der Fußball und seine Helden: Was wir vom FC Bayern lernen können

Dieser Beitrag wird freundlichst präsentiert vom August Gin, denn wenn der August dabei ist, dann ist auswärts wie ein Heimspiel.

Oftmals wird über Fußball auf eine abstrakte Art und Weise geschrieben. Auch ich will mich hier nicht ausnehmen. Grundsätzlich kann man sich mit einem Verein, seinen Werten und Farben identifizieren. Auch abseits aller beteiligten Personen. In einem zweiten Schritt stellt sich dabei die Frage, für welche Werte und welches Verhalten der Verein steht. Um dies herauszufinden, hilft es, sich das Verhalten der Vertreter dieses Vereins zu betrachten. Bei Fußballvereinen fängt dies beim Aufsichtsrat, dem Präsidenten und weiteren Verantwortlichen, wie Manager, Geschäftsführer und Trainer an. Es setzt sich fort bis zur Mannschaft. Unabhängig von der allgemeinen Philosophie des Vereins und dem Handeln der verantwortlichen Personen, wird es schwer werden, Fans und Sympathisanten dauerhaft ins Stadion zu locken, wenn auf dem Platz nur austauschbare Charaktere vertreten sind. Wenn der Einsatz und die  fußballerische Leistung keine Begeisterung hervorruft, dann bleiben die Zuschauer zu Hause. Leistungsträger, die im Optimalfall aus der eigenen Jugendabteilung entstammen und die Werte des Vereins auf und neben dem Platz repräsentieren, sind daher ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen, mittelfristigen Vereinsstrategie.

Vorbild FC Bayern München?

Wenn der FC Augsburg unter der Woche gegen den FC Bayern München antritt, dann trifft er auf einen Club, der gerade in diesem Bereich im letzten Jahrzehnt wie kein anderer aufgezeigt hat, wie dies zu schaffen ist. Das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger vor kurzem steht sinnbildlich für diese Phase. In dieser waren Spieler, die sich beim FC Bayern München aus der eigenen Jugend in der Profimannschaft durchgesetzt haben, für den Erfolg der letzten Jahre zu großen Teilen mit verantwortlich. Schweinsteiger, Lahm, Müller und Alaba sind herausragende Repräsentanten des FC Bayern München. Sie haben dafür gesorgt, dass die Zuschauer auch in Zeiten, in denen im Umfeld des FC Bayern München viel Unruhe, moralisch fragwürdiges Verhalten (Stichwort: Trainingslager in Katar) und Straftaten (Stichwort: Steuerhinterziehung Hoeneß) vorkamen, ins Stadion geströmt sind. Nicht nur, weil die sportlichen Leistungen zum Zungeschnalzen verführten. Sondern auch, weil man diesen Jungs zur Seite stehen wollte.

Es ist doch enorm, welch emotionale Reaktionen ein endgültig letzter Aufgalopp wie bei Schweinsteiger bei erwachsenen Menschen auslösen kann. Ich habe diese beobachtet und ein längeres Interview mit Schweinsteiger gesehen. In mir wuchs die Hoffnung, dass der eigene Verein irgendwann selbst eine solche Persönlichkeit aus der eigenen Jugend hervorbringen kann. Beim FC Augsburg wäre dies erneut ein nächster Schritt. Gefühlt liegt dieser Schritt noch in weiter Entfernung. Dafür wäre es nötig, Spieler aus der Jugend nicht nur an die Profimannschaft heranzuführen, sondern dort auch zu Führungsspielern weiterzuentwickeln. Und wenn der Spieler seinen sportlichen Zenit erreicht, müsste er sich überdies entscheiden, dem FCA die Treue zu halten. Er müsste den Wunsch unterdrücken, sich sportlich bei einem anderen Verein weiterentwickeln zu wollen. Aber auch der Verein muss zu dem Spieler stehen, wenn er mal eine schlechte Phase durchmacht oder die Form einen Hänger hat. In guten wie in schlechten Zeiten.

Identifikationsfiguren beim FC Augsburg

Der Vorteil für beide Seiten wäre allerdings enorm. Als Fan wünsche ich mir Spieler, mit denen ich persönlich mitfiebern kann. In Augsburg waren dies in den vergangenen Jahren immer langjährige Leistungsträger, die von außen kamen. Darunter waren Spieler, die unseren Club toll repräsentierten. Mit Patrick Mölzl, Michael Thurk, Sascha Mölders und Paul Verhaegh habe ich persönlich gelitten und mich gefreut. Auch heute beobachte ich gerne den Maestro Daniel Baier oder Spieler wie Martin Hinteregger und Gregerl und bange persönlich mit diesen Typen. Neben dem Erfolg des FC Augsburg will ich, dass diese Spieler sich persönlich durchsetzen. Der FCA hat daher in der Vergangenheit schon immer einen guten Job gemacht, einen gewissen Spielertyp, der sich initial bei anderen Vereinen nicht durchgesetzt hatte, zu verpflichten und diese zum Symbol des Augsburger Modells zu machen.

Euphorie durch die Jugend?

Neu dazu sind nun in den letzten beiden Saisons Spieler wie Kevin Danso, Marco Richter und Raphael Framberger gekommen, die von der Qualität der Augsburger Jugendarbeit zeugen. Diese Posterboys des Augsburger Modells können nun eine weitere, tiefe Verbindung zum Augsburger Publikum schaffen. Wenn Marco Richter gegen die Bayern aufläuft und die Möglichkeit hat, dem Spiel einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, so wäre die Euphorie und Freude vielleicht noch größer, wenn ihm dies gelänge. Es ist nicht rational, denn eigentlich geht es ja darum, dass der eigene Verein gewinnt, aber dennoch ist die Identifikation an dieser Stelle vielleicht nochmals erhöht. Schwer vorstellbar, wenn ich mich an meine Reaktion auf die Tore von Mölders und Bobadilla erinner, aber langfristig kann sich daraus meiner Meinung nach eine tiefere Bindung ergeben.

Und insofern der FC Augsburg gerade in dieser Phase seiner Außendarstellung sich zu manchen Themen nicht oder aus meiner Sicht nur ungenügend äußert, so können diese Spieler den Unterschied ausmachen. Sie können Zuschauer binden und ins Stadion locken. Ich will natürlich wissen, ob der FC Augsburg gewinnt und wie er sich schlägt. Ich will aber auch Marco Richter sehen, wie er Verteidiger zum Schwitzen bringt. Ob er Manuel Neuer einen einschenkt. Ich bin gespannt, ob die Spieler aus der eigenen Jugend, allen voran Marco Richter, zu einer kleinen Euphoriewelle führen können. Gerade in Zeiten, wo ein Videospiel wie Fifa mit einem Modus wie “The Journey” aufwartet, braucht man in Augsburg gerade nur ins Stadion zu gehen, um den ein oder anderen spannenden Karriereweg in der Anfangsphase begleiten zu können. Richter hat dieser Karriereweg mittlerweile in die deutsche U21 geführt. Wie geht es weiter? Was kann daraus entstehen? Ich kann es nicht abwarten, dies mitzuverfolgen.

Nächste Saison wird noch besser

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die Saison 2017/18 ist noch nicht zu Ende. Nächstes Wochenende steht am letzten Spieltag das Auswärtsspiel in Freiburg an, bei dem es vor allem für den SC Freiburg noch um den direkten Klassenerhalt geht. Auch wenn das letzte Heimspiel gegen Schalke 04 schon so etwas wie einen vorzeitigen Saisonabschluss darstellte, würde ich doch gerne sehen, dass sich die Mannschaft mit einem Sieg in die Sommerpause verabschiedet. Die Saison war schon jetzt äußerst positiv und dieses Gefühl sollten wir in die nächste Saison übertragen. Denn es gibt einige Gründe, warum es in der nächsten Saison noch besser werden könnte.

Die frühe Planungssicherheit

Im Gegensatz zu den Vereinen, die sich immer noch mit dem Abstieg beschäftigen müssen oder gerade erst den Klassenerhalt geschafft haben, können wir nun schon etwas länger wieder für die erste Liga planen. Der Abgang von Marwin Hitz steht mittlerweile fest und Stefan Reuter wird im Hintergrund schon die ersten Transfers festgezurrt haben, die nach Saisonabschluss nach und nach verkündet werden. Wenn er mit seinen Transfers ein ähnlich gutes Händchen wie in diesem Jahr hat, dann könnte die Mannschaft im nächsten Jahr sportlich noch besser aufgestellt sein.

Das sportliche Führungsteam

Nach dieser Saison steht fest, dass wir eines der besten sportlichen Führungsteams in der Liga haben. Die guten Leistungen der Mannschaft in dieser Saison verbunden mit den Transfers von Michael Gregoritsch, Rani Khedira und Sergio Cordova, sind ein weiteres Kapitel der Ära Stefan Reuter, auf das wir gerne zurückblicken werden. Dazu hat sich Manuel Baum als Bundesligatrainer etabliert. Er hat gezeigt, dass er seine spielerischen Konzepte an die Möglichkeiten seiner Mannschaft und an den Gegner anpassen kann. Dabei will er immer gewinnen. Diese grundsätzliche Risikobereitschaft gepaart mit seinem großen Fachverstand mag ich sehr gerne. Mit diesem Duo mache ich mir keine Sorgen um unsere Zukunft.

Der Kern der Mannschaft

Auch wenn mit Marwin Hitz zumindest ein Leistungsträger den Verein verlassen wird, so wird der sportliche Kern der Mannschaft erhalten bleiben. Ich rechne mit einem Abgang von Philipp Max, der in dieser Saison zu aufregend gespielt hat, um nicht zumindest ein Angebot eines ganz großen Vereins zu erhalten, der bereit ist die Börse zu öffnen und uns mit 25+ Millionen für Max zu entlohnen. Dazu wird es vielleicht die ein oder andere Überraschung geben, wenn es den ein oder anderen Spieler doch wegzieht. Dennoch bleiben mit Gouweleeuw, Hinteregger, Baier, Caiuby, Gregoritsch und Finnbogason absolute Leistungsträger, um die herum wir weiter auf- und ausbauen können.

Die weitere Entwicklung der jungen Wilden

Bei Marco Richter fällt es nicht mehr auf, dass er gerade erst seine ersten Spiele in der Bundesliga macht. Er hat sich perfekt in die Mannschaft eingefügt und verbreitet offensiv sehr viel Gefahr. Sergio Cordova hat bei einigen Gelegenheiten schon gezeigt, dass der Sprung in die Bundesliga für ihn nicht zu groß ist. Dazu hat sich Kevin Danso wieder von seiner Verletzung erholt und konnte gegen Schalke zumindest schon wieder kurz mitwirken. Gerne hätte ich an dieser Stelle Kilian Jakob genannt, der allerdings Zeit brauchen wird, um sich von seiner schweren Verletzung zu erholen. Auch Raphael Framberger muss dauerhaft fit bleiben. Zweifel sind auch bei ihm angebracht. Dennoch werden die anderen Jungen mit einer weiteren Vorbereitung und vermehrten Chancen im nächsten Jahr noch mehr Akzente setzen.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich eigentlich gar keinen Bock auf Sommerpause. Nachdem Philipp Max am Samstag in Freiburg gelb-gesperrt fehlen wird, könnte Simon Asta dort sein Profidebüt feiern. Wieder ein Junger, der bei den Profis durchstarten könnte. Egal, wie das Wetter sein wird, die Sonne scheint im vollen Gästeblock und auch die eingeschränkte Sicht wird mich nicht daran hindern, mich tierisch auf die neue Saison zu freuen. Es ist vielleicht trügerisch, aber die Voraussetzungen waren sportlich selten so gut. Darauf sollten wir nun im Sommer aufbauen, um auch den unbelehrbarsten Platz18-Tippern erneut das Gegenteil zu beweisen.

In der Tabelle top – bei der Jugend flop?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Nach der letzten Saison hatte ich mich darüber gefreut, wie viele Einsätze unsere Jugendspieler in der ersten Mannschaft erhalten hatten. 19 Einsätze waren insgesamt für Raphael Framberger, Kevin Danso, Tim Rieder und Julian Günther-Schmidt zusammen gekommen. Dazu machte ich mir Hoffnung, dass sich die Anzahl der Einsätze in dieser Saison noch steigern könnte. Die Jugendspieler hatten in kritischen Partien wertvolle Erfahrung gesammelt. Dies sollte ihnen nun zu Gute kommen. In der Länderspielpause ist ein guter Zeitpunkt, um die Hoffnung auf signifikante Beiträge der eigenen Jugendspieler einem Realitätscheck zu unterwerfen.

Sportlicher Erfolg bisher

Der FC Augsburg steht momentan auf einem Europapokalplatz. Der Saisonstart ist trotz der Auftaktniederlage in Hamburg geglückt. Gegen RB Leipzig konnte man zu Hause gewinnen. Auch gegen Dortmund hätte man fast punkten können. Die gute Ausbeute ist daher nicht auf Fallobst bei den Gegnern zurückzuführen. Vor allem nicht in diesem Jahr der starken Bundesliga, wo uns viele Experten vor der Saison auf den 18. Platz getippt hatten. Der Saisonstart ist überaus respektabel. Die Mannschaft hat abgeliefert und schon 11 Punkte gesammelt. Der Weg zum Klassenerhalt im weiteren Saisonverlauf ist dadurch etwas weniger steinig geworden.

Einsätze der Jugendspieler

Derweil findet der Erfolg ohne die Beteiligung unserer Jugendspieler statt. Anstatt auf die Talente aus Augsburg zu vertrauen, ist Manuel Baum dazu übergegangen, pragmatisch erfahreren Spielern das Vertrauen zu schenken. Tobias Escher wird in einem Interview in der Rosenau Gazette in der kommenden Woche aufzeigen, wo dieser Pragmatismus sich auch taktisch niedergeschlagen hat. Bei den Jugendspielern wurde die genannten Hoffnungen dadurch weitestgehend enttäuscht.

Im Falle von Raphael Framberger kam etwas Verletzungspech dazu, das Framberger über all die Jahre bisher treu geblieben ist. Seinen erhofften Stammplatz auf der Rechtsverteidigerposition hat er somit an Daniel Opare verloren. Es reichte seitdem noch nicht einmal mehr zu einer Kadernominierung. In diesem Fall mag es Pech sein. Wer hätte schon vor der Saison daran geglaubt, dass sich Daniel Opare festspielt. Bei Kevin Danso hat es derweil in dieser Saison noch nicht einmal zu einem Kurzeinsatz gereicht, während er in der Länderspielpause erneut für Österreich auflaufen durfte. Tim Rieder fehlte zuletzt verletzt, fand aber schon für die Englandreise in der Vorbereitung keine Berücksichtigung mehr. Julian Günther-Schmidt wurde an den FC Carl Zeiss Jena verliehen und hat in der dritten Liga schon zwei Tore in fünf Partien erzielt. So bleibt es am Ende an Erik Thommy, um die Hoffnungen für den eigenen Nachwuchs nach seiner Rückkehr hoch zu halten. 3 Kurzeinsätze und 24 Minuten stehen für ihn bisher zu Buche. Eine richtige Chance sieht anders aus.

Kaderverkleinerung notwendig

Immer wieder wurden mögliche Probleme mit dem großen Kader beschworen. Nur langsam werden erste Stimmen der Unzufriedenen vernehmbar. Derweil bleiben die Chancen für die Spieler aus der eigenen Jugend klein, denn sie müssen nicht nur auf den Ausfall einer etablierten Kraft hoffen. Wenn der Moment gekommen ist, müssen sie sich gegen die enorme Konkurrenz im Kader durchsetzen. Das ist ihnen bisher noch nicht geglückt. Auch nicht, als Manuel Baum in der englischen Woche die Aufstellung zumindest auf 2-3 Positionen angepasst hat.

Die Saison ist lang und der FC Augsburg ist bisher von größeren Verletzungsproblemen verschont gelieben. Wir hoffen alle, dass dem so bleibt. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass Verletzugen dazu gehören und auch uns treffen werden. Dazu kommt im Dezember eine erneute englische Woche. Trotzdem scheinen mir die Einsatzmöglichkeiten der Jugendspieler bis zur Winterpause begrenzt. Dies gilt auch für weitere Jugendspieler wie Marco Richter, die sich vorerst in der U23 beweisen müssen. Im Winter heißt es dann erneut, auf eine deutliche Kaderausdünnung zu hoffen, damit sich mehr Chancen für unsere Jugendspieler ergeben. Unabhängig davon, wie viele Stimmen der Unzufriedenheit sich bis dahin zu Wort gemeldet haben und welcher Grad der Unruhe herrscht.

Die Kaderpolitik von Stefan Reuter und das Vorgehen von Manuel Baum in der letzten Saison stehen sich diametral gegenüber. Wenn unser sportlicher Weg in unserer eigenen Jugend ein Fundament haben soll, dann müssen über die Kaderstruktur entsprechende Einsatzmöglichkeiten bestehen. Egal, ob ansonsten mit dem Kader professionell gearbeitet werden kann. Kleinerer Kader, größere Chancen. Zeit an dieser Stelle, der vielzitierten sportlichen Philosophie gerecht zu werden und nicht nur zu reden. Zeit, die Weichen für den Winter zu stellen. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch mal wieder daneben.