Graue Maus ade, ohje

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne “Einwurf aus der Rosenau Gazette” bei presse-augsburg.de. 

Das erste Pflichtspiel ist in der Saison 2021/22 schon wieder Geschichte. Man will sich auf die Bundesliga freuen. Derweil, es fällt mir in manchen Momenten schwer. Warum, fragt ihr euch vielleicht. Ich versuche es zu erklären.

Wenn ich von Fans anderer Vereine angesprochen werde, wie langweilig der FC Augsburg doch sei, dann empfinde ich das als Kompliment. Kompliment deswegen, weil es genügend Clubs gibt, die negativ immer wieder auffallen und auch deswegen konsequenterweise in den letzten Jahren abgestiegen sind. Letzte Saison hat es nun Schalke 04 erwischt. Ein paar Jahre vorher konnte sich der HSV nicht mehr retten. Wenn der FCA als „graue Maus der Bundesliga“ bezeichnet wird, dann sehe ich das als eine Art Auszeichnung. Darauf kann man aufbauen und sich weiterentwickeln.

Die Vorfreude könnte groß sein vor der kommenden Saison. Der Blick ist trotz Jubel über den ersten Sieg getrübt. (Copyright: Eibner-Pressefoto / Buenning EP_ABG via Imago)

Und dabei stößt mir dann gar nicht so recht negativ auf, dass es mit einem Spieler mal etwas Uneinigkeit gibt, und man sich nicht immer unter den besten Voraussetzungen trennt. Bei 30 Spielern im Kader kann nicht ein jeder immer zufrieden sein und der ein oder andere ist auch mal schlecht beraten und das Theater kommt an die Öffentlichkeit. Mund abputzen, weitermachen. Bye, bye Kevin Danso. So lange Leistungsträger wie Ruben Vargas oder Rafal Gikiewicz verlängern, alles kein Problem.

Bei all dem Fokus auf das Sportliche, den dieser Zirkus mit sich bringt, verliere auch ich manchmal den Blick auf das Wesentliche. Klaus Hofmann hatte als Ziel seiner Präsidentschaft beim FC Augsburg ausgerufen, dass er mehrere eigene Jugendspieler in der ersten Elf der Bundesligamannschaft sehen will. Gerade deshalb wird und wurde in den letzten Jahren schon viel Geld in die Infrastruktur gesteckt. Nur die Infrastruktur selbst trainiert keine Mannschaft und verbessert keinen Spieler. Das machen die Trainer im Jugendbereich.

Die Trainer sind der Kern des Nachwuchsleistungszentrums. Und gerade hier ist der FCA nun negativ in die bundesweiten Schlagzeilen gerückt, auch schon bevor 61 Mitarbeiter des Zollamts Unterlagen mitgenommen hatten, um “Beschäftigungs- und Entlohnungsmodalitäten von nebenamtlich beziehungsweise ehrenamtlich beschäftigten Fußballtrainern” zu untersuchen. Einer der Augsburger Jugendtrainer hat bei WDR Sport Inside den Vorgang wie folgt kommentiert:”Es ist gut, wenn jetzt was passiert. Die Trainer dort wurden lange genug ausgebeutet.”

Gegenüber Sport Inside hatte der FCA widersprochen:”Wir halten uns mit unseren Vereinbarungen an das Mindestlohn-Gesetz und können den von Ihnen geschilderten Sachverhalt mit der Behauptung eines ehemaligen Nachwuchstrainers nicht bestätigen.” Derweil sich bei der Augsburger Allgemeinen weitere Trainer gemeldet hatten, die die problematischen Umstände bestätigten. Untersucht wird das Ganze nun von der Staatsanwaltschaft und wir werden sehen, zu welchen Ergebnissen das Verfahren kommt.

Das reine Abklatschen ist nicht mehr. Dafür hat der Ruf zuletzt zu sehr gelitten. (Copyright: Eibner-Pressefoto / Buenning EP_ABG via Imago)

Schuld und Unschuld aus rein rechtlicher Perspektive sind das Eine, die moralische Komponente etwas ganz Anderes. Auch wenn es rein rechtlich möglich sein sollte, die Jugendtrainer so zu bezahlen, wie in der Vergangenheit geschehen (und dies wird nun ja wohl gerichtlich geklärt werden), so wird diese Bezahlung ja nicht im geringsten dem Stellenwert der Jugendtrainer in der Organisation gerecht. Als Mitglied kann man sich ja wohl verhöhnt vorkommen, wenn es wieder heißt: jeder Euro geht in die Jugend. Es müsste eher heißen: euer Geld fließt nicht in eine angemessene Bezahlung der Jugendtrainer. Im Gegenteil. Auch das Gerede von der FCA-Familie, ist dann halt auch nur genau das: Gerede. Vom Umgang Mensch zu Mensch in der Organisation mal ganz zu schweigen.

Auf der nächsten Mitgliederversammlung gäbe es viel zu besprechen. Nachdem Klaus Hofmann Anteile am Verein hinter dem Rücken der Mitglieder an einen amerikanischen Investor weiterverkauft hatte, ist dies nun das zweite Thema innerhalb von wenigen Monaten, bei dem ich mir als Mitglied verwundert die Augen reibe. Auch beim vorliegenden Thema wird natürlich nicht proaktiv von Seite des Vereins kommuniziert. Mit Verweis auf das laufende Verfahren hat man diesmal vielleicht sogar eine gute Ausrede gefunden. Als Mitglied fragt man sich aber als erstes: wann wird es denn nun wohl diese Mitgliederversammlung geben? Dort geht es dann mehr als nur ums Sportliche, sondern um die Identität und Werte unseres Vereins. Ich glaube, dies wird spannender und bedeutungsvoller als jeder Abstiegskampf. Wie gerne wäre ich da einfach wieder nur die graue Maus.

Der Markus und die Jugend

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Offensichtliche Erleichterung. Auch darüber, in der letzten Woche nicht wie der FC aus Köln in der Relegation zittern zu müssen. Nach einer sehr desillusionierenden Saison unter Heiko Herrlich Hoffnung zu haben, dass sich etwas verbessert. Etwas ist vor allem das Sportliche. Mit Markus Weinzierl ist der Trainer zurück, unter dem der FC Augsburg am konstantesten guten Fußball zeigen konnte. Weinzierl kennt das Augsburger Umfeld und die beteiligten Akteure. Aber auch unter Weinzierl war nicht alles Gold, was glänzte.

Unpopuläre Entscheidungen werden bleiben

Gerade im letzten Sommer haben wir auch darüber gesprochen, wie manche Entscheidungen in Bezug auf verdiente Spieler wie Daniel Baier, auch zu Kritik geführt hatten. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Beispielhaft möchte ich an eine der schlimmsten Personalentscheidungen aus der ersten Weinzierl-Amtszeit erinnern. Der Spieler, der heute nur noch als “die Wampe von Giesing” bekannt ist, hatte noch am letzten Spieltag gegen Gladbach getroffen und den FCA endgültig nach Europa befördert. In einer Zeit als der Titel “der Augsburger Neuer-Killer” keine Übertreibung war, fand sich in der Folgespielzeit noch nicht mal mehr ein Platz im Kader (!) für die Europa League. Das Ende der Zeit von Sascha Mölders beim FCA war eingeläutet und die Entscheidung hat mich damals ähnlich getroffen, wie die Vorgänge im letzten Sommer.

(Sascha: Es braucht farblich Motive, die man als Augsburg Fan auch tragen kann. Dein Umsatz würde sich schlagartig verbessern. Details können wir gerne bei einem Kaltgetränk diskutieren).

Was kann die Jugend mittlerweile

Der Umgang mit Sascha Mölders war umso verwunderlicher, weil Markus Weinzierl immer sehr gut mit erfahrenen Spielern konnte. Dies war grundsätzlich während seiner ersten Amtszeit nie ein Kritikpunkt. Der lag damals eher in der Integration von Jugendspielern aus dem eigenen Nachwuchs. Weinzierl hatte das damals – anders als seine Nachfolger später – am Entwicklungsstand der Jugendspieler festgemacht. Während Weinzierl noch feststellte, dass die Spieler (u.a. Raphael Framberger und Ioannis Gelios) mindestens 2-3 Schritte von der Bundesligamannschaft weg wären, während seine Nachfolger Dirk Schuster und Manuel Baum die gleichen Spieler recht schnell ins Bundesligawasser warfen.

Maurice Malone kommt mit viel Rückenwind von seiner Leihe zurück (Foto via Imago)

Ein Vorteil für Weinzierl wird sein, dass die Arbeit des Nachwuchsleistungszentrums in der Zwischenzeit weiter professionalisiert wurde. Der FC Augsburg ist auch nach Ansicht von Experten im Umfeld anderer Vereine auf dem Weg in der Region hinter dem FC Bayern die Nummer 2 im Jugendbereich zu werden. Spieler wie Kevin Danso spielen Stamm in der zweiten Liga. Jozo Stanic und Maurice Malone sammeln schon viel Erfahrung in der dritten Liga. Insgesamt lässt sich so schnell feststellen, dass der Nachwuchsbereich und die Jungprofis weiter sind, als noch während Weinzierls erster Amtszeit.

Es braucht die Überzeugung

Das gilt zumindest in der Breite. In der Spitze hatte der FC Augsburg schon unter Weinzierl Talente, die weit genug für die Bundesliga waren. Zu nennen ist hier zuallererst Erik Thommy. Thommy wurde einige Mal verliehen, um Spielpraxis zu sammeln und durfte dann in Augsburg in die Bundesligamannschaft reinschnuppern. Seine Perspektive sah er dann trotzdem nicht mehr hier sondern beim VfB Stuttgart. Seine Leistungen waren dann durchaus durch Formschwankungen geprägt, wobei Erik Thommy fit und in Form einer der aufregenderen Offensivspieler in der Liga ist.

Erik Thommy fehlte am Ende die Überzeugung an eine Entwicklung in Augsburg. Zuletzt gewann er mit dem VfB gegen seinen alten Verein (Foto via Imago)

Der fehlende Glaube an die Perspektive in Augsburg hat dabei aus meiner Sicht zwei Komponenten. Einerseits wurde mit Christoph Janker jemand installiert, der als Bindeglied zwischen Jugend- und Profibereich fungiert und den Kontakt auch zu Leihspielern hält. Hier hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Andererseits braucht es dennoch einen Trainer, der hier die nötige Überzeugung und das Vertrauen vermittelt, die Geduld für Jugendspieler mitzubringen. Dies hat Weinzierl bisher nicht unter Beweis gestellt.

Episode oder langfristige Lösung?

Dies führt am Ende dazu, dass sich bei Markus Weinzierl die Frage stellt, ob er mit Blick auf die langfristige Vision des FC Augsburg der richtige Trainer ist. Klaus Hofmann hatte betont, wie wichtig es ihm ist, dass sich in der Zukunft eine Reihe von Augsburger Eigengewächsen in der Startelf des FCA wiederfindet. Der Nachwuchsbereich ist soweit auf einem guten Weg, um immer wieder Kandidaten hervorzubringen. Nun braucht es einen Trainer, der an die Jungs glaubt und ihnen bei diesem Schritt hilft.

Derweil es natürlich ein verdammtes Luxusproblem ist, sich hierüber vor der elften Saison in der Bundesliga Gedanken zu machen. Michael Ströll hatte unlängst kommuniziert, dass aus wirtschaftlichen Gründen kein Spieler verkauft werden müsse (und Felix Uduokhai somit bei einem Abgang mindestens 20 Mio. EUR kosten sollte). Dazu traut wohl das gesamte Umfeld Weinzierl zu, den FCA sportlich wieder hinzubekommen. Der Fußballromantiker in mir träumt nun davon, dass wir mit Markus Weinzierl unseren Christian Streich gefunden haben. Und da wird einer der entscheidenden Punkte bei der Integration der Jugendspieler liegen. Es bleibt zu hoffen, dass Markus an den richtigen Stellen während seiner freien Zeit hospitiert hat. Ich deute das Petkov-Debüt am letzten Spieltag zumindest schon mal so.

Die Saison des Maurice Malone

Maurice Malone ist ein echter Augsburger Jung. Am 17. August 2000 in der Fuggerstadt geboren, schnürt er seit seinem achten Lebensjahr die Fußballschuhe für den FCA. In der aktuellen Saison ging er sehr erfolgreich für den Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden auf Torejagd. Die Leihe endet zum 30.06.2021. Was zeichnet den Youngster aus? Sehen wir den 20jährigen Deutsch-Amerikaner in der kommenden Saison vielleicht im FCA-Trikot? Und wie hat er sich in der dritten Liga so geschlagen? Eine Einschätzung.

Wer ist dieser Maurice Malone?

Wie eingangs schon erwähnt, ist Maurice Malone ein gebürtiger Augsburger, der mittlerweile 20 Jahre alt ist. Seit 2008 kickt der Offensivspieler beim FC Augsburg, zuerst in der Jugend und zwischen 2018 und 2020 in der zweiten Mannschaft. Im Jahr 2019 hat Malone seinen ersten Profivertrag beim FCA unterschrieben, nachdem er 11 Jahre lang alle Jugendstationen des Vereins durchlaufen hat. Funfact am Rande: Maurice spielte (bis 2020) nie für einen anderen Club als den FCA. Er identifiziert sich demnach sehr mit seinem Heimatverein:

„Der FCA bedeutet mir sehr viel, weil ich mein komplettes Fußballleben hier verbracht habe.”

Maurice Malone auf der FCA Website

Ebenfalls war Malone für diverse Nachwuchsnationalmannschaften des DFB im Einsatz. So durfte er neun Mal für die U17 antreten sowie je zweimal für die U18 und U19. Dabei erzielte er insgesamt drei Treffer. In der B-Junioren Bundesliga wurde Maurice in der Saison 2015/2016 Torschützenkönig mit 24 Treffern in 26 Spielen. Seine sportlich erfolgreichste Zeit verbrachte er bei der U17-Nationalmannschaft, denn er nahm im Jahr 2017 sowohl an der U17-Europameisterschaft (in Kroatien) als auch an der Weltmeisterschaft (in Indien) teil und kam insgesamt zu fünf Einsätzen.

Maurice Malone war einst eine große Sturmhoffnung im deutschen Nachwuchsfußball (Foto via Imago)

Ein weiterer Funfact: Der 17jährige Kevin Malone, Torhüter der U19 des FCA, ist der kleine Bruder von Maurice Malone. Seit 2018 spielt dieser beim FCA im Nachwuchs, zuvor schnürte Kevin Malone beim FC Königsbrunn die Fußballschuhe.

Wie hat er sich bisher beim FCA geschlagen?

In der U19 sowie im Anschluss in der zweiten Mannschaft des FCA war Maurice sehr gut integriert. Schnell hatte sich der agile Angreifer in dem jeweiligen Team und der Liga akklimatisiert. Seine Statistiken sprechen hier eine deutliche Sprache: In der Regionalliga Bayern gelangen Maurice für die “Zwote” neun Tore und 1 Assist in 18 Spielen.

Zuvor hatte er in der U19-Bundesliga in 23 Partien 13 Treffer und zwei Assists erzielt. Zudem traf er einmal im DFB-Pokal der Junioren für den FCA. Beim FCA ist ihm das Profidebüt bisher verwehrt geblieben, in 2019 stand er beim Bundesligaspiel gegen RB Leipzig zwar im Kader, jedoch ohne Einsatz. Auch beim Auftaktspiel der Saison 19/2o gegen den BVB und beim blamablen Erstrunden-Aus im DFB-Pokal gegen den SC Verl war Maurice jeweils (einsatzlos) im Kader. Die restliche Saison verblieb er überwiegend in der Augsburger Reserve – ohne weitere Kaderberufung in der Bundesligamannschaft.

Einen solchen treffsicher-agilen Angreifer aus dem eigenen Nachwuchs können wir in Augsburg eigentlich gut gebrauchen – doch wird Markus Weinzierl auf ihn bauen? (Foto via Imago)

Wie macht sich Maurice in Liga 3?

Mittlerweile ist Maurice Malone im deutschen Profifußball angekommen. Nach einer sportlich erfolgreich Saison in der Augsburger Reserve wechselte er per Leihe in der Saison 2020/21 zum Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden. Bei den Hessen war er Neuzugang Nummer fünf in der Sommerpause. Wiesbaden-Trainer Rüdiger Rehm bescheinigt dem Offensivspieler jedenfalls sehr viel Potenzial: „In der Offensive ist er mit seinem hohen Tempo sehr variabel einsetzbar”, weiß Rehm. Der Sportdirektor der Hessen, Christian Hock, ergänzt: „Der Junge weiß, wo das Tor steht und hat mit seiner Quote schon als A-Jugendlicher Begehrlichkeiten geweckt.“

Der FCA lies in Person von Stefan Reuter zu dieser Leihe verlauten:

„Maurice hat das Talent, sich eines Tages in der Bundesliga beweisen zu können. Um ihn behutsam an dieses Top-Niveau heranzuführen, ist die Leihe ein weiterer wichtiger Schritt in seiner Karriere. Wir sind überzeugt, dass er in der 3. Liga zu seinen Einsatzzeiten kommen wird und dort einen Sprung in seiner Entwicklung machen kann.”

Quelle: Transfermarkt

Bei den Hessen absolvierte er im Laufe der Saison 35 Spiele, bei 38 möglichen Einsätzen. Bei seinen 35 Spielen stand er in 71% der Partien in der Startelf. Mit seinen 12 Treffern ist er Top-Torschütze des SV Wehen-Wiesbaden in der seit kurzem abgelaufenen Spielzeit. Zudem lieferte er neun Vorlagen. Dies entspricht einer Beteiligung an 36% aller Wiesbadener Toren.

Notentechnisch (basierend auf dem Notensystem des Kickers) ist Maurice nur auf Platz sechs aller Spieler des SV Wehen-Wiesbaden angesiedelt – mit einem Notendurchschnitt von 3,40. (Quelle: Kicker) Hierbei schaffte er es einmal in die Kicker-Elf des Spieltages. Mit 21 Scorerpunkten (12 Tore, 9 Assists) schafft er es in dieser Saison in die Top 10 der dritten Liga. Vor ihm in der Tabelle stehen erfahrene Spieler wie Ex-Augsburger Sascha Mölders, Sercan Serarer oder Terence Boyd.

Zuletzt wurde sein Marktwert bei Transfermarkt deutlich aufgewertet. Transfermarkt begründet diese Aufwertung wie folgt:

“Ein weiterer Shooting-Star der bisherigen Drittligasaison ist Maurice Malone vom SV Wehen Wiesbaden. Der 20-jährige Leihspieler des FC Augsburg überzeugt sowohl mit einer beeindruckenden Physis als auch mit einer feinen Technik. Dank dieses Gesamtpakets kommt der offensiv flexibel einsetzbare Malone bereits auf sieben Tore und sechs Assists. Künftig wird sein Marktwert auf 500.000 Euro beziffert (+150.000 €).”

Quelle: Transfermarkt

Was für ein Spielertyp ist Maurice Malone?

Wie Rüdiger Rehm schon durchblicken ließ, ist Malone ein polyvalenter Spieler, kann also auf mehreren Positionen gewinnbringend eingesetzt werden. So spielt er in dieser Saison zwar überwiegend auf dem linken Flügel, kann jedoch genauso gut Rechtsaußen spielen oder als Mittelstürmer agieren. Und dies ohne großartigen Leistungsabfall. Im Laufe der aktuellen Spielzeit hat er dies nicht nur einmal beweisen können, sondern wurde auf sechs Positionen mindestens einmal eingesetzt:

In 17 Partien spielte Maurice im linken Mittelfeld, hierbei traf er fünf Mal selbst und gab sechs Torvorlagen. Dies kann man durchaus als seine Paradeposition bezeichnen. Sechs weitere Partien bestritt er als Mittelstürmer, seine Ausbeute hier ein Tor und zwei Assists. Als hängende Spitze wurde er fünf Mal aufgestellt und traf hierbei fünf Mal ins gegnerische Gehäuse und gab eine Torvorlage. Eine richtig starke Quote! Vier Partien stellte Trainer Rehm den Linksfuß im rechten Mittelfeld auf, auch hier war er mit zwei Toren durchaus erfolgreich. Jeweils ein Spiel bestritt er Rechtsaußen (1 Assist) sowie im zentralen Mittelfeld (keine Torbeteiligung).

Bleibt er bei Wehen-Wiesbaden?

Wehen-Wiesbaden macht sich nach solch einer klasse Saison natürlich Gedanken um den flinken Offensivspieler. Mit 20 Jahren ist er längst nicht an seiner Leistungsgrenze angelangt, ist hungrig und torgefährlich. Tugenden, die dem ambitionierten Drittligisten gut zu Gesicht stehen. Dieses Jahr haben die Hessen den Aufstieg in die zweite Liga verpasst, nachdem es bis März tabellarisch gut für den Verein aussah. Einige Abgänge haben sich nach dieser Saison schon angekündigt, unter anderem verlässt Mittelstürmer Tietz die Wiesbadener – er wechselt zum SC Darmstadt 98 in die zweite Liga.

Gerne würde der Club Maurice Malone halten. Die Entscheidung über eine möglicherweise weitere Leihe oder gar eine feste Verpflichtung steht noch aus, so berichtete zuletzt der Wiesbadener Kurier am 21.05.2021 in seiner Online-Ausgabe. Den Ligaabschluss hatten die Hessen am Samstag gegen den bereits feststehenden Aufsteiger Dynamo Dresden nicht wirklich erfolgreich gestalten können. Man verlor mit 1:0 gegen die Sachsen.

Am 29.05. trifft man nun im Hessenpokalfinale auf den TSV Steinbach Haiger, den auch die Augsburger übrigens sehr gut kennen, um sich bei einem Sieg für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Im Transfermarkt-Forum der Weher munkelt man, wohl auch auf Basis eines Plus-Artikels des Wiesbadener Kuriers, dass an Maurice Malone mehrere Vereine interessiert sind. Welche Clubs dies konkret sind, ist unklar.

Oder kommt er zurück zum FCA?

Transfermarkt-User Flixxel1860 schätzt die Chance des gebürtigen Augsburgers beim FCA wie folgt ein: “(…) Nachdem er mit der optimalen Einsatzzeit auch optimal viele Tore und Assists in seiner Statistik hat, kann er m.E. übergangslos in der 1.Liga in Augsburg einsteigen. (…).”

Ob der Übergang so nahtlos sein wird, steht derzeit noch in den Sternen und lässt sich natürlich schwer prognostizieren. Die dritte Liga und die erste Liga sind natürlich wenig vergleichbar. Aber in der Vergangenheit haben sich beim FCA Spieler wie André Hahn oder Ibrahima Traore aus unterklassigen Ligen direkt und schnell akklimatisieren können. Maurice bringt jedenfalls einiges mit, was es in der deutschen Beletage benötigt: Schnelligkeit, Robustheit, stark im Dribbling und einen guten Torabschluss. Er selbst sagt über sich:

“Meinen linken Fuß würde ich schon als Waffe bezeichnen”

Quelle: Liga 3 Online

Zudem die bereits erwähnte Polyvalenz, die ihn so wertvoll macht: Er kann hinter den Spitzen, als einzige Spitze, links und rechts außen spielen. Diese Eigenschaft kann jeder Profikader gut gebrauchen diesertags. Verletzungsanfällig ist er bis dato auch nicht. Transfermarkt listet für den 20jährigen jedenfalls keine Verletzung seit Anbeginn seiner Profikarriere auf. (Quelle: TM)

Vielleicht kann er in der Sommervorbereitung unter Neu-Trainer Markus Weinzierl glänzen. Kennen wird ihn der FCA-Coach vermutlich nicht direkt persönlich, beim ersten Amtsantritt Weinzierls in Augsburg war Malone gerade mal 12 Jahre alt. Aber mehr Chancen sollte er unter dem Niederbayer sicherlich haben als noch unter Heiko Herrlich. In den letzten beiden Sommervorbereitungen durfte Maurice Malone bei den Profis mitkicken und bestritt auch einige Testspiele. Hierbei gelangen ihm wichtige Tore, wie das 2:1 im Testspiel gegen Dynamo Dresden im März 2019 oder das entscheidende Tor zum Turniersieg in Heimstetten 2020 gegen Borussia Mönchengladbach. Da waren die guten fußballerischen Ansätze definitiv schon zu sehen.

Mit seinen Stärken würde er auch sehr gut ins Augsburger System passen, die Schnelligkeit ist hierbei ein großes Plus sowie der torgefährliche Abschluss. Dies ist beispielsweise ein Manko bei den derzeitigen Offensivspielern des FCA – wie Gregoritsch (1 Tor), Finnbogason (0 Tore), Niederlechner (4 Tore) oder Marco Richter (3 Treffer). Die beiden torgefährlichsten Spieler im FCA Dress waren in der abgelaufenen Saison die beiden Oldies Hahn (7 Tore) und Caligiuri (6 Tore). Auch Ruben Vargas kommt auf 6 Treffer.

In der Hinrunde der 3. Liga gingen 76% der Angriffe des SV Wehen-Wiesbaden über die Flügel, bevorzugt über den linken – diesen Part bekleidete zumeist Maurice Malone. Tiefenläufe und Steilpässe waren oft ein probates Mittel, um die Gegner auszuhebeln. Ein schnelles Umschaltspiel war hier Grundvoraussetzung. Ein 1860-Fanblog schrieb im Dezember 2020 vor der Partie gegen Wehen-Wiesbaden folgendes über Maurice:

“Topscorer Maurice Malone (#11) ist sicherlich der Akteur, auf den die Löwen am meisten aufpassen müssen. Mit allen Freiheiten ausgestattet kann der wie ein Schattenstürmer agierende Spieler überall auftauchen und seine Mitspieler entsprechend in Szene setzen oder selbst den Abschluss suchen. 55% seiner Schüsse gehen aufs Tor. Fünf Vorlagen und sechs Tore hat er bisher auf dem Kerbholz.”

Quelle: sechzger.de

Sollte uns der heißbegehrte Ruben Vargas – der im Sommer die EM spielen wird und sich dort ins Schaufenster stellen kann – oder der verletzungsanfällige Noah Sarenren Bazee verlassen, könnte Maurice Malone eine Alternative sein. Aber auch ohne einen Abgang der beiden denke ich, dass sich Maurice Stand heute der Konkurrenz stellen kann.

In der Rückrunde 2021 wurde Malone für ein Spiel suspendiert, auch dies gehört zu einem Lernprozess unweigerlich dazu. Wehen-Trainer Rehm sagte hierzu nur so viel: “Ja, er hat uns richtig gefehlt heute. Aber Disziplin und Pünktlichkeit im Team sind das oberste Gebot!” Aber auch ein Ruben Vargas, 22 Jahre jung, macht noch einen Lernprozess durch, wie man bei seiner roten Karte gegen Bremen gesehen hat. Ebenjener Flügelspieler startete ebenfalls mit jungen 21 Lenzen in Augsburg durch – und dies sogar fernab seiner Heimat.

Vielleicht sollte man Maurice Malone einmal die Chance geben, verleihen kann man den jungen Spieler immer noch. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt – das sagt man doch so schön. Und ein wenig Mut, ein wenig mehr Vertrauen in den eigenen Nachwuchs täte sehr gut. Bei Marco Richter ist dies zuletzt voll aufgegangen, bei Erik Thommy hat man zwei Jahre zuvor deutlich zu lange gewartet und das Augsburger Eigengewächs geht seither abseits des Lechs einer mehr oder minder erfolgreichen Karriere nach.

Malone könnte nach Richter, Framberger, Asta, Danso, Civeja und zuletzt Petkov der nächste Nachwuchsspieler sein, der das Bundesligadebüt schafft und zu einem Erstliga-Einsatz im FCA-Dress kommt. Die Chance verdient hätte er sich wohl allemal.

Die Jugend von heute – die Zukunft von morgen?

Die Jugend von heute ist unser aller Zukunft. Dies ist im Arbeitsleben so, dort drängen die Generationen Y und Z nach vorne. Man sagt ihnen nach, vom Stereotyp her ganz anders zu sein als die Generationen zuvor. Sie wollen beispielsweise die Welt verbessern. Sind unter anderen Rahmenbedingungen aufgewachsen als die Vorgänger-Jahrgänge. Und werden vom demographischen Wandel stark profitieren, da der Fachkräftemangel dann spür- und sichtbar sein wird.

Auch im Fußball setzt man heutzutage verstärkt auf die Jugend und den Nachwuchs. Um dieses Ideal zu fördern und auszubilden, beherbergen Bundesligaclubs in Deutschland zumeist ein Nachwuchsleistungszentrum. Hier trainieren Kinder sowie Jugendliche schon in jungen Jahren unter höchst professionellen Bedingungen und wollen bestenfalls den Weg bis zum Profivertrag einschlagen. Das erklärte Ziel? Die Bundesliga! Manch einer hat es beim FCA schon geschafft, und wir haben es gefeiert! Und nochmal gefeiert. Wer wird der nächste sein?

Augschburger Jungs

Der FC Augsburg – als unser aller Herzensverein –  unterhält seit 2007 ein eigenes Nachwuchsleistungszentrum. Das an der Donauwörther Straße liegende Areal wurde früher auch von der Profimannschaft genutzt, bevor diese ihre Trainingsplätze an die WWK-Arena in den Augsburger Süden verlegt hat. Heute spielen die eigene A-und B-Jugend in der höchsten Spielklasse Deutschlands, der Bundesliga Süd/Südwest. Auch die jüngsten Kicker messen sich regelmäßig in eigens gegründeten Nachwuchsligen mit den Spitzenfußballern der deutschen Elite. Die deutschen Proficlubs investieren also ganz stark in den Juniorenbereich – sind diese doch unsere Zukunft!

Die Augsburger U19 wurde in den 90er Jahren einmal deutscher A-Jugend-Meister (92/93) sowie gar viermal Pokalsieger – quasi in Serie (90/91, 91/92, 93/94, 94/95) – und ist somit seither die erfolgreichste Augsburger Fußballmannschaft. Der Libero des damaligen Pokalsiegers aus Augsburg hieß übrigens Thomas Tuchel. Na, wem kommt dieser Name heute im Jahre 2020 bekannt vor?

The next generation

Oft stellt man sich die Frage, welchen Stellenwert die Jugendarbeit bei Bundesligisten einnimmt. Ich denke, einen sehr großen. Denn: Wie man bei kleinen Clubs  – á la Freiburg und Mainz – sieht, kann die Nachwuchsarbeit finanziell und personell sehr lukrativ sein und die harte Arbeit fruchten. Beste Beispiele aus den letzten Jahren sind Christian Günter vom SC Freiburg, Arne Maier von Hertha BSC. Oder Florian Neuhaus von Borussia Mönchengladbach.

Sicherlich kann man da noch weitere berühmt-berüchtigte Namen in den Ring schmeißen wie Kai Havertz, die Eggestein-Brüder, Alex Nübel oder Luca Waldschmidt. Aber heutzutage sind diese in jungen Jahren bereits zu Bundesliga-Leistungsträger gereiften Spieler eher Randerscheinungen, wenn man den zahlreichen medialen Artikeln Glauben schenken darf. Die Nachwuchsspieler schaffen es scheinbar immer weniger, sich in der ersten Liga als Stammkraft oder wenigstens als Teilzeitkraft zu etablieren.

Dort im Unterbau der Proficlubs reifen Talente zu Nachwuchsfußballern und bestenfalls zum Profi heran, um den arrivierten Kräften den Platz streitig zu machen und den eigenen Traum vom Profivertrag zu leben.  Dass der FCA eine recht erfolgreiche Jugend hat, lässt sich recht schnell anhand der FCA-Homepage feststellen. Die U15 ist bayerischer Hallenmeister, ein begehrter Titel – egal, in welcher Altersklasse. Die U14 gewinnt das Hallenmasters-Turnier in Simbach, im Finale schlagen sie den Favoriten FC Bayern mit 2:0.[1] Viele Augsburger Talente werden zudem regelmäßig zu den Nachwuchsnationalmannschaften ihres Landes eingeladen. Ob zur deutschen U17 (wie Davide Dell’Erba) oder beispielsweise zur kroatische U16, die gleich zwei Augsburger Nachwuchskicker beruft .[2]

Auf den Spuren von Richter und Co.

Bei all diesen glorreichen Titeln und den scheinbar sehr erfolgreichen Junioren muss dennoch betrachtet werden, welche Spieler aus den eigenen Reihen es zuletzt in den Profikader geschafft haben. Und welche Nachwuchskicker den Sprung in die erste Liga zukünftig schaffen könnten. An Vorbildern mangelt es wahrlich nicht, wobei nicht alle der nachfolgend aufgezählten einen Stammplatz beim FCA innehaben: Marco Richter, Raphael Framberger und Simon Asta. So richtig durchgestartet ist zuletzt der erstgenannte Marco Richter, der aus der FCA Offensive nicht mehr wegzudenken ist sowie höchst erfolgreich Andre Hahn aus der ersten Elf verdrängt hat.

Erik Thommy hat sich zum gestandenen Bundesligaspieler entwickelt und am Wochenende für Fortuna Düsseldorf getroffen. Der FCA schaut zu. (Photo by Matthias Hangst/Bongarts/Getty Images)

Manche Jugendspieler wechselten auch zu anderen Vereinen, um sich dort durchzusetzen und ihr Glück fernab der Heimat zu suchen. Wie beispielsweise Erik Thommy (nun Fortuna Düsseldorf), Efkan Bekiroglu (1860 München) oder Ioannis Gelios (Holstein Kiel). Zuletzt wurden Kevin Danso und Romario Rösch an ausländische Clubs verliehen. (an FC Southampton und Roda Kerkrade).

Doch genug nun des Blickes in die Vergangenheit. Wir wollen einmal im Nachfolgenden pro Position schauen, ob sich aktuell ein vielversprechendes Talent in den eigenen Augschburger Reihen befindet.

Und beginnen nun mit dem…

Torwart

Benjamin Leneis (20) ist hier der heißeste Kandidat, sollte er geduldig ausharren. Er trainiert sowohl bei den Profis als auch bei der zweiten Mannschaft. Man traut ihm einiges zu, so dass er derzeit Torwart Nummer 4 bei der Profi-Mannschaft ist.

Hinter ihm existiert in Nachwuchsmann Daniel Witetschek (19) ein ernsthafter Konkurrent. Er steht zum Großteil im Tor der U23 mit der Bilanz 2019/20: 14 Spiele, 17 Gegentore bei 5 zu Null Spielen.[3]

Der Augsburger Kasten ist seit dem Abgang von Marwin Hitz zum BVB im Jahr 2018 nicht mehr adäquat besetzt worden. Mit Giefer, Luthe und Koubek ist derzeit keiner (außer vielleicht Martin Schmidt, aus welchen Gründen auch immer?!) wirklich zufrieden. Vor allem Giefer und Koubek haben in ihrer Zeit als FCA Torhüter mehrfach gepatzt.

Luthe traut hingegen einfach kaum einer den Posten als klare #1 zu, obwohl er sich besser im Kasten angestellt hat und immer ein verlässlicher Keeper für den FCA war. Doch hier ergibt sich gegebenenfalls die Chance der Nachwuchskeeper, sich mittel- bis langfristig als Keeper Nummer 2 oder 3 im FCA-Profikader zu positionieren.

Abwehr

Neben den bereits bei den Profis eingesetzten Simon Asta (FCA U19) und Jozo Stanic (U23) drängt sich hier insbesondere Juniorennationalspieler Adrien Koudelka auf, seines Zeichens Innenverteidiger. Für die deutsche U17 konnte der heute 17jährige 13 Einsätze verzeichnen. Hierbei einige vielversprechende Auftritte im DFB-Dress. Er ist ein ganz heißer Tipp für das nächste Profidebüt, wenn er sich weiter so prächtig bei den Junioren entwickelt. Er ist immerhin erst 17 Jahre alt und durfte auch bereits bei den Profis in der letzten Sommervorbereitung mittrainieren!

Simon Asta ist in dieser Saison leider vom Pech getroffen. Obwohl die Stammkräfte auf der Rechtsverteidiger-Position patzen, kann er durch einen Kreuzbandriss leider nicht eingreifen. (Photo by Charles McQuillan/Getty Images for DFB)

Simon Asta, jüngster Debütant in der Bundesligageschichte des FCA und erster eingesetzter Spieler des Jahrgangs 2001 in der Bundesliga, wird perspektivisch die rechte Verteidigerposition freigehalten. Das hat man seitens der FCA Verantwortlichen mehrfach betont. Leider hat sich der pfeilschnelle 17jährige Anfang Januar 2020 schwer am Knie verletzt – Kreuzbandriss. Mal schauen, wie der Jungspund diesen Rückschlag wegsteckt und wie sein Weg weitergeht im FCA-Trikot.  Jozo Stanic wirkt regelmäßig bei Testspielen der Profis mit und fliegt seit Jahren mit ins Trainingslager, aber für mehr als ein Kurzdebüt in der Bundesliga hat es bisher (noch) nicht gereicht. In den Testspielen hat er sich für sein Alter sehr ruhig und abgeklärt gezeigt.

Zwei weitere Verteidiger, die bereits mehrfach in Testspielen der Profimannschaft mitgewirkt, aber bisher noch kein Debüt vor Augen haben sind Lasse Jürgensen und Christopher Lannert aus der U23. Mit 22 und 21 Jahren wären sie heutzutage auch eher als „Spätstarter“ zu bezeichnen, sie sind beide Stammkräfte der U23 des FCA. Der Durchbruch wird ihnen wohl eher nicht mehr zugetraut.

Kilian Jakob, der 2018 gegen die TSG Hoffenheim gefühlt eines der unglücklichsten Profidebüts des letzten Jahrzehnts im Augsburger Trikot erlebte, wurde seither nie wieder für den Profikader nominiert. Er spielt eine sehr gute Saison in der Reserve in der Regionalliga, aber ob es für den mittlerweile 22jährigen für mehr reicht, ist mehr als fraglich.

Mittelfeld

Im defensiven Mittelfeld der FCA Reserve überzeugen die beiden Eigengewächse Stefano Russo (19) und Felix Schwarzholz (20) Spieltag für Spieltag. Beide aus der FCA Jugend kommend sind die beiden Stammspieler in der Regionalliga Bayern. Beide bringen es auf eine paar Testspieleinsätze bei den Profis, aber aktuell scheint ein fester Kaderplatz noch nicht in Sichtweite. Potenzial ist aber laut Einschätzung einiger Insider definitiv vorhanden.

Romario Rösch, eines der vielversprechendsten Augsburger Talente der letzten Jahre, wurde zuletzt an den niederländischen Zweitligisten Roda JC Kerkrade ausgeliehen. Und weiß dort zu überzeugen. Zumeist im offensiven Mittelfeld eingesetzt – einer Position, die beim FCA nicht gerade überbesetzt ist – absolvierte der 20jährige bisher in dieser Saison 23 Spiele. 2 Tore und 5 Assists stehen für ihn zu Buche. Stand heute läuft seine Leihe zum 30.06. diesen Jahres aus und sein Profivertrag beim FCA ein Jahr später. Kommt er zurück zum FCA, stehen seine Chancen aktuell nicht schlecht. Ich persönlich hoffe, dass er das Sommertrainingslager mit den Augsburger Profis verbringt und seine sehr guten Leistungen in der laufenden Runde dort bestätigt.

Sturm

Im Sturm drängen sich derzeit insbesondere zwei junge Spieler auf:

Seong-hoon Cheon, ein 19jährigen Koreaner und seit 2018 im Dienste des FCA. Bullig mit 1.90 Meter Gardemaß und kopfballstark, so beschreibt man ihn wohl am besten. Derzeit spielt er aber in der U23 keine große Rolle, muss sich vielleicht weiterhin in Deutschland akklimatisieren. In diesem Alter ist man noch nicht unbedingt konstant in seiner Leistung. Mal schauen, wohin sein Weg noch so führt. Auf unserem Zettel steht er allerdings weiterhin, vor allem weil er selbst schon mehrfach in Testspielen der Profis mitwirkte und dort auch für Furore sorgte.

Maurice Malone ist eine der großen Nachwuchshoffnungen beim FCA. Wann wird er sein Pflichtspieldebüt für die Profis feiern? (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Zuletzt eines der größten Augsburger Talente in den letzten Jahren: Maurice Malone. Junge 19 Jahre alt, Stammkraft in der 2. Mannschaft des FCA, wandelt er derzeit auf den Spuren von Marco Richter. 17 Spiele, 10 Scorer in der Regionalliga Bayern. Der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler hat es bei den Profis aktuell nur so schwer, weil die Konkurrenz so groß ist. Namentlich Niederlechner, Finnbogason und Cordova. Sonst hätte er meines Erachtens schon längst mehr Einsätze bei den Profis zu verzeichnen. Talent hat er, das deutete er bereits an als er schon mehrfach für die Profis in Testspielen einnetzte – zuletzt im Sommer 2019. Bemerkenswert die Torquote in seiner noch jungen Karriere: 117 Spiele seit der U17 – 78 Tore und 14 Assists. In Summe also 92 Torbeteiligungen in 117 Spielen. Ein super Wert! Maurice ist ein Vollblut-Stürmer, der aber auch Linksaußen und hängende Spitze spielen kann. Klingt ein wenig nach Marco Richter, nicht wahr? Habt ihn auf eurem Radar, Maurice wird kommen!

Fazit & Ausblick

Auch wenn heutzutage immer bessere Bedingungen für Jugendspieler herrschen, die Chancen, Tag für Tag im Profikader zu stehen sind aktuell nicht unbedingt hoch. Man muss immer das nötige Quäntchen Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und auch auf spezielle Förderung durch einen wohlgesonnen Trainer hoffen. Klingt ein wenig wie der berufliche Alltag eines Arbeitnehmers, finde ich. Beim FC Augsburg mussten Marco Richter und Raphael Framberger lange auf ihr Debüt und ihren Durchbruch warten. Bei Simon Asta und Jozo Stanic ging es in jungen Jahren recht schnell mit dem Debüt – aber seither befinden sie sich im Wartemodus. Wartend auf den Durchbruch beim FCA, bald an einem Scheideweg in ihrem Leben angekommen: Beim Heimatverein und Jugendclub bleiben – hier die Chance suchen oder sich ausleihen oder gar verkaufen lassen?

Viele Proficlubs setzen diesertags lieber auf arrivierte Kräfte, anstatt der Jugend eine Chance zu geben. Das Verlässliche wird halt doch oft dem “Neuen” vorgezogen, denn die Junioren sind nun mal zu Beginn ohne Erfahrung und Wissensschatz eine Art “Wundertüte”. Keiner wird als Bundesligaspieler geboren. Man kann verstehen, dass dieser Sicherheitsfaktor Spieltag für Spieltag von den Trainern berücksichtigt wird. Immerhin geht’s um viel Geld, um Auf- und Abstieg, um internationales Geschäft. Aber es geht auch um Perspektive und das positive Signal, die man den hart trainierenden Nachwuchsspielern geben kann – frei nach dem Motto: “Jugend von heute, Stammkraft von morgen”.

Ich bin mir sicher, dass noch in dieser Saison – wenn wir den Abstiegskampf frühzeitig hinter uns lassen können – weitere Jungprofis ihr Debüt geben werden. Deren Kreativität und Unbekümmertheit würden sicherlich frischen Wind in die Kabine und auf den Platz bringen. Ganz besonders freuen würde mich dies für Maurice Malone und Benjamin Leneis, die beide herausragen aus der Auflistung von FCA-Talenten. Also, Martin, auf was wartest du noch? Jetzt bist du dran! 🙂


[1] https://fcaugsburg.de/wns/spielberichte-nachwuchs-u23-erneut-in-torlaune-u14-bringt-naechsten-titel-mit/

[2] https://fcaugsburg.de/wns/vier-fca-talente-mit-u-nationalmannschaften-unterwegs/

[3] https://www.donaukurier.de/sport/lokalsport/schrobenhausen/Jetzt-auch-gut-im-Seniorenbereich-angekommen;art1726,4467997

Frambos Bedeutung für den FCA

Wer hätte damit noch gerechnet? Im 188. Ligaspiel in der ersten Bundesliga unseres Vereins läuft zum ersten Mal ein Spieler aus der eigenen Jugend von Beginn an auf. Raphael Framberger fiel diese Rolle nun zu, nachdem der etatmäßige Rechtsverteidiger des FC Augsburg Paul Verhaegh krankheitsbedingt in Wolfsburg nicht einsetzbar war. Manuel Baum hatte den Mut ihm zu vertrauen anstatt Markus Feulner oder Georg Teigl aufzustellen. Am Tag danach heißt es durchatmen, denn – Debüt hin oder her – Framberger ließ sich nicht beeindrucken und spielte eine starke Partie. Zwar führte ein Freistoß nach einem Foul von ihm zum Gegentor, aber in der 38. Minute rettete er großartig nach einem Ballverlust von Jan Morávek und bereitete zudem später noch das Siegtor vor. Sein Auftritt war gekennzeichnet von Selbstbewusstsein und sein Vorstoß vor dem Siegtreffer, war nicht der einzige an diesem Nachmittag. Zeichnet sich nun eine Kehrtwende beim FCA in Bezug auf den Einsatz eigener Jugendspieler ab?

Während der FCA Jugendspieler vor allem wegen der Vorgaben der DFL zu sog. “Local Players” mit Profiverträgen ausstatten muss, war bis vor kurzem klar, dass diese bei den Profis trotzdem nicht zum Zuge kommen. Der FCA muss mindestens vier Spieler im Profikader führen, die für mindestens drei Spielzeiten im Alter zwischen 15 und 21 in den eigenen Jugendmannschaften gespielt haben. Markus Weinzierl hatte aber erst im Herbst 2015 noch geurteilt: “Die Jungs sind engagiert, aber es ist nicht nur ein Schritt, sondern zwei, drei Schritte”. Unter Markus Weinzierl kam dann auch in der Europacup-Saison und mit großen Verletzungsproblemen kein Spieler aus der eigenen Jugend zu Einsätzen. Den Jugendspielern wurde von Weinzierl offensichtlich nichts zugetraut.

Das hatte sich schon unter Dirk Schuster geändert, unter dem auch Julian Günther-Schmidt zu Jokereinsätzen kam. Dass es nun dennoch Raphael Framberger ist, der als erstes nach über 5,5 Jahren in der ersten Bundesliga von Beginn an ran darf, ist zumindest ein kleines Wunder. Framberger wechselte im Alter von 8 Jahren zum FCA, als dieser 2004 noch selbst in der Regionalliga spielte. In den letzten 10,5 Jahren hat er viele Jugendmannschaften des FCA durchlaufen und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Eigengewächs. Schon in seiner ersten U23-Saison 2014/15 hatte er einige Kadernominierungen bei den Profis, kam aber nicht zum Einsatz, bevor ihn dann ein Kreuzbandriss lange komplett außer Gefecht setzte. Jetzt ist er wieder zurück. Zwei Einsätzen vor der Winterpause bei der U23 folgte am Samstag direkt mit der ersten Kadernominierung der Startelfeinsatz bei den Profis.

Dieser Moment reiht sich für mich persönlich in eine Kette der ersten Male beim FCA ein, die aus immer mehr positiven Momenten besteht. Ich denke in diesem Zusammenhang gerne an den ersten Bundesligasieg in Mainz durch einen Elfmeter von Jan-Ingwer Callsen-Bracker, den zweiten Klassenerhalt durch den gehaltenen Elfmeter von Alex Manninger im Jahr 1 unter Weinzierl, den ersten Sieg gegen die Bayern nachdem Daniel Baier Mitchell Weiser düpiert hatte und Sascha Mölders auflegte, und den Einzug in den Europacup, nachdem auch wieder Sascha Mölders, den Schlusspunkt gesetzt hatte. Diese Liste ist nicht abschließend und ja, Raphael Framberger reiht sich nun in diese Liste ein. Andere Jugendspieler können zu ihm hochschauen und sehen, dass es klappen kann. Er ist seit gestern ein Leuchtturm für die Jugendarbeit des FCA.

Es bleibt zu beobachten, ob sich in dieser Hinsicht grundsätzlich etwas ändern wird. Der Abgang von Daniel Opare im Winter und der Einsatz von Raphael Framberger sind erste gute Anzeichen. Die Vertragsverlängerung von Christoph Janker könnte dem entgegen stehen. Mit Manuel Baum als Cheftrainer ist jemand verantwortlich, der die Jugendspieler kennt wie kein anderer, da er die letzten 2,5 Jahre die Jugendarbeit koordiniert hat. Eine einheitliche Spielphilosophie sollte zudem dazu führen, dass Jugendspieler besser bei den Profis integriert werden können. Ob sich Stefan Reuter und die weiteren Verantwortlichen bei der Kaderplanung davon beeinflussen lassen, bleibt abzuwarten. Wenn trotz der Verletzungssorgen im Sturm jetzt in der Winterpause kein weiterer Stürmer kommt, dann sollte dies zudem weitere Möglichkeiten für unsere Jugendspieler bedeuten und wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Aber für heute stärkt Raphael Frambergers Einsatz den Glauben daran, dass es klappen kann. Darauf können wir heute alle anstoßen und dann geduldig und in Ruhe weiter arbeiten (Übersetzung für Hr. Reuter: Frambergers Vertrag verlängern).

Helden aus der eigenen Jugend

Über fünf Jahre ist es her. Am 08.05.2011 hat das letzte Mal ein Spieler aus der eigenen Jugend ein bedeutendes Tor für den FC Augsburg geschossen. Stephan Hain hat damals gegen den FSV Frankfurt den Aufstieg in die erste Bundesliga perfekt gemacht. Ein Moment für die Ewigkeit:

Seit gestern wird wieder über einen Augsburger Nachwuchsspieler gesprochen. Der Name Marco Richter macht die Runde. Noch während der Sommerpause der ersten beiden Ligen hat die U23 des FC Augsburg in der Regionalliga Bayern zu Hause den SV Seligenporten mit 12:0 geschlagen. Marco Richter hat dabei 7 Tore für die Mannschaft von Christian Wörns beigesteuert. Marco Richter ist schon vorher als hoffnungsvolles Talent aufgefallen und Robert Götz hat in der Augsburger Allgemeinen erst vor kurzem im Lokalsport über ihn geschrieben. Nach dem Feuerwerk gegen Seligenporten wird Marco Richter eventuell ein Spieler, über den man bald auch im allgemeinen Sportteil lesen kann. Ob Marco Richter beim FC Augsburg der Durchbruch gelingt, darf dabei allerdings auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre bezweifelt werden.

In dieser Saison liegt die geringe Chance auf Einsatzzeiten zuerst am aufgeblähten Kader der ersten Mannschaft. Hier wird es schon schwierig Jugendspieler ins Training zu integrieren, ohne die Gruppengrößen zu sprengen. Auf der rechten defensiven Außenbahn beispielsweise ist der FCA neben seinem internationalen Topmann Paul Verhaegh mit Daniel Opare und Georg Teigl dreifach besetzt. Chancen für Raphael Framberger, den Rechtsverteidiger der U23, der hoffentlich bald von einer schweren Knieverletzung zurückkehrt, werden sich so nur schwer ergeben. Auf den zentralen offensiven Positionen sieht es ähnlich aus. Deswegen kam es schlussendlich auch zur Gala von Marco Richter, denn zum gleichen Zeitpunkt war die erste Mannschaft auf dem Weg ins Trainingslager. Auf seiner Position als hängende Spitze tümmeln sich Koo, Altintop und Usami. Auch Ji hat hier in der Vergangenheit schon gespielt.

Der letzte hoffnungsvolle Jugendspieler des FC Augsburg hat in der letzten Saison seine Leihe nach Kaiserslautern abgebrochen und ist frühzeitig zum FCA zurückgekehrt. Erik Thommy wurde mittlerweile an Jahn Regensburg verliehen. Die Daumen sind weiterhin gedrückt. Aber insgesamt sind das doch zu wenig Namen, die zu Einsatzzeiten im Profibereich gekommen sind. Zumindest kommt es mir auf Grund der Investitionen in das Nachwuchsleistungszentrum und der U23 in der vierten Spielklasse so vor. Was könnte sich also tun?

  1. Der FC Augsburg könnte seinen Profikader in dieser Transferperiode oder spätestens im Winter weiter ausdünnen, um eigenen Jugendspielern vermehrte Möglichkeiten zu verschaffen, sich im Training zu zeigen.
  2. Jugendspieler könnten früher Profiverträge erhalten, um proaktiv an Teams in der zweiten und dritten Liga verliehen zu werden und dort Spielpraxis auf einem Niveau über der eigenen U23 zu sammeln und sich so weiterzuentwickeln.
  3. Der FC Augsburg könnte bei Kaderentscheidungen vermehrt etwas enger planen, um Jugendspielern auch im Spielbetrieb der Bundesliga eine Chance zu geben.

Zu einer positiven Entwicklung gehören allerdings immer zwei Parteien. So darf man sich ruhigen Gewissens fragen, was aus Stephan Hain geworden wäre, wenn er a) in Augsburg geblieben wäre oder b) anstatt 1860 dem Angebot von Mainz 05 und Thomas Tuchel nachgegeben hätte. Das er jetzt wieder gegen die zweite Mannschaft des FC Augsburg im Dress der SpVgg Unterhaching antreten wird, hängt sicher auch an seinen Entscheidungen in der Vergangenheit. Wenn Marco Richters Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, wird auch ihm eine schwierige Entscheidung ins Haus stehen.

Es kommt immer wieder die Frage auf, ob wir überhaupt Jugendspieler haben, die das Zeug für die Bundesliga mitbringen und bei denen sich diese Fragen stellen. Wenn wir daran nicht glauben, dann können wir die U23 abmelden und uns das Geld sparen. Ansonsten werden wir erst feststellen, ob die Fische schwimmen können, wenn wir sie irgendwann ins Wasser werfen. Dabei haben die Leistungen in der U23 sicher eine Indizwirkung, werden aber nie eindeutig zeigen, ob ein Spieler sich im Profibereich nachhaltig durchsetzen kann.

Die Schnittstelle zwischen U23 und Profiteam ist hierfür entscheidend. Das die Ausbildung von Jugendspielern schwieriger ist, als die Arbeit mit Profis, die über Jahre professionelles Training gewohnt sind, ist keine Frage. Ich hoffe diese Herausforderung war Teil des Anforderungsprofils an Dirk Schuster. Ansonsten sollten wir uns erneut darauf einstellen, dass Einsatzzeiten für eigene Jugendspieler in der Bundesliga sehr rar gesät sein werden. Daran können dann auch sehr gute Leistungen in der Regionalliga nur wenig ändern.

Was soll der Jugendwahn?

Die Bundesligasaison 2015/16 ist vorbei und der FC Augsburg hat trotz sehr erfolgreicher Europa League Beteiligung (#keineSau !!!) schon vor dem letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert. Während der Sommerpause werden momentan die Weichen für die neue Saison gestellt und die Mannschaft wird umgebaut. Neben diversen Vertragsverlängerungen wurden mit Georg Teigl und Andreas Luthe die ersten Spieler neu verpflichtet. Weitere Spieler werden kommen und  gehen. In Augsburg hält sich hartnäckig die Forderung, dass dies mit einer deutlichen Verjüngung des Kaders einhergehen muss. Aber warum? Ist unsere Mannschaft wirklich so alt? Wenn man sich auf transfermarkt.de das Durchschnittsalter unseres derzeitigen Kaders anzeigen lässt, dann liegt das Ergebnis bei 26,3 Jahren. Die Bandbreite liegt zwischen 24,9 und 27,6 Jahren. Der FC Augsburg liegt mit seiner Altersstruktur im oberen Quartil der Bundesligisten. Also ja, wir haben einen Kader, der älter ist als der von den meisten anderen Teams.

Die Frage, die sich hieran direkt anschließt: Ist es schlimm, dass unsere Mannschaft etwas älter ist? Ein Blick auf die transfermarkt.de Tabelle sortiert nach dem Durchschnittsalter zeigt, dass wir direkt zwischen Bayern München (27,1) und Borussia Dortmund (26,2) liegen. Die Absteiger diesen Jahres werden in dieser Hinsicht alle unter uns liegen. Hannover 96 hatte den durchschnittlich jüngsten Kader der Bundesligasaison mit 24,9 Jahren. Grundsätzlich ist sportlich also nichts schlimmes an unserem Durchschnittsalter zu erkennen.

Wenn ich jetzt auf die Leistungsträger unseres Teams schaue, dann kann ich so manche Sorge nachvollziehen. Der Boss, Daniel Baier, ist gerade 32 geworden. Mit Ragnar Klavan und Paul Verhaegh sind unsere Säulen in der Abwehr mit 30 bzw. 32 Jahren auch nicht mehr die jüngsten. Sie bilden seit Jahren Korsettstangen der Mannschaft und werden über kurz oder lang ersetzt werden müssen. Allerdings ist schon einiges passiert: Halil Altintop (33), der in den letzten Jahren eine prägende Figur war, ist in die Rolle eines Ergänzungsspielers zurückgedrängt worden. Tobi Werner (30) wurde vom etwas jüngeren Caiuby (27) auf die Bank verwiesen. Zudem hat sich mit Marwin Hitz ein Spieler zu internationaler Klasse entwickelt, der mit seinen 28 Jahren noch mehrere Jahre auf Topniveau spielen kann und einen Strategiewechsel auf der Torwartposition nach den alten Routiniers Simon Jentzsch und Alexander Manninger darstellt.

Und darum sollte es auch gehen: Topniveau. Spieler, die auch bei Vereinen mit internationalen Ambitionen bestehen könnten. Wir brauchen diese Spieler, weil sie in vielen Spielen den Unterschied ausmachen können, den entscheidenden Pass spielen, ein Tor erzielen oder einen Elfmeter halten. Spieler, die auf diesem Level schon in jungen Jahren spielen, sind für uns wirtschaftlich meist nicht darstellbar. Deshalb müssen wir entweder Spieler verpflichten, die zwar jung sind, aber noch nicht auf diesem Level spielen (z.B. Werner, Hitz zum Zeitpunkt ihrer Verpflichtung) oder schon etwas älter, bei ihrem Verein aber nicht wie gewünscht zum Zug kommen (damals z.B. Baier, Callsen-Bracker, Altintop). Und auch in dieser Hinsicht hat sich viel getan. Früher konnten wir junge Spieler mit Entwicklungsperspektive nur ausleihen (z.B. Kohr, Koo, Ji als sie ursprünglich zu uns kamen). Seit letztem Sommer und dem Baba-Transfer haben wir angefangen auch in der Mehrzahl junge Spieler fest zu verpflichten. So sind in der letzten Sommerpause und im Winter viele Spieler fest zum FCA gewechselt, denen man eine Entwicklungsperspektive attestieren kann:  J. Gouweleeuw (24), Max (22), Stafylidis (22), Opare (25), Kohr (22), Ji (24) und Ajeti (19). Und diese Spieler müssen wir nicht mehr abgeben, wenn die Leihe endet, sondern können selbst von ihrer Entwicklung profitieren. Ganz klar ist dabei, dass sich nicht alle Jungs wie gehofft entwickeln werden, aber viele zeigen doch sehr vielversprechende Ansätze und #HardKohr hat das Zeug Kult zu werden.

Wenn wir also im Sommer unseren Blick Richtung Transfermarkt richten, dann sollten wir nicht nur aufs Alter schauen. Die Mannschaft hat einen tollen Charakter und es spielen viele tolle Typen in Augsburg. Wir sollten zuallererst niemanden verpflichten, der für zu viel Unruhe sorgt oder nicht in die Mannschaft passt. Wenn wir an dieser Stelle ein gutes Gefühl haben, dann darf der entsprechende Neuzugang gerne etwas älter sein. Bei Alfred Finnbogason wird sich wohl auch niemand beschweren, dass er den Altersschnitt hebt.

Ich verdanke eines meiner persönlichen Highlights dieser Saison Piotr Trochowski. Sein Freistoß in Alkmaar wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Wir brauchen Spieler, die in solchen Spielen den Unterschied ausmachen. Das Fundament der Mannschaft steht und es kommt auf Verstärkungen in der Spitze an. Das Alter ist dann nebensächlich.

Nachtrag an den Bundestrainer: Alter ist wirklich nicht alles. Auch in diesem Sommer gehört Daniel Baier eigentlich in den Kader der Nationalmannschaft. Wie 2014. Da hattest Du mit Kramer einfach nur Glück.