Luxusprobleme allerorts

Morgen steht unser Spiel in Köln an. Köln ist in dieser Saison zumindest aus sportlicher Perspektive nicht zu beneiden. Auch nach den letzten beiden Siegen zu Beginn der Rückrunde steht der Effzeh, wie man den Verein in Köln liebevoll nennt, immer noch auf dem letzten Tabellenplatz. Es wird für die Kölner wohl ein Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag und für uns morgen auch keine einfache Partie.

Allerdings gibt es in Köln etwas, dass ich aus Augsburger Perspektive sehr gerne sehen würde. Der FC ist einer von nur sechs Vereinen in der Bundesliga, der noch selbst über 100% seiner Anteile verfügen kann. Im Gegensatz dazu haben wir in Augsburg 99% unserer Anteile damals an Walther Seinsch und seine Investorengruppe verkauft. Im Zuge seines Rückzugs hat dieser seine Anteile an Klaus Hofmann und Buddies weitergereicht. Ohne diesen Anteilsverkauf und die entsprechenden Finanzmittel daraus, würde es den FC Augsburg in der heutigen Form nicht geben. Allerdings scheint dies eine Einbahnstraße zu sein und ich halte diese Einbahnstraße für sehr gefährlich. Die Gründe hierfür möchte ich nachfolgend gerne etwas ausführlicher darlegen.

Nachdem es sich bei Bundesligavereinen um millionenschwere Wirtschaftsunternehmen handelt, besitzen die Anteile an diesen Unternehmen mittlerweile einen erheblichen Wert und stellen quasi das Tafelsilber eines Vereins da. In Köln gab es deswegen im Herbst 2017 eine Initiative, die dafür kämpfte, dass  nach einem Satzungsänderungsantrag die Vereinsmitglieder in einen Anteilsverkauf mit eingebunden hätten werden müssen. Dieser Satzungsänderungsantrag ist leider auf der Mitgliederversammlung abgelehnt worden. Die Mitglieder werden bei potentiellen Anteilsverkäufen bis 25% der Anteile weiterhin nicht eingebunden.

Auch bei anderen Vereinen wird darüber diskutiert sich potentiellen Investoren zu öffnen. So hat nicht unlängst der VfL Bochum beschlossen seinen Profibereich in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern, um nach diesem vorbereitenden Schritt, Anteile an der Kapitalgesellschaft an einen Investor verkaufen zu können. Dieser soll natürlich zum Vereinsleitbild passen und sich am besten nicht einmischen wollen.

Sind die Anteile erstmal weg, dann gibt es kaum noch einen Weg zurück. Dies gilt sowohl im guten wie im schlechten. Den negativen Fall kann man bei den Münchner Löwen beobachten. Sie haben sich mit Hasan Ismaik einen Investor ins Boot geholt, den sie nach einigen Streitereien gerne wieder loswerden würden. Allerdings verfügt der Verein nicht über die finanziellen Mittel, um Ismaik seine Anteile abkaufen zu können. Ismaik hält 60 Prozent der Anteile von 1860 und erst die finanziellen Probleme des Vereins haben dazu geführt, dass Ismaik an Bord geholt wurde. Der Schrecken wird sobald kein Ende nehmen.

Einen positiven Fall einer solchen Investorentätigkeit können wir bisher in Augsburg beobachten. Der FCA erwirtschaftet mittlerweile Millionengewinne (8 Millionen EUR im abgelaufenen Geschäftsjahr). Allerdings werden die Millionen von der Kapitalgesellschaft erwirtschaftet, die zu 99% Klaus Hofmann und Buddies gehört. Also steht dieser Gewinn am Ende wirtschaftlich auch den Investoren zu. In der Jugend des FCA kommt davon erstmal nichts an. Der Verein wird darüber hinaus auch nicht in die Lage versetzt, seine Anteile zurückzukaufen. Solange der Laden läuft und die handelnden Personen gleich bleiben, scheint die Lage stabil zu sein. Allerdings kann ja vieles im Leben ganz schnell gehen und schon findet man sich in einer Lage wieder, wie die Münchner Löwen.

Oder wie Hannover 96. Dort ist Martin Kind mittlerweile so lange am Verein beteiligt, dass die 50+1 Regel von ihm ausgehebelt werden kann.  Wenn Klaus Hofmann nur lange genug seine Beteiligung halten wird, dann wird er in Augsburg auch über diese Möglichkeit verfügen. Wobei, wer kontrolliert schon die Einhaltung der 50+1 Regel? Wird bei den Vereinen wirklich nachgeschaut, ob im Alltag ein Vereinsvertreter in den offiziellen Organen der Kapitalgesellschaften die Stimmmehrheit der Vereinsmitglieder in der Praxis zur Kontrolle oder Gestaltung im Alltag umsetzt? Natürlich nicht. In Augsburg hat kein Vereinsvertreter einen offiziellen Posten z.B. in Geschäftsführung oder Aufsichtsrat der KGaA. Und wenn Klaus Hofmann sich wundert, wie RB Leipzig die Lizenz erhalten hat, so wundere ich mich, warum er nicht strukturell beim eigenen Verein anpackt.

Langfristig geht es sportlich auf und ab. Köln pendelt immer mal wieder zwischen erster und zweiter Liga. Die rosigen Zeiten werden wahrscheinlich auch in Augsburg nicht ewig halten. Hoffen wir, dass wir dann nicht nur wirtschaftlich mit Bedacht agiert sondern auch strukturell die richtigen Weichen gestellt haben.

Bang, Bang, Finnbogason

FC Augsburg – 1. FC Köln
(3. Spieltag, 3:0)

Zwei Mal daheim, zwei Mal Gäste aus dem Rheinland. Der Frohsinn in Augsburg kennt – glaubt man den Fans aus Köln und Mönchengladbach – also gar kein Ende. Aber mal ehrlich: Egal wer da angereist wäre, wir wären um jede Mannschaft froh gewesen, denn nach der Länderspielpause unmittelbar nach Beendigung des 2. Spieltags will man einfach gleich weitermachen und nicht wieder verhältnismäßig unwichtige WM-Qualifikationsspiele schauen müssen. Der Durst war umso größer, waren letzten 45 Minuten auf heimischem Rasen im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach doch so fulminant, dass wirklich jeder FCA-Fan wissen, wie es nun weiter geht. Binge Watching, FC Augsburg Edition, sozusagen.

Die Ausgangslage

Die Domstädter reisten mit schwerem Gepäck (null Punkte), erfolgsverwöhnter Euphorie (endlich Europa!) und herkunfsbedingten großen Erwartungen (mehr Europa!) nach Augsburg. Vor allem ersteres dürfte im Gegensatz zum mitreisenden Anhang die Spieler auf dem Platz wohl am ehesten beschäftigt haben, denn sowohl die 1:3-Niederlage vor heimischem Publikum als auch das Testspiel in der Länderspielpause gegen Fünftligist TV Herkenrath waren nun wirklich kein Grund zum Jubeln. Gegen den HSV kann man ja schon mal verlieren und auch das Testspiel wurde letztendlich gewonnen, aber die große Entspannung spürt man aktuell nicht rund ums Geißbockheim.

In Augsburg hingegen hat man die Transferphase und die Länderspielpause ohne größere Schrammen beenden können und man war gespannt, wie vor allem der wechselwillige Stafylidis wieder ins Mannschaftsgefüge integriert werden würde. Sicherlich höchst professionell, denn so wie in dieser Causa läuft es nun eben manchmal im Fussball Business…

Das Ergebnis

Höchst professionell und mit immer noch null Punkten und sicherlich einer bisschen betrübten Euphorie schickte man die Rheinländer dann auch wieder nach Hause. Die Art und Weise des Ganzen war jedoch mehr als beachtlich. 3:0 – in Worten: Drei zu Null. Wann gab es das denn zuletzt zu bestaunen auf dem Lechfeld?

Sowohl in der Höhe als auch im Endergebnis geht das vollkommen in Ordnung, denn auch wenn die Kölner in nahezu allen Spieldaten die Nase vorn hatten, überzeugen konnte die Mannschaft von Peter Stöger jedoch nicht.

Worüber wird diskutiert?

Strittige Punkte gab es kaum. Der FC Augsburg bekam einen Elfer der Marke ‘Kann-muss-nicht’ glaubt man den einen Experten, oder einen Elfer der Marke ‘Muss-man-geben’, glaubt man den anderen. Der Video Assistent wurde konsultiert und zum ersten Mal am 3. Spieltag nun auch im Sinne von Augsburg entschieden. Ende der Diskussion.

Nicht einmal Daniel Opare, den sicher die Mehrzahl der anwesenden Fans mit Bauchschmerzen in der Startformation sahen, leistete sich einen opare’schen Schnitzer. Ganz im Gegenteil: Über die gesamte Spielzeit hinweg war der Aushilfsverteidiger stets auf der Höhe des Spielgeschehens – hatte jedoch auch gegen verunsicherte Kölner leichtes Spiel. Wir wollen jedoch, nicht nur aus rein humanitären Gründen, auf eine baldige Genesung Raphael Frambergers hoffen…

Was war gut?

Alfred Finnbogason.
Drei Tore.
Nach diesem Spieltag Toptorjäger der Bundesliga.

Damit wäre eigentlich auch alles gesagt, wenn denn nicht die Mannschaftsleistung als Ganzes durchaus Beachtung verdient hätte. Auch muss erwähnt werden, dass die beiden Spieler, die sich nach außen hin in der Länderspielpause am stärksten positioniert haben, nämlich Khedira und Heller, ihre Chance beide genutzt und die Ambitionen erfolgreich angemeldet haben dürften. Die Variante Baier/Khedira im Vergleich zu Baier/Koo bestach durch eine größere Stabilität gegen den Ball ohne Kreativität einzubüßen, die ohnehin nur von Baier im Spielaufbau ausging. Und auch Heller machte nach Vorne wesentlich mehr Dampf als es Jonathan Schmid trotz Leistungssteigerung zur letzten Saison jemals tat.

Was war schlecht?

Bei einem 3:0-Sieg gegen einen Europapokal-Teilnehmer muss man schon arg kritisch hinschauen, um das Haar in der Suppe zu finden. Wir sind hier ja schließlich immer noch in Augsburg, oder?

Dennoch: Ein paar kleine Schnitzer gab es. Hinteregger hat wohl noch die Länderspiele im Hinterkopf gehabt und auch bei Marwin Hitz scheint sich in dieser Saison abzuzeichnen, dass er im Spielaufbau lieber auf die sichere Nummer setzen sollte, anstatt Situationen spielerisch zu lösen. Auch Michael Gregoritsch sollte langsam aber sicher mal seinen brutalen Schlegel wiederfinden, denn wir können uns ja auch nicht jedes Spiel auf eine Leistungseruption unseres Isländers verlassen. Dass der Österreicher aber ein sensibler Spieler ist, bei dem im Umfeld sich alles ausgehen muss, war bekannt. Hoffen wir, dass er sich bald eingelebt hat.

Was passiert als nächstes?

In der kommenden Woche geht es dann mal wieder auf große Fahrt. Ziel: Frankfurt am Main. Mit der Eintracht wartet dort ein Gegner, der unangenehm zu bespielen ist. Die früh attackierende Spielweise unter Trainer Niko Kovac ist sicherlich nichts, womit der FC Augsburg unheimlich gut umgehen kann. Die Eintracht legt zudem keinen großen Wert auf Ballbesitz und kontrollierten Spielaufbau – auch vor heimischem Publikum nicht. Will der FC Augsburg ebenfalls nicht das Spiel machen, was zumindest immer die Grunddevise des schnellen Umschalt- und Konterspiels unter Baum war, dürfte die Partie eine enge Kiste werden, bei der individuelle Fehler den Ausschlag geben können.

Und auf den Business Seats?

Unter der Woche erschien ein Artikel zum Thema Moritz Leitner, der recht schnell die Runde im Internet machte und an mancher Stelle aufgegriffen wurde. Trainer Manuel Baum wird dort seiner Rolle aus großer Förderer Leitners abermals gerecht und betont, dass man dem Jungen Zeit geben werde, damit er sein volles Potential abrufen kann.

Alles schön und gut und niemand sollte Talente verheizen – nicht im Fussball oder sonst irgendwo. Nun ist Leitner jedoch keine 19 Jahre mehr alt und hat nach Dortmund, Stuttgart und Lazio Rom schon ein paar Stationen durch, in denen er sein Talent nicht unter Beweis stellen konnte. Die zwei Millionen, die Augsburg vergangenen Winter für Baums ehemaligen Schüler auf den Tisch legte, scheinen sich jedoch langsam in ein Investment Marke Matavz zu entwickeln. Glaubt man mannschaftsnahen Quellen, so hat Leitner immer wieder Schwierigkeiten, die Spielphilosophie Baums umzusetzen. “Zielstrebiger” müsse er werden, so Baum, und “sich nicht in der Zirkulation verlieren”. Das würde man sich sicherlich auch in ganz Augsburg wünschen, denn schließlich stand Leitner einst beim TSV 1860 München auf einer Entwicklungsstufe wie der knapp drei Jahre jüngere Julian Weigl. Und der darf sich schließlich immer noch Hoffnungen machen, kommendes Jahr zur WM nach Russland zu fahren.