Wir müssen reden

Martin, das war also die versprochene Reaktion? Der Extra-Meter? Die neuen Reize? Klar, ein Unentschieden gegen Freiburg ist in der aktuellen Situation okay. Ich will auch nicht undankbar wirken, aber ein bisschen Enttäuschung ist dann doch da. Ich hatte irgendwie ein Blumenbouquet erwartet. Und Du bist mit Schnittblumen vom Discounter nach Hause gekommen.

Eine Zahl erzählt dieses Spiel. Zwischenzeitlich hatten die Freiburger bis zu 75 Prozent Ballbesitz. 75! In einem Auswärtsspiel. Während des Spiels war sich der Kommentator dann auch nicht mehr so ganz sicher, wie er das einordnen solle. Vielleicht sei die abwartende Haltung vom Trainer verordnet worden? Erst einmal Sicherheit rein bringen. Und immerhin waren die Freiburger so nett, das zu honorieren und spielten ihre spielerische Überlegenheit nicht bis zum Ende aus. Aber wieso sie das Spiel nicht gewonnen haben, wissen sie auch nicht so recht.

Gefühlt immer eine Fußspitze zu spät und andauernd hinterher gelaufen. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Auch deswegen könnte man mit dem Punkt zufrieden sein. Und das bist Du ja auch. Dir hat die „defensive Struktur“ gefallen, man habe solide verteidigt. Es fehlte nur noch „man war stets bemüht“ in der Aufzählung. Fakt ist, dass Freiburg einfach besser war. Perfekt auf den FCA eingestellt, dazu noch die wesentlich bessere Zweikampfquote und gefühlt jeden zweiten Ball gewonnen. Aber dazu gehört auch, dass Augsburg nichts eingefallen ist. Außer solide zu verteidigen. Es ist alleine Freiburgs fehlender Konsequenz zu verdanken, dass sie nicht binnen der ersten 45 Minuten haushoch führten. Spätestens in der zweiten Hälfte hätte man eine kleine Anpassung erwarten können. Nur eine kleine Stellschraube oder Umstellung. So sah das auch Julian Schieber im Halbzeitgespräch, angesprochen auf die bis hierin katastrophale Statistik: „Keine Sorge, das wird auch der Trainer gesehen haben.“

Manchmal hatte man das Gefühl, die Mannschaft wusste nicht genau, wo der Ball ist. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Aber die zweite Halbzeit hinterließ dann genauso viele Fragezeichen wie die erste. Die Mannschaft rieb sich an Freiburg und an sich selbst auf. Unnötige Fouls und noch unnötigere Diskussionen. Natürlich kann man immer auf die Klatsche in Frankfurt verweisen. Die fehlende Sicherheit. Aber liegt es nicht an Dir, diese herzustellen? Neue Impulse von außen zu setzen, auch einmal der Spieler und Zuschauer willen den Weg nach vorne zu suchen? Dafür muss man ja nicht das Tor aufmachen. Irgendwie ist es bei Augsburg immer ganz oder gar nichts. Es fehlt die Balance.

Natürlich steht auch dieses Mal wieder der Torwart in der Kritik. Und auch diese Diskussion müsste man führen. Aber Du hast vollkommen Recht, dass es nicht an Tomas Koubek lag, dass auch die Vorderleute mit in die Verantwortung gezogen werden müssen und auch andere Fehler machen. Doch das lenkt dann irgendwann den Blick auf den Trainer. Und dessen Verantwortung in diesem Puzzlespiel.

Und da schlägt es ein. Warum Freiburg aus der eigenen Feldüberlegenheit so wenig gemacht hat, wissen sie wohl selbst nicht. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Martin, ich war immer ein großer Fan von Dir. Aber derzeit habe ich große Sorge. Nach der Niederlage gegen Dortmund hast Du davon gesprochen, dass es in den Genen des FCA liegen würde, immer nach vorne zu spielen. Einer Deiner Lieblingsmetapher ist die der „Rennmaschinen“, die Du auf dem Platz sehen möchtest. Wir sind gerade ziemlich weit davon entfernt. Und die Frage stellt sich, was eigentlich hinter den ganzen Phrasen steckt. Auf der Bank sitzt viel Fußballfachkompetenz. Doch trotzdem hat man nicht zum ersten Mal das Gefühl, dass es auch da an Ideen fehlt. Dank des goldenen Winters sind es noch einige Punkte bis zum Relegationsplatz. Aber eingedenk der kommenden Spiele ist das Polster auch bitter nötig. Es bleibt die Hoffnung, dass der FCA manchmal auch gegen die Großen gut ausgesehen hat. Ich bin gespannt, ob Du schon an einem Plan tüftelst oder doch wieder Phrasen ausknobelst. So oder so. Bring das nächste Mal bitte Pralinen mit. Oder besser Bier.

TGIF: Streichlicht

Eine lange Woche geht zu Ende, die mit einer derart blamablen Niederlage im Rücken einem Spießrutenlauf glich. Umso größer ist die Freude auf das Bundesligawochende und die Wundertüte Augsburg. Freiburg ist zu Gast.

Fakten zum Spiel

Das Spiel in Frankfurt war schwerer zu verdauen als die vielen Becher Stadionbier. Andy hat es Anfang der Woche in einem immer noch lesenswerten Brandbrief auf den Punkt gebracht. Die zweite Hälfte der 0-5 Niederlage war desolat. Und am bedenklichsten dabei war, dass es einerseits nicht der erste Totalausfall der gesamten Mannschaft war und andererseits auch von außen keinerlei Impulse zu erkennen waren. Martin Schmidt, den man grundsätzlich als unprätentiösen Trainer schätzen kann, flüchtet sich leider allzu oft in Gemeinplätze. Auch diese Woche war erstaunlich wenig Selbstkritik zu erkennen. Reicht der Ruf nach Mentalität und dem Extra-Meter?

Nach seinem Erfolg mit der brasilianischen U23 beim Qualifikationsturnier für Olympia könnte Iago am Wochenende für wichtige Impulse sorgen. (Photo by Juan BARRETO / AFP) (Photo by JUAN BARRETO/AFP via Getty Images)

Immerhin, der Konkurrenzkampf wurde wieder verstärkt ausgerufen und das sogar im Tor. Es sind Änderungen zu erwarten. Tin Jedvaj hat sich vermutlich (als Rechtsverteidiger) rausgestolpert, Iago kommt mit Rückenwind zurück aus Südamerika und Eduard Löwen könnte für Stabilität im Mittelfeld sorgen. Mein persönlicher Tipp für die Startelf ist (einmal mehr) Noah Sarenren Bazee als neuer Impuls auf dem Flügel. Auf jeden Fall unverzichtbar ist Alfred Finnbogason, der bekanntlich gerne und oft gegen Freiburg trifft. Flo Niederlechner ist sowieso gesetzt, er sitzt am Samstagabend im ZDF Sportstudio.

Der Gegner

Bei dieser Gelegenheit geht ein Gruß in den den Schwarzwald, wo eines der schönsten Stadien der Bundesliga in seine letzte Saison geht. Der Gästeblock ist zwar verhasst, aber das schiefe Stadion zwischen Wohngebiet und Dreisam hat einfach großen Charme. Ganz generell gehört der SC Freiburg natürlich zu den Sympathieträgern im Profifußball, was nicht nur am Unikat Christian Streich liegt. Der dienstälteste Bundesligatrainer beweist Woche für Woche fußballerischen und gesellschaftlichen Sachverstand.

Christian Streich, wie er leibt und lebt.(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Und so gönnt man den Freiburgern eine recht gute Saison. Der Höhenflug zu Beginn der Hinrunde ist zwar verflogen aber trotzdem steht der Verein tabellarisch gut da. Zuletzt sprang ein glücklicher Sieg gegen Hoffenheim heraus, davor verlor man allerdings gegen Köln und Paderborn. Ist Augsburg Angst- oder Lieblingsgegner? Der FCA gewann nur eines der letzten acht Spiele gegen Freiburg, aber Freiburg konnte in Augsburg noch nie gewinnen. Na dann…

Die Presseschau

Die Woche ist im Spiegel der Presse schnell erzählt. Thema Nummer 1 war natürlich die Aufarbeitung der Auswärtspleite, ohne dass man zu wesentlichen Erkenntnissen gekommen wäre. Lesenswert ist der jüngste Beitrag der Süddeutschen zu Frage, warum Stephan Lichtsteiner in Augsburg nicht so recht funktionieren will und der damit zusammenhängenden Baustelle in der Verteidigung.

Stephan Lichtsteiner konsequent im Zweikampf. Das sah bisher leider nicht immer so aus. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Mit guten Nachrichten kam wie erwähnt Iago von der Olympia-Qualifikation zurück, bei der sich mit Brasilien im entscheidenden Spiel gegen Argentinien durchsetzen konnte. Iago spielte zwar nicht in allen Spielen des Qualifikationsturniers, aber oft genug. Das sollte Mut machen.

Ich ziehe meinen Hut

… vor Jürgen Klinsmann! Er hat die richtigen Konsequenzen aus meinem Artikel gezogen und als erstes die Tarnfleckjacke an den Haken gehängt und dann sogar sein Traineramt. Das war wirklich ein unwürdiges Spektakel und damit ist nicht die Niederlage gegen Mainz gemeint. Es hätte alles mega sein sollen, aber weil Michael Preetz (glücklicherweise) den Spielverderber gab, dann doch nur Durchschnitt. Zumindest in den einschlägigen Gazetten hat das Drama in und um die Hertha schon Champions League Niveau.

Tipps

Irina: Die Mentalität kehrt auf den Platz zurück und wir erkämpfen uns ein starkes 1:1

Andy: 3-1, der FCA ist wieder da.

Sebastian: 2-2, ein ehrliches und hochverdientes Unentschieden. Weniger Drama als zuletzt. Ein ganz unaufgeregter Bundesligasamstag im Mittelfeld der Tabelle. Das wäre schön…