Bringen wir es zu Ende

Am Samstag geht in Hoffenheim die sechste reguläre Bundesligasaison unseres FCA zu Ende. Dabei steht erneut die sportliche Zukunft unseres Vereins auf dem Spiel. Das kann man nun negativ sehen, aber zumindest sind wir nicht direkt abgestiegen. In der letzten schlechten Phase während dieser Saison, hätte ich dies nicht mehr für ausgeschlossen gehalten. Das sportliche Team hat das Ruder erfolgreich herum gerissen. Jetzt müssen wir unseren Vorsprung „nur noch“ erfolgreich ins Ziel retten.

Aller Fokus liegt dabei zu Recht momentan auf dem Sportlichen. Dass der Bezahlkartenanbieter Pleite ging, ist zwar ärgerlich, aber für die Probleme in diesem Zusammenhang findet der Verein mit seinen Geschäftspartnern mit Sicherheit eine Lösung. Das jeder Fan sein Guthaben erstattet bekommt, steht dabei für mich außer Frage. Das wird Zeit brauchen, aber ich habe Vertrauen in die Verantwortlichen. Für solche Themen ist die Sommerpause quasi erfunden worden.

Am Samstag in Hoffenheim geht es vorher um viel Wichtigeres. Wir können selbst die siebte Bundesligasaison unter Dach und Fach bringen. Wieder einmal könnten wir den direkten Klassenerhalt schaffen. Dass dabei gegen Hoffenheim eine niedrige Niederlage ausreicht, sollten wir nicht beachten. Hoffenheim hat auf Grund des schlechteren Torverhältnisses im Vergleich mit dem BVB einen großen Anreiz uns ordentlich einschenken zu wollen. Ich kann mir auch schlecht vorstellen, dass der HSV den Wolfsburgern eine Packung verpasst. Würde ich nehmen, aber wo soll das herkommen?

Dennoch ist mir überhaupt nicht Bange, dass am Samstag die laut Goalimpact ca. 6%ige Wahrscheinlichkeit eintritt, dass wir in die Relegation müssen. Klar, Mario Gomez spielt immer noch in Wolfsburg und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass er den HSV alleine erledigt. Was ein Stürmer seiner Klasse überhaupt in Wolfsburg verloren hat, ist eine der großen philosophischen Fragen dieser Saison. Darauf müssen wir uns allerdings am Samstag nicht verlassen.

Meine Zuversicht liegt in der Hauptsache an den Auftritten unserer Mannschaft in den letzten Wochen. Wir stehen momentan wieder stabil in der Abwehr und lassen dem Gegner wenige Möglichkeiten sich zu entfalten. Klar, Hoffenheim ist eine der besten Mannschaften der Liga. Aber war das Dortmund am Samstag nicht auch schon? Ich bin Stein und Bein davon überzeugt, dass sich unsere Mannschaft am Samstag in Hoffenheim nicht abschießen lassen wird. Die Jungs haben ihre Kampfeslust wiedergefunden und werden es den Hoffenheimern zumindest schwer machen. Wann denen die Lust vergeht, ist dabei die einzige Frage. Dazu schaffen wir es aber auch gegen solche Mannschaften gefährliche Angriffe auszuspielen und Tore zu schießen. An der Chancenverwertung können wir noch arbeiten, aber es ist doch schon sehr beruhigend, dass wir endlich wieder in der Lage sind selbst Chancen zu kreieren. Es wurde auch Zeit!

Und wenn es am Samstag zwischenzeitlich doch mal nicht so gut aussehen sollte, dann sind mindestens 3000 Augsburger in Hoffenheim, die das Stadion übernehmen und der Mannschaft den Rücken stärken werden. Das wir gemeinsam in Hoffenheim mehr Stimmung machen werden als die Gastgeber, steht für mich außer Frage. Die Mannschaft wird dies spüren. Wir haben in dieser Saison schon oft Rückstände gedreht und sind in Spiele zurückgekommen. Im Zweifel werden wir das auch am Samstag wieder machen. Dann schaffen wir auch diesen letzten Schritt zusammen, #egalwasauchpassiert.

Update der Baum-Tabelle: Die Zweifel am Trainer sind verflogen

Sonntagabend. Der Abstiegskampf in der Bundesliga ist eine aufwühlende Zeit. Viel passiert in Augsburg. Höhen und Tiefen wechseln sich quasi wöchentlich ab. Zeit etwas zurückzublicken.

Nach dem Spiel gegen die Bayern hatte ich mir die zwischenzeitlichen Ergebnisse des FCA unter Manuel Baum in Relation zum Rest der Bundesliga angeschaut, und begründet warum es für Panik noch zu früh war. Danach kamen schlimme Wochen. Niederlage hat sich zwischenzeitlich an Niederlage gereiht und es ist zeitweise die Zuversicht etwas verloren gegangen. Manuel Baum stand wohl kurz vor der Beurlaubung. Letzte Woche hat der FCA nun gegen den HSV den großen Befreiungsschlag gelandet und gestern gegen Gladbach einen wichtigen Punkt eingefahren. 7 Punkte aus den letzten 4 Spielen ist ordentlich. Auf Platz 13 haben wir zumindest etwas Abstand zum Relegationsrang vor den letzten beiden Saisonspielen. Mainz 05 und der HSV müssen beide eins ihrer beiden letzten Spiele gewinnen, um an uns vorbeizuziehen. Der direkte Abstieg ist quasi zudem kaum mehr möglich. Es könnte schlechter stehen und vor zwei Wochen hätte ich das auch noch befürchtet.

Ich habe mir nun erneut die Mühe gemacht, die Baum-Tabelle auf den aktuellen Stand zu bringen:

Platz Team Geschossen Kassiert Differenz Punkte
1 Bayern München (M, P) 46 8 38 45
2 Borussia Dortmund 35 20 15 35
3 RB Leipzig (N) 31 20 11 33
4 TSG Hoffenheim 34 20 14 32
5 Werder Bremen 37 23 14 31
6 SC Freiburg (N) 22 30 -8 28
7 Bor. Mönchengladbach 28 24 4 27
8 VfL Wolfsburg 20 26 -6 26
9 FC Schalke 04 25 22 3 24
10 Hamburger SV 19 32 -13 24
11 FC Augsburg 23 34 -11 22
12 1. FC Köln 28 27 1 22
13 FC Ingolstadt 04 23 31 -8 21
14 Hertha BSC 17 27 -10 19
15 Bayer 04 Leverkusen 24 30 -6 17
16 1. FSV Mainz 05 17 25 -8 17
17 SV Darmstadt 98 15 32 -17 16
18 Eintracht Frankfurt 13 26 -13 15

Die Punkteausbeute ist ok. Mit dieser Punkteausbeute – auf die ganze Saison hochgerechnet – würden wir mit 42 Punkten den Klassenerhalt leicht schaffen. Unter Manuel Baum steht der FCA da, wo er gefühlt auch hingehört: im gesicherten Mittelfeld. Offensiv können wir mittlerweile in der Liga mithalten, defensiv bestand über lange Zeit unter Manuel Baum immenser Verbesserungsbedarf. Wir werden sehen, ob wir hier dauerhaft mehr Sicherheit gewonnen haben. Dortmund und Hoffenheim werden anspruchsvolle Prüfungen in dieser Hinsicht.

Für mich bedeutet die Kehrtwende in den letzten 4 Wochen jetzt schon viel. Nachdem Stefan Reuter Manuel Baum das Vertrauen ausgesprochen hatte, hat dieser gezeigt, dass er die Mannschaft weiterhin erreicht. Zudem hat er gezeigt, dass er offensive Lösungen finden und einstudieren kann. Philipp Max hätte gestern schon wieder fast ein Tor vorbereitet und die offensiven Außenspieler haben wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Auch Gladbach hatte Probleme mit den langen Diagonalbällen, mit denen der FCA versucht hinter die Pressingstaffelung der Gegner zu gelangen und die freien Räume zu nutzen. Obwohl deutlich unerfahrener steht Manuel Baum nicht schlechter da als die Kollegen Peter Stöger in Köln oder Pal Dardai in Berlin als auch Martin Schmidt in Mainz. Hätten wir gestern gewonnen, wäre die Lage wohl glasklar gewesen. Dennoch will ich mich heute festlegen: Wir sind auf der Trainerposition gut aufgestellt und es bedarf am Saisonende keines Wechsels, #egalwasauchpassiert. Wenn alle Stricke reißen, soll uns der Baum halt wieder hochführen. Ich habe mittlerweile die Überzeugung gefunden, dass er auch in schwierigen Situationen in der Lage ist, Lösungen zu finden.

Das heißt jetzt nicht, dass ich hier aufhören werde zu kritisieren, wenn ich denke, dass Dinge falsch laufen. Hätte ein dritter Innenverteidiger gestern das Gegentor verhindern können, wenn er in der Schlussphase zum Mauern eingewechselt worden wäre? Warum hat es die Mannschaft nicht geschafft das 2:0 zu machen? Nur das kritische Hinterfragen wird weiterhin zu Verbesserungen führen.

Ich glaube dennoch, dass Manuel Baum sich das Vertrauen in Augsburg verdient hat. Wir scheinen auf dem richtigen Weg. In der Relegation werden zwar auch die Nerven und das Matchglück eine große Rolle spielen, aber wenn ich mir die letzten Partien so ansehe, würde ich als Zweitligist lieber gegen den HSV oder Leverkusen spielen als gegen uns. Das Selbstvertrauen ist zurückgekehrt. Mit diesem Ergebnis von Manuel Baum nach 18 Bundesligaspielen bin ich doch gespannt, was er in einer vollen Saison mit Vorbereitung im Sommer bewerkstelligen kann. Am besten natürlich in der ersten Liga.

Auf der Suche nach Konstanz

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

4:0 zu Hause gegen den HSV. Ich gebe zu, ich hätte es vor diesem Spieltag nicht für möglich gehalten. Ich hätte nie vermutet, dass wir vier Tore schießen. Ohne Gegentor zu bleiben ist an dem Resultat noch das wahrscheinlichste der unwahrscheinlichen Ereignisse. Derweil, habe ich mich an Rückstände gewöhnt und an Tore nach Standardsituationen. Abgestellt. Auf einmal. Am allermeisten hat mich allerdings fasziniert, wie wir auf einmal über die Flügel Torgefahr ausgestrahlt haben. Dies ist uns bisher in dieser Saison noch nie gelungen. Sowohl Jonathan Schmid als auch Philipp Max spielten gegen den HSV so gut wie nie zuvor im Trikot des FCA. Jonathan Schmid hat Matthias Ostrzolek teilweise wie einen Schulbuben aussehen lassen. Das tat gut.

Der Statistikdienst Goalimpact hat im Nachgang ausgerechnet, dass nur noch eine ca. 10%ige Chance besteht, dass der FCA auf dem Relagtionsplatz landet. Die Chance des Direktabstiegs ist auf unter 2% gesunken. Dies ist ein deutlicher Rückgang von vorher 24 und 9 Prozent. Der Sieg gegen den HSV war ein richtiger Big Point und die Art und Weise macht Hoffnung. Dennoch hat es das Restprogramm mit Spielen gegen Gladbach, Dortmund und Hoffenheim weiter in sich. Tobias Escher, einer der angesehensten Taktikexperten des Landes, macht dieses Restprogramm in einer Analyse der Abstiegskandidaten dafür verantwortlich, dass wir immer noch ein realistischer Kandidat für den Relegationsplatz sind. Aus seiner Sicht liegt das vor allem daran, dass uns die Gegner nicht liegen und unsere Schwächen hinter der ersten Pressingreihe ausnutzen könnten.

Derweil habe ich seit Sonntag wieder die feste Überzeugung, dass wir – schwere Gegner hin oder her – selbst den direkten Klassenerhalt schaffen können. Dafür müssen wir nun allerdings einen weiteren Schalter umlegen: Wir brauchen Konstanz und müssen die Leistung vom Wochenende in den letzten drei Saisonspielen wiederholt abrufen. Und mit der Konstanz ist es in dieser Saison ja nicht besonders weit her. Nach dem hoffnungsvollen Spiel zu Hause gegen Leipzig sind wir auswärts zerlegt worden. Nach dem Sieg gegen Köln sind wir in Frankfurt in der Schlussphase auseinander gebrochen. Konstanz geht uns diese Saison ab. Darum können wir immer noch nicht mit Sicherheit für die nächste Saison in der ersten Bundesliga planen.

Mich stimmt positiv, dass sich am Sonntag niemand verletzt hat und immer mehr Spieler immer fitter werden. Es hilft, dass wir seit Sonntag wissen, was diese Mannschaft leisten kann. Alfred Finnbogason sah am Sonntag schon stark verbessert aus und scheint langsam seine Form zu finden. Raul Bobadilla konnte zumindest schon wieder kurz mit angreifen. Auch Jeffrey Gouweleeuw und Kostas Stafylidis sind defensiv deutliche Verstärkungen. Manuel Baum scheint langsam sein Personalpuzzle gelöst zu haben und spielerische Automatismen können im Endspurt nur hilfreich sein. Ich bin gespannt, ob wir endlich eine Stammformation gefunden haben. Auf dem Weg zur Konstanz würde ich mir dies wünschen.

Wenn es nach mir geht, können wir den Abstiegskampf am Samstag dann auch beenden. Unterstützt von vielen Fans, die mit dem Sonderzug nach Gladbach fahren, sollten wir eines der wenigen Teams, das wir in der Hinrunde schon geschlagen haben erneut schlagen. Und auch wenn uns Gladbach taktisch nicht liegen mag, so gibt es sehr wohl positive Erinnerungen an diesen Gegner über den Hinspielsieg hinaus. Vor knapp zwei Jahren hat Sascha Mölders in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Gladbach den Deckel auf unsere erste Europa League Teilnahme gesetzt. Wenn wir am Samstag in Gladbach den fast sicheren Nichtabstieg besiegeln würden, wäre die Freude zumindest bei mir ähnlich groß. Das Resultat bei mir wäre konstante Erleichterung. Nach dem Spiel gegen den HSV haben wir die Chance, die Saison positiv zu Ende zu bringen. Spielerisch stark und mit Optimismus für die neue Saison. Denn auch dann wollen wir – konstant – weiter in der ersten Bundesliga mitspielen.

Was ich mir für #Augsburghältzusammen wünsche

Mit meinem Beitrag gestern zu #Augsburghältzusammen wollte ich meine Haltung gegenüber dieser Kampagne zum Ausdruck bringen, nachdem ich von mehreren Seiten diesbezüglich kontaktiert wurde. Vor allem, da sich die T-Shirts aus meiner Aktion und der Aktion des Vereins sehr ähnlich sind und der Schriftzug auch auf den Sondertrikots präsent war, gab es mir gegenüber ein paar Rückfragen, die ich nicht unbeantwortet lassen wollte. Selten hat ein Beitrag solch eine Resonanz hervorgerufen. Ich habe unterschiedlichste Reaktionen erhalten. Zuspruch von vielen Seiten, der mich gefreut hat, Menschen, die sich zu Gunsten von Simon ein T-Shirt gekauft haben, aber auch Kritik und Verständnislosigkeit. Solange es sachlich bleibt, kann ich damit gut leben. Es ist mir wichtig, dass es einen Meinungsaustausch gibt und dass unterschiedliche Alternativen diskutiert werden. Ich nehme mir trotzdem manche Kommentare sicher mehr zu Herzen, als ich sollte.

Und wenn ich gestern meine Enttäuschung gegenüber dem Verein geäußert habe, dann nur deswegen, weil ich die Hoffnung hatte, dass unter dem Titel #Augsburghältzusammen, mehr passiert als nur bloßes Marketing. Und nur wo es Hoffnung gibt, kann diese auch enttäuscht werden. Ich habe die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben. Es tut sich ja auch viel Gutes. Als im Winter die Bombe in der Augsburger Innenstadt entschärft wurde, hat sich der Zusammenhalt der Menschen auf eine sehr schöne Art und Weise gezeigt und der Verein hat seinen Beitrag geleistet. Der FCA engagiert sich. Erst heute hat er über die Fortschritte des Projekts „Fremd wird Freund“ per Pressemitteilung informiert:

Als vor einigen Wochen mehr als 20 Kinder aus insgesamt 7 verschiedenen
Nationen gemeinsam mit FCA-Torwart Andreas Luthe unter dem Motto “Fremd wird Freund” auf dem Gelände des Augsburger Nachwuchsleistungszentrum trainierten, zeigte sich der Fußball von seiner besten Seite: als Motor der Integration.
“Es ist großartig, dass das Engagement von Andreas Luthe und der Verein In safe hands e.V. mit diesem Bündnis auf noch breitere Füße gestellt werden kann”, sagt FCA-Geschäftsführer Michael Ströll. “Wir unterstützen dies gerne, weil in diesem Projekt Integration wirklich gelebt wird.”

 

Im Rahmen des Projekts „Fremd wird Freund“ wird es ein offenes Sport- und Bildungsprogramm für viele Kinder der Stadt geben. Wöchentliche Fußballeinheiten ergänzt von Hausaufgabenbetreuung und Deutsch-Kursen für 8 – 12jährige Mädchen und Jungen auch ohne vorherige Anmeldung scheinen mir ein sehr guter Weg zu sein, Integration im Kleinen zu erreichen. Ich finde das Engagement in diesem Zusammenhang und das Projekt sehr wichtig und glaube, dass es an den richtigen Schnittstellen ansetzt.

Immer wieder wurde ich zudem darauf hingewiesen, dass weiteres Engagement des FCA im Verborgenen stattfindet. Dies ist auch recht und billig, wenn die Betroffenen nicht wollen, dass das Engagement öffentlich wird. Dennoch wünsche ich mir mehr. Was denn noch, werden sich nun einige fragen. Genauso konsequent, wie der FCA seinen sportlichen Plan verfolgt, will ich, dass er ein fortlaufendes Engagement für Stadt und Region mit einem durchgehenden roten Faden entwickelt. Mir kam es so vor, als ob #Augsburghältzusammen dafür der richtige Titel wäre. Von den Fans in der Nordkurve am ersten Spieltag als Versprechen für die Saison und darüber hinaus ausgegeben, nun vom FCA selbst für die Kampagne aufgegriffen.

Ich frage mich in diesem Zusammenhang, wie das momentane Engagement des FCA aussehen würde, wenn es im Winter weder die Bombenentschärfung gegeben hätte noch Andreas Luthe aus Bochum zu uns gewechselt wäre. „Fremd wird Freund“ ist zu einem Hauptteil seine Idee und ein Konzept seines Vereins insafehands e.V., welches in Bochum schon umgesetzt wurde. Und so wünsche ich mir für den FCA, dass er für sein gesellschaftliches Engagement für Stadt und Region genau wie für die sportlichen Belange einen langfristigen Plan entwickelt und diesen kommuniziert. Naja ungefähr so, wie damals Walther Seinsch selbstbewusst verkündet hat, dass er mit diesem Verein in ein neues Stadion und die erste Bundesliga einziehen will. Ich bleibe jedenfalls dabei, dass mir wichtig ist, dass dieser Verein weiterhin eine klare Haltung hat und diese sich vorbildhaft öffentlich in den Aktionen abseits des Rasens wiederfindet. Dann stehe ich gerne zu diesem, meinem Verein – ligaunabhängig – #egalwasauchpassiert.

Geht #Augsburghältzusammen über Marketing hinaus?

Gestern 4:0 gegen den HSV gewonnen. Durchatmen. Kurz innehalten. Ab morgen Richtung Gladbach schauen, um die restlichen Punkte für den Klassenerhalt am besten dort direkt zu sammeln.

Das bietet mir die Gelegenheit heute zu einem Thema Stellung zu nehmen, welches nicht direkt mit den Geschehnissen auf dem Rasen zu tun hat. #Augsburghältzusammen, die Kampagne des FC Augsburg im Saisonendspurt, hat gestern wohl ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, indem ca. 30.000 T-Shirts mit dem Slogan verteilt wurden um ein spektakuläres weißes Bild im Stadion zu schaffen.

Wer ein bisschen zurückdenkt in den Herbst letzten Jahres, erinnert sich, dass ich damals T-Shirts genau mit dem selben Slogan drucken ließ und diese zu Gunsten von Simon verkaufte. An das Schicksal von Simon kann man nicht genug erinnern, gerade weil es am nächsten Wochenende erneut nach Gladbach geht, den Ort des Auswärtsspiels, von dessen Rückreise zwei Fans weniger zurückgekehrt sind als sollten. Die Rückreise, die Simons Leben für immer verändert hat.

 

Im Shop biete ich auch momentan noch T-Shirts an, deren Reinerlös komplett Simon zu Gute kommt. Das Interesse an den Shirts wird wohl zurückgehen, jetzt wo der FCA so viele T-Shirts mit dem Slogan kostenlos unters Volk geworfen hat.

Allerdings gibt es die T-Shirts des FCA nicht im Verkauf und nur in weiß. Schwarze Originale gibt es immer noch nur hier im Shop. Und es steht auf der Vorderseite das richtige drauf: Augsburg hält zusammen. Mich hat die Aktion auch nicht überrascht, denn der FCA hat meine Aktion nicht nur mitbekommen, sondern durch eine Stadiondurchsage im Herbst selbst unterstützt. Und bevor nun die T-Shirts für die eigene Aktion in die Produktion gingen hat Michael Ströll, Geschäftsführer des FCA, kurz angerufen und mich über die geplante Aktion informiert. Ich habe mir die Gelegenheit auch nicht nehmen lassen, ihm damals meine spontanen Gedanken zur Aktion mitzuteilen und meine Erwartungen an den Verein in dieser Hinsicht zu formulieren. Ich habe seitdem weiter über die Aktion nachgedacht und will meine Gedanken auch für euch kurz zusammenfassen:

  • Wenn T-Shirts verteilt werden, so war mein Gedanke, dass diese – wie bei meiner Aktion – in Augsburg produziert würden. Dies war nun nicht der Fall. Es kam wohl vor allem auf den Preis an.
  • Im Prinzip halte ich das Verteilen von T-Shirts weiterhin nicht für eine nachhaltige Aktion, denn ein T-Shirt sollte eine gewisse Wertigkeit erfahren und entsprechend nicht als Wegwerfprodukt verschleudert werden. Auch wenn dies sicher nicht alle Fans so handhaben werden, wird der Prozentsatz doch zumindest relevant sein.
  • Alternativ hätte man das Geld, dass in die T-Shirts geflossen ist, der organisierten Fanszene für Choreografien zur Verfügung stellen können. Das Ganze sah zwar gestern nett aus, kommt aber bei weitem nicht an die Choreos ran, die wir in den letzten Jahren regelmäßig in Augsburg gesehen haben.
  • Zudem frage ich mich, und diese Frage habe ich Hr. Ströll auch gestellt, welcher Kerninhalt hinter #Augsburghältzusammen steht. Die Augsburger tragen ihr Geld zum FCA? Wie arbeitet der FCA auch langfristig neben dem Rasen für die Stadt und Region (wie das z.B. Werder Bremen macht)? Darauf habe ich bisher leider keine Antwort gesehen.

Ich will an dieser Stelle positiv festhalten, dass der FCA von sich aus den Kontakt gesucht hat. Dies halte ich nicht für selbstverständlich. Die Kampagne #Augsburghältzusammen ist für mich leider bisher trotzdem eine reine Abstiegskampf-Marketingkampagne. Außer der Werbung für den FCA scheint es unter diesem Titel, der für viele im Stadion mehr bedeutet, leider vom FCA bisher keine nachhaltigen Handlungen für Stadt und Region zu geben. Andreas Luthe überstrahlt mit seinem persönlichen Engagement für insafehands e.V. alle derzeitigen Bemühungen des Vereins. Und so habe ich mich dann gestern doch etwas geärgert, als die Spieler zum warm machen aus dem Tunnel kamen und die Shirts anhatten. Ich hatte im Herbst über Twitter angefragt, ob die Mannschaft die Shirts für Simon als Aufwärmshirts nutzen will und keine Antwort erhalten. Ich suche zudem im Moment jemanden der mir grafisch hilft weitere Shirts zu entwerfen, die für wohltätige Zwecke verkauft werden können (wenn jemand jemanden kennt bitte Email an kontakt@rosenau-gazette.de). Der FCA hat eine solche Reichweite, nutzt diese aber zumindest nach meinem Empfinden fast ausschließlich für eigene Belange. In diesem Zusammenhang zitiere ich dann immer wieder gerne Klaus Hofmann: „Wer keine Lust mehr hat, zu lernen und besser zu werden, hat keinen Platz mehr beim FC Augsburg.“ Da geht noch mehr lieber FC Augsburg. Für die Stadt und die Region. Denn Augsburg hält zusammen. Egal was auch passiert und nicht nur im Stadion.

Geht ein Ruck durch Augsburg?

Letzte Woche der nächste Nackenschlag: auswärts in Berlin 2:0 verloren. Wieder ein Tor nach einem Standard kassiert. In der Abwehr zu offen gewesen, nach vorne zu ungefährlich. Keine nennenswerte kämpferische Reaktion der Mannschaft. Vor dem Spiel war die Hoffnung zumindest noch gemäßigt, die Wende zu schaffen. Nach dem Spiel war sie kurzzeitig komplett verschwunden. Dennoch treten wir heute nicht gegen Köln an, um uns in die zweite Liga reichen zu lassen. Die Hoffnung ist erneut groß auf einen Wendepunkt, vielleicht sogar größer als letzte Woche. Wie kommt das?

Zuerst begann nach dem Spiel gegen Berlin eine kurze Phase, in der in Augsburg alles in Frage gestellt wurde. Nach dem Spiel in Berlin musste man sich fragen, ob Manuel Baum der richtige Trainer ist. Am Montag hatten Mannschaft und Trainer einen freien Tag. Marathonsitzungen von Präsidium, Geschäftsführung und Aufsichtsratsmitgliedern fanden am Montag statt und dauerten lange an. Am Dienstag geschah dann das, was für Außenstehende teilweise überraschend wirkte: Manuel Baum bekam von Stefan Reuter das Vertrauen bis zum Saisonende ausgesprochen. Der FCA reagierte nicht panisch und zog die Reißleine. Ob wir damit Erfolg haben werden, wird sich heute und in den nächsten Wochen zeigen. Die Entscheidung ist traditionell eine „Augsburger“ Entscheidung. Schon im ersten Jahr unter Markus Weinzierl haben wir nach 9 Punkten in der Hinrunde am Trainer festgehalten und es hat sich ausgezahlt. Panik ist kein guter Ratgeber, es wurden sich viele Gedanken gemacht und man kam zu einer wohl durchdachten Entscheidung. Intern ist der Glaube an Manuel Baum immer noch groß und mit dieser Überzeugung rücken die Verantwortlichen zusammen.

In einem zweiten Schritt wurde die Mannschaft in die Pflicht genommen. Am Mittwoch ging es in ein Kurztrainingslager an den Chiemsee. Es wurden neben den fußballerischen Einheiten auch Team Building Maßnahmen angesetzt. Es ist allen Beteiligten klar, dass am Samstag zumindest bzgl. Einsatz und Kampfeswillen eine Reaktion gezeigt werden muss. Schon vor dem Trainingslager war in den Einheiten in Augsburg zu erkennen, dass die Intensität und Aggressivität höher waren als in den Wochen zuvor.

Nun kam die Mannschaft am Freitag zurück und es wartete die organisierte Fanszene. Eine Mannschaft, die keinen Einsatz und keine Kampfbereitschaft zeigt, kann schnell bei den eigenen Fans ins Hintertreffen geraten und die Stimmung kippen. Dies wird zumindest heute nicht der Fall sein, den die Fanszene in Augsburg hat nach dem Treffen die klare Botschaft ausgegeben, dass die Mannschaft während der kompletten Spielzeit positiv unterstützt werden soll. Ein deutliches Bekenntnis, dass auch die Fans weiterhin die Situation annehmen und der Mannschaft immer noch den Rücken stärken.

Und so weiß man natürlich nicht, welches Ergebnis in ca. 3 Stunden gegen den 1. FC Köln herausgekommen sein wird. Nach dem erneuten Kack-Spiel gegen Berlin hätte die Woche in der momentanen Situation aber wohl nicht viel besser laufen könne. Die Mannschaft hat es heute in der Hand, den Karren ein Stückchen aus dem Dreck zu ziehen. Ich glaube zumindest wieder daran, dass heute eine deutliche Reaktion zu erkennen sein wird. Das ist mehr als ich nach dem Spiel gegen Berlin zu hoffen gewagt hätte. Ich glaube, wir wollen das heute mehr als die Kölner und wir werden die Punkte in Augsburg behalten.

Rückbesinnung auf alte Stärken

Gegen Hertha wird es darum gehen, einen mittelmäßigen Gegner endlich wieder mal zu schlagen, um sich etwas Luft im Abstiegskampf zu verschaffen. Der Druck ist jetzt schon immens und es wird ansonsten nicht besser. In aller Ausführlichkeit habe ich mich diese Tage schon dazu ausgelassen, dass es einer deutlichen Steigerung des kämpferischen Aspekts bedarf. Der Abstiegskampf muss endlich angenommen werden. Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, dass wir überhaupt ein Spiel in dieser Liga gewinnen. Dann können wir uns über die Zweikämpfe das nötige Selbstvertrauen holen und uns vielleicht bei einem der heimstärksten Teams der Liga etwas Luft verschaffen.

Für das Spiel gegen Hertha erwarte ich daher eine klare Rückbesinnung auf die alten Stärken des FCA. Wir haben in den letzten Spielen einfach zu viele Gegentore kassiert. Wir dürfen nicht immer in Rückstand geraten. Ich erwarte daher, dass das Spielsystem darauf ausgerichtet ist, die Räume eng zu machen und den Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Wir müssen defensiv endlich wieder kompakt stehen. Dies könnte mit einer Rückkehr zum altbewährten 4-5-1 einhergehen. Wir haben dieses System über vier Jahre lang gespielt. Es bietet vielleicht die für den Moment nötige Sicherheit. Wenn dann einige Zeit vergeht, ohne dass die Scheunentore geöffnet wurden, können wir auch wieder an die Offensive denken. Manuel Baum hat in der Pressekonferenz vor dem Spiel angedeutet, dass es eine Rückkehr zu diesem System geben könnte, da mit Martin Hinteregger ein Innenverteidiger gelb-gesperrt fehlt.

In einem zweiten Schritt wird es sehr bedeutsam sein, dass wir uns auf die einfachen Dinge zurückbesinnen. Bälle zur Seite fausten, Standards verteidigen, in „normale“ Kopfballduelle gehen, einfache Pässe an den Mann bringen. Und dann braucht es kein Spektakel bei eigenem Ballbesitz. Lieber halten wir den Ball auch mal in den eigenen Reihen, finden ein Gleichgewicht und bauen etwas langsamer auf, anstatt dem Gegner über schnelle, misslungene Konter immer wieder sofort den Ball zu schenken. Unsere erfahrenen Kräfte werden gefragt sein, den richtigen Rhythmus zu finden und für Ruhe zu sorgen.

Personell würde es mich freuen, wenn wir auch in dieser Hinsicht wieder einen Schwerpunkt auf Zweikampfstärke legen würden. Dominik Kohr, auch wenn die Gerüchte bzgl. einer möglichen Verpflichtung durch Borussia Mönchengladbach sich überschlagen, ist in dieser Hinsicht nicht ersetzbar. Vor allem als Duo zusammen mit Daniel Baier hat er in so vielen Partien den rechten Halbraum besetzt, der gegen Ingolstadt besonders anfällig war. Ich glaube auch, dass wir vom Modell mit zwei Stürmern wieder abrücken sollten, um ein Übergewicht im Mittelfeld zu schaffen. Die Zeit der Experimente sollte vorbei sein.

Hertha ist dabei einer der wenigen Gegner in der Bundesliga, der sich etwas im Niemandsland der Tabelle befindet. Der Druck und der Ansporn ist hoffentlich geringer als bei unserer Mannschaft. Die Leistungen der Hertha in letzter Zeit waren nicht immer überzeugend. Wie würde ich mir einen Befreiungsschlag wünschen. Lasst uns direkt in Berlin alles dafür tun. Denn natürlich brauchen wir im Abstiegskampf zuallererst Punkte. In der Hauptsache muss sich allerdings ein Mentalitätswechsel auf dem Platz zeigen. Aus welchem Holz ist die Mannschaft gemacht? Darauf bin ich sehr gespannt.

Wer aus der Mannschaft führt den FCA aus der Krise und in die Zukunft?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Diese Saison gestaltet sich immer schwieriger für den FC Augsburg. Kurz vor der Winterpause hat man seit Jahren zum ersten Mal in Augsburg wieder einen Trainer entlassen. Dirk Schuster wurde vor die Tür gesetzt, weil die sportliche Ausrichtung der Mannschaft nicht mehr mit den Vorstellungen der Geschäftsführung des Clubs übereinstimmte. Mit Manuel Baum kam zwar ein zwischenzeitlicher Aufschwung, aber aus der Abstiegsregion in der Tabelle konnte sich der FCA trotzdem nicht nachhaltig lösen. Mittlerweile ist der FCA vollends im Abstiegskampf angekommen. Einerseits liegt das sicher auch an der grundsätzlich großen Leistungsdichte in der Bundesliga. Andererseits hat sich der FCA für teuer Geld verstärkt und sollte genügend sportliche Qualität haben, um im Mittelfeld der Tabelle mitzuschwimmen, ohne sich allzu viele Sorgen zu machen. Zumindest ist das der Anspruch, wenn man nun doch endlich den Trainer mit der passenden Ausrichtung gefunden haben will.

Dennoch trifft den FCA eine Entwicklung in der Mannschaft besonders hart, die zwar vorhersehbar aber nicht planbar war. Die Mannschaft des FC Augsburg ist über viele Jahre an einem Gerüst gewachsen und dieses Gerüst ist natürlich gealtert und gereift. Letztes Jaht hat man dafür auch endlich mit Marvin Hitz fürs Tor eine sehr gute Konstante gefunden, die auf internationalem Niveau überzeugen kann und eigentlich sehr wenige entscheidende Fehler macht. Außer diesem Stützpfeiler ist aber kaum eine Stütze der Mannschaft mehr verlässlich in dieser Saison verfügbar. Ein nötiger Umbruch wird gerade in dieser Saison schon in ersten Schritten vollzogen. Ragnar Klavan wurde vor der Saison nach Liverpool abgegeben und obwohl man mit Martin Hinteregger einen adäquaten Ersatz gefunden hat, tat sich auf ein Mal an einer anderen Stelle in der Abwehr ein Fragezeichen auf. Paul Verhaegh hat entweder seine erste große Formkrise seit er für den FC Augsburg spielt oder der Leistungsabfall vor dem Karriereende kündigt sich nicht nur an sondern ist schon angekommen. Unser Kapitän, der es in Augsburg zum niederländischen Nationalspieler geschafft hat, spielt in dieser Saison konstant unter seinen Möglichkeiten und es ist nicht genau ersichtlich warum. Gegenüber seinem Gegenpart auf der linken Abwehrseite, Kostas Stafylidis, fällt er von der Leistung her deutlich ab. Hätte sich Raphael Framberger nicht am Knie verletzt, würden wir über diese Personalie im Saisonendspurt wohl noch häufiger diskutieren. In der jetzigen Situation fehlen hier schlichtweg die Alternativen.

Im Mittelfeld ergibt sich leider ein ähnliches Bild. Hier war während der gesamten Bundesligajahre des FCA Daniel Baier Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Ein genialer Fußballspieler, der in der Vergangenheit wohl nur aus Altersgründen von Jogi Löw keine Berücksichtigung für die Nationalmannschaft erfuhr, musste diese Saison nun schon einige Spiele mit Achillesehnenbeschwerden zuschauen. Vor allem im Spiel gegen den Ball ist Baier immer noch ein geschickter Balleroberer, der statistisch in der Bundesliga mit am meisten Pässe abfängt. Seine Erfahrung in der Spielkontrolle kann wohl von keinem anderen Spieler im Kader ersetzt werden. Die Verteidigungsversuche von Moritz Leitner in seinen bisherigen Einsätzen nach seiner Rückkehr zeigen wie hoch die Latte von Baier in der Vergangenheit gelegt wurde. Und so liegt es nicht nur daran, dass Baum seine taktische Ausrichtung und damit einhergehend seine Aufstellung regelmäßig ändert, dass dem FCA in der Zeit nach dem Abgang von Dirk Schuster die defensive Stabilität etwas abhanden gekommen ist.

Dabei sah es in der Defensive lange Zeit noch gut aus, und erst in der Rückrunde sind die riesigen Löcher aufgebrochen. Offensiv sucht der FCA diese Saison insgesamt doch sehr oft nach Lösungen und findet sie zu selten. Auf der 10er Position war über einige Jahre Halil Altintop ein wichtiger Leistungsträger. Altintop wird im Winter 35 Jahre alt und hat für mich mittlerweile am meisten Wert als Joker mit Einfällen von der Bank. Altintop kommt diese Saison auf eine sehr hohe Anzahl von Einsätzen. Er wird noch oft gebraucht, gerade weil in der Offensive viele Spieler mit hoher Qualität verletzt ausfielen. Caiuby, Finnbogason und Bobadilla haben alle mit Verletzungen lange gefehlt oder fehlen noch und diese Ausfälle kann der FCA nicht einfach so auffangen. Und somit ist Dong-Won Ji der Spieler mit den meisten Einsätzen in der Offensive. Er ist zwar mit 3 Toren in der Offensivabteilung einer der besten Torschützen zusammen mit Raul Bobadilla und  (beide hinter Altintop und Stafylidis mit je 4 Treffern) aber trotzdem oft nicht effektiv genug. Insgesamt ist Ja-Cheol Koo wohl in der Offensive noch am ehesten als Stützpfeiler zu bezeichnen. Danach kam bis zur Genesung von Raul Bobadilla lange niemand. Der ist allerdings nicht der typische Führungsspieler. Er geht zwar immer mit vollem Einsatz voran, übernimmt in kritischen Situation allerdings nicht das Kommando und legt den Hebel um. Wer wird das in Zukunft für den FCA machen? Viel wichtiger wohl: wer wird das nun im Abstiegskampf machen? Für diese Saison hoffe ich auf eine dauerhafte Genesung von Daniel Baier und das er uns erneut zum Klassenerhalt führt.  Boba wird hoffentlich die Tore dafür schießen, aber offensiv muss sich ein Leader zeigen. Hat Halil noch genügen Körner im Tank? Danach bin ich gespannt, wie im Sommer der Umbruch auch von Seite des Clubs weiter begleitet wird. Bei Abstieg droht wohl eine heftige Schocktherapie. Es wäre schön, wenn wir diese erneut vermeiden könnten. Dafür müssen die Führungsspieler sich allerdings zeigen und voran gehen.

Wir sitzen in der Scheiße – Zeit den Karren aus dem Dreck zu ziehen

Die englische Woche ist noch nicht ganz vorbei und wir sind vollends im Abstiegskampf angekommen. Nach Debakeln gegen Bayern und Ingolstadt, spielt Ingolstadt am Wochenende gegen Darmstadt und kann bis auf einen Punkt an uns heranrücken. Es droht nicht (wie so lange diese Saison) der Relegationsplatz. Es droht der direkte Abstieg in die Zweitklassigkeit. In einer Saison, in der wir uns lange in Sicherheit gewähnt haben, stecken wir nun mitten in der Scheiße.

Manuel Baum war vor dem Spiel gegen Ingolstadt von unserer Qualität überzeugt. Noch vor dem Spiel gegen Freiburg hat er kundgetan: „Wir sind von unseren eigenen Stärken überzeugt.“ Derweil sah die Mannschaft sowohl gegen die Bayern als auch gegen Ingolstadt richtig schlecht aus. Auch Ingolstadt hätte noch deutlicher gewinnen können, hat uns durch doofe eigene Fehler (Rogers Fallrückzieher) wieder ins Spiel gelassen und wir können froh sein, dass das Torverhältnis nicht mehr gelitten hat. Der Trend spricht mittlerweile deutlich gegen uns.

Es wird jetzt Zeit für die Verantwortlichen dies anzuerkennen. Bei Manuel Baum scheint die Erkenntnis noch nicht gereift zu sein, wie schwierig die Situation ist. Angesprochen auf die schlechte Darbietung seiner Mannschaft antwortete er auf SKY: „Die Meinung finde ich schon etwas exklusiv.“ Äh, nein. Exklusiv wäre die Darstellung, dass wir gegen Ingolstadt mitgehalten hätten. Defensiv weit weg von früherer Kompaktheit waren wir teilweise überfordert. Das Ergebnis beschönigt doch vieles. Und wenn uns die letzten 15 Minuten positiv stimmen sollen, dann ist das  Augenwischerei. Stefan Reuter sagt dazu: „Wir denken nicht über die 2. Liga nach.“ Vielleicht bin ich auch der einzige der dann denkt, dass bei den verantwortlichen Personen der Ernst der Lage öffentlich noch nicht eingestanden wird oder vielleicht auch nicht angekommen ist. Ich fühle mich ehrlich gesagt etwas verarscht. Ich beobachte, wo es uns nächstes Jahr hin verschlagen könnte anstatt im Westfalenstadion zu spielen. In einem ersten Schritt erwarte ich von allen Beteiligten, dass sie sich dem Ernst bewusst werden. Es ist sehr gut möglich, dass wir am 20.05. 17:30 Uhr aus der ersten Liga abgestiegen sind. Wenn wir weiter so spielen wie am Mittwoch, dann haben wir in der ersten Liga auch nichts verloren.

Wenn wir diesen Schritt der Erkenntnis dann endlich hinter uns gebracht haben, dann können wir versuchen alle zusammen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der zweite Schritt, nachdem wir die Situation als bedrohlich anerkannt haben, ist, dass sich jeder Beteiligt selbst fragt, ob er bereit ist die Situation anzunehmen. Die Verantwortlichen untereinander müssen klären, ob sie selbst der Situation gewachsen sind. Es wäre keine Schande für Manuel Baum, als Trainerneuling in der ersten Bundesliga, aufzugeben, wenn es uns die Rettung bringt. Es wäre jetzt auch keine Schande einen Psychologen dazu zu ziehen, der mit dem Team arbeitet. Und wir sollten anfangen, unsere jungen Spieler wie Kevin Danso zu schützen, damit diese nicht verbrannt werden. Die Situation erfordert erfahrene Kräfte mit maximaler Einsatzbereitschaft, die mit der Situation umgehen können. An dieser Stelle Hut ab vor Halil Altintop: nach seiner Einwechslung am Mittwoch war er direkt ein Antreiber, hat angefeuert und gepusht. Wir brauchen mehr davon. Ich hoffe jetzt auch, dass sich die Mannschaft zusammenrottet und gemeinsam die Herausforderung angeht. Von Manuel Baum erwarte ich, dass er genau erkennt, wer den Kopf in den Sand steckt und entsprechend aussortiert. Wer aber bereit ist, bis zum Saisonende alles für den Club zu geben, der wird jetzt gebraucht.

Und wenn ich ehrlich bin, dann beunruhigt mich das am meisten. Ist die Mannschaft wirklich bereit alles zu geben, bis zum äußersten? Unsere Topspieler machen einfache Fehler, wie Marwin Hitz beim ersten Gegentor gegen Ingolstadt. Fouls wie das von Ja-Cheol Koo kurz vor der Halbzeit zeigen, dass es um die Nerven nicht gut bestellt ist. Man sieht auch zaghaftes Zweikampfverhalten. Wir brauchen Konzentration, Entschlossenheit und den Willen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, egal was auch passiert. Den seien wir ehrlich, und das gehört zur Erkenntnisphase dazu: die Bayern wollten es beim Stand von 6:0 noch mehr als wir und Ingolstadt wollte es am Mittwoch mehr als wir. Aber wenn wir das ändern, dann haben wir zumindest noch eine Chance. Eine Chance, dass wir am Ende nicht zum ersten Mal aus der ersten Bundesliga absteigen. Wenn wir uns weiter nicht mit der zweiten Liga auseinandersetzen und uns auf unsere Qualität verlassen, dann reicht das nicht aus. Die anderen kämpfen schon um ihr sportliches Überleben und wir lassen uns die Butter vom Brot klauen. Ich werde sauer, wenn ich das nur schreibe. Wir sollten alle sauer werden und endlich die letzten Prozentpunkte herauskitzeln. Zeit, dass wir endlich anfangen ordentlich zu kämpfen und nicht nur Phrasen dreschen. Ich will auf dem Platz sehen, dass wir kämpfen. Es geht um viel. Es geht um die FCA-Familie, es geht um rot, grün und weiß.

Und wenn es dann am Ende doch nicht reicht, dann haben wir es wenigstens versucht. Aber wie sagt man so schön: Wer nicht kämpft, der hat schon verloren.

In eigener Sache: Man habe ich gekotzt gestern. Ich wollte schon zu einer wütenden Tirade ansetzen, gestern Abend direkt. Es hätte nicht gut geendet. Heute mag man mir vorwerfen, dass ich nicht kritisch genug bin. Ich beobachte dennoch genau, wer und was uns aus meiner Sicht in die heutige Situation gebracht hat. Ich glaube aber fest, dass der Patient noch lebt, auch wenn wir kurzfristig künstlich beatmen müssen. In den nächsten Wochen gibt es nur ein Ziel: den Klassenerhalt. Die Scherben können wir auch danach noch aufkehren und die Verantwortlichen benennen. Heute bringt uns dann aus meiner Sicht nicht weiter. 

Es gibt Gründe, warum es für Panik noch zu früh ist

Spektakel hat er uns versprochen, der Manuel Baum. Gut, es ist schon eine Weile her, aber so etwas wie gegen die Bayern gestern hat er damit wohl nicht gemeint. Unsere Mannschaft wurde hergespielt, phasenweise vorgeführt. Es tat weh beim Zuschauen. Es tut heute immer noch weh. Und es ist nicht das erste Mal. Auf Schalke und in Mainz sahen wir auch nicht gut aus, haben es dem Gegner zu einfach gemacht und Punkte leichtfertig abgegeben. Wir werden nach diesem Spieltag auf dem 16. Tabellenplatz, dem Relegationsplatz, stehen und am Mittwoch gegen Ingolstadt geht es um viel. Ingolstadt nochmal selbst rankommen zu lassen wäre fahrlässig und gefährlich. Die Mannschaft muss am Mittwoch eine Reaktion zeigen. Es braucht Feuer, Biss und Kampf. Die Zeichen dafür stehen nicht so schlecht, wie man nach den subjektiven Eindrücken der letzten Wochen urteilen möchte. Zuerst hat die Mannschaft in vielen Partien schon eine tolle Moral gezeigt. In Darmstadt haben wir nach Rückstand noch gewonnen. Zu Hause gegen Freiburg und Leipzig hat zumindest in beiden Partien der Einsatz immer gestimmt. Die Moral der Mannschaft stimmt immer noch, davon bin ich nach diesen Jahren überzeugt.

Nach dem Spiel gestern bin ich allerdings auch auf die Suche nach Statistiken gegangen, die eine Einordnung der Leistungen unter Manuel Baum erlauben. Manuel Baum hat den FCA mittlerweile in 12 Bundesligapartien betreut und eine Tabelle über diese Spiele sieht wie folgt aus:

Platz Team   Spiele Geschossen  Kassiert Differenz Punkte
1 Bayern München (M, P) 12 33 4 29 32
2 TSG Hoffenheim 12 24 12 12 22
3 Borussia Dortmund 12 23 12 11 22
4 Hamburger SV 12 15 20 -5 20
5 RB Leipzig (N) 12 18 16 2 19
6 VfL Wolfsburg 11 11 11 0 19
7 Werder Bremen 12 21 14 7 18
8 FC Schalke 04 12 15 12 3 17
9 Bor. Mönchengladbach 12 16 12 4 17
10 SC Freiburg (N) 12 16 22 -6 16
11 FC Augsburg 12 13 24 -11 15
12 1. FC Köln 12 19 18 1 14
13 Hertha BSC 12 13 19 -6 13
14 1. FSV Mainz 05 11 10 15 -5 12
15 Eintracht Frankfurt 12 7 16 -9 11
16 Bayer 04 Leverkusen 11 16 19 -3 11
17 FC Ingolstadt 04 11 12 18 -6 10
18 SV Darmstadt 98 12 6 24 -18 7

Die Leistungen der Mannschaft unter Manuel Baum sind im Zeitraum seiner Amtszeit sehr schwankend, aber zumindest insgesamt als mittelmäßig zu betrachten. Wir kassieren mittlerweile zu viele Tore (oh Wunder nach gestern), aber dafür sind wir nach vorne etwas gefährlicher geworden. Was sich mittlerweile rächt, ist die schlechte Ausbeute unter Dirk Schuster. Manuel Baum hat in weniger Spielen mehr Punkte geholt. Insgesamt würde ich gerne feststellen, dass wir damit eines der konstanteren Teams in der Liga sind. HSV und Werder Bremen haben beide ihre schlechte Phasen zu Saisonbeginn überwunden, während Köln, Hertha und Frankfurt sich zu großen Teilen auf ihren guten Hinrundenleistungen ausruhen. Wir haben uns etwas gesteigert, wohingegen Manuel Baum nicht der große Heilsbringer ist.

Haben wir das denn erwartet? Ich für meinen Teil möchte dem gerne widersprechen. Von Europa darf man träumen, und ja ich habe nach oben geschaut. Unser wirtschaftlicher Rahmen ist trotzdem immer noch beschränkt, es wird fieberhaft im Umfeld an einer Professionalisierung gearbeitet und wir investieren gerade auch in unsere Jugendspieler. Mit Kevin Danso und Tim Rieder standen gestern wieder zwei unserer Jungs in der ersten 11. Sie haben die wichtige Erfahrung einer Partie gegen Bayern München gemacht und werden sich weiterentwickeln. Ich glaube daran, dass diese Wettkampfpraxis entscheidend weiterbringen wird und dass wir für diese Investitionen, die Manuel Baum gerade verantwortet, mittelfristig belohnt werden. Wenn dann wie in München eine mannschaftliche Struktur verloren geht und die Dämme etwas brechen, dann kann ich damit gut leben. Die Leistungen die unsere Jugendspieler zeigen, entlohnen für so manches Leid und in dieser Hinsicht übertrifft Manuel Baum alle Erwartungen.

Jetzt heißt es für die restlichen Spiele zusammenzustehen. Wenn wir den Trend nur gegenüber einem aus Mainz und Leverkusen fortsetzen, dann reicht es für uns aus eigener Kraft zum Klassenerhalt. Mal wieder. Nur Zweifel sollten wir uns nicht selbst einreden. Dafür sind auch die schlechten Leistungen nicht aussagekräftig genug. Noch nicht. Ich wäre sehr froh, wenn es diese Saison überhaupt nicht soweit kommt.