Den Trend verpennt

Stell Dir vor es ist Fußballbundesliga und Augsburg ist nicht dabei. Das ist momentan in Deutschland schon so. Am Freitag vor einer Woche erfolgte der Startschuss für die Bundesliga der Frauen. Im Frankfurter Waldstadion spielte die Frankfurter Eintracht gegen Bayern München vor einer Rekord-Kulisse von über 23.000 Zuschauern. Der Frauen des FC Augsburg spielen niederklassig und haben sportlich mit der Bundesliga nichts zu tun.

Der Krapfsche Fokus auf die Frauen

Warum rückt dieses Thema nun hoffentlich auch beim FC Augsburg wieder vermehrt in den Fokus? Neu-Präsident Markus Krapf ist in seinem Vorstellungsvideo auch auf das Thema der Entwicklung der Frauenmannschaften eingegangen. Sinngemäß hat er die Rolle der Frauenmannschaften als stiefmütterlich vernachlässigt bezeichnet. Er wolle sich nun auch dafür einsetzen, dass es an dieser Stelle voran gehe.

Nun gibt es in Augsburg einige drängende Themen, die sowohl aus Sicht der Mitglieder als auch in der Öffentlichkeit deutlich mehr im Fokus stehen. Die Arbeit von Manager Stefan Reuter und der anderen Verantwortlichen für die sportliche Entwicklung im Verein wäre hier zuerst zu nennen. Auch die zukünftigen Anteilsstrukturen kommen einem in den Sinn. Ich habe mir zumindest vorgenommen zu verfolgen, ob Krapf zum Punkt des Frauenfußballs seinen ersten Worten auch Taten folgen lässt.

Schwerpunktsetzung

Dem Verein kann man schon in der Vergangenheit vorwerfen, dass er die Frauenabteilung opportunistisch für seine Zwecke missbraucht und danach hat rumdümpeln lassen. So wurde die Frauenabteilung ab 2006 auch deshalb geschaffen, um die Chancen einer Augsburger Bewerbung für WM-Spiele der Frauen-WM 2011 zu stärken. In 2008 bekam Augsburg 4 Spiele für die WM 2011 zugesprochen. Die Spiele brachten Augsburg überregionale Aufmerksamkeit und wirkten über die Stadt hinaus. Was für ein Erfolg.

Danach war – zumindest in der Außendarstellung – Frauenfußball nicht mehr wichtig für den FCA. Zu erkennen ist dies auch an der sportlichen Situation der Frauen, die weiterhin in den Niederungen der deutschen Amateurligen verharren und dort ohne groß beachtet zu werden ihre Knochen für den Verein hinhalten. Und während die esports-Abteilung eigene Kanäle in den sozialen Medien mit reichlich Inhalten pflegen und U23-Spiele der Männer vom FC Augsburg live getickert werden, hat die Frauenabteilung noch nicht einmal aktuelle Fotos auf der Webseite. Da geht doch mehr.

Mangelndes Interesse?

Gerade dem ein oder anderen Mann wird nun altbewährt über die Lippen rutschen, dass das Spiel der Frauen keinen interessiert. An dieser Stelle hat er dann die Entwicklung der letzten Jahre verpennt. Als das Finale der Frauen-EM in Wembley ausgetragen wurde, schalteten in der Spitze 21,8 Millionen Menschen in Deutschland ein. Nur zum Vergleich: ein DFB-Pokal Finale der Herren schauen – bei Rekordquote – gerade einmal 14,28 Millionen.

Zudem zieht Frauenfußball viele Zuschauer in die Stadien. In der Partie zwischen FC Barcelona und Real Madrid waren Ende März über 90.000 Zuschauer im Camp Nou. Auf dem Platz standen die Frauenteams beider Vereine. Über mangelndes Interesse gerade international lässt sich hier nicht klagen. Während die Zuschauer bei den Männern stagnieren oder zurück gehen, ist Frauenfußball ein Wachstumsfeld. Gerade für eine mittelständisches Wirtschaftsunternehmen wie den FC Augsburg sollte dies auch aus einer geschäftlichen Perspektive interessant sein.

Die richtigen Verantwortlichen?

Wer nun Markus Krapf Sätze zum Frauenfußball vernommen hat, mag sich gefragt haben, ob gerade er für dieses Thema die richtige Person zur richtigen Zeit ist. Krapf, dessen Äußerungen in Richtung weiblicher Journalistinnen in seinem “Feuer und Flamme”-Podcast als chauvinistisch und arrogant gewertet werden können, wird hier im ersten Schritt einem Rückstand hinterherlaufen. Frauen sprechen regelmäßig nicht wie Männer laut auf und suchen die öffentliche Profilierung. Hier wird es niedrigschwellige Angebot seinerseits brauchen, um auch die weiblichen Mitglieder im FC Augsburg einzubinden. Hier muss er Schritte tun. Und vielleicht nicht mit dem “Augsburger Jungs”-Schal um den Schultern.

Seine ersten Aktivitäten waren in diesem Zusammenhang direkt kontraproduktiv. So wurde Krapf zwar von Claudia Roth und Eva Weber gratuliert, der Vorstand des FC Augsburg 1907 e.V. bleibt derweil eine rein männliche Veranstaltung. Mit Raphael Brandmiller wurde neben Krapf ein vierter Mann in das Gremium berufen. Qualifizierte Frauen, um zumindest einen 25%-Anteil im Gremium und damit ein absolutes Novum zu schaffen, sind den Herren wohl nicht in den Sinn gekommen. Chance vertan! Aber es heißt ja nicht umsonst Buddy-Connection. Denn es ist ja Markus Krapf und nicht seine Frau Irene Präsidentin des FC Augsburg 1907 e.V. geworden. Ob Sie jemand gefragt hat? Einen fähigen externen Berater hätte Sie wohl zu Hause gehabt.

Bitte nicht weiter gegen den Trend

So bleibt mir in diesem Zusammenhang nur kurzfristig zu hoffen, dass zumindest Krapfs Kollegen vom “Feuer und Flamme”-Podcast über den Tellerrand schauen und versuchen werden, eine Frau an ihre Seite zu rekrutieren. Die könnte dem Markus dann auf diesem Wege regelmäßig daran erinnern, dass es beim FC Augsburg auch Frauen gibt, die Berücksichtigung finden wollen. Fähige Kandidatinnen gibt es eine ganze Reihe. Alle mit mehr Fußball-Sachverstand als der Vorgänger. Auch das ist keine Kunst.

Grundsätzlich wird sich zeigen, ob der FC Augsburg beim Thema Frauenfußball weiter gegen den Trend agieren will. Der FSV Mainz 05 ist nicht unlängst eine Kooperation mit Schott Mainz eingegangen. Auch andere Vereine haben schon lange investiert und geben sich redliche Mühe. Nur in Augsburg fühlt man sich hinter einem großen Berg gefangen. Es wird nicht leicht, dort wieder herauszukommen.

Habemus Praesidem

Nach fast 4 Monaten hat der FC Augsburg eine lange vakante Stelle im Verein neu besetzt. Mit Markus Krapf übernimmt nun ein waschechter Augschburger das Präsidentenamt und kehrt in den Schoß der FCA-Familie zurück. An dieser Stelle möchten wir – Birgit und Andy – euch unseren neuen Präsidenten gerne kurz vorstellen.

Vom Fan zum Geschäftsführer

Markus Krapf, auch bekannt als “Max” oder “Maxe”, wurde am 8. Dezember 1971 in unserer wunderschönen Fuggerstadt geboren. In seiner Kindheit war er Domsingknabe und legte in St. Stephan das Abitur ab. Danach studierte er an der Universität Augsburg Germanistik und Politikwissenschaften auf Lehramt, doch nach dem 1. Staatsexamen merkte er recht schnell, dass er sich eine Zukunft als Lehrer überhaupt nicht vorstellen konnte. Der Sportjournalismus reizte ihn viel mehr und so nahm er schließlich eine Stelle als Volontär bei einer TV-Produktionsfirma in München an.

Zum FC Augsburg kam Max, als dieser nicht nur sportlich am Boden lag. Nach dem Lizenzentzug des FC Augsburg im Jahr 2000 stieg der Club von der Regionalliga Süd in die Bayernliga ab. Dies nahm sich Krapf mit einigen Freunden zum Anlass, “zu unserem Verein zu gehen und mitzuhelfen”. Zusammen entwickelte man den Stadionkurier, gründete die FC-Allstars Band und spielte auf diversen Festivals. Unter anderem schrieben sie im Jahr 2000 auch die bekannte FC Augsburg Fußballhymne “So was Großes”.

Noch heute wird diese Hymne gerne gespielt

Kurz: Max Krapf war ein engagierter Fußballfan, der seinen angeschlagenen Verein unterstützte. Im Jahr 2002 wurde sein Engagement schließlich von oberster Stelle belohnt. Kein Geringerer als FCA-Präsident Walther Seinsch nahm mit dem damals 31 Jährigen Kontakt auf und bot ihm die Stelle als Geschäftsführer und Manager des Vereins an. Zuerst lehnte Markus noch ab, da er über keinerlei Wirtschafts- oder Managerkenntnisse verfügte. Doch Seinsch ließ nicht locker und so nahm Max die Offerte doch noch an.

Im Juli 2002 trat er schließlich den vielseitigen Job an. Das Aufgabenfeld umfasste eigentlich alles, was in der Geschäftsstelle anfiel. Von Kaderplanung, über Spielerverträge, Wohnungssuche für die Spieler und der Leitung der Geschäftsstelle war alles dabei. Auch dass man das FCA Logo mit der Zirbelnuss und dem lang gezogenen A heute auf der Brust der Spieler bewundern darf, haben wir Max zu verdanken. Denn dieses wurde 2002 von ihm reaktiviert, nachdem man zwischenzeitlich ca. 6 Jahre lang ein unbeliebtes, rundes Logo hinnehmen musste, das den FC Bayern zum Vorbild hatte.

Vom Geschäftsführer zum Wirt

Natürlich wissen wir alle, wie die Geschichte sportlich ausging. Nach und nach kletterte der FC Augsburg nach oben und schaffte im Jahr 2006 schließlich den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Endlich war der Profifußball nach 23 Jahren zurück in der Fuggerstadt!

Doch auch im privaten Bereich fand der Geschäftsführer sein Glück. Nachdem er seine heutige Ehefrau Irene bereits beim FCA kennen und lieben gelernt hatte, bekamen die beiden in jenem Jahr ihren gemeinsamen Sohn Max. Auch Irene Krapf ist bei unserem Herzensverein keine Unbekannte, denn sie ist seit dem vergangenen Jahr Mitglied des Augsburger Ehrenrats. Zudem betreibt sie mit ihrem Gatten unter anderem die allseits bekannte Rosenaugaststätte und den 11er Biergarten in der Rosenau.

Im Jahr 2006 wurde es Markus Krapf schließlich zu viel und nachdem er 2007 noch einmal kurzfristig beim FCA ausgeholfen hatte, legte er seine Tätigkeiten beim Verein vollständig nieder. Anschließend erfüllt er sich einen Traum. Er eröffnete seinen eigenen Gastronomiebetrieb – die 11er Fußball.Kultur.Kneipe in der Dominikanergasse. Dies ist im Übrigen keine FCA-Gaststätte, sondern eine Fußballkneipe. Darauf legt der Fußballwirt großen Wert. Hier ist jeder willkommen, der es mit dem Fußball hält, egal, welche Farben er oder sie trägt. Gute Laune und eine mitreißende Stimmung sind garantiert.

Abseits des täglichen Lebens

Nahezu sämtliche Spiele des FC Augsburg sieht sich Max in der heimischen WWK Arena an, für die er eine Dauerkarte und eine VIP-Karte besitzt. Noch immer ist unser neuer Präsident FCA-Fan mit Leib und Seele und wann immer es ihm möglich ist, ist er auch auswärts mit dabei, um das Team zu unterstützen.

Sein umfängliches Fachwissen im Bereich Fußball und natürlich FC Augsburg gibt er in dem bekannten Podcast “Feuer und Flamme” weiter. Jeden Montag analysierte Maxe dort zusammen mit FCA-Stadionsprecher Rolf Störmann und a.tv-Sportchef Tom Scharnagl die Spiele des FC Augsburgs. Aber dies ist nicht die einzige Reihe, in der man die Stimme unseres neuen Präsidenten zu hören bekommt. Seit 2021 ist er Teil der Podcastfolgen von “Stadtteilgespräche”, in der er mit Oberbürgermeisterin Eva Weber wichtigen Themen auf den Grund geht, die die Augsburger*innen beschäftigen.

Als wäre das alles noch nicht genug, ist Markus Krapf auch noch Redakteur des Augsburger Stadtmagazins “Neue Szene Augsburg”, dessen Geschäfte unter anderem von FCA-Aufsichtsrat Walter Sianos geführt werden. Hier schreibt der heute 50 Jährige natürlich über den FCA, aber auch über Sport im Allgemeinen oder Politik. Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Sianos sowie Florian Eisele, Andreas Schäfer und Tillmann Horch schrieb er zudem das Buch “111 Gründe den FC Augsburg zu lieben”.

Ausblick

Die Wahl von Max Krapf zum Präsidenten des FC Augsburg e.V. ist eine Besinnung auf die alten Augsburger Tugenden und ein Schritt weg vom Investorenverein.

Doch die Erwartungen und auch die Aufgaben sind – anders als zu Krapfs erster Zeit beim Club – umfangreicher und vielfältiger. Heute spielt der FC Augsburg seit 11 Jahren erfolgreich in der ersten Bundesliga. Sowohl Fans als auch die Verantwortlichen und die Stadt sind stolz darauf, ein Standort im Profifußball zu sein. Das will man natürlich auch in Zukunft bleiben. Verein und Infrastruktur sind gewaltig gewachsen.

Das Präsidentenamt ist eine Mammutaufgabe, die von Krapf erfordern wird, auch mal ein Foto mit einem Maskottchen auszulassen, weil das Amt ein gewisses Format erfordert. Krapf wird dabei weiterhin eine gewisse Prolligkeit zur Schau stellen, die ihm Authentizität verleiht und sympathisch macht. Im Kreis der Großen in der Bundesliga bleibt zu hoffen, dass er den FCA dennoch professionell vertritt. Er muss zeigen, dass er Ernst zu nehmen ist. Im Außenauftritt und in der Kommunikation ist ihm ein glückliches Händchen und das nötige Feingefühl zu wünschen. Es wird schwer für ihn werden, Kritikern offen zu begegnen und für Integration zu sorgen, gerade auch weil die Beziehungen z.B. zwischen den Fangruppen teilweise schon angespannt sind. Seine vorherigen Tätigkeiten und gerade auch seine Äußerungen in den Podcasts werden ihn an der ein oder anderen Stelle einholen. Und von Investorenseite wird auch Klaus Hofmann weiterhin versuchen seine Interessen zu vertreten und ab und zu dazwischen funken.

Die Zukunft wird zeigen, wie Markus Krapf sich schlagen wird. Die Hoffnungen der Fans sind groß, dass sich endlich alles zum Positiven wendet, denn die letzten Monate waren für ein Fanherz nur sehr schwer zu ertragen. Ob Krapf getreu seinem Motto “Lerne von gestern, lebe heute und plane für morgen” handelt, werden wir daher schon bald zu sehen bekommen.

Der neue Präsident des FC Augsburg

Im Mai rieben sich alle FCA Fans regelmäßig verwundert die Augen. Am 13.05.2022 – kurz vor dem Abschied von Trainer Markus Weinzierl – trat Vereinspräsident und Geschäftsführer Klaus Hofmann überraschend aus gesundheitlichen Gründen von all seinen Ämtern zurück. Alleinig seine Anteile an der Hofmann Investoren GmbH hält er weiterhin. Nicht ganz vier Monate nach diesem Paukenschlag wurde nun eine der seither vakanten Positionen besetzt. Der Aufsichtsrat des FC Augsburg 1907 e.V. hat Markus Krapf als neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Markus Krapf, auch bekannt als der Fußballwirt “Max”, tritt als Präsident in die Fußstapfen von Walther Seinsch und Klaus Hofmann. Mit Krapf bekommt der FC Augsburg einen Präsidenten, der sehr mit dem Verein und seiner Historie verbunden und zum ersten Mal seit dem Verkauf der Anteile an Walther Seinsch zu Beginn der 2000er Jahre kein Investor ist. Der FCA hat dem gebürtigen Augsburger Krapf einiges zu verdanken. Krapf hatte dabei geholfen, den FC Augsburg zurück ins Profigeschäft zu führen, als er zwischen 2002 und 2007 als Geschäftsführer und Manager aktiv war. Danach hatte er mit dem 11er eine Fußballkulturkneipe in Augsburg gegründet, für das Stadtmagazin “Neue Szene” gearbeitet und umtriebig an einigen Podcasts mitgewirkt. Dem FCA ist er in all der Zeit verbunden geblieben.

Eine einfache Aufgabe hat Krapf allerdings nicht vor sich. Der FCA befindet sich in einem unruhigen Fahrwasser. Sportlich läuft es derzeit nicht rund; der Sportdirektor steht in der Kritik. Keine leichte Situation, die einiges an Fingerspitzengefühl bedarf, vor allem auch, was den Umgang mit den Fans angeht. Nicht umsonst hallten im letzten Heimspiel Pfiffe von den Rängen und auch von der UBT. Hinzu kommen einige ungeklärte Fragestellungen, die Klaus Hofmann dem FC Augsburg bzgl. seiner Investorensituation hinterlassen hat.

An dieser Stelle gratuliert das komplette Team der Rosenau Gazette Max Krapf sehr herzlich zum Erhalt des Präsidentenamtes. Wir wünschen ihm viel Kraft und Erfolg für die anstehenden Aufgaben und stellen ihn zeitnah in einem Porträt näher vor.

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