TGIF: High Noon in Düsseldorf

Die Geisterspielsaison wird nun doch unnötig spannend. Wobei spannend an dieser Stelle ein sehr dehnbarer Begriff ist. Die Bayern sind schon Meister, was auch zu regulären Zeiten kaum einen so Recht interessiert. Die europäischen Plätze versprechen angesichts anhaltender Restriktionen auch keine rechte Attraktivität für diejenigen Vereine, denen man das normalerweise gerne wünschen würde (sprich: Freiburg). Und im Keller ist Paderborn schon abgestiegen und der Rest liefert sich ein Schneckenrennen um Rettung, Abstieg und Relegation. Damit uns nicht langweilig wird, rennt hier auch der FCA noch ein bisschen mit. Und reist zur direkten Konkurrenz ins Rheinland.

Fakten zum Spiel #F95FCA

In der Nachspielzeit gelang der Fortuna in Leipzig noch der Ausgleich zu einem überraschenden 2-2 Unentschieden, so dass die Schampusflaschen in Augsburg flugs wieder vom Feld getragen wurden. Bei zwei ausstehenden Spielen steht man zwar mit 6 Punkten Unterschied und einer erheblich besseren Tordifferenz besser da, wenn es nun zum direkten Aufeinandertreffen kommt. Aber man hat auch schon Eichhörnchen fliegen und Augsburg in Wolfsburg untergehen sehen. Wobei der Abstand trügerisch ist und es nicht einmal eines historischen Heimsiegs für die Fortuna bedürfte. Ungeachtet aller anderen Ergebnisse würde schon eine 4-0 Niederlage in Düsseldorf und ein 0-2 Sieg Leipzigs am letzten Spieltag in Augsburg für den Worst Case genügen. Vorausgesetzt die Düsseldorfer gewinnen dann in Berlin bei den schon geretteten und parkplatzfeiernden Unionern in Berlin. Klingt alles abwegig? Na dann besteht ja kein Anlass, sich die Relegationstermine zu notieren.

Ratlose Gesichter hinterlässt der FCA momentan allerorten (Photo by ANDREAS GEBERT/POOL/AFP via Getty Images)

Eine zusätzliche Würze bekommt das ganze Rechenspiel noch dadurch, dass zeitgleich Mainz gegen Bremen spielt, die beide auch noch in der Verlosung mit dabei sind. Man kann streng genommen auch einfach Bremen und dann am letzten Spieltag Leverkusen die Daumen drücken. Das macht derzeit leider auch etwas mehr Sinn als auf den FCA zu wetten. Denn bei soviel Rechnerei und Unkerei fällt ganz unter den Tisch, dass es Augsburg mal wieder nicht gelungen ist, ein gutes Spiel über zwei Halbzeiten durchzuziehen. Der rote Faden der Geisterspielsaison. Auch gegen Hoffenheim zeigte man zwei Gesichter. Mit Ausnahme der ersten Minuten war die erste Hälfte aus Augsburger Sicht durchaus ansehnlich. Es fehlten einzig die Großchancen, die einem vom Sofa gerissen hätten. Und natürlich Tore. Das dachte sich dann auch Hoffenheim, und zog das Spiel an sich. In der zweiten Hälfte war man chancenlos gegen einen nicht gerade überragenden Gegner. Ist es so einfach, das Spiel des FCA zu lesen und sich darauf einzustellen? Fehlt der Plan B? Man möchte es fast meinen. Und hoffen, dass die letzten beiden Saisonspiele jeweils nur 45 Minuten dauern. Die richtigen 45 Minuten.

Der Gegner

Die Fortuna aus Düsseldorf ist nicht so recht greifbar. Einerseits gefühlt ewiger Underdog mit großer Tradition und einem sympathischen Image als Anti-Bayern. Andererseits irgendwie spröde und ebenso sehr Punk wie „An Tagen wie diesen“ auf Dauerschleife in der Großraumdisko. Die ziemlich durchsichtigen Anspielungen seien verziehen. Bekanntermaßen hat zum neuen Jahr Uwe Rösler den allseits beliebten Friedhelm Funkel abgelöst und man orientiert sich seitdem tabellarisch am Relegationsplatz. Dass die Chance zum Klassenerhalt, mit oder ohne Umweg, noch besteht, ist dennoch eine beachtliche Leistung. Immer wieder gelingen gute Auftritte und Überraschungssiege.

Erik Thommy bisher offensiv sehr effektiv in Düsseldorf. Wird er dem FCA einen ungemütlichen Nachmittag bereiten? (Photo by MARIUS BECKER/POOL/AFP via Getty Images)

Hervorzuheben ist natürlich die gute Saison des Altaugsburgers Erik Thommy, der für ein Jahr aus Stuttgart ausgeliehen wurde. Ob er dank Kaufoption dauerhaft in Düsseldorf bleiben wird, zeigt sich aber erst am Saisonende, wenn klar ist, welcher der beiden Vereine eigentlich in welcher Liga spielen wird. Immerhin: für ein mögliches Relegationsspiel Düsseldorf – Stuttgart wäre Thommy wohl spielberechtigt. Das riecht doch nach einer Geschichte, die nur der Fußball schreiben kann.

Die Presseschau

Der Kicker berichtet in dieser Woche ausführlich über das Spieler-Bündnis, das als neue Interessenvertretung der Spieler ins Leben gerufen wurde und in dessen Kernteam auch Andi Luthe eine große Rolle spielt. Tatsächlich war auffällig, dass in der Debatte um den Re-Start zwar Vereins- und Verbandsfunktionäre mit Sportärzten am Tisch saßen aber keine Spieler. Und auch darüber hinaus gibt es mehr als genug Themen, bei denen sich die Spieler positionieren könnten und sollten. Das soziale Engagement des Augsburger Keepers ist weithin bekannt. Man darf auch auf dieses Projekt gespannt sein.

Andi Luthe macht auch immer wieder neben dem Platz eine großartige Figur (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Unser Andy wiederum hat sich in dieser Woche in seiner Kolumne wie gewohnt mit einer klaren Meinung zu Herrlichs Fehltritten positioniert und dafür durchaus Prügel bezogen. Dabei kann man berechtigte Kritik am Stil und Auftreten von Heiko Herrlich finden und dies auch artikulieren. Zumal er beim Trainerwechsel noch sehr hoffnungsvoll war. Es ist schwierig, Arbeit und Bild eines Trainers in diesen Zeiten zu bewerten. Andererseits sollte man auch als Vereinssympathisant durchaus kritisch sein. Die Frage, wohin der FCA unter Heiko Herrlich und Stefan Reuter steuert, muss man stellen. Wir sind auf Eure Meinung gespannt.

Was macht eigentlich der Aufstiegskampf?

Schneckenrennen auch im Aufstiegskampf! Bielefeld ist sehr zur Überraschung der eigenen Fans und der Fußballfachwelt schon durch und dahinter spielen neben den erwarteten Verdächtigen wie dem VfB und den unaufsteigbaren Hamburgern auch noch unsere Freunde aus Heidenheim eine kleine Außenseiterrolle im Kampf um die Aufstiegsplätze. Die Relegation sollte mindestens drin sein. Pikanterweise geht es am nächsten Spieltag direkt gegen den HSV und zuletzt auf die Alm, die Gerüchten zufolge mit der B Jugend auflaufen werden. Es wäre Heidenheim rund um den ostälbler Sympathieträger Frank Schmidt, der auch schon einmal in Augsburg gehandelt wurde, sehr zu wünschen. Vielleicht kommt es ja sogar zu einem Duell FCA – FCH. Die Relegationsspiele sind übrigens am 2. und 6. Juli. Nur fürs Protokoll.

Tipps

Andy: Der FCA rettet sich in einem verkrampften Spiel mit einem 1:1 zum Klassenerhalt. Immerhin aus eigener Kraft.

Sebastian: Der FCH gewinnt überragend 3-1 zuhause gegen vollkommen chancenlose Hamburger und verdrängt diese vom Relegationsplatz. Das freut auch die Bremer, die noch ihren Kater nach dem Auswärtssieg in Mainz auskurieren.

TGIF: Geisterschorle am Rhein

Mainz ist immer eine Auswärtsfahrt wert. Nicht zuletzt auch kulinarisch. Wenn die Ergebnisse nicht passten, war zumindest die Rieslingschorle im Stadion immer sehr empfehlenswert. Doch das muss dieses Jahr leider ausfallen, es gibt stillen Weißwein vor dem Fernsehschirm.

Fakten zum Spiel #M05FCA

Der FCA geistert weiter etwas unbeholfen durch die Liga. Die erste Hälfte gegen Köln war famos, die Augsburger waren präsent, machten Druck und erspielten sich reihenweise gute Torabschlüsse. Auch die Geschichte der Elfmeter, eine liebgewonnene Tradition beim Zusammentreffen beider Vereine, ist um ein neues Kapitel reicher. Der Schütze Flo Niederlechner ließ sich von einem einfachen Spruch aus der Fassung bringen und scheiterte an dem gut aufgelegten Timo Horn.

Flo Niederlechner: einer von uns. Aufstehen und weitermachen! (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Er ist halt einer von uns, das kennt jeder Sonntagskicker. Auch eine gewisse Tradition hat es nun schon, dass der FCA sein Spiel nur noch 45 Minuten aufzuziehen vermag – und so gehörte die zweite Hälfte den Kölnern und ein 1-1 Unentschieden war das gerechte Ergebnis. Das mag für sich betrachtet auch vollkommen in Ordnung sein. Man macht sich aber doch Sorgen im Hinblick auf den nahenden Saisonabschluss. Denn dieser rückt ebenso schnell näher wie die Abstiegsplätze. Umso wichtiger wäre ein Sieg gegen Mainz, was einer kleinen Vorentscheidung um den Klassenerhalt gleich kommen könnte. Denn Düsseldorf spielt gegen Dortmund. Aber dafür sollte die sportliche Führung des FCA auch den Fokus auf das Sportliche legen. Dazu gleich mehr.

Der Gegner

Es läuft nicht so richtig gut, aber auch nicht ganz schlecht. Anfänglich kam Mainz stotternd aus der Pause mit Unentschieden gegen Köln und Union Berlin sowie Niederlagen gegen Leipzig und Hoffenheim. Am letzten Spieltag gewann man schließlich überzeugend das Derby gegen die Eintracht. Das gibt Rückenwind. Viel wichtiger aber sind die klaren und mehr als richtigen Zeichen gegen Rassismus, die Mainz in dieser Woche setzte. So unter anderem gegenüber einem Mitglied, das sich an der Hautfarbe der Spieler störte.

Presseschau

Während man andernorts die Öffentlichkeit nutzt, um wichtige Statements zu geben, wird in Augsburg über die Schiedsrichter geschimpft. Direkt im Nachgang des Spiels wütete angesichts eines nicht gegebenen Elfmeters Heiko Herrlich über die Ansetzung des Videoschiedsrichters Guido Winkmann und unterstellte ihm aufgrund seines Wohnorts sogar Parteilichkeit. Auch unser aller Lieblingsmanager Stefan Reuter meldete sich zu Wort und kritisierte wiederum den Leiter der Bundesligaschiedsrichter Lutz Fröhlich für seine Kritik an Herrlichs Worten.

Heiko Herrlich sucht den Fehler beim Schiedsrichter anstatt bei der eigenen Mannschaft. Gegen Köln hätte man doch alle Möglichkeiten gehabt, das Spiel selbst zu entscheiden. (Photo by MICHAEL DALDER/POOL/AFP via Getty Images)

Natürlich war der angemahnte Vorfall strafstoßwürdig und natürlich hätte sich der Schiedsrichter auf Intervention des VAR die Szene nochmals ansehen müssen. Aber danach gleich in den Boulevardmodus überzugehen anstatt sich einmal demütig zu fragen, warum es Woche für Woche nicht gelingt, ein Spiel einmal über 90 Minuten zu gestalten, ist schon kunstfertig. Chapeau. Herrlich diese Fettnäpfchen. Endlich weg von der glattgebügelten Bundesligawohlfühlrhetorik.

Was macht eigentlich die Kaderplanung

Es zeichnet Stefan Reuter ja durchaus aus, dass er neben verbalen Grätschen eifrig und erfolgreich am Kader der nächsten Saison zu basteln vermag. Felix Uduokhai wurde für eine mehr als beträchtliche Summe fest verpflichtet und aus Gladbach kommt wohl Tobias Strobl. Auch Kevin Rüegg vom FC Zürich ist als Rechtsverteidiger wohl immer noch ein Thema. Der Schwerpunkt liegt derzeit wohl (noch) auf der Defensive, was allerdings wohl zu Lasten der Augsburger Eigengewächse Raphael Framberger und Kevin Danso gehen dürfte. Southampton hat die Kaufoption nicht gezogen und Danso wird im Sommer in Augsburg zurückerwartet. Es gibt aber wohl schon Interessenten.

Tipps

Irina: So, ich bin mutig und lehne mich aus dem Fenster. Die Trotzreaktion des FCA im Abstiegskampf beschert uns 3 Punkte. Finnbo scort und wir gewinnen 3-1.

Andy: Mainz wird zerlegt und der FCA macht mit einem 5:1 den Klassenerhalt fix.

Sebastian: Mainz gewinnt mit moralischem Rückenwind verdient 3-1. Da Düsseldorf gegen Dortmund punktet dürfen wir uns auf ein Herzschlagfinale freuen, bei dem der FCA erst am letzten Spieltag aufgrund eines unberechtigten Elfmeters die Klasse hält. Schiedsrichter: Guido Winkmann, der das Spiel im Kölner Trikot pfeift.

TGIF: Brunos Alte Dame

Es geht Schlag auf Schlag in der Geisterliga. Nach den Spitzenspielen gegen Schalke und Paderborn darf der FCA in die Hauptstadt und den Rasen im Olympiastadion kaputt treten. Es wird so oder so keine leichte Aufgabe, denn die Hertha zeigt unter Bruno Labbadia ein ganz neues Gesicht. Aber der Reihe nach. Kurz und schmerzlos: die Spieltagsvorschau.

Fakten zum Spiel #BSCFCA

Der FCA ist nominell weiterhin unter Heiko Herrlich ungeschlagen, die einzige Niederlage verpasste der neue Coach zahnpastabedingt. Es fällt schwer, nach drei Spielen ein Zwischenfazit über die Augsburger Geisterspieltauglichkeit zu fällen. Man hatte das Gefühl, dass es nach dem Auswärtssieg auf Schalke steil nach oben gehen würde und die ersten Minuten im Spiel gegen Paderborn befeuerten das kleine Fünkchen Hoffnung auf große Fußballzeiten. Ballbesitz und Passsicherheit sind bislang ungekannte Begriffe für die Augsburger Anhängerschaft. Allerdings ließ sich auch der FCA vom eigenen Auftritt irritieren und rasch bröckelte die Fassade. Paderborn verteidigte gut und hatte sogar die besseren Chancen. Vollkommen zurecht wurde Andi Luthe zum Mann des Spiels erklärt. Das war insgesamt ein hartes Stück Arbeit an einem lauen Mittwochabend. Auch für die Zuschauer.

Andi Luthe war gegen Paderborn der beste Mann. Man fragt sich schon, warum er in dieser Form nicht schon die ganze Saison die Nummer 1 war. (Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Es ist unschwer zu erkennen, dass man noch weit von dem Fußball entfernt ist, den der neue Coach sehen und spielen lassen will. Sicherlich auch nicht verwunderlich angesichts der gegenwärtigen Umstände. Schon zu normalen Zeiten wäre es schwer, die Spielidee in der laufenden Saison derart umzukrempeln. Man wird sehen, welches Gesicht der FCA in Berlin zeigen wird. Es sind jedenfalls auch angesichts der Belastung durch die englische Woche einige Änderungen in der Startelf zu erwarten.

In der Abwehr sind wohl angesichts der beiden Spiele ohne Gegentor die wenigsten Veränderungen zu erwarten, allenfalls hätte Jeff Gouweleeuw wieder eine Chance bekommen können, wenn er sich nicht die fünfte gelbe Karte abgeholt hätte. Davor besteht wieder etwas mehr Auswahl. Flo Niederlechner und die beiden Außen Ruben Vargas und Marco Richter könnten sich eine Pause gönnen. Auf Berliner Seite kommt wohl in der Verteidigung verletzungsbedingt der Nachwuchs zum Zug. Man hat aber nicht den Eindruck, dass das ein Problem sein könnte angesichts der derzeitigen Form der Mannschaft.

Alles neu macht der Bruno

Gerade angesichts des üblichen Trubels in Berlin war es durchaus überraschend, dass Neucoach Bruno Labbadia die Hertha in die sportliche Spur bringen konnte. Die Geisterspielsaison läuft bislang außerordentlich gut für ihn und die Berliner. Den anfänglichen Auswärtssieg in Hoffenheim sollte man nicht überbewerten. Dem folgte aber ein deutlicher Derbysieg gegen Union und auch in Leizig nahm man einen Punkt mit. Die Ära Klinsmann wirkt wie aus einer anderen Zeit. Schon vergessen ist auch der kleine Skandal rund um das Kalou-Video. Es blüht in Brunos Berlin, was auch an alten Damen wie Vedad Ibisevic liegt, dem der Gehaltsverzicht offenbar gut tat und der wieder trifft und assistiert. Aber nicht nur seine Formkurve zeigt unter dem neuen Trainer nach oben.

Gefühlt ist Bruno Labbadia in der Bundesliga omnipräsent. Zuletzt trainierte er Wolfsburg (wir erinnern uns), Stuttgart und Hamburg. Aber es wirkt, als hätte man den Coach mit dem Charme eines Sparkassenvorstands schon auf jeder Trainerbank gesehen. Vielleicht tut man ihm unrecht, nur das ewige Scheitern zu sehen und doch lässt sich ein Schmunzeln nicht zurückhalten, wenn die Beteiligten beim Amtsantritt in Berlin von einem längerfristigen Engagement sprechen. Was allerdings auch an der sprunghaften Alten Dame liegt. Ein Erfolg mit dem immer etwas biederen Hauptstadtverein wäre Big Bruno zu wünschen.

Was macht eigentlich Julian Schieber?

Das große Warten auf den Höhenflug von Julian Schieber. Kommt er noch? (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Wo ist der sympathische Schwabe? Will man den Statistiken Glauben schenken, war er letztmals vor der Winterpause im Kader. Eine kleine Veränderung tut der Offensive des FCA sicher gut, warum also nicht einmal wieder den alten Herthaner bringen? Heiko, ich weiß, dass Du als großer Freund der Gazette auch das hier lesen wirst. Bring den Schieber! Gerne zusammen mit Córdova. Oder Jensen anstelle von Löwen (dessen Tricks kennen die Herthaner aus dem Effeff). Und natürlich von Anbeginn an mit Sarenren Bazee außen. Dann klappt das auch mit den Punkten in Berlin. Damit rechnet der Bruno nie. Versprochen.

Tipps

Sebastian: Mit der ungewohnten Aufstellung lassen wir in Berlin Ball und Mann laufen, dominieren nach belieben und gewinnen vollkommen ungefährdet 4-1. Vier Tore Schieber.

Andy: Der Trend ist dein Freund. Oder aber eben nicht. Die Berliner strotzen vor Selbstbewusstsein und Form und werden leider damit auch uns 1:2 nach Hause schicken.

TGIF: Geisterhaftes Wolfsburg

Endlich! Wieder! Bundesliga! Aller Unkenrufe zum Trotz, alle Bedenken einmal ausgeklammert, am Samstag wird in Augsburg wieder Fußball gespielt. Und die Gazette ist schon ganz aufgeregt. Man hat das Gekicke doch schon sehr vermisst. Wer sich schon mal einstimmen will oder vergessen hat, wie es um das Sportliche steht, dem sei unsere kontaktlose Spieltagsvorschau ans Herz gelegt.

Fakten zum Spiel #fcavfl

Das wichtigste vorweg: Heiko Herrlich ist seit zwei Monaten als FCA Trainer ungeschlagen. Das dürfte Vereinsrekord sein und Stefan Reuter wird sich jeden Abend vermutlich selbst für diesen Glücksgriff auf die Schulter klopfen. Am Samstag wird sich Wolfsburg daran versuchen, die Serie zu beenden. Zumindest Heiko Herrlich kann das Spiel gelassen angehen, denn er wird gar nicht auf der Bank sitzen. Dazu gleich mehr.

Heiko Herrlich hat seinen eigenen Weg gefunden, sein Debüt beim neuen Arbeitgeber in Zeiten von Corona zu boykottieren. Schaut ihr am Samstag zu? (SASCHA SCHUERMANN/AFP via Getty Images)

Vorweg ein kleiner Rückblick in den März, denn die nominell immer noch laufende Bundesligasaison ist verständlicherweise derzeit ganz weit weg. Man erinnert sich vage an einen guten Auftritt in München und den Rauswurf von Martin Schmidt, der durchaus für Kontroversen sorgte. Die Zahlen lassen einen aufhorchen. Stand jetzt sind es nur fünf Punkte zum Relegationsplatz und der FCA hat nur einen Punkt aus den vergangenen fünf Spielen geholt. Vielleicht wäre der ein oder andere Verantwortliche froh über einen Saisonabbruch gewesen. Sportlich wird es nicht leichter.

Mit dem neuen Trainer und angesichts der langen Unterbrechung ist vollkommen unklar, wie der FCA in dieses Spiel gehen wird. Große spielerische Änderungen sind nicht zu erwarten, auch wenn Heiko Herrlich unlängst eröffnete, dass er offensiver spielen lassen möchte und Wert auf spielerische Lösungen legt. Personell wird gemunkelt, dass Alfred Finnbogason auszufallen droht. Der Trainer hat eine Aufstellung im Kopf, diese aus taktischen Gründen aber noch nicht verraten. Hoffentlich wurden die Co-Trainer rechtzeitig eingeweiht.

Der Gegner

Der Werksverein aus der Autostadt spielt unter Oliver Glasner eine solide bis gute Saison. Das Hinspiel war eine Nullnummer und damit im Vergleich zum Debakel in der letzten Saison eine wahre Wohltat. Die letzten Bundesligaspiele des VFL waren auch mehr als in Ordnung. Unentschieden gegen Leipzig, Berlin und Düsseldorf und Siege gegen Mainz, Hoffenheim und Paderborn. Aber das sind Spiele aus einer anderen Zeit. Im Europapokal setzte es zuletzt eine Heimniederlage vor leeren Rängen gegen Donezk. Ist die Geisterspielerfahrung von Vorteil? So manch einer munkelt, dass in Wolfsburg kein großer Unterschied zur üblichen Stimmung erkennbar war.

Wout Weghorst fehlt gelbgesperrt und neben einigen anderen Ausfällen hat sich auch Yannick Gerhardt zuletzt im Training schwerer verletzt. Gute Besserung an dieser Stelle! Zur Vorbereitung studierte Oliver Glasner übrigens nach eigener Aussage Spiele von Leverkusen und Regensburg als dort Heiko Herrlich Trainer war. Es ist in jeder Hinsicht eine Wundertüte. Auch wir sind gespannt.

Die Presseschau

Die DFL hat am Donnerstag eine Reihe von Beschlüssen im Zusammenhang mit der Fortsetzung des Spielbetriebs gefasst und lässt nun unter anderem mehr Auswechslungen zu (bis zu fünf) und ermöglicht Spiele an einem Ausweichort, sollten diese an den ursprünglich vorgesehenen Spielstätten aufgrund von Auflagen der Behörden nicht durchführbar sein. Theoretisch kann die Saison außerdem bis in den Juli verlängert werden.

Ansonsten hat die Presse natürlich in den vergangenen Tagen das Für und Wider der Bundesligafortsetzung ausführlich debattiert. Empfehlenswert ist der Kommentar von Kathrin Gilbert in der ZEIT, die für den experimentellen Charakter des Neustarts wirbt. Holger Gertz zeichnet in einem bemerkenswerten Artikel in der Süddeutschen nach, wie Stillstand und Krise die absurden Missstände im Profifußball offen legen und fürchtet, dass Geisterspiele genau das nehmen, was den Zirkus bislang trotz aller berechtigten Kritik ausgezeichnet haben: Bilder und Geschichten. Aber vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn der Vorhang noch ein wenig länger geöffnet bleibt.

Die Denkpause im Sportbetrieb (heißt nicht so, weil man mit dem Denken aufhört, sondern weil man damit anfängt) hat zum Beispiel dazu geführt, dass ein Teil der Kundschaft darüber nachgedacht hat, was diese Begriffe eigentlich bedeuten, mit denen man immer befeuert wird. Milliarden-TV-Vertrag zum Beispiel. Live ist ja gerade nichts geboten, was einen davon abhält, mal nachzurechnen. Um es fußballerisch zu sagen, in der zupackenden Sprache des leider auch schon verstorbenen Managers Rudi Assauer: “Wenn der Schnee schmilzt, sieht man, wo die Kacke liegt.”

Holger Gertz, Brot und Geisterspiele, Süddeutsche Zeitung vom 10.5.2020

Übrigens können sich Sky Abonnenten Fan-Gesänge und Emotionen passend zum Spielgeschehen einspielen lassen. Na dann.

Was macht eigentlich Heiko Herrlich?

Aber zurück zu Augsburgs Rekordtrainer, der das mit dem Geschichten produzieren etwas missverstanden hat. Kurz zusammengefasst gingen dem Trainer in der Quarantäne in Bobingen die Hygieneprodukte aus und anstatt an der Rezeption nachzufragen suchte er selbst den örtlichen Supermarkt auf. Als wäre das noch nicht genug, berichtet er von diesem kleinen Abenteuer in aller langweiligen Ausführlichkeit in der virtuellen Spieltagspressekonferenz. Sensationell. Sicherlich kann man jetzt wieder anfügen, dass der Fußball vielleicht doch ganz bodenständig ist. Dass man die Zahnpasta beim Hotelaufenthalt vergisst, ist ein Naturgesetz. Der Heiko ist einfach einer von uns.

Heiko Herrlich ist halt einer von uns. Diese vielen neuen Regularien muss man halt erstmal im Kopf behalten. (ROBERT MICHAEL/AFP via Getty Images)

Aber es ist die Unbedachtheit, die einen fassungslos hinterlässt. Nicht nur, dass offenbar vollkommen bedenkenlos gegen das DFL Konzept verstoßen wird. Es wird auch noch mit viel Liebe zum Detail ausgeführt, als wäre es das Normalste überhaupt. Als hätte nicht die gesamte Liga mit finsteren Mienen und starrem Blick wochenlang gebetsmühlenartig zu Protokoll gegeben, dass sie um den Ernst der Lage wisse und auf welchem Prüfstand das gesamte Unternehmen Wiederanpiff steht. Heiko Herrlich gibt schon wie Salomon Kalou einen vielsagenden Einblick in Sein und Schein im Fußballzirkus.

Heiko Herrlich zieht übrigens die Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten und wird die Mannschaft am Samstag nicht von der Bank aus betreuen. Wenn der Trainer in ähnlich eintöniger Emotionalität seine Kabinenansprachen hält, wie er in Pressekonferenzen von Ausflugsgeschichten erzählt, muss dies kein Nachteil sein.

Tipps

Irina: Tippe auf ein schnödes und zerfahrenes 1 zu 1. Ein typisches Geisterspiel ohne Highlights.

Andi:0-0. Eine Nullnummer für alle Beteiligten, diese Bundesligawiederaufnahme. Weg damit.

Sebastian: 4-3, am Ende macht Andi Luthe in der 97. Minute vom Punkt den Siegtreffer nachdem er zuvor zwei (unberechtigte) Elfmeter gehalten hat. Das Spiel ist ein auf und ab, von dem man sich noch jahrelang erzählen wird. Der Auftakt einer Siegesserie, an deren Ende der Einzug in den Europapokal steht.

Geisterstunde

Ein schales Helles aus dem dünnen Plastikbecher, der unverwechselbare Geruch von Bier und billigem Deospray in der Nase und das lautstarke Nörgeln eines beständig Unzufriedenen nur wenige Reihen hinter einem. Es ist nicht ganz klar, ob die Umstehenden mit leerem Blick seinen Ausführungen folgen oder mit Sorge an den nächsten Arbeitstag und den drohenden Spott der Kollegen denken. Bierduschen und Sonnenbrand, Motzrentner und Bayernfan. Was klingt das plötzlich alles verheißungsvoll. Wie schön wäre es, jetzt im Block zu stehen.

Spielpause

Die Aussetzung des Spielbetriebs war natürlich alternativlos und erfolgte vielleicht fast schon zu spät angesichts der Rolle, die Großveranstaltungen bei der Verbreitung des Virus spielten. Wie geht es nun weiter? Die Frage wird seit Wochen eifrig diskutiert und ist dabei fast Sinnbild aller anderen Debatten rund um die derzeitigen gesellschaftlichen Einschränkungen, die viele Meinungen und wenige Graustufen kennen.

Aber: Es steht vollkommen außer Frage, dass es derzeit dringendere Fragen gibt, als die Problematik, wann die Bundesliga wieder angepfiffen wird. Jeden, der sich gesundheitliche Sorgen macht oder in Kurzarbeit Existenzängste hat, hinterlässt die Debatte rund um die Aussetzung der Bundesliga mit einem Kopfschütteln. Mindestens. Fußball ist nur eine Nebensache. Aber für viele auch die schönste Nebensache der Welt.

Geisterspiele

Von dem Gang ins Stadion sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach weit entfernt. Alle Großveranstaltungen sind derzeit bis Ende August offiziell untersagt und auch die ersten Veranstaltungen im Herbst werden schon abgesagt. Und so ist Geisterspiel das Wort der Fußballstunde. Die Profiligen sollen (vielleicht) ab Anfang Mai in enger Taktung vor leeren Tribünen mit einem minimalen Personalaufwand der Liga zu einem würdigen Ende verhelfen. Wobei würdig in dem Fall heißt, das die Verpflichtungen aus den Fernsehverträgen eingehalten werden und so umgekehrt die dringend benötigten Fernsehgelder an die Vereine ausgezahlt werden. Dass der Stillstand der Bundesliga und so ziemlich aller anderen Profiligen weltweit den milliardenschweren Fußballzirkus in gravierende Nöte bringt, ist indes Thema einer anderen Debatte auf diesem Kanal.

Masterplan?

Die Geisterpläne der eigens eingesetzten „Task Force“ , die letzte Woche auch in Presse und Öffentlichkeit seziert worden sind, enthalten nichts wirklich überraschendes – man hatte auf ein Konzept gehofft, dass alle Probleme gesellschaftspolitisch und medizinisch überzeugend löst. Schlicht das Hoffen auf ein Fußballwunder. Was herauskam ist nicht viel mehr als der dringende Appell, sich konsequent die Hände zu waschen, eingekleidet in die schicken Folien einer Powerpointpräsentation und garniert mit allerlei grafischem Pepp aus dem Handbuch aktueller Marketingkurse. Einen großen Charme hat dabei übrigens die grafische Veranschaulichung der Personen im Stadion, eine (unbeabsichtigt) humorvolle Symbiose von Stadionplan und Tipp-kick.

Als die Liga am 16.03. diskutierte passierte das noch in Form eines Präsenzmeetings in Frankfurt. Wie sich die Zeiten geändert haben. (Photo by Thomas Lohnes/Getty Images)

Trotzdem wirkt der gesamte Plan seltsam steril. Da hat es selbst die österreichische Liga geschafft, ihrem Konzept mit einer farblichen Codierung von Zonen und Personal den Anstrich eines adäquaten Masterplans für Notzeiten zu geben. Inhaltlich gibt es aber natürlich kaum einen Unterschied.

Und so erfährt man viel über die Zahl der Personen, die ein Fußballspiel mitsamt Übertragung wohl mindestens benötigt (ca. 300) und dass die Bar im Mannschaftshotel gesperrt wird. Privat solle man Menschenansammlungen meiden und nach Möglichkeit Einwegtaschentücher verwenden. Nun denn. Sollte eine Person positiv getestet werden, erfolgt keine automatische Meldung an die Presse und die Vereine sollen für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen. Auch das begleitend veröffentlichte medizinische Konzept liefert keinen großen Erkenntnisgewinn. Für Menschenansammlungen vor dem Stadion ist die DFL nicht verantwortlich. Der Vorteil der Banalität des Konzepts ist dessen Universalität. Mit den Kriterien könnte man auch ein Museum wieder öffnen.

Fußball ist unser Leben?

Das Konzept der DFL Taskforce dient nicht dazu, die aufgeheizte Diskussion rund um das Thema Geisterspiele zu versachlichen. Man kommt nicht umhin, den Kritikern Recht zu geben, die die Sonderrolle des Fußballs in der gegenwärtigen Debatte monieren. Während das Land stillsteht und jeder Einzelne zur Wahrung von Abstand und Verzicht angehalten wird, möchte der Fußball lieber heute als morgen seinen Betrieb wieder aufnehmen. Und wer meint, dass die Fans den Fußball herbei sehnen, dem sei der bemerkenswerte Kommentar der Ultras ans Herz gelegt, die deutliche Kritik am Vorhaben der DFL geäußert haben.

Gespenstisch

Und doch könnte der Fußball ein Stück Normalität bieten, zumindest denjenigen, die gerne dem Fußball anhängen. Clubs und Konzerte, Museen und Demonstrationen werden derzeit in die digitale Welt verlegt. Warum also nicht auch die Bundesliga? Man mag sich Geisterspiele in Augsburg vorstellen. Wie Rolf Störmann eigens angefertigten Pappkameraden auf der Ulrich Biesinger Tribüne begrüßt und der Torjubel gleich mit der Tormelodie vom Band kommt. Was vor Wochen noch als undenkbare Alternative abgetan wurde, ist jetzt fast Sehnsuchtsort. Insgeheim hat mittlerweile auch die Stimmung eines schweigsamen Testspiels einen großen Reiz. Und eine gewisse Authentizität. Denn es wird auf das Spiel und das Sportliche reduziert. Ohne den großen Marketingrahmen, das Torwandschießen und die Gratisproben.

Choreo ohne Fans oder auch die Frage: Was bleibt ohne Fans im Stadion? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Doch der Wunsch, am Samstagnachmittag wieder Fußball im heimischen Wohnzimmer zu sehen, birgt auch ein anderes Risiko. Was wäre, wenn eine Mannschaft nach mehren positiven Befunden aufgrund der Quarantäne in Gänze oder in Teilen ausfallen würde? Wenn dem FCA die erste Elf fehlen und eine Niederlagenserie zum Abstieg führen würde? Rechtfertigt es da der Verweis auf finanzielle Nöte und die Sehnsucht des Fans, die Spiele wieder anzupfeifen?

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel

Das Konzept der DFL kann der Gesellschaft die Sonderrolle, die die Bundesliga spielen soll, immer noch nicht erklären. Und so wird man sich weiter die Frage stellen, ob und wann die Wiederaufnahme des Spielbetriebs gesellschaftlich, moralisch und sportlich sinnvoll ist. Ich würde mich prinzipiell freuen, wenn ein sinnvoller Weg gefunden werden könnte. Der Jubel auf dem Sofa wäre gewiss. Aber eben nicht um jeden Preis. König Fußball muss sich auch unterordnen. Es wird auch finanzielle Lösungen für alle Profivereine geben. Alles andere wäre in dem Millionenzirkus Bundesliga schwer denkbar und vermittelbar.

Denn Fußball ist nur Nebensache. Insbesondere in diesen Tagen. Und man kann der ganzen Situation doch durchaus etwas Positives abgewinnen. Heiko Herrlich ist seit fünf Wochen als FCA Trainer ungeschlagen.

Na herrlich

Fans und Presse haben es mit Martin Schmidt nicht immer gut gemeint und auch diese Gazette schlug bisweilen kritische Töne an. Trotzdem: Zeitpunkt, Art und vor allem auch Hintergründe seiner Absetzung als Cheftrainer werfen doch Fragen auf und sind in dieser Form auch nicht nachvollziehbar. Man(ager) hätte an Martin Schmidt festhalten sollen und müssen.

Mit der Handbremse in die Rückrunde

Nach dem formidablen Winter begann die Rückrunde miserabel. Die Punkteausbeute war sogar schlechter als zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde. Man konnte das Bemühen erkennen, sowohl die Defensive zu stabilisieren als auch schnell und schnörkellos nach vorne zu spielen. Doch das gelang nur sehr begrenzt. Famose Halbzeiten wechselten sich mit zutiefst bedenklichen Auftritten ab.

Der gemeinsame Spaß ist vergangen. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Die Auswärtsniederlage in Frankfurt war sicherlich ein trauriger Tiefpunkt. Doch auch zaghafte Spiele, wie das gegen Freiburg, warfen große Fragezeichen auf. Dabei waren die Erklärungsversuche im Trainerstab mit am enttäuschendsten, die im Regelfall in nichtssagenden Phrasen endeten. Soweit, so Fußball.

Am Sonntag war die Welt noch in Ordnung

Und doch zeigten die letzten Auftritte, wie schon in der Hinrunde, mehr als positive Ansätze. Schon die zweite Hälfte gegen Bremen war sehenswert. Aber auch die Ergebnisse gegen Gladbach und sogar gegen die Bayern geben nicht unbedingt die Leistung auf dem Platz wieder. Insbesondere das Spiel in München war ein couragierter Auftritt. Man spielte den FCB nicht an die Wand, doch verteidigte klug und engagiert, ohne sich in Mannschaftsstärke in das eigene Tor zu stellen. Dass die Konter nicht gut ausgespielt wurden, ist zwar schade, doch am Ende des Tages verzeihlich. Sicherlich ärgern Niederlagen, aber man hat ein gutes Spiel abgeliefert. Das Martin Schmidt dieses zum Verhängnis wurde, ist in der Tat schwer nachzuvollziehen.

Vor den Bayern ist nach den Bayern

Der Gedanke liegt nahe, dass die Entscheidung schon vor der Partie in München feststand. Vielleicht sogar schon nach der müden Partie in Leverkusen, vielleicht noch früher. Inmitten dieser Tour de Force durch die Top 5 der Liga den Trainer zu wechseln wäre in der Tat riskant gewesen. Im schlimmsten aber auch wahrscheinlichsten Fall hätte man den ominösen Trainereffekt ohne nennenswerten Mehrwert gleich verspielt. Alle Gegner der letzten Wochen waren und sind zu sehr in Form, um hier Überraschungen erwarten zu lassen. Und so musste man notgedrungen einen guten Auftritt in Kauf nehmen, um die schlechte Nachricht zu verkünden. Was zum Teil zu absurden Situationen während der Vorstellung des neuen Trainers führte.

Phrasen dreschen für Fortgeschrittene

Mit etwas mehr Mut und Fortune wäre auch in München etwas möglich gewesen, gab Stefan Reuter gewohnt selbst(un)kritisch zu Protokoll und man fragte sich instinktiv, wie der Trainer nun auch Mut und Fortune erzwingen sollte. Die gesamte Pressekonferenz geriet ganz in diesem Sinne zur Farce und der neue Trainer konnte einem durchaus Leid tun. Nach Reuter steht „der Heiko für die Gier, die Leidenschaft, die Siegermentalität“ die zuletzt wohl gefehlt habe.

Ob Stefan Reuter das Lachen bald vergehen wird? Hoffen wir es nicht. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Man fühlte sich unvermittelt und mit keinem guten Gefühl an die Vorstellung von Jens Lehmann erinnert. Schon damals weckte der Gedanke, dass mehr Siegermentalität schon zum gewünschten Erfolg führen würde, ein ungutes Gefühl. Und man hoffte und hofft wieder, dass der Manager nur drucktaugliche Zitate formulieren möchte. Ganz ungeachtet der Ironie, dass Heiko Herrlich nun nicht gerade für große Emotionen bekannt ist.

Merci vielmals Martin Schmidt

Auch Martin Schmidt hatte sich vielleicht ein wenig zu oft in Allgemeinplätzen verloren. Aber er hat sich auch zumeist vor sein Team gestellt, und vor allem hat er auch eine kluge und klare Meinung zu vertreten gewusst. Es ist schade, dass ihm nicht die Chance gewährt wurde, die Saison in Ruhe zu Ende zu spielen. Natürlich wäre es fahrlässig gewesen, die Situation zu unterschätzen, doch nicht minder fahrlässig ist es, in einer vergleichsweise komfortablen Situation auf einen neuen Trainer zu setzen. Das sind dezidiert keine Vorbehalte gegenüber Heiko Herrlich, auf dessen Fußball ich persönlich sehr (optimistisch) gespannt bin. Es sind Vorbehalte gegenüber den handelnden Personen. In der Pressekonferenz wurde die Frage aufgeworfen, wie aus der ruhigen Hand, die den FCA bislang ausgezeichnet hatte, eine zittrige Hand werden konnte. Das ist eine gute Frage, die vielleicht am Ende der Saison Stefan Reuter nochmals beantworten muss.

TGIF: Skandal im Sperrbezirk

Erstaunlich. Kaum hat der Pokal mit Saarbrückens Halbfinaleinzug nach einem dramatischen Elfmeterschießen wieder eine schöne Geschichte geschrieben, beginnt sich das Saarland die Freuden eines möglichen Aufeinandertreffens mit Bayern München auszumalen. Doch warum um alles in der Welt möchte man gegen den FCB spielen? Das ist ähnlich reizvoll wie Spiele gegen Hoffenheim. Warmes Bier. Oder der jährliche Besuch beim Zahnarzt. Für das Hinspiel hatte ich mich in den Pfälzer Wald zurückgezogen. Noch unter dem Eindruck des miserablen Saisonstarts war die Hoffnung groß, in einem Funkloch gnädige Ruhe zu finden. Wer konnte ahnen, wie sich das Spiel entwickeln sollte. Immerhin die zweite Hälfte konnte ich bei wackeligem Empfang auf einem einsamen Bahnhofsvorplatz in der Hinterpfalz verfolgen. Es war der Beginn des goldenen Winters. Am Sonntag bin ich vielleicht besser wieder dort.

Fakten zum Spiel #FCAFCBäh

Die Woche stand ganz im Zeichen des sogenannten Skandals von Hoffenheim. Kicker, Bildzeitung und Karl Heinz Rummenigge schwangen sich auf, um die Fussballwelt zu retten und die hetzenden Kurven in die Schranken zu weisen. Kaum ein Spiel zwischen Erster und Dritter Liga, das nicht wegen mehr oder minder verwegener Provokationen unterbrochen werden musste, kaum ein Fussballfunktionär, der nicht eine Meinung hierzu hatte. Dazu aber mehr in der Presseschau. Denn dabei ging ganz unter, dass der FCA zuletzt ein recht ordentliches Spiel hingelegt hatte und sich trotzdem gegen Gladbach wegen einiger mehr oder minder erklärbarer Aussetzer geschlagen geben musste. Immerhin konnte man mit Gladbach den sympathischsten (fast noch?) Meisterschaftsanwärter unterstützen. Wir helfen auch gerne in München!

Carlos Gruezos Rückkehr auf den Rasen in einem Pflichtspiel für den FC Augsburg war sehr vielversprechend. Ob er gegen die Bayern wieder ran darf? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Daniel Baier war zuletzt gelbgesperrt und dürfte wieder in die Startelf zurückkehren. Carlos Gruezo hinterließ aber einen sehr soliden Eindruck, so dass vielleicht Rhani Khedira auf die Bank rotiert. Trotz Tor war der Auftritt von Eduard Löwen eher durchwachsen, der von Alfred Finnbogason dafür umso vielversprechender. Die Frage, wie man die wackelige Defensive stabilisieren soll, ohne sich nur auf das Einmauern zu beschränken, wird wohl die Hauptsorge von Martin Schmidt sein.

Der Gegner

Die Bayern waren nach den 75 entspannten Minuten in Hoffenheim zuletzt wieder über die volle Spielzeit auf Schalke gefragt und gewannen recht glanzlos. Gegen Augsburg spielen die Bayern im Retro Trikot und ohne Lewandowski, was zwar irgendwie beruhigend klingen soll aber am Ende dann doch nur ein lauer Hoffnungsschimmer ist.

Die Bayern wissen auch ohne Robert Lewandowski genau, wo das Tor steht und treffen viel. Etwas erschreckend. (Photo by GLYN KIRK/AFP via Getty Images)

Unabhängig davon kann es nur funktionieren, wenn man den Bayern auf den Schuhen steht und auf ein Wunder hofft, inspiriert von den glanzvollen Siegen 2014 und 2015. Spannend wird aber auch zu beobachten sein, wie die Kurve im ersten Bundesligaspiel nach dem Hoppgate reagiert. Provokationen sind zu erwarten.

Die Presseschau…

…steht dieses mal ganz im Zeichen der Hoffenheim Nachlese. Wer mitreden und dabei ein wenig Empathie für die Belange der Kurve zeigen möchte, dem seien natürlich vor allem die klugen Kommentare der 11Freunde Redaktion empfohlen. Schon vorab äußerte sich Philipp Köster sehr klar zur Agenda Hopps und dem Problem mangelnder Kreativität im Protest. Die Süddeutsche beleuchtet das Verhältnis der Bayern Ultras zum eigenen Club und stellt auch das Engagement der Schickeria heraus, das nicht ganz dem vom Boulevard geprägten Bild der hassenden und hetzenden Kurve entsprechen möchte. Der Spiegel fragt nach der Verhältnismäßigkeit und wartet gespannt (und vermutlich vergebens) auf eine ähnliche Konsequenz bei Vorfällen, die nicht den Mäzen eines Bundesligaclubs betreffen. Und nicht zuletzt dankt unser ureigener Andy Riedl eben diesem Dietmar Hopp in einem mehr als lesenswerten Beitrag.

Was macht eigentlich Andreas Rettig?

Andreas Rettig wie er leibt und lebt. Er hat die Professionalisierung des FCA vorangetrieben wie kein Zweiter und seine Meinungsäußerungen treffen immer noch den Punkt. (Photo by Simon Hofmann/Getty Images for DFB)

Unser aller Lieblingsmanager wurde in den letzten Jahren vom Saulus zum Paulus. In Augsburg war er nicht immer mit allzu Fan-nahen Kommentaren aufgefallen und so schien der Schritt zur DFL fast konsequent. Aber seit seiner Zeit bei St. Pauli fällt er äußerst positiv mit klugen Einlassungen auf und auch im aktuellen Klima schrieb er einen bemerkenswerten Kommentar. Lesenswert!

Tipps

Irina: Staubtrockenes 4 – 1 für den FC Bayern. Die Münchener Übermannschaft spielt uns an die Wand und erinnert sich dann an Nachbarschaftshilfe, weshalb sie uns nicht mehr einschenken als die Viere. Keine Überraschung, die wiederum auch keiner erwartet hat.

Andy: 3-0 für die Bayern. Der FCB hat keinen Bock mehr nach dem 3-0 und spielt es locker runter. Wir bekommen überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel und haben keine Chance.

Sebastian: 0-2 für den FCA! Sensationssieg, Überraschung des Spieltags. Die Meisterschaft ist wieder offen. Ob durch eigene Leistung und zwei Tore von Alfred Finnbogason oder auf dem grünen Tisch nach Spielabbruch wegen erneuter despektierlicher Banner ist mir recht egal.

Wir müssen reden

Martin, das war also die versprochene Reaktion? Der Extra-Meter? Die neuen Reize? Klar, ein Unentschieden gegen Freiburg ist in der aktuellen Situation okay. Ich will auch nicht undankbar wirken, aber ein bisschen Enttäuschung ist dann doch da. Ich hatte irgendwie ein Blumenbouquet erwartet. Und Du bist mit Schnittblumen vom Discounter nach Hause gekommen.

Eine Zahl erzählt dieses Spiel. Zwischenzeitlich hatten die Freiburger bis zu 75 Prozent Ballbesitz. 75! In einem Auswärtsspiel. Während des Spiels war sich der Kommentator dann auch nicht mehr so ganz sicher, wie er das einordnen solle. Vielleicht sei die abwartende Haltung vom Trainer verordnet worden? Erst einmal Sicherheit rein bringen. Und immerhin waren die Freiburger so nett, das zu honorieren und spielten ihre spielerische Überlegenheit nicht bis zum Ende aus. Aber wieso sie das Spiel nicht gewonnen haben, wissen sie auch nicht so recht.

Gefühlt immer eine Fußspitze zu spät und andauernd hinterher gelaufen. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Auch deswegen könnte man mit dem Punkt zufrieden sein. Und das bist Du ja auch. Dir hat die „defensive Struktur“ gefallen, man habe solide verteidigt. Es fehlte nur noch „man war stets bemüht“ in der Aufzählung. Fakt ist, dass Freiburg einfach besser war. Perfekt auf den FCA eingestellt, dazu noch die wesentlich bessere Zweikampfquote und gefühlt jeden zweiten Ball gewonnen. Aber dazu gehört auch, dass Augsburg nichts eingefallen ist. Außer solide zu verteidigen. Es ist alleine Freiburgs fehlender Konsequenz zu verdanken, dass sie nicht binnen der ersten 45 Minuten haushoch führten. Spätestens in der zweiten Hälfte hätte man eine kleine Anpassung erwarten können. Nur eine kleine Stellschraube oder Umstellung. So sah das auch Julian Schieber im Halbzeitgespräch, angesprochen auf die bis hierin katastrophale Statistik: „Keine Sorge, das wird auch der Trainer gesehen haben.“

Manchmal hatte man das Gefühl, die Mannschaft wusste nicht genau, wo der Ball ist. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Aber die zweite Halbzeit hinterließ dann genauso viele Fragezeichen wie die erste. Die Mannschaft rieb sich an Freiburg und an sich selbst auf. Unnötige Fouls und noch unnötigere Diskussionen. Natürlich kann man immer auf die Klatsche in Frankfurt verweisen. Die fehlende Sicherheit. Aber liegt es nicht an Dir, diese herzustellen? Neue Impulse von außen zu setzen, auch einmal der Spieler und Zuschauer willen den Weg nach vorne zu suchen? Dafür muss man ja nicht das Tor aufmachen. Irgendwie ist es bei Augsburg immer ganz oder gar nichts. Es fehlt die Balance.

Natürlich steht auch dieses Mal wieder der Torwart in der Kritik. Und auch diese Diskussion müsste man führen. Aber Du hast vollkommen Recht, dass es nicht an Tomas Koubek lag, dass auch die Vorderleute mit in die Verantwortung gezogen werden müssen und auch andere Fehler machen. Doch das lenkt dann irgendwann den Blick auf den Trainer. Und dessen Verantwortung in diesem Puzzlespiel.

Und da schlägt es ein. Warum Freiburg aus der eigenen Feldüberlegenheit so wenig gemacht hat, wissen sie wohl selbst nicht. (Photo by Alexandra Beier/Bongarts/Getty Images)

Martin, ich war immer ein großer Fan von Dir. Aber derzeit habe ich große Sorge. Nach der Niederlage gegen Dortmund hast Du davon gesprochen, dass es in den Genen des FCA liegen würde, immer nach vorne zu spielen. Einer Deiner Lieblingsmetapher ist die der „Rennmaschinen“, die Du auf dem Platz sehen möchtest. Wir sind gerade ziemlich weit davon entfernt. Und die Frage stellt sich, was eigentlich hinter den ganzen Phrasen steckt. Auf der Bank sitzt viel Fußballfachkompetenz. Doch trotzdem hat man nicht zum ersten Mal das Gefühl, dass es auch da an Ideen fehlt. Dank des goldenen Winters sind es noch einige Punkte bis zum Relegationsplatz. Aber eingedenk der kommenden Spiele ist das Polster auch bitter nötig. Es bleibt die Hoffnung, dass der FCA manchmal auch gegen die Großen gut ausgesehen hat. Ich bin gespannt, ob Du schon an einem Plan tüftelst oder doch wieder Phrasen ausknobelst. So oder so. Bring das nächste Mal bitte Pralinen mit. Oder besser Bier.

TGIF: Streichlicht

Eine lange Woche geht zu Ende, die mit einer derart blamablen Niederlage im Rücken einem Spießrutenlauf glich. Umso größer ist die Freude auf das Bundesligawochende und die Wundertüte Augsburg. Freiburg ist zu Gast.

Fakten zum Spiel

Das Spiel in Frankfurt war schwerer zu verdauen als die vielen Becher Stadionbier. Andy hat es Anfang der Woche in einem immer noch lesenswerten Brandbrief auf den Punkt gebracht. Die zweite Hälfte der 0-5 Niederlage war desolat. Und am bedenklichsten dabei war, dass es einerseits nicht der erste Totalausfall der gesamten Mannschaft war und andererseits auch von außen keinerlei Impulse zu erkennen waren. Martin Schmidt, den man grundsätzlich als unprätentiösen Trainer schätzen kann, flüchtet sich leider allzu oft in Gemeinplätze. Auch diese Woche war erstaunlich wenig Selbstkritik zu erkennen. Reicht der Ruf nach Mentalität und dem Extra-Meter?

Nach seinem Erfolg mit der brasilianischen U23 beim Qualifikationsturnier für Olympia könnte Iago am Wochenende für wichtige Impulse sorgen. (Photo by Juan BARRETO / AFP) (Photo by JUAN BARRETO/AFP via Getty Images)

Immerhin, der Konkurrenzkampf wurde wieder verstärkt ausgerufen und das sogar im Tor. Es sind Änderungen zu erwarten. Tin Jedvaj hat sich vermutlich (als Rechtsverteidiger) rausgestolpert, Iago kommt mit Rückenwind zurück aus Südamerika und Eduard Löwen könnte für Stabilität im Mittelfeld sorgen. Mein persönlicher Tipp für die Startelf ist (einmal mehr) Noah Sarenren Bazee als neuer Impuls auf dem Flügel. Auf jeden Fall unverzichtbar ist Alfred Finnbogason, der bekanntlich gerne und oft gegen Freiburg trifft. Flo Niederlechner ist sowieso gesetzt, er sitzt am Samstagabend im ZDF Sportstudio.

Der Gegner

Bei dieser Gelegenheit geht ein Gruß in den den Schwarzwald, wo eines der schönsten Stadien der Bundesliga in seine letzte Saison geht. Der Gästeblock ist zwar verhasst, aber das schiefe Stadion zwischen Wohngebiet und Dreisam hat einfach großen Charme. Ganz generell gehört der SC Freiburg natürlich zu den Sympathieträgern im Profifußball, was nicht nur am Unikat Christian Streich liegt. Der dienstälteste Bundesligatrainer beweist Woche für Woche fußballerischen und gesellschaftlichen Sachverstand.

Christian Streich, wie er leibt und lebt.(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Und so gönnt man den Freiburgern eine recht gute Saison. Der Höhenflug zu Beginn der Hinrunde ist zwar verflogen aber trotzdem steht der Verein tabellarisch gut da. Zuletzt sprang ein glücklicher Sieg gegen Hoffenheim heraus, davor verlor man allerdings gegen Köln und Paderborn. Ist Augsburg Angst- oder Lieblingsgegner? Der FCA gewann nur eines der letzten acht Spiele gegen Freiburg, aber Freiburg konnte in Augsburg noch nie gewinnen. Na dann…

Die Presseschau

Die Woche ist im Spiegel der Presse schnell erzählt. Thema Nummer 1 war natürlich die Aufarbeitung der Auswärtspleite, ohne dass man zu wesentlichen Erkenntnissen gekommen wäre. Lesenswert ist der jüngste Beitrag der Süddeutschen zu Frage, warum Stephan Lichtsteiner in Augsburg nicht so recht funktionieren will und der damit zusammenhängenden Baustelle in der Verteidigung.

Stephan Lichtsteiner konsequent im Zweikampf. Das sah bisher leider nicht immer so aus. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Mit guten Nachrichten kam wie erwähnt Iago von der Olympia-Qualifikation zurück, bei der sich mit Brasilien im entscheidenden Spiel gegen Argentinien durchsetzen konnte. Iago spielte zwar nicht in allen Spielen des Qualifikationsturniers, aber oft genug. Das sollte Mut machen.

Ich ziehe meinen Hut

… vor Jürgen Klinsmann! Er hat die richtigen Konsequenzen aus meinem Artikel gezogen und als erstes die Tarnfleckjacke an den Haken gehängt und dann sogar sein Traineramt. Das war wirklich ein unwürdiges Spektakel und damit ist nicht die Niederlage gegen Mainz gemeint. Es hätte alles mega sein sollen, aber weil Michael Preetz (glücklicherweise) den Spielverderber gab, dann doch nur Durchschnitt. Zumindest in den einschlägigen Gazetten hat das Drama in und um die Hertha schon Champions League Niveau.

Tipps

Irina: Die Mentalität kehrt auf den Platz zurück und wir erkämpfen uns ein starkes 1:1

Andy: 3-1, der FCA ist wieder da.

Sebastian: 2-2, ein ehrliches und hochverdientes Unentschieden. Weniger Drama als zuletzt. Ein ganz unaufgeregter Bundesligasamstag im Mittelfeld der Tabelle. Das wäre schön…

“Babylon Berlin”

Als der FCA am Samstag in Köpenick den Samstag gemütlich ausklingen ließ, boten die Verantwortlichen des anderen Berliner Bundesligavereins bei ihrem Auswärtsspiel in Wolfsburg derweil einmal mehr einen kuriosen Anblick. Ein breites schwäbisches Grinsen zierte das Gesicht des neuen Berliner Hoffnungsträgers und mit ihren überdimensionierten Camouflage Daunenjacken wirkte der Trainerstab wie eine ironische Anspielung auf das aktuell 11Freunde Cover in Bling-Bling Optik. Eine Szene wie aus der Großraumdisko. Nur leider ist die Hertha im Jahr 2020 weit entfernt von jeglicher Selbstironie.

Rhetorische Blutgrätschen

Die Ankündigung, dass sich ein Investor mit einem dreistelligen Millionenbetrag bei der Hertha einkaufen und den Hauptstadtclub zu einem Spitzenverein in Europa machen wolle, ist mittlerweile auch einige Tage alt. Dem Investorengeld folgte mittlerweile Jürgen Klinsmann als Trainer, der den glücklosen Ante Covic ablöste. Klinsmann wurde bereits vom Investor in den Aufsichtsrat geholt und auch die kurzfristige und kurzzeitige Lösung als Trainer war im Sinne des Mäzen. Jürgen und Lars, das passt.

Da war er auf einmal ein Berliner: Jürgen Klinsmann. (Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Seitdem wird in der Hauptstadt Schwäbisch-Denglisch großgeschrieben und in endloser Redundanz auf den ‚Big City Club‘ verwiesen. Alles Dank des ‘Commitments‘ von Lars. “Berlin und Deutschland haben einen ‚Mega Club‘ verdient“. Klingt irgendwie wie eine Strafe für etwas, was man gar nicht getan hat. Auch das neue Berliner Umfeld zeigt sich in diesen Tagen rhetorisch mindestens ebenso stilsicher und besticht durch völlig ironiefreie Beiträge wie dem Bogen, den Klinsmanns Performance Manager Arne Friedrich vom US Militär zum Fußballplatz spannt. Alles mega.

Ein Windhorst braucht die Stadt

Dem Commitment von Jürgen folgten auch die erwartbaren Reflexe. So ziemlich jeder einigermaßen bekannte Nationalspieler, der im In- und Ausland keine tragende Rolle mehr spielt, wurde schon mit Berlin in Verbindung gebracht. Der eigene Nachwuchs spielt dagegen keine Rolle mehr, auch jüngere Verstärkungen wie Eduard Löwen konnten nach nur wenigen Monaten wieder gehen. Die perspektivische Verpflichtung von Lucas Tousart einmal abgesehen, war der Königstransfer in der Winterpause dann aber nicht ein Mario Götze oder ein Julian Draxler. Sondern Santiago Ascacibar, der vom VFB Stuttgart kam.

Nicht von ungefähr benennt Klinsmann Hoffenheim und Leipzig als Vorbilder, denen noch als Feigenblatt Gladbach quasi im Nachsatz nachgeschoben wird. Ist das der Weg, den man sich kaufen möchte, um als Big City Club auf der europäischen Bühne zu tanzen? Immerhin ist es nicht frei von Risiko. Andere Vereine haben eindrucksvoll vorgemacht, wie man das Geld der Investoren in den norddeutschen und niederbayerischen Sand setzen kann.

Fußballerische Gentrifizierung

Wer durch Berlin streift, der erkennt den Charme einer Stadt nicht in Geld und Größenwahn. Die Hauptstadt besticht durch einen ganz eigenen Stil. Ein Stil, bei dem der Bänker im Nadelstreifen auf dem Heimweg im Bus sein billiges Feierabendbier trinkt. Es ist nicht das hippe Berlin sondern das etwas angesiffte, das große Sympathien weckt. Trotzdem ist Berlin leider auch die Bühne der Investoren, des Umbaus und Aushängeschild der Gentrifizierung.

Es wirkt, als wolle die Hertha zum Spiegelbild der Hauptstadt werden. In dem Investoren die Hauptrolle übernehmen, ganze Projekte übernehmen und für ihre Klientel mit großem Geld erneuern. Nur welche Klientel, welches Publikum ist das?

Und wenn Lars Windhorst (rechts) keinen Bock mehr hat, dann verschwindet er halt wieder. (Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Natürlich wäre es naiv anzunehmen, dass der Erfolg der großen Clubs ohne Geld möglich gewesen wäre und gerade zukünftig sein wird. Die Sponsoreneinnahmen der Bayern übersteigen das Geld des Investors vermutlich um ein Vielfaches. Und auch in Augsburg hat man in etwas begrenzterem Umfang Erfahrungen mit Investoren. Es geht auch nicht um Fragen von Tradition und Erfolg oder den Einfluss Einzelner trotz 50+1 Regel. Es geht vielmehr um das grundsätzliche Verständnis und das Leitbild, dass sich die Bundesliga geben will. Es hat nichts mit Fußballromantik zu tun, wenn man den Versuch kritisch beäugt, einen Koffer voller Geld über einem Verein auszuschütten, um sich Erfolg – oder besser: Popularität – zu erkaufen. Erfolg kann man sich vermutlich auf lange Sicht schon kaufen, Popularität eher nicht.

Andere Vereine zeigen in eindrucksvoller Weise, wie man zu einem Aushängeschild einer Stadt werden kann. Man denke an die Frankfurter. Oder die Berliner. An der Alten Försterei.