Und schon kommen wir wieder zur letzten Kategorie unserer Award-Wahlen für dieses Jahr. Diese Kategorie ist besonders spannend. Während der MVP für sich steht, zeigt die Kategorie des meistverbesserten Spielers, wie sich Spieler in Augsburg entwickeln, wird bei den Rookies sichtbar, ob es der FCA schafft, genügend Talente in die Bundesliga zu befördern. In dieser Kategorie tauchen Spieler auf, die vorher noch nicht in der Bundesliga gespielt haben. Und manche davon kommen aus dem eigenen Augsburger Nachwuchs. Hier gibt es in diesem Jahr sogar mehrere aufregende Kandidaten. Augen auf, der FCA hat aufregende Talente in seinen Reihen, die in Augsburg zum Zug kommen. Hier sind die Kandidaten:
Noahkai Banks
Noki Banks ist rein vom Alter her noch ein Küken. Erst 18 Jahre ist der Innenverteidiger jung. Und dennoch durfte er in der vergangenen Saison nicht nur sein Debüt feiern, sondern schon mehrere Einsätze – auch von Beginn an – verbuchen. Dabei konnte er zeigen, dass er sowohl robust in den Zweikämpfen als auch talentiert mit dem Ball ist.
Nun sollte man Banks noch eine gesunde Entwicklungszeit zugestehen, aber die Zukunft liegt vor dem Jungen, der seinen Vertrag in Augsburg langfristig verlängert hat. Noki Banks – das macht weiterhin Boom! In der Augsburger Innenverteidigung.
Chrislain Matsima
Mit Blick auf die Leistung wurde Banks von einem anderen Spieler in der Innenverteidigung allerdings noch übertrumpft. Chrislain Matsima kam, sah und siegte. Für die Saison des ersten Römertrikots sei diese Formulierung erlaubt. Matsima eroberte sich im Laufe der Saison einen Platz in der Augsburger Startformation und gab diesen nicht mehr her.
Matsima zeichnet seine Athletik und Zweikampfstärke aus. Genauso wurde er aber auch schon bei Vorstößen in der Offensive beobachtet, wie er Unruhe rund um den gegnerischen 16er erzeugte. Matsima ist ein prototypischer moderner Verteidiger. Stark gegen und mit dem Ball, mit hoher Athletik und einer großartigen physischen Präsenz. Im Sommer nun führte er die französische U21 als Kapitän aufs Feld. Interesse größerer Clubs wurde vermeldet. Wenn wir Glück haben, dürfen wir uns auf ein weiteres Jahr Matsima in Augsburg freuen.
Henri Koudossou
Wer die Story von Henri Koudossou liest, der glaubt vielleicht, dass er sich bei Cinderella wiederfindet. Koudossou sah nach dem typischen Jugendspieler des FCA aus, für den es dann am Ende doch nicht ganz für die Bundesliga reicht. Nach mehreren Leihen blieb Koudossou im letzten Sommer beim FCA und setzte sich als Rotationsspieler auf dem rechten Flügel fest. In der Abwesenheit von Marius Wolf durfte er sogar einige Male starten, bevor er dann selbst verletzt passen musste.
Der Konkurrenzkampf Wolf / Koudossou war einer der spannendsten der letzten Saison, und man muss es Koudossou hoch anrechnen, dass er einem erfahrenen Topspieler wie Marius Wolf auf die Pelle rückte und selbst nun nicht nur Bundesligaluft schnuppern, sondern sich im Kader etablieren konnte. Auch sein Vertrag wurde leistungsgemäß kürzlich verlängert. Die Story ist ja auch zu gut, um nicht auf eine Fortsetzung zu hoffen.
Abstimmung
Mehrere Top-Rookies machen viel Hoffnung für die Zukunft des FCA, gerade auch für die kommende Saison. Wer kann auf dieser Saison aufsetzen und sich erneut steigern? Die Vorfreude auf die kommende Saison steigt in jedem Fall.
Die Transferstrategie des FC Augsburg setzt vor allem darauf, die Mannschaft punktuell zu verstärken. Viele Transfers werden wir nicht mehr sehen, nachdem schon 4 Neuzugänge für die kommende Saison feststehen. Zumindest einen Neuzugang wird es für die Offensive noch geben. Ich stimme zu, wenn es darum geht, dass es neben mehr offensiven taktischen Elementen auch mehr offensive Qualität im Kader braucht.
Transferperioden sind dabei auch die Zeiten von „Wünsch Dir was“. Entsprechend habe ich einige FCA-Experten gefragt, wen Sie sich denn für die Offensive wünschen und folgende Antworten erhalten. Benni Weber schau mal her:
Max Kirchi: Bénie Adama Traoré
Mein Vorschlag wäre Bénie Adama Traoré vom FC Basel. Nach seinem Durchbruch in Schweden 2023 und zwei eher unglücklichen Stationen in England und Frankreich, war der 22 jährige Ivorer mit 21 Scorern (13 Tore, 8 Assist) in der abgelaufenen Saison maßgeblich daran beteiligt, dass die Meisterschaft nach 8 Jahren endlich wieder zum Rekordmeister zurückfand. Mit seiner Schnelligkeit, starken Tiefenläufen, gutem Spielverständnis und einem harten Abschluss war der polyvalent einsetzbare Angreifer dabei kaum aufzuhalten und landete verdient unter den besten jungen Spielern der Schweizer Super League.
Warum ein Transfer für den FCA interessant wäre? Traoré ist mit der Berateragentur Classico verpartnert, welche unter anderem auch Chrislain Matsima und den jüngsten FCA Neuzugang Han-Noah Massengo vertritt. Zudem soll laut den Informationen von „Foot Mercato“ (Artikel Ende Mai) die Beraterseite mit diversen Bundesligisten Gespräche über eine potentielle Verpflichtung des fünffachen ivorischen Nationalspielers führen. Sein Vertrag läuft noch bis 2028, eine Verpflichtung dürfte demnach recht kostenintensiv werden. Traoré besitzt einen aktuellen Marktwert von 10 Millionen Euro, kam im Sommer 2024 für 4,5 Millionen in die Schweizer Kulturhauptstadt.
Jakob von Zirbelnews: Oliver Antman
Wenn der FCA in der vergangenen Saison im 3-4-2-1-System auflief, störte mich in den meisten Fällen die Besetzung des rechten offensiven Halbraums. Während Mert Kömür zu selten das Vertrauen erhielt, konnte Fredrik Jensen ebenjenes nicht zurückzahlen – und erhielt nach fast sieben Jahren im Verein keinen neuen Vertrag. Mein Wunschkandidat für die Offensive ist Oliver Antman, ein 23-jähriger Rechtsaußen aus Finnland – und damit Landsmann von Jensen –, der seit dem vergangenen Sommer bis 2027 bei den Go Ahead Eagles unter Vertrag steht.
Beim niederländischen Pokalsieger wusste Antman direkt zu überzeugen: In 32 Eredivisie-Partien kam er auf sechs Tore und starke 15 Assists (Ligabestwert). Der 22-fache Nationalspieler, der bei Flanken beidfüßig agiert, ist gewiss kein Dribbelmonster, überzeugt stattdessen aber durch Übersicht und schnörkelloses Flankenspiel. Trotz seines zweifellos vorhandenen Potenzials dürfte auch die mögliche Ablöse zu stemmen sein.
Denis von Denis1907: Shuto Machino
Shuto Machino – der verkappte, torgefährliche Stürmer/Flügelstürmer fürs FCA-Offensivspiel? Auf meinem Kanal „Denis1907“ zählt Shuto Machino zu den meistgewünschten Transfers für den FC Augsburg – und das aus gutem Grund. Der japanische Nationalspieler überzeugt nicht nur als Stürmer, sondern auch als spielintelligenter Verbindungsspieler auf dem linken Flügel.
Was Machino so spannend macht? Er bringt enorme Beweglichkeit, bietet Tiefe an und versteht es, sich ins Kombinationsspiel einzubinden. Mit starken progressiven Läufen und klugen Pässen treibt er das Spiel nach vorne – fast wie ein verkappter Spielmacher. Dazu kommt seine auffällige Gegenpressing-Aktivität: Machino arbeitet aggressiv gegen den Ball und sorgt so für viele Umschaltmomente. Seine Pass- und Torquote liegt über dem Bundesliga-Schnitt, auch seine Effizienz im Abschluss ist beachtlich. Genau so ein flexibler, laufstarker, torgefährlicher Offensivspieler, der auch nicht viele Chancen braucht, fehlt dem FCA.
Andy (Rogaz): Ansgar Knauff
Was mir wichtig ist? Bundesligaerfahrung und eine kurze Eingewöhnungszeit, große Verfügbarkeit und hohe individuelle Qualität. Dazu einen Spieler, der hungrig ist und den nächsten Schritt machen kann. Ich glaube Ansgar Knauff wäre hierfür ein Paradebeispiel. Er ist immer noch erst 23 Jahre jung. Bei der Eintracht kommt er mehr von der Bank und ist kein unumstrittener Stammspieler. Für den nächsten Schritt muss er aber wohl einfach mehr spielen und ein Ankerspieler in einer Mannschaft werden.
Und das müsste er mit seinen Qualitäten in Augsburg können, vor allem wenn Sandro Wagner aktiven Fußball spielen lassen will. Knauff ist pressingstark und besticht durch seine Tempodribblings. Dazu hat er vor dem Tor eine gute Entscheidungsfindung. Das ging dem FCA speziell in der letzten Saison ab. Er hatte in seiner Teilzeitrolle in der letzten Saison über 10 Torbeteiligungen. In Augsburg könnte er explodieren. Es wird Zeit einen solchen Spieler von seinen Möglichkeiten in Augsburg zu überzeugen.
Wen haben wir vergessen. Packt eure Vorschläge gerne in die Kommentare!
Nachdem wir mit den Wahlen zum MVPgestartet haben, geht es direkt mit den Wahlen zum meistverbesserten Spieler weiter. Hier gestaltete sich die Lage etwas schwieriger als in den anderen Kategorien, denn der FCA vollzog vor der Saison 2024/25 einen sehr großen Umbruch. Entsprechend waren gar nicht mehr so viele Spieler da, die a) überhaupt weiterhin beim FCA spielen und b) bei denen man eine echte Verbesserung erkennen konnte.
Auf der anderen Seite gibt es Kandidaten, denn der ein oder andere hat doch einen klaren Entwicklungsschritt nach vorne gemacht. Folgende Spieler sind in dieser Hinsicht aufgefallen.
Finn Dahmen
Finn Dahmen war in der vor-vergangenen Saison vor seiner Verletzung nicht unumstritten. Gerade in der Strafraumbeherrschung kam immer wieder Kritik auf. Bei hohen Flanken und unter Gegnereinwirkung wackelte Finn das ein oder andere Mal. Dies sah nun in der abgelaufenen Saison schon deutlich besser aus. Finn zeigte sich als ein kompletter Keeper und hat seine Schwächen – zumindest für die letzte Halbserie – abgestellt.
Dies kann auch daran liegen, dass der FCA auf der Position des Torwarttrainers vor der letzten Saison eine Veränderung vorgenommen hat. Marco Langner wird seinen Anteil daran haben, dass Finn besser geworden ist. Finns Lernkurve zeigt weiterhin nach oben. Wohin kann dies noch führen?
Mert Kömür
Mert Kömür taucht nun hier in dieser Kategorie auf, weil sein Debüt schon in der Saison 2023/24 lag. Auf seine Debütsaison konnte Mert in beeindruckender Weise aufbauen. Er kam regelmäßig in Pflichtspielen zum Einsatz, im späteren Saisonverlauf dann auch vermehrt von Anfang an. Oftmals viel Mert dabei gerade offensiv als ein Aktivposten auf, der Akzente setzen und sich hervorheben konnte.
So war Mert dann auf dem Platz auch mittendrin und nicht nur dabei und rettete mit seinen Torbeteiligungen seiner Mannschaft wichtige Punkte, z.B. gegen Heidenheim und St. Pauli. Auch bei Mert zeigt die Kurve weiterhin nach oben.
Abstimmung
Wer von den oben genannten Kandidaten ist nun euer Favorit für den meistverbesserten Spieler der Saison 2024/25. Stimmt ab!
Wer war der meistverbesserte Spieler der Saison 2024/25?
Traditionen sind dazu da, gepflegt zu werden. Und so heißt es dieses Jahr: besser spät als nie, wenn wir die herausragenden Spieler aus der letzten Saison wählen. Ja, diese ist nun schon ein paar Wochen vorbei und die Vorbereitung auf die neue Saison läuft. Trotzdem gibt es noch Titel zu vergeben.
Wie immer fangen wir mit den Spielern an, die für die Mannschaft in der abgelaufenen Saison am wichtigsten waren. Nachfolgend die Kandidaten
Jeffrey Gouweleeuw
Der „Abwehr-Jeff“ im goldenen Herbst seiner Karriere. War er unter Enno Maaßen noch aussortiert und sollten den Club verlassen, hat er in der abgelaufenen Saison krass abgeliefert. Als zentraler Spieler in der 3er Kette half er Jess Thorup außerordentlich, die Mannschaft defensiv zu stabilisieren.
Neben seinen defensiven Akzenten, bleiben Jeffs lange Spieleröffnungen eine Augenweide. Ja, der FCA hat sich mal wieder zu sehr auf diese Art der Spieleröffnung verlassen. Jeffs Fehler soll es nicht sein. Mit seiner langjährigen Erfahrung und der Ruhe, die er ausstrahlt hat er zusätzlich positiv mitgeholfen Talente wie Banks und Matsima an die Bundesliga heranzuführen. Definiere Führungsspieler.
Finn Dahmen
Dahmen fehlte verletzt den größten Teil der Hinrunde und wurde über den DFB Pokal wieder ans Team herangeführt. In Karlsruhe beförderte er den FCA durchs Elfmeterschießen in die nächste Runde. Die Rückrunde gehörte dann ganz ihm, nachdem Jess Thorup im Winter ihm anstatt Labrovic wieder als Stammkeeper ins Tor beförderte.
Wenn diese Abstimmung nur die Rückrunde einbeziehen würde, so wäre es schwierig einen anderen Spieler zu finden, der für den FCA ähnlich wichtig gewesen wäre wie Dahmen. Seine Bundesliga-Kollegen wählten in zum Keeper des Jahres in der Bundesliga. Er war absolut ein Top-Rückhalt für sein Team.
Alexis Claude-Maurice
Wenn man an die Offensive des FCA im Jahr 2024/25 denkt, dann kommt direkt Claude-Maurices Name in den Sinn. Er war der offensive Ankerpunkt des FCA in 2024/25. 9 Tore und 2 Vorlagen, und das für einen Spieler, der erst spät in der Vorbereitung zum Team gestoßen ist. Claude-Maurice muss man zudem zu Gute halten, dass Thorups System nun nicht darauf angelegt war, Offensivspieler gut aussehen zu lassen. Die defensiven Aspekte standen hier deutlich im Vordergrund. Dennoch ist es Claude-Maurice gelungen, zu glänzen.
Claude-Maurices Impact in 2025/26 könnte entsprechend noch deutlicher werden, wenn er nun die gesamte Vorbereitung unter Sandro Wagner arbeiten kann. Es sollte sich dann offensiv nicht mehr alles auf ihn konzentrieren. Und Claude-Maurice dadurch wieder mehr Platz zum glänzen haben.
Abstimmung
Insgesamt sieht der Ausblick auf die kommende Saison hoffnungsvoll aus. Jeff kann noch eine gute Saison spielen. Finn Dahmen sollte weiterhin ein sicherer Rückhalt für sein Team sein, diesmal von Saisonbeginn an. Und wenn sich die gegnerische Abwehr nicht mehr nur auf Claude-Maurice konzentrieren muss, so wird dieser die neu-gewonnenen Freiheiten auf dem Platz zu nutzen wissen. Aber wer ist nun euer MVP der abgelaufenen Saison? Stimmt ab!
Wer war der wichtigste Spieler der Saison 2024/25?
Am Montag stellte sich Sandro Wagner offiziell in Augsburg als neuer Cheftrainer des FCA vor. Der Raum für Pressekonferenzen war selten bisher so voll gewesen in den 15 Bundesligajahren. Auch die überregionale Presse war zum ersten Stelldichein mit Wagner angereist. Wagner antwortete souverän und humorvoll auf die Fragen der Journalist*innen und zeigte sich überdies demütig und dankbar in Bezug auf seine neue Aufgabe in der Fuggerstadt.
Viel Journalistenandrang während der Sommerpause, in der sich Medienschaffende über Themen besonders freuen, ist jetzt noch nicht allzu ungewöhnlich. Aber Wagners Neuzugang ist trotzdem außergewöhnlich.
Nur der ganz normale Wahnsinn?
Ein bisschen mehr als der übliche Wirbel ist es aus meiner Sicht diesmal nämlich schon. Und damit meine ich nicht, dass mir auf Instagram mittlerweile regelmäßig die Wagner-Werbung einer Uhrenfirma angezeigt wird, in der er über Herkunft und Bodenständigkeit redet. Oder auch, dass Fanfahrt die Fahrt zum Pokalspiel als Halle als ausverkauft meldet.
Nehmen wir mal ein anderes Indiz heraus: Am Donnerstag nach der Verpflichtung veröffentlichte die Liga die termingenauen Ansetzungen der ersten Spieltage. Und es geschehen noch Wunder: der FCA spielt seit 10 Jahren wieder ein Topspiel am Samstagabend. Wurde der FCA hier bisher ignoriert, ändert sich dies nun direkt für eines der ersten Saisonspiele. Wenn Wagner den FCA zum ersten Mal gegen den FC Bayern ins Rennen schickt, wird dies an einem Samstagabend um 18:30 Uhr zu sehen sein. Wagner gegen den FCB. Eine zu gute Story, um nicht darauf aufzuspringen. Die DFL sieht es zumindest so.
Den Hype mit Humor nehmen
Die Frage nach der öffentlichen Aufmerksamkeit, sie wurde auch gestellt bei Wagners Einstand. Michael Ströll beantwortete dies klar: Wagner hat die sportlichen Kriterien des FCA vollumfänglich erfüllt. Wagner hat vor allem in dieser Hinsicht den FCA von sich überzeugt. Ströll hat aber auch Wagner vom FCA überzeugt, ohne dass der Sportdirektor für die kommende Saison schon festgestanden hätte. Eine beachtliche Leistung. Wagner ist mithin der prominenteste Neuzugang unter den Bundesligatrainern dieses Jahr. Der nächste Star am deutschen Trainerhimmel. Oder eine Bratwurst. Dazwischen gibt es nicht viel.
Als ich mich im Nachgang zur Pressekonferenz mit meiner Tochter über Wagner austauschte, kamen wir dann recht schnell auf genau diese Bratwurst. So gut Thorups Deutschkenntnisse waren, erkennt man recht schnell die Unterschiede zum Muttersprachler. Vor allem Humor lässt sich schwerlich übersetzen, und vielleicht wirkte der Däne manchmal auch so steif, weil die Sprache am Ende doch auch ein Hemmnis war. Wenn Sandro Wagner seine Kaderanalyse sinngemäß so zusammenfasst, dass er nicht zum FCA gekommen wäre, wenn es zu viele Bratwürste in der Mannschaft gegeben hätte, dann ist das direkt eingängig – und auch witzig. Meine Tochter fragt nach, ob er den Begriff „Bratwurst“ wirklich verwendet hat, um seine Spieler zu kategorisieren. Ich bejahe lachend und wir wissen in diesem Moment beide, dass wir zumindest wieder mehr zu lachen haben werden mit Sandro Wagner beim FCA.
Was in der Sache Mut macht
Alleine etwas mehr zu lachen ist ja schon gut, aber nicht ausreichend um sportliche Verbesserungen auszulösen. Wagner stimmt mich aber auch ansonsten hoffnungsfroh, weil er eine Mischung aus den vorherigen zwei Trainertypen des FCA sein könnte. Einerseits kommt er mit der jugendlichen Energie von Enno Maaßen und will „aktiven“ Fußball spielen lassen. Andererseits bringt er die souveräne Grundhaltung und das Selbstvertrauen seines eigenen Karriereverlaufs mit, die auch bei Thorup immer dazu geführt haben, dass er ruhig und souverän wirkte. Es ist nun eben nicht die große Revolution beim FCA. Der Club bleibt auf seiner Linie und justiert nach.
Der FCA scheint dabei aus dem ein oder anderen Thema gelernt zu haben. Er hat mit Wagner einen Trainer geholt, der auch die Rollen der erfahrenen Spieler anerkennt. Jeffrey Gouweleeuw wird dies wohlwollend vernommen haben, genau wie auch der ein oder andere Kollege aus der Mannschaft. Auf der anderen Seite ist es dem FCA mehr und mehr daran gelegen, die eigenen Jugendspieler zu stärken und zu integrieren. Kömür, Banks und Koudossou haben dies nicht nur gehört, sondern glauben anscheinend an ihren Weg beim FCA. Alle haben ihre Verträge unlängst langfristig verlängert. Und nicht zuletzt lässt Wagner erkennen, dass er auf das gesunde defensive Fundament von Thorup aufbauen will. Der Kader ist weiterhin am stärksten im Tor und in der Innenverteidigung aufgestellt. Wagner tut gut daran, diese Stärken für sich zu nutzen. Wenn dies gelingt, fängt der FCA nicht bei null an, sondern baut auf der sportlichen Entwicklung der Thorup-Jahre auf.
Knackpunkte
Ein Selbstläufer ist das Ganze aber mitnichten. Auch in der neuen Saison muss der FCA durch Leistung auf dem Platz überzeugen. Und damit dies gelingt, braucht es auch das nötige Glück. Einerseits kann die Mannschaft weiterhin offensiv Qualität vertragen. Zu groß war in der abgelaufenen Saison die Abhängigkeit von Alexis Claude-Maurice. Zu wenig konstant waren die Leistungen der Nebenleute. Der FCA will sein Team sehr gezielt für die kommende Saison verstärken. Ein offensiver Kracher würde Sandro Wagner sicher bei der Erreichung der Ziele helfen. Diese sind aber auf dem Transfermarkt nicht einfach zu finden. Ströll regelt vielleicht auch das.
Auf der anderen Seite ist Fußball ein Ergebnissport. Wagner braucht zu Saisonbeginn schnell seinen ersten Bundesligasieg, um nicht zu früh direkt unter Druck zu geraten. Am besten könnte Wagner zeigen, dass er keine Trainer-Bratwurst ist, wenn er das Topspiel gegen die Bayern gewinnt. Und ja, es ist ein bisschen Hype in Augsburg, der mir ein fettes Grinsen auf die Lippen legt. Natürlich spielen wir bald wieder europäisch. Sandro Wagner hat sicher nichts dagegen.
Heute blicke ich nach Ostwestfalen, genauer gesagt nach Paderborn. Dort läuft aktuell (noch) ein ehemaliger FCA-Profi auf. In der abgelaufenen Zweitligasaison spielte sich der 20jährige Aaron Zehnter mit starken Leistungen in den Vordergrund und zählt nun zu den gefragtesten Namen auf dem Transfermarkt. Auch eine Rückkehr zu seinem Jugendclub nach Augsburg ist nicht gänzlich ausgeschlossen.
Sein Werdegang
Aaron begann seine Karriere beim SV Sonderhofen im unterfränkischen Landkreis Würzburg. Sein nächster Schritt führte ihn zu den Würzburger Kickers. Zu diesem Verein pflegt der FCA eine Fanfreundschaft.
Mit 14 Jahren wechselte der gebürtige Unterfranke von den Würzburger Kickers in die Jugend des Bundesligisten FC Augsburg. Dort wurde er in der Saison 2021/2022 mit der U19 Staffelmeister in der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest. Der Verteidiger absolvierte hierbei alle 20 Pflichtspiele, erzielte vier Tore und gab 14 Vorlagen.
Im Mai 2022 bot der FCA dem Nachwuchsspieler einen Profivertrag an, den Zehnter mit einer Laufzeit bis 2024 unterschrieb. Er gehörte fortan dem Profikader an. Am 31. Juli 2022 debütierte er in der ersten Runde des DFB-Pokals, sein erstes Bundesligaspiel absolvierte er am 03. Februar 2023 beim 1:0 Sieg der Augsburger gegen Bayer Leverkusen. Für die zweite Mannschaft des FCA, die in der Regionalliga Bayern antreten, bestritt Aaron Zehnter insgesamt 31 Spiele und erzielte vier Treffer. In Augsburg wurde er deutscher Junioren-Nationalspieler, zuerst in der U18 (sechs Spiele), dann in der U19 fünf Spiele) und aktuell in der U20. Dort kam er bislang zu drei Einsätzen.
Aaron Zehnter im Augsburg Dress bei seinem Bundesligadebüt gegen Leverkusen. (Photo by Adam Pretty via Getty Images)
Aufstieg zum Shootingstar
Im Januar 2024 wechselte er dann zum Zweitligisten SC Paderborn 07. In Augsburg hätte man gerne mit Zehnter verlängert, ihn langsam an den Profikader herangeführt, so der damalige Sportdirektor Jurendic.
Zehnter wollte jedoch mehr: „Der FCA hat mir eine Perspektive aufgezeigt, wie meine individuelle Förderung und weitere Entwicklung aussehen können. Es ehrt mich, dass der FCA mein Potenzial sieht, aber ich möchte mit dem Wechsel die Chance ergreifen, mich als festes Teammitglied eines Klubs in der 2. Bundesliga weiterzuentwickeln.“ Die Ablöse lag laut NW unter seinem Marktwert von damals geschätzt 300.000 Euro.
Der damalige Geschäftsführer des SCP, Benjamin Weber (mittlerweile Sportdirektor beim FCA), bezeichnete den Neuzugang damals als spielstarken Linksfuß. In seiner ersten Rückrunde in der zweiten Liga kam Zehnter direkt auf 15 Pflichtspieleinsätze, er lieferte hierbei ein Tor und fünf Assists. In der darauffolgenden Saison 2024/2025 konnte Aaron zeigen, dass er sich in der Liga akklimatisiert hat.
Der auf der linken Außenseite vielseitig einsetzbare Zehnter etablierte sich in der Stammelf der Paderborner im linken Mittelfeld, kam am Ende auf 32 Einsätze, drei Tore und zwölf Torvorlagen. Das entspricht 92% der möglichen Spielminuten mit einer 91% Startelf-Quote. An fast 30 Prozent der Tore der Paderborner war Aaron Zehnter mitbeteiligt. (Quelle: Transfermarkt)
Sein Spielerprofil
Aaron Zehnter ist ein Defensivakteur mit starkem Offensivgeist. In Paderborn bekleidete er in einem 3-4-3 System die linke Außenbahn. Mit zwölf Torvorlagen untermauerte er diesen offensiven Antrieb, er schlug in der vergangenen Saison 182 Flanken aus dem Spiel heraus, deutlich mehr als jeder andere Spieler aus der ersten oder zweiten Bundesliga. Zum Vergleich: In der Bundesliga steht FCA-Außenverteidiger Giannoulis auf dem dritten Rang mit 95 Flanken. Seine Passquote lag knapp unter 80 Prozent.
Auch in puncto Laufstatistiken lieferte Aaron ab: So liegt er bei der reinen Laufdistanz auf dem zehnten Platz aller Zweitligaspieler mit 353,5 gelaufenen Kilometern, auch bei den intensiven Läufen liegt er mit 2299 auf dem zehnten Rang. In der Kategorie Sprints landete er auf Platz 13 mit 737 zurückgelegten Sprints.
Obwohl Zehnters feines Füßchen unbestritten der linke ist, spielt er auch gut mit dem rechten. Beidfüßigkeit auf hohem Niveau ist gerade auf der Außenbahn ein unweigerlicher Trumpf. Er behält schon in jungen Jahren eine Ruhe am Ball, trifft gute Entscheidungen in wichtigen Spielsituationen und positioniert sich selbst gut. Seine Flanken und Eckbälle sind besonders präzise und bringen seine Mitspieler in aussichtsreiche Abschlusssituationen.
mvpclub sieht bei Zehnter eine hohe und breite Positionierung innerhalb des Spielsystems, was er sehr offensiv interpretiert. Dies kam dem SC Paderborn in der letzten Saison zugute. Defensiv sind seine Leistungen hingegen noch ausbaufähig, auch in puncto körperliche Robustheit kann Aaron noch zulegen.
Seine optimale Rolle findet er eher in ballbesitzorientierten Teams bzw. in einer Dreierkette. In Viererketten und Spielstilen mit defensiver Ausrichtung kann er seine Fähigkeiten eher weniger zur Geltung bringen.
Durchbruch in der Bundesliga?
Mit dem SCP spielte er lange um den Aufstieg in die Bundesliga mit, am Ende scheiterte der Club nur knapp. Aaron Zehnter hat aber als Shootingstar der Saison sicherlich den Anspruch, Bundesliga zu spielen und den nächsten Karriereschritt zu wagen.
Nach der abgelaufenen Saison wurde bekannt, dass der Paderborner Trainer Lukas Kwasniok zum 1. FC Köln wechselt. Nun werden Gerüchte laut, dass dieser einen Zögling mit in die Domstadt nehmen möchte. Nicht nur die Kölner möchten Aaron Zehnter verpflichten, auch Borussia Mönchengladbach, Heidenheim und aktuell insbesondere der VfL Wolfsburg sind sehr interessiert an einem Transfer. Auch Werder Bremen wurde lange ein Interesse nachgesagt.
Fast die halbe Bundesliga hat anscheinend näher bei Zehnter hingehört und hingesehen – nach den starken Leistungen in der zweiten Liga und dem gehörigen Entwicklungspotenzial kein Wunder. Aktuellen Medienberichten zufolge befindet sich der VfL Wolfsburg derzeit in der Pole Position im Wettbieten um Zehnter. Das dürfte vielen Fans aus Augsburg ein wenig das Herz brechen, denn viele hatten schon mit einem Wechsel zurück an den Lech geliebäugelt. Mittlerweile hat Aaron Zehnter laut Transfermarkt einen Marktwert von sechs Mio. Euro.
In Kürze wird mit dem Abgang von Linksverteidiger Aaron Zehnter gerechnet. Hier scheint der VfL Wolfsburg kurz vor einer Einigung mit dem SCP zu stehen.
(WB)
WB schreibt von konkreten Verhandlungen mit dem SCP, hört sich wirklich danach an, dass Zehnter bald geht 🫤
Auch dem FCA würde Aaron Zehnter gut zu Gesicht stehen, die Verbindung des FCA zu seinem ehemaligen Kicker dürfte gegeben sein und mit EX-SCP-Geschäftsführer Weber träfe Aaron Zehnter auch einen Förderer wieder, der mittlerweile in Augsburg angeheuert hat. Liga-zwei brachte daher den FCA zuletzt medial ins Spiel. Starke Konkurrenz hätte Aaron Zehnter auf der linken Seite mit Giannoulis, jedoch ranken sich um den aktuellen griechischen Nationalspieler ebenfalls Wechselgerüchte.
Da die Sommerpause sich gen Ende neigt und der Trainingsauftakt der Erstligisten bevorsteht, ist mit einer baldigen Entscheidung in der Personalie Aaron Zehnter zu rechnen. Klar ist auch: Wer auch immer das Rennen macht, bekommt mit Aaron Zehnter ein Juwel, das es weit bringen kann, bei passender Förderung.
Sollte der Weg zum FCA führen, trotz der damaligen Unstimmigkeiten beim Abgang, was im Augsburger Umfeld dezent zu hören war, wären in Augsburg sicher alle happy darüber. Da Zehnter nicht mit ins Trainingslager der Paderborner reist, wie NW zuletzt berichtete, steht ein Wechsel wohl kurz bevor. Onefootball berichtete heute davon, dass der Medizincheck kurz bevorstehe. Offenbar bestätigt dies auch SCP Präsident Sagel, dass Zehnter nicht zum Trainingsauftakt der Paderborner erwartet wird, denn er befinde sich stattdessen bereits in Wolfsburg zum obligatorischen Medizincheck. Mit der kolportierten Ablösesumme von fünf Millionen Euro wäre Aaron Zehnter Paderborns Rekordtransfer.
Ich persönlich wünsche – wie auch immer sich Aaron sportlich entscheidet – bei seinem Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs alles Gute!
🚨🐐 Aaron Zehnter has reached a full agreement with VfL Wolfsburg.
Medical already booked. 1. FC Köln and other clubs were keen to sign him, but Wolfsburg now close to win the race.
Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.