T-Shirts für Simon

Im Moment geht es hier auf diesem Blog nicht immer nur um Fußball. Es geht viel mehr um das Drumherum. Leider bringt das Drumherum auch manchmal einschneidende Momente mit sich. Einer dieser Momente war in der letzten Saison sicherlich der Verkehrsunfall einiger Ultras auf dem Heimweg vom Auswärtsspiel in Gladbach. Simon ist bei diesem Unfall schwer verletzt worden und kämpft weiter auf dem Weg zurück in den Alltag. Die Kurve tut ihr bestes, um diesen Kampf und Simon positiv zu unterstützen. Der FCA selbst hatte nach dem Abschied von Tobi Werner eine Aktion gestartet, bei der alle Erlöse aus Tobi Werners Flock in dieser Saison für Simon gespendet werden. Auch direkte Spenden sind über das Spendenkonto der Szene Fuggerstadt möglich. Reicht das? Ich glaube, da geht noch mehr.

Deshalb habe ich in den letzten Wochen ein paar Gespräche geführt und will T-Shirts zum Kauf anbieten. Auf den T-Shirts wird der Schriftzug „Augsburg hält zusammen“ zu sehen sein und es wird sowohl eine normale als auch eine Girlie-Version der T-Shirts geben. Im Ergebnis sieht das Ganze ungefähr so aus:

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Der Druck erfolgt dabei auf den T-Shirt Modellen Ella (Größen XS – XXXL) und Lars  (Größen S – XXXL) von manomama. Wer also Fragen hat, wie die T-Shirts konkret ausfallen, darf sich gerne dort melden. Auf den verlinkten Detailseiten gibt es allerdings auch schon viele Größeninformationen. Die T-Shirts werden in Augsburg genäht, weil „Augsburg hält zusammen“. Auch der Druck wird in Augsburg erfolgen und von Sadeh Siebdruck übernommen. Mir war es ein großes Anliegen, dass bei der Aktion nicht irgendein billiger Schmarrn produziert wird, den man ausschließlich für den guten Zweck kauft und der dann in irgendeiner Ecke verschwindet. Deswegen gibt es ein recht schlicht gehaltenes Motiv auf einem Top Shirt, an dem man lange seinen Spaß haben kann. Und schwarz kann man ja bekanntlich zu allem tragen.

Das Motiv ist dabei mit Bedacht gewählt. Es ist der halbe Schriftzug, der am ersten Spieltag im Stadion vor der Kurve hing und symbolisiert viel von dem, was den FCA für mich in den letzten Jahren ausgemacht hat. Gerade jetzt, wo Banner gegen eigene Spieler im Stadion auftauchen, würde ich mich freuen, wenn wir uns darauf wieder etwas mehr zurückbesinnen.

Wie funktioniert das Ganze nun, wenn ihr solch ein T-Shirt haben wollt? Die T-Shirts werden pro Stück 25 EUR kosten. Dafür kommen die T-Shirts direkt zu euch nach Hause. Der Versand ist im Preis inklusive. Ihr schreibt einfach eine Email an kontakt@rosenau-gazette.de in der ihr das Model (Ella oder Lars), die gewünschte Größe und eure Lieferadresse angebt. Ihr bekommt daraufhin eine Bestätigungsemail mit der Kontoverbindung für die Überweisung des Betrags. Erst nach Zahlungseingang ist eure Bestellung gesichert. Der Zahlungseingang muss bis 20.11. auf meinem Konto erfolgen, alle weiteren Bestellungen können nicht mehr berücksichtigt werden.

Damit will ich sicher stellen, dass jeder sein T-Shirt bis Weihnachten erhält und dieses evtl. auch verschenken kann. Nachdem ich in dieser Hinsicht allerdings kein Profi bin, will ich mich schon im Vorhinein für alle Verzögerungen und Unannehmlichkeiten entschuldigen und um Geduld bitten. Ich bin berufstätig und habe eine Familie. Diese Aktion läuft da noch nebenher, weil sie mir eine Herzensangelegenheit ist. Ich will an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass ich die T-Shirts als Privatperson verkaufe und keine Garantie oder Gewährleistung übernehme. Auch zurückgeben könnt ihr die T-Shirts nicht. Wenn es doch ein Problem geben sollte, so bin ich optimistisch, dass wir gemeinsam eine Lösung finden.

In der Planung werden ca. 10 EUR pro T-Shirt für Simon hängenbleiben. Der Rest geht für die Produktion und den Versand drauf. Ich verdiene an den T-Shirts nichts. Dabei ist es so, dass die Kosten für die T-Shirts sinken, je mehr wir davon abnehmen. Damit sich die Sache für Simon lohnt, wäre es  wichtig, dass wir möglichst viele T-Shirts verkaufen. Wenn ihr die Idee gut findet, würde ich mich daher freuen, wenn ihr die Aktion auf Facebook teilt, an Freunde oder Arbeitskollegen weiterleitet oder direkt eine Sammelbestellung organisiert. Auch wenn ihr die Idee zwar gut, aber das Motiv nicht so toll findet, könnt ihr helfen, indem ihr die Information verbreitet. Ich bin wirklich gespannt, was am Ende dabei herauskommt.

Jetzt habe ich evtl. Dinge vergessen, die euch interessieren. Scheut euch nicht und schreibt eine Email an kontakt@rosenau-gazette.de oder hinterlasst einen Kommentar. Ich melde mich dann bei euch.

Heimat: Augsburger Spieler sprechen über ihre Wurzeln

Ich komme aus Augsburg. Ich bin dort geboren und in Königsbrunn aufgewachsen. Vor einigen Jahren bin ich nach Frankfurt gezogen und habe hier eine neue Heimat gefunden. Ich bin hier ein „Zuozogener“. In dem Stadtviertel, in dem wir wohnen, sind wir die Fremden. Es gibt gewachsene gesellschaftliche Strukturen, ein Vereins- und Gemeindeleben. Mir ging es ähnlich wie vielen Fußballspielern, die zu einem neuen Club kommen, wie all den Flüchtlingen, die ihr Land verlassen mussten, um eine sichere Unterkunft zu erreichen. Ich war fremd, als ich angekommen bin, musste mich orientieren und war darauf angewiesen, von anderen aufgenommen und integriert zu werden. Dabei waren die Hürden nicht annähernd so groß wie bei den vielen Flüchtlingen, die in unser Land kommen. Wie viele auf dem Weg sterben, wird schon gar nicht mehr registriert. Es ist beschämend und traurig.

In diesen Tagen liest man viele Meinungen. Personen mit fremden Wurzeln sind in der eigenen Nachbarschaft nicht gern gesehen oder ein gewisses Unwohlsein auf Grund der Fremdartigkeit von Verhaltensweisen schleicht sich ein. Angetrieben von rechten Hetzern, die aus ihren Löchern gekrochen sind, um auf den Zäunen ihre rassistischen Parolen verbreiten, werden Ängste geschürt. Es brennen Flüchtlingsunterkünfte. Viele der Menschen, die sich gerade verängstigen lassen, sitzen am Wochenende im Stadion, um Spielern aus vielen Ländern dieser Welt zuzujubeln. Diese Spieler waren zu Beginn genau so fremd in ihren Vereinen, wie ich es in Frankfurt war oder es all diese hilfsbedürftigen Flüchtlinge in unserem Land meist immer noch sind.

Mir ist es als Blogger in diesem Zusammenhang wichtig, Position zu beziehen. Ich hatte daher die Idee, mich mit Spielern des FC Augsburg zu unterhalten, um mich über diese Fremdartigkeit auszutauschen. Wo kommen unsere Spieler her? Wie empfinden die Spieler, wenn sie nach Augsburg kommen? Es ging dabei nur am Rande um Fußball, um das was auf dem Platz passiert. Es geht um die Menschen. Fremdartigkeit sollte nicht angsteinflößend sondern faszinierend und bereichernd sein. Wir sollten unsere Sinne schärfen und von fremden Ideen und Einflüssen lernen. Ich habe mir zumindest Mühe gegeben. Das wir dabei selbst manchmal befremdlich wirken können, sollte uns bewusst sein. Uns Augsburgern mit unserem Gegrantel noch am ehesten.

Bald auf rosenau-gazette.de: Mein Interview mit Jan Moravek. #FCAugsburg #FCA #keineSau

Ein von Andreas Riedl (@andyriedl) gepostetes Foto am

In einem ersten Interview habe ich mich mit Jan Moravek zusammengesetzt. Unser Gespräch könnt ihr bald hier nachlesen. Ein weiteres Gespräch ist zumindest schon angedacht. Man kann sich mit Fußballern auch gut über Geschehnisse abseits des Platzes unterhalten. Manchmal muss man nur fragen.

Wer sich nun denkt: Was soll das? Warum geht es nicht um Fußball? Ich würde euch bitten, offen an die Sache heranzugehen. Jegliche Hetze oder rechte Propaganda dürft ihre euch jedoch schenken. Es wird keiner dieser Kommentare veröffentlicht werden. Wer etwas in diese Richtung kommuniziert braucht meine Texte nicht zu lesen und auf meinen Blog nicht zurückzukommen. Ich bin auf eure Klicks nicht angewiesen. „Kein Fußball den Faschisten“ sollte nicht eine politische Äußerung sondern gesellschaftlicher Konsens sein. Auf diesem Blog wird dies immer einer der Grundsätze sein.

Klatscht für Markus Weinzierl

Heute kommt es in Augsburg zum Aufeinandertreffen von Schalke 04 und dem FC Augsburg. Es geht um drei Punkte und die Rollen sind klar verteilt. Schalke hat sportlich mit dem eindrucksvollen Sieg gegen Gladbach in die Spur gefunden, einen Kader, der vor Talent nur so strotzt, und die Ambition dauerhaft in der Champions League vertreten zu sein. Auch wenn wir in der Sommerpause nicht ganz untätig waren, so ist ein Transfer wie der von Breel Embolo für uns nicht vorstellbar. Schalke ist klarer Favorit und wir können froh sein um jeden Punkt, den wir gegen Teams dieser Größenordnung holen, gerade bei unseren derzeitigen Verletzungssorgen in der Abwehr.

Was die Begegnung allerdings besonders macht, ist die Rückkehr von Markus Weinzierl nach Augsburg. Markus Weinzierl hatte den FCA vier Jahre lang trainiert, bevor er im Sommer nach Gelsenkirchen wechselte. In diesen vier Jahren erbrachte er großartige Leistungen in seiner Funktion als Trainer und führte den Verein bis in die Europa League. Es wird für jeden zukünftigen Trainer sehr schwer werden, an diese Leistungen auch nur heran zu kommen. Umso schmerzhafter ist wohl der Abschied für viele. Markus Weinzierl war unglaublich wertvoll für den FCA und natürlich wünscht man sich in dieser Situation, dass ein solcher Trainer selbst beim Verein verbleiben will. Nachdem aber wohl Weinzierls Wechselwunsch sehr deutlich war, und ihm der Verein bei der Vertragsverlängerung zugesichert hatte, bei einem adäquaten Angebot wechseln zu können, hielt sich der FC Augsburg an diese Absprache. Man feilschte natürlich mit Schalke um jeden Millimeter, aber am Ende stimmte man dem Wechsel zu. Für Weinzierl kam Dirk Schuster aus Darmstadt nach Augsburg und alsbald blickten alle gemeinsam in die Zukunft. Zumindest bis zum heutigen Tag.

Und so stellt die Augsburger Allgemeine auch nicht die Frage, ob der FCA im heutigen Heimspiel ein Zeichen der sportlichen Stärke und Weiterentwicklung (a.k.a. einen dreckigen 1:0 Sieg durch einen Standard) setzen kann, sondern wie Markus Weinzierl empfangen wird. Ich will es böse überspitzen: Wenn man schon eigene Spieler unnötig beschimpft, wird man die großartigen Leistungen von Markus Weinzierl doch sicher auch nicht zu würdigen wissen. Dabei gibt es an dieser Stelle eigentlich nur eine mögliche Reaktion: Wenn Markus Weinzierl heute nachher vor dem Spiel das Stadionrund betritt, dann sollte sich jeder Augsburger erheben und ihm einen würdigen, respektvollen Empfang bereiten un klatschen. Ich bin sehr dankbar für die Zeit mit Markus Weinzierl. Dankbar dafür, dass er im ersten halben Jahr nicht selbst aufgegeben hat, dass er aus Sascha Mölders einen Bundesligastürmer, aus Tobi Werner einen der besten Flügelspieler der Liga und aus Daniel Baier einen der dominantesten Taktgeber im deutschen Fußball gemacht hat (beispielhafter Auszug von Spielern, die er viel besser gemacht hat). Dankbar dafür, dass er uns nach Bilbao, Alkmaar und Belgrad geführt hat und in Belgrad an Liverpool geglaubt hat. Dankbar für Liverpool. Dankbar für die Nacht in Dortmund (selbst die Dortmunder sind für den Tiefpunkt dankbar) und die Siege gegen die Bayern (beide). Am meisten bin ich dankbar dafür, dass er uns viermal die Klasse gehalten hat und dabei immer selbst ein Vorzeigeprofi war, der die Mannschaft in jeder Situation in Schutz genommen hat. Die Entwicklung des FC Augsburg in den letzten Jahren wäre ohne Markus Weinzierl nicht vergleichbar möglich gewesen. Er hat ein Vermächtnis hinterlassen.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass er seine Arbeit in Augsburg fortführen will, aber Trainerkarrieren sind nicht unendlich lang und die Frage ist berechtigt, wie oft man die Chance bekommt einen Club wie Schalke 04 zu trainieren. Er hat sich die Herausforderung entschieden und wer will ihm das vorwerfen? Das sich der Wechselzirkus so lange gezogen hat, dass ihm zum Saisonende kein würdiger Abschied beschert werden konnte, tut mir wirklich leid für ihn. Bei Alex Manninger gab es von Fanseite im Sommer auch schon berechtigte Kritik. Und so würde ich mir sogar wünschen, dass sich Klaus Hofmann heute mit einem Mikro aufmacht und Markus Weinzierl selbst ein paar Dankesworte spricht. Wenn dem aber nicht so sein sollte, dann muss die Kurve diese Aufgabe heute übernehmen. Ich bin heute nicht in Augsburg, aber ich bin sehr gespannt, was passiert. Markus Weinzierl war über 4 Jahre ein Teil der FCA Familie. Wir haben ihm viel zu verdanken und ich hoffe, dass wir das heute alle gemeinsam nicht verkacken. Nachdem er sich vier Jahre immer im Hintergrund gehalten hat gebührt im heute ein letzte großes Aufgebot und ein Zeichen, dass seine Leistung nicht vergessen wird. Ich werde seine Leistung lange sehr positiv in Erinnerung behalten.

Über sozialen Umgang

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Vor der Länderspielpause musste der FCA bei RB Leipzig in der Ferne antreten. Vor dem Spiel hatten sich viele Fanclubs entschieden, dass Spiel in Leipzig zu boykottieren. Trotzdem reiste eine stattliche Zahl von Anhängern nach Leipzig, um die Mannschaft vor Ort zu unterstützen. Vom sinkenden Interesse am FCA war bei so vielen Auswärtsfahrern an einem Freitagabend nichts zu spüren. Das Spiel ging leider 1:2 verloren. Leipzig hat einen guten Start in die erste eigene Bundesligasaison erwischt. Trotz neuem Trainer und vielen neuen Spielern sind Startschwierigkeiten in Leipzig ein Fremdwort, es ist eine klare sportliche Handschrift zu erkennen und wir mussten uns knapp geschlagen geben. Klar wäre es schön gewesen einen Punkt oder mehr mitzunehmen, aber die Niederlage kam nicht ganz unerwartet und so hielt sich die Enttäuschung in Grenzen.

Am Tag nach dem Spiel gegen Leipzig fand im Rosenaustadion ein Traditionstag im Rahmen des Heimspiels der U23 statt. Während die Chefetage am Grill glänzte gewann die U23 zudem das Spiel. Friede, Freude, Eierkuchen sollte man denken. Der FCA steht mit 7 Punkten nicht schlecht da. Trotz vieler Verletzungen ist das bisher bei weitem nicht die schlechteste Hinrunde, die wir in Augsburg bestaunen dürfen. Es gibt immer Verbesserungspotential, aber gerade während der Länderspielpause könnte man sich nun auf die nächsten sportlichen Schritte unter Dirk Schuster konzentrieren. Die vielen Verletzungen haben verhindert, dass sich eine Stammmannschaft findet und mit der neuerlichen Verletzung von Jeffrey Gouweleeuw wird sich das auch nicht ändern. Dazu kommt allerdings eine erneute Debatte um das Verhalten von Augsburger Fans und Veränderungen innerhalb der Fanszene.

Robert Götz von der Augsburger Allgemeinen hat sich des Themas angenommen und während er wenig konkrete Punkte liefert, wie sich die Fanszene verändert hat, so spricht er doch einen Vorfall an, der mich verstört. Während des Traditionstags, einen Tag nach dem Spiel gegen Leipzig, hatte ca. ein Dutzend „Fans“ nichts besseres zu tun, als Georg Teigl im Rosenaustadion als Hurensohn zu beschimpfen. Auch die Reaktionen schon in Leipzig und danach in den sog. sozialen Medien waren wohl eindeutig. Was war in Leipzig passiert? Teigl war zum ersten Mal für den FCA in der Bundesliga eingewechselt worden und nach Spielende skandierten die Leipziger Fans seinen Namen, nachdem er dort die letzten 2,5 Jahre gespielt und seinen Teil zum Aufstieg beigetragen hatte. Teigl ging in die Leipziger Kurve, bedankte sich anständig und zog ab. Man sollte denken, dass das Thema damit erledigt gewesen wäre. Man sollte sich zudem freuen, dass Teigl, dessen Transfer vor Schusters Verpflichtung unter Dach und Fach gebracht wurde, langsam eine sportliche Rolle in Augsburg findet. Weit gefehlt.

Und während Robert Götz den Sachverhalt nur als sachliches Indiz verwendet, so nutzt Wolfgang Langner die Möglichkeit um einen Kommentar mit Der „Fall“ Georg Teigl: Das Verhalten mancher FCA-Fans ist asozial zu betiteln. Man könnte nun darüber debattieren, ob „manche“ die Menge an Fans richtig beschreibt. Ein Dutzend von 1300 am Traditionstag ist dann doch eine sehr kleine Gruppe. Wir könnten über den Einfluss von Freibier spekulieren. Und nicht zuletzt könnte man darüber diskutieren, ob ein solcher Vorfall einen eigenen Kommentar verdient hat. Georg Teigl sah sich auf jeden Fall gezwungen eine Videobotschaft aufzunehmen und sich für die Missverständlichkeit seines Verhaltens zu entschuldigen. Es scheint ihm ernsthaft leid zu tun, obwohl es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt. Er hat nichts falsch gemacht.

Der Begriff asozial bezeichnet etwas, das ein niedriges geistiges oder kulturelles Niveau aufweist. Tradition ist etwas, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o. Ä. in der Geschichte, von Generation zu Generation [innerhalb einer bestimmten Gruppe] entwickelt und weitergegeben wurde [und weiterhin Bestand hat]. Das Verhalten weniger war im Rahmen dieser Definitionen am Traditionstag vollkommen untraditionell und so schwer es mir fällt das einzugestehen, Wolfgang Langner hat mit seiner Einschätzung recht. Das Verhalten weniger einzelner war asozial. Und während ich viele Verhaltensweisen tolerieren kann, so geht es mir doch nicht in den Kopf, wie man einen eigenen Spieler, einen Tag nach einem Spiel in diesem Rahmen beschimpfen muss. Ein entschuldigendes Video dieser Fans wäre doch sehr erfreulich.

Aber das wäre vielleicht zu einfach. Man kann solche Vorfälle als Einzelfälle abtun und sich einreden, dass man selbst damit nichts zu tun hat. Derweil ist es an jedem Stadiongänger selbst, solch Verhalten im eigenen Umkreis nicht zu tolerieren. Nicht nur bei uns beim FC Augsburg sollten solch Beschimpfungen keinen Platz haben. Wenn sich durch die letzten Jahre etwas geändert hat, dann ist es vielleicht der Erfolgsanspruch der Fans in Augsburg. Derweil wünschen wir uns oft Typen mit einer eigenen Meinung und mit Ecken und Kanten. Sind wir auch bereit diese zu tolerieren oder läuft jeder Spieler Gefahr in eine Welle asozialen Verhaltens zu geraten, sobald er den Kopf auch nur ein bisschen aus der Masse herausstreckt? Da wird die vielgepriesene FCA Familie dann schnell zur Worthülse. So verhält man sich nicht bei Traditionsvereinen oder anderswo. Spätestens die Erinnerung an das Schicksal von Robert Enke sollte uns allen bewusst machen, welch psychischer Druck auf Fußballern in der Öffentlichkeit lastet. Support soll positiv bestärken, antreiben, aufbauen. Wenn uns die positiven Gedanken abhanden kommen sollten, müssen wir uns gegenseitig daran erinnern. Für heute mache ich gerne den Anfang.