Gegen jede Quote: Wer hätte Manuel Baum das zugetraut?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die letzte Saison war eine Achterbahnfahrt. Nach dem Intermezzo von Dirk Schuster, das uns neben einer vollen Sommerpause zur Weiterentwicklung des sportlichen Plans auf dem Feld zusätzliche Unruhe neben dem Platz bescherte, die wir in Augsburg nicht gewohnt sind, übernahm Manuel Baum die Mannschaft. Dies ist nun noch nicht einmal 11 Monate her und ich muss mich an die momentane Ruhe erst wieder gewöhnen. Die Verpflichtung von Manuel Baum war ein Experiment für den FCA. Es gibt zwar positive Fälle, in denen eine Übernahme der Profimannschaft durch einen Trainer aus dem Jugendbereich erfolgreich war (mehrfach in Mainz und auch in Freiburg), allerdings verlaufen nicht alle Fälle mit Erfolg. Der SV Werder Bremen versucht es gerade zum dritten Mal hintereinander und hat die zwei vorherigen Versuche immer mitten im Abstiegskampf abbrechen müssen.

Es sah dann während Manuel Baums erster Saison auch nicht immer so aus, als ob er in Augsburg dauerhaft Erfolg haben würde. Nach einer ersten Phase, in dem er Gegner mit seiner etwas offensiveren Spielweise überraschen könnte, fanden die gegnerischen Trainer schnell einen Plan, um die nun etwas löchrigere Augsburger Defensive zu attackieren. So fand sich der FCA mitten im Abstiegskampf wieder und konnte sich – wenig fußballerisch attraktiv, aber kämpferisch voll überzeugend – am letzten Spieltag retten.  Manuel Baum stand einige Spieltage vor dem Saisonende stark in der Kritik, vor allem da die Auftritte der Mannschaft blutleer gewirkt hatten. Tiefpunkt war die englische Woche, in der man sich zu Hause von Ingolstadt auseinander nehmen ließ.

Vor allem die Probleme für Torgefahr zu sorgen haben dann wohl im Sommer dazu geführt, dass der FCA von vielen Experten als erster Abstiegskandidat genannt wurde. Manuel Baum wurde von den Wettanbietern als Kandidat Nr.1 für eine Trainerentlassung in der Bundesliga gesehen. Derweil hat die Mannschaft sich von den negativen Einschätzungen eher motivieren lassen und in dieser Saison bisher sportlich die Erwartungen vollkommen übertroffen. Während die Abwehr bei 11 Gegentoren stabiler steht als der BVB, die TSG Hoffenheim oder RB Leipzig, konnten wir zusätzlich schon 16 Treffer für uns verbuchen. 8 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind zumindest ein kleines Polster, das die Aufgaben in dieser Saison erleichtern wird. Wir stehen momentan im gesicherten Mittelfeld der Tabelle.

Nun kann man lange darüber nachdenken, wer bisher der Mann der Saison ist. Michael Gregoritsch und Alfred Finnbogason haben beide schon häufig getroffen, Philipp Max ist Dauergast in der Elf des Spieltags, Daniel Opare ist der Wiederauferstandene auf der rechten Abwehrseite und Marwin Hitz hält immer noch besser als die meisten anderen Bundesligakeeper. Daniel Baier lenkt weiterhin das Geschehen. Derweil ist diese Diskussion sofort beendet, wenn man den Kreis der Kandidaten über die Spieler hinaus ausdehnt, denn dann wird schnell klar, dass Manuel Baum derjenige ist, der das Puzzle zusammengesetzt hat. Ihm ist es bisher auch gelungen, dass unter den Spielern, die nicht zum Einsatz kommen, zumindest öffentlich keine Unruhe aufkommt. Insgesamt hat er in dieser Saison bisher eine formidable Leistung abgeliefert, die wohl nur noch von André Breitenreiter und Hannover 96 überstrahlt wird. Der FCA ist bisher dennoch eine der größten Überraschungen der Saison.

Dabei habe ich lange versucht Manuel Baum mit anderen Trainern in der Bundesliga zu vergleichen. Auffällig ist, dass bei Baum immer wieder übermäßig betont wird, dass er ja eigentlich ausgebildeter Lehrer ist. Manuel Baum hat sich vom Lehrerberuf freistellen lassen, um seine Karriere als Fußballtrainer verfolgen zu können. Vor kurzem bin ich nun darüber gestolpert, warum mir dies so bekannt vorkam. Folgendes Zitat könnte man perfekt auf Manuel Baum anpassen.

Kaum ein Zeitungsartikel damals kam ohne diesen Hinweis aus, denn scheinbar lag ein besonderer Zauber darin, dass der Bundesligaaufsteiger 1993 von einem Mann trainiert wurde, der eigentlich Oberstudienrat für Geschichte, Französisch und Sport war.

So beginnt eine Fußballgeschichte von Christoph Biermann in seinem Buch „Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen“ und es geht um Volker Finke. Finke wird von Biermann als Außenseiter in der Fußballwelt beschrieben. Ihm ging es wohl vor allem darum, Persönlichkeiten zu formen und Lernerfolge bei seinen Spielern zu erzeugen. Dieser pädagogischere Ansatz stand schon vor Jahren in starkem Kontrast zum Fußballgeschäft an sich. Biermann berichtet, wie Finke seine Spieler kritisch auf ihre neuen Sportwagen angesprochen hat und sie immer wieder dazu angeregt hat, auch über das Fußballgeschäft hinaus sich mit der Welt zu beschäftigen. Hierfür hat Finke sich über die Jahre eine Nische eingerichtet, in der er gemäß dem Titel der Geschichte „Die Stimme der Aufklärung“ war.

Noch nicht einmal ein ganzes Jahr ist Manuel Baum Trainer der Profimannschaft des FC Augsburg. Sportlich hat die Mannschaft in ruhigere Fahrwasser gefunden. Nach dem Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen hat Baum nicht wie Stefan Reuter krawallig die Schiedsrichterleistung kritisiert, sondern eingefordert auch mal mit einem Punkt zufrieden zu sein. Wird er in Zukunft sich ähnlich wie Finke eine Nische schaffen und sich nicht nur auf Aussagen zum Geschehen auf dem Platz äußern. Der erste Ansatz gegen Leverkusen nicht nur auf Fragen nach dem Skandal einzugehen, war ein erster positiver Ansatz und ich wünsche mir eine Fortsetzung.

Mitgehalten

FC Augsburg – Bayer 04 Leverkusen
(11. Spieltag, 1:1)

Samstag 15:30 Uhr, noch nicht eisig kalt und trotzdem sahen nur 26133 Zuschauer das Bundesligaspiel gegen Bayer 04 Leverkusen live im Augsburger Stadion. Nach der Vermarktung des Abstiegskampfs in der Vorsaison ist das Zuschauerinteresse an einer fußballerisch überzeugend auftretenden Augsburger Mannschaft im ersten Saisondrittel nicht so groß, wie man das sich aus Sicht des Clubs erhoffen hätte können. Dabei verpassten die Zuhausegebliebenen erneut eine anspruchsvolle Fußballpartie, die für ausreichend Unterhaltung und Diskussionsstoff an diesem Herbsttag sorgte.

Die Ausgangslage

Gegen desolate Bremer hatte der FCA in der Vorwoche zurück in die Erfolgsspur gefunden und auswärts souverän drei Punkte eingefahren. 15 Punkte wies das Augsburger Punktekonto zu diesem Zeitpunkt einer Bundesligasaison noch nie auf und der FCA spielte weiterhin die beste Saison seiner Bundesligahistorie. Zu Hause gegen Bayer 04 Leverkusen wollte die Baum-Elf vor der Länderspielpause nachlegen und den positiven Trend mitnehmen.

Gegen Leverkusen hätte ich gerne schon früher gespielt. Nach dem Trainerwechsel im Sommer brauchte Heiko Herrlich eine Weile, bis seine Mannschaft seine Vorstellungen auf dem Platz umsetzen konnte. Nach einem etwas schwächeren Start in die Saison hatte Bayer 04 gerade in den letzten Spielen seinen Rhythmus gefunden und vor allem offensiv zu überzeugen gewusst. Zwei Siege am Stück waren das Ergebnis vor dem Aufeinandertreffen mit dem FCA.

Das Ergebnis

Am Ende trennten sich beide Mannschaften 1:1 Unentschieden. Punkt 16 hamstern wir gerne auf dem Weg zum Klassenerhalt in einer Saison, in dem uns jeder schon vorher abgeschrieben hatte. Dennoch bleibt ein gewisser Wehmut in Gedanken an das Spiel. Das Matchglück war nicht auf unserer Seite. Retsos fiel, schon gelb-verwarnt, in der ersten Hälfte der Ball im Sechzehner unglücklich auf den Arm. Ein Elfmeter blieb dem FCA verwehrt. Später setzte Caiuby einen Kopfball aus aussichtsreicher Position nur an den Pfosten. Uns gelang es nie, Leverkusen durch eine eigene Führung in Zugzwang zu bringen.

Nach Dansos wortwörtlichem Ausrutscher zu Beginn der zweiten Halbzeit, der Kevin Volland viel Platz bescherte, den dieser nutze, um das 1:0 zu erzielen, war es dann großes Glück, dass ebendieser Kevin Danso beim Eckball direkt danach den Ball zum Ausgleich über die Linie drücken konnte. Insgesamt geht das Unentschieden somit in Ordnung. Teams wie Leverkusen zu ärgern, sollte uns weiterhin ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Was war gut?

Bis auf in der Endphase, in der den Augsburgern die Luft etwas ausging, kam nie das Gefühl auf, dass Leverkusen wirklich gefährlich wäre. Das Gegentor entstand dann auch, nachdem einem unserer Spieler ein Missgeschick passierte und nicht alleine durch die spielerische Klasse des Gegners. Dabei hat Leverkusen eine der gefährlicheren Offensivabteilungen der Liga mit einem Berg an individuellem Talent. Es ist für mich doch äußerst beeindruckend, wie wir einen solchen Gegner mittlerweile durch Kompaktheit in der Formation, Aggresivität und Pressing auf unterschiedlichen Ebenen zermürben können.

Nach 11 Spielen kann daher leicht konstatiert werden, dass Manuel Baum die defensive Stabilität, die uns in der Vergangenheit schon stark machte, wiedergefunden hat. Die Mannschaft kann diese Eigenschaft mittlerweile auch dauerhaft abrufen. Dabei bilden Spieler wie Daniel Opare oder Rhani Khedira wichtige Eckpfeiler, die nicht nur mitlaufen sondern vorangehen. Hut ab vor dieser Entwicklung.

Was war schlecht?

Baum wählte mit Koo die etwas defensivere Anfangsformation und in der Sturmspitze kam der formstarke Michael Gregoritsch erneut von Anfang an zum Einsatz, wodurch Alfred Finnbogason auf die Bank musste. Zusammen mit Marcel Heller und Caiuby machten die offensiven Spieler des FCA zu wenig aus mehreren guten Umschaltgelegenheiten. Die Außenverteidiger Max und Opare schalteten sich immer wieder mit guten Impulsen in das Offensivspiel mit ein, was allerdings immer wieder verpuffte. Koo wurde offensiv durch den Gegner meist komplett aus dem Spiel genommen, während Heller und Caiuby zumeist glücklos agierten. An einem solchen Tag gelang es dann auch Gregoritsch nicht z.B. durch eine Einzelaktion ein Tor zu erzielen.

Gegen qualitativ hochwertige Gegner wie Bayer 04 Leverkusen kann man zwar mittlerweile auch die spielerischen Ansätze erkennen, die zum Erfolg führen könnten. In der Ausführung führen diese Ansätze dennoch nicht zu zwingenden Torchancen. Wenn man an diesem Tag etwas kritisieren will, dann wohl, dass die offensiven Bemühungen noch konsequenter zu Ende gespielt gehören, um Mannschaften wie Bayer 04 Leverkusen wirklich zum Wackeln bringen zu können.

Der Aufreger des Spiels

Natürlich geht es um die Szene in der 42. Minute als Referee Christian Dingert  zunächst auf Abstoß entschied. Er hatte danach Kontakt zu den Kollegen in Köln, die den Videobeweis bemühten und blieb schlussendlich bei seiner Entscheidung. Kein Elfmeter für den FCA, nach einem Handspiel von Retsos im Strafraum, dass Gregoritsch einen aussichtsreichen Abschluss versaute.

Es wäre jetzt einfach über den Videobeweis an sich zu lamentieren. Man könnte auch über die seit Jahren wenig eindeutige Handspielauslegung debattieren. Gestern lag das Problem allerdings beim Schiedsrichter vor Ort, der fachlich alles richtig gemacht hatte. Wenn allerdings das halbe Stadion inkl. der Bank der Augsburger nicht weiß, dass Abstoß gepfiffen war, dann ist das auf die ungenügende Kommunikation von Christian Dingert und seinem Team zurückzuführen. Dabei gehören die Schiedsrichter sicherlich von den offiziellen Stellen unterstützt und gecoacht, wenn diese nicht mit ihren ganz eigenen Skandalen beschäftigt sind.

Was kommt als nächstes?

Ausruhen und durchatmen. Erst in 2 Wochen geht es weiter, wenn der FCA zu den Bayern muss. Ob die bis dahin schon Meister sind und dies dadurch ein einfacheres Spiel wird, steht noch nicht zu 100% fest. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass sich bei den Reisen zu den Nationalmannschaften niemand verletzt. Wer Philipp Max in diesen Tagen auf dem Rasen sieht, fragt sich, worauf Jogi Löw noch wartet. Wenn dieser Max nicht sehr schnell in den Fokus von größeren Clubs rutscht, dann wäre dies rätselhaft. Die Vertragsverlängerungen von ihm und Jeffrey Gouweleeuw, die Reuter noch im Sommer unter Dach und Fach gebracht hatte, sind dabei schon jetzt Gold wert. Vielleicht bietet sich ja auch schon bald die Gelegenheit ähnliche Gespräche mit Daniel Opare und Marwin Hitz zum Abschluss zu bringen.

Daheim im Waldstadion

Alles neu macht der Herbst. Oder so. In der neuen Kategorie „In fremden Gefilden“ berichten wir auch mal über Themen abseits des FC Augsburg. Aspekte, die uns auffallen, wenn wir ein fremdes Stadion besuchen und auswärts unterwegs sind. Themen, die wir bei anderen Vereinen beobachten und die auch Auswirkungen auf den FCA haben könnten. Unregelmäßig und gerade wie es uns in den Kram passt, werden wir in dieser Kategorie über den Tellerrand blicken. Wenn ihr dahingehend Anregungen oder Ideen habt, dann meldet euch gerne. Wir sind immer wieder darauf angewiesen, dass wir sinnvolle Hinweise erhalten und ich danke euch dafür im Voraus. 

Die ersten Eindrücke auswärts habe ich in dieser Saison rund um das Auswärtsspiel in Frankfurt gesammelt. Frankfurt ist für mich quasi ein Heimspiel. Ich wohne in Frankfurt, kann zur Straßenbahn laufen und mir den Weg durch den Wald zum Stadion bahnen. Dieses Stadion wird für immer das Waldstadion bleiben. Wenn man so durch den Wald läuft und zum Stadion kommt, fällt einem immer wieder auf, welch ein Rummel um ein Heimspiel der Eintracht herrscht. Die Eintracht ist „der“ Verein in Frankfurt. Fast die komplette Stadt steht trotz aller zwischenzeitlichen Abstiege, von Missmanagement und großen oder kleinen Skandalen hinter dem Club. Die Rahmenbedingungen sollten exzellent sein, und trotzdem ist die Eintracht kaum mal besser als Mittelmaß in der Bundesliga. Der FCA hat gemessen an den Möglichkeiten, den Frankfurtern in den letzten Jahren immer wieder vorgemacht, wie man effizient arbeitet. Dennoch gibt es so einiges, was mich neidvoll Richtung Waldstadion blicken und denken lässt. Ich erkläre euch gerne, was mir in Frankfurt gefällt und in Augsburg fehlt.

Nachlegen. #FCAugsburg

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Auf dem Fußweg zum Stadion kommt man an diversen Verpflegungsmöglichkeiten vorbei. Bei einem Pferdegestüt wird gegrillt und Bier verkauft. Zwischen S-Bahn Haltestelle und dem Stadion selbst gibt es diverse Stände, an denen man zusammenstehen, etwas essen oder trinken und ratschen kann. Wir haben es uns bei den 59ern und deren Frikadellen gut gehen lassen. In Frankfurt fängt das Stadionerlebnis schon weit vor dem Stadion an. Wer in Augsburg zum Stadion kommt, muss nach diesen Möglichkeiten des Beisammenseins im Umfeld des Stadions suchen. Mit der Kneipe im Gebäude der Geschäftsstelle, wird es in Augsburg in absehbarer Zeit eine Möglichkeit mehr geben, aber mir scheint das noch nicht genug zu sein. Es wäre schön, wenn man auch in Augsburg bewusst noch früher am Stadion zusammenkommen und plaudern könnte und es hierfür mehr Möglichkeiten gäbe.

Nachdem wir uns dann auf das Stadiongelände in Frankfurt vorgewagt hatten, fällt einem recht schnell auf, dass durch die bauliche Gestaltung  eine strikte Fantrennung nicht gegeben ist. Dies ist angenehm und hat in unserem Fall zu keinerlei Konflikten geführt. In neueren Stadien wie in Augsburg, werden die Gästefans sehr strikt separiert. Mir ist dies ein Dorn im Auge. In England wird in diesem Zusammenhang regelmäßig ein anderer Ansatz verfolgt. Durch die Gefahr, die von Zäunen bei Massenpaniken ausgeht, gibt es in englischen Stadien generell weniger Absperrungen. Ich würde mir dies auch für Deutschland wünschen. Ein offenes Stadiongelände wie in Frankfurt, bei dem erst am Blockeingang strikt getrennt wird, ist für mich als Gästefan deutlich freundlicher. Ich mag als Gast nicht in eine Ecke gesperrt und strikt von den Gastgebern getrennt werden. Ich habe auch als Heimfan keine generelle Angst vor Gästefans. Die Separierung suggeriert, dass man Angst haben sollte. Sie schürt Ressentiments eher, als dass diese abgebaut werden. Ja, wir sprechen nach meiner Ansicht von einem recht großen Dorn.

Dass ich mich in Frankfurt als Gästefan besser aufgehoben fühle als dies in Augsburg der Fall wäre, liegt auch an der Tatsache, dass ich an der Kasse bar bezahlen konnte und Bier mit Alkohol erhalten habe. Gästefans mit Bezahlkarten zu nerven, ist reine Schikane. Ihnen zu unterstellen, sie könnten sich grundsätzlich nicht verantwortungsvoll verhalten und Ihnen kein alkohlhaltiges Bier auszuschenken, ist auch nicht gerade die feine Art. Am Rande sei erwähnt, dass ich meine zwei alten Bezahlkarten problemlos leeren konnte. Dies war zu diesem Spieltag in Frankfurt zum ersten Mal möglich. Auch hier kam jeder Fan potentiell wieder an sein Geld. Die drei Punkte haben am Ende des Tages das Erlebnis abgerundet. Aber abseits des sportlichen Ergebnisses macht mir dieses Auswärtsspiel immer wieder viel Spaß. Hoffentlich auch in der nächsten Saison.

Halil auf der Brust – Euros für den bunten Kreis

Vor mehreren Wochen haben wir unsere Aktion für den bunten Kreis gestartet und angefangen T-Shirts mit dem Konterfei von Halil Altintop zu verkaufen. Dies ist mir aus mehreren Gründen sehr wichtig. Die T-Shirts gibt es weiterhin für Damen und Herren in vielen Größen bei uns im Onlineshop und ich will an dieser Stelle erwähnen: Weihnachten steht bald vor der Tür. Dies ist die erste größere Aktion, die wir über den Shop abwickeln und es gab ein paar Probleme. Meldet euch, wenn ihr auf Probleme bei der Shopbestellung stoßt oder direkt per Email bestellen wollt (kontakt@rosenau-gazette.de). Wer ein T-Shirt will, bekommt eins. An mir soll es hoffentlich nicht scheitern und wir geben uns natürlich Mühe den Shop weiter zu verbessern. Feedback diesbezüglich ist immer willkommen, denn wir haben noch viel vor.

Verkaufszahlen und Spendenbetrag

Stand heute sind 38 T-Shirts verkauft und somit über 300 EUR für den bunten Kreis zusammen gekommen. Das Ergebnis ist ganz in Ordnung, in etwa so wie der Klassenerhalt am letzten Spieltag der letzten Saison. Wir träumen aber von mehr und würden dem bunten Kreis gerne einen deutlich höheren Betrag überweisen. Ich habe noch genügend Exemplare der T-Shirts in vielen Größen hier liegen und würde mich natürlich freuen, wenn das noch nicht das Ende der Fahnenstange wäre.

Reaktionen auf die T-Shirts

Petra hat mir ein Bild für den Onlineshop zukommen lassen, damit ihr sehen könnt, wie die Shirts an der Frau aussehen. Auch für Männer gibt es ein Beispielbild im Shop (von mir selbst), damit klar wird, wie die Shirts ausfallen. Und wenn es am Ende gar nicht passt, dann meldet euch einfach und wir finden sicher eine Lösung.

Petra trägt bei 1,63m und 57 kg Größe S

Auch die weiteren Reaktionen auf die Shirts waren durchweg positiv. Wer also noch nicht bestellt hat, weil er nicht weiß, was ihn erwartet, dem wollen wir hier ein paar Auszüge für die Entscheidungsfindung zur Verfügung stellen:

Mr. ACE schreibt im FCA Forum: „Ist heute angekommen und schaut in Original viel besser aus als im Bild! Hat sich doppelt gelohnt! :thumbsup:

Andre ließ mich per Email wissen: „Vielen Dank für dieses erneut gelungene Shirt. Auch die Aufkleber sind extraklasse!“

Auch bei Twitter fanden sich einige schöne Reaktionen:

Wie geht es weiter?

Die Einstellung der Mannschaft ist erstklassig. Zum Auswärtsspiel in Hoffenheim kommen demnächst noch etwas ausführlichere Eindrücke, aber die Mannschaft hat nun schon mehrmals kurz vor Schluss entscheidende Impulse gesetzt. Halils Vorbild scheint abgefärbt zu haben. Kleinere Rückschläge wie zuletzt gegen Hannover 96 gehören aber leider auch dazu.

Die erste Welle unserer Aktion ist vorbei. Jetzt würde ich mich freuen, wenn die Aktion nicht versandet. Wenn ihr glaubt, es werden direkt viele T-Shirts bestellt, dann muss ich euch leider enttäuschen. Dem ist nicht so. Jede einzelne Bestellung zählt. Bestellt selber, schickt den Link anderen bekannten FCA Fans, erzählt weiter von der Aktion. Helft mit, einen relevanten Betrag für den bunten Kreis zu sammeln. Wenn das Motiv nicht euer Ding sein sollte, dann haben wir auch noch ein paar T-Shirts „Augsburg hält zusammen“ zu Gunsten von Simon im Shop (Damen und Herren). Auch diese freuen sich über einen Abnehmer. Wir selbst verdienen keinen Cent mit den T-Shirts und wollen ausschließlich etwas Gutes tun. Helft uns bitte dabei! Wenn ihr gleich 3 T-Shirts (egal welchen Modells oder welcher Größe) bestellt, dann erhaltet ihr mit dem Code 1907 10 Euro Rabatt auf die gesamte Bestellung.

Wie die Mannschaft am Sonntag gegen Bremen ein überzeugendes Ergebnis einfahren will, so wollen wir an dieser Stelle neben dem Platz weiter Zeichen setzen. Die Mannschaft braucht unseren Support und wir brauchen eure Unterstützung. Weiter, immer weiter.

Eingenordet

FC Augsburg – Hannover 96
(9. Spieltag, 1:2)

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Das Bibliographische Institut dürfte an diesem Sonntag viel zu tun haben. Der Verlag, bei dem der Duden erscheint, darf nämlich eine grundlegende Änderung vornehmen. Schlägt man zukünftig im Vollständigen Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache den Begriff unnötig nach, so wird das Spiel des FC Augsburg gegen Hannover 96 am 9. Spieltag der Bundesligasaison 2017/18 fortan als Paradebeispiel angegeben werden. Aber der Reihe nach…

Die Ausgangslage

Mit jeder Menge Vorschusslorbeeren startete das Team von Manuel Baum in die Woche. Bei der TSG 1899 Hoffenheim holte man in der vergangenen Woche einen Punkt – das jedoch eher glücklich als souverän. Dennoch, in Hoffenheim punkten war keine Muss-Aufgabe, wenn man sich den Spielplan für die Saison anschaute.

Gegen Hannover punkten jedoch schon. Auch wenn die Niedersachsen fulminant in die Saison gestartet waren und sicherlich noch vor dem FCA als das Überraschungsteam der Stunde gehandelt werden dürften, war davon auszugehen, dass ein Heimspiel gegen Hannover gewonnen werden müsste, möchte man das Minimalziel ‚Klassenerhalt‘ wuppen. Zumal der Trend bei den Hannoveranern nach zwei Niederlagen eher nach unten zeigte.

Das Ergebnis

Das Pläne nicht immer aufgehen, dürfte nun keiner so gut wissen wie Manuel Baum und seine Mannen nach diesem bitteren Nachmittag. Eine druckvolle erste Halbzeit spielte der FCA, erzielte mit Gregoritsch das 1:0, das zwar in der Summe der Torschüsse verdient, aber dennoch glücklich war. Doch nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel hektisch und man konnte zusehen, wie die Augsburger die Zügel mehr und mehr aus der Hand gaben.

Hannover kam mehr und mehr ins Spiel, und Joker Niclas Füllkrug bestrafte die Augsburger Schludrigkeit in der Folge doppelt. Am Ende hieß es 1:2 für Hannover und kaum jemand im Stadion konnte sich so wirklich erklären, wie man nach so dominanten 45 Minuten auf so dumme Weise noch verlieren konnte.

Was war gut?

Sicherlich, der FCA machte von Anfang an Druck. Bis zum 1:0-Treffer von Michael Gregoritsch war es ein sehr einseitiges Spiel und Hannover 96 kam kaum über die Mittellinie. Man spielte sich gute Chancen heraus, kam auf 9 Ecken. Und dennoch: Die Chancenverwertung war katastrophal!

Hannover verteidigte nämlich nicht so bärenstark wie es das Halbzeitergebnis und die zugehörigen Spieldaten ahnen lassen würde. Sie hatten vielmehr Glück, dass weder Caiuby (3′), Finnbogason (6′) oder Gregoritsch (7′, 8′, 10′) die Führung eher machen.

Über die volle Distanz hinweg können eigentlich nur Marwin Hitz, der immer da zu sein scheint, wenn es brenzlig wird, und Michael Gregoritsch, der nicht nur wegen des Tores positiv auffiel, sondern immer mehr ins Spiel findet. Gut für uns, denn auf einen dauerproduzierenden Finnbogason können wir uns anscheinend nicht verlassen.

Was war schlecht?

Allem voran: Die Mannschaftsleistung in der zweiten Halbzeit. Man agierte so dermaßen kopflos, machte Fehler in der Defensiven und ließ nicht mehr erkennen, wie man in der ersten Halbzeit nur so gut aufspielen konnte. Man wusste, dass Hannover sich durch Konter ins Spiel bringen würde, und dennoch ließ man sich gnadenlos auskontern. Absolut unnötig.

Auch die bereits monierte Chancenverwertung muss an dieser Stelle nochmals angesprochen werden. Nun ist man als geneigter Fan ja schon erstaunt, wie viele Möglichkeiten aus dem Spiel heraus in dieser Saison erspielt werden, und bisher war die Ausbeute ja durchaus passabel. Gestern jedoch fehlte der nötige Willen, das Ding auch bis zum Abschluss durchzuziehen.

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Gänzlich unverständlich war der Positionswechsel auf Rechtsaußen. Heller machte in den vergangenen Wochen eine solide Partie nach der anderen. Warum Baum nun gegen Hannover gerade Schmid bringt, wenn der Gegner hinten links nur einen Ostrzolek hat, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Schmid war bemüht, versuchte sich auch als Distanzschütze, aber an die Qualität eines Marcel Heller kommt er auch nach 52 guten Trainingswochen nicht ran.

Was kommt als nächstes?

Vielleicht war die Niederlage auch ganz gut, um die aufkeimende Über-Euphorie mal wieder ein wenig einzufangen. Unter der Woche wurde Christoph Biermanns 11 Freunde-Artikel „Augsburg startet durch“ in sämtlichen Kanälen rauf- und runtergefeiert. Vor allem Biermanns letzter Satz ließ wohl einige noch so hartnäckige Grantler sich am Zwetchgendatschi verschlucken:

Wenn der FCA auf diesem Niveau bleibt und etwas Glück hat, ist sogar die Qualifikation für die Europa League möglich.

Endlich wieder Bilbao, ist ja auch viel wärmer im Spätsommer als in Leipzig! Vielleicht nochmal nach England, Arsenal so wie die Kölner oder doch gleich Manchester United? Die Stammtisch-Granden waren sich schon alle einig: Wenn’s die Fachpresse weiß, wird es sicher stimmen.

Dass ausgerechnet Hannover, der Biedermann unter den Bundesligaclubs, die Augsburger Euphorie wieder einnordet, dürfte uns allen nun ein Wink mit dem Gartenzaun sein: Wir sind immer noch der FC Augsburg und zwölf Punkte nach neun Spieltagen sind ganz toll, aber das Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt.

Sollte man den schon früher klarmachen, dürfen wir gerne zu träumen beginnen. Was passiert, wenn man zu viel träumt, darf man in Köln aktuell beobachten. Da brennt die Hütte lichterloh, und wenn auch gegen Werder Bremen nicht gepunktet wird, dann hilft dem jecken Rheinländer auch das Abenteuer Europa League nicht weiter.

Apropos Bremen, da geht es kommende Woche hin. Hoffentlich regnet es aus Eimern und der Wind bläst ordentlich durchs’s Weserstadion um alle Spieler des FC Augsburg daran zu erinnern, das diese Bundesligasaison immer noch die schwerste der jungen Vereinshistorie in Deutschlands höchster Spielklasse ist und man sich doch bitte 90 Minuten auf sein Tagesgeschäft konzentriert.

 

Hartes Brot

TSG 1899 Hoffenheim – FC Augsburg
(8. Spieltag, 2:2)

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Nach der schier endlos wirkenden Länderspielpause stand für den FC Augsburg eine nicht ganz so leichte Aufgabe auf dem Programm. Als Tabellensechster fuhr man nach Sinsheim, wo mit der TSG 1899 Hoffenheim der Tabellendritte aufwartete. In der Vorbereitung schienen sich jedoch mehr Medien für die Personalie Nagelsmann in Zusammenhang mit dem FC Bayern oder für das Regionalliga-Spiel des FC Augsburg II gegen den TSV 1860 München zu interessieren.

Dass es an diesem 8. Spieltag der Bundesliga für beide Mannschaften um wichtige Punkte ging, fiel bei dem ganzen Boulevardgeschnatter ein wenig hinten runter.

Das Ergebnis

Ein beachtenswertes 2:2 durfte man aus Augsburger Sicht mit nach Hause nehmen. Nicht ganz unverdient, aber durchaus auch nicht ganz glücklos kam man zu dieser Punkteteilung in einem Spiel, in dem nicht nur optisch die Vorteile bei Hoffenheim lagen. Dennoch: Hinten kackt die Ente und so steht man nun nach 8 Spieltagen mit sensationellen 12 Punkten auf dem Tableau.

Was war gut?

Was Fussballexperte Tobias Escher im Interview mit der Rosenau Gazette vergangene Woche bereits vertiefte, zeigte sich gestern auch wieder auf dem Platz: Augsburg steht hinten sehr kompakt, schafft im Mittelfeld Überzahlsituationen und kann so schnelle Konter setzen um mit wenig Chancen ein Maximum an Toren herauszuholen. Das klappt, wenn man gute Stürmer wie Finnbogason oder Gregoritsch hat, die langsam aber sicher ins Rollen kommen. Dem Isländer merkte man gestern die zweidrei Bier an, die wohl aufgrund der ersten WM-Qualifikation des Landes geflossen sind. Gregoritsch hingegen erwies sich als verlässlicher Joker und glänzte als er glänzen musste. Eine sehenswerte Ballannahme, ein kühler Kopf und ein gutes Auge im Abschluss beim zwischenzeitlichen 1:1 darf er sich in sein Spielzeugnis eintragen lassen.

Und wo wir gerade bei den Österreichern sind: Kevin Danso feierte seinen ersten Saisoneinsatz mit einer überaus soliden Leistung. Ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man den noch verletzten Rani Khedira adäquat ersetzen kann.

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Was war schlecht?

Im Spiel in die Tiefe muss sich die Mannschaft von Manuel Baum in der kommenden Woche steigern. Dann empfängt der FC Augsburg mit Hannover 96 ein Team, das in der Spielanlage eine sehr große Ähnlichkeit mit der eigenen aufweist: Hinten dicht stehen und nichts zulassen, möglichst den Gegner kommen lassen und dann schnell kontern.

Dass sich der FCA gegen solche Mannschaften schwer tut, konnte man schon beim 0:0 gegen Stuttgart feststellen. Nun hatte man am 6. Spieltag auch noch mit der Sperre von Daniel Baier zu kämpfen und sah deutlich, wie wichtig er für den Spielaufbau ist. Dennoch müssen auch Max und Heller sicherlich noch eine Schippe draufpacken, um das Bollwerk der Niedersachsen knacken zu können. Mit sechs Gegentoren weißt Hannover hier hinter Dortmund den zweitbesten Wert der Liga auf. Ebenfalls 12 Punkte und nur acht eigene Treffer sprechen von der hervorragenden Chancenverwertung.

Es erwartet uns also entweder ein taktisch hochinteressantes Schmankerl oder ein Grottenkick, der sich 87 Minuten im Mittelfeld abspielt.

Der Aufreger des Spieltags

Schreibt man in dieser Saison über den 1. FC Köln, so kann man sich die Schlagzeile „Köln hadert mit dem Videobeweis“ auf Wiedervorlage legen. Bei der 1:2-Niederlage gegen Stuttgart gab es wieder so eine Szene, die Schmadke und Stöger nicht verstanden. Ein Elfmeter wurde erst gepfiffen, dann zurückgenommen. Dass dabei nicht alles nach dem Handbuch ablief, einverstanden. Dass die Entscheidung, den Strafstoß nicht zu geben jedoch korrekt war, geschenkt. Denn, lieber Effzeh, die Partie verlor man nicht deswegen, sondern weil man einfach keinen Stürmer im Kader hat, der Tore schießen kann und eine Abwehr, die der Stuttgarter Akolo beim Siegtreffer im Alleingang nass gemacht hat.

Glaubt uns, liebe Kölner: In Augsburg hadern wir auch sehr oft mit Schiedsrichterentscheidungen. Doch wenn man nach acht Spieltagen nur auf einen Punkt kommt, dann kann es nicht nur am Unparteiischen liegen.

Und auf den Business Seats?

Dort freut man sich, dass es bis auf die Verletzung von Sergio Cordova alle Stamm- und Nationalspieler gesund aus der Länderspielpause zurückgeschafft haben und grantelt zugleich ein wenig über die diese Woche näher vorgestellte UEFA Nations League. Kommende Saison werden alle lieb gewonnenen Testspiele gegen unterklassige Fussballnationen wegfallen und nur Fussballdeutschland mit einem Knaller nach dem anderen versorgt werden. Alles mit dem Ziel: die fussballfreie Zeit noch weiter zu minimieren und bundesdeutsche Ehen noch mehr zu strapazieren.

Wir hoffen, dass RTL den TV-Zuschlag bekommt, denn das sollte dann wohl Grund genug sein, dem Ganzen vollends fern zu bleiben.

In other news: Moritz Leitners Hund hat sich vong Style her schon mal auf die kalte Jahreszeit eingestellt.

Taktische Finesse oder purer Wille? – Im Austausch mit Tobias Escher über die bisherigen Leistungen des FC Augsburg

Tobias Escher ist einer der bekanntesten Fußballanalysten. Mit „Vom Libero zur Doppelsechs“ hat er einen Bestseller geschrieben. Auf www.laptoptrainer.de und bei Spielverlagerung findet man regelmäßig Analysen von ihm. Nicht unlängst hat er die Vorreiterrolle des FC Augsburg in der defensiven Bundesliga unter die Lupe genommen. Nach dem überraschend positiven Saisonstart des FCA wollten wir von Tobias wissen, welche Gründe er für den Erfolg sieht.

Rosenau Gazette (RG): Der FC Augsburg ist eine der Überraschungsmannschaften bisher. Du hattest die Mannschaft vor der Saison deutlich schlechter eingeschätzt. Was hast Du vor der Saison erwartet und warum hattest Du die Mannschaft als Absteiger getippt?

Tobias Escher (TE): Augsburgs Kader wirkte auf mich aufgebläht, es war keine erste Elf erkennbar. Ich hatte mich auch noch an die Eindrücke der vergangenen Saison erinnert, als Manuel Baum mit seiner Taktik einige Male danebenlag, so zum Beispiel im Spiel gegen Ingolstadt. Die taktischen Anpassungen an den Gegner funktionieren aktuell aber viel besser, auch die defensive Kompaktheit hat sich erhöht. Die Liga ist allgemein sehr defensiv ausgerichtet. Das zweite Überraschungsteam der Liga, Hannover, speist sich ausschließlich aus der Defensive. Es ist also eine Mischung: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Liga so defensiv geprägt ist, und noch weniger hatte ich damit gerechnet, dass Augsburg derart kompakt und variabel verteidigt.

RG: Nun steht der FC Augsburg in dieser Saison defensiv bisher sehr kompakt. Manuel Baum wurde immer wieder als offensiver Trainer beschrieben. Wie passt das für Dich zusammen und wie würdest Du die Veränderungen beschreiben, die man in dieser Saison beobachten kann?

TE: Die Spielanlage der Augsburger ist auf jeden Fall defensiver geworden. Gerade in der Anfangszeit hat Baum noch im Zweifel offensiv gedacht. Das hat sich in der Positionierung der Spieler ausgedrückt: Oft standen fünf oder sechs Spieler vor dem Ball. Nun sind gerade die Außenverteidiger defensiver. Baum scheint pragmatischer geworden zu sein.

RG: Von den gegnerischen Mannschaften wird der FC Augsburg als unangenehm zu spielen beschrieben. Liegt dies aus Deiner Sicht an der Strategie oder eher an der Intensität mit der die Mannschaft auftritt? Intensität wünscht sich wohl jeder Trainer gerne und versucht diese zu vermitteln. Das scheint mir allerdings etwas komplexer zu sein, als bei spielerischen Abläufen, die auf einer Tafel aufgemalt werden können.

TE: Teils, teils. Intensität ist natürlich auch vermittelbar – durch die Trainingsabläufe und die Übungen, in dem man immer wieder Zweikampfsituationen im Training schafft. Intensität aber hilft ja ohnehin nur weiter, wenn der taktische Plan die Intensität in die richtigen Bahnen lenkt, also wenn zur richtigen Zeit die richtigen Spieler angelaufen werden. Diese Kombination gelingt den Augsburgern ganz gut momentan.

RG: Im Spiel der Mannschaft kann man klare Variationen zum Beispiel bzgl. Pressingräumen (Angriffs- bzw. Mittelfeldpressing) oder im Spielaufbau wahrnehmen. Wie wertvoll siehst Du die Möglichkeit im Spiel entsprechende Anpassungen bzgl. der verwendeten taktischen Instrumente vornehmen zu können, die von der Mannschaft auch konsequent umgesetzt werden?

TE: Sehr wertvoll, gerade für einen Verein wie Augsburg. Den meisten Gegnern in der Liga ist man individuell unterlegen. Es muss das Ziel sein, den Gegner auf das eigene Niveau herunterzuziehen. Heißt: In Räume locken, in denen der Gegner schwach ist, dort Zweikämpfe erzwingen und umschalten. Genau das macht Augsburg ja, wobei sie hier – wie viele Bundesligisten aktuell – stark mit Mannorientierungen arbeiten.

RG: Manuel Baum wird in der Trainingsarbeit nachgesagt für Situationen mit eigenem Ballbesitz feste Spielzüge einzustudieren, die dann auf dem Platz von der Mannschaft automatisiert umgesetzt werden können. Glaubst Du an den Erfolg dieser Herangehensweise und konntest Du solche Spielzüge erkennen ?

TE: Teils, teils. Feste Spielzüge können einem Team weiterhelfen, wenn sie nicht zu statisch und nicht leicht zu entschlüsseln sind. Wenn man damit die individuelle Kreativität der Akteure erstickt, sehe ich darin wenig Nutzen – schließlich beraubt man sich damit dem Überraschungsmoment. Das sehe ich beim FCA aber nicht, auch weil Daniel Baier sehr viele unterschiedliche Pässe im Aufbau spielt und die Grundstruktur der Mannschaft sich von Spiel zu Spiel wandelt.

RG: Nun, nach 6 Spielen, würdest Du deine Prognose von vor der Saison korrigieren wollen und wie glaubst Du werden die anderen Mannschaften auf den FC Augsburg in Zukunft reagieren?

TE: Tabellenletzter war – im Nachhinein betrachtet – tatsächlich nicht meine beste Prognose. Augsburg scheint gefestigter zu sein, als ich erwartet habe. Ich glaube aber schon, dass sie etwas über ihren Verhältnissen gepunktet haben. Nach expected goals, einer Metrik, die Chancen anhand ihrer statistischen Torwahrscheinlichkeit misst, befindet sich Augsburg im Mittelfeld der Liga; auch bei den eigenen und gegnerischen Torschüssen. Das ist der Bereich, in dem ich Augsburg aktuell sehe.

Danke für Deine Zeit und die aufschlussreichen Antworten!

In der Tabelle top – bei der Jugend flop?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Nach der letzten Saison hatte ich mich darüber gefreut, wie viele Einsätze unsere Jugendspieler in der ersten Mannschaft erhalten hatten. 19 Einsätze waren insgesamt für Raphael Framberger, Kevin Danso, Tim Rieder und Julian Günther-Schmidt zusammen gekommen. Dazu machte ich mir Hoffnung, dass sich die Anzahl der Einsätze in dieser Saison noch steigern könnte. Die Jugendspieler hatten in kritischen Partien wertvolle Erfahrung gesammelt. Dies sollte ihnen nun zu Gute kommen. In der Länderspielpause ist ein guter Zeitpunkt, um die Hoffnung auf signifikante Beiträge der eigenen Jugendspieler einem Realitätscheck zu unterwerfen.

Sportlicher Erfolg bisher

Der FC Augsburg steht momentan auf einem Europapokalplatz. Der Saisonstart ist trotz der Auftaktniederlage in Hamburg geglückt. Gegen RB Leipzig konnte man zu Hause gewinnen. Auch gegen Dortmund hätte man fast punkten können. Die gute Ausbeute ist daher nicht auf Fallobst bei den Gegnern zurückzuführen. Vor allem nicht in diesem Jahr der starken Bundesliga, wo uns viele Experten vor der Saison auf den 18. Platz getippt hatten. Der Saisonstart ist überaus respektabel. Die Mannschaft hat abgeliefert und schon 11 Punkte gesammelt. Der Weg zum Klassenerhalt im weiteren Saisonverlauf ist dadurch etwas weniger steinig geworden.

Einsätze der Jugendspieler

Derweil findet der Erfolg ohne die Beteiligung unserer Jugendspieler statt. Anstatt auf die Talente aus Augsburg zu vertrauen, ist Manuel Baum dazu übergegangen, pragmatisch erfahreren Spielern das Vertrauen zu schenken. Tobias Escher wird in einem Interview in der Rosenau Gazette in der kommenden Woche aufzeigen, wo dieser Pragmatismus sich auch taktisch niedergeschlagen hat. Bei den Jugendspielern wurde die genannten Hoffnungen dadurch weitestgehend enttäuscht.

Im Falle von Raphael Framberger kam etwas Verletzungspech dazu, das Framberger über all die Jahre bisher treu geblieben ist. Seinen erhofften Stammplatz auf der Rechtsverteidigerposition hat er somit an Daniel Opare verloren. Es reichte seitdem noch nicht einmal mehr zu einer Kadernominierung. In diesem Fall mag es Pech sein. Wer hätte schon vor der Saison daran geglaubt, dass sich Daniel Opare festspielt. Bei Kevin Danso hat es derweil in dieser Saison noch nicht einmal zu einem Kurzeinsatz gereicht, während er in der Länderspielpause erneut für Österreich auflaufen durfte. Tim Rieder fehlte zuletzt verletzt, fand aber schon für die Englandreise in der Vorbereitung keine Berücksichtigung mehr. Julian Günther-Schmidt wurde an den FC Carl Zeiss Jena verliehen und hat in der dritten Liga schon zwei Tore in fünf Partien erzielt. So bleibt es am Ende an Erik Thommy, um die Hoffnungen für den eigenen Nachwuchs nach seiner Rückkehr hoch zu halten. 3 Kurzeinsätze und 24 Minuten stehen für ihn bisher zu Buche. Eine richtige Chance sieht anders aus.

Kaderverkleinerung notwendig

Immer wieder wurden mögliche Probleme mit dem großen Kader beschworen. Nur langsam werden erste Stimmen der Unzufriedenen vernehmbar. Derweil bleiben die Chancen für die Spieler aus der eigenen Jugend klein, denn sie müssen nicht nur auf den Ausfall einer etablierten Kraft hoffen. Wenn der Moment gekommen ist, müssen sie sich gegen die enorme Konkurrenz im Kader durchsetzen. Das ist ihnen bisher noch nicht geglückt. Auch nicht, als Manuel Baum in der englischen Woche die Aufstellung zumindest auf 2-3 Positionen angepasst hat.

Die Saison ist lang und der FC Augsburg ist bisher von größeren Verletzungsproblemen verschont gelieben. Wir hoffen alle, dass dem so bleibt. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass Verletzugen dazu gehören und auch uns treffen werden. Dazu kommt im Dezember eine erneute englische Woche. Trotzdem scheinen mir die Einsatzmöglichkeiten der Jugendspieler bis zur Winterpause begrenzt. Dies gilt auch für weitere Jugendspieler wie Marco Richter, die sich vorerst in der U23 beweisen müssen. Im Winter heißt es dann erneut, auf eine deutliche Kaderausdünnung zu hoffen, damit sich mehr Chancen für unsere Jugendspieler ergeben. Unabhängig davon, wie viele Stimmen der Unzufriedenheit sich bis dahin zu Wort gemeldet haben und welcher Grad der Unruhe herrscht.

Die Kaderpolitik von Stefan Reuter und das Vorgehen von Manuel Baum in der letzten Saison stehen sich diametral gegenüber. Wenn unser sportlicher Weg in unserer eigenen Jugend ein Fundament haben soll, dann müssen über die Kaderstruktur entsprechende Einsatzmöglichkeiten bestehen. Egal, ob ansonsten mit dem Kader professionell gearbeitet werden kann. Kleinerer Kader, größere Chancen. Zeit an dieser Stelle, der vielzitierten sportlichen Philosophie gerecht zu werden und nicht nur zu reden. Zeit, die Weichen für den Winter zu stellen. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch mal wieder daneben.

Verwirrung, Verwirrung, Verwirrung

FC Augsburg – Borussia Dortmund
(7. Spieltag, 1:2)

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Spitzenspiel, Fünfter gegen Ersten. Besser wurde es an diesem 7. Bundesligaspieltag nicht. Zumindest tabellarisch. Mit Spitzenreiter Borussia Dortmund kam ein Gegner auf’s Lechfeld, dem gerade taktisch und spielerisch alles zu gelingen scheint. Zumindest in der Bundesliga. Unter der Woche, als sich die Baum’schen Mannen die Füße auf die Couchtische legen durften, mussten die Westfalen gegen Real Madrid ran – und bekam eine Lehrstunde, dass alles was in der Bundesliga durchaus glänzen mag, international kaum etwas wert ist. Wenigstens waren sie mit dieser Erkenntnis nicht alleine, denn auch alle anderen deutschen Teams gingen sang- und klanglos unter.

Die Voraussetzungen

Dennoch: Bei Dortmund konnte man so gut wie aus dem Vollen schöpfen. Verletztungssorgen hat Peter Bosz gerade nicht und auch Manuel Baum hatte wieder einmal die Qual der Wahl, wer es in den 18er-Kader schaffen sollte.

Nach der Sperre beim 0:0 in Stuttgart (zu dem ein Spielbericht krankheitsbedingt ausfallen musste, Anm. d. Red.) war auch Daniel Baier wieder im Kader und selbstredend in der Startelf. Zudem bekamen Heller und Gregoritsch die Chance von Beginn an offensiv zu glänzen. Defensiv setzte Baum wieder auf die Variante mit Khedira, der gegen den Ball in die Innenverteidigung zurückfallen sollte.

Spieltaktisch also keine großartige Veränderung zu den Spielen zuvor. Warum auch? Das Konzept geht auf und der FC Augsburg schafft es durch defensive Stabilität und offensive Effektivität – ein Novum! – nach sechs Spieltagen auf sensationelle 11 Punkte.

Das Ergebnis

Dass es bei diesen 11 Punkten bleiben sollte, war insgesamt gesehen ein doch eher unglücklicher Umstand, denn der 2:1-Sieg von Borussia Dortmund hätte locker auch ein Unentschieden werden können. Aber der Reihe nach:

Schon nach 4 Minuten ging der BVB durch Königstransfer Yarmolenko in Führung – ein Tor, das nicht hätte fallen müssen. Nach einer Ecke bekommt die FCA-Defensive den Ball nicht weg und steht sich gegenseitig bei der Verteidigung im Weg. Der Ukrainer versucht sein Glück mit der Hacke und schiebt den Ball an Finnbogason und Hitz vorbei. Dumm gelaufen.

Die Antwort des FCA ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Geburtstagskind Max hat zu viel Platz zum Flanken und platziert die Kugel gekonnt auf Caiubys Kopf, der ebenfalls zu frei steht und nur noch einnicken muss. Starker Spielzug und starke Antwort auf den frühen Rückstand.

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Die nächste Verwirrung im Defensivbereich der Augsburg gab es jedoch wieder eine knappe Viertelstunde später, als sich Max und Hinteregger nicht einig waren, wer denn den Ball nun nehmen soll. Kagawa vollendet die Slapstick-Einlage daraufhin mit dem letzten Treffer des Spiels.

Es hätten jedoch auch noch welche fallen können, denn so lätschert der FC Augsburg in Hälfte Eins auftrat, umso besser wurde es im zweiten Durchgang, in dem Dortmund kaum mehr Raum für eigene Aktionen fand. Bis auf einen guten Kopfball von Aubameyang und einen denkwürdigen Elfmeter durch ebendiesen, gab es für Marwin Hitz wenig zu tun.

Was war gut?

Vor allem im zweiten Durchgang sah man, wie gut Manuel Baum seine Mannschaft auf einen Gegner einstellen kann, der in der Vorwoche noch Borussia Mönchengladbach mit 6:1 vom Platz fegte. Vor allem das schnelle Flügelspiel durch Max, Opare und vorne Caiuby und Heller war ausschlaggebend für die Chancenhoheit der Augsburger in der 2. Halbzeit. Gregoritsch hatte zwei gute Möglichkeiten zum Abschluss, die jedoch an schlussendlicher Dringlichkeit und fehlendem Durchsetzungsvermögen scheiterten.

Vor allem Daniel Opare machte wieder mal ein sensationell gutes Spiel. Schon gegen Stuttgart wurde der Ghanaer zum Man of the Match gekürt, zudem steht er wieder im Nationalmannschaftskader. Vollkommen zurecht, denn auch gegen einen Gegner wie Dortmund ließ der von vielen – inklusive dem Autor – schon abgeschriebene Verteidiger nichts anbrennen und setzte nach Vorne starke Akzente.

Vielleicht ist es ja Manuel Baums pädagogischer Ansatz und das Fehlen eines Paul Verhaegh, das dem Jungspund endlich die Möglichkeit zum Durchbruch gewährt wurde. Verdient hat er es, wie man aktuell sehen darf.

Was war schlecht?

Opare war jedoch, defensiv gesehen, der einzig gute Augsburger auf dem Feld. Vor allem die beiden Innenverteidiger Gouweleeuw und Hinteregger hatten eher einen ihrer schlechteren Tage.

Bei beiden Gegentoren stiften sie mehr Verwirrung als dass sie Schaden reduzieren würden und auch zwischendurch gab es den ein oder anderen Wackler, den eine Mannschaft wie Dortmund gerne mal bestraft.

Hoffen wir, dass es nur Ausnahmen waren und sie in den kommenden Spielen wieder durch ihre Abgeklärtheit auffallen und auch Rani Khedira dem Duo wieder zur Verfügung steht.

 

Und auf den Business Seats?

Wohl nicht nur auf den teuren Sitzen war man heute rund um den Elfmeterpfiff etwas ratlos. Ernüchternd muss man jedoch feststellen, dass alles an dieser Situation korrekt abgelaufen ist und der Videobeweis nun solch kuriose Spielszene wie diese mit sich bringt:

Bei einer Ecke zieht Koo auffällig lange am Trikot eines Dortmunders im Strafraum, was der Schiedsrichter nicht sieht und die Dortmunder nicht lange lamentieren. Die Situation wird entschärft und der FC Augsburg startet den Gegenangriff, der gut eine Minute dauert, ehe der Ball zu einer Ecke auf Dortmunder Seite geklärt wird.

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Doch anstatt zur Ecke, pfeift der Schiedsrichter nach Konsultation des Videos auf Elfmeter für Dortmund. Verwirrung total, denn die vorhergehende Situation am anderen Ende des Spielfelds war gedanklich schon wieder so weit weg, dass das Ganze komplett surreal wirkte. Jedoch:

Die Bewertung (Strafstoß) war korrekt, und die Situation weiterlaufen zu lassen ebenfalls, da der Ball zwischen Foul und Entscheidung nicht im Aus war.

Schlussfolgern wir also: Der Videobeweis macht das Spiel durchaus fairer, jedoch nicht unbedingt ansehnlicher. Aber das wussten viele wohl schon vorher…

Was kommt als nächstes?

Nach Länderspielpause geht es mit schwerem Programm weiter: Der FC Augsburg muss nach Sinsheim, wo eine spielstarke TSG Hoffenheim aufwartet.

Der Anspruch an einen Kapitän

Erst seit dieser Saison ist Daniel Baier Kapitän des FC Augsburg. Er löste Paul Verhaegh ab, der den Posten über viele Jahre bekleidete. Zuvor war Baier mehrere Jahre Verhaeghs Stellvertreter. Auf dem Platz war er über meist der wichtigere Spieler. Baier ist aus dem Augsburger Spiel immer noch nicht wegzudenken und dirigiert die Geschehnisse von der 6er Position nun seit einer gefühlten Ewigkeit. Rein aus sportlicher Perspektive gibt es überhaupt keine Debatte darüber, dass Daniel Baier der richtige Spieler für das Kapitänsamt ist. Baier wird nach seinem Ruhestand ein fester Bestandteil der besten besten Augsburger Elf aller Zeiten sein. Nun ist die sportliche Perspektive in der letzten Woche leider etwas in den Hintergrund getreten. Das ist Baiers eigene Schuld. Diese hat er eingestanden und sich entschuldigt. Mehr will ich zu dieser einzelnen Handlung (*grins*) nicht schreiben, v.a. da es auf dem Platz Baiers einziger krasser Fehltritt in all den Jahren bisher war. Für mich ist das Thema damit erledigt.

Vorbildfunktion in den USA

In diesem Zusammenhang ist allerdings eine Debatte über die Vorbildfunktion von Fußballspielern im Generellen und der von Kapitänen im Speziellen wieder angefacht worden. Nachdem ich weiß, dass Daniel Baier selbst interessiert die NFL verfolgt und in Interviews Quarterback als seine Lieblingsposition genannt hat, möchte ich diese Debatte gerne um einen Aspekt ergänzen. Sportler in den USA sind sich Ihrer immensen Reichweite bewusst und engagieren sich zumindest nach meinem persönlichen Empfinden öffentlich mehr für soziale Belange als Profisportler in Deutschland. Das krasseste Beispiel in diesem Zusammenhang ist wohl in letzter Zeit JJ Watt, einer der Kapitäne der Houston Texans, einem mittelmäßigen NFL Team. Die Stadt Houston wurde hart von Sturm Harvey getroffen und es wurde viel zerstört. Watt startete persönlich eine Kampagne und hat mittlerweile über 30 Millionen US Dollar eingesammelt, um den Menschen vor Ort zu helfen. Das war keine Idee seines Clubs, das ist seine eigene Initiative. Nachfolgend ein kleiner Eindruck:

In der NFL gibt es darüber hinaus sogar einen jährlichen Preis, der den Spieler auszeichnet, der sich sozial am meisten engagiert hat. Es geht dabei um nachhaltiges Engagement über viele Jahre. Zudem dürfen die Spieler an einem Spieltag ihre Schuhe so designen lassen, dass sie Werbung für eine wohltätige Organisation machen. Diese Möglichkeiten werden von vielen Spielern wahrgenommen, die für die unterschiedlichsten wohltätigen Zwecke Aufmerksamkeit erreichen wollen. Aus meiner Sicht wird in den USA erwartet, dass sich ein Kapitän nicht nur vorbildlich für sein Team einsetzt und dieses vertritt, sondern diese Funktion auch für Stadt und Region übernimmt.

Ein anderer Anspruch in Deutschland

Warum sollten wir uns hieran in Deutschland orientieren? Daniel Baier und so manch anderer Fußballer tut vielleicht im Verborgenen viel gutes und insgesamt ist das doch seine Privatsache, oder? Ich will kurz an einem handfesten Beispiel erklären, warum ich das nicht so sehe. Fußballer haben eine irre Reichweite. Selbst die sehr sporadisch gepflegte Facebook Seite von Daniel Baier hat 4.000 „Gefällt mir“ Angaben. Zum Vergleich, dieser Blog kratzt mit der entsprechenden Facebookseite gerade so an 300 „Gefällt mir“ Angaben. Wenn ich darüber schreibe, dass wir die Arbeit des bunten Kreises ins Scheinwerferlicht stellen wollen, dann ist unser Scheinwerferlicht eine Taschenlampe im Vergleich zu den Flutlichtmasten, die Daniel Baiers Facebookseite darstellen würde. Wenn wir versuchen, für diesen guten Zweck T-Shirts zu verkaufen, dann sind wir froh über jede einzelne Bestellung (hier erhältlich für Damen und Herren). Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie viel Aufmerksamkeit wir erhalten würden, wenn Daniel Baier das Shirt bei der Pressekonferenz zuletzt getragen hätte.

Das Beispiel verdeutlicht auch, dass gar nicht viel Zeit oder gar Geld notwendig wäre, um positives zu tun. Mir geht es auch gar nicht darum, dass sich Spieler genau für die wohltätigen Zwecke engagieren sollten, die wir auch unterstützen. Aber man stelle sich vor, die Hälfte der Spieler des FCA würde sich je eine Organisation aussuchen, die er öffentlich begleitet. Ein Instagram Foto weniger für den eigenen Hund eines mehr für z.B. die Brücke. Organisationen, die die Aufmerksamkeit benötigen gibt es genügend. Wenn diese Organisationen Hilfe bekommen, Spenden zu sammeln, dann können sie sich mehr darauf konzentrieren, Bedürftigen auch wirklich zu helfen. Fußballer könnten hier einen tollen Beitrag leisten. Vielleicht liest das jetzt ein Spieler außer Andreas Luthe und denkt darüber nach? Einen Versuch war es wert. Denn wenn der FC Augsburg mehr ist als 90 Minuten, dann hört auch die Vorbildfunktion der Spieler nicht auf dem Platz auf.