Abseits des Platzes: Die Funktion des Klaus Hofmann

Wie der FC Augsburg tickt und funktioniert und wie er rechtlich aufgestellt ist, sind zwei unterschiedliche paar Schuhe. Noch unter Walther Seinsch war es so, dass alle wesentlichen sportlichen Entscheidungen (z.B. Spielerverpflichtungen) einhellig von ihm, dem jeweiligen Manager und Trainer als Dreigestirn getroffen wurden. Unter Klaus Hofmann ist nicht mehr ganz so klar, wie sehr er sich in diese Prozesse einbringt, allerdings ist er wohl in die Geschäfte des FC Augsburg tief involviert. Gerade erst jetzt hat Robert Götz in der Augsburger Allgemeinen festgehalten, dass Klaus Hofmann „als Chef des FC Augsburg grünes Licht für die Beurlaubung von Trainer Dirk Schuster (gab)„. Mir stellt sich die Frage. in welcher Funktion er das tut?

Klaus Hofmann ist Präsident des FC Augsburg e.V. der – über eine Beteiligungsgesellschaft – Anteile an der FC Augsburg 1907 GmbH & Co.KGaA hält und die Mehrheit der Stimmrechte halten muss, auf Grund der Regelungen, die als „50+1“ bekannt sind. Klaus Hofmann ist zusätzlich Geschäftsführer der Hofmann Investoren GmbH, deren Zusammensetzung Robert Götz in der Augsburger Allgemeinen ausführlich beleuchtet hat. Nun hält der FC Augsburg e.V. 50.000 Anteile während Klaus Hofmann über die Investoren GmbH über 8,2 Millionen Anteile verfügt. Wenn er nun in die Geschäfte der KGaA eingreift, für wen tut er das dann? Auf der Vereinswebsite wird er als Vorstandsvorsitzender ausgewiesen, explizit unter der KGaA (siehe Adresse oben):

Übersicht von der FCA Webseite

Eine Position bei der FC Augsburg 1907 GmbH & Co.KGaA ist für mich nicht ersichtlich. Der Profispielbetrieb sollte im Verantwortungsbereich der Geschäftsführer dieser Gesellschaft liegen, die wiederum von deren Aufsichtsrat kontrolliert wird.

Offiziell wird die FC Augsburg KGaA von den drei Geschäftsführern Michael Ströll, Peter Bircks und Stefan Reuter geführt. Diese Geschäftsführer müssen sich gegenüber einem vierköpfigen Aufsichtsrat verantworten. Die Besetzung des Aufsichtsrats am Ende der letzten Saison zeigt eine deutliche Verschiebung im Machtgebilde des FCA. Walther Seinsch hatte den Aufsichtsrat mit langjährigen Fans des FC Augsburg besetzt, die nun im Zuge der Umstrukturierung Platz gemacht haben. Was bei vielen dieser Personen im Vordergrund ihres Engagements stand, war der Club selbst. Verein darf man an dieser Stelle ja schon gar nicht mehr schreiben, da es sich um den Aufsichtsrat der KGaA handelt. Das es dabei in der Welt des Fußballs immer wieder zu Vermischungen kommt, und Aufsichtsräte Funktionen übernehmen, die über eine reine Kontrollfunktion hinausgehen, ist nichts neues. Clemens Tönnies ist in dieser Hinsicht auf Schalke wohl ein besonders abschreckendes Beispiel. Aber auch in Augsburg wird von den Aufsichtsräten mehr als nur eine reine Kontrollaufgabe erwartet. Der Verein formulierte dies in der entsprechenden Presseerklärung wie folgt:

Durch diese Neubesetzung ist es unter anderem das Ziel, den FCA im Bereich der Auslandsvermarktung breiter aufzustellen und das Netzwerk der Unternehmer und Finanzexperten für den Klub zu nutzen.

Der prominenteste Name in der Riege der neuen Aufsichtsratmitglieder ist dabei wohl Marcus Höfl, der seit Jahren Manager von Franz Beckenbauer ist. Franz Beckenbauer steht dabei wie kein anderer im deutschen Fußball für zweifelhaftes Verhalten rund um die WM 2006. Wenn Marcus Höfl ein riesiger FCA Fan sein sollte, so ist mir dies bisher entgangen. In einer der Kurven dieser Republik habe zumindest ich ihn nicht getroffen. Mir persönlich wäre allerdings wichtig, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats sich hauptsächlich durch ein nachhaltiges Interesse an unserem Club auszeichnen. Bei ihrer Kontrollfunktion sollten sie genau diesen Club im Blick haben und nicht ihre persönlichen wirtschaftlichen Interessen. Wenn kritische Situationen anstehen sollten, dann interessiert mich weniger die Auslandsvermarktung in Asien, als das die Aufsichtsratsmitglieder ihre Kontrollfunktion gewissenhaft übernehmen.

Wenn man sich nun die aktuelle Besetzung des Aufsichtsrats anschaut und feststellt, dass hier nur noch Vertreter der Investoren GmbH einen Sitz haben, dann stellt sich doch direkt die Frage, wie der FC Augsburg e.V. die Umsetzung von Entscheidungen im Sinne seiner Stimmmehrheit bei der KGaA sicherstellt. Eine offizielle Kontrollfunktion ist durch mangelnde Vereinsvertreter im Aufsichtsrat nicht mehr gegeben. Das mit Peter Bircks ein Aufsichtsrat des e.V. Geschäftsführer bei der KGaA ist, verschärft die Interessenskonflikte nur weiter.

Was sind die Schlussfolgerungen aus den vorherigen Ausführungen? Die 50+1 Regel verbietet es Kapitalanlegern die Mehrheit der Stimmrechte zu übernehmen. Wenn der Kapitalanleger sich allerdings parallel nun zum Präsidenten des Vereins wählen lässt, dann sollten wir uns alle eingestehen, dass 50+1 dadurch ausgehöhlt wird. 50+1 ist somit in Augsburg schon seit dem Einstieg von Walther Seinsch tot. Dies sind mittlerweile 16 Jahre. Der einzige Unterschied ist in diesem Zusammenhang, dass Klaus Hofmann zumindest für den gemeinen Augsburger sympathischer daherkommt als Dietmar Hopp oder Martin Kind. Seitdem haben wir in Augsburg Erfolg und trotzdem mahne ich die Strukturen an. Warum?

Ich bin kein blinder Vertreter der 50+1 Regel. Allerdings geht es mir darum sicherzustellen, dass Strukturen personenunabhängig funktionieren. Momentan sind die Gesellschafter im Aufsichtsrat der KGaA ruhig und lassen die Beteiligten arbeiten. Momentan wirkt Klaus Hofmann zudem wie der Präsident der nächsten 20 Jahre. Aber – seien wir ehrlich – wir haben alle schon Traumehen scheitern und Rosenkriege ausbrechen sehen. Im Fall des Investorenkonstrukts beim FCA ist zudem viel Geld im Spiel. Wenn in dieser Hinsicht etwas passieren sollte, dann mache ich mir unter den momentanen Gegebenheiten Sorgen. Der FC Augsburg e.V. könnte seinen (investorenunabhängigen) Einfluss bei der KGaA von heute auf morgen verlieren. Ich bin Mitglied beim FCA. Mir macht das Sorgen. Ich würde gerne im Aufsichtsrat der KGaA eine Zusammensetzung nach den Stimmrechten sehen, d.h. dass Vereinsvertreter die Mehrheit im Gremium haben und zusätzlich den Vorsitzenden stellen. Mit Vereinsvertretern meine ich Personen, die nicht über ein Investment anderweitig am FCA beteiligt sein dürfen. Einen obligatorischen Fanvertreter würde ich mir in diesem Zusammenhang wünschen. In diesem Zusammenhang wäre dann auch zu klären, welchen Einfluss der Präsident des FC Augsburg e.V. auf die Geschäfte der KGaA hat.

Darüber hinaus sollten wir vereinsseitig überlegen, wie es uns möglich ist, zukünftig Anteile an der FC Augsburg 1907 GmbH & Co.KGaA zurückzukaufen. Hier sollten wir unseren Präsidenten damit beauftragen, in unserem Interesse ein Modell zu erarbeiten, um langfristig wieder selbst einen höheren Kapitalanteil zu übernehmen. Um an zukünftigen Kapitalerhöhungen relevant zu partizipieren, wäre dies essentiell.

Im Zusammenhang mit der Jahreshauptversammlung vor kurzem wurde vor allem über die glorreichen Geschäftszahlen berichtet (Umsatz! Gewinn!). Es sollte mittlerweile klar geworden sein, dass der FC Augsburg insgesamt kein Start-Up mehr ist. Wir sind ein gewachsener Mittelständler und sollten unsere Strukturen auch im Bereich der Unternehmensführung und -kontrolle an diese Gegebenheiten anpassen. Wenn sich der FCA mit einer veränderten Aufsichtsratsbesetzung eine Art Think Tank schafft, dann könnte dies sogar zu zusätzlichen Verbesserungen in der Zukunft führen. Einem prominenten Platz für die gesammelten Faninteressen sollte doch auch der Präsident der Kurve nicht ablehnend gegenüber stehen. Ich bin gespannt, was sich in dieser Hinsicht in der Zukunft tut, denn Klaus Hofmann hat in der Jahreshauptversammlung auch für sich selbst die Latte hochgelegt:

Wer keine Lust mehr hat, zu lernen und besser zu werden, hat keinen Platz mehr beim FC Augsburg.

Und uns allen sollte daran gelegen sein, dass der FCA in der ersten Liga kein vorübergehender Teilnehmer wird und wieder in der Niederungen von Fußballdeutschland verschwindet, wie dies schon vielen anderen Vereinen vorher passiert ist. Dafür denke ich dann auch gerne über die ferne Zukunft nach. Wer sich ein Erbe schafft, der sollte frühzeitig sicherstellen, dass es auch bewahrt wird.

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