Wer aus der Mannschaft führt den FCA aus der Krise und in die Zukunft?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Diese Saison gestaltet sich immer schwieriger für den FC Augsburg. Kurz vor der Winterpause hat man seit Jahren zum ersten Mal in Augsburg wieder einen Trainer entlassen. Dirk Schuster wurde vor die Tür gesetzt, weil die sportliche Ausrichtung der Mannschaft nicht mehr mit den Vorstellungen der Geschäftsführung des Clubs übereinstimmte. Mit Manuel Baum kam zwar ein zwischenzeitlicher Aufschwung, aber aus der Abstiegsregion in der Tabelle konnte sich der FCA trotzdem nicht nachhaltig lösen. Mittlerweile ist der FCA vollends im Abstiegskampf angekommen. Einerseits liegt das sicher auch an der grundsätzlich großen Leistungsdichte in der Bundesliga. Andererseits hat sich der FCA für teuer Geld verstärkt und sollte genügend sportliche Qualität haben, um im Mittelfeld der Tabelle mitzuschwimmen, ohne sich allzu viele Sorgen zu machen. Zumindest ist das der Anspruch, wenn man nun doch endlich den Trainer mit der passenden Ausrichtung gefunden haben will.

Dennoch trifft den FCA eine Entwicklung in der Mannschaft besonders hart, die zwar vorhersehbar aber nicht planbar war. Die Mannschaft des FC Augsburg ist über viele Jahre an einem Gerüst gewachsen und dieses Gerüst ist natürlich gealtert und gereift. Letztes Jaht hat man dafür auch endlich mit Marvin Hitz fürs Tor eine sehr gute Konstante gefunden, die auf internationalem Niveau überzeugen kann und eigentlich sehr wenige entscheidende Fehler macht. Außer diesem Stützpfeiler ist aber kaum eine Stütze der Mannschaft mehr verlässlich in dieser Saison verfügbar. Ein nötiger Umbruch wird gerade in dieser Saison schon in ersten Schritten vollzogen. Ragnar Klavan wurde vor der Saison nach Liverpool abgegeben und obwohl man mit Martin Hinteregger einen adäquaten Ersatz gefunden hat, tat sich auf ein Mal an einer anderen Stelle in der Abwehr ein Fragezeichen auf. Paul Verhaegh hat entweder seine erste große Formkrise seit er für den FC Augsburg spielt oder der Leistungsabfall vor dem Karriereende kündigt sich nicht nur an sondern ist schon angekommen. Unser Kapitän, der es in Augsburg zum niederländischen Nationalspieler geschafft hat, spielt in dieser Saison konstant unter seinen Möglichkeiten und es ist nicht genau ersichtlich warum. Gegenüber seinem Gegenpart auf der linken Abwehrseite, Kostas Stafylidis, fällt er von der Leistung her deutlich ab. Hätte sich Raphael Framberger nicht am Knie verletzt, würden wir über diese Personalie im Saisonendspurt wohl noch häufiger diskutieren. In der jetzigen Situation fehlen hier schlichtweg die Alternativen.

Im Mittelfeld ergibt sich leider ein ähnliches Bild. Hier war während der gesamten Bundesligajahre des FCA Daniel Baier Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Ein genialer Fußballspieler, der in der Vergangenheit wohl nur aus Altersgründen von Jogi Löw keine Berücksichtigung für die Nationalmannschaft erfuhr, musste diese Saison nun schon einige Spiele mit Achillesehnenbeschwerden zuschauen. Vor allem im Spiel gegen den Ball ist Baier immer noch ein geschickter Balleroberer, der statistisch in der Bundesliga mit am meisten Pässe abfängt. Seine Erfahrung in der Spielkontrolle kann wohl von keinem anderen Spieler im Kader ersetzt werden. Die Verteidigungsversuche von Moritz Leitner in seinen bisherigen Einsätzen nach seiner Rückkehr zeigen wie hoch die Latte von Baier in der Vergangenheit gelegt wurde. Und so liegt es nicht nur daran, dass Baum seine taktische Ausrichtung und damit einhergehend seine Aufstellung regelmäßig ändert, dass dem FCA in der Zeit nach dem Abgang von Dirk Schuster die defensive Stabilität etwas abhanden gekommen ist.

Dabei sah es in der Defensive lange Zeit noch gut aus, und erst in der Rückrunde sind die riesigen Löcher aufgebrochen. Offensiv sucht der FCA diese Saison insgesamt doch sehr oft nach Lösungen und findet sie zu selten. Auf der 10er Position war über einige Jahre Halil Altintop ein wichtiger Leistungsträger. Altintop wird im Winter 35 Jahre alt und hat für mich mittlerweile am meisten Wert als Joker mit Einfällen von der Bank. Altintop kommt diese Saison auf eine sehr hohe Anzahl von Einsätzen. Er wird noch oft gebraucht, gerade weil in der Offensive viele Spieler mit hoher Qualität verletzt ausfielen. Caiuby, Finnbogason und Bobadilla haben alle mit Verletzungen lange gefehlt oder fehlen noch und diese Ausfälle kann der FCA nicht einfach so auffangen. Und somit ist Dong-Won Ji der Spieler mit den meisten Einsätzen in der Offensive. Er ist zwar mit 3 Toren in der Offensivabteilung einer der besten Torschützen zusammen mit Raul Bobadilla und  (beide hinter Altintop und Stafylidis mit je 4 Treffern) aber trotzdem oft nicht effektiv genug. Insgesamt ist Ja-Cheol Koo wohl in der Offensive noch am ehesten als Stützpfeiler zu bezeichnen. Danach kam bis zur Genesung von Raul Bobadilla lange niemand. Der ist allerdings nicht der typische Führungsspieler. Er geht zwar immer mit vollem Einsatz voran, übernimmt in kritischen Situation allerdings nicht das Kommando und legt den Hebel um. Wer wird das in Zukunft für den FCA machen? Viel wichtiger wohl: wer wird das nun im Abstiegskampf machen? Für diese Saison hoffe ich auf eine dauerhafte Genesung von Daniel Baier und das er uns erneut zum Klassenerhalt führt.  Boba wird hoffentlich die Tore dafür schießen, aber offensiv muss sich ein Leader zeigen. Hat Halil noch genügen Körner im Tank? Danach bin ich gespannt, wie im Sommer der Umbruch auch von Seite des Clubs weiter begleitet wird. Bei Abstieg droht wohl eine heftige Schocktherapie. Es wäre schön, wenn wir diese erneut vermeiden könnten. Dafür müssen die Führungsspieler sich allerdings zeigen und voran gehen.

Wir sitzen in der Scheiße – Zeit den Karren aus dem Dreck zu ziehen

Die englische Woche ist noch nicht ganz vorbei und wir sind vollends im Abstiegskampf angekommen. Nach Debakeln gegen Bayern und Ingolstadt, spielt Ingolstadt am Wochenende gegen Darmstadt und kann bis auf einen Punkt an uns heranrücken. Es droht nicht (wie so lange diese Saison) der Relegationsplatz. Es droht der direkte Abstieg in die Zweitklassigkeit. In einer Saison, in der wir uns lange in Sicherheit gewähnt haben, stecken wir nun mitten in der Scheiße.

Manuel Baum war vor dem Spiel gegen Ingolstadt von unserer Qualität überzeugt. Noch vor dem Spiel gegen Freiburg hat er kundgetan: “Wir sind von unseren eigenen Stärken überzeugt.” Derweil sah die Mannschaft sowohl gegen die Bayern als auch gegen Ingolstadt richtig schlecht aus. Auch Ingolstadt hätte noch deutlicher gewinnen können, hat uns durch doofe eigene Fehler (Rogers Fallrückzieher) wieder ins Spiel gelassen und wir können froh sein, dass das Torverhältnis nicht mehr gelitten hat. Der Trend spricht mittlerweile deutlich gegen uns.

Es wird jetzt Zeit für die Verantwortlichen dies anzuerkennen. Bei Manuel Baum scheint die Erkenntnis noch nicht gereift zu sein, wie schwierig die Situation ist. Angesprochen auf die schlechte Darbietung seiner Mannschaft antwortete er auf SKY: “Die Meinung finde ich schon etwas exklusiv.” Äh, nein. Exklusiv wäre die Darstellung, dass wir gegen Ingolstadt mitgehalten hätten. Defensiv weit weg von früherer Kompaktheit waren wir teilweise überfordert. Das Ergebnis beschönigt doch vieles. Und wenn uns die letzten 15 Minuten positiv stimmen sollen, dann ist das  Augenwischerei. Stefan Reuter sagt dazu: “Wir denken nicht über die 2. Liga nach.” Vielleicht bin ich auch der einzige der dann denkt, dass bei den verantwortlichen Personen der Ernst der Lage öffentlich noch nicht eingestanden wird oder vielleicht auch nicht angekommen ist. Ich fühle mich ehrlich gesagt etwas verarscht. Ich beobachte, wo es uns nächstes Jahr hin verschlagen könnte anstatt im Westfalenstadion zu spielen. In einem ersten Schritt erwarte ich von allen Beteiligten, dass sie sich dem Ernst bewusst werden. Es ist sehr gut möglich, dass wir am 20.05. 17:30 Uhr aus der ersten Liga abgestiegen sind. Wenn wir weiter so spielen wie am Mittwoch, dann haben wir in der ersten Liga auch nichts verloren.

Wenn wir diesen Schritt der Erkenntnis dann endlich hinter uns gebracht haben, dann können wir versuchen alle zusammen den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Der zweite Schritt, nachdem wir die Situation als bedrohlich anerkannt haben, ist, dass sich jeder Beteiligt selbst fragt, ob er bereit ist die Situation anzunehmen. Die Verantwortlichen untereinander müssen klären, ob sie selbst der Situation gewachsen sind. Es wäre keine Schande für Manuel Baum, als Trainerneuling in der ersten Bundesliga, aufzugeben, wenn es uns die Rettung bringt. Es wäre jetzt auch keine Schande einen Psychologen dazu zu ziehen, der mit dem Team arbeitet. Und wir sollten anfangen, unsere jungen Spieler wie Kevin Danso zu schützen, damit diese nicht verbrannt werden. Die Situation erfordert erfahrene Kräfte mit maximaler Einsatzbereitschaft, die mit der Situation umgehen können. An dieser Stelle Hut ab vor Halil Altintop: nach seiner Einwechslung am Mittwoch war er direkt ein Antreiber, hat angefeuert und gepusht. Wir brauchen mehr davon. Ich hoffe jetzt auch, dass sich die Mannschaft zusammenrottet und gemeinsam die Herausforderung angeht. Von Manuel Baum erwarte ich, dass er genau erkennt, wer den Kopf in den Sand steckt und entsprechend aussortiert. Wer aber bereit ist, bis zum Saisonende alles für den Club zu geben, der wird jetzt gebraucht.

Und wenn ich ehrlich bin, dann beunruhigt mich das am meisten. Ist die Mannschaft wirklich bereit alles zu geben, bis zum äußersten? Unsere Topspieler machen einfache Fehler, wie Marwin Hitz beim ersten Gegentor gegen Ingolstadt. Fouls wie das von Ja-Cheol Koo kurz vor der Halbzeit zeigen, dass es um die Nerven nicht gut bestellt ist. Man sieht auch zaghaftes Zweikampfverhalten. Wir brauchen Konzentration, Entschlossenheit und den Willen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, egal was auch passiert. Den seien wir ehrlich, und das gehört zur Erkenntnisphase dazu: die Bayern wollten es beim Stand von 6:0 noch mehr als wir und Ingolstadt wollte es am Mittwoch mehr als wir. Aber wenn wir das ändern, dann haben wir zumindest noch eine Chance. Eine Chance, dass wir am Ende nicht zum ersten Mal aus der ersten Bundesliga absteigen. Wenn wir uns weiter nicht mit der zweiten Liga auseinandersetzen und uns auf unsere Qualität verlassen, dann reicht das nicht aus. Die anderen kämpfen schon um ihr sportliches Überleben und wir lassen uns die Butter vom Brot klauen. Ich werde sauer, wenn ich das nur schreibe. Wir sollten alle sauer werden und endlich die letzten Prozentpunkte herauskitzeln. Zeit, dass wir endlich anfangen ordentlich zu kämpfen und nicht nur Phrasen dreschen. Ich will auf dem Platz sehen, dass wir kämpfen. Es geht um viel. Es geht um die FCA-Familie, es geht um rot, grün und weiß.

Und wenn es dann am Ende doch nicht reicht, dann haben wir es wenigstens versucht. Aber wie sagt man so schön: Wer nicht kämpft, der hat schon verloren.

In eigener Sache: Man habe ich gekotzt gestern. Ich wollte schon zu einer wütenden Tirade ansetzen, gestern Abend direkt. Es hätte nicht gut geendet. Heute mag man mir vorwerfen, dass ich nicht kritisch genug bin. Ich beobachte dennoch genau, wer und was uns aus meiner Sicht in die heutige Situation gebracht hat. Ich glaube aber fest, dass der Patient noch lebt, auch wenn wir kurzfristig künstlich beatmen müssen. In den nächsten Wochen gibt es nur ein Ziel: den Klassenerhalt. Die Scherben können wir auch danach noch aufkehren und die Verantwortlichen benennen. Heute bringt uns dann aus meiner Sicht nicht weiter. 

Es gibt Gründe, warum es für Panik noch zu früh ist

Spektakel hat er uns versprochen, der Manuel Baum. Gut, es ist schon eine Weile her, aber so etwas wie gegen die Bayern gestern hat er damit wohl nicht gemeint. Unsere Mannschaft wurde hergespielt, phasenweise vorgeführt. Es tat weh beim Zuschauen. Es tut heute immer noch weh. Und es ist nicht das erste Mal. Auf Schalke und in Mainz sahen wir auch nicht gut aus, haben es dem Gegner zu einfach gemacht und Punkte leichtfertig abgegeben. Wir werden nach diesem Spieltag auf dem 16. Tabellenplatz, dem Relegationsplatz, stehen und am Mittwoch gegen Ingolstadt geht es um viel. Ingolstadt nochmal selbst rankommen zu lassen wäre fahrlässig und gefährlich. Die Mannschaft muss am Mittwoch eine Reaktion zeigen. Es braucht Feuer, Biss und Kampf. Die Zeichen dafür stehen nicht so schlecht, wie man nach den subjektiven Eindrücken der letzten Wochen urteilen möchte. Zuerst hat die Mannschaft in vielen Partien schon eine tolle Moral gezeigt. In Darmstadt haben wir nach Rückstand noch gewonnen. Zu Hause gegen Freiburg und Leipzig hat zumindest in beiden Partien der Einsatz immer gestimmt. Die Moral der Mannschaft stimmt immer noch, davon bin ich nach diesen Jahren überzeugt.

Nach dem Spiel gestern bin ich allerdings auch auf die Suche nach Statistiken gegangen, die eine Einordnung der Leistungen unter Manuel Baum erlauben. Manuel Baum hat den FCA mittlerweile in 12 Bundesligapartien betreut und eine Tabelle über diese Spiele sieht wie folgt aus:

Platz Team   Spiele Geschossen  Kassiert Differenz Punkte
1 Bayern München (M, P) 12 33 4 29 32
2 TSG Hoffenheim 12 24 12 12 22
3 Borussia Dortmund 12 23 12 11 22
4 Hamburger SV 12 15 20 -5 20
5 RB Leipzig (N) 12 18 16 2 19
6 VfL Wolfsburg 11 11 11 0 19
7 Werder Bremen 12 21 14 7 18
8 FC Schalke 04 12 15 12 3 17
9 Bor. Mönchengladbach 12 16 12 4 17
10 SC Freiburg (N) 12 16 22 -6 16
11 FC Augsburg 12 13 24 -11 15
12 1. FC Köln 12 19 18 1 14
13 Hertha BSC 12 13 19 -6 13
14 1. FSV Mainz 05 11 10 15 -5 12
15 Eintracht Frankfurt 12 7 16 -9 11
16 Bayer 04 Leverkusen 11 16 19 -3 11
17 FC Ingolstadt 04 11 12 18 -6 10
18 SV Darmstadt 98 12 6 24 -18 7

Die Leistungen der Mannschaft unter Manuel Baum sind im Zeitraum seiner Amtszeit sehr schwankend, aber zumindest insgesamt als mittelmäßig zu betrachten. Wir kassieren mittlerweile zu viele Tore (oh Wunder nach gestern), aber dafür sind wir nach vorne etwas gefährlicher geworden. Was sich mittlerweile rächt, ist die schlechte Ausbeute unter Dirk Schuster. Manuel Baum hat in weniger Spielen mehr Punkte geholt. Insgesamt würde ich gerne feststellen, dass wir damit eines der konstanteren Teams in der Liga sind. HSV und Werder Bremen haben beide ihre schlechte Phasen zu Saisonbeginn überwunden, während Köln, Hertha und Frankfurt sich zu großen Teilen auf ihren guten Hinrundenleistungen ausruhen. Wir haben uns etwas gesteigert, wohingegen Manuel Baum nicht der große Heilsbringer ist.

Haben wir das denn erwartet? Ich für meinen Teil möchte dem gerne widersprechen. Von Europa darf man träumen, und ja ich habe nach oben geschaut. Unser wirtschaftlicher Rahmen ist trotzdem immer noch beschränkt, es wird fieberhaft im Umfeld an einer Professionalisierung gearbeitet und wir investieren gerade auch in unsere Jugendspieler. Mit Kevin Danso und Tim Rieder standen gestern wieder zwei unserer Jungs in der ersten 11. Sie haben die wichtige Erfahrung einer Partie gegen Bayern München gemacht und werden sich weiterentwickeln. Ich glaube daran, dass diese Wettkampfpraxis entscheidend weiterbringen wird und dass wir für diese Investitionen, die Manuel Baum gerade verantwortet, mittelfristig belohnt werden. Wenn dann wie in München eine mannschaftliche Struktur verloren geht und die Dämme etwas brechen, dann kann ich damit gut leben. Die Leistungen die unsere Jugendspieler zeigen, entlohnen für so manches Leid und in dieser Hinsicht übertrifft Manuel Baum alle Erwartungen.

Jetzt heißt es für die restlichen Spiele zusammenzustehen. Wenn wir den Trend nur gegenüber einem aus Mainz und Leverkusen fortsetzen, dann reicht es für uns aus eigener Kraft zum Klassenerhalt. Mal wieder. Nur Zweifel sollten wir uns nicht selbst einreden. Dafür sind auch die schlechten Leistungen nicht aussagekräftig genug. Noch nicht. Ich wäre sehr froh, wenn es diese Saison überhaupt nicht soweit kommt.

#egalwasauchpassiert Augsburg hält zusammen

Heimspiel gegen Freiburg. Voller Heimbereich. Beste Stimmung im letzten Heimspiel gegen Leipzig. Abseits des Platzes nichts zu meckern, oder?

Der FC Augsburg hat unter der Woche eine neue Marketingkampagne gestartet. Die letzten 10 Spiele der Saison sollen unter dem Motto “Augsburg hält zusammen” angegangen werden. Das Motto kommt aus der Augsburger Fanszene, die vor dem ersten Heimspiel dieser Saison ein Banner mit diesem Slogan gehisst hatte. Das Banner umfasste allerdings auch einen ersten Teil, der “Egal was auch passiert” lautete. Für das Spiel gegen Freiburg passt das Motto erstmal richtig gut. Der FCA hat die Helfer der Bombenevakuierung von Weihnachten mit Freikarten für das Spiel ausgestattet. Während der Evakuierung hatte der FCA das Stadion für viele Menschen als Zufluchtsort zur Verfügung gestellt. Vorbildlich.

Offizielles Banner des FC Augsburg zur Kampagne

In eigener Sache hatte ich im Blog den Slogan “Augsburg hält zusammen” aufgegriffen und T-Shirts damit in Augsburg produzieren lassen. Diese wirken nun, als ob sie zu dieser Vereinskampagne gehören. Alle Erlöse aus dem T-Shirt Verkauf wurden an Simon gespendet. Wer nun auch so ein T-Shirt haben will, der kann sich kurz unter kontakt@rosenau-gazette.de melden, dann werde ich schauen, was wir da noch machen können. Erlöse gehen natürlich weiterhin an Simon. Bei viel Interesse lassen wir halt nochmal ein Ladung produzieren. 

Dennoch wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen, wohin die Reise dieser Vereinskampagne noch geht. Außer den beiden Bannern, die in diesem Beitrag abgebildet werden, hat der FCA bisher nicht veröffentlicht, was er sich noch unter diesem Motto vorstellt. Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Kampagne längerfristig angelegt und nicht nur kurzfristig im Abstiegskampf genutzt wird. Auf Twitter und auf den Bannern nutzt der FC Augsburg in diesem Zusammenhang #BundesligaGEIL als Hashtag. Was ein Mist. Die zweite Liga ist ja auch eine Bundesliga und um die Ligazugehörigkeit geht es doch gar nicht. Ich war schon in der zweiten Liga da und ich würde bleiben. Klar ist erste Liga toll, aber doch noch lange nicht alles. Ihr kommt mit so was derweil euch die Kurve einen geilen Hashtag geliefert hat? Der Hashtag müsste heißen: #EgalWasAuchPassiert. Oder haben wir mittlerweile aufgehört langfristig zu denken?

Offizielles Banner des FC Augsburg zur Kampagne

Mir wäre zudem wichtig, dass der Verein sich nicht damit zufrieden gibt, aus dem Motto eine reine Marketingkampagne zu machen, sondern selbst wieder mehr überlegt, wie er in der Stadt und Region positiv wirken kann. Walter Seinsch hatte auch immer im Hinterkopf sich gesellschaftlich z.B. gegen das Vergessen zu engagieren. Die Bedeutung dieses Engagements wird vielen vielleicht erst jetzt bewusst. Der FCA war in diesem Zusammenhang nie ein unpolitischer Verein. Und auch wenn sein Engagement in der Endphase der Seinsch Ära teilweise zu skurrilen Situationen geführt, wäre es schön, wenn sich der FC Augsburg wieder proaktiver seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wird. Klar kann man sich an die Kampagne von Andreas Luthe dranhängen, aber da geht doch mehr. Klingt erstmal nicht mehr so #BundesligaGEIL, bildet aber aus meiner Sicht den Kern von “Augsburg hält zusammen”. Und nachdem #BundesligaGEIL bei Twitter schon ordentlich veralbert wird, bleibt zu hoffen, dass die restliche Kampagne nachhaltig Werte schafft. Nicht nur für den Fußball sondern für die ganze Stadt.

Leipzig im Rückspiegel, der Blick geht nach oben

Wellen hatte das Spiel gegen RB Leipzig schon im Vorhinein geschlagen. Ordentliche Wellen. Der FC Augsburg hatte eine Pressemitteilung herausgegeben und ein erhöhtes Sicherheitspersonal und diverse Maßnahmen (Kontrolle von Bannern u.a.) bekannt gegeben. Die Szene Fuggerstadt, der Dachverband der aktiven Fans in Augsburg und nicht wie vielerorts berichtet nur die Ultras, haben mit einer Stellungnahme geantwortet, in der die Maßnahmen als populistisch bezeichnet wurden. Es war von Vertrauensverlust die Rede. Die Augsburger Allgemeine hat direkt vermutet, dass dies dazu führt, dass die Freundschaft zwischen Verein und aktiver Szene beendet scheint. Derweil saßen alle Parteien schon längst wieder an einem Tisch um sich auszutauschen und  der FCA hat noch vor dem Spiel eine weitere Stellungnahme veröffentlicht und vom erfolgreichen Dialog berichtet. Erneut hat es von außen niemand geschafft einen Keil zwischen Fans und Verein zu treiben. Quasi wie in einer guten Ehe.

Im Stadion hat die Nordwand dann vor Spielbeginn eine Choreografie unter dem Motto “Black Friday” aufgeführt. Schwarze Plakate und durchgestrichene Logos wurden hoch gehalten mit der Unterschrift: “DFL, RB und DFB Hand in Hand fahren den Fußball an die Wand”.

Sky hat keine Bilder davon gezeigt. Die Bundesliga übernimmt selbst die Bildregie ab ca. 20:20 Uhr und hat die kritische Choreo in der Bildregie zensiert. Sky hat dann später  im Nachgang zum Spiel darauf verzichtet, auf den friedlichen Protest einzugehen. Objektive Berichterstattung fand in diesem Fall so nicht statt. Etwas zynisch könnte man meinen, dass es für Fans schon Gewalt braucht, bis sich gewisse Medien überhaupt für den Protest interessieren.

Später wurden in der zweiten Halbzeit Banner hochgehalten mit folgendem Text:

Sachliche Kritik ja, aber der Vergleich ist total daneben und unter der Gürtellinie. Sollen die Steineschmeißer relativiert werden? Hat ein Sponsor eine Verantwortung für verunglückte Sportler? Was soll das? Insgesamt war dies rund um das Stadion allerdings der einzige diskussionswürdige Vorfall. Es blieb ansonsten komplett ruhig.

Während der Woche war etwas untergegangen, wie dünn die Personaldecke mit angeschlagenen und verletzten Spielern wie Johnny Schmidt, Alfred Finnbogason, Raul Bobadilla, Jeffrey Gouweleeuw, Daniel Baier und Paul Verhaegh beim FC Augsburg wirklich war. Von den angesprochenen konnte letztendlich nur Raul Bobadilla spielen. Manuel Baum sagte in der Pressekonferenz vor dem Spiel: “Wir haben dann schon noch das ein oder andere Personalrätsel dann zu lösen, wenn die denn dann ausfallen sollten.” Und das tat er dann auch. Raphael Framberger durfte erneut von Beginn an ran, musste später aber leider verletzt raus. Kevin Danso kam zu seinem Debüt. Mit 18 Jahren wurde er jüngster Debütant in der Bundesligageschichte des FCA und lieferte eine tolle Leistung ab. Meine Träume von einer Stammelf waren erneut begraben.

Manuel Baum hatte weiterhin angekündigt: “Ich denke wir sind inhaltlich gut vorbereitet auf dieses Spiel.” Das war der FCA dann auch. Mit einer 3er Kette und einem Fünfermittelfeld und hohem Pressing wollte man die Leipziger zu langen Bällen zwingen, was überwiegend gut funktioniert hat. Die Räume im Zentrum waren meist eng und die Leipziger mussten oft auf die Flügel ausweichen. Nach einem strammen Distanzschuss von Kostas Stafylidis führte der FCA 1:0. Allerdings sollte sich zeigen, dass man die Leipziger nicht über 90 Minuten kontrollieren konnte. Nach einer wunderbaren Angriffskombination, die äußerst schwer zu verteidigen war, kam RBL zum Ausgleich. Das 1:2 fiel dann nach einer Ecke. Leipzig hatte zu diesem Zeitpunkte beste Chancen den dritten Treffer zu erzielen und in Augsburg zu gewinnen. Dennoch kam das Mentalitätsmonster, das der FCA im Moment ist, wieder zurück. Martin Hinteregger lief einen Konter mit, Raul Bobadilla sicherte den Ball in seiner einmaligen Manier und am Ende stand das 2:2 durch Hinteregger. Stafylidis hat dann kurz vor Schluss noch den Pfosten getroffen und die Krönung des Abends verpasst.

Der Abend war trotzdem ein voller Erfolg. Es blieb friedlich und zwischen Verein und Fans ist weiterhin kein Keil zu erkennen. Sportlich war die Leistung zudem ein deutlich Schritt nach vorne, auch mit äußerst dünner Personaldecke. Dazu kamen wieder Spieler aus der eigenen Jugend zum Einsatz und lieferten tolle Leistungen ab. Die Stimmung war großartig und das Augsburger Lechfield war zumindest für ein Spiel wieder zurück. Wer glaubt an diesem Tag nicht, dass wir auf dem richtigen Weg sind? Es macht wieder richtig viel Spaß! Es sind momentan 7 Punkte auf Platz 6. Lasst uns angreifen!

Ihr seid Dosen, wir sind voll

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist aus meiner Sicht seit langem das mit am meisten Spannung erwartete Spiel. Es geht um die Partie gegen RB Leipzig am Freitagabend und die Spannung bezieht sich nicht auf das Geschehen auf dem Rasen. Die Erwartungshaltung an das Spiel auf dem Rasen ist schnell geklärt. Ich erwarte, dass die Mannschaft stabil steht, sich in die Zweikämpfe wirft und Leipzig so gut als möglich Paroli bietet. Auf dieser Basis schauen wir dann einfach, was am Ende dabei herauskommt.

Meine Spannung bezieht sich allerdings auf die Geschehnisse rund ums Stadion. Nachdem was zuletzt in Dortmund passiert ist und nachdem Verhalten einiger Fans gegenüber Georg Teigl in der Hinrunde, hoffe ich, dass unsere Ultras sich nicht bewusst asozial verhalten werden. Zudem bin ich gespannt, wie der FCA insgesamt mit diesem Spiel umgeht. Werden Spruchbänder kontrolliert und evtl. zensiert, um Strafen gegen den Verein zu vermeiden? Vor allem anderen hoffe ich, dass es friedlich bleibt und dass es in keinster Weise zu Zusammenstößen zwischen den Fangruppen kommt. Augsburg Calling geht mal wieder voran und veranstaltet auch gegen Leipzig ein Rahmenprogramm für Heim- und Gästefans.

Derweil bin ich niemand der das Konstrukt RB Leipzig gut heißt oder mit seiner Kritik zurückhaltend ist. RB Leipzig sollte aus diversen Gründen keine Bundesligalizenz erhalten haben. Bei der Durchsetzung der Lizenzauflagen ist die DFL lasch gewesen und hat das Konstrukt durch gewunken. Der Hauptzweck von RB Leipzig ist die Werbung für einen Energiedrink und nicht der Fußballbetrieb. Darin unterscheidet sich RB auch von den Werksclubs in der Liga. Ja, es geht hier um teilweise kleine Unterschiede, aber wo ist die Grenze? Auch ich vertrete die Meinung, dass das Konstrukt RB bewusst über diese Grenze getreten ist. Sie wurden gelassen. Und ja, auch ich erkenne eine gewisse Wagenburgmentalität.

Deshalb wünsche ich mir für das Spiel gegen Leipzig Protest der Augsburger Fans. Lauten, eindrücklichen Protest. Dieser sollte sich dabei allerdings in fairen Grenzen bewegen. Humor wäre auch toll, Hoffenheim hat es vorgemacht. Die Leipziger Fans können nichts dafür, dass ihr Verein ein solche Werbekonstrukt ist. Klar könnten sie sich auch unterklassigen Fußball anschauen. Aber wer will ihnen verwehren, dass sie gerne Bundesliga sehen und erleben wollen. Dazu (und dafür werde ich mir einiges anhören müssen) haben die Leipziger Fans wohl die gleichen Grundsätze, die ich bei mir sehe. Die Leipziger Fans sind eher weniger gewaltbereit und zum Großteil friedlich. Und ich glaube, dass es einige Bemühungen gibt, den Verein aktiv zu supporten und eine entsprechende Fankultur aufzubauen.

Natürlich sind diese Bemühungen von Vereinsseite getrieben. An diesem Punkt sind aus meiner Sicht nun die organisierten Fangruppen anderer Vereine gefordert. Unterhaltet euch darüber, wie ihr euch gegenseitig helfen könnt. Die junge Leipziger Szene könnte von den reichhaltigen Erfahrungen anderer sicher enorm profitieren und wäre dann nicht mehr so abhängig vom Konstrukt RB. Anfeindungen und Hass werden RB und die Fans nur enger zusammenschnüren. Ich glaube nicht, dass schon alle Mittel der Kommunikation erschöpft sind. Vielleicht haben wir einfach bisher nicht das richtige Forum bzw. die richtige Ebene gefunden? Vielleicht bin ich einfach naiv?

Derweil können auch wir in Augsburg noch viel von anderen Vereinen lernen. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Fans sind durch unser eigenes Investorenmodell sehr gering. Immerhin jubeln wir unser eigenen Traditionsmarke zu, aber dennoch können auch wir uns immer noch strukturell verbessern. Ich habe mich erst am Freitag über alternative Fanartikel in Hannover aufklären lassen und festgestellt: Es ist nicht schwer auf Menschen zu zu gehen. Dies ist keine Kapitulation, dies ist erst der Anfang.

Nach Darmstadt mit dem Wunsch nach einer Stammelf

Sieben Spiele unter Manuel Baum stehen mittlerweile in den Büchern. Neben den erfreulichen Ergebnissen vor der Winterpause (Sieg gegen Gladbach, Unentschieden gegen Dortmund), sind nun auch Analysen von Niederlagen gegen Hoffenheim, Mainz und Leverkusen notwendig. Siege gegen Bremen und Wolfsburg stehen positiv in der Bilanz, waren aber teilweise glücklich (v.a. gegen Bremen).

In diesen 7 Spielen hat Manuel Baum genauso viele Spieler eingesetzt, wie Dirk Schuster in den 14 Partien zuvor. Beide Trainer haben insgesamt auf 23 Spieler zurückgegriffen. Das ist in Relation zu den absolvierten Spielen eine enorme Anzahl. Pep Guardiola hat letzte Saison in 34 Spielen 25 Spieler eingesetzt, Thomas Tuchel 26 Spieler. Sowohl Dortmund als auch die Bayern mussten international ran. Markus Weinzierl hat in einer vollen Saison mit Dreifachbelastung in der Bundesliga 27 Spieler eingesetzt.

Regelmäßig die Startelf umzubauen und sie den Gegnern anzupassen, gehört laut Süddeutscher Zeitung zu Baums Prinzipien. Derweil führt die andauernde Rotation zu Problemen, denn Automatismen zwischen Spielern, die sich regelmäßig einstellen, wenn diese dauerhaft miteinander Fußball spielen, stellen sich schwerer ein. Es kommt zu Abstimmungsfehlern und Pannen, die in der Abwehr dann vermehrt zu Gegentoren führen. Diese Probleme tauchen noch häufiger auf, wenn man zusätzlich zur Rotation noch versucht den Spielern neue Spielideen einzutrichtern. Wer die letzten Spielen gesehen hat, der wird zustimmen, dass die Gegentore zu leicht fallen und wir es den Gegnern zu leicht machen.

Deswegen liegt meine Hoffnung gegen Darmstadt darin, dass wir langsam zu einer Stammelf finden, die eingespielt und abgestimmt agiert. Der erste Überraschungsphase nach Baums Übernahme der Mannschaft ist vorbei. Man könnte auch sagen: Honeymoon is over. Die Gegner haben nun auch einige Spiele, an Hand derer sie seine Spielweise analysieren können. Deswegen wird es in den nächsten Spielen wieder wichtiger Fehler zu reduzieren und den Hurrafußball etwas zu beschränken. In diesem Fall bin ich zuversichtlich, dass wir mit der Qualität in der Mannschaft den Trend umkehren können. Dennoch muss Manuel Baum jetzt zeigen, dass er seine Philosophie auch ein wenig über Bord werfen kann, um für Stabilität zu sorgen. Ansonsten haben wir in Augsburg bald die erste Krise in Baums Amtszeit an der Backe. Das wäre dann doch recht schnell gegangen.

Wie der Fußball seine Unschuld verlor

Fußball ist ein Produkt, was sich in den letzten Jahren immer bester Nachfrage erfreut hat. Ausverkaufte Stadien im ganzen Land und die Gesamtzuschauerzahl in der Bundesliga ist nur gesunken, wenn Teams mit großen Stadien (Stuttgart, Hannover) ab- und dafür Teams mit kleinen Stadien (Darmstadt, Ingolstadt) aufgestiegen sind. Bzgl. mancher Vereine ist die Nachfrage weiterhin so groß, dass man ein Abebben des Interesses am Fußball generell nicht an den Zuschauerzahlen erkennen kann. Die Stadien in Dortmund, München oder Schalke sind – zumindest im Moment noch – ausverkauft, egal was passiert.

Derweil sieht das bei kleineren Vereinen anders aus. In Augsburg betrug die Auslastung in der letzten Saison bei Bundesligaspielen 94,7%. Da war generell nicht mehr viel Platz im Stadion. Die Auslastung ist nun gesunken auf 89,1 Prozent in dieser Saison. Der Unterschied mag nun nicht nach viel klingen, aber in dieser Saison waren schon zweimal weniger als 26.000 Zuschauer im Stadion, während das in der letzten Saison nie passiert ist. Der Durchschnitt wird durch die Heimspiele gegen die Bayern und Schalke 04 weiterhin hoch gehalten, die bisher immer ausverkauft waren. Dazu kommt, dass uns ein weiteres Freitagsspiel und das Spiel in der englischen Woche gegen Ingolstadt noch bevorstehen, die beide nicht ausverkauft sein werden.

Aber woran liegt das? Der FC Augsburg hat weiterhin seine sportlich beste Saison mit der Teilnahme an der Europa League hinter sich. Sportlich stehen wir auch jetzt ungefähr auf dem Tabellenplatz, auf dem wir die letzte Saison beendet haben (gerade Platz 13, Ende der letzten Saison Platz 12). Die Augsburger Allgemeine hat schon im Sommer gefragt, ob das Interesse am FC Augsburg geringer wird. Als mögliche Gründe wurden hier das ausgefallene Fanfest, eine unglückliche Außendarstellung und schlicht Langeweile angeführt. Das mag alles seinen Teil beitragen.

Allerdings liegt das Problem für mich tiefer. Der Fußball an sich verliert für mich gerade etwas sehr wichtiges: die Unbeschwertheit. Ich habe kein Problem damit anzuerkennen, dass ich durch die WM 2006 wieder zum Fußball zurückgefunden habe. Wie die WM zu Stande kam, wird hier bewusst nicht behandelt und auch welche Rolle die Fifa generell einnimmt. Dennoch ist 2006 für mich etwas passiert, was für den Fußball aus meiner Sicht sehr wichtig war. Es ist die Freude am Spieltag zurückgekehrt. Die Welt war zu Gast bei Freunden und egal bei welcher Paarung hat man mit wildfremden Menschen ein Fest gefeiert. Dabei sind zwar auch viele Betrunkene unterwegs und es geht ab und an unfreundlich zu, aber das hat mich bisher nicht entscheidend gestört.  Der Eventcharakter hat eben auch beinhaltet, dass ich im Stadion bisher keine Angst hatte und unbeschwert aus dem Alltag ausbrechen konnte. Nach der WM 2006 habe ich zum FCA gefunden und freue mich seitdem auf jedes Spiel im Stadion.

Die Ereignisse in den letzten Wochen werfen hierauf einen Schatten. Welche Ereignisse meine ich konkret:

Und während ich hier sitze, überlege ich mir zwar auch, wie die Spiele am Nachmittag ausgehen werden, hoffe aber hauptsächlich, dass das Ganze mal ein Ende findet. Die Frage ist doch dabei: Wird es das? Aufgelistet sind nur die Ereignisse der letzten beiden Wochen, die ich mitbekommen habe. Viel wurde darüber diskutiert, wie Vereine und Fans dafür bestraft werden, was in diesem Zusammenhang passiert. Wer allerdings über die Bestrafung dieser Sachverhalte nachdenkt, der sollte sich im gleichen Atemzug Gedanken machen, was proaktiv unternommen werden kann, damit so etwas nicht mehr passiert bzw. die Situation nicht weiter eskaliert. Und damit meine ich konkret nicht eine Erhöhung des Polizeiaufgebots und der Ordnerzahl. Dies wäre vergleichbar mit dem Fieberzäpfchen gegen Grippesymptome – es löst das Problem selbst nicht. Wenn ein gewisser Handlungsrahmen in der Umgebung von Fußballspielen regelmäßig verlassen wird, dann wird der Sport etwas von seinem derzeitigen Stellenwert einbüßen. Für mich konkret bedeutet dies, dass ich evtl. weniger Spiele besuche. Ich bin früher regelmäßig alleine auswärts gefahren, weil ich recht isoliert wohne und habe mir kaum Sorgen gemacht. Darüber denke ich mittlerweile öfters nach, v.a. da rund um Augsburger Spiele manchmal nicht viele andere individualreisende, unorganisierte Fans unterwegs sind. Ob ich mir in diesen Situationen vorstellen kann, meine kleine Tochter mitzunehmen? Schwierig.

Deshalb sollten sich Fans und Vereine Gedanken machen, wie sie an der derzeitigen Situation etwas ändern können. Ich will im Hinblick auf die Augsburger Situation ein paar Gedanken und Ideen aufschreiben. In Augsburg bringt dabei Augsburg Calling schon seit längerem regelmäßig die unterschiedlichen Fanlager zusammen. Dennoch könnte und sollte mehr passieren:

  • Rund um das Stadion gibt es kaum mögliche Treffpunkte. Der Neubau auf der Wiese hat (u.a. wie in Mainz oder Gladbach) dazu geführt, dass man direkt ins Stadion geht, um dort im Fanzelt oder Block zusammen zu kommen. Jetzt soll zig Jahre nach Eröffnung eine Fankneipe entstehen. Aber auch das ist noch zu wenig. Der Verein sollte sich auch zusammen mit anderen Akteuren Gedanken machen, wie die Situation um das Stadion herum verbessert werden kann.
  • Im Stadion herrscht dann nämlich strikte Fantrennung. Der Gästeblock ist komplett umzäunt und Heim- und Gastfans treffen nicht aufeinander. Ich halte diese Käfighaltung grundsätzlich für provokant und würde mir wünschen, dass dies nur in besonderen Ausnahmefällen bzw. bei ausgewiesenen Risikospielen der Fall ist. Das Gästefans zusätzlich nur alkoholfreies Bier bekommen führt auch dazu, dass diese vorher stoßbetanken. Ziel nicht erreicht.
  • Ich werde an dieser Stelle nicht müde mich zu wiederholen, dass ich mir die Rückkehr der ermäßigten Tageskarten in Kombination mit scharfen Kontrollen der entsprechenden Berechtigung wünsche. Wenn wir weitere sozial schwächere von den Spielen ausschließen,  dann ist das eine Enttäuschung.
  • Bei den nächsten Marketingbemühungen sollte dann evtl. der Satz “, denn Fußballfreundschaft ist für uns Pflicht.” in den Mittelgrund gerückt werden. Wie beim Grundgesetz, sollte auch bei der Vereinshymne jede Zeile gleichberechtigt neben den anderen stehen. Es wäre eine willkommene Abwechslung zur 37. Trikot-Rabattaktion.
  • Und wenn wir dann schon dabei sind, dann dürfte der Verein gerne selbstständig mehr für die Augsburger tun. Abseits der Interessen eines Wirtschaftsunternehmens sollte sich der Verein langfristig überlegen, wie er seinen Teil zum Augsburger Zusammenleben beitragen kann. Da braucht es erst einen neuen Torhüter in Person von Andreas Luthe der durch seinen Stiftung “In Safe Hands” etwas auf die Beine stellt. T-Shirts in Augsburg produzieren zu lassen anstatt in China wäre ja schon mal ein erster Schritt.

Schlussendlich ist mittlerweile eine Zeit gekommen, in der einem der Gedanke kommen mag, den Fußball etwas zu vernachlässigen. Ich sehe das genau anders herum: es ist die Zeit gekommen, das Engagement noch zu erhöhen und den Fußball nicht den Idioten zu überlassen. Der Fußball hat immer noch sehr viele positive Aspekte, die er in den Menschen hervorbringt. Und wenn ich nächste Woche ins Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor fahre, dann meine ich nur in zweiter Linie die Liebe zum Spiel. Und ich weiß: Wir müssen kämpfen.

Manuel Baum macht sich selbst Druck

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Wenn Trainer neu sind, dann hört man ihnen aufmerksamer zu als im späteren Verlauf ihrer Wirkungsdauer, außer der Trainer heißt Hans Meyer oder Christian Streich. Manuel Baum ist in Augsburg in der Winterpause offiziell vom Interims- zum Cheftrainer aufgestiegen. Seine Gewandheit im Umgang mit der Presse wird sich verbessern. Dennoch interessiert mich gar nicht so sehr, wie er etwas sagt, sondern der Kern seiner Aussagen. Vor dem Spiel gegen Wolfsburg war als Überschrift auf der Internetseite des FCA zu lesen: Baum: “Ziel sind drei Punkte”. Auch vor dem Spiel zu Hause gegen Hoffenheim fand sich dort ein ähnliches Zitat: Baum: “Wollen Punkte hier behalten!”. Nun vor dem Spiel gegen Werder Bremen heißt das Motto “Gegen Werder nachlegen”.

Fußball ist ein ergebnisorientierter Sport. Dirk Schuster hat in der Hinrunde Ergebnisse abgeliefert und z.B. in Bremen gewonnen. Die Art und Weise hat am Ende dazu geführt, dass er vom FCA rausgeschmissen wurde. Die Verantwortlichen haben laut den offiziellen Aussagen die Fußballphilosophie des Vereins nicht mehr erkannt und daher den Wechsel herbeigeführt. In den ersten Aussagen vom neuen Cheftrainer Manuel Baum nach der Winterpause geht es nun nicht so sehr um die Fußballphilosophie. Manuel Baum scheint auch kein Trainer zu sein, der damit hausieren geht, was er analysiert und wie er manche Dinge auf dem Platz umsetzen will. Er will auch für die Gegner des FCA möglichst schwer durchschaubar bleiben.

Dennoch tut er sich mit den obigen Überschriften keinen Gefallen.  In der Pressekonferenz vor dem Bremen-Spiel wurde einmalig erwähnt, dass man die spielerische Klasse nun auch zu Hause auf den Platz bringen will, während die “3 Punkte” unzählige Male auftauchten. Er könnte anstatt dessen genau so gut sagen: “Wir wollen mutig spielen, offensiv deutlich Akzente setzen, über 90 Minuten dem Gegner Paroli bieten. Es soll eine Weiterentwicklung erkennbar sein.” Das würde doch vollkommen ausreichen, obwohl ich mir selbst wünschen würde, er würde dies spezifizieren. Wenn man die sportlichen Herangehensweisen von Dirk Schuster und Manuel Baum vergleicht, dann stellt Manuel Baums Philosophie keinen einfachen Wechsel dar. Spieler müssen neues Wissen aufnehmen und auf dem Platz umsetzen, konsistent ohne spielentscheidende Fehler zu machen. Die ersten Ergebnisse vor der Winterpause waren zwar schmeichelhaft, aber eine solche Entwicklung braucht Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Warum setzt er sich diesem Ergebnisdruck aus?

Gegen Hoffenheim hat die Mannschaft eine Halbzeit gut gespielt und wurde danach von Hoffenheim abgekocht. Was hängen bleibt ist, dass Baum ein Spektakel versprochen (“Lohnt sich, ins Stadion zu kommen”) und nicht abgeliefert hat. Die Punkte gingen nach Hoffenheim. Nun nach dem Wolfsburgspiel, bei dem der FCA auf viele Stammkräfte verzichten musste, und trotzdem gewinnen konnte, mag die Situation harmlos wirken. Aber die Erwartungshaltung vor dem Spiel gegen Bremen steigt nun und es wird auch wieder Phasen geben, in denen die Ergebnisse ausbleiben.

Dabei kann Manuel Baum das Ergebnis auf dem Platz am Ende nur schwerlich beeinflussen. Es kommt auf die Spieler an, die seine Strategie umsetzen müssen. Selbst erfahrene Cheftrainer wie Carlo Ancelotti sehen den Fokus ihrer Arbeit im Training unter der Woche. Es ist ihm zu raten, dass er sich selbst nicht zu sehr unter Ergebnisdruck setzt. Hoffentlich wird ihm dieser Druck auch nicht intern von den Verantwortlichen gemacht. Denn was wirklich zählt ist, wie sich die Mannschaft sportlich weiterentwickelt. Kann er den Profis etwas beibringen? Spielen Sie besseren Fußball? Es sieht momentan noch gut aus. Sollte es eine Welle der Anfangseuphorie geben, so frage ich mich, wann diese Honeymoon Phase zu Ende geht. Sieg oder Niederlage hängen am Wochenende von sehr vielen Faktoren ab. Wenn die Spieler sich den Arsch aufreißen und Verbesserungen zu sehen sind, dann sollten wir in Augsburg alle ruhig bleiben. Zuallererst Manuel Baum selbst. Die Lehre aus der Verpflichtung von Dirk Schuster sollte doch wohl sein, nicht zu allererst den Fokus auf die Ergebnisse zu legen. Auch nicht, wenn es gerade ganz gut läuft. Oder haben wir nichts gelernt?

Frambos Bedeutung für den FCA

Wer hätte damit noch gerechnet? Im 188. Ligaspiel in der ersten Bundesliga unseres Vereins läuft zum ersten Mal ein Spieler aus der eigenen Jugend von Beginn an auf. Raphael Framberger fiel diese Rolle nun zu, nachdem der etatmäßige Rechtsverteidiger des FC Augsburg Paul Verhaegh krankheitsbedingt in Wolfsburg nicht einsetzbar war. Manuel Baum hatte den Mut ihm zu vertrauen anstatt Markus Feulner oder Georg Teigl aufzustellen. Am Tag danach heißt es durchatmen, denn – Debüt hin oder her – Framberger ließ sich nicht beeindrucken und spielte eine starke Partie. Zwar führte ein Freistoß nach einem Foul von ihm zum Gegentor, aber in der 38. Minute rettete er großartig nach einem Ballverlust von Jan Morávek und bereitete zudem später noch das Siegtor vor. Sein Auftritt war gekennzeichnet von Selbstbewusstsein und sein Vorstoß vor dem Siegtreffer, war nicht der einzige an diesem Nachmittag. Zeichnet sich nun eine Kehrtwende beim FCA in Bezug auf den Einsatz eigener Jugendspieler ab?

Während der FCA Jugendspieler vor allem wegen der Vorgaben der DFL zu sog. “Local Players” mit Profiverträgen ausstatten muss, war bis vor kurzem klar, dass diese bei den Profis trotzdem nicht zum Zuge kommen. Der FCA muss mindestens vier Spieler im Profikader führen, die für mindestens drei Spielzeiten im Alter zwischen 15 und 21 in den eigenen Jugendmannschaften gespielt haben. Markus Weinzierl hatte aber erst im Herbst 2015 noch geurteilt: “Die Jungs sind engagiert, aber es ist nicht nur ein Schritt, sondern zwei, drei Schritte”. Unter Markus Weinzierl kam dann auch in der Europacup-Saison und mit großen Verletzungsproblemen kein Spieler aus der eigenen Jugend zu Einsätzen. Den Jugendspielern wurde von Weinzierl offensichtlich nichts zugetraut.

Das hatte sich schon unter Dirk Schuster geändert, unter dem auch Julian Günther-Schmidt zu Jokereinsätzen kam. Dass es nun dennoch Raphael Framberger ist, der als erstes nach über 5,5 Jahren in der ersten Bundesliga von Beginn an ran darf, ist zumindest ein kleines Wunder. Framberger wechselte im Alter von 8 Jahren zum FCA, als dieser 2004 noch selbst in der Regionalliga spielte. In den letzten 10,5 Jahren hat er viele Jugendmannschaften des FCA durchlaufen und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Eigengewächs. Schon in seiner ersten U23-Saison 2014/15 hatte er einige Kadernominierungen bei den Profis, kam aber nicht zum Einsatz, bevor ihn dann ein Kreuzbandriss lange komplett außer Gefecht setzte. Jetzt ist er wieder zurück. Zwei Einsätzen vor der Winterpause bei der U23 folgte am Samstag direkt mit der ersten Kadernominierung der Startelfeinsatz bei den Profis.

Dieser Moment reiht sich für mich persönlich in eine Kette der ersten Male beim FCA ein, die aus immer mehr positiven Momenten besteht. Ich denke in diesem Zusammenhang gerne an den ersten Bundesligasieg in Mainz durch einen Elfmeter von Jan-Ingwer Callsen-Bracker, den zweiten Klassenerhalt durch den gehaltenen Elfmeter von Alex Manninger im Jahr 1 unter Weinzierl, den ersten Sieg gegen die Bayern nachdem Daniel Baier Mitchell Weiser düpiert hatte und Sascha Mölders auflegte, und den Einzug in den Europacup, nachdem auch wieder Sascha Mölders, den Schlusspunkt gesetzt hatte. Diese Liste ist nicht abschließend und ja, Raphael Framberger reiht sich nun in diese Liste ein. Andere Jugendspieler können zu ihm hochschauen und sehen, dass es klappen kann. Er ist seit gestern ein Leuchtturm für die Jugendarbeit des FCA.

Es bleibt zu beobachten, ob sich in dieser Hinsicht grundsätzlich etwas ändern wird. Der Abgang von Daniel Opare im Winter und der Einsatz von Raphael Framberger sind erste gute Anzeichen. Die Vertragsverlängerung von Christoph Janker könnte dem entgegen stehen. Mit Manuel Baum als Cheftrainer ist jemand verantwortlich, der die Jugendspieler kennt wie kein anderer, da er die letzten 2,5 Jahre die Jugendarbeit koordiniert hat. Eine einheitliche Spielphilosophie sollte zudem dazu führen, dass Jugendspieler besser bei den Profis integriert werden können. Ob sich Stefan Reuter und die weiteren Verantwortlichen bei der Kaderplanung davon beeinflussen lassen, bleibt abzuwarten. Wenn trotz der Verletzungssorgen im Sturm jetzt in der Winterpause kein weiterer Stürmer kommt, dann sollte dies zudem weitere Möglichkeiten für unsere Jugendspieler bedeuten und wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Aber für heute stärkt Raphael Frambergers Einsatz den Glauben daran, dass es klappen kann. Darauf können wir heute alle anstoßen und dann geduldig und in Ruhe weiter arbeiten (Übersetzung für Hr. Reuter: Frambergers Vertrag verlängern).