Schüttel‘ die Dose!

FC Augsburg – RB Leipzig
(5. Spieltag, 1:0)

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Es gibt Partien, die handelt man einfach ab, ohne viel links und rechts zu fabulieren. Hannover gegen Stuttgart beispielsweise. Schnörkellos, schlicht, bieder. Bei anderen Partien holt die Journalistenzunft jedoch weit aus und man könnte ein munteres Bullshit Bingo veranstalten, wenn man so hört, was da gestern vor, während und nach der Partie wieder alles geschrieben wurde. Dosenverein, RudelBums Leipzig, Brauseclub, hahaha. Puppenkiste, Jim Knopf, Baum-Schüler, Abstiegskandidat Nummer Eins, hohoho. Super kreativ.

Halten wir’s wie Christian Lindner (der mit der Kuhkrawatte) und sprechen lieber über Inhalte.

Die Ausgangslage

Der FC Augsburg kehrte aus Frankfurt mit drei Punkten im Gepäck in die für das Flutlichtspiel erstmals beleuchtete WWK Arena auf dem Lechfeld zurück. Die Partie in Hessen wurde zwar verdient, jedoch nicht unbedingt souverän gewonnen. Hätte Frankfurt ein wenig besser seine Chancen genutzt und wären Boateng und Haller (nicht der Helmut) treffsicherer gewesen, hätte man keinen Sieg eingefahren. Aber hätte, hätte, ihr wisst schon…

So stand man nach vier Spieltagen mit 7 Punkten auf dem Tableau und legte den besten Bundesligastart der Vereinsgeschichte hin. Leipzig kam ebenfalls mit 7 Punkten nach Augsburg, allerdings mit zuletzt nur zwei Unentschieden – gegen Monaco in der Champions League und gegen Gladbach in der Bundesliga.

Personell konnte Manuel Baum aus dem Vollen schöpfen, fast zumindest. Framberger hatte immer noch mit Trainingsrückstand zu kämpfen und so war Daniel Opare auf Rechts wieder gesetzt. Leipzig fehlte vor allem Namy Keita, der rot-gesperrte pausieren durfte.

Auf dem Platz führte die Personalsituation, als auch die englische Woche zu einigen Rochaden. Während Hasenhüttl auf rekordverdächtigen neun Positionen gegenüber dem Spiel am Wochenende tauschte, lief der FC Augsburg mit einer auch für Kenner des Baum’schen Systems eher ungewöhnlichen Elf auf. Mit Baier, Khedira, Moravek und Gregoritsch hatte man gleich vier nominelle Zentrumsspieler vorzuweisen. Was zunächst komisch anmutete, entpuppte sich als eine Dreier-/Fünferkette in der Abwehr mit Rani Khedira in der Mitte und eine Art Schalker Kreisel im Mittelfeld, bei der tendenziell Moravek rechts, Caiuby links oder als Hängende Spitze und Baier stets zentral agierten.

Das Ergebnis

Vielleicht war Ralph Hasenhüttl ebenso verwirrt ob der taktischen Anweisungen Manuel Baums wie der Autor dieses Textes. In jedem Fall erwischte der FC Augsburg die Leipziger kalt und hätte schon nach zwei Minuten durch Gregoritsch in Führung gehen können.

Was dem Österreicher mit dem brutalen Schlegel zunächst verwehrt blieb, erfüllte sich dann nur zwei Minuten später. Moravek eroberten den Ball im eigenen Sechszehner und dann ging es schnell. Hinteregger auf Caiuby, der legt zurück auf Baier, dann Finnbogason mit einer sehenswerten Kopfballverlängerung und schon hat man eine 2-gegen-1-Situation bei denen der Gegner nur noch hinterherschauen kann. Das Ergebnis ist bekannt: Tor Gregoritsch, 1:0 FC Augsburg.

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In den übrigen 86 Spielminuten wurde es zwar ein wenig defensiver, jedoch stellte man sich nicht nur hinten rein und preschte die Bälle in den mannleeren Raum. Besonders die Chancen von Max (50″) und die tolle Vorarbeit von Opare auf Heller (84″) sind hierbei zu erwähnen.

Nicht unverdient gewinnt der FC Augsburg also am 5. Spieltag gegen RB Leipzig und steht nun mit 10 Zählern vorübergehend auf Rang 3 der Bundesliga. Na das ist doch schon mal was!

Was war gut?

Hervorheben muss man nach diesem Spiel natürlich die Trainer- und Mannschaftsleistung. Der FC Augsburg war perfekt auf seinen Gegner aus Leipzig eingestellt und setzte die Spielidee Baums bis ins letzte Detail um.

Namentlich kann man das vor allem an drei Spielern festmachen: Rani Khedira, Daniel Baier und Alfred Finnbogason.

Khedira zeigte eine phantastische Leistung in seiner Rolle als Sechser und mittlerer Innenverteidiger, überzeugte in den Zweikämpfen und ließ gegen seinen Ex-Verein kaum Chancen zu. Er mag vielleicht nicht die auffällige Aggressivität eines Dominik Kohr haben, dennoch erfüllt er seine Aufgaben bisher mit Bravour. Schnörkellos, unaufgeregt und grundsolide. Wenn das Spiel nicht über ihn aufgebaut wurde, dann war es wieder einmal Daniel Baier, der das Herz des Augsburger Systems darstellte. Mit einer ungeheuren Laufleistung, den meisten Ballkontakten, seinem Ideenreichtum und schnellen Umschaltvermögen ist und bleibt er unverzichtbar. Selbiges gilt auch für Alfred Finnbogason, der nicht nur beim Tor, sondern auch im ganzen Spiel beweist, was Manuel Baum unlängst über ihn sagte: Der Isländer ist wohl einer der spielintelligentesten Akteure der Bundesliga und weiß zu nahezu jeder Zeit wo seine Mitspieler stehen und welche Laufwege sie nehmen. Am Ende des Tages ist das bei einer treffsicheren Mannschaft, wie sie der FC Augsburg in der noch jungen Bundesligasaison ist, mindestens genauso viel wert wie seine eigene Abschlusssicherheit, die er gegen Köln unter Beweis stellte.

Was war schlecht?

Die Stadionwurst? Die Beleuchtung? Die zu wenigen Bezahlkartenaufladstationen? Um ehrlich zu sein, ist es schwer bei einem so schnörkellosen Heimsieg gegen einen Champions League-Teilnehmer das Haar in der Suppe zu finden.

Aber natürlich gab es da noch diese eine, unschöne Szene…

Der Aufreger des Spieltags

Tja, lieber Daniel Baier: Was war das denn?
Ganz Fussballdeutschland diskutiert heute leider nicht den souveränen Bayern-Sieg gegen Schalke oder die überraschende Niederlage von Leipzig auf dem Lechfeld, sondern eine Geste, mit der unser Kapitän seinem Ärger über vermeintliche Kommentierungen einer eher harmlosen Szene seitens Ralph Hasenhüttl Luft machen musste.

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Natürlich sollte das Ganze weder das von Baier im nervigsten SKY-Interview der Bundesligageschichte gedeutete „Sei doch mal still!“ bedeuten, noch ein humoristisches „Schüttel‘ deine Red Bull Dose nicht so dolle, sonst spritzt alles raus!“.

Und natürlich versteht jeder, der mal Sport auf Wettkampfbasis gemacht hat, dass es da auch mit Emotionen zugeht. Aber dennoch: Das war unnötig und unprofessionell und eines Kapitäns unwürdig.

Für den FC Augsburg bleibt zu hoffen, dass das Ganze kein Nachspiel hat, denn man muss nicht päpstlicher als der Papst sein um zu wissen, dass es sich dabei schon um eine grobe Unsportlichkeit gehandelt haben könnte, die man mit einer Sperre sanktionieren kann.

Was kommt als nächstes?

Weiter geht’s am Samstag mit dem Schwaben Derby in Stuttgart. Der VfB musste sich gestern Gladbach mit 0:2 geschlagen geben und wird auch noch ein Weilchen auf seinen Kapitän Christian Gentner und eventuell auch noch am Samstag auf Abwehrstabilisator Holger Badstuber verzichten. Mit sechs Punkten startete man jedoch ganz ordentlich in die Saison, sodass es wohl ein spannendes Duell auf Augenhöhe werden dürfte.

Und auf den Business Seats?

Wenn nicht gerade über die kunsthistorische Bedeutung der Fassade der WWK Arena, die Bosna in der selbigen oder Moritz Leitners Hund, der mittlerweile in Augsburg bekannter ist als Moritz Leitner selbst, diskutiert wurde, dann vielleicht über den Rausschmiss von drei Jugendspielern wegen eines Drogendelikts, das diese Woche an die Öffentlichkeit gelang.

Jetzt mag man davon ja halten was man will und natürlich ist der Cannabis-Konsum in Deutschland illegal und als angehender Profisportler sollte man sich mit schädlichen Substanzen ohnehin zurückhalten. Aber muss man solchen jungen Kerls wegen eines Vergehens dieser Größenordnung wirklich die Zukunft verbauen? Derjenige, der ohne Jugendsünde ist, werfe bitte die erste Kuhkrawatte!

Zumal, bei anderen Vereinen geht man mit Rauschmittel auch ein wenig lockerer um…

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Augsburger Kunstschüsse

Eintracht Frankfurt – FC Augsburg
(4. Spieltag, 1:2)

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Sieben Tore, sieben Punkte, Platz Sieben – nach vier Spieltagen. Hätte man diese Ausgangslage für den 1. FC Köln, Bayer Leverkusen oder VfL Wolfsburg vor der Saison prognostiziert, hätte das Rund wohl einhellig genickt. Doch für den FC Augsburg, Abstiegskandidat Nummer Eins? Wie konnte das nur passieren?!

Die Ausgangslage

Mit breiter Brust reisten die Baum-Schüler ins Apfelwein Eldorado um sich einer vermeintlich schwereren Aufgabe als beim 3:0-Sieg gegen den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende zu stellen. Fast ehrfürchtig vor dem für Frankfurter Verhältnisse doch recht guten Saisonstart und vor allem nach Erkenntnis, das die doch sehr zerfahrene Transferpolitik von Fredi Bobic diese Saison aufzugehen zu scheint, ließ Manuel Baum sogar unter der Woche ein anderes System als das altbewährte 4-2-3-1 trainieren.

Da mit Haller und Kevin Prince Boateng zwei klassische Stürmer auflaufen würden, sollte sich Rani Khedira bei gegnerischem Ballbesitz zwischen die Innenverteidiger fallen lassen und so die Fünferkette komplettieren. Auf den Außen waren Max und Opare – aufgrund guter Leistung gegen Köln und aufgrund des weiteren Ausfallens von Framberger gesetzt. Auf der 10 durfte dieses Mal Koo von Anfang an ran, Gregoritsch blieb auf der Bank. Die Flügel besetzten Schmid, da es bei Caiuby noch nicht für 90 Minuten reichte, und Heller. Die verbleibenden Positionen wurden mit den Stammkräften besetzt.

Das Ergebnis

Mit 3 absolut verdienten Punkten im Gepäck machten sich die Jungs um Kapitän Daniel Baier wieder auf den Heimweg nach Augsburg. In der Höhe hätte das Kunstschussfestival von Frankfurt noch viel deutlicher ausfallen dürfen, denn zum einen wurden gute Chancen seitens Augsburg wieder liegen gelassen, zum anderen keine zwingenden Chancen der Eintracht zugelassen.

Mit dem 1:0, einem sehenswert verwandelten direkten Freistoß, erzielte Philipp Max sein zweites Bundesligator. Auch wenn gut geschossen, hätte das Tor jedoch nie fallen dürfen, da Finnlands Nationaltorhüter Hradecky mehr als unglücklich aussah. Nicht minder schlecht war sein Stellungsspiel auch beim zweiten Augsburger Kunstschusstor: Als Caiuby aus dem Halbfeld, etwa 20 Meter vom Tor entfernt einfach mal abzieht und den Ball gekonnt in den langen Winkel platziert, steht Frankfurts Schlussmann eindeutig zu weit vom Tor entfernt.

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Deutlich bessere, einfachere Chancen (Finnbogason 3″, Koo 67″) aus aussichtsreicheren Positionen ließ man hingegen verstreichen.

Was war gut?

Was sich nach vier Spieltagen sagen lässt: Defensiv hat Manuel Baum seine Mannen stets bestens auf den Gegner eingestellt. Es mag den anderen Teams keinen Spaß machen, gegen die unheimlich konsequent verteidigenden Augsburger zu spielen, aber das mag uns ja egal sein. Nicht nur die grundsolide Arbeit der Innenverteidiger, sondern auch die sensationelle Leistung auf den Außen ist der Garant für den heutigen Tabellen- und Punktestand. Gegen Frankfurt erwischte Philipp Max einen wahren Sensationstag: Neben dem Tor konnte er auch 100% gewonnene Zweikämpfe verzeichnen. Und auch Daniel Opares Zahlen können sich sehen lassen. Nach vorne wurde der Ghanaer im Vergleich zum Spiel gegen Köln mutiger, verstolperte aber auch hier und da den Ball im Dribbling. Defensiv überzeugte er jedoch auf ganzer Linie.

Auch Ja-Cheol Koo fand sich dieses Mal als Zehner wieder besser im Spiel zurecht als in den Spielen, in denen er eine defensivere Rolle einnehmen musste. Seine beste Szene in der 67. Minute, als Finnbogason gekonnt auf ihn durchsteckte, konnte er leider nicht in ein Tor umwandeln.

Was war schlecht?

Zwar hat Caiuby mit seinem Traumtor ein Statement gesetzt und seine Stammplatzambitionen untermauern können, dennoch überzeugten weder er noch Schmid im Gesamtkontext. Zu ungenau, zu fahrig wirkte das Spiel der beiden zeitweise, sodass sich eine Variante mit Max UND Stafylidis immer mehr aufzudrängen scheint.

Als der Grieche in der 80. Minute eingewechselt wurde, war er sofort präsent und verkörperte genau das von Baum geforderte, bissige und aggressive Spiel gegen den Ball. Dass die Variante funktioniert, konnte man in der vergangenen Saison bereits sehen und Leipzig wäre mit seinem ebenfalls starken Flügelspiel und einem gesperrten Naby Keita ein guter Gegner um das Ganze mal auszuprobieren.

Was kommt als nächstes?

Gegen das Überraschungsteam der vergangenen Saison geht es bereits am Dienstag. Dass dem FC Augsburg englische Wochen nicht sonderlich liegen, durften wir schmerzhaft in der vergangenen Spielzeit erfahren und mit Leipzig kommt ein schwieriger, aber nicht unschlagbarer Gegner nach Augsburg.

Die Rasensportler konnten zuletzt wenig überzeugen. In der Liga liegen sie punktgleich mit dem FC Augsburg auf Rang 6 und auch in der Champions League kam man gegen ein schwach auftretendes Monaco nicht über ein Unentschieden hinaus. Davon darf man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn mit Werner, Bruma, Forsberg, Poulsen, Demme und Augustin hat Leipzig sowohl in der Breite als auch in der Tiefe eine Offensivabteilung vorzuweisen, die so manchen Bundesligisten vom Platz fegen dürfte.

Aufreger des Spieltags

Der passierte – Gott sei es gedankt – nicht in Frankfurt, sondern in Dortmund beim Spiel gegen den Effzeh. Kern der Diskussion war mal wieder der Videobeweis, der sich in seiner ersten Saison bereits als die Konstante in Sachen Unklarheit herausstellt.

Stein des Anstoßes war eine Szene im Kölner Strafraum, die der Schiedsrichter Ittrich nach einer vermeintlichen Behinderung des Kölner Torhüters abpfiff, bevor der Ball von Sokratis ins Tor gestochert wurde. Der Video Referee beanstandete die Strafraumszene jedoch, da korrekterweise keine Behinderung vorlag. Ittrich entschied jedoch auf Tor, was laut Reglement nicht richtig war, da die Szene abgepfiffen wurde, bevor das Tor fiel.

Nun dürfen wir gespannt sein, ob Köln in der Tat auf eine Neuansetzung der Partie drängen wird und noch viel gespannter, ob es diese tatsächlich geben wird.

Ach ja, das Spiel verlor der Effzeh mit 5:0 und ist damit weiter punktlos auf dem letzten Tabellenplatz.

Und auf den Business Seats?

Am Dienstag ist es endlich soweit. Jahre haben wir gewartet. Nun erfüllt sich der Traum aller Augsburger. Naja, nicht aller, aber von ein paar zumindest…

Die WWK Arena, sie wird leuchten.

Gegen Leipzig wird die Fassade endlich offiziell eingeweiht und die Brennstäbe des Atomkraftwerks Fussballstadions auf dem Lechfeld erstrahlen in den schönsten Farben.

Eine ähnlich hitzige Diskussion bezüglich künstlerischer Ästhetik gab es in Augsburg wohl zuletzt beim Aphrodite-Skandal.

Bang, Bang, Finnbogason

FC Augsburg – 1. FC Köln
(3. Spieltag, 3:0)

Zwei Mal daheim, zwei Mal Gäste aus dem Rheinland. Der Frohsinn in Augsburg kennt – glaubt man den Fans aus Köln und Mönchengladbach – also gar kein Ende. Aber mal ehrlich: Egal wer da angereist wäre, wir wären um jede Mannschaft froh gewesen, denn nach der Länderspielpause unmittelbar nach Beendigung des 2. Spieltags will man einfach gleich weitermachen und nicht wieder verhältnismäßig unwichtige WM-Qualifikationsspiele schauen müssen. Der Durst war umso größer, waren letzten 45 Minuten auf heimischem Rasen im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach doch so fulminant, dass wirklich jeder FCA-Fan wissen, wie es nun weiter geht. Binge Watching, FC Augsburg Edition, sozusagen.

Die Ausgangslage

Die Domstädter reisten mit schwerem Gepäck (null Punkte), erfolgsverwöhnter Euphorie (endlich Europa!) und herkunfsbedingten großen Erwartungen (mehr Europa!) nach Augsburg. Vor allem ersteres dürfte im Gegensatz zum mitreisenden Anhang die Spieler auf dem Platz wohl am ehesten beschäftigt haben, denn sowohl die 1:3-Niederlage vor heimischem Publikum als auch das Testspiel in der Länderspielpause gegen Fünftligist TV Herkenrath waren nun wirklich kein Grund zum Jubeln. Gegen den HSV kann man ja schon mal verlieren und auch das Testspiel wurde letztendlich gewonnen, aber die große Entspannung spürt man aktuell nicht rund ums Geißbockheim.

In Augsburg hingegen hat man die Transferphase und die Länderspielpause ohne größere Schrammen beenden können und man war gespannt, wie vor allem der wechselwillige Stafylidis wieder ins Mannschaftsgefüge integriert werden würde. Sicherlich höchst professionell, denn so wie in dieser Causa läuft es nun eben manchmal im Fussball Business…

Das Ergebnis

Höchst professionell und mit immer noch null Punkten und sicherlich einer bisschen betrübten Euphorie schickte man die Rheinländer dann auch wieder nach Hause. Die Art und Weise des Ganzen war jedoch mehr als beachtlich. 3:0 – in Worten: Drei zu Null. Wann gab es das denn zuletzt zu bestaunen auf dem Lechfeld?

Sowohl in der Höhe als auch im Endergebnis geht das vollkommen in Ordnung, denn auch wenn die Kölner in nahezu allen Spieldaten die Nase vorn hatten, überzeugen konnte die Mannschaft von Peter Stöger jedoch nicht.

Worüber wird diskutiert?

Strittige Punkte gab es kaum. Der FC Augsburg bekam einen Elfer der Marke ‚Kann-muss-nicht‘ glaubt man den einen Experten, oder einen Elfer der Marke ‚Muss-man-geben‘, glaubt man den anderen. Der Video Assistent wurde konsultiert und zum ersten Mal am 3. Spieltag nun auch im Sinne von Augsburg entschieden. Ende der Diskussion.

Nicht einmal Daniel Opare, den sicher die Mehrzahl der anwesenden Fans mit Bauchschmerzen in der Startformation sahen, leistete sich einen opare’schen Schnitzer. Ganz im Gegenteil: Über die gesamte Spielzeit hinweg war der Aushilfsverteidiger stets auf der Höhe des Spielgeschehens – hatte jedoch auch gegen verunsicherte Kölner leichtes Spiel. Wir wollen jedoch, nicht nur aus rein humanitären Gründen, auf eine baldige Genesung Raphael Frambergers hoffen…

Was war gut?

Alfred Finnbogason.
Drei Tore.
Nach diesem Spieltag Toptorjäger der Bundesliga.

Damit wäre eigentlich auch alles gesagt, wenn denn nicht die Mannschaftsleistung als Ganzes durchaus Beachtung verdient hätte. Auch muss erwähnt werden, dass die beiden Spieler, die sich nach außen hin in der Länderspielpause am stärksten positioniert haben, nämlich Khedira und Heller, ihre Chance beide genutzt und die Ambitionen erfolgreich angemeldet haben dürften. Die Variante Baier/Khedira im Vergleich zu Baier/Koo bestach durch eine größere Stabilität gegen den Ball ohne Kreativität einzubüßen, die ohnehin nur von Baier im Spielaufbau ausging. Und auch Heller machte nach Vorne wesentlich mehr Dampf als es Jonathan Schmid trotz Leistungssteigerung zur letzten Saison jemals tat.

Was war schlecht?

Bei einem 3:0-Sieg gegen einen Europapokal-Teilnehmer muss man schon arg kritisch hinschauen, um das Haar in der Suppe zu finden. Wir sind hier ja schließlich immer noch in Augsburg, oder?

Dennoch: Ein paar kleine Schnitzer gab es. Hinteregger hat wohl noch die Länderspiele im Hinterkopf gehabt und auch bei Marwin Hitz scheint sich in dieser Saison abzuzeichnen, dass er im Spielaufbau lieber auf die sichere Nummer setzen sollte, anstatt Situationen spielerisch zu lösen. Auch Michael Gregoritsch sollte langsam aber sicher mal seinen brutalen Schlegel wiederfinden, denn wir können uns ja auch nicht jedes Spiel auf eine Leistungseruption unseres Isländers verlassen. Dass der Österreicher aber ein sensibler Spieler ist, bei dem im Umfeld sich alles ausgehen muss, war bekannt. Hoffen wir, dass er sich bald eingelebt hat.

Was passiert als nächstes?

In der kommenden Woche geht es dann mal wieder auf große Fahrt. Ziel: Frankfurt am Main. Mit der Eintracht wartet dort ein Gegner, der unangenehm zu bespielen ist. Die früh attackierende Spielweise unter Trainer Niko Kovac ist sicherlich nichts, womit der FC Augsburg unheimlich gut umgehen kann. Die Eintracht legt zudem keinen großen Wert auf Ballbesitz und kontrollierten Spielaufbau – auch vor heimischem Publikum nicht. Will der FC Augsburg ebenfalls nicht das Spiel machen, was zumindest immer die Grunddevise des schnellen Umschalt- und Konterspiels unter Baum war, dürfte die Partie eine enge Kiste werden, bei der individuelle Fehler den Ausschlag geben können.

Und auf den Business Seats?

Unter der Woche erschien ein Artikel zum Thema Moritz Leitner, der recht schnell die Runde im Internet machte und an mancher Stelle aufgegriffen wurde. Trainer Manuel Baum wird dort seiner Rolle aus großer Förderer Leitners abermals gerecht und betont, dass man dem Jungen Zeit geben werde, damit er sein volles Potential abrufen kann.

Alles schön und gut und niemand sollte Talente verheizen – nicht im Fussball oder sonst irgendwo. Nun ist Leitner jedoch keine 19 Jahre mehr alt und hat nach Dortmund, Stuttgart und Lazio Rom schon ein paar Stationen durch, in denen er sein Talent nicht unter Beweis stellen konnte. Die zwei Millionen, die Augsburg vergangenen Winter für Baums ehemaligen Schüler auf den Tisch legte, scheinen sich jedoch langsam in ein Investment Marke Matavz zu entwickeln. Glaubt man mannschaftsnahen Quellen, so hat Leitner immer wieder Schwierigkeiten, die Spielphilosophie Baums umzusetzen. „Zielstrebiger“ müsse er werden, so Baum, und „sich nicht in der Zirkulation verlieren“. Das würde man sich sicherlich auch in ganz Augsburg wünschen, denn schließlich stand Leitner einst beim TSV 1860 München auf einer Entwicklungsstufe wie der knapp drei Jahre jüngere Julian Weigl. Und der darf sich schließlich immer noch Hoffnungen machen, kommendes Jahr zur WM nach Russland zu fahren.

Eine These zur Transferpolitik

Vorab: Im Folgenden handelt es sich um eine sehr gewagte These. Und Thesen sind in der Regel dazu da, be- oder widerlegt zu werden. Daher bittet auch der Autor des Textes ausdrücklich um eine angeregte Diskussion auf allen Kanälen.

Die Transferperiode ist nun abgeschlossen und über die zahlreichen Abgänge und die wenigen Zugänge viel gesagt und geschrieben worden. Was jedoch offen bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Was ist der Langzeitplan, den Reuter, Hofmann & Co. mit den Transfers und der einhergehenden Ausrichtung des FC Augsburg erreichen wollen, denn komplett nachvollziehbar erscheinen die getätigten Zu- und Abgänge nicht jedem in der Anhängerschaft. Darüber kann als Beobachter und Fan nur spekuliert werden.

Die Theorie des Autors lautet:
Die Verantwortlichen des FC Augsburg haben erkannt, dass die Bundesliga mit Stuttgart und Hannover um zwei Mannschaften bereichert wurde, die finanziell wie strukturell dem FCA überlegen sind, folglich potentiell auch tabellarisch am Ende der Saison vor Augsburg stehen werden. Demnach steht für den FC Augsburg wahrscheinlich die schwerste der bislang sieben Bundesliga-Saisons an und die Chancen abzusteigen sind in diesem Jahr höher als in den vergangenen. Zudem hatte der FC Augsburg in der abgelaufenen Spielzeit fast immer mit den ältesten Kader. Eine Verjüngung ist also auf kurz oder lang nötig um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Transferpolitik muss folglich danach ausgerichtet sein, im Falle eines Abstiegs immer noch auf einen breiten Kader zurückgreifen zu können der (a) jung, (b) eingespielt und (c) qualitativ so hochwertig ist, dass die Verweildauer in der 2. Bundesliga so gering wie möglich gehalten werden kann und idealerweise der Wiederaufstieg direkt geschafft wird.

Auch wenn die Abgänge von verdienten Spielern wie Verhaegh, Altintop, und Bobadilla sicher nicht geplant gewesen waren, so legte man ihnen bewusst keine Steine in den Weg um jungen Spieler schon in dieser Saison die Chance zu geben, in die Mannschaft zu finden. Mit Framberger, Gregoritsch und Cordova fand man hierfür drei Spieler, die auf Zweitliga-Niveau Spitzenleistungen zu bringen in der Lage wären und auch in der ersten Liga bestehen können. Mit Giefer und Luthe hätte man im Falle des Abstiegs ein Torhüter-Duo, das ebenfalls überdurchschnittliche Leistungen im Unterhaus erreichen kann. Auch bei Khedira und Thommy wäre man hier auf der sicheren Seite. Mit Baier und Heller hätte man zudem noch zwei erfahrene Spieler, die sicherlich auch nicht abgeneigt wären, in der 2. Bundesliga im Dress des FC Augsburg aufzulaufen.

Dass es im Falle eines Abstiegs auch Abgänge geben würde, steht wohl kaum zur Debatte. Namentlich wären das wahrscheinlich die Nationalspieler ambitionsreicher Länder, also Koo, Finnbogason, Hinteregger, Stafylidis eventuell auch Gouweleeuw, für die man jedoch allesamt noch gutes Geld bekommen und somit die Mannschaft punktuell verstärken könnte. Denn auch bei diesen Ausfällen, wäre zweitligatauglicher Ersatz nahezu vollständig vorhanden.

Zudem würde es zu einem Verein wie dem FC Augsburg passen, nicht unvorbereitet und blauäugig in eine Bundesligasaison wie diese zu starten. Man baut auf die (eigene) Jugend, zieht sie schon bei harten Wettkampfbedingungen hoch um dann im Falle eines Abstiegs bereits adhoc gute Ergebnisse erzielen zu können. Der 1. FC Köln musste sein Team beim letzten Abstieg grundsanieren und konnte die Früchte guter Arbeit nach zwei Saisons in der zweiten Liga ernten. Der VfB Stuttgart schaffte den Wiederaufstieg direkt, weil das Team eingespielt war und man die wichtigen Säulen halten konnte. Ebenso Hannover 96. Es kann aber auch anders laufen, wenn man unvorbereitet ist und sich mit seiner Personalpolitik verzettelt, wie prominente Beispiele wie Kaiserslautern, St. Pauli, Nürnberg, Fürth oder Düsseldorf zeigen.

So frustrierend die These im ersten Moment für manchen Fan erscheinen mag, wäre sie jedoch auch eine Hoffnung auf einen nachhaltigen Verbleib in der Bundesliga. Und noch zwei Dinge geben Anlass nicht in Panik zu verfallen: Steigt der FC Augsburg nicht ab, haben die Verantwortlichen auch alles richtig gemacht. Und: Es bleibt eine These, die genauso gut auch falsch sein kann.

Das ist unser Haus!

FC Augsburg – Borussia Mönchengladbach
(2. Spieltag, 2:2)

Es ist angerichtet: Zweiter Spieltag, Heimspiel, Kasperle lädt zum Fahnentag, Räuber Hotzenplotz begrüßt den Gästekapitän, und ab sofort kann man Bosna kaufen, bis auf weiteres in bar – alles wie immer in Augsburg möchte man meinen.

Und doch spürte man den Druck, den die Mannschaft mit aus Hamburg gebracht haben, auch auf den Rängen. Null Punkte nach zwei Spielen, und das gegen Sowieso-immer-Punktelieferanten wie Hamburg oder Borussia Mönchengladbach – das wollte niemand.

Die Ausgangslage

Manuel Baum ließ mit der exakt gleichen Elf starten wie gegen den Hamburger SV. Unter der Woche waren Caiuby und Ji fraglich, beide standen jedoch im Kader oder sogar auf dem Platz. Nicht mit von der Partie war Fabian Giefer, der am Vortag bei der zweiten Mannschaft den Kasten gegen die Amateure des FC Bayern hütete und einen 5:1-Sieg feiern durfte. Bei der Borussia vom Niederrhein spielte Herrmann für Traoré auf der Rechtsaußenposition.

Im Gegensatz zum FC Augsburg waren die Fohlen äußerst positiv in die Saison gestartet: Nicht nur 3 Punkte gab es zum Auftakt, sondern auch noch einen Derbysieg gegen den 1. FC Köln vor eigener Kulisse. Wenn das nicht pusht, dann pusht wahrscheinlich nichts mehr. In Augsburg hingegen nahm man sich die Auftaktpleite beim HSV zwar zu Herzen, aber man nahm es eben sportlich. Mal verlierste das erste Saisonspiel, mal gewinnen die anderen. Das war ja schließlich auch die vergangenen sechs Jahre in der Bundesliga nicht anders.

Das Ergebnis

Ein Unentschieden, das sich wie ein Sieg anfühlt. Auch wenn man nun nach zwei Spieltagen mit nur einem Zähler dasteht, das, was die Mannschaft vor allem in den zweiten 45 Minuten auf den Platz gebracht hat, lässt hoffen.

Nach dem Blitzstart durch Finnbogason (1. Minute), bei dem wohl einige Fans noch mit ihrer Bosna beschäftigt waren, entwickelte sich das Spiel zunächst zu einem offenen Schlagabtausch. Rauf und runter, viel Defensivarbeit war auf beiden Seiten nicht auszumachen. Und so waren es auch nur 7 Minuten, die sich der FC Augsburg ob seiner frühen Führung freuen durfte, ehe Denis Zakaria (8. Minute), Neuzugang bei Borussia Mönchengladbach, mit sehenswerter Leichtigkeit und einem tollen Antritt die gesamte Abwehrreihe des FCA hat dumm aussehen lassen.

Auch das zweite Tor der Gladbacher (30. Minute) ging eigentlich zu einfach: Raffael lässt den vorgerückten Hinteregger stehen, flankt auf Herrmann, dessen Schuss Marwin Hitz noch parieren kann, sich dann aber gegen Wendt geschlagen geben musste. Spielerisch ging die Führung zur Halbzeit absolut in Ordnung und man befürchtete, dass da in der zweiten Hälfte seitens der Gladbacher noch mehr kommen würde.

Doch weit gefehlt: Ab dem Zeitpunkt, an dem Schiedsrichter Sascha Stegemann das Spiel wieder anpfiff, war es ein Spiel auf nur noch ein Tor. Baier als Ideengeber und Caiuby als fleißiger Vorbereiter und glückloser Vollstrecker waren die treibende Kräfte beim Spiel nach Vorne. Den Schlussakkord setzte dann aber ein anderer: Eingewechselt für den wieder blass gebliebenen Gregortisch verwandelte Sergio Cordova (89. Minute) nach Hereingabe von Heller, der für Schmid ins Spiel gekommen war. Auch letzterer Wechsel war eine gute Entscheidung, da der junge Franzose zwar redlich bemüht war, aktiv am Spielgeschehen teilzunehmen, seine Flankenqualität jedoch wiederholt zu wünschen übrig ließ.

Am Ende dürften sich die Gladbacher über das 2:2 mehr ärgern als Manuel Baum und seine Mannen, auch wenn man nach Abpfiff nicht nur glückliche Gesichter in den Augsburger Reihen sah. Die Mannschaft hat Herz gezeigt, hat bewiesen, dass sie gegen eine vermeintliche Top-Mannschaft nicht nur mithalten kann, sondern auch die Chance hat, das Spiel zu gewinnen. Gladbachs Treffer waren größtenteils dem – verglichen mit Augsburger Verhältnissen – überragenden Talent einzelner Spieler, namentlich Raffael, Stindl und Zakaria, zu verdanken. Hätte der FC Augsburg Spieler mit solch einem Format, dann hätte man das Spiel auch gewinnen und damit den Gladbachern endgültig beweisen können, das dies unser Haus und für sie hier nichts zu holen ist.

Worüber wird diskutiert?

Zwar funktionierte der Video Assistent an diesem Samstagnachmittag wohl reibungslos, und wurde auch eingesetzt, jedoch nicht bei der einzig wohl strittigen Situation: In der 7. Minuten vergrößert Vestergaard seine Körperfläche in einer natürlichen, wahrscheinlich nicht strafbaren Art und Weise und blockt damit den Schuss von Schmid im Strafraum.

Sicher darf man sein, dass der Video Assistent Schiedsrichter Stegemann nicht widersprochen hätte, wäre von ihm gepfiffen worden. Hat er aber nicht und so blieb auch der Video Assistent still.

Als Einzelentscheidung kann man beiden keinen Vorwurf machen. Sieht man aber, dass nun schon im zweiten Spiel der zweite Elfmeter verwehrt wurde, ist das aus Augsburger Sicht wohl recht verständlich ziemlich ärgerlich.

Aber wie sagt ein altes Sprichwort: Wäre, wäre, Fahrradkette.

Was war gut?

Ganz klar: Die Einstellung der Mannschaft stimmt. Man hat gesehen, dass man trotz schlechterer Leistung mancher (Koo, Schmid) das Spiel mit guter Leistung anderer (Hinteregger, Baier, Gouweleeuw, Caiuby) auffangen kann. Das Mannschaftsgefüge scheint stimmig zu sein und wenn man diesen Eindruck über die nächsten Spiele aufrecht erhalten kann, dann werden auch die kritischen Stimmen leiser werden, die so vehement hochkarätige Neuzugänge fordern, die hochkarätige Abgänge kompensieren mögen.

Auch hervorzuheben war das Tor von Sergio Cordova: Sich in dieser Situation so frei zu spielen und den Ball dann so anzunehmen und zu verwandeln, ist freilich keine Selbstverständlichkeit. Es wäre sicherlich interessant, diesen Jungen mal länger als 15 Minuten in einem Bundesliga-Spiel zu sehen.

Was war schlecht?

Bei aller Freude über den erkämpften Punkt, müssen ein, zwei Dinge angesprochen werden: Die Standardsituationen sind katastrophal, die Chancenverwertung muss immer noch besser werden und Raphael Framberger offenbart eine Schwäche. Aber der Reihe nach:

Nicht nur aus dem Spiel heraus, sondern auch bei ruhenden Bällen sind die Hereingaben, egal von welcher Seite, ein Graus. Kaum eine Flanke kommt gefährlich und manch eine schafft es nicht am ersten Verteidiger vorbei. Dass dies dem Spiel des FCA durchaus schadet, sieht man an der Eckenbilanz: 10 zu 0 stand es am Ende für Augsburg. Aus zehn Ecken und ein paar Freistößen in aussichtsreicher Entfernung konnte man kein Kapital schlagen. Dass dies nicht nur an Ginter und Vestergaard lag, sondern vor allem an der miserablen Flankenqualität (nur 28% angekommene Flanken!), muss vor allem in dem Zusammenhang betont werden, als dass mit Marcel Heller eine gute Alternative im Kader vorhanden ist.

Zum Thema Chancenverwertung hilft eine Visualisierung, die verdeutlicht, wie viele Großchancen ausgelassen wurden:

Und damit ist darüber auch schon alles gesagt.

Bei der Framberger-Schelte ist es so eine Sache: Der Junge beweist gerade sehr eindrucksvoll, dass er in die recht großen Fussstapfen von Paul Verhaegh passt und seine Chance wahren will. Offensiv setzt er tolle Akzente, defensiv ist er bissig und aus dem Spiel heraus meistens sehr zweikampfstark. Sein großes Manko, wie sich nun nach zwei Bundesligaspielen herausstellt, ist jedoch sein Stellungsspiel. Gegen den HSV war er damit Teil der Fehlerkette, die zum Siegtreffer führten, und auch beim zweiten Gegentor gegen Borussia Mönchengladbach kommt er gegen Wendt einen Schritt zu spät. Im Spielverlauf gab es dann noch weitere Szenen, vor allem gegen Hazard, bei denen er zu weit von seinem Gegenspieler entfernt stand. Legt er das ab, hat er das Zeug alle Tränen, die man Verhaegh hinterher weint, vergessen zu machen.

Was passiert als nächstes?

Nach der Länderspielpause – immer noch eine total sinnlose Unterbrechung direkt nach dem zweiten Spieltag (Anmerkung des Autors) – geht es gegen den 1. FC Köln. Die Geißböcke sind bis dahin vielleicht wieder nüchtern, denn anders ist die 1:3-Heimniederlage gegen den Hamburger SV nicht zu erklären, als dass man den Karneval ob der Europapokal-Lose um einige Monate vorverlegt hat und mit mindestens 1,3 Promille auf dem Platz stand.

Auch unalkoholisiert wird die Partie für den FC Augsburg, der wieder daheim ran darf, dennoch eine schwere Partie, denn der Effzeh dieser Saison weiß auch ohne China Boy Modeste Chancen zu kreieren und sie zu verwandeln. Mit Jhon Cordoba haben sie zudem einen bobadillesquen Sturmtank vorne drin, der bis in die Haarspitzen motiviert ist und für den 1. FC Köln nun endlich auch Punkte auf die Tafel bringen will.

Und auf den Business Seats?

Stafylidis und kein Ende. So schön die Transferperiode aus sportjournalistischer Sicht auch sein mag, irgendwann geht’s einfach nur auf die Nerven. Geht er, geht er nicht? Wenn der HSV kein Geld hat (Haha!), warum spielt er dann nicht?

Am Donnerstagabend hat der Spuk endlich ein Ende und man kann sich auf den Business Seats wieder den wichtigen Dingen widmen: Bosna oder normale Bratwurst?

Keine Punkte beim Saisonauftakt

Hamburger SV – FC Augsburg
(1. Spieltag, 1:0)

Spiele gegen den Hamburger SV am ersten Spieltag sind für den FCA durchaus etwas besonderes. In den vergangenen Spielzeiten waren die Hamburger stets im Saisonfinish anzufinden und lieferten damit Sechspunktespiele zur wichtigen Zeit. Nun hatte man also die historische Chance mal einen Sieg am ersten Spieltag einzufahren und zudem gleich zu verorten, wer in welcher Tabellenregion angesiedelt sein wird.

Die Ausgangslage

Die beiden Pokaldeppen duellierten sich also gleich nach deren Pleiten gegen Drittligisten. Sky musste jubeln ob der Einschaltquoten. Vom Kellerderby wurde da gefachsimpelt und allein die Frage zu klären sei, welche Mannschaft denn nun wirklich schlechter sei, wer direkt nach dem ersten Spieltag absteigt.

Natürlich, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Dennoch standen die Chancen für ein spannendes Spiel recht gut, denn beide Mannschaften starteten mit einer offensiven Aufstellung. Auf Augsburger Seite fehlte Ji angeschlagen, Stafylidis wurde wechselbedingt nicht berücksichtigt, und Bobadilla ist ja jetzt weg. Der HSV musste auf Mavraj verzichten, der für die Stabilisierung der Innenverteidigung im Sommer geholt wurde. Desweiteren verzichtete man freiwillig auf den einzigen gelernten Linksverteidiger, Douglas Santos, und lieber Youngster Rick van Drongelen auf die linke Seite. Zudem spürte man den Druck und die hohen Erwartungen, mit denen die Fans des Bundesligadinos mal wieder in die Saison starteten. Bloß nicht wieder Abstiegskampf!

Das Ergebnis

Nach 90 Minuten geht Hamburg mit einem schmeichelhaften 1:0-Sieg vom Platz und in Augsburg wird man sich darüber sehr ärgern. Das Tor, gefallen in der 8. Spielminute, war eine Verkettung von individuellen Fehlern, die jedoch nicht den Spielverlauf widerspiegeln. Ein Mal gepennt, sofort bestraft. Das wird uns in dieser Saison noch häufiger passieren, denn so effektiv wie der HSV sind weiß Gott noch mehr Bundesligisten.

Wer am Gegentor noch etwas positiv sehen möchte, darf vermerken, dass zumindest nicht nur ein Mannschaftsteil allein Schuld ist: Erst stellte Caiuby sich dusselig im Zweikampf an, dann vergaß Raphael Framberger, was Manndeckung bedeutet und als Krönung fasst Marwin Hitz auch noch ins Leere. Nun gut, kann passieren.

Worüber wird diskutiert?

Die Szene des Spiels war sicherlich die, die dem Tor durch Nicolai Müller direkt folgte: Der Hamburger verletzte sich beim Torjubel am Kreuzband und fällt nun gute 6 Monate aus. Kannste dir wirklich nicht ausdenken…
Gute Besserung natürlich aus Augsburg an dieser Stelle!

Aus Augsburger Sicht sorgte zudem die 44. Minute für Diskussionsbedarf: Finnbogason kommt in einem Duell mit Jung im Strafraum zu Fall. Die Fernsehbilder sprechen da eine schon recht eindeutige Sprache und so warteten im Augsburger Block alle darauf, dass Schiedsrichter Siebert doch auf den Punkt zeigen würde oder sich zumindest ans Ohr fasst – das international anerkannte Zeichen, dass jetzt irgendwas vom Video Ref untersucht werden wird.

Doch beides blieb aus, und wie sich nach Spielschluss herausstellte, stand der Video Assistent im Spiel des Hamburger SV gegen den FC Augsburg – wie bei anderen spielen auch an diesem Spieltag – aufgrund technischer Probleme nicht zur Verfügung. Doppeltes Pech also für den FCA, denn am Vortag hatte der Video Ref bei einer ähnlichen Situation im Strafraum zwischen Aranguiz und Lewandowski auf Elfmeter entschieden nachdem auch dort der Schiedsrichter auf dem Feld kein Vergehen gesehen hatte.

Aber wer weiß, ob wir den Elfmeter überhaupt verwandelt hätten, nachdem man wohl erst ein Schafkopfturnier hätte veranstalten müssen, um den rechtmäßigen Verhaegh-Nachfolger ausfindig zu machen.

Was war gut?

Viele Augsburger Fans verließen das Volksparkstadion trotz Niederlage recht versöhnlich, denn der FCA war über weite Strecken hinweg das klar bessere Team. Sagenhafte 64% Ballbesitz – zwischenzeitlich sogar knapp über 70% – und eine Zweikampfquote von 58% untermauern hier den subjektiven Eindruck beim reinen Betrachten des Spiels. Auch an der auffällig hohen Zahl an Fehlpässen aus dem Pokalspiel gegen Magdeburg wurde gearbeitet und eine gute Mehrzahl der Abspiele fand den richtigen Abnehmer.

Insgesamt wirkte der Spielaufbau wieder strukturierter, auch wenn der HSV nicht Gradmesser für die kommende Bundesligasaison sein kann. Die Hamburger standen nach dem Tor knappe 80 Minuten lang tief, liefen den FCA erst ab der Mittellinie konsequent an, sodass man selbst gezwungen war, das Spiel zu machen. Dass uns diese Spielweise eigentlich nicht liegt, war sicherlich der große Nachteil an der ganzen Situation, denn vor dem Treffer machte Hamburg das Spiel und Augsburg stand tief, was den Rothosen auch gegen Osnabrück Schwierigkeiten bereitete.

Was war schlecht?

Dennoch bei aller Freude, dass es besser lief als gegen Magdeburg: Die Offensivleistung, die Chancenerarbeitung und -verwertung und der Zug zum Tor waren neben manch individueller Schwäche tatsächlich katastrophal. Beim Blick auf die Spieldaten wundert man sich, wann der FC Augsburg denn 13 Torschüsse abgegeben hatte, denn Christian Mathenia war über weite Strecken des Spiels arbeitslos.

Auch beim Blick auf die opta-Auswertung des Spiels, fragt man sich, wie man die vielen Dinger aus kürzester Distanz denn eigentlich nicht machen kann.

Vor allem der Abschlusswille war nicht da beim FCA. Gregoritsch’s fragwürdiger Einsatz in der 28. Minute war dafür symptomatisch: Anstatt den Abschluss zu suchen, sucht er in bester Lage die Schwalbe. Sicherlich hatte Schiedsrichter Siebert diese Szene auch noch im Hinterkopf, als Finnbogason kurz vor dem Halbzeitpfiff dann wirklich im Strafraum gefoult wurde und der Strafstoß ausblieb.

Auch die individuelle Qualität mancher Spieler war an diesem Samstag in Hamburg durchaus niedriger als man sie gewohnt ist. Philipp Max hatte einen selten schlechten Tag, an dem defensiv wie offensiv kaum etwas zusammenpasste. Die gefühlten dreißig Ecken, die er und Schmid treten durften, waren allesamt mies und kein Mittel, mit dem man gegen bessere Gegner Tore auf die Anzeigetafel bringen könnte. Auch Ja-Cheol Koo, der dieses Mal den Vortritt vor Rani Khedira bekam, spielte auf der von Manuel Baum für ihn erdachten Position im zentralen, teilweise auch im defensiven Mittelfeld auch nicht sein bestes Spiel, auch wenn er einige Bälle eroberte und noch mehr Bälle gut verteilte. Alfred Finnbogason kann man abermals loben, wie toll er nach hinten mitarbeitet und sich selbst Bälle erobert, jedoch bringt das als Mittelstürmer auch herzlich wenig, wenn man vorne die Dinger nicht macht. Fairerweise muss man jedoch auch bemerken, dass man die guten Zuspiele auf den Isländer im Spiel gegen den Hamburger SV an einer Hand abzählen kann.

Was passiert als nächstes?

Kommenden Samstag geht es zur besten Fussballzeit in der Heimspielpremiere der Saison gegen den VfL Borussia Mönchengladbach und damit gegen den zweiten Gegner, dessen Name man in den vergangenen Spielzeiten eher am Ende der Saison im Kalender stehen hatte. Vergangenes Jahr war die Borussia recht gut in die Saison gestartet. Drei Siege, ein Unentschieden gegen Leipzig und eine Niederlage standen nach fünf Spielen auf dem Tableau. Und auch dieses Mal war es ein Auftakt nach Maß für die Elf vom Niederrhein.

Trainer Dieter Hecking steht zwar nicht für innovativen Fussball Marke Nagelsmann & Co., dennoch weiß der Altmeister seine Mannen zu motivieren und hat dieses Jahr ein Team zusammengestellt, das Ambitionen auf Europa geltend machen kann. Die Abwehr verstärkte man zuletzt mit Youngster Reece Oxford (Leihe von West Ham United) und mit Matthias Ginter (€17 Mio von Borussia Dortmund). Zusammen mit Jannik Vestergaard soll Ginter die Innenverteidigung, die in der vergangenen Saison anfällig war, stabilisieren. Weitere nennenswerte Zugänge fand man in Denis Zakaria (DM, €12 Mio von Young Boys Bern) und Linksaußen Vincenzo Grifo (LA, €6 Mio vom SC Freiburg), der Andre Hahn ersetzen soll. Ach ja, und einen gewissen Raul Bobadilla holte man kürzlich auch noch…

Gegen den 1. FC Köln startete man mit einem 1:0 in die Saison – ein Sieg der natürlich neben drei Punkten auch die Moral der Mannschaft beflügeln wird.

Man muss kein Fussballexperte sein um zu wissen: Das wird eine härtere Nuss als gegen den Hamburger SV.

Und auf den Business Seats?

Zurecht darf der Augsburger – trotz guter Ansätze gegen den HSV –  gerne wieder auf seine Lieblingsbeschäftigung, das Granteln, zurückgreifen, Anlässe gibt es ja genug.

Da wäre zum Beispiel der Bobadilla-Transfer: Nach Verhaegh und Altintop nun also noch eine Identifikationsfigur, dessen Popularitätswerte bei Fans und Mannschaft wohl recht unterschiedlich war. Von Extrawürsten, von denen man leid sei, sprach Präsident Hofmann. Dass die Stimmung in Zukunft gut sein werde, ließ Stefan Reuter auf eine Suggestivfrage bei der Pressekonferenz die Medien wissen. Okay, dass Boba wahrscheinlich nicht der einfachste Charakter im Fussballzirkus ist, das wusste man auch schon vor seiner Verpflichtung und ebenso bei seiner Vertragsverlängerung im Januar. Die Erklärungsversuche des Vereins wirken daher eher wie Rechtfertigungen, warum nun der nächste „verdiente Spieler“ nachdem er „den Wunsch geäußert hat“ den Verein verlassen darf. Die drei pikanten Noten bei Bobadilla wie bei Verhaegh: Man gibt sie unter Marktwert zu einem direkten Konkurrenten ohne – Stand heute – einen adäquaten Ersatz zu haben oder zu holen.

Auch wenn Framberger gegen den Hamburger SV ein super Spiel gemacht hat, sollte er mal fehlen, wird es eng. Und die Offensivqualität eines Raul Bobadilla wurde zum Ende des Spiels hin schmerzlich vermisst. Da konnten auch die guten Ansätze von Sergio Cordova, der in der 75. Minute kam, nicht mithalten.

Nun wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch Kostas Stafylidis den FC Augsburg verlassen und auch hier scheinen die Chancen nicht schlecht zu stehen, dass man auch ihn zu einem gefühlten Schnäppchenpreis, ohne gleichwertigen Ersatz zu holen, zu einem Ligakonkurrenten abgeben wird. Vielleicht ist er ja am Samstag auch gleich da geblieben, beim Hamburger SV.

Kaderanalyse Teil 4: Das Tor

Nachdem wir bereits die anderen Mannschaftsteile – den Sturm, das Mittelfeld und die Abwehr – analysiert haben, folgt nun der abschließende Beitrag zur Kaderanalyse des FC Augsburg für die Saison 2017/18: Das Tor. Wohl kaum ein anderer Mannschaftsteil warf so viele Fragen bei der Transferpolitik Reuters diesen Sommer auf, wie dieser. Verzockt oder vorausschauend gehandelt? Risikobehaftet oder gut aufgestellt? Sehen wir uns die Fakten an!

Leistung in der letzten Saison

Eines ist klar: Mit seinen Torhütern hatte der FC Augsburg in den vergangenen Jahren in der Bundesliga immer ein glückliches Händchen. Marwin Hitz ist mit 10.900 Spielminuten in 122 Einsätzen die Konstante im Spiel der Augsburger. Und wenn er mal fehlte, hatte man mit Alexander Manninger, Ioannis Gelios und zuletzt im Saison Showdown mit Andreas Luthe Backups, die sich wohl jeder Bundesligist nur wünschen kann.

Kurzum: Lief eine Saison mal schlecht, lag es sicher nicht an den Torhütern. Lief sie gut, waren sie Garant für den Erfolg.

Abgänge

Verlassen hat uns auf der Torwartposition dieses Jahr noch niemand. Wahrscheinlich plante man das in Stefan Reuters Büro anders ein, aber auch der auslaufende Vertrag (2018) von Marwin Hitz änderte nichts daran, dass man den Schweizer zu aktuell nicht gerade üppigen Preisen auf dem Transfermarkt feil bietet.

Zugänge

Auf der Haben-Seite jedoch gab es auch im Tor etwas diesen Sommer zu vermelden: Fabian Giefer, ehemals ewiges Talent bei Schalke, wurde aus Bristol City an den Lech gelotst. Mit einer Kampfansage präsentierte sich der 27-Jährige dann sogleich in Augsburg: Er sei nicht gekommen, um auf der Bank zu sitzen. Der Stammplatz sei das Ziel.

Ambitionierte Worte für jemanden, der in der vergangenen Spielzeit für Schalke lediglich ein Europacup-Spiel und für Bristol nur 10 von 20 Pflichtspiele bestritt.

Dass Giefer Talent hat, ist unbestritten. Seine Stärken zeigt er vor allem auf der Linie und unterscheidet sich damit sehr vom aktiven Mitspielen Marwin Hitz‘. In den Vorbereitungsspielen konnte er dies auch unter Beweis stellen. Er glänzte zwar nicht, grobe Patzer blieben jedoch auch aus. Dass Vorbereitungsspiele jedoch nichts mit der Leistung zu tun hat, die man im Pokal oder in der Bundesliga abrufen muss, sollte jedem spätestens nach dem Spiel in Magdeburg bewusst sein.

Warum man ihn zu diesem Zeitpunkt holte, wird man von den FCA-Offiziellen wohl nicht erfahren, dennoch kann seine Verpflichtung sich spätestens im nächsten Jahr zu einem Königstransfer entpuppen. Andreas Luthe wird dann 31 Jahre alt sein und Marwin Hitz voraussichtlich keinen Vertrag mehr in Augsburg haben. Mit einem Fabian Giefer, der wohl auch intelligent genug ist um zu wissen, dass seine Zeit in Augsburg kommen wird, auch wenn es dafür vielleicht noch ein Jahr Geduld braucht, ist man – ligaunabhängig – gewappnet um die Ziele zu erreichen.

Prognose für die kommende Saison

Sollten nicht alle Stricke reißen, wird der FC Augsburg auf der Torhüterposition mit einer Tiefe in die Saison gehen, über die sich selbst der FC Bayern oder RB Leipzig freuen würden. Neben einem Marwin Hitz, der gesetzt sein sollte sofern er gesund ist, und dem Neuzugang Fabian Giefer, kann man noch auf Andreas Luthe und den ewig geduldigen Ioannis Gelios zurückgreifen.

Für Letztgenannten wäre es wohl nun der beste Zeitpunkt, eine neue Herausforderung anzunehmen. Die Verbundenheit zum Verein, spätestens zementiert durch die Wiederaufnahme seines Vertrags nach dem Wechselchaos nach Griechenland vor einigen Jahren, sollten Gelios nicht im Weg stehen, mit seinen 25 Jahren noch mal etwas anderes zu sehen als die schöne Fuggerstadt. Zuzutrauen wären ihm durchaus ein guter Drittligist oder der Backup für einen Verein in der 2. Bundesliga. Und zu wünschen wäre es ihm auch.

Bei Andreas Luthe kann man getrost etwas entspannter auf die Zukunft blicken. Der Westfahle scheint sich in Augsburg wohl zu fühlen, bekommt Unterstützung für seine Stiftung In Safe Hands und zeigt auf dem Platz, dass man sich auf ihn verlassen kann, wenn es drauf ankommt. Von ihm wird wohl kaum Unruhe und Missmut ausgehen, sollte er diese Saison kaum bei einem Pflichtspiel zwischen den Pfosten stehen dürfen.

Kennt man Torwarttrainer Zdenko Miletic weiß man, dass ihn so schnell nichts aus der Bahn wirft. Und auch bei der Torwartsituation in der kommenden Saison kann man recht sicher sein, dass das Augsburger Urgestein (seit 2002 im Verein) wohl ruhige Nächte haben wird.

Keine Revanche in Magdeburg

1. FC Magdeburg – FC Augsburg
(DFB Pokal)

Nun ist es endlich soweit. Vorbei die Zeiten ergebnisloser Testspiele, vorbei all das Vorgeplänkel. Was auch immer in der Vorbereitung geschah, zählt nichts, denn Test- und Pflichtspiele, das lernten wir gestern, sind zwei unterschiedliche Paar Stiefel.

Die Ausgangslage

DFB-Pokal, erste Runde. Alle Uhren werden auf Null gestellt. Was vor 3 Jahren in Magdeburg geschah, ist vergessen – naja, nicht ganz, aber zumindest theoretisch. Denn von den Akteuren von damals, standen gestern nur Marwin Hitz und Daniel Baier im Aufgebot des FC Augsburg. Personell konnte man auf fast alles zurückgreifen, was man im Kader hat. Ji, Caiuby, Stafylidis, Bobadilla und Kacar – so der FC Augsburg per Twitter – ließ man angeschlagen in Augsburg zurück.

Die Aufstellung war dementsprechend ohne größere Überraschungen. Man spielte gegen eine offensiv ausgerichtete Mannschaft wie dem 1. FC Magdeburg mit dem bewährten 4-2-3-1. Vor Marwin Hitz, der im Pokal starten durfte, fanden sich Max, Gouweleeuw, Hinteregger und Framberger ein. Die Doppelsechs belegten Neu-Kapitän Baier und Neu-Zugang Khedira. Davor agierten Heller auf Links, Gregoritsch als fluider Zehner und Schmid auf Rechts. Im Sturm, wer sonst, Alfred Finnbogason.

Das Ergebnis

Nicht unverdient blieb auch der zweite Betriebsausflug nach Magdeburg erfolglos. 2:0 stand nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel der MDCC-Arena, nachdem – wie schon vor 3 Jahren – Christian Beck das erste Tor markierte, und Tobias Schwede mit dem Empty Netter die Sache besiegelte.

Über die gesamte Spielzeit hinweg waren die Magdeburger agiler, bissiger und wurden am Ende zurecht für ihr forsches, offensives Auftreten belohnt. Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen und auch die Spieldaten, die einen ausgeglichenen Ballbesitz, jedoch fast ein Drittel mehr Torschüsse und deutlich mehr gewonnene Zweikämpfe auf Magdeburger Seite auswiesen, zeugen davon, dass der FCA nicht nur gefühlt diesem Spiel hinterherlief.

Worüber wird diskutiert?

Sicherlich hätte das Spiel eine andere Wendung genommen, wäre in der 71. Minute ein Strafstoß für Augsburg gepfiffen worden, nachdem ein Schuss von Sergio Cordova im Strafraum mit der Hand abgewehrt wurde. Die Handbewegung war unnatürlich, der Arm vergrößerte die Körperfläche und eine so schlechte Sicht hatte auch Schiedsrichter Guido Winkmann nicht. Dennoch: Sich hieran festzuklammern würde dem gesamten Spielverlauf nur bedingt gerecht werden, denn – Strafstoß hin oder her – die Magdeburger waren schlichtweg die bessere Mannschaft.

Mehr Diskussionsbedarf sollte vor allem die komplett verkorkste Spieleröffnung bieten. Natürlich stellte auch Manuel Baum seine Mannschaft auf forsch auftretende Magdeburger ein, die den Gegner früh anlaufen würden und deren Spiel auf Pressing ausgelegt ist. Aber was der FC Augsburg dann auf den Platz brachte, war das komplette Gegenteil von dem, was wir in der Vorbereitung sehen konnten: Die konzentrierten, strukturierten Spieleröffnungen, sei es über Daniel Baier aus dem Zentrum, über Philipp Max und Raphael Framberger über die Außen oder als Ultima Ratio über Marwin Hitz, konnte man in diesem DFB-Pokalspiel gegen Magdeburg an einer Hand abzählen.

Was war gut?

Um den Teufel an die Wand zu malen wäre es jedoch zu früh, denn auch wenn man nun auch 2018 im Mai keine Fahrt nach Berlin buchen kann, gab es im Spiel des FC Augsburg gegen den 1. FC Magdeburg auch ein paar wenige Lichtblicke.

Vor allem vorne und hinten stimmte es: Marwin Hitz, auch wenn er in zwei Situationen für ihn unübliche Wackler im Stellungsspiel vorwies, überzeugte wie man es von ihm gewohnt war. Es wird schwer werden für Fabian Giefer und Andreas Luthe an so einem Hitz vorbeizukommen und Ansprüche auf den Stammplatz im Tor des FC Augsburg anzumelden.

Auch Alfred Finnbogason wusste zu überzeugen, zwar nicht als Torschütze, aber er war einer der wenigen auf dem Platz, die durch kluge Pässe auf seine Mitspieler auffielen. Zudem arbeitete der Isländer nach hinten überragend mit und hatte mehr auffällige Aktionen am eigenen Strafraum als am gegnerischen. Ebenfalls positiv fiel Jonathan Schmid auf, der endlich nicht aus seinem Tempo Kapital schlagen konnte, sondern auch ordentliche Chancen erarbeitete und sich technisch stark durchsetzte.

Was war schlecht?

Und da wären wir auch schon beim großen Aber. Denn auch ein solide spielender und in der Rückwärtsbewegung mitdenkender Sturm wird auf die Dauer einer Bundesligasaison sein Geld kaum wert sein, wenn er vorne keine Buden schießt. Beim FC Augsburg mangelte es gestern nicht nur im Spielaufbau, auch – und da schließt man lückenlos an die vergangene Saison an – in der Chancenverwertung gibt es massig Luft nach oben. Die wenigen Möglichkeiten, die man sich über 90 Minuten erarbeitete, blieben ungenutzt.

Nicht ganz unschuldig an dem durchwachsenen Ergebnis sind auch die Neuzugänge – oder besser: deren Integration. Mit Raphael Framberger, Rani Khedira, Michael Gregoritsch und Marcel Heller standen gleich vier Spieler in der Startelf des FC Augsburg, die es in vergangenen nicht taten. Allen merkte man an, dass das Getriebe noch nicht so reibungslos schnurrt, wie es müsste, um einen Gegner wie den 1. FC Magdeburg vor heimischem Publikum zu schlagen – oder in der Bundesliga zu bestehen.

Was passiert als nächstes?

Schon in einer Woche, am kommenden Samstag, trifft man nun auf den anderen großen Verlierer der ersten DFB-Pokalrunde: Den Hamburger SV. Dass es auch dort nicht rund lief, zeigt zum einen das Spiel gegen Osnabrück, bei dem man sich in 70. Minuten gegen eine dezimierte Mannschaft hat vorführen lassen.

Doch nur weil die anderen auch schlecht waren, sollte einem kein unnötiges Selbstbewusstsein geben. Wir spielen auswärts, es ist der erste Spieltag. Beides Faktoren, die in der Vergangenheit nicht dazu führten, dass der FC Augsburg sich eine Spielhoheit erarbeiten konnte.

Und auf den Business Seats?

Neben dem üblichen Gegrantel über das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal auf der einen Seite, gab es auch viel wohltuendes Relativieren auf der anderen. Undankbar ist es, gegen einen Drittligisten antreten zu müssen, die schon vier Pflichtspiele machen und aus den Fehlern lernen durften. Und außerdem wurde man doch auch nach der letzten Pokalpleite in Magdeburg am Ende der Saison Fünfter und spielte danach europäisch. Aha, okay. Das gute Omen nehmen wir gerne so mit in die Saison.

Doch nicht nur das schlechte Abschneiden der Mannschaft in Magdeburg sorgte am gestrigen Abend für Irritationen. Aus dem Off – oder vielmehr auf Instagram – meldete sich Kostas Stafylidis zu Wort und postete:

Topfit? Gesund? In der Info des Vereins (s. oben) hieß es noch, der Grieche sei angeschlagen zuhause gelassen worden. Wie es scheint, bahnt sich zwischen dem FC Augsburg und Stafylidis ein Rosenkrieg an. Wechselgerüchte, sogar dass der Linksverteidiger zum HSV gehen soll, gibt es zur Genüge, und dass der Verein Spieler, die in Transferverhandlungen stehen nicht auflaufen lässt, ist auch keine Neuigkeit. Aber die Info, Stafylidis sei angeschlagen, war unsinnig. Schließlich erwähnte man in der Meldung ja auch Usami, Teigl, JICB oder Leitner nicht, die ebenfalls nicht in Magdeburg dabei waren. Ebenso unsinnig erscheint einem auch der Post von Stafylidis, mit dem er nun leben muss. Wenn es eine Trennung gibt, ist das manchmal einfach so. Beide Seiten sollten sich aber nun darauf verständigen, welche Art der Trennung es werden wird.

Kaderanalyse Teil 1: Der Sturm

Im ersten Teil unserer ausführlichen Kaderanalyse nähern wir uns dem Spielfeld von Vorne und beginnen mit dem Sturm. Wie verlief die vergangene Spielzeit? Welche Lehren zog man aus dem Verletzungspech? Wie kompensiert man den Abgang eines Halil Altintop? Und ist Gregoritschs brutaler Schlegel ausreichend für den Klassenerhalt?

In der Kaderanalyse gehen wir all diesen Fragen auf den Grund.

Leistung in der letzten Saison

Ein Stichwort sollte reichen, um die Performance des Sturms in der Saison 2016/17 abschließend zu beschreiben: Chancenverwertung. Und damit wäre eigentlich auch schon alles gesagt, denn ebendiese war einer der großen Knackpunkte in der Gesamtleistung des FC Augsburg in der vergangenen Spielzeit.

Mit nur 35 erzielten Treffern schloss man am 34. Spieltag als dritt ungefährlichste Mannschaft der Liga ab. Nur der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV trafen seltener. Und auch nur ein Mal, in der Saison 2012/13, erzielte der FCA selbst weniger Tore als in der vergangenen. Doch damit nicht genug der Zahlenflut: Im Schnitt brauchte der FC Augsburg 10.5 Torchancen für einen Treffer, der Ligadurchschnitt lag bei 8.7. Auch bezeichnend für die schwache Ausbeute ist ein Blick auf die Topscorer im Augsburger Kader: Vor Raul Bobadilla – mit nur 4 Toren – war es Halil Altintop, der mit 6 Toren die Rangliste anführte. Auf Platz 3 folgte mit Stafylidis schon ein Abwehrspieler.

Sicherlich: Das Verletzungspech blieb uns vor allem im offensivsten Mannschaftsteil die Saison über treu. Neben Finnbogason, der nur 13 Mal im Augsburger Dress auflaufen konnte (Schambeinentzündung), kam auch Bobadilla nach Waden- und Schulterverletzung nur auf 18 Einsätze. Ji spielte nahezu durch, wenn auch am Schluss nur noch als Ergänzung. Mit 3 Toren und 3 Assists ist jedoch auch seine Ausbeute bei 34 Spielen als Mittelstürmer eher unterdurchschnittlich.

Abgänge

Mit Albian Ajeti und Tim Matavz beendete der FC Augsburg diesen Sommer zwei Experimente, die man sich sicherlich anders vorgestellt hat. Ajeti, in der Saison 2015/16 für €1 Million vom FC Basel geholt und mit Lorbeeren überschüttet, fand in Augsburg eigentlich nie große Berücksichtigung. Lediglich ein Bundesligaeinsatz und sechs Einsätze in der 2. Mannschaft darf sich der Schweizer auf den Deckel schreiben. Sein Wechsel zum FC St. Gallen ist sicherlich der konsequenteste Schritt für beide Seiten. Bei Tim Matavz schmerzt es sicherlich den ein oder anderen Beteiligten mehr, den Verkauf vermelden zu müssen. Einst legte man satte €4 Millionen für den slowenischen Top Scorer der Eredivisie auf den Tisch, nicht mal ein Viertel dessen dürfte nun der Erlös beim Transfer nach Arnheim gewesen sein. Letztendlich war Matavz körperlich nie fit genug für die hohen Anforderungen der Bundesliga. Schnelligkeit, Spritzigkeit und vor allem Kondition fehlten, sodass auch seine technischen Fertigkeiten beim FC Augsburg nie zum Tragen kamen.

Die größte Kröte des Sommers – neben dem Abgang Verhaeghs und allem, was vielleicht noch kommen mag – mussten Verein und Fans aber mit dem Abgang von Halil Altintop schlucken. Loblieder wurden nun schon genug auf ihn gesungen, sodass keine neuen mehr geschrieben werden müssen. Doch klar ist: Mit ihm fehlt ein Spieler und eine Persönlichkeit im Dress des FC Augsburg, die nur schwer zu ersetzen ist. Vergleiche mit Bastian Schweinsteiger und dem FC Bayern scheinen angebracht, denn Altintop war Identifikationsfigur, Leader und zuletzt auch immer Garant für den Klassenerhalt. Er wusste sich in jedes Spielsystem – ob Weinzierls, Schusters oder Baums – zu integrieren und seine altersbedingten Schwächen, wie die Schnelligkeit, durch Überblick, technische Abgebrühtheit und eine – zumindest für Augsburger Verhältnisse – hohe Abschlussstärke wettzumachen. Altintop wird fehlen.

Zugänge

Positionstreuen Ersatz für ihn fand man in Hamburg und so mancher Sportjournalist, der den FC Augsburg im gleichen Atemzug auf einen Abstiegsplatz tippt, bezeichnet Michael Gregoritsch bereits als Königstransfer des Sommers.

In der Tat ist Stefan Reuter mit Gregoritsch ein riesiger Coup gelungen. Denn nicht nur, und das zeigten schon die Testspiele, passt der junge Österreicher ideal in das Baum’sche System der fluiden hängenden Spitze, er bringt zudem noch die spielerische Qualität und Abschlussstärke mit (Stichwort: Brutaler Schlegel), die man in Augsburg seit Michael Thurk schmerzlich vermisste. In Packing-Statistiken der Kölner Analyse-Firma Impect rangiert Gregoritsch sogar unter den Ligabesten.

Eingesetzt wurde er in den Testspielen bislang als fluide Schnittstelle aus Hängender Spitze und Zehner und kam somit zum einen als variable Anspielstation im offensiven Mittelfeld, als auch in der Spitze zu tragen. Defensiv läuft er oft als erstes den Gegner an und bedient den Mittelstürmer bei Balleroberung technisch versiert. Es scheint, dass vor allem das Zusammenspiel mit Alfred Finnbogason gut zu funktionieren zu scheint. Gregoritsch, der in Hamburg wohl zu oft auf den Außen eingesetzt wurde und so sein vollen Potential nicht ausschöpfen konnte, zählt unweigerlich zu den größten Hoffnungen der Saison. Seine starken Abschlüsse in den Freundschaftsspielen – ob per Kopf oder Fuss – lassen hoffen, dass es kurzfristig auch wieder einen Augsburger Stürmer mit mehr als zehn Treffer pro Saison geben wird.

Prognose für die kommende Saison

Betrachtet man die Offensivabteilung des Kaders gesondert, kann man durchaus entspannt in die Saison gehen. Mit einem gesunden Finnbogason, einem gefährlichen Gregoritsch, einem universal einsetzbaren Ji und vielleicht ja sogar Bobadilla, sollte es ihn nicht doch noch zurück nach Südamerika ziehen, hat man durchaus einen Sturm zusammengestellt, der die Abwehrreihen der Liga knacken kann. Die Doppelbesetzung auf allen Positionen mit hoher Qualität ist sicherlich auch eine Lehre, die man aus der Verletzungsmisere im vergangenen Jahr gezogen hat.

Dass Manuel Baum offensiver aufstellt als seine Vorgänger, lässt ebenfalls auf eine Fortsetzung des Aufschwungs hoffen: 23 der 35 Tore in der vergangenen Saison fielen unter Baum, im Schnitt 1.15 pro Spiel. Der Augsburger Topwert aus der Saison 2013/14 liegt bei 1.38 pro Spiel – also nicht sonderlich weit weg.

Ein großes Fragezeichen bleibt jedoch Publikumsliebling und Europapokal-Legende Raul Bobadilla. Nicht nur was seinen Verbleib angeht, bei dem es wohl hauptsächlich an der Zahlungsfähigkeit der interessierten südamerikanischen Clubs scheitern könnte, sondern auch was die Form unseres Stiernackens anbetrifft. Nicht schlecht staunte man, als Bobadilla überpünktlich zum Trainingsauftakt erschien und sich beim Laktattest herausstellte, dass er die Sommerpause optimal genutzt hatte um sich körperlich fit wie nie zu präsentieren. Auch in den Testspieleinsätzen machte er einen guten physischen Eindruck. Form scheint bei Bobadilla ohnehin eher eine Frage der Psyche zu sein als der Physis. Ein gut gelaunter Bobadilla, der heiß ist, kann ein Spiel nahezu im Alleingang drehen. Einer, der zu viel auf der Bank gesessen hat, findet kaum Anschluss an das Spiel, steigert sich bei misslungenen Aktionen in seine Negativität hinein, gibt den Ball in den richtigen Situationen nicht ab und beeinflusst das Spielgeschehen nicht unbedingt positiv. Was also tun mit einem alternden, launischen aber über die Maße gefährlichen Stürmer, der wohl auch bei Manuel Baum nicht mehr erste Wahl zu sein scheint?

Alfred Finnbogason, der wohl für Baum als gesetzt gilt, findet sich im System wunderbar zurecht. Das sah man in allen Testspielen, vor allem aber gegen Eindhoven. Die große Stärke des Isländers ist seine hohe Spielintelligenz: Er vermag es wie kein anderer im Augsburger Kader, seine Mitspieler in Szene zu setzen und ist für einen Mittelstürmer ein fast zu guter Vorbereiter. Andererseits hat er auch die Abgeklärtheit und technische Raffinesse um bei entsprechenden Situationen den Abschluss zu finden. Manchmal bräuchte er mehr Glück, sowohl am Ball als auch bei der Gesundheit.

Und wenn alle Stricke reißen? Was, wenn das Verletzungspech zurückkehrt und man wieder die zweite Mannschaft ausdünnen muss? Mit Marco Richter, Julian Günther-Schmidt und Shawn Parker stehen dort (noch) drei Spieler zur Verfügung, die jüngst von Trainer Manuel Baum aussortiert wurden. Man werde ihnen bei Interesse eines anderen Vereins keine Steine in den Weg legen, sie aber auch nicht aktiv verkaufen, hieß es kürzlich aus den Kreisen um Stefan Reuter. Wohl kaum ein Verantwortlicher dürfte jedoch nachts einen ruhigen Schlaf finden, wäre eine Startelf mit den oben genannten Namen bestückt, hat der FC Augsburg II aktuell selbst Probleme in der Regionalliga mitzuhalten.

Dennoch, und da muss der Augsburger raus aus seiner Haut, sich freimachen vom Schwarzgemale und Granteln: Die Offensive ist gut bestückt wie lange nicht mehr – qualitativ und auch quantitativ, wenn man sich die Außenbahnen und Zehner-Optionen wie Ja-Cheol Koo ansieht. Mit einer gesund bleibenden Offensive ist der Klassenerhalt trotz starker Konkurrenz sicher einzutüten – und auch ein paar Buden mehr als letztes Jahr sind sicher drin.

Was meint ihr, auf wie viele Treffer kommen wir in Saison 2017/18 und wer wird Topscorer?

Eine aufschlussreiche Reise

Gut eine Woche verbrachte der FC Augsburg nun im Heimatland des Fußballs und wie das gestrige Spiel gegen den FC Southampton bewies, hat Manuel Baum die Zeit gut genutzt um die Spieler nicht nur taktisch, sondern auch konditionell auf die letzten Härtetests vor dem Bundesligastart am 19. August gegen den Hamburger SV vorzubereiten.

Holprig gegen Middlesbrough

Quasi direkt aus dem Flugzeug auf das Spielfeld, lief am vergangenem Samstag dann die vermeintlich zweite Garde gegen den FC Middlesbrough auf. Natürlich würde Manuel Baum die Mannschaft so nie bezeichnen, jedoch scheint sich im Gesamtkontext des Trainingslagers in England schon eine Tendenz abzuzeichnen.

Einer der beiden Gewinner des eher durchwachsenen Auftritts war am Ende Keeper Andreas Luthe, der bei beiden Gegentoren nichts ausrichten konnte, den ein oder anderen gefährlichen Ball dennoch zu entschärfen wusste. Der andere, hervorzuhebende Spieler des Abends hieß Stafylidis, der zwar nur eine Halbzeit spielte, jedoch seine offensiven Fähigkeiten wieder einmal unter Beweis stellte und den einzigen Treffer für den FCA markierte.

Unruhe um Verhaegh

Holprig ging es auch weiter, als einen Tag nach dem Testspiel gegen Middlesbrough der BILD als erstes auffiel, dass mit Paul Verhaegh der Kapitän des FC Augsburg im Schlussspurt der Vorbereitung fehlte. Schnell stellte sich die Abwesenheit als Sonderurlaub bis zum heutigen Donnerstag heraus und auch, dass Verhaegh den Wunsch ausgesprochen hat, den Verein verlassen zu dürfen.

Nun kann man es halten wie Stephan Urban, der im aktuellen Podcast von ‚Auf die Zirbelnuss‘ dem Verein lediglich einen menschlichen Verlust bescheinigt, sollte Verhaegh tatsächlich – wie kolportiert – nach Wolfsburg ziehen. Damit läge man keineswegs komplett falsch, da die Leistungskurve, sicherlich auch altersgerecht, in der vergangenen Saison nach unten zeigte.

Dennoch: Selbst wenn man adäquaten Ersatz holen sollte, was zum einen beim aktuellen Angebot auf dem Markt und den zugehörigen Preisen durchaus schwierig sein dürfte, zum anderen auch nicht in die diesjährige Transfer- und Vorbereitungspolitik passt, ist Verhaeghs Abgang zu einem direkten Konkurrenten – vielleicht ja wieder um den Klassenerhalt – auch sportlich ein herber Verlust. Einer wie der 33-Jährige kann den sportlichen Unterschied in stürmischen Zeiten ausmachen, ihn nahezu erzwingen – wie Halil Altintop am Ende der vergangenen Saison. Sportlich stand Verhaegh zuletzt sicher nicht für Kreativität und Schnelligkeit, die dem Spiel Baums zugute kämen, aber er stand für Kontinuität, größtenteils Stabilität und ist bis zuletzt eine Identifikationsfigur des Vereins.

Angenommen es käme niemand mehr, der sich mit Framberger um den Stammplatz streiten darf, sollte jeder Fan des FC Augsburg eine Kerze in der Kirche anzünden, einen Baum im Wald pflanzen oder sonstigen Ritualen nachgehen, dass sich Raphael Framberger in der kommenden Spielzeit nicht verletzt. Dass Georg Teigl bis Anfang der Woche bei Vielen wohl ganz oben auf der Streichliste stand (oder immer noch steht), darf wohl unbestritten sein und auch Daniel Opare zeigte bei seinen Auftritten in der Vorbereitung, dass er zwar das Potential besitzt, durchaus auf Bundesliganiveau zu kicken, durch seine Leichtsinnigkeit und die immer wiederkehrenden Fehler aber keine Konstante im System von Manuel Baum sein kann.

Und ob Raphael Framberger selbst schon jetzt seine Bundesligatauglichkeit beweisen kann, ist ebenfalls alles andere als abschließend geklärt. Auch gegen den FC Southampton zeigte er offensiv wieder eine tolle Leistung, die er mit einem Tor kurz vor Schluss krönen durfte. Defensiv wirkt er teilweise fahrig, hat vielleicht noch nicht die nötige Abgebrühtheit.

Luxusproblem im Kasten

Ein ganz anderes Bild zeichnet sich auf der Torwartposition ab, da es so aussieht, als ginge man mit Andreas Luthe, Marwin Hitz und Fabian Giefer, der wohl am Sonntag gegen den PSV Eindhoven im Kasten stehen wird, mit drei tollen Torhütern in die Saison.

Im gestrigen Testspiel unterstrich dabei Marwin Hitz wiedermal seine herausragende Form und auch seine Unabkömmlichkeit für den FC Augsburg. Sollte das Torwartkarussell nicht doch noch angeworfen werden – beispielsweise durch einen Wechsel Hradeckys zu Benfica Lissabon – wäre man gut beraten, nicht auf die Dienste des Schweizers zu verzichten. So gut die Form bei Luthe und Giefer auch sein mögen, einen Hitz auf die Bank oder die Tribüne zu setzen, einzig um Ruhe in der Mannschaft zu haben, wäre grob fahrlässig und kann das Zünglein an der Wage in einer Saison sein, die aufgrund der starken Konkurrenz wohl eine der schwierigsten werden dürfte.

Der brutale Schlegel

Auch offensiv war der Ausflug nach England durchaus aufschlussreich. Das Baum’sche System, statisch ein 4-5-1 und je nach Gegner und Spielsituation fluid irgendwo zwischen 4-2-3-1 und 4-1-4-1, hat sich gefestigt und bewiesen, dass es auch gegen den Vorjahresachten der Premier League überzeugen kann. Automatismen waren zumindest gegen Southampton immer wieder zu erkennen.

Mit Michael Gregoritsch hat man sich zudem einen Spieler geleistet, der als hängende Spitze ideal in dieses System zu passen scheint und endlich auch mal die nötige Abschlusssicherheit und einen „brutalen linken Schlegel“ mitbringt, so dass es durchaus denkbar wäre, dass ein FCA-Stürmer mal wieder mehr als 10 Tore in einer Spielzeit erzielt. Auch Alfred Finnbogason scheint langsam aber sicher wieder zu seiner alten Form zurückzukehren – einzig im Torabschluss besteht Verbesserungsbedarf. Bei Raul Bobadilla wird, wie in den vergangenen Spielzeiten auch, die Tagesform und Laune entscheidend sein. Und selbst wenn er erst in der 70. Minute ins Spiel gebracht wird, weiß man einen durchsetzungsstarken Spieler in den eigenen Reihen zu haben, der ein komplettes Spiel an sich reißen und drehen kann.

Erstaunlich war auch der gestrige Auftritt von Jonathan Schmid und Caiuby. Schmid, in der vergangenen Saison vor allem dadurch aufgefallen, dass er die in ihn gesteckten Erwartungen (qua Transfersumme) offensiv und vor allem defensiv nicht erfüllen konnte, arbeitete nicht nur enorm stark nach hinten mit, sondern fand mit seinen Flanken und Hereingaben auch endlich Abnehmer – unter anderem in Gregoritsch den Torschützen zum 0:2. Bei Caiuby überraschte vor allem die Länge seines Einsatzes: Volle 90 Minuten standen am Ende des Abends neben seinem Namen auf dem Spielberichtsbogen. Nach seiner langen Verletzung durchaus ein gutes Signal, denn nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ war seine Leistung durchweg solide.

Abermals nennenswert war Erik Thommy, der mit seiner Hereingabe bei ruhendem Ball Ja-Cheol Koo beim 0:3 bediente. Thommy bleibt sicher eines der größten Fragezeichen der Vorbereitung: Reicht es für die Bundesliga oder sollte man ihm abermals eine Spitzensaison in einer anderen Liga gönnen, beispielsweise bei Jahn Regensburg?

Wo Licht ist…

Weitere Fragezeichen sind hinter die Namen Takashi Usami und Moritz Leitner zu setzen. Beide werden seit ihrer Verpflichtung kritisch beäugt, großteils nicht zu Unrecht. Bei Usami blitzte in der Vorbereitung immer wieder das Talent durch, was es jedoch auch vergangene Saison schon tat. Berücksichtigt wurde der Japaner dann weder unter Schuster noch unter Baum während der Saison. Was soll nun also passieren mit dem ewigen Talent aus Kyoto – verkaufen, verleihen, ausprobieren ob es doch passt? Antworten auf diese Fragen gab es in England kaum.

Bei Moritz Leitner sehen die Vorzeichen noch schlechter aus. Scheinbar ein Wunschkandidat Baums, konnte er die Erwartungen seit seiner Verpflichtung in der vergangenen Winterpause in keiner Weise erfüllen. Sieht man ihn auf dem Platz und auch im Training, hat man das Gefühl, als fehle ihm die Bindung zu Spiel und zur Mannschaft und als gäbe es kognitive Probleme beim Erfassen der taktischen Vorgaben des Trainerstabs. Talent will man auch ihm nicht absprechen, doch wohin geht hier die Reise? Wie lange braucht man in einem doch recht gewohnten Umfeld, um sich einzugewöhnen?

Ein Fazit

Mit dem PSV Eindhoven steht am kommenden Wochenende der letzte Test einer durchaus positiv zu bewertenden Vorbereitung an. Vor allem die Aufteilung des langen ersten Trainingslagers am Anfang und des kurzen nun zum Schluss, war ein großer Fortschritt zu den vergangenen Jahren. Auch wenn man quer durch die Republik größtenteils auf den Abstiegsrängen gesehen wird, darf man als FCA-Fan durchaus optimistisch in die neue Saison starten, denn die guten Ansätze sind da, die Breite des Kaders liefert eine Sicherheit, die man vergangenes Jahr nicht hatte und mit den Neuzugängen hat man sich sinnvoll punktuell verstärkt. Das Ergebnis gestern sollte zudem zum nötigen Selbstvertrauen beitragen, die Saison mit breiter Brust anzugehen und vielleicht direkt zu Beginn für eine Überraschung zu sorgen. Es besteht doch wohl nicht die Möglichkeit, dass wir zum Auftakt ausnahmsweise gewinnen?