Immer Ärger mit dem Knie

Es gibt wohl kaum einen FCA-Profi, der die Fangemeide so sehr spaltet wie Tobias Strobl. Für meinen Geschmack kritisieren zu viele „Fans“ Woche für Woche seine Leistungen, allein schon wenn sie seinen Namen in der Startelf lesen. Dabei scheinen sie gerne zu vergessen, dass sich jeder Spieler seinen Platz im Team durch seinen Auftritt in den Trainingseinheiten erst verdienen muss. Doch leider werden wir den gebürtigen Münchener in den nächsten Monaten nicht auf dem Platz zu sehen bekommen. In der Bundesligapartie gegen den VfL Wolfsburg zog sich Strobl einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Aus gegebenem Anlass – und weil ich finde, dass auch der so stark kritisierte Mittelfeldspieler einmal einen Artikel verdient hat – möchte ich daher mal einen genaueren Blick auf seinen bisherigen Karriereverlauf, aber auch auf seine Verletzungshistorie werfen.

Vom Jugendspieler zum Profifußballer

Seine Jugendausbildung bestritt der heute 31jährige beim SV Aubing im Münchener Westen, bevor er schließlich im Sommer 2000 zum TSV 1860 München wechselte. Viele von euch verdrehen nun sicherlich die Augen, denn die „Kätzchen“ mögen nur wenige Augsburger Fans. Dennoch muss man sagen, dass dieser Verein eine hervorragende Ausbildung an den Tag legt. Viele der heutigen und auch ehemaligen Profis sind der blauen Jugend entsprungen. Kevin Volland, die Bender-Zwillinge, Florian Neuhaus, Julian Baumgartlinger, Fabian Johnson zum Beispiel. Und auch Philipp Max, Florian Niederlechner, Felix Uduokhai und Daniel Baier wurden vom TSV ausgebildet und schafften den Sprung in den Profifußball.

Bei den 60ern durchlief Tobi Strobl sämtliche Jugendabteilungen von der E-Jugend bis rauf zur zweiten Brigade. Doch bevor er sich voll und ganz auf den Fußball fokussierte, entdeckte der Münchener noch eine andere Leidenschaft für sich – den Golfsport. Hier wurde er als 15jähriger sogar bayerischer Meister seiner Altersklasse. Aber das nur so am Rande bemerkt.

Im Jahr 2009 rückte Strobl in die zweite Mannschaft der „Kätzchen“ auf und spielte für sie in der Regionalliga Süd. Seinen ersten Einsatz bekam er am 23.05.2009 gegen den KSV Hessen Kassel. Nur wenige Wochen später durfte er auch schon teilweise mit der Profimannschaft trainieren, die zum damaligen Zeitpunkt noch in der 2. Liga verweilte. Dort kam er allerdings nie zum Einsatz. Für die Zweitvertretung der 60er hatte er in drei Spielzeiten 62 Partien bestritten und hierbei ein Tor und acht Torvorlagen zu verbuchen. Nach einem geplatzten Wechsel zu Unterhaching im Jahr 2010, ließ Tobias Strobl seinen Vertrag im Jahr 2011 auslaufen und ging anschließend zur TSG Hoffenheim II.

Bei den Sinsheimern mauserte sich der gebürtige Münchener recht schnell zum Stammspieler. In 26 Spielen in der Regionalliga Süd steuerte er 5 Tore und zwei Vorlagen bei. Aber nicht nur das, denn gleich in seinem ersten Jahr bei der TSG durfte er bereits sein Profidebüt feiern. Am 11.02.2012 wechselte ihn Coach Markus Babbel in der Partie gegen den SV Werder Bremen ein. Strobl kam zwar erst in der 83. Minute für Sebastian Rudy, aber jeder weiß, dass ein Bundesligaauftritt für einen jungen Spieler das Allergrößte ist.

Profizeit

Das Tor zum Profi war für Tobias Strobl nun also geöffnet worden und so verlängerte er seinen Vertrag bei Hoffenheim bis 2014. In der Saison 2012/13 ließ er sich ein Jahr lang zum 1. FC Köln verleihen. Am 31.08.2012 gab er hier sein Debüt in der Zweitligapartie gegen Energie Cottbus. Sein erstes Tor für die Domstädter schoss der defensive Mittelfeldspieler nur wenige Wochen später am 7. Spieltag gegen FSV Frankfurt. Beim 2:1-Heimsieg der Kölner steuerte Strobl das 1:0 bei, das kurz nach Wiederanpfiff zur 2. Hälfte fiel. In Köln stand Tobias Strobl insgesamt 24 Mal auf dem Platz – in 21 Zweitligapartien und 3 Mal im Pokal. Das Tor gegen FSV Frankfurt blieb sein einziges, aber er konnte noch drei Torvorlagen beisteuern.

Nach seiner Zeit in Köln blieb Strobl noch für drei weitere Spielzeiten bei der TSG. In dieser Zeit wurde er nicht nur zum gesetzten Stammspieler, sondern durfte auch noch sein erstes Bundesligator feiern, das er am 3. Spieltag der Saison 2013/14 gegen den SC Freiburg schoss.

Im Sommer 2016 wechselte der heute 31jährige zu Borussia Mönchengladbach, wo er bis zum Sommer 2020 unter Vertrag stand. Bei den Fohlen konnte er sich nicht nur seinen Platz in der Stammelf erarbeiten, sondern wurde auch gleichzeitig zu einem gestandenen Profi mit internationaler Erfahrung. In den 4 Spielzeiten, in denen Tobi Strobl für die Borussia auflief, bestritt er insgesamt 83 Partien über 5.778 Einsatzminuten. Dabei durfte er auch in der Champions League Qualifikation, der Champions League Vorrunde und in der Europa League ran. Und das sogar in seiner ersten Saison dort. Hier schaffte es Gladbach zwar nicht über die Gruppenphase hinaus, aber kam anschließend in der Europa League doch noch bis ins Achtelfinale. Hier sollte aber gegen Ligakonkurrent Schalke 04 Schluss sein. Trainer der Königsblauen damals: Markus Weinzierl. Doch ein 1:1 auf Schalke und ein 2:2 in Gladbach reichte einfach nicht für die Fohlen.

Für die Borussia erzielte der defensive Mittelfeldspieler nicht ein einziges Tor und konnte lediglich 8 Vorlagen beisteuern. Ein Grund dafür: Strobls schwerwiegende Verletzung in der Saison 2017/18. Doch wie genau Tobis Verletzungshistorie aussieht, das schauen wir uns jetzt genauer an.

Das verflixte Knie

Zu Beginn seiner Profikarriere war der gebürtige Münchener eigentlich kaum bis gar nicht verletzt. Beim 1. FC Köln fiel er nicht für ein einziges Spiel aus und auch bei der TSG Hoffenheim verpasste er in 3 Spielzeiten lediglich 6 Partien. Das waren aber alles nur kleinere Verletzungen und Wehwehchen, die eigentlich kaum der Rede wert waren bzw. jeden Profi einmal treffen können. Mal eine leichte Gehirnerschütterung, Oberschenkelprobleme, Adduktorenbeschwerden oder auch schon das erste Mal Kniebeschwerden. Insgesamt musste Tobi 51 Tage lang pausieren. In 3 Jahren ist das nicht unbedingt viel.

Bei Gladbach jedoch verpasste er in seiner ersten Spielzeit dort gleich einmal 7 Partien. Den ersten Ausfall über 21 Tage verdankte er einem Muskelfaserriss, den er in der Partie gegen RB Leipzig am 4. Spieltag erlitt. Nachdem er im Oktober wieder fit war, holte er sich nur 4 Wochen später eine Gehirnerschütterung ab, bevor er sich im Januar 2017 einen Sehnenriss zuzog und erneut für 4 Spiele ausfiel. Diesen hatte er im Februar überstanden und nahm sich vor, in der neuen Saison so richtig anzugreifen.

Das ist nicht das erste Mal, dass sich Strobl das Kreuzband reißt… (Photo by Ross Kinnaird/Getty Images)

Leider sollte aber alles ganz anders kommen. Am 04.08.2017 bestritten die Borussen ein Testspiel gegen Premier League – Meister der Saison 2015/16 Leicester City. Hierbei wurde Tobias Strobl in der Halbzeit eingewechselt, blieb aber nach nur zwei Minuten unglücklich im Rasen hängen. Die traurige Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbands sowie des Außenmeniskus im rechten Knie. Ganze 220 Tage und 29 Partien kostete es an Zeit, bis Tobi wieder auf den Platz zurückkehren konnte. Seinen Einstand feierte er gegen Bayern München am 30. Spieltag. Die Partie ging aber mit 5:1 an den deutschen Rekordmeister.

Die folgende Saison überstand der defensive Mittelfeldspieler jedoch unbeschadet und konnte in insgesamt 30 Partien für die Fohlen auflaufen. Doch zu Beginn der Saison 2019/20 ging es gleich wieder schlecht los. Wieder war es das Knie, das Strobl außer Gefecht setzte. 65 Tage und somit 11 Partien musste er pausieren, auch weil er erneut einen Meniskusschaden erlitt. So kam er in dieser Spielzeit auf gerade einmal 12 Einsätze.

Augsburger Zeiten

Da Tobias Strobl mit Denis Zakaria, Christoph Kramer und Florian Neuhaus eine sehr starke Konkurrenz auf seiner Position hatte, beschloss er, seinen auslaufenden Vertrag bei den Fohlen nicht zu verlängern. Somit kam er im Sommer 2020 schließlich ablösefrei zu uns nach Augsburg. Einer der Gründe, die für den FCA sprach: Strobls Familie wohnt in der Nähe von unserer schönen Fuggerstadt.

Der FC Augsburg hat in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen. Das habe ich immer sehr interessiert verfolgt. Daher freue ich mich, dass ich nun selbst das FCA-Trikot überziehen und mithelfen kann, dass diese Entwicklung mindestens genauso erfolgreich fortgesetzt wird.

Tobias Strobl über den Wechsel nach Augsburg

Tobi kam mit einem Muskelfaserriss zu uns an den Lech, hatte aber das Glück, dass die Saison erst am 12.09.2020 mit der Pokalpartie gegen den MTV Eintracht Celle startete. Hier kam Strobl gleich mal zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz im Augsburger Trikot, wenn auch nur über 33 Minuten.

Seit seinem Wechsel stand der 31jährige bisher 37 Mal für unser Team auf dem Platz. In der vergangenen Spielzeit bestritt er insgesamt 31 Spiele und wurde nicht von einer einzigen Verletzung geplagt. Wie oben schon erwähnt, sehen viele Fans den gebürtigen Münchener trotzdem eher als eine kritische Figur an. Strobl ist nicht der schnellste Spieler und er leistete sich – wie jeder Mensch auf diesem Planeten – den einen oder anderen Patzer. Dennoch muss man sagen, dass der gelernte 6er ein recht gutes Spielverständnis mitbringt. Sowohl mit seiner Passquote von 81,4 Prozent als auch mit geblockten Bällen landete er in den Top 100 aller betrachteten Spieler der Bundesliga der Saison 2020/21.

Saison beendet

Am 09.11.2021 kam schließlich die Horrornachricht für jeden Fußballprofi. Vorzeitiges Saison-Aus nach gerade einmal 11 Bundesligaspieltagen für Tobias Strobl. Die Diagnose: Erneut ein Kreuzbandriss im rechten Knie. Und das, obwohl er gerade erst eine Sprunggelenksverletzung überstanden hatte.

Doch was genau ist eigentlich passiert? Es lief gerade die 37. Minute der vergangenen Partie gegen den VfL Wolfsburg, als Strobl gegen Renato Steffen zu spät und dabei selbst zu Fall kam. Unser 6er blieb am Boden sitzen und zeigte sofort an, dass er ausgewechselt werden muss.

Ich habe in der Aktion gleich gemerkt, dass im Knie etwas kaputt gegangen ist. Daher habe ich auch sofort die Auswechslung angezeigt. Letztlich hofft man aber immer, dass es doch nicht so schlimm ist. Die MRT-Untersuchungen haben aber meinen Verdacht bestätigt.

Tobias Strobl über seine Verletzung im Spiel gegen Wolfsburg

Besonders bitter ist die Verletzung vor allem, da der defensive Mittelfeldspieler gerade wirklich einen aufsteigenden Trend an den Tag gelegt hat. Viele von euch mögen mir da jetzt widersprechen, aber spätestens seit der Pokalpartie gegen Bochum hat Strobl sehr ordentliche Leistungen gezeigt. Sicherheit, Spielverständnis und auch den Überblick über das Geschehen auf dem Platz zu haben, gehört genauso zum Fußball wie Geschwindigkeit. Zudem ist auch hervorzuheben, dass Strobl bei jenem Elfmeterschießen mit großem Beispiel voran ging und ebenfalls einen Penalty schoss.

Allein ein Blick auf seine bisherigen Leistungen während der aktuellen Spielzeit zeigen insgesamt betrachtet eine klare Steigerung im Vergleich zur letzten Saison. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass der 6er bis Mitte September verletzt ausfiel. So konnte Strobl beispielsweise 63,6 Prozent all seiner Luftkämpfe gewinnen. Das bedeutet vereinsintern Rang 3 hinter Daniel Caligiuri und Reece Oxford. Bei allen betrachteten Spielern landet er auf Position 44. Auch in Sachen abgefangene Bälle kann sich sein Wert durchaus sehen lassen. 1,87 sind es im Durchschnitt pro Spiel und damit Rang 36 in der Liga. Besser ist innerhalb des FCA nur Reece Oxford auf Platz 8 und durchschnittlich 2,6 abgefangene Bällen pro Spiel.

Die Bedeutung einer solchen Verletzung

Was kann eine solche schwerwiegende Insultation für Folgen nach sich ziehen? Für Tobias Strobl bedeutet das in erster Linie Schmerzen, eine Operation und eine sehr lange Rehabilitationsphase. Wie der FC Augsburg bereits verkündete fällt der defensive Mittelfeldspieler auf jeden Fall für den Rest der Saison aus. Doch selbst dann ist es noch nicht sicher, ob der Münchener dann erneut Fuß fassen kann. In seinem Alter und auch mit seiner Vorgeschichte, kann ein zweiter Kreuzbandriss durchaus auch das Karriereende bedeuten. Was ich persönlich nicht hoffe.

Bei so einem Pech kann man sich nur an den Kopf langen! Gute Besserung, Tobi!
(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Doch am Beispiel von Jan-Ingwer Callsen-Bracker sieht man schon, dass eine schwere Verletzung alles verändern kann. Nach dem Wadenbeinbruch und einer Sprunggelenksverletzung, die er sich in der Partie gegen Partizan Belgrad zuzog, spielte der Innenverteidiger gerade noch 6 Minuten für die A-Mannschaft des FC Augsburg. Für die „Zwote“ und den 1. FC Kaiserslautern, an den man ihn verlieh, waren es immerhin zusammen 20 Partien über 1.750 Einsatzminuten. Dennoch kann man sagen, dass seine Profikarriere mehr oder weniger vorbei war.

Natürlich wünscht das Tobias Strobl niemand, aber dennoch zeigt diese Geschichte, wie schnell so etwas gehen kann, denn der Verein muss sich seine Gedanken über eventuellen Ersatz machen. So leid es mir tut, das sagen zu müssen, aber so ist nun einmal das Geschäft.

Stand jetzt hat der FCA schon ein kleines Problem. Mit Niklas Dorsch, Arne Maier und Carlos Gruezo hat man gerade einmal 3 fitte Spieler im Kader, die auf dieser Position ausgebildet wurden. Jan Morávek fällt aufgrund von Adduktorenproblemen ebenfalls noch für unbestimmte Zeit aus. Und da Trainer Markus Weinzierl gerne mit einer Doppel 6 auflaufen lässt, darf absolut nichts passieren, da man momentan kein wirkliches Backup auf der 6 hat. Natürlich könnte man eventuell Raphael Framberger ins defensive Mittelfeld ziehen. Oder auch Mads Pedersen, falls Iago wieder spielen kann. Doch was ist, wenn sich dann ein Robert Gumny oder ein Iago verletzten würden? Dann braucht man auf den Außen einen Ersatz. Auch Jeff oder Reece Oxford vorzuziehen macht keinen Sinn, solange Felix Uduokhai noch nicht wieder auf dem Platz steht.

Ich wollte eigentlich gar nicht so sehr den Teufel an die Wand malen, aber das sind nun einmal meine Gedanken, die mir seit der Diagnose durch den Kopf gehen. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Verantwortlichen hierfür eine Lösung parat haben, wie man zumindest bis zum Wintertransferfenster übersteht.

Genesungswünsche

An dieser Stelle möchte ich im Namen des kompletten RoGaz-Teams Tobias Strobl unsere allerherzlichsten Genesungswünsche aussprechen. Wir wünschen ihm viel Kraft für diese schwierige Zeit und hoffen, dass alles gut ausgeht. Hoffentlich schafft er es, sich mit Mut und Willen zurück zu kämpfen, um in der nächsten Saison wieder das Augsburger Trikot überstreifen zu können.

Alles Gute, Tobi!

Zusammenspiel

Im 350. Bundesligaspiel der 50. Sieg von Markus Weinzierl – der FCA ist in der Saison angekommen. Standards, Ecke – Tor! Auch dieses Stück hat seine Helden: Gouweleeuw, Niederlechner, Finnbogason und zuvorderst Reece Oxford. Der FCA kann wieder 1. Liga!

Bei herrlichen Fußballwetter am letzten Tag im Oktober eine kollektive Feierstimmung, wie gefühlt so schon lange nicht mehr. Ein Spiel mit einer eigenen Geschichte, an dessen Ende vieles, das vorher war, ganz anders wirkt. Und vielleicht der nächste Schritt einer viel größeren Inszenierung.

Waren es die wieder gewonnenen Grundtugenden, hat sich die Mannschaft wieder gefunden, und schließt an eine zurückliegende Spielweise an. Einige Situationen und Einzelleistungen, die diese Annahme auslösen, und mit Fortgang des Spiels immer stärker zum Vorschein kamen.

Nach zwischenzeitlicher Leere sind die Stadien wieder voller. Durch den Abgleich und mit Abstand nicht die Frage was das Spiel, sondern den Stadionbesuch ausmacht. Und welche Rolle spielen volle Ränge in der medialen Darstellung des Fußballs und der Bundesliga.

Identifikation mit eigener Mannschaft und Farben, kleine Heldengeschichten im eigenen Stadion, gemeinsames Erleben, und ein Gefühl auch abseits eigener Wahrnehmung unverzichtbarer Bestandteil zu sein. Was hat sich am Stadionerlebnis und Fußballerleben zwischenzeitlich geändert?

Über eine Saison die Erkenntnis das keine Übertragungstechnik das individuelle Gefühl der Anwesenheit im Stadion ersetzen kann. Viele Zweifel in den Zeiten der Pandemie was die Relevanz des Profisports betrifft. Und ein langsames Wiederentdecken lang vertrauter Riten. Viele Zweifel, die weiter bestehen, und doch irgendwie auch wieder ein Gefühl des Dabeiseins.

Vielleicht lässt sich auch alles anders herum sehen. Wohl möglich ist das gemeinschaftliche Erleben das eigentlich Entscheidende, und das Spiel das Rahmenprogramm. Es mag hier viele, viele Möglichkeiten des Erkennens und der individuellen Wahrnehmung geben, und doch sind es eben manche kollektive Ereignisse, die, nicht nur am letzten Sonntag bewusst, als solche in Erinnerung bleiben.

Und wenn sich die Tabelle auch wieder besser liest gibt es für den FCA noch viel zu erreichen. Am kommenden Samstag trifft der FCA in Wolfsburg an, wo auch ganz unterschiedliche Geschichten mit verbunden sind, und trotz zwischenzeitlicher Rekordniederlage die FCA-Bilanz positiv ist.

Nach einem siebten und einem vierten Platz unter Trainer Oliver Glasner wollte der VfL in dieser Spielzeit ganz oben mitspielen, und stand nach 9 Spieltagen mit 13 Punkten auf Platz 9. Zu wenig für die Ambitionen des Vereins, und das Aus für Trainer van Bommel.

Im ersten Spiel unter Florian Kohfeldt gelang dann nach acht sieglosen Pflichtspielen ein 2 : 0 in Leverkusen und in der CL haben die Wolfsburger nach dem 2 : 1 gegen Salzburg auch noch die Chance aufs Vorrücken.

Was könnte zuletzt in der Welt des Fußball noch wichtig gewesen sein. Ob nun alle möglichen Prozesse im Hintergrund laufen, die die Häufung internationaler Turniere zum Ziel haben, und manche Verbände mit Austritt drohen, oder ob es nun doch zeitnah zu einem neuen Super-League-Szenario kommt – Fußball ist zunächst lokal, und der eigene Verein. Das wichtigste Spiel ist immer das nächste der eigenen Mannschaft.

Und eigene Erfolge schaffen Verbundenheit. Dazu gehört auch auf, und neben dem Platz miteinander zu sprechen. Unruhe liefert nirgends etwas hinzu, und manches, nicht nur sportliches, ließe sich vielleicht auch schneller klären als gedacht – Zusammenhalten ist das Ziel.

Zu Gast beim ersten Heimauftritt des neuen Trainers sollte der FCA in Wolfsburg genau dort weitermachen, wo gegen Stuttgart aufgehört wurde, und weiter an seiner eigenen Geschichte schreiben. Mit weiter gewachsener Aufmerksamkeit, und dem Bewusstsein in der Liga immer und überall punkten zu können ist auch am Samstag vieles möglich. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Das lässt mich heimisch fühlen

Es ist zwischen Union und Freiburg. Nachdem ich schon früher mit Jan Moravek und Alfred Finnbogason über ihre Heimat gesprochen hatte, bin ich heute mit Michael Gregoritsch verabredet, um virtuell über seine österreichischen Wurzeln zu reden. Gregerl ist stolzer österreichischer Nationalteamspieler und konnte sich im Sommer bei der EM ins Geschichtsbuch seiner Fußballnation eintragen. Das alles hat uns während unseres Gesprächs derweil gar nicht interessiert. Aber lest selbst, was ich gelernt habe, außer wie man am besten von Augsburg nach Graz kommt.

Andy: Es ist Sonntagmittag, 11 Uhr. Der FCA hat am Samstag um 15:30 Uhr gespielt, gewonnen und ich weiß nicht, irgendein Österreicher wird das Siegtor geschossen haben. Ich hatsch’ relativ zerknautscht vor der Arena rum, weil ich mein Handy verloren habe beim Spiel und ich eben am Suchen bin, wo es denn rumliegt. Dann laufen wir ineinander und kommen so ein bisschen ins Quatschen. Dann sagst du: „Ach weißt was, Andy? Jetzt machen wir mal was ganz anderes. Ich fahre jetzt in die Heimat. Kommst du mit?” Und jetzt hoffe ich, dass du nicht mit der Vespa unterwegs bist…

Gregerl:  An einem sonnigen Sonntag schwer, aber okay. Erstmal fahren wir nach Graz. Wir fahren über die A8 über München, bleiben noch in Dachau kurz beim McDonald’s stehen und holen uns was zum Essen und Trinken. Dann weiter auf der A8 nach Salzburg. Walserberg, nochmal in die Tankstelle, eine Kleinigkeit zum Trinken holen, ein Eis vielleicht, und natürlich eine Vignette kaufen. Und dann geht die Phase los, wo wir ein bisschen österreichische Musik anmachen. Wir fahren entweder über Schladming oder über Oberösterreich. Und sind, wenn wir um 11:00 Uhr wegfahren um gut 15:30 Uhr daheim in Thal bei Graz bei meinen Eltern und setzen uns da erst einmal in den Garten und machen uns was zum Essen.

Andy: Gegessen wird viel, gell?

Gregerl: Gegessen wird viel.

Andy: Eins hast du schon erwähnt: Dass wir irgendwann mal Musik an machen. Österreichische Musik, um uns ein bisschen einzustimmen. Was machst du genau an?

Gregerl: Da gibt’s auf Spotify eine super Austropop-Playlist. Die höre ich öfter, wenn ich Heimweh habe oder wenn ich das Gefühl habe, ich würde jetzt gerne zuhause sein. Das ist dann entweder Austropop Klassiker oder normaler Austropop. Die Playlist ist ganz einfach zu finden, weil Albert Einstein die Zunge auf dem Foto bei Spotify rausstreckt. Es laufen die Klassiker von Fendrich, S.T.S, Danzer, Ambros, auch Wanda mittlerweile und Seiler und Speer.

Andy: Wird mitgesungen oder bist du still?

Gregerl: Zumindest wenn ich alleine bin, wird laut mit geschrien. Und wenn du dabei bist, wird mit gesummt.

Andy: Vielleicht würden wir gemeinsam laut mitschreien. Bei McDonalds: Ein-Euro-Cheeseburger oder komplettes Menü?

Gregerl: Big Mac-Menü, Pommes, Cola, Fish Mac, zwei Cheeseburger, 6 Chicken Nuggets und Currysoße. Das sollte für uns beide reichen. Ich lade dich ein.

Andy: Großartig. Und dann im Garten: Was gibt’s daheim zu Essen, wenn du nach Hause kommst? Was weiß die Mama schon, dass sie das auf den Tisch stellen muss?

Gregerl: Zu Hause gibt es einen Klassiker. Das gibt’s gefühlt, seit ich auf der Welt bin: Hähnchenbrust mit einer etwas schärferen Rama Cremefine-Paprika-Soße mit Lauch. Dazu Reis und einen Himbeersirup. Das war’s. Ganz einfach. Ganz leicht zum Nachkochen auch in Deutschland. Das kriegt man überall her.

Andy: Das machst du dir auch selber?

Gregerl: Ja, natürlich mache ich mir das selbst. Das war, glaub ich, das erste Essen, was ich mir jemals selbst gekocht habe. Hähnchenfleisch anbraten, ein bisschen gewürzt mit Paprikapulver, ein bisschen Chili dazu. Hähnchen raus, Rama Cremefine dazu mit dem Öl und mit dem Hähnchensaft vermengen und ein bisschen Paprika, Lauchzwiebeln rein und fertig ist das Ding.

Andy: Mega. Und ich denk mir so, irgendein schöner Strudel oder…?

Gregerl: NA! Meine Mama kann einen Kuchen sensationell. Den Rest kriegen wir von Nachbarn oder sonst woher. Aber einen Kuchen gibt’s. Das ist ein ganz leichter Joghurt – Becherkuchen mit ein paar Aprikosen dabei. Marillen sagen wir in Österreich. Das ist der einzige Kuchen, den es bei uns gibt. Oder ein Erdbeertiramisu. Aber das ist ein Rezept von Rani Khediras Mama.

Andy: Gut, dann sind wir angekommen, haben gegessen. Dann sitzen wir da und sind in sehr positiver Laune, weil es lief ja am Samstag super und der Trainer hat euch länger frei gegeben. Bleiben wir sitzen oder ziehen wir nochmal in die Grazer Innenstadt?

Gregerl: Gut, am Sonntag ist in der Grazer Innenstadt noch weniger los als in Augsburg. Wenn es ein Samstag wäre, dann ja, ziehen wir ein bisschen rein und treffen meine Jungs, gehen wieder was Schönes essen und bleiben dort auch sitzen und trinken ein bisschen was. Und dann geht’s entweder ab ins Univiertel oder man bleibt dort im Restaurant oder in der Bar sitzen.

Andy: Aber ganz geschmeidig.

Gregerl: Ja, ganz gemütlich. Das ist völlig unaufgeregt in Graz. Da gibt’s keinen Riesenclub. Es gibt ein paar Lokale, da kennt man sich und da geht man auch gerne rein.

Andy: Das ist jetzt – da musst du mir weiterhelfen – von der Größe her schon einen Ticken größer als Augsburg?

Gregerl: Alles sehr vergleichbar. Die Innenstädte sind sehr vergleichbar. In Graz ist die Uni sehr nahe an der Innenstadt. Vom Hauptplatz zu Fuß zu erreichen. Dort spielt sich eigentlich das meiste ab im Univiertel. Die ganzen Lokale und Bars sind da. In der Innenstadt kannst du aber auch gut essen gehen. Und es hat eine Hauptstraße, vergleichbar mit der Maxstraße. Die ist aber bei uns eine reine Fußgängerzone. Da gibt’s ein riesiges Shoppinghaus, so eine Art Galeria Kaufhof. Das ist der Kastner. Da gibt’s ganz oben eine super Dachterrasse, wo man wunderschöne Fotos machen kann mit dem Uhrturm, weil der Kastner direkt am Fuße des Schlossbergs steht, unserem Wahrzeichen. Und ja, es ist sehr vergleichbar.

Ausgelassenster Jubler im fragwürdigsten Kit – fast so schlimm wie der FCA in neongelb (Photo by Justin Setterfield/Getty Images)

Andy: Das passt jetzt super, weil jetzt haben wir ja den Sonntag abgeschlossen. Jetzt haben wir den Montag beide frei. Und jetzt sagst du: „Andy ein paar Sachen muss ich dir jetzt noch zeigen, damit du hier die offizielle Tour bekommen hast.”

Gregerl: Ich zeige dir den Schlossberg. Auf jeden Fall hoch, entweder mit der Gondel – also mit der Schlossbergbahn – oder eben zu Fuß. Wobei zu Fuß hoch, wenn ich gespielt habe, eher nicht. Aber wenn du möchtest, können wir auch zu Fuß hoch gehen. Dann gehen wir an der Mur entlang, die Murinsel anschauen. Das Kunsthaus. Das reicht aber teilweise, wenn man das von außen sieht. Und die Altstadt zeige ich dir und die Spargasse. Und dann sind wir in Graz nach gut drei Stunden durch und gehen am Hauptplatz zum Würstelstand und essen ein Käsekrainer-Hotdog.

Andy: Das klingt ganz nach meinem Geschmack. Jetzt bin ich ja so ein bisschen ein Fußballnerd. Jetzt möchte ich eigentlich schon gerne mal den Platz sehen, wo du dich wirklich zuhause fühlst, beim Grazer AK.

Gregerl: Dann müssen wir wieder in Richtung meiner Eltern rausfahren und kommen dann zum 2004 damals größten Trainingsgelände Europas. Das war damals wirklich unfassbar. Es ist auch heute immer noch unfassbar riesig mit, glaub ich, 6 Rasenplätzen, einem Kunstrasenplatz, einem Sprinthügel und einem Basketballplatz. Aber eigentlich noch wichtiger: Ich zeig ich dir den Platz, an dem jetzt leider Wohnungen stehen, wo ich immer mit meinem besten Kumpel gekickt habe. Da haben wir wirklich Stunden verbracht – morgens bis abends – und haben Gas gegeben. In Graz waren in meiner Jugendzeit auch Trainingslagermannschaften zu Gast und haben Testspiele im neuen Stadion, das dann damals gebaut wurde, ausgetragen. Da hat zum Beispiel mal Schalke gegen die Nationalmannschaft aus Bahrain gespielt. Im Jahr 2008. Und da sind dann halt auch Bälle geklaut worden. Wenn da ein Ball drüber geflogen ist, dann war der halt weg.

Andy: Der ist ja nicht geklaut worden. Der ist einfach verloren gegangen.

Gregerl: Der ist verloren gegangen. Also ich weiß jetzt mittlerweile, wo unsere Bälle landen. Oder ich hoffe es zumindest, dass viele Kinder sich daran dann erfreuen.

Andy: Wenn man sich deine fußballerische Reise anguckt, dann bist du aber ja trotzdem dann von Graz weg gegangen. Du hast ja nicht beim Grazer AK den Sprung zu den Herren gemacht, sondern du bist mit dem Papa mit gegangen. Nach Kapfenberg, das mir überhaupt nichts sagte. Was ja aber gar nicht weit weg ist.

Gregerl: Das ist circa 60 Kilometer nördlich.

Andy: Genau. Und das ist ja auch immer noch alles Steiermark. Also bist du sehr lange in der Steiermark verhaftet geblieben.

Gregerl: Ja, ja. Also bis ich 18 war. Ich bin ja mit 14 vom GAK nur weg, weil die in Konkurs gegangen sind und die Akademie kurz davon war, sich aufzulösen. Und dann sind wir nach Kapfenberg. Sechs, sieben Spieler aus der steierischen Auswahl, die eigentlich zum GAK hätten gehen sollen. Wir haben eine super Mannschaft gehabt. Es sind aus den Jahrgängen einige Bundesligaspieler geworden. Der Prietl ist ja ein bisschen älter, aber der war da. Der spielt jetzt in Bielefeld. Dann gab’s Ylli Sallahi, der hat bei Bayern gespielt. Das einzige Spiel, das der gute Pep Guardiola damals verloren hat hier in Augsburg. Dann Albert Vallci, das ist einer meiner besten Freunde bis heute noch, der in Salzburg spielt. Bei Red Bull Salzburg. Und das war damals eine ganz unscheinbare Akademie. Aber wir haben damals slowenische und kroatische Jugendtrainer gehabt. Die haben uns ein technisches Spiel beigebracht, wie das damals Ajax Amsterdam gespielt hat. Ein Kontakt und mit 3 Stürmern und einem offensiven Mittelfeldspieler dazu. Und dann war das für mich damals so sicher die beste Ausbildung. Zusätzlich dazu natürlich, dass mein Papa (Anm.: Werner Gregoritsch) dort gearbeitet hat. Aber mit dem hatte ich eigentlich die ersten zwei Jahre kaum was zu tun. Außer wir haben zufällig gleichzeitig trainiert, dann habe ich ihn halt gesehen. Ich war im Internat wie alle anderen. Doch ich durfte relativ früh mit 2, 3 anderen oben mit trainieren. Und dann gab’s ja irgendwann den Tag, an dem sich meine Karriere komplett verändert hat.

Andy: Ja faszinierend. Der Internatsweg wurde in Österreich teilweise extrem früh eingeschlagen.

Gregerl: Ich musste ja die Schule wechseln. Ich konnte nicht in der 9. Schulklasse – bei uns ist es die Fünfte – sagen: „Okay, ich bleibe jetzt noch zwei Jahre in Graz und gehe dann erst in eine andere Schule.” Ich musste zur 9. Klasse in eine andere Schule gehen. Ich hatte im ersten halben Jahr Heimweh deluxe. Ich bin jeden Mittwoch nach Hause gefahren und am Donnerstag in der Früh wieder hoch. Aber es war die mit Abstand beste Zeit, die ich hatte.

Andy: Ja, Endphase Schule. Wenn man da die richtige Gruppe hat, dann ist es eine super Phase.

Gregerl: Ja, Wahnsinn. Von 14 bis 18 waren dort gut 60 verrückte Jugendliche. Und ich habe sicher noch ungeschaut – also in Österreich sagt man ungeschaut – mit 10 regelmäßig Kontakt so alle zwei Wochen. Mit 20 zumindest alle drei Monate. Mit 50 Prozent von der Gruppe habe ich mit Sicherheit noch Kontakt. Die waren ja teilweise 4 Jahre älter und am Ende dann 3 Jahre jünger. Und das ist schön. Kürzlich haben wir gesagt, wir müssen jetzt mal ein Internatstreffen haben. Und mein Abitur jährt sich auch zum zehnten Mal, das heißt, da stehen demnächst einige Treffen an für mich.

Andy:  Eine Frage so zur kulturellen österreichischen Verhaftung. Skifahren?

Gregerl: Seitdem ich 14 bin, bin ich nicht mehr gefahren.

Andy: Das ist ja mal was außergewöhnliches. Darf man das in Österreich laut sagen?

Gregerl: Ja, dort wo ich herkomme – in Graz – sind nicht so viele Berge. Ich fahre eineinhalb Stunden bis zum nächsten Skigebiet. Aber das hab ich mit 14 abgeschlossen. Erstmal sind mir die alle um die Ohren gefahren, meine Jungs. Die sind ja dann, als ich eben ins Internat gegangen bin, weil sie aus der Obersteiermark kommen, quasi mit den Skiern in die Schule gefahren. Da hatte ich überhaupt keine Chance mehr mitzuhalten. Und es war mir zu gefährlich. Ich wollte mir nie vorwerfen lassen, ich falle ein halbes Jahr oder 3 Monate aus, weil ich beim Skifahren blöd gestürzt bin.

Andy: Und du hast dich nicht einfach nur auf die Hütte mitnehmen lassen, ne?

Gregerl: Nein, nein, nein. Da bin ich lieber nach London Boxing Day – Spiele anschauen gegangen.

Andy: Nach der Schule ging es dann weg aus der Steiermark. Nach Hoffenheim. Wie ging es dir da so? Wie bist du da angekommen?

Gregerl: Heidelberg war ein Kulturschock, als ich mir beim allerersten Mal, nachdem ich eine Wohnung hatte, raus gegangen bin und ein Schnitzel bestellt habe und die mir eine Jägersoße gebracht hat. Das war ein Kulturschock! Ich war ein Landei. Ich war einfach unerfahren,. Für mich gab’s bis ich 18 war nur Kürbiskernöl zum Salat. Ich wusste nicht, dass man zum Salat theoretisch auch ein Joghurtdressing essen kann. Das hat mich nicht interessiert. Und dann hab ich mit 18 das erste Mal alleine gelebt und bin auch wirklich teilweise richtig einsam gewesen.

Zusammen mit Takashi Usami einer der Neuen bei Hoffenheim damals (Photo by Thomas Niedermueller/Getty Images)

Andy: Ja, Anschluss finden und…

Gregerl: Das war brutal schwer. Da hab ich auch gelebt, wie es nicht mit Fußball zusammen passt. Bis 04:00 Uhr morgens mit den Leuten geskypt und geschrieben und PlayStation gespielt. Dann bis 08:00 Uhr geschlafen. In Hoffenheim im Trainingsgelände gefrühstückt und trainiert und Mittag gegessen und dann wieder heim und 5, 6 Stunden Mittagsschlaf gemacht. Und dann wieder bis 2, 3, 4 Uhr nachts wach gewesen. Ich war– vielleicht war’s auch gut – schlecht vorbereitet. Ich habe das einfach auf mich zukommen lassen. Ich bin nach Heidelberg und einfach naiv gewesen. Und dann habe ich irgendwie Glück gehabt. Die erste Wohnung, die ich gesehen habe, ist im Nachhinein eine Weltklasse–Wohnung gewesen. Direkt auf den Rhein geschaut und auf die alte Brücke in Heidelberg.  Es waren nur drei Minuten zu Fuß in die Fußgängerzone. Und 15, 20 Minuten zum Trainingsgelände nach Hoffenheim, wo ich dann die ganzen 20 Minuten Weg telefonieren konnte mit meinen Eltern oder sonst jemandem. Ich dachte auch, ich komm da raus und spiele hier mal das Spiel in der Bundesliga. Da war ich fest überzeugt davon, da gab’s für mich keine andere Möglichkeit. Und dann bin ich da hin und dann sind die mir um die Ohren gelaufen wie vom anderen Stern. Ich war schwerst überfordert. Im Nachhinein gesehen muss ich “Danke” sagen an Markus Babbel und Andy Müller, den Sportdirektor damals, dass die mich überhaupt so lange bei den Profis trainieren haben lassen.

Andy: Und dann geht ja die Geschichte weiter. Dann bist du nach St. Pauli und von St. Pauli aus nach Bochum.

Gregerl: Genau. Bochum war dann so, dass ich gesagt habe „Gut, das ist jetzt fürs Erste einmal meine letzte Chance in Deutschland und wenn nicht, dann müsste ich eigentlich zurück nach Österreich gehen.” Zu irgendeinem mittelmäßigen Club in Österreich. Weil die Guten hätten mich ja damals auch noch nicht direkt geholt. Doch dann hat es funktioniert. Peter Neururer war mit Christian Hochstätter zusammen in Bochum verantwortlich. Christian Hochstätter ist ja ein gebürtiger Augsburger. Die waren wie Ziehväter für mich. Christian Hochstätter hatte auch einen Sohn, der in meinem Alter war. Die haben mich auch so ein bisschen bei sich aufgenommen. Auch Peter Neururer hat mir richtig geholfen.

Andy: Oder hast du über deine Karriere entdeckt, wie Routinen vieles erleichtern?

Gregerl: Ja, ich glaube, man entwickelt sich einfach immer wieder weiter. So ist das halt und da muss man echt sagen, auch Profi sein muss man lernen. Mal behandeln lassen, mal länger da bleiben, dann nachmittags nochmal zum Training zu gehen, ohne dass Training ist. Das lernt man dann im Laufe der Zeit und ich hatte immer gute Hilfe.

Andy: Jetzt bist du ja quasi nach dieser ganzen Reise und mit Unterbrechung auf Schalke wieder in Augsburg zurück. Was ist in Augsburg so, dass du dich daheim fühlst und dass du mittlerweile sagst nach der ganzen Zeit, dass es jetzt erst einmal nicht weg geht und dass du die Chance nochmal suchst? Was löst das in Augsburg bei dir aus?

Gregerl: Also erst einmal muss man sagen, meine Freundin ist dabei eine Riesenunterstützung. Dazu habe ich in Augsburg alles. Also wenn jetzt ein neuer Spieler nach Augsburg kommt, dem könnte ich eine Stunde lang erzählen, was und wo er wie machen könnte. Jetzt hab ich einen kleinen Hund – einen Welpen –  und dadurch weiß ich sogar, welche Wälder schön sind und an welche Seen ich kann und wo man mit dem Fahrrad hin kommt. Zusätzlich weiß ich, wo kann man gut essen gehen kann. Ich kenne mich einfach aus. Ich habe jetzt schon ein paar Mal gesagt, Augsburg ist eine zweite Heimat geworden für mich. Ich kenne mich in Augsburg teilweise besser aus als in Graz. Einfach weil sich in Graz ja auch Dinge verändern, wenn man dann wieder hin fährt und ich fahre in Augsburg weniger mit Navi als in Graz.

Andy: Definitiv. Kann ich sehr gut nachvollziehen.

Gregerl: Wie schon gesagt, Augsburg und Graz sind ähnlich, das lässt mich heimisch fühlen. Und da haben wir noch nicht über Fußball geredet. Hier beim FCA begleiten mich ja auch viele Personen schon über Jahre. Also Dominik ist ja seit Beginn weg hier, Marlene, Salva, Martin Miller, ein Physio ebenfalls. Dazu viele Kollegen der Geschäftsstelle wie Evi. Das ist ein tolles Umfeld und sind Leute, mit dem man mal ein bisschen quatschen kann und auch mal fragt „Wie läuft es zuhause?” und „Wie geht es daheim?” oder „Wie läuft es da”. Das macht es ebenfalls wertvoll und sorgt dafür, dich heimisch zu fühlen.

Andy: Dir scheint es ja gut zu gehen und Du scheinst da deinen Platz gefunden zu haben und bist ja auch jemand, der dann zurück gibt mit deinem Spendenverein. Ich möchte da gerne mal drauf aufmerksam machen. Was hat dich dazu bewogen, das zu machen und da deine Zeit rein zu stecken?

Gregerl:Erst einmal war Andi Luthe ein Riesenvorbild mit „In safe hands”. Als damals „Common Goal” startete begannen ja einige Spieler 1 Prozent ihres Jahresgehaltes zu spenden. Und ich wollte dann auch bei „Common Goal” spenden. Doch dann sagt Andi „Du, pass mal auf, ich frag dich jetzt ganz blöd: Warum spendest du das nicht bei mir? Wäre doch cool, wenn wir da ein bisschen was zusammen kriegen.” Dann hab ich gesagt: „Alles klar, finde ich super.” 5 Tage später war Weihnachten, ich sitze mit meinem Bruder abends zusammen – ein, zwei Wein getrunken gehabt – und dann sagen wir: „Was könnten wir machen?” Die Idee war immer, wir bringen ins Kinderkrankenhaus Spielzeuge und Bälle. Es ist aber nicht so einfach, dass du zum Sportgeschäft gehst und ein paar Bälle und Spielzeuge kaufst und fertig. Aber an dem Abend haben wir beschlossen selbst etwas für sozial benachteiligte Kinder in Graz auf die Beine zu stellen. Und dann haben wir das irgendwann ausgeweitet auf Kinder mit Down-Syndrom, weil in meinem Bekanntenkreis jemand ein Kind mit Down-Syndrom hat. Und der Vater des Kindes hatte erzählt, dass es zum Beispiel keinen Schwimmkurs für Kinder mit Down-Syndrom gibt. Die können das aber eigentlich nur unter sich lernen. Wir haben dann eine Woche Camp innerhalb von zwei Wochen organisiert, weil die Sommerferien ja dann schon vor der Tür standen. Und da waren wir auch wieder völlig naiv. Wir haben geglaubt, drei Betreuer reichen für 12 Kinder. Reicht halt nicht, sechs brauchst Du mindestens. Das hat sich jetzt auch weiterentwickelt. Ich war letztes Jahr da. Sonst geht es sich leider nie zeitlich aus, dass ich da sein kann. Es war einer der besten Tage, die ich in meinem Leben je hatte. So viel Liebe, die sie einem Menschen zurück geben, so bedingungslos. Da läuft man mit ihnen eine Runde und dann nehmen die dich bei der Hand und sagen „Komm, wir laufen noch eine” oder man quatscht mit denen. Da haben wir uns jetzt weiterentwickelt und versuchen das auszuweiten, und gleichzeitig weiter familiär zu bleiben. Wir wollen das so machen, dass es allen Spaß macht. Wenn ich sehe, wie viele Leute sich da mittlerweile beteiligen, das ist schon was besonderes. Viele Spieler unterstützen uns mit ihren Trikots oder spenden auch selbst. Das ist schon eine Hausnummer. Ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.

Andy: Ja, das ist doch super und es ist, glaube ich, auf einer ganz anderen Ebene befriedigend zu sehen, dass man eine positive Auswirkung selbst schaffen kann. Wenn man Sachen anpackt und versucht, in die richtige Richtung zu lenken. Einerseits, wenn Leute spenden und unterstützen, dann ist das auch wichtig. Selbst sich einfach auch zu trauen, Projekte umzusetzen Jahr um Jahr konstant, nicht einfach aus einer Laune heraus, weil man denkt, das ist wichtig, halte ich für sehr beeindruckend und sehr toll!

Gregerl: Dankeschön! 

Ich glaube, dem Gregerl und mir wäre auf der Fahrt nach Graz nicht langweilig im Auto geworden und vielleicht kommt irgendwann die Gelegenheit. Insgesamt habe ich mich einfach irrsinnig gerne mit ihm unterhalten und jegliche Debatten über Körpersprache auf dem Platz hin oder her, muss man diesen Kerl einfach gerne haben. Er hat eine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat, für seine Karriere hart gearbeitet und seine Lektionen gelernt. Dazu trägt er ein großes Herz am rechten Fleck. Wenn er morgen hier vor meiner Tür steht und mir zuruft: “Andy, steig ein.” dann mache ich genau das.

Randnotizen:

  • Wer die Spotify Playlist gefunden hat und an so etwas gefallen findet, der sollte direkt auch bei Roy Bianco und die Abbrunzati Boys rein hören. Mitsingen garantiert.
  • Bei der passenden Gelegenheit einen Ball mitgehen zu lassen hat ja Tradition bei Augsburger Spielern. Ihr wisst, was ich meine.
  • Wer den Cliffhanger nicht aushält, welcher Tag Gregerls Karriere verändert hat, der findet dies und einiges mehr in diesem tollen Interview von Jochen Tittmar mit ihm bei Spox.
  • Wäre es zu viel verlangt gewesen, auf Herausgabe des Erdbeertiramisu-Rezepts von Rani Khediras Mama zu pochen?
  • Wenn wir schon dabei sind: Gregerls Top3 Lieferdienste und Restaurants würde ich auch nehmen.
  • Im Gegenzug sollte der FCA die Erlöse aus Gregerls Flock direkt seinem Spendenverein zukommen lassen. Ich würde mir sofort ein Heimtrikot kaufen. Und warum sollte sich nicht jeder Spieler eine Charity raussuchen, für die er die Saison über spielt? Das hätte mal Vorbildcharakter und gibt es so ähnlich in der NFL an einem Spieltag der Saison.

Da ist die Führung

Fußballerisch konnte das der FC Augsburg weder in Mainz noch in Bochum von sich behaupten. In dem Satz verbirgt sich aber noch etwas anderes. Das Thema Führung. Mannschaftsführung, Vereinsführung, Führung des Teams durch den Trainer. In diesen Punkten hat der FCA in der letzten Woche wertvolle Fortschritte gemacht, finde ich. Warum, versuche ich im Folgenden näher zu klären. Außerdem müssen wir uns natürlich auch mit dem kommenden Gegner, dem VfB Stuttgart, beschäftigen. Weil gegen ihn gilt es jetzt, den Anflug neu erlangter bzw. wiederentdeckter Führungskraft nicht gleich wieder entwischen zu lassen.

Tiefpunkt in Mainz

Über das Spiel des FCA am vergangenen Freitag in und gegen Mainz ist schon viel gesagt und geschrieben worden. In der Presse, in den sozialen Medien und auch wir von der Rosenau Gazette haben uns dazu geäußert. Andy verfasste z.B. einen Katastrophenbericht aus Mainz, Kicker und Augsburger Allgemeine schrieben von „Debakel“ und „Desaster“ und auch bei Facebook, Twitter und Co. regten sich die FCA-Fans – angesichts der blutleeren Spielweise der Mannschaft – völlig zu Recht auf. (Ob das so ausfällig und beleidigend hat passieren müssen, wie es teilweise eben passiert ist, sei einmal dahingestellt.)

Komplett am Boden – und später an der Decke – war unser Gikie, nachdem er in Mainz zum vierten Mal hinter sich greifen musste. (Foto: Matthias Hangst/Getty Images)

Natürlich hat sich auch der Club zu Wort gemeldet. Melden müssen. Weil auch er wusste, dass mit der neuerlichen klaren Niederlage gegen einen vermeintlich schlagbaren Gegner ein neuer Tiefpunkt erreicht war. (Von den ganzen Negativrekorden, die der FCA gerade einen nach dem anderen bricht, einmal ganz zu schweigen.) Gleich nach dem Spiel gab es die bis dahin explosivste Wutrede von Betonmischer Rafal Gikiewicz. Auch Trainer Markus Weinzierl fand die Mannschaftsleistung, eher nüchtern ausgedrückt, „nicht akzeptabel“. Nur die Führungsetage ließ mit einem Statement – eine gefühlte Ewigkeit! – auf sich warten. Wir alle wollten schließlich schnellstens wissen, ob es stimmt, dass die Luft für Sportdirektor Stefan Reuter wirklich dünner wird, was mit Weinzierl passiert oder wer womöglich schon in der Warteschlange steht.

Klartext in der Führungsetage

Am Dienstagabend war es dann soweit. In einem Interview ließ Vereinspräsident Klaus Hofmann verlauten, dass es keine Personaldiskussion gibt auf Führungsebene. Die sportlich Verantwortlichen, allen voran Reuter und Weinzierl, bleiben also (vorerst). Das wird diejenigen enttäuscht haben, die sich Armin Veh oder zumindest jemand anderen als neuen Sportdirektor gewünscht hatten. Hofmann machte aber auch klar, dass es nach Mainz mal (wieder) so richtig Krach gegeben hat:

„Wir haben in den vergangenen Tagen alles hinterfragt. Das fängt bei mir an. So eine Phase hilft auch, dass mal alle Dinge, die über einen längeren Zeitraum unausgesprochen waren, auf den Tisch kommen. Und zwar auf allen Ebenen und in alle Richtungen.“

Präsident Klaus Hofmann am 26.10.2021 in der Augsburger Allgemeinen

Hofmann ist jemand, an dem sich die Geister scheiden. Gerade in letzter Zeit rückte auch er immer wieder in den Fokus der Kritik. Zu impulsiv, zu despotisch und zugleich zu ahnungslos in Bezug auf Fußball sei er. Die von ihm beschriebene Aussprache, dass unter allen Beteiligten Klartext geredet wurde, und zwar über alles und jeden (ihn eingeschlossen!), halte ich aber für eine ausgesprochen gute und wichtige Sache. Schließlich macht es doch auch außerhalb des Fußballs eine gute Führung aus, wenn sie ihrem Personal die Möglichkeit gibt, auch unangenehme, schon länger schwelende Dinge anzusprechen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich dabei auch selbst nicht auszunehmen. Das hat Hofmann getan und somit – zumindest nach außen hin – Führungsqualität bewiesen.

Nach Mainz hat sich Klaus Hofmann mit seinem Personal ausgesprochen. Wie es gute Chefs tun. (Foto: Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Klar ist natürlich auch, dass Hofmanns Führungskräfte genauestens „unter Beobachtung“ stehen. Seine Kooperationsbereitschaft und sein Rückhalt sind nicht bedingungslos. Das wissen die Betroffenen nur zu gut. Schauen wir mal, wie lange die Schonfrist ist, die ihnen eingeräumt wurde. Sprechen wir in ein bis zwei Wochen nochmal…

Weckruf vor Bochum

Den ersten Test hatte das Personal des FCA dann am Mittwoch in der 2. DFB-Pokal-Runde in Bochum zu bestehen. Zum Spiel selber mag ich wieder gar nicht so viel sagen. (Das hat Irina schon vortrefflich gemacht.) Zu einzelnen Eindrücken vor und während der Partie aber schon.

Einen ersten Schlüsselmoment hat aus meiner bzw. unserer Sicht die Pressekonferenz mit Markus Weinzierl und dem wiedergenesenen Alfred Finnbogason am Vortag hergegeben. Von Beginn an betonte der Trainer, dass nicht nur, aber vor allem die Führungsspieler in der Pflicht stehen, auf und neben dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Er reagierte damit auf die Kritik von Kapitän Jeff Gouweleeuw nach dem Mainz-Spiel, es werde im Team manchmal zu wenig untereinander geredet. „Dann soll er reden!“, entfuhr es Weinzierl sichtlich gereizt. Auf die Frage nach der Stimmung im Team (eigentlich an Finnbo gerichtet), war es ihm später wichtig, noch Folgendes loszuwerden:

„Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Und unser Verhältnis ist auch gut. Und ich hab auch vollstes Vertrauen in die Führungsspieler. Aber nochmal, in solchen Phasen, wenn’s nicht läuft, dann müssen die auch die Verantwortung in der Mannschaft übernehmen und die gute Stimmung und die Trainingsleistung dann auf dem Platz auch rüberbringen. Ich erwart dann einfach auch, wenn wir Dinge nicht 100%ig gut machen, dass die Führungsspieler dann das Ganze auch in die Hand nehmen und da auch meine Verantwortung, ja, ich ihnen übergebe.“  

Markus Weinzierl auf der PK am 26.10.2021 auf FCA TV

Wendepunkt in Bochum?

Klarer als Weinzierl hier kann man eine Erwartung, einen Auftrag kaum formulieren. Die Führungsspieler – das sind neben Kapitän Gouweleeuw auch Finnbogason sowie die restlichen Spieler des fünfköpfigen Mannschaftsrats, Flo Niederlechner, Daniel Caligiuri und Rafal Gikiewicz. Sie sollen den Auftrag also vor allen anderen entgegennehmen. Dass er sogleich beherzigt und in die Tat umgesetzt wurde, hat man am Mittwochabend im Ruhrstadion vor allem beim Elfmeterschießen gesehen.

Die Riege der Führungsspieler hat sich zunächst einmal vergrößert. Michael Gregoritsch, der in dieser Saison die meiste Zeit auf der Bank verbracht hat, schwor das Team auf den kommenden Showdown ein. Dann trat Jeff, der Kapitän, zum ersten Elfmeter an. Es folgte Finnbo, der dem Augsburger Spiel schon mit seiner Einwechslung neuen Aufwind verliehen hatte. Als Drittes voran ging Tobias Strobl, wohl derjenige, dem die wenigsten zugetraut hätten, dass er (so sicher) verwandelt. Den vierten legte sich dann Gregerl bereit, Mister Motivator. Dass Arne Maier, der 22-jährige, am Ende vergab, ist bitter. Dass er aber antrat, um – wie die anderen – Verantwortung fürs Team zu übernehmen, spricht wiederum für ihn. (Eine Überlegung wäre es aber durchaus wert gewesen, die Reihenfolge der Schützen zu ändern, sodass am Anfang UND am Ende einer der geforderten Führungsspieler gestanden hätte…)

Hoffen und Bangen als Team. Das haben die Spieler des FCA in Bochum beim Elfmeterschießen (wieder) erfahren. (Quelle: Twitter @FC Augsburg)

Vielleicht ist das nur meine Sicht, aber ich finde, das Bochumer Elfmeterschießen war die ideale Plattform für die Spieler im Allgemeinen, um näher zusammenzuwachsen, und für die Führungsspieler im Besonderen, um ihre Aufgabe neu und verstärkt wahrzunehmen. Und vielleicht hat genau das nun einen entscheidenden, nachhaltigen Effekt – (auch) auf Ebene der Spieler.

Stuttgart auf die Pelle rücken

Und wie empfangen wir nach diesem Pokalaus, das es trotz allem ja immer noch ist, am Sonntag den VfB Stuttgart in der Liga? Wie der FCA hat es der VfB am Mittwoch nicht ins Achtelfinale des DFB-Pokals geschafft. Allerdings war es bei den Schwaben weit weniger knapp als bei uns. Sie haben daheim doch recht klar mit 0:2 gegen den 1. FC Köln verloren. Allerdings hatte das Spiel bei ihnen keine Überlänge. Physisch könnte das ein leichter Vorteil für die Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo sein.  

Aktuell stehen die Stuttgarter mit vier Punkten Vorsprung vor dem FCA auf Tabellenplatz 13 (FCA: Platz 16, 6 Punkte). In den letzten beiden Spielen gegen Union Berlin und Borussia Mönchengladbach hat der VfB nur zwei Punkte mitnehmen können.

Prinzipiell haben die Fuggerstädter in ihrer Bilanz leicht die Nase vorn. Von bisher 16 Bundesligapartien haben sie 8 gewinnen können, während der VfB – bei einem Unentschieden – nur 7 Begegnungen für sich entscheiden konnte. Uns Augsburgern ist natürlich noch wärmstens das 6:0 vom 30. Spieltag der Saison 2018/19 in Erinnerung. Das bedeutete für den FCA nicht nur den höchsten Bundesligasieg seiner Vereinsgeschichte. Damit besiegelte er auch das Ende von Markus Weinzierls 7-monatigem Engagement als Stuttgarter Trainer.

Unvergessen: Das 6:0 des FCA am 20.04.2019 gegen den VfB Stuttgart. (Foto: xemx via Imago)

Für ihn, als heutiger Augsburger Übungsleiter, habe diese Zeit keine Bedeutung mehr, sagte Weinzierl auf der Pressekonferenz am Freitag. Vielmehr stimme ihn die Leistung aus der zweiten Hälfte in Bochum sehr positiv, um genau daran anzuknüpfen. Das Team hat „die Handbremse rausgenommen, auch im Kopf“. Der FCA will versuchen, in der Tabelle näher an den VfB „ranzurücken“. Auch der Mann an Stuttgarts Seitenlinie traut den Augsburgern einiges zu:

„Wir erwarten einen Gegner, der mit viel Energie auftreten wird. Nach einem 0:2-Rückstand am Mittwochabend im DFB-Pokal hat sich der FC Augsburg zwischenzeitlich auf ein Remis zurückgekämpft.“

Stuttgarts Trainer Matarazzo am 29.10.2021 auf VFB.de

Das Personal

Sicher nicht mit dabei am Sonntag um 15:30 Uhr in der WWK Arena ist für den FCA erneut Felix Uduokhai. Wie Weinzierl auf der PK erklärte, sei zu seinen muskulären Problemen nun noch eine Sehnenbeteiligung gekommen. Höchstwahrscheinlich nicht zur Verfügung stehen werden nach Mittwoch auch die beiden Angeschlagenen Noah Sarenren Bazee (Außenbanddehnung im Knie) und Iago (Probleme an der Hand). Zumindest wieder im Kader stehen nach mehrwöchiger Verletzung bzw. Krankheit wohl Niklas Dorsch, Flo Niederlechner und Freddy Jensen. Wie genau deren Einsatzfähigkeit aussehen wird, ließ Markus Weinzierl aber noch offen. Mads Pedersen ist für Sonntag wohl wieder einsatzbereit. Dementsprechend könnte die Aufstellung folgendermaßen aussehen:

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Oxford, Pedersen – Strobl, Maier – Hahn, Caligiuri, Vargas – Zeqiri 

Beim VfB Stuttgart ist aktuell die Offensive personell recht stark ausgedünnt. Z.B. fehlt Stürmer Sasa Kalajdzic verletzungsbedingt schon längere Zeit. Genauso wie Silas Katompa Mvumpa auf der rechten Außenbahn. Auch für Linksaußen Erik Thommy, beim FCA ausgebildet, fällt ein Wiedersehen mit seinem früheren Verein flach.  

Zum Abschluss

Mir ist mehr als bewusst, dass die aktuelle Lage beim FCA ernst ist. Sehr ernst. Und dass sein 350. Bundesligaspiel, das er gegen den VfB Stuttgart absolvieren darf, zum Schlüsselspiel werden könnte bzw. schon längst ist. Ich bin aber keine Freundin von Schwarzmalerei. Lieber will ich den Blick auch mal auf andere Dimensionen lenken, die vielleicht nicht gleich so ins Auge stechen wie die „harten“ (für uns natürlich wenig schmeichelhaften) Fakten wie Tore und Punkte. Das wollte ich mit der Perspektive auf die „Führung“ erreichen, bei der sich in der letzten Woche, so zumindest mein Eindruck, etwas zum Positiven verändert hat.

Denn oft ist es ja so, dass es erst das kleine Rädchen braucht, damit das große wieder läuft. Und vielleicht muss(te) so auch erst die Führungsfrage geklärt werden, damit es dann auch wieder zahlen- und faktenmäßig heißt: „Da ist die Füüühruuung!“ Am liebsten wäre mir das natürlich gleich am Sonntag.

Ligapunkt

Erst einmal dabei weitergekommen verliert der FCA zum dritten Mal im DFB-Pokal ein Elfmeterschießen, und lässt doch wieder positive Ansätze erkennen. In einem spannenden Pokalspiel zeigte die Mannschaft ab der zweiten Halbzeit nicht nur, dass sie gegen den Tabellennachbarn aus der Liga mindestens mithalten kann, sondern kämpferische und auch spielerische Fortschritte.

Auch ohne Betrachtung einzelner Aktionen und Akteure ist dies zunächst die wichtigste Erkenntnis vor dem nächsten Spieltag.

Spätestens nach dem zweiten Tor der Bochumer war es ein hin und her, in dem es auch aus Augsburger Sicht Möglichkeiten für eine Entscheidung in den ersten 120 Minuten gab.

Das Elfmeterschießen gleicht einer Lotterie, bei der die Erwartungshaltung beim Schützen liegt, und eben irgendwann ein Schuss nicht den Weg ins Tor findet. Und einige Schützen haben sich durch ihre sicheren Abschlüsse für vergleichbare Aufgaben empfohlen.

Nun gilt es diese wieder gewonnene Einstellung, und das Gefühl in jeder Situation wieder ins Spiel kommen zu können, in den nächsten Ligaauftritt mitzunehmen. Mit dieser Motivation und mehr Konstanz über die gesamte Spielzeit sollte die Mannschaft sich auch in der Meisterschaft wieder behaupten können.

Mit vier Punkten Vorsprung auf Augsburg steht der VfB, der im Pokal zuhause gegen Köln ausgeschieden ist, auf Platz 13.

Auch aus der Erfahrung des letzten Wiederaufstiegs, als zwei Spielzeiten später wieder die Rückstufung in die zweite Liga erfolgte, haben die Stuttgarter offiziell den Klassenerhalt als Ziel ausgerufen.

Die Mannschaft von Trainer Matarazzo trat aufgrund verschiedener Ausfälle bisher sehr unterschiedlich auf, und doch könnte es in dieser Spielzeit, zum gleichen Zeitpunkt hatte der VfB letztes Jahr einen Punkt mehr, auch wieder weiter gehen.

Die Stadien füllen sich langsam wieder, und das Thema Corona nähert sich in anderer Form dem Platz. Auch in der mittlerweile medial anders inszenierten Blase bestehen noch die Erinnerungen an lange zurückliegende Interviews mit manchen Spielern.

Nach dem Wechselfehler im Pokal folgten vier Siege und die Tabellenführung in der Liga. Im Anschluss dann ein Unentschieden und vier Niederlagen, dazu erst zwei Punkte in der Champions-League – das Engagement von Mark van Bommel beim VfL Wolfsburg ist beendet. Und Nachfolger beim übernächsten FCA-Gegner wird Florian Kohfeldt.

Der FC Bayern verliert im Pokal so hoch wie seit 23 Jahren nicht mehr, und doch ist nicht mit einem spannenderen Titelkampf in der Liga zu rechnen. Mit Freiburg und Union zwei Mannschaften eher überraschend unter den ersten fünf, ansonsten fast alles wie üblich.

Mit Bernd Nickel verstarb in der letzten Woche einer der prägenden Spieler, nicht nur der Eintracht, der 70er-Jahre. Auf Platz 29 der Spieler mit den meisten Bundesligaeinsätzen, hat Bernd Nickel 141 Tore geschossen, mehr als jeder andere Mittelfeldspieler. Der Meister des direkt verwandelten Eckstoßes bestach auch durch seine aus dem Stand verwandelten Elfmeter.

Die Bundesliga-Soap hat sich seit dieser Zeit immer weiter entwickelt, und schreibt immer neue Geschichten, die sich auch mehr vom eigentlichen Sport wegbewegt haben.

Für den FCA gilt es gegnerunabhängig sich von Spiel zu Spiel weiter zu entwickeln. Die einzelnen Spieler haben das Potential. Aufbauend aus den Erfahrungen vom Spiel am Mittwoch, mit weiter verringerter Fehlerquote, ist der erste Schritt das Spiel am Sonntag.

Und nach den letzten beiden Vergleichen eine neue Gelegenheit gegen den ehemaligen Lieblingsgegner im 350. Bundesligaspiel mit einem Erfolgserlebnis wieder den Anschluss zu finden. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Unbelohnt

Spontan packte mich vergangenes Wochenende die Lust, nach Bochum zu fahren und den FCA in der zweiten Runde des DFB-Pokals auswärts anzufeuern. Von meiner Wahlheimat aus sind es nur rund 1 1/2 Stunden Fahrt dorthin und im Vonovia Ruhrstadion war ich zuvor persönlich noch nicht.

Gesagt, getan: Tickets online bestellt. Vorab hatte ich wirklich ein gutes Gefühl. Man las von einer “Jetzt gilt’s” Mentalität, die die Verantwortlichen von der Mannschaft forderten. Von Finnbogason, der zurückkehren und voran gehen wollte. Die PK vor der Partie war wirklich sehenswert, offen wie nie und voll auf den Punkt gebracht. Dafür nachträglich noch ein großes Lob an die beiden Akteure!

Meinen beiden Mitstreitern sagte ich während der kurzen Anfahrt über die A2: “Ich bin heute zufrieden, wenn wir alles geben, Herzblut und Einsatz zeigen. Dann kann ich ein Ausscheiden verschmerzen.” Dabei bleibe ich bis heute. Für mich war es eine offene Partie bis zum Schluss und das ist auch das, was die Zuschauer*innen sehen wollen. Eine packende Schlussoffensive beider Teams, eine spannende Verlängerung und der Showdown, Elferkrimi! Was will das Fußballherz mehr?

Vor der Partie

Vor der Partie gab’s für Coach Markus Weinzierl einige personelle Fragezeichen. Uduokhai und Niederlechner weiterhin im Krankenstand, Pedersen, Jensen und Dorsch angeschlagen, auch Oxford war am Dienstag vor der Partie noch fraglich. Da fragte man sich heimlich schon, wer denn dann letzten Endes eigentlich auf dem Platz stehen würde? Glücklicherweise fanden sich noch genug fitte Mannen, die die Reise ins Ruhrgebiet antreten konnten.

Stefan Reuter durchlebt derzeit offensichtlich unruhige Zeiten. (Photo by Pool/Kai Pfaffenbach/Pool via Getty Images)

Ebenfalls las man vor der Partie von unruhigen Zeiten im sonst so beschaulichen Augsburg, das längst nicht mehr das Gallien der Bundesliga ist. Stefan Reuter, Sportdirektor des FCA, steht derzeit in der Kritik und sein Posten scheint nicht mehr ganz so sattelfest zu sein. So berichteten zumindest die hiesigen Medien.

Präsident Hofmann meldete sich zu Wort und gab zu, dass es in Augsburg hinter verschlossenen Türen wohl gekracht hat. Nun scheinen aber alle Beteiligten zu wissen, woran sie sind. Bekannte Namen, wie der des gebürtigen Augsburgers Armin Veh, geisterten tagelang durch die Gazetten – aber die vermeintlich heiße Spur war wohl (noch) nicht dabei!?

Anreise, Ansetzung, Ausfälle

Die Spieler wollten sich davon jedenfalls nicht beunruhigen lassen und bereiteten sich intensiv auf das Pokalspiel unter Flutlicht vor. Der Anpfiff an einem Mittwoch um 18:30 Uhr für die weit anreisenden Augsburger*innen höchst fanunfreundlich! Sechs Stunden Fahrt kann man hier – sowohl mit PKW als auch mit Zug – ruhig einplanen. Wenn man nicht gerade im Stau steht oder eine Panne hat – wie Fanvertreter*innen des FCA, die mit knapp halbstündiger Verspätung den Gästeblock des Ruhrstadions betraten.

Weinzierl schien sich nun auf die gute alte Viererkette besonnen zu haben und setzte auf einen defensiven Block rund um Kapitän Jeffrey Gouweleeuw und Reece Oxford. Der erfahrene Tobias Strobl erhielt den Vorzug vor Carlos Gruezo. Jan Moravek stand – aus unbekannten (?) Gründen – nicht im Kader. Zeqiri durfte starten, für Ex-Bochumer Gregoritsch und Cordova bedeutete dies einen Bankplatz. Hahn und Vargas bildeten die Flügelzange. Caligiuri und Maier verdichteten das Mittelfeldzentrum. Auf außen defensiv Iago und Gumny. So weit, so gut.

Markus Weinzierl: Auf der Suche nach dem geeigneten System… (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

HZ1- Wieder eiskalt getroffen

Vor den zuletzt erfolgreichen Bochumern, die sich in der Bundesligatabelle mittlerweile vor dem FCA befinden, hatte der FCA jedenfalls Respekt. Die Spieler schienen das umsetzen zu wollen, was die Clubverantwortlichen und auch der Trainer von ihnen sehen wollten. Bock auf das Spiel, gepflegten Fußball und Einsatzwillen. Dies konnte man den Jungs nicht absprechen an diesem Tage!

Dennoch tat man sich schwer mit griffigen und giftigen Bochumern, die insbesondere über die Flügel mit schnellen Außen die Augsburger ein ums andere mal vor Probleme stellten. So fiel exemplarisch auch das 1:0 für die Heimmannschaft. Ex-FCA-Spieler Stafylidis brachte in der zwölften Minute -nach einem Eckball – das Leder an den langen Pfosten, dort stand Pantovic mutterseelenallein und musste den Ball nur noch einschieben. Iago hatte den Stürmer enteilen lassen. Ein paar Minuten zuvor hatte André Hahn das Führungstor auf dem Fuß, doch VfL-Keeper Esser konnte abwehren. Mieses Karma!

Der FCA lies sich jedoch durch den (erneuten) Rückstand nicht entmutigen – auch wenn so ein wenig Mainz-Vibes aufkamen. Richtig gefährlich wurden die Augsburger Mannen in der Offensive jedoch nicht und somit ging man folgerichtig mit dem knappen Rückstand in die Halbzeitpause. Trainer Weinziel reagierte nun personell und nahm den schwachen Caligiuri vom Feld. Für ihn kam Stürmer Finnbogason, der Leben in die ideenlosen Augsburger Angriffsbemühungen bringen sollte. Systemtechnisch bedeutete dies nun eine Doppelspitze mit Jungspund Andi Zeqiri.

Caligiuri machte gegen Bochum keine glückliche Figur und wurde folgerichtig zur Halbzeit ausgewechselt. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

HZ2 – Action, Tore, Drama

Der FCA fand sich offensiv gleich gut in die Partie ein und kam in Person vom frei stehenden Iago zum Abschluss – leider zielte dieser weit drüber. Dann kam es, wie es kommen musste. Bochum schlug ab und zündete den Turbo. Erneut Pantovic konnte per Schlenzer das 2:0 erzielen. Ein wirklich sehenswertes Tor. Aber: Keine zwei Spielminuten später köpfte Reece Oxford den Ball nach einem Freistoß von Arne Maier in die Maschen. Der schnelle Anschlusstreffer!

Doch wer nun einen Rückfall wie im Mainz-Spiel vermutete, sah sich getäuscht. Das 2:1 war kein “One Hit Wonder”, sondern diesmal wirklich Zeichen zur Aufholjagd. Wieder zwei Minuten später – in Minute 58 – schloss Zeqiri eine Ballstafette über Finnbogason und Gouweleeuw ab. Esser konnte den im Fallen geschossenen Ball nicht richtig greifen und Ruben Vargas versenkte eiskalt. 2:2 – die Partie nun offen wie nie.

Sowohl Bochum als auch Augsburg wechselten in Folge zweimal. Beim FCA wurden die beiden Flügelspieler Hahn und Vargas ausgewechselt, für sie nun Cordova und Bazee im Spiel. Das Spiel spielten beide Teams nun mit offenem Visier. Gregoritsch kam in der Schlussviertelstunde noch für Zeqiri. Chancen gab es dann noch hüben wie drüben, doch keine wurde so richtig gefährlich. Und so ging es verdientermaßen nach 90 Minuten plus Nachspielzeit in die Verlängerung. Puh, kurz durschnaufen. Was ein Spiel sich hier in den zweiten 45 Minuten entwickelt hat… Und der FCA zeigte unerwartete Comebackqualitäten.

Verlängerung – Vom Bibbern und Bangen

Beide Fanlager waren heiß. Die wenig mitgereisten Augsburger machten Lärm für eine ganze Gästekurve und die Bochumer Wall heizte sich auf. Riemann Rufe gingen ab der Verlängerung mehrfach durch die Heimkurve. Noah Sarenren Bazee verletzte sich mit der letzten Aktion der regulären Spielzeit und es kam für ihn Nachwuchstalent Lasse Günther in die Partie. Der Stadionsprecher der Bochumer kündigte fälschlicherweise Frederik Winther an und ich habe kurzzeitig echt gegrübelt, warum der FCA nun seine Defensive stärkt. Im Pokal gilt es nun schließlich nicht den einen Punkt zu sichern.

Die Mannschaft bildete einen Mittelkreis und ausgerechnet Gregerl machte mit seinen Worten ordentlich Dampf. Dampf, den der Österreicher mit in die Verlängerung nahm: Er hatte in Minute 96 die Führung auf den Schlappen. Nach schönem Doppelpass mit Günther kam die Nummer 11 des FCA aus spitzem Winkel zum Abschluss, verzog jedoch leider etwas. Bochum wechselte zweimal und Augsburg drückte. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr Spielkontrolle übernahm der FCA.

Gregerl stürmte nach seine Einwechslung nach vorne und pushte seine Mitspieler. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Kurzes Durschnaufen, 15 Minuten überlebt und überstanden – schadlos und man war sogar am Drücker. Bochum war platt. Doch Totgesagte leben länger, gleich nach Wiederanpfiff verschusselten Polter und Pantovic in Kombination das vermeintliche 3:2 – großes Glück für den FCA an dieser Stelle. Das gab der Heimmannschaft sichtlich Selbstvertrauen und der VfL kam wieder besser in die Partie, ohne zwingend gefährlich zu werden.

Erneut hatte Gregerl die Möglichkeit, endgültig die Partie zugunsten des FCA zu drehen. Doch erneut konnte Esser klasse parieren. Der gut aufgelegte Schlussmann wurde dann in der 118. Spielminute gegen Elfmeterkiller Riemann ausgetauscht. Es wurde brennend heiß im Stadion, die Stimmung schwappte über. Riemann Rufe wurden immer lauter und hallten durch das Stadion. Die Sonne war schon längst untergegangen, die ersten Augsburger mussten zum Zug und der Himmel war tiefblau gefärbt.

Elfmeterschießen – Freud und Leid ist nah beinander

Und so kams letztendlich zum finalen Showdown. Elfmeterschießen. Neutrale Zuschauer*innen lieben es, die eingefleischten Fans hassen es umso mehr. Glück, vor allem das Glück entscheidet über den Ausgang dieser Praktik, um zu ermitteln, wer als Sieger aus der Partie hervorgeht. Manchmal wäre mir das Revival des Golden Goals lieber. Immerhin gibts in der zweiten Pokalrunde noch keinen VAR, der das Spielgeschehen von Außen beobachtet. Doch die VAR-Kritik spare ich mir an dieser Stelle und verweise auf die Aussagen von Klaus Hofmann, ohne zu erörtern, ob ich diese Ansichten teile. Jedenfalls gabs keine Situation während des Spiels, wo ich den VAR schmerzlich vermisst hätte.

Zurück zum Elferschießen: Natürlich musste der FCA unglücklicherweise auf das Tor vor der Fantribüne der Bochumer schießen. Auf Seiten der Bochumer und Augsburger traten sodann vier Schützen an, die alle verwandelten. Den Beginn für den FCA machte der Kapitän persönlich: Jeff schickte den bejubelten Keeper Riemann in die falsche Ecke und traf sicher. Bochum egalisierte souverän. Finnbogason traute sich als zweiter Augsburger an den Elfmeterpunkt und verlud Riemann ebenfalls. Bochum traf wieder zum Ausgleich.

Dann folgte der vielgescholtene Mittelfeldspieler Strobl, der eiskalt einschob. Am nachfolgenden Bochumer Elfer von Blum war Gikiewicz noch dran, aber konnte den Einschlag nicht verhindern. Gregerl und Polter egalisierten mit ihren Elfertreffern wiederum. Dann trat als fünfter Schütze der jüngste der Runde an: Neuzugang und Leihspieler Arne Maier. Die Bochumer heizten mit Pfiffen an, der Druck wuchs ins unermessliche. Und Maier, 22 Lenzen alt, lies sich davon beeindrucken. Sein Schuss ging drüber. Nun Matchball für Bochum, Ersatzkeeper Riemann trat – zur Verwunderung vieler an – und verwandelte. Die Bochumer jubelten und tobten, Riemann wurde zum Elfmeterheld. Augsburg war in Trauer – und Arne Maier untröstlich.

Arne Maier – der Unglücksrabe. Kopf hoch!  (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Was bleibt, sind Eindrücke

Es bleibt der Eindruck, dass der FCA ganz nah dran war am Achtelfinale. Die Bochumer Fans waren wohl nicht so heiß auf das Spiel, denn viele Plätze im Stadion blieben unbesetzt. Obwohl es ein Heimspiel war. Der Fanblock jedoch war brechend voll. Die wenigen mitgereisten Augsburger Fans, es waren vielleicht 100-150, feierten ihr Team auch nach dem Abpfiff des Elfmeterschießens. Während viele Bochumer schon das Stadion verlassen hatten.

Die Augsburger lagen auch in diesem Spiel durch relativ einfach vorgetragene Spielzüge und Unachtsamkeiten in der Hintermannschaft schnell hinten. Diese Rückstände können Warnschüsse sein und den Druck erhöhen, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite kann es auch der Beginn eines Torspektakels sein, Querverweis an dieser Stelle auf die Partie Gladbach gegen Bayern. Der FCA ließ sich, im Gegensatz zur Partie gegen Mainz, nicht beeindrucken und steckte den Kopf diesmal nicht in den Sand. Ungeahnte Comeback-Qualitäten machten sich bemerkbar und wieder einmal Reece Oxford brachte per Kopfball den FCA zurück.

Während man gegen Mainz schnell wieder in alte Muster zurückfiel, blieb man dieses Mal sprichwörtlich am Ball und glich in Folge sogar aus. Ruben Vargas vollendete einen gut vorgetragenen Augsburger Angriff im Nachschuss. Natürlich war hüben wie drüben auch ein wenig Glück im Spiel. Beide Keeper konnten sich auszeichnen. Und beide Offensivmannschaften hatten noch mehr Tore auf dem Fuß.

Das Schweizer Duo machte ordentlich Betrieb in der Offensive. Ruben Vargas glich für den FCA sogar zwischenzeitlich aus… (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Conclusio

Zum Abschluss möchte ich final noch einige Aspekte anbringen, die ich mitnehme aus dem Spiel: Ich nehme vorallem mit, dass die Viererkette dem Team mehr Stabilität verliehen hat. Die Mannschaft wirkte kompakter und die Statistiken sprechen dafür. Der Ballbesitz als Auswärtsmannschaft lag bei rund 40 Prozent. Das ist in Ordnung. Die Zweikampfquote der Gesamtmannschaft lag bei 48%. Hier könnte man ggf. noch ein wenig feinjustieren.

Ich nehme weiterhin mit, dass unsere Außenverteidiger phasenweise mit ihren Gegenspielern überfordert waren (Iago: Kickernote 5,0 – Gumny 4,0). Vor allem beim 1:0 hat man gesehen, wie einfach die Augsburger Defensive auszuhebeln ist. Für Iago stand am Ende des Spiels eine Zweikampfquote von 17 (!) Prozent zu Buche. Gumnys Werte sind da deutlich besser, aber auch über seine Seite kamen einige gute Angriffe der Bochumer.

Ich nehme mit, dass die Passquote bei 71% lag und weiterhin ausbaufähig ist. Insbesondere aber unsere Zentrale rund um Strobl und Maier hatte eine gute Passquote. Unsere offensiven Bemühungen machten sich auch in der Torschussstatistik bemerkbar. Je 20 Torschüsse auf beiden Seiten, 10 Ecken für den FCA, 7 für Bochum.

Ich will hervorheben, wie gut die Mentalität auf dem Platz endlich mal wieder zu sehen und zu spüren war. Man kam nach einem 2:0 zurück, erzielte zwei sauber herausgespielte Tore und stand danach lange Zeit hinten sattelfest. Die Wechsel waren sinnig: Finnbo, Gregerl, Cordova, Bazee und Lasse Günther haben alle eine gute Leistung gezeigt. Finnbogason belebte die Offensive direkt nach seiner Einwechslung, die Tore fielen und er war an der Entstehung beider beteiligt. Gregerl hatte mehrfach das Siegtor auf dem Fuß und bewies sich in der kurzen Pause vor der Verlängerung als Motivator. Cordova, Bazee und Günther arbeiteten viel und fielen durch viel Zweikampffreude (Cordova) und durch Zug zum Tor sowie Spielwitz (Bazee, Günther) auf.

Und jetzt stelle man sich vor, Uduokhai, Niederlechner, Dorsch und Jensen säßen als Optionen auf der Bank oder würden sogar in die Startelf drängen. All die genannten sind potenzielle Stammspieler und fehlen dem FCA schon sehr.

Der FCA am Boden – nach aufopferungsvollem Kampf über 120 Minuten. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Kopf hoch, Arne

Ich nehme zuletzt noch mit, dass fünf Spieler vorangegangen sind, um einen Elfmeter bei hitziger Atmosphäre zu verwandeln. Nur bei Arne Maier, dem jüngsten Augsburger Schützen, haben die Nerven versagt. Das hilft ihm bestimmt dabei, weiter an sich zu arbeiten und wird sicher ein Lerneffekt für ihn sein. Allerdings ist es zum jetzigen Zeitpunkt erst einmal bedauerlich und traurig für ihn, dass er derjenige ist oder als der dargestellt wird, der das Weiterkommen versemmelt hat. Dem ist nicht so: Man gewinnt im Team, man verliert auch als solches. Hut ab vor deinem Mut und Kopf hoch, Arne!

Stolz bin ich nach der Partie auf die gezeigte Leistung, auf die Tugenden, die man im Ansatz wieder gesehen hat und auf zwei blitzsaubere Tore. Darauf kann man gegen Stuttgart aufbauen und das muss man auch. Denn nach wie vor stehen wir in der Liga immens unter Druck und unsere Verantwortlichen unter Beobachtung. Sollten sie die oben genannten Punkte mitnehmen und an der ein oder anderen Stelle noch weiter feilen, bin ich optimistischer in der Liga als vor dem Pokalspiel.

Und eine geile Partie zum Zuschauen live vor Ort war es allemal. Glückwunsch dem VfL zum Weiterkommen. Mein Vorschlag: Dafür kriegen wir dann demnächst die drei Punkte in der Liga. Bitte, dankeschön.

Wiederstart

Es wurde nicht der erhoffte Auftritt des FCA in Mainz. Nach neun Spieltagen mit sechs Punkten auf den Relegationsplatz, der Gedanke an eine sorgenfreie Saison scheint weit weg.

Es mag verschiedene Möglichkeiten geben den sportlichen Stand des FCA zu analysieren, aber, es stehen eben auch noch 25 Spieltage an.

Verschiedene Positionen, die Qualität einzelner Spieler, die Ausrichtung der Mannschaft mit Umsetzung, Systemfragen, bis hin zu den sportlich Verantwortlichen – alles und jeder wird hinterfragt.

Einerseits keine ungewöhnlichen Prozesse in vergleichbaren Situationen, andererseits oft auch nicht immer ergebnisorientiert, wenn zeitgleich von außen weitere Unruhe ins Team kommt.

Der FCA spielt das elfte Jahr in der obersten Liga und die Entwicklung muss über den gesamten Zeitraum gesehen werden. Dies mag auch mit verschiedenen Aspekten und Persönlichkeiten zusammenhängen, entbindet aber nicht vor einer Einschätzung der aktuellen Lage und Folgerungen.

In der Mannschaft sind sowohl einige Spieler mit großer Erfahrung wie auch mit Perspektive. In den Abwehrpositionen sollte der FCA besser als die Konkurrenten in der zweiten Tabellenhälfte besetzt sein, und hat doch bereits die zweithöchste Zahl an Gegentoren erhalten.

In keinem der bisherigen Spiele gelang über 90 Minuten ein einheitliches Auftreten. Es hat sich auch noch keine Mannschaft gefunden, die konsequent eine Spielidee verfolgt oder konstant umsetzen kann.

Hinzu kommt aktuell noch die mit schwächste Torausbeute in der Offensive.

Auch wenn es dringend erforderlich erscheint sich die verschiedenen Entwicklungen in den letzten Jahren in Erinnerung zu rufen, stehen der aktuelle Stand und mögliche Perspektiven im Vordergrund. Vermutlich mehrere Stellschrauben, ist es aktuell schwer zu erkennen, wie sich das Momentum schnell beeinflussen lässt.

Wesentlich scheint aber auch hier sich wieder bestimmter, für Augsburg über lange Zeit typischer Vorgehensweisen zu erinnern. Dies bedeutet die Themen intern anzugehen, und gemeinsam nach Lösungen zu suchen – Geschlossenheit ist immer der erste Schritt zu Neuem. Zu schnelles, kurzfristiges Denken schafft dabei zumeist keine Perspektiven.

Sportlich gilt es als Einheit aufzutreten, und schrittweise wieder aus der aktuellen Situation herauszukommen. Zwei Spiele innerhalb von fünf Tagen, im Pokal und gegen Stuttgart, bieten dazu Gelegenheiten.

Knapp sechs Wochen vor dem ersten Aufeinandertreffen in der Liga spielt der FCA in der zweiten Runde des DFB-Pokals in Bochum. Im 66. Spiel bei 27 Teilnahmen als FC Augsburg ist dies der 45 Gegner.

Im DFB-Pokal erreichten die Bochumer bei bisher 150 Spielen bereits zweimal das Finale: 1968 gegen den 1. FC Köln im Ludwigshafener Südweststadion und 1988 gegen die Eintracht.

Der in der ersten Runde des DFB-Pokal erst in der Verlängerung gegen den Wuppertaler SV erfolgreiche VfL hat durch den Sieg gegen Frankfurt am Sonntag in der Liga den Anschluss ans Mittelfeld herstellen können.

Dies ist die 35. Spielzeit für die Bochumer in der Bundesliga, die an neunter Stelle in der ewigen Tabelle, der aktuell in der Liga spielenden Vereinen stehen. Viele Geschichten über die ehemals Unabsteigbaren, das Image als Graue Maus sowie zwei Europapokalteilnahmen.

Erst eine Saison waren die beiden Vereine 2010/ 11 in der gleichen Liga, wobei dabei jeweils die Auswärtsmannschaft erfolgreich war. Das letzte Aufeinandertreffen war das Spitzenspiel des 20. Spieltags, als bei winterlichen Temperaturen in einer hektischen Schlussphase der Siegtreffer für Bochum fiel.

Vielleicht hält diese Serie an. Der FCA hat am Mittwoch nicht nur die Chance die Runde der letzten 16 im DFB-Pokal zu erreichen, sondern als Mannschaft einen neuen ersten Schritt zu machen. Wenn es gelingt sich wieder mancher Tugenden, auch in kämpferischer Hinsicht, zu besinnen, könnte ein Erfolg gegen einen Ligakonkurrenten neue Impulse für die nächsten Spiele freisetzen. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Lage der Liga

Der tabellarische Blick auf den FCA ist derzeit nicht ganz so angenehm. Daher möchte ich mich – während derzeit DFB Pokal Partien anstehen – dem Rest der Liga widmen. Ein Club fällt in der Tabelle derzeit immer mehr zurück, der erste Club hat seinen Trainer entlassen und Erling Haaland fällt erneut verletzungsbedingt aus. Eine kurze Zusammenfassung des Ligageschehens:

VfL Wolfsburg entlässt Mark van Bommel

Der erste Trainerwechsel in der Liga bahnt sich an – der VfL hat am vergangenen Sonntag Mark van Bommel entlassen. Nach acht sieglosen Partien in Folge zog man in Wolfsburg die Reißleine und stellte den 44 Jahre alten Übungsleiter mit sofortiger Wirkung frei. Geschäftsführer Schmadtke gegenüber dem Kicker: “Es gab unter dem Strich mehr trennende als verbindende Faktoren. Die Überzeugung, in dieser Konstellation aus der sportlich schwierigen Situation herauszukommen und schnellstmöglich die Kehrtwende herbeizuführen, hat gefehlt und uns zu dem Entschluss kommen lassen, die Zusammenarbeit zu beenden. Wir wünschen Mark sportlich wie privat alles Gute.”

Mark van Bommel zeigte sich jedenfalls äußerst enttäuscht über das abrupte Aus: “Ich bin überrascht und enttäuscht von der Entscheidung, weil ich überzeugt davon bin, dass wir es gemeinsam geschafft hätten, in die Erfolgsspur zurückzukehren. Ich wünsche der Mannschaft, dass sie es schnell schafft, das Ruder wieder herumzureißen.” Der Nachfolger ist derweil auch schon bekannt geworden: Michael Frontzeck übernimmt vorerst das Ruder in Wolfsburg.

Mark van Bommel ist nicht länger Trainer der Wolfsburger. (Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Haaland erneut verletzt – BVB jubiliert

Trotz des erneuten verletzungsbedingten Ausfalls von Weltklasse-Stürmer Erling Braut Haaland jubilierte der BVB am Samstag gegen Bielefeld. Mit 3:1 setzte man sich gegen die Arminia durch, die Tore erzielten Emre Can per Foulelfmeter, Mats Hummels und Jude Bellingham. Die Dortmunder festigten durch den Sieg den zweiten Rang und sicherte sich die direkte Verfolgerposition auf den FC Bayern.

Erling Haaland ist eigentlich die Dortmunder Lebensversicherung. Schon neun Tore – in nur sechs Partien – erzielte der 21jährige in dieser Saison. Der Stürmer steht vor seinem 50. Bundesligaeinsatz (und seinem 50. Bundesligatreffer) – muss sich derzeit aber gedulden. Eine Verletzung des Hüftbeugers setzt ihn wohl für mehrere Wochen außer Gefecht! Für den jungen Norweger schon die zweite Verletzung in der laufenden Spielzeit, gegen Gladbach, Augsburg und Lissabon musste er ebenfalls pausieren. “Es ist derselbe Oberschenkel, nur eine andere Stelle”, äußerte sich Trainer Rose vor kurzem zur Verletzung. Er tat die Einschätzung des Teamarztes der norwegischen Nationalmannschaft kund:  “Die Verletzung braucht Zeit. Mindestens drei, vier Wochen, vielleicht länger.”

Erling Haaland ist sicherlich nicht erfreut über seinen erneuten Ausfall – und den Dortmundern wird er schmerzlich fehlen. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Review zum neunten Spieltag

Mainz schlachtete (unerwartet) den FC Augsburg mit 4:1 ab und die Augsburger verbleiben somit auf dem Relegationsplatz. Mainz klettert hingegen munter in der Tabelle – derzeit sind sie Siebter. Bielefeld verliert mit 3:1 gegen den BVB und bleibt hinter dem FCA auf Platz 17. Stuttgart kommt gegen Union Berlin nicht über ein 1:1 hinaus und rutscht auf Platz 13 ab. Die Berliner sind derzeit hingegen etwas überraschend Fünfter.

Im rheinischen Derby ringt Köln Leverkusen einen Punkt ab (Endergebnis: 2:2). Die Hertha gewinnt durch ein spektakuläres Richter-Tor mit 1:0 gegen Gladbach. Mit zwölf Punkten stehen die Berliner auf Platz 10, Gladbach rutscht tabellarisch ab und ist mit elf Punkten nur noch Zwölfter. Durch den 4:1-Sieg gegen Fürth klettert RB Leipzig auf den sechsten Platz, während Fürth mit einem einzigen mageren Pünktchen weiterhin Tabellenletzter ist.

Der FC Bayern bleibt – auch ohne den Corona-erkrankten Cheftrainer Julian Nagelsmann an der Seitenlinie – Tabellenführer. Mit 4:0 fertigten die Münchner Hoffenheim ab. Die TSG rutscht dadurch auf Rang elf ab. Freiburg gewinnt mit 2:0 gegen Wolfsburg, was in der Entlassung von Trainer van Bommel mündete. Freiburg ist damit derzeit sensationell Dritter. Wolfsburg steht auf einem soliden neunten Tabellenplatz. Den Spieltag abgeschlossen hat die Partie Bochum gegen Frankfurt. Der kommende Pokalgegner der Augsburger gewann verdientermaßen mit 2:0. Somit sind die Bochumer mittlerweile Tabellenvierzehnter und haben mit dem Sieg sogar die Frankfurter überholt. Diese stehen mit acht Punkten auf Rang 15.

Die Bochumer befinden sich derzeit spürbar im Aufwind – und stellen den nächsten Gegner des FCA (im DFB Pokal) dar. Wir zittern jetzt schon! (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Veh zum FCA? Reuter wackelt

Stefan Reuter ist beim FCA nicht mehr unumstritten, dies berichten diesertags zahlreiche Medienberichte. Präsident Klaus Hofmann sagte auf der JHV zuletzt: „Wenn man fünf Trainer in fünf Jahren hatte, hat man sicher nicht alles richtig gemacht.“ Diese Worte werden als Spitze in Richtung Sportdirektor verstanden, in dessen Tätigkeitsfeld die Trainerbesetzung fällt. Der kicker berichtet zudem, dass schon in der zurückliegenden Saison Spannungen zwischen Reuter und Hofmann herrschten. Auch seitens der Mannschaft werden von Differenzen mit dem Sportdirektor berichtet.

Ein möglicher Nachfolger könnte der Augsburger Armin Veh sein. Der 60jährige lebt in Augsburg, war Spieler des Vereins und trainierte den FCA bereits zweimal. Kommt es noch zu einem dritten Engagement? Zuletzt war er in der Saison 2003/2004 Trainer in der Fuggerstadt. Zuletzt war Veh zwischen Dezember 2017 und November 2019 Geschäftsführer Sport beim Ligakonkurrenten 1. FC Köln. Der Stuhl von Reuter wackelt, Trainer Weinzierl genießt derzeit aber wohl (noch) Rückendeckung. Auf der zurückliegenden JHV nahm Hofmann die letzten Trainer – vor Markus Weinzierl – in die Kritik, schloss den Niederbayern hierbei jedoch aus. Und dies trotz des eklatanten Punkteschnitts unter Weinzierl: Seit seiner Rückkehr im April hat er den schlechtesten Punkteschnitt aller FCA-Trainer in der Bundesliga (0,75).

Rafal Gikiewicz lederte schon mächtig im Interview nach dem Spiel, nun zog zuletzt auch Kapitän Jeffrey Gouweleeuw nach: “Wenn wir so spielen, holen wir keine Punkte”, so der Niederländer. Zu kritisieren hat der 29jährige die mangelnde Konstanz: “Der Unterschied zwischen den Spielen ist viel zu groß. Wir haben ein paarmal zu null gespielt, da waren wir richtig stabil. In anderen Spielen bekommen wir die Tore viel zu einfach.” Gouweleeuw berichtete von mangelnder Kommunikation in der Mannschaft: “Manchmal ist das Problem, dass wir zu wenig reden untereinander. Auch auf dem Platz kommunizieren wir viel zu wenig.”

Fazit

Während es im oberen Tabellendrittel relativ eng zugeht, wird der Abstand im unteren Tabellenabschnitt immer größer. Der FCA steht mit sechs Punkten derzeit auf dem Relegationsrang. Frankfurt auf Platz 15 und Bochum auf Platz 14 haben schon zwei bzw. vier Punkte Vorsprung und die (deutlich) bessere Tordifferenz. Bielefeld liegt auf dem ersten direkten Abstiegsplatz und ist dem FCA mit fünf Punkten recht nah. Auch die Arminia hat eine bessere Tordifferenz als die Augsburger. Nur Fürth ist derzeit schon recht abgeschlagen. Gladbach, Hoffenheim und Hertha liegen auf den Plätzen 12-10. Die Hertha lag zu Saisonbeginn lange Zeit gleichauf mit dem FCA und hat nun schon doppelt so viele Punkte (12). Mainz, Köln und Wolfsburg runden das Tabellenmittelfeld ab.

Leipzig ist derzeit ein wenig abgeschlagen von der Spitzengruppe. Der gehört unweigerlich der SC Freiburg an. Auch Union Berlin mischt derzeit munter mit. Leverkusen liegt mit einer fulminanten Offensive auf dem vierten Platz. Der BVB und die Bayern schreiten vorne weg und bilden die obere Tabellenspitze. Bayern mit einer sensationellen Tordifferenz von +25, bereits 33 Tore hat der FCB in der laufenden Saison erzielt. Ligabestwert und zwar mit Abstand! Bemerkenswerte die Performance der Freiburger, die als einzige Mannschaft noch kein Ligaspiel verloren und bisher die wenigsten Gegentore aller Bundesligateams kassiert hat (6). Chapeau!

…und der FCA?

Stefan Reuter fordert von seinen Mannen: “Wie wir es von der Mannschaft fordern, so müssen wir es vorleben: Sehr geschlossen, klar und gemeinsam gegen die Situation ankämpfen.” Und gibt hier die Marschroute der nächsten Wochen klar vor.

Weinzierl unter Druck?

Der FC Augsburg hat vor Kurzem seine Jahreshauptversammlung abgehalten. Auf die finanziellen wie vereinspolitischen Aspekte der Veranstaltung soll in diesem Blog noch genauer eingegangen werden. Nun soll es aber um die Äußerungen von Klaus Hofmann gehen.

Der Vorstandschef des FCA nutzt derartige Veranstaltungen gerne, um deutlich Partei zu ergreifen. Hofmann spricht dabei das aus, was die Fanseele hören will. Die Aussagen haben nicht selten einen populistischen Touch – kommen in der Regel aber gut bei den Mitglieder an. So ätzte er etwa gegen den bei der Mehrheit unbeliebten Videobeweis und stichelte gegen “den einen oder anderen Schlaumeierkollegen aus der Bundesliga”, der den FCA als Investorenklub bezeichnet hatte. Namen nannte Hofmann keine, meinte aber wohl Union Berlins Präsident Dirk Zingler, der den FCA als “das kleine RB” kritisiert hat. Hofmann räumte mit diesem Irrglauben auf und sprach außerdem über die aktuelle Spielweise.

“Haben uns das Fußballspielen abgewöhnt”

Dabei zeigte Hofmann Verständnis für Kritik an der spielerischen Entwicklung der Schwaben. “Ich verstehe die Stimmen, die uns vorwerfen, dass die Entwicklung stagniert”, sagte Hofmann, nachdem er die nunmehr elf Jahre andauernde Ligazugehörigkeit als “unglaublichen Erfolg” lobte. “Ich kann beide Seiten der Medaille erkennen. So richtig schön ist unser Fußball in den letzten zweieinhalb bis drei Jahren nicht mehr.” Daran Schuld haben laut Hofmann auch die beiden Trainer Martin Schmidt und Heiko Herrlich.

“Wir haben uns systematisch das Fußballspielen abgewöhnt in den letzten zwei, drei Jahren. Es gab eine Phase, da haben wir nur auf Konter gespielt, und eine Phase, da waren wir nur defensiv und haben versucht, mit Glück ein Tor zu schießen.” Erstere Phase ist auf Umschalttrainer Schmidt zuzuschreiben, zweitere auf die destruktive Zeit unter Herrlich. Beide Coaches verpassten es, die spielerische Entwicklung voranzubringen. Die Kritik an beiden Trainern ist angebracht und berechtigt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Hofmann als Klubboss die Installation des Duos direkt mitgetragen und damit auch zu verantworten hat.

Klaus Hofmann hatte auf der vergangenen JHV einiges zu bemängeln. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Vertrauen in Weinzierl: “passt zum FCA”

Nun stellt sich die Frage, ob unter dem neuen, alten Coach Markus Weinzierl alles besser ist. Der Saisonstart lässt diese Frage zumindest offen. Sechs Punkte nach neun Spielen sind deutlich zu wenig. Zur Wahrheit gehört zwar auch, dass der FCA ein schwieriges Auftaktprogramm mit Europapokalteilnehmern und -anwärtern hatte. Aber selbst gegen vermeintliche Teams auf Augenhöhe überzeugten die Schwaben nicht. Gegen Bielefeld (1:1) spielte man nur eine Halbzeit ansehnlichen Fußball, gegen Freiburg (0:3) und Mainz (1:4) war die Partie bereits nach einer halben Stunde entschieden.

Nachdem ein Viertel der Saison gespielt ist, wächst der Druck auf Mannschaft und Trainer. An anderen Bundesligastandorten wäre es bereits deutlich unruhiger. In Augsburg, wo es in den letzten fünf Jahren fünf unterschiedliche Trainer gegeben hatte, will man Personaldiskussionen offenbar vermeiden. Hofmann stellte sich demonstrativ hinter Weinzierl: “Ich halte ihn für einen erstklassigen Trainer und einen Menschen, der zum FCA passt.” Mit Weinzierl hatte man bereits Erfolg, das “wird man auch jetzt schaffen”. Gleichzeitig nahm Hofmann die Mannschaft in die Pflicht und sagte er sei “auch schon mal mit größerer Vorfreude zu Heimspielen gefahren”. Wer den 54-Jährigen schon einmal live im Stadion erlebt hat, weiß, dass da auch einmal deutlich schärfere Worte fallen.

Weinzierl muss liefern

Wie ist das Bekenntnis zu Weinzierl nun zu verstehen? Zunächst einmal spricht es nicht für die Leistung des FC Augsburg, dass ein solches Bekenntnis überhaupt notwendig ist. Den Saisonstart hatte man sich anders vorgestellt. Dass die sportliche Führung an Weinzierl festhalten will, ist nachvollziehbar. Den in Augsburg noch immer sehr beliebten Straubinger nach wenigen Monaten wieder zu schassen, wäre manchem Fan wohl schwer vermittelbar. Zumal es auf dem Trainermarkt derzeit nicht wirklich viele Alternativen gibt. Ein Domenico Tedesco zum Beispiel wäre allerdings interessant.

Bis Weihnachten trifft der FC Augsburg noch auf Stuttgart, Hertha, Bochum, Köln und Fürth. Spiele, in denen ein anderes Gesicht gezeigt werden muss, als am Freitag in Mainz. Der Auftritt der Mannschaft war schlicht bodenlos. Die Mainzer Fans sangen den FCA während der Partie sogar in die 2. Bundesliga.

Am Boden: Daniel Caligiuri und der FCA haben in Mainz sang- und klanglos verloren. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Die Situation ist ernst, keine Frage. Dass nun aber von einigen Fans bereits erste Forderungen nach einem Trainerwechsel laut werden, ist keineswegs hilfreich. Markus Weinzierl hat eine ernsthafte Chance verdient. Dass ihm Hofmann den Rücken stärkt, ist daher richtig. Klar ist aber auch: Weinzierl und die Mannschaft sollten dieses Vertrauen allmählich zurückzahlen und wieder zurück in die Spur kommen. Auch ein Einzug ins Pokalachtelfinale kann auf diesem Weg helfen.

Zeit, die eigenen Stärken zu erkennen

Mir brummt immer noch etwas der Kopf. Ich war am Freitagabend in Mainz und habe die Katastrophe hautnah erlebt. 1:4 verlor der FC Augsburg zu Beginn des Spieltags in Mainz, war über die gesamte Partie die schlechtere Mannschaft und verlor zu Recht in dieser Höhe und Deutlichkeit. Die Niederlage kommt, nachdem schon in anderen Partien zu Beginn der Saison (z.B. gegen Freiburg) wenig zusammenpasste, und gerade unter der Woche Klaus Hofmann öffentlich Markus Weinzierl den Rücken gestärkt hatte.

Hofmann kritisiert zwei Ex-Trainer: “Wir haben uns das Fußballspielen abgewöhnt” – Das kommt nicht von mir, sondern war kurz nach der Jahreshauptversammlung eine Überschrift beim kicker. Und nach dem Spiel in Mainz fragt sich wahrscheinlich auch Klaus Hofmann, welche Trainer er mit dieser Aussage genau gemeint hat. Ich war damals unter Martin Schmidt in Gladbach vor Ort, als es in der ersten Halbzeit 4 Gegentore gab. Auch Gumnys Slapstick ist mit dem von Koubek damals vergleichbar. So lange habe ich diese Mannschaft schon nicht mehr so schlecht spielen sehen. Die Entwicklung ist besorgniserregend.

Nach dem Spiel in Mainz wies Manager Reuter darauf hin, dass es auch beim ersten Mal unter Markus Weinzierl eine Weile gedauert habe, bis sich die Mannschaft gefunden hatte. Eine ganze Hinrunde des Grauens war das damals gewesen, bevor die Truppe ihre Identität fand und sich ab diesem Moment für nichts mehr zu schade war. Und was ab diesem Moment möglich ist, das haben wir damals und das hat Mainz letzte Saison gezeigt. Jetzt kommt es schlicht darauf an, diesen Wendepunkt zu finden. Auf die Suche geht der FCA mal wieder intern geschlossen. Eine Trainerdebatte gibt es nicht. Es kommt jetzt darauf an, dass es in der bestehenden Konstellation vorwärts geht. Raus aus dem sportlichen Loch.

Unsere sportliche Identität

Und nachdem mein Brummschädel nun lange genug darüber gegrübelt hat, wie der Weg zur Besserung aussehen könnte, möchte ich hier an dieser Stelle auch als Eigentherapie meine Gedanken einmal festhalten. Ich glaube, wir sollten alle gemeinsam einmal in den Spiegel schauen. Was ist unsere sportliche Identität? Was ist die Basis? In der Rückschau scheint mir das etwas verklärt zu sein. Der Fußball in der ersten Phase unter Markus Weinzierl war nicht immer attraktiv. Und die Attraktivität entstand mit Sicherheit nicht dadurch, dass wir Gegner im Ballbesitz dominieren konnten.

Ich möchte denn auch einmal Klaus Hofmann korrigieren. Wir haben uns nicht das Fußball spielen abgewöhnt. Wir haben uns abgewöhnt, dahin zu gehen, wo es weh tut und uns unbeliebt zu machen. Wir sind auch deshalb die graue Maus der Liga geworden, weil wir den Gegnern gleichgültig sind. Vor ein paar Jahren, wurden wir respektiert und man begegnete dem Team mit Antipathie, weil wir so unangenehm zu spielen waren, wie kein Team außer uns. Diesen Ruf haben uns andere Teams wie die Frankfurter Eintracht oder auch Union Berlin in der Zwischenzeit abgenommen.

System hin, System her wird es in den nächsten Spielen darum gehen, zu diesen Grundtugenden zurückzukehren. Defensiv stabil zu stehen, die Räume eng zu machen und den Gegner in die Zweikämpfe zu zwingen. Und in den Zweikämpfen zu tun, was nötig ist. Fast als Fußnote möchte ich anmerken, dass wir ohne Felix Uduokhai vielleicht nicht das geeignete Personal haben, um dies erfolgreich mit 3er Kette umzusetzen. Robert Gumny wackelt mir persönlich zu sehr und ist vielleicht als klassischer Rechtsverteidiger besser aufgehoben (und kann sich dann auch offensiv einschalten). Ich könnte mir vorstellen, dass auch eine klassische Doppelsechs vor einer Viererkette in dieser Phase helfen könnte, stabiler zu werden und den Gegner ab dem Mittelfeld weniger Raum zu geben. Der Kern meiner Gedanken ist allerdings, dass wir uns wieder bereit sein müssen, uns unbeliebt zu machen. Nicht mit dem Gedanken zu verletzen, sondern um uns Respekt zu verschaffen.

Bereitschaft zum Notwendigen

Insgesamt ist es mir dabei vollkommen egal, welche 11 auf dem Platz stehen, so lange sie bereit sind, ihre Defensivaufgaben zu erledigen und sich in die Zweikämpfe zu werfen. Es ist dies vielleicht auch der Moment, an Tobi Werner zu erinnern. Tobi Werner, der Tore und Assists sammelte, allerdings mir nicht nur dafür im Gedächtnis blieb. Denn zu Zeiten von Tobi Werner sahen die Linksverteidiger regelmäßig alle gut aus. Er war so gut in der Rückwärtsbewegung und im Spiel gegen den Ball. Wir brauchen wieder diese Bereitschaft bei den Spielern, das Notwendige zu tun und sich für die Mannschaft aufzuopfern.

Für mehr Reinwerfen (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Nebenbei braucht es dann einen besser ausgeführten offensiven Plan. Und auch hier sollten wir ehrlich in den Spiegel blicken. Lange Bälle nach vorne, werden immer ein Teil davon sein. Wir brauchen gerade deshalb offensive Zielspieler, die die Bälle festmachen und weiterleiten können und ich bin mir persönlich nicht sicher, ob diese Position mit Sergio Cordova optimal besetzt ist. Caiuby blühte hier früher auf. Alfred Finnbogason ist fit und wäre für mich ein geeigneter Kandidat. Genauso wie Gregerl Luftduelle kann. Aber auch an der Stelle ist mir scheißegal, wer es denn nun macht. Nur wir sollten diesen festgemachten langen Ball wieder als den Erfolg sehen, den wir brauchen, um dann auf die Außen zu spielen und mit Vargas und Hahn mit Wucht nach vorne zu stoßen.

Wo ist der Zusammenhalt?

Ein Teil dieses Plans sollte es auch sein, mit Fehlern umgehen zu lernen. Momentan ist es so, dass wir einknicken, sobald wir uns ein Gegentor fangen. Fehler sind notwendiger Teil des Fußballs. Sie werden immer wieder passieren. Es gilt sich auf diese Momente vorzubereiten und dann die Ruhe zu behalten. Mir ist es unbegreiflich, wie man sich selbst so aus dem Konzept bringen lassen kann. Warum man sich nicht gegenseitig bestärkt und am Plan festhält. Genügend Zeit gegen Mainz wäre allemal gewesen.

MAINZ, GERMANY – OCTOBER 22: Reece Oxford of FC Augsburg looks dejected after the Bundesliga match between 1. FSV Mainz 05 and FC Augsburg at Opel Arena on October 22, 2021 in Mainz, Germany. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Hierfür braucht es wieder mehr positive Unterstützung von Spieler zu Spieler als auch von den Rängen. Weniger Schuldzuweisungen und Zurechtweisungen. Mehr wir als ich. Und dafür braucht es die richtigen Charaktäre und die richtige Mischung auf dem Platz. Und den Support von den Rängen, jetzt wo es wieder möglich ist. “Augsburg hält zusammen” war das Mantra und sollte es wieder sein. Es braucht wieder eine Wagenburgmentalität, in der wir uns gegenseitig den Rücken stärken. Und an uns glauben, alle gegenseitig aneinander und jeder an sich selbst. Natürlich ohne sofort den Trainer oder die sportliche Leitung zu hinterfragen.

Rückbesinnung auf die Stärken

Das elfte Jahr spielen wir nun in der Bundesliga. Am Anfang war uns allen bewusst, dass wir mit einfachen Mitteln zum Klassenerhalt kommen müssen. Mittlerweile wurde von uns allen angenommen, es müsste eine sportliche Entwicklung geben. Bei den Renovierungsarbeiten am sportlichen System haben wir im übertragenden Sinne eine Leitung angebohrt und die Sicherung ist geflogen. Unser Spiel ist weniger körperlich geworden und hat seine Klarheit verloren. Der Zusammenhalt ist etwas verloren gegangen. In dieser sportlich schwierigen Phase kommt es nun darauf an, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Wir sollten uns daran erinnern, was wir sportlich gut können und wie wir uns gegenseitig so unterstützen können, damit wir dieses Potential abgerufen bekommen.

Und mit Fokus auf diese sportlichen Stärken, und unsere Grundtugenden sollte der Trainer für Mittwoch eine Mannschaft identifizieren, die das vornehmliche Ziel hat, dem VfL Bochum einen möglichst unangenehmen Abend zu bereiten. Zu kratzen, zu beißen, zu kämpfen. Auf die eigenen Möglichkeiten zu lauern und diese zu nutzen. Denn als erstes sollten wir erkennen, wer wir sind. Wir sind der großartige FC Augsburg, der reihenweise Ziele erreicht hat, von denen keiner zu träumen wagte. Der das Anfield auf dem Lechfeld erschuf, nach Anfield fuhr und im Gegensatz zu Teams wie Mainz 05 noch nie aus der ersten Liga abgestiegen ist. Widerstände sind unsere DNA. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Denn wir sind Augsburger und ihr nicht.