Traditionen sind dazu da, gepflegt zu werden. Und so heißt es dieses Jahr: besser spät als nie, wenn wir die herausragenden Spieler aus der letzten Saison wählen. Ja, diese ist nun schon ein paar Wochen vorbei und die Vorbereitung auf die neue Saison läuft. Trotzdem gibt es noch Titel zu vergeben.
Wie immer fangen wir mit den Spielern an, die für die Mannschaft in der abgelaufenen Saison am wichtigsten waren. Nachfolgend die Kandidaten
Jeffrey Gouweleeuw
Der „Abwehr-Jeff“ im goldenen Herbst seiner Karriere. War er unter Enno Maaßen noch aussortiert und sollten den Club verlassen, hat er in der abgelaufenen Saison krass abgeliefert. Als zentraler Spieler in der 3er Kette half er Jess Thorup außerordentlich, die Mannschaft defensiv zu stabilisieren.
Neben seinen defensiven Akzenten, bleiben Jeffs lange Spieleröffnungen eine Augenweide. Ja, der FCA hat sich mal wieder zu sehr auf diese Art der Spieleröffnung verlassen. Jeffs Fehler soll es nicht sein. Mit seiner langjährigen Erfahrung und der Ruhe, die er ausstrahlt hat er zusätzlich positiv mitgeholfen Talente wie Banks und Matsima an die Bundesliga heranzuführen. Definiere Führungsspieler.
Finn Dahmen
Dahmen fehlte verletzt den größten Teil der Hinrunde und wurde über den DFB Pokal wieder ans Team herangeführt. In Karlsruhe beförderte er den FCA durchs Elfmeterschießen in die nächste Runde. Die Rückrunde gehörte dann ganz ihm, nachdem Jess Thorup im Winter ihm anstatt Labrovic wieder als Stammkeeper ins Tor beförderte.
Wenn diese Abstimmung nur die Rückrunde einbeziehen würde, so wäre es schwierig einen anderen Spieler zu finden, der für den FCA ähnlich wichtig gewesen wäre wie Dahmen. Seine Bundesliga-Kollegen wählten in zum Keeper des Jahres in der Bundesliga. Er war absolut ein Top-Rückhalt für sein Team.
Alexis Claude-Maurice
Wenn man an die Offensive des FCA im Jahr 2024/25 denkt, dann kommt direkt Claude-Maurices Name in den Sinn. Er war der offensive Ankerpunkt des FCA in 2024/25. 9 Tore und 2 Vorlagen, und das für einen Spieler, der erst spät in der Vorbereitung zum Team gestoßen ist. Claude-Maurice muss man zudem zu Gute halten, dass Thorups System nun nicht darauf angelegt war, Offensivspieler gut aussehen zu lassen. Die defensiven Aspekte standen hier deutlich im Vordergrund. Dennoch ist es Claude-Maurice gelungen, zu glänzen.
Claude-Maurices Impact in 2025/26 könnte entsprechend noch deutlicher werden, wenn er nun die gesamte Vorbereitung unter Sandro Wagner arbeiten kann. Es sollte sich dann offensiv nicht mehr alles auf ihn konzentrieren. Und Claude-Maurice dadurch wieder mehr Platz zum glänzen haben.
Abstimmung
Insgesamt sieht der Ausblick auf die kommende Saison hoffnungsvoll aus. Jeff kann noch eine gute Saison spielen. Finn Dahmen sollte weiterhin ein sicherer Rückhalt für sein Team sein, diesmal von Saisonbeginn an. Und wenn sich die gegnerische Abwehr nicht mehr nur auf Claude-Maurice konzentrieren muss, so wird dieser die neu-gewonnenen Freiheiten auf dem Platz zu nutzen wissen. Aber wer ist nun euer MVP der abgelaufenen Saison? Stimmt ab!
Wer war der wichtigste Spieler der Saison 2024/25?
Am Montag stellte sich Sandro Wagner offiziell in Augsburg als neuer Cheftrainer des FCA vor. Der Raum für Pressekonferenzen war selten bisher so voll gewesen in den 15 Bundesligajahren. Auch die überregionale Presse war zum ersten Stelldichein mit Wagner angereist. Wagner antwortete souverän und humorvoll auf die Fragen der Journalist*innen und zeigte sich überdies demütig und dankbar in Bezug auf seine neue Aufgabe in der Fuggerstadt.
Viel Journalistenandrang während der Sommerpause, in der sich Medienschaffende über Themen besonders freuen, ist jetzt noch nicht allzu ungewöhnlich. Aber Wagners Neuzugang ist trotzdem außergewöhnlich.
Nur der ganz normale Wahnsinn?
Ein bisschen mehr als der übliche Wirbel ist es aus meiner Sicht diesmal nämlich schon. Und damit meine ich nicht, dass mir auf Instagram mittlerweile regelmäßig die Wagner-Werbung einer Uhrenfirma angezeigt wird, in der er über Herkunft und Bodenständigkeit redet. Oder auch, dass Fanfahrt die Fahrt zum Pokalspiel als Halle als ausverkauft meldet.
Nehmen wir mal ein anderes Indiz heraus: Am Donnerstag nach der Verpflichtung veröffentlichte die Liga die termingenauen Ansetzungen der ersten Spieltage. Und es geschehen noch Wunder: der FCA spielt seit 10 Jahren wieder ein Topspiel am Samstagabend. Wurde der FCA hier bisher ignoriert, ändert sich dies nun direkt für eines der ersten Saisonspiele. Wenn Wagner den FCA zum ersten Mal gegen den FC Bayern ins Rennen schickt, wird dies an einem Samstagabend um 18:30 Uhr zu sehen sein. Wagner gegen den FCB. Eine zu gute Story, um nicht darauf aufzuspringen. Die DFL sieht es zumindest so.
Den Hype mit Humor nehmen
Die Frage nach der öffentlichen Aufmerksamkeit, sie wurde auch gestellt bei Wagners Einstand. Michael Ströll beantwortete dies klar: Wagner hat die sportlichen Kriterien des FCA vollumfänglich erfüllt. Wagner hat vor allem in dieser Hinsicht den FCA von sich überzeugt. Ströll hat aber auch Wagner vom FCA überzeugt, ohne dass der Sportdirektor für die kommende Saison schon festgestanden hätte. Eine beachtliche Leistung. Wagner ist mithin der prominenteste Neuzugang unter den Bundesligatrainern dieses Jahr. Der nächste Star am deutschen Trainerhimmel. Oder eine Bratwurst. Dazwischen gibt es nicht viel.
Als ich mich im Nachgang zur Pressekonferenz mit meiner Tochter über Wagner austauschte, kamen wir dann recht schnell auf genau diese Bratwurst. So gut Thorups Deutschkenntnisse waren, erkennt man recht schnell die Unterschiede zum Muttersprachler. Vor allem Humor lässt sich schwerlich übersetzen, und vielleicht wirkte der Däne manchmal auch so steif, weil die Sprache am Ende doch auch ein Hemmnis war. Wenn Sandro Wagner seine Kaderanalyse sinngemäß so zusammenfasst, dass er nicht zum FCA gekommen wäre, wenn es zu viele Bratwürste in der Mannschaft gegeben hätte, dann ist das direkt eingängig – und auch witzig. Meine Tochter fragt nach, ob er den Begriff „Bratwurst“ wirklich verwendet hat, um seine Spieler zu kategorisieren. Ich bejahe lachend und wir wissen in diesem Moment beide, dass wir zumindest wieder mehr zu lachen haben werden mit Sandro Wagner beim FCA.
Was in der Sache Mut macht
Alleine etwas mehr zu lachen ist ja schon gut, aber nicht ausreichend um sportliche Verbesserungen auszulösen. Wagner stimmt mich aber auch ansonsten hoffnungsfroh, weil er eine Mischung aus den vorherigen zwei Trainertypen des FCA sein könnte. Einerseits kommt er mit der jugendlichen Energie von Enno Maaßen und will „aktiven“ Fußball spielen lassen. Andererseits bringt er die souveräne Grundhaltung und das Selbstvertrauen seines eigenen Karriereverlaufs mit, die auch bei Thorup immer dazu geführt haben, dass er ruhig und souverän wirkte. Es ist nun eben nicht die große Revolution beim FCA. Der Club bleibt auf seiner Linie und justiert nach.
Der FCA scheint dabei aus dem ein oder anderen Thema gelernt zu haben. Er hat mit Wagner einen Trainer geholt, der auch die Rollen der erfahrenen Spieler anerkennt. Jeffrey Gouweleeuw wird dies wohlwollend vernommen haben, genau wie auch der ein oder andere Kollege aus der Mannschaft. Auf der anderen Seite ist es dem FCA mehr und mehr daran gelegen, die eigenen Jugendspieler zu stärken und zu integrieren. Kömür, Banks und Koudossou haben dies nicht nur gehört, sondern glauben anscheinend an ihren Weg beim FCA. Alle haben ihre Verträge unlängst langfristig verlängert. Und nicht zuletzt lässt Wagner erkennen, dass er auf das gesunde defensive Fundament von Thorup aufbauen will. Der Kader ist weiterhin am stärksten im Tor und in der Innenverteidigung aufgestellt. Wagner tut gut daran, diese Stärken für sich zu nutzen. Wenn dies gelingt, fängt der FCA nicht bei null an, sondern baut auf der sportlichen Entwicklung der Thorup-Jahre auf.
Knackpunkte
Ein Selbstläufer ist das Ganze aber mitnichten. Auch in der neuen Saison muss der FCA durch Leistung auf dem Platz überzeugen. Und damit dies gelingt, braucht es auch das nötige Glück. Einerseits kann die Mannschaft weiterhin offensiv Qualität vertragen. Zu groß war in der abgelaufenen Saison die Abhängigkeit von Alexis Claude-Maurice. Zu wenig konstant waren die Leistungen der Nebenleute. Der FCA will sein Team sehr gezielt für die kommende Saison verstärken. Ein offensiver Kracher würde Sandro Wagner sicher bei der Erreichung der Ziele helfen. Diese sind aber auf dem Transfermarkt nicht einfach zu finden. Ströll regelt vielleicht auch das.
Auf der anderen Seite ist Fußball ein Ergebnissport. Wagner braucht zu Saisonbeginn schnell seinen ersten Bundesligasieg, um nicht zu früh direkt unter Druck zu geraten. Am besten könnte Wagner zeigen, dass er keine Trainer-Bratwurst ist, wenn er das Topspiel gegen die Bayern gewinnt. Und ja, es ist ein bisschen Hype in Augsburg, der mir ein fettes Grinsen auf die Lippen legt. Natürlich spielen wir bald wieder europäisch. Sandro Wagner hat sicher nichts dagegen.
Es ist Mitte Juni und die Bundesligasaison ist seit einigen Wochen beendet. Bis zum ersten Pflichtspiel des FCA in der neuen Saison dauert es noch knapp zwei Monate. Dann eröffnet der FCA im Pokal die Saison beim Halleschen FC. Genügend Zeit, möchte man meinen, damit die Rot-Grün-Weißen mit der bestmöglichen Equipe die hohen Erwartungen ab dem Saisonstart erfüllen.
Vorteil verschenkt?
Auf der anderen Seite verwundert das Timing des FCA dann doch ein bisschen. Der FCA hatte nämlich mit Blick auf die kommende Saison einen großen Vorteil. Durch den frühzeitigen Klassenerhalt bestand schon sehr früh Planungssicherheit für die Bundesliga. Trainer und Manager eines Bundesligavereins können dann zusammen schon früher identifizieren, auf welchen Positionen ein Team verstärkt werden muss und entsprechende Transfers einleiten.
Habt ihr auch bei Trainer und Manager gezuckt? So denn Marinko Jurendic und Jess Thorup am Kader für die neue Saison schon gearbeitet haben, ist diese Arbeit nicht auf Zustimmung bei den Oberen des Vereins gestoßen. Nach der drittbesten Bundesligasaison der Geschichte hatte man sich nach Saisonende sowohl von Thorup als auch von Jurendic getrennt. Der Vorteil der frühzeitigen Planungssicherheit kann so unmöglich vollständig ausgeschöpft worden sein. Ja mei.
Der Managerposten im Fokus
Gerade was den Managerposten beim FCA angeht, ist die Sache besonders kritisch. Hier stellt sich einerseits die Frage, was man in Bezug auf Marinko Jurendic in den Wochen vor Saisonende noch herausfinden wollte. Im Gegensatz zum Trainer ist der Manager nicht ganz so intensiv in die tagtägliche sportliche Arbeit eingebunden. Wäre es möglich gewesen, sich früher von Jurendic zu trennen? Wahrscheinlich nicht, wenn man die mögliche Unruhe vor Saisonende bedenkt, gerade da für den FCA sportlich auch noch Türen nach oben offen standen.
Auf der anderen Seite wäre meine Erwartung gewesen, dass man – so man denn den Manager nicht sogar vorher verpflichtet – Trainer und Manager zusammen verpflichtet werden. So hat man sich nun eine Situation geschaffen, in der der neu-verpflichtete Manager, sich seinen Trainer nicht selbst mit aussuchen kann. Der FCA war wohl von Sandro Wagner überzeugt. Jetzt muss er für diesen Trainer nur noch den geeigneten Manager / Chef finden. Was man Jurendic und Thorup nicht vorwerfen kann? Das die Zusammenarbeit zwischen beiden nicht funktioniert hätte, zumindest nach außen.
Dazu kommt, dass der Trainer sich zwar auch schon auf die kommende Saison vorbereitet, sein Team zusammenstellt und Pläne macht, der Manager in der Kaderplanung gerade Hochsaison hätte. Hier wird nun beim FCA auch nicht kompletter Stillstand herrschen. Ströll, Janker und Co. werden die notwendigen Entscheidungen schon zusammen mit Sandro Wagner angehen. Optimal scheint es mir dennoch nicht zu sein.
Wie fügt sich das Puzzle?
Es wird in den nächsten Wochen spannend sein zu beobachten, wie die Entwicklung beim FCA weiter geht. Wer wird der neue sportliche Leiter beim FCA und wann kommt er? Wie stellt sich der FCA grundsätzlich im sportlichen Bereich auf und wer übernimmt dabei welche Aufgaben? Gerade die Schnittstelle zur Jugend ist hier spannend. Wie schnell wird man dann die ersten Kaderveränderungen (Verpflichtungen und Abgänge) sehen?
Es ist zwar Sommerpause, aber langweilig wird es rund um den FCA gerade gar nicht. Es sind nur noch wenige Wochen bis Sandro Wagner das Training mit seinem Team aufnimmt. Zeit für den FCA, die Puzzlesteine an die richtigen Stellen zu platzieren und für ein stimmiges Gesamtbild zu sorgen.
Der FC Augsburg hat sich entschieden, trotz der nominell drittbesten Saison der Vereinsgeschichte, personelle Veränderungen in der sportlichen Führung vorzunehmen. Er hat damit auch für Stirnrunzeln gesorgt, gerade in Bezug auf die Personalie Marinko Jurendic. Für uns Augsburger ungewöhnlich: auch außerhalb von Augsburg werden die Entwicklungen wahrgenommen und z.B. Calcio Berlin fanden die Jurendic-Entlassung unverständlich.
Richtig ist: Jurendic kam vor zwei Jahren als Nachfolger von Stefan Reuter zum FC Augsburg und hatte seitdem die Verantwortung für den sportlichen Bereich des FCA inne und berichtete in dieser Funktion direkt an Alleingeschäftsführer Michael Ströll. Somit kann sich Jure zuschreiben, für zwei der besseren Saisons des FCA mitverantwortlich gewesen zu sein.
So sieht es zumindest in der Außendarstellung und ganz vereinfacht aus. Ich mag nun an dieser Stelle ein Beispiel herausnehmen. Dies soll zeigen, dass wir von außen kaum verstehen werden, wie groß Jures oder auch der Einfluss anderer Personen auf das große Ganze wirklich sein mag. Unter Jures Transfers fällt die Verpflichtung von Chrislain Matsima vom AS Monaco – der TOP-Transfer des letzten Sommers. Aber wie kam er wirklich zu Stande. und warum wurde er getätigt?
Kaderanalyse
Der Verpflichtung des Innenverteidigers ging eine grundsätzliche Kaderanalyse voraus. Hierbei sind beim FC Augsburg mindestens 4-5 Personen in der Vergangenheit beteiligt gewesen. Hierzu gehören außer dem Leiter Sport Marinko Jurendic, Geschäftsführer Michael Ströll, Trainer Jess Thorup außerdem recht sicher Christoph Janker und Heinz Moser, als Kernmitarbeiter rund um den Augsburger Kader.
Diese Gruppe hat entsprechend zusammen entschieden, wie viele Planstellen es grundsätzlich gibt. Wie viele Innenverteidiger es grundsätzlich braucht, hängt unter anderem vom Spielsystem des Trainers, den vorhandenen Innenverteidigern und deren Verfügbarkeit als auch von einer grundsätzlichen Kaderstrategie ab (z.B. lieber mehr, aber dafür evtl. unzufriedene Spieler). Bis hierin ist dann nichts grundsätzliches Geniales passiert. Man kam schlicht zu dem Ergebnis, dass noch ein Innenverteidiger nicht verkehrt wäre.
Woher kommen mögliche Kandidaten?
Mit dieser Entscheidung im Hintergrund wird nun die Maschine angeworfen. Grundsätzlich hat ein Bundesligist viele Quellen zur Verfügung, um mögliche Spieler für seinen Kader zu verpflichten. Einerseits hat jede beteiligte Person ein eigenes Netzwerk und kann aus diesem Netzwerk schöpfen. Vielleicht hat man mit einem Spieler in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet und kennt sich.
Netzwerk ist dann auch ein Thema, wofür es mit der Scouting-Abteilung einen ganzen Bereich gibt, der dieses laufend erweitert und die Abhängigkeit von Einzelpersonen reduziert. Hier sei für den Fall Matsima bewusst vermerkt, dass der FCA im letzten Sommer einen neuen Chefscout verpflichtetete: Babacar Wane. Wane kennt sich vor allem in Frankreich sehr gut aus. Welche der aus Frankreich heraus verpflichteten Spieler er gescoutet hat, wissen wir nicht genau. Eine klare Häufung ist allerdings schon zu erkennen. Mittlerweile gibt es zusätzlich hochwertige Datenanalysen (Stichwort: Moneyball), die helfen, geeignete Fußballer zu identifizieren, die man vielleicht so nicht auf dem Schirm hatte. Neben diesen drei bisher genannten Quellen, versuchen die Spieler über ihre Berater aber auch selbst Entwicklungen zu beeinflussen und Berater versuchen Spieler direkt bei Vereinen zu platzieren.
Die Idee, Chrislain Matsima beim FC Augsburg zu platzieren, kann man nun nach einer Saison schlicht als genial betrachten. Aber woher kam sie? Wir wissen es schlicht nicht mit Sicherheit. Die Verpflichtung von Wane und sein Einfluss sprechen aber eher dafür, dass Jures Einfluss auf die Verpflichtung nicht allzu groß war.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Und wer nun denkt, hier hört der Prozess schon auf, der hat sich geschnitten. Der FCA fand zwar an dieser Stelle Chrislain Matsima als geeignet. Aber gab es nur einen Kandidaten für den Innenverteidiger-Posten? Oder warum hat man sich am Ende für Matsima entschieden?
Einerseits war er für den FCA grundsätzlich wirtschaftlich darstellbar. Andererseits hat man bei Matsima ein Leihgeschäft mit Option abgeschlossen und so das wirtschaftliche Risiko für den Verein deutlich reduziert für den Fall eines Fehlschlags.
Hier traue ich mir nach vielen Jahren der Beobachtung zu, diese Entscheidung für eine Leihe mit Option Michael Ströll, dem alten Vertrags-Zocker, zuzuschreiben. Es gibt wohl kaum einen gewiefteren Manager in der Bundesliga, wenn es um Wirtschaftliches geht. War das am Ende ausschlaggebend?
Gesamtbild
Marinko Jurendic wird in den letzten Tagen vor allem bzgl. seiner Transfers und der Kaderzusammenstellung äußerst positiv bewertet. Dies greift mir zu kurz. Ich glaube sein Einfluss wird hier überschätzt. Warum kam zum Beispiel Matsima zum FCA? Weil er der beste Kandidat war, den Jure selbst identifiziert hatte? Hat er ihn überhaupt identifiziert? Oder hatte der FCA schlicht Glück bei einem Spieler den man unter Vertrag genommen hatte, weil man erstmal nur eine Leihe abschließen wollte?
Der FCA hat seit Jahren den sportlichen Bereich umgebaut und personell verändert. Marinko Jurendic und Heinz Moser waren hier nun einige der Personalien neben Wane und Janker. Und Jurendic hatte hier mit Sicherheit positiven Einfluss auf einige Entscheidungen. Auf der anderen Seite muss man Jurendic auch die grundsätzliche Richtungsentscheidung zuschreiben, im Winter die Offensive nicht mehr gestärkt zu haben. Mergim Berisha kam verletzt zum FCA, was Jurendic bekannt war. Ansonsten holte man niemanden mehr dazu.
Es scheint, Ströll und Krapf haben sich eine solide Meinung gebildet, wie der FCA für die Zukunft besser aufgestellt werden kann und geben sich nicht mit Klassenerhalt um Klassenerhalt zufrieden. Ohne mehr Einblicke in das Innenleben zu erhalten, ist man als Fan darauf angewiesen den Verantwortlichen zu vertrauen. Die Abläufe sind dabei zu komplex, um sich ein einfaches Urteil bilden zu können. Die Sorge, dass nun die gesamte Transfer-Kompetenz des FCA, mit Jurendic den Verein verlässt, ist aber wohl unbegründet. Die Frage ist ja weiterhin, wer als Jures Nachfolger hier nun für Verbesserungen sorgt.
Als Fußballfan lässt man sich schnell von den letzten Ergebnissen seines Teams einnehmen. Der FCA hat zum Saisonende erneut einige Spiele in Folge verloren. Das Team von Jess Thorup konnte an stärkere Phasen zuvor nicht mehr anknüpfen. Es ging ihm schlicht die Luft aus. Der kurzfristigen Logik des Fußball-Business folgend, könnte man annehmen, dass die Entlassungen von Jess Thorup und Marinko Jurendic diesem Saisonabschluss geschuldet sind.
Gerade bei Jess Thorup kommt dem Saisonabschluss vielleicht auch eine höhere Bedeutung zu, als man vermutet. Ja, die Saison war insgesamt sehr solide. Mancher in Augsburg würde sogar sagen, sie war sehr gut. Und hier liegt an sich liegt vielleicht das grundsätzliche Problem, gegen das die Vereinsführung anzuarbeiten hat.
Das Augsburger Selbstbild
Anspruch und Wirklichkeit gehen beim FCA seit einigen Jahren auseinander. Der FCA hat vor der Zeit von Jess Thorup regelmäßig gegen den Abstieg gespielt und Trainer um Trainer verschlissen. Der sportliche Bereich war abseits der Person Stefan Reuter nicht stabil und eine Fortentwicklung war nicht zu erkennen. Wirtschaftlich hatte dies Auswirkungen, denn durch die fehlende Entwicklung auch von Einzelspielern konnten nicht ausreichend Transfererlöse erzielt werden, um größere Sprünge zu machen.
Hier hat sich nach den Verkäufen von Ermedin Demirovic, Arne Engels und Co. etwas geändert. Zudem ist der FCA sehr gut durch die Corona-Krise gekommen und steht wirtschaftlich auf einem sehr soliden Fundament. Im Umfeld? Es wird sich weiterhin viel auf die Schultern geklopft bei jedem Klassenherhalt. Jess Thorup sagte noch kürzlich, der Klassenerhalt sei immer das erste Augsburger Ziel. Dies sehen nicht alle im Verein so. Sie schauen nach Mainz und Freiburg und hängen die Latte für den FCA mittlerweile höher. Manch Verantwortlicher des FCA hat Mut und den Anspruch, den FCA sportlich aggressiver weiterzuentwickeln.
Sicherheit gibt es sowieso nicht
Wenn man sich den Personalwechsel des FCA aus dieser Perspektive betrachtet, dann ist dieser ein Zeichen dafür, dass die Führung des FCA ihren Überzeugungen folgt. Von außen mag man sich fragen, ob man diese Überzeugen auch teilt. Aber Konsequenz kann man Krapf & Ströll in dieser Situation nicht absprechen.
Derweil muss man sich fragen, was der FCA mit Thorup und Jurendic aufgibt. Jurendic war verantwortlich für den Kader. Aber welchen Einfluss hatte er am Ende? Der FCA hat im Scouting Veränderungen vorgenommen, und einige der französischen Neuzugänge mögen auch hierauf zurückzuführen sein. Auf der anderen Seite hat man in Stuttgart Michael Ströll selbst die Ablöse von Ermedin Demirovic verhandeln sehen. Entscheidungsvorgänge im Verein sind von außen schwierig zu beurteilen.
Mit Thorup verliert der FCA einen sehr sympathischen, ruhigen und integrativen Charakter an der Seitenlinie. Ich mag Thorup persönlich und finde seinen Abschied schade. Auf der anderen Seite hätte ich mir so oft mehr Mut gewünscht. Mehr Minuten für die Jungen. Mehr offensive Kräfte. Was versuchen. Nicht nur reagieren. Und diesen Teil von Thorup, das Schwinden des Offensive Mindset, werde ich nicht vermissen.
Wie die nächste Saison mit beiden gelaufen wäre, weiß man auch nicht. Thorup stand zum Winter schon mal auf der Kippe. Wenn am Ende die Überzeugung fehlt, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. Mit Enno Maaßen war man nochmal in die neue Saison gegangen. Man hätte es sich schenken sollen.
Am Anspruch messen
Nun kann ein Wechsel auf diesen Positionen auch nicht dazu führen, dass der FCA in der nächsten Saison unbedingt auf einem europäischen Platz landen muss. Die Augsburger Verantwortlichen, und das ist für die Branche und für Augsburg untypisch und riskant, haben den Druck auf sich selbst deutlich erhöht. Sie sind an ihren eigenen Ansprüchen zu messen.
Aber wie wären die? Die eigenen Jugendspieler sollten deutlich größere Rollen bekommen. Gute Neuigkeiten für Mert Kömür, Noki Banks und Co. Auf der anderen Seite muss der FCA im Sommer die offensive Qualität im Kader deutlich erhöhen und es muss der Anspruch sein, mehr Torgefahr erzeugen und Tore schießen zu können. Die Herausforderung wird – mal wieder – die Balance. Man wird in der Bundesliga nichts ohne defensive Stabilität. Man gewinnt keine Spiele ohne Tore. Der FCA ist hier weiter auf der Suche.
Nach Jahren der Selbstzufriedenheit halte ich die Entscheidung – abseits von persönlichem Wehmut – für verständlich. Ich habe andauernd Mut eingefordert. Ich will eine größere Rolle für die eigene Jugend. Es ist der richtige Weg. Hoffentlich dann auch mit den richtigen Personen. Aber ich gestehe: ein bisschen aufgeregt bin ich schon, was das nun wird! Der FCA geht mit der Entscheidung eine Wette ein. Geht sie am Ende auf?
Das mit dem FCA und den Schiedsrichtern ist eine besondere Beziehung. Nach dem Spiel gegen Kiel musste sich der DFB erneut entschuldigen, denn die Elfmeterentscheidung war offensichtlich falsch. Weder wurde sie vom Schiedsrichter richtig entschieden, noch griff der VAR ein. Der FCA geriet 0:1 in Rückstand und verlor schlussendlich das Spiel. Und leider war dies in dieser Saison kein Einzelfall.
Das Fass bei den Verantwortlichen war schon ein paar Wochen früher übergelaufen. Nach dem Spiel gegen den FC Bayern hatte Marinko Jurendic geäußert, den VAR in der jetzigen Version abschaffen zu wollen, weil er bei gelben Karten und damit dem Platzverweis von Cedric Zesiger nicht eingreifen durfte. Zesiger ging ein großes Risiko in diesem Zweikampf ein und hatte schlicht Pech. Der Schiedsrichter entschied falsch, der VAR konnte nichts machen. Aber hätte es denn überhaupt etwas gebracht, wenn er eingreifen hätte können? Gegen Kiel hat man in einer ähnlichen Konstellation gesehen, dass man eine klare Fehlentscheidung im Kölner Keller nicht immer erkennt.
Ich bin schon lange dafür, den VAR schlichtweg zu begraben. Die Argumente liegen seit langem auf dem Tisch. Und ehrlich gesagt nervt es etwas, dass sich der FCA erst nach dem Spiel gegen die Bayern positionierte. Der VAR macht den Fußball nicht besser und gehört längst weg. Der VAR steht sinnbildlich dafür, dass es im professionellen Fußball in Deutschland nicht möglich ist, zu echten Änderungen zu kommen, obwohl objektiv und faktisch die Lage eindeutig ist.
Besonders betroffen in 2024/25
Der FCA ist laut der wahren Tabelle der Club, der in dieser Saison am meisten unter falschen Schiedsrichterentscheidungen und dem VAR leidet. Es gab massiv Fehlentscheidungen, bei denen auch der VAR nicht half. Eine Auswahl – abseits der oben genannten – ohne Garantie auf Vollständigkeit:
Im Heimspiel gegen Bremen hätte es Handelfmeter für die Augsburger geben müssen. Der VAR wies darauf hin, der Schiedsrichter gab ihn trotzdem nicht. Die erste Sauerei.
Im Heimspiel gegen Mainz 05 sah Samuel Essende zu Recht rot. VAR und Schiedsrichter übersahen die vorausgegangene Aktion von Dominik Kohr und die zwingende rote Karte für den Mainzer gab es folglich nicht. Die zweite Sauerei.
Jetzt in der Rückrunde kassierte der FCA gegen Hoffenheim einen Handelfmeter der keiner war. Im Nachhinein wurde sich entschuldigt. Die dritte Sauerei.
Alle Spiele sind nur deshalb aufgeführt, weil der FCA am Ende verlor oder unentschieden spielte und Punkte liegen ließ. In anderen Spielen gab es auch Fehlentscheidungen, war aber schlicht froh, dass es am Ausgang nichts änderte und so blieben die Szenen zumindest bei mir nicht haften.
Marinko Jurendic fand zuletzt deutliche Worte zum VAR (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)
Grundsätzlich eher schwache Schiedsrichterleistungen
Die Auflistung zeigt allerdings etwas Grundlegenderes: der FCA, als Club des Mittelfelds, wird eher selten von den Top Schiedsrichtern der Liga gepfiffen. Ich vertrete an dieser Stelle einmal die Annahme, dass der FCA durchschnittliche Schiedsrichterleistungen in der Bundesliga erlebt. Und wenn man sich die Quote der relevanten Fehlentscheidungen anschaut, dann ist diese hoch. Schlussfolgernd kann man an dieser Stelle dann auch feststellen, dass die Schiedsrichterleistungen im Durchschnitt schlecht sind, wenn bezüglich so vieler, spielentscheidender Szenen falsch entschieden wurde.
Deutschland war mal das Land der Top-Schiedsrichter. Zur FIFA Club WM fährt genau noch einer. Andere Länder entsenden mehrere Schiedsrichter, Deutschland nicht. Auch international wurde entsprechend erkannt, dass die Schiedsrichterzunft in Deutschland mittlerweile hinterher hinkt. Wenn Marinko Jurendic den Finger in die offensichtliche und relevantere Wunde gelegt hätte, wäre die Frage aufgekommen, warum die Schiedsrichter zusammen mit ihren Asssistenten so viele offensichtliche Fehler machen.
Weiterhin Verklärung
Offen ansprechen mögen die Clubs das Problem wohl nicht, auch aus Sorge vor der Behandlung auf dem Platz am folgenden Wochenende. Reformtätigkeit intern und „echte Änderungen“ sind derweil nicht erkennbar. Die Fehlentscheidungen sind seit längerem zu beobachten und auch in dieser Saison nicht weniger geworden. Mir geht es auch gar nicht darum, einzelne Schiedsrichter bloßzustellen.
Ich glaube, dass der VAR dem Fußball schadet, in dem er Spiele verzögert, und die Entscheidungsqualität, die tendenziell etwas erhöht ist, diesen Effekt nicht aufwiegt. Und mir geht es darum, dass wir den VAR nicht so dringend bräuchten, wenn die Schiedsrichter grundsätzlich besser wären. Und das sollten doch alle gemeinsam wollen: bessere Schiedsrichterleistungen. Dann ist aber auch mal die Zeit gekommen, die Verklärung zu beenden und die Verbesserung aktiv voranzutreiben. Vielleicht auch so, dass es in Augsburg ankommt.
Wenn der FC Augsburg mit 0:2 in Leverkusen verliert, dann löst das keine Verwunderung aus. Zu selten konnte man bisher aus Augsburger Perspektive etwas aus Leverkusen mitnehmen. Nur einmal hat man in all den Jahren in der Bundesliga in Leverkusen bisher gewonnen. Und leichter ist es durch die Leverkusener Entwicklung der letzten Jahre auch nicht geworden. Leverkusen ist klar das zweitbeste Team der Liga. Mund abputzen und weiter machen, könnte man da schnell sagen. Zu schnell? Was bleibt nach der Niederlage in Leverkusen hängen? Und mit welchen Erwartungen kann man in das Spiel gegen Kiel gehen?
Der Trend geht nach unten
Die Augsburger Rückrundenbilanz ist immer noch sehr toll. Ja, jetzt ist eine zweite Niederlage dazu gekommen. Aber es ist eben nur die zweite. Aber anstatt sich von der Rückrundenbilanz blenden zu lassen, wollen wir uns vielleicht etwas mehr mit den letzten Partien beschäftigen. Und hier sieht es dann nicht mehr ganz so rosig aus.
Gegen Bayern und Bayer 04 hat man verloren. Gegen Leverkusen war man recht chancenlos und hat den Gegner in der ersten Halbzeit auch einfach zu sehr gewähren lassen. Nicht kompakt und nicht konsequent genug agiert. Zumindest die erste Halbzeit war schlecht. Gegen Bayern hat man grundsätzlich ein gutes Spiel gemacht, und etwas Pech mit dem Schiedsrichter gehabt. Aber auch ohne zu sehr auf den Schiedsrichter zu schimpfen, hätte man auch einfach die eigenen Chancen nutzen und noch ausgleichen können. Gegen Frankfurt hat man das Spiel in der zweiten Hälfte aus der Hand gegeben. Gegen Bochum war auch die zweite Hälfte schlecht. Insgesamt sucht man so in der jüngsten Vergangenheit nach einem Spiel, in dem die Mannschaft von Jess Thorup über die gesamten 90+X Minuten konsequent und mutig agiert hat. Kein guter Trend.
Offensiv fehlt Mut und Qualität
Jetzt fragt man sich ja, wie man dem Trend am besten entgegen wirken könnte. Jess Thorup hat sich letzten Samstag dafür entschieden, Elvis Rexhbecaj für Mert Kömür aufzustellen. Die Idee dahinter war, defensiv besser gegen spielstarke Leverkusener zu stehen. Die mutige Alternative wäre gewesen, Mert Kömür erneut von Anfang zu bringen, und Leverkusen selbst mit etwas mehr offensiven Ideen zu beschäftigen. Mir ist die Schlussfolgerung zu leicht, dass Thorup falsch lag, weil er verlor. Ich würde in jedem Fall die mutigere Entscheidung bevorzugen.
Wie will er es diesmal angehen? Mutig oder erneut zurückhaltend? (Photo by Lars Baron/Getty Images)
Um zu gewinnen, muss ein Team Tore schießen. Gerade damit tut sich der FCA gerade wieder schwer. Aus meiner Sicht hat dies zwei Hauptgründe. Einerseits hat die Mannschaft von Jess Thorup offensiv nicht ausreichend Qualität. Dies hatte man im Winter richtig erkannt. Fälschlicherweise hat man sich nur mit Mergim Berisha verstärkt. Berisha war schon vor seiner Leihe als verletzungsanfällig bekannt. Und fehlt momentan wieder verletzt. Wer weiß, wie es um den FCA stünde, wenn man hier noch einen zweiten qualitativen Zugang getätigt hätte.
Auf der anderen Seite fehlt von allen Seiten die offensive Überzeugung- Thorups „Offensive Mindset“ hat sich in ein „Defensive Mindset“ gewandelt. Er spielt teils mit 9 defensiven und nur 2 offensiven Spielern. Man darf sich dann auch nicht wundern, wenn die Jungs auf dem Rasen jetzt nicht das offensive Feuerwerk zünden. Es ist gar nicht erst vorgesehen. Es gibt schlicht auch keine Signal dafür.
Statement-Spiel gegen Kiel
Kiel ist nun der richtige Gegner zur richtigen Zeit. Es geht daheim gegen ein Team aus dem Tabellenkeller. Hier wird es sich zeigen, wo der FCA in diesem Jahr steht. Ein Top10-Team lässt sich auch von einer Kieler Mannschaft im Abstiegskampf nicht aus dem Konzept bringen und gewinnt ein solches Spiel souverän, anstatt wie in Bochum schon wieder ins Schwimmen zu geraten.
Die Vorzeichen stehen derweil gut. Selbstvertrauen sollte noch genug vorhanden sein. Das Spiel aus der Hinrunde sollte als Warnung dienen. Jeffrey Gouweleeuw wird nicht gelb-gesperrt fehlen. Ja, Platz 6 ist ein ganzes Stück weg, nachdem der BVB mittlerweile Ergebnisse abliefert. Aber Platz 7 ist nach den Ergebnissen der Konkurrenz noch absolut möglich in dieser Saison und es sollte nun auch das Ziel sein, zu zeigen, warum man es verdient hat, dort auch am Ende der Saison zu stehen.
Die Ausgangslage ist denkbar spannend, vor dem 31. Spieltag. Zumindest für den FC Augsburg. 4 Spieltage vor Ende steht man auf dem 10. Tabellenplatz und hat 4 Punkte Rückstand auf Platz 6. Der FCA hat insgesamt einen guten Lauf und in der Rückrunde bisher nur eine einzige Partie verloren. Man schaut klar in der Tabelle nach oben und will in jedem Spiel das Möglichste tun.
Die Ausgangslage vor dem Spiel gegen Leverkusen ist auch deshalb spannend, weil in Leverkusen etwas die Luft raus ist. Bayer ist zwar die zweitbeste Mannschaft des Landes, aber eben mittlerweile auch abgeschlagen im Titelrennen und mit genügend Vorsprung auf Platz 3 versehen. Da kann man als Spieler schon mal an die eigene Gesundheit und Regeneration denken (zumindest unterbewusst).
Das Tüpfelchen auf dem i macht dann das Ergebnis des Freitagsspiels aus. Stuttgart hat gegen Heidenheim verloren und wird den FCA an diesem Spieltag mit Sicherheit nicht überholen. Der FCA kann an diesem Spieltag nur nach oben schauen und attackieren. Ist gegen Bayer 04 in diesem Zustand und unter diesen Voraussetzungen ein Angriff auf die vorderen Ränge möglich?
Halbzeit 1
Der FCA kommt prinzipiell gut in die Partie. Das Thorupsche Team hat Ballbesitzphasen und kann sich Richtung 16er von Bayer 04 kombinieren. Auf beiden Seiten herrschen aber noch hohe Fehler- und Fehlpassquoten vor. Die Zweikämpfe werden nicklich geführt. Der FCA muss sich mit Fouls behelfen um der Dynamik von Bayer Herr zu werden. Bayer 04 schafft es aber auch, sich nach diesen ersten Minuten, die ersten Mal in Richtung Augsburger Tor zu kombinieren. Einer der ersten Abschlüsse von Schick wird sodann unglücklich abgefälscht und wird somit für Dahmen unhaltbar. 1:0 für Bayer 04, nach einer eher ausgeglicheneren Anfangsphase.
Im Zweifel war Bayer einen Schritt schneller (Photo by Lars Baron/Getty Images)
Der FCA ist weiterhin bemüht, es fehlt ihm aber an diesem Tage an der notwendigen Kompaktheit. Leverkusen im Gegensatz drängt nach Augsburger Angriffen auch schnell mit 5 Mann aufs gegnerische Tor. Es wird sofort brenzlig. Nach 20 Minuten kann man schon fast froh sein, dass es nicht schon 0:2 steht. Die ansonsten so solide Augsburger Abwehr wirkt heute ungewohnt löchrig. Das 2:0 fällt in der Folge, wird aber auf Grund einer Abseitsstellung aberkannt. Man kann zu diesem Zeitpunkt konstatieren: Bayer 04 hat Bock und der FCA lässt sie gewähren. Große Lücken tuen sich im Augsburger Spiel auch in der Folge auf und es wird gefährlich vor Finn Dahmen.
In der Folge verflacht das Spiel ein wenig. Die Ruhe ist zu diesem Zeitpunkt aber trügerisch. Kurz vor der Halbzeit drückt Bayer erneut etwas mehr aufs Gas und kann den FCA in seinem eigenen 16er einschnüren. Mehrmals bekommen es die Augsburger nicht geklärt. Mehrmals darf Bayer es erneut probieren. Am Ende ist es dann ein sehenswerter Abschluss von der 16er Kante von Buendia, der dem FCA das zweite Gegentor des Tages beschert. Nachdem man in dieser Phase die nötige Konsequenz vermissen ließ, muss man sagen: Schade, schade Marmelade.
Halbzeit 2
Die zweite Halbzeit geht Thorup an, wie er die erste beendete, zumindest vom Personal her. Wer gedacht hätte, der Däne würde direkt für mehr Offensivpower sorgen, in dem er z.B. Kömür für Rexhbecaj brächte, der hat sich getäuscht. Für den FCA muss die Marschrichtung in den zweiten 45 Minuten dennoch klar sein: wenn man hier etwas mitnehmen will, dann braucht es Tore.
Aber erstmal ist Bayer wieder recht schnell im Augsburger 16er. Und danach muss Dahmen einen Weitschuss klären, der gefährlicher wird, als es die Abschlusssituation vermuten lässt. Nach 55 Minuten ist es dann so weit und Thorup ergreift Maßnahmen. Für Wolf, Giannoulis und Rexhbecaj kommen Gumny, Koudossou und Kömür. Das war geplant, die 3 hatten sich in der Halbzeit separat aufgewärmt. Mit Robert Gumny auf rechts und Koudossou auf seiner nicht angestammten falschen Seite hätte ich nun nicht direkt gerechnet, gerade wenn man an eine verstärkte Offensive denkt. Ein Raunen geht dann auch nur durchs Stadion, weil an Matej Kovar an einer Augsburger Ecke vorbei segelt. Wenn hier noch etwas passieren soll, dann muss man momentan auf Unzulänglichkeiten auf Seiten Bayer 04s hoffen.
Ratlos in Leverkusen (Photo by Lars Baron/Getty Images)
Essende erarbeitet sich einen Abschluss im Strafraum, vorbei. Ein Kopfball nach einer Ecke, drüber. Man mag anmerken: der FCA gewinnt bisher mehr Zweikämpfe als Bayer 04. Dazu kommt nach der Halbzeit: man hatte in einer guten Viertelstunde mehr Torschüsse als in der gesamten ersten Hälfte. Was fehlt: das zwingende Element. Die letzte Konsequenz. Bezeichnend ist eine Flanke von Alexis Claude-Maurice nach 65 Minuten. Sie geht ins Nirgendwo. Ein Weitschuss in der siebzigsten von Claude-Maurice wird von Kovar dann am Tor vorbei gelenkt. Ein Treffer wäre aus dem nichts gekommen. die Ecke danach ist harmlos. Da darf das steigende Eckenkonto nicht zu viel Hoffnung führen. Ein Kopfball von Tietz, der mittlerweile für Essende dabei ist, direkt auf den Torwart bestätigt den Trend. Es ist brotlose Kunst, die der FCA hier heute bisher abliefert.
Vielleicht ein paar Worte zur Leverkusener Motivation zu diesem Zeitpunkt: es ist nicht mehr viel davon zu sehen. Bayer 04 tut das Nötigste und das reicht. Ein Fernschuss in der 79. Minute erzeugt mehr Gefahr als viele Augsburger Aktionen vorher. Angriffe werden von Bayer 04 nicht mehr ausgespielt. Insgesamt ist es einfach kein gutes Fußballspiel mehr zu diesem Zeitpunkt. Die angenehmen Temperaturen und die monotonen Fangesänge, vor allem die Trommeln, laden zum meditativen Verweilen ein. Fußball als Stadionsport: diese Partie würde ich nicht als positives Beispiel nennen.
Was bleibt?
Der FCA hat es den Leverkusenern gerade in der ersten Hälfte zu einfach gemacht. Man darf hinterfragen, was hier der Ansatz war. Er ist in jedem Fall gescheitert. Die zweite Hälfte sollte man dann zusätzlich nicht zu positiv sehen. Auffällig war, wie wenig Dringlichkeit der FCA entwickelte. Die Klatsche blieb aus, die Chance auf mehr ist dennoch vergeben. Schade, gerade wenn man auf die Ergebnisse der Konkurrenz blickt.
Der FC Augsburg hat gegen Bochum gewonnen und mittlerweile 42 Punkte gesammelt. Die Abstände sind weiterhin gering: vom 10. Augsburger Tabellenplatz bis Rang 5 sind es nur 4 Punkte Abstand. So eng wie in dieser Saison geht es in dieser Tabellenregion sonst kaum zu. Frankfurt ist zwar ein guter Gegner am Sonntag, aber schon in der Hinrunde lieferte der FCA eine ordentliche Vorstellung ab und konnte punkten. Für das Heimspiel am Sonntag sollte all das viel Hoffnung machen.
Wer genauer hinschaut, der erkennt allerdings auch Entwicklungen, die Anlass zur Sorge geben. Was beunruhigt mich gerade:
Sportlich ausbaufähig
Die sportliche Leistung gerade in der zweiten Halbzeit gegen Bochum muss Anlass zur Sorge geben. Der FCA gab ein Spiel in Führung aus der Hand und hätte sich am Ende nicht beschweren dürfen, wenn er das Spiel vollends verloren hätte. Ich liebe Heldenaktionen wie die von Tietz und Kömür über alles, aber wenn die Augsburger Europapokalhoffnungen darauf aufbauen, dann wird der Realitätscheck schneller kommen, als uns allen lieb ist.
Ambitioniert, aber ohne neues Ziel
Auch wenn er nun gegen Bochum offiziell erreicht wurde, war der Klassenerhalt schon in den letzten Wochen kein Thema mehr in Augsburg. Da konnte schlicht nichts mehr anbrennen. Ein neues Ziel gibt es aber – zumindest nach außen kommuniziert – nicht. Jess Thorup verweigerte sich erneut auf der Pressekonferenz, Europa offiziell als Ziel auszugeben. Ich stehe dazu: was sollte sonst das Ziel sein?
Wenn man Europa nun nicht erreicht, dann muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, dass man nicht alles dafür getan hat. Wenn man das Ziel ausruft und scheitert, wird einem das unter die Nase gerieben werden. Ich bin für „Immerhin waren wir mutig und haben es versucht“. In den 07 Werten taucht auch Mut auf (auf Platz 5, aber wer glaubt schon an Zufälle).
Freddy Jensen und die Frage nach dem Warum
Freddy Jensen war diese Saison länger verletzt und ist nun wieder fester Bestandteil der Mannschaft. Allerdings läuft sein Vertrag im Sommer aus und wurde noch nicht verlängert. Nun hat wohl ein US-amerikanischer Club Interesse an einer Verpflichtung. Dort ist das Wechselfenster gerade geöffnet. Jensen flog wohl nun unter der Woche zu Gesprächen in die USA, ist aber wohl schon wieder zurück in Augsburg. Ob wir ihn nochmal im Trikot des FCA sehen werden?
In dieser Saisonphase hätte ich erwartet, dass der FCA Jensen zumindest bis zum Saisonende hält, um sportlich das Maximale herauszuholen. (Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)
Ich finde diese Geschichte zu diesem Zeitpunkt absolut unpassend. Jensen war in den letzten Spielen Teil der ersten Elf. Er ist Bestandteil einer Mannschaft, die von vielen Spielen zuletzt nur eines verloren hat und auf einem sehr guten Weg ist, sich weiter in der Tabelle vorzuarbeiten. Wenn es in den letzten 5 Spielen um alles geht, und das ist der Traum für Europa zu diesem Zeitpunkt für mich, dann lasse ich einen solchen Spieler gerade nicht in die USA fliegen bzw. denke überhaupt nur darüber nach, ihn abzugeben. Man fragt sich schon, wie Ernst der Verein die momentanen sportlichen Möglichkeiten nimmt.
Symbolisches im Rahmen der Kaderplanung
In eine ähnliche Richtung geht es dann, wenn man in diesen Tagen liest, dass Marinko Jurendic das Interesse des FC Augsburg an Morlaye Sylla bestätigt hat. Warum? Damit sich die momentan vorhandenen Offensivspieler Gedanken um ihre Zukunft machen, anstatt sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren?
Der FC Augsburg hat bisher Personalien grundsätzlich nicht vor ihrem Abschluss kommentiert. Warum wird hiermit nun gebrochen? Noch dazu in dieser Saisonphase? Es ist wohl allen klar, dass im Hintergrund schon am Kader für die neue Saison gearbeitet wird. Wenn man aber in dieser Situation etwas Positives beitragen wöllte, dann vielleicht die Verkündung der ein oder anderen Vertragsverlängerung, z.B. mit Finn Dahmen. Sich an den Spekulationen rund um Neuzugänge zu beteiligen sollte nicht zur Routine werden, gerade jetzt.
Wird diese Saison anders als letzte?
Was über allem hängt: Auch in der letzten Saison klappte in den letzten 5 Partien wenig bis nichts mehr. Man hat frühzeitig den Klassenerhalt gefeiert, man hat sich nicht getraut neue Ziele auszugeben, und man hat am Ende 5mal verloren. Am Ende hat man es dann auf die Kadertiefe und die Verletzungen geschoben, anstatt offen auch mit den eigenen Fehlern umzugehen.
Ja, der FCA ist weiterhin sehr gut unterwegs. Gerade die Rückrunde ist sehr eindrucksvoll und die Rückrundentabelle zeigt bisher, was die Mannschaft im Stande ist zu leisten. Aber umso näher das Saisonende kommt, umso nervöser werde ich. Kann das Team den sportlichen Höhenflug durchhalten? Ich wünsche es mir so sehr. Auf der anderen Seite, sehe ich vielleicht Gespenster. Es wird Zeit, dass die Mannschaft diese verjagt, mit einem starken Heimspiel gegen die Eintracht. Dann kann es diese Saison klappen (und ihr wisst was ich meine).
Nach dem Abschied von Iago war der FCA im Sommer auf der Suche nach einer Verstärkung für die linke Abwehrseite. Am Ende einigte man sich mit dem ablösefreien Dimitrios Giannoulis auf eine Zusammenarbeit. 28 Pflichtspieleinsätze, und nicht nur wegen des Treffers gegen den FC Bayern, kann man festhalten: Giannoulis ist ein Volltreffer. Er ist flexibel einsetzbar sowohl in einer 4er als auch in der 3er Kette. Er ist schnell, zweikampfstark und kann offensiv Akzente setzen. Im Vergleich zu Iago ist er zudem überaus verfügbar. Insgesamt hat man die gesuchte Verstärkung gefunden.
Die Stimmung ist dann auch gut im Gespräch mit Dimi. Die Laune ist trotz der Niederlage gegen den FC Bayern weiterhin gut, auch weil das Selbstvertrauen nicht gelitten hat. Was er über die Aussichten des FCA in den letzten Spielen denkt, könnt ihr selbst nachlesen:
Andy: Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Bundesligator am Freitag. Wie hat sich dieser Moment angefühlt?
Dimi: Das war fantastisch. Ich habe mein letztes Tor vor ungefähr fünf Jahren geschossen, und ich hatte dieses Gefühl schon wieder vergessen. Dazu ist das Stadion explodiert, als ich getroffen habe.
Andy: Das Tor ist aus einem Freistoß heraus entstanden, den Jeff geschlagen hat. Ein Kommentar zu eurem Zusammenspiel in dieser Situation?
Dimi: Jeff kann diese langen Bälle so gut spielen. Ich muss hier wenig mehr tun, als ihm ein Signal zu geben, und dann kommen diese Bälle regelmäßig perfekt. Am Freitag auch wieder.
Andy: Und welcher ist dann nochmal dein starker Fuß?
Dimi: (lacht) Mein rechter wohl.
Andy: Wie bitter war jetzt im Nachhinein dann doch die Niederlage gerade nach der zwischenzeitlichen Führung?
Dimi: Insgesamt haben wir uns über die Niederlage geärgert, gerade auch nach der Führung. Dieses Mal war vielleicht auch mehr drin. Wir haben es verpasst die Führung länger zu halten und auch am Ende hatten wir noch Chancen auf den Ausgleich. Auf der anderen Seite war der Platzverweis ein Knackpunkt auch mit dem schnellen Gegentor danach.
Andy: Hast Du eine Meinung zu den Schiedsrichterleistungen der letzten Zeit?
Dimi: Ich mag dazu gar nicht zu viel sagen, aber es könnte natürlich besser sein. Ich habe in der Championship in England in der letzten Saison ohne VAR gespielt und es ist nicht gut, wenn dennoch so viele Fehlentscheidungen Bestand haben.
Andy: Inwiefern siehst Du in dem Spiel gegen die Bayern dennoch eine Weiterentwicklung, gerade wenn Du es mit dem Spiel aus der Hinrunde vergleichst, in dem man am Ende keine Möglichkeiten kreieren konnte?
Dimi: Wir haben uns als Mannschaft deutlich weiterentwickelt seitdem. Einerseits hat man das an der Serie der ungeschlagenen Spiele gesehen. Andererseits haben wir einfach seit dem Winter deutlich mehr noch zusammengefunden. Es sind ja im Sommer viele neue Spieler, gerade auch für die erste Elf, zum Team dazu gestoßen und wir haben Zeit gebraucht. Aber mittlerweile spielen wir als Team deutlich besser und konnten mit Bayern deutlich besser mithalten.
Andy: Alle Teams wollen sich über die Zeit verbessern. Warum ist es bei euch so gut gelungen?
Dimi: Wir haben es geschafft, uns seit der Winterpause zu refokusieren und noch eine Schippe draufzulegen und das hat geklappt. Ein motivierender Faktor war hier sicherlich auch die Klatsche in Kiel. Diese hat zusätzliche Energien freigesetzt.
Andy: Neu ins Team sind ja im Sommer auch viele Spieler gekommen, die – wie Du – die Bundesliga vorher gar nicht kannten. Warum lief für euch die Integration so gut?
Dimi: Ganz ehrlich: die Stimmung in der Kabine ist einfach toll. Ich glaube, es ist die beste Stimmung in einer Kabine, die ich in meiner Karriere bisher erlebt habe, weil kein Spieler dabei ist, der schlechte Stimmung verbreitet und wir einfach viele tolle Typen im Team haben. Dies hat uns Neuen die Ankunft und Integration natürlich erheblich erleichtert.
Und gleich schlägt es ein… Giannoulis mit rechts zur Führung gegen den FC Bayern. (Photo by Sebastian Widmann/Getty Images)
Andy: Was wusstest Du überhaupt über Augsburg, als Du im Sommer kontaktiert wurdest?
Dimi: Ehrlich gesagt nicht allzu viel. Ich habe dann meinen Kumpel Kostas Stafylidis angerufen und er hat sehr positiv berichtet. Ansonsten wäre ich wohl nicht gekommen.
Andy: Was hat dich abseits des Fußballs am positivsten überrascht
Dimi: Für jemanden, der aus England gewechselt ist: das Wetter. Es regnet nicht so oft wie in England und ist nicht ganz so kalt, wie ich befürchtet hatte. Nicht wie in Griechenland, aber im Vergleich zu England eine echte Verbesserung.
Andy: Für dich hat sich auch auf dem Feld etwas geändert während der Saison. Du hast in England vor allem als Linksverteidiger gespielt und auch so in Augsburg begonnen, bevor ihr dauerhaft auf die 3er-Kette umgestellt habt. Wie groß war die Umstellung für dich?
Dimi: Gar nicht so groß. Ja, in England habe ich vor allem als Linksverteidiger gespielt. Zuvor in Griechenland habe ich aber auch schon in einem ähnlichen System wie unserem jetzigen gespielt. Das ist sogar mein Lieblingssystem und entsprechend hat mich die Umstellung sogar gefreut.
Andy: In diesem System hast Du jetzt auch eine größere Verantwortung, offensiv Akzente zu setzen und mit für Torgefahr sorgen. Hier habt ihr weiter Entwicklungspotential. Wie ist hier deine Sichtweise?
Dimi: Klar wären mehr Tore schön gewesen. Auf der anderen Seite schauen wir auch ganz pragmatisch auf die Ergebnisse und am wichtigsten ist nun mal, dass wir Spiele gewinnen bzw. Punkte sammeln. Und das haben wir in der letzten Zeit ordentlich gemacht.
Andy: Am Samstag geht es wieder nach Bochum, zu einem in der Tabelle unten platzierten Team. Warum läuft es in dieser Partie nicht wieder wie in Kiel?
Dimi: Wir wissen, dass es in Bochum unangenehm zu spielen ist. Gerade zu Hause rufen sie immer wieder starke Leistungen ab. Es geht im Abstiegskampf ja um enorm viel für sie. Aber wir haben seit dem Kiel-Spiel einige gute Auswärtspartien gespielt und auch gewonnen und können mit dieser Situation umgehen. Für mich kommt dazu, dass in Bochum mein Kollege aus der Nationalmannschaft Georgios Masouras spielt. Wir werden uns auf dem Feld des Öfteren begegnen und für mich ist es hier besonders wichtig, dass ich die Oberhand behalte.
Andy: Die Niederlage gegen die Bayern sollte euer Selbstvertrauen jetzt auch nicht nachhaltig beeinträchtig haben.
Dimi: Nein, mit Sicherheit nicht. Eher im Gegenteil. Wir haben gegen das wohl beste deutsche Team mithalten und uns unsere Möglichkeiten erarbeiten können. Das bestärkt uns eher noch in unserem Weg.
Andy: Wohin führt euch das Ganze? Bist Du bereit früher aus dem Sommerurlaub zurückzukommen um Qualifikationsspiele für die europäischen Wettbewerbe zu spielen?
Dimi: Wenn es so kommt, wäre es natürlich toll.
Andy: Wie ist es in dieser Saisonphase noch um Europa spielen zu können, anstatt um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen?
Dimi: Es ist immer wichtig, Ziele zu haben. Wir müssen uns auf unsere Leistung in jedem einzelnen Spiel konzentrieren und am Ende der Saison werden wir dann sehen, wofür das reicht.
Andy: Ich drücke auf jeden Fall die Daumen und bedanke mich für deine Zeit.
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