Eine Mannschaft ohne Identität

Was hatte ich mich auf das Spiel in Frankfurt gefreut. Es war ingesamt eine bemerkenswert schlechte Woche für mich. Erst war ich krank und danach kamen vor allem arbeitsbedingt schwierige Nachrichten auf mich zu, mit denen ich umgehen musste. Eine Woche, in der ich meinen Kompass auf Freitagabend ausgerichtet hatte. Hoffnungsfroh nach der zweiten Halbzeit gegen Bremen, in der mein liebster FCA einen Rückstand gedreht und das Spiel gewonnen hatte. In Frankfurt hatte die Mannschaft in der letzten Saison auch ein wundervolles Erfolgserlebnis gefeiert. Ich war im April live dabei und so fieberte ich zusammen mit meiner Crew auch dieses Mal frohen Mutes dem Spiel entgegen. Ich habe nicht nach den ersten Rückschlägen aufgegeben. Am Abend stand ich pünktlich auf der Tribüne, die Augen aufs Ziel gerichtet.

Für Glanz und Gloria

Wir liefen in der Februarkälte zum Stadion. Es war klar, dass es ungemütlich werden würde. Es war klar, dass die Frankfurter nach den ersten Spielen der Rückrunde und dem Pokalsieg gegen Leipzig Selbstvertrauen getankt hatten. Umso größer war die Aufgabe, umso größer wäre der potentielle Sieg am Ende des Abends zu werten, umso beschwingter würden wir das Wochenende erleben und kurz den grauen Alltag und unsere Probleme vergessen können. In der ersten Halbzeit wurden unsere Erwartungen auch noch erfüllt. Die Mannschaft hatte Chancen, die sie nicht zu nutzen wusste (oder die Kevin Trapp leider großartig vereitelte) und die Eintracht kam nach ca. 40 Minuten zu einfach zum Führungstreffer. Es stand wie in der Vorwoche gegen Bremen 0:1. Alles war noch drin. Der Rückstand würde die Geschichte nur noch besser machen. Eine weitere Legende, die wir unseren Kindern und Enkeln erzählen könnten. Was danach folgte, kann nicht anders als ein Offenbarungseid bezeichnet werden.

Ihr werdet die feiernden Frankfurter wieder los. Mich werden sie eine ganz Weile verfolgen. Habe ich erwähnt: ich wohne in Frankfurt. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Nun ist noch nicht viel Zeit vergangen seit diesem traumatischen Erlebnis und ich bin in dieser Saison vorgeschädigt. Ich war auch schon in Gladbach auswärts dabei. Da ging das Spiel 5:1 für die Gladbacher aus, und die erste Halbzeit in Gladbach sah der zweiten in Frankfurt in mancher Hinsicht sehr ähnlich. Es war auch kalt, aber in Gladbach regnete es dazu noch. Ich vertrete auch die Meinung, dass ich eine persönliche Erklärung dafür verdient habe, was in diesen zwei Auswärtsspielen passiert ist. Aber nachdem die Erklärungen bisher äußerst mau sind, will ich mal anfangen zu erzählen, was gestern – mal wieder – passiert ist. Und zu welchen Einschätzungen ich gelangt bin.

Die Taktik

Adi Hütter, der Frankfurter Trainer, hat sehr gut erkannt, wie man uns Augsburgern momentan das Leben schwer machen kann. Wenn wir wie gegen Frankfurt mit Finnbogason/Niederlechner in der Kombination spielen, dann erzeugt das eine dauerhafte Unterzahl im zentralen Mittelfeld. Baier und Khedira standen Ilsanker, Kohr und Gacinovic gegenüber. Das Frankfurter Trio ist dabei so körperlich und aggressiv, wie man es sich nur vorstellen kann. Das Ergebnis war, dass wir gerade im Spiel mit dem Ball diesen zu schnell verloren, und Frankfurt dann im eigenen Spiel mit dem Ball durch Verlagerungen auf die Flügel und eintrainierte Spielzüge eine Überzahl schnell ausnutzen konnte.

Eine Folge dieses Problems ist auch, dass Frankfurt ca. 60% der Zweikämpfe gewonnen und mehr Fouls gespielt hat. Wir sind, wie z.B. gegen Union Berlin, nicht in die Zweikämpfe gekommen und haben diese weniger aggressiv geführt. Martin Schmidt hat dann Finnbogason aus- und Löwen eingewechselt, um im zentralen Mittelfeld stabiler zu stehen und damit überhaupt eine Chance im Spiel zu haben. Allein, es war schon zu spät. Und gegnerische Mannschaften wissen mittlerweile, dass man uns durch Körperlichkeit und Aggressivität aus dem Konzept bringen kann. Darauf müssen wir uns in den nächsten Spielen einstellen. Der Trainer kann seinem Team helfen, wenn er in zentralen Bereichen des Feldes, Wege findet, um diese Unterzahlsituationen zu vermeiden.

Die Reaktion auf das zweite Tor

Die Niederlage rein der taktischen Ausrichtung anzulasten, wird schwierig. Gerade auf den Flügeln hätten wir Möglichkeiten gehabt, um für Unruhe in der Frankfurter Hintermannschaft zu sorgen und unsere beiden zentralen Abschlussspieler hätten potentiell ja auch mehr zum Abschluss kommen können. Nachher ist da immer ein jeder schlauer. Was allerdings hilfreich gewesen wäre, ist, deutlich länger ohne Gegentor zu bleiben bzw. das Spiel offen zu halten. Die beiden ersten Gegentore waren nicht besonders extravagant herausgespielt, sondern sind individuellen Fehlern zuzuschreiben.

Timothy Chandler konnte sein Glück nicht fassen. Er profitierte von den Lücken in der Augsburger Abwehr. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Beim ersten Tor kommt der Ball zu Chandler, der sich im Vergleich zu seinem Gegenspieler überaus filigran dreht und dann sehr gut abschließt. Die Fehlerkette vom Ballverlust bis zum Tor war lang. Das zweite Gegentor fällt dann, weil wir einen Standard schlecht verteidigen. Beide Tore weisen auf Unkonzentriertheiten hin. Auf diesem Niveau kann man sich solche Fehler nur selten erlauben.

Große Freude bei der Eintracht. Möge sie in dieser Saison anhalten und wir uns nächstes Jahr revanchieren. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Entscheidender ist allerdings die Reaktion danach. Es ist nicht so, dass es dann auf dem Platz mal lauter wird. Das jemand den anderen anschreit und wachrüttelt. Durch Körperlichkeit ein Zeichen setzt. Sich ne gelbe Karte abholt und ein Ruck durchs Team geht. Geschlossen wird dann aufgehört zu spielen. Führungsspieler sind untergetaucht. Gibt es eine Struktur im Team und wer übernimmt dann die Verantwortung?

So kassiert man dann das dritte Gegentor (wie frei der Frankfurter einköpfen konnte. Wahnsinn). Dazu kurz vor dem Ende die Tore vier und fünf. Was ich von der Tribüne aus nächster Nähe beobachten konnte, war der mentale Zusammenbruch des gesamten Teams. So als würde ich nach 6 Stunden eines beschissenen Tages aufhören zu arbeiten und aufgeben. Kein Verhalten mit dem man sich als Fan identifizieren kann, wenn man sich die ganze Woche im Alltag abgemüht hat. Mit solch einer Einstellung wäre ich am Freitag überhaupt nicht erst auf der Tribüne gestanden. Solches Verhalten will ich in rot-grün-weiß nicht sehen.

Eingeständnis des Versagens

“Einmal ist keinmal und zweimal ist einmal zuviel” hat einer meiner Lehrer in der Schule früher gesagt. Und so könnte man dieses Spiel leicht abhaken, wenn ein solcher Zusammenbruch nun das erste Mal vorgekommen wäre. Martin Schmidt ist nun seit April letzten Jahres im Amt. Aus dem Stand kann ich die Zusammenbrüche seines Teams schon gar nicht mehr alle rekapitulieren. Das 1:8 in Wolfsburg am letzten Spieltag der letzten Saison ging uns noch recht am Arsch vorbei. Es war das erste Mal. Am ersten Spieltag die zweite Halbzeit in Dortmund war dann schon schlimmer. Dann kam das 1:5 in Gladbach und jetzt wieder ein 0:5 in Frankfurt. Wenn Martin Schmidt in der Pressekonferenz behauptet, dass die zweite Halbzeit gegen Frankfurt die bisher schlechteste der Saison war, dann gab es zumindest schon hochkarätige Konkurrenz in seiner Amtszeit.

Bilder eines Zusammenbruchs. Ich bin so leid sie zu sehen. Diese Zusammenbrüche müssen ein Ende haben. (Photo by Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images)

Martin Schmidt hat in der besagten Pressekonferenz deutliche Worte in Richtung Mannschaft gefunden: “Das war eine Katastrophe. Zuerst den Schneid abkaufen lassen in Sachen zweite Bälle, Zweikampfführung. Dann irgendwann auch die Mentalität abkaufen lassen. Und am Schluss noch ne Packung gekriegt. Heute war keiner der Spieler, außer vielleicht der Torhüter, gut. Und wenn alle Spieler nicht gut sind, dann ist meistens der Grund im mentalen Bereich zu suchen. Was war los mit der Konzentration in der zweiten Halbzeit? Was war los mit dem Team nach dem 2:0? Da war wieder der Stecker gezogen. Warum fallen wir in uns zusammen?”

Als ich die Aufzeichnung der Pressekonferenz am Tag nach dem Spiel gesehen habe, ging mir direkt die Hutschnur hoch. Ja, was war denn los, Martin Schmidt? Das ist doch dein Team, das da auf dem Rasen steht. Deine Mannschaft, die deine Mentalität als Führungskraft widerspiegelt und die Werte, die du vermittelst. Diese Klatschen sind nun mehrmals vorgekommen. Mehr als einmal. Einige Male zu viel. Es ist unerträglich. Und Du bist dafür verantwortlich.

Resilienz

An dieser Stelle müssen wir uns mit Resilienz beschäftigen. Resilienz bedeutet psychische Widerstandskraft – und insofern gebe ich Martin Schmidt Recht, als dass die Probleme im mentalen Bereich liegen. Wie widerstandsfähig ist die Mannschaft bzw. die einzelnen Spieler in schwierigen Situationen? Die Klatschen deuten darauf hin, dass die psychische Widerstandsfähigkeit gesteigert werden muss. Die Spieler müssen auf diese schwierigen Situationen vorbereitet werden, so dass sie die Situation erkennen und richtig reagieren können. Ihre gewünschte Option A: “Das Spiel gewinnen” gerät ins Wanken. Es ist wichtig, dass den Spielern in diesen Situationen bewusst ist, dass sie ihre Option B dann immer noch gestalten können. Option B könnte enden als “Klatsche und Schmach” oder als “Aufgebäumt, alles reingeworfen und knapp verloren”.

“Aufgeben und überfahren lassen” ist keine Option B, die tolerierbar ist. Einsatz und Kampf bis zum Abpfiff ist das, was jede Option B beinhalten muss. Und das ist im mentalen Mindset der Spieler abhanden gekommen. Fußball ist eben keine rein körperliche Angelegenheit. Auch die mentale Ausbildung der Spieler ist von einiger Bedeutung. Gerade mit unserem jungen, neu zusammengestellten Kader scheint die Ausbildung der Mannschaft in diesem Bereich noch verbesserungswürdig zu sein. Es ist mir wichtig an dieser Stelle festzuhalten, dass ich nicht glaube, dass die Mannschaft oder einzelne Spieler nicht wollen. Sie haben in schwierigen psychologischen Situationen unter erheblichem Druck “nur” nicht gut reagiert. Sie brauchen weiterhin Unterstützung und Aufmunterung. Es macht keinen Sinn sie auszupfeifen bzw. zu beschimpfen. An den Problemen kann man arbeiten. Muss man arbeiten.

Fehlerkultur

Dazu kommt, dass wir zur einer gesunden Fehlerkultur zurückfinden müssen. Und damit meine ich nur am Rande, dass wir in der Lage sein müssen, Fehler einzugestehen. Die Mannschaft hat aus meiner Sicht kein Problem damit zuzugeben, dass sie am Freitag ihre Leistung nicht gebracht hat. Die Jungs sind quasi geschlossen in der Kurve gestanden und haben sich die direkten Reaktionen der Fans angehört und sich für den Support bedankt. Was da teilweise von den Rängen kam, war deutlich unter der Gürtellinie. In den Stunden der Niederlage zeigt sich dann doch am ehesten, wer zu einer menschlichen Reaktion auf Fehler in der Lage ist und da haben im Block doch einige versagt.

Ich beziehe diesen Punkt trotzdem eher auf die Rotation in der Mannschaft. Auch wenn die ersten Spiele nicht besonders prickelnd waren, so hat Martin Schmidt prinzipiell an seiner Stammmannschaft festgehalten. Individuelle Fehler sind menschlich und prinzipiell in Ordnung. Gehäuft müssen sie allerdings Konsequenzen haben. Die Spieler aus der zweiten Reihe müssen darauf drängen sich beweisen zu dürfen. Und diejenigen, die zum Einsatz kamen, müssen für gehäufte Fehler die Konsequenzen tragen und auf der Bank Platz nehmen. Irgendeinen Vorteil muss der große Kader haben, bei dem die Leistungsdichte so hoch ist wie nie. Zumindest gingen wir davon bisher aus. Ob es Martin Schmidt in diesem Kader schafft den Konkurrenzkampf hoch zu halten, müssen wir noch abwarten. Aber vielleicht sind die Unkonzentriertheiten auch darauf zurückzuführen, dass man sich in der Mannschaft durch den fehlenden intensiven Konkurrenzkampf nicht zu Topleistungen pusht?

Besser gegen Freiburg

Alles in allem steht nicht zu befürchten, dass es gegen Freiburg weiter geht, wie es gegen Frankfurt aufgehört hat. Martin Schmidt hat die Schwere der Niederlage erkannt. Fehler wurden von ihm in der taktischen Einstellung als auch von den Spielern auf dem Feld gemacht und der Spielverlauf hat uns nicht in die Karten gespielt. Wer weiß, was mit einem frühen Führungstor möglich gewesen wäre. Mit 26 Punkten haben wir immer noch 8 Punkte mehr als in der letzten Saison (und 5 weniger als vor zwei Jahren). Es läuft nicht alles optimal, aber doch einiges richtig.

Wir werden wieder Feiern, das ist klar. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Bongarts/Getty Images)

Mir ist dabei besonders wichtig, dass diese Mannschaft die sportliche Identität des FC Augsburg wiederfindet, so dass man sich als Fan auf der Tribüne mit den Jungs auf dem Rasen jederzeit identifizieren kann. Verlieren ist nicht schlimm, genau wie einzelne Fehler. Und ich tausche mit jedem Spieler Hoody gegen Trikot nach einem Spiel in der Kälte. Aber bei allem was mir an dieser Sache liegt: dafür müssen alle 100% geben in den 90+X Minuten des Spiels. Und am Freitag nach dem Spiel hätte keiner auf der Tribüne eines dieser Trikots gewollt. Weil es einem das Herz bricht, wenn die eigene Mannschaft ihre und damit unsere Identität mit Füßen tritt. Und so muss dieses Team nun erst wieder herausfinden, für was es steht. Man will ihnen zurufen: Wir sind für euch da. Schaut uns an und kämpft für uns. Mehr braucht es doch nicht.

TGIF: Das Spiel ist nah und der Weg ist kurz

Ein erneutes Servus von mir in die Runde am Freitag kurz vor dem Auswärtsspiel in Frankfurt. Vielleicht lest ihr das auf dem Weg nach Frankfurt, in eurer Lieblingskneipe oder daheim auf der Couch. Wer hier schon etwas länger mitliest, der weiß, dass endlich der Weg für mich kurz ist und mein “Heimspiel” ansteht. Korrekt, ich wohne immer noch in Frankfurt. Meine Tochter wird im Kindergarten von Eintracht-Anhängerinnen erzogen. Mancher Kollege ist treuer Eintracht-Fan. Unschwer zu betonen, dass dieses Spiel für mich eine besondere Bedeutung hat. Ich hasse es auswärts in Gladbach oder Wolfsburg abgewatscht zu werden, aber gegen die Eintracht gilt es umso mehr. Eine Niederlage in diesem Spiel ist schlicht keine Option.

Fakten über das Spiel: #SGEFCA

10. gegen 11. – ein Nachbarschaftsduell in der Tabelle. Beide Teams mit recht viel Torgefahr nach vorne (33 bzw. 32 geschossene Tore), beide Teams lassen allerdings auch viel zu (39 bzw. 31 Gegentore). Es könnte rund gehen, wogegen allerdings die Ausgeglichenheit der Mannschaften spricht. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe. Quasi ein Topspiel in der für uns relevanten Tabellenhälfte. Eintracht Frankfurt ist ein Team, in dem Martin Hinteregger mit 6 Toren der zweitbeste Torschütze ist. Augen auf nach dem Eckballgegentor gegen Union, damit den Frankfurtern nichts ähnliches gelingt. Mit Silva, Dost (der allerdings ausfällt) und vor allem Pacienca haben die Frankfurter einige gefährliche Offensivkräfte. Mit Philipp Max haben wir allerdings auch einen torgefährlichen Verteidiger mit der gleichen Trefferanzahl.

Alfred Finnbogason war wieder mittendrin statt nur dabei. So kann er auch in Frankfurt ein wichtiger Einflussfaktor auf den Ausgang des Spiels sein. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Dazu ist Alfred Finnbogason wieder fit, der neben dem Schwaben-Bomber Flo Niederlechner auflaufen könnte. Wer soll diese Offensivreihe mit all diesen Hochkarätern und unterstützt von Ruben Vargas und Marco Richter aufhalten? Im Tor der Frankfurter steht dafür Kevin Trapp bereit. Wohingegen wir Augsburger auf einen der guten Tage von Tomas Koubek hoffen müssen. Der kehrt nach seinem grippalen Infekt ins Tor zurück. Ob das nicht den entscheidenden Unterschied ausmachen wird?

Der Gegner

Eine Wundertüte vor der Winterpause, seitdem nur Pralinen. Die Eintracht hat gegen Düsseldorf letztes Wochenende keinen guten Fußball gespielt, die ersten beiden Spiele der Rückrunde aber irgendwie gewonnen. Das Heimspiel nun unter der Woche im Pokal gegen Leipzig war einerseits Belastung. Andererseits beflügelt ein eindeutiger Sieg gegen eine der besten Mannschaften der Liga. Wobei: Wie gut ist Leipzig nun nach der Winterpause gerade noch? Auf jeden Fall ein Gegner, der der Eintracht gerade liegt – im Gegensatz zu uns. Ich kann mich noch gut an das letzte Auswärtsspiel im Waldstadion erinnern. Die Eintracht war ewig ungeschlagen und es war das erste Spiel von Martin Schmidt.

Große Erleichterung nach der Partie im April in Frankfurt. Der Sieg war die entscheidende Weiche Richtung Klassenerhalt. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Es hatte keiner damit gerechnet, dass wir überhaupt etwas mitnehmen. Und es war mein persönliches Highlight in der letzten Saison, weil die Mannschaft sich dagegen gestemmt hat, mit vollstem Einsatz, und 3 Punkte erkämpft hat. Die Eintracht ist in dieser Saison eine Wundertüte. Aber geschenkt bekommst du hier nichts. Wenn wir auftreten wie gegen Union Berlin oder in der ersten Halbzeit gegen Bremen, dann werden wir gefaltet und nach Hause geschickt. Wenn wir die zweite Halbzeit gegen Bremen weiterführen können, werden wir Chancen bekommen. Frankfurt liegt uns. Ich hoffe auch diesmal.

Die Presseschau

Das Transferfenster ist zu und es hat niemand mehr Augsburg verlassen. Erwähnenswert waren den Medien dabei vor allem zwei Spieler: Eine Leihe von Reece Oxford zerschlug sich wohl, genauso wie ein Wechsel von Kevin Danso. Oxford kommt gerade beim FC Augsburg nicht zum Zug. Die Konkurrenz ist nun mit Eduard Löwen auch nicht gerade kleiner geworden. Kevin Danso kommt während seiner Leihe in Southampton nicht zum Zug. Der Premier League Traum wirkt gerade eher wie ein Alptraum. Beide Spieler finden sich nun für die nächsten Monate in unbequemen Situationen wieder und müssen sich frei schwimmen. Zu verlieren haben sie gerade nichts.

Für mich dagegen etwas überraschend, dass unsere Leistungsträger um Philipp Max und Marco Richter nicht mit Wechseln in Verbindung gebracht wurden. Ein Unterschied zu vielen vorherigen Transferperioden. Der FCA konnte den starken Kern der Mannschaft zusammen halten. Jetzt wollen wir mal sehen, was sich daraus machen lässt.

Etwas für Aufmerksamkeit sorgte diese Woche auch, dass Martin Schmidt in der Halbzeit in der Kabine gegen Bremen etwas lauter werden musste. Ein Weckruf quasi. Ob es heute gegen die Eintracht ohne Weckruf klappt. Es bleibt zu hoffen.

Der Traum der Woche

Ruhe für den Rest der Saison an meinem Frankfurter Arbeitsplatz. Ein wirklich großer und wichtiger Traum, damit ich mich hier weiter aufs Wesentliche konzentrieren kann.

Was macht eigentlich Florian Kohfeldt?

Der FC Augsburg Fluch ist an Florian Kohfeldt vorbei gezogen. Der SV Werder Bremen hat ihm deutlich den Rücken gestärkt, nachdem noch vor dem Augsburg-Spiel vermutet wurde, er würde bei einer Niederlage entlassen. Ich bin ein großer Fan von Konstanz auf der Trainerbank und hoffe, dass der SV Werder diesen Weg konstant weiter geht. Daraufhin hat seine Mannschaft Borussia Dortmund aus dem Pokalwettbewerb gezittert und sich damit etwas Selbstbewusstsein geholt.

Applaus für Florian Kohfeldt von unserer Seite. Mit klarer Kante hat er sich in dieser Woche politisch positioniert und die Ereignisse in Thüringen verurteilt. (Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

Das alleine hätte heute nun noch nicht dazu geführt, dass wir uns detailliert mit Florian Kohfeldt beschäftigt hätten. Nun hatte er allerdings auch noch das Rückgrat, sich zu den politischen Ereignissen in Thüringen zu äußern. Wir spielen heute in Frankfurt – Peter Fischer, Präsident der Eintracht, hat sich schon vor einiger Zeit deutlich von der AfD distanziert. In diesen Zeiten ist das mehr denn je notwendig. #fckafd #fcknzs

Gazetten Tipps

Andy: 1:1 Es wird zur Sache gehen und die Eintracht hat durch den Pokal Selbstvertrauen getankt. Wir werden in Rückstand geraten, ausgleichen und einen Punkt aus Frankfurt mitnehmen.

10 Jahre Daniel Baier: eine Erinnerung, wer der Beste ist

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne “Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Der Fußball zelebriert den Kult um ehemalige Spieler nicht in dem Umfang, wie das in den USA im Football oder Basketball gemacht wird. Wenn verdiente Spieler abtreten werden dort deren Nummern nicht mehr vergeben, sie werden in den sog. “Ring of Honor” oder in die “Hall of Fame” aufgenommen. Der Kult um ehemalige Spieler wird deutlich aufwändiger betrieben. Es gibt eine bewusste Erinnerungskultur im Hinblick auf die Leistung der Ehemaligen.

Auch gegen den SV Werder Bremen dirigierte der Maestro Daniel Baier sein Team erneut. Mal wieder mit Erfolg. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Aber auch in Augsburg ist ein gewisser Personenkult für unsere verdienten Spieler angekommen. Vor dem Stadion steht eine Statue zu Ehren von Helmut Haller, die Stehplatztribüne der Heimfans trägt den Namen von Uli Biesinger. Weitere Ehrungen wird es auch in der Zukunft geben. Die Ehrung des Spielers, der im Trikot des FCAs die größten sportlichen Leistungen erbracht hat, wurde gerade erst wieder um ein Jahr verschoben: Daniel Baier.

Baiers Bedeutung für den Augsburger Fußball

Daniel Baier steht mittlerweile seit fast genau 10 Jahren in festen Diensten des FC Augsburg. Davor war er schon an den Club ausgeliehen. Er kam im Winter 2010 im Alter von 25 Jahren aus Wolfsburg zum FCA und ist mittlerweile fast ist im Fußballrentenalter angelangt. Wobei er die Rente gerade noch einmal verschoben hat. Er führte den FCA in die erste Liga und ist bisher nicht einmal mit ihm abgestiegen. Alles in allem hat er knapp 350 Pflichtspiele für den FCA absolviert. In den meisten Fällen agierte er aus dem defensiven Mittelfeld heraus, und verteidigte unser Tor, indem er wie kein anderer Pässe der Gegenspieler antizipierte und abfing. Im Spielaufbau war er oft der Rhythmusgeber des FC Augsburg der aus der Tiefe den Spielaufbau dirigierte. Dazu hatte er immer Zeit für einen Plausch mit dem Schiedsrichter oder seinen Gegenspielern. Alles in allem war er in den letzten 10 Jahren der prägendste Spieler, der das Trikot unseres Vereins getragen hat. Er ist wohl auch der sportlich wichtigste Spieler, der jemals das Trikot des FCA getragen hat.

Vergleich mit den Legenden

Diese Aussage erfordert natürlich, dass man ihn mit den anderen Vereinslegenden vergleicht. Uli Biesinger war ein Knipser, der für den FCA in der ersten Liga und in tieferen Ligen in 222 Spielen ganze 121 Tore erzielt. Er wurde zudem für die deutsche Nationalmannschaft nominiert, während er für den FCA spielte. Er ist dennoch mit dem FCA abgestiegen und der FCA konnte sich mit ihm nicht in der ersten Liga etablieren. Tore alleine sind kein Garant für sportlichen Erfolg. Biesinger war ein Riesenspieler für den FCA, Daniel Baier konnte er aber nur in einem Punkt übertreffen: beim Tore schießen.

Haller und Biesinger gemeinsam auf einem Foto anlässlich der Fußball WM 2011 in Augsburg. (Photo by Thomas Langer/Bongarts/Getty Images)

Bleibt offensichtlicherweise Helmut Haller übrig, der der beste Spieler ist, der jemals das Trikot des FC Augsburg getragen hat. Leider spielte er zu seiner absoluten Hochzeit nicht im FCA Trikot. Als Hallers Karriere so richtig in Fahrt kam, 1962 nach seiner ersten WM-Teilnahme im Alter von 22 Jahren, wechselte Haller von Augsburg nach Bologna und kam erst wieder im Alter von 33 Jahren im Herbst seiner Karriere zurück. Haller spielte seinen besten Fußball in Italien als er mit Bologna und Juventus Titel holte und sogar einmal zu Italiens Fußballer des Jahres gewählt wurde. Den FCA konnte auch er nicht mehr in die erste Liga führen, auch wenn er der Stadt sportliche Hoffnung schenkte. Haller war zu seinen Spitzenzeiten Weltklasse. Baier hat ihm voraus, dass Baier seine fußballerisch besten Zeiten im FCA-Trikot erlebte.

Bis zum Ende und noch viel weiter

Aber genau wie auch Hallers und Biesingers Karrieren wird auch Baiers Karriere leider irgendwann zu Ende gehen. Auch wenn es 2021 vielleicht noch nicht soweit sein sollte. Baier soll gerne so lange spielen, wie sein Körper mitmacht und er Lust hat sich in die Duelle zu werfen. Aber am Ende seiner Karriere – und ich hoffe sehr, dass er nie ein anderes Trikot als das des FCA mehr tragen wird – wird er hier in Augsburg gebührend verabschiedet werden müssen. Erwachsene Menschen werden Tränen verdrücken. Und uns sollte bewusst sein, dass wir Zeuge einer unglaublichen Karriere werden durften.

Baiers Leistungen über die Jahre hinweg sind mit das Beste was dieser Verein sportlich von einem einzelnen Spieler jemals erhalten hat. Schon jetzt ist er eine Legende. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der FCA sollte es dann schaffen, Baier zu überraschen. So wie die Dallas Mavericks Dirk Nowitzki überrascht haben, als er sein letzes Spiel spielte. In welcher Rangfolge man die Augsburger Fußballlegenden am Ende des Tages reiht: Baier ist eine von Ihnen. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn spielen sehen darf. Genießen wir die letzten 100 Spiele. Wenn alles zu Ende ist, wird sein Name unvergessen bleiben.

TGIF: Bremer Stadtmusikanten vs. Augsburger Puppenkiste

Heute ist Freitag, der letzte Arbeitstag der Woche und spätestens in vier Stunden geht’s an die Stechuhr und ich hab‘ Feierabend.  Jawollja! Wie mir geht’s da wohl noch etlichen anderen Arbeitnehmern, die sich schon zu Arbeitsbeginn klammheimlich aufs Wochenende freuen. Hoch die Hände, Wochenende, FCA, ole ole. und #TGIF – all diese Slogans haben eins gemeinsam: Die Vorfreude auf zwei arbeitsfreie Tage nach einer intensiven Arbeitswoche. Und was gibt’s da schöneres als seinen Gelüsten zu frönen, den Hobbies nachzugehen und mit der eigenen Clique abzuhängen? (Richtig: Nix! 😂 ) Für mich bedeutet Wochenende ja immer Bundesliga-Zeit. Und natürlich FCA-Zeit. Auf das Spiel meiner Augschburger fieber‘ ich quasi die ganze harte Arbeitswoche hin. Umso schöner, wenn der FCA dann auch noch punktet und das Wochenende komplett super wird. Wenn da das Wörtchen wenn nicht wär… und der SV Werder Bremen.

Immer wieder samstags!

Also, immer wieder samstags spielt der FC Augsburg in der 1. Fußballbundesliga. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Anhänger aus Hannover, Kaiserslautern und von 1860 München sind an dieser Stelle nun vor Neid erblasst und würden sicherlich gerne mit uns tauschen. Daher hab ich nicht nur eine gewaltige Vorfreude auf das Wochenende und auf den FCA allgemein – sondern auf das 9. Jahr Bundesliga in der Augsburger Vereinsgeschichte.

Ein unfassbares Privileg, wenn man mal intensiver drüber nachdenkt. Ganz demütig werde ich, wenn ich einmal kurz Revue passieren lasse, was wir in 9 Jahren Glanz & Gloria erlebt haben. Fast-Abstieg, Fast-EL, Erstmalige EL-Teilnahme und so weiter. 2020 soll nun also das Jahr der Augsburger werden und wir wollen frühzeitig nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Ob das wohl so einfach wird? Nach den jüngsten Auftritten sind sich da nicht mehr alle so sicher in Datschiburg, wie noch am Ende der Hinrunde.

Facts, it’s all about facts

Der Gegner möchte uns das Leben morgen ab 15:30 Uhr jedenfalls so schwer wie möglich machen. Die launische Diva aus Bremen ist zu Gast im beschaulichen Bayerisch-Schwaben. Selbst arg mit akuten Abstiegssorgen gebeutelt, versucht man den Fisch aus der Weser – pardon – den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und hat mit Kevin Vogt einen alten Augsburger Bekannten aus Hoffenheim loseisen können. Der Abwehrhüne soll die mit Verletzungspech geplagte Defensivreihe der Werderaner verstärken. Aktuell stehen die Grün-Weißen mit 17 Punkten aus 19 Spielen auf dem Relegationsplatz. Nicht zufriedenstellend für einen ambitionierten Traditionsclub wie dem SVW. 

Ruben Vargas: Durchbruch gegen Bremen
Als Ruben Vargas am 01.09.2019 in Bremen sein zweites Tor erzielte war spätestens klar, was wir im Sommer für ein großes Talent verpflichtet hatten (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Martin Schmidt, der Augsburger Trainer, bezeichnet den Gemütszustand seiner Spieler inklusive seiner selbst als „wütend“.[1] Denn drei Niederlagen in Folge sind so gar nicht nach dem Geschmack des Schweizers. Und überhaupt, nachdem man die Hinrunde erstmal zu zwei Dritteln verpennt hat und sich dann akuter Sorgen nur durch ein fabulöses letztes Drittel entledigt hat – ist diese Niederlagenserie natürlich jetzt ärgerlich. Und genauso erwartbar wie unnötig. Die Winterpause kam den Augsburger Kickern jedenfalls nicht unbedingt zu Gute. Schmidt selbst weiß, dass die Partie gegen die Werderaner also kein Selbstläufer wird.[2] 

Am 01.02.2020 kommt es nun also zum 17. Aufeinandertreffen zwischen FCA und SVW in der Bundesliga. Hierbei ist die Bilanz ziemlich ausgeglichen bei 8 Augsburger-, 7 Werder-Siegen sowie 2 Unentschieden. Während unser FCA in den letzten 10 Spielen starke 5 Siege erkämpfen konnte, stehen für die Bremer sage und schreibe 6 Niederlagen zu Buche.  Das Hinspiel zwischen den beiden Clubs ging 3:2 für Bremen aus. Ärgernis der Partie war der Feldverweis für Rechtsverteidiger Stephan Lichtsteiner. Neuzugang Ruben Vargas zeigte erstmals seine offensiven Qualitäten und traf doppelt.

Funfact am Rande:  Ein torloses Remis gab es noch nie!

Unser Gegner: Der SV Werder Bremen– Lebenslang Grün-Weiß.

Mit Bremen kommt der Dritte der Ewigen Tabelle und viermalige Deutsche Meister nach Augsburg. Seit 39 Jahren spielen die Grün-Weißen in der 1. Bundesliga – Chapeau. In Sachen Ligazugehörigkeit und Konstanz sind sie definitiv Vorbild für den FCA. Viele unruhige Jahre liegen hinter dem erfolgreichsten Bremer Verein. Gut aufgestellt ist man mittlerweile in der Chefetage mit Ehrenspielführer Baumann und dem Münsteraner Klaus Filbry. Auch die ehemaligen Werder-Spieler Clemens Fritz und Marco Bode bekleiden wichtige Positionen im Verein. Ob Florian Kohlfeldt seine Tätigkeit genauso lang wie Rehhagel und Schaaf ausüben darf? Fraglich.  Denn Statistiken – wie kein einziges Zu-Null-Spiel in der Hinrunde und die Schießbude der Liga mit 41 Gegentoren –  werfen Fragen auf. 

Bremer Sorgen sind Augsburger Freud’

Einziger Lichtblick: Während der FCA in der Rückrunde auf den ersten Punkt wartet, hat Bremen beim Rückrundenauftakt gegen Fortuna Düsseldorf direkt dreifach gepunktet.  Werder Bremen konnte im DFB-Pokal überwintern und trifft im DFB-Pokal-Achtelfinale am kommenden Dienstag auf Borussia Dortmund.  Vielleicht ist die Konzentration am Samstag in Augsburg dann nicht so groß? Wer weiß, wer weiß.

Offenbar fahren die Bremer ziemlich dezimiert nach Augsburg, denn mit Ex-FC Augsburg Spieler Langkamp, Selassie und Augustinsson fallen wichtige Stützen in der Defensive aus.  Mittelfeldspieler Bargfrede kann ebenfalls sicher nicht spielen.[3]  Marco Friedl muss hingegen vom Spielfeldrand zusehen –  dank 5. gelber Karte und der damit verbundenen Sperre. Kapitän Moisander kehrt nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder in die Anfangsformation zurück. Die Bremer haben mit Rashica einen der schnellsten Bundesligaspieler in ihren Reihen und in Jiri Pavlenka einen sehr sicheren Rückhalt.

Kevin Vogt: neu bei Bremen
Neue Farben, bekanntes Gesicht: nachdem er in Hoffenheim diese Saison weniger zum Einsatz kam, welchselte Kevin Vogt nun im Winter vorerst nach Bremen. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

In der Defensive stehen mit Kevin Vogt und Ömer Toprak starke Innenverteidiger zur Verfügung. Mit Nuri Sahin, den Eggestein-Brothers, dem Ich-hab-die-Haare-schön Mittelfeldspieler Davy Klaassen sowie Bittencourt weist Bremen große Qualität im Mittelfeld auf.  Der ewige Claudio Pizarro treibt auch im Jahre 2020 noch sein Unwesen in den gegnerischen Abwehrreihen. Die Augsburger Abwehrspieler sollten sich warm anziehen.  Gut auch für den FC Augsburg, dass den SVW weiterhin Personalprobleme plagen. Die Bremer Führungsriege beschäftigt sich derzeit mit einem neuen Stürmer, aber konnte noch niemanden vermelden respektive verpflichten.[4]

Die voraussichtliche Aufstellung der Bremer sieht folgendermaßen aus:
Pavlenka - Toprak, Vogt, Moisander - Goller, Sahin, Bittencourt - M. Eggestein, Klaassen - Rashica – Sargent

Quo vadis, FCA?

Beim FCA sieht es danach aus, als hätte sich Andre Hahn nach seinem unglücklichen Auftritt gegen Union direkt wieder aus der ersten Elf rotiert. Eduard Löwen oder Freddy Jensen könnten in der Zentrale seinen Platz einnehmen. Ein interessanter Aspekt wird sein, ob Schmidt auf Jedvaj als Rechtsverteidiger setzt. Oder eher den routinierten Lichtsteiner bevorzugt. Jedvaj hatte ebenfalls einen rabenschwarzen Tag erlebt, der Kroate spielt der eigenen Aussage nach aber auch wesentlich lieber im Innenverteidiger-Verbund.  Gespannt bin ich persönlich auch, ob Finnbogason schon eine Option für die erste Elf ist und sich Martin Schmidt dem Experiment mit zwei Stürmern wieder annähert. Dies ist sicherlich abhängig vom Fitnesszustand des Isländers.

Lichtsteiner: Einsatz gegen Bremen?
Über Stephan Lichtsteiner wurde diese Woche viel berichtet: vor allem über seine Bedeutung abseits des Platzes. Darf er diese Woche wieder auf dem Feld helfen? (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Der noch angeschlagene Cordova und der für die Olympia-Quali abgestellte Iago fehlen ebenso wie Stürmer Julian Schieber. Letzterer laboriert an einer hartnäckigen Wadenverletzung. Zudem wurde heute bekannt, dass Mads Pedersen nach Zürich ausgeliehen wird für die Rückrunde. Martin Schmidt hat alles in allem trotzdem mal wieder die Qual der Wahl. Und derzeit wenig verletzte Spieler zu beklagen.

Gegen Union agierte die Truppe um Kapitän Daniel Baier offensiv kopflos und fahrig, defensiv ließ der FCA zu viele Chancen des Gegners zu. Oft ließ man sich abermals zu individuellen Fehlern hinreißen (Koubek, Jedvaj, Hahn). Diese Punkte müssen schleunigst verbessert und optimiert werden, sonst droht der nächste Punktverlust gegen einen direkten Konkurrenten.

Ich würde darauf tippen, dass die FCA Startformation gegen Bremen folgendermaßen aussieht:
Koubek - Jedvaj, Gouweleeuw, Uduokhai, Max - Khedira, Baier - M. Richter, Löwen, Vargas – Niederlechner

So sieht es übrigens auch der Kicker.[5]

Was macht eigentlich – Torsten Oehrl?

Der nahe Coburg geborene Torsten Oehrl, heute 34 Jahre alt, hat sowohl für den SV Werder Bremen (2008 -2010) als auch für den FC Augsburg (2010-2013) gespielt. Ich erinnere mich noch sehr gut an seinen Seitfallzieher im Jahr 2010 gegen den FSV Frankfurt – das Tor wurde damals zum Tor des Monats Dezember von den Zuschauern der Sportschau gewählt.[6]  Eine Tormaschine war er beim FCA wahrlich nicht (nur 7 Bundesligatore).

Thorsten Oehrl feiert eines seiner seltenen Bundesligatore gegen Hertha BSC Berlin am 25. Februar 2012 mit – natürlich – Daniel Baier. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Auch bei den Bremern hatte er zu kämpfen, denn dort hat er den Durchbruch nicht geschafft in der Bundesliga und kam zumeist nur in der 2. Mannschaft zum Zuge. Bis 2017 hat Torsten Oehrl noch aktiv Fußball gespielt, beim FC Bayern II in der Regionalliga. Seit 2018 ist er vornehmlich Trainer, zuletzt beim Bezirksligisten FC Oberhaid (Aus im Oktober 2018). [7] Der gelernte Industriekaufmann blickt jedoch stolz auf seine FCA-Zeit zurück und sagte einst im Interview: „Das war mit die coolste Zeit”.[8]

Tipps der Redaktion

·        Irina: Ich bin zwiegespalten. Mein euphorisches Ich sagt, dass wir das wuppen und mit 2:1 gewinnen, da wir frei und frisch aufspielen. Mein leicht pessimistisches FCA-Gemüt jedoch gewinnt derzeit häufiger die Oberhand und munkelt, dass es eher in Richtung eines glücklichen Remis geht.

·        Andy: Mein Tipp ist ein 3:1 für den FCA. Überzeugend zurück in die Erfolgsspur gegen schlechte Bremer.

·        Sebastian: Wildes 3:2, Hauptsache zurück in die Erfolgsspur


[1] https://fcaugsburg.de/wns/schmidt-dreier-in-dieser-direktbegegnung-waere-unglaublich-wichtig/

[2] Ebd.

[3] https://www.werder.de/aktuell/news/profis/20192020/personal-update-vor-augsburg-30012020

[4] https://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-Werder-Bremen-in-Augsburg-In-Ruhe-punkten,werder12392.html

[5] https://www.kicker.de/4588835/spielinfo/fc-augsburg-91/werder-bremen-4

[6] https://www.sportschau.de/sendung/tdm/archiv/chronik10er/dezember2010tdm100.html

[7] https://www.focus.de/regional/bayern/bamberg-torsten-oehrl-legt-traineramt-in-oberhaid-nieder_id_9732062.html

[8] https://www.infranken.de/regional/forchheim/sport/torsten-oehrl-ein-profi-im-spielkreis;art291,3219032

“Babylon Berlin”

Als der FCA am Samstag in Köpenick den Samstag gemütlich ausklingen ließ, boten die Verantwortlichen des anderen Berliner Bundesligavereins bei ihrem Auswärtsspiel in Wolfsburg derweil einmal mehr einen kuriosen Anblick. Ein breites schwäbisches Grinsen zierte das Gesicht des neuen Berliner Hoffnungsträgers und mit ihren überdimensionierten Camouflage Daunenjacken wirkte der Trainerstab wie eine ironische Anspielung auf das aktuell 11Freunde Cover in Bling-Bling Optik. Eine Szene wie aus der Großraumdisko. Nur leider ist die Hertha im Jahr 2020 weit entfernt von jeglicher Selbstironie.

Rhetorische Blutgrätschen

Die Ankündigung, dass sich ein Investor mit einem dreistelligen Millionenbetrag bei der Hertha einkaufen und den Hauptstadtclub zu einem Spitzenverein in Europa machen wolle, ist mittlerweile auch einige Tage alt. Dem Investorengeld folgte mittlerweile Jürgen Klinsmann als Trainer, der den glücklosen Ante Covic ablöste. Klinsmann wurde bereits vom Investor in den Aufsichtsrat geholt und auch die kurzfristige und kurzzeitige Lösung als Trainer war im Sinne des Mäzen. Jürgen und Lars, das passt.

Da war er auf einmal ein Berliner: Jürgen Klinsmann. (Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Seitdem wird in der Hauptstadt Schwäbisch-Denglisch großgeschrieben und in endloser Redundanz auf den ‚Big City Club‘ verwiesen. Alles Dank des ‘Commitments‘ von Lars. “Berlin und Deutschland haben einen ‚Mega Club‘ verdient“. Klingt irgendwie wie eine Strafe für etwas, was man gar nicht getan hat. Auch das neue Berliner Umfeld zeigt sich in diesen Tagen rhetorisch mindestens ebenso stilsicher und besticht durch völlig ironiefreie Beiträge wie dem Bogen, den Klinsmanns Performance Manager Arne Friedrich vom US Militär zum Fußballplatz spannt. Alles mega.

Ein Windhorst braucht die Stadt

Dem Commitment von Jürgen folgten auch die erwartbaren Reflexe. So ziemlich jeder einigermaßen bekannte Nationalspieler, der im In- und Ausland keine tragende Rolle mehr spielt, wurde schon mit Berlin in Verbindung gebracht. Der eigene Nachwuchs spielt dagegen keine Rolle mehr, auch jüngere Verstärkungen wie Eduard Löwen konnten nach nur wenigen Monaten wieder gehen. Die perspektivische Verpflichtung von Lucas Tousart einmal abgesehen, war der Königstransfer in der Winterpause dann aber nicht ein Mario Götze oder ein Julian Draxler. Sondern Santiago Ascacibar, der vom VFB Stuttgart kam.

Nicht von ungefähr benennt Klinsmann Hoffenheim und Leipzig als Vorbilder, denen noch als Feigenblatt Gladbach quasi im Nachsatz nachgeschoben wird. Ist das der Weg, den man sich kaufen möchte, um als Big City Club auf der europäischen Bühne zu tanzen? Immerhin ist es nicht frei von Risiko. Andere Vereine haben eindrucksvoll vorgemacht, wie man das Geld der Investoren in den norddeutschen und niederbayerischen Sand setzen kann.

Fußballerische Gentrifizierung

Wer durch Berlin streift, der erkennt den Charme einer Stadt nicht in Geld und Größenwahn. Die Hauptstadt besticht durch einen ganz eigenen Stil. Ein Stil, bei dem der Bänker im Nadelstreifen auf dem Heimweg im Bus sein billiges Feierabendbier trinkt. Es ist nicht das hippe Berlin sondern das etwas angesiffte, das große Sympathien weckt. Trotzdem ist Berlin leider auch die Bühne der Investoren, des Umbaus und Aushängeschild der Gentrifizierung.

Es wirkt, als wolle die Hertha zum Spiegelbild der Hauptstadt werden. In dem Investoren die Hauptrolle übernehmen, ganze Projekte übernehmen und für ihre Klientel mit großem Geld erneuern. Nur welche Klientel, welches Publikum ist das?

Und wenn Lars Windhorst (rechts) keinen Bock mehr hat, dann verschwindet er halt wieder. (Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)

Natürlich wäre es naiv anzunehmen, dass der Erfolg der großen Clubs ohne Geld möglich gewesen wäre und gerade zukünftig sein wird. Die Sponsoreneinnahmen der Bayern übersteigen das Geld des Investors vermutlich um ein Vielfaches. Und auch in Augsburg hat man in etwas begrenzterem Umfang Erfahrungen mit Investoren. Es geht auch nicht um Fragen von Tradition und Erfolg oder den Einfluss Einzelner trotz 50+1 Regel. Es geht vielmehr um das grundsätzliche Verständnis und das Leitbild, dass sich die Bundesliga geben will. Es hat nichts mit Fußballromantik zu tun, wenn man den Versuch kritisch beäugt, einen Koffer voller Geld über einem Verein auszuschütten, um sich Erfolg – oder besser: Popularität – zu erkaufen. Erfolg kann man sich vermutlich auf lange Sicht schon kaufen, Popularität eher nicht.

Andere Vereine zeigen in eindrucksvoller Weise, wie man zu einem Aushängeschild einer Stadt werden kann. Man denke an die Frankfurter. Oder die Berliner. An der Alten Försterei.

TGIF: Die Keule von Köpenick

Wer von den Auswärtsreisefreunden beim Ticketkauf vergessen wird, dem bleibt immerhin noch das Vergnügen, zuhause die Spieltagsvorbereitung zu schreiben. Endlich wieder Bundesliga. Es geht nach Berlin, zu den sympathischen Sportsfreunden von Eisern Union.

Den/die Augsburger Sportsfreund*in erwarten in Berlin viele sympathische Sportsfreunde von Eisern Union, die eine freundschaftliche Zusammenkunft erwarten lassen. (Photo by Adam Berry/Bongarts/Getty Images)

Fakten zum Spiel: #FCUFCA

Ein klassischer Mittelfeldkracher, der Zwölfte erwartet den Zehnten. Die Statistik klingt ebenso vielversprechend, vier der fünf bisherigen Duelle endeten unentschieden. Immerhin hat der FCA noch nie gegen Union Berlin verloren. Das sollte sich tunlichst nicht ändern. Ist nach dem fulminanten Spiel und der immer noch nicht verdauten Niederlage gegen Dortmund eine triste Nullnummer zu erwarten? Am vergangenen Samstag konzentrierte sich der Fußball-Boulevard auf den „Haaland“ Schock.

Augsburg und Abwehr fangen mit dem gleichen Buchstaben an. In den letzten dreißig Minuten gegen Dortmund war das das einzig verbindende Element. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Aber einen gewichtigen Anteil an dem Ergebnis hatte der FCA dann doch auch selbst. Die Verteidigung weiter in der Offensive zu suchen ist ordentlich schief gegangen. Aber hätte man schlicht nur gemauert, wäre der Unmut ebenso groß und der Sieg auch nicht garantiert gewesen. Meine Unkenrufe haben sich jedenfalls nicht bewahrheitet. Unter dem Strich gilt es, einem couragierten Auftritt zu applaudieren. Courage ist auch an der Alten Försterei gefragt.

Der Gegner

Jeder mag Union Berlin. Ritter Keule als sympathischer Gegenentwurf zur Alten Dame, was auch am Unioner Umfeld und in einer vielfältigen Fankultur begründet liegt. Zu Beginn der Saison begrüßte die Bundesliga Union Berlin als 56. Mitglied. Das erste Bundesligator durften die Fans – wenig überraschend – in Augsburg bestaunen. Der Kaderzuwachs beim Aufsteiger war erstaunlich, mit Gentner, Subotic oder Ujah wurden altbekannte Bundesligaveteranen verpflichtet. Seitdem verläuft die Saison durchaus zufriedenstellend, einschließlich eines 3-1 Heimsiegs gegen den BVB. Nur zuletzt erlebten die Eisernen ein kleines Formtief.

Die Feierlaune ist den Unionern seit dem Aufstieg nicht wieder vergangen. (Photo by Adam Berry/Bongarts/Getty Images)

Zur Winterpause konnte mit Yunus Malli nochmals renommierte Verstärkung gewonnen werden – eben jener Malli, der in Mainz unter Schmidt zu einem gefragten Bundesligaspieler reifte. Im ersten Spiel der Rückrunde lieferte Berlin in Leipzig ein gutes Spiel ab, musste sich aber am Ende nach anfänglicher Führung mit 3-1 geschlagen geben.

Die Presseschau

Was man kurz vor dem Feierabend noch in der Büroküche loswerden kann: Philipp Max hatte unter der Woche ein paar prominente Auftritte und zeigte sich unter anderem als Jungunternehmer, der Zeit in Eiseskälte verkauft. Dabei wurden natürlich auch die erwartbaren Fragen nach a) der Nationalmannschaft und b) der Dauer seines weiteren Augsburger Engagements gestellt. Und ebenso erwartbar beantwortet.

Weitere Personalien: Christoph Janker ist erfreulicherweise wieder zurück und der etwas unglückliche Reese Oxford könnte noch in die englische zweite Liga wechseln.

Der Traum der Woche

Mit dem Schiff zur Alten Försterei. Und ein niemals gefährdeter Auswärtssieg des FCA.

Was macht eigentlich Kees Kwakman?

Der Niederländer war leider nur kurzzeitig Sympathieträger im Augsburger Mittelfeld. Nach dem Aufstieg wechselte er zurück in die Niederlande und hatte zuletzt beim niederländischen Zweitligisten FC Volendam gespielt. Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende arbeitet er mittlerweile als Analyst bei Fox Sports Niederlande.

Apropos Karrierenende: Sascha Mölders hat angekündigt, dass er nach der Saison seine Profikarriere beenden und als Spielertrainer in der Regionalliga anheuern wird. Man munkelt, es geht nach Pippinsried. Na dann, viel Erfolg!

Gazetten Tipps

  • Andy: Wir gewinnen 0:1 und finden unsere Stabiltät in der Defensive wieder.
  • Irina: 2 zu 1 für unseren FCA. ⚽ Bei den Toren tippe ich auf Niederlechner und Max. Wir spielen wie gegen Dortmund offensiv erfrischend, aber stehen diesmal auch 90 Minuten defensiv sattelfest. Union macht es zwischenzeitlich nochmal spannend.
  • Sebastian: 2-2. Fühlt sich aber wir ein Sieg an, denn den Ausgleich erzielt Augsburg in der 95. Minute.

Der FCA und das Trainerkarussell der Bundesliga: erstmal ausgestiegen

Der FC Augsburg ist sportlich in ein etwas ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt. Zum Ende der Hinrunde haben wir zwischenzeitlich 6 Spiele lang nicht verloren und dabei sogar fünf Siege eingefahren. In Köln lief das Spiel nicht optimal. André Hahn verschoss einen Elfmeter und holte sich einen unnötigen Platzverweis ab. Trotzdem nahmen wir wieder einen Punkt mit. Auch gegen Dortmund verloren wir nach komfortabler Führung noch. Insgesamt haben wir uns aber durch den sportlichen Aufschwung im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Immer noch ist Durchatmen angesagt. Die Lage in Augsburg hat sich beruhigt. Mal wieder.

LEIPZIG, GERMANY – DECEMBER 21: Martin Schmidt schnauft durch. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Schwierigkeiten in der ersten Hälfte der Hinrunde

Zwischenzeitlich wurde es etwas ungemütlich für Martin Schmidt. Der Kaderumbau im Sommer hatte sich bis in die Saison gezogen, Leistungsträger vielen verletzt aus und es hat gedauert, bis die Mannschaft in der Lage war, seine Anforderungen auf dem Platz umzusetzen. Mittlerweile – gegen etwas schwächere Gegner – konnte die Mannschaft zeigen, was sie kann. Aber auch gegen stärkere Gegner wie gegen Hoffenheim oder Leipzig hat das Team mitgespielt, immer gegen gehalten und war wettbewerbsfähig. Das hatte lange gefehlt. Bis zum Auswärtsspiel in Gladbach verfolgte mich immer die Angst, auswärts richtig zu kassieren. In Gladbach ja auch mit bestem Recht.

WOLFSBURG, GERMANY – OCTOBER 27: Martin Schmidt in Action (Photo by Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)

Am Ende hat auch eine positive Transferpolitik im Sommer ihren Beitrag zum Umschwung geleistet. Einige der Sommertransfers stechen wirklich hervor. Ruben Vargas hat sein Potential mehrfach angedeutet. Florian Niederlechner ist ein absoluter Glücksgriff für den FCA und schon jetzt zum Bomber von bayrisch Schwaben aufgestiegen. Und in der Innenverteidigung konnten sowohl Felix Uduokhai als auch Tin Jedvaj ihre Qualitäten auf dem Platz zeigen. Wenn nun noch Carlos Gruezo wieder fit ist und helfen kann, dann war der Transfersommer gelungen. Die Kernleistung von Martin Schmidt war es allerdings in der Hinrunde, aus diesem Haufen von talentierten Einzelspielern eine Einheit zu formen, die zusammen hält und an einem Strang zieht. Ich hatte nicht mehr daran geglaubt, aber es ist Martin Schmidt bis dato wunderbar gelungen. Respekt dafür!

Das Problem der Trainerwahl

Bei der Trainerwahl hat der FCA mit Martin Schmidt somit nicht ganz daneben gelangt. Es scheint auch insgesamt eine der größten Herausforderungen zu sein, den richtigen Trainer für ein bestimmtes Team zu identifizieren. Es mutet etwas seltsam an, dass Clubs sehr viele Ressourcen in das Spieler-Scouting investieren, aber anscheinend kein funktionierendes Konzept haben, um einen neuen Trainer für ihre Mannschaft zu finden.

AUGSBURG, GERMANY – DECEMBER 07: Martin Schmidt klatscht mit Achim Beierlorzer, einem aktiven Trainer-Karussell Teilnehmer ab. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

9 Monate ist Martin Schmidt nun in Augsburg und damit belegt er bei den aktuellen Amtszeiten in der Bundesliga schon wieder einen Mittelfeldplatz. Viele Clubs haben in der Sommerpause oder auch schon in der laufenden Saison ihren Trainer erneut gewechselt. Andere Trainer – wie Lucien Favre in Dortmund – stehen immer wieder stark in der Kritik. Hertha BSC hat mit Jürgen Klinsmann nun erstmal eine Übergangslösung bis zum Saisonende gewählt, die gar nicht erst langfristig angelegt ist. Bei Hansi Flick in München weiß man auch nicht genau, ob das wirklich zu einer langfristigen Zusammenarbeit führt.

Der FCA setzt weiter auf Konstanz

Stefan Reuter hat beim FC Augsburg mittlerweile drei Trainer mit ausgewählt. Bei Markus Weinzierl zu Anfang hat er zumindest mit entschieden, ob dieser in Augsburg bleiben soll. Seine Einschätzungen an dieser Stelle lagen zumindest nie ganz daneben. Nur mit Dirk Schuster war man gar nicht zufrieden und entschied sich die Zusammenarbeit schnell wieder zu beenden. Aber Punkte hatte selbst Schuster damals gesammelt.

VERL, GERMANY – AUGUST 10: Martin Schmidt fragt sich manchmal auch, was das alles soll. Zusammen geht es trotzdem weiter. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Insgesamt gilt weiterhin: der FC Augsburg setzt weiter ganz bewusst auf Konstanz, auch wenn in der Liga mal wieder die Panik ausbricht. Wahrscheinlich ist das weiterhin das Zauberrezept, warum wir mittlerweile im neunten Jahr in der Bundesliga spielen. Als Trainer in der Liga hätte ich ein großes Interesse daran, irgendwann in Augsburg zu arbeiten. Die Rückendeckung der Vereinsführung ist formidabel. Die Jobsicherheit ist groß. So lange wir es schaffen, gute Trainer nach Augsburg zu locken, werden wir mittel- und langfristig Erfolg haben. Durch schwierige Phasen müssen allerdings auch wir durch – aber halt zusammen.

Wohin die Reise noch führt

Im Nachhinein wirkt es so, als ob Martin Schmidt in Wolfsburg schlicht nicht genug Zeit bekommen hätte. Derweil hatte er in Mainz eine sehr erfolgreiche Zeit, in der er die Mainzer sogar bis nach Europa geführt hatte und man sich am Ende einvernehmlich trennte. Dort kam am Ende die Frage auf, wie sich die Mannschaft sportlich weiterentwickeln könnte. Es wäre ein Luxus, wenn wir uns diese Frage in 1,5 Jahren auch stellen würden. So lange würde ich momentan hoffen, dass Martin Schmidt stabil in Augsburg weiter arbeiten sollte. Aber was wusste ich Anfang Oktober schon. Mal schauen, wann wir wieder aufs Karussell aufspringen.

TGIF: Zeit, wieder an Fußball zu denken

Servus in die Runde. Wir probieren hier mal wieder etwas neues. Regelmäßig vor den Spieltagen wollen wir an dieser Stelle alle wichtigen und unwichtigen Informationen zusammenfassen, so dass ihr liebe Leser, potentiell die Klugscheißer des Wochenendes sein könnt. Einmal auf dem Weg ins Stadion hier reingeschaut und schon ist die Vorbereitung abgeschlossen. Zumindest für euch. Versuchen wir es einfach mal.

Fakten über das Spiel: #FCABVB

Es spielt der Vierte beim Zehnten. Dortmund hat in dieser Saison die Erwartungen bisher nicht immer erfüllen können. Wir enttäuschten nur in der ersten Hälfte der Hinrunde, bevor wir zu einem fulminanten Lauf ansetzten. Nach dem Abschluss der Hinrunde ging es zuerst in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub und danach ins Traininslager auf Malta. Dort haben wir zwei Testspiele absolviert. Im ersten konnten wir uns mit der zweiten Garde gegen den maltesischen Erstligisten Hibernians FC 4:0 durchsetzen. Edu Löwen trifft und wirbelt direkt beim Debüt im FCA Trikot. Im zweiten reichte es in nomineller Topbesetzung nur zu einem 3:3 gegen Cercle Brügge. Fredrik Jensen rettete nach Einwechslung das Unentschieden.

Mit dieser Form und nach dem Ende der Rückrunde hat sich Fredrik Jensen seinen Platz in dieser Offensivreihe verdient. Ob er ihn gegen Edu Löwen verteidigen kann? (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Am Auffälligsten waren allerdings die Fehlerketten in der Abwehr, die zu den Gegentoren führten. Die Kernfrage, die beantwortet werden muss: Konnten wir die Form in der Winterpause konservieren?

Der Gegner

Obwohl die Bayern geschwächelt haben, sieht es nicht nach einem Meisterschafts-Run der Dortmunder aus. Die Dortmunder haben sich auf einer Position verstärkt, auf der sie bisher sehr dünn besetzt waren: im Sturm. Erling Haaland kam von RB Salzburg und hat international viele Vorschusslorbeeren geerntet. Als Abgang steht Julian Weigl fest, der zu Benfica Lissabon wechselte. Aber auch jegliche Information zur Aufstellung oder Taktik der Borussia wird uns nicht verraten, welche Seite sie uns in Augsburg zeigen wird. Ob die Dortmunder in der Rückrunde eine Überraschungstüte bleiben werden? Die Testspiele des BVB haben in dieser Hinsicht nicht für Klarheit gesorgt, denn auch die Dortmunder lieferten durchwachsene Leistungen ab.

Die Presseschau

Daniel Baier gab dem Sport-Magazin Socrates ein ausführliches Interview. Wenn die Aussagen des Maestros mal keine interessante Lektüre ergeben nach der Nachricht zur Vertragsverlängerung um ein Jahr. Auf der Spielerseite kann man ansonsten noch Noah Sarenren Bazee im Blick behalten. Der kicker hat schön dargestellt, wie er durch die lange Genesungsphase und die Geduld in der Rückrunde zur Überraschung werden kann.

Zur Bescheidenheit des FCA sollte man erwähnen, dass der FCA eine Promo-Reise in die USA vereinbart hat. Der Haken? Man plant, nicht auf dem Relegationsplatz zu landen, denn die Reise findet zu den Terminen der Relegationsspiele statt. Wenn die Verantwortlichen in der Rückrunde den Ball flach halten wollen und daran erinnern, in der Tabelle nach unten zu schauen, kann diese kleine Terminüberschneidung wohl als Erwiderung dienen.

Was es diese Woche nicht in diese Kategorie geschafft hat:

  • Informationen zu den Urlaubsorten unserer Spieler
  • Aussagen eines ehemaligen Co-Trainers, der versucht nicht in Vergessenheit zu geraten

Der Traum der Woche

Der FC Augsburg ist dafür bekannt, dass man immer wieder neues mit diesem tollen Verein erlebt. Etwas, das man vorher entweder noch nie erlebt hat oder für vollkommen unwahrscheinlich hielt. Ein Sieg zum Rückrundenstart gegen die Borussia aus Dortmund würde immer noch in diese Kategorie fallen. Die Borussia aus Dortmund ist immer noch einer der Top Clubs in der Liga. Ein Sieg wäre immer noch eine gr0ße Überraschung. Ich wünsche es mir so sehr!

Wenn Erling Haaland bei seinem Debüt für den BVB in der Bundesliga den Ball flach halten könnte, wäre das förderlich. (Photo by Francesco Pecoraro/Getty Images)

Randnotiz: Ein gewisser Pierre-Emerick Aubameyang hat bei seinem Bundesligadebüt in Augsburg 3 Buden erzielt und uns quasi im Alleingang erledigt. Die Dortmunder wussten damals noch nicht einmal, wie sein Name korrekt ausgesprochen gehört. Vielleicht doch französisch? Erling Haalands Einstand fällt hoffentlich deutlich bescheidener aus.

Was macht eigentlich Iago?

Eigentlich wollen wir an dieser Stelle zukünftig auf ehemalige Spieler schauen. Heute schauen wir mal kurz auf Iago. Iago kann dem FCA leider momentan nicht helfen. Immerhin ist er nicht verletzt, sondern darf für sein Land Brasilien in der Olympiaqualifikation antreten.

Iago hatte zum Ende der Hinrunde einen guten Lauf, wird allerdings vorerst fehlen. Der Grund ist allerdings erfreulich. (Photo by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Das Turnier findet in Kolumbien statt und das letzte Spiel für Ihn ist dort am 31.01. gegen Paraguay. In Frankfurt gegen die Eintracht könnte er dann am 07.02. schon wieder für den FCA auflaufen. Wünschen wir ihm bis dahin viel Erfolg, so dass er mit gestärktem Selbstbewusstsein zurückkehrt.

Gazetten Tipps

  • Andy: 1-2 Dortmund ist zum Rückrundenauftakt zu stark und setzt sich über individuelle Einzelaktionen durch. Wir können den BVB allerdings über lange Strecken ärgern und Marco Richter trifft sehenswert zum Anschluss. Am Ende reicht es allerdings nicht ganz zu einem Punkt.
  • Sebastian:Klares 4-1, drei Tore Niederlechner, 1 Tor Löwen. Niemals gefährdeter Heimsieg beim Rückrundenauftakt, Augsburg spielt Dortmund an die Wand und meldet sich zurück im Meisterschaftsrennen mit einem deutlichen Sieg gegen einen Konkurrenten.

Egal ob Brügge oder Madrid…

Brügge gegen Augsburg, das klingt doch nach Europapokal. Dazu ein Hazard im Sturm, die ein oder andere Rudelbildung, zwei Lattentreffer und insgesamt sechs Tore bei einem leistungsgerechten Remis. Auf dem Papier hatte das Spiel einiges zu bieten. Es geht um das Testspiel des FCA das im Trainingslager auf Malta stattfand. Gegner war Cercle Brügge aus der ersten belgischen Liga und der FCA nutzte die Gelegenheit, um mit der nominell ersten Elf für die Bundesligarückrunde zu testen. “Brügge sehen und sterben” heißt ein bekannter Film. Wir Augsburger würden dies gerne umwandeln in “Brügge sehen und Dortmund schlagen”. Ist Hoffnung auf Grund der Testspielleistung angebracht?

Eine kleine Spielkritik

Auf dem Platz sah das zunächst etwas weniger glamourös aus, als der geneigte Zuschauer auf Grund der Paarung erträumte. Bis der Brüsseler Kevin Hoggas auf dem Weg zum Führungstreffer graziös Tin Jedvaj und Jeff Gouweleeuw austänzelte, war wenig passiert. Augsburg war zumeist im Ballbesitz, gewann Zweikämpfe und zweite Bälle aber verstolperte dann im Regelfall den Ball vor dem gegnerischen Tor. Ein Lattenkracher von Marco Richter war noch das einzige Highlight bis schließlich Rani Khedira nach einer Vorlage von Neuzugang Eduard Löwen den Ausgleich erzielte. Mangelnden Einsatz konnte man keinem der Spieler vorwerfen. Stefan Lichtsteiner sah neben Tin Jedvaj in der ersten Hälfte die gelbe Karte, wohlgemerkt wegen Reklamierens. In einem Testspiel.

Stephan Lichtsteiner wie er leibt und lebt. Auch im Trainingslager. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Formsache

In der zweiten Hälfte hatte sich Brügge das lange genug angesehen und zeigte recht eindrucksvoll die Augsburger Schwachstellen auf. Anfänglich konnte der eingewechselte Fredrik Jensen noch einen Fehlpass von Brügges Keeper Hubert, gerade erst zur Halbzeit eingewechselt, zum Führungstreffer ausnutzen, doch in Folge spielte nur noch der belgische Erstligist. Die Gegentreffer waren die logische Folge, wobei das zwischenzeitliche 3-2 durch zwei sehenswerte Fehlpässe der Augsburger Verteidigung begünstigt wurde. Erneut war es Jensen, der nach einer der seltenen schönen Kombinationen der zweiten Hälfte den Ausgleich erzielte.

Das hatten wir doch schon mal

Die Aussagekraft von Testspielen ist bekanntlich begrenzt und so ordnete das auch Martin Schmidt ein. Indes, das Spiel gegen Brügge war auch eine Reminiszenz an die Vorrunde. Grundsätzlich sah das alles in der ersten Hälfte bis zum Strafraum recht passabel aus, die Zweikämpfe wurden gewonnen und die Pässe kamen an. Doch Tormöglichkeiten wurden selten heraus gespielt und noch seltener genutzt. In der zweiten Halbzeit legte Brügge dann den Finger in die spielerische Wunde. Die Belgier waren näher am Mann, provozierten Fehler und Fehlpässe. Der FCA wusste sich da lange Zeit nicht zu helfen. Einfache Spielzüge der Belgier führten zum Erfolg. Über die Außenbahn kam der Ball oft genug in den Rückraum und konnte recht schnörkellos in Richtung Tor gezimmert werden. So oder so ähnlich sah das auch in der Hinrunde in Gladbach aus. Es bleibt zu hoffen, dass dies ebenso der Testspielsituation geschuldet war, wie auch die Flüchtigkeitsfehler in der Verteidigung. Es wirft allerdings auch die Befürchtung auf, dass die defensive Stabilität nicht von Dauer sein könnte. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit, wenn man an das Spiel in Dortmund zurückdenkt.

Gewinner der Vorbereitung

Etwas deutlicher gestaltete da am Vortag die vermeintliche zweite Garde das Spiel gegen den Vierten der maltesischen Premier League, mit Toren von Sarenren Bazee, Julian Schieber und Eduard Löwen. Der Neuzugang kann ohne Zweifel als der Gewinner der kurzen Vorbereitung und beider Testspiel gesehen werden, mit einem eigenen Treffer und zwei Vorlagen. Er zeigte Präsenz und Engagement. Daneben knüpfte Jensen an die aufsteigende Form der Vorrunde an und auch Sarenren Bazee bestätigte die Eindrücke aus den bisherigen Testspielen.

Gibt es bald Fotos von Noah Joel Sarenren Bazee bei Pflichtspielen im Augsburger Trikot. Er könnte in der Rückrunde überraschen. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Es bleibt zu hoffen, dass dies auch in der Saison auf dem Platz eine Fortsetzung findet. Gerade hinter den Stammspielern stehen einige hoffnungsvolle Kandidaten für mehr Spielzeit bereit. Insgesamt ist die Form vieler deutlich höher als zu Beginn der Hinrunde. Das Team wird nun über die kurze Pause hinweg nicht alles verlernt haben. Und was sagen Testspiele am Ende schon aus? Man kann gespannt auf die Rückrunde sein. In jeder Hinsicht.

Hurra, ein Löwen für den FCA!

Die deutschen Bundesligisten befinden sich derzeit noch im Wintertrainingslager in wärmeren Gefilden und auf dem Transfermarkt geht es heiß her. Denn: In sechs Tagen startet die Bundesliga bereits in die Rückrunde. Ein jeder Fan schaut in diesen Tagen gebannt auf Aktivitäten des eigenen Vereins. In unserem Blickfeld liegt natürlich insbesondere der FCA, der vor dem Wochenende das letzte Testspiel vor dem Rückrundenauftakt auf Malta bestritten hat. Die Gerüchteküche brodelt aktuell und auch der FCA ist mittendrin statt nur dabei. Wurde die Gregerl-Leihe, sprich: der Transfer von Michael “Gregerl” Gregoritsch nach Gelsenkirchen, bereits vor dem Jahreswechsel eingetütet, konnte zu Beginn der Woche ein weiterer Transfer abgeschlossen werden.

Der zweite Löwe beim FCA

Nachdem letztes Wochenende bereits medial durchsickerte, dass Mittelfeldspieler Eduard Löwen das Trainingslager des Erstligisten Hertha BSC in den USA verlassen hatte und zu einem deutschen Erstligisten wechseln würde, haben viele deutsche Fußballfans wohl gedacht: Der geht doch bestimmt zu Werder Bremen. Doch noch am Sonntag selbigen Wochenendes wurde dann recht schnell offiziell, dass Eduard “Edu” Löwen für 1 ½ Jahre auf Leihbasis zum FCA wechseln wird. Neben der Leihe bis Sommer 2021 hat man sich – wie vom FCA bestätigt – auch eine Kaufoption sichern können. Die Augsburger haben einen zweiten Versuch gewagt. Es war in der zurückliegenden Sommerpause schon einmal darüber verhandelt worden, ob der Ex-Nürnberger Löwen für viel Geld an den Lech wechseln würde.

Beim Clubb gab es an Eduard Löwen kein Vorbeikommen. Die Hertha erkannte das und holte den talentierten Mittelfeldspieler nach dem Abstieg nach Berlin. (Photo credit CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Damals entschied dieser sich jedoch für die Berliner Hertha, die laut Medienberichten rund 7 Mio. Euro an den 1. FC Nürnberg als Transfersumme überwies. Nun hat der FCA also einen zweiten Löwen in seinen Reihen – neben Jeffrey Gouweleeuw – dem „goldenen Löwen“.  Einer, der bereits in jungen Jahren Spielpraxis als “Teilzeit-Stammkraft” in der 1. Bundesliga gesammelt hat (beim 1. FC Nürnberg in der Saison 2018/19) und eigentlich ein gelernter Abwehrspieler ist.  Mit dem „Glubb“ ist er sowohl in die 1. Liga aufgestiegen als auch in die 2. Liga abgestiegen (in den Saisons 2017/18 und 18/19). Der 22jährige Deutsch-Russe hat insgesamt 7 Spiele für die deutsche U21 Nationalmannschaft absolviert und war dort Teamkollege von FCA-Eigengewächs Marco Richter sowie Zimmerkamerad von Wolfsburg-Leihgabe Felix Uduokhai, der nach Löwens Aussage auch ein guter Kumpel ist.

“Der Koffer” – Wer ist nun dieser Löwen?

Im Sommer 2019 schloss er sich – wie bereits angedeutet der Hertha an – und bereute dies im Winter nun offensichtlich nach nur 7 Kurzeinsätzen in der Hinrunde schon wieder. Denn nun ist er in Augsburg gelandet und ist dort wohl der langersehnte Baier-Nachfolger. “Edu” ist ein großgewachsener Achter, der laut Martin Schmidt zudem auch den Gregoritsch-Abgang langfristig kompensieren soll. Insbesondere bedeutet dies auch, dass nachträglich die sträflich vernachlässigte Position von Ja-Cheol Koo, der uns im Sommer 2019 nach vier Jahren für ein Engagement in Katar verlassen hat, durch Löwen nachbesetzt wird.

Die Mannschaft des FCA funktioniert im Moment gut. Löwen hat Zeit sich zu akklimatisieren, anzukommen und ins Mannschaftsgefüge einzufügen. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

Viele Fans des FCA monierten in der letzten Sommerpause, dass wir keinen richtigen Achter mehr in den eigenen Reihen haben. Eine Rolle, wie sie Koo über mehrere Jahre hinweg perfekt ausgefüllt hat. Robust, kreativ, kopfballstark, am besten auch noch torgefährlich – all das muss ein zentraler Mittelfeldspieler heutzutage sein. Und all das scheint Löwen mitzubringen, wenn man den Worten von Clubberern über ihren ehemaligen Spieler Glauben schenken darf.  Ante Covic nannte Löwen einst ganz ehrfürchtig einen „Koffer“.  Gemeint war hiermit wohl die Robustheit und körperliche Physis des Spielers sowie dessen Polyvalenz, nur so zur kleinen Aufklärung am Rande.

Martin Schmidt’s Puzzlestück

Martin Schmidt bezeichnet seinen Winter-Neuzugang jedenfalls als Puzzlestück, das dem FCA noch gefehlt hat und sieht den 1.88 cm großen sowie 91 kg schweren Löwen als Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive. Er kann sowohl die Spielmacherrolle bekleiden als auch auf der Doppelsechs spielen. Löwen sorgt in dem aktuellen FCA Kader nicht nur in der Breite für mehr Qualität, sondern lässt den FCA durch seine Vielseitigkeit variabler werden. Zudem sichert man sich ab, für den Fall der Fälle, dass sich aus dem kongenialen Doppelsechs-Duo Dani und Rani einer verletzt. (TOI, TOI, TOI!) 

Daniel Baier und Rani Khedira sind nun seit Jahren die lautstarken Anführer im Augsburger Mittelfeld. Endlich gibt es wieder eine Alternative mehr. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

So geschehen im Herbst 2019, als erst Daniel Baier mehrfach ausfiel und anschließend Rani Khedira eine Verletzung plagte. Dann bleiben nicht mehr viele Alternativen übrig:  Jan Moravek ist leider öfter in der Hessingpark-Klinik zu Gast als auf dem Fußballplatz, der Sommerneuzugang Gruezo sowie der junge Götze sind nach langwierigeren Verletzungen noch in der Aufbauphase, Oxford fehlt schlichtweg die Erfahrung und wirkt bei seinen Einsätzen nicht gerade prädestiniert für die Sechser-Rolle.  Eine Leihe wird hier kolportiert, um ihm in der Rückrunde Spielpraxis zu verschaffen. In der offensiven Mittelfeldzentrale vermisste man in der Hinrunde – neben dem vor der Winterpause so starken Fredrik Jensen – eine wirkliche Alternative. Am besten eine Alternative, die sowohl den Konkurrenzkampf im Mittelfeld anheizt und darüber hinaus so richtig Qualität mitbringt. Mit einem Auge muss man in Augsburg auch immer auf den Renteneintritt von Kapitän und Urgestein Daniel Baier schielen, für den wir bis dato noch keinen würdigen Nachfolger parat haben. Zudem ist Rani Khedria mittlerweile ein so starker 6er geworden, dass sicher im Sommer einige Bundesligisten anfragen dürften. Man sichert sich also durch den Löwen-Transfer schon frühzeitig ab in Augsburg.

“Gut gebrüllt, Löwen!”

Auf all diese Fragen könnte die Antwort Löwen lauten.  Der körperlich robuste und auch offensiv präsente Löwe wirkt geradezu prädestinierend für die Rolle eines Achters – dies kann in der Rückrunde noch eminent wichtig für den FCA werden, wenn sehr offensiv ausgerichtete Mannschaften ihre Visitenkarte in Augsburg abgeben. Dann braucht es einen Spieler, der physisch dagegen halten kann.  Einen Spieler, der zugleich defensiv stark ist, jedoch auch offensiv etwas mit dem Ball anzufangen weiß und ein kreatives Element in der Vorwärtsbewegung darstellt. Neben dem bereits auskonzipierten und mehrfach erprobten 4-4-2 System kann so zukünftig auch das 4-2-3-1 systemtaktisch wieder mehr in den Vordergrund rücken. Und macht den FCA somit nicht nur variabler, sondern für Gegner auch schwerer einzuschätzen. Das hat in der Hinrunde häufig gefehlt. Zu berechenbar war die taktische Marschroute von FCA-Trainer Martin Schmidt. Mit einem goldenen Löwen in der Verteidigung und einem „ganz normalen“ Löwen in der Mittelfeldzentrale kann dies in der Rückrunde jedoch anders werden. Noch besser. Hoffen wir an dieser Stelle, dass wir in der Rückrunde nach Spielende sagen dürfen: „Gut gebrüllt, Löwen!“.