Kaderanalyse Teil 2: Das Mittelfeld

Im zweiten Teil unserer Kaderanalyse vor der Bundesligasaison 2017/18 wollen wir uns das Mittelfeld des FC Augsburg etwas genauer anschauen. Die Positionsgruppe umfasst zum jetzigen Zeitpunkt 12 Spieler für 4 Positionen. Die Position der hängenden Spitze hatten wir im Vorgang schon bei der Kaderanalyse zum Sturm mit behandelt. Dies ist taktisch wohl auch einer der interessantesten Unterschiede zwischen Markus Weinzierl und Manuel Baum. Baum hat in der Vergangenheit schon mit 2 Stürmern experimentiert und besetzt die Position tendenziell offensiver. Es ist handelt sich damit um eine hängende Spitze, die im Zentrum in die Räume vor stößt, die durch den „echten“ Stürmer frei gezogen werden. Bei Weinzierl war die Position zumeist mit einem offensiven, spielgestaltenden Mittelfeldspieler besetzt, dessen Handlungsfeld etwas zurückgezogener angesiedelt war. Regie führt auf dieser Position in Augsburg niemand mehr, da grundsätzlich schneller umgeschaltet und nicht verwaltet werden soll. Eine Position weniger, die wir hier nun heute betrachten.

Leistung in der letzten Saison

Am Mittelfeld kann man wohl wie an keiner anderen Positionsgruppe der Saisonverlauf im letzten Jahr abgelesen werden. Dem Augsburger Spiel fehlten die Konstanten. Daniel Baier mit 27 und Dominik Kohr mit 25 Einsätzen stechen hier noch hervor und katastrophal waren die Leistungen erst, als Baier verletzt fehlte. Auf den Außenbahnen verdiente sich die Saison dann ihren Untertitel „Enttäuschte Hoffnungen“. Rechts außen wurde als Nachfolger von Alex Esswein Jonathan Schmid verpflichtet. Man hoffte, dass er an seine Freiburger Leistungen anknüpfen möge. Schmid ließ offensiv wie defensiv Bundesligaqualität vermissen und ließ erst gegen Ende der Saison in kurzen Phasen sein Können aufblitzen. 25 Einsätzen steht ein mageres Törchen gegenüber, auf einer Position, auf der uns André Hahn und Raul Bobadilla in den vergangenen Jahren regelmäßig zum Juchzen gebracht haben. Links außen war es allerdings noch schlimmer. Nachdem sich Caiuby verletzt hatte – und ich bin angesichts seines Defensivverhaltens immer noch kein Fan – war die linke offensive Seite im Jahr nach Tobi Werners Abgang lange Zeit komplett verwaist. Takashi Usami konnte sich körperlich während seiner Einsätze regelmäßig nicht behaupten und auch Dong-Won ji blieb blass, wenn er außen auf Grund mangelnder Alternativen aushelfen musste. Erst als spät in der Saison Philipp Max links offensiv ran durfte, führte dies zu Belebung. Insgesamt, war der FCA auf dieser Position im letzten Jahr durchweg nicht bundesligatauglich.

Abgänge

Marco Schuster hatte beim FC Augsburg einen Profivertrag bekommen, um die Local Player Vorgaben der DFL einzuhalten. Zum Zuge kam er im Profiteam nie und so können wir seinen Abschied an dieser Stelle zügig abhaken.

Das lässt uns etwas mehr Platz um ein Tränchen für #HardKohr zu verdrücken. Dominik Kohr hat sich während seiner Leihe aus Leverkusen und nach seinem festen Wechsel zu einem Bundesligastammspieler entwickelt. In seinen 99 Bundesligaspielen hat er 36 gelbe Karten gesammelt, was für einen Spieler im Alter von 23 Jahren außergewöhnlich ist. Seine herausstechende Eigenschaft ist seine Aggressivität, die ihn außergewöhnlich macht. Gegen den Ball ist er ein ungemein widerspenstiger Gegenspieler. Mit dem Ball hat er zuletzt an Torgefährlichkeit gewonnen. Nachdem bekannt wurde, dass Bayer 04 Leverkusen ein Rückkaufsrecht besitzt, war auch klar, warum der Transfer im Vorsommer überhaupt so reibungslos geklappt hat. Er wird bei uns auf der Position neben Daniel Baier im Mittelfeld eine große Lücke hinterlassen. Ich bin vor allem gespannt, wer das „Feuer“ ins Spiel bringt, wenn es bei Zeiten notwendig wird. Wer macht in Zukunft die „Drecksarbeit“ für den FCA?

Markus Feulner kommt hierfür in dieser Saison auch nicht mehr in Frage. Feulner, lange Allzweckwaffe in Augsburg, geriet in der letzten Saison etwas aufs Abstellgleis. Das Ende mit dem Bundesligafußball in Augsburg ist dennoch versöhnlich. Feulner hat sich nach seinem Vertragsende der U23 des FCA angeschlossen und wird perspektivisch eine Trainerkarriere anstreben. In den FCA-Jugendmannschaften kann seine Erfahrung sicher nicht schaden.

Zugänge

Für die Position von Dominik Kohr wurde Rani Khedira von RB Leipzig ablösefrei verpflichtet. Er verkündete vollmundig, dass er für mehr Spielzeit auch auf Gehalt verzichtet. Er kam in Leipzig in den letzten Jahren wenig zum Zug und es wird sich nun zeigen, ob er das Zeug zum Bundesligaspieler hat. In Leipzig war die Konkurrenz im Mittelfeld enorm. Leipzig wollte zwar mit ihm verlängern, aber Khedira sah wohl trotz Dreifachbelastung nur begrenzte Perspektiven. Die Lücke von Dominik Kohr ist eine große und ich bin mir nicht sicher, ob wir auf dieser Position nicht insgesamt an Qualität verloren haben.

Auf den offensiven Außen kam Eric Thommy aus Regensburg nach seiner Leihe zurück. Er hatte mit Regensburg den Aufstieg von der dritten in die zweite Liga geschafft und war einer der stärksten Spieler der Liga. In Magdeburg fürchtet man sich noch immer, nachdem er für die 3. Liga wohl im letzten Jahr schlicht überqualifiziert war. Auf den offensiven Außenbahnen ist er neben Marcel Heller und Sergio Córdova der dritte Neuzugang. Heller ist ein Routinier, der immer noch mit seiner Schnelligkeit besticht. Für Darmstadt war er während der zwei Bundesligajahre ein absoluter Leistungsträger. Er ist zudem ein engagierter Kämpfer, der auch selbst im ABschluss glänzen kann. Córdova ist in der Gruppe der Joker. Der venezuelanische Jugendnationalspieler braucht Zeit, um sich an den europäischen Clubfußball zu gewöhnen. Auf Grund von Trainingsvideos wird allerdings schnell klar, dass wir uns einen athletischen, hochtalentierten Spieler gesichert haben. Hier stellt sich nur die Frage, wann er uns helfen kann.

Prognose für die kommende Saison

Die Saison wird in ihrem Fundament stehen und fallen mit den Impulsen, die Daniel Baier immer noch geben kann. Baier war über Jahre einer der Dauerrenner des FCA. In den letzten Jahre musste er auf Grund von Verletzungen immer wieder aussetzen. Trotz der großen Anzahl von Mittelfeldspielern im Kader gibt es für Baier keinen adäquaten Ersatz. Nach den Abgängen von Paul Verhaegh und Halil Altintop wird zudem ein größerer Anteil an Führungsaufgaben auf seinen Schultern lasten. Kann Daniel Baier erneut die Basis für den Klassenerhalt legen?

Wenn der Klassenerhalt etwas frühzeitiger gesichert werden soll, dann müssen wir über die offensiven Außen Torgefahr erzeugen und defensiv die Außenverteidiger entlasten. Marcel Heller könnte hier für wichtige Impulse sorgen und die Zeit überbrücken, bis Sergio Córdova sich eingefunden hat. Vielleicht schafft auch Erik Thommy den Sprung und kann mehr beisteuern, als nur ein paar Standards in der Schlussphase einiger Spiele. Er scheint zumindest Takashi Usami auf seiner Position überholt zu haben, der beim letzten Vorbereitungsspiel gegen den PSV Eindhoven nicht mal mehr im Kader stand. Dieses Testspiel könnte auch direkt die Chancen für Thommy verbessert haben, da sich Caiuby mit einem Muskelfaserriss vorerst verletzt abgemeldet kann. Bekommt Thommy direkt die Chance und kann sich beweisen?

Auch für Überraschungen bietet der Kader genügend Potential. Bleibt Jan Morávek gesund und kann endlich dauerhaft Impulse liefern? Kommt Moritz Leitner endlich in Augsburg an und kann sportlich etwas beitragen? Die Erfahrung lehrt: Es ist von beidem nicht auszugehen. Jedoch hat Manuel Baum deutlich mehr Alternativen zur Verfügung als im letzten Jahr und auch die Automatismen sollten langsam besser greifen. Im Mittelfeld zeigt die Tendenz dann doch deutlich nach oben.