2. Advent: Unser Spiel der Hunderttausend

Es ist mir heute eine Ehre, dass Stephan Urban – derzeitiger Host des FC Augsburg Podcasts “Auf die Zirbelnuss” – seine persönliche Geschichte erzählt, warum er Immer noch Original 1907 ist. Wer seine eigene Geschichte auch teilen und uns damit allen eine Freude machen will, der schreibt gerne eine Email an kontakt@rosenau-gazette.de. Viel Spaß beim Lesen und einen schönen zweiten Advent.

Was ist Original 1907? Für mich ist das der Verein aus den Erzählungen von meinem Vater, wie er Helmut Haller im Rosenaustadion gesehen hat, und wie beim Spiel der Hunderttausend die Leute ins Olympiastadion geströmt sind. Die Flutlichtmasten des Rosenaustadions konnte ich damals noch von meinem Kinderzimmer aus sehen, und auch ein bisschen Träumen dort vielleicht mal Bundesligafußball zu sehen.

In dem immer noch besten Fußballmanager „Anstoss 3“ konnte ich diesen Traum sogar noch ein befeuern, und ein bisschen Walther Seinsch spielen und den FCA in die Bundesliga führen. Natürlich dann noch ein paar Schritte weiter als jetzt, mit Meister-, Pokal- und sogar Champions League Titeln, ebenso wie auch einige Weltmeister aus der eigenen Jugend. Wer damals Anstoss 3 mit User-Files gefüttert hat, konnte den Abstieg vor dem Aufstieg direkt mitverfolgen, in der Originalversion aus dem Jahre 2000 mit leicht veränderten Namen war die Mannschaft, die den FCA repräsentierte noch in der damals viergleisigen Regionalliga. Mit den ersten User-Files, die echte Teams und Spieler einführten, schrumpfte die Regionalliga auf zwei Ligen zusammen und der FCA war auf einmal nicht mehr spielbar.

Vom Dortmund-Fan bis an diesen magischen Ort. Oh, süßer FCA.

Da ich in den Jahren 1996 und 1997 mich begann für Fußball zu interessieren, begann ich meine Fußballfankarriere als BVB-Fan. Mein erstes Spiel im Rosenaustadion war daher auch ein Ligapokalspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Und ich hätte wahrscheinlich den FCA komplett aus dem Blick verloren, wenn nicht in der Bayernliga das damals großartige Radio Fantasy nicht große Werbung für den FCA gemacht hätte. Zwar reichte es da noch nicht zum Stadionbesuch, aber ich verfolgte zumindest die Spiele im Radio, der Zeitung und kurze Zeit später stieg der FCA wieder zurück in die Regionalliga auf, mit im Gepäck die einzige Auszeichnung bis heute: Rekordmeister der Bayernliga.

Danach warf ich auch hin und wieder einen Blick auf den großartigen Liveticker. Bis es eines Tages hieß: “Großer Tag, der FC Augsburg kann gegen den SSV Jahn Regensburg den Aufstieg in die 2. Bundesliga klar machen und das auch noch gleich um die Ecke im Rosenaustadion.“ Und für mich war klar, das musste ich sehen. Also überredete ich meinen Vater und meinen damals besten Kumpel (Bayernfan, dessen Vater sogar ein Sechzger) Karten zu besorgen. Und ein paar Tage später war ich auf einmal bei meinem ersten FCA-Spiel. Das Spiel lief so, wie ich den FCA die nächsten Jahre auch kennen lernen würde: Nicht ganz einfach. Der FCA brauchte lange um in Führung zu gehe. Kurz davor hatte sogar ein Spieler von Regensburg Gelb-Rot gesehen. Es schien als würde alles für den FCA laufen, bis Mark Römer ebenfalls Gelb-Rot sah und der FCA das Zittern bekam. Postwendend kassierte das Team von Trainer Hörgl noch zwei Tore und ich saß ziemlich bedröppelt auf der Gegengeraden im ausverkauften Rosenaustadion.

Den Spruch den viele damals schon vor dem Spiel auf den Lippen hatten: „Typisch Augschburg!“. Denn das können einige vielleicht nicht glauben, aber der Aufstieg des FC Augsburg durch die Ligen bis in die Europa League hat die Stadt und seine Augsbürger verändert. Bis dahin war die Erwartungshaltung, dass man als Augschburger nichts geschenkt bekommt. Eher, dass die Stadt alles noch schlimmer macht. Baustelle, wo man gerade fahren will: „Typisch Augschburg!“, Nervige Ampelschaltung: „Typisch Augschburg!“, vergebener Aufstieg: „Typisch Augschburg!“

Die folgende Saison gönnte ich mir noch keine Dauerkarte, aber einige Einzelspiele. Und siehe da: der FCA stieg auf. In der zweiten Liga angekommen entbrannte dann endgültig meine Liebe für den FCA. Sofort eine Dauerkarte gegönnt und nie wieder abgegeben. Es folgte eine fulminante Premierensaison, die kurzzeitig sogar so aus sah, als würde der FCA direkt in die Bundesliga marschieren. Obwohl es, vielleicht sogar zum Glück, nicht gereicht hatte, hatte die Saison zwei große Highlights, die den überregionalen Medien ein wenig entgingen: Die beiden Spiele gegen den TSV aus München. Für mich natürlich auch die Verbindung zum FCA meines Vaters. Und die Spiele hielten was er versprach: „Da ging’s immer hoch her.“ Und wie! Also in der Liste der großartigsten Spiele sind die beiden auf jeden Fall dabei. Das Hinspiel in der gesteckt vollen Rosenau ging 3:0 aus, die Löwenanhänger rissen beinahe den Zaun zum Spielfeld nieder. Die Polizei lief auf der Tartanbahn auf. Das war mein erstes Spiel, wo die Luft wirklich geknistert hatte.

So sieht jemand aus, der noch Stadien mit Tartanbahn kennt.

Und dann kam in der Rückrunde das Spiel in der Allianz Arena. Die Tickets dafür konnte man Monate vorher schon online bestellen ohne Begrenzung für Augsburger. Der chronisch klamme TSV war bestimmt froh über jeden Euro. Was dann passierte, ist absolut einmalig und wird es in dieser Form nie wieder geben: die symbolische Wiederholung des Spiels der Hunderttausend. Gefühlt halb Augsburg machte sich über die A8 oder per Zug auf in die Landeshauptstadt. Mit im rappelvollen Sonderzug schon Polizisten in voller Montur, natürlich noch mit einem Abstecher über das Verhaspelmoor. Wir, ich mit zwei Kumpels im Gepäck, kamen kurz vor Anpfiff erst ins Stadion, am Platz schon eine Fahne. Der Gästeblock und die zwei Ränge darüber waren als Augsburg-Blöcke gedacht und hatten daher jeweils Fahnen in Rot, Grün und Weiß. Aber von Augsburg-Blöcken zu sprechen untertreibt maßlos. Mehr als das halbe Stadion war in Schwabenhand. Durchs ganze Stadion drangen „AUGSBURG! AUGSBURG!“-Wechselgesänge. Die Stimmung war großartig und die Mannschaft tat ihr übriges. Mit dem 3:0 setze der FCA nicht nur ein sportliches Ausrufezeichen. Nein, für mich war das kein schnödes Ergebnis wie jedes andere. Das war für mich wirklich der Moment, wo mir klar wurde, mit diesem Verein ist ganz Großes möglich. Und ein anderer Gedanke den bestimmt viele unterbewusst hatten: „Wir sind wieder wer.“

Das war wirklich der Anfang vom Ende des Spruchs: „Typisch Augschburg!“ Auch wenn das vielleicht noch nicht bei allen Augsburgern angekommen war. Die nächsten Jahre, die auch teilweise grauenhaften Fußball beinhalteten, zeigten es. Und man schafft das, was der Mannschaft um Helmut Haller verwehrt blieb. Man stieg in die Bundesliga auf. Nicht nur das. Man spielte dann sogar nach zwei hart umkämpften Klassenerhalten großartigen Fußball. Schlug sogar zweimal den großen FC Bayern. Und wurde mit der Europa League belohnt, und das sogar an der altehrwürdigen Anfield Road.

Nach dem Spiel in Liverpool hab ich gesagt: “Das ist der Höhepunkt und geiler wird es nicht mehr”. Ich bin trotzdem noch regelmäßig ins Stadion, habe viele Auswärtsfahrten und Abenteuer erlebt. Und zwischenzeitlich wurde der Fußball wieder grauenhaft. Und ich hab mir in den Jahren unter Manuel Baum ernste Sorgen gemacht und überlegt kürzer zu treten. Und jetzt spielen wir zum zehnten Mal in der Bundesliga und es ist Corona und ich bin seit langem nicht mehr im Stadion gewesen. Und genau jetzt merke ich gerade, wie sehr mir das wirklich fehlt. Denn ich liebe zum einen den FCA, aber zum anderen auch die Leute mit denen ich im Stadion bin. Ein paar ehemalige Arbeitskollegen, aber auch einige Leute die ich sonst nie kennen gelernt hätte. Mir kommen jetzt schon die Tränen beim Gedanken, an das Spiel, wenn auf einmal wieder alle da sind. Meinen Vater werde ich übrigens nicht im Stadion treffen. Nicht weil es im irgendwie schlecht geht, oder so. Nein, weil er es schon lange nicht mehr aushält, da er sich zu oft aufregen muss. Schon seit der zweiten Liga: „Typisch Augschburg!“

Ist der Lack ab?

Immer wieder erfreue ich mich über Entwicklungen rund um den FCA. Es entscheiden sich gestandene Bundesligaspieler wie Strobl und Caligiuri sich unserem Verein anzuschließen. Und spielen dann – zusammen mit dem Rest des Teams – während des ersten Saison-Viertels so gut, dass die Abstände nach unten komfortabel sind. Der FCA steht wirtschaftlich auf soliden Füßen und es geht zumeist ruhig zu. Die Fans, die sich im Verein Ulrich-Biesinger-Tribüne e.V. (UBT) organisiert haben, tuen weiter gutes. Unter anderem haben sie einen Fitnessraum für Ex-Häftlinge mit Sportgeräten ausgestattet. Der FCA ist kein Verein in einem Dauerkrisenmodus (wer würde hier gerade nicht an Schalke 04 denken). Alles toll, oder nicht?

Ich will mal mit einer Meldung zum Engagement der UBT starten. Vorweg: ich halte das Engagement der UBT für vorbildlich und inspirierend. Die UBT zeigt, dass es beim Fußball um mehr geht als nur das Sportliche. Sie zeigt auch, wie Fußballfans in der allergrößten Mehrheit sind: eben keine Krawallmacher und Rowdies. Und nun kommt der FCA ins Spiel, der das Engagement der UBT für die eigene Außendarstellung auf der Webseite nutzt. Bevor dann in der Meldung ein Vertreter der UBT zu Wort kommt, ist es FCA-Geschäftsführer Michael Ströll, der feststellt: „Wir wollen da möglichst im Hintergrund bleiben, aber wir unterstützen die Fans bei diesen Aktionen gerne”. Deswegen musste Ströll wohl auch mit aufs Foto und nimmt dort – im Vordergrund – am meisten Raum ein. Na klar.

Michael Ströll stellt die nächste Marketing-Kampagne vor und es wird weiter das Image poliert. (Foto: kolbert-press/Christian Kolbert)

Diese Aktion und wie sie für die Darstellung nach außen genutzt wird, passt momentan ganz gut in die allgemeine Gemengelage des Vereins. Wir sind im zehnten Jahr in der Bundesliga und der besondere Charme des FC Augsburg ist verflogen. Das “Anfield auf dem Lechfeld” ist eine Erinnerung. In diesen Zeiten darf niemand ins Stadion und auch vorher waren die Gänsehautmomente weniger geworden. Wenn es um Vereine geht, die öffentlichkeitswirksam an Konzepten arbeiten, um ihre Fans wieder ins Stadion zu bekommen, dann ist vom FCA nichts zu hören. Da mag man vom Vorschlag der Unioner halten, was man will, aber die Absicht dahinter ist sehr deutlich. Fußball ohne Fans ist nicht dasselbe und Union versucht das Problem – zugegeben auf peinliche Art und Weise – zu lösen. Beim FCA herrscht derweil Stille.

Stille ist ein gutes Stichwort. Insgesamt ist die Kommunikation des Vereins mit der Öffentlichkeit weniger geworden. Spieler und Verantwortliche geben gefühlt weniger Interviews. Nachrichten werden zuerst durch den Verein und seine Social Media Kanäle verbreitet, bevor Pressemitteilungen versandt werden. Dazu gibt es Exklusivinterviews und gute Laune Videos auf Youtube. Kritische Fragen sind bei diesen Interviews nicht zu erwarten. Der FCA ist auf diesem Weg kein Einzelfall. Er ist allerdings auch keine positive Ausnahme. Und diese liebenswürdige Authentizität früherer Jahre ist verloren gegangen.

Zdenko Miletic in 2006 als er in der zweiten Bundesliga für den FCA noch aktiv auf dem Rasen war. (Photo by Volker Dziemballa/Bongarts/Getty Images)

Und so geht in diesen Tagen die Suche weiter, nach dem, was unseren Club besonders macht. Der Umgang mit dem eigenen Personal ist es mit Sicherheit nicht. Da gibt es die Personalrochaden auf der Torhüterposition als auch den Umgang mit den langjährigen Führungsspielern. Nun kann von uns niemand die Kompetenzen von Zdenko Miletic beurteilen, da wir das Torwarttraining beim FCA nicht mitbekommen. Über viele, viele Jahre wurde Miles Arbeit allerdings zumindest öffentlich nie in Frage gestellt und auch Stefan Reuter hat bei allen Trainerwechseln immer an ihm festgehalten. Dieser Abschied im Stillen widerspricht nun zum letzten Saisonende dem Gedanken der FCA-Familie, der öffentlich immer gern so hoch gehalten wurde. Wenn Mile nicht Teil dieser Familie ist, wer ist es dann?

Insgesamt bedrückt mich diese Entwicklung. Der FCA stach für mich über viele Jahre heraus aus der grauen Masse des Bundesliga-Kommerzes. Wir waren David im Kampf gegen viele Goliaths. Das sind wir nicht mehr. Die Rolle des Davids haben Armina Bielefeld, der SC Paderborn oder Union Berlin übernommen. Neben der sportlichen Rolle ist allerdings auch neben dem Platz etwas verloren gegangen. Das ist vielleicht auch gar nicht so neu.

Rasen und Beton drum herum. Das Besondere geht mittlerweile ab. (Foto: Marcel Engelbrecht/firo Sportphoto/POOL)

Mehr und mehr scheint diese Entwicklung allerdings vielen bewusst zu werden. Die Kommentare von anderen Fans in den sozialen Medien zeigen doch eine große Ernüchterung. So wird längst nicht mehr nur über Sportliches gemotzt, wenn gegen Gladbach kein Offensivfeuerwerk gezündet wird. Der Lack ist nämlich nicht ab. Das war er in Augsburg lange Jahre. So liebten wir unseren FCA. In der Zwischenzeit wurde das Gefährt grundsätzlich neu lackiert. Es ist nicht mehr alles nur rot-grün-weiß. Auch neongelb als Trikotfarbe und farbangepasste Logos auf den Logos haben sich eingeschlichen. Es verkauft sich besser. Und es wird andauernd poliert. Man schaut, dass man ja nirgends aneckt. Ecken und Kanten und die ein oder andere Macke machen diesen Verein aber doch erst zu dem, was er ist. Machten ihn zumindest zu dem, was er einmal war. Wenn man heute zusammen mit anderen Vereinen von Kalle Rummenigge abgewatscht wird, dann liegt das nicht an den krassen Forderungen, sondern am Irrwitz des Bayern-Verantwortlichen.

Und so kann auch das gute erste Saison-Viertel nicht über die Probleme hinwegtäuschen. Im Gespräch mit der Rosenau Gazette bestätigte Mario Riedel von der Ulrich Biesinger Tribüne e.V., dass viele Fans den Verein gerade in der jetzigen Phase kritisch beurteilen. “Es steht zu sehr das Wirtschaftliche im Vordergrund.” stellt Riedel fest. “Dazu fehlen im Verein die Mitsprachemöglichkeiten für die Fans.” Gerade in der jetzigen Phase könnte der Verein Impulse abseits des Platzes setzen. Alleine, wer würde denn noch Kampagnen fahren, wenn keine Fans ins Stadion gelockt werden müssen. Der, der “Ugly Christmas Sweater” oder Fanartikel in der rot-grün-weißen Woche verkaufen will. Es ist einfach nur schade. Denn es gibt so vieles, was den FCA immer noch toll und besonders macht. Und das sollten wir alle zusammen ausbauen. Ebend “Immer noch Original 1907“.

Immer noch Original 1907

Am letzten Samstag habe ich an dieser Stelle die T-Shirt Aktion 2020 gestartet. Auf dem Shirt steht “Immer noch Original 1907”. “Original 1907” ist vielen Fans in Augsburg ein Begriff. Jede, die in Augsburg mal im Stadion war, hat das Banner zumindest schon mal unterbewusst wahrgenommen. “Original 1907” steht auf einem großen Banner, hinter dem sich die gesamte Ulrich Biesinger Tribüne versammelt. Schon so lange, dass “damals” als man angefangen hat, sich hinter diesem Banner zu versammeln, die Tribüne noch nicht nach Ulrich Biesinger benannt war und der M-Block sich noch im Rosenaustadion befand.

Ungefähr so lang, wie dieses Banner schon am Zaun hängt, ist meine Reise mit dem FCA mittlerweile. Nach sporadischen Besuchen vor dem Sommer 2006 und dem Aufstieg in die zweite Bundesliga, habe ich meinen Spaß am Besuch von Fußballspielen während der WM wiedergefunden. Ich hatte das Vergnügen in München am WM-Spielort zu arbeiten. Die Atmosphäre aufzusaugen. Die verbindende Energie von Fußball zu erkennen. Es war nicht nur ein Slogan. Es war “die Welt zu Gast bei Freunden”. Mit reichlich Bock auf Fußball, war die Dauerkarte im M-Block der logische nächste Schritt. Quasi ein erster Schritt.

Seit vielen Jahren ist “Original 1907” immer dabei. Zumindest in meinem Leben. (Foto: Imago)

Und so viele weitere erste Schritte sollten für den FCA und für mich folgen. Wenn ich jetzt aus der Erinnerung wüsste, welches das erste Auswärtsspiel war. München wäre logisch. Es könnte aber auch Fürth oder Mainz gewesen sein. Auswärts war immer Abenteuer. In Fürth haben sich Augsburger mit Augsburgern geprügelt. In Mainz habe ich beim ersten Mal nicht mitbekommen, wie nach dem Spiel eine Fahne abhanden kam. Bei den nächsten Malen war dann immer klar, dass es in Mainz “besonders” war. Marc Prettenthaler hatte dort mal einen guten Tag. Und es war gut, so lange es noch am Bruchweg war. Nicht alles ist besser geworden.

2011 endete dann das Abenteuer 2. Liga und die Sensation Bundesliga begann. Nach einem ersten Jahr, in dem alleine der Klassenerhalt eine Sensation war, haben Stefan Reuter und Markus Weinzierl erst angefangen Träume zu ermöglichen und dann erfüllt. Aber erst nachdem Sascha Mölders mit seinen Toren mit vielen möglichen Körperteilen und ein gehaltener Elfmeter von Manninger das dritte Jahr überhaupt erst ermöglicht hatten. Das war insgesamt die Phase, in der sich viele Neue hinter dem Banner “Original 1907” einfanden. Die Jahre in denen es sehr einfach war, Fan des FC Augsburg zu sein. Jeder Teil des Spektakels sein wollte. Kaum jemand nach Wolfsburg fuhr, aber alle nach Liverpool wollten. Augsburg wer war in Deutschland. Und Europa. Mehr als #keineSau.

Nach den Höhepunkten kam nun in den letzten Jahren die Ernüchterung. Vom Augsburger Anfield hat man auch vor Corona schon nicht mehr gelesen. Der Zuschauerschnitt ging insgesamt nach unten. Das Team spielte nicht mehr so inspiriert. Trainer kamen und gingen. Wir haben in diesem Bereich immer noch nicht die Frequenz anderer Bundesligaclubs erreicht, aber wir holen auf. Und der FCA an sich ist schlicht die Graue Maus der Bundesliga geworden. Bevor Rummenigge nun den FCA nicht eingeladen hatte, kann ich mich nicht erinnern, wann der Verein das letzte Mal an irgendeiner Stelle angeeckt wäre.

Gerade in diesen Zeiten, in denen Fans ihre Teams nicht im Stadion unterstützen können. Zeiten, in denen man sich manchmal fragt, welche Bedeutung den Fans von Verantwortlichen im Fußballbetrieb zugestanden wird. In diesen Zeiten ist der Slogan auf den T-Shirts ein Zeichen. Es ist das “I’ll be back” des treuen Fußballfans, der zurückkommt, wenn er wieder darf. Den man auch in diesen Zeiten nicht los wird. Nicht den Jubel. Und auch nicht die Kritik. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass dieser Verein klare Kante gegen rechts setzt. In keinster Weise diskriminierend handelt. Minderheiten unterstützt und nicht ausgrenzt. Bunt ist. Laut ist. Spaß macht. Auf und neben dem Platz.

Insgesamt ist aber auch klar, dass auf Grund der Historie jeder “Original 1907” anders für sich interpretiert. Meine Identität als Fan besteht aus vielen, vielen Puzzleteilen, die ich hier nur anreißen kann. Ich stelle mir manchmal die Frage: Ab welchem Punkt würde ich mich nicht mehr hinter diesem Banner sehen? Es waren immer die Kontakte mit anderen FCA Fans, die dem ganzen eine besondere Bedeutung gegeben haben. Gemeinsame Besuche von Spielen mit der Familie, das erste Mal mit der Tochter, die Auswärtsfahrten, Telefonate und Podcastaufnahmen. Dabei habe ich versucht seit einiger Zeit etwas zurück zu geben, erst für Simon, dann für den bunten Kreis und das Grandhotel Cosmopolis. Jetzt für Queerbeet e.V.

Taten statt Worte – dieser Beitrag ist ein Versuch in diese Richtung (Foto: Imago)

Indem wir jetzt genau dieses “Original 1907” auf die Shirts gepackt haben, wollen wir es ehren und weiter hervorheben. Es in seiner Wirkung verstärken. Ich hoffe, dass versteht niemand falsch. Wenn dem so ist, dann tut es mir leid. Falls die Aktion euch taugt, kauft euch im Shop ein Shirt, ansonsten könnt ihr hoffentlich einfach damit leben. Vielleicht ist dieser Blog schlicht der komische Onkel der FCA Familie. Gerade wenn man sich unser Team anschaut, dann haben hier Fans eine Heimat gefunden, die einen weiten Weg nach Augsburg haben. Mit ihren Fantum auf diese Weise umgehen.

Wir grenzen dabei niemanden aus. Indem wir gerade nicht eine Definition vorgeben, sondern jede für sich bestimmen kann, was sie mit “Immer noch Original 1907” verbindet. Jede hat so eine Möglichkeit eine eigene Auslegung zu finden. Ich habe in der Zwischenzeit andere FCA Fans gebeten, aufzuschreiben, was sie damit verbinden, Fan des FC Augsburg zu sein. Sich als “Immer noch Original 1907” zu sehen. Ein paar Geschichten werden so in den nächsten Wochen hoffentlich folgen. Wer an dieser Stelle gerne ihre eigene Geschichte teilen will, die schreibt doch gerne eine Email an kontakt@rosenau-gazette.de. Hoffentlich finden sich in Zukunft viele von uns hinter diesem Banner. Und treten für die Werte ein, die wir alle damit verbinden. Tun gemeinsam als Fußballfans manchmal etwas gutes. Ich habe es mit dieser Aktion zumindest mal wieder versucht.

VAR fürn Arsch

Meinem Unmut über das Spiel gegen Hertha und auch die Unzulänglichkeiten des Teams an diesem Tag habe ich ja schon Luft gemacht. Die Abseitsentscheidung, die das Tor von André Hahn anuliert hat, war an diesem Tag trotzdem hervorzuheben. Ein Tor zu diesem Zeitpunkt – der Führungstreffer zum 1:0 5 Minuten vor der Halbzeit – hätte dem Spiel eindeutig eine andere Wendung geben können. Aber so wurde auf abseits entschieden, im Kölner Keller überprüft und dann später pünktlich zur Pause gepfiffen. Insgesamt wird das Spiel so durch den VAR sogar noch ungerechter, als es vorher war. Und das ist Mist.

André Hahn war zurecht enttäuscht während des Spiels gegen Hertha, wurde ihm doch ein Tor wegen einer knappen Abseitsentscheidung aberkannt (Foto:Frank Hoermann / SVEN SIMON / POOL via/EIBNER/Roger Buerke und Imago)

Über den VAR

Der Videobeweis wurde zur Saison 2017/18 eingeführt, um die großen Fehler aus dem Fußball zu eliminieren. Das Spiel gerechter zu machen. Lange führte das schlicht zu Chaos. Zwar sollte der Videoreferee – kurz VAR – nur eingreifen, wenn eine eindeutige Fehlentscheidung vorlag. Daran gehalten hat er sich vielfach nicht. Das hat sich mittlerweile relativiert. Der VAR greift mittlerweile meist nur noch ein, wenn Entscheidungen zu 100% falsch sind. Gerechter wird das Spiel dadurch nicht. Die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters ist immer noch die entscheidende, solange sie denn nur im entferntesten vertretbar war. Ein Schiedsrichter hat immer noch die Möglichkeit Teams zu bevorteilen und gerade bei Elfmeterentscheidungen gibt es doch erheblichen Auslegungsspielraum. Regeln wie das Handspiel im Strafraum sind immer noch eine Lotterie in Bezug auf ihre Auslegung. Man kann festhalten, dass es den VAR in den seltensten Fällen braucht. Gut so, möchte man meinen.

VAR im abseits

Wenn da nicht das Abseits wäre. Beim Abseits ist die Regelung beim VAR, dass eindeutig entschieden werden kann, ob es abseits war oder nicht. Kein “im Zweifel für den Angreifer” mehr, wie wir es von früher noch kannten. Damit war schon vor dem Spiel des FCA gegen Hertha viel Ärger verbunden. Im Kölner Keller wird der Zeitpunkt festgelegt, in dem der Ball den Fuß verlässt. Lässt sich vom VAR wirklich genau einschätzen, wann genau der Ball den Fuß verlässt?Aus einer der vielen Perspektiven? Immer? Dann wird mit dem Lot eine Linie gefällt und auf der Angriffslinie gesehen, welcher Spieler mit welchem Körperteil im Abseits war oder nicht. Grundsätzlich kann ein Spieler nur mit einem Körperteil im abseits sein, mit dem er auch regelkonform den Ball spielen darf. Oder hat sich das schon wieder geändert? Wie ist die Kameraperspektive und verzerrt die nicht? Schnell soll es dazu gehen. Kann der VAR unter diesem Zeitdruck immer perfekt arbeiten?

Der Prozess hakt

Es kommen einem Zweifel, die auch in der Umsetzung des Prozesses begründet liegen. Sky macht sich gar nicht erst die Mühe, während die Situation überprüft wird, mit präzisen Bildern für Klarheit zu sorgen. Kommentator Jonas Friedrich hatte im Einzelspiel klar gesehen, dass André Hahn bei seinem Tor im Abseits stand. Eine Linie wurde während der Übertragung nicht gezogen. In der Halbzeit war dann Michael Ströll beim Interview und hat – dankenswerterweise – kritisch nachgefragt. Mit etwas Verspätung durften die Zuschauer einige Sekunden auf die Linie blicken. Kein Herleiten des Moments der Ballabgabe. Keine unterschiedlichen Perspektiven. Die Situation wurde in etwas so transparent aufgelöst, wie die Stimmenkäufe bei einer WM-Vergabe.

Weg mit dem VAR

Wo uns mehr Klarheit und Fairness versprochen wurde, da haben wir nun Spielunterbrechungen, die keinen Mehrwert bieten. Das Spiel wird zerstückelt und seines Flußes beraubt. War die Situation nicht doof genug für den FCA, indem ein Tor nicht anerkannt wurde, so hat die Überprüfung durch den VAR den Spielfluss an der Stelle nur noch weiter gestört. Hertha konnte etwas Luft holen und kurz nachher selbst in Führung gehen. So stellen schon alleine die Minuten einer VAR-Überprüfung eine Irritation des Spielgeschehens dar. Ein Spielgeschehen, dass es zu schützen gilt, um den Fußball in seiner Form zu erhalten. Ohne Pausen wie beim Eishockey oder Basketball. Auch nach fast 3,5 Jahren lässt sich so feststellen, dass diesen VAR keiner braucht. Der VAR ist damit, wie die letzte Partie gegen Hertha, schlicht fürn Arsch.

Rückfall in alte Zeiten

Letztes Wochenende war ich schon fast froh, dass das Spiel gegen Hertha BSC niemand im Stadion verfolgen musste, der unserem FCA gewogen war. Am Ende war es schlicht nicht schön anzusehen. Anstatt selbst Akzente zu setzen, konnte das Team offensiv kaum mehr für Gefahr sorgen und wurde anstatt dessen von den Herthanern ausgekontert. Das 0:3 ging dann auch in der Höhe in Ordnung und war nach dem zweiten Tor zu Beginn der zweiten Halbzeit kaum mehr in Gefahr. Schade.

Aber einfach so abhaken und weitermachen? Das wäre mir zu einfach. Die Saison läuft bisher zu gut, um jetzt den Schlendrian wieder einziehen zu lassen. Am Samstag gegen Hertha sind mir ein paar Punkte aufgestoßen, die wir in der Vergangenheit zu oft gesehen haben und bei denen jedem Augsburger Fan ein schnelles “nicht schon wieder” auf den Lippen liegt. Was meine ich?

Individuelle Fehler

Wir waren nicht schlecht im Spiel, als der Fehlerteufel zum ersten Mal zuschlug. Felix Uduokhai gab selbst nach dem Spiel zu, dass er in der Elfmetersituation die Situation schon vorher hätte bereinigen müssen. So kam es dann zu diesem dämlichen Strafstoß, der 2 Minuten vor der Halbzeit zum Gegentor führte. Ein Fehler ist kein Fehler, aber zwei Fehler sind ein Fehler zu viel.

Aufgelegt und zugeschaut. Auch Kapitän Jeffrey Gouweleeuw leistete sich einen kapitalen Bock gegen Hertha. (Photo by Stefan Puchner – Pool/Getty Images)

Als dann in der zweiten Halbzeit Jeffrey Gouweleeuw Lukebakio den Ball perfekt auflegte anstatt zur Ecke zur klären, war das Spiel dann schon fast rum. Solch individuelle Fehler brechen einem Team auf diesem Niveau das Genick. Gerade von den Leistungsträgern in der Innenverteidigung war das am Samstag zu wenig, die Unkonzentriertheiten geradezu unerklärlich.

Das fehlende Aufbäumen

Mehr Siegeswillen sollte der FCA im Sommer erhalten durch die Transfers von Gikiewicz, Caligiuri und Strobl. Alle drei durften am Samstag ran und dennoch war nach dem zweiten Gegentor kein Siegeswillen mehr zu sehen. Es war doch noch viel Zeit auf der Uhr nach dem zweiten Gegentor in der 52. Minute. Was fehlte, war ein klares Aufbäumen.

Daniel Caligiuri gelang am Samstag nicht viel. Auch die Impulse in Richtung Mannschaftskollegen fehlten leider. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Führungsspieler, die die Kontrolle über das Geschehen übernehmen. Es ist nicht so, dass der FCA nicht versucht hätte offensiver zu spielen. Offensiv endete in ideenlos und in der Abwehr löchrig. Hertha setzte die Konter und damit dann auch den Schlusspunkt. Das war einfach zu wenig. Zu wenig Ansätze und Impulse aus der Mannschaft, dem Spiel eine Wendung zu geben.

Die fehlenden Impulse von der Bank

Und natürlich hätte ich in dieser Phase des Spiels gedacht, dass vielleicht von der Bank der ein oder andere Impuls kommen könnte. Die Bank war allerdings ausgedünnt. Jensen und Bazee fehlten verletzt. Das Strohfeuer nach den Einwechslungen von Finnbogason und Niederlechner hatte sich schnell wieder erledigt. Hätte Niederlechner seine einzige Chance genutzt, dann hätte das dem Spiel eine andere Wendung geben können. Hätte, hätte. Diese eine Chance war schlicht auch zu wenig.

Bei 0:2 Rückstand darf man auch mal was riskieren, indem man Marco Richter früher bringt. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Bei den Wechseln hatte Herrlich aus meiner Sicht diesmal kein glückliches Händchen. Caligiuri spielte keine gute Partie, dafür musste mit Hahn der formstärkste Augsburger runter. Und bei 0:2 Rückstand muss Marco Richter früher kommen, oder er braucht erst gar nicht im Kader stehen. Naja, wenn dein Team 0:3 verliert, dann hast Du als Coach wahrscheinlich nicht alles richtig gemacht (auch wenn die Saison immer noch sehr gut läuft).

Wenn es gegen Hertha zu wenig ist, dann…

wird es nicht gegen viele Teams reichen. Das Spiel gegen Hertha war damit die schwächste Partie des FCA in dieser Saison bisher. Obwohl der Spielverlauf auch nicht ganz glücklich war. Was wäre passiert, wenn Hahns Tor nicht abseits gewesen wäre (wobei der VAR und abseits an dieser Stelle eine Diskussion für ein anderes Mal sein soll). Dann war es trotzdem noch zu wenig. Mit den individuellen Fehlern in der Abwehr, dem fehlenden Aufbäumen der ganzen Mannschaft und auch den wenig effektvollen Impulsen von außen, wird es schwer. Und ja, einiges davon kennen wir aus der Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die uns am Samstag wieder eingeholt hat. Umso verstärkter läuft hoffentlich jetzt in der Länderspielpause die Arbeit, um hier direkt wieder die Kehrtwende zu schaffen. Auch wenn es dann direkt gegen Gladbach geht, die nochmal eine andere Qualität auf den Rasen bringen werden als Hertha.

T-Shirt Aktion Weihnachten 2020

2020 war und ist ein schwieriges Jahr. Vieles ist passiert. Der Fußball ist in den Hintergrund gerückt. Der FC Augsburg hat zwar die Klasse gehalten in der Saison 2019/20, aber im Stadion gesehen hat es keiner. Auch die Saison 2020/21 findet mittlerweile wieder vor komplett leeren Rängen statt. In der Zwischenzeit war auch der FC Augsburg und viele Fans (mit einer führenden Rolle der Ulrich Biesinger Tribüne) damit beschäftigt, zurück zu geben und die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern.

Auch ich habe seit vielen Wochen überlegt, wie wir in 2020 noch weiter mithelfen und etwas Gutes tun können, nachdem die Maskenvorräte hier schnell abgegrast waren. Im Ergebnis starten wir heute wieder eine T-Shirt Aktion. Wir lassen Bio T-Shirts aus fairer Produktion bedrucken und verkaufen diese über den Shop. Alle Erlöse aus dem T-Shirt Verkauf gehen erneut an einen guten Zweck. Ich erinnere an dieser Stelle erneut, dass der Blog kein kommerzielles Projekt ist und alle Erträge aus den Aktionen gespendet werden und immer schon gespendet wurden. Wer daran zweifelt, der sollte nichts kaufen.

Das Motiv

An dieser Stelle kommen wir dann zum Motiv des Jahres. Mir war es wichtig mit dem Motiv ein Zeichen zu setzen, wie ich mir den FC Augsburg wünsche. Bunt. Inklusiv. Gegen jegliche Diskriminierung gerichtet. Stolz, auf unsere individuellen Persönlichkeiten. Alle (bis auf Nazis). Wie wir uns zu den Menschen entwickelt haben, die wir sind. Entsprechend haben wir ein traditionelles Motiv abgewandelt und um ein paar Farben angereichert. Und setzen damit ein Zeichen. Wir sind immer noch Original 1907. Und Original 1907 hat einen rot-grün-weißen Kern der von vielen Farben umgeben ist.

Über Queerbeet e.V.

Deshalb gehen die Spenden aus der Aktion an Queerbeet e.V. In der Queerbeet Jugendgruppe sind schwule, lesbische, bisexuelle, trans* und queere Jugendliche zwischen 14 bis 27 Jahren in Augsburg und Umgebung. Zudem organisiert Queerbeet ein Schulprojekt. Das Schulprojekt wurde ins Leben gerufen, um an Schulen für Toleranz und Akzeptanz gegenüber verschiedenen sexuellen Orientierungen zu werben. Zusätzlich sollen ein Abbau von Vorurteilen und die Aufklärung über Homo-, Bi- und Transsexualität erfolgen (Warum dies immer noch nötig ist, zeigt diese Studie.)

Wie könnt ihr mitmachen?

Was müsst ihr nun tun, wenn ihr nun mitmachen wollt? Es gibt jetzt eine Vorbestellphase. Ihr könnt ab jetzt in den nächsten zwei Wochen bestellen. Es gibt eine Unisex– und eine Frauen-Version des Shirts. Wer in den nächsten beiden Wochen bestellt, bekommt in jedem Fall ein T-Shirt (oder auch mehrere, aber danach müsst ihr Glück mit den Resten haben) und ich gebe mir jegliche Mühe, dass die Shirts vor Weihnachten ankommen. Versand ist allerdings erst Mitte Dezember.

Dazu bin ich mal wieder darauf angewiesen, dass ihr bei Gefallen die Aktion verbreitet und weitererzählt. Schickt den Link an Freunde, Verwandte und in eure WhatsApp-Gruppen.

Zur weiteren Kontaktaufnahme und bei Fragen und Anregungen dürft ihr immer gerne eine Email an kontakt@rosenau-gazette.de schicken. Und auf los geht’s los. Los!

Der Mythos des Ausbildungsvereins


Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

1/5 der Saison 2020/21 ist auch schon wieder gespielt. Unser FCA hat sich bisher sehr respektabel geschlagen. Zwar hat man Niederlagen gegen Leverkusen und Leipzig und Hertha kassiert, dafür konnte allerdings gegen Dortmund gewonnen werden. Dazu konnte man die direkte Konkurrenz fernhalten, indem man gegen Union Berlin und Mainz 05 gewann. Für die spielentscheidenden Momente sorgte die Alte Garde. Im Folgenden will ich einmal betrachten, wie sich die Kaderstrategie des FC Augsburg aus diesem Sommer hier widerspiegelt. Das Gerüst der Mannschaft hat sich verändert. Stefan Reuters Handschrift ist dennoch wieder deutlich zu erkennen. Eine Handschrift die auch sagt: wir sind in Augsburg mehr als ein Ausbildungsverein.

Die Rolle des FCA auf dem Transfermarkt

Insgesamt scheint sich die Rolle des FC Augsburg auf dem Transfermarkt verändert zu haben. Der FC Augsburg muss seine Strategie wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen an die mittlerweile übliche Herangehensweise anpassen. Vereine wie der SC Freiburg oder der FSV Mainz 05 sind da schon viel weiter. Abdou Diallo hat den Mainzern einen Transfergewinn von ca. 23 Mio. EUR eingebracht. Caglar Söyüncü hat dem SC Freiburg einen Transfergewinn von ca. 18 Mio. EUR eingebracht. Mainz hatte mit Gbamin dazu einen weiteren Transfer dieser Größenordnung. Bei uns in Augsburg ist der Baba-Verkauf an den FC Chelsea jetzt schon wieder ein paar Jahre her und bisher der einzige Transfer in dieser Größenordnung. Mit Philipp Max hatte man lange einen Spieler unter Vertrag, bei dem man auf einen hohen Transfergewinn spekulierte. Mit seinem Wechsel zum PSV Eindhoven sind diese Hoffnungen jäh zerplatzt. Nicht einmal 10 Mio. EUR konnte der FCA einstreichen. Dazu hat Max bei seinem Wechsel vom KSC auch schon ca. 3,5 Mio. EUR gekostet. Insgesamt steht so über die letzten 10 Jahre das siebtgrößte Transferminus über alle deutschen Clubs hinweg.

Mehr als 30 Mio. EUR hat man mehr ausgegeben als eingenommen. Derweil erwirtschaftet man weiter Gewinne – zumindest in den Zeiten vor der Coronapandemie. Das Bild wird nur dadurch rund, dass der FCA dafür an anderen Stellen einspart. Bei den Gehältern der Spieler zahlen wir dadurch immer noch mit am schlechtesten. Der FCA muss aufpassen, dass er wirtschaftlich nicht ins Hintertreffen gerät, wenn er sich durch fehlende Transfergewinne keinen so teuren Kader wie andere Clubs leisten kann (und Leistungsträger immer wieder gehen wollen).

Der Baba-Transfer zum FC Chelsea war der einzige Transfer in der Bundesligageschichte des FCA bei dem wirklich Reibach gemacht wurde. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)

Es scheint für Vereine in der gleichen Größenordnung wie dem FC Augsburg mittlerweile eine etablierte Strategie zu sein, Talente zu jagen, um diese später gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die TSG Hoffenheim hat das Vorgehen perfektioniert mit den Transfers von Joelinton und Roberto Firmino. Die Frankfurter Eintracht hat diesen Weg mit den Verkäufen von Jovic und Haller genauso eingeschlagen, wie RB Leipzig mit dem Verkauf von Naby Keita. Wobei RB Leipzig auf Grund der wirtschaftlichen Unterstützung durch den Hersteller von Brausegetränken nicht auf die Verkäufe angewiesen ist und es sich im Fall von Werner ja auch erlauben konnte, den Spieler länger zu halten. als dies wirtschaftlich vielleicht sinnvoll war. Bei allen anderen Vereinen schlägt meistens die wirtschaftliche Notwendigkeit die sportliche Realität. Auch der FCA kann sich dieser wirtschaftlichen Realität nicht entziehen. In der Vergangenheit hat er sich allerdings nicht wie ein klassischer Ausbildungsverein verhalten – zumindest konnte der FCA nicht die entsprechenden Transfergewinne erzielen.

Die Bedürfnisse des FCA

Im Kader des FCA gibt es grob 3 Spielergruppen:

  1. Das Gerüst: Florian Niederlechner, Jeffrey Gouweleeuw und Alfred Finnbogason sind drei Beispiele für Spieler in dieser Kategorie. Sie haben ein gewisses Alter und eine gewisse Erfahrung, führen die Mannschaft und sorgen für Stabilität.
  2. Die Auszubildenden: Ruben Vargas, Marco Richter oder auch ein Felix Uduokhai wären hier zu nennen. Sie strotzen vor Potential und sie werden den Ruf von deutlich besseren Clubs erhalten und diesem folgen.
  3. Ergänzungsspieler: Jan Morávek und Marek Suchy sind hier zu nennen. Sie sind wichtig, wenn durch Lücken im Kader oder Verletzungen jemand einspringen muss. Ansonsten ist ihnen bewusst, dass sie nur wenig Spielanteile erhalten werden. Sie sollten nicht für Unruhe sorgen.

Für den FC Augsburg ist wichtig, dass diese drei Gruppen im Gleichgewicht stehen. Es braucht genügend Spieler, die das Gerüst bilden. Marwin Hitz war ein solcher Spieler, genau wie Paul Verhaegh. Als beide kurz nacheinander den Verein verließen entstanden entsprechende Lücken. Bei manchen Spielern ist von außen nicht ganz klar, wie sie ihre Rolle sehen. Rani Khedira kann in Augsburg ein Spieler sein, der über viele Jahre das Gerüst bildet. Hat er Ambitionen nochmal bei einem anderen Club durchzustarten? Und wenn einer der Auszubildenden unruhig wird, dann braucht es ein stabiles Umfeld, das das auffangen kann.

Probleme der Ausbildungsvereine

Ein Ausbildungsverein hat allerdings – trotz der hohen Transfergewinne – auch Probleme. Diese Vereine müssen klassisch eine hohe Anzahl an Transfers tätigen. Dadurch, dass viele Spieler in kurzen Abständen den Verein wieder verlassen, braucht es Ersatz. Es muss auf Teufel komm raus gescoutet werden und die Vereine müssen mit ihren Verpflichtungen richtig liegen. Wenn sie Spieler verpflichten, die sich nicht durchsetzen können, sieht es schnell recht duster aus. Nicht nur bleiben dann die Transfergewinne aus, die Vereine landen dann auch schnell im Abstiegskampf oder steigen ab. Es ist ein schwieriger Kreislauf und an sich ist es wahrscheinlich, dass es einen irgendwann erwischt und man um einen Abstieg nicht drum herum kommt. Ohne ein entsprechendes Gerüst wird es dann schwierig den Fall zu bremsen. Es droht ein sportlicher Neuaufbau.

Der Schwerpunkt der Kaderplanung: das Gerüst

Was uns aus Augsburger Perspektive dann bisher vom Abstieg gerettet hat, war das stabile Kadergerüst. Um das Gerüst zu stärken, hatte der FCA in der Vergangenheit einen erfolgreichen Weg gefunden. Er hat Spieler verpflichtet, die – nicht mehr bei vollster Jugend – sich bei anderen Clubs, bei ihrer ersten Bundesligastation, nicht durchsetzen konnten. Daniel Baier konnte sich in Wolfsburg nicht durchsetzen, genau wie Marwin Hitz. Dazu kamen immer mal wieder Spieler, die aus schwächeren Ligen, v.a. der Niederlande, zum FCA kamen, um dort ihre sportlichen Träume in einer großen Liga zu erfüllen. So kamen Paul Verhaegh, Ragnar Klavan oder Jeffrey Gouweleeuw zum FCA.

Kaum eine Spieler bildete in der Vergangenheit so sehr das Gerüst des FCA wie Paul Verhaegh. (Photo by Adam Pretty/Bongarts/Getty Images)

Entsprechend beurteile ich mittlerweile jeden Transfer danach ob, er das Augsburger Gerüst stärkt. Durch ein starkes Gerüst, benötigen wir weniger Ausbildungs-Transfers und erhalten uns langfristig unsere sportliche Stabilität. Mit Florian Niederlechner ist dem FCA wohl ein solcher Königstransfer im letzten Sommer gelungen. Mit Gikiewicz und Caliguiri hat man in diesem Sommer Treffer gelandet, die das Gerüst zumindest ein paar Jahre unterstützen. Jede Vertragsverlängerung, die dieses Gerüst stärkt, ist wichtiger, als der Neuzugang eines Auszubildenden oder Ergänzungsspielers. Und die Gerüstspieler konnten in Augsburg in Ruhe ihrem Job nachgehen und sich auf das Sportliche konzentrieren. Win-Win.

Der Augsburger Weg

Hätten wir in Augsburg nur versucht, die Strategien anderer Vereine zu kopieren, dann wäre es wohl nie zu 10 Jahren Bundesliga am Stück gekommen. Der FCA hat sportlich am meisten gewonnen, durch die unkonventionellen Transfers von erfahreneren Spielern. Der Kader einer Bundesligamannschaft ist dabei immer in Bewegung und es ist schwierig, diesen im Gleichgewicht zu halten. Der größte Gewinn für den Verein ist es, wenn sich Spieler langfristig binden und hier eine Heimat finden. Wenn Auszubildende später das Gerüst bilden, wie es ein Philipp Max gemacht hat, indem er länger als gedacht blieb. Wenn jemand wie Rani Khedira verlängert.

Rani Khedira könnte für lange Zeit in unserem Mittelfeld ein wichtiger Pfeiler sein. Eine Vertragsverlängerung wäre dann spätestens im Sommer notwendig. (Photo by Sebastian Widmann/Bongarts/Getty Images)

Wir können uns keine Spieler wie Erling Haaland leisten, aber am Ende würde ich einen Jeffrey Gouweleeuw oder Florian Niederlechner nie eintauschen wollen. Unser Weg ist für uns immer noch der Beste. Wie sonst hätten wir 10 Jahre Bundesliga nacheinander erleben können? Martin Hinteregger weine ich auch deshalb nicht hinterher, weil er von seinem Naturell nicht zum Gerüstspieler taugt. Und die Probleme der letzten beiden Jahre rühren vielleicht schlicht daher, dass das Gerüst der Mannschaft zu wackeln begonnen hat. Nachdem die Transfers im Sommer hier für mehr Stabilität gesorgt haben, kann man nun auch auffangen, dass mit Marco Richter und Noah Sarenren Bazee ein paar der Auszubildenden bisher kaum Akzente gesetzt haben. Heik Herrlich scheint für diesen Weg zudem ein geeigneter Trainer. Und erneut sieht es so aus, als ob Stefan Reuter vieles richtig gemacht hätte.

Können wir was oder haben wir nur Glück?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Der Saisonstart des FC Augsburg lässt die Hoffnungen wachsen. Was ist drin in dieser Saison, in der wir bisher in die zweite Pokalrunde eingezogen sind als auch in drei Bundesligaspielen sieben Punkte sammeln konnten? Wenn man dazu nun noch in die Waagschale wirft, dass wir sowohl gegen Dortmund als auch Wolfsburg zu null gespielt haben. Dass wir bisher in der Bundesliga nur ein einziges Tor kassiert haben. Und auf Platz 2 der Tabelle stehen. Wer beginnt da nicht zumindest etwas zu träumen von den ungeahnten Möglichkeiten? Von Europa und der Meisterschaft?

Derweil ist bisher nur eines klar: die 7 Punkte kann uns niemand mehr nehmen. Wie wir zu den sieben Punkten gekommen sind, ist dann schon einen detaillierten Blick wert. War es am Ende vielleicht nur Glück oder kann dieses Team wirklich was? Das Pokalspiel gegen MTV Eintracht Celle lassen wir dabei einfach mal außen vor. Zu viele Ligen liegen zwischen uns und Celle, um dieser Partie viel Aussagekraft zuzugestehen.

Alles unter Kontrolle oder einfach nur Glück gehabt? Bei Iago sieht das doch sehr kontrolliert aus. (Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Ein einfaches statistisches Mittel um Glück von Können zu unterscheiden ist der sogenannte “Expected Goal” Wert. Jeder Aktion Richtung Tor des Gegners wird ein nummerischer Wert zwischen 0 und 1 zugewiesen. In Summe ergibt sich je Spiel ein Wert der erwarteten Tore je Team. In den Partien bisher ergaben sich folgende Werte basierend auf der Understat-Ermittlung.

  • 1,42 Expected Goals des FCA im Gegensatz zu den 1,05 Expected Goals der Unioner
  • 1,45 Expected Goals des FCA im Gegensatz zu den 1,53 Expected Goals des BVB
  • 1,81 Expected Goals des FCA im Gegensatz zu den 1,32 Expected Goals des VfL Wolfsburg

Was kann man nun daraus ablesen? Das 3:1 gegen Union war verdient, auch wenn vielleicht ein Törchen zu deutlich. Die Abschlussstärke unseres FCA hat es herausgerissen. Gegen den BVB erkennt man, dass der BVB gerade in der Anfangsphase auch gute Chancen hatte, um in Führung zu gehen. Das Spiel hätte auch gut anders laufen können. Da war dann beim Spielverlauf auch etwas Glück dabei. Derweil das Unentschieden gegen die Wolfsburger zwar gerecht aber auch etwas unglücklich war. Der FCA hatte in Person von Florian Niederlechner und Michael Gregoritsch Top-Chancen um das Spiel für sich zu entscheiden. Glück und Pech haben sich so schon nach 3 Spieltagen wieder ausgeglichen.

Wie gut die Leistungen des FCA in den ersten 3 Spielen der neuen Bundesligasaison gerade offensiv schon waren lässt sich auch an den obigen Werten erkennen. Nach Re-Start der letzten Bundesligasaison konnte der FCA 1,4 Expected Goals in neun Spielen genau zweimal knacken (gg. Köln und Schalke). Jetzt war es in drei Spielen schon drei Mal der Fall. Es ist zu erkennen, wie zielgerichtet, das Spiel nach vorne momentan funktioniert und wie viel Gefahr die Mannschaft erzeugt. Gerade im Vergleich zur letzten Saison.

Gerade defensiv war nicht alles sattelfest und der FCA hat auch mal etwas Glück gehabt. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Schlicht bei den Gegentoren hatten wir bisher Glück und die Serie der Spiele ohne Gegentor wird so nicht viel länger anhalten. In der Schlussphase der letzten Saison konnten wir die Gegner in durchschnittlich einer von drei Partien bei unter einem Expected Goal halten. An der Stelle will ich allerdings nun auch mal die Klasse der Gegner mit ins Spiel bringen. Dortmund als auch Wolfsburg komplett aus dem Spiel zu nehmen, wird für uns schlicht nie möglich sein. Die Werte sind bezogen auf die Gegner dann doch sehr gut.

Insgesamt damit für mich sowohl offensiv als auch defensiv eine deutliche Steigerung. Die brauchen wir allerdings auch, um gegen den nächsten Gegner zu bestehen. Gegen Leipzig konnten wir am letzten Spieltag der letzten Saison 0,16 Expected Goals für uns verbuchen. Leipzig hatte deutlich mehr Chancen und die Statistiker notierten 1,89 Expected Goals für Leipzig. Das Ergebnis von 1:2 war da schon etwas schmeichelhaft. Die Statistik wird mir am Ende aber egal sein. Wenn das Team die Leistungssteigerung auch gegen Leipzig auf den Rasen bringen kann, dann ist doch vielleicht was drin. Expected Goals hin oder her: Träumen wir nicht alle ein bisschen von der Tabellenführung?

Oh, wie ist das schön

Das Spiel am Samstag gegen den BVB war nicht nur aus tabellarischer Sicht etwas besonderes. Nach über 6 Monaten durften auch mal wieder Fans ins Stadion auf dem Lechfeld strömen und den FCA unterstützen. Die Öffnung des Spiels sorgte bei einigen für Sorgenfalten. Corona geistert weiter durch die Republik und wie sollte man das Stadionerlebnis sicher gestalten? Gazetten-Freund Tobi berichtet im folgenden Gastbeitrag aus erster Hand.

Als das Hygienekonzept der DFL vorgestellt wurde, habe ich mich zunächst gewehrt. Eine stark reduzierte Anzahl an Fans und keinerlei Stehplätze? Eine Stimmung wie bei einem Freundschaftsspiel gegen den SV Heimstetten an einem lauen Sommernachmittag. Nur, dass es Herbst ist. Und kalt. Außerdem werden die wenigen Sitzplatztickets eh vermutlich recht teuer sein. Und dann immer diese elende Maske aufsetzen. Dazu lass ich mir dann noch ein schales Riegele alkoholfrei schmecken. Kein schönes Leben hier!

Das Hadern

Kurz nachdem dann bekannt gegeben wurde, dass Tickets für das Heimspiel gegen Borussia Dortmund bald in den Vorverkauf gehen und alle DK Inhaber ein exklusives Vorkaufrecht haben würden, fing ich dann an zu grübeln. Alles was es brauchte, war ein überzeugender Sieg des FCA in Berlin zum Saisonauftakt und die Nachricht eines treuen Stadionbegleiters der letzten Jahre: „Morgen gibt’s Karten für das BVB Spiel! Soll ma gehen?“. 

Vielleicht wird das alles ja doch nicht so schlecht. Am Ende wird es vielleicht für lange Zeit das einzige Spiel bleiben, bei dem die Fans dabei sein können. Versuchen können wir‘s ja mal, und wenn dann am Ende alle Karten vergriffen sind soll‘s halt nicht sein.

Die Vorbereitungen sind ungewöhnlich momentan. Besser als kein Stadion dachten sie trotzdem viele. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Ob es derzeit grundsätzlich verantwortungsvoll ist Sportveranstaltungen mit Zuschauern durchzuführen kann dabei durchaus kritisch diskutiert werden. Wenn ich mir die Beschränkungen in anderen Bereichen ansehe, stelle ich jedoch fest, dass vermehrt Veranstaltungen und Konzerte stattfinden (z.B. an der Augsburger Freilichtbühne). Nachdem nun auch der Besuch von Kneipen und Bars unter Auflagen als hinnehmbar eingestuft wird, sehe ich wenig Gründe, warum eine Freiluftveranstaltung mit einem geprüften Hygienekonzept vor leeren Rängen stattfinden sollte – ein ordentliches Konzept und stabile, niedrige Fallzahlen in der Region natürlich vorausgesetzt. Sorgen darum, dass das Ganze zu einem Superspreaderevent ausartet, hatte ich nach den ersten positiven Erfahrungen der anderen Bundesligisten am vorausgegangenen Wochenende ohnehin nicht.

Ticketvorverkauf

Am Dienstagvormittag, einige Stunden vor dem Start des Voverkaufs, informierte Geschäftsführer Michael Ströll uns dann geduldig via Livestream über die Einzelheiten der Kartenvergabe. Die Message: Der FCA hat alles dafür getan das Prozedere so fair und fanfreundlich wie möglich zu gestalten. First come, first serve; gleicher Preis für alle Plätze; Aufteilung der Fans in 2er und 4er Gruppen; Tickets für Freunde und Familien können direkt mitbestellt werden (Dauerkarte vorausgesetzt).

Alle mit Abstand auf ihren Plätzen. Anscheinend hat vieles sehr gut funktioniert am Samstag, auch auf den Tribünen. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Dass die Karten zu einem Einheitspreis von 15€ und somit nicht kostendeckend angeboten werden, ist überdies ein klares Signal, dass es dem FCA mit den Ticketverkäufen nicht darum geht Geld zu verdienen. Es soll vielmehr möglichst vielen Fans die Möglichkeit gegeben werden, den FCA lautstark zu unterstützen. Bravo FCA, ein tolles Zeichen auch an die vielen Dauerkartenbesitzer, die in der letzten Saison freiwillig auf die Rückzahlung der Dauerkarte verzichtet haben. Am Ende des Tages verwundert es dann auch nicht, dass die 6.000 Karten an den Fan gebracht wurden. Unter den Käufern: natürlich mein Mitstreiter und ich. 

Und da wuchs sie dann auch wieder – die Vorfreude. Die Vorfreude auf ein erstes Heimspiel einer Saison, das immer mit der Hoffnung beladen ist, man könne doch mal wieder oben angreifen, wenn – ja wenn doch nur dieses Jahr endlich mal wieder alles passt. Die anfänglichen Vorbehalte gegenüber dem Stadionbesuch sanken. Schlechte Stimmung im Stadion? Dann schrei ich halt noch lauter als sonst. Kälte? Dafür besitze ich genau diese eine lange Unterhose. Maske tragen? Geschenkt.

Augsburg hält Abstand

Dann endlich Samstag, Gameday! Wohl genährt machen wir uns auf den Weg zum Stadion. Was sofort auffällt: kaum ein Fan des FCA ist in der Innenstadt anzutreffen. Auch am Königsplatz ein ähnliches Bild. Lediglich vereinzelte FCA Trikots samt Bierdose kreuzen den Weg. Die Straßenbahn luftig bis leer, was insbesondere daran liegt, dass eine hohe Taktung der Bahnen zum Stadion gewährleistet wird (auch auf dem Rückweg). Unter diesen Bedingungen den gebotenen Abstand einzuhalten ist kein Problem. 

Auf dem Fußmarsch zum Stadion werden wir nochmals dran erinnert: Heute kommt es auch auf uns an, ob des Konzept aufgeht. Maske, Hygieneregeln und Menschenverstand: Augsburg hält Abstand.

Deutlicher kann man nicht darauf hinweisen, dass nicht alles wie immer ist. (Foto: privat)

Am Stadionvorplatz angekommen, werden alle Besucher von der Security aufgefordert Masken aufzusetzen. Weiterhin müssen die Besucher sich auf verschiedene Eingänge aufteilen, um möglichst kontaktfrei an Ihre Plätze zu gelangen. Es fällt auf, dass den Besuchern der Ernst der Lage bewusst zu sein scheint: Wenn wir es heute vermasseln gibt es demnächst vielleicht keine Spiele mehr vor Publikum.  Es wird aufmerksam Abstand gehalten und die Maske vorbildlich über die Nase gezogen. Auch am Platz verhalten sich die Besucher rücksichtsvoll und nehmen in 2er bzw. 4er Gruppen ihre vorgesehenen Plätze ein.

Die Vereinshymne erklingt – die Situation ist zunächst gewöhnungsbedürftig, aber die Atmosphäre ist besser, als ich sie erwartet habe. Ein sehnsuchtsvoller Blick auf die ausgestorbene Ulrich-Biesinger- Tribüne trübt das Bild ein wenig. 

Anstoß – Heja, Heja FCA! Die Fans versuchen alles um das Fehlen der anderen 24.000 (darunter auch die organisierte Fanszene) zu kompensieren. Jedem scheint bewusst zu sein, dass er heute besonders engagiert mitmachen muss um der Mannschaft zu helfen. Hin und wieder verstummen die Gesänge, umgehend ertönt es dann aber aus einem anderen Eck des Stadions. Siegtorschütze Felix Uduokhai wird später von einem „gefühlt ausverkauftem“ Stadion sprechen, das die Mannschaft nach vorne getragen hat. In erster Linie ist es aber auch der Mannschaft zu verdanken, dass die Atmosphäre sich im Verlaufe das Nachmittags stetig steigert. Ein derart leidenschaftliches Team des FCA haben wohl die meisten der 6.000 Anwesenden schon länger nicht mehr bewundern dürfen. „Hier regiert der FCA“. Wir spielen nicht auf Remis, wir wollen hier gewinnen. Da waren sich Mannschaft und Fans einig. 

95. Minute dann der Höhepunkt des Tages: Alle 6.000 Unterstützer erheben sich gemeinsam von Ihren Plätzen und lassen ein schallendes „Oh wie ist das schön“ über dem Lechfeld erklingen. Jedem Anwesenden ist bewusst, dass hier wahrlich nicht nur die Freude über einen unverhofften Punktgewinn besungen wird. „…sooo schöööön, so schön!“

Gänsehaut. Schlusspfiff. LaOla. Heimweg.

Am Ende ziehe ich ein positives Fazit: Ein gutes Hygienekonzept, verantwortungsvolle Besucher und eine tolle Stimmung. So wie es am Wochenende in Augsburg abgelaufen ist, darf es aus meiner Sicht gerne weitergehen. So lange bis wir alle zusammen wieder auf unseren Stammplätzen stehen/sitzen und uns wieder nur auf das Wichtigste konzentrieren dürfen. Danke an alle Beteiligten – wir sehen uns beim nächsten Heimspiel! Bis dahin halten wir noch etwas Abstand – und zwar von den Abstiegsrängen.

Das Lächeln am Sonntag: Tabellenführer

Wer sich heute die Augen reibt und kurz überlegt, ob die Überschrift dem FCA gilt: Ja, es ist wahr. Wir sind zumindest heute morgen noch Tabellenerster der Fußballbundesliga. Zwei Siege zu Beginn der Saison. Einer davon gegen die Wunderjungen vom BVB. 6 Punkte. Noch 34 bis zum Klassenerhalt. Etwas mehr nach Europa oder wo auch immer uns die Reise in dieser Saison hin führt. Und seien wir mal ehrlich: noch sind gerade mal 2 Spiele gespielt. Es kann noch so vieles passieren. Aber heute morgen grinsen wir alle mal ganz genüsslich beim Blick auf die Tabelle. Diese Momente kommen als FCA-Fan nun nicht allzu oft.

Das Positive

Fangen wir bei der Taktik an. Man möchte es liebevoll “Martin Schmidt” Taktik nennen. Dem Gegner den Ballbesitz überlassen und gezielte Konter fahren. Der Unterschied zur Zeit unter Martin Schmidt? Man sah deutliche Verbesserungen in den unterschiedlichen Phasen des Spiels. Im Spiel gegen den Ball klappte das Anlaufen auf die Verteidiger des BVB sehr gut. Das nahm den Abwehrspielern die Möglichkeit über lange das Spiel zu öffnen. Dazu waren die kurzen Anspielstationen begrenzt und es war für den BVB sehr mühevoll sich durch die gut gestaffelte Abwehr zu kombinieren. Gouweleeuw, Uduokhai und Gruezo (diese einzelne Aktion in der zweiten Halbzeit, wow) mit Sahnetagen. Und insgesamt eine tolle Teamleistung.

Im Spiel mit dem Ball hatten wir einige gute Kombinationen, gerade in der zweiten Hälfte, als der BVB dann mehr aufmachen musste. Aber auch das 2:0 war fein heraus gespielt. Niederlechner mit dem unwiderstehlichen Pass, Caliguiri mit dem stabilen Abschluss. Dazu kommt, dass wir es dem BVB auch nicht einfach gemacht haben in den Umschaltsituationen. Herrlich hat dem FCA ein Gegenpressingspiel verpasst und es macht Spaß dabei zuzuschauen, wie Gegner in die Fallen tappen. Insgesamt eine sehr passende taktische Ausrichtung und eine tolle Umsetzung.

Daniel Caliguiri kurz vor dem 2:0. Welch ein beruhigender Moment. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Ergänzt wurde die Taktik durch die richtigen Wechsel. Es war früh in der zweiten Halbzeit klar, dass der Erfolg davon abhängen würde, als Kollektiv gegen den Ball zu arbeiten. Heiko Herrlich brachte früh Jensen, Finnbogason und Oxford, um frische, unbelastete Spieler auf dem Rasen zu haben. Eine sehr gute Entscheidung. Die Mannschaft wirkte mindestens genau so frisch wie der BVB und es kam zu keinem Einbruch gegen Ende der Partie. Was würden wir als Fans dafür tun, wenn wir diese Einbrüche dauerhaft los werden könnten. Vielleicht haben wir den Moment verpasst und wir haben dieses Laster schon abgestreift?

Mir kam es so vor, als ob die Mannschaft die letzte Niederlage gegen den BVB als zusätzliche Motivation genommen hatte. Es war den Jungs bewusst, dass man den BVB in der letzten Partie schon am Rande einer Niederlage hatte, bevor man sich eine 3:1 Führung noch aus der Hand nehmen ließ. In manchen Gesichtern sah mir das nach Extra-Motivation aus. André Hahn, ich sah das Funkeln in deinen Augen. Witsel konnte dich nur mit einem Foul bremsen. Große Liebe.

Das Negative

Das Haar in der Suppe? Die ersten 20 – 30 Minuten des Spiels. Der BVB machte viel Druck und konnte sich Möglichkeiten erarbeiten. In der Chancenverwertung fehlte dem BVB die letzte Genauigkeit. Da hatten wir etwas Glück, dass die große individuelle Klasse der Dortmunder nicht zum Tragen kam. In dieser Phase hätte sich das Spiel in eine andere Richtung drehen können. Nicht gestern. Aus den Situationen, in denen wir defensiv gefordert wurden, können wir für die nächste Zeit noch etwas lernen.

Da drohte es kurz zu kippen. Es ging hitzig zu und wir dürfen uns nicht provozieren lassen. (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Dazu können wir in diese Kategorie Jeffs Hand in Haalands Gesicht packen. Mit etwas Pech und einem schlechteren Schiedsrichter kassiert er dort rot. Martin Petersen tat sich gestern mit einer ausgeglichenen Spielführung und dem nötigen Fingerspitzengefühl hervor. Da loben wir den Schiedsrichter gerne, wenn Lob angebracht ist. Wir werden diesbezüglich aber auch mal wieder mehr Pech haben. Gerade als Kapitän sollte Jeff in diesen Situationen smarter agieren. Sich nur ein Müh mehr zurückhalten. Sich nicht provozieren lassen. Glück gehabt.

Der Ausblick

Von hier an kann es nur abwärts gehen. Zumindest in der Tabelle. Derweil scheint sich die Mannschaft gefunden zu haben und kann auch Ausfälle, wie den von Ruben Vargas gestern, verkraften. Die Möglichkeit fünf Mal zu wechseln ist momentan ein großer Vorteil, da es dadurch weniger unzufriedene Spieler gibt und wir die Qualität über das Spiel hinweg hochhalten können. Diese Art zu spielen und hinterher zu laufen, erfordert viel Kraft. Gut, dass wir gleichwertig Ersatz bringen können, der den Gegner weiter unter Druck setzt.

Eine Siegesfeier mit der leeren Ulrich-Biesinger-Tribüne im Rücken? Sportlich geht es voran, aber wie freue ich mich auf die Tage, wenn das Stadion wieder wirklich ausverkauft ist. (Photo by CHRISTOF STACHE/AFP via Getty Images)

Bzgl. des Personals gibt es weiter Überraschungen. Reece Oxford scheint sich seine Chancen weiter zu erarbeiten. Gegen den BVB war er kein Unsicherheitsfaktor und überraschte damit erneut. Ich bin noch nicht an dem Punkt, wo ich ihn anstatt Khedira spielen sehen will, aber vielleicht wird das ein Szenario im Laufe der Saison. Wer hätte das gedacht mit Tobias Strobl auf der Bank, der erst in der Nachspielzeit kam. Eduard Löwen war noch nicht mal im Kader. Der Erfolg gibt Heiko Herrlich momentan in jedem Fall recht.

Derweil haben wir gerade mal das zweite Spiel in dieser Saison gespielt (die noch lang werden wird). Verletzungen und Sperren werden kommen und der tiefe Kader ist momentan eine große Stärke. Nächste Woche geht es nach Wolfsburg. Ich war sehr skeptisch vor unserem Spiel gestern. Aber warum sollten wir in dieser Form nicht auch in Wolfsburg punkten äh gewinnen? Und ja, auch Wolfsburg würde nächste Woche lieber gegen Schalke spielen als gegen uns. Zumindest überraschen werden wir die Wolfsburger wohl nicht, mit unserer derzeitigen Stärke. Trotzdem müssen sie gegen ein so gut eingespieltes und abgestimmtes Team, aber erstmal überzeugen. Nicht an der breiten Brust abprallen. Denn das Grinsen bei dem Gedanken an diesen zweiten Sieg wird mich und die Mannschaft mit Sicherheit auch durch die Woche tragen. Mal schauen, wohin uns diese gute Form noch tragen wird.