3 Gründe, Geduld mit dieser Mannschaft zu haben

Letzte Woche ist dieser Blog überschwemmt worden. Viele sportlichen Aspekte rund um den FC Augsburg sehen gerade nicht rosig aus. Ich hatte einen Beitrag geschrieben über die Gründe, die in dieser Saison für einen Abstieg sprechen. Noch nie hat ein Beitrag hier eine solch große Leserschaft gefunden. Der positive Beitrag von Sebastian ein paar Tage später, über den besten FCA aller Zeiten, soff dagegen regelrecht ab. Nun fragt man sich als Autor, warum mancher Beitrag so ein Echo hervorruft. Liegt es am Format (3 Gründe, …) ? Liegt es an gewissen Buzzwords (Abstieg)? Ihr seid doch nicht etwa durch das A-Wort so schnell zu triggern? Wir werden es heute testen. Denn unser FCA hat leider gegen Dortmund sich herspielen lassen und ich schreibe erneut einen Beitrag der 3 Gründe beinhalten wird. Mit dem Abstieg hat das heute aber nichts zu tun. Abgestiegen wird regelmäßig erst am Ende der Saison und dafür ist es noch zu früh. Heute erkläre ich euch, warum wir alle mit dieser Mannschaft noch etwas Geduld haben sollten.

1. Der Umbruch

Ein solches Kommen und Gehen wie in dieser Transferperiode hat es in meiner Erinnerung beim FCA in all den Bundesligajahren im Kader noch nicht gegeben. Dazu ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Gerade bei Philipp Max ist in der letzten Woche wieder viel bzgl. eines Abgangs auch per Leihe spekuliert worden. Die letzten Tage wurde ein Abgang von Michael Gregoritsch wieder ins Spiel gebracht. Bei den Zugängen wird es auch noch nicht das Ende gewesen sein. Zumindest auf der Rechtsverteidigerposition erwarte auch ich, dass noch etwas passiert. Ich würde auch gerne noch einen weiteren Innenverteidiger sehen. Von der Startelf des letzten Spieltags in Wolfsburg standen am Samstag gegen Dortmund gerade mal drei Spieler immer noch in der Startelf. Martin Schmidt ist dabei die Mannschaft zu formen. Eine Sommervorbereitung mit andauernden Personalrochaden ist ein kurzer Zeitraum um viel zu erreichen.

Ich habe auch keinen Bock immer den anderen beim Jubeln zuzuschauen! (Foto: AFP)

Auch Markus Weinzierl hat lange gebraucht, bis die Mannschaft konsequent umgesetzt hat, was er von ihr wollte. Durch den Umbruch im Sommer wird Martin Schmidt länger brauchen, bis er Inhalte sinnvoll an die Mannschaft vermitteln kann, die von dieser auch auf dem Feld umgesetzt werden können. Wer das Team in der letzten Rückrunde gesehen hat, wusste allerdings, dass der Umbruch kommen musste. Jetzt müssen wir eben durch diese Phase durch.

2. Die Verletzungssorgen

Die vielen Wechsel in der Startelf waren auch notwendig, da doch immer noch viele sportliche Leistungsträger verletzt aussetzen müssen. Ich würde ja immer hoffen, dass man nach der Sommerpause mit einem vollständig gesunden Kader in die Saison starten kann. Unser Kader sieht – auch durch langwidrige und verschleppte Verletzungen – schlimmer aus als bei vielen Teams im Saisonendspurt. Mit Jeffrey Gouweleeuw, Alfred Finnbogason, Philipp Max, Felix Götze, Raphael Framberger, Iago, Sergio Cordova fehlt eine Spieleranzahl, bei deren Ausfall der FC Bayern München mit seiner derzeitigen Kaderstärke schon nicht mehr spielfähig wäre.

Aber ich glaube daran, dass wir es wieder gemeinsam schaffen können, auch wenn es schwer wird. (Foto: AFP)

Wir verkraften weiterhin den massiven Ausfall von internationalen Nationalspielern und sportlichen Leistungsträgern nicht. Wenn die Verletzten allerdings dann zurück kommen, sollte sich vieles wieder beruhigen. Auch dadurch werden die Leistungen auf dem Platz wieder anders aussehen.

3. Identifikation und Gemeinschaft

Der FC Augsburg wird immer teilweise den Charakter eines Ausbildungsvereins haben. Junge Spieler kommen hoffentlich zu uns, mit der Absicht gut und erfolgreich zu spielen und den nächsten Schritt zu machen. Dies sollte aus meiner Sicht allerdings nicht die prägende Eigenschaft unserer Mannschaft sein. Das Team hat über Jahre gut funktioniert, indem die Spieler eine verschworene Gemeinschaft zum Wohle aller gebildet haben. Dies basierte darauf, dass man auch viel auf erfahrene Spieler gesetzt hat, die bei ihren vorherigen Vereinen unglücklich waren. Diesen fanden in Augsburg einen dauerhaften Hort der Zufriedenheit und Ruhe vor. Sie wurden geschätzt und konnten Verantwortung übernehmen und sind dabei aufgeblüht. Daniel Baier ist das beste Beispiel, der es damals nicht schaffte sich sportlich in Wolfsburg durchzusetzen, und in Augsburg eine Heimat fand. Wir haben uns im Sommer wieder von Spielern getrennt, die ihre persönlichen Interessen vor die des Vereins gestellt haben. Dafür haben wir Spieler wie Florian Niederlechner verpflichtet oder mit Alfred Finnbogason verlängert, für die der Verein mehr als nur eine Durchgangsstation ist.

Dafür ist es allerdings notwendig, dass wir unser Team bestmöglich unterstützen und alle zusammenhalten. (Foto: AFP)

Familiäre Bindung in Augsburg ist wichtig und der Ausbildungscharakter auch nur durch ein starkes Mannschaftsgerüst umsetzbar. Ich hoffe, wir haben in diesem Zusammenhang auch bzgl. Kaderstruktur unsere Lektionen aus den letzten Jahren gelernt. Die Entwicklungen in den letzten Transferperioden deuten stark darauf hin, dass endlich wieder das (hoffentlich bald wieder verschworene) Kollektiv über dem Einzelnen steht. Dieses Kollektiv wird sich finden. Der Gesundungsprozess ist aus meiner Sicht schon deutlich voran geschritten. Aber auch diese zwischenmenschlichen Prozesse brauchen schlicht Zeit.

Der mentale Aspekt

Ich bin ein großer Freund davon, Trainer konstant arbeiten zu lassen, und die Resultate ihrer Arbeit erst nach einer längeren Übergangsphase zu beurteilen. Allerdings spiegelt die Mannschaft auch im generellen Auftritt ihre Führung wieder und nicht nur in den Resultaten. Was mir Sorgen macht sind die teilweise blutleeren Auftritte und – wie es wirkt – der mangelnde Einsatz. Ich befürchte, dass die Probleme in diesem Team über die rein sportlichen Themen ins Mentale hineinreichen. Gegen Dortmund in der zweiten Halbzeit ist die Mannschaft vor allem wieder mental zusammengebrochen. Wenn man nun daherkommt, und dieses Team nach einem Spiel als Söldnertruppe bezeichnet, dann fehlt dem Urteil jegliche Empathie. Als ob viele Spieler nach Augsburg wechseln, um abzukassieren und sich aus der Liga schießen zu lassen. Gerade den jungen Spielern ist bewusst, dass an jeder Karrierestation ihre weitere Entwicklung hängt. Sie sind davon abhängig, sportlichen Erfolg zu haben und der Druck ist immens. Es hilft nichts, hier nun auch noch Vorwürfe zu machen. Es verschärft die Situation sogar noch.

Realistische Erwartungen

Derweil sollte die Erwartungshaltung auf den Rängen eine ganz einfache sein: die Spieler sind uns nichts anderes schuldig, als dass sie ihr bestes geben. Wir unterstützen sie dabei bestmöglich. Wenn es am Ende dann nicht reicht, dann ist das eben so. Mund abwischen, weitermachen. Kopf hoch. Am Samstag kommt mit der Union aus Berlin eine eingespielte Truppe mit dem Rückenwind des Aufstiegs. Es ist leicht die Erwartungshaltung für unsere zusammengewürfelte Truppe jetzt schon ins unermessliche zu steigern, gerade wenn man sich anschaut, gegen wen wir in Kürze noch so ran müssen. Aber vielleicht geben wir der Mannschaft einfach alle mal etwas mehr Zeit. Auch am zweiten Spieltag ist noch niemand abgestiegen und im September kommt die erste Länderspielpause. Meine Erwartungen an die Ergebnisse sind vorher sehr gedämpft. Wenn uns einige der Spieler schon vorher zeigen, warum sie unsere Farben tragen, dann werde ich mich deshalb nicht weniger freuen.

Support von den Rängen

Und warum sollte sich den Union Berlin am Samstag nicht wundern, wo sie denn hier gelandet sind. Es wird Zeit, dass auch von den Rängen wieder der Support kommt, der Gegner nervös werden lässt. Gerade auf Gegentore und andere Rückschläge ist mit Trotz und Aufbäumen zu reagieren. Stille ist vollkommen fehl am Platz. Am Ende soll das Gästeteam ruhig froh sein, dass sie Augsburg wieder verlassen dürfen. Und wir feiern auch dieses Jahr Bundesliga, als ob es unser erstes wäre. Zeit für alle, wieder etwas mehr die Augsburger Mentalität des gallischen Dorfs an den Tag zu legen. Einerseits im etwas lockeren Umgang untereinander, andererseits als verschworene Bande nach außen. Bis jetzt hat dieses gallische Dorf nämlich nichts zum Absteigen gebracht.

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