Highlight des Jahres: die Jugendspieler des FCA

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die Fußballsaison 2016/17 ist zu Ende. Im Rückblick gilt es auch zu würdigen, was in der abgelaufenen Saison wirklich gut gelaufen ist. Hierbei stechen beim FCA die vielen Einsätze der eigenen Jugendspieler hervor. Auch in den Vorjahren kam es immer wieder zu Kadernominierungen, aber Markus Weinzierl hatte noch im Herbst 2015 verkündet. dass den eigenen Talenten noch „zwei, drei Schritte“ zu den Profis fehlten. Der Abstand ist auf jeden Fall deutlich geringer geworden und Kevin Danso und Kollegen scheinen gerade auf der Überholspur so manchen gestandenen Profi anzugrinsen. Und während unter Weinzierl auch in den schlimmsten Verletzungskrisen keiner der Jugendspieler zum Einsatz kam, war dies erst unter Dirk Schuster und später unter Manuel Baum anders. Am Ende der Saison standen die folgenden statistischen Werte:

  • Kevin Danso (7 Einsätze, 612 Minuten, 6 volle Partien, einmal ausgewechselt, 55% Zweikampfquote, 72% Passquote, 1 Assist)
  • Tim Rieder (5 Einsätze. 216 Minuten, 2 volle Partien, 3 mal eingewechselt, 62% Zweikampfquote, 78% Passquote)
  • Julian Günther-Schmidt (4 Einsätze, 46 Minuten, viermal eingewechselt, 37% Zweikampfquote, 79% Passquote)
  • Raphael Framberger (3 Einsätze, 142 Minuten, 1 volle Partie, einmal ein- und einmal ausgewechselt, 64% Zweikampfquote, 73% Passquote, 1 Assist)

Bei Framberger hätte es wahrscheinlich noch zu weiteren Einsätzen gelangt, wäre ihm nicht eine Verletzung dazwischen gekommen.

Im Vergleich mit anderen Bundesligavereinen weiß man die Leistung insgesamt allerdings kaum einzuschätzen. Aus der Vergangenheit habe ich Erfahrungswerte gefunden. Mit vier Spielern aus der eigenen Jugend nimmt man schon einen respektablen Mittelfeldplatz in der Bundesliga ein. Vier Debüts sind dabei noch seltener. Die Eigengewächs-Statistik von Transfermarkt.de gibt weitere Aufschlüsse. Allerdings kann auch hier nicht nach Debütanten gefiltert werden. Mit 5-7 Spielern aus dem eigenen Nachwuchs im Kader der Bundesligamannschaft liegt man hier allerdings schon im sehr guten Mittelfeld. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Die Perspektiven der einzelnen Spieler sind dabei hoffnungsvoll. Außer Julian Günther-Schmidt haben alle Profiverträge unterschrieben oder verlängert.

Kevin Danso wird auch weiterhin in der Innenverteidigung seine Chancen bekommen. Er ist wohl das Juwel in der Gruppe und wurde erst unlängst für die österreichische A-Nationalmannschaft nominiert. Bei ihm heißt es eher, den Fuß vom Gas zu nehmen und ihm die Zeit für seine Entwicklung einzuräumen, die er benötigt. Dann könnten wir an ihm noch länger viel Spaß haben.

Tim Rieders Einsatzchancen werden durch den Transfer von Dominik Kohr momentan auch nicht geringer. In der Rückrunde hatte er schon regelmäßig Moritz Leitner ausgestochen. Seine Athletik und körperliche Spielweise sind ihm dabei sehr hilfreich. Er ist in den Zweikämpfen sehr präsent und setzt immer wieder Zeichen im Spiel gegen den Ball. Offensiv im Spielaufbau muss er sich weiterentwickeln und mehr Akzente setzen. Nicht mehr blutjung wird es Zeit, dass er sich in der ersten Bundesliga festbeißt. Die Chance wird er auch in der neuen Saison wieder bekommen.

Wie steht es um die Zukunft von Julian Günther-Schmidt? Der einzige aus dem Gespann, der bisher nur mit einem Vertrag für die U23 ausgestattet ist, auch weil ein Vertrag für ihn die Local Player Erfordernisse nicht erfüllen würde. Günther-Schmidt kam erst vor zwei Jahren aus Ingolstadt und wurde nicht in Augsburg ausgebildet. Man stelle sich vor, er hätte am achten Spieltag seine große Chance gegen Freiburg genutzt und den Ausgleich gemacht. Günther-Schmidt hat mir gut gefallen und auch gegen Frankfurt während seines kurzen Einsatzes Akzente gesetzt. Ich würde gerne mehr sehen.

Raphael Framberger hat Manuel Baum eine der schwersten personellen Entscheidungen in der Rückrunde erspart. Gegen Wolfsburg überzeugte er am 18. Spieltag vollständig und auch gegen Leipzig zeigte er am 23. Spieltag bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung eine sehr solide Leistung. Mehr als wir in vielen Spielen in dieser Saison von Paul Verhaegh gesehen haben. Hätte der Kapitän gewackelt? Sportliche Argumente hätte es gegeben und es wird spannend, wenn Framberger im Sommer unter Vollbesitz seiner Kräfte erneut angreifen kann. Die große Frage wird sein, ob er fit bleiben kann. Ich wünsche es ihm!

Schon in der Jugend wird die Konkurrenzsituation immer schärfer. Die besten werden sich durchsetzen und nachdem Manuel Baum viele der Spieler aus seiner Zeit als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums gut kennt, ergeben sich für manchen weitere Chancen. Marco Richter, der bisher nicht zum Einsatz kam, wurde auch mit einem Profivertrag ausgestattet und hat in der U23 regelmäßig sein Potential gezeigt. Die langfristigen Investitionen in die Jugend scheinen sich nun nach sechs Jahren in der Bundesliga langsam auszuzahlen. Das sollte jeden FCA Fan hoffnungsfroh stimmen, denn es hilft uns langfristig zu anderen Bundesligaclubs aufzuschließen. Derweil ist uns die Konkurrenz schon vorher nicht mehr losgeworden. Es wird für die anderen Vereine mitnichten leichter werden, wenn wir – anstatt fette Transferausgaben zu haben – auf Jungs auf der eigenen Jugend bauen können.

Auf der Suche nach Konstanz

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

4:0 zu Hause gegen den HSV. Ich gebe zu, ich hätte es vor diesem Spieltag nicht für möglich gehalten. Ich hätte nie vermutet, dass wir vier Tore schießen. Ohne Gegentor zu bleiben ist an dem Resultat noch das wahrscheinlichste der unwahrscheinlichen Ereignisse. Derweil, habe ich mich an Rückstände gewöhnt und an Tore nach Standardsituationen. Abgestellt. Auf einmal. Am allermeisten hat mich allerdings fasziniert, wie wir auf einmal über die Flügel Torgefahr ausgestrahlt haben. Dies ist uns bisher in dieser Saison noch nie gelungen. Sowohl Jonathan Schmid als auch Philipp Max spielten gegen den HSV so gut wie nie zuvor im Trikot des FCA. Jonathan Schmid hat Matthias Ostrzolek teilweise wie einen Schulbuben aussehen lassen. Das tat gut.

Der Statistikdienst Goalimpact hat im Nachgang ausgerechnet, dass nur noch eine ca. 10%ige Chance besteht, dass der FCA auf dem Relagtionsplatz landet. Die Chance des Direktabstiegs ist auf unter 2% gesunken. Dies ist ein deutlicher Rückgang von vorher 24 und 9 Prozent. Der Sieg gegen den HSV war ein richtiger Big Point und die Art und Weise macht Hoffnung. Dennoch hat es das Restprogramm mit Spielen gegen Gladbach, Dortmund und Hoffenheim weiter in sich. Tobias Escher, einer der angesehensten Taktikexperten des Landes, macht dieses Restprogramm in einer Analyse der Abstiegskandidaten dafür verantwortlich, dass wir immer noch ein realistischer Kandidat für den Relegationsplatz sind. Aus seiner Sicht liegt das vor allem daran, dass uns die Gegner nicht liegen und unsere Schwächen hinter der ersten Pressingreihe ausnutzen könnten.

Derweil habe ich seit Sonntag wieder die feste Überzeugung, dass wir – schwere Gegner hin oder her – selbst den direkten Klassenerhalt schaffen können. Dafür müssen wir nun allerdings einen weiteren Schalter umlegen: Wir brauchen Konstanz und müssen die Leistung vom Wochenende in den letzten drei Saisonspielen wiederholt abrufen. Und mit der Konstanz ist es in dieser Saison ja nicht besonders weit her. Nach dem hoffnungsvollen Spiel zu Hause gegen Leipzig sind wir auswärts zerlegt worden. Nach dem Sieg gegen Köln sind wir in Frankfurt in der Schlussphase auseinander gebrochen. Konstanz geht uns diese Saison ab. Darum können wir immer noch nicht mit Sicherheit für die nächste Saison in der ersten Bundesliga planen.

Mich stimmt positiv, dass sich am Sonntag niemand verletzt hat und immer mehr Spieler immer fitter werden. Es hilft, dass wir seit Sonntag wissen, was diese Mannschaft leisten kann. Alfred Finnbogason sah am Sonntag schon stark verbessert aus und scheint langsam seine Form zu finden. Raul Bobadilla konnte zumindest schon wieder kurz mit angreifen. Auch Jeffrey Gouweleeuw und Kostas Stafylidis sind defensiv deutliche Verstärkungen. Manuel Baum scheint langsam sein Personalpuzzle gelöst zu haben und spielerische Automatismen können im Endspurt nur hilfreich sein. Ich bin gespannt, ob wir endlich eine Stammformation gefunden haben. Auf dem Weg zur Konstanz würde ich mir dies wünschen.

Wenn es nach mir geht, können wir den Abstiegskampf am Samstag dann auch beenden. Unterstützt von vielen Fans, die mit dem Sonderzug nach Gladbach fahren, sollten wir eines der wenigen Teams, das wir in der Hinrunde schon geschlagen haben erneut schlagen. Und auch wenn uns Gladbach taktisch nicht liegen mag, so gibt es sehr wohl positive Erinnerungen an diesen Gegner über den Hinspielsieg hinaus. Vor knapp zwei Jahren hat Sascha Mölders in der fünften Minute der Nachspielzeit gegen Gladbach den Deckel auf unsere erste Europa League Teilnahme gesetzt. Wenn wir am Samstag in Gladbach den fast sicheren Nichtabstieg besiegeln würden, wäre die Freude zumindest bei mir ähnlich groß. Das Resultat bei mir wäre konstante Erleichterung. Nach dem Spiel gegen den HSV haben wir die Chance, die Saison positiv zu Ende zu bringen. Spielerisch stark und mit Optimismus für die neue Saison. Denn auch dann wollen wir – konstant – weiter in der ersten Bundesliga mitspielen.

Wer aus der Mannschaft führt den FCA aus der Krise und in die Zukunft?

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Diese Saison gestaltet sich immer schwieriger für den FC Augsburg. Kurz vor der Winterpause hat man seit Jahren zum ersten Mal in Augsburg wieder einen Trainer entlassen. Dirk Schuster wurde vor die Tür gesetzt, weil die sportliche Ausrichtung der Mannschaft nicht mehr mit den Vorstellungen der Geschäftsführung des Clubs übereinstimmte. Mit Manuel Baum kam zwar ein zwischenzeitlicher Aufschwung, aber aus der Abstiegsregion in der Tabelle konnte sich der FCA trotzdem nicht nachhaltig lösen. Mittlerweile ist der FCA vollends im Abstiegskampf angekommen. Einerseits liegt das sicher auch an der grundsätzlich großen Leistungsdichte in der Bundesliga. Andererseits hat sich der FCA für teuer Geld verstärkt und sollte genügend sportliche Qualität haben, um im Mittelfeld der Tabelle mitzuschwimmen, ohne sich allzu viele Sorgen zu machen. Zumindest ist das der Anspruch, wenn man nun doch endlich den Trainer mit der passenden Ausrichtung gefunden haben will.

Dennoch trifft den FCA eine Entwicklung in der Mannschaft besonders hart, die zwar vorhersehbar aber nicht planbar war. Die Mannschaft des FC Augsburg ist über viele Jahre an einem Gerüst gewachsen und dieses Gerüst ist natürlich gealtert und gereift. Letztes Jaht hat man dafür auch endlich mit Marvin Hitz fürs Tor eine sehr gute Konstante gefunden, die auf internationalem Niveau überzeugen kann und eigentlich sehr wenige entscheidende Fehler macht. Außer diesem Stützpfeiler ist aber kaum eine Stütze der Mannschaft mehr verlässlich in dieser Saison verfügbar. Ein nötiger Umbruch wird gerade in dieser Saison schon in ersten Schritten vollzogen. Ragnar Klavan wurde vor der Saison nach Liverpool abgegeben und obwohl man mit Martin Hinteregger einen adäquaten Ersatz gefunden hat, tat sich auf ein Mal an einer anderen Stelle in der Abwehr ein Fragezeichen auf. Paul Verhaegh hat entweder seine erste große Formkrise seit er für den FC Augsburg spielt oder der Leistungsabfall vor dem Karriereende kündigt sich nicht nur an sondern ist schon angekommen. Unser Kapitän, der es in Augsburg zum niederländischen Nationalspieler geschafft hat, spielt in dieser Saison konstant unter seinen Möglichkeiten und es ist nicht genau ersichtlich warum. Gegenüber seinem Gegenpart auf der linken Abwehrseite, Kostas Stafylidis, fällt er von der Leistung her deutlich ab. Hätte sich Raphael Framberger nicht am Knie verletzt, würden wir über diese Personalie im Saisonendspurt wohl noch häufiger diskutieren. In der jetzigen Situation fehlen hier schlichtweg die Alternativen.

Im Mittelfeld ergibt sich leider ein ähnliches Bild. Hier war während der gesamten Bundesligajahre des FCA Daniel Baier Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Ein genialer Fußballspieler, der in der Vergangenheit wohl nur aus Altersgründen von Jogi Löw keine Berücksichtigung für die Nationalmannschaft erfuhr, musste diese Saison nun schon einige Spiele mit Achillesehnenbeschwerden zuschauen. Vor allem im Spiel gegen den Ball ist Baier immer noch ein geschickter Balleroberer, der statistisch in der Bundesliga mit am meisten Pässe abfängt. Seine Erfahrung in der Spielkontrolle kann wohl von keinem anderen Spieler im Kader ersetzt werden. Die Verteidigungsversuche von Moritz Leitner in seinen bisherigen Einsätzen nach seiner Rückkehr zeigen wie hoch die Latte von Baier in der Vergangenheit gelegt wurde. Und so liegt es nicht nur daran, dass Baum seine taktische Ausrichtung und damit einhergehend seine Aufstellung regelmäßig ändert, dass dem FCA in der Zeit nach dem Abgang von Dirk Schuster die defensive Stabilität etwas abhanden gekommen ist.

Dabei sah es in der Defensive lange Zeit noch gut aus, und erst in der Rückrunde sind die riesigen Löcher aufgebrochen. Offensiv sucht der FCA diese Saison insgesamt doch sehr oft nach Lösungen und findet sie zu selten. Auf der 10er Position war über einige Jahre Halil Altintop ein wichtiger Leistungsträger. Altintop wird im Winter 35 Jahre alt und hat für mich mittlerweile am meisten Wert als Joker mit Einfällen von der Bank. Altintop kommt diese Saison auf eine sehr hohe Anzahl von Einsätzen. Er wird noch oft gebraucht, gerade weil in der Offensive viele Spieler mit hoher Qualität verletzt ausfielen. Caiuby, Finnbogason und Bobadilla haben alle mit Verletzungen lange gefehlt oder fehlen noch und diese Ausfälle kann der FCA nicht einfach so auffangen. Und somit ist Dong-Won Ji der Spieler mit den meisten Einsätzen in der Offensive. Er ist zwar mit 3 Toren in der Offensivabteilung einer der besten Torschützen zusammen mit Raul Bobadilla und  (beide hinter Altintop und Stafylidis mit je 4 Treffern) aber trotzdem oft nicht effektiv genug. Insgesamt ist Ja-Cheol Koo wohl in der Offensive noch am ehesten als Stützpfeiler zu bezeichnen. Danach kam bis zur Genesung von Raul Bobadilla lange niemand. Der ist allerdings nicht der typische Führungsspieler. Er geht zwar immer mit vollem Einsatz voran, übernimmt in kritischen Situation allerdings nicht das Kommando und legt den Hebel um. Wer wird das in Zukunft für den FCA machen? Viel wichtiger wohl: wer wird das nun im Abstiegskampf machen? Für diese Saison hoffe ich auf eine dauerhafte Genesung von Daniel Baier und das er uns erneut zum Klassenerhalt führt.  Boba wird hoffentlich die Tore dafür schießen, aber offensiv muss sich ein Leader zeigen. Hat Halil noch genügen Körner im Tank? Danach bin ich gespannt, wie im Sommer der Umbruch auch von Seite des Clubs weiter begleitet wird. Bei Abstieg droht wohl eine heftige Schocktherapie. Es wäre schön, wenn wir diese erneut vermeiden könnten. Dafür müssen die Führungsspieler sich allerdings zeigen und voran gehen.

Ihr seid Dosen, wir sind voll

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Es ist aus meiner Sicht seit langem das mit am meisten Spannung erwartete Spiel. Es geht um die Partie gegen RB Leipzig am Freitagabend und die Spannung bezieht sich nicht auf das Geschehen auf dem Rasen. Die Erwartungshaltung an das Spiel auf dem Rasen ist schnell geklärt. Ich erwarte, dass die Mannschaft stabil steht, sich in die Zweikämpfe wirft und Leipzig so gut als möglich Paroli bietet. Auf dieser Basis schauen wir dann einfach, was am Ende dabei herauskommt.

Meine Spannung bezieht sich allerdings auf die Geschehnisse rund ums Stadion. Nachdem was zuletzt in Dortmund passiert ist und nachdem Verhalten einiger Fans gegenüber Georg Teigl in der Hinrunde, hoffe ich, dass unsere Ultras sich nicht bewusst asozial verhalten werden. Zudem bin ich gespannt, wie der FCA insgesamt mit diesem Spiel umgeht. Werden Spruchbänder kontrolliert und evtl. zensiert, um Strafen gegen den Verein zu vermeiden? Vor allem anderen hoffe ich, dass es friedlich bleibt und dass es in keinster Weise zu Zusammenstößen zwischen den Fangruppen kommt. Augsburg Calling geht mal wieder voran und veranstaltet auch gegen Leipzig ein Rahmenprogramm für Heim- und Gästefans.

Derweil bin ich niemand der das Konstrukt RB Leipzig gut heißt oder mit seiner Kritik zurückhaltend ist. RB Leipzig sollte aus diversen Gründen keine Bundesligalizenz erhalten haben. Bei der Durchsetzung der Lizenzauflagen ist die DFL lasch gewesen und hat das Konstrukt durch gewunken. Der Hauptzweck von RB Leipzig ist die Werbung für einen Energiedrink und nicht der Fußballbetrieb. Darin unterscheidet sich RB auch von den Werksclubs in der Liga. Ja, es geht hier um teilweise kleine Unterschiede, aber wo ist die Grenze? Auch ich vertrete die Meinung, dass das Konstrukt RB bewusst über diese Grenze getreten ist. Sie wurden gelassen. Und ja, auch ich erkenne eine gewisse Wagenburgmentalität.

Deshalb wünsche ich mir für das Spiel gegen Leipzig Protest der Augsburger Fans. Lauten, eindrücklichen Protest. Dieser sollte sich dabei allerdings in fairen Grenzen bewegen. Humor wäre auch toll, Hoffenheim hat es vorgemacht. Die Leipziger Fans können nichts dafür, dass ihr Verein ein solche Werbekonstrukt ist. Klar könnten sie sich auch unterklassigen Fußball anschauen. Aber wer will ihnen verwehren, dass sie gerne Bundesliga sehen und erleben wollen. Dazu (und dafür werde ich mir einiges anhören müssen) haben die Leipziger Fans wohl die gleichen Grundsätze, die ich bei mir sehe. Die Leipziger Fans sind eher weniger gewaltbereit und zum Großteil friedlich. Und ich glaube, dass es einige Bemühungen gibt, den Verein aktiv zu supporten und eine entsprechende Fankultur aufzubauen.

Natürlich sind diese Bemühungen von Vereinsseite getrieben. An diesem Punkt sind aus meiner Sicht nun die organisierten Fangruppen anderer Vereine gefordert. Unterhaltet euch darüber, wie ihr euch gegenseitig helfen könnt. Die junge Leipziger Szene könnte von den reichhaltigen Erfahrungen anderer sicher enorm profitieren und wäre dann nicht mehr so abhängig vom Konstrukt RB. Anfeindungen und Hass werden RB und die Fans nur enger zusammenschnüren. Ich glaube nicht, dass schon alle Mittel der Kommunikation erschöpft sind. Vielleicht haben wir einfach bisher nicht das richtige Forum bzw. die richtige Ebene gefunden? Vielleicht bin ich einfach naiv?

Derweil können auch wir in Augsburg noch viel von anderen Vereinen lernen. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Fans sind durch unser eigenes Investorenmodell sehr gering. Immerhin jubeln wir unser eigenen Traditionsmarke zu, aber dennoch können auch wir uns immer noch strukturell verbessern. Ich habe mich erst am Freitag über alternative Fanartikel in Hannover aufklären lassen und festgestellt: Es ist nicht schwer auf Menschen zu zu gehen. Dies ist keine Kapitulation, dies ist erst der Anfang.

Manuel Baum macht sich selbst Druck

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Wenn Trainer neu sind, dann hört man ihnen aufmerksamer zu als im späteren Verlauf ihrer Wirkungsdauer, außer der Trainer heißt Hans Meyer oder Christian Streich. Manuel Baum ist in Augsburg in der Winterpause offiziell vom Interims- zum Cheftrainer aufgestiegen. Seine Gewandheit im Umgang mit der Presse wird sich verbessern. Dennoch interessiert mich gar nicht so sehr, wie er etwas sagt, sondern der Kern seiner Aussagen. Vor dem Spiel gegen Wolfsburg war als Überschrift auf der Internetseite des FCA zu lesen: Baum: „Ziel sind drei Punkte“. Auch vor dem Spiel zu Hause gegen Hoffenheim fand sich dort ein ähnliches Zitat: Baum: „Wollen Punkte hier behalten!“. Nun vor dem Spiel gegen Werder Bremen heißt das Motto „Gegen Werder nachlegen“.

Fußball ist ein ergebnisorientierter Sport. Dirk Schuster hat in der Hinrunde Ergebnisse abgeliefert und z.B. in Bremen gewonnen. Die Art und Weise hat am Ende dazu geführt, dass er vom FCA rausgeschmissen wurde. Die Verantwortlichen haben laut den offiziellen Aussagen die Fußballphilosophie des Vereins nicht mehr erkannt und daher den Wechsel herbeigeführt. In den ersten Aussagen vom neuen Cheftrainer Manuel Baum nach der Winterpause geht es nun nicht so sehr um die Fußballphilosophie. Manuel Baum scheint auch kein Trainer zu sein, der damit hausieren geht, was er analysiert und wie er manche Dinge auf dem Platz umsetzen will. Er will auch für die Gegner des FCA möglichst schwer durchschaubar bleiben.

Dennoch tut er sich mit den obigen Überschriften keinen Gefallen.  In der Pressekonferenz vor dem Bremen-Spiel wurde einmalig erwähnt, dass man die spielerische Klasse nun auch zu Hause auf den Platz bringen will, während die „3 Punkte“ unzählige Male auftauchten. Er könnte anstatt dessen genau so gut sagen: „Wir wollen mutig spielen, offensiv deutlich Akzente setzen, über 90 Minuten dem Gegner Paroli bieten. Es soll eine Weiterentwicklung erkennbar sein.“ Das würde doch vollkommen ausreichen, obwohl ich mir selbst wünschen würde, er würde dies spezifizieren. Wenn man die sportlichen Herangehensweisen von Dirk Schuster und Manuel Baum vergleicht, dann stellt Manuel Baums Philosophie keinen einfachen Wechsel dar. Spieler müssen neues Wissen aufnehmen und auf dem Platz umsetzen, konsistent ohne spielentscheidende Fehler zu machen. Die ersten Ergebnisse vor der Winterpause waren zwar schmeichelhaft, aber eine solche Entwicklung braucht Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Warum setzt er sich diesem Ergebnisdruck aus?

Gegen Hoffenheim hat die Mannschaft eine Halbzeit gut gespielt und wurde danach von Hoffenheim abgekocht. Was hängen bleibt ist, dass Baum ein Spektakel versprochen („Lohnt sich, ins Stadion zu kommen“) und nicht abgeliefert hat. Die Punkte gingen nach Hoffenheim. Nun nach dem Wolfsburgspiel, bei dem der FCA auf viele Stammkräfte verzichten musste, und trotzdem gewinnen konnte, mag die Situation harmlos wirken. Aber die Erwartungshaltung vor dem Spiel gegen Bremen steigt nun und es wird auch wieder Phasen geben, in denen die Ergebnisse ausbleiben.

Dabei kann Manuel Baum das Ergebnis auf dem Platz am Ende nur schwerlich beeinflussen. Es kommt auf die Spieler an, die seine Strategie umsetzen müssen. Selbst erfahrene Cheftrainer wie Carlo Ancelotti sehen den Fokus ihrer Arbeit im Training unter der Woche. Es ist ihm zu raten, dass er sich selbst nicht zu sehr unter Ergebnisdruck setzt. Hoffentlich wird ihm dieser Druck auch nicht intern von den Verantwortlichen gemacht. Denn was wirklich zählt ist, wie sich die Mannschaft sportlich weiterentwickelt. Kann er den Profis etwas beibringen? Spielen Sie besseren Fußball? Es sieht momentan noch gut aus. Sollte es eine Welle der Anfangseuphorie geben, so frage ich mich, wann diese Honeymoon Phase zu Ende geht. Sieg oder Niederlage hängen am Wochenende von sehr vielen Faktoren ab. Wenn die Spieler sich den Arsch aufreißen und Verbesserungen zu sehen sind, dann sollten wir in Augsburg alle ruhig bleiben. Zuallererst Manuel Baum selbst. Die Lehre aus der Verpflichtung von Dirk Schuster sollte doch wohl sein, nicht zu allererst den Fokus auf die Ergebnisse zu legen. Auch nicht, wenn es gerade ganz gut läuft. Oder haben wir nichts gelernt?

Gibt es einen sportlichen Plan?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die Überschrift ist Programm beim FC Augsburg. Welche sportliche Identität hat unser Club im Moment und welche will er zukünftig haben? Die Verantwortlichen suggerieren, dass sie einen Plan haben. Stefan Reuter hat erst unlängst wieder auf die sportliche Philosophie verwiesen, als er am 28.12. die Verpflichtung von Manuel Baum als Cheftrainer des FCA verkündet hat:

Wir sind überzeugt, dass Manuel Baum der richtige Trainer ist, um die Philosophie des FC Augsburg im Sinne des Vereins umzusetzen und weiterzuentwickeln.

Der aufmerksame Beobachter fragt sich: Schon wieder? Klang das nicht bei Dirk Schuster genauso? Und um welche sportliche Philosophie geht es eigentlich?  Schuster selbst hatte bei seiner Vorstellung einige Hoffnungen geweckt. Auch damals ging es schon darum, die Mannschaft fortzuentwickeln. Schuster hatte angekündigt:

Aber wir wollen natürlich diese Mannschaft auch ein Stück voranbringen.

Der FCA kündigte in der Mitteilung zur Vorstellung von Dirk Schuster die folgende Marschroute an:

Das ist auch taktisch zu verstehen: Schuster will den FC Augsburg weiterhin als unangenehmen Gegner etablieren, der defensiv gegen den Ball arbeitet und es auch stärkeren Teams schwer macht. Andererseits möchte er kreative Impulse in der Offensive setzen.

Die Kehrtwende kam schnell. Die Verantwortlichen beim FCA waren wohl nach einem halben Jahr nicht mehr davon überzeugt, dass er der richtige Mann dafür ist, die ominöse Philosophie des Vereins umzusetzen:

Nach eingehender Analyse der aktuellen sportlichen Situation sind die Verantwortlichen des FC Augsburg zu der Erkenntnis gelangt, dass unterschiedliche Auffassungen über die weitere sportliche Ausrichtung und die Art und Weise, wie der FCA Fußball spielen will, herrschen.

Aber um welche Philosophie geht es eigentlich? Aus meiner Perspektive scheint es so, als ob die Hinrunde 2015/16, in der die Mannschaft von Markus Weinzierl v.a. in der Abwehr etliche Male wackelig stand, dazu geführt hat, dass ein Fokus auf die Defensive bei den Verantwortlichen wieder wichtiger geworden ist. Derweil war der FCA über 4 Jahre hinweg ein Trainerclub. Markus Weinzierl gestaltete die taktische Ausrichtung des Vereins, ohne dass der Verein ein festes Bild  bzw. eine sportliche Vision nach der Zeit mit Jos Luhukay gehabt hätte. Er hat die Mannschaft weg entwickelt von einer defensiven Mauermaschine hin zu einem spielstarken Gebilde, dass auch gegen talentiertere Teams taktische Ideen eindrucksvoll umsetzen konnte.

Nun scheint der FCA auf den Weggang von Markus Weinzierl schlecht vorbereitet gewesen zu sein. Im Hintergrund existierte wohl kein konkretes sportliches Konzept für die Profimannschaft, welche Art von Fußball in Augsburg gespielt werden soll, dem eine Liste mit geeigneten Trainern beilag. Zumindest hat der FCA in einem ersten Schritt keinen geeigneten Trainer gefunden, obwohl auch damals schon Manuel Baum direkt vor ihren Augen tätig war. So richtig beeindruckt waren sie wohl vor einem halben Jahr noch nicht. Aber wenn die sportliche Wunschvorstellung kreative Momente beinhaltet, dann hat Dirk Schuster auch in der Vergangenheit nicht gezeigt, dass er hierfür der richtige Trainer ist. Dirk Schusters Arbeit als Trainer sei in diesem Zusammenhang nicht angezweifelt. Zu eindrucksvoll waren seine letzten Jahre und auch die reinen Ergebnisse in Augsburg. Und geht es nicht eigentlich um die Ergebnisse?

Fragen über Fragen.  Zum Beispiel danach, ob es eine konkrete Vorstellung gibt, welche Art von Fußball beim FCA gespielt werden soll. Geht diese Vorstellung über drei Zeilen hinaus? Ich erwarte an dieser Stelle nicht, dass wir ein taktisch vorgeprägter Club wie der FC Barcelona werden, der in allen Jugendmannschaften und in der Profimannschaft genau ein Spielsystem praktiziert. Allerdings hat eine gewisse fußballerische Grundlinie enorme Vorteile. Wenn das System der Profimannschaft auch in den Jugendteams gespielt wird, so können Jugendspieler schneller Anschluss finden, wenn sie aufrücken. Zusätzlich ist der Kader grundsätzlich auch bei Trainerwechseln geeignet, die taktischen Anforderungen zum Großteil zu erfüllen und es braucht keinen großen Umbau. An der kolportierten Unzufriedenheit Schusters mit den Neuzugängen sieht man das Problem. Für mich als Fan auf der Tribüne definiert die sportliche Grundausrichtung zudem die Erwartungshaltung: Wenn grundsätzlich kreative offensive Elemente angekündigt werden, dann gibt es vielleicht mal eine Durststrecke, diese wird aber enden.

Und so ist das Scheitern von Dirk Schuster an den Anforderungen unseres Clubs wohl ein Zeichen, dass wir auf dem besten Wege zu einer sportlichen Identität sind. War die Verpflichtung von Dirk Schuster in diesem Zusammenhang ein Rückschritt, so wurde dieser nun korrigiert und hat vielleicht dazu beigetragen, dass die Verantwortlichen ein klareres Bild davon haben, was sie sportlich sehen wollen. Klar sollte sein, dass wir ein Club sind, der immer noch unterdurchschnittliche finanzielle Möglichkeiten hat. Entsprechend muss ein potentieller Trainer, konzeptionell und pädagogisch stark arbeiten. In einem zweiten Schritt stellt sich nun die Frage, wer dies am besten umsetzen kann. Manuel Baum scheint hierfür prinzipiell gut geeignet. Er wurde als Konzepttrainer beschrieben und scheint die Spieler zu erreichen. Der FCA braucht zudem keinen per se charismatischen Trainer, der die Öffentlichkeit sucht. Stefan Reuter im Rücken und ein relativ ruhiger Medienstandort sollten es auch einem eher introvertierten oder unerfahreren Trainer erlauben Erfolg zu haben.

Für uns auf der Tribüne hat die Entwicklung zwei Folgen: Zuerst werden wir nicht nur mehr Defensivfußball sehen. Wir können beruhigt aufatmen und uns auf kreative offensive Momente freuen. Mit der Entlassung von Dirk Schuster sind wir allerdings auch mutig geworden und haben den sicheren Pfad verlassen. Die Art, wie wir Fußball spielen, ist anscheinend wichtiger, als die reinen Ergebnisse. Dies könnte in der Zukunft auch dazu führen, dass wir mit unserem sportlichen Konzept absteigen, bevor wir uns zum Klassenerhalt mauern. Allerdings zeigt der Blick auf andere Clubs, dass die Strategie funktioniert. Hoffenheim und Mainz haben beide eine sportliche Identität entwickelt und spielen damit konstant in der Bundesliga. Der Blick geht bei beiden Clubs nach oben. Ein schneller Erfolg ist dennoch nicht zu erwarten. Konzepte und Trainer brauchen Zeit, um ihre Vorstellungen umzusetzen. Für die Zukunft stimmt mich die Entwicklung zumindest langfristig positiv. Ob Manuel Baum Erfolg haben wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Er hat keine Erfahrung in der Bundesliga und Stefan Reuters Trainertrefferquote ist verbesserungswürdig. Hoffen wir auf den Lucky Shot.

Ein Schritt nach vorne im Vergleich zur letzten Saison?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Kurz nachgeschaut auf welchem Tabellenplatz der FCA nach dem 12. Spieltag in der letzten Saison stand und herausgefunden: Letzter mit gerade einmal 6 Punkten. In dieser Saison stehen wir auf einem komfortablen 12. Platz mit 13 Punkten. Bevor nun das Argument kommt, dass wir letztes Jahr aber auch die Dreifachbelastung bis zur Winterpause hatten, können wir auch gerne darauf eingehen, dass Markus Weinzierl vorher 3 Jahre hatte, um sein Team zusammenzustellen und zu entwickeln, während wir uns immer noch in Dirk Schusters erster Halbserie befinden. Ist das nun also die sportliche Weiterentwicklung im Vergleich zur letzten Saison, die wir uns alle erhofft hatten? Haben wir einen Schritt nach vorne gemacht?

Die Ergebnisse in den letzten Wochen sind dabei kein Zufall. Hertha BSC und der Effzeh Köln sind keine Teams die zu unrecht oben in der Tabelle stehen. Defensiv sehr kompakt ist es schwierig gegen diese Teams zum Torerfolg zu kommen. Trotzdem sind beide Mannschaften eigentlich offensiv gefährlich. Davon hat man in den Spielen gegen uns weniger gesehen als in anderen Partien. Unsere Defensive hat sich in den letzten Wochen stark verbessert gezeigt und kann auch gute Teams in der Liga kalt stellen. Wer nur an die offensive Seite des Spiels in der letzten Saison denkt, vergisst, dass wir zum gleichen Zeitpunkt in der letzten Saison 25 Tore kassiert hatten. Wir waren nicht annähernd so defensiv kompakt wie momentan und das mit Spielern wie Klavan, Hong oder Gouweleeuw. Momentan spielt Christoph Janker in der Innenverteidigung und ich bekomme mittlerweile nicht mehr bei jedem Ball in seiner Nähe einen halben Ohnmachtsanfall.

Dennoch hat es in keinem der letzten beiden Spiele zu einem Sieg gereicht. Gegen Köln waren wir über einen Großteil des Spiels nach vorne ungefährlich. Erst zum Ende der Partie hin konnten wir 1-2 Gelegenheiten herausspielen. 13 Tore hatten wir in der letzten Saison zum jetzigen Zeitpunkt erzielt, in dieser Saison sind es nur 10. Mit den Angriffsbemühungen werden wir selbst bei gleichbleibenden Defensivleistungen Probleme bekommen. Der Verbesserungsbedarf ist offensichtlich.

Lange kann man über die Gründe der Offensivschwäche nachdenken: Sind es die vielen Verletzungsprobleme, die dazu geführt haben, dass mit Finnbogason und Bobadilla, die zwei klassischen Sturmspitzen im Kader fehlen? Die Caiuby Verletzung trägt ihr zusätzliches bei, da er mit den Spielern im Kader nicht adäquat ersetzt werden kann. Zu allem Überfluss, ist vor kurzem zusätzlich mit Koo der offensiv gefährlichste Mittelfeldspieler verletzt von einer Länderspielreise zurück gekommen. Diese Verletzungssorgen würden auch andere Mannschaften beeinflussen.

Andererseits ist Dirk Schuster als defensiv-orientierter Trainer verschrien. Böse Zungen würden es Maurerfußball mit absoluter Ergebnisorientierung nennen. Umso verwunderlicher ist in diesem Zusammenhang, dass Schusters Darmstädter letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt genauso viele Tore geschossen hatten wie unser FCA. Am Ende der Saison waren es nur vier Tore weniger. Klar, der Ball kreist nicht wie bei anderen Teams, aber Tore sind genügend gefallen. Wenn man nun noch die spielerische Qualität im Darmstädter Kader berücksichtigt, erscheint dies doch sehr beeindruckend. Schuster wurde mit gutem Grund zum Trainer des Jahres gewählt.

Ich glaube daher, dass offensiv Grund zur Hoffnung besteht. Die Verletzungssorgen werden zumindest mittelfristig weniger werden. Dazu ist von manchen Neuzugängen ein Leistungssprung zu erwarten. Auch in der Vergangenheit haben Spieler schon mal eine gewisse Zeit gebraucht, bis sie so richtig in Augsburg angekommen sind. Jonathan Schmid, Georg Teigl und Takashi Usami haben zumindest das Potential um noch mehr Impulse zu liefern. Ob diese von allen kommen werden, wage ich zu bezweifeln. Es würde ja aber schon reichen, wenn bei einem aus der Gruppe der Knoten platzt. Dirk Schuster sollte auch dafür der richtige Trainer sein, wenn man beachtet, was er aus so manchem Zweitligaspieler in Darmstadt gemacht hat.

Am meisten Hoffnung macht mir allerdings, dass schon eine kleine Steigerung in der Offensive große Auswirkungen auf die Ergebnisse haben könnte. So ein kleines Törchen in der Schlussphase gegen Köln hätte zum Beispiel großes bewirkt. Wir waren jetzt schon nah dran an sehr guten Ergebnissen. Gegen Frankfurt zu Hause und dann gegen den HSV bieten sich beste Gelegenheiten diese Hinrunde positiv zu Ende zu bringen und eine gute Ausgangsbasis für die Rückrunde zu schaffen. Dann werden auch die Zweifler ruhiger werden. Und wenn es nicht klappt, dann heißt es zusammenzustehen. Ich glaube, Schuster kann mit einer Winterpause viel anfangen.

Was erwarten wir von Dirk Schuster?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die Zeit rast und schon wieder ist ein Monat vergangen. Wie gerne würde ich jetzt zusammen mit euch auf die letzten Wochen zurückschauen und mich über eine positive sportliche Entwicklung des FCA freuen. Das wird leider schwierig. Der FCA hat aus den letzten 4 Spielen einen Punkt geholt. Er hat gegen RB Leipzig, in Freiburg und gegen Bayern München verloren. Der Punkt gegen Schalke zu Hause war leistungsgerecht. Mit 8 Punkten findet man sich momentan auf Platz 13 der Tabelle wieder. Dadurch das dem HSV und Ingolstadt nichts gelingen will, sind zumindest die Abstände bis ganz unten ordentlich. Ab Platz 16 wird es dann eng.

Nun bin ich grundsätzlich jemand, der bzgl. des Trainers zu Geduld aufruft. Dirk Schuster hat es nun wirklich nicht leicht. Vor allem in der Offensive fehlen mit Raul Bobadilla, Alfred Finnbogason und Caiuby wichtige Spieler. Nach der Verletzung von Jeffrey Gouweleeuw und mit der zwischenzeitlichen Verletzung von Dominik Kohr war und ist auch der Abwehrverbund geschwächt. Trotzdem ist nun immer wieder Kritik von den Rängen aufgekommen. Die Kritik bezieht sich bisher allerdings größtenteils nicht auf Ergebnisse. Gegen Leipzig und Bayern kann man verlieren. Freiburg ist auf Augenhöhe. Wir standen zu ähnlichen Zeitpunkten schon viel schlechter da. Nach dem neunten Spieltag der letzten Saison waren wir mit 5 Punkten Letzter. Große Sorgen habe zumindest ich mir nicht gemacht.

Das lag in den letzten Jahren, zumindest nach der ersten Hinrunde unter Weinzierl, an der taktischen Entwicklung und Ausrichtung der Mannschaft. Bevorzugte Weinzierl während seiner ersten Zeit noch eine reaktivere Spielweise, so versuchte er später das Spiel offensiv aktiver zu gestalten. Raphael Honigstein hat in einer seiner letzten Kolumnen herausgearbeitet, dass es einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen einer aktiven Spielweise und Erfolg gibt. Vereinfacht formuliert hat er zusammengefasst: „Fußball bleibt ein Sport, der die belohnt, die das Spielgerät beherrschen“. Bei Weinzierl hat man das am Ende gesehen.

Dirk Schusters Spielphilosophie in Darmstadt und nun auch in diesem Jahr in Augsburg weicht hiervon deutlich ab. Laut Honigstein holte er in der letzten Saison mit nur 37 Prozent Ballbesitz 1,12 Punkte pro Spiel. Seine Verpflichtung sollte auch zeigen, dass defensive Stabilität weiterhin höchste Priorität genießt. Weinzierl hatte sich hiervon in seinen letzten beiden Jahren etwas entfernt. In Augsburg scheint es nun gerade so, als ob das hochgelobte und geduldige Publikum diesen Schritt nicht nachvollziehen will. Ich gestehe, dass auch ich manchmal neidvoll nach Freiburg oder Mainz blicke. Auch wenn man in Freiburg gerade erst wieder aus der zweiten Liga aufgestiegen ist, so hat man doch eine klare Fußballphilosophie, die sich nicht nur aufs Verteidigen beschränkt.

Und während sich im Spiel der Mannschaft auch unter Schuster noch deutliches Verbesserungspotential verbirgt, stellt sich doch die Frage, ob das diesen Ansprüchen jemals genügen wird. Auch wenn wir irgendwann besser und schneller Umschalten und mehr Tore durch Konter erzielen werden, so bin ich mir nicht sicher, ob diese Taktik nicht zu durchschaubar ist. Wolfsburg und Schalke haben in dieser Saison schon sehr passiv gegen uns gespielt, in der Hoffnung, dass wir mit Ballbesitz nicht so viel anfangen können. Damit hatten sie leider größtenteils recht. Wenn wie im Spiel gegen Schalke Daniel Baier die gefährlichsten Abschlüsse hat, dann zeigt das, wie wenig die Angriffe im Enddrittel ausgespielt waren. Zudem bereitet die Betrachtung nicht gerade großes visuelles Vergnügen. Ich will sagen: Es ist nicht schön anzusehen.

Und wenn es nun noch kälter wird und wieder Fragen aufkommen, ob das Interesse am FCA abnimmt, dann kann würde ich dies immer noch verneinen. Eine mutige, vorwärtsgewandte Entscheidung in der Trainerfrage im Sommer hätte aber vielleicht dazu geführt, dass man mit der sportlichen Grundausrichtung mehr Menschen erreicht, die nun vielleicht nicht kommen, um sich eine weitere Abwehrschlacht anzuschauen. Dabei hoffe ich immer noch, dass ich mich irre. Wenn ein paar der offensiven Stützen zurückkehren, wird Dirk Schuster vielleicht eine bessere Balance finden. Wenn dann noch Julian Günther-Schmidt als Joker ein paar Tore schießt, könnte man über den Rest ein wenig länger hinwegsehen. Ob wir nach der Weinzierlschen Einführung von mehr aktiver Spielgestaltung als Zuschauer davon je wieder ablassen können? Ich weiß es nicht. Unsere Geduld wird in dieser Hinsicht strapaziert werden und das war abzusehen. Ich werde über die Frage nach unserer sportlichen Identität wohl noch weiter grübeln.

Über sozialen Umgang

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Vor der Länderspielpause musste der FCA bei RB Leipzig in der Ferne antreten. Vor dem Spiel hatten sich viele Fanclubs entschieden, dass Spiel in Leipzig zu boykottieren. Trotzdem reiste eine stattliche Zahl von Anhängern nach Leipzig, um die Mannschaft vor Ort zu unterstützen. Vom sinkenden Interesse am FCA war bei so vielen Auswärtsfahrern an einem Freitagabend nichts zu spüren. Das Spiel ging leider 1:2 verloren. Leipzig hat einen guten Start in die erste eigene Bundesligasaison erwischt. Trotz neuem Trainer und vielen neuen Spielern sind Startschwierigkeiten in Leipzig ein Fremdwort, es ist eine klare sportliche Handschrift zu erkennen und wir mussten uns knapp geschlagen geben. Klar wäre es schön gewesen einen Punkt oder mehr mitzunehmen, aber die Niederlage kam nicht ganz unerwartet und so hielt sich die Enttäuschung in Grenzen.

Am Tag nach dem Spiel gegen Leipzig fand im Rosenaustadion ein Traditionstag im Rahmen des Heimspiels der U23 statt. Während die Chefetage am Grill glänzte gewann die U23 zudem das Spiel. Friede, Freude, Eierkuchen sollte man denken. Der FCA steht mit 7 Punkten nicht schlecht da. Trotz vieler Verletzungen ist das bisher bei weitem nicht die schlechteste Hinrunde, die wir in Augsburg bestaunen dürfen. Es gibt immer Verbesserungspotential, aber gerade während der Länderspielpause könnte man sich nun auf die nächsten sportlichen Schritte unter Dirk Schuster konzentrieren. Die vielen Verletzungen haben verhindert, dass sich eine Stammmannschaft findet und mit der neuerlichen Verletzung von Jeffrey Gouweleeuw wird sich das auch nicht ändern. Dazu kommt allerdings eine erneute Debatte um das Verhalten von Augsburger Fans und Veränderungen innerhalb der Fanszene.

Robert Götz von der Augsburger Allgemeinen hat sich des Themas angenommen und während er wenig konkrete Punkte liefert, wie sich die Fanszene verändert hat, so spricht er doch einen Vorfall an, der mich verstört. Während des Traditionstags, einen Tag nach dem Spiel gegen Leipzig, hatte ca. ein Dutzend „Fans“ nichts besseres zu tun, als Georg Teigl im Rosenaustadion als Hurensohn zu beschimpfen. Auch die Reaktionen schon in Leipzig und danach in den sog. sozialen Medien waren wohl eindeutig. Was war in Leipzig passiert? Teigl war zum ersten Mal für den FCA in der Bundesliga eingewechselt worden und nach Spielende skandierten die Leipziger Fans seinen Namen, nachdem er dort die letzten 2,5 Jahre gespielt und seinen Teil zum Aufstieg beigetragen hatte. Teigl ging in die Leipziger Kurve, bedankte sich anständig und zog ab. Man sollte denken, dass das Thema damit erledigt gewesen wäre. Man sollte sich zudem freuen, dass Teigl, dessen Transfer vor Schusters Verpflichtung unter Dach und Fach gebracht wurde, langsam eine sportliche Rolle in Augsburg findet. Weit gefehlt.

Und während Robert Götz den Sachverhalt nur als sachliches Indiz verwendet, so nutzt Wolfgang Langner die Möglichkeit um einen Kommentar mit Der „Fall“ Georg Teigl: Das Verhalten mancher FCA-Fans ist asozial zu betiteln. Man könnte nun darüber debattieren, ob „manche“ die Menge an Fans richtig beschreibt. Ein Dutzend von 1300 am Traditionstag ist dann doch eine sehr kleine Gruppe. Wir könnten über den Einfluss von Freibier spekulieren. Und nicht zuletzt könnte man darüber diskutieren, ob ein solcher Vorfall einen eigenen Kommentar verdient hat. Georg Teigl sah sich auf jeden Fall gezwungen eine Videobotschaft aufzunehmen und sich für die Missverständlichkeit seines Verhaltens zu entschuldigen. Es scheint ihm ernsthaft leid zu tun, obwohl es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt. Er hat nichts falsch gemacht.

Der Begriff asozial bezeichnet etwas, das ein niedriges geistiges oder kulturelles Niveau aufweist. Tradition ist etwas, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o. Ä. in der Geschichte, von Generation zu Generation [innerhalb einer bestimmten Gruppe] entwickelt und weitergegeben wurde [und weiterhin Bestand hat]. Das Verhalten weniger war im Rahmen dieser Definitionen am Traditionstag vollkommen untraditionell und so schwer es mir fällt das einzugestehen, Wolfgang Langner hat mit seiner Einschätzung recht. Das Verhalten weniger einzelner war asozial. Und während ich viele Verhaltensweisen tolerieren kann, so geht es mir doch nicht in den Kopf, wie man einen eigenen Spieler, einen Tag nach einem Spiel in diesem Rahmen beschimpfen muss. Ein entschuldigendes Video dieser Fans wäre doch sehr erfreulich.

Aber das wäre vielleicht zu einfach. Man kann solche Vorfälle als Einzelfälle abtun und sich einreden, dass man selbst damit nichts zu tun hat. Derweil ist es an jedem Stadiongänger selbst, solch Verhalten im eigenen Umkreis nicht zu tolerieren. Nicht nur bei uns beim FC Augsburg sollten solch Beschimpfungen keinen Platz haben. Wenn sich durch die letzten Jahre etwas geändert hat, dann ist es vielleicht der Erfolgsanspruch der Fans in Augsburg. Derweil wünschen wir uns oft Typen mit einer eigenen Meinung und mit Ecken und Kanten. Sind wir auch bereit diese zu tolerieren oder läuft jeder Spieler Gefahr in eine Welle asozialen Verhaltens zu geraten, sobald er den Kopf auch nur ein bisschen aus der Masse herausstreckt? Da wird die vielgepriesene FCA Familie dann schnell zur Worthülse. So verhält man sich nicht bei Traditionsvereinen oder anderswo. Spätestens die Erinnerung an das Schicksal von Robert Enke sollte uns allen bewusst machen, welch psychischer Druck auf Fußballern in der Öffentlichkeit lastet. Support soll positiv bestärken, antreiben, aufbauen. Wenn uns die positiven Gedanken abhanden kommen sollten, müssen wir uns gegenseitig daran erinnern. Für heute mache ich gerne den Anfang.

Achtung: Uns kennt immer noch #keineSau

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Nun bin ich mit Sicherheit niemand, der die Dinge beim FCA immer über den grünen Klee lobt. Ich habe unter anderem die Entwicklung bei den Trikotpreisen, miese Auswahl beim Merchandise und auch fehlende vergünstigte Tagestickets für Bedürftige kritisiert. Nicht immer absolut sachlich, aber doch bemüht. Es gibt Themen, die man auf eine sachliche und ausgewogene Art kritisieren kann. Das fehlende Familienfest in diesem Jahr gehört hier sicher dazu. Das würde ich von der größten Tageszeitung in der Region erwarten. Ich als Blogger und Kolumnist habe meine Meinung, von einer großen Tageszeitung erwarte ich vor allem sachliche Berichterstattung. Dieses Bemühen muss man Johannes Graf aber absprechen, wenn er in der AZ fragt: Sinkt das Interesse am FCA? Dafür hat er Anhänger gefragt, was sie stört. Herausgekommen ist dabei Zerrbild, denn es sind genau 5 Anhänger zu Wort gekommen. Auf seine Frage gibt er keine Antwort und lässt diese im Raum stehen, suggestiv nach dem Motto: Das Interesse sinkt! In einem weiteren Beitrag nur drei Tage später suggeriert er sogar, dass der FCA mit seinem derzeitigen Verhalten seine Wurzeln vergessen würde und listet eine Reihe von Events auf, die nach seiner Meinung nötig sind, um Gelegenheitsgänger ins Stadion zu locken.

Ich behaupte dabei nicht, dass man die Frage nicht stellen kann, ob das Interesse am FCA sinkt. Wenn ich mir die Mühe mache, dann sollte ich allerdings auch auf vorhandene Informationen eingehen. Wie hat sich der Dauerkartenverkauf von der letzten hin zu dieser Saison entwickelt? Am Rande habe ich mitbekommen, dass wohl weniger Dauerkarten als in der Vorsaison verkauft worden sind. Wie sieht die Entwicklung bei Mitgliederzahlen und Fanclubs aus? Mir ist nicht bekannt, dass es hier einen nennenswerten Rückgang gab. Und das die Unterstützung auswärts geringer wird und Fans z.B. nicht mehr nach Dortmund fahren, lässt sich genau wie messen? Auch auf Grund geringer Ticketkontingente waren doch die Auswärtsspiele in Dortmund zumindest in den letzten beiden Jahren bzgl. der Gästekarten ausverkauft. Im DFB Pokal gegen Ravensburg war das Gästekontingent recht schnell weg. Ich stand vor ein paar Jahren in der ersten DFB-Pokal Runde in Oberhausen noch in einem spärlich gefüllten Gästeblock. Ja, der Vergleich hinkt, da Oberhausen deutlich weiter weg ist als Pfullendorf, aber mein Eindruck von den Auswärtspartien in den letzten Jahren zeigt kein schwindendes Interesse auch abseits der Europa League.

Die reißerischen Überschriften lassen vermuten, dass beim FCA generell etwas im Argen liegt. Insgesamt wirkt die Situation aber doch gar nicht erschreckend, wenn man mal genauer hinschaut. Natürlich gab es im letzten Jahr einen größeren Hype v.a. durch die Europa League. Ich kann mir vorstellen, dass sich das neben den Dauerkartenverkäufen auch positiv auf alle Erträge des FCA durchgeschlagen hat. Und jetzt ist die Europa League wieder weg. Nicht schlimm. Der FCA hatte im letzten Jahr eine Stadionauslastung von ca. 90 Prozent in der Bundesliga. Vielleicht sinkt diese nun auf 85 Prozent. Zielgröße ist dabei nicht 100 Prozent, wie ein Blick in den Wolfsburger Gästeblock schnell zeigt. Wie viel Aufwand und zusätzliches Marketing soll der Verein betreiben um ca. 2000 Plätze mehr zu füllen? Was bleibt dabei hängen? Nicht viel. Wenn man sich die Strukturen des FCA anschaut, der gerade eine Stadionfassade und ein neues Gebäude mit Fankneipe plant, dann steht dies sicher nicht ganz oben auf der Agenda. Es geht halt nicht alles und schon gar nicht gleichzeitig. Aber mal angenommen der Verein würde wirklich Plakatkampagnen und zusätzliche Events organisieren, um Fans zu moblisieren, dann gäbe es mind. 5 Personen in Fankreisen, die die zunehmende Kommerzialisierung kritisieren würden. Das Johannes Graf nun suggeriert, gewisse Maßnahmen wären absolut notwendig und der gemeine Fan hätte ansonsten ein Recht auf Enttäuschung, treibt nur die Erwartungshaltung dieser Gelegenheitsgänger weiter nach oben.

Daneben ist es aber auch nur die halbe Wahrheit. Aktionen, wie der Weiterverkauf von Trikots mit der Nummer 13, ohne die Nummer von Tobi Werner neu zu vergeben, werden unterschlagen. Das so einer guten Sache durch die Spenden für Simon geholfen und ein altgedienter Spieler geehrt wird, wird nicht erwähnt. Der Abend für die Fans mit dem Trainerteam war doch zumindest eine Reaktion auf das fehlende Familienfest. Kein würdiger Ersatz, aber eine Art Zeichen, dass angekommen ist, das etwas fehlt. Und wenn in der letzten Saison nicht so viel gefeiert wurde, dann kann das auch daran liegen, dass der FCA die Auwärtsfahrten in der Europa League finanziell unterstützt hat. Aber Johannes Graf hat anscheinend gar nicht danach gefragt, ob die Fans auch positive Dinge zu berichten haben. Wenn dann als Begründung für die fehlenden ausverkauften Spiele „die dürftigen Leistungen“ in der vergangenen Saison angebracht werden, dann will ich an dieser Stelle diagnostizieren, dass die Erwartungshaltung mittlerweile mehr als nur wolkig geworden ist. Der FCA war im letzten Jahr lange in drei Wettbewerben vertreten und hatte den Klassenerhalt vor dem letzten Spieltag sicher. Die letzte Saison war zumindest für mich (mal wieder) ein Feuerwerk an Highlights, das so schnell nicht überboten werden wird. Von „dürftigen Leistungen“ will ich in diesem Zusammenhang überhaupt nicht schreiben. Aber die Erwartungshaltung scheint bei der AZ generell gestiegen zu sein, denn Robert Götz zieht in seinem aktuellen Kommentar eine Parallele zwischen Transferausgaben und ewarteten sportlichen Leistungen. Laut Götz müsse sich Reuter in dieser Saison daran messen lassen, dass die Transferausgaben im Mittelfeld der Liga liegen. Alles unter einem einstelligen Tabellenplatz ist dann wohl nicht mehr akzeptabel?

Über einen dieser Kommentare und Beiträge hätte man wohl hinwegsehen können. Bei drei Beiträgen in der letzten Woche will ich hier einhaken. Das sportliche Leistungen und Transferausgaben nicht immer direkt zusammenhängen, zeigt zumindest das Gejammer der HSV-Fans in meinem Umfeld. Einfacher wird es für den FCA auch nicht, wenn ein Aufsteiger wie RB Leipzig durch den Großkonzern im Rücken jegliche wirtschaftliche Vernunft über Bord werfen und 50 Mio. EUR investieren kann. Deswegen reagiere ich auf die Kommentare von Johannes Graf und Robert Götz auch so gereizt. Mir ist es wichtig, dass die Erwartungshaltung insgesamt realistisch bleibt. Vereinsseitig wurde von den Verantwortlichen immer wieder darauf hingewiesen, dass es wieder darum geht, die Klasse zu sichern. Das der Verein weiterhin nicht nur in Spieler sondern auch in die Infrastruktur investiert, kann nicht positiv genug bewertet werden. Diese Investitionen sind wichtig, um langfristig konkurrenzfähiger zu werden. In der organisierten Fanszene kann ich dieses Abdriften der Erwartungshaltung derweil auch nicht generell beobachten, wie das durch die Fanmeinungen suggeriert wird. Die überwältigende Choreo am ersten Spieltag und immer mehr organisierte Aktionen sind für mich ein Indiz dafür, dass der harte Kern wächst. Wer deswegen nicht alleine schon ins Stadion kommt, sondern auch noch zwei Halbe Freibier auf dem Silbertablett braucht, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Und wenn es dem FCA wirklich mal wieder schlechter gehen sollte, dann wird es genau auf diesen harten Kern ankommen. Der FCA spielt nun schon viel länger in der ersten Bundesliga, als das dem Verein irgendjemand zugetraut hätte. Wir müssen uns keine Sorgen machen, wenn wir am 5. Spieltag nicht auf einem einstelligen Tabellenplatz stehen oder nur 26.000 Zuschauer zu einem Heimspiel kommen.

Die Kurve hat die Marschroute am ersten Spieltag auch klar formuliert: „Egal was auch passiert, Augsburg hält zusammen“. Etwas anderes brauchen wir uns bis zum Beweis des Gegenteils gar nicht erst einreden lassen und dieser Satz ist nicht misszuverstehen.