Der Sportdirektor für die Zukunft?

Auch ich hatte vom FCA als der grauen Maus in der Bundesliga geschrieben, und das ist nun gar nicht lange her. Bis vor kurzem konnte ich mir eine solche Unruhe, wie sie kurz vor dem Ende der abgelaufenen Saison durch den Rücktritt von Klaus Hofmann und den Abschied von Markus Weinzierl aufgekommen war, nicht vorstellen. Wo Weinzierls Abschied zwar in der Sache nicht vollkommen überraschend war, war die Art und Weise ein Paukenschlag. Und fällt auch auf die weiterhin Verantwortlichen des FC Augsburg zurück.

Und gab es in der Hinrunde der Saison, gerade nach der Partie in Mainz, Diskussionen über die Person des Sportdirektors, so bauten sich diese nun zu einem Sturm der Entrüstung in seine Richtung auf. Selten waren in den sozialen Medien in Augsburg so viele eindeutige Kommentare zu lesen. Der Sog des Shitstorms und der Entrüstung zog viele in seinen Bann. Mit ein paar Tagen Abstand war uns klar, dass wir nicht einfach nur „Reuter raus“ mit brüllen wollten. Das Handeln unseres Managers in über 10 Jahren Tätigkeit für den FC Augsburg in unterschiedlichen Konstellationen machte aus unserer Sicht eine detaillierte Auseinandersetzung in seiner Serie von Artikeln notwendig. Diese schließen wir hiermit ab, nachdem wir uns Stefan Reuters Arbeit in Bezug auf Trainer, Transfers, Kommunikation und Jugend angeschaut haben. Sorgfältig und mit Bedacht haben wir uns ein Bild gemacht.

Das Positive

Stefan Reuter ist mit dafür verantwortlich, dass der FC Augsburg über so viele Jahre hinweg in der Bundesliga tätig ist und bisher den Abstieg in die zweite Liga vermeiden konnte. Einerseits hat er zu Beginn seiner Amtszeit an Markus Weinzierl festgehalten und damit die sportlich erfolgreichste Phase des FC Augsburg in seiner Geschichte eingeleitet.

Er hatte auch in vielen Fällen ein geschicktes Händchen auf dem Transfermarkt und der Baba-Transfer hat das Zeug für eine Legendengeschichte. Aber auch die Verpflichtung von Spielern, die sich nachhaltig beim FCA verbessern konnten und hier den Sprung zu Größerem geschafft haben, gelang in vielen Fällen sehr gut. Stefan Reuter hat zudem in der Phase des Übergangs von Seinsch zu Hofmann für Stabilität gesorgt. Kaum eine Person im Club steht nach außen mehr für Kontinuität als Stefan Reuter.

Der Verbesserungsbedarf

Zuallererst sind hier die Trainerentscheidungen hervor zu heben. Nach Weinzierl kam Schuster. Und nach Baum kamen Schmidt und Herrlich, als auch Weinzierl zum zweiten Mal. Außer unter Manuel Baum hat es nach Markus Weinzierl unter keinem Trainer mehr etwas länger gepasst. Die Quote ist schlecht, zumindest für Augsburger Verhältnisse. Man kann nur hoffen, dass Enrico Maaßen uns hier positiv überraschen wird.

Aber auch bei anderen wichtigen Entscheidungen lag Reuter mal daneben. Hier ist dann auch so manch teurer Transfer zu nennen, mit Tomas Koubek an vorderster Front. Gerade weil der FC Augsburg nicht oft viel Geld in die Hand nimmt, müssen gerade diese Transfers dann sitzen. Bei Hinteregger hat man nur einen minimalen Transfergewinn erwirtschaftet und bei Ricardo Pepi wird man noch sehen müssen. Alles in allem ausbaufähig.

Der Knackpunkt in diesem Bereich ist die Kommunikation. Der FCA und Reuter selbst reagieren auf Kritik sehr abwehrend. Gerade in Zeiten der Unruhe wird nicht bis kaum kommuniziert. Für die vielgepriesene FCA Familie gibt es anstatt klarer Kommunikation, die Vorstellung der Gastro Partner über Social Media. Das ist schlicht nicht ausreichend.  

Wie geht es weiter?

Unter Walther Seinsch hat es sich eingebürgert, dass zwischen Trainer, Manager und Präsident Einigkeit bestehen muss, bevor gehandelt wird. Zu dieser bestehenden Troika hat sich nun in den letzten Jahren mit dem Geschäftsführer Finanzen Michael Ströll eine weitere Person gesellt. Zuletzt wirkte es eher so, als ob die vielen Köche den Brei verderben würden. Es fiel gar das Wort „Machtkampf“. Nun ohne Präsident und mit einem neuen, selbst-ausgesuchten Trainer sollte die Handlungsfähigkeit wiederhergestellt sein und Stefan Reuter zeigen können, welche Impulse er selbst setzen kann.

Insgesamt ist Reuters Schicksal nun sehr mit der Arbeit von Enrico Maaßen verknüpft. Sollte Maaßen Scheitern mag man sich gar nicht vorstellen, was aus der gerade abebbenden Welle der Kritik dieses Sommers erneut werden würde. Es scheint schwer vorstellbar, dass Reuter sich dann halten könnte, ohne dass eine deutliche Entfremdung von den Fans und Mitgliedern rapide voranschreiten würde. Einem Präsidenten ist die Entscheidung in jedem Falle nicht anzulasten.

Konstanz vs. Veränderung

Interessant ist in jedem Fall der Blick auf andere, vergleichbare Vereine. Einerseits sei hier Mainz zu nennen, die auch ihr Tal an sportlichen Krisen durchschreiten mussten, bevor nun mit Heidel und Schmidt bekannte Gesichter zurück in der Verantwortung sind. Andererseits ist Freiburg zu nennen, die weiterhin mit Christian Streich, die Trainerpersönlichkeit der Bundesliga an vorderster Front haben. Hier zeigt sich, dass manchmal eine mehr an Kontinuität auch ein Mehr an mittel- und langfristigem Erfolg bringt. Ein Blick nach außen zeigt auch, dass der FCA bei weitem immer noch nicht der größte Chaosclub des Landes ist, auch wenn es uns selbst so vorkommen mag. Die Hertha und andere stechen hier noch viel mehr hervor.

Andererseits erreicht man in manchen Konstellationen manchmal, auch ohne dass man es selbst realisiert, die Grenzen seiner Möglichkeiten. Vielleicht sind wir mit Stefan Reuter hier angekommen und es braucht einen neuen Impuls. Die Frage ist nun, wie viele Versuche man dem Ganzen noch gibt, bevor man die Flinte ins Korn wirft. Und hinterher ist man dann immer schlauer. Zumindest für die Saison 2022/23 gibt es jetzt mindestens noch einen Versuch mit Stefan Reuter als Sportdirektor.

Was die Zukunft bringt, sehen wir dann früh genug. Und gegrantelt wird ja sowieso. Einzig sollten wir schauen, dass unser Zweifel und Vorbehalte sich nicht auf die Mannschaft übertragen. Ich bin zumindest gespannt, was Maaßen und Team mit der Unterstützung der Fans auf den Rasen bringen können und freue mich jetzt schon auf den Start der neuen Saison. Aber ich bin halt an mancher Stelle auch ein hoffnungslos Hoffnungsvoller. Es wird Zeit, dass der FCA mal wieder positiv überrascht, damit mir das nicht irgendwann vergeht.

Autor: Andy

Wohnt und arbeitet in Frankfurt. Denkt dennoch seit vielen Jahren fast immer an den FCA.

2 Gedanken zu „Der Sportdirektor für die Zukunft?“

  1. Nicht nur der Trainer steht im Focus.
    Warum hat man in einer extrem schwierigen Zeit nicht die Baustellen zu gemacht ( links und Rechtsverteidigung) genauso im Mittelfeld.
    Dafür hat man Pepi geholt. Viel zu teuer und er hat überhaupt keine Impulse in der Rückrunde gebracht.
    Ob er überhaupt BL tauglich ist, wird sich in der neuen Saison zeigen.
    Wenn nicht qualitativ nachgebessert wird, dann wird es dieses Jahr extrem schwer die Klasse zu halten.
    Einen Abstiegskandidat gibt es aktuell nicht.
    Bin gespannt.

  2. Tut mir leid, die Arbeit von Herrn Reuter kann ich nachvollziehen, es ist kein Sturm da, das Mittelfeld wackelt seit der Baier weg ist, das einzige positive ist der Torwart, man sollte mal nach Freiburg schauen, was die alles richtig machen

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