Einmal Steinbach und wieder zurück

Dieser Beitrag wird freundlichst präsentiert vom August Gin, denn wenn der August dabei ist, dann ist auswärts wie ein Heimspiel.

Der Weg nach Steinbach ist wahrlich beschwerlich, denn 460km einfache Fahrt müssen erst einmal überwunden werden, und die Terminierung auf Sonntagnachmittag 15:30 Uhr ist nicht gerade fanfreundlich. Es hätte dennoch schlimmer kommen können für den FC Augsburg und vor allem für mich. Von Frankfurt aus, wo ich immer noch wohne, sind es gerade einmal 110km einfach und das erste Pflichtspiel hat genügend Magnetwirkung, um mich diesen Ausflug unternehmen zu lassen. Neben dem Erreichen der zweiten Pokalrunde erhoffe ich mir fußballromantische Stimmung abseits der durch und durch kommerzialisierten Bundesliga. Ein wenig Rosenaustimmung, ohne die langen Schlangen am Bierstand. Dazu ein wohl nicht allzu sportlich attraktives Spiel mit dem besseren Ende für uns. Insgesamt einen positiven Start in die Spielzeit 2018/19 mit der Hoffnung im Pokal mal wieder zu überwintern.

Die Fahrt geht los am späten Vormittag mit der Straßenbahn und S-Bahn Richtung Frankfurter Hauptbahnhof, wo dann auch schon die Crew für diesen Tag wartet. Stephan und Felix haben den Weg aus Augsburg und München auf sich genommen, während der Basti sich aus Mannheim zu uns gesellt hat und Tobi genau wie ich in Frankfurt wohnt. Zu fünft geht es erst im Regionalexpress nach Wetzlar und von da aus – nach einem Umstieg, den die Deutsche Bahn kurzfristig in unseren Fahrplan eingebaut hat, wie eine Verletzung kurz vor Anpfiff – nach Haiger. Fünf Personen ist die perfekte Größe für unsere Reisegruppe, wenn dann doch mal einer biseln muss und können wir so beim Schafkopf einfach durchwechseln. 

In Haiger angekommen, wundern wir uns etwas, dass gar so wenige mit uns aussteigen. Der Bahnhof ist heruntergekommen und verlassen. Nur einige abgebrannte Pyros deuten schon auf spätere Geschehnisse hin und zeugen davon, dass jemand mit ähnlichen Interessen vor uns dagewesen sein mag. Vom Bahnhof weg sind es ca. 30 Minuten zu Fuß und wir wundern uns, dass es eigentlich nur Berg auf gehen mag, bevor wir am Stadion feststellen, dass der TSV Steinbach auch an diesem Tag nur einen Eingang für all seine Heimfans geöffnet hat. Wir reihen uns artig ein, hatten wir uns doch vor lauter Vorfreude direkt im Steinbacher Vorverkauf mit Karten eingedeckt, weil wir gedacht hatten, dass wir Augsburger das Gästekontingent voll ausschöpfen würden und es Probleme geben könnte, an Gästetickets zu kommen. Es konnte ja keiner ahnen, dass der TSV Steinbach mehr als doppelt so viele Karten wie vorgeschrieben bereitstellen würde. Und die Angst keine Karte zu bekommen, ist seit der #keineSau-Saison bei uns allen noch präsent. Spätestens seit Liverpool sind wir vorsichtig geworden und geblieben.

Der TSV Steinbach spielt auf einem Sportplatz. Auf der Gegengerade stehen gerade mal ein paar wenige tribünenähnliche Bauten, die aus Paletten zusammen gezimmert wurden. Wir laufen einfach am Zaun entlang und die Stimmung ist überaus entspannt. Die Spielerbänke sind auf der Gegengerade angesiedelt und wir suchen uns einen Platz nicht weit entfernt von der Gästebank, von wo aus wir Manuel Baum hilfreiche Tipps bzgl. der Kommunikation mit dem Linienrichter geben können (er hatte leider keine Zeit sich hinterher dafür zu bedanken). Hinter uns geht es nach zwei Metern den Graben hinunter. Abgezäunt ist die ganze Anlage nicht konsequent. Wir hätten rücklings von einem wilden Tier angefallen werden können, während wir gebannt von der Pokalschlacht das Spiel beobachten. Das ist natürlich nicht passiert. Die größte Gefahr waren wir immer noch selbst für uns, indem wir unnötig Bier über andere Mitglieder der Reisegruppe verkleckert haben. 

Das Spiel selbst ist schnell zusammengefasst. In der ersten Halbzeit hat der FCA defensiv quasi nichts zugelassen und hat vorne durch Marco Richter eine Nachlässigkeit der Steinbacher Abwehr ausgenutzt. Wie ich später in der Zusammenfassung sehen konnte, hatte Marco zum Zeitpunkt des Torabschlusses genau so viel Platz wie ich gleichzeitig am Bierstand. Instinktiv haben wir beide in diesem Augenblick das richtige getan. Man hat den Treffer am Bierstand überhaupt nicht mitbekommen und wir haben bei unserer Rückkehr gedacht, wir würden verarscht. Erstes Tor der Saison – eiskalt verpasst. In der zweiten Halbzeit ging es dann spannender zu. Der FCA kassierte nach einem krassen Stellungsfehler von Martin Hinteregger nach einem Standard den Ausgleich, Andreas Luthe musste in mehreren brenzligen Situationen retten und das Spiel hätte kippen können. Danach machte André Hahn das, was Manuel Baum ihm von der Seitenlinie aus vorher zugerufen hatte. “André, geh rein, Du bist zuständig dafür Tore zu machen”. André ging rein und köpfte eine Max-Flanke (wer sonst) zum 2:1 in die Maschen. Mangelnde Chancenverwertung konnte man an diesem Tag nur den Steinbachern vorwerfen. Der FCA erspielte sich einfach zu wenige. Am Ende brachte man das Ergebnis über die Zeit und darf sich auf die Auslosung der zweiten Runde am Sonntag freuen.

Abseits der sportlich schwer zu beurteilenden Leistung, die einige Fragen aufwirft und sicher nicht vollends überzeugen konnte, hätte zumindest unsere Gruppe kein Spiel besser auf die neue Saison einstimmen können. Auswärts auf einen Sportplatz, an dem noch die Essenz des Spiels im Vordergrund steht und der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage sehr gering war, hat es uns alle fünf direkt wieder gepackt. Euphorisch träumten wir direkt von neuen Abenteuern und verabredeten uns lose für die zweite Pokalrunde oder andere Auswärtsspiele.  Ich bin mir sicher: in Berlin wären wir allesamt dabei. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Derweil habe ich mit dem FCA mittlerweile schon so viele erste Male erlebt, dass ich gerne auch an die Möglichkeit eines solchen Ausflugs glauben möchte, zumindest immer wieder zu Saisonbeginn und diesmal erfreulicherweise auch noch nach der ersten Pokalrunde. Wie ich mich freuen würde, wenn diese Saison noch ein oder zwei solcher Abenteuer bereithalten würde. 

Wenige Eindrücke in Bilderform gibt es auf meinem Instagram Account. 

Keine Revanche in Magdeburg

1. FC Magdeburg – FC Augsburg
(DFB Pokal)

Nun ist es endlich soweit. Vorbei die Zeiten ergebnisloser Testspiele, vorbei all das Vorgeplänkel. Was auch immer in der Vorbereitung geschah, zählt nichts, denn Test- und Pflichtspiele, das lernten wir gestern, sind zwei unterschiedliche Paar Stiefel.

Die Ausgangslage

DFB-Pokal, erste Runde. Alle Uhren werden auf Null gestellt. Was vor 3 Jahren in Magdeburg geschah, ist vergessen – naja, nicht ganz, aber zumindest theoretisch. Denn von den Akteuren von damals, standen gestern nur Marwin Hitz und Daniel Baier im Aufgebot des FC Augsburg. Personell konnte man auf fast alles zurückgreifen, was man im Kader hat. Ji, Caiuby, Stafylidis, Bobadilla und Kacar – so der FC Augsburg per Twitter – ließ man angeschlagen in Augsburg zurück.

Die Aufstellung war dementsprechend ohne größere Überraschungen. Man spielte gegen eine offensiv ausgerichtete Mannschaft wie dem 1. FC Magdeburg mit dem bewährten 4-2-3-1. Vor Marwin Hitz, der im Pokal starten durfte, fanden sich Max, Gouweleeuw, Hinteregger und Framberger ein. Die Doppelsechs belegten Neu-Kapitän Baier und Neu-Zugang Khedira. Davor agierten Heller auf Links, Gregoritsch als fluider Zehner und Schmid auf Rechts. Im Sturm, wer sonst, Alfred Finnbogason.

Das Ergebnis

Nicht unverdient blieb auch der zweite Betriebsausflug nach Magdeburg erfolglos. 2:0 stand nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel der MDCC-Arena, nachdem – wie schon vor 3 Jahren – Christian Beck das erste Tor markierte, und Tobias Schwede mit dem Empty Netter die Sache besiegelte.

Über die gesamte Spielzeit hinweg waren die Magdeburger agiler, bissiger und wurden am Ende zurecht für ihr forsches, offensives Auftreten belohnt. Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen und auch die Spieldaten, die einen ausgeglichenen Ballbesitz, jedoch fast ein Drittel mehr Torschüsse und deutlich mehr gewonnene Zweikämpfe auf Magdeburger Seite auswiesen, zeugen davon, dass der FCA nicht nur gefühlt diesem Spiel hinterherlief.

Worüber wird diskutiert?

Sicherlich hätte das Spiel eine andere Wendung genommen, wäre in der 71. Minute ein Strafstoß für Augsburg gepfiffen worden, nachdem ein Schuss von Sergio Cordova im Strafraum mit der Hand abgewehrt wurde. Die Handbewegung war unnatürlich, der Arm vergrößerte die Körperfläche und eine so schlechte Sicht hatte auch Schiedsrichter Guido Winkmann nicht. Dennoch: Sich hieran festzuklammern würde dem gesamten Spielverlauf nur bedingt gerecht werden, denn – Strafstoß hin oder her – die Magdeburger waren schlichtweg die bessere Mannschaft.

Mehr Diskussionsbedarf sollte vor allem die komplett verkorkste Spieleröffnung bieten. Natürlich stellte auch Manuel Baum seine Mannschaft auf forsch auftretende Magdeburger ein, die den Gegner früh anlaufen würden und deren Spiel auf Pressing ausgelegt ist. Aber was der FC Augsburg dann auf den Platz brachte, war das komplette Gegenteil von dem, was wir in der Vorbereitung sehen konnten: Die konzentrierten, strukturierten Spieleröffnungen, sei es über Daniel Baier aus dem Zentrum, über Philipp Max und Raphael Framberger über die Außen oder als Ultima Ratio über Marwin Hitz, konnte man in diesem DFB-Pokalspiel gegen Magdeburg an einer Hand abzählen.

Was war gut?

Um den Teufel an die Wand zu malen wäre es jedoch zu früh, denn auch wenn man nun auch 2018 im Mai keine Fahrt nach Berlin buchen kann, gab es im Spiel des FC Augsburg gegen den 1. FC Magdeburg auch ein paar wenige Lichtblicke.

Vor allem vorne und hinten stimmte es: Marwin Hitz, auch wenn er in zwei Situationen für ihn unübliche Wackler im Stellungsspiel vorwies, überzeugte wie man es von ihm gewohnt war. Es wird schwer werden für Fabian Giefer und Andreas Luthe an so einem Hitz vorbeizukommen und Ansprüche auf den Stammplatz im Tor des FC Augsburg anzumelden.

Auch Alfred Finnbogason wusste zu überzeugen, zwar nicht als Torschütze, aber er war einer der wenigen auf dem Platz, die durch kluge Pässe auf seine Mitspieler auffielen. Zudem arbeitete der Isländer nach hinten überragend mit und hatte mehr auffällige Aktionen am eigenen Strafraum als am gegnerischen. Ebenfalls positiv fiel Jonathan Schmid auf, der endlich nicht aus seinem Tempo Kapital schlagen konnte, sondern auch ordentliche Chancen erarbeitete und sich technisch stark durchsetzte.

Was war schlecht?

Und da wären wir auch schon beim großen Aber. Denn auch ein solide spielender und in der Rückwärtsbewegung mitdenkender Sturm wird auf die Dauer einer Bundesligasaison sein Geld kaum wert sein, wenn er vorne keine Buden schießt. Beim FC Augsburg mangelte es gestern nicht nur im Spielaufbau, auch – und da schließt man lückenlos an die vergangene Saison an – in der Chancenverwertung gibt es massig Luft nach oben. Die wenigen Möglichkeiten, die man sich über 90 Minuten erarbeitete, blieben ungenutzt.

Nicht ganz unschuldig an dem durchwachsenen Ergebnis sind auch die Neuzugänge – oder besser: deren Integration. Mit Raphael Framberger, Rani Khedira, Michael Gregoritsch und Marcel Heller standen gleich vier Spieler in der Startelf des FC Augsburg, die es in vergangenen nicht taten. Allen merkte man an, dass das Getriebe noch nicht so reibungslos schnurrt, wie es müsste, um einen Gegner wie den 1. FC Magdeburg vor heimischem Publikum zu schlagen – oder in der Bundesliga zu bestehen.

Was passiert als nächstes?

Schon in einer Woche, am kommenden Samstag, trifft man nun auf den anderen großen Verlierer der ersten DFB-Pokalrunde: Den Hamburger SV. Dass es auch dort nicht rund lief, zeigt zum einen das Spiel gegen Osnabrück, bei dem man sich in 70. Minuten gegen eine dezimierte Mannschaft hat vorführen lassen.

Doch nur weil die anderen auch schlecht waren, sollte einem kein unnötiges Selbstbewusstsein geben. Wir spielen auswärts, es ist der erste Spieltag. Beides Faktoren, die in der Vergangenheit nicht dazu führten, dass der FC Augsburg sich eine Spielhoheit erarbeiten konnte.

Und auf den Business Seats?

Neben dem üblichen Gegrantel über das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal auf der einen Seite, gab es auch viel wohltuendes Relativieren auf der anderen. Undankbar ist es, gegen einen Drittligisten antreten zu müssen, die schon vier Pflichtspiele machen und aus den Fehlern lernen durften. Und außerdem wurde man doch auch nach der letzten Pokalpleite in Magdeburg am Ende der Saison Fünfter und spielte danach europäisch. Aha, okay. Das gute Omen nehmen wir gerne so mit in die Saison.

Doch nicht nur das schlechte Abschneiden der Mannschaft in Magdeburg sorgte am gestrigen Abend für Irritationen. Aus dem Off – oder vielmehr auf Instagram – meldete sich Kostas Stafylidis zu Wort und postete:

Topfit? Gesund? In der Info des Vereins (s. oben) hieß es noch, der Grieche sei angeschlagen zuhause gelassen worden. Wie es scheint, bahnt sich zwischen dem FC Augsburg und Stafylidis ein Rosenkrieg an. Wechselgerüchte, sogar dass der Linksverteidiger zum HSV gehen soll, gibt es zur Genüge, und dass der Verein Spieler, die in Transferverhandlungen stehen nicht auflaufen lässt, ist auch keine Neuigkeit. Aber die Info, Stafylidis sei angeschlagen, war unsinnig. Schließlich erwähnte man in der Meldung ja auch Usami, Teigl, JICB oder Leitner nicht, die ebenfalls nicht in Magdeburg dabei waren. Ebenso unsinnig erscheint einem auch der Post von Stafylidis, mit dem er nun leben muss. Wenn es eine Trennung gibt, ist das manchmal einfach so. Beide Seiten sollten sich aber nun darauf verständigen, welche Art der Trennung es werden wird.