Jahrbeginnend

Nach dem Pokal-Aus gegen Leipzig gilt die volle Konzentration wieder der Liga. Durch die nur kurze Unterbrechung der Runde gibt es auch keine Zeit der Regeneration für die Spieler oder Möglichkeiten der Anpassung an den Saisonverlauf. Eine, auf diesen Aspekt bezogene, mittlerweile ungewöhnliche Fußballsaison, die einfach weiterläuft.

Auch für den 1. FC Köln, nach Zwischenhoch am Ende 14. der letzten Spielzeit, stehen wegweisende Partien an. Nach dem Spiel gegen den FCA geht es gegen Freiburg, Hertha und Schalke. Nach den erfolgreichen Auftritten in Dortmund und Leipzig sind dies die relevanten Vergleiche für den FC in einer nicht nur sportlich anspruchsvolleren Phase für den Verein.

Die Bilanz des FCA gegen den FC ist sowohl insgesamt, als auch erstklassig positiv. Seit dem ersten Aufeinandertreffen im Herbst 2011 wurde kein Spiel mehr verloren und fünfmal gewonnen, je drei Spiele endeten 0 : 0 oder 1 : 1.

So schwer es erscheint Mannschaften und Verein miteinander zu vergleichen, auch wieder der Gedanke, wie sich der FCA, seit dem ersten Aufeinandertreffen mit den Kölnern, am ersten Spieltag nach dem Zweitligaaufstieg 2006, entwickelt hat. Beide Vereine haben seitdem die gleiche Zeit in der ersten und zweiten Liga gespielt, der FC ist zweimal abgestiegen.

Auch im Vergleich der ewigen Tabelle, bezogen auf diesen Zeitraum, liegt der FCA über 20 Punkte vor dem mehrfachen deutschen Meister und Pokalsieger. Dies bestätigt auch wieder einmal den Weg und die erstklassige Etablierung des FC Augsburg.

Wohin die sportliche Entwicklung in diesem Jahr führen kann, scheint aufgrund unterschiedlicher, und nicht nur in, auf das konkrete Auftreten bezogenen Faktoren, schwer einzuschätzen. Mit den Spielen im Anschluss gegen Stuttgart und in Bremen sollte zunächst eine gute Basis für die Rückrunde gelegt werden – eine längerfristige Einschätzung, auch saisonübergreifend, scheint unmöglich.

Durch die kurze Weihnachtspause anstelle der Winterpause, der aktuellen Zeit geschuldet, ist nicht nur der Spielplan anders.

Zumeist ist die Zeit zwischen den Jahren von einer anderen Ruhe geprägt, in der das ausklingende und das anstehende Jahr eine eigene, manchmal fast zeitlos wirkende, Verbindung eingehen. Die Erinnerungen schweifen durch das Jahr, setzten sich, lassen neue Zuordnungen entstehen, ohne bereits konkrete Pläne für die nähere Zukunft zuzulassen.

Was ließen sich aus der Erfahrung von 2020 für Annahmen und Wünsche für 2021 formulieren? Da die Entwicklung in vielen Bereichen nicht wirklich einschätzbar ist, sind damit auch manche Hoffnungen verbunden.

Auch für das kommende Jahr gibt es Rahmenpläne, das Festhalten an Spielterminen und der Durchführung kontinentaler Wettbewerbe, sowie der Versuch den Sport in einer vermeintlich neugewonnenen Normalität, ohne Zuschauer in den Stadien, fortzuführen.

Die meist beschriebenen Szenarien befassen sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Zeit auf den professionellen Sport, ausgehend vom Stand von vor einem Jahr. Unternehmerische Lösungen sollen den Fortbestand des Business auf möglichst vergleichbaren Level gewährleisten. Das eigentliche Spiel, mit den vielen Möglichkeiten der Wahrnehmung, Teilnahme und seiner kulturellen Dimension, rückt mehr in den Hintergrund.

Dabei ist es nicht das Verfolgen der Ergebnisse oder verschiedener Übertragungsformen – viele Formen des Verstehens und Erlebens eines Fußballspiels können nur live erfahren werden. Es geht hier nicht um das Stattfinden von Events, sondern um die Durchführung eines tradierten, in der Gesellschaft verankerten und akzeptierten Sports, der von den begleitenden Emotionen auf, neben, und um den Platz getragen wird.

Längst vorbei die Zeit des Budenzaubers, in einer Zeit ohne Spengler-Cup und während der Vierschanzentounrnee, findet der 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga statt. Mit einem gelungenen Auftritt gilt es für den FCA, den Abstand nach hinten zu halten, und erfolgreich ins neue Jahr zu starten. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Auf 2021! Auf uns!

Die letzten Tage des ereignisreichen Jahres 2020 stehen nun an und noch immer ist Corona allgegenwärtig. Weihnachten hatten wir besinnlich im kleinsten Kreis verbracht – entschleunigt und ohne großen Prunk. Sportlich gesehen schied der FC Augsburg kurz vor dem Weihnachtsfest glanzlos aus dem DFB-Pokal aus. War zu erwarten, ist zu verschmerzen. Nun ruht die Fußball-Bundesliga für ein paar wenige Tage – und startet kurz nach Neujahr wieder, um unter anderem den Rest der Hinrunde auszuspielen.

Sieben Wünsche für 2021

Natürlich wird dies ohne Fans und ohne Stimmung geschehen. Der Lockdown bleibt uns auch über den Jahreswechsel hinaus “erhalten”. Und doch ist 2021 unweigerlich mit Hoffnung verbunden und mit Besserung. Zeit für mich, zusammenzufassen, was ich vom kommenden Jahr erwarte – sportlich und mit Fokus auf dem FCA. Nicht alles davon ist immer realistisch und sofort machbar. Nicht bei allem werdet ihr mir zustimmen. Dennoch freue ich mich auf euer Feedback und was ihr euch von diesem hoffnungsvoll erwarteten Jahr 2021 erwartet – privat, gesellschaftlich und vor allem: sportlich!

Lest nun im Folgenden die Aspekte, die ich mir von 2021 erhoffe – sportlich auf dem Rasen und auch abseits des Platzes.

#1: Zielwasser

Ein großes Problem in dieser Hinrunde war sicherlich die Torflaute unserer Stürmer! Unser bester Torschütze in dieser Saison bisher: Mittelfeldspieler und Sommer-Neuzugang Daniel Caligiuri! Der (noch) 32jährige konnte bisher starke 7 Scorerpunkte sammeln (4 Tore, 3 Assists). André Hahn erlebte – bis zu seiner Covid-19-Erkrankung – einen zweiten Frühling im FCA Trikot und erzielte in 9 Spielen 3 Tore. Das hat in Augsburg wohl auch keiner mehr in der Form von ihm erwartet. Chapeau und gute Besserung weiterhin an dieser Stelle!

Der geläuterte Rückkehrer Michael “Gregerl” Gregoritsch reiht sich in die Riege der torgefährlichen Mittelfeld-Spieler ein mit einem Tor und zwei Torvorlagen. Weiterhin komplettiert unsere junge Flügelzange, Marco Richter (1 Tor, 1 Vorlage) und Ruben Vargas (3 Tore, 1 Vorlage), die Liste der torgefährlichsten FCA-Spieler. Auch diese beiden werden überwiegend im (offensiven) Mittelfeld eingesetzt.

Kommen wir nun zu unseren beiden Problemkindern:

  • Florian Niederlechner war letztes Jahr sicherlich DER Neuzugang des FCA und performte als Mittelstürmer in Augsburg unglaublich gut. Diese Saison ist irgendwie der Wurm drin – seine Stats (11 Spiele – 0 Tore, 1 Assist) sprechen Bände. Böse Zungen behaupten, er ist auf seinem eigentlichen Leistungslevel angekommen. Bei Flo wünscht sich doch jeder FCAler diesertags sehnlichst, dass der Torknoten platzt!
  • Auch beim verletzungsanfälligen Alfred Finnbogason steht noch die null – null Tore und ein mageres Assists in 9 Spielen sind schlicht und ergreifend zu wenig für die Ansprüche und Erwartungen des sonst so eiskalten Isländers. Auch bei ihm hofft man aktuell, dass er nach einer der unzähligen Verletzungen rasch in Tritt kommt und den Torinstinkt wieder entdeckt.

Beide Stürmer haben durchaus ihre Chancen im Spiel, vergeben sie derzeit aber meist kläglich. Selbst die “hundertprozentigen” gehen einfach nicht rein. Daher ist der erste Wunsch für 2021: Zielwasser für unsere Stürmer!

#2: Offensivpower

Ein wenig mit #1 einhergehend ist Wunsch Nummer zwei: Endlich mehr offensive Durchschlagskraft. Eine attraktivere Spielweise gepaart mit defensiver Stabilität – dies steht sicher bei einigen FCA-Fans auf der Wunschliste. Ein Spielkonzept mit mehr Ballbesitzanteilen und Umschaltmomenten – so in Ansätzen gegen Frankfurt zuletzt gesehen – würde die Herzen der Augsburger höher schlagen lassen. Mit der derzeitigen Spielweise holen wir zwar auch irgendwie Punkte – getreu dem Motto “mühsam nährt sich das Eichhörnchen” – aber Hand aufs Herz: Wollen wir diesen auf Zufall ausgelegten Offensivfußball weiterhin sehen?

Vor allem, da wir weiterhin wohl nur vor’m Fernseher zusehen dürfen. Wenn die Stadionatmosphäre und das Stadion-Erlebnis wegfällt – was bleibt dann noch außer einer spannend-kreativen Spielweise für’s Fan-Auge? Und nein, diese Zeilen hier schreibt sicherlich kein Erfolgsfan und ich verlange auch nicht, dass wir spielen wie der FC Bayern. Gegebenenfalls sollten die Augsburger Verantwortlichen einmal über die Verpflichtung eines echten Spielmachers respektive einer kreativen Schaltzentrale nachdenken.

Wenn das Zusammenspiel klappt, dann ist es wunderschön. Wie hier gegen Gladbach kurz vor Schluss. Mehr davon! (Photo by Lars Baron/Getty Images)

Diese Saison haben diese Position schon Gregerl, Freddy Jensen, Marco Richter, André Hahn und Tobias Strobl bekleidet. Mit Abstrichen haben Gregerl, Marco Richter und Freddy Jensen dort überzeugen können. Bei Gregerl kehrt leider zu oft der Schlendrian ein: Lust und Unlust wechseln sich kontinuierlich ab. Marco Richter war zu Saisonbeginn verletzt, kämpfte sich zuletzt ran an die erste Elf. Wird aber von Heiko Herrlich offensichtlich nicht in der Zentrale eingeplant, obwohl es Marcos Paradeposition ist. Freddy Jensen weilt derzeit im Krankenstand, kommt nur auf fünf Ligaspiele bisher. In seiner Augsburger Zeit war auch er bisher mehr verletzt als auf dem Platz – leider. Beim Rest der Offensivabteilung merkt man, dass diese definitiv auf anderen Positionen beheimatet sind.

Nach dem Weggang von Ja-Cheol Koo ist diese Position nicht mehr adäquat besetzt worden, so viel steht fest. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die noch unbekannte (?) Rückkehr von Freddy Jensen aus dem Lazarett – dessen Hauptposition das zentrale, offensive Mittelfeld ist. Was ich mir jedoch ausdrücklich nicht wünsche: Leistungsträger an direkte Konkurrenten zu verleihen (siehe Gerücht: Marco Richter zu Schalke 04?). Aber offensichtlich wurde diesem Wechsel schon von FCA-Seiten ein Riegel vorgeschoben. Vielleicht könnte man Marco Richter mal häufiger auf dieser Position ausprobieren – wäre doch einen oder mehrere Versuche wert oder?

#3: Fanrückkehr

Keine Frage! Eine der Hauptanliegen ist es, den Fans eine (kontrollierte) Rückkehr ins Stadion zu ermöglichen. Corona hat ja für die Fussballabstinenz der Fans gesorgt. Und: Fußball auf lange Sicht ohne Fans? Ein Trauerspiel und sowohl finanziell als auch atmosphärisch ein Verlust für die Clubs. Jedoch muss und soll hier die Gesundheit aller im Vordergrund stehen. Sollte es eine Möglichkeit geben und die Zahlen es zulassen, freut sich jeder Fan über den Stadionbesuch, so viel steht fest. Nach so langer Zeit der Abwesenheit ist der Tag der Rückkehr sicherlich ein Fest und solch warme Gedanken halten das “Mindset” aufrecht. Und so lange es aus den bekannten Gründen weiterhin nicht mit der Rückkehr funktioniert, sollten wir uns Momente wie diese vor Augen rufen. Ich hab immer noch Gänsehaut, wenn ich dies sehe – wie unsere FC Augsburg Fans vor Ort leidenschaftlich und trotz Niederlage skandiert haben:

Unvergesslich – diese geniale und sagenhafte Stimmung der FCA Fans an der Anfield Road am 25.02.16.

#4: Klassenerhalt!

Frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben – das wär’s. Nach der turbulenten letzten Saison wäre das sicherlich Balsam auf der geschundenen Fanseele. Und jede Saison Herzinfarkt-Gefahr? Muss nicht unbedingt sein. Daher ist ein gewaltiger Wunsch: Frühzeitig den Klassenerhalt sichern. Punkte hamstern, wo es nur geht und die ein oder andere Überraschung landen – so wie beispielsweise geschehen gegen den BVB am zweiten Spieltag.

Die “Corona-Saison” ist lang, die Pausen sind kurz, es gibt unzählige englische Wochen. Ich wünsche daher unseren Spielern einen langen Atem, heile Knochen und Durchhaltevermögen. Macht es den Gegner unangenehm, gegen den FC Augsburg zu spielen. Und vielleicht wird der Heiko ja offensiv noch ein wenig nachjustieren – siehe Punkt zwei der Liste. Und so ein spannendes und leistungsgerechtes 4:4 gegen den FC Bayern, das hätte doch mal was…

Wer wie gegen Bielefeld die Punkte sammelt, steigt hoffentlich nicht ab. Solche Szenen wollen wir vermehrt sehen. (Photo by Thomas F. Starke/Getty Images)

Hoffentlich lichtet sich unser Lazarett demnächst, mit Iago und Pedersen fehlten zuletzt zeitwese beide nominellen Linksverteidiger. Und wurden schmerzlichst vermisst. Weiterhin hoffe ich auf die Rückkehr von Jan Moravek, nachdem unsere defensiven Mittelfeldspieler alle noch nicht wirklich überzeugen konnten. Auch wenn man auf den soliden, aber durchweg verletzten Moravek leider nicht zählen kann. Zuletzt wünsche ich mir die schnelle Rückkehr von Jensen und Bazee, die beide etwas offensiven Schwung in die Mannschaft bringen könnten. Und auch sonst dem Trainer kreative Optionen bieten.

#5: Debütanten

Mit Benjamin Leneis (21), Tim Civeja (18), Franjo Ivanovic (17), Dion Berisha (17) und Seong-hoon Cheon (20) stehen aktuell fünf Nachwuchsspieler im Bundesliga-Kader. Civeja, Berisha und Cheon standen die letzten Spiele sogar im Spieltagsaufgebot. Debütieren durfte von den genannten leider noch keiner. Nachdem Spieler wie Erik Thommy, Simon Asta, Albion Vrenezi, Ioannis Gelios und Co. ihr Glück sportlich abseits des Lechs gefunden haben, wäre ein neuer Marco Richter oder ein neuer Frami wirklich wünschenswert. Immerhin ist dies eine Art Referenz für den Club, der sich durchaus als Ausbildungsverein sieht. Albion Vrenezi (mittlerweile bei Jahn Regensburg) und Gelios (bei Holstein Kiel) stehen übrigens aktuell in der kicker-Elf der Hinrunde der 2. Bundesliga!

Für 2021 wünsche ich mir in Bezug auf den Nachwuchs: Die Rückkehr von Maurice Malone im Sommer. Der performt in Wiesbaden bisher wirklich unglaublich gut! Viele Grüße an Andi von der RoGaz an dieser Stelle, der dies vermutlich geahnt hat. Weiterhin wünsche ich mir den Durchbruch von Marco Richter, nach wie vor ein Augsburger Mega-Talent, und zwar am Lech! Und zuletzt hoffe ich, dass Spieler wie Civeja mal Bundesliga-Luft schnuppern dürfen. Ich meine, kann es ein Civeja (noch) schlechter machen als ein Strobl bis dato? Heiko Herrlich, ich lege dir fürs neue Jahr eine Portion Mut unter den Weihnachtsbaum.

#6: FCA-Originale

Wir haben in unserer Serie “Immer noch Original 1907” bislang einige Fans und ihre sagenhaften Geschichten gehört. Und lasst euch gesagt sein, dass IHR es seid, die diesen Club so besonders machen. Die diesen Club so strahlen lassen und zum Leben erwecken. Daher lasst euch bitte nicht euer Fan-Dasein durch irgendwas oder irgendwen trüben. Bewahrt euch den kritischen Blick. Und euer Herzblut für den FCA. Der FC Augsburg braucht die Gemeinschaft der Fans, die Fans brauchen den familiären Charakter des Lieblingsclubs. Daher wünsche ich mir für die Zukunft weiterhin die Solidarität der Fans, die kultigen Originale mit Geschichten aus’m 11er. Und wir brauchen das Wohlwollen sowie den bilateralen Austausch mit den Verantwortlichen des FCA. Besonders in unsteten und hochdynamischen Zeiten wie diesen!

Wie schrieb und sang der gebürtige Augsburger Andreas Bourani vor geraumer Zeit:

(…)

Denkt an die Tage, die hinter uns liegen

Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen

Hier geht jeder für jeden durch’s Feuer

Im Regen stehen wir niemals allein

Und solange unsere Herzen uns steuern

Wird das auch immer so sein!

Ein Hoch auf das, was vor uns liegt

Dass es das Beste für uns gibt

Ein Hoch auf das, was uns vereint

Auf diese Zeit (auf diese Zeit)!

Auf uns” – Andreas Bourani

Wie treffend ist das denn bitte? Adaptiert diese Lyrics gerne mal auf unsere, auf eure aktuelle Situation. Als Fan, als Mensch, als Teil der Gesellschaft. Und ich kriege Gänsehaut, wenn ich merke, wie treffend dies doch ist! Lasst uns zusammenhalten, solidarisch sein – und alles wird gut. Hoffentlich “balder als bald”. 🙂

#7: Titelverteidigung

Der siebte Wunsch ist einer, den ich mit Blick auf das E-Sport-Team des FC Augsburg äußere. Die Sparte sehe ich durchaus auch als Teil des Clubs. Schließlich sind sie alle (langjährige) FCA Fans und Mitglieder aus der Region, also unweigerlich welche “von uns”. Daher wünsche ich den Bederkes und Co. eine gelungene E-Sport-Saison. Und Yannic natürlich die Titelverteidigung des deutschen eBundesliga-Meistertitels. #goyannic

Also, jubelt nochmal so, Jungs:

Viel Gesundheit!

Ich wünsche euch allen viel Gesundheit. Das wünsche ich auch den Spielern und den Mitarbeitenden des FCA. Bleibt gesund und munter. Haltet euch an die Regeln, bleibt ruhig und besonnen. Es kommen wieder bessere Zeiten. Die FCA-Familie hält in diesen entscheidenden Phasen zusammen und wenn’s euch beispielsweise mal langweilig wird oder ihr euch einsam fühlt: Meldet euch bei Transfermarkt an (dort gibt’s ein FCA Forum). Oder tauscht euch im FC Augsburg Forum aus. Vielleicht habt ihr auch Lust, einen Artikel zu verfassen und über euer FCA Fan-Dasein zu berichten? Dann meldet euch gerne bei uns (kontakt@rosenau-gazette.de).

Und jetzt noch einmal der Chorus unserer Vereinshymne – für jeden von euch zum innerlichen Mitsingen, mit Pathos und mit Stolz. Und ganz viel Zuversicht. Auf bessere Tage und bessere Zeiten im Jahr 2021. Rutscht gut rein!

(…)

Rot, Grün, Weiß,

sind die Farben unseres Traums, der FC Augsburg heißt

Und den tragen wir im Herzen dieser schönen Stadt

mit den wunderbarsten Fans, die nicht ein jeder hat

Du bist Glanz und Gloria

Unser FCA!

https://www.fcaugsburg.de/page/hymne-58

Wünsche & Prognosen der Redaktion:

… das wünscht und prognostiziert die Redaktion für 2021:

  • Andi: Ich wünsche mir attraktiveren Fußball vom FC Augsburg. Weiterhin hoffe ich auf das Ende der Torflaute unserer beiden Stürmer! Und zuletzt: die Rückkehr der Fans in die Stadien.
  • Andy: Bei mir ist es eher eine Befürchtung, dass Heiko Herrlich 2021 entlassen wird und wir endgültig ein Club werden, der wie andere Clubs auch die Trainer wechselt.
  • Franzi: Ich wünsch mir ja die Rückkehr von Daniel Baier als Capitano – damit wieder mehr Ordnung und Selbstvertrauen herrscht. Jawoll, das wünsche ich mir – trotz aller Utopie!
  • Irina: Ich hoffe zum Schluss noch, dass wir alle gesund bleiben, der FCA früh die Klasse hält und Yannic wieder eMeister wird. Guten Rutsch an alle!

Von (FC)B nach (FC)A


In unserer Serie #ImmernochOriginal1907 berichtet heute Franzi von ihren Erinnerungen an die Anfänge ihres Fußball-Fantums. Allgemeine Infos zur Serie und Aktion gibt es hier. Vorher hatten schon IrinaStefanStephan, Sebastian und Andy berichtet. Ihr habt auch eine Augsburger Fangeschichte zu erzählen? Dann meldet euch gerne bei uns und haltet die Serie am Leben (kontakt@rosenau-gazette.de).

Schon lange habe ich nicht mehr so intensiv über mich, den Fußball und den FC Augsburg nachgedacht. Warum auch? Über selbstverständliche Dinge denkt man in der Regel ja auch nicht nach. Beim Nachdenken bin ich jetzt aber auf eine ganze Reihe toller Erinnerungen gestoßen. Erinnerungen, die in meinem Gedächtnis vergraben waren, jetzt aber wieder total präsent sind. Und mich dazu ganz euphorisch werden lassen: Was habe ich mit und durch den FCA nicht schon alles erlebt! Dafür, dass ich meine Erlebnisse hier aufschreiben und mit euch teilen darf, will ich dem Team der Rosenau Gazette und vor allem Andy vielmals danken. Ein fettes Merci!

Dank Mama zum Fußball

Angefangen hat alles mit der EM 1996 in England. Damals war ich 10, Berti Vogts Bundestrainer und auf dem Platz standen Fußball-Schwergewichte wie Andi Köpke, Matthias Sammer oder Jürgen Klinsmann. Aus meiner heutigen Sicht war es damals vor allem meine Mama, die immer bestens über den Spielplan und den nächsten Gegner Bescheid wusste und in der ganzen Familie Vorfreude auf das nächste Match verbreitete. So fieberten (das Elfmeterschießen im Halbfinale gegen England!) und litten (das immer größer werdende Lazarett!) wir alle bis zum erlösenden Golden Goal vor dem Fernseher mit.

Zu meinem Geburtstag bekam ich dann auch ein Buch. England 96. Ich konnte nicht aufhören, es auch noch Wochen nach dem Turnier immer wieder durchzublättern und den Weg der Mannschaft bis zum Finalsieg immer wieder aufs Neue mitzuerleben bzw. durchzumachen. Ab da hatte mich der Fußball gepackt.

Der FC Bayern als Startrampe

Nun war die EM vorbei. Die Lust auf Fußball aber noch lange nicht. Darum machte meine Mama – wie vielleicht viele andere in den 1990er Jahren, als der Fußball plötzlich einen neuen Aufschwung erlebte – den Vorschlag, doch mal ins Stadion zu fahren. Aber nicht in das des FCA, sondern des FCB. Augsburg kannte ich damals hauptsächlich von den Besuchen meiner „Stetten-Oma“ in – ja genau, Haunstetten. Und den FCA von meinem Papa, einem gebürtigen Augsburger, der manchmal im Witz sagte, wir könnten doch auch mal dorthin fahren. Ob er das wirklich als Witz gemeint hatte und nicht doch eher Lust gehabt hätte, den Verein seiner Heimatstadt zu sehen? Ich weiß es nicht.

Was ich aber sicher sagen kann: Anstatt in die Rosenau fuhren wir ins Olympia-Stadion. Dort sahen wir u. a. am 10. Mai 1997 Bayern vs. Freiburg (0:0), ganz familienfreundlich von den Sitzrängen aus. Während die Partie damals völlig unbefriedigend für mich ausgegangen war (die ganze Rückfahrt nach Kaufbeuren saß ich niedergeschlagen auf der Rückbank), wurde sie durch Klinsis „Tonnentritt“ im Nachhinein berühmt. Um mich fürs Stadion vorzubereiten, strickte ich z. B. einen eigenen, ziemlich holprig geratenen FCB-Schal, legte eine Autogrammkarten-Sammlung an und überredete meine Mama zu einem Bravo Sport-Abo.

Meine Mama, ich und meine Schwester (von links) im Münchner Olympia-Stadion Mitte-Ende der 1990er. Entsprechend totschick sind unsere Klamotten. (Foto: privat)

Zur Bravo Sport habe ich noch eine kleine Anekdote: Irgendwann machte ich bei einem Gewinnspiel mit, bei dem man das Tabellentreppchen richtig tippen musste. Das war keine Kunst, denn Platz 1 und 2 konnten sich rein rechnerisch auch nach dem Spieltag nicht verändern. Darum hatten neben mir auch viele andere den richtigen Tipp abgegeben. Doch ich wurde letztendlich als Siegerin ausgelost – und gewann 3.333 DM. Was für ein Haufen Geld für eine 13-Jährige! Doch nicht nur das bekam ich, sondern auch noch Besuch von zwei Bravo Sport-Leuten, eine bebilderte Doppelseite und – nicht zu glauben – Liebesbriefe. Das ist vor allem deshalb so unglaublich, wenn man sich die Fotos von damals anschaut. Doch die erspare ich euch an dieser Stelle lieber *grins*.

Augschburger Mädel

2005 zog es mich aus dem Allgäu zum Studium nach Augsburg. Im darauffolgenden Jahr feierte ich dann endlich mein Debut in der Rosenau – nachdem der FCA den Aufstieg in die 2. Liga schon verfrüht klargemacht hatte. In dem Spiel, zu dem ich mich mit meinem Papa traf (auch für ihn war es das erste Mal in der Rosenau!), ging es also um nichts mehr. Entsprechend grau sind meine Erinnerungen daran.

Was sich dafür umso mehr in mein Gedächtnis einprägte: Wie jemand den Spielstand an der Anzeigetafel per Hand änderte, wie er sich nach getaner Arbeit wieder auf seinen weißen Plastikstuhl setzte. Wie ich später lernte, war das unser „Tafelmann“, der Wagner Josef (Gott hab’ ihn selig). Allein schon wegen ihm musste man den FCA mögen! Und genau das tat ich immer mehr.

Nach einer fünfjährigen „Pause“ zwischen 2001 und 2006, in der mir Musik und Band offenbar wichtiger waren als Fußball (vielleicht auch nur gezwungenermaßen, weil meine Bandkollegen einfach so gar nichts mit Fußball anfangen konnten und mich deswegen auch immer hänselten: „Franzi, du immer mit deinem Fußball!“), war meine frühere Begeisterung für den FCB gänzlich abgeflaut. Allerdings war meine frühere Fußballbegeisterung auch notwendig, damit ich sie überhaupt wiederentdecken konnte – diesmal und seitdem aber nur noch für den FCA.

Ab da ging es mit mir und dem FCA also richtig los. Und meine sechs tollen Jahre, die ich in Augsburg verbrachte, sind aufs Engste mit meinem Verein verbunden. Aber auch mit den Leuten, mit denen ich meine neue, wiederentdeckte Begeisterung teilen konnte. Da war z. B. meine Mitbewohnerin, mit der ich regelmäßig in der Kurve stand, als es auch für Nicht-Dauerkarten-Besitzer*innen immer noch Tickets für den Block gab. Oder die Crew um Korbi, die ich leider erst zum Ende meines Studiums kennenlernte, mit der ich aber umso mehr unvergessliche Momente verbinde. Allein unsere Treffen vor dem Spieltag im Unicum, im 1516 oder in der (ersten) Schwarzen Kiste, bevor es dann mit der 3er ins Stadion ging. Zucker! Oder unser Ausflug nach Kaiserslautern, wo wir am Abend das Nachtleben, am nächsten Tag den Betzenberg unsicher machten.

Im Fanzug nach Bremen (“Abteiiiiiil!”) trafen wir auch den damaligen Augsburger OB und fragten ihn aus einer (Bier-)Laune heraus nach einem Foto. (Foto: privat)

Ein Highlight war für mich auch die Fahrt mit dem Fanzug nach Bremen zum DFB-Pokal-Halbfinale gegen Werder. Für unschlagbare – wie konnte es anders sein – 19,07 Euro. Allein die Fahrt war so ereignisreich, da hätte es eigentlich gar kein Spiel mehr gebraucht. Mit unserem Abteil hatten wir es grandios getroffen. Unseren Schlachtruf („Abteiiiiiiiiil!“) brüllten wir uns auch noch nach der Fahrt zu. Die ganze Hin- und Rückfahrt amüsierten wir uns prächtig. Im Zug gab es sogar einen Partywagen, in den es uns regelmäßig verschlug. Dort sichteten wir auch den damaligen Augsburger OB Kurt Gribl. Ohne das eine oder andere Bierchen wären wir wahrscheinlich gar nicht auf die (Schnaps-)Idee gekommen, mit ihm ein Foto zu machen. Schließlich war auch er nur einer von vielen hundert Fans, die im Zug nach Bremen reisten, um den FCA siegen zu sehen. Ein frommer Wunsch, wir verloren 0:2, aber das war völlig wurscht. Pokal-Halbfinaleeee!

In meine Zeit als Augschburger Mädel (das sang ich manchmal, wenn die „Augschburger Jungs“ erklangen und ich mir dachte: „Hey, ich bin kein Junge.“) fiel auch der Aufstieg in die erste Liga. Auch wenn es von Seiten „älterer“ Fans oft heißt, der Aufstieg in die zweite Liga sei viel bedeutender gewesen, so war er für mich ein weiterer Moment, an den ich mich gar nicht oft genug zurückerinnern kann.

An jenem 8. Mai 2011 fanden wir uns früh in der Arena ein. Schon seit Tagen mit der leisen Vorahnung, dass heute Großes passieren könnte. Und das tat es. Unvergessen ist der Moment, als Stephan Hain in der 85. Minute den Ball zum 2:1-Siegtreffer ins Tor einschob. Ich kriege jetzt noch feuchte Augen, wenn ich daran denke. Nicht umsonst wurde Hains Treffer auch zum FCA-Tor des Jahrzehnts gewählt. Was nach Abpfiff passierte – unbeschreiblich. Da war es nur ein klitzekleiner Aspekt, dass sich die Aufstiegsparty dann in die Innenstadt auf den Rathausplatz verlagerte. Und wir nochmal zusammen mit der Mannschaft, die an den Fenstern des Sparkassen-Gebäudes erschien, feiern konnten!

In Berlin konnten wir unsere Aufstiegshelden nochmal so richtig feiern. (Foto: privat)

Das Auswärtsspiel gegen die Hertha in Berlin war dann nur noch die Kür, das Sahnehäubchen – und eine einzige, verlängerte Aufstiegsparty.

Von (FC)B nach (FC)A

Nach der Saison 2010/11 war also nicht nur FCA in der ersten Liga gelandet, sondern auch ich studienbedingt in der oberbayerischen Kleinstadt Eichstätt. Seitdem wurde es immer schwieriger für mich, regelmäßig ins Stadion zu kommen. Die Zugverbindung ist von hier aus – eigentlich egal wohin – ziemlich sscchh- wierig. Dass ich seltener im Stadion bin, heißt aber nicht, dass meine Bindung zu Schwaben, Augsburg oder dem FCA abgerissen ist. Im Gegenteil.

Zwar habe ich nach fast zehn Jahren die manchmal grantigen Eichstätter*innen ziemlich liebgewonnen und inzwischen auch gelernt, den kuriosen Dialektmix zu verstehen, den manche sprechen. Zustande kommt der durch die Grenzlage Eichstätts in (Ober-)Bayern nahe (Mittel-)Franken und Bayerisch-Schwaben. Einen höheren Stellenwert haben hier trotzdem die beiden ersten Regionen: Wenn man in eine größere Stadt will, fährt man nach Ingolstadt, München oder Nürnberg. Fußballerisch ist man entweder 60er, leidet mit dem FCN oder supportet den VfB Eichstätt in der Regionalliga. Augsburg? FCA? Fährt kaum wer hin, findet kaum wer gut.

Aber genau wie Irina schon schrieb: Zwar bin ich geografisch jetzt weiter weg von Augsburg, bin seltener da. In meiner Identifikation habe ich mich ihm aber noch nie so nah gefühlt. Das macht der (Dauer-)Aufenthalt in der „Ferne“, „im Exil“. Hier bin ich „die Schwäbin“, die sich spätestens beim Sprechen (mit ihrem rrrrollenden R) als solche enttarnt. Hier bin ich eine der wenigen, die sich den FCA ausgesucht hat (oder umgekehrt, wie Stefan meint). Aber genau deshalb bin ich nach wie vor stolz darauf (oder vielleicht noch nie so stolz gewesen), zu sagen: „Ja der FCA eben! Was sonst?“  

Wenn ich mir meinen Text jetzt nochmal so ansehe, fällt mir auf, dass er ziemlich viel Persönliches enthält. Aber genau das zeigt mir, dass der FCA seit vielen Jahren ein fester Teil von mir ist. Ob ich will oder nicht. Selbst als ich beim Weggang von Daniel Baier kurz überlegt habe, alles „hinzuschmeißen“. Ging nicht. Und auch meine frühere Bayern-Liebe, die hier ebenfalls einen Platz bekommen hat, kann ich nicht leugnen (obwohl ich das manchmal gern täte). Denn erst sie hat mir meinen Weg zum FCA geebnet.

Die Serie A ist besser als die Serie B, A-Ware ist besser als B-Ware und ein A in der Schule ist besser als ein B. Wer will da bestreiten, dass es nicht auch von (FC)B nach (FC)A steil aufwärts für mich gegangen ist? Nur der FCA.

Auch heute gilt: RBL bleibt scheiße!

Es ist kurz vor Weihnachten. An manchen Stellen ist auch schon die Zeit gekommen, besinnlich und versöhnlich zu werden. Da kommt zumindest mir das Pokalspiel gegen RBL überhaupt nicht recht. Gegenüber RBL und auch bei anderen Entwicklungen im Profifußball ist für Versöhnung kein Platz. Die Überschrift lässt das schon erahnen. Wem das gerade nicht passt, der hat jetzt noch die Chance wegzuklicken.

Über #FCASGE

Was bisher geschah: Der FCA spielt eine solide Hinrunde. 16 Punkte aus 13 Spielen sind ordentlich und reichen für einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Vor der Niederlage gegen die Eintracht aus Frankfurt am Wochenende, stellte sich die Frage, ob wir denn offensiv langsam auch mal Lösungen finden. Und auch, wenn es das Ergebnis nicht zeigt, war die Partie gegen die SGE spielerisch herausragend. Zumindest für unsere Verhältnisse.

Es war einer dieser Tage, wo der Ball nicht ins Tor wollte. Trotz guter Möglichkeiten. (Foto: Klaus Rainer Krieger/Pool via Imago)

Das ist nun kein rein subjektiver Eindruck. Wir konnten zwar unsere Möglichkeiten nicht nutzen. Aber zumindest haben wir seit langem eine Vielzahl von Abschlüssen herausgespielt. 8 Torschüsse haben wir abgegeben, 53,4% der Zweikämpfe gewonnen und 54,37% Ballbesitz besessen. Auch die Passquote von 81,96% zeigt, dass der Eindruck nicht täuschte, dass wir ganz ansehnlichen Fußball gespielt haben. Zumindest bis kurz vors Tor. 1,6 erwartete Tore resultieren auf Basis statistischer Modelle aus diesen Möglichkeiten. Es waren in dieser Saison. bisher nur gegen Mainz mehr. Zumindest das Spiel macht mir mehr Hoffnung, für das was kommt, als viele andere Partien dieser Hinrunde.

Exkurs: VAR immer noch für’n Arsch

An dieser Stelle eine kurze Erinnerung. Die Partie gegen die Eintracht läuft wohl ganz anders, wenn wir in der 73. Minute einen Elfmeter für uns gepfiffen bekommen und so vielleicht ausgleichen können. Selbst Eintracht-Trainer Adi Hütter stellte nach dem Spiel fest: “Da hätten wir uns über einen Elfmeter nicht beschweren können.” Der VAR sah keine Notwendigkeit einzugreifen. Das Problem ist immer wieder die Eingriffsschwelle, zu der Collinas Erben in ihrer letzten Kolumne für ntv erst wieder ausführlich Stellung bezogen haben am Beispiel eines Rempler von Ridle Baku. Der Fall hat doch sehr viele Parallelen zu Tatas Foul, so dass ich hier nicht weiter auf die Einzelheiten eingehen will.

Wenn das nicht eindeutig ein Foul an Iago im Strafraum war, dann verstehe ich die Fußballwelt nicht mehr. Und den VAR. Aber das ist schon länger so. Großen Respekt an den Fotografen Klaus Rainer Krieger, die Szene so gekonnt einzufangen. (Foto: Klaus Rainer Krieger/Pool via Imago)

Ich habe mich im Laufe der Hinrunde schon deutlich länger über den VAR ausgelassen. Der VAR ist ein System was aus diversen Gründen nicht funktioniert und in der jetzigen Form absolut in die Tonne gehört. Warum Stefan Reuter in diesem Zusammenhang hervorheben muss, dass er Befürworter des Videobeweises ist, bleibt mir dann etwas schleierhaft. Vielleicht ist es dieses Versöhnliche vor Weihnachten.

Über den Gegner

Nun kommt am Dienstag RBL ins Lechfeldstadion. Dietmar Hamann hat ja letztens gesagt: “Alle die immer noch meckern, wenn sie über RB Leipzig sprechen, sind keine Fußball-Fans”. Äh, nein. Es wäre ja noch schöner, wenn jemand wie Dietmar Hamann definieren würde, wer ein Fußball-Fan ist und wer nicht. Hier wird also fröhlich weiter gemeckert.

Dominik Szoboszlai im Trikot der ungarischen Nationalmannschaft. Welch ein Wunder, dass es ihn nach Leipzig verschlagen wird. (Photo by Laszlo Szirtesi/Getty Images)

Zum Beispiel darüber, dass das Konstrukt RB weiterhin nach Belieben handeln darf und von offizieller Seite keiner ein Problem damit hat. Nun im Winter wechselt mit Dominik Szoboszlai ein heiß-umworbenes Talent zum Spottpreis von Salzburg nach Leipzig. Das Konstrukt spielt bei diesem Transfer mal wieder seine besondere Stellung aus. Die Ablösesumme von 20 Mio. EUR ist einfach nur lächerlich. Szoboszlai ist damit schon der 20. Spieler der seit 2012 den Weg von Salzburg nach Leipzig findet. Welch ein Zufall.

Vielleicht gibt man aus Salzburg auch einfach wieder Darlehen nach Leipzig, und erlässt diese später. Es stinkt weiter zum Himmel. Auch abseits der weiterhin unsympathischen Aussagen der Offiziellen. Ihr seht, hier gibt es keine Anzeichen von Versöhnung vor Weihnachten.

Was macht eigentlich Ingo Hertzsch?

Ingo Hertzsch, oder liebevoll auch “Inge” genannt, war einer der Transfers mit einem gr0ßen Namen, als er 2006 nach dem Aufstieg in die zweite Liga von Kaiserlautern nach Augsburg kam. 70 Spiele mit einem Tor absolvierte Hertzsch bis 2009 für den FCA und half den Verein in der zweiten Liga zu etablieren. Hertzsch hatte 2000 und 2002 je ein Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft absolviert und in dieser Zeit von der nicht ganz so hohen Qualität in der Auswahl profitiert.

Fußballer der alten Schule. Ingo Hertzsch in einem der schönsten Trikots, in denen je Augsburger Fußballer aufliefen. (Photo by Michael Kienzler/Bongarts/Getty Images)

Im Alter von fast 32 Jahren wechselte Hertzsch 2009 dann nach Leipzig, wo Red Bull gerade sein Projekt startete. Bis 2011 absolvierte Hertzsch 50 Partien für die erste Mannschaft der Leipziger bevor er in die Marketingabteilung des Konstrukts wechselte. Zudem stand er bis 2013 auf Abruf für die zweite Mannschaft zur Verfügung. Hertzsch ist dem Konstrukt seitdem treu geblieben und mittlerweile Teamleiter CSR/Fußballschule. In einem Interview aus dem Mai erzählt er von den abenteuerlichen Erfahrungen aus seiner Anfangszeit in Leipzig. Wer danach noch an eine strikte Trennung der einzelnen Clubs (New York, Salzburg, Leipzig, etc.) glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Voraussichtliche Aufstellung

Hier lässt sich nun viel spekulieren. Wer hat nach den letzten 3 Partien in kurzer Zeit noch genügend Luft um Vollgas zu geben? Dürfen die Jugendspieler im späteren Spielverlauf auch mal ran? Ich will den Raum an dieser Stelle etwas anders nutzen, anstatt Aufstellungsspekulation zu betreiben. Es werden schon die besten 11 auflaufen, die Heiko Herrlich zur Verfügung stehen.

Nun könnte es ja sein, dass sich einige Leipziger bis zum Ende dieses Texts verirrt haben. In Sachsen ist die Situation Corona-bedingt nun gerade nicht besonders einfach. Noch verzwickter als in anderen Landesteilen. Kopf hoch und haltet durch! Und bitte begreift, dass eure politischen Akteure nicht unschuldig sind an der Situation. Wie mittlerweile festgestellt wurde, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen AFD-Wahlergebnis und Corona-Verbreitung.

Nachdem es bisher leider kein Augsburger Spieler so deutlich formuliert hat, will ich an dieser Stelle Leon Goretzka zitieren, der im Interview mit der Welt am Sonntag gesagt hat: “Speziell durch die Corona-Krise wurde noch offensichtlicher, welche Partei das ist: Für mich ist [die AFD] keine Alternative, sondern eine Schande für Deutschland”. Und nachdem des bei der AFD manche mit dem Erinnern nicht so haben, schieben wir einen Verweis zu Instagram gleich hinterher. Herzlichen Dank, Leon, für dein Engagement abseits des Platzes und frohe Weihnachten.

 
 
 
 
 
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Tipps

Andi: 1:3 n. V. – Der FCA hält dem Dauerdruck RBs lange ordentlich Stand und kommt in der Schlussphase zum Ausgleich. In der Verlängerung setzt sich dann allerdings Leipzigs Qualität durch.

Franzi: 0:3 – So kurz vor Weihnachten ist in dieser durchgeknallten Saison einfach die Luft raus. Auch wenn wir es RB nicht leicht machen werden, zu seinen Toren und damit auch in die nächste Runde zu kommen.

Irina: 1:3 – Wir verlieren im unwichtigsten Wettbewerb dieser Saison klar und deutlich. Leipzig als Meisterschaftsanwärter ist einfach nicht unsere Kragenweite. Wichtiger sind mir persönlich die Gesundheit der Spieler und dass diese auch ein paar Tage wenigstens über die Feiertage erholen können. Die Corona Saison ist sehr komprimiert und mit wenig Pausen. Ein Pokalaus macht mir daher diese Saison erstaunlich wenig aus.

Andy: 2:1 – Wir erlebten ja schon einige große Pokalabende des FC Augsburg z.B. gegen den 1.FC Köln. Gegen RBL ist es ein Spiel mit Klassenunterschied. Zu unfair sind die Rahmenbedingungen. Kurz vor Weihnachten gewinnt David gegen Goliath. Wie und warum ist mir scheißegal. Möge die Macht diesmal mit uns sein.

Weihnachtliches

Ein gutes Fußballspiel, nur leider ohne Punkte für den FCA. Mit darauf aufbauender Leistung in den verbleibenden Spielen der Vorrunde sollte eine solide Halbzeitbilanz erreicht werden.

Auch zu Weihnachten ließe sich nun über verschiedene Mannschaftsbereiche, oder unterschiedliche Erwartungshaltungen nachdenken, aber Punkte- und Tabellenstand spiegeln den bisherigen Verlauf ziemlich wieder.

Zum Jahresende, nach 13. Spieltagen, der Blick auf die Tabelle: Die Spitzengruppe wird von München angeführt, das in den letzten beiden Begegnungen, die bis dahin noch ungeschlagenen Teams besiegte. Auch dabei sind Leipzig und Dortmund, mit einer wieder nicht einkalkulierten Niederlage.

Stuttgart spielt bisher eine gute Runde, und Union die Rolle der Überraschungsmannschaft. Ein Mittelbereich von zehn Mannschaften, die auf acht Punkten beieinander liegen, und mit ganz unterschiedlichen Ambitionen gestartet sind. Am Ende steht Schalke, das dem großen Theater noch eine epische Note hinzufügt.

Auch dieses Jahr kein Boxing-Day im deutschen Fußball, ist die Pause bis zum Ligastart am 02.01. nur kurz. Auch wenn kurz vor Weihnachten schon öfter Liga- oder Pokalspiele stattfanden, gab es erst zwei Pflichtspiele an einem 22.12.: 1984 in der Bayernliga gegen Unterhaching, und 2018 in der Bundesliga gegen Wolfsburg.

Besser ist die FCA-Bilanz in der Zwischenzeit: Am 26.12.1976 gab es ein 1 : 1 gegen den FSV Frankfurt und am 02.01.1972 wurde gegen die SpVgg Weiden 2 : 1 gewonnen.

Was alles macht den Reiz des DFB-Pokals aus? Favoriten, die mehr oder minder überraschend ausscheiden oder kleinere Vereine, die in ihrem Spiel des Jahres, über sich hinaus wachsen. Oft auch die Vergleiche von Traditionsvereinen, die sich über die Jahre und Ligen auseinander entwickelt haben, und deren Aufeinandertreffen zurückliegende Geschichten hervorrufen.

Auch vorbei die Auflistung der Paarungen nach Ligavergleichen, sind in der zweiten Runde des Pokals noch ein Dritt- und drei Viertligisten dabei. Und doch auch in dieser Runde wieder die Hoffnung, dass aktuell schwächer platzierte Mannschaften sich durchsetzen, und mancher größere Name im Laufe des Bewerbs verschwindet.

Bisher gab es zwölf Vergleiche, drei davon im Pokal, zwischen dem FCA und Leipzig. Verschiedene verbundene Anmerkungen neben, und Ereignisse auf dem Platz, die den Spielen, sowie den Unterschiedlichkeiten, auch etwas mediale Aufmerksamkeit gewähren. Am Dienstag nun in der zweiten Runde, der sportliche Vergleich zwischen zwei Bundesligisten im DFB-Pokal.

90 oder 120 Minuten, vielleicht auch Elfmeterschießen – am Ende wird es einen Gewinner geben, der in dieser Saison weiter auf die Teilnahme an einem Finalspiel am 13.05. in Berlin hoffen kann.

Abseits sportlicher Umgestaltung und Veränderung, was wäre noch erwähnenswert in diesem ungewöhnlichem Fußballjahr. Auch wenn fast ausschließlich in leeren Stadien gespielt wurde, gab es unterschiedliche Formen des Zusammenhaltens. Fußballfans, Initiativen, Vereine und Gruppen, die verschiedenartig Solidarität gezeigt haben und zeigen.

Nicht unter umfassenden Begrifflichkeiten von Verantwortung betrachtet, sondern einfach nur als Hilfe für Schwächere, Benachteiligte oder aktuell Eingeschränkte: Auch hier hält Augsburg zusammen.

Und wenn zu Weihnachten der Familiengedanken wieder bemüht werden darf, heißt dies, in vielem unterschiedlicher Ansichten zu sein, diese auch offensiv zu vertreten, miteinander auszutauschen, andere Sichtweisen zu akzeptieren, und eben sich genau dadurch zu definieren. Vor dem Spiel ist nach dem Spiel – übertragen auch zu Weihnachten.

Das letzte Spiel im Kalenderjahr gegen Leipzig, zu einer Uhrzeit, an der meist nur Zweitligaspiele stattfinden, und die Möglichkeit im Pokal zu überwintern. Nicht vermeintliche Gesetzmäßigkeiten, sondern einfach spielen, und sich nicht nur selbst bescheren. Frohes Fest und gutes Spiel!

Nur der FCA!

4. Advent: Der Geruch von Bratwurst und Bier

In unserer Serie #ImmernochOriginal1907 berichtet heute Sebastian von seinen Erinnerungen an sein erstes Augsburger Stadionerlebnis. Allgemeine Infos zur Serie und Aktion gibt es hier. Vorher hatten schon Irina, Stefan, Stephan und Andy berichtet. Ihr habt auch eine Augsburger Fangeschichte zu erzählen? Dann meldet euch gerne bei uns und haltet die Serie am leben (kontakt@rosenau-gazette.de).

Keine Gänge oder langen Aufstiege. Sondern das weite Rund, das sich vor einem völlig unerwartet öffnet, wenn man das Stadion von der Stadt aus betrat. Der erste Spielbesuch in der Rosenau bleibt unvergessen. Und auch viele Monate und Jahre danach war es immer wieder dieser besondere Blick von der auf Kriegsschutt errichteten Gegengerade, von wo aus sich das Stadion in den Hang einfügte. Spielerisch war es zwar grauer Zweitligaalltag – es müsste die Heimniederlage gegen Duisburg im Aufstiegsjahr gewesen sein –, doch insgesamt überraschte der FCA in dieser Saison als Aufsteiger und beendete das Jahr als Tabellensiebter. Und auf dem Platz? Dreßler, Mölzl, Benschneider – mit einem Mal große Namen für den Fußballlaien. Bis hierin hatte ich kaum etwas mit Fußball zu tun. Eine zwei Spielzeiten und drei Tore andauernde Karriere als Reservist in der Jugendmannschaft eines Dorfvereins. Und eine erfolgreiche Saison bei FIFA 98. Als es dann kurz nach der Jahrtausendwende nach Augsburg ging, war der FCA noch für Jahre kein Thema. Erst das Drama des am letzten Spieltag verpassten Aufstiegs und schließlich die Euphorie, nachdem es ein Jahr später doch gelungen war – langsam sprach sich das Phänomen auch bis nach Haunstetten durch. Und schließlich im April 2007 das erste Spiel.

Ausverkauft in der Regionalliga, als hochklassiger Fußball in Augsburg noch weit abseits der Realität war (Foto: Imago)

Was es genau war, das einen schon bald Woche für Woche ins Stadion zog, lässt sich kaum klar beschreiben. Es war nicht nur das besondere Flair des alten Stadions, Bühne für kollektiven Jubel (manchmal) und kollektive Enttäuschung (öfters). Dazu eine Mannschaft, der schon zu Zweitligazeiten das Image des ewigen Underdogs anhaftete, den keiner so Recht einschätzen konnte. Etwas spießig, etwas bieder, irgendwo zwischen Bayern und Schwaben. Eine Stadt, die seit ewigen Zeiten trotzig darauf verweist, schon Metropole gewesen zu sein, als München noch ein trauriger Flecken an der Isar war. Auch diese trotzige Geschichte gehört zum FCA, bis heute. Mittlerweile ist Augsburg in der Bundesliga angekommen, als Verein aber auch als Marke. Die Kommerzialisierung lässt sich deutlich ablesen, das Image des sympathischen Familienvereins und ewigen Underdogs wird als Markenelement vor sich her getragen. Das war zu erwarten nach 10 Jahren Bundesliga. Ohne diese Entwicklung wäre man sicher schon längst nicht mehr hier. Das nimmt etwas Charme, aber nicht die Sympathien. Es sind sicherlich auch die großen Momente, die die Geschichte prägen – Halbfinale im DFB Pokal, Aufstieg oder der Europapokal. Aber es sind die kleinen Momente, die hängen bleiben. Neben Walter Seinsch im Auswärtsblock die Niederlage in Fürth verfolgen – die Tore von Uwe Möhrle und Imre Szabic reichten nicht. Der sichtlich mitgenommene Ordner, der einem mindestens ebenso sichtlich mitgenommenen Fan im Block lange nach Abpfiff einen Fetzen Aufstiegsrasen in die Hand drückt. Das verpasste Siegtor von Daniel Baier, als man in der Allianz Arena das Klo suchte. Es war ein langer Weg von Roland Benschneider und Sören Dreßler zu Jeff Gouweleeuw und Felix Uduokhai, die gestern zuhause gegen die Eintracht verloren haben. Das Gefühl nach der Niederlage, ja bei jedem Gegentor, war ähnlich. Auch zu Hause in leeren Stadien zu Corona-Zeiten. Eine irrationale Leidenschaft, die in der Rosenau ihren Anfang genommen hat.

Der Abschied von der Rosenau macht immer noch wehmütig. (Foto: imago/MIS)

Das Rosenau Stadion behielt ungebrochen seine Faszination und die historische Stätte war lange die Konstante in vielen Spielzeiten in der grätschenden 2. Liga. Es waren große Spiele dabei. Eines der größten vielleicht das Unentschieden 2009 gegen Wehen Wiesbaden, das letzte Spiel in der Rosenau mit einem unfassbaren Last-Minute Treffer durch Andrew Sinkala, der den Klassenerhalt bedeutete. Danach ging es an die B17, wo ein modernes Stadion wartete, bereit für die Bühne der Bundesliga, irgendwann dereinst. Man kann beide Stätten nicht gegeneinander aufwiegen. Die Rosenau war ein Stadion, auf das man stolz war – mit all seinen Rissen, Macken und diesen charmanten Holzbuden entlang der Kurve. Das Lechfeldstadion braucht der moderne Fußball, und der moderne Fußball das Stadion. Aber nahezu jedes mal, wenn es von der neuen Haltestelle durch die Unterführung geht, dieser Moment kurz bevor sich zur Linken die leuchtenden LEDs ankündigen, denkt man nochmal kurz an den Spaziergang vom Polizeipräsidium, entlang der kleinen Straßen durch das unscheinbare Wohnviertel bis sich das Stadion wieder vor einem öffnet. Und einen Gedanken später ist man auf dem Weg zum nächsten Spiel in der Bundesliga.

Defensiv hui, offensiv pfui

Der FC Augsburg kann wieder gewinnen. Der 1:0-Sieg in Bielefeld war bei weitem nicht schön anzusehen und ehrlich gesagt auch nicht wirklich verdient. Dafür aber umso wichtiger. Der FCA konnte den Abstand auf die Abstiegsplätze weiter ausbauen und grüßt vor dem anstehenden Duell gegen Eintracht Frankfurt (Samstag, 15.30 Uhr) von Platz neun.

Rückblick #DSCFCA

Dass gegen die Arminia dreifach gepunktet werden konnte, lag größtenteils an der starken Defensive. Heiko Herrlich überraschte mit einer Dreierkette um Startelfdebütant Reece Oxford und setzte im Zentrum mit Rani Khedira, Carlos Gruezo und Tobias Strobl erneut auf Kompaktheit. Dieser Plan ging auf – wenn auch zu Lasten der offensiven Kreativität. Ligaweit gibt es nur vier Teams, die weniger Tore kassiert haben als Augsburg. Das (in der Vergangenheit oft löchrige) Abwehrverhalten der Schwaben entwickelt sich unter Herrlich immer mehr zum Prunkstück. In den letzten drei Spielen hatte der FCA stets die besseren Zweikampfwerte vorzuweisen.

Gleichzeitig sind die Bemühungen im letzten Drittel lange nicht so uninspiriert gewesen wie im Moment. Dass der Siegtreffer in Bielefeld von einem Innenverteidiger eingeleitet und abgeschlossen wurde, ist bezeichnend. Spiele des FC Augsburg sind derzeit nicht schön anzusehen. Der Erfolg gibt Herrlich jedoch recht. Kann der FCA auch gegen Frankfurt punkten, steht der Klub vor einem entspannten Weihnachtsfest. Fernab jeglicher Abstiegsängste. Doch die Aufgabe am Samstag wird nicht leicht. Auch wenn es beim Gegner aktuell nicht wirklich rund läuft.

Umjubelter Siegtreffer: Jeffrey Gouweleeuw (verdeckt) sorgte in Bielefeld für einen enorm wichtigen Auswärtserfolg. (Foto via imago)

Über den Gegner

Eintracht Frankfurt wartet seit neun Bundesligaspielen auf einen Sieg. Zuletzt konnte die SGE Anfang Oktober gegen Hoffenheim gewinnen (2:1). Danach avancierten die Hessen zum Remiskönig der Liga und teilten siebenmal die Punkte – auch gegen starke Gegner wie Leipzig (1:1), Dortmund (1:1) oder zuletzt Gladbach (3:3). Die Leistung auf dem Platz ist keineswegs schlecht. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter schafft es, auch spielerisch stärkeren Kontrahenten Paroli zu bieten. Nur gegen den FC Bayern (5:0) blieb der Vorjahresneunte ohne eigenes Tor.

Ohnehin ist die Offensive keine allzu große Problemstelle bei den Adlern. André Silva (neun) und Bas Dost (vier) haben nur zwei Tore weniger erzielt als der gesamte FC Augsburg. Hinzukommen die Kreativspieler Daichi Kamada und Aymen Barkok sowie Flügelmann Filip Kostic. Der tempostarke Serbe sucht zwar noch nach der Form der Vorsaison (kein Tor, erst eine Vorlage), ist jedoch jederzeit für einen Überraschungsmoment gut. Auf Augsburgs Rechtsverteidiger kommt also eine knifflige Aufgabe zu.

Ein Verschlafen der Anfangsphase, defensive Unzulänglichkeiten in Form vermeidbarer Fehler und unglückliche Wechsel standen einem Sieg zuletzt im Weg. Folglich gerät die zweifelsohne erkennbare spielerische Entwicklung in den letzten Partien in den Hintergrund. Und der Trainer? Ist Hütter noch unumstritten? Der Österreicher, der Frankfurt 2019 bis ins Halbfinale der Europa League geführt hat, genießt am Main nach wie vor hohen Kredit, muss so langsam allerdings liefern. Von einer Entlassung ist Hütter noch entfernt. Wenn der Abwärtsstrudel jedoch anhält, könnten kritische Stimmen lauter werden.

Hängende Köpfe: Bis zur 90. Minute führte Frankfurt mit 3:1 gegen Gladbach, doch für einen Sieg reichte es auch am Dienstag nicht – 3:3. (Foto via imago)

Die Fakten zu #FCASGE

Kopfballstark: Kein Team entscheidet mehr Kopfballduelle für sich als Frankfurt (299). Allein 72 davon gehen auf das Konto von 1,96-Meter-Mann Bas Dost – Ligaspitze. Der FCA rangiert in dieser Statistik auf Rang elf (236).

Lieblingsgegner: In fünf Spielen gegen die SGE gelangen Marco Richter vier Treffer – darunter auch sein erstes Bundesligator im Februar 2018.

Rückhalt: Rafal Gikiewicz wehrt ligaweit die meisten Torschüsse ab (45, wie Robin Zentner). Frankfurts Kevin Trapp lauert dicht dahinter mit 44.

Schussfreudig: Nur Robert Lewandowski feuert mehr Torschüsse ab als André Silva (43 zu 40). Die neun Ligatreffer des Portugiesen bedeuten in der Torschützenliste Rang drei.

Wiedersehen: Am Samstag kommen zwei alte Bekannte in die WWK Arena. Dominik Kohr und Martin Hinteregger standen beide mehrere Jahre in Augsburg unter Vertrag.

Mittlerweile gemeinsam für Frankfurt im Einsatz: Dominik Kohr (r.) und Martin Hinteregger machten 102 beziehungsweise 83 Spiele für den FC Augsburg. (Foto via imago)

Die letzten Begegnungen

07.02.2020: Frankfurt – Augsburg 5:0

14.09.2019: Augsburg – Frankfurt 2:1

14.04.2019: Frankfurt – Augsburg 1:3

24.11.2018: Augsburg – Frankfurt 1:3

04.02.2018: Augsburg – Frankfurt 3:0

Debüt geglückt: In seinem ersten Spiel als Cheftrainer des FC Augsburg war Martin Schmidt in Frankfurt gefordert. Zum Einstand gab es dank Michael Gregoritsch und einem doppelten Marco Richter einen 3:1-Sieg (Foto via imago).

Presseschau

Als der FC Augsburg im Sommer auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger war, fiel auch der Name Kenny Lala. Der Franzose steht bei Racing Straßburg unter Vertrag und kokettiert seit längerem mit einem Wechsel. Während die Gerüchte um ein Engagement in Schwaben relativ schnell wieder leise wurden, könnte Lala nun doch noch den Weg in die Bundesliga finden. Wie das französische Portal le10sport berichtet, steht der 29-Jährige im Fokus von Eintracht Frankfurt.

Die Hessen hätten auf der Rechtsverteidgerposition durchaus Bedarf. Der frühere Dauerbrenner Danny da Costa scheint ebenso außen vor wie Timothy Chandler oder Almamy Toure. Linksfuß Erik Durm konnte in den letzten Spielen ebenfalls nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen.

Im Sommer 2019 war Lala in der Europa-League-Quali gegen Frankfurt im Einsatz. Spielt er bald gemeinsam mit Filip Kostic & Co.? (Foto via imago)

Was macht eigentlich Marcel Heller?

Wirklich glücklich in Augsburg wurde Marcel Heller nicht. 2017 wechselte der Flügelspieler vom SV Darmstadt in die Fuggerstadt und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Nach einer überschaubaren Saison (25 Spiele, kein Tor, zwei Vorlagen) zog es den früheren U21-Nationalspieler wieder zurück zu den Lilien, wo er bis Juli 2020 aktiv war.

Weil Darmstadt in Person von Neutrainer Markus Anfang nicht mehr auf ihn setzte, war Heller, der von 2007 bis 2009 36 Einsätze für Eintracht Frankfurt machte, vereinslos. Im Oktober sicherte sich nun Bundesligabsteiger Paderborn Hellers Dienste, um in der Offensive für zusätzliche Alternativen zu sorgen. Der mittlerweile 34-Jährige kam seitdem in drei Spielen zum Zug (jeweils als Joker).

Temporeich, aber ineffektiv: Marcel Heller, hier beim 3:0 gegen Frankfurt im Jahr 2018, konnte sich beim FC Augsburg nicht nachhaltig etablieren. Jetzt kickt er in Paderborn. (Foto via imago).

Voraussichtliche Aufstellung

Die Linksverteidiger Iago und Mads Pedersen sind am Freitag wieder ins Training eingestiegen und daher eine Option fürs Frankfurt-Spiel. Somit spricht vieles dafür, dass Herrlich zur gewohnten Viererkette zurückkehrt. Oxford hat gegen die Arminia zwar Argumente für eine erneute Startelfberufung geliefert, werde vom Coach aber eher als Sechser gesehen, wie auf der Spieltags-PK deutlich wurde. Dort haben andere momentan jedoch die Nase vorn.

Darüber hinaus wird Herrlich gewiss den ein oder anderen Wechsel vornehmen. Gumny könnte Framberger ersetzen, Vargas in der Offensive starten. Für mehr Durchschlagskraft im letzten Drittel bietet sich eine Änderung auf der Zehn an. Florian Niederlechner steht nach abgesessener gelb-rot-Sperre wieder zur Verfügung, aber auch Alfred Finnbogason scheint eine ernstzunehmende Option zu sein.

Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Uduokhai, Iago – Khedira, Gruezo – Caligiuri, Strobl, Vargas – Finnbogason

Torloses Duo: Alfred Finnbogason und Florian Niederlechner warten beide noch auf ihren ersten Saisontreffer. Bei wem platzt der Torknoten zuerst?

Tipps:

Andy: 3:1 – Für mich als Wahl-Frankfurter sind die Spiele des FCA gegen die SGE immer am wichtigsten. Ruhe am Arbeitsplatz ist das oberste Gut (naja, die Frankfurter Kollegen dürfen sich schon was anhören). Mein Tipp ist daher mehr Wunsch als realistische Einschätzung. Mein FCA schlägt die Eintracht deutlich.

Irina: 1:2 – Der Augsburger Dusel lässt nach – wir verlieren verdient gegen starke Frankfurter.

Franzi: 1:1 – Optimistisch und hart erkämpft, obwohl Frankfurt nach seinen vielen Unentschieden in letzter Zeit alles für einen Sieg tun wird.

Andi: 2:0 – der dreckige Sieg in Bielefeld gibt der Mannschaft endlich den Mut, den man zuletzt so sehr vermisst hatte. Augsburg setzt ein Ausrufezeichen und grüßt an Weihnachten von der oberen Tabellenhälfte.

Jahrblickend

Der FCA zeigt wieder ein entscheidendes Merkmal, das einen Bundesligisten ausmacht: Er macht das entscheidende Tor und gewinnt dadurch ein möglicherweise wegweisendes Spiel. 16 Punkte aus 12 Spielen und neun Punkte Abstand zur Relegation, unabhängig von den Ergebnissen steht der FCA in der Tabelle auch vor stärker eingeschätzten Teams. Der Punkteschnitt unter Trainer Herrlich nähert sich dem bisherigen Spitzenwert der Bundesligazeit.

Wenn sich bei Betrachtung der Tabelle ein kleiner Unterschied erkennen lässt, dann liegt der FCA in der oberen Hälfte. Am kommenden Samstag nun der Vergleich an der Schnittstelle gegen Eintracht Frankfurt. Zum Ende des Bundesligajahrs die Chance für den FCA einen weiteren Schritt Richtung gelungener Hinrunde in der Saison 2020/ 21 zu bestätigen.

Nach gutem Start in die Saison wartet die Eintracht seit neun Spielen auf einen Sieg. Mehrmals dabei in Führung, oder auch, wie zuletzt gegen Mönchengladbach, den Sieg kurz vor dem Ende aus der Hand gebend – die Eintracht steht in der Tabelle hinter ihren Möglichkeiten.

Ohnehin eine schwierige Situation für die Frankfurter, die dieses Jahr nicht international spielen – und auch im Umfeld des Vereins keine einheitliche Auffassungen hinsichtlich der sportlichen Weiterentwicklung der Mannschaft.

Hinter Gerd Müller und Klaus Fischer steht Robert Lewandowski, mit nun 251 Treffern, auf Platz 3 der ewigen Bundesligatorjägerliste, und ist der erste FIFA-Weltfußballer aus der Bundesliga – vor Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die elf der letzten 13 Wahlen für sich entscheiden konnten.

Unabhängig der Beurteilung dieser Auszeichnung liefert die Liste der Gewinner seit 1991 auch einen Streifzug durch den international-europäischen Fußball, beginnend in einer Zeit der stärker zunehmenden Kommerzialisierung.

15 verschiedene Spieler, die im Zeitraum ihrer Auszeichnung bis zu diesem Jahr nur in Vereinen aus zwei Ligen gespielt haben. Beginnend mit Lothar Matthäus und Marco van Basten über Zinédine Zidane und Luís Figo bis zu den Gewinnern der letzten Jahre, unterbrochen durch Luka Modrić, weist diese Auflistung auch auf eine gewandelte Form der Wahrnehmung hin.

Im Vergleich dazu die Gewinner des Ballon d‘Or von 1956 bis in die 80er-Jahre, an denen, und den Vereinen, für die sie teilweise spielten, sich diese Entwicklung und die des Fußballs auch erkennen lässt.

Der 13. Spieltag der laufenden Saison und das letzte Ligaspiel des FCA – Pokal folgt noch – in diesem Kalenderjahr. Es ist nicht nur der Zeit geschuldet schwierig, einen vergleichbaren Rückblick zu erstellen.

Das erste Ligaspiel dieses Jahr gegen Dortmund mit Erling Haaland. Nachfolgende Spiele gegen Bremen, in Frankfurt, gegen Mönchengladbach und in München. Der Trainerwechsel, und mit Ausnahme von Berlin und gegen Dortmund, coronabedingt, Spiele im leeren Stadion.

Fragen nicht nur an den Fußball, und doch langsam wieder ein anderes Gefühl des Dabeiseins. Spielübertragungen statt Stadionbesuche, und irgendwie wieder ein Mitfiebern, Bangen und Hoffen. Die Leidenschaft für den eigenen Verein lässt sich nicht leugnen, auch wenn die Wahrnehmung eine andere als im Stadion ist, und keine Übertragungstechnik das Live-Erlebnis ersetzen kann.

Veränderungen in Mannschaft und Umfeld, ein guter Saisonstart mit Siegen im Pokal, in Berlin und gegen Dortmund, Fasttabellenführung, Last-Minute-Tore und -punkte – der FCA steht zum Jahresende auf einem Mittelfeldplatz, und hat noch genügend Möglichkeiten zu glänzen.

Aus der Rückbetrachtung ein komplett anderes Fußballjahr – die Einschätzung der neuen Mannschaft, gewonnen ausschließlich aus Übertragungen, Berichten weniger Zeitzeugen und Live-Ticker.

Wintermeister, Herbstmeister – welche Bezeichnung erhält wohl der führende zu Weihnachten dieses Jahr? Kein Boxing-Day, dafür geht es dann zum Jahresanfang gleich in der Liga wieder weiter.

Zuvor noch das Spiel gegen die Eintracht, und der vorweihnachtliche Wunsch dieses Bundesligajahr mit einem sportlich gelungenen Auftritt zu beenden, bevor dann am Dienstag das Wiedersehen mit Leipzig im DFB-Pokal ansteht. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Frohe Weihnachten

2020 war ein besonderes Jahr. Jetzt steht das Ende des Jahres vor der Tür und es gibt Licht am Ende des Tunnels. Mehrere Impfstoffe sind in der letzten Phase der Zulassung und die Impfzentren werden schon eingerichtet. Mit Corona können wir noch nicht ganz abschließen. Mit 2020 bald schon. Und uns freuen, dass wir in 2021 wohl dann doch irgendwann wieder ins Stadion dürfen. Und in die Kneipen. Was will Mensch schon viel mehr.

Für uns als Team der Rosenau Gazette war es grundsätzlich ein positives Jahr. Das Team ist gewachsen. Die Leserzahl auch. Und wir haben immer noch Spaß am Schreiben. Und am FCA. Gerade nach dem Sieg in Bielefeld können wir uns nun auch wieder etwas mehr entspannen. Unten rein rutschen wir nun vor der kurzen Winterpause und mit dem ausgedünnten Kader nicht. Als Augsburger ist man ja immer etwas paranoid. Und bevor jetzt der Jahresendspurt alles andere langsam in den Hintergrund treten lässt, wollte ich ein paar Worte in eigener Sache verlieren.

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Andreas Riedl (@andyriedl)

Das Team und ich haben dieses Jahr zum ersten Mal eine ganze Ladung Kritik abbekommen. Kritik für Kritik sozusagen. Wir haben im Sommer viel kritisch im Blog geschrieben. Strukturen und Personen hinterfragt. Weil wir immer noch daran glauben, dass Meinungspluralismus zu besseren Entscheidungen führt.

Ein paar anderen FCA Fans ist dann im Sommer der Kragen geplatzt. Allen voran Markus Krapf vom Elfer / Feuer & Flamme Podcast / Neue Szene. Da stand dann nach meiner – mit einem humorvollen Augenzwinkern in der 11 Freunde vorgebrachten Kritik – auf seiner Facebook und Instagram-Seite u.a. folgendes: “Im aktuellen 11freunde Sonderheft zum Saisonauftakt gibt es genau einen, der seinen eigenen Club mit Dreck bewirft. Das ist der selbe biedere Vogel, der sich mit T-Shirtverkäufen mit FCA-Motiven ständig selbst inszeniert und womöglich sogar Geld damit verdient. Das alles, ohne sich jemals Verdienste um den FC Augsburg erworben zu haben. Pfui Teufel, Andreas Riedl, wer auch immer du bist!” und darunter hat dann direkt Walter Sianos festgestellt: “Grosse Chance verpasst. Das ist peinliche Scheiße. Und so etwas will ein FCA Fan sein. Hab die Rosenau-Rosette gerade ent-liked. Und zwar für immer!” Ob ich denn im Elfer willkommen sei, hat Markus Krapf dann auch direkt festgehalten: “Hat im 11er nix verloren. Der 11er ist eine FAN-Kneipe”. Ein paar andere haben sich dann auch direkt in diesem Zusammenhang reproduziert. Es war alles sehr konstruktiv. Ein kleiner Shitstorm. Da musste ich dann erstmal schlucken, als ich das Pech hatte, das dann selbst zu lesen.

Aber was soll es. Es hat doch ein bisschen gebraucht, bis ich meinen Frieden gemacht habe. Frei nach dem Motto: “Wer austeilt, muss auch einstecken können.” Kritik ist grundsätzlich ja gerne gesehen. Und in der Sache darf man auch mal gerne anderer Meinung sein. Dass in diesem Fall die Kritik in der Form eher dem Verhalten eines betrunkenen Kirmesboxers ähnelte, verstört dann zwar, gehört zum Leben aber wohl dazu. Die latente Unterstellung, dass die Erlöse der T-Shirt-Aktionen nicht zu 100% an den ausgewiesenen guten Zweck gehen würden, war ein Tiefschlag. Zudem haben auch andere Fußballblogger in der 11Freunde die Möglichkeit genutzt, Kritik am eigenen Verein zu üben. Der Blogger-Kollege, der die TSG Hoffenheim begleitet, wurde sogar vom eigenen Verein angerufen und hinterfragt. Und vielleicht fragt den Markus Krapf mal einer, ob er nicht über die gleichen sozialen Kanäle, die er jetzt zum Anprangern genutzt hat, früher auch schon mal Werbung für eine der Aktionen gemacht hat. Irgendwie haben sich die Beiträge in Luft aufgelöst. Und im Alter wird man ja vergesslich. Ich kenne das selber schon auch. Reiner Selbstschutz.

Genug aufgeregt. Wenn man das Ganze dann mal sacken lässt, dann fragt man sich schon, welchen Verein man selber will und wie man in dessen Umfeld miteinander umgehen sollte. Zumindest habe ich mich das gefragt. Ganz abseits meiner eigenen Grantler-Gene. Mein Wunschbild ist da sehr von Vielfalt – auch in der Meinung – geprägt. Und Offenheit. Wobei Respekt natürlich auch nicht schlecht wäre. Alles natürlich klar nach rechts abgegrenzt. Nazis haben weder bei uns noch im Elfer einen Platz.

Mit diesen Grundsätzen im Hinterkopf haben wir dann weitergemacht. Und jetzt vor Weihnachten die nächste T-Shirt Aktion gestartet unter dem Motto Immer noch Original 1907 zu Gunsten von Queerbeet e.V. Die T-Shirts sind produziert und die vorbestellten Shirts mittlerweile alle auf dem Weg bzw. angekommen. Dazu sind ein paar der schönsten Blogtexte entstanden, in denen einige Fans von ihren persönlichen Erlebnissen berichten (bisher Irina, Stefan und Stephan). Das Feedback zeigt, dass wir mit unserer Freude über die Texte nicht alleine sind. Und ich habe den T-Shirts eine Überraschung beigelegt. Und mittlerweile die ersten Fragen erhalten, was es damit auf sich hat. Dazu vielleicht ein kurzer Schwenk.

Der Elfer war immer ein Ort, den ich selbst hochgehalten habe. Hier haben sich Fans aller Vereine friedlich getroffen und gemeinsam beim Fußball schauen Spaß gehabt. Sich unterhalten und ausgetaucht. Und tun das hoffentlich auch in der Zukunft, wenn es nach der Pandemie wieder geht. Weil Fußball die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt. Die entsprechenden Anekdoten gibt es dann hoffentlich immer noch vom Dicken Wirt direkt dazu. Und selbst, wenn ich im Elfer nicht mehr willkommen bin, so ist mir doch daran gelegen, dass es den Elfer auch weiterhin gibt. Und die Fankultur, rund um den FCA weiterhin wächst.

Und nachdem ich in der privilegierten Situation bin, wirtschaftlich nur unwesentlich von der Corona-Krise betroffen zu sein, habe ich über einen Freund Biergutscheine für den Elfer gekauft. Und diese nun allen bestellten T-Shirts der Aktion #ImmernochOriginal1907 beigelegt. Wenn es wieder geht, geht in die Kneipen, kommt zusammen und tauscht euch persönlich aus. Gerade der persönliche Austausch rund um den FCA hat mir in diesem Jahr viel gegeben. Spätnächtliches philosophieren über Fußball unter Gleichgesinnten. Dabei muss man nicht immer einer Meinung sein. Aber sich danach zumindest wie unter fairen Sportsmännern und -frauen die Hand geben. In diesem Sinne schon jetzt und bevor es untergeht: Frohe Weihnachten, FCA-Familie!

FCAngespannt

Puh, das war knapp am vergangenen Wochenende. In einer kuriosen Partie konnte der FCA gegen das Schlusslicht der Bundesliga – den FC Schalke 04 – immerhin einen Punkt mitnehmen. Und danach sah es ehrlich gesagt lange Zeit nicht aus! Jetzt kommt am heutigen Mittwochabend mit der Arminia ein weiterer direkter Konkurrent und kann den FCA schlechtesten Falls mit in den Abstiegssumpf ziehen.

Rückblick: FCA – S04

Wie eingangs bereits erwähnt, war das Spiel der beiden Clubs am zurückliegenden Sonntag schon im Vorfeld ein besonderes. Andi von der RoGaz bezeichnete es sogar in seinem Vorbericht als eines der wichtigsten Saisonspiele! Bei Schalke steht mit Manuel Baum seit geraumer Zeit ein alter Bekannter des FCA an der Seitenlinie. Weiterhin spielen beim FCA derzeit mehrere Spieler mit Schalker Vergangenheit – insbesondere Daniel Caligiuri ist hier zu nennen. Der Mittefeldspieler wechselte erst im letzten Sommer von Gelsenkirchen nach Augsburg und hat noch eine ganz besondere Beziehung zum Verein. Gerade Caligiuri erwies sich bisher als Augsburger Glücksgriff – sehr zum Schalker Leidwesen.

Nun, jedenfalls war ebenjenes Sonntagsspiel schon von Anfang an intensiv! Beide Mannschaften schenkten sich nichts und aggressiv anlaufende Schalker machten den Augsburgern einen geordneten Spielaufbau schwer. Die sehr lange sieglosen Schalker – mittlerweile sind es schon 27 Bundesliga Spiele in Folge – wollten spürbar etwas beweisen! Der FCA ging personell arg gebeutelt in die Partie: Rechtsverteidiger Robert Gumny wich auf links aus und Framberger spielte auf seiner angestammten rechten Seite. Herrlich wählte gegen S04 eine eher defensiv ausgerichtete Formation, spielten doch mit Gruezo, Khedira und Strobl drei nominelle defensive Mittelfeldspieler. Strobl war von den drei genannten am offensivsten positioniert. Auf der Bank nahmen neben Torhüter Koubek noch Richter, Finnbogason, Oxford, Suchy und Gregoritsch Platz. Wie eng es derzeit in puncto Spielermaterial aussieht, zeigte auch die restliche Ersatzbank: Mit Civeja, Cheon und Berisha standen drei Jungspunde aus der U23 des FCA im Spieltagskader.

Schon in der zehnten Spielminute wurde es erstmals heikel: Der beste Schalker Spieler bis dato, Mark Uth, ging mit dem Augsburger Innenverteidiger Uduokhai in einen Luftzweikampf und verletzte sich dort augenscheinlich. Die beiden Spieler sind mit den Köpfen zusammengeprallt, Uth ging danach benommen zu Boden. Fast 15 Minuten wurde Uth auf dem Spielfeld behandelt, zig Sanitäter und auch die Teamärzte beider Lager waren im Einsatz. Gott sei Dank waren Spieler und medizinische Kräfte direkt zur Stelle. Florian Niederlechner hat beispielsweise den Teamärzten beim Tragen geholfen! Mark Uth wurde mit der Trage vom Spielfeld und anschließend direkt ins Klinikum gebracht, von dort gab es kurz vor der Halbzeit zumindest leichte Entwarnung. Sowohl Schalke als auch Augsburg wollten die Partie übrigens weiterspielen, Schiedsrichter Gräfe und die Augsburger ließen laut Medienberichten den Schalkern die Wahl.

Auch nach diesem markerschütternden Zwischenfall ging es weiter körperbetont zur Sache: Wieder Udo prallte mit dem Schalker Boujellab im Kopfballduell zusammen, wieder kurze Behandlungspause, der Schalker spielte dann mit Turban weiter. Allgemein war die Partie im Anschluss sehr zerfahren, die Schalker hatten etwas mehr vom Spiel. Waren griffiger und gieriger. Trotzdem ging der FCA nach einem Standard vom Ex-Schalker Caligiuri in Führung, Serdar hatte den Ball noch entscheidend ins eigene Tor abgefälscht.

Mit einem schmeichelhaften 1:0 ging der FCA in die Halbzeitpause. Aus der Schalke gut erholt zurückkam und direkt den Ausgleich erzielen konnte – dank Gruezos misslungenem Rückpass. Die Partie wurde wieder hitziger, erst foulte Sane Niederlechner erbarmungslos und kassierte “nur” Gelb. Dann kassierte der gelb vorbelastete Stürmer des FCA seine zweite Gelbe für einen leichten Wischer im Fallen und durfte frühzeitig duschen gehen. Eine sehr harte Entscheidung des sonst so souveränen SR Gräfe. Schalke drehte sodann das Spiel, Serdar erzielte das zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente 2:1 für S04. Danach spielte aber quasi nur noch der FCA, denn Herrlich wechselte in Unterzahl offensiv und mutig. Richter, Gregerl, Finnbogason – alle drei Offensivoptionen durften für die letzte halbe Stunde ran. Richter war es sodann vorbehalten, in der Nachspielzeit per Kopf das 2:2-Ausgleichstor zu erzielen. In Summe war dieses Ergebnis auch verdient für beide Seiten.

Marco Richter mit dem späten Ausgleich (Photo by Adam Pretty/Getty Images)

An dieser Stelle wünscht das Team der RoGaz S04-Spieler Mark Uth gute Besserung und rasche Genesung. Der Stürmer ist laut Medienberichten am Montag bereits wieder aus dem Augsburger Klinikum entlassen worden.

Vorschau: DSC – FCA

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heißt eine weit verbreitete Fußballweisheit. In Zeiten von Corona sind englische Wochen an der Tagesordnung. Kurz vor Weihnachten stehen für den FCA noch drei Spiele an. Zwei in der Liga und eine Pokalpartie gegen Leipzig, die zwischenzeitlich zur Diskussion stand, kurz vor dem Weihnachtsfest. Heute Abend wartet mit Arminia Bielefeld ein weiterer direkter Konkurrenz im Abstiegskampf. Die Ostwestfalen spielen bisher unter ihren Möglichkeiten, zahlen oft Lehrgeld. Zuletzt verlor die Arminia mit 2:0 gegen Freiburg. Mit Sergio Cordova spielt ein Augsburger Leihspieler auf Seiten des DSC.

Mit Torhüter Ortega, einer ordentlichen Abwehrreihe rund um den Holländer van der Hoorn und dem erfahrenen Kapitän Fabian Klos hat Arminia wichtige Säulen im Kader. Gerade Klos und seinen Sturmpartner Schipplock muss der FCA auf dem Zettel haben. Die Ostwestfalen haben die zwei laufstärksten Feldspieler der Bundesliga in ihren Reihen (Prietl und Hartel mit rund 139 und 135 km in 11 Partien). Laufstärkster Augsburger ist Caligiuri mit rund 121 gelaufenen Kilometern. Zudem gehört der DSC mit nur 16 gelben Karten zu den fairsten Bundesliga-Teams. So oder so, der FCA wird gewarnt sein. Es verspricht ein laufintensives Spiel zu werden, keine der beiden Mannschaften kann so richtig das Spiel aufbauen. Es wird darauf ankommen, wer das erste Tor macht und defensiv stabiler steht. Augsburg hat bisher 17 Gegentore kassiert, Arminia 22.

Fabian Klos als langfristiger Eckpfeiler der Bielefelder Mannschaft will gegen Augsburg zu Hause natürlich gewinnen (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Ich persönlich, die seit 2014 in Ostwestfalen lebt, gönne den Arminen jeden Punkt und jede Spielminute in der Bundesliga. Arminia gehört einfach zu den Traditionsvereinen in Deutschland und damit auch in die oberste Spielklasse! Schade, dass Corona dem Verein und den Fans dieses Erlebnis ein wenig nimmt. Geisteratmosphäre im Aufstiegsjahr macht diese besagte Aufstiegseuphorie und den dadurch entstehenden “Vorteil” zunichte. Nichtsdestotrotz schlägt sich Bielefeld bis dato wacker, aktuell steht man auf Tabellenplatz 16 mit 7 Punkten. Defensiv ist dies sehr solide, jedoch ist man im Sturm – trotz Urgestein Klos -recht harmlos mit nur 8 erzielten Treffern. Da geht noch mehr. Trotzdem hoffe ich, dass dieser Zustand nicht ausgerechnet gegen den FCA geheilt wird 🙂

Personal und Taktik

Heiko Herrlich steht auf Augsburger Seite diesertags besonders unter Beobachtung. Nach dem guten Saisonstart ist wieder etwas Ernüchterung in Augsburg eingekehrt. Aus den letzten fünf Partien holte der FCA nur magere fünf Punkte. Der aktuelle Trend der Augsburger ist daher eher eine Art Abwärtstrend. Der Punkt gegen Schalke war zwar nicht unverdient, aber eigentlich für die Augsburger Ansprüche zu wenig. Mit dem zurzeit zehnten Tabellenplatz und 13 Punkten sieht das besser aus als der Zustand tatsächlich ist. Auf den Relegationsplatz, den die Bielefelder derzeit belegen, hat man sechs Punkte Abstand – jedoch kann dieser Abstand bei einer Augsburger Niederlage gegen die Arminia auf drei Punkte schmelzen.

Die Moral des FCA stimmt zweifellos. Rückschläge können nachweislich gut weggesteckt werden und die Truppe gibt sich auch in der Nachspielzeit nicht auf. Auch sportlich austrainiert und fit wirken die Spieler. Viele Kilometer legen die Jungs pro Spiel zurück. Jedoch beuteln die Augsburger extreme Personalsorgen und offensiv sieht das aktuell ziemlich mau aus. Wenig eigens kreierte Torchancen, kaum kreative (Umschalt-)Momente, wenig Ballbesitz – hier gilt es anzusetzen. Der kicker berichtete daher zuletzt, dass Herrlich unter Druck steht und nun liefern muss: “Nur 41 Prozent Ballbesitz und eine schwache Passquote von 63 Prozent sprechen eine deutliche Sprache. Erst recht gegen einen sieglosen Tabellenletzten.” Sollte sich der Umstand nicht ändern und der FCA das Spiel gar verlieren, ist die Lage in Augsburger Gefilden dann deutlich angespannter als zuletzt und man rutscht wieder mit in die Abstiegszone hinein.

Heiko Herrlich muss mal wieder eine etwas schwierigere Phase bewältigen (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Beim FCA wird wohl weiterhin der an Covid-19 erkrankte Hahn fehlen. Auch sonst wird es vermutlich wenig Bewegung im Lazarett geben. Über die schnelle Rückkehr eines Linksverteidiger – Iago und/oder Pedersen – würde man sich beim FCA diesertags sehr freuen! Gumny hat das zwar recht ordentlich gemacht, hatte in der zerfahrenen Partie gegen Schalke jedoch keinen besonders gefährlichen Gegenspieler. Gegen die Arminia könnte dies in Person vom quirligen Japaner Ritsu Doan deutlich unangenehmer werden! Der 22jährige Leihspieler von PSV Eindhoven ist bisher die Neuentdeckung der Saison bei den Ostwestfalen. Ggf. könnte auch Sergio Cordova auf den linken Flügel ausweichen.

Beim FCA wird daher einzig der gelb-rot-gesperrte Niederlechner ersetzt werden müssen. Dessen Rolle könnte entweder in Person von Finnbogason oder Gregoritsch neu besetzt werden. Marco Richter hat sich mit seinem Ausgleichstreffer in den Vordergrund gespielt und ist eine ernsthafte Startelf-Option, vielleicht sogar auf seiner Lieblingsposition – der Zehn.

Der FCA geht gem. dem Kicker vermutlich mit folgender Elf in das Spiel:

Gikiewicz - Framberger, Gouweleeuw (C), Uduokhai, Gumny - Khedira, Strobl - Caligiuri, Richter, Vargas - Gregoritsch

Was macht eigentlich – Momo Diabang?

Mamadou “Momo” Diabang – wer könnte den Namen des senegalesischen Stürmers in Augsburg vergessen? Der heute 41jährige schnürte in Deutschland zuallererst für die Arminia aus Bielefeld im Profibereich die Fußballschuhe. Von 2006 bis 2008 kickte er in Augsburg. In der Saison 07/08 stürmte er 27 Mal für den FCA, erzielte hierbei 7 Scorerpunkte. Weiterhin erzielte er in insgesamt 100 2. Liga Partien sowie in 69 1. Liga Partien jeweils 17 Treffer. Die Bielefelder haben ihn sicherlich in bester Erinnerung, erzielte Momo doch am 15.03.2003 drei Treffer gegen Borussia Mönchengladbach. Gerüchte besagen, dass sich Uli Hoeneß sogar nach dem quirligen Offensivspieler erkundigt hatte nach der Partie.

Momo Diabang beim Jubel über eines seiner Augsburger Tore (Foto: imago/Krieger)

Diabang ist nach seiner aktiven Profilaufbahn nach Ostwestfalen zurückgekehrt und kickt derzeit für den Bezirksligisten Türkgücü Gütersloh. Diesen hat er in der vorletzten Saison mit 25 Treffern in 24 Spielen zum Aufstieg in die Bezirksliga geschossen. Beim Spiel der Arminia gegen den FCA wird er daher vermutlich eher den Ostwestfalen die Daumen drücken. Denn Diabang hatte seine sportliche Glanzzeit eigenen Aussagen zufolge bei der Arminia: “In Bielefeld habe ich die beste Zeit als Fußballer erlebt und bin heute noch Hermann Gerland dankbar, der mich zur Arminia geholt hat.“

Tipps der Redaktion

  • Andi: 0:1 – in einem Bundesligaspiel, das den Namen nicht verdient hat, gewinnt der FCA dreckig. Ein guter Moment von Finnbogason reicht, um endlich wieder drei Punkte einzufahren.
  • Andy: 0:1 – Der FCA schafft den Befreiungsschlag und schlägt die Arminia knapp!
  • Irina: 1:2 – Da ich gestern Geburtstag hatte, hoffe ich auf ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk vom FCA! Ich prognostiziere daher frohen Mutes und ggf. wieder zu optimistisch ein diesmal unspektakuläreres Spiel, aus dem der FCA als Sieger hervorgeht!