Fußballfansein

Es bleibt dabei, der FCA kann Heimauftaktspiele in der Bundesliga nicht gewinnen. Und wenn es auch in der ersten Stunde teilweise gut aussah, fehlten noch die klaren Chancen und das Glück bei der Verwertung in der ersten Hälfte.

Auch wenn das Ergebnis etwas hoch ausfiel, ist dies zu Beginn der Saison noch nicht überzubewerten, und liefert auch einige Hinweise zur weiteren Entwicklung der Mannschaft.

Was war sonst noch zu Beginn der Saison: Der Mainzer Höhenflug hält saisonübergreifend gegen Leipzig an, München bekommt einen Punkt in Mönchengladbach, Dortmund und Stuttgart gewinnen klar, und irgendwie das unbestimmte Gefühl, das am nächsten Wochenende alles wieder ganz anders sein könnte.

Es war der erste Bundesligaspieltag nach fast eineinhalb Jahren, an dem in allen Stadien wieder vor etwas mehr Publikum gespielt werden konnte.

Einzelne Rekorde sind da, um verbessert zu werden – dies eben macht auch deren Besonderheit bzw. die Aufmerksamkeit, die sie erlangen, aus. Und doch sind es nicht nur die blanken Werte, sondern auch die verbundene Zeit und Geschichten, die einhergehen.

Die Tore Gerd Müllers fielen in einer Zeit, in der die Berichterstattung und Interpretation des Spiels noch nicht unbedingt in die Feuilletons drängten und der Sprachschatz zur Beschreibung von neueren Spielideen sich noch auf wenige Begrifflichkeiten beschränkte.

Neben den vielen Toren für den FC Bayern München sind es auch die bei der WM 1970 gegen England und Italien, und noch mehr das letzte im Trikot der Nationalmannschaft, im Finale 1974, die in Erinnerung bleiben, und an eine andere Zeit des Fußballs und manche verbundene Fußballsozialisation erinnern.

Zum Ende der vergangenen Saison, nach Bekanntgabe der personellen Veränderungen im sportlichen Bereich, verspielte die Eintracht die erhoffte Qualifikation für die Champions League. Nach dem Weggang von Bruno Hübner, Fredi Bobic und Adi Hütter wurden Ben Manga neuer Sportdirektor, Markus Krösche Sportvorstand und Oliver Glasner neuer Trainer.

Mit André Silva verließ der zweitbeste Torschütze der vergangenen Bundesligasaison die SGE Richtung Leipzig.

Für die Frankfurter begann die Saison nicht gut. Auf das Pokal-Aus bei Waldhof Mannheim folgte eine 2 : 5 – Niederlage in Dortmund. Einige auch die dem Verein, der vor Jahren bereits einen ähnlichen Wandel gut vollzogen hatte, eine schwere Saison vorhersagen.

Drei Jahre hat Martin Hinteregger für den FCA gespielt. Mit seiner Art Fußball zu spielen und zu leben ist er in Augsburg mehr als akzeptiert worden. In seinem Buch Innenansichten schreibt er knapp zwölf Jahre nach dem Tod von Robert Enke auch über einige Schattenseiten eines Bundesligaspielers.

Fußball ist auch auf dem Platz Spiegelbild der Gesellschaft – in allen Zeiten gab es erfolgreiche Spieler, die mit Situationen nicht klarkommen konnten.

Zur Akzeptanz des Sports und verbundener Begeisterung gehört eben auch eine erweiterte Wahrnehmung der Protagonisten über das Spiel hinaus.

Als Fußballfan begleitet man seinen Verein über lange Zeit, manchmal ein Leben lang, lernt manche Spieler, auch über den Platz hinaus, kennen. Auch dies hat sich durch die Professionalisierung, einschließlich der Ausbildungswege junger Sportler, die zumeist längst nicht mehr aus der Region kommen, geändert.

Unabhängig sportlicher und sonstiger Auftritte, sollte aber auch hier Bewusstsein und eine Form bestimmter Distanz gewahrt sein.

Auch wenn die Tabelle nach dem ersten Spieltag keine Aussagekraft hat, treten am Samstag zwei der Verlierer des letzten Wochenendes gegeneinander an. Die Bundesligabilanz der beiden Vereine ist annähernd ausgeglichen.

Und doch zeigt sich ein wenig hier auch die Entwicklung beider Vereine in der Liga in diesem Zeitraum. Und genaugenommen auch darin wieder die Etablierung des FCA in der Erstklassigkeit.

An die bisherige Bilanz mit FCA-Trainer Weinzierl gegen die SGE anschießend, im Auftreten als neue Mannschaft einen nächsten Schritt machend, überzeugen, und vielleicht ein erstes Ausrufezeichen setzen. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Die Stationen des Markus Weinzierl

Nach der Entlassung von Heiko Herrlich freuten sich viele Fans darüber, mit Markus Weinzierl unseren erfolgreichsten Trainer der Bundesligahistorie zurück zu bekommen. Doch leider gab es auch kritische Stimmen, die immer wiederholten, dass er ja bei anderen Vereinen nichts „gerissen“ hat. Das mag insoweit stimmen, dass er es mit keiner anderen Mannschaft geschafft hat, erneut in internationale Wettbewerbe einzuziehen. Doch meiner Meinung nach kommt es im Fußball auf so viel mehr an, als rein auf sportlichen Erfolg und Pokale. Man kann auch auf eine andere Art und Weise erfolgreich sein. Beispielsweise aufgrund von Kontinuität, Stabilität und Zweikampfstärke, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Aufgrund dessen haben wir von der RoGaz uns einmal alle Stationen angeschaut, bei denen Markus Weinzierl als Cheftrainer angestellt war. Dies ist Teil 1 unserer kleinen Trainerserie. Im zweiten Teil werden wir uns Weinzierls Zeit bei unserem FCA etwas genauer betrachten auch im Vergleich mit seinen Nachfolgern.

Der Mann an seiner Seite

Bevor wir etwas genauer auf die einzelnen Stationen werfen, möchten wir euch kurz den Mann vorstellen, mit dem unser Trainer bei sämtlichen Stationen zusammen gearbeitet hat. Dieser Mann ist Wolfgang Beller, der seit dem 01.07.2020 als Gegneranalyst erneut Teil der FCA-Familie ist.

Bellers Trainerkarriere startete bereits im Jahr am 01.07.1994 in Straubing, als dieser gerade einmal 30 Jahre alt war. Bis zum 30.06.2009 stand er selbst als Chefcoach bei kleineren Vereinen an der Seitenlinie. Seine Stationen waren neben dem TSV Straubing ASV Cham, Freier TuS Regensburg, die U19 von Jahn Regensburg, der FC Dingolfing und der 1. FC Bad Kötzing.

Bis 2019 ein unzertrennliches Team (Foto via imago)

Doch zum 01.07.2009 winkte ein neues Arrangement in Form eines Co-Trainer-Jobs beim SSV Jahn Regensburg unter Markus Weinzierl, der mit seinem Team gerade erfolgreich die 3. Liga gehalten hatte. Und seit jenem Tag waren Beller und Weinzierl eigentlich unzertrennlich. Neben ihrer gemeinsamen Tätigkeit bei den Oberpfälzern, arbeiteten sie auch beim FC Augsburg, bei Schalke 04 und beim VfB Stuttgart mal mehr und mal weniger erfolgreich zusammen.

SSV Jahn Regensburg

Nachdem Markus Weinzierl seine Karriere als aktiver Spieler aufgrund einer Verletzung zum 01.07.2005 beenden musste, trat er genau 2 Jahre später seine Stelle als Co-Trainer beim Jahn an. Als solcher fungierte er ein Jahr und knapp 5 Monate, bevor man ihn quasi ins eiskalte Wasser schmiss. Nach 16. Spieltagen standen die Regensburger mit gerade einmal 12 Punkten auf dem 18. Tabellenplatz und waren somit vom Abstieg mehr als nur bedroht. Da es auch finanziell nicht rosig aussah, entschied man sich kurzerhand dafür, auf einen Mann aus dem eigenen Stall zu setzen.

Und eines muss man Markus Weinzierl wirklich lassen: Er machte trotz der stark eingeschränkten finanziellen Mitteln einen tollen Job. Dazu muss man wissen, dass Jahn Regensburg zu jener Zeit eine Insolvenz drohte, die sie nur mit Mühe und Not abwenden konnten.

Doch zurück zur sportlichen Leistung. In seiner ersten Saison als Cheftrainer kommt Markus mit den Oberpfälzern auf 9 Siege, 6 Unentschieden und 7 Niederlagen. Dies bedeutete eine Ausbeute von 32 Punkten in 22 Spielen und somit einen Punkteschnitt von 1,45 pro Partie. Tore schoss man insgesamt 22, kassieren tat man 21. Die Regensburger durften am Ende jener Saison auch kräftig jubeln, denn zusammen mit Weinzierl hielten sie die 3. Liga, obwohl es ihnen nach dem schlechten Saisonstart keiner zugetraut hätte.

Auch in den folgenden zwei Jahren schafften die Pfälzer den Klassenerhalt. In der Saison 2009/10 erreichten sie den 16. und in der Saison 2010/11 sogar schon den 8. Platz in der Tabelle. In diesen Spielzeiten ist besonders eines sehr auffällig: Der Jahn legte jeweils einen tollen Saisonstart hin, brach dann aber ein, was auch der Unruhe innerhalb des Vereins geschuldet war. 2009 hatte man nach dem 7. Spieltag beispielsweise schon 17 Punkte, was einem Schnitt von 2,43 Punkten pro Partie entspricht. Am Ende standen 46 Zähler auf dem Konto, inklusive einem Torverhältnis von 43:48. 2010/11 waren es 52 Punkte, was wiederum zeigt wie stark die Liga im Vorjahr gewesen sein muss.

Was eine Besonderheit von Markus Weinzierl war, ist, dass er sich auf kein genaues Spielsystem festlegte. Immer wieder wechselte er die Aufstellung, um eventuell den Gegner zu verwirren. Er hatte seine Favoriten, aber trotzdem variierte er immer wieder. Beim Jahn ließ er in den ersten drei Jahren am liebsten ein 4222 spielen, aber auch ein 442 taucht des Öfteren auf.

Erfolg auf ganzer Linie

In der Saison 2011/12 hingegen stellte er die taktische Ausrichtung auf ein 4231 um. Dies schlug auch voll ein, denn am Ende der Spielzeit stand man souverän auf dem Relegationsplatz zur 2. Liga. Noch immer hing Regensburg tief in den roten Zahlen und Weinzierl musste seinen Kader überwiegend aus Regionalligaspielern und Jungs aus der eigenen Jugend zusammen basteln.

Ich glaube, wir alle wissen, dass es diese Saison ganz ganz schwer wird.

Markus Weinzierl zu Beginn der Saison 2011/12

Es gab zu Beginn jener Spielzeit also kaum Hoffnung und alle sahen den Jahn schon in der Regionalliga. Doch Weinzierl schaffte es, aus einem potentiellen Abstiegskandidaten eine Mannschaft zu formen. Er setzte seine Fähigkeiten als Teamplayer ein und kitzelte das Bestmögliche aus seinen Spielern heraus. Er gab jedem Spieler das Gefühl gebraucht zu werden. In 38 Ligapartien fuhr Jahn Regensburg 16 Siege und 13 Unentschieden ein. 61 Punkte bedeuteten am Ende einen Punkteschnitt von 1,61 Punkten pro Spiel. Und auch an Toren ließ man es nicht mangeln. 55 Mal landete die Kugel im gegnerischen Netz, das heißt man schoss pro Spiel 1,45 Tore. Natürlich muss man auch immer mal einen gegnerischen Treffer hinnehmen. In jener Saison waren es 41 Gegentore, also 1,08 pro Partie.

Am Ende durfte Markus Weinzierl mit Jahn Regensburg kräftig jubeln (Foto: Stockhoff SPORT via imago)

Am Ende schaffte unser heutiger Coach mit den Oberpfälzern auch noch das große Wunder „Aufstieg“. In den beiden Relegationspartien trennte man sich jeweils Unentschieden gegen Zweitligist Karlsruher SC (1:1, 2:2). Doch da am Ende Auswärtstore mehr zählten, stieg Regensburg in die höhere Klasse auf. Und da man immer aufhören soll, wenn es am schönsten ist, nahm Markus Weinzierl das Angebot unseres FC Augsburg an und wechselte somit ins Oberhaus. Doch wie es dort genau lief, sehen wir uns in der nächsten Episode genauer an.

(Kein) Glück auf, Schalke?!

Die Trennung von Markus Weinzierl und dem FC Augsburg im Jahr 2016 lief leider alles andere als harmonisch ab. Zu gerne hätte man mit dem gebürtigen Straubinger, der eigentlich einen gültigen Vertrag bis 2019 besaß, weiterhin zusammen gearbeitet. Doch leider wollten ihn die königsblauen Knappen unbedingt in ihren Reihen haben, sodass man einem Wechsel am Ende zähneknirschender Weise zustimmte. Die Ablösesumme, die bei etwa 5 Millionen Euro lag, konnte die Fans jedoch nicht über den Verlust hinweg trösten.

Wir haben alles erreicht, was wir zusammen erreichen konnten. Jetzt muss einer mit neuen Ideen und neuen Visionen übernehmen.

Markus Weinzierl erklärt die Auflösung seines Vertrages

Am 01.07.2016 trat Weinzierl seine Arbeit bei Schalke an, wo er auch erneut die internationale Bühne der Europa League betreten durfte. Auch hier arbeitete er mit seinem langjährigen Gefährten Wolfgang Beller zusammen. Wie auch schon bei Jahn Regensburg wechselten die Beiden immer wieder das Spielsystem. Favorisiert haben sie dabei das klassische 4231-System, das in 15 von 34 Ligapartien und auch in den EL-Spielen des Öfteren zum Einsatz kam. Doch auch mit einer 3er-Kette experimentierte Weinzierl, denn bei den Startaufstellungen findet sich des Öfteren auch ein 3322 oder 3142, weswegen ich mir vorstellen könnte, das dies auch bei unserem FCA einmal ausprobiert werden könnte.

Ob er selbst mit seiner Zeit auf Schalke so zufrieden war? (Foto via imago)

Insgesamt bestritt der FC Schalke 04 50 Spiele unter unserem erfolgreichsten Trainer. 34 Partien fanden im Oberhaus, 12 in der Europa League und 4 im DFB-Pokal statt. Im Pokal schaffte es Weinzierl mit seinen Jungs bis ins Viertelfinale, wo man mit 3:0 gegen den FC Bayern München ausschied. Auch in der Europa League stand Schalke im Viertelfinale. Hier schaffte man es gegen den späteren Finalisten Ajax Amsterdam leider nicht weiter. Ein 3:2 im Rückspiel machte die 2:0-Niederlage aus dem Hinspiel leider nicht mehr wett. Wobei hierzu zu sagen ist, dass man es im Rückspiel in die Verlängerung schaffte und den entscheidenden Treffer erst in der allerletzten Minute kassierte.

Insgesamt kann Weinzierl in diesen 50 Partien 21 Siege vorweisen. Hinzu kommen 13 Unentschieden und 16 Niederlagen. Die Liga schloss man auf Rang 10 der Tabelle mit 43 Punkten und einem Torverhältnis von 45:39 ab. Zu wenig für die ambitionierten Knappen, die Weinzierl daraufhin am Ende der Saison entließen.

Daten über Daten

Wie bereits erwähnt, beendete Schalke die Saison mit 43 Punkten. Das bedeutet eine Punkteausbeute von 1,27 Punkten pro Spiel, was für die Westfalen nicht zufriedenstellend war. Sieht man sich jedoch das Torverhältnis genauer an, so stellt man fest, dass Schalke mehr Tore schoss als sie selbst hinnehmen mussten. Auf ein einzelnes Spiel betrachtet kommen die Königsblauen hier auf 1,32 geschossene und 1,15 kassierte Tore pro Spiel. In der Europa League sah das sogar noch besser aus. Hier schossen die Schalker in 12 Spielen 19 Tore und erhielten nur 9 Gegentreffer.

Die Schalker waren unter Markus Weinzierl ein Team, dessen Laufbereitschaft im Durchschnitt lag. Auf die komplette Saison betrachtet, legten die Spieler durchschnittlich 114,94 km pro Partie zurück. Am meisten liefen sie in dem Spiel gegen den SC Freiburg am 15. Spieltag. Auf dem Zettel stehen 124,64 km. Doch das half ihnen leider auch nicht dabei, das Spiel zu gewinnen, denn die Partie endete in einem 1:1.

Um Tore zu schießen, muss man natürlich auch Torschüsse abgeben. In einer Partie geschah das durchschnittlich 13,03 Mal. Ein wahres Torschuss-Festival zeigte Schalke am 29. Spieltag gegen SV Darmstadt 98. 26 Mal versuchte der Club aus Nordrhein-Westfalen ein Tor zu erzielen. Sie schossen zwar eins, doch am Ende stand eine 2:1-Niederlage auf dem Papier. Dies wiederum zeigt, dass Torschüsse nicht alles sind und es auch auf die Effektivität ankommt.

Natürlich haben wir auch einen genauen Blick auf das Passspiel geworfen. Unser FCA ist dafür bekannt, dass wir im Gegensatz zu den großen Vereinen recht wenige Pässe spielen, da wir in der Regel auf schnelles Umschaltspiel setzen. Bei Schalke sah das etwas anders aus. So spielten sie pro Partie 464,50 Pässe, von denen für gewöhnlich 78,24 Prozent beim eigenen Mann ankamen. Das bedeutet zugleich eine Fehlpassquote von 21,76 Prozent. Sprich von 464,50 gespielten Bällen landeten ca. 96 beim Gegner.

Zwei weitere wichtige Faktoren sind natürlich auch der eigene Ballbesitz sowie die Zweikampfquote. Hierbei kommt Schalke unter Weinzierls Führung auf einen durchschnittlichen Ballbesitz von 51,06 Prozent und gewann 49,27 Prozent aller Zweikämpfe. Nur mal so kurz zum Vergleich (und als kleiner Ausblick auf die nächste Folge): In unserer zweikampfstärksten Saison (2014/15) erreichten wir mit dem gebürtigen Straubinger eine Quote von 52,09 Prozent.

Ein Pfälzer in Schwaben

Nach seiner Entlassung bei den Königsblauen am 09.06.2017 war Markus Weinziel über ein Jahr lang ohne Beschäftigung. Doch am 09.10.2018 wurde er vom abstiegsbedrohten VfB Stuttgart unter Vertrag genommen. Die Schwaben standen zu jener Zeit auf dem letzten Tabellenplatz. Bis dato hatten sie unter Trainer Tayfun Korkut in 7 Partien nur 5 Punkte gesammelt und auch das Torverhältnis sah mit 6:13 nicht gerade rosig aus.

Das Team Weinzierl und Beller sollten es also richten, doch auch ihr Einstand misslang. In den ersten drei Partien setzte es saftige Niederlagen gegen Dortmund, Hoffenheim und Frankfurt. Man schoss nicht ein einziges Tor und kassierte selbst ganze 11 Stück. Allgemein würde ich Weinzierls Episode in Stuttgart als die schwierigste überhaupt bezeichnen. In 23 Spielen in der Bundesliga verlor man ganze 15 Mal. Nur 4 Siege konnte der VfB einfahren und ebenfalls 4 Mal trennte man sich unentschieden.

Begeisterung sieht anders aus… (Foto: DeFodi501 via imago)

Die Punkteausbeute ist also insgesamt ziemlich mangelhaft. Nur 16 Punkte bedeuten einen Schnitt von 0,70 Punkten pro Partie. Auch das Torverhältnis kann man nicht als gut bezeichnen. In den 23 Ligaspielen schoss Stuttgart gerade einmal 21 Tore, also 0,91 je Spiel. Gegentreffer musste man ganze 54 hinnehmen, was wiederum einen Schnitt von 2,35 Gegentoren bedeutet. Das einzig positive aus jener Zeit ist, dass Weinzierl es schaffte, den VfB Stuttgart von Rang 18 auf den Relegationsplatz zu bringen. Das ist aber auch schon alles.

Datenspielchen

Die Daten, die Markus Weinzierl mit dem VfB Stuttgart erreichte, sind denen von Schalke jedoch gar nicht so unähnlich. So schossen die Württemberger im Durchschnitt 12,04 Mal auf den gegnerischen Kasten. Das ist gerade einmal ein Torschuss weniger als Schalke in der Saison 2016/17 erreichte. Und nur mal zum Vergleich: Der Kader der Königsblauen im Jahr 2016/17 war ganze 217,25 Millionen Euro wert. Der von Stuttgart zwei Jahre später nur 143,75 Millionen Euro. Das mag vielleicht etwas weit hergeholt sein, doch Qualität hat auch ihren Preis.

Was das Laufen angeht, so sind die Werte von Schalke und Stuttgart wieder sehr ähnlich. Die Stuttgarter liefen pro Partie 114,80 km. Die höchste Laufstrecke legten sie in der Partie gegen Werder Bremen am 23. Spieltag zurück. Nach 123,36 km stand immerhin ein 1:1 auf dem Papier.

Bei den gespielten und angekommenen Pässen kann Stuttgart allerdings nicht ganz mithalten. In den 34 Partien in der ersten Liga kommt der VfB unter Weinzierl auf durchschnittlich 394,09 Pässe pro Spiel, von denen 295,74 beim eigenen Mann ankamen. Das ergibt somit eine Passquote von 73,95 Prozent. Das wiederum bedeutet, dass 26,05 Prozent der abgespielten Bälle beim Konkurrenten landeten. Was jedoch auffallend ist, ist, dass die Stuttgarter unter Weinzierls Führung in puncto Zweikampf stärker waren als Schalke. Hier kommen sie auf eine Zweikampfquote von 51,61 Prozent. Zudem gehörten ihnen 45,04 Prozent der Spielanteile während einer Partie.

Ex-Klub sorgt für Entlassung

Weinzierls Zeit bei den Schwaben endete am 20.04.2019 nach nur 193 Tagen im Amt. Nach der peinlichen 6:0 Pleite gegen niemand anderen als unseren FCA, zogen die Stuttgarter schließlich die Reißleine.

Nach dem überaus enttäuschenden Spiel in Augsburg sind wir aber zu der Überzeugung gekommen, dass wir die Situation neu bewerten müssen und ein klarer Schnitt zwingend notwendig ist.

Sportvorstand Thomas Hitzlsperger über Weinzierls Entlassung

Ich war an jenem Tag im Stadion und habe den höchsten Sieg der Bundesligahistorie unserer Jungs gefeiert. Dennoch tat mir Markus Weinzierl in diesem Moment unglaublich leid. Egal wie abstrus die Trennung mit ihm damals ablief, aber das hatte er nicht verdient, denn er hat als Trainer immer sein Bestes gegeben.

Der VfB Stuttgart landete am Ende der Saison auf dem Relegationsplatz, wo sie nach einem 2:2 und einem 0:0 gegen Union Berlin den Kürzeren zogen.

Ausblick

Nun wisst ihr also, wo Markus Weinzierl neben dem FCA noch als Trainer fungierte. Mittlerweile läuft die Bundesliga wieder und es wird sich zeigen, ob bei unseren Jungs der “Weinzierl – Effekt” einschlagen wird. Sprich, ob sie mutig, giftig und eklig aufspielen wie zu unseren besten Zeiten. Ich persönlich hoffe es sehr und möchte hierbei anmerken, dass man genau diese Ansätze bereits in dem Testspiel gegen PSG sehen konnte. In der Defensive standen wir sehr stabil, gingen mutig in die Zweikämpfe und spielten unsere Umschaltmomente sehr präzise und wohl durchdacht aus.

In der nächsten Folge unserer zweiteiligen Serie werden wir uns natürlich Weinzierls Zeit beim FCA genauer anschauen. Und hierbei haben wir uns etwas besonderes ausgedacht. In einem kleinen Trainerduell werden wir betrachten, wie erfolgreich unser Coach wirklich bei uns war. Dazu haben wir alle Spiele seiner sämtlichen Nachfolger genauer unter die Lupe genommen. Hierbei werden wir vielleicht auch sehen, was uns in dieser Saison erwarten könnte, wenn unsere Jungs den Plan des Trainers perfekt umsetzen. Ihr dürft also gespannt sein.

Den Daten nach ein dicker Fisch?

Was haben wir auf diesen Wechsel hingefiebert. Knapp sechs Wochen ist es jetzt her, dass der FC Augsburg stolz den Fang von Niklas Dorsch vom belgischen KAA Gent verkündet hat. Für fünf Jahre und sieben Millionen Euro kommt „Dorschi“ an den Lech. Dabei war er nur der erste dicke Fisch in einer bemerkenswerten Transferserie, die unserem Sportdirektor den Spitznamen „Don Reuter“ eingebracht hat. Denn auf den Dorsch-Coup folgte kürzlich noch ein (von uns nicht ausnahmslos gefeiertes) Tauschgeschäft mit der Hertha. Aus Berlin kam Arne Maier, leihweise. Nach Berlin ging Marco Richter, fix. Dass dann urplötzlich auch noch unser ehemaliger Capitano, Daniel Baier, auf dem Tableau erschien, der den FCA ab 1.9. beim internationalen Scouting unterstützt, setzte dem Ganzen noch das Sahnehäubchen auf. Was soll bei DER Besetzung bitte noch schiefgehen, wollte man meinen.

Tagelang spannte uns die Social Media-Abteilung des FCA mit Andeutungen auf die Folter, bis Strichmännchen Reuter endlich die „30“ aus dem Teich angelte. Wahnsinnsaktion, Jungs und Mädels!

Am Wochenende wurden wir eines Besseren belehrt. Gegen Hoffenheim ging vieles gehörig schief. All unsere (durchaus begründeten) Träume von einer sorgenfreieren Saison mit frischerem Fußball sind fürs Erste zerplatzt. 0:4 zu Hause. Plopp. An einem dieser vielen Gegentore war Niklas Dorsch nicht unbeteiligt. Und auch im DFB-Pokal gegen Greifswald sah unser neuer Sechser mit einem folgenschweren Fehlpass nicht gut aus. Haben wir uns also zu viel von unserem vermeintlichen Königstransfer versprochen? Ist Dorsch am Ende noch gar nicht reif fürs knallharte Oberhaus? Ziemlich ernüchternde Fragen, wenn ihr mich fragt…

Wir wollen sie aber trotzdem stellen und mithilfe von Daten, erneut bereitgestellt von Createfootball, herausfinden, was dran sein könnte. Oder vielleicht auch nicht. So viel sei aber schon mal gesagt: Verzweifeln müssen wir FCA-Fans mit und an Dorschi keinesfalls. Im Gegenteil.

Was Dorschi stark macht

Die Createfootball-Crew sieht in dem 23-jährigen gebürtigen Lichtenfelser vor allem einen Spielertyp verkörpert: einen sogenannten Deep Lying Playmaker, der das Spielgeschehen aus einer defensiven Mittelfeldposition heraus diktiert. Als solcher konzentriert er sich vor allem auf den Spielaufbau, er verfügt über exzellente Übersicht und hohe technische Fertigkeiten am Ball. Was Dorsch zudem von anderen Sechsern unterscheidet, ist sein herausragendes Passspiel. Anders als sie versucht er nicht, das Spiel mit dem Ball einfach zu halten. Sondern es vor allem mit kurzen, flachen Pässen in die für den Gegner gefährliche Zone zu verlagern.

Zeigen lässt sich das, indem man ein paar Passwerte von Dorsch mit denen der anderen zentralen Mittelfeldspieler in der belgischen Pro League vergleicht. So kam der Neuaugsburger in der Saison 2020/21 auf 53 Pässe pro Spiel, von denen er 90% an den eigenen Mann brachte. Bei seinen Ligakollegen waren es weniger (43; 83%). Auch bei Pässen ins letzte Drittel (8.6), von denen 78% beim Mitspieler landeten, hatte Dorsch im Vergleich zu seinen Ligakollegen im zentralen Mittelfeld die Nase vorn (6.9; 71%).

Neben dem progressiven Passspiel liegen Dorschs Stärken laut Createfootball-Daten aber noch woanders. Nämlich darin, dass er eng in die Defensivarbeit eingebunden ist. Konkret heißt das: Er kommt auf extrem viele Balleroberungen. Bei Gent letzte Saison pro Spiel auf durchschnittlich 9.1, während die anderen zentralen Mittelfeldleute im Ligaschnitt nur 7.2 schafften. Insofern zeigt der U21-Europameister hier auch gewisse Eigenschaften eines Ball Winning Midfielders, der proaktiv verteidigt und so das gegnerische Spiel mit Balleroberungen und (taktischen) Fouls stört. Laut den Datenscouts verkörpert der Franzose N’Golo Kanté vom diesjährigen Champions League-Sieger FC Chelsea diesen Spielertypus mustergültig.  

Beim KAA Gent konnte sich Niklas Dorsch in den Schlüsselkategorien eines Deep Lying Playmakers verbessern. (Foto: Matteo Cogliati / Hans Lucas via imago)

Wichtiger Entwicklungsschritt in Belgien

Dass sich Niklas Dorsch zu einem tief stehenden Spielmacher mit guten Balleroberungsqualitäten entwickeln konnte, ist auch dem Jahr in Gent zu verdanken. Denn Trainer Hein Vanhaezebrouck ließ den damals 22-Jährigen bei dessen insgesamt 43 Einsätzen für den belgischen Erstligisten hauptsächlich in dieser Rolle auflaufen. Von der Sechserposition aus konnte Dorsch das Spiel lenken, Seitenverlagerungen und damit Torgefahr erzeugen.

Beim FC Heidenheim, wo Dorsch von 2018 bis 2020 spielte, bekleidete er dagegen eher die Achterposition. Hier war er pro Spiel noch viel häufiger in Dribblings (3.3) und Offensivzweikämpfe (9.8) verwickelt als später in Gent (1.9; 6.9). Auch konnte er vor allem in seiner zweiten Saison beim deutschen Zweiligisten die fürs Offensivspiel so wichtigen Schnittstellenpässe (0.8) und Torschussvorlagen (0.6) noch nicht ganz so stark ausspielen wie dann im Jahr darauf in der belgischen Pro League (1.5; 1.1).

Wo er schwächelt

Ob es nun am Positionswechsel vom zentralen ins defensive Mittelfeld liegt oder nicht. Schwächen sieht Createfootball beim Neuaugsburger noch im Dribbling. In Gent dribbelte er nicht nur weniger, sondern kam dabei auch nur zu 45% zum Erfolg. Der Schnitt in der Pro League lag dagegen höher bei 57%. Auch wenn bei Dorsch am Ende eine hohe Zahl an Balleroberungen steht, so kommt diese doch durch eine geringe Quote an gewonnenen Zweikämpfen zustande. Zwar führte er pro Spiel mehr Defensiv- wie Offensivzweikämpfe (9.6; 6.9) als die anderen Mittelfeldkräfte der belgischen Liga (7.4; 5.7), er gewann davon aber auch weniger (Dorsch: 56 bzw. 36%; Liga: 58 bzw. 44%). Entsprechend tut sich Dorschi noch schwer, Zweikämpfe effektiv und vor allem erfolgreich zu Ende zu führen.

Was die Daten nicht verraten (das können sie auch nicht, Createfootball hat sie uns schon vor Saisonbeginn zukommen lassen): Wie oben schon kurz angesprochen, hatte unser neuer Mann mit der Nummer 30 sowohl gegen Greifswald als auch gegen Hoffenheim Probleme mit dem Passspiel. Obwohl darin ja gerade seine große Stärke liegt. Allerdings galt das nicht in der Breite. Gegen die TSG hatte er die beste Augsburger Passquote mit 89%. Er verlor den Ball „nur“ eben an entscheidender Stelle. Etwa im Vorfeld des 0:2, als er einen Pass von Iago nicht wieder zu diesem zurückbrachte und Hoffenheim aus der anschließenden Ballbesitzphase das Gegentor erzielte. Auch beim 4:2-Arbeitssieg in Greifswald resultierte aus einem misslungenen Vertikalpass von Dorsch auf Niederlechner der frühe Rückstand zum 0:1. Und das bei einer Passquote, die sonst wieder ganz passabel aussah (87%).

Noch unterlaufen Dorschi Passfehler. Mit besserer Kontrolle und Abstimmung mit EM-Mittelfeld-Buddy Arne Maier bekommt er die sicherlich noch in den Griff. (Foto via imago)

Optimistische Prognose

Das klingt jetzt vielleicht erstmal nicht besonders rosig. Dorsch, der neue Lenker und Playmaker im defensiven Mittelfeld, verpatzt die entscheidenden Pässe und geht in viele, gewinnt aber nicht genügend Zweikämpfe. Doch in der Finalrunde der U21-EM, so Createfootball, hat er gerade auch durch solche Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, die eigentlich nicht zu seinen Stärken gehören (stark im Defensivzweikampf, Dribblings, progressive Läufe). Das stimmt (mich) doch optimistisch! Außerdem denke ich, dass der junge Dorsch smart und selbstkritisch genug ist, um in den kommenden Spielen auch noch die wenigen Pässe abzustellen, bei denen er zuletzt ins zu hohe Risiko gegangen ist. Womöglich wollte er, wenn auch einen Tick zu überengagiert, damit gleich zu Beginn demonstrieren, wofür man ihn nach Augsburg geholt hat.   

Den Datenscouts zufolge ist ein Spielertyp wie Dorsch auf der Doppelsechs auch besonders gut mit einem Achter oder einem zweikampfstarken Abräumer kombinierbar. Wie gut, dass Neuzugang Arne Maier genau SO einen zentralen Mann auf der Acht darstellt! Zwar haperte es nach dessen Einwechslung im letzten Drittel gegen die Hoeneß-Elf noch so manches Mal an der Abstimmung zwischen den beiden Nachwuchseuropameistern. Mit FCA-Urgestein Jan Morávek klappte das besser. Doch ich gehe auch hier davon aus, dass sich das legen wird, je länger Maier im Augsburger Mannschaftstraining ist. Im Moment ist das ja gerade einmal eine Woche.

Insofern würde ich in jedem Fall sagen, dass wir uns mit Niklas Dorsch einen richtig dicken Fisch geangelt haben. (Tschuldigung für die bestimmt tausendste Verwendung dieses Wortspiels.) Das geben auch die Daten her. Um sich beim FCA zu akklimatisieren und mit seinen Nebenmännern (ob jetzt Maier oder Moravek) für echten Wirbel zu sorgen, braucht er vielleicht nur noch ein Weilchen. Bei der Frankfurter Eintracht (15:30 Uhr) gibt’s die nächste Chance. Schnapp sie dir, Dorschi! Hejaaa!

Ausgeträumt

In diesen Tagen darf sich der FCA Fan grundsätzlich freuen. Mit Arne Maier konnte ein weiterer U21-Champ überzeugt werden, seine sportliche Zukunft zwischen Wertach und Lech zu suchen. Dorsch und Maier sind perspektivisch tolle Transfers. Es sieht so aus, als ob wir unseren Kader grundsätzlich vor der kommenden Bundesligasaison upgraden konnten. Auch wenn die Truppe sich am ersten Spieltag her spielen lassen, so ermutigt mich der Kader grundsätzlich zu Hoffnung.

Und dennoch schwingt etwas Wehmut mit. Nicht mit Kevin Danso, der sich schlicht unprofessionell verhalten hat und für den der Verein einen geeigneten Abnehmer gefunden hat. Bei Marco Richter blutet mir etwas das Herz. Marco ist für mich die liebste Art des Fußballers. Er ist unberechenbar und hat sich die Faxen nie austreiben lassen. Der Lausbub wird immer ein Lausbub bleiben. Und damit hat er erstmal einen Stein bei mir im Brett.

Richter liebt Situationen wie die dargestellte und war immer für ein Schmankerl zu haben (Foto via Imago)

Dazu konnte er immer wieder sein großes Potential andeuten. Seine Torgefahr. Das Genie. Über Jahre hinweg hatte ich ihnen immer wieder auf dem Zettel vor jeder neuen Saison für 20 Scorerpunkte und den ganz großen Durchbruch. Den Aufstieg zum A-Nationalspieler. Zum absoluten Leistungsträger beim FCA. Weil ich glaube, dass in diesem Kerl so viel mehr steckt, als wir in Augsburg von ihm gesehen haben. Mehr auch als diese 3 Tore und 3 Vorlagen, die es statistisch in der abgelaufenen Saison zu verzeichnen gab.

97 Bundesligaspiele sind es am Ende geworden mit 12 Toren und 12 Vorlagen und Marco hätte easy in Augsburg so weiter machen können. Aber klar, der Junge will mehr. Verständlicherweise. Wollten wir ja auch – mit ihm zusammen. Derweil Marco mit dem FCA auf einem Plateau angelangt war. Die Leistungen waren ok, aber nicht überragend. Zuletzt war da ja auch nicht immer ein Trainer, der ein funktionierendes Offensivkonzept besessen hätte. Und es ist an sich legitim, dass er sich selbst gefragt hat, ob da noch mehr geht. Und obwohl klar war, dass er in den letzten Jahren gerne eines der Angebote von anderen Vereinen angenommen hätte, um sich perspektivisch zu verändern, hat er nie versucht, den Verein öffentlich unter Druck zu setzen und sich prinzipiell öffentlich ordentlich verhalten. Derweil in Augsburg vielleicht auch der Rucksack des Eigengewächses und des “Heilsbringers aus der Jugend” nicht immer leicht war.

Und so geht es nun zur Hertha nach Berlin. Fredi Bobic wollte ihn lange nach Frankfurt holen und greift jetzt zu. Bobic, der im Offensivbereich bei der Eintracht immer ein sehr gutes Auge hatte. Und so wünsche ich Marco, dass der Knoten in Berlin platzt. Am Ende wird es Marco Richter aus Augsburg sein, der in die weite Welt ausgezogen ist, um diese zu erobern. Und wenn es ihm wirklich gelingen sollte, so werden wir immer sagen können, dass er das von uns mitbekommen hat.

Marco Richter beim Test gegen Cagliari Calcio auf der Tribüne. Es ist schon ein etwas trauriger Abschied. (Foto via Imago)

Der FCA wird durch den Transfer nicht vor unlösbare Probleme gestellt. Rechts außen wird André Hahn hoffentlich eine Bombensaison hinlegen. In der Mitte ruhen persönlich meine Hoffnungen auf einem Durchbruch von Freddy Jensen. Zudem bin ich gespannt, was wir von Cali und Gregerl dieses Jahr sehen werden. Alternativen gibt es somit genug. Mit Hahn auf rechts und Vargas auf links auch momentan sportlich eindeutig bessere. Und dennoch wird die Freude eine andere sein, wenn nun nicht mehr Richter seine Momente hat. Ich habe es schon früher zugegeben, ich bin ein Marco Richter Fanboy. Und so positiv der Blick auf die kommende Saison auch sein mag, so gerne hätte ich in Augsburg gesehen, wie Marco hier so richtig explodiert. Dieser Traum ist nun ausgeträumt.

Zu diesem Zeitpunkt bleibt mir wehmütig nichts anderes übrig, als Marco für seine Zeit in Augsburg zu danken. Für den Beweis, dass aus dem Nachwuchsleistungszentrum Spieler hochkommen können, die offensiv den Unterschied ausmachen können. Kleine Augsburger Genies, die Gegner in die Irre treiben und einfach eine irrsinnige Lust am Kicken haben. Risiken eingehen und dafür belohnt werden. Und hinter ihrer Schale einen sensiblen weichen Kern haben, den man in die Arme schließen mag. Es wird lange nicht mehr einen geben, mit dem so große Hoffnungen wie mit Dir einhergehen. Love you Marco, servus und bis bald.

Immer wieder Saisonstart

Ernüchtert. Frustriert. Und a bisserl schlecht gelaunt. So oder so ähnlich könnte man meine Gemütslage derzeit beschreiben – und das schon zu Saisonstart.

Warum? Der FCA hat gestern eine empfindliche Niederlage gegen schlagbare Hoffenheimer erlitten. Empfindlich daher, weil sie uns direkt am ersten Spieltag ans Tabellenende (Hallo, rote Laterne!) befördert hat. Und weil man gegen einen Gegner auf Augenhöhe sprichwörtlich baden gegangen ist.

Für meinen Geschmack mit zu wenig Gegenwehr. Markus Weinzierl und die Horror-Bilanz zu Saisonstart – da war doch was!

Saisonstart verpasst

Man muss dem FCA zu Gute halten, dass sie die ersten 60 Minuten gar nicht so schlecht agiert haben, wie es eine 0:4 Niederlage aus Sicht der Augsburger vermuten lässt. Es gab starke Momente, man erinnere sich an den Schlenzer von Vargas. Oder die Torannäherung von Moravek. Überhaupt, wie gut war Moravek gestern wieder? Lenker in der Offensive, Zerstörer in der Defensive. Man merkt erst wie gut Moravek wirklich war, wenn man näher betrachtet, dass nach dessen Auswechslung der FCA einen Bruch im Spiel erfuhr. Dies ereignete sich um die 60. Spielminute herum. Moravek ist offensichtlich konditionell leider (noch) nicht so auf der Höhe, dass er dieses Tempo 90 Minuten gehen kann.

Kämpferisch und läuferisch war das Spiel über 90 Minuten relativ intensiv geführt – von beiden Seiten. In der ersten Halbzeit hatten wir eine etwas niedrige Passquote von rund 70 Prozent. Zudem wenig Ballbesitz, die Prozentzahl erinnert ein wenig an Herrliche Zeiten (Achtung, ausgelutschter Wortwitz!).

Das war aber auch nicht das einzige, was an diese Zeiten, die wir alle lieber verdrängen möchten, erinnert. Die zweite Halbzeit hatten wir keine wirkliche Torchance, das ist ein trauriger Fakt. Und die Wechsel, die man nicht im Detail nachvollziehen kann, erinnern ebenfalls an bereits unrühmliche Zeiten. Moravek raus, Maier rein – der nach knapp fünf Tagen in Augsburg noch nicht akklimatisiert sein kann. Das bewies er auch im Spiel. Hahn raus und der gerade wieder genesene Caligiuri rein. Gregoritsch für Jensen- auch hier ging der Plan nicht auf.

Dennoch war der Weinzierlsche Fußball in Ansätzen bemerkbar: Wir gingen von Spielbeginn an munter drauf, waren griffig, erarbeiteten Chancen. Jedoch, und hier kommen wir zum großen Aaaaber, waren die Torchancen zumeist nicht zwingend. Es waren einfach keine Großchancen. Es gab diese lichten Momente, aber sie waren zu wenig, um ein Spiel für sich zu entscheiden.

Auch die Zweikampfquote war ausbaufähig. Gegen ein dezimiertes Hoffenheim – die ein eklatanter Spielermangel quält – die auch zuletzt im Pokal 120 Minuten gegen den Drittligisten Viktoria Köln bestreiten mussten, war deutlich mehr drin.

Defensive erst hui, dann pfui

Hinten in der Defensive gab der Kapitän sein Comeback. Bis ins zweite Spieldrittel möchte man sagen, es war ein erfolgreiches. Die eigentlich eingespielte Truppe in der Defensive – konkret: Iago, Uduokhai, Gouweleeuw, Gumny – hatte zuerst alles im Griff, um dann in der zweiten Halbzeit endgültig zusammen zu brechen. Beim ersten Gegentreffer vermochte man noch zu sagen: Das war ein individueller Fehler. Jedoch stand auch dort schon die Viererkette schlecht.

Keeper Gikiewicz war dann nur das Ende einer langen Fehlerkette, in die sich auch Hoffnungsträger Dorsch einreihen durfte. “The Wall” Gikiewicz fasste auch gestern beim Ball folgenschwer daneben – fast analog zum Greifswald-Spiel und dem 3:2 -Anschlusstreffer. Wieder Gikiewicz, der von seinen Vorderleuten beim 0:3 mutterseelenallein gelassen wurde, dann noch schlecht getimed aus dem Tor eilte – leichtes Spiel für die TSG. Die TSG durfte hier munter Doppelpässe spielen und der FCA sah zu. Die Gegenwehr der Augsburger war spätestens nach dem zweiten Gegentreffer – so zumindest der Eindruck vor dem TV – eingestellt worden.

Was wiederum auffiel: Unsere Außenverteidiger kamen vorne kaum zur Geltung und standen hinten ein ums andere mal – seien wir ehrlich – schlecht. Alleine Gumny stand mehrfach zu weit von seinem Gegenspieler weg. Auch Iago lies sein Gegenüber des Öfteren ungehindert flanken. So geschehen unter anderem beim ersten Gegentreffer. Der Hoffenheimer Außenspieler Kramaric gab beispielsweise drei Assists, ihn konnte man zu keiner Zeit aus dem Spiel nehmen. Das ist dann einfach der Unterschied in so einem Spiel, das eigentlich auf Augenhöhe lange Zeit stattfand.

Dorsch und Maier verloren jeweils bei einem Gegentreffer zu einfach die Kugel. Dorsch, der neue Heilsbringer in Augsburg, hat noch Schwierigkeiten im Passspiel. Agierte teilweise zu riskant. Sein U21-Nebenmnan Arne Maier ist gerade erst beim FCA angekommen, das kann man ihm zu Gute halten. Vielleicht waren die dreißig Spielminuten auch einfach zu viel, eine Eingespieltheit mit Teamkollegen kann hier noch nicht vorhanden sein.

Offensive gesucht

Generell war das Offensivspiel des FCA geprägt von vielen Fehlpässen – so spielt man die überfallartigen Konter, die Weinzierl gerne sehen möchte, nicht sauber aus. Der einzige, dem im Ansatz gestern offensiv was gelungen ist, ist EM-Rückkehrer Ruben Vargas, der unlängst seinen Vertrag in Augsburg verlängerte. Gut so, möchte man sagen! Ruben Vargas traute sich auch einfach mal was – man merkt hier jetzt auch die Abstinenz von Richter- und tut etwas unvorhergesehenes. Dieser Spielwitz tut gut und tut Not!

Auch André Hahn kämpft und müht sich, sucht immer wieder den Zug zum Tor. Hat aber meist keine Anspielstation und schlägt dann die Flanke, die keinen Abnehmer findet. Denn auch gestern war Flo Niederlechner absolut blass. Als Caligiuri dann in die Partie kam, ging in der Offensive gar nix mehr. Hoffenheim war dem 5:0 näher als wir dem Anschlusstreffer, so ehrlich muss man sein. Diese Momente in der Offensive waren oft zu sehr geprägt vom Zufall. Das konnte nicht gut gehen. Und wenn man vorne keins macht, fängt man sich die Dinger hinten dann. Gestern waren es leider ein paar Gegentore zu viel.

Wem traut man beim FCA diese genialen Momente zu? Außer Vargas fällt da nur noch André Hahn ein, der einen tollen Steilpass mittels genialen Lupfer zum 4:2 gegen Greifswald verwandelte. Finnbogason? Erneut verletzt. Richter? Mittlerweile bei der Hertha. Gregerl? Sucht nach seiner Form, die er am liebsten im österreichischen Leiberl zeigt. Bazee? Im Dauertief oder Dauer-Krankenstand, sucht es euch aus. Niederlechner? Mehr im Abseits als sonst wo. Malone und Günther gehört wohl die Zukunft, aber standen nicht mal im Kader. Von ihnen kann man offensichtlich nicht die benötigten sofortige Verstärkung erwarten. Leihrückkehrer Cordova fällt obendrein noch verletzt aus.

Es gilt jetzt – gerade in der Offensive – ein wenig mehr Sauberkeit in die Ballaktionen zu bringen, die Passquote positiver zu gestalten sowie den Abschluss verstärkt zu suchen. Man vermisst da ja fast schon ein wenig die oft gescholtenen Ego-Abschlüsse von Marco Richter. Offensive Highlights – zu selten gestern gesehen!

Greifswald, einen Oberligisten, konnte man eine Halbzeit herspielen – dieser Gegner ist aber sicherlich nicht der Maßstab eines Bundesligisten. Eine weitere Offensivoption – die ggf. polyvalent einsetzbar ist – wäre hier vielleicht wünschenswert. Wen kann Reuter hier noch aus dem Hut zaubern, der die nötige Klasse hat und für wen wir das nötige Geld in der Kasse haben? Die Kasse sollte nach den Abgängen von Danso und Richter nicht gerade leer sein. Und auf den Zufall sollten wir uns hier nicht (wieder) verlassen. Dazu steht sportlich zu viel auf dem Spiel. Eine weitere Saison Zittern und Zaudern wollte man in Augsburg auch tunlichst vermeiden.

Die rote Laterne

Auf die nicht so glorreiche Schiedsrichterleistung und Hoffenheimer Unsportlichkeiten auf sowie neben dem Platz gehen wir an dieser Stelle nicht ein. Denn das würde den falschen Fokus setzen.

Wir müssen an uns selbst arbeiten, denn die Eintracht – auch wenn sie gestern gegen Dortmund kein Land sahen und aus dem DFB Pokal schon raus sind – ist keine Laufkundschaft. Ganz im Gegenteil. Hier sehe ich durchaus Parallelen aus spielerischer Sicht zu dem gestrigen Gegner Hoffenheim. Auch die sind ein durchaus “ekliger Gegner”. Beide Truppen zeigen das, was Weinzierl von unseren Mannen möchte. Eine eklige Spielweise, unangenehm sein. Umschalten und die einfachen Tore machen. Im Zweikampf dem Gegner “wehtun”, dessen Spiel unterbinden und sie nicht zum Zug kommen lassen. Alles gestern vom FCA maximal in Ansätzen nur gesehen.

Geben wir Maier, Dorsch und Co. noch ein paar Tage, um sich einzuspielen. Vielleicht bekommen wir sogar noch externen Zuwachs, wer weiß. Nicht alles ist schlecht, auch wenn einem bei einem soliden 0:4 die Argumente und Positivbeispiele ausgehen. Hand aufs Herz: Heute und vielleicht auch noch morgen ist bei mir nix rosarot und die Niederlage ist absolut ärgerlich, unnötig und beängstigend. Vorallem in der Höhe. Beängstigend, weil nun schon ab dem ersten Spieltag das Abstiegsgespenst in Augsburg herumgeht.

Lasst uns aber alle ein wenig runterkommen, die Gemüter abkühlen und am Montag startet eine neue Trainingswoche. Wir Fans haben im Stadion unser Bestes gegeben, eine tolle Kulisse war das! Jetzt müssen die Profis nachziehen. Und es muss einiges intensiv trainiert werden, so viel ist klar!

All das, was uns gegen Hoffenheim gefühlt noch fehlte. Wir haben noch ein wenig Zeit, denn dies war erst das erste Spiel der Saison. Der Saisonstart war holprig und wenig glorreich. Die Euphorie, die Augsburg zuletzt durchzog, ist jetzt dahin. Die ganzen Luftblasen wurden schon am ersten Spieltag auf relativ brutale Art und Weise zerstört.

Viele weitere Chancen werden folgen. Zu viel Zeit sollte man sich wiederum nicht lassen, Mechanismen müssen schleunigst geschaffen werden. Transfers, die Not tun, sollten zeitnah erfolgen. Keine Paniktransfers, sondern sinnvolle Verstärkungen. Man kann nicht drauf hoffen, dass die beiden Aufsteiger die ganze Saison hinter uns bleiben werden. Sonst hängt uns die Konkurrenz bald ab und die rote Laterne wird zum Dauerzustand. Und keiner in Augsburg möchte, dass Didi Hamann am Ende der Saison doch Recht behält.

Dennoch: Es ist nicht alles schlecht. Und Weinzierls Horrorbilanz bezieht sich nur auf den Saisonauftakt! Das macht doch Mut? Ich persönlich hab lieber eine Niederlage oder zwei unter Weinzierl zu Saisonbeginn, als den besten Saisonstart aller Zeiten verbunden mit einer Zitterpartie zum Saisonende unter Herrlich.

Kaderanalyse: Abwehr

Nachdem wir bereits in den letzten Tagen die anderen drei Mannschaftsteile unter die Lupe genommen haben, widmen wir uns im letzten Teil der Abwehr. Die Reihenfolge der präsentierten Mannschaftsteile hat hierbei keinerlei Bedeutung. Nachdem es zuletzt jedoch in der Abwehr noch einen Abgang gegeben hat und noch ein paar Namen im Netz kursieren, hatten wir mit dem Kadercheck der Abwehr noch ein wenig gewartet. Kurz vor dem Bundesligaauftakt am nahenden Samstag nun also unsere Einschätzung der Defensive:

Linksverteidiger

Hier konkurrieren sich die zwei Teilzeitkräfte der Vorsaison: Iago und Mads Pedersen. Beide sind (noch) nicht der ersehnte Thronfolger von Philipp Max, der im vergangenen Sommer auf links eine große Baustelle hinterlassen hat. Dies liegt mitunter auch an den Verletzungen, die sich beide nominellen Linksverteidiger zugezogen hatten. Zuletzt fehlten sie sogar zeitgleich….

Der wieder genesene Iago hat gegen Greifswald den Vorzug erhalten, kommt – ebenso wie Pedersen – aus einer längerwierigen Verletzung und war noch nicht allzu lang im Mannschaftstraining. In den Testspielen hatte Markus Weinzierl mangels Masse sogar Kilian Jakob aus der U23 des FCA reaktiviert, der durchaus zu überzeugen wusste. Jakob, der im Jahr 2018 im Trikot des FCA in der Bundesliga debütiert hat, kehrte zuletzt erst von einer Leihe zurück. Auch Robert Gumny kann diese Position aushilfsweise bekleiden, wird jedoch eher auf rechts gebraucht – hierzu später mehr.

Unsere Einschätzung: Rückkehrer Iago hat derzeit leicht die Nase vorne, im Pokalspiel gegen Greifswald hat er mit zwei Vorlagen glänzen können. Jedoch ist der Vorsprung derzeit nur marginal und sollte der verletzungsanfällige Iago ausfallen oder nicht überzeugen, steht ein ebenbürtiger Vertreter in Pedersen bereit. Beide sind schnell und offensiv für Aktionen gut, jedoch können beide in der (defensiven) Rückwärtsbewegung noch zulegen. Auf der Position benötigen wir definitiv aber keine externe Verstärkung mehr.

Rechtsverteidigung

Der eben erwähnte Robert Gumny duelliert sich auf der Rechtverteidiger-Position mit Eigengewächs Raphael Framberger. Der 25jährige gebürtige Augsburger durfte gegen Greifswald starten, wusste jedoch nicht unbedingt zu überzeugen. Vielmehr hatte er immense Schwierigkeiten mit seinem wuseligen Gegenspieler Lukas Knechtel. Gut zu sehen war dies beim überraschenden Gegentor in der zweiten Spielminute. In der Vorwärtsbewegung kann “Frami” auf ordentlich Speed zurückgreifen, harmoniert gut mit dem vor ihm positionierten André Hahn.

Robert Gumny hat sich jedoch in Framis Abwesenheit zu einem Stammplatz-Anwärter gemausert. Ein enges Rennen, welches wohl zugunsten des Spielers entschieden wird, der das System von Weinzierl besser verinnerlicht hat. Daniel Caligiuri kann auf dieser Position als Notnagel fungieren, hat diese Rolle bei seinem Ex-Club Schalke 04 ab und an bekleidet. Hier sprechen wir aber von einem echten Notnagel, denn Daniel Caligiuri ist offensiv eingeplant und ist aufgrund seines Alters auch nicht mehr der spritzigste.

Unser Frami hier mit “Reserve-Leible” im Duell mit Neuzugang Arne Maier (links). (Foto via imago)

Zuletzt hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der FCA am MLS-Spieler Tajon Buchanan dran ist. Der Kanadier erinnert in Ansätzen an Bayern-Juwel Davies – kann rechts offensiv sowie defensiv auflaufen. Diese Polyvalenz machen ihn sehr wertvoll und dies haben einige europäische Clubs erkannt. Der 22jährige scheint die MLS nun verlassen zu wollen, der SC Freiburg und Club Brügge werden derzeit als heißeste Kandidaten für einen Wechsel genannt. Der FCA scheint hier mittlerweile aus dem Rennen zu sein. Sein Marktwert beträgt derzeit vier Mio. Euro (Quelle: Transfermarkt). Zuletzt wusste er beim Gold Cup mit der kanadischen Nationalmannschaft zu überzeugen. Er hat es in die Elf des Turniers geschafft, gewann zudem die Trophäe des besten Jugendspielers. So ein Spieler zieht natürlich alle Blicke auf sich.

Unsere Prognose: Gumny und Framberger liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Framberger ist eminent verletzungsanfällig, hat sich nach wie vor noch nicht vollends in der Bundesliga akklimatisiert. Gumny wirkt hier unbekümmerter und spritziger, ist aber noch jung – ihm gehört aber definitiv die Zukunft. Nach dem Greifswald-Spiel würde es nicht wundern, wenn Coach Weinzierl einen Wechsel auf der Rechtsverteidiger-Position vornimmt.

Aber ob er die Abwehrformation kurzfristig nochmals ändern möchte? Wir werden es wohl erst am kommenden Samstag final sehen. Ein externer Neuzugang scheint hier nicht ausgeschlossen, aufgrund des verletzungsanfälligen Framis scheint dies ggf. sogar notwendig zu sein. In Buchanan hätte man einen polyvalenten Shootingstar an der Angel, jedoch scheint der FCA hier bereits aus dem Rennen zu sein. Tendenz: Es bleibt bei der alten Besetzung.

Innenverteidigung

Hier sind die Möglichkeiten des FCA derzeit sehr begrenzt. Jeffrey Gouweleeuw war zuletzt indisponiert aufgrund von Adduktorenproblemen. Gegen Greifswald in der ersten Runde des DFB-Pokals hat ihn Frederik Winther adäquat ersetzt. Kehrt Kapitän Jeff gegen Hoffenheim fit zurück, ist er gesetzt und verdrängt den jungen Dänen wieder auf die Bank. Dieser hat jedoch in Ansätzen gezeigt, dass er ein solider Backup sein und auch als Torschütze in Erscheinung treten kann.

Sein Nebenmann ist – wie schon in der letzten Saison – der neue dritte Kapitän des FCA. Felix Uduokhai hat trotz der Strapazen seiner Olympia-Teilnahme einen Stammplatz sicher. Der FCA kann sich wirklich glücklich schätzen, dass der ambitionierte Innenverteidiger den Verein nicht verlassen will, sondern weiß, was er am Verein hat. Ganz im Gegensatz zu seinem ehemaligen Konkurrenten auf dieser Position: Kevin Danso verlies nach einem öffentlichen Hin und Her den Verein gen Frankreich. Der Erstligist RC Lens überweist gem. dem Kicker 5,5 Mio. Euro. Mögliche Bonuszahlungen noch nicht einberechnet.

Falls die etablierten Stammkräfte einmal ausfallen sollten, steht neben Winther noch Reece Oxford bereit. Der junge Engländer ist wieder zurück, trainiert noch individuell. Für den Ligastart ist er wohl noch keine Option, jedoch ist eine Rückkehr in den Spieltagskader im Laufe des August realistisch. Zuletzt seien an dieser Stelle zwei “Notnagel” genannt: Tobias Strobl, derzeit ebenfalls im Krankenstand weilend, durfte in der Vorbereitung einmal in der Innenverteidigung ran (in Abwesenheit von Uduokhai). Dies ist jedoch nicht seine Paradeposition und sollte nur in absoluter Notlage in Frage kommen.

Weiterhin rückte ein gewisser Dominic Schmidt aus der U23 des FCA in den Blickpunkt und machte in den Testspielen eine gute Figur. Im letzten Test gegen Cagliari musste Schmidt früh für den verletzten Kapitän ran und spielte seine Rolle ganz abgeklärt. Ihn behalten wir einmal im Hinterkopf, denn sollten die Optionen weiter rar werden, kommt er ggf. wieder ins Spiel. Externe Zugänge sind hier nicht ausgeschlossen, zuletzt wurde medial von einem Interesse des FCA am Bremer Innenverteidiger Marco Friedl bekannt. Dieser weist einen Marktwert von 7,5 Mio. Euro auf (Quelle: Transfermarkt).

Dominic Schmidt war den meisten FCA Fans vor dem Cagliari Testspiel kein Begriff – nun kennen wir den Mann mit der stylischen Frisur alle. Er könnte bei Personalengpässen die Überraschung der Saison sein…?! (Foto via imago)

Unsere Prognose: Jeff scheint wieder auf dem Platz zu weilen, daher gehen wir derzeit von dem altbewährten Duo Gouweleeuw und Uduokhai aus. Dahinter wird die Luft jedoch ziemlich dünn. Winther hat sich als ernsthafte Option erwiesen, Schmidt wäre des weiteren noch ein Notnagel. Oxford und Strobl sind angeschlagen bzw. trainieren individuell. Ein externer Neuzugang scheint hier nicht ausgeschlossen, hier müssen jedoch die Modalitäten passen.

Fazit

Die berühmte Viererkette lautet zu Ligastart also

Iago - Uduokhai - Gouweleeuw - Gumny

Externe Neuzugänge scheinen nicht ausgeschlossen, da die Personaldecke in der Defensive aufgrund einiger verletzungsbedingter Ausfälle und des Abgangs von Kevin Danso extrem dünn ist. Auch hier hoffen wir, wenn ein Zugang nötig erscheint, auf die entsprechende Qualität des Spielers. Zudem auf die persönliche Eignung, denn noch ein unzufriedener Spieler mit Neigung, seine Gedanken publik zu machen, kann sich der FCA nicht leisten. Hier wäre entweder ein entspannter sowie erfahrener Backup wie Suchy oder Lichtsteiner wünschenswert. Alternativ wäre sicher auch ein formbares Talent wie Buchanan, der durchaus polyvalent ist, erstrebenswert. Bis Transferschluss wird es in der Abwehr definitiv spannend – Ende derzeit noch unbekannt!

Erwartungsstimmung

Dem Klassenunterschied geschuldet hat der FCA letztlich solide in Greifswald gewonnen. Nicht nur ein wenig erinnerten Stadion und Anlage an zurückliegende Bayern- und Regionalligazeiten – und das Spiel umgekehrt an frühere Pokalspiele mit dem FCA in der Rolle des kleineren.

Der FCA steht in der zweiten Runde, und die Hoffnung besteht, das diesmal vielleicht keiner der üblichen Gegner zugelost wird, und die Reise noch weitergeht.

Verlängerungen, Elfmeterschießen und knappe Ergebnisse, der Pokal verliert, insbesondere in der ersten Runde nicht an Attraktivität. Dazu die üblichen Überraschungen, und noch mehr, die bei der Anzahl der erlaubten Einwechslungen.

Auch wenn es wohl noch etwas dauern wird bis alle Abläufe eingespielt sind und geklärt, wer alles im Kader steht, waren nach dem Testspielen auch im Pokal weitere Tendenzen zu erkennen, dass es spielerisch eine ganz andere Saison als im vergangenen Jahr für den FCA werden könnte.

Kevin Danso und Marco Richter haben den Verein verlassen, dafür kommt neben Frederik Winther und Niklas Dorsch noch Arne Maier neu dazu. Gut vorstellbar, das sich in Ergänzung zum bestehenden Gerüst, dadurch neue perspektivische Entwicklungen ergeben könnten.

Optimismus, und zugleich wieder die üblichen Gedanken zu den zeitweiligen Startschwierigkeiten des FCA zum elften Bundesligjahr in Folge. Nicht dabei auch Finnbogason, der sich beim Pokalspiel verletzte, und zunächst wieder ausfällt.

Auch unter Berücksichtigung der vergangenen Spielzeit sollte sich der Blick nicht zu sehr auf die Reihenfolge der anstehenden Aufgaben richten. Der FCA, als gestandener Bundesligist kann per se gegen jeden Gegner gewinnen – und sollte es in dieser Saison im konkreten Fall endlich auch schaffen.

Wie zeigt sich die Ausgangslage vor Beginn der 59. Bundesligasaison? Die zuletzt oben stehenden Vereine haben alle neue Trainer. Welche Auswirkungen dies auf die unterschiedlichen Spielweisen haben könnte, wird sich vielleicht bereits nach einigen Wochen zeigen.

Die Frage nach der Meisterschaft scheint im Vorfeld, wie immer in den letzten Jahren, obligatorischer Art zu sein. München, Leipzig, vielleicht Dortmund – den Phantasien der Vorstellungen scheinen hier wieder Grenzen gesetzt.

Bei der Frage nach den Absteigern werden zu Beginn der Saison genauso regelmäßig auch die letzten Neulinge genannt, dazu die vermeintlich kleineren Vereine wie Mainz, Augsburg oder Freiburg. Wobei in den letzten Jahren sich gezeigt hat, das hier auch im Umfeld, auch unter Druck, anders gearbeitet wird, und das Thema eben dann ganz andere, vermeintlich Etablierte betreffen kann.

Auch in dieser, der dritten von Corona betroffenen Spielzeit, sind weitere Aspekte im Fokus. Die zunehmende Auslastung der Stadien zu Beginn steht angesichts der steigenden Inzidenzzahlen auf wackeligen Beinen, und Zulassungseinschränkungen für einen Teil nicht infizierter Zuschauer sollten auch kein Mittel der Wahl sein.

Dazu möglicherweise auch wieder Unsicherheiten bei der Einhaltung des Spielplans.

Die zweite Saison mit Sebastian Hoeneß als Trainer für die Kraichgauer. Ein guter Start in die letzte Runde, gute Auftritte in der Gruppenphase der Europa Leaque, dazu, auch coronabedingt, verschiedene Ausfälle in der Mannschaft, am Ende dann Platz 11.

In dieser Spielzeit soll es für die Hoffenheimer, die erst in der Verlängerung im DFB-Pokal bei Viktoria Köln gewinnen konnten, wieder weiter nach oben gehen.

Trotz mancher Unsicherheiten auch wieder Vorfreude auf die Spiele und den ersten Auftritt gegen Hoffenheim. Auch wenn das erste Ziel beim FCA wie immer 40 Punkte lautet, auch die Vorstellung der Entwicklung einer Mannschaft, die spielerisch weiter kommt, sich möglichst weit vom Tabellenende fern hält, und für die eine oder andere positive Überraschung gut ist.

Bis zu 10.700 Zuschauer können nach langer Zeit wieder beim ersten Pflichtheimspiel mit Trainer Weinzierl im europapokalbestuhlten Stadion dabei sein. Dazu ein guter Start, anknüpfend an das letzte Aufeinadertreffen der beiden Mannschaften. Gutes Spiel!

Nur der FCA!

Überraschungen

Es ist mal wieder soweit. Die Bundesligasaison steht vor der Tür und ab jetzt wird es ernst. Vieles ist von Vereinsseite sicher gut geplant. Und dieser Plan wird sich dutzende Male ändern. Verletzungen, Fromhochs und -tiefs, Länderspielpausen, Corona-Erkrankungen. Viel wird davon abhängen, wie gut die Organisation auf Unwägbarkeiten reagieren kann.

Dennoch (und das ist ein großes dennoch) werde ich kurzerhand versuchen, ein paar Entwicklungen zu prognostizieren, die Überraschungen der Saison sein könnten. Positiv, wie auch negativ. Manchmal liege ich glücklicherweise daneben. André Hahn hatte ich auf diesem Wege schon abgeschrieben. Und hatte schlicht unrecht. Es ist nicht persönlich gemeint, aber manchmal schwant mir nichts Gutes. In anderen Fällen sehe ich den Triumph schon vor mir. Am Ende kommt dann doch wieder alles anders. Es bleibt Fußball, den wir genau deshalb so lieben. Viel Spaß mit den streitbaren Thesen zur Bundesligasaison 2021/22 des FC Augsburg:

Positive Überraschungen

Nummer 1: Iago bleibt fit und bricht durch

Seit 2 Jahren spielt Iago nun in Augsburg. Im ersten Jahr konnte er zusammen mit Philipp Max sein Potential aufblitzen lassen. In der letzten Saison sollte er dessen Nachfolge antreten. Verletzungen machten etwas einen Strich durch die Rechnung. Nicht mehr diese Saison. Iago greift nun so richtig an und zeigt, warum wir eine ordentliche Stange Geld für ihn bezahlt haben. Achja, ähnliches gilt für Robert Gumny, nur dass es für ihn nach der letzten Saison nicht ganz so überraschend kommt.

Nummer 2: Gregerl reaktiviert seine Abschlussstärke

Es gibt kaum einen Spieler, der in Augsburg mehr polarisiert als Michael Gregoritsch. Diese Saison ist es hopp oder topp. Ich bin ein naiver Blödmann, wie Gregerl selbst, und glaube: Gregerl startet nochmal richtig durch. Finnbo ist gerade mal wieder verletzt, Freddy Jensen kämpft leider auch immer mal wieder mit Verletzungen und so wird es auch auf Gregerl ankommen. Er wird seine Einsätze bekommen und sie nutzen. Typischerweise, mit dem linken Schlegel.

Gregerl bei einer seiner Abschlusschancen gegen Greifswald. Die Tore folgen im Laufe der Saison (Foto via Imago)

Nummer 3: Freddy Jensen wird zum Star

Freddy Jensen steht auch vor einer interessanten Weggabelung. Ewiges Talent oder Bundesligastammspieler? Ich glaube, die Zeit ist reif für letzteres. Jensen scheint fit zu sein und kann sowohl zentral als auch außen spielen. Für Weinzierl wird er zur Geheimwaffe, die allerdings nicht lange geheim bleibt. Ich glaube, es wir die Saison in der Freddy Jensen ganz endgültig in der Bundesliga zum Durchbruch gelangt.

Negative Überraschungen

Nummer 1: Weinzierl sortiert aus

Einige der Spieler, die Markus Weinzierl übernommen hat, werden für den FCA nicht mehr viel zum Einsatz kommen. Dies betrifft Sergio Cordova und Noah Sarenren Bazee. Beide werden für nicht bundesligatauglich gesehen und aussortiert. Bye, bye. Wenig überraschend trifft ein ähnliches Schicksal Tobias Strobl.

Tim Civeja war letzte Saison nah dran an regelmäßigen Einsätzen. Dieses Jahr wird das schwieriger und wird etwas enttäuschend. (Copyright: kolbert-press/Burghard Schreyer via Imago)

Nummer 2: Die Jugend kommt zu kurz

Kevin Danso und Marco Richter sind weg. Alleinig Raphael Framberger verbleibt als erfahreneres Eigengewächs. Es würde Zeit, dass junge Kerls wie Maurice Malone und Tim Civeja nachrutschen und zu ihren Chancen kommen. Der Kader ist allerdings immer noch recht groß und im Zweifel hat Markus Weinzierl immer schon eher auf erfahrenere Kräfte vertraut. Die Jungen kommen dieses Jahr zu kurz. Dies betrifft wahrscheinlich auch Neuzugang Lasse Günther.

Nummer 3: Daniel Caligiuri ist nur noch Joker

In den ersten Saisonspielen der letzten Saison war Cali noch einer der wichtigsten Spieler beim FCA nach seinem Wechsel von Schalke 04. Ein Jahr später ist er etwas abgemeldet. Auf den Außen kommt er an André Hahn und Ruben Vargas nicht vorbei und in der Mitte präferiert Markus Weinzierl andere Spielertypen. Für Cali wird es eng und er muss um seine Minuten kämpfen (außer es verletzt sich wer, was wir mal nicht hoffen).

Fazit

Die Spannung steigt und es ist kaum auszuhalten. Einige offene Punkte bleiben. Wie viele Spiele wird Finnbo verletzt ausfallen? Kann er zu alter Stärke zurückkehren? Wer darf in der Zentrale im Mittelfeld dauerhaft ran? Mit Dorsch, Maier, Moravek und Gruezo hat Weinzierl fast schon die Qual der Wahl. In der Innenverteidigung wird sich zeigen, ob Reece Oxford zu seinen Chancen kommt. Und insgesamt wird sich offensiv zeigen, ob unsere Stürmer schlicht mehr treffen. Es wird Zeit, das es losgeht. Es ist ja kaum mehr auszuhalten.

Kaderanalyse: Mittelfeld

Der FC Augsburg hat den nächsten Transfer vollzogen. Arne Maier wechselt zunächst auf Leihbasis von Hertha BSC nach Schwaben, im Gegensatz schließt sich FCA-Eigengewächs Marco Richter den Berlinern an. Der FC Augsburg kann Maier langfristig an sich binden, wenn er eine gewisse Anzahl an Einsätzen macht. Davon, dass der Achter auf ausreichend Spielzeit kommt, ist auszugehen. Wie sieht die Lage im Mittelfeld darüber hinaus aus? Der Kadercheck.

Zentrales Mittelfeld

Das zentrale Mittelfeld ist das Herzstück einer jeden Mannschaft. Umso schwerwiegender ist es, dass der FCA auf dieser Position zuletzt eher schwach besetzt war. Im Mittelfeld herrschte vor der Saison der größte Handlungsbedarf, auch weil Sechser Rani Khedira den Verein nach vier Jahren verlassen hat. Manager Stefan Reuter war also gefordert – und scheint seine Hausaufgaben mehr als ordentlich gemacht zu haben.

Dorsch und Maier – U21-Duo als Schaltzentrale

In der Zentrale scheint Neuzugang Niklas Dorsch gesetzt. Der 23-Jährige deutete im Pokal gegen Greifswald bereits an, wie sehr er dem FCA mit seiner Spielintelligenz weiterhelfen kann. Das 4:2 war mustergültig per Chipball vorbereitet. An ihm werden die Fans noch viel Freude haben.

Da hat Stefan Reuter schon einen großen Fisch an Land gezogen (Foto via imago)

Neben ihm könnte Arne Maier auflaufen. Der Olympia-Fahrer gewann vor wenigen Wochen die U21-Europameisterschaft – zusammen mit Niklas Dorsch. Das Duo bildete das zentrale Mittelfeld mit Dorsch als defensiveren Part sowie Maier als Achter und harmonierte perfekt. Beide waren ein Garant für den Titel. Hier könnte der FCA einen echten Transfercoup hingelegt haben.

Gegen Greifswald startete Jan Moravek neben Dorsch im Mittelfeld. Der Tscheche, mittlerweile seit neun Jahren im Verein, spielte eine gute Vorbereitung und genießt das Vertrauen von Markus Weinzierl. Schon zu Europa-League-Zeiten arbeiteten die beiden zusammen. Ist Moravek fit, ist er fast gegen jeden Gegner eine Option für die Startelf. Seine Ballsicherheit kann dem FCA-Spiel nur guttun.

Moravek scheint derzeit der erste Kandidat zum Durchrotieren zu sein. Carlos Gruezo ist in der Vorbereitung hingegen etwas aus dem Blickfeld geraten. Das liegt auch an seiner Corona-Infektion bei der Copa America. Vergangene Saison schien er den Sprung zum Stammspieler zu packen. Jetzt, samt neuer Konkurrenz, werden die Karten neu gemischt.

Eine weitere Optionen auf der Sechs ist Tobias Strobl. Der Routinier konnte vergangene Saison nicht in die Fußstapfen von Daniel Baier treten und laboriert derzeit an einer Sprunggelenksverletzung. Wenn der frühere Gladbacher zum Team zurückkehrt, wird es schwierig, auf Einsatzzeiten zu kommen.

Das gilt auch für Tim Civeja. Das Eigengewächs feierte vergangene Saison seine ersten Einsätze im Profibereich. Dem 19-Jährigen wird in Augsburg viel zugetraut, aber ob er diese Saison sonderlich viele Einsatzminuten sammelt, ist fraglich.

Für Tim Civeja wünschen wir uns auch einiges an Einsatzzeit (Foto via imago)

Insgesamt ist der FC Augsburg im zentralen Mittelfeld mehr als gut aufgestellt. Von den Namen brauchen sich die Schwaben hier auch nicht vor der Bundesligakonkurrenz verstecken. Sollten Spieler verletzt oder gesperrt sein, gebe es mit den Innenverteidigern Reece Oxford und Jeffrey Gouweleeuw weitere Optionen für die Sechs. Der FCA-Kapitän bekleidete die Position bereits in Alkmaar und kann im Mittelfeld seine Spielstärke und Übersicht ideal ausspielen. Wäre Gouweleeuw nicht so wichtig für die Defensive, würden ihn die FCA-Fans bestimmt öfter weiter vorne sehen.

Rechtes Mittelfeld

Auf der rechten Außenbahn scheint Daniel Caligiuri gesetzt. Es ist zwar auch vorstellbar, dass der 33-Jährige unter Markus Weinzierl defensiver agiert, doch wir sehen ihn aktuell (noch) in der Offensive. Der Deutsch-Italiener, der sich derzeit von einer Coronainfektion erholt, will an die gute vergangene Spielzeit anknüpfen.

Gegen Greifswald spielte André Hahn auf rechts. Der gebürtige Niedersache spielte sich vergangene Saison in den Fokus, zeigte seine besten Leistungen allerdings in zentralerer Rolle. Es bleibt spannend, wie Weinzierl mit ihm plant.

Der derzeitige Topscorer (Foto: Eibner-Pressefoto via imago)

Konkurrenz erhält das Duo unter anderem von Neuzugang Lasse Günther. Der 18-Jährige, der bereits in der Jugend beim FCA kickte und nun vom FC Bayern an den Lech zurückgekehrt ist, soll allerdings behutsam an die Profis herangeführt werden. Stammspieler ist Günther nicht, eine vielversprechende Alternative jedoch allemal.

Linkes Mittelfeld

Im linken Mittelfeld deutet alles auf den im Pokal gesperrten Ruben Vargas hin. Der Schweizer EM-Fahrer hat seinen Vertrag in Augsburg erst verlängert und könnte unter Weinzierl eine tragende Rolle einnehmen. Der flinke 23-Jährige hat schon einige hervorragende Ansätze gezeigt. Sein Potential scheint allerdings noch nicht vollends ausgeschöpft. Dem FCA kann dies nur recht sein.

Konkurrenz auf links hat Vargas derzeit eher wenig. Gegen Greifswald setzte Weinzierl auf einen starken Fredrik Jensen. Wir sehen den Finnen aber eher in der Zentrale. Das offensive Mittelfeld haben wir bereits in unserem Offensiv-Check unter die Lupe genommen.

Eine positive Überraschung in dieser Saison könnte Maurice Malone sein. Das FCA-Eigengewächs ist frisch von seiner Leihe aus Wiesbaden zurückgekehrt und soll eine Chance im Profikader bekommen. Zwölf Tore und neun Vorlagen für den SV Wehen lesen sich stark. Nun muss der 20-Jährige jedoch zeigen, dass er auch in der Bundesliga mithalten kann. Die Veranlagungen dazu hat der gebürtige Augsburger.

Wir gratulieren herzlich zum ersten Pflichtspieleinsatz für die Profis! (Foto via imago)

Wie Weinzierl mit Noah Joel Sarenren Bazee plant, ist noch unklar. Der Deutsch-Nigerianer kann beide Außenbahnen bekleiden, gilt allerdings als extrem verletzungsanfällig. Bleibt der frühere Hannoveraner und Wunschtransfer von Martin Schmidt fit, kann er zu einem wichtigen Puzzleteil im Augsburger Spiel werden. Wenn auch nur als Joker.

Fazit: Der FC Augsburg ist auf den Außenbahnen im Prinzip ordentlich aufgestellt. Gerade die Startelfkandidaten versprechen einiges. In der Tiefe wird es allerdings dünn, zumal Sarenren Bazee sehr verletzungsanfällig ist und sich Günther wie auch Malone erst noch beweisen müssen. Nach dem Abgang Marco Richters könnte der FCA daher noch einmal nachjustieren. Hier gilt allerdings das Credo: Nur etwas machen, wenn es die Mannschaft wirklich weiter bringt.

Grias di, Arne!

Der FCA tut es schon wieder. Teasert uns Fans ein wenig vorab via Twitter, um dann – wie schon bei Niklas Dorsch so geschehen – einen absoluten Transferhammer zu verkünden. Dieses Mal handelt es sich um Dorschis kongenialen Mittelfeld-Partner bei der U21-EM diesen Jahres – Arne Maier. Natürlich war zuvor schon medial etwas durchgesickert. Es war bereits vor einigen Tagen die Rede von einem Spielertausch zwischen dem FCA und der Hertha. Tauschgegenstand sollte der wechselwillige Youngster Marco Richter sein. Und so kam es schlussendlich auch…. Wir sagen: Servus, Arne! Und alles Gute, Marco, in der Hauptstadt.

RÜCKBLICK: Pokalspiel

Ein kleiner Rückblick aufs Spiel gegen den Oberligisten aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Greifswalder waren heiß wie Frittenfett und machten dem FCA von Beginn an ziemliche Probleme. Sie waren einfach gieriger und der FCA (mal wieder) etwas verschlafen zu Spielbeginn. So nutzten die Greifswalder ihren ersten Konter zur Führung. Hier sah insbesondere Neuzugang Niklas Dorsch gar nicht gut aus, denn er spielte einen katastrophalen Fehlpass. Auch Framberger hatte (nicht nur in dieser Szene) spürbare Probleme mit seinem agilen Gegenspieler Knechtel.

Der FCA war nach dem frühen Gegentor schon etwas geschockt und agierte in der Folge etwas planlos. Der gut gestaffelte Gastgeber konnte ein ums andere Mal die schlecht ausgespielten Angriffe der Augsburger klären. Nach etwa zwanzig Minuten wurde der FCA drückender, kam zu Abschlüssen durch den heute sehr gut aufgelegten Freddy Jensen und Flo Niederlechner. Körperlich mussten unsere Mannen auch einiges einstecken, so humpelte in etwa (Ersatz-)Kapitän Finnbogason in der Halbzeit in die Kabine, weil ihn ein gegnerischer Verteidiger robust abgegrätscht hat. Leider hats den Isländer wohl wieder erwischt, wir hoffen, es ist nix schlimmes.

Kurz vor der Halbzeit verwandelte Innenverteidiger und Jeff-Ersatz Frederik Winther dann den besten Augsburger Angriff zum verdienten Ausgleich. Mit diesem Spielstand ging es sodann in die Halbzeitpause. Noch schöner war dann der Bilderbuchkonter zum 2:1 aus Augsburger Sicht. Moravek spielte einen Zuckerpass (warum ist er eigentlich so oft verletzt, er ist brilliant!) in den Lauf von Außenverteidiger Iago, der überlegt zurück ins Zentrum gibt und Flo Niederlechner nur noch einschieben muss. Eine gelungene Kombination! Wiederum Iago legte Freddy Jensen eine butterweiche Flanke direkt auf den Kopf, dieser nickte eiskalt zum 3:1 ein. Der Favorit war in Fahrt.

Aber denkste, der FCA wäre nicht der FCA, wenn man sich nicht noch selbst ein Ei legen würde. Nach einer Unordnung in der Hintermannschaft kam Greifswald zum Abschluss und unser solider Rückhalt Gikiewicz lies den Ball ins Netz trudeln. Man muss sagen, der war haltbar. Selten geprüft in der Partie war Gikie in dieser Szene nicht ganz wach. Seine Vordermänner haben aber ebenfalls sprichwörtlich gepennt. Nachdem FCA-Coach Weinzierl einige Stammspieler vom Feld nahm – im Hinblick auf den nahenden Bundesligauftakt – und frische Kräfte brachte, rotierte André Hahn ins Zentrum. Sehenswert war der Steilpass von Niklas Dorsch, den Hahn noch sehenswerter über den aufgerückten Heim-Keeper ins Netz hob. Was für ein feines Füßchen unser André doch hat.

Insgesamt muss man festhalten, dass wir in der Chancenverwertung etwas nachlegen könnten (27 Torschüsse, 15 Ecken, “nur” vier Tore) und hinten ein wenig umsichtiger agieren sollten. Gerade gegen eine Offensive wie die Hoffenheimer werden solche Angebote, wie sie der FCA gegen Greifswald phasenweise offerierte, wahrscheinlich härter bestraft. Greifswald hat vorallem in Halbzeit eins super mitgehalten, auch körperlich. Der Keeper Marczuk erwischte einen Sahnetag und wurde in Konsequenz zum “Man of the Match” gekürt. Gratulation! Und der FCA muss festhalten, dass es noch viel zu tun gibt bis zum Ligaauftakt und sich 800 Kilometer Anfahrt gelohnt haben.

Servus, Arne!

Einer, der hier helfen kann, ist sicherlich Neuzugang Arne Maier. Gestern Abend wurde der Wechsel nun final bekanntgegeben, nachdem sich die Anzeichen verdichteten. Im Gegenzug wechselt Marco Richter fix zur Hertha. Arne Maier wird erstmal ein Jahr vom FCA ausgeliehen und erhält bei uns die Nummer 10, die zuletzt Daniel Baier trug. Große Fußstapfen, in die der 22jährige hier tritt.

Geboren in Ludwigsfelde im märkischen Landkreis Teltow-Fläming – unweit der Stadtgrenze Berlins – begann Arne Meier zuerst im heimischen Ludwigsfelde das Fußballspielen. 2007, mit acht Jahren, wechselte er in den Nachwuchs der Hertha. Dort durchlief er alle Nachwuchsstationen. 2017 gab Maier sein Profidebüt für die Hertha, als er beim Auswärtssieg gegen Darmstadt 98 in der 90. Spielminute für Kalou eingewechselt wurde.

Er durfte in der Saison kein weiteres Spiel mehr für die Profis absolvieren, erhielt jedoch einen Profivertrag bei den Berlinern. Dieser wurde im darauffolgenden Jahr bis 2022 verlängert. In der Saison 17/18 kam Arne in 17 Spielen zum Einsatz, fünf Spiele absolvierte er für die zweite Mannschaft und vier für die A-Jugend. Mit letzterer wurde er deutscher A-Jugend-Meister. Für die Hertha kommt Meier auf 58 Einsätze.

Arne Maier mit Ersatzspieler-Leibchen bei der Hertha. Bei den Berlinern sah der Jungspund offensichtlich keine Einsatzchancen mehr… (Copyright: Sebastian Räppold / Matthias Koch via imago)

In der letzten Saison spielte Arne Meier auf Leihbasis für Bundesligaaufsteiger Arminia Bielefeld. Dort kam er im zentralen Mittelfeld zum Einsatz und absolvierte 16 Spiele (0 Tore). Von Arminia-Coach Neuhaus zu Beginn der Saison noch verschmäht, gelang ihm unter dessen Nachfolger Kramer der Durchbruch und wurde in allen Spielen unter dessen Federführung eingesetzt. Sein Kicker-Notendurchschnitt betrug letzte Saison 4,19 – hier sehen wir noch Luft nach oben. Der 1,86 Meter große und 82 Kilogramm schwere Mittelfeldspieler kehrte zur Saison 21/22 zuerst zur Hertha zurück. Dort sah er seine Zukunft offensichtlich nicht, denn die Herthaner verpflichteten ihrerseits mit Kevin-Prince Boateng und Suat Serdar namhafte Konkurrenz. Geschäftsführer Sport der Hertha, Fredi Bobic, hierzu: “Wir haben ein großes Angebot im zentralen Mittelfeld, deswegen haben wir Arnes Wunsch nach einer Veränderung entsprochen.

Unser Glück, denn nun ist er hier und wir sagen: Herzlich Willkommen, Arne! Stefan Reuter meint hierzu: “Arne Maier ist ein junger Spieler, der alle Junioren-Nationalteams des DFB durchlaufen hat und im Sommer mit der U21-Auswahl als Kapitän den Europameistertitel feiern konnte. Wir freuen uns, dass er sich für unseren FCA entschieden hat, weil wir ihm eine Perspektive aufgezeigt haben, mit der er sich zu 100 Prozent identifizieren kann.”

Unser Neuzugang erhält die Nummer 10! Herzlich Willkommen in der Fuggerstadt.

Ausblick

Zusammen mit unserem zweiten und bereits etablierten Neuzugang Niklas Dorsch bildete Arne Maier das Defensive Mittelfeld der deutschen U21 Nationalmannschaft. Dort agierten die beiden Youngsters sehr erfolgreich und erreichten gemeinsam das Finale der U21-EM 2021, das sogar gegen starke Portugiesen mit 1:0 gewonnen wurde. Arne Maier war Kapitän der Gewinnermannschaft und absolvierte für die U21-Nationalmannschaft insgesamt 18 Partien und erzielte hier einen Treffer. Arne Maier war ebenfalls bei Olympia 2021 an Bord, kam aber mit der deutschen Mannschaft nicht über die Vorrunde hinaus. Er kam in allen drei Partien zum Einsatz.

Dieses dynamische Duo dürfen wir beim FCA nun wieder vereint sehen…. Rechts Dorsch, links Maier bei der diesjährigen U21-EM. (Copyright: xSzilviaxMichellerx xMatthiasxKochx via imago)

Sein derzeitiger Marktwert beläuft sich auf sieben Mio. Euro. Wenn der Mittelfeldspieler in der kommenden Saison beim FCA mindestens 25 Spiele absolviert, greift eine vereinbarte Kaufoption von rund fünf Mio. Euro, die der FCA an die Hertha überweist. Dorsch und Maier kennen sich schon, das könnte für den FCA ein immenser Vorteil sein. Auch Uduokhai, den Maier direkt hinter sich hat, kennt den Neuzugang bereits aus der U21-Nationalmannschaft.

Arne Maier möchte nun den nächsten Schritt in seiner Karriere beim FCA gehen. Wir von der Rosenau Gazette wünschen ihm allzeit gutes Gelingen!

„Ich freue mich, dass der Wechsel zum FCA geklappt hat, weil ich überzeugt bin, dass ich beim FCA eine tolle Mannschaft und ein super Umfeld vorfinde, in dem ich mich weiterentwickeln kann. Ich möchte mit dem Team eine erfolgreiche Saison spielen und Verantwortung auf dem Platz übernehmen.“

Arne Maier auf der Website des FCA