Auf dem Weg zur Stabilität

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Wenn man auf den FC Augsburg schaut, dann war es in den letzten Jahren immer so, dass irgendetwas war, was den nachhaltigen sportlichen Erfolg verhinderte. Über viele Jahre lief es nicht gut. Es kumulierte, bis letztes Jahr das Team auf Schützenhilfe angewiesen war, um die Klasse zu halten. Trainer kamen, Trainer gingen. Leistungsträger sahen ihre Zukunft bei anderen Clubs. Eine allgemeine Unzufriedenheit war an allen Ecken zu erkennen, nur zu beheben wusste sie lange keiner.

Momentan ist das anders. Ja, man kann an manchen Stellen weiter konstruktiv Kritik üben (wie ich es ja regelmäßig mit Blick auf die Durchlässigkeit vom NLZ zu den Profis tue). Was will man an den im Tagesgeschäft beheimateten Themen groß kritisieren? Dass man gegen heimstarke Bochumer nur 1:1 gespielt hat? Um was es jetzt geht: Stabilisierung. Der FCA muss jetzt zeigen, dass er regelmäßig sportlich überzeugen kann, damit endlich Ruhe einkehrt. Die Voraussetzungen hierfür sind besser denn je.

Beste Voraussetzungen

Ich hatte gefordert, dass der Kader im Winter einen Umbau braucht. Von mir war klar formuliert, dass der FCA mindestens 6 Spieler abgeben soll. Dazu rechnete ich mit 1-2 qualitativ hochwertigen Neuzugängen. Marinko Jurendic legten hier Punktlandungen hin. Sieben Spieler, die in der Hinrunde kaum bis keine Rolle gespielt hatten, verließen den Verein für immer oder zumindest für die Rückrunde. Mit Jakic und Pep Biel kamen zwei Neuzugänge, die beide schon zeigen durften was sie können.

Hervorzuheben ist an dieser Stelle auch, dass der FCA keinen Leistungsträger abgegeben hat. Ruben Vargas, der mit der Fiorentina in Verbindung gebracht wurde, blieb schlussendlich, nachdem man immer wieder von unterschiedlichen Angeboten lesen konnte. Und bei den Top-Leistungsträgern wie Ermedin Demirovic kamen noch nicht einmal Gerüchte auf. Mit Jeff Gouweleeuw konnte man einen Dauerbrenner der Hinrunde und eine Stütze des Teams sogar für mindestens eine zusätzliche Saison binden. Arbeit für alle zusammen bleibt trotzdem.

Jakic brachte zusätzliche Qualität, jetzt müssen alle das Maximum aus sich herausholen. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Weitere Verbesserungen notwendig

Standard-Trainer Lars Knudsen, der nun im Winter zusätzlich zum Trainerteam hinzugestoßen war, beurteilen wir nun mal nicht an seinem kurzfristigen Erfolg. Man kann offensiv die ein oder andere neue Variante, gerade auch bei den Ecken, erkennen, zählbares brachten diese Veränderungen aber noch nicht ein. Und auf der Gegenseite spielt der FCA weiterhin nicht zu null, weil die anderen Teams zumindest über Standards im Moment regelmäßig zum Erfolg kommen. Als Bochumer Stürmer konnte man sich nur wundern, wie der Ball nach einer Ecke so wundervoll den Weg fand und dann auch noch der Platz für den Seitfallzieher da war. Was ein Loch mitten im Sechzehner. An der Standardverteidigung arbeiten wir dann unter der Woche noch einmal.

Auf der anderen Seite hat der Kader nicht nur in der Spitze eine gute Qualität, sondern auch eine Breite. Von Konkurrenzkampf ist da zu lesen. Jess Thorup hat auf der anderen Seite seine Stammelf gefunden, von der nun nicht mehr abzuweichen scheint. Jakic für Dorsch ist der Verletzung von Niklas zuzuschreiben. Ansonsten ist die erste Elf des FCA absolut berechenbar. Auf der anderen Seite muss der ein oder andere Spieler aus der zweiten Reihe seine Chance bekommen, wenn er auf sich aufmerksam machen kann. Wie viel mehr soll z.B. ein Arne Maier tun, als einen Schuss an den Pfosten zu setzen und mit seinem Abschluss für den Elfmeter zu sorgen, um mehr Einsatzzeit oder auch eine Chance von Anfang an zu bekommen? Trotz Kaderausdünnung wird es Unruhe geben, wenn das Leistungsprinzip durch festgefahrene Rollen nicht mehr gilt. Hier wird es in den nächsten Wochen darauf ankommen, das Gleichgewicht zwischen festen Routinen und notwendigen Wechseln zu finden.

Kleinigkeiten

Die Bundesliga bleibt eine Liga in der Nuancen über den Ausgang von Partien entscheiden. Gerade die Interpretationen im Nachgang einzelner Partien bleiben spannend. Ich habe gestern an mancher Stelle gelesen, wie enttäuschend der Auftritt des FC Augsburg in Bochum gewesen sei. Das sehe ich nicht so. Bochum ist ein Team, dass versucht einen – ähnlich wie wir selbst – über intensives Spiel aus dem Konzept zu bringen. Das ist ihnen nicht gelungen. Man mag sich als FCA-Fan fragen, warum es bis zur zweiten Halbzeit brauchte, bis der FCA das Heft des Handelns übernahm. Ab dann war es bis zum Bochumer 16er flüssig. Am Ende stand ein höherer xG-Wert auf unserer Seite, genau wie mehr Abschlüsse und Ecken. Die Abschlüsse waren nicht zwingend und der Ausgleich am Ende war glücklich, aber mitnichten unverdient. Bei einem anderen Spielverlauf wäre hier mehr drin gewesen. So heißt es darauf aufbauen und weitermachen. Und eben nicht wieder in Rückstand geraten. Oder unruhig werden. Der FCA ist – wenn er sich nicht irritieren lässt – auf dem Weg zur Stabilität.

Wochenschnipsel

Ein Spiel, bei einem Wetter, in einer Umgebung, von dem man hoffen möchte das es jedes Jahr wieder stattfindet. Keine moderne Arena, weit außerhalb, im Mittelpunkt der Fußball, und mehr Realität geht nicht.

Dazu zwei unterschiedliche Halbzeiten: Der FCA holt spät, aber nicht unverdient einen Punkt. Auch wenn es in der Bilanz eine Steigerung gegenüber der Vorsaison war, vielleicht gelingt dem FCA in der nächsten Spielzeit dann wieder mal ein Sieg gegen Bochum.

Vielleicht klappt es für die Auswärtsfahrer dann auch mal mit der Anreise.  Noch spannender als im Vorjahr, gab es dieses Jahr nur je eine Möglichkeit der sinnvollen Hin- bzw. Rückfahrt. Das Kunststück lag darin, auch aufgrund des Informationsflusses des Beförderungsdienstleisters, und der Summe ausgefallener Fahrten, genau diese zu finden.

Als Lohn dafür dann, ein wenn auch nicht in Sonderwagen bis -zuggröße voller, aber sehr vielfältig, die Struktur des Fereins darstellender, gut mit Augsburgern besetzter Zug.

Nach 20. Spieltagen steht Leipzig mit 36 Punkten auf Platz 5, einen Punkt hinter Platz 4 und könnte sich, nicht nur weil Deutschland wohlmöglich einen fünften Startplatz in diesem Wettbewerb erhält, wieder für die Champions League qualifizieren.

Für mehr wird es in dieser Spielzeit wohl deswegen nicht reichen, da die Abstände zu München und Leverkusen bereits 14 und 15 Punkte betragen – zum gleichen Zeitpunkt in der vergangenen Spielzeit waren es bei gleicher Punktzahl sechs und sieben zu den ersten beiden Plätzen.

Einschließlich dem Nachholspiel unter der Woche und dem letzten Spieltag stehen Darmstadt und Mainz weiter am Tabellenende, während Köln mit dem Heimsieg gegen Frankfurt, nach zuletzt zwei Punkten aus sechs Spielen, ein Lebenszeichen von sich gibt.

Von Platz 14 zu Platz sieben sind es sieben Punkte, und der FCA ist im unteren Teil dieser acht Teams umfassenden Gruppe mit dabei.

Am nächsten Wochenende das Spitzenspiel zwischen Leverkusen und München. Die aktuell wohlmöglich bestspielende Mannschaft der Liga, passend mit dem Sieg im Pokal unter der Woche im Rücken, gegen den Meister der letzten Dekade.

Irgendwann dann auch wieder eine Durchführung der Nations League. Diese Woche die Auslosung in einem Wettbewerb, dessen Modus niemand bisher wirklich interessiert hat, und der nochmal weiter verkompliziert wurde.

Um sich für das neu geschaffene Viertelfinale, eine K-O-Runde mehr geht aufgrund der geringen Teilnehmerzahl kaum, zu qualifizieren, muss sich der Weltranglistensechzehnte zuerst gegen die Niederlande, Bosnien-Herzegowina und Ungarn beweisen.

Neu, zunächst auf Leihbasis beim FCA ist Pep Biel, der in der letzten halben Stunde in Bochum bereits zu seinem ersten Einsatz kam.

Wo steht der FCA nach dem 20. Spieltag, auch im Vergleich zum Beginn der Runde?

Nach sieben Spieltagen mit fünf Punkten und einer Heimniederlage gegen Darmstadt 98 musste Enno Maaßen den FCA verlassen.

Nicht nur durch 12 Punkte aus den nächsten sechs Spielen gelang es Jess Thorup wieder neuen Schwung in den Verein zu bringen und für eine neue Aufbruchstimmung zu sorgen.

Auch wenn die zwischenzeitlichen Auftritte in Bremen und Stuttgart als schwächer gesehen werden hat sich die Mannschaft weiterentwickelt und ist aus dieser Sicht gut in das neue Jahr gestartet.

Noch zu früh um auf eine Punktzahl oder Platzierung zum Ende der Saison zu tippen ist der direkte Vergleich zu den Vorrundenpartien interessant – aktuell sind dies vier Punkte aus drei Spielen. Ausstehend sind noch die Vergleiche gegen Leipzig und Freiburg sowie in Mainz und in Darmstadt.

Am Samstag, 15:30, nun das Spiel gegen Leipzig. In den letzten beiden Heimvergleichen, einmal nach Rückstand und einmal nach klarer Führung, unentschieden gespielt, würde ein Punktgewinn bereits das Erreichen des Vergleichswerts aus der Vorrunde nach drei Spielen mehr bedeuten. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Wichtig: Offensive Freiheiten

Kurz vor Ende der Transferphase im Sommer kam mit Kevin Mbabu ein Spieler für die rechte Seite zum FCA. Die rechte Abwehrseite wurde im Umfeld des Vereins schon vorher als Problemzone identifiziert, ohne dass der FCA früher im Sommer Vollzug hätte vermelden können. Mbabu ist nun für 1 Jahr aus Fulham ausgeliehen und hat ein wenig gebraucht, um in Form zu kommen. Mittlerweile hat er starke Leistungen abgeliefert und es war nun vor dem Spiel gegen Leipzig ein guter Zeitpunkt für ein Zwischenfazit mit Kevin selbst.

Andy: Hallo Kevin, war das Auswärtsspiel in Bochum mit dem Wetter und den Bedingungen vor Ort das härteste Match bisher in dieser Saison?

Kevin: Es war schwer, aber das wussten wir vorher. Bochum ist eines der schwersten Auswärtsspiele. Die Bedingungen waren schwierig und es war sehr zweikampfintensiv mit vielen hohen Bällen. Wir haben alles gegeben und können unter den Umständen mit dem Punkt zufrieden sein.

Andy: Wie sehr nerven diese Rückstände? Ich kann mich spontan nicht erinnern, wann ihr mal nicht in Rückstand geraten seid?

Kevin: Ja, das ist schwierig. Einerseits können wir immer wieder zeigen, dass wir als Mannschaft mit diesen Situationen umgehen können. Andererseits wären wir auch tabellarisch noch erfolgreicher, wenn wir nicht immer in Rückstand geraten würden.

Andy: Und dazu immer wieder Standards. Wie oft trainiert ihr mittlerweile jede Woche Standardverteidigung?

Kevin: Seit Lars Knudsen (der neue Standardtrainer, Anm. d. Red.) hier ist, trainieren wir diese Situationen 2-3mal pro Woche. Er kann jetzt auch nicht schlagartig alles ändern, aber wir sind dran und ich gehe davon aus, dass wir uns hier verbessern werden. Wir lassen ansonsten wenig Chancen zu, daher ist es umso bitterer.

Kevin Mbabu ist ein mittlerweile ein Aktivposten für den FC Augsburg (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

Andy: Offensiv war das nicht ganz so zielstrebig, wie in den Partien zuvor, in denen Du jeweils eine Vorlage beisteuern konntest. Woran lag es, dass die Flanken diesmal nicht angekommen sind?

Kevin: Bochum hat sehr kopfballstarke Innenverteidiger und hat die letzten 25 Minuten auch mit drei Innenverteidigern gespielt. Da war es schwer durchzukommen.

Andy: Nichtsdestotrotz finde ich persönlich, dass Du momentan deine besten Spiele für den FCA bisher spielst. Wie kommt es?

Kevin: Ich habe am Anfang etwas Zeit gebraucht um anzukommen und meine Form zu finden und dann war ich im Verlauf der Hinrunde ja auch kurz verletzt. Seitdem spiele ich aber regelmäßig und wir als Mannschaft finden immer mehr zusammen. Ich glaube auch, dass ich noch nicht am Maximum bin. Den besten Kevin habt ihr noch nicht gesehen.

Andy: Du warst verletzt bei Jess Thorups Einstand. Was hat er seitdem gemacht, das euch als Team vorangebracht hat?

Kevin: Er hat eine sehr offene Art zu kommunizieren und seine Tür ist immer offen. Wir bekommen auch nach jedem Spiel direktes Feedback von ihm. Er hat es so geschafft, dass wir unsere Mentalität wiederfinden und als Team füreinander da sind.

Andy: Für dich hat sich ja auch taktisch etwas geändert, nachdem ihr wieder dauerhaft zur Viererkette zurückgekehrt seid. Eine Umstellung für dich?

Kevin: Das ist mir prinzipiell egal. Ich bin da flexibel genug. Was für mich wichtig ist, dass ich offensiv Freiheiten habe. Ich darf mit Freddy und Ruben die Positionen tauschen, wenn wir in Ballbesitz sind.

Andy: Auch defensiv hat sich etwas geändert. Wie sehen die Veränderungen aus deiner Sicht aus?

Kevin: Wir haben zu viele Gegentore durchs Zentrum kassiert und entsprechend hat der Trainer die Formation angepasst, so dass wir im Zentrum nun stabiler stehen. Wir haben insgesamt zu einer stabileren Struktur gefunden und trainieren im Training auch oft Verteidigung in Unterzahl, um auf diese Situationen im Spiel gut vorbereitet zu sein. Jetzt müssen wir dann aber auch endlich mal zu null spielen.

Andy: Defensiv verteidigt ihr nun auch nicht mehr so Mann-orientiert sondern mehr im Raum. Liegt Dir das mehr?

Kevin: Ja, total. Das ist das, was ich und meine Kollegen den Hauptteil der Profikarriere über gemacht haben und wir kommen damit besser klar. Wir können so auch besser als Kollektiv verteidigen.

Andy: Du scheinst insgesamt gut in Augsburg angekommen zu sein und gerade auch recht zufrieden. Im Winter kamen Gerüchte über einen Wechsel zu Feyenoord Rotterdam auf. Hast Du dich damit überhaupt beschäftigt?

Kevin: Für mich war es kein Thema im Winter zu wechseln. Eine Leihe gegen eine andere zu tauschen hat mich überhaupt nicht interessiert. Mit Jure war klar abgesprochen, dass wir ein 1 Jahres-Projekt zusammen haben, damit ich wieder Spielpraxis sammeln und in Form kommen kann.

Andy: Was sind nun deine Ziele mit dem FCA und persönlich bis zum Rest der Saison?

Kevin:  Wir setzen uns ambitionierte Ziele, um das Maximum aus uns herauszuholen. Ich selbst will weiter gute Leistungen abliefern und noch 4-5 Assists sammeln. Und im Sommer dann mit der Nationalmannschaft zur EM.

Andy: Danke Kevin für die vielen aufschlussreichen Einblicke und viel Erfolg bei der Zielerreichung.

Ausgeglichen

Viel wurde vor dem Spiel in Bochum geredet über die Wichtigkeit der Partie. “Big Points” gab es in Bochum zu holen, mal wieder 3 an der Zahl für den Gewinner der Partie. Alles in allem war der Vergleich mit dem VfL damit auch nichts anderes als eine stinknormale Bundesligapartie, gerade wo beide Teams ordentlich Abstand zu den Abstiegsrängen haben und nicht direkt durch ein schlechtes Ergebnis in die Gefahrenzone rutschen.

Für den FCA war die Partie dann doch wegweisend, weil man aus den Partien gegen Leverkusen und Bayern nur bedingt schlau wird. Zu gut war der Gegner (Leverkusen), zu speziell die Umstände (Bayern). Gerade auswärts tat sich der FCA bisher in dieser Saison immer schwer, auch in den Partien, die er schlussendlich gewann. Das sollte auch gegen Bochum so bleiben. Die Tabelle lügt zu diesem Zeitpunkt der Saison nicht mehr, die Teams waren auf Augenhöhe und Kleinigkeiten drückten dem Spiel ihren Stempel auf. Am Ende trennte man sich in diesem schwierigen Auswärtsspiel 1:1 und der FCA reiste mit erhobenem Kopf zurück nach Augsburg. Ein paar Themen, über die sich das Trainerteam den Kopf zerbrechen darf, nimmt er aber mit nach Hause:

Der Standard

Es ist ja klar: Wenn Du im Winter einen Standard-Trainer verpflichtest und ab diesem Moment ständig Standard-Tore kassierst, dann wird über Standards gesprochen. Der FCA hat mal wieder nicht zu null gespielt, weil er ein Standard-Gegentor kassierte. Nach einer Ecke. Neuigkeit, oh Neuigkeit. Der Bochumer Stürmer war nach dem missglückten Abwehrversuch von Demirovic (jeder darf einmal) so blank, dass er im Augsburger Sechzehner unbedrängt den Seitfallzieher auspacken und die Pille versenken konnte. Schönes Tor auf Einladung des FCA.

Nun hat Jess Thorup eine Stammelf, das Gegentor fiel erneut in der ersten Hälfte und Automatismen sollten langsam an der ein oder anderen Stelle greifen. Hier nicht. Es machte die Sache dann auch nicht besser, dass der FCA hierdurch mal wieder einem Rückstand hinterherlaufen musste (wann eigentlich zuletzt nicht?). So wird es schwierig auswärts zu überzeugen. Und all das nur, weil ganz grundsätzliche Dinge nicht funktionieren. Meine Hoffnungen liegen auf Lars Knudsen, dem ich nach seinem Wechsel nach Augsburg noch etwas mehr Zeit gebe, um Ergebnisse zu liefern. Wer hätte gedacht, dass ein Standardtrainer der wichtigste Neuzugang des Winters sein könnte?

Harmlosigkeit

Der FC Augsburg der ersten Hälfte in Bochum war danach auch einer der Harmlosigkeit. Die Mannschaft fand keinen richtigen Zug zum Tor und war höchst ungefährlich. Im Quervergleich erinnerte die Partie damit sehr an das Aufeinandertreffen mit Borussia Mönchengladbach. Auch dort kassierte man in der ersten Hälfte ein Gegentor. Auch dort war man ansonsten in Halbzeit 1 ungefährlich.

Spitz auf Knopf. Das war eine ausgeglichene Partie gegen Bochum. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Beim FC Augsburg wirft das Fragen auf. Warum findet man in Halbzeit 1 nicht besser ins Spiel? Eventuell sollte Jess Thorup mehr rotieren und einen formstarken Spieler von der Bank bringen, der den ein oder anderen Impuls setzen kann. Nach der Partie gegen Bochum könnte ich mir vorstellen, dass Arne Maier bald mal eine Chance von Beginn an erhält, weil sein Pfostenschuss und der Abschluss, der zum Elfmeter führte, mit am meisten Gefahr in der Schlussphase nach sich zogen. Insgesamt hat Jess Thorup die Aufgabe, zu rechtfertigen, wie das Team so harmlos sein kann, wo er so viele qualitativ hochwertige Optionen im Kader hat. Wir werden sehen, wie er dieses Thema in den nächsten Partien angeht.

Momentum

Auch die zweite Hälfte hatte dann Ähnlichkeit mit dem Spiel in Gladbach. Thorup ist in der Lage über Anpassungen dafür zu sorgen, dass sein Team die Oberhand gewinnt. Am Ende des Tages verbuchte der FCA mehr Ballbesitz, einen höheren xG-Wert und mehr Schüsse als die Bochumer. Warum das erst ab Halbzeit 2 so richtig fruchtete bleibt ein Mysterium.

Thomas Letsch, dem Bochumer Trainer, ist dann im Verlauf der zweiten Halbzeit nichts besseres eingefallen als mit seinen Wechseln ein ums andere Mal die eigene Defensive zu stärken. Letsch gestand seinen Fehler nach dem Spiel ein, indem er sagte: “Ich habe es verbockt.” Sich hinten einzumauern kostet in der Bundesliga regelmäßig Punkte und ist nun auch in Bochum angekommen. Ein Kompliment an Thorup, mit seinen Umstellungen Letsch an diesen Punkt gebracht zu haben. Nicht vorenthalten will ich an dieser Stelle, dass Letsch auch einfach Pech hatte. Seine Spieler nutzen zwei Konterchancen nicht aus und hätten die Partie entscheiden können.

Verdient

Am Ende des Tages ist das Unentschieden für alle Parteien das verdiente Ergebnis, genau wie auch der Elfmeter berechtigt und Demirovic überzeugend verwandelt hat. Jedes Team konnte der Partie eine Halbzeit lang seinen Stempel aufdrücken, Bochum ist ein stabiles Erstliga-Team, gegen das es vor allem auswärts schwer zu bestehen ist.

Für den FCA bleibt es mit diesem Ergebnis auch leicht die Ruhe zu bewahren. Das Team hat wieder einmal gezeigt, dass es über die volle Spielzeit nicht aufsteckt. Man sieht insgesamt klar die Handschrift des Trainers. Der hat eigentlich nur eine wichtige Aufgabe: In der ersten Halbzeit so zu starten wie meist dann erst in der zweiten. Und schon wird sich der Rest ergeben.

Stadionerlebnisse

Auch im dritten Pflichtspiel des Jahres gegen München zeigt der FCA von seiner spielerischen Entwicklung. Dafür ist nicht das gegnerische Team oder dessen Form entscheidend, sondern der eigene Auftritt. Dieser lässt sich auch anhand der vergleichenden Spieldaten erkennen. Mit etwas Glück wäre auch ein Unentschieden möglich gewesen. Wichtiger aber das Gesamtbild als Mannschaft, das weiter Hoffnung erweckt.

Mit seinem zehnten Treffer steht Ermedin Demirović nun auf dem geteilten fünften Platz der Torjägerliste.

Das dritte Jahr spielt der VfL nun wieder in der Bundesliga. Nach den Plätzen 13 und 14 in den vergangenen Spielzeiten, jeweils vor Augsburg, steht auch dieses Jahr der Klassenerhalt im Vordergrund.

Nach fünf Punkten vorher gelang den Bochumern erst am 10. Spieltag der erste Dreier in Darmstadt. In den nachfolgenden Spielen punktete der VfL sehr konstant und liegt, einen Punkt hinter Augsburg, mit acht Punkten vor dem Relegationsplatz. Dazu trug neben dem Auswärtspunkt in Leipzig auch die Heimstärke, mit zuletzt neun Punkten aus den letzten sechs Spielen, bei.

Nicht mehr ganz symmetrisch spricht die Bilanz gegen den FCA mittlerweile für die Bochumer: Während die Zweitligavergleiche wechselseitig auswärts gewonnen wurden sind es in der Bundesliga drei Niederlagen, ein Unentschieden und ein Sieg aus Augsburger Sicht.

Der Blick in die Liga zum 20. Spieltag: Zweikampf an der Spitze, dahinter ein Dreikampf, an den Frankfurt Anschluss sucht, und darauffolgend acht Mannschaften auf acht Punkten zusammen. Dazwischen Union, nächste Woche noch das Nachholspiel in Mainz, und drei Teams punktgleich am Tabellenende.

Aber es ist auch erst der 20. Spieltag. So hatte etwa der FSV Mainz, in der Saison 2020/ 21, die auf Platz 12 abschlossen wurde, nur 10 Punkte, einen weniger als aktuell, nach dem 19. Spieltag.

Seit 1985 wird das DFB-Pokalfinale in Berlin ausgetragen. Und wieder wird es für die Hertha, deren Zweitvertretung 1993 dort im Endspiel war, nichts mit dem Traum einer Teilnahme. In der ersten Woche der Viertelfinalspiele kommen mit Fortuna Düsseldorf und dem 1. FC Kaiserslautern zwei Mannschaften ins Halbfinale, die in zusammen 12 Pokalfinale je zweimal den Titel gewinnen konnten, die Pfälzer immer in Berlin.

Nächste Woche dann die Aufeinandertreffen von Saarbrücken gegen Mönchengladbach, dreimaliger DFB-Pokal-Sieger, und von Leverkusen, ein entsprechender Titel, gegen Stuttgart, dreifacher Gewinner – beide konnten bereits einmal in Berlin diesen Erfolg erreichen.

Was macht allgemein das gemeinsame Stadionerlebnis auch aus? Ein eigenes Ritual, das zumeist viel früher und teilweise unterschiedlich beginnt. Zunächst einzeln, dann mit immer mehr Leuten am Treffpunkt auf dem Weg zum Stadion.

Vielleicht der eine oder andere Halt und weiteres Zuströmen von Personen. Auch wenn nicht alle die engsten Freunde sind wächst ein Gefühl von Zusammengehörigkeit auf dem Weg mit der Bahn Richtung Stadion.

Weitere Gespräche auf den letzten Metern, der Eingang und der Weg zum jeweiligen Block. Bereits vor dem Spiel ein Gefühl des Ankommens und von Vertrautheit. Viele bekannte Gesichter, Menschen mit denen mitunter mehr gemeinsam verbrachte Zeit und Übereinkunft besteht als mit manchen Familienangehörigen.

Auch während des Spiels wiederkehrende Situationen, Gespräche, Zwischenrufe und Anmerkungen – eine Euphonie akustischer Wahrnehmungen. Auch unabhängig des Verlaufs auf dem Platz eine eigene Form gemeinschaftlichen Erlebens.

Eine eigene große Familie, wie die verbundene Trauer, wenn wieder ein Platz leerbleiben wird. Jeder ist und bleibt immer Teil dieser Gemeinschaft. Stadionerlebnis heißt auch aneinander denken, zusammenstehen und niemanden vergessen.

Auch vor dem Heimspiel gegen Leipzig gilt es wieder auswärts Punkte zu holen. Aufbauend auf den letzten Leistungen ist auch am kommenden Samstag an der Castroper Straße alles möglich. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Europa oder Abstiegskampf?

Wo landet der FC Augsburg am Ende der Saison? Aktuell ist diese Frage sehr schwierig zu beantworten. Ist doch nicht mal klar, wo der FCA momentan steht. Rein nüchtern betrachtet: 21 Punkte, Platz 13. Tabellenmittelfeld. Nur: Was ist diese Platzierung wert? Steckt der FCA im Abstiegskampf oder darf man schon (leicht) nach oben schauen? Diese Antwort ist gar nicht so leicht zu beantworten.

Einerseits hat die Thorup-Elf komfortable neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 und nur vier Zähler Rückstand auf Rang acht, der diese Saison für Europa reichen könnte. Denn die beiden europäisch besten Länder erhalten einen zusätzlichen Champions-League-Startplatz – plus die zwei Plätze für die Europa League & Conference League. Derzeit liegen Italien und Deutschland vorn. Laut aktueller Bundesligatabelle wären damit die achtplatzierten Hoffenheimer in der Conference-League-Quali.

Andererseits hat der FCA tatsächlich genau so viele Punkte auf dem Konto als zum selben Zeitpunkt der Vorsaison. Und da war es bis in die letzten Minuten der Saison unklar, ob es für den Klassenerhalt reicht. Es ist immer noch surreal, dass es die aktuell so brillant aufspielenden Stuttgarter nicht geschafft haben, zu Hause die schon geretteten Hoffenheimer zu schlagen.

Die Vier-Klassen-Bundesliga

Um die Leistung des FCA ein bisschen einzuordnen, lohnt der Blick auf die Konkurrenz. Die Bundesliga ist zurzeit eine Vier-Klassen-Gesellschaft, die sich wie folgt zusammensetzt.

  • 1. Die Titelkandidaten: Leverkusen, Bayern
  • 2. Die Europaanwärter: Stuttgart, Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Freiburg
  • 3. Das Mittelfeld: Hoffenheim, Bremen, Heidenheim, Wolfsburg, Gladbach, Augsburg, Bochum, Union Berlin
  • 4. Die Kellerkinder: Köln, Mainz, Darmstadt

Die Grenzen sind fließend. Union Berlin blickt freilich eher gen Keller als Hoffenheim. So oder so liegen im Mittelfeld zwischen Platz 9 und 14 nur drei Punkte. Einige dieser Mittelfeldteams orientieren sich eher am Abstiegskampf. Für Bremen, Heidenheim, Bochum und den FCA geht es gewiss erst mal um den Klassenerhalt. Mit dem wollen Gladbach, Hoffenheim und Wolfsburg eigentlich gar nichts zu tun haben, sie schielen auf die europäischen Plätze. Diese hatte Union die letzten Jahre im Dauerabo, da wirkt Abstiegskampf fern.

Gegen Mittelfeldkonkurrent Gladbach gab es zuletzt einen Sieg: Phillip Tietz köpft zum zwischenzeitlichen Ausgleich. (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Wegweisende Partie in Bochum

Nun geht es für den FCA nach Bochum. Eine Mannschaft, die ich vor der Saison klar zu den Abstiegskandidaten gezählt habe. Und die für mich auch noch nicht wirklich raus ist aus dem Abstiegskampf. Aber: Ist das der FC Augsburg? Das Spiel in Bochum ist bei dieser Frage ein wegweisendes. Ein Sieg gegen den VfL und man darf träumen. Vom Klassenerhalt. Von einer entspannten Saison. Oder von mehr. Eine Niederlage und man sollte gar nicht erst anfangen, von mehr zu reden.

Das schöne dabei: Der FCA hat es selbst in der Hand, was das diesmal für eine Saison wird. Passend dazu hat RoGaz-Kollege Andy fünf Faktoren für eine spaßige Rückrunde ausgemacht.

5 Faktoren für Spaß beim FCA

Die Kurve zeigt beim FC Augsburg nach oben. Ja, gegen Leverkusen und auch vor der Winterpause in Stuttgart hat man verloren. Gegen Gladbach konnte man aber schon wieder in die Erfolgsspur zurückkehren und die Gladbacher waren vor der Partie nun nicht zu unterschätzen. Auch gegen die Bayern reichte es am letzten Spieltag nicht für Punkte. Am Bayern-Spiel könnte ich mich auch zwei Tage danach noch abarbeiten. Bringen wird es allerdings wenig. Meine Unzufriedenheit mit dem VAR habe ich schon deutlich kundgetan und sogar damals schon auch zu Abseitssituationen und dem VAR Stellung bezogen. Wie der kicker Christian Dingert die Note 3,5 geben kann, nachdem der Schiedsrichter in 3 entscheidenden Situationen auf dem Feld falsch entschieden hatte und das Spiel durch die VAR-Unterbrechungen mehr zerstückelt wurde als durch demonstrierende Ultras geht mir nicht in den Kopf. Wir sollten uns nun von dem einen Ergebnis und dem fehlenden Spielglück nicht ablenken lassen: Insgesamt ist die Bilanz von Jess Thorup eine Positive.

Mittlerweile scheint der FCA wieder vermehrt in den Fokus zu rücken, auch bei denen die ihn nicht sowieso schon auf dem Schirm hatten. Von Überraschung kann da keine Rede mehr sein. Die Gegner wissen nun schon, auf was sie sich einstellen müssen. Selbst Manuel Baum, ehemals FCA-Cheftrainer und nun dem Geld der Dosen erlegen, hat in seinem Youtube-Kanal über den FCA gesprochen. Mei, selbst die Augsburger Grantler hatten vor der Partie gegen die Bayern – nicht nur auf Grund der vielen Münchner Ausfälle, sondern auch im Glauben an die eigene Stärke – ein gutes Gefühl. Aber wie wird denn nun aus diesem guten Gefühl ein spaßige Rückrunde. 5 entscheidende Faktoren werden hierfür sein:

I. Auswärts überzeugen

Außer den Spielen in Heidenheim und Gladbach hat die große Freude auswärts bisher gefehlt. Jetzt stehen die Spiele gegen Bochum, Mainz und Darmstadt an. Es wird Zeit, auswärts eine Serie zu starten und gegen Gegner, die sich momentan nicht auf Augenhöhe bewegen, auswärts dann auch zu gewinnen. Ja, scheiß auf Zurückhaltung.

Superstar Demirovic wird hoffentlich weiter netzen. Die Mannschaft ist auf ihn angewiesen. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)

II. Verletzungsfrei bleiben

Glück wird auch mit dazu gehören. Der FCA blieb in dieser Saison von schwereren Verletzungen bisher verschont. Gerade den ein oder anderen Leistungsträger könnte der FCA nur schwer ersetzen, z.B. auf Ermedin Demirovic könnte der Club kaum verzichten. Gerade auch die Situation, dass sich mehrere Verletzungen ballen, mag ich mir nicht vorstellen. Toi, toi, toi.

III. Gleichgewicht beibehalten

Zu null hat der FCA noch nicht gespielt. Defensiv stabil steht er aber trotzdem. Ein Standardgegentor gegen Gladbach, ein Gegentreffer gegen Leverkusen. In beiden Partien grundsätzlich sehr überzeugend gegen den Ball gearbeitet. Wichtig war dann gegen Gladbach und die Bayern, dass auch offensiv sehr gute Ansätze da waren, die auch zu Toren führten. Offensive Qualität abzurufen und die Defensive nicht zu vernachlässigen, wird das Rezept für den Erfolg sein.

IV. Nicht aus der Bahn werfen lassen

Und dann wird es trotzdem schlechte Spiele und Niederlagen geben. Vielleicht auch am Stück. Hier hat es die Mannschaft bisher gut geschafft, sich sowohl von Niederlagen und als auch Rückständen nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Wenn sie das beibehält, dann wird sie auch weiterhin immer wieder in die Erfolgsspur zurückfinden und für Spaß sorgen. Und auch ein Spieler wie Sven Michel wird seinen Beitrag leisten. Kopf hoch, Sven, das nächste Mal kommt bestimmt.

Siegtore sind grandios. Siegtore sind unbezahlbar. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

V. Go for Glory

Das “Offensive Mindset” hat Jess Thorup direkt nach seiner Ankunft ausgerufen. Gegen Union Berlin wollte er sich dem Schlusspfiff entgegen mauern. In der Saison, die zur Euro League führte, hatten wir zu diesem Zeitpunkt in der Saison noch nicht einmal Unentschieden gespielt. Scheiß auf Unentschieden. Lasst uns auf Siege setzen!

Für mehr als einen guten Mittelfeldplatz wird es in dieser Saison trotzdem wohl nicht reichen. Zu viele Punkte haben wir in der ersten Phase der Saison liegen gelassen. Zu sehr waren wir auch zwischendurch darauf bedacht, lieber nicht zu verlieren, als auf Sieg zu gehen. Aber trotzdem wird das in dieser Saison wohl keine gefährliche Saison mehr werden. Zu gut steht der FCA schlichtweg da.

Was wichtig bleiben wird: den Fokus nicht zu verlieren, gerade wenn man sich im Niemandsland der Tabelle befindet. Jedes Spiel mit Leidenschaft, Dankbarkeit und Spaß anzugehen. Sich und der Liga immer und immer wieder zu beweisen, wie gut man ist. Nicht locker zu lassen. Denn auch klar: gerade ohne die Augsburger Grundtugend der Intensität wird es niemals gehen. Aber wenn, dann habe ich so viel Bock wie auf eine Rückrunde, wie schon lange nicht mehr. Der Hype ist real. Heja FCA!

Kulturen

Der FCA kann auswärts und gewinnt das erste Auswärtsspiel zwischen den Heimvergleichen gegen Leverkusen, München und Leipzig. Auch vom zwischenzeitlichen Rückstand ließ sich die Mannschaft nicht irritieren.

Aktuell sind es nun zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Und der letzte Auftritt an gleicher Stätte rückt dadurch etwas in den Hintergrund.

37 Punkte hatte Bayern München als Spitzenreiter nach dem 18. Spieltag der vergangenen Saison. Es wurden bei sieben Unentschieden zehn Spiele gewonnen. 44 Punkte sind es aktuell, als Tabellenzweiter, erreicht auch durch 14 Siege. Und doch ein leicht ansteigendes Gefühl, das es nach mehr als einer Dekade vielleicht doch noch einer Mannschaft gelingen könnte dieses nicht wirkliche Déjà-vu zu durchbrechen.

In zwei Wochen der Direktvergleich beim aktuellen Tabellenführer. Vielleicht lassen sich dann schon ein wenig mehr Schlüsse über einen anderen Verlauf dieser Saison ziehen.

Leverkusen gewinnt das zweite Spiel in Folge in der Nachspielzeit. Nach der Heimniederlage von München gegen Bremen lässt sich zunächst erst einmal annehmen, dass die Meisterschaft dieses Jahr nicht so frühzeitig entschieden ist. Oder vielleicht doch – aber eben nicht in der Form wie in manchen der letzten zehn Jahre.

Dortmund schließt auf Leipzig auf, und Stuttgart verliert das zweite Spiel in Folge. Also, vier Punkte beträgt der Abstand zwischen Platz 1 und 2 und 1 Punkt zwischen Platz 3 und 5.

Auf den letzten drei Plätzen stehen punktgleich Mainz, Köln und Darmstadt, 3 Punkte davor Union. Zwischen Platz 14 und 5 acht Punkte Abstand und verschiedene Möglichkeiten. Vielleicht gewinnt die Bundesliga sportlich auch hinzu, wenn in allen Tabellenregionen möglichst lange Spannung vorherrscht.

Noch bis zum 02.02. ist das Transferfenster geöffnet. Neben verschiedenen Ausleihen kommt zunächst bis zum Saisonende auf Leihbasis Kristijan Jakić von Eintracht Frankfurt nach Augsburg.

Sehr wichtig aber auch die Vertragsverlängerung mit dem noch aktiven FCA-Spieler, der die meisten Bundesligaeinsätze für den Verein hat. 210 Einsätze hat Jeffrey Gouweleeuw bisher und könnte theoretisch in den nächsten zwei Jahren auch noch an Daniel Baier vorbeiziehen.

Die Frage nach der gesellschaftlichen Bedeutung von Fußball darf und sollte genauso wie die nach den unterschiedlichen Formen von Fußballkultur immer wieder gestellt werden.  Dabei ging es nie darum Kommendes per se abzulehnen. Auch wenn verschiedene Entwicklungen im Fußball es schon länger nicht einfach machten sich über alles immer zu freuen.

Das Stadion als gesellschaftlicher Querschnitt bietet Platz für die unterschiedlichsten Ansichten und Möglichkeiten des Austauschs über das Spiel, Zusammenhänge oder Entwicklungen. Auch dies ist Teil eines Stadionerlebnisses, das auch davon lebt, dass es so ganz unterschiedlich empfunden werden kann.

In den meisten Bereichen des Stadions besteht im Gegensatz zu anderen Lebensbereichen eine eigene Form von Gleichberechtigung, die für alle gilt. Es gibt einen gemeinsamen Nenner – zumeist bestehend aus dem Spiel und dem eigenen Verein. Die Wahrheit liegt irgendwie gefühlt immer auch auf den Rängen.

Dies sollte auch weiterhin so bleiben und Raum für alle bieten die die Werte des eigenen Vereins, das gesellschaftliche Miteinander und gemeinschaftliche Verantwortung als Chance sehen.

Ausgrenzung und Diskriminierung, und darauf aufbauende Organisationen haben im Stadion keinen Raum. Fußball ist nicht nur auf dem Platz gelebte Vielfalt.

Das Spiel am Samstagsnachmittag ist eines bei dem der FCA nur gewinnen kann. Und wenn es wirklich so gewesen sein sollte, das München immer nur dann in Augsburg verloren hat, wenn die Meisterschaft schon feststand, was passiert dann in einem Jahr, in dem die Meisterschale wohlmöglich tatsächlich an einen anderen Verein geht? Es wäre das Triple – drei Ligaheimspielerfolge in Serie. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Von Gladbach nach Gladbach

Wer hier schon länger mitliest, die weiß, dass Auswärtsfahrten nach Gladbach meine persönliche Nemesis sind. Ja, der FCA hat schon in Gladbach gewonnen. Ich habe gelesen, das dies zuletzt – vor dem gestrigen Tag – in 2015 der Fall war und es würde mich nicht wundern, wenn es so lange her war. Ich war nicht bei jedem Auswärtsspiel in Gladbach, aber oft genug. Es lief meist scheiße. Ich habe Koubeks Slapstickgegentor in Gladbach genauso live gesehen, wie den verkackten Saisonabschluss in der letzten Saison.

Ich kann es trotzdem nicht lassen nach Gladbach zu fahren. Gestern war ich dort mit einem meiner besten Freunde und meine Anmoderation war sinngemäß: Genieß den Apfelpfannkuchen vorher, danach wird es meist schlechter. Die Apfelpfannkuchen sind wirklich gut. Gestern waren sie nicht das alleinige Highlight.

Auf Augenhöhe?

Rein aus sportlicher Sicht – und ohne näher darauf eingehen zu wollen, warum ich mich mit diesen Auswärtsspielen oftmals gequält habe – halte ich die Spiele gegen Gladbach grundsätzlich für spannend. Die Borussia (die im Gegensatz zur anderen Borussia aus Dortmund unter borussia.de zu finden ist) ist ein Club, der auch darauf angewiesen ist, dass gut gearbeitet wird und ansonsten in Nöte gerät. Damit gehört der Club nicht mehr in die Riege um den FCB, BVBV, RBL oder auch Leverkusen. Es steckt kein Großkonzern dahinter und Champions League passiert nur selten.

Für den FCA ist Gladbach, ein großer Traditionsverein mit irrem Einzugsgebiet aber ohne Investoren im Hintergrund, damit so etwas wie der Club, der aufzeigt, wie gut es maximal werden kann. Wenn es beim FCA in den nächsten Jahrzehnten überaus positiv verläuft, dann ist eine Entwicklung in Richtung des Gladbacher Status das Maximale der Gefühle.

Demirovic mit Feuer. (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Entwicklung

Als ich in der letzten Woche geschrieben hatte, warum ich das Spiel gegen Leverkusen für nicht so wichtig erachtet hatte, wollte ich die Bedeutung des Auswärtsspiels in Gladbach nicht überhöhen. Einerseits war es für mich persönlich wichtig. Nemesis, kalte Füße, persönliches Wohlbefinden, etc. Andererseits hatte ich beschlossen das Spiel als den ultimativen Gradmesser für die Entwicklung seit dem letzten Auswärtsspiel in Gladbach heranzuziehen. Wie gut ist das Team von Jess Thorup wirklich geworden? Unter Enno Maaßen hatte man hier noch richtig verkackt.

Und auch diesmal lief nicht alles positiv. Ja, der FCA fängt sich immer noch unglückliche Gegentore nach Standards. Ja, man war in der ersten Halbzeit zu harmlos. Touché. Auf der anderen Seite hat das Team sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen. Gladbach hatte zwar Abschlusschancen, aber keine hochkarätigen und die Gladbacher Offensivbemühungen wirkten auch genau so: bemüht. Derweil der FCA die Offensive nicht opferte und mit schönen Kombinationen Tore erzielen konnte. Aus dem Spiel heraus. Dabei hat man sich auch durch den zwischenzeitlichen Rückstand nicht nachhaltig aus der Ruhe bringen lassen, sondern zurück zum eigenen Konzept gefunden. Beeindruckend war zu sehen, wie man weiter mit gut abgestimmten Offensivpressing die Gladbacher vor Probleme stellte und nicht nur mehr lief als die Gladbacher, sondern auch mehr erfolgreiche Dribblings und Ecken hatte. Der FCA war die bessere Mannschaft an diesem Tag. Es ist ganz klar eine Entwicklung zu erkennen.

Auswärts: auf dem Weg zu Konstanz?

Andererseits, neben der Entwicklung vom letzten Auswärtsspiel in Gladbach zu diesem nun, war es für den FCA wichtig, die sportlichen Möglichkeiten auch auswärts verwirklichen zu können. Wenn die Gegner zu Hause Bayern und Leipzig und nun auswärts Bochum und Mainz sind, wird sich in den nächsten Wochen der weitere Weg der FCA in den Auswärtsspielen zeigen. Die Darbietungen zuletzt mit den Niederlagen in Bremen und Stuttgart bereiteten mir da schon einige Sorgen.

Kevin Mbabu stach aus einer guten Augsburger Mannschaft hervor. (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Auch in Gladbach sah es wieder so aus, als ob sich der FCA durch ein Gegentor aus dem Tritt bringen lassen würde. Auch in Gladbach ist die Kulisse eindrucksvoll und einschüchternd. Aber Thorup fand wohl gerade in der Halbzeit die richtigen Worte und die Mannschaft konnte die Partie drehen. Gladbach kam in Umschaltsituationen, aber der FCA konnte diese begrenzen. Und auch offensiv gab es immer wieder gute Ansätze. Das hatte gestern nichts mit Mauern und Lucky Punch zu tun. Das war so gewollt und gut umgesetzt. Und das brauchen wir jetzt auswärts öfters.

Intensität, Gleichgewicht und Klasse

Wie kann man als FCA-Fan an diesem Montag nicht positiv gestimmt sein? Der Lieblingsclub konnte gegen Gladbach viel von dem zusammen zeigen, was man beim FCA gerade auswärts oftmals vermisst hat. Einerseits passte die Intensität des Teams. Philipp Tietz’ Kopfball zum 1:1 mag ich hier hervorheben. Geiler Typ. Andererseits hat die Mannschaft des FCA das Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive mittlerweile gut gefunden. Mit verantwortlich war gestern hierfür Elvis Rexhbecaj, der sich sehr gut sehr lange nah an der gelb-roten Karte bewegte, aber die Kontrolle über sein eigenes Schicksal und das Spiel behielt. Und wenn ich Ermedin Demirovic in der ersten Reihe anpressen und das Pressing steuern sehe, spüre ich Liebe. Zu Intensität und Gleichgewicht kommt Klasse dazu. Alles drei verkörperte Kevin Mbabu gestern perfekt. Klasse ist dann eben auch, wenn Du in der 90+4. Minute deinen Gegenspieler anwirfst, um eine Ecke zu ziehen, nachdem Du den ganzen Tage deine Seite beackert und ein Tor vorbereitet hast. Deckel drauf auf eine perfekte Auswärtsfahrt.

Ich bin froh, dass mit dem Sieg in Gladbach in der Rückrunde gar nicht erst eine negative Dynamik aufkommt. Dies hätte durch die Konstellation mit dem anstehenden Heimspiel gegen die Bayern schnell der Fall sein können. Dieser Sieg war damit umso wichtiger für die Gesamtkonstellation und ist wie der Sieg in Heidenheim ein Stützpfeiler für einen hoffentlich weiterhin positiven Saisonverlauf. Die Hoffnung hatte ich ja schon vorher. Jetzt kann man in Ruhe versuchen, die Bayern zu ärgern. Hauptsächlich geht es aber darum, in Ruhe weiter zu arbeiten und diese Momente des Erfolgs auch mal zu genießen und das Selbstvertrauen darauf mitzunehmen. Zumindest werde ich das diese Woche erstmal tun. Geiler FCA!

Erneut voller Hoffnung

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist Anfang 2024, das erste Testspiel ist gewonnen und ich freue mich schon wieder auf die nächsten Pflichtspiele. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade die erste Auswärtsfahrt des Jahres mit einem Freund geplant habe. Vielleicht liegt es aber auch am FCA, der in 2024 richtig durchstarten könnte. Ja, hier spricht der naive Fußballfan, der schon wieder verdrängt hat, wie wir auswärts teilweise versohlt wurden. Ich glaube aber auch, dass meine Hoffnungen für den FCA in 2024 begründbar sind.

Die Ausgangslage

Nach 16 Spielen hat der FCA 18 Punkte auf dem Konto und steht auf dem 11. Platz der Tabelle. In der letzten Saison unter Enno Maaßen, in die wir mit vielen positiven Aussichten gingen, hatten wir zu diesem Zeitpunkt 3 Punkte weniger. Weinzierl hatte davor auch weniger Punkte auf dem Konto. Derweil wir unter Heiko Herrlich mit einem Punkt mehr da standen.

Die Ausgangslage ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie selten, derweil Jess Thorup nicht bei allen Spielen an der Seitenlinie stand. Man könnte jetzt mit Jess’ Punkteschnitt prognostizieren, wo der FCA landen könnte als auch wie gut wir stehen könnten, wenn mir direkt mit Jess gestartet wären. Es ist müßig. Festhalten können wir derweil, dass der FCA zu diesem Zeitpunkt so gut dasteht, wie schon lange nicht.

Sportliches Konzept in Umsetzung

Warum sollte es unter Jess Thorup noch besser werden? Der FCA befindet sich mit seinem sportlichen Konzept mitten in der Umsetzung. Thorup hat jetzt die erste Vorbereitung mit der Mannschaft (auch wenn es eine kurze ist). Er hat zum ersten Mal länger am Stück Zeit mit der Mannschaft an sportlichen Inhalten zu arbeiten, ohne dass ein Teil des Teams bei den Nationalmannschaften verweilt. Dies wird man auf dem Platz erkennen können, hoffentlich mit positivem Ausgang.

Zusammen mit Marinko Jurendic kann Jess Thorup zum ersten Mal den Kader beeinflussen. Einerseits werden die beiden entscheiden müssen, welche Spieler abgegeben werden. Der Kader ist schlicht zu groß und gerade Jurendic muss hier Hausaufgaben erledigen, damit im Frühjahr keine Unruhe aufkommt. Andererseits wird es darauf ankommen 1-2 Spieler als Katalysatoren zu verpflichten, die es der ganzen Mannschaft erlauben, auf ein anderes Level zu kommen. Hier wird es spannend zu sehen, wen die beiden eventuell aus dem Hut zaubern können, denn auch für Jurendic ist es die erste komplette Transferphase in Augsburg. Ich sehe die Chancen, die in dieser Situation liegen, mehr als die Risiken. Stefan Reuters Ansätze im sportlichen Bereich schienen sich etwas abgenutzt zu haben und ich freue mich auf die neuen Impulse.

Top Typen, die gemeinsam Spaß haben und Erfolge feiern. Hier mit zu fiebern macht wieder mehr Spaß. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Gerüst und Charaktere

Was den beiden zu Gute kommt: am Kader muss zwar nachgearbeitet werden, aber sie übernehmen eine positive Grundsituation aus zweierlei Perspektiven. Einerseits steht das Gerüst des Teams für die Rückrunde. Mit Dahmen im Tor hat der FCA einen Spitzenkeeper im Sommer verpflichtet (sportlich und auch als Typ), Gouweleeuw und Uduokhai sind davor solide Bundesliga-Innenverteidiger, auf die man sich grundsätzlich verlassen kann, mit Dorsch und Rexhbecaj im Mittelfeld davor ist man gegen den Ball sehr gut aufgestellt und mit Demirovic hat man einen Top-Star im Sturmzentrum, der immer für eine Torbeteiligung gut ist. Mit einer solchen Achse im Team wird man weiter Punkte holen.

Neben dem Gerüst hat der FCA mittlerweile wieder auch eine Reihe von Spielern im Kader, die ich als Typen sehr mag. Ich habe Elvis Rexhbecaj sehr dafür ins Herz geschlossen, wir er am letzten Spieltag in Gladbach in die Kurve kam. Ich sympathisiere total mit der dankbaren und positiven Art von Philipp Tietz, der sich auf dem Fußballplatz für nichts zu schade ist und seine Erfolgsmomente in der Hinrunde sehr gut einzuordnen weiß. Und auch Mads Pedersen und Freddy Jensen passen schlicht gut nach Augsburg und ich freue mich über ihre tolle Hinrunde. Letztendlich ist es eine Weile her, dass einem so schnell so viele Spieler einfallen, die einem positiv im Gedächtnis bleiben. Und seit langem überlege ich mir wieder, ein Trikot beflocken zu lassen. Auch darauf kann der FCA sportlich aufbauen. Dieses Team von seiner Grundsubstanz wird sich auch durch 1-2 schlechtere Spieler – zumindest meiner Meinung nach – nicht grundsätzlich erschüttern lassen.

Ausblick

Denn genau darum wird es gehen. Auch die schlechteren Phasen akzeptieren und schnell abhaken zu können. Ted Lasso würde sagen: “ein Goldfisch zu sein”. Dann schlummert im FC Augsburg in 2024 das Potential, sportlich durchzustarten.

Ach, vielleicht ist es auch einfach wieder die naive Hoffnung, das es besser wird. Wir werden es gemeinsam herausfinden. Zumindest umweht den FC Augsburg momentan das Gefühl, dass es sportlich erfolgreich und aufregend werden könnte. Und für heute ist Vorfreude zumindest die schönste Freude. Ich glaube momentan fest daran, dass uns genau dieses Gefühlt erstmal noch eine Weile tragen wird. Heja FCA!

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