Die Mannschaft trifft, manche Fans benehmen sich daneben

Am Samstag steht das erste Auswärtsspiel der Rückrunde in Mönchengladbach an. Ein guter Zeitpunkt, um erneut auf eine meiner Auswärtsfahrten aus der Hinrunde zurückzublicken. Am Derbywochenende fand am Tag vor dem Spiel zwischen der zweiten Mannschaft des FC Augsburg und dem TSV 1860 München die Begegnung zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Augsburg in der ersten Bundesliga statt. Entgegen dem Derbytrend war ich nach Hoffenheim gereist, um mir selbst anzuschauen, wie viele Fans aus Augsburg den Weg finden, wenn es nicht um die Entscheidung im Abstiegskampf geht. Ich war positiv überrascht wie viele Augsburger den Weg bei bestem Wetter gefunden hatten. Die Mannschaft bot zudem eine überzeugende Leistung und konnte Hoffenheim Paroli bieten. Am Ende trennten sich die Teams 2:2 unentschieden. Schöner Tag, alles gut, könnte man meinen. Leider nicht ganz.

Denn aus dem Augsburger Block wurden mehrmals Schmähgesänge in Richtung Dietmar Hopp angestimmt. Des öfteren wurde Dietmar Hopp als „Sohn einer Hure“ verunglimpft. Sachliche Kritik Richtung Dietmar Hopp und der TSG Hoffenheim halte ich immer noch für berechtigt. Auch habe ich die Augsburger Fans für ihre tollen Choreografien und Initiativen gerne gelobt. In Hoffenheim hielt ich die Gesänge für daneben und bin mit einem schalen Beigeschmack nach Hause gefahren. Ich hatte mich geärgert.

Nur kurze Zeit später spielte Köln gegen Hoffenheim und im Kölner Block wurden einige Transparente gehisst, die erneut eindeutigen Inhalt hatten. So wurde Dietmar Hopp beim Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann abgebildet. Dazu wurde auf effzeh.com ein Kommentar von Severin Richartz veröffentlicht, der diese Art des Protests rechtfertigt. Die Banner werden mit Karikaturen von Satirezeitschriften verglichen und es wird behauptet, dass der Protest nur in dieser geschmacklosen und derben Form gehört wird. Ich verfolgte die Debatte aufmerksam und dachte darüber nach. Hatte Severin Richartz Recht? Wo verläuft die Grenze, die man nicht überschreiten sollte? Gut, immerhin hatten sich die Kölner Fans etwas mehr Mühe gegeben und hatten ihre Beleidigungen auf Banner gemalt. War das nun ok?

Kurz darauf veröffentlichte „Andersrum rut-wiess – Erster schwullesbischer Fanclub des 1. FC Köln“ eine Stellungnahme zu diesen Bannern. Diese stellt eindeutig klar, wo die Grenze aus meiner Sicht auf jeden Fall überschritten wird:

Da hier gleichgeschlechtlicher Analsex als Abwertung genutzt wird, ist das Banner deutlich homophob und sexistisch. (…) Wir als Andersrum rut-wiess sind selbstverständlicher Teil der Fangemeinschaft des 1. FC Köln und erwarten, dass alle Fangruppen, die der Südkurve angehören, ihre Äußerungen zukünftig so formulieren und darstellen, dass weder wir noch andere Teile der eigenen Mitgliedschaft herabgewürdigt werden.

Ich würde die Grenze sogar noch etwas weiter ziehen als Andersrum rut-wiess. Ich würde mich freuen, wenn Fans ihre Äußerungen zukünftig so formulieren, dass keine Einzelgruppen in der Gesellschaft herabgewürdigt werden. Rassismus und Sexismus hat für mich in der Kurve nichts verloren. Die Vorfälle in Hannover, wo es gerade erst am Wochenende zu rassistischen Beleidigungen von Spielern gekommen ist, sollten uns ein mahnendes Beispiel sein. Neben der Plumpheit der Gesänge aus dem Augsburger Block, ist doch ganz klar, dass der Begriff „Hure“ deutlich sexistisch ist. Einige werden jetzt anmerken, dass der Gesang ja nicht so gemeint wäre. Darauf kommt es allerdings nicht an. Der Gesang würdigt die Sexualität einer Bevölkerungsgruppe herab. Wollen wir das?

Wenn der Effekt von Dietmar Hopp ist, dass sich Fans, von denen ich mir wünsche, dass sie sich gegen jedwede Form der Diskriminierung stellen, sexistisch verhalten, dann ärgere ich mich noch mehr. Ich bin gerne bereit gemeinsam darüber nachzudenken, wie der Protest gegen Dietmar Hopp, andere Investoren und deren Vorgehen formuliert werden und Gehör finden kann. Aber die genannten Gesänge sind für mich kein probates Mittel, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Nach den vielen tollen Aktionen in Augsburg hätte ich auch gedacht, wir wären hier schon etwas weiter. Auch nach Wochen hat mich dieser Nachmittag nicht losgelassen und ich hoffe mit meinem Beitrag einen Denkanstoß geben zu können. Lasst uns die kommenden Auswärtsspiele nutzen, um wieder für  ausschließlich positive Erfahrungen zu sorgen. Witziger Protest darf hier gerne dazugehören.

Hartes Brot

TSG 1899 Hoffenheim – FC Augsburg
(8. Spieltag, 2:2)

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Nach der schier endlos wirkenden Länderspielpause stand für den FC Augsburg eine nicht ganz so leichte Aufgabe auf dem Programm. Als Tabellensechster fuhr man nach Sinsheim, wo mit der TSG 1899 Hoffenheim der Tabellendritte aufwartete. In der Vorbereitung schienen sich jedoch mehr Medien für die Personalie Nagelsmann in Zusammenhang mit dem FC Bayern oder für das Regionalliga-Spiel des FC Augsburg II gegen den TSV 1860 München zu interessieren.

Dass es an diesem 8. Spieltag der Bundesliga für beide Mannschaften um wichtige Punkte ging, fiel bei dem ganzen Boulevardgeschnatter ein wenig hinten runter.

Das Ergebnis

Ein beachtenswertes 2:2 durfte man aus Augsburger Sicht mit nach Hause nehmen. Nicht ganz unverdient, aber durchaus auch nicht ganz glücklos kam man zu dieser Punkteteilung in einem Spiel, in dem nicht nur optisch die Vorteile bei Hoffenheim lagen. Dennoch: Hinten kackt die Ente und so steht man nun nach 8 Spieltagen mit sensationellen 12 Punkten auf dem Tableau.

Was war gut?

Was Fussballexperte Tobias Escher im Interview mit der Rosenau Gazette vergangene Woche bereits vertiefte, zeigte sich gestern auch wieder auf dem Platz: Augsburg steht hinten sehr kompakt, schafft im Mittelfeld Überzahlsituationen und kann so schnelle Konter setzen um mit wenig Chancen ein Maximum an Toren herauszuholen. Das klappt, wenn man gute Stürmer wie Finnbogason oder Gregoritsch hat, die langsam aber sicher ins Rollen kommen. Dem Isländer merkte man gestern die zweidrei Bier an, die wohl aufgrund der ersten WM-Qualifikation des Landes geflossen sind. Gregoritsch hingegen erwies sich als verlässlicher Joker und glänzte als er glänzen musste. Eine sehenswerte Ballannahme, ein kühler Kopf und ein gutes Auge im Abschluss beim zwischenzeitlichen 1:1 darf er sich in sein Spielzeugnis eintragen lassen.

Und wo wir gerade bei den Österreichern sind: Kevin Danso feierte seinen ersten Saisoneinsatz mit einer überaus soliden Leistung. Ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man den noch verletzten Rani Khedira adäquat ersetzen kann.

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Was war schlecht?

Im Spiel in die Tiefe muss sich die Mannschaft von Manuel Baum in der kommenden Woche steigern. Dann empfängt der FC Augsburg mit Hannover 96 ein Team, das in der Spielanlage eine sehr große Ähnlichkeit mit der eigenen aufweist: Hinten dicht stehen und nichts zulassen, möglichst den Gegner kommen lassen und dann schnell kontern.

Dass sich der FCA gegen solche Mannschaften schwer tut, konnte man schon beim 0:0 gegen Stuttgart feststellen. Nun hatte man am 6. Spieltag auch noch mit der Sperre von Daniel Baier zu kämpfen und sah deutlich, wie wichtig er für den Spielaufbau ist. Dennoch müssen auch Max und Heller sicherlich noch eine Schippe draufpacken, um das Bollwerk der Niedersachsen knacken zu können. Mit sechs Gegentoren weißt Hannover hier hinter Dortmund den zweitbesten Wert der Liga auf. Ebenfalls 12 Punkte und nur acht eigene Treffer sprechen von der hervorragenden Chancenverwertung.

Es erwartet uns also entweder ein taktisch hochinteressantes Schmankerl oder ein Grottenkick, der sich 87 Minuten im Mittelfeld abspielt.

Der Aufreger des Spieltags

Schreibt man in dieser Saison über den 1. FC Köln, so kann man sich die Schlagzeile „Köln hadert mit dem Videobeweis“ auf Wiedervorlage legen. Bei der 1:2-Niederlage gegen Stuttgart gab es wieder so eine Szene, die Schmadke und Stöger nicht verstanden. Ein Elfmeter wurde erst gepfiffen, dann zurückgenommen. Dass dabei nicht alles nach dem Handbuch ablief, einverstanden. Dass die Entscheidung, den Strafstoß nicht zu geben jedoch korrekt war, geschenkt. Denn, lieber Effzeh, die Partie verlor man nicht deswegen, sondern weil man einfach keinen Stürmer im Kader hat, der Tore schießen kann und eine Abwehr, die der Stuttgarter Akolo beim Siegtreffer im Alleingang nass gemacht hat.

Glaubt uns, liebe Kölner: In Augsburg hadern wir auch sehr oft mit Schiedsrichterentscheidungen. Doch wenn man nach acht Spieltagen nur auf einen Punkt kommt, dann kann es nicht nur am Unparteiischen liegen.

Und auf den Business Seats?

Dort freut man sich, dass es bis auf die Verletzung von Sergio Cordova alle Stamm- und Nationalspieler gesund aus der Länderspielpause zurückgeschafft haben und grantelt zugleich ein wenig über die diese Woche näher vorgestellte UEFA Nations League. Kommende Saison werden alle lieb gewonnenen Testspiele gegen unterklassige Fussballnationen wegfallen und nur Fussballdeutschland mit einem Knaller nach dem anderen versorgt werden. Alles mit dem Ziel: die fussballfreie Zeit noch weiter zu minimieren und bundesdeutsche Ehen noch mehr zu strapazieren.

Wir hoffen, dass RTL den TV-Zuschlag bekommt, denn das sollte dann wohl Grund genug sein, dem Ganzen vollends fern zu bleiben.

In other news: Moritz Leitners Hund hat sich vong Style her schon mal auf die kalte Jahreszeit eingestellt.