Trainer wechsel’ dich

Trainerwechsel, Freistellungen und Vertragsauflösungen gehören zum alltäglichen Geschäft des Profifußballs wie der morgendliche Kaffee auf den Frühstückstisch. Die einen wechseln öfter, die anderen weniger. Wieder andere schmeißen einfach ohne Vorwarnung hin, obwohl der Vorstand das so überhaupt nicht akzeptieren möchte. Auch bei unserem FC Augsburg stand in dieser Woche ein erneuter Trainerwechsel an, denn nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln sah Sportdirektor Stefan Reuter eine Reaktion als “zwingend notwendig” an. Eben jener Reuter, der im Februar noch davon überzeugt war, die Saison zusammen mit Heiko Herrlich als Cheftrainer zu beenden. Solche Versprechungen hat man schon des Öfteren aus dem Mund des ehemaligen Dortmundspielers gehört. Und genau aus diesem Anlass, haben wir mal einen Blick auf die Trainer geworfen, die unter Reuters Führung beim FC Augsburg tätig waren. Welche Erfolge konnten sie denn bei uns verbuchen und warum ging man am Ende getrennte Wege?

Schwieriger Start

Markus Weinzierl ist der erste von fünf Trainern, die seit 2012 bei uns an der Seitenlinie standen und unter Reuters Führung den Verein verließen bzw. verlassen mussten. Das ergibt in 9 Spielzeiten eine durchschnittliche Amtszeit von 1,8 Saisons pro Coach unter unserem Geschäftsführer Sport. Klingt erst einmal nicht schlecht, doch wir werden später noch sehen, dass der Schein trügt.

Der gebürtige Straubinger kam im Juli 2012 von Jahn Regensburg in unser schönes Augsburg. Wie wir aber alle wissen, ist das jedoch nicht Reuters Verdienst, sondern der von Andreas Rettig. Es war quasi dessen letzte „Großtat“, denn Rettig verließ den Verein mit Ablauf des 30.06.2012.

Zu Beginn seiner Amtszeit sah es jedoch gewaltig nach Abstieg aus, denn am Ende der Hinrunde stand unser FCA mit lediglich 9 Punkten auf Platz 17 der Tabelle. Allerdings starteten wir eine fast schon furiose Aufholjagd und sicherten uns am letzten Spieltag gegen Greuther Fürth den Verbleib im Oberhaus.

Insgesamt blieb Markus Weinzierl 4 Jahre bei unserem FCA, wobei der größte Erfolg seiner Karriere wohl sein dürfte, dass er uns in seinem dritten Jahr bei uns in die Europa League führte. Dort sorgten wir natürlich für eine große Überraschung, als wir uns im „Wunder von Belgrad“ das Bestehen der Vorrunde sicherten. Und auch wenn wir im Sechszehntelfinale gegen den späteren Finalisten FC Liverpool ausschieden, so haben wir ihnen doch einen Kampf geliefert, der sich sehen lassen konnte.

Der größte Styler mit den meisten Punkten (Foto: nordphoto/Kokenge via Imago)

Natürlich haben wir auch einen Blick auf die einzelnen Spielzeiten geworfen, um die Trainer untereinander vergleichen und die Trennungen nachvollziehen zu können. Hier ist die Ausbeute, die Markus Weinzierl mit unseren Jungs vorweisen kann.

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2012/133710-9-181,05Platz 15, 33 P., TV: 33:51
2013/143717- 7-131,57Platz 8, 52 P., TV: 47:47
2014/153515-4-161,4Platz 5, 49 P., TV: 43:43
2015/164514-12-191,2Platz 12, 38 P., TV: 42:52

Time to say goodbye

Wie man später noch sehen kann, hat Markus Weinzierl von allen Trainern der letzten Jahre die besten Werte vorzuweisen. Doch leider lief die Trennung von ihm alles andere als harmonisch ab. Denn obwohl er seinen Kontrakt im April 2015 noch bis 2019 verlängert hatte, kam der gebürtige Straubinger kein Jahr später mit dem Wunsch, etwas anderes machen zu wollen, auf den Verein zu. Mit dem FC Augsburg habe er alles erreicht und man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist.

Wenngleich unser damaliger Kapitän Paul Verhaegh sich für den ehemaligen Cheftrainer aussprach, bekam dieser jedoch keine ordentliche Verabschiedung.

Wir hätten uns alle einen anderen Abschied gewünscht, denn wir hatten vier grandiose Jahre. Das Kapitel ist nun vorbei, wenn er mit Schalke nach Augsburg kommt, ist es nicht geplant, dass es Blumen oder eine große Verabschiedung gibt.

Sportvorstand Stefan Reuter über eine Verabschiedung von Markus Weinzierl (https://www.fotmob.com/news/1q0kgf3nn07561rdstknlusc9w/fca-kein-abschied-f%C3%BCr-markus-weinzierl)

Diese gab es leider auch nicht. Nach dem 1:1 war das Kapitel Weinzierl erledigt. Zumindest vorerst, denn am 26.04.2021 verpflichtete man Markus Weinzierl erneut, damit er unseren FCA zu alter Stärke zurückführt.

Vom Umschaltfußball zur Mauertaktik

Am 15.06.2016 wurde Dirk Schuster als Nachfolger von Markus Weinzierl vorgestellt. Der damals 48-Jährige war vom Ligakonkurrent SV Darmstadt 98 an den Lech gekommen und sah beim FC Augsburg eine sehr gute Perspektive, auch wenn es eine große Herausforderung für ihn war, das Erbe seines erfolgreichen Vorgängers anzutreten. Als primäres Ziel setzte er sich dabei natürlich den Klassenerhalt, aber auch eine sportliche Weiterentwicklung der Mannschaft.

Nur ein halbes Jahr im Amt – Dirk Schuster (Foto via Imago)

Das klappte allerdings nicht wirklich so wie geplant. In insgesamt 16 Spielen, die man unter Schuster bestritt, erreichte man nur folgendes:

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2016/17164-5-71,06Platz 13, 14 P., TV: 11:16

Wirklich ansehnlich war der Fußball unter dem ehemaligen Innenverteidiger nicht, denn die Jungs um Daniel Baier spielten plötzlich einen sehr defensiv ausgerichteten Fußball, was so gar nicht zu den Werten des FC Augsburg passte. Aggressivität, Mut, Kampfgeist gingen unter Schuster komplett verloren. “Mauern bis zum Umfallen” lautete hierbei die Devise.

Ein Veilchen zum Abschied

So trennte man sich am 14.12.2016 von Trainer Dirk Schuster, nachdem man am 14. Spieltag 1:0 beim Hamburger SV verloren hatte.

Die letzten Wochen hat sich das angedeutet und es war eine Tendenz zu erkennen, die uns nicht gefallen hat. Und nach dem HSV-Spiel haben wir die Dinge nochmal intern besprochen und sind zu dem Schluss gekommen, jetzt auch kurzfristig zu handeln. Weil wir eben auch die Gefahr sehen, dass unsere Ziele in Gefahr geraten. Und das war der Grund, warum wir jetzt auch zwei Spieltage vor der Winterpause so eine Entscheidung treffen. Die entscheidenden Gründe sind einfach, dass man – wie ich es gesagt habe – dass man der festen Überzeugung ist, dass man gemeinsam die Zukunft nicht erfolgreich gestalten kann. Das Gefühl war einfach da, dass auch ein Stück weit die Überzeugung innerhalb der Mannschaft fehlt.

Stefan Reuter zur Trennung von Dirk Schuster am 15.12.2016 (https://www.welt.de/sport/video160317878/So-begruendet-Reuter-die-Entlassung-von-Dirk-Schuster.html)

Der offizielle Trennungsgrund waren laut Reuter also sportliche Gründe. Seltsam ist dabei allerdings, dass Dirk Schuster zuvor mit einem Veilchen beim Training aufgetaucht war. Angeblich kam er zwar von Hamburg mit einer Magen-Darm-Grippe zurück und stürzte nachts in seinem Badezimmer. Ob das jedoch so stimmt, bleibt fraglich, denn es gibt durchaus Gerüchte, dass etwas ganz anderes dahinter steckte.

Vereinsinterne Lösung

Daraufhin setzte man Manuel Baum, der zum damaligen Zeitpunkt Cheftrainer im Nachwuchsbereich war, als Interimslösung ein. Nachdem dieser in den zwei Spielen vor der Winterpause einen Sieg gegen Gladbach und ein Unentschieden in Dortmund einfahren konnte, beförderte man ihn kurzerhand zum Cheftrainer der Profis.

Daher wollen wir langfristig mit Manuel Baum zusammenarbeiten. Für das Amt des Cheftrainers benötigt er keine Eingewöhnungszeit, weil er bereits seit zweieinhalb Jahren für den FCA arbeitet und die FCA-Philosophie im Nachwuchs erfolgreich implementiert hat.

Stefan Reuter über die Einsetzung von Manuel Baum als Cheftrainer (https://www.bundesliga.com/de/bundesliga/news/manuel-baum-wird-cheftrainer-fc-augsburg-noblmd.jsp)

Auch wenn es nicht ganz so erfolgreich wie unter einem Weinzierl lief, war Manuel Baum doch immer mit Feuer und Leidenschaft an der Seitenlinie dabei und schrie lauthals seine Anweisungen quer über den Platz.

Leidenschaft, viele gute sportliche Ideen und das ein oder andere Fashion Highlight: Manuel Baum (Foto: Tim Rehbein/RHR-FOTO/Pool via Imago)

Bis 09.04.2021 und somit über zwei Jahre war Manuel Baum Trainer unseres FCA und seine Werte sind die zweitbesten nach Markus Weinzierl.

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2016/17206-6-81,2Platz 13, 38 P., TV: 35:51 (24:35)
2017/183510-11-141,17Platz 12, 41 P., TV: 43:46
2018/19329-7-161,06Platz 15, 25 P., TV: 37:54

Lehmann sollte es richten…

Den Anfang von Manuel Baums Ende könnte man wohl in den Januar 2019 datieren, als Innenverteidiger Martin Hinteregger seinen Trainer in einem öffentlichen Interview kritisierte, nachdem man 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach verloren hatte. Das war das bis dato 10. Spiel in Folge, in dem man keinen Sieg einfahren konnte.

Der Verein reagierte daraufhin in zweierlei Form, indem man zuerst am 28.01.2019 Jens Lehmann als weiteren Co-Trainer einstellte und am 31.01.2019 wurde Hinteregger an Eintracht Frankfurt verlieh. Dadurch sollte der Mannschaft ein neuer Impuls – vor allem in der Defensive – verliehen werden.

Ich denke, dass es schon ein Riesenvorteil ist, ich sag jetzt, von Jens oder von mir, dass wir nahezu alle Situationen, die die Jungs auf dem Platz oder neben dem Platz erleben – wie sie mit einer Verletzung umgehen – dass wir das im Grunde in unserer Karriere selbst erlebt haben. Das erhöht dann natürlich ein Stück weit dann nochmal weit die Glaubwürdigkeit, wenn der Jens hin geht.

Stefan Reuter bei der Vorstellung von Jens Lehmann als neuen Co-Trainer (https://www.youtube.com/watch?v=bIDy1v1jK9s)

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für meinen Geschmack hat alleine diese Aussage sehr stark an Baums Autorität gesägt. Große Veränderungen sah man nämlich auch mit Jens Lehmann als Co-Trainer nicht. Man schaffte zwar drei Siege in neun gemeinsamen Spielen, doch man kassierte auch ganze 21 Gegentore. Das macht somit einen Schnitt von 2,33 Toren pro Spiel.

Baum fällt

Somit blieb Sportdirektor Stefan Reuter gar nichts anderes übrig, als am 09.04.2019 die Reißleine zu ziehen, nachdem man am vorherigen Spieltag mit 0:4 von der TSG Hoffenheim aus dem eigenen Stadion geschossen wurde. Gefeuert wurden dabei nicht nur Trainer Manuel Baum und Co-Trainer Jens Lehmann, sondern auch der technische Direktor Stefan Schwarz.

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten wirklich alles probiert, dass wir in der Konstellation mit Manuel Baum als Cheftrainer die Wende schaffen, die Weichen auf Erfolg stellen. Das ist uns leider nicht hinreichend gelungen. Und jetzt nach der klaren Niederlage gegen Hoffenheim und eben auch der Niederlage gegen Nürnberg hat uns die Überzeugung gefehlt, dass wir das nochmal dauerhaft hinkriegen. Die Leistungen waren einfach auch zu schwankend und das hat uns dazu bewogen, einen klaren Schnitt zu machen, um mit der Neuausrichtung in die nächsten Wochen zu gehen, den Saisonendspurt optimistisch anzugehen und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des FC Augsburgs zu stellen.

Stefan Reuter über die Entlassung von Manuel Baum, Jens Lehmann und Stefan Schwarz (https://www.youtube.com/watch?v=ikGyFsqW5q4)

Bei jener Pressekonferenz, an der auch Präsident Klaus Hofmann teilnahm, fiel auch gleich der Name des neuen Trainer.

Schweizer Zeiten in Augsburg

Die Erwartungen an Martin Schmidt waren groß. Stefan Reuter erklärte die Einstellung Schmidts damit, dass er ein sehr erfahrener Bundesligatrainer sei, der die Werte, die wir bei uns in Augsburg schätzen, verkörpert und hoch hält. Diese beschrieb er als athletisch und leidenschaftlich.

Am 10.04.2019 trat unser schweizerischer Trainer also seinen Job beim FC Augsburg an. Unter ihm spielte man schönen Umschaltfußball wie einst unter Weinzierl und dass wir teilweise sehr hohe Niederlagen einstecken mussten, lag vor allem an dem Sommerzugang zwischen den Pfosten und der damit einhergehenden Unsicherheit in der Abwehr.

SaisonAnzahl SpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2018/1962-1-31,17Platz 15, 32 P., TV: 51:71 (14:17)
2019/20267-6-131,04Platz 14, 27 P., TV: 36:52

Trotz Kampf zum Adieu

Die Entlassung Schmidts am 09.03.2020 traf viele von uns doch überraschend. Zwar war man nicht gerade positiv in die Rückrunde gestartet und konnte in den letzten 5 Spielen lediglich einen Punkt einfahren, doch gerade der kämpferische Auftritt gegen Bayern München hatte sämtlichen Fans große Hoffnungen gemacht, dass man nun die Wende schaffen könnte.

Der beste Hoodie-Träger aller Trainer bisher. Sportlich ging es irgendwann nicht mehr voran. (Foto via Imago)

Doch am nächsten Tag die Meldung „Martin Schmidt freigestellt“. Nach nicht einmal einem Jahr wurde der Schweizer aus den gleichen Gründen entlassen wie einst Manuel Baum oder Dirk Schuster.

Die natürlich enttäuscht waren, weil sie es gerne selbst gedreht hätten, aber auch gesagt haben, aufgrund der Statistiken, die deutlich gegen uns sprechen, die deutlich in die falsche Richtung zeigen, was Passquote, was Zweikampfquote usw. angeht, haben sie volles Verständnis gehabt. Und wünschen dem FC Augsburg – uns allen – viel Erfolg, dass wir unser Ziel erreichen, die Klasse zu halten.

Stefan Reuter am 10.03.2020 über die Entlassung von Martin Schmidt (https://www.youtube.com/watch?v=oyGHVgPm5Vg)

Nicht wirklich HERRLICH

Neben Stefan Reuter saß bei jenem Mediengespräch sogleich der neue Trainer, Heiko Herrlich. Viel wurde von ihm erwartet, da er doch einst der Aufstiegsheld von Jahn Regensburg gewesen war. Auch führte er Bayer Leverkusen in die Europa League. Seine Vita versprach offensiv ausgerichteten Powerfußball, denn immerhin konnte er bei seinen vorherigen Stationen Unterhaching, Regensburg und Leverkusen einen Tordurchschnitt von 61,25 Toren pro Saison vorweisen.

Tja, aber bei uns sah das leider ganz anders aus und somit war die Kritik, die in den letzten Monaten von Tag zu Tag zunahm, durchaus berechtigt. Die Auftritte unserer Jungs wurden mit jedem Spiel passiver und unansehnlicher. Einige Werte von Heiko Herrlich haben wir in unserem Bericht „Besser, Herr Reuter“ bereits näher untersucht. Doch auch hier eine Aufstellung seiner Ausbeute mit dem FC Augsburg:

SaisonSpieleS – U – NPunkte pro SpielTabellensituation in der Bundesliga
2019/2092-3-41Platz 15, 36 Punkte TV: 45:63 (9:11)
2020/213310-6-171,07Platz 13, 33 Punkte TV: 31:47

Nach der desaströsen Vorstellung unserer Jungs in dem 6-Punkte- Spiel gegen den 1. FC Köln, hatte der Verein allerdings gar keine andere Wahl, als zu handeln, denn auch Heiko Herrlich selbst konnte sich diesen katastrophalen Auftritt seiner Mannschaft nicht erklären.

Wir haben eine unglaublich, unfassbar desaströse erste Halbzeit gespielt. Ich kann gar nicht glauben, dass man in so ein wichtiges Spiel so rein gehen kann.

Heiko Herrlich in der PK nach dem Spiel gegen Köln (https://www.youtube.com/watch?v=w5tI4u3G9Do)

Ein alter Bekannter

Selbst Stefan Reuter wandte sich von seinem Freund ab, obwohl er monatelang dessen Rücken gestärkt hatte. Er bat die Öffentlichkeit darum, dass man den Verantwortlichen das Wochenende über Zeit geben möge, die aktuelle Situationen zu analysieren und eine Lösung zu finden. Und das tat man auch, indem man am Montagnachmittag offiziell die Trennung von Heiko Herrlich und seinem Co-Trainer Iraklis Metaxas bekannt gab.

Die Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Trainers fand am Dienstagmittag um 13:00 Uhr statt. In dieser bedankte sich Sportdirektor Stefan Reuter noch einmal bei den beiden freigestellten Trainern, erklärte aber auch, dass diese Handlung mehr oder weniger unausweichlich gewesen war.

Weil wir natürlich in den letzten vier Spielen gegen direkte Konkurrenten – mit Ausnahme von Frankfurt, aber Schalke, Bielefeld und Köln – nur einen Punkt geholt haben. Und die Art und Weise wie die Mannschaft dann gespielt hat. Ich glaube, wir machen das hier nicht immer vom Ergebnis abhängig, sondern wir müssen spüren, dass die Überzeugung da ist. Und auch die Überzeugung innerhalb der Kabine da ist, dass wir das aus eigener Kraft schaffen. Das hat uns gefehlt und darum sind wir zu dem Entschluss gekommen, jetzt noch in dieser Saison auch zu reagieren.

Stefan Reuter über die Entlassung von Herrlich und Metaxas (https://www.youtube.com/watch?v=ng3LuigRCXA)

Wie auch schon Sportdirektor Stefan Reuter, möchte sich das Team von der Rosenau Gazette bei Heiko Herrlich und Iraklis Metaxas für deren Einsatz bedanken und wünscht ihnen auf diesem Weg alles Gute für ihre private und sportliche Zukunft.

Da wusste Heiko Herrlich wohl schon, was auf ihn zukommt… (Foto: Peter Schatz / Pool via Imago)

Unser Fazit zum Schluss

9 Jahre, 5 Trainer… Das klingt ganz in Ordnung, vor allem auch, wenn man sich die Trainerwechseln bei unseren derzeitigen Konkurrenten genauer ansieht. So hatte Schalke 04 im gleichen Zeitraum 12, der 1. FC Köln 9, Hertha BSC 7, Mainz 05 9, Werder Bremen 6 und Arminia Bielefeld ebenfalls 9 Trainer.

Was uns allerdings Sorgen bereitet, ist der mit 2 Jahren doch recht kurze Zeitraum, in dem wir drei Trainerwechsel hatten. Auch die kurzen Einsatzzeiten von Schuster, Schmidt und Herrlich sprechen nicht gerade dafür, dass man bei der Einstellung dieser Trainer den richtigen Durchblick gehabt hat. Natürlich war man von jedem einzelnen zu Beginn sehr überzeugt, aber diese Begeisterung war dann auch recht schnell abgenutzt. Gerade Dirk Schuster und Martin Schmidt waren nicht einmal ein Jahr im Amt.

Auffallend ist zudem auch, dass Stefan Reuter bei allen Wechseln – mit Ausnahme von Markus Weinzierl, da dieser von sich aus ging – immer die gleichen Argumente angab. “Wir waren nicht mehr überzeugt”, “Unser Ziel die Klasse zu halten war in Gefahr”, “In den letzten Wochen und Monaten sah man einen deutlich negativen Trend”, “Wir müssen die Wende schaffen” usw. kommt bei jeder einzelnen Freistellung vor.

Man sollte bedenken, dass es ein Sportdirektor nicht leicht hat, denn er trägt eine gewaltige Verantwortungen bei den Entscheidungen, die er zum Wohle des Vereins treffen muss. Trotzdem sind auch Stefan Reuters Beschlüsse nicht immer nachzuvollziehen. An einem Trainer hält er fest, obwohl seit wirklich langer Zeit ein Negativtrend – auch für Außenstehende – deutlich zu erkennen war. Andere Cheftrainer entließ er recht schnell, obwohl die Zahlen und Werte lange nicht so schlimm aussahen.

Natürlich spielt hier auch der Druck von außen und vielleicht auch Sympathie eine Rolle. Dennoch kann man schon die Meinung vertreten, dass Reuters Leistungen ebenfalls schwankend sind, wie er Manuel Baum einst vorgeworfen hat. Und so ist es kein Wunder, dass die Kritik an unserem Geschäftsführer Sport selbst ebenfalls immer lauter wird. Auch, weil es von außen nicht möglich ist, in die Kabine zu blicken. Die Außenperspektive wird sich deswegen immer von der Innenperspektive unterscheiden.

Lasst uns wieder jubeln! (Foto via Imago)

Nun hat Stefan Reuter also unseren Erfolgstrainer zurück ins Boot geholt, diesen aber auf dessen eigenen Wunsch nur mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet. Ob aus Sicherheit oder um zuerst einmal zu sehen, wie es gemeinsam läuft, bleibt die Frage und abzuwarten. Für Markus Weinzierl wünschen wir uns jedoch, dass er an seinen Erfolg bei uns anknüpfen kann und dass man doch längerfristig mit ihm plant. Denn sonst stehen wir im nächsten Jahr wieder genau da, wo wir jetzt stehen und dass wäre dann Trainerwechsel Nummer 4 in drei Jahren. Zu viel für unseren Geschmack…

Besser, Herr Reuter?

Nach nur einem Punkt aus den vergangen fünf Spielen wurde Trainer Martin Schmidt am 09.03.2020 entlassen. Sportdirektor Stefan Reuter sah das Ziel Klassenerhalt deutlich in Gefahr. Seitdem hat Heiko Herrlich das Ruder fest in der Hand, doch immer wieder werden Forderungen nach einer Entlassung laut. Gerade in den sozialen Netzwerken geht es nach jedem Spieltag ordentlich zur Sache. Ist der FCA unter Heiko Herrlich also tatsächlich besser geworden oder haben sich die Werte gar verschlechtert?

Bye Bye, Martin!

Es war die Knallermeldung schlechthin: „FCA trennt sich überraschend von Trainer Martin Schmidt” Nach der erwarteten 2:0 – Niederlage gegen den Rekordmeister FC Bayern München haben die Fans mit vielem gerechnet, aber sicher nicht damit. Denn immerhin hatte der FC Augsburg in diesem Spiel einen mutigen Kampf gegen den fast schon sicher geglaubten deutschen Meister auf dem Grün der Allianz Arena geführt. Leider sollte diese Leistung am Ende unbelohnt bleiben, obwohl man wesentlich besser spielte als in den Partien zuvor.

Und so kam es, dass am 09. März 2020 der Verein offiziell die Freistellung von Coach Martin Schmidt und seinem Co-Trainer Stefan Sartori bekannt gab. Nach nur einem Punkt aus den vergangenen fünf Spielen, war der FC Augsburg von Platz 10 auf Platz 14 in der Tabelle abgerutscht. Das bedeutete gerade mal einen 5-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsplatz. Somit war es also eine logische Schlussfolgerung, dass die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen wurden.

Unter Martin Schmidt bekamen wir schönen Offensivfußball zu sehen (Foto via Imago)

Dies erläuterte Geschäftsführer (Sport) Stefan Reuter auch in der Pressekonferenz am darauffolgenden Tag, als er sich noch einmal in aller Form bei Schmidt und Sartori bedankte.

… die natürlich enttäuscht waren, weil sie es gerne selbst gedreht hätten, aber auch gesagt haben, aufgrund der Statistiken, die deutlich gegen uns sprechen, die deutlich in die falsche Richtung zeigen, was Passquote, was Zweikampfquote usw. angeht, haben sie volles Verständnis gehabt.

Geschäftsführer Stefan Reuter auf der PK am 10.03.2020

In dieser Pressekonferenz wurde mit Heiko Herrlich auch gleich der neue Trainer vorgestellt, der den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck ziehen und das Spiel des Vereins verbessern sollte.

Allgemeine Informationen

Als Basis haben wir dabei die ersten 25 Spieltage der Saison 2019/20 und 2020/21 genommen, sodass beim direkten Vergleich jeder der beiden Trainer die gleiche Anzahl an Spielen vorweisen kann. Untersucht wurden dabei Daten wie Anzahl der Pässe, angekommene Pässe, aus welcher die Passquote entsteht, und natürlich auch solche Dinge wie die Menge der gesamten Schüsse, Torschüsse, Zweikampfquote usw.

Martin Schmidt trat sein Amt am 09.04.2019 an, nachdem man seinen Vorgänger Manuel Baum ebenfalls aufgrund absteigender Tendenz entlassen hatte. Davor saß der sympathische Schweizer unter anderem bei Vereinen wie dem FSV Mainz 05 und dem VFL Wolfsburg auf der Trainerbank. Sein bevorzugtes Spielsystem war dabei ein 4-4-2 mit einer Doppel 6. Er setzte dabei vor allem auf schnelles Umschaltspiel und die berüchtigten Nadelstiche nach vorne. Insgesamt gesehen war seine Spielausrichtung eher offensiv ausgelegt.

Der ehemaliger Stürmer Heiko Herrlich hingegen steht eigentlich auch für Offensivfußball, den er vor allem mit seinem Co-Trainer Nico Schneck bei Regensburg und Bayer 04 Leverkusen zelebrierte. Sein bevorzugtes System ist ein 4-2-3-1, das er auch bei uns in Augsburg an den Tag legt. Allerdings ist von Offensivpower derzeit recht wenig zu sehen.

Sieg oder Niederlage – Wer ist besser?

Werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die offensichtlichen Dinge, bevor wir in die Tiefe gehen und uns mit Dingen wie Passspiel und Zweikämpfen beschäftigen.

In der Saison 2019/20 bestritt der FC Augsburg insgesamt 26 Spiele unter Coach Martin Schmidt. In diesen konnte er 7 Siege und 6 Unentschieden für sich verbuchen. Die Hinrunde beendete man recht ordentlich auf Platz 10 mit 23 Zählern und einem Torverhältnis von 28:31 Toren. Allerdings stehen auch 13 Niederlagen auf dem Zettel, unter anderem auch in der ersten Runde des DFB-Pokal. Hier schied man gegen den damaligen Regionalligisten SC Verl mit 2:1 aus.

Die Rückrunde startete mit einem furiosen Spiel gegen Borussia Dortmund. Das Hinspiel hatte man mit 5:1 verloren, also konnte es nur besser werden. Wurde es auch teilweise, denn immerhin schafften die Jungs es diesmal, 3 Tore in der heimischen WWK – Arena zu schießen. Der Auftakt deutete mit dem mutigen Auftreten der Mannschaft auf eine verbesserte Entwicklung hin, doch leider kam es anders. In 8 Spielen schaffte der FCA gerade einmal einen Sieg gegen Werder Bremen und ein Unentschieden gegen den Sportclub aus Freiburg. So stand man zum Zeitpunkt von Schmidts Entlassung auf Platz 14 der Tabelle – mit 27 Punkten und einem Torverhältnis von 36:52 Toren. Insgesamt bedeutet das für Martin Schmidt eine Punkteausbeute von 1,06 Punkten pro Spiel.

Macht es Heiko besser?

Sollte also nicht so schwer sein, diese Werte zu überbieten… Denkt man…

Unter Heiko Herrlich bestritten wir in der Saison 2020/21 bisher 28 Spiele – 26 in der Bundesliga und 2 weitere im DFB-Pokal. Hierbei musste das Team leider 14 Niederlage einstecken, konnte aber gleichzeitig 9 Partien für sich entscheiden. Nur fünf Mal teilte man sich die Punkte. Insgesamt kann man unter Herrlich also pro Spiel 1,11 Punkte für den FCA verbuchen, was eigentlich für ihn sprechen sollte.

Wirft man allerdings einen genaueren Blick, auf die Tabelle, so stellt man fest, dass man am Ende der Hinrunde nur einen 12. Platz mit 19 Punkten und einem Torverhältnis von 17:26 Toren vorweisen kann. Nach dem 25. Spieltag sah das ganze nicht besser aus: 13. Tabellenplatz, 29 Punkte und ein Torverhältnis von 27:38.

Fazit: Man hat zwar zwei Siege mehr einfahren können, doch leider auch einmal mehr verloren als unter Herrlichs Vorgänger. Bei den erzielten Punkten pro Spiel schenken sich die beiden auch nicht wirklich etwas. Eine Verbesserung ist also nicht zu sehen.

“Fußballgott Rafal Gikiewicz” – ohne ihn ständen wir wahrscheinlich wesentlich schlechter da(Foto: Peter Fastl/POOL via Imago)

Vorsicht, Ball kommt!

Bei unserer Analyse haben wir selbstverständlichen einen Blick auf das Augsburgersche Passspiel geworfen. Vor allem, da in den sozialen Netzwerken immer wieder Stimmen laut werden, dass sich eben dieses massiv verschlechtert habe. Doch stimmt das wirklich?

Martin Schmidt setzte vor allem auf ein schnelles Umschaltspiel. Tiki Taka – oder auch Kurzpasspiel – ist nicht unser Ding, sodass es nicht verwunderlich ist, dass unsere Passzahlen in einem eher niedrigen Bereich liegen.

In den ersten 25 Spielen der Saison 2019/20 spielten wir im Durchschnitt 308 Pässe pro Spiel. Davon kamen in etwa 214 beim eigenen Mann an, was somit einer Passquote von 68,46 % entspricht. Auffallend ist, dass Schmidt diesen Schnitt sowohl in der Hin- als auch in der Rückrunde halten konnte (68,30% / 68,80%). Lediglich in den letzten 5 Spielen sank der Wert auf 66,86 %, was natürlich auch eine Steigerung der Fehlpassquote auf 33,14 % bedeutet. Stefan Reuter sprach bei Heiko Herrlichs Vorstellung von einer massiven Verschlechterung dieser Werte. Zur Erklärung: Wir sprechen hier von ganzen 1,94 %! Also ganzen 2 Fehlpässen bei 100 Ballabgaben.

Krasser Fall – Verbesserung Fehlanzeige

Sieht man sich nun Heiko Herrlichs Werte an, so stellt man schnell fest, dass die Jungs während des Spiels deutlich mehr Pässe spielen, nämlich 379 pro Partie. Dies ist allerdings eine Folge der zahlreichen Rückpässe, die wir sehr häufig zu sehen bekommen. Diese Zahl sieht besser aus, aber der Spielfluss nach vorne leidet deutlich darunter und macht das Spiel nicht gerade ansehnlich.

Trotzdem sprechen wir hier von einer Steigerung um 71 Aktionen pro Spiel, was 24,26 % entspricht. Die Quoten selbst sind allerdings auch besser geworden. Durchschnittlich kommen 72,39 % der Pässe beim Teamkammeraden an, nur 27,61 % landen beim Gegner. In der Hinrunde schaffte das Team das sogar noch besser: 74,82% zu 25,18%.

Hat uns unser jetziger Coach tatsächlich besser gemacht? (Foto via Imago)

Doch wenn man jetzt sagt „Joah, das sieht doch eigentlich besser aus“, dann muss ich euch enttäuschen. Es gibt nämlich auch eine Kehrseite der Medaille und das sind die letzten 5 der betrachteten Spiele. Hier lag die Fehlpassquote bei nahezu 36 %. Diese Entwicklung gibt doch großen Anlass zur Sorge, denn wir sprechen von einer Verschlechterung der Passquote von satten 10 Prozent.

Da ist die Frage durchaus berechtigt, ob es nicht Zeit wäre zu handeln, denn Martin Schmitt hat man schon wegen 2 Prozent entlassen.

Fazit: Zwischenzeitlich hat sich die Mannschaft gesteigert, doch der Trend zeigt eindeutig in die falsche Richtung.

Meins!

Seien wir mal ehrlich: Der FC Augsburg war noch nie eine Mannschaft, die viel Wert auf Ballbesitz legt. Das ist auch nicht unbedingt zwingend nötig, denn es gibt genügend Beispiele, in denen wir auch gewonnen haben, obwohl der Ball oft beim Gegner war. Beispielsweise gegen Borussia Dortmund am 2. Spieltag dieser Saison, als wir gerade einmal 20 % Ballbesitz vorweisen konnten.

Unter Martin Schmidt pendelten sich die Jungs bei einem prozentualen Besitz von 36,40 % ein. Auffallend ist auch hier, dass sich die Werte von Hin- und Rückrunde nur minimal unterscheiden. Nämlich um genau 0,34 % – 36,29% in den ersten 17 Spielen, 36,63 % in den folgenden 8 Spielen. Wirft man jedoch einen Blick auf die letzten 5 Spiele unter dem schweizerischen Urgestein, so stellt man fest, dass hier eine deutliche Verschlechterung stattgefunden hat. Die Ballbesitzquote fiel hierbei nämlich auf 31,8%. Die Gegner in diesen Spielen waren im Übrigen Eintracht Frankfurt, der SC Freiburg, Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern München.

Konnte Heiko Herrlich es schaffen, diese Werte zu überbieten? Auch wenn es bei der defensiven Spielweise nach außen hin nicht so scheint, aber das konnte er tatsächlich. In allen bisher stattfinden Partien hatte der FCA einen durchschnittlichen Spielanteil von 40,68 %. Auch hier fällt die Hinrunde mit genau 43% um einiges besser aus als die Rückrunde.

Leider sticht auch in diesem Punkt deutlich hervor, dass ein massiver Einbruch stattgefunden hat, wenn man sich die Partien gegen RB Leipzig, Bayer Leverkusen, Mainz 05, Hertha und die Fohlen ansieht. Gerade einmal 34,60% Ballbesitz stehen auf dem Papier. Das sind beinahe 10% weniger als der Hinrundenschnitt.

Fazit: Zwischenzeitlich konnte unser Coach sehr gute Daten aufweisen. Seinen Topwert erreichte er zum Beispiel in der Hinrunde gegen den Sportclub aus Freiburg, als man 59 % der Spielanteile für sich verbuchen konnte. Der massive Abfall jedoch, ist auch in diesem Bereich sehr bedenklich.

Dann macht es BUMM…

Wie der Motor zum Auto, so sind auch Tore und Torschüsse ein absolutes Muss. Hier wird zum ersten Mal richtig deutlich, dass wir uns – zumindest bei diesem Aspekt – unter Herrlich verschlechtert haben.

Ich habe es eigentlich immer geschafft, aus Teams oder aus Spielern Mannschaften zu machen, die nicht nur miteinander, sondern auch füreinander arbeiten. Und wir haben uns immer – egal, wo ich war – sehr viele Torchancen heraus gespielt.

Heiko Herrlich bei seiner Vorstellung am 10.03.2020

Das mag für Regensburg und Bayer 04 Leverkusen zutreffen, doch mit unserem geliebten FCA schafft Heiko Herrlich es leider nicht, sein normalerweise nach vorne ausgerichtetes System umzusetzen. Und das, obwohl wir mit 14 bzw. jetzt 13 Offensivkräften dafür eigentlich wie gemacht zu sein scheinen.

… ja und dann kracht’s!

Schafften es unsere Jungs unter Martin Schmidt im Durchschnitt noch vier Mal einen Schuss auf das gegnerische Tor abzusetzen, so liegt dieser Wert jetzt nur noch bei 2,76. Auch die Anzahl der Schüsse insgesamt ist von 11 auf 8 gefallen. Einzig und allein in den letzten 5 Partien schenken sich die beiden Coaches nichts. Dort stehen jeweils drei Torschüsse auf jeder Seite.

Auffallend ist jedoch, dass es unter dem sympathischen Schweizer kein einziges Spiel gab, in dem man nicht wenigstens einen einzigen Torschuss abgegeben hat. Unter Herrlich war dies nun aber schon zwei Mal der Fall – gegen Werder Bremen und Bayern München am 16. bzw. 17. Spieltag. Finnbogasons vergebener Elfmeter zählt dabei nicht als Torschuss.

Leider trafen unsere Jungs dieses Jahr viel zu selten (Foto: Bernd Feil/M.i.S./Pool via Imago)

Fazit: Natürlich klingt der Unterschied relativ gering, doch wenn man bedenkt, dass Heiko Herrlich selbst Stürmer gewesen ist und was er bei seinen bisherigen Stationen vollbracht hat, so ist es schon enttäuschend, dass er es mit unserem starken Kader nicht geschafft hat, mehr Chancen heraus zu spielen. Gerade weil er bei seiner Vorstellung noch groß angepriesen hat, dies mit uns erreichen zu wollen. All unsere Stürmer scheinen unter ihm nicht mehr zu treffen. Ist das eine Frage der Moral und des mangelnden Selbstvertrauen? Oder “verbietet” das die defensive Ausrichtung sogar? Eines steht fest: 27 Tore in bisher 26 Bundesligapartien sind eindeutig zu wenig und können nicht unser Anspruch sein.

Auf in den Kampf!

Als letztes haben wir uns die Zweikampfquote angesehen. Sie stellt den prozentualen Anteil der gewonnenen Zweikämpfe im Verhältnis zu den insgesamt geführten Spielerduellen dar.

Also ich denke, meine Mannschaften haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir Fußball spielen wollen, dass wir mit einer Leidenschaft – mit Biss – spielen. Das sind ja auch Dinge, für was Augsburg steht.

Heiko Herrlich bei seiner Vorstellung am 10.03.2020

Grund für Schmidts Entlassung war laut Stefan Reuter die fallende Tendenz sämtlicher Werte. Dazu zählte natürlich auch die Zweikampfquote, die an den Spieltagen 21 bis 25 wirklich nicht gut aussah. Durchschnittlich konnte der FCA nur 39,2 % der Duelle mit dem Gegner für sich entscheiden. Das sah zuvor schon besser aus, denn Schmidts Gesamtbilanz in diesem Punkt liegt bei 46,64%. Da es sich hierbei doch um eine Verschlechterung von etwa 7 % handelt, ist Reuters Entscheidung doch in einer gewissen Weise nachzuvollziehen.

Auch wenn man kein großer Fan von Heiko Herrlich ist, muss man ihm eines zugute halten: In Sachen Zweikampfstärke hat er es geschafft, die Werte zu verbessern und zu stabilisieren. Denn auch in Spielen, in denen Werte wie Passquote, Schüsse etc. deutlich abgefallen sind, blieb die Zweikampfquote konstant bei einem Wert von ca. 48 %. In der Hinrunde knackten wir mit 49,76% sogar beinahe die Hälfte aller gewonnenen Duelle.

Nur nicht nachlassen, Jungs! (Foto: Hahne/Eibner-Pressefotox EP_joha via Imago)

Sind wir nun wirklich besser, Herr Reuter?

Ziemlich genau ein Jahr ist Trainer Heiko Herrlich nun im Amt. Blickt man auf den gesamten Zeitraum, so lässt sich feststellen, dass es zwischendurch gar nicht so schlecht aussah. Auch wenn das Herrlichs Kritiker sicherlich nicht gerne hören werden. Doch die Zahlen sprechen gerade in der passstarken Phase für ihn. Beispielsweise lag unsere Passquote zwischen dem 6. und 10. Spieltag bei 80 %, was für unsere Verhältnisse ein sehr guter Wert ist.

Auch dass wir gegen einen Gegner wie Eintracht Frankfurt, die momentan auf Platz 4 der Tabelle stehen, mit sechs direkten Torschüssen unsere Saisonbestleistung verbuchen konnten, zeigt, dass Mut und Kampfgeist im Team vorhanden sein müssen. Denn auch wenn wir dieses Spiel leider verloren haben, so kann man den Jungs nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben.

Dies sollte eigentlich dafür sprechen, dass Reuter mit Herrlich den richtigen Trainer geholt hat. Könnte man denken… Die Zahlen geben unserem Sportdirektor zwar zwischenzeitlich recht, doch blickt man auf die Statistiken der Spieltage 21 bis 25, dann gibt es doch großen Anlass zur Sorge. Die Anzahl der Fehlpässe ist von durchschnittlich 100 pro Spiel auf 110 gestiegen. Das bedeutet eine Verschlechterung der Passquote um ganze 10 Prozent! Auch der eigene Ballbesitz ist von 40,68 % im Schnitt auf 34,6% zurück gegangen.

Ob Stefan Reuter auch auf seinen Freund Herrlich so kritische Blicke wirft?! (Foto via Imago)

Diese Entwicklung ist um einiges drastischer als zu Zeiten Schmidts. Man könnte unserem jetzigen Trainer zwar zugute halten, dass er mit Ausnahme des Dortmundspiels noch nie mit Fans im Rücken spielen durfte. Doch da er zwischendurch zeigen konnte, dass es auch ohne Anhänger passabel geht, lassen wir dieses Argument nicht gelten.

Fazit zum Schluss: Gab’s eine Verbesserung?

Die Spieler mögen sich in der Mitte der Saison recht gut angestellt haben. Und das überraschenderweise, obwohl das Team zu diesem Zeitpunkt von großen Verletzungssorgen geplagt war.

Doch zusammenfassend lässt sich feststellen, dass gerade der negative Trend der letzten Spiele sehr bedenklich ist. Auch wenn man gegen Mainz und Gladbach wichtige Siege einfahren konnte. Schön waren diese Spiele keines Falls und seien wir mal ehrlich: Hätten die Fohlen ihre Chancen genutzt, dann wären wir eiskalt aus unserem eigenen Stadion geschossen worden. Das Glück war bei diesem Spiel auf unserer Seite.

Im Fußball sollte man sich aber nicht auf Glück verlassen, sondern die Partien mit Mut und Kampfeswillen angehen, auch wenn das zu Corona-Zeiten nicht immer einfach ist. Aber da müssen alle Teams durch.

Konnten wir uns unter Trainer Heiko Herrlich also verbessern? In der Mitte der Saison sah es danach aus, aber eine positive Entwicklung ist derzeit keineswegs zu erkennen – im Gegenteil. Das primäre Ziel Klassenerhalt ist auch heute in Gefahr. 6 Punkte Vorsprung auf die Relegation, wenn noch 24 Punkte auszuspielen sind, kann man keineswegs als sicher bezeichnen. Und Martin Schmidt hat man genau aus diesem Grund entlassen…

Jetzt wird’s Herrlich

Turbulente Tage beim FCA. Nach nur einem Sieg und einem Unentschieden in den ersten acht Partien der Rückrunde ist den Verantwortlichen beim FC Augsburg der Geduldsfaden mit Martin Schmidt endgültig gerissen. Gut so, möchte ich ihnen schon lange zurufen. Noch zwei Wochen länger und ich hätte mich endgültig an den schlechten Fußball gewöhnt gehabt, den die Mannschaft in aller Regelmäßigkeit auf dem Rasen fabrizierte. Das kann sie besser. Und Heiko Herrlich wird es hoffentlich zeigen.

Den Verantwortlichen ist mit Sicherheit bewusst, dass Trainerentlassungen beim FC Augsburg nur in Ausnahmefällen genutzt werden. Ich selbst habe erst vor wenigen Wochen großmäulig festgestellt, dass wir durch den Endspurt zum Ende der Hinrunde das Trainerkarussell links liegen haben lassen. Dennoch haben die Verantwortlichen den Mut, um den FCA sportlich wieder in die richtige Richtung zu lenken. Aus verschiedenen Gründen freut mich das.

Mannschaft ohne Identität

Erst nach dem Debakel in Frankfurt habe ich mich hier ausgekotzt und festgestellt, dass unsere Mannschaft unter Martin Schmidt keine Identität hat. Heiko Herrlich soll laut Stefan Reuter jetzt eine Siegermentalität und Gier einflösen und somit der Mannschaft auch wieder eine Identität mitgeben.

Siegeswille und Gier wird zurückkehren, wenn die Mannschaft eng zusammenrückt. Die Ansagen werden klar und deutlich sein. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Sportlich wird es variabler, aber bei der Identität gibt es keine Verhandlungen. Die Mannschaft soll laut Heiko Herrlich “eng zusammenrücken”. Wir Augsburger kennen das. Auf dem Platz hat man es im letzten Jahr des öfteren mal vermisst. Augsburg soll auf dem Platz wieder zusammenhalten. Ohne wenn und aber.

Die Debakel

Heiko Herrlich will die Mannschaft wieder zur Kontinuität zurückführen. Ich war selbst auswärts in Gladbach und Frankfurt mit dabei. Fehlende Kontinuität ist eine absolute Beschönigung, für das was mehrfach passiert ist. Wiederkehrende Debakel ist wohl die treffendere Beschreibung. Unverständliche Spiele, die einen Trainer auf Grund der Leistung seiner Mannschaft vor Scham erblassen lassen. Alleine die Hoffnung, dass wir diese Debakel abstellen könnten, lässt mich jubilieren. Ich habe keinen Bock auf diese absolute Niedergeschlagenheit nach Spielen der eigenen Mannschaft und bin gerne bereit einem neuen Trainer die Chance zu geben, diese Niedergeschlagenheit dauerhaft zu vermeiden.

Sportliche Ausrechenbarkeit

Heiko Herrlich hat im Moment noch das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Sportlich ist für die Gegner nicht klar, was sie nun erwartet. Es wird in jedem Fall nicht so ausrechenbar sein, wie die Rezepte, die Martin Schmidt zuletzt noch gefunden hatte. Hinten wurde zuletzt mehr oder weniger gut gemauert und dann nach vorne auf lange Bälle und Konter gehofft. Leider hat dies immer weniger zum Erfolg geführt. Es war vielmals schlicht zu offensichtlich.

Die Gegner werden es nicht kommen sehen. Noch ist das sportliche Überraschungsmoment auf unsrer Seite. (Photo by Robert Hradil/Bongarts/Getty Images)

Dieses Risiko war auch schon vor der Saison bekannt. Martin Schmidt hat noch nicht gezeigt, dass er in der Bundesliga langfristig Mannschaften so einstellen kann, dass die Konkurrenz nicht Lösungen findet, um seinen Mannschaften den Erfolg auf dem Platz zu verwehren. Heiko Herrlich wird hier variableren Fußball spielen lassen, der zumindest langfristig zu mehr Torchancen führt. Auch das kann uns perspektivisch freuen.

Intuition

Heiko Herrlich hat sich in seiner Antrittspressekonferenz darauf berufen, dass ihm seine Intuition sagt, dass innerhalb der Mannschaft der Ernst der Lage nicht bewusst ist. Intuition beruht darauf, dass man abgespeichertes Expertenwissen ohne großes Nachdenken abrufen kann. Intuition führt nicht immer zum richtigen Ergebnis, kann allerdings in vielen Situationen ein wichtiger Ratgeber sein. Meine Intuition sagt mir, dass die Verantwortlichen nicht mehr genau wussten, wie die Mannschaft unter Martin Schmidt reagierte, wenn die Lage noch ernster wird. In einigen Spielen ist sie dann schon zusammengebrochen und hat sich aufgegeben. Im Saisonendspurt wäre dies fatal gewesen. Um dies zu verhindern, war dies wohl der richtige Trainerwechsel zur richtigen Zeit.

Heiko Herrlich steht auf dem Platz mindestens genau so sehr unter Strom wie ich auf der Tribüne. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Am Sonntag, wahrscheinlich vor leeren Rängen, wird den Vfl Wolfsburg mehr überraschen als nur die Kulisse. In mir als FCA Fan bricht schon fast Euphorie los. Was ist gegen Wolfsburg drin? Mehr als 30% Ballbesitz? Eine positive Zweikampfbilanz? Ich werde von Heiko Herrlich keine Wunderdinge erwarten. Aber zumindest Hoffnung auf Besserung hat er uns schon jetzt beschert. Hoffnung darauf, endlich wieder mehr Gegner zu ärgern und vor größere Herausforderungen zu stellen. Sportlich hat der FC Augsburg in diesen Tagen einen Schritt zurück zu seinen Wurzeln gemacht. Die Mannschaft wird es auf dem Platz bald zeigen.

Na herrlich

Fans und Presse haben es mit Martin Schmidt nicht immer gut gemeint und auch diese Gazette schlug bisweilen kritische Töne an. Trotzdem: Zeitpunkt, Art und vor allem auch Hintergründe seiner Absetzung als Cheftrainer werfen doch Fragen auf und sind in dieser Form auch nicht nachvollziehbar. Man(ager) hätte an Martin Schmidt festhalten sollen und müssen.

Mit der Handbremse in die Rückrunde

Nach dem formidablen Winter begann die Rückrunde miserabel. Die Punkteausbeute war sogar schlechter als zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde. Man konnte das Bemühen erkennen, sowohl die Defensive zu stabilisieren als auch schnell und schnörkellos nach vorne zu spielen. Doch das gelang nur sehr begrenzt. Famose Halbzeiten wechselten sich mit zutiefst bedenklichen Auftritten ab.

Der gemeinsame Spaß ist vergangen. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die Auswärtsniederlage in Frankfurt war sicherlich ein trauriger Tiefpunkt. Doch auch zaghafte Spiele, wie das gegen Freiburg, warfen große Fragezeichen auf. Dabei waren die Erklärungsversuche im Trainerstab mit am enttäuschendsten, die im Regelfall in nichtssagenden Phrasen endeten. Soweit, so Fußball.

Am Sonntag war die Welt noch in Ordnung

Und doch zeigten die letzten Auftritte, wie schon in der Hinrunde, mehr als positive Ansätze. Schon die zweite Hälfte gegen Bremen war sehenswert. Aber auch die Ergebnisse gegen Gladbach und sogar gegen die Bayern geben nicht unbedingt die Leistung auf dem Platz wieder. Insbesondere das Spiel in München war ein couragierter Auftritt. Man spielte den FCB nicht an die Wand, doch verteidigte klug und engagiert, ohne sich in Mannschaftsstärke in das eigene Tor zu stellen. Dass die Konter nicht gut ausgespielt wurden, ist zwar schade, doch am Ende des Tages verzeihlich. Sicherlich ärgern Niederlagen, aber man hat ein gutes Spiel abgeliefert. Das Martin Schmidt dieses zum Verhängnis wurde, ist in der Tat schwer nachzuvollziehen.

Vor den Bayern ist nach den Bayern

Der Gedanke liegt nahe, dass die Entscheidung schon vor der Partie in München feststand. Vielleicht sogar schon nach der müden Partie in Leverkusen, vielleicht noch früher. Inmitten dieser Tour de Force durch die Top 5 der Liga den Trainer zu wechseln wäre in der Tat riskant gewesen. Im schlimmsten aber auch wahrscheinlichsten Fall hätte man den ominösen Trainereffekt ohne nennenswerten Mehrwert gleich verspielt. Alle Gegner der letzten Wochen waren und sind zu sehr in Form, um hier Überraschungen erwarten zu lassen. Und so musste man notgedrungen einen guten Auftritt in Kauf nehmen, um die schlechte Nachricht zu verkünden. Was zum Teil zu absurden Situationen während der Vorstellung des neuen Trainers führte.

Phrasen dreschen für Fortgeschrittene

Mit etwas mehr Mut und Fortune wäre auch in München etwas möglich gewesen, gab Stefan Reuter gewohnt selbst(un)kritisch zu Protokoll und man fragte sich instinktiv, wie der Trainer nun auch Mut und Fortune erzwingen sollte. Die gesamte Pressekonferenz geriet ganz in diesem Sinne zur Farce und der neue Trainer konnte einem durchaus Leid tun. Nach Reuter steht „der Heiko für die Gier, die Leidenschaft, die Siegermentalität“ die zuletzt wohl gefehlt habe.

Ob Stefan Reuter das Lachen bald vergehen wird? Hoffen wir es nicht. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Man fühlte sich unvermittelt und mit keinem guten Gefühl an die Vorstellung von Jens Lehmann erinnert. Schon damals weckte der Gedanke, dass mehr Siegermentalität schon zum gewünschten Erfolg führen würde, ein ungutes Gefühl. Und man hoffte und hofft wieder, dass der Manager nur drucktaugliche Zitate formulieren möchte. Ganz ungeachtet der Ironie, dass Heiko Herrlich nun nicht gerade für große Emotionen bekannt ist.

Merci vielmals Martin Schmidt

Auch Martin Schmidt hatte sich vielleicht ein wenig zu oft in Allgemeinplätzen verloren. Aber er hat sich auch zumeist vor sein Team gestellt, und vor allem hat er auch eine kluge und klare Meinung zu vertreten gewusst. Es ist schade, dass ihm nicht die Chance gewährt wurde, die Saison in Ruhe zu Ende zu spielen. Natürlich wäre es fahrlässig gewesen, die Situation zu unterschätzen, doch nicht minder fahrlässig ist es, in einer vergleichsweise komfortablen Situation auf einen neuen Trainer zu setzen. Das sind dezidiert keine Vorbehalte gegenüber Heiko Herrlich, auf dessen Fußball ich persönlich sehr (optimistisch) gespannt bin. Es sind Vorbehalte gegenüber den handelnden Personen. In der Pressekonferenz wurde die Frage aufgeworfen, wie aus der ruhigen Hand, die den FCA bislang ausgezeichnet hatte, eine zittrige Hand werden konnte. Das ist eine gute Frage, die vielleicht am Ende der Saison Stefan Reuter nochmals beantworten muss.

Eine Mannschaft ohne Identität

Was hatte ich mich auf das Spiel in Frankfurt gefreut. Es war ingesamt eine bemerkenswert schlechte Woche für mich. Erst war ich krank und danach kamen vor allem arbeitsbedingt schwierige Nachrichten auf mich zu, mit denen ich umgehen musste. Eine Woche, in der ich meinen Kompass auf Freitagabend ausgerichtet hatte. Hoffnungsfroh nach der zweiten Halbzeit gegen Bremen, in der mein liebster FCA einen Rückstand gedreht und das Spiel gewonnen hatte. In Frankfurt hatte die Mannschaft in der letzten Saison auch ein wundervolles Erfolgserlebnis gefeiert. Ich war im April live dabei und so fieberte ich zusammen mit meiner Crew auch dieses Mal frohen Mutes dem Spiel entgegen. Ich habe nicht nach den ersten Rückschlägen aufgegeben. Am Abend stand ich pünktlich auf der Tribüne, die Augen aufs Ziel gerichtet.

Für Glanz und Gloria

Wir liefen in der Februarkälte zum Stadion. Es war klar, dass es ungemütlich werden würde. Es war klar, dass die Frankfurter nach den ersten Spielen der Rückrunde und dem Pokalsieg gegen Leipzig Selbstvertrauen getankt hatten. Umso größer war die Aufgabe, umso größer wäre der potentielle Sieg am Ende des Abends zu werten, umso beschwingter würden wir das Wochenende erleben und kurz den grauen Alltag und unsere Probleme vergessen können. In der ersten Halbzeit wurden unsere Erwartungen auch noch erfüllt. Die Mannschaft hatte Chancen, die sie nicht zu nutzen wusste (oder die Kevin Trapp leider großartig vereitelte) und die Eintracht kam nach ca. 40 Minuten zu einfach zum Führungstreffer. Es stand wie in der Vorwoche gegen Bremen 0:1. Alles war noch drin. Der Rückstand würde die Geschichte nur noch besser machen. Eine weitere Legende, die wir unseren Kindern und Enkeln erzählen könnten. Was danach folgte, kann nicht anders als ein Offenbarungseid bezeichnet werden.

Ihr werdet die feiernden Frankfurter wieder los. Mich werden sie eine ganz Weile verfolgen. Habe ich erwähnt: ich wohne in Frankfurt. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Nun ist noch nicht viel Zeit vergangen seit diesem traumatischen Erlebnis und ich bin in dieser Saison vorgeschädigt. Ich war auch schon in Gladbach auswärts dabei. Da ging das Spiel 5:1 für die Gladbacher aus, und die erste Halbzeit in Gladbach sah der zweiten in Frankfurt in mancher Hinsicht sehr ähnlich. Es war auch kalt, aber in Gladbach regnete es dazu noch. Ich vertrete auch die Meinung, dass ich eine persönliche Erklärung dafür verdient habe, was in diesen zwei Auswärtsspielen passiert ist. Aber nachdem die Erklärungen bisher äußerst mau sind, will ich mal anfangen zu erzählen, was gestern – mal wieder – passiert ist. Und zu welchen Einschätzungen ich gelangt bin.

Die Taktik

Adi Hütter, der Frankfurter Trainer, hat sehr gut erkannt, wie man uns Augsburgern momentan das Leben schwer machen kann. Wenn wir wie gegen Frankfurt mit Finnbogason/Niederlechner in der Kombination spielen, dann erzeugt das eine dauerhafte Unterzahl im zentralen Mittelfeld. Baier und Khedira standen Ilsanker, Kohr und Gacinovic gegenüber. Das Frankfurter Trio ist dabei so körperlich und aggressiv, wie man es sich nur vorstellen kann. Das Ergebnis war, dass wir gerade im Spiel mit dem Ball diesen zu schnell verloren, und Frankfurt dann im eigenen Spiel mit dem Ball durch Verlagerungen auf die Flügel und eintrainierte Spielzüge eine Überzahl schnell ausnutzen konnte.

Eine Folge dieses Problems ist auch, dass Frankfurt ca. 60% der Zweikämpfe gewonnen und mehr Fouls gespielt hat. Wir sind, wie z.B. gegen Union Berlin, nicht in die Zweikämpfe gekommen und haben diese weniger aggressiv geführt. Martin Schmidt hat dann Finnbogason aus- und Löwen eingewechselt, um im zentralen Mittelfeld stabiler zu stehen und damit überhaupt eine Chance im Spiel zu haben. Allein, es war schon zu spät. Und gegnerische Mannschaften wissen mittlerweile, dass man uns durch Körperlichkeit und Aggressivität aus dem Konzept bringen kann. Darauf müssen wir uns in den nächsten Spielen einstellen. Der Trainer kann seinem Team helfen, wenn er in zentralen Bereichen des Feldes, Wege findet, um diese Unterzahlsituationen zu vermeiden.

Die Reaktion auf das zweite Tor

Die Niederlage rein der taktischen Ausrichtung anzulasten, wird schwierig. Gerade auf den Flügeln hätten wir Möglichkeiten gehabt, um für Unruhe in der Frankfurter Hintermannschaft zu sorgen und unsere beiden zentralen Abschlussspieler hätten potentiell ja auch mehr zum Abschluss kommen können. Nachher ist da immer ein jeder schlauer. Was allerdings hilfreich gewesen wäre, ist, deutlich länger ohne Gegentor zu bleiben bzw. das Spiel offen zu halten. Die beiden ersten Gegentore waren nicht besonders extravagant herausgespielt, sondern sind individuellen Fehlern zuzuschreiben.

Timothy Chandler konnte sein Glück nicht fassen. Er profitierte von den Lücken in der Augsburger Abwehr. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Beim ersten Tor kommt der Ball zu Chandler, der sich im Vergleich zu seinem Gegenspieler überaus filigran dreht und dann sehr gut abschließt. Die Fehlerkette vom Ballverlust bis zum Tor war lang. Das zweite Gegentor fällt dann, weil wir einen Standard schlecht verteidigen. Beide Tore weisen auf Unkonzentriertheiten hin. Auf diesem Niveau kann man sich solche Fehler nur selten erlauben.

Große Freude bei der Eintracht. Möge sie in dieser Saison anhalten und wir uns nächstes Jahr revanchieren. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Entscheidender ist allerdings die Reaktion danach. Es ist nicht so, dass es dann auf dem Platz mal lauter wird. Das jemand den anderen anschreit und wachrüttelt. Durch Körperlichkeit ein Zeichen setzt. Sich ne gelbe Karte abholt und ein Ruck durchs Team geht. Geschlossen wird dann aufgehört zu spielen. Führungsspieler sind untergetaucht. Gibt es eine Struktur im Team und wer übernimmt dann die Verantwortung?

So kassiert man dann das dritte Gegentor (wie frei der Frankfurter einköpfen konnte. Wahnsinn). Dazu kurz vor dem Ende die Tore vier und fünf. Was ich von der Tribüne aus nächster Nähe beobachten konnte, war der mentale Zusammenbruch des gesamten Teams. So als würde ich nach 6 Stunden eines beschissenen Tages aufhören zu arbeiten und aufgeben. Kein Verhalten mit dem man sich als Fan identifizieren kann, wenn man sich die ganze Woche im Alltag abgemüht hat. Mit solch einer Einstellung wäre ich am Freitag überhaupt nicht erst auf der Tribüne gestanden. Solches Verhalten will ich in rot-grün-weiß nicht sehen.

Eingeständnis des Versagens

“Einmal ist keinmal und zweimal ist einmal zuviel” hat einer meiner Lehrer in der Schule früher gesagt. Und so könnte man dieses Spiel leicht abhaken, wenn ein solcher Zusammenbruch nun das erste Mal vorgekommen wäre. Martin Schmidt ist nun seit April letzten Jahres im Amt. Aus dem Stand kann ich die Zusammenbrüche seines Teams schon gar nicht mehr alle rekapitulieren. Das 1:8 in Wolfsburg am letzten Spieltag der letzten Saison ging uns noch recht am Arsch vorbei. Es war das erste Mal. Am ersten Spieltag die zweite Halbzeit in Dortmund war dann schon schlimmer. Dann kam das 1:5 in Gladbach und jetzt wieder ein 0:5 in Frankfurt. Wenn Martin Schmidt in der Pressekonferenz behauptet, dass die zweite Halbzeit gegen Frankfurt die bisher schlechteste der Saison war, dann gab es zumindest schon hochkarätige Konkurrenz in seiner Amtszeit.

Bilder eines Zusammenbruchs. Ich bin so leid sie zu sehen. Diese Zusammenbrüche müssen ein Ende haben. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Martin Schmidt hat in der besagten Pressekonferenz deutliche Worte in Richtung Mannschaft gefunden: “Das war eine Katastrophe. Zuerst den Schneid abkaufen lassen in Sachen zweite Bälle, Zweikampfführung. Dann irgendwann auch die Mentalität abkaufen lassen. Und am Schluss noch ne Packung gekriegt. Heute war keiner der Spieler, außer vielleicht der Torhüter, gut. Und wenn alle Spieler nicht gut sind, dann ist meistens der Grund im mentalen Bereich zu suchen. Was war los mit der Konzentration in der zweiten Halbzeit? Was war los mit dem Team nach dem 2:0? Da war wieder der Stecker gezogen. Warum fallen wir in uns zusammen?”

Als ich die Aufzeichnung der Pressekonferenz am Tag nach dem Spiel gesehen habe, ging mir direkt die Hutschnur hoch. Ja, was war denn los, Martin Schmidt? Das ist doch dein Team, das da auf dem Rasen steht. Deine Mannschaft, die deine Mentalität als Führungskraft widerspiegelt und die Werte, die du vermittelst. Diese Klatschen sind nun mehrmals vorgekommen. Mehr als einmal. Einige Male zu viel. Es ist unerträglich. Und Du bist dafür verantwortlich.

Resilienz

An dieser Stelle müssen wir uns mit Resilienz beschäftigen. Resilienz bedeutet psychische Widerstandskraft – und insofern gebe ich Martin Schmidt Recht, als dass die Probleme im mentalen Bereich liegen. Wie widerstandsfähig ist die Mannschaft bzw. die einzelnen Spieler in schwierigen Situationen? Die Klatschen deuten darauf hin, dass die psychische Widerstandsfähigkeit gesteigert werden muss. Die Spieler müssen auf diese schwierigen Situationen vorbereitet werden, so dass sie die Situation erkennen und richtig reagieren können. Ihre gewünschte Option A: “Das Spiel gewinnen” gerät ins Wanken. Es ist wichtig, dass den Spielern in diesen Situationen bewusst ist, dass sie ihre Option B dann immer noch gestalten können. Option B könnte enden als “Klatsche und Schmach” oder als “Aufgebäumt, alles reingeworfen und knapp verloren”.

“Aufgeben und überfahren lassen” ist keine Option B, die tolerierbar ist. Einsatz und Kampf bis zum Abpfiff ist das, was jede Option B beinhalten muss. Und das ist im mentalen Mindset der Spieler abhanden gekommen. Fußball ist eben keine rein körperliche Angelegenheit. Auch die mentale Ausbildung der Spieler ist von einiger Bedeutung. Gerade mit unserem jungen, neu zusammengestellten Kader scheint die Ausbildung der Mannschaft in diesem Bereich noch verbesserungswürdig zu sein. Es ist mir wichtig an dieser Stelle festzuhalten, dass ich nicht glaube, dass die Mannschaft oder einzelne Spieler nicht wollen. Sie haben in schwierigen psychologischen Situationen unter erheblichem Druck “nur” nicht gut reagiert. Sie brauchen weiterhin Unterstützung und Aufmunterung. Es macht keinen Sinn sie auszupfeifen bzw. zu beschimpfen. An den Problemen kann man arbeiten. Muss man arbeiten.

Fehlerkultur

Dazu kommt, dass wir zur einer gesunden Fehlerkultur zurückfinden müssen. Und damit meine ich nur am Rande, dass wir in der Lage sein müssen, Fehler einzugestehen. Die Mannschaft hat aus meiner Sicht kein Problem damit zuzugeben, dass sie am Freitag ihre Leistung nicht gebracht hat. Die Jungs sind quasi geschlossen in der Kurve gestanden und haben sich die direkten Reaktionen der Fans angehört und sich für den Support bedankt. Was da teilweise von den Rängen kam, war deutlich unter der Gürtellinie. In den Stunden der Niederlage zeigt sich dann doch am ehesten, wer zu einer menschlichen Reaktion auf Fehler in der Lage ist und da haben im Block doch einige versagt.

Ich beziehe diesen Punkt trotzdem eher auf die Rotation in der Mannschaft. Auch wenn die ersten Spiele nicht besonders prickelnd waren, so hat Martin Schmidt prinzipiell an seiner Stammmannschaft festgehalten. Individuelle Fehler sind menschlich und prinzipiell in Ordnung. Gehäuft müssen sie allerdings Konsequenzen haben. Die Spieler aus der zweiten Reihe müssen darauf drängen sich beweisen zu dürfen. Und diejenigen, die zum Einsatz kamen, müssen für gehäufte Fehler die Konsequenzen tragen und auf der Bank Platz nehmen. Irgendeinen Vorteil muss der große Kader haben, bei dem die Leistungsdichte so hoch ist wie nie. Zumindest gingen wir davon bisher aus. Ob es Martin Schmidt in diesem Kader schafft den Konkurrenzkampf hoch zu halten, müssen wir noch abwarten. Aber vielleicht sind die Unkonzentriertheiten auch darauf zurückzuführen, dass man sich in der Mannschaft durch den fehlenden intensiven Konkurrenzkampf nicht zu Topleistungen pusht?

Besser gegen Freiburg

Alles in allem steht nicht zu befürchten, dass es gegen Freiburg weiter geht, wie es gegen Frankfurt aufgehört hat. Martin Schmidt hat die Schwere der Niederlage erkannt. Fehler wurden von ihm in der taktischen Einstellung als auch von den Spielern auf dem Feld gemacht und der Spielverlauf hat uns nicht in die Karten gespielt. Wer weiß, was mit einem frühen Führungstor möglich gewesen wäre. Mit 26 Punkten haben wir immer noch 8 Punkte mehr als in der letzten Saison (und 5 weniger als vor zwei Jahren). Es läuft nicht alles optimal, aber doch einiges richtig.

Wir werden wieder Feiern, das ist klar. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Mir ist dabei besonders wichtig, dass diese Mannschaft die sportliche Identität des FC Augsburg wiederfindet, so dass man sich als Fan auf der Tribüne mit den Jungs auf dem Rasen jederzeit identifizieren kann. Verlieren ist nicht schlimm, genau wie einzelne Fehler. Und ich tausche mit jedem Spieler Hoody gegen Trikot nach einem Spiel in der Kälte. Aber bei allem was mir an dieser Sache liegt: dafür müssen alle 100% geben in den 90+X Minuten des Spiels. Und am Freitag nach dem Spiel hätte keiner auf der Tribüne eines dieser Trikots gewollt. Weil es einem das Herz bricht, wenn die eigene Mannschaft ihre und damit unsere Identität mit Füßen tritt. Und so muss dieses Team nun erst wieder herausfinden, für was es steht. Man will ihnen zurufen: Wir sind für euch da. Schaut uns an und kämpft für uns. Mehr braucht es doch nicht.

Der FCA und das Trainerkarussell der Bundesliga: erstmal ausgestiegen

Der FC Augsburg ist sportlich in ein etwas ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Zum Ende der Hinrunde haben wir zwischenzeitlich 6 Spiele lang nicht verloren und dabei sogar fünf Siege eingefahren. In Köln lief das Spiel nicht optimal. André Hahn verschoss einen Elfmeter und holte sich einen unnötigen Platzverweis ab. Trotzdem nahmen wir wieder einen Punkt mit. Auch gegen Dortmund verloren wir nach komfortabler Führung noch. Insgesamt haben wir uns aber durch den sportlichen Aufschwung im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Immer noch ist Durchatmen angesagt. Die Lage in Augsburg hat sich beruhigt. Mal wieder.

LEIPZIG, GERMANY – DECEMBER 21: Martin Schmidt schnauft durch. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Schwierigkeiten in der ersten Hälfte der Hinrunde

Zwischenzeitlich wurde es etwas ungemütlich für Martin Schmidt. Der Kaderumbau im Sommer hatte sich bis in die Saison gezogen, Leistungsträger vielen verletzt aus und es hat gedauert, bis die Mannschaft in der Lage war, seine Anforderungen auf dem Platz umzusetzen. Mittlerweile – gegen etwas schwächere Gegner – konnte die Mannschaft zeigen, was sie kann. Aber auch gegen stärkere Gegner wie gegen Hoffenheim oder Leipzig hat das Team mitgespielt, immer gegen gehalten und war wettbewerbsfähig. Das hatte lange gefehlt. Bis zum Auswärtsspiel in Gladbach verfolgte mich immer die Angst, auswärts richtig zu kassieren. In Gladbach ja auch mit bestem Recht.

WOLFSBURG, GERMANY – OCTOBER 27: Martin Schmidt in Action (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Am Ende hat auch eine positive Transferpolitik im Sommer ihren Beitrag zum Umschwung geleistet. Einige der Sommertransfers stechen wirklich hervor. Ruben Vargas hat sein Potential mehrfach angedeutet. Florian Niederlechner ist ein absoluter Glücksgriff für den FCA und schon jetzt zum Bomber von bayrisch Schwaben aufgestiegen. Und in der Innenverteidigung konnten sowohl Felix Uduokhai als auch Tin Jedvaj ihre Qualitäten auf dem Platz zeigen. Wenn nun noch Carlos Gruezo wieder fit ist und helfen kann, dann war der Transfersommer gelungen. Die Kernleistung von Martin Schmidt war es allerdings in der Hinrunde, aus diesem Haufen von talentierten Einzelspielern eine Einheit zu formen, die zusammen hält und an einem Strang zieht. Ich hatte nicht mehr daran geglaubt, aber es ist Martin Schmidt bis dato wunderbar gelungen. Respekt dafür!

Das Problem der Trainerwahl

Bei der Trainerwahl hat der FCA mit Martin Schmidt somit nicht ganz daneben gelangt. Es scheint auch insgesamt eine der größten Herausforderungen zu sein, den richtigen Trainer für ein bestimmtes Team zu identifizieren. Es mutet etwas seltsam an, dass Clubs sehr viele Ressourcen in das Spieler-Scouting investieren, aber anscheinend kein funktionierendes Konzept haben, um einen neuen Trainer für ihre Mannschaft zu finden.

AUGSBURG, GERMANY – DECEMBER 07: Martin Schmidt klatscht mit Achim Beierlorzer, einem aktiven Trainer-Karussell Teilnehmer ab. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

9 Monate ist Martin Schmidt nun in Augsburg und damit belegt er bei den aktuellen Amtszeiten in der Bundesliga schon wieder einen Mittelfeldplatz. Viele Clubs haben in der Sommerpause oder auch schon in der laufenden Saison ihren Trainer erneut gewechselt. Andere Trainer – wie Lucien Favre in Dortmund – stehen immer wieder stark in der Kritik. Hertha BSC hat mit Jürgen Klinsmann nun erstmal eine Übergangslösung bis zum Saisonende gewählt, die gar nicht erst langfristig angelegt ist. Bei Hansi Flick in München weiß man auch nicht genau, ob das wirklich zu einer langfristigen Zusammenarbeit führt.

Der FCA setzt weiter auf Konstanz

Stefan Reuter hat beim FC Augsburg mittlerweile drei Trainer mit ausgewählt. Bei Markus Weinzierl zu Anfang hat er zumindest mit entschieden, ob dieser in Augsburg bleiben soll. Seine Einschätzungen an dieser Stelle lagen zumindest nie ganz daneben. Nur mit Dirk Schuster war man gar nicht zufrieden und entschied sich die Zusammenarbeit schnell wieder zu beenden. Aber Punkte hatte selbst Schuster damals gesammelt.

VERL, GERMANY – AUGUST 10: Martin Schmidt fragt sich manchmal auch, was das alles soll. Zusammen geht es trotzdem weiter. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Insgesamt gilt weiterhin: der FC Augsburg setzt weiter ganz bewusst auf Konstanz, auch wenn in der Liga mal wieder die Panik ausbricht. Wahrscheinlich ist das weiterhin das Zauberrezept, warum wir mittlerweile im neunten Jahr in der Bundesliga spielen. Als Trainer in der Liga hätte ich ein großes Interesse daran, irgendwann in Augsburg zu arbeiten. Die Rückendeckung der Vereinsführung ist formidabel. Die Jobsicherheit ist groß. So lange wir es schaffen, gute Trainer nach Augsburg zu locken, werden wir mittel- und langfristig Erfolg haben. Durch schwierige Phasen müssen allerdings auch wir durch – aber halt zusammen.

Wohin die Reise noch führt

Im Nachhinein wirkt es so, als ob Martin Schmidt in Wolfsburg schlicht nicht genug Zeit bekommen hätte. Derweil hatte er in Mainz eine sehr erfolgreiche Zeit, in der er die Mainzer sogar bis nach Europa geführt hatte und man sich am Ende einvernehmlich trennte. Dort kam am Ende die Frage auf, wie sich die Mannschaft sportlich weiterentwickeln könnte. Es wäre ein Luxus, wenn wir uns diese Frage in 1,5 Jahren auch stellen würden. So lange würde ich momentan hoffen, dass Martin Schmidt stabil in Augsburg weiter arbeiten sollte. Aber was wusste ich Anfang Oktober schon. Mal schauen, wann wir wieder aufs Karussell aufspringen.

Alle Jahre wieder

Es geht Richtung Vorweihnachtszeit. Nächste Woche ist schon der erste Advent und in Köln können wir dann rund ums Bundesligaspiel beim Effzeh Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trinken. Sportlich läuft es so lala. Zwei einzelne Siege stehen teilweise desillusionierende Darbietungen entgegen. Die Abwehr wirkt immer mal wieder sehr löchrig. Nach vorne können wir nicht konsistent für Gefahr sorgen. Ich hatte so viele Hoffnungen in diesen nominell so starken Kader. Längst nicht alle Hoffnungsträger können ihr Potential ausschöpfen, auch wenn einzelne wie Felix Uduokhai und Ruben Vargas herausstechen.

Was hab ich da angerichtet, wäre eine Frage, die sich Gregerl dieses Wochenende stellen sollte. (Photo by Christof STACHE / AFP via Getty Images )

Im Kader dieser Hinrunde gibt es wie immer Gewinner und Verlierer. Einer der Verlierer ist sicherlich Michael Gregoritsch. Gregoritsch war in den letzten beiden Jahren ein Spieler mit zentraler Bedeutung für den FCA. In seinem ersten Jahr in Augsburg hatte er direkt zweistellig getroffen und war an vielen spielentscheidenden Momenten beteiligt. Auch letztes Jahr kam er in 32 Bundesligaspielen zum Einsatz und konnte immerhin noch 6 Tore erzielen. Allerdings fing schon letztes Jahr die öffentliche Kritik an seiner Spielweise und Körpersprache an zu steigen. Nach dem Zugang von Florian Niederlechner, der an der Seite von Alfred Finnbogason in den letzten Spielen das Sturmduo bildete, schien Michael Gregoritsch gerade außen vor zu sein.

Der nächste bitte

Das hat in Gregoritsch gegärt, wie das Bier der Braumeister unserer schönen Stadt. Gregoritsch denkt gerade nicht mehr: Schönes Leben hier. Nun hat sich Gregoritsch deshalb gerade vor kurzem in eine Riege unzufriedener Fußballer eingereiht, die versuchen, über ihren öffentlichen Unmutsbekundungen ihren Abschied aus Augsburg zu forcieren. Immer wieder im Winter könnte eine Sitcom heißen, die sich mit den Geschichten von Augsburger Fußballern beschäftigt, die den Club gerade in dieser Jahreszeit verlassen wollen. Es ist zur Unsitte geworden, dass auch gestandene Spieler öffentlich die Organisation kritisieren. Wir erinnern uns sehr gut an die Kritik von Martin Hinteregger, die dazu führte, dass Hinteregger erst ausgeliehen und dann an die Frankfurter Eintracht verkauft wurde. Im letzten Jahr hatte auch Jeffrey Gouweleeuw den damaligen Trainer Manuel Baum in der Öffentlichkeit kritisiert. Weitere Undiszipliniertheiten von Spielern wie Caiuby oder Raul Bobadilla hat man in Augsburg lang toleriert, solange sie einen gewissen Rahmen nicht überschritten. Bei Caiuby war dann irgendwann das Fass voll und der FCA zog einen Schlussstrich. Zu spät, wie die deutliche Mehrheit konstatierte.

Der Fall Gregoritsch

Nun hat wohl auch Michael Gregoritsch beschlossen, das öffentliche Kritik an der Organisation der aussichtsreichste Weg ist, als er vor kurzem verkündete: “Hauptsache weg!”.  Er hätte schon im Sommer weg gewollt und nicht gedurft und jetzt wolle er aber unbedingt im Winter gehen. Das Problem bei Gregoritsch ist anders gelagert, als bei anderen Spielern vorher. Gregoritsch passt als Spielertyp nicht wirklich gut in Martin Schmidts Spielsystem. Das hat man immer wieder gesehen. Ich will Gregoritsch nicht unterstellen, dass er nicht trotzdem alles gegeben hat. Er hat zudem ausdrückliche Qualitäten, wenn er aus der Tiefe aufs Tor kommt. Seine Abschlüsse sind durch seine Abschlusssstärke auch aus der Distanz meist gefährlich. Auch im Strafraum hat er eine gute Trefferquote. Zudem hat Gregoritsch Ecken und Kanten und ist keiner der glatt-geschliffenen Profis, die rein auf ihre Karriere fokussiert sind und mit 25 Jahren ist er immer noch recht jung. Abseits des Feldes, hat er eine Organisation gegründet, mit der er sich aktiv in der Arbeit mit benachteiligten Kindern engagiert. Vorbildlich. Zumindest in diesem Bereich. Das unterscheidet ihn deutlich von einem Martin Hinteregger, der sich mittlerweile bei zwei Vereinen quasi herausgeekelt hat oder einem Caiuby, der regelmäßig zudem mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Ich gebe es zu, dass ich Gregerl grundsätzlich als Typen mag, auch wenn er offensichtlich eine Grenze überschritten hat. Und ich glaube, dass er Pech hatte und unter Martin Schmidt leidet, der ihn nicht seinen Stärken entsprechend eingesetzt bekommt. Damit muss er als Profi allerdings klar kommen.

Die Reaktion des FCA

Die Reaktion des FCA musste nun eine bedachte, aber trotzdem strenge sein. Gregoritsch ist 25 und hat noch 2,5 Jahre Vertrag in Augsburg. Der FCA hält alle Fäden in der Hand und darf sich nicht mehr öffentlich unter Druck setzen lassen. Als erste Reaktion sprach der FCA eine Geldstrafe aus und suspendierte Gregoritsch vorerst bis zum 26.11.2019. Leider hat der FCA nicht direkt einen Wechsel im Winter ausgeschlossen, außer der Verein würde mit Geld überschüttet. Der Verein kann es sich nicht erlauben, dass der Eindruck weiter verfestigt wird, solch öffentliche Aussagen wären eine gute Möglichkeit, sich aus Augsburg loszueisen. Sollte Gregoritsch nächste Woche nicht einsichtig sein, dann gehe ich davon aus, dass der FCA die Suspendierung auf unbestimmte Zeit ausdehnt und für Gregoritsch erst wieder im Winter die Türe zurück geöffnet wird. Im Zweifel muss der FCA Gregoritsch dauerhaft von der Mannschaft trennen, um solche Erpressungsversuche in der Zukunft zu unterbinden. Und den Wünschen des Spielers zum ersten Mal seit langer Zeit nicht nachkommen.

Fokus auf das Sportliche

Mit diesen Maßnahmen sollte es gelingen, den Fokus weiter auf dem Sportlichen zu belassen. Der Trend ging vor der Länderspielpause in die richtige Richtung und gerade gegen Hertha zu Hause und dann auswärts in Köln besteht die Möglichkeit sich etwas aus dem Keller herauszuarbeiten. Jetzt stehen die Spiele vor der Tür, in der die Mannschaft im direkten Vergleich mit Mannschaften aus dem Keller zeigen kann, dass sie nicht dorthin gehört. Ablenkungen, wie die von Gregortisch, sind ein Bärendienst für die Mannschaft. Gerade jetzt sollten sich alle gemeinsam darauf konzentrieren, sportlich positive Ergebnisse zu erzielen.

Nicht labern, arbeiten. Aufstehen, Fehler einsehen, weiter geht’s. #Augsburghältzusammen (Photo by Ronny Hartmann/Bongarts/Getty Images)

Bei seinem Wechsel hatte Gergoritsch noch gesagt: „Hier passt für mich alles. Daher habe ich mich auch langfristig gebunden und möchte die tolle Entwicklung des FCA in den nächsten Jahren gemeinsam mit dem Team weiterführen.“ Wenn man etwas langfristig entwickeln will, dann muss man auch mal schwierige Phasen zusammen durchstehen. Das auch mal Frust heraus bricht ist menschlich. Lieber Gregerl, sieh es ein, denn wir können dich spätestens jetzt nicht mehr wechseln lassen. Lass uns gemeinsam nach vorne schauen. Wo auch immer die Reise hingeht. #Augsburghältzusammen

Baum, Schmidt, scheißegal?

0:3 zu Hause gegen Leverkusen verloren. Diese Saison auch erst einmal gewonnen. Borussia Mönchengladbach kommt gerade erst richtig in Form und auswärts haben wir uns dort meist schwer getan. Dazu kassiert der FC Augsburg weiterhin zu viele Tore und schafft es manchmal schlicht nicht, selbst gefährlich zu werden. Es scheint, dass auch nach dem Trainerwechsel von Manuel Baum zu Martin Schmidt alles wie gewohnt abläuft. Manchmal erwischt die Mannschaft einen Sahnetag und überrascht einen Gegner. Meist mühen wir uns ab und im Regelfall führt das nicht zu vielen Punkten. Ist denn unter Martin Schmidt eine sportliche Entwicklung zu beobachten, die eine positive Tendenz hat? Oder verharren wir auch unter Martin Schmidt nur auf der Stelle bzw. rutschen langsam weiter ab?

AUGSBURG, GERMANY – SEPTEMBER 28: Martin Schmidt vor dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Es ist schwierig diese Fragen zu beantworten. Welche Fakten soll man hierfür heranziehen. Punkteschnitt? Geschossene bzw. kassierte Tore pro Spiel? Differenzierte statistische Marker wie “expected Goals” (xP)? Insgesamt ist die Zeitspanne, die Martin Schmidt Zeit hatte mit der aktuellen Mannschaft zu arbeiten zu kurz, um sich auf statistische Werte bei der Beurteilung zu verlassen. Bis zur Länderspielpause war der Kader quasi nicht vollständig oder verletzt. Im Vergleich zur letzten Saison gab es einen großen Umbruch. Welche Zeitperiode sollte man für die Betrachtung heranziehen? Momentan ist eine solche Betrachtung noch unsinnig.

Holt Martin Schmidt genug aus der Mannschaft heraus?

Ein Gefühl bleibt trotzdem und ist mir in den letzten Tagen mehrfach begegnet: Martin Schmidt sollte aus diesem Kader mehr herausholen. Diesem Gefühl liegen ja grundsätzlich zwei Annahmen zu Grunde. Zuerst dürfen wir uns freuen, denn unser Kader ist mittlerweile doch wieder recht beachtenswert. Für ein abschließendes Urteil bzgl. Tomas Koubek ist es mir zu früh, aber zumindest haben wir im Tor etwas getan. Auch die Viererkette wirkt nominell mittlerweile sehr stark. Max, Uduokhai, Jedvaj und Lichtsteiner sind zumindest mal eine Ansage. Jeff Gouweleeuw wird zusätzlich für Konkurrenz sorgen, nachdem er gerade wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. Auch offensiv sind wir stark wie seit langem nicht. Ruben Vargas zusammen mit Marco Richter außen und Alfred Finnbogason / Florian Niederlechner als Doppelspitze verkörpern die reine Torgefahr. Der Kader verfügt über sehr viele, sehr gute Einzelspieler.

Als zweites blicke auch ich wehmütig auf die bisherigen Ergebnisse. Nur ein Punkt zu Hause gegen Union Berlin. Auswärts abgeschossen und demontiert worden in Dortmund und Bremen (auch wenn es in Bremen am Ende knapper aussah nach der hoffnungsvollen zweiten Hälfte). Darf man das Pokalspiel in Verl in dieser Reihe noch nennen?Wir tuen das mal. Viele Momente in denen man zu Recht konstatieren kann: da war mehr drin. Und am Ende ist der Trainer verantwortlich dafür, was die Mannschaft auf dem Platz abliefert.

Ist der Kader so gut wie er gesehen wird?

Aber ganz so einfach ist es auch nicht. Es gibt einen Punkt, der mir etwas Sorgen bereitet, und den auch Martin Schmidt nicht so einfach lösen kann: Auch wenn unser Kader oberflächlich einen positiven Eindruck vermittelt, so gibt es doch einen Bereich, den ich nicht ausreichend mit Qualität besetzt sehe. Hierbei handelt es sich um das zentrale Mittelfeld. Defensiv wird es sehr eng hinter Daniel Baier und Rani Khedira. In Baiers Alter wird die Belastungssteuerung auch immer wichtiger und 34 Spiele in einer Saison werden es auch diese Saison schon nicht mehr. Carlos Gruezo ist verletzt und Jan Moravek Teilzeitkraft. Und Reece Oxford ist schlicht ein junger Hüpfer, denn wir nun doch eher im defensiven Mittelfeld einplanen und der Zeit braucht, um sich zu entwickeln.

FREIBURG IM BREISGAU, GERMANY – SEPTEMBER 21: Martin Schmidt vor der Partie in Freiburg (Photo by Robert Hradil/Bongarts/Getty Images)

Allerdings ist das Loch an dieser Stelle nicht ganz so groß, wie auf der 10er Position. In Schmidts System ist der Umschaltzehner ein essentieller Bestandteil. In schnellen Umschaltsituationen kann die Funktion auch von einem zweiten Stürmer übernommen werden, aber spätestens im Spiel mit dem Ball fehlt ein Spieler, der den Raum besetzt und die Ballzirkulation befördert. Michael Gregoritsch wirkte bei seinen Einsätzen in diesem System fehlbesetzt. Fredrik Jensen hat noch keiner unter Wettkampfbedingungen mal länger gesehen. Aus meiner Sicht wird es Zeit herauszufinden, ob er die Rolle übernehmen kann und was wir an ihm haben. Ich könnte mir vorstellen, dass Marco Richter das spielen kann. Es wäre eine schwierige Umstellung für einen jungen Spieler, der gerade seine Rolle gefunden zu haben schien. Im Ergebnis ist zumindest aus meiner Sicht der Kader nicht so stark, wie er von dem ein oder anderen vielleicht gesehen wird.

Wie sind die Ergebnisse bisher zu bewerten?

Dazu muss man die Ergebnisse in der Anfangsphase der Saison vielleicht auch mal einordnen. Das 1:1 gegen die Wundertüte Union Berlin war zu wenig. Aber seit der zweiten Hälfte in Bremen zeigt die Formkurve nach oben. Zu Hause gegen gut gecoachte Frankfurter gewonnen und in Freiburg – bei einer der Überraschungsmannschaften bisher – einen Punkt geholt. Wäre gegen Leverkusen der Spielverlauf glücklicher gewesen (Niederlechner am einen und Schieber am anderen Ende), dann würden wir ganz anders über die Situation nachdenken. So schlecht, wie die Ergebnisse insgesamt gesehen werden, sind sie dann vielleicht auch nicht. Dazu kann man fußballerisch das ein oder andere mitnehmen. Gegen Leverkusen wirkten wir endlich wieder stabil in der Abwehr. Tore schießen wir grundsätzlich auch wieder (Niederlechner!! Vargas!). Die nächsten Partien werden schwer (Gladbach, Bayern, Wolfsburg, Schalke), aber zumindest sollten wir etwas befreiter auftreten können. Vielleicht können wir ja in einer der Partien überraschen.

Ich fahre nun am Sonntag ein weiteres Mal nach Gladbach und habe an keine der Partien positive Erinnerungen. Zumindest nicht, wenn ich vor Ort war. Vielleicht fangen wir doch direkt dort an? In den nächsten Partien wird es viel darum gehen, dass die Mannschaft zeigt, dass sie keine Angst vor dem Verlieren hat, wenn sie als Underdog in die Partien gehen kann. Und damit meine ich nicht, dass wir uns schon wieder abschießen lassen. Defensiv stabil, aggressiv in den Zweikämpfen und offensiv mit Nadelstichen und wirklicher Entlastung. Mit der Leistung aus dem Spiel gegen Leverkusen werden wir dabei nicht weit kommen. Ich bin gespannt, ob das in den nächsten Wochen gelingen mag, dass wir mindestens zwei Gänge zulegen. Das Fundament haben wir uns gegen Frankfurt und Freiburg erarbeitet. Jetzt gilt es nach langer Eingewöhnungsphase sportlich die nächsten Schritte zu gehen.

P.S.: In Gladbach immer mit Maxi und Dani im Gedächtnis. Kämpfen, Simon!

Hopp Schmidt

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Als ich das Spiel gegen Bremen verfolgt habe, war ich zwischenzeitlich sehr besorgt. Unsere Mannschaft geriet unglücklich (“aus oder nicht aus, das ist hier die Frage”) in Rückstand. Stephan Lichtsteiner wurde auf Grund zweier gelber Karten vom Feld verwiesen, von denen ich keine von beiden gegeben hätte. Objektiv betrachtet war der Spielverlauf unglücklich, gerade weil der SV Werder Bremen sich als Chancentod präsentierte. Und so kam es, dass ich in der Halbzeit “nur” gehofft hatte, die Mannschaft möge nicht auseinander brechen wie zum Saisonabschluss in Wolfsburg oder in Dortmund. Die zweite Halbzeit machte dann doch Hoffnung auf mehr, genau wie die Dortmunder Niederlage bei Union Berlin, die damit nicht nur uns mehr geärgert haben als erhofft. Immer noch haben wir nur einen Punkt aus drei Spielen geholt. Aber wie soll man das zum jetzigen Zeitpunkt der Saison beurteilen?

Ich bin ja bekannt dafür, Dinge klar beim Namen zu benennen. Vor der Saison habe ich 3 Gründe benannt, warum uns dieses Jahr der Abstieg droht. Mir war es aber auch wichtig kurz später deutlich zu machen, dass wir Geduld mit dieser Mannschaft haben sollten. Zumindest bis zu dieser ersten Länderspielpause. Der Kader ist gefunden und die letzten Transfers abgewickelt. Einige Spieler sind bei ihren Nationalmannschaften. Trotzdem hat Martin Schmidt mit einem Großteil der Spieler die Möglichkeit zwei Wochen konzentriert zu arbeiten. Die Voraussetzungen sind dabei besser als zu Saisonbeginn. Dies liegt an folgenden Gründen

Qualität im Kader

Foto: Christoph Koepsel

Die Qualität im Kader wurde gerade in der Abwehr deutlich erhöht. Mit Tin Jedvaj kam ein kroatischer Nationalspieler von Bayer 04 Leverkusen. Mit Felix Uduokhai folgte ein ehemaliger U21 Nationalspieler vom Vfl Wolfsburg. Beide kennen die Liga. Uduokhai hat sogar schon unter Martin Schmidt in Wolfsburg gespielt. Unsere Innenverteidigung war seit dem ersten Abgang von Martin Hinteregger absolut unterbesetzt. Dieses Loch wurde geschlossen. Auch der späte Zugang von Stephan Lichtsteiner als Rechtsverteidiger sorgt auf einer Position der Sorgen zumindest für dieses Jahr für Ruhe. Zusammen mit den Verstärkungen der Offensive, die im Sommer gekommen waren (Vargas! Niederlechner!) hat Martin Schmidt den stärksten Kader zur Verfügung, seit er in Augsburg Trainer ist.

Geringere Verletzungssorgen

Foto: Christoph Koepsel

Alfred Finnbogason griff gegen Bremen wieder ins Geschehen ein und reiste nicht zur Nationalmannschaft. Raphael Framberger trainiert wieder, genau wie auch bei einigen anderen Spielern die Wehwehchen ausgeheilt sein sollten. Bis auf die Langzeitverletzten Jeffrey Gouweleeuw und Iago sollte Martin Schmidt seinen Kader vollständig zur Verfügung haben. Der Konkurrenzkampf im Training sollte hoch sein und jeder um seinen Platz kämpfen müssen. Die Verletzungssorgen sollten spätestens jetzt nicht mehr als Ausrede herhalten können.

Stabilität

Foto: Christoph Koepsel

Die Mannschaft hat in Bremen in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie an Stabilität gewonnen hat. Wir hatten mit einem Mann weniger bis zum Ende die Chance auf den Ausgleich. Dies ist eine Entwicklung, die ich in der Halbzeit des Bremen-Spiels noch nicht gesehen hatte. Wenn wir die Verunsicherung ablegen und endlich selbstbewusster auftreten, dann sollte es endlich vorangehen. Erste Zeichen davon konnte man in Bremen erkennen.

Aber erste Zeichen sind noch lange nicht eine gute Mannschaftsleistung über ein ganzes Spiel hinweg. Die haben wir Fans des FCA schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Und mit weniger brauchen wir uns auch nicht zufrieden zu geben. Je nach Gegner und Spielverlauf müssen wir dann immer noch nicht gewinnen. Aber zumindest das Leben müssen wir ihm schon schwer machen und unsere Qualitäten zeigen. Das erwarte ich jetzt schleunigst schon gegen Frankfurt zu Hause. Martin Schmidt muss dafür Sorgen, dass die Mannschaft funktioniert und Leistung abliefert. Ansonsten könnte ich mir gut vorstellen, dass die Geduld mit Schmidt auch Grenzen kennt. Und ich meine damit nicht nur meine eigene. Denn noch ist in dieser Saison noch gar nichts verloren und die Träume von vor Saisonbeginn noch nicht komplett verflogen. Es liegt jetzt am Trainer doch langsam mal zu zeigen, dass er die Mannschaft kontinuierlich verbessern kann. Lasst uns dafür Sorgen, dass die Mannschaft dafür gegen Frankfurt den nötigen Rückenwind von den Rängen erhält.