Katastrophenbericht aus Mainz

Den Saisonstart des FCA durchwachsen zu nennen, wäre vielleicht vor der Partie gegen Mainz 05 noch beschönigend gewesen. Jetzt danach ist es schlciht falsch. Ein komisches Gefühlswirrwarr hatte mich die Tage vor dieser Partie erfasst. Für mich persönlich sollte es die erste Paarung seit langem wieder im Stadion sein und es hatte sich über die Zeit vorher ein gewisses Gefühl der Entwöhnung eingestellt. Ich hatte einerseits privat einiges um die Ohren. Andererseits war das Beobachtete auf dem Rasen nicht dazu geeignet, Euphorie zu entfachen. Mainz zudem ist ein Bundesligastandort, der bei mir kein Event-Feeling aufkommen lässt. Andererseits ist der Stadionbesuch ein Teil meiner Identität und es wurde einfach mal wieder Zeit.

Dabei war die Ausgangslage trügerisch. Mainz wartete auf ein eigenes Erfolgserlebnis. Man könnte aus der Entfernung eine schwächere Phase attestieren. Dennoch hatte sich die Mannschaft der 05er seit der Winterpause der vergangenen Saison prächtig gefunden und in der Rückrunde eine wahre Erfolgsserie hingelegt (und den unmöglichen Klassenerhalt geschafft). Auswärts am Freitagabend: es gibt in der Bundesliga sowohl schwerere als auch einfachere Aufgaben. Nach unserem “durchwachsenen” Saisonstart war eine gesunde Portion Pessimismus daher vollends angebracht. Und dies nicht nur wegen dem kalauer-geprägten Stadionsprecher der Mainzer, dessen Humor sehr unserem Offensivspiel gleicht (gewollt und nicht gekonnt. Hust.)

Sportlich befand sich der FC Augsburg vor der Partie gegen Mainz 05 in einer schwierigen Phase. Die Punkteausbeute zuletzt gegen Bielefeld war ungenügend. So kann keine Ruhe reinkommen. Nun bot sich gegen Mainz 05 die Chance auswärts zu punkten, bevor nach dem Pokalspiel unter der Woche, auch im Heimspiel gegen Stuttgart zählbares herausspringen sollte. Danach wird es gegen Wolfsburg und die Bayern erstmal wieder schwieriger mit realistischen Punkteerwartungen. Um erfolgreicher Fußball zu spielen, bedarf es einiger Verbesserungen. Gegen Mainz sollte es sie nicht geben.

Aktiv und gierig

In die Zweikämpfe kommen. Längere Ballbesitzphasen haben. Die Kontrolle über das Spiel übernehmen. Zumindest hatte sich das Markus Weinzierl so gedacht und in der Pressekonferenz vor dem Spiel kommuniziert.

Zweite Minute direkt ein kleiner Schreckmoment. Ball nach innen zuglassen. Vargas mit dem Ballgewinn nach Mainzer Fehlpass in der vierten Minute war ein Fünkchen Hoffnung bevor die Fassade bröckelte. Mainz mit drei Torabschlüssen in den ersten 7 Minuten. Oxford zu spät im Zweikampf in der 10 Minute am Mittelkreis und direkt mit gelb verwarnt. Ein schwacher unkonzentrierter Start in die Partie und mit Sicherheit erstmal nicht der erhoffte aktive Beginn. Für die Krönung sorgt Robert Gumny, der slapstickartig über den Ball schlug und so den Gegentreffer in Minute 11 erst ermöglicht. Fehler, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen und bestraft werden. Und natürlich ging es viel zu schnell.

Reaktion auf Rückschläge

Was mich sofort danach interessierte: Wie reagierte die Mannschaft? Schon mehrmals in dieser Saison fielen Gegentore in Serie. So auch diesmal. Minute 14 und es geht schon wieder zu leicht. Mainz kommt erneut zum Abschluss. Minute 15 und das 2:0 für Mainz 05 fällt. Vorausgegangen durften sich die Mainzer erneut durch die Augsburger Abwehr kombinieren. Jeff saß zwar zwischenzeitlich auf dem Hosenboden, konnte allerdings nicht klären. Direkt nach dem zweiten Gegentreffer stellte Weinzierl das System um, in dem er André Hahn instruiert und dieser die Kollegen informiert. Trotzdem: keine Besserung in Sicht.

Alles Umstellen hat nichts gebracht. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Die Staffelung mit Caliguiri, Vargas und Cordova offensiv passte in manchen Situationen überhaupt nicht. Und mehr braucht man zum Offensivspiel dann auch nicht zu sagen. Der FCA wirkt zeitweise wie ein Team, das einen neuen Coach bekommen hat und gerade in die Vorbereitung startet. Markus Weinzierl wird auf der Pressekonferenz nach dem Spiel davon sprechen, dass ein anderer Plan fürs Spiel kommuniziert war, als er von den Spielern umgesetzt wurde. Und so ging es munter weiter, zumindest von Mainzer Seite. Oxford lässt Flanken. Gumny lässt einköpfen. Augsburg lässt Mainz das 0:3 machen. Im Gegenzug legt sich Cordova den Ball zu weit vor. In der nächsten Szene lässt sich Gouweleeuw im Mittelfeld den Ball abnehmen. Cali mit dem Ballverlust in der 40. Auch vorher gab es weitere Gelegenheiten für Mainz. Meist reicht ein Pass und die Augsburger Abwehr ist ausgehebelt. Mainz könnte noch deutlicher führen. Die Augsburger Spieler haben sich in die vollständige Passivität verabschiedet und sehnen die Halbzeit herbei.

Über Verantwortung

Der geneigte Leser wird es wissen: meine Anreise ist nicht ganz so weit. Aber selbst ich beginne mich verarscht zu fühlen, bei dem was ich dort sehe. In der zweiten Hälfte kommt Strobl als Mann in der Mitte der 3er Kette für Gumny. Zeqiri darf für Cordova ran. Der Ball läuft auch mal etwas länger in den Augsburger Reihen. Es bleibt absolut harmlos. Gouweleeuw spielt weiter unbedrängt Bälle zur gegnerischen Ecke. Es wirkt, als ob Mainz den Fuß vom Gas genommen hätte. Wir können weiterhin nichts ausrichten. Als Mainz dann doch mal kurz auch aufhört gegen den Ball zu arbeiten, schießt Zeqiri den Ehrentreffer. Mainz stellt direkt den alten Abstand wieder her.

Frustriertes Hinterherschauen (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Und auch heute zeigt sich wieder: am Ende müssen es die Spieler auf dem Platz richten. Die sportliche Verantwortung hat Markus Weinzierl inne. Und heute können wir ganz deutlich sagen: die Honeymoon Phase nach der Rückkehr ist zu Ende. Das ist der schlechteste Fußball, den diese Mannschaft seit langem gespielt hat. Ich zumindest bin bedient.

Wendepunkte

Lange Zeit zum Grübeln bleibt nicht. Am Mittwoch geht es im Pokal nach Bochum. Am folgenden Wochenende kommt der VfB Stuttgart nach Augsburg. Danach wird das Programm wie angesprochen deutlich schwerer. Vor diesen Begegnungen gegen Wolfsburg und die Bayern bráucht es ein Erfolgserlebnis und Bundesligapunkte, sonst ist die erste Krise der Saison da. Wobei man sich an diesem kalten Mainzer Abend fragen muss, ob dieser Begriff nicht jetzt schon angebracht wäre. Ab wie vielen Partien mit mindestens vier gegnerischen Treffern man hiervon sprechen sollte? Oder ist der Gradmesser die Anzahl der Partien ohne mehr als einen eigenen Treffer? Ach, ihr könnt euch eine beliebige statistische Kategorie aussuchen, das Team spielt schlicht schlechten Fußball. Markus Weinzierl pickte sich bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Mainz die Zweikampfquote in der ersten Halbzeit heraus. Und das im Oktober live und in der Kälte mit eigenen Augen zu sehen entlockt mir gerade nur noch lautes Loslachen, nachdem Mainz den Ball in der Endphase neben das leere Tor schießt anstatt hinein und die Mainzer Fans von Augsburg und zweiter Liga singen.

Sportlich und mental braucht es jetzt Ansatzpunkte. Es braucht einen Wendepunkt. Dringend. Und auch wenn mir heute der Glaube dafür fehlt, so ist doch morgen wieder ein neuer Tag. Ach, wie möchte ich dieses Spiel schnell vergessen (getippt, während die Mainzer Fans die Laola-Welle durchs Stadion schicken). Und im DFB-Pokal am Mittwoch weiter kommen. Da ist er wieder der naive Fanglaube. Hoffentlich wie der FCA, einfach nicht unterzukriegen.

Autor: Andy

Wohnt und arbeitet in Frankfurt. Denkt dennoch seit vielen Jahren fast immer an den FCA.

3 Gedanken zu „Katastrophenbericht aus Mainz“

  1. Ich muss dir recht geben, war dass schlechteste Spiel der Saison. Es muss in der Winterpause wass passieren.
    Herr reuter muss gehen
    als Nachfolger würde ich Armin veh verplichten er ist Augsburger und kennt den Verein

    1. Veh wäre der Sargnagel für Augsburg, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Der einzige Grund, warum Veh sich manche wünschen, ist doch das er Augsburg kommt und das kann nicht wirklich ein Grund für einen Job sein und dazu kennt jeder den Verein inzwischen mehr als Veh. Veh kann gerne Ehrenmitglied werden oder in den Aufsichtrat, aber mit Sicherheit in keinen leitenden Job. Dafür fehlt im schlichtweg das allerwichtigste und zwar die Motivation. Er hat es einfach nicht mehr nötig, außer er bekommt viel Geld und muss dafür wenig machen. Jemand der zum FCA kommt, dann muss er für den Job brennen und die Gedanken um den FCA drehen. Veh hat mit dem aktiven Geschäft schon längst abgeschlossen.

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