AZ und Polizei im Abseits

In der letzten Woche hat die Augsburger Allgemeine beim FCA erneut den Fokus auf Geschehnisse abseits des Platzes gelenkt. Überschrift des Artikels ist: Polizisten in Augsburg spüren beim Fußball immer mehr Hass. Immer mehr Hass? Noch mehr Hass als letztes Jahr, als die Polizei vor Konflikten in der Fan Szene gewarnt hat? Schon damals hat sich mit Jörg Heinzle der gleiche Journalist der Augsburger Allgemeine mit Bernd Waitzmann, dem stellvertretenden Chef der Polizeiinspektion Süd, zusammengesetzt um über die Sorgen der Polizei zu sprechen. Schon vor einem Jahr machte Bernd Waitzmann keinen Hehl daraus, dass es in der Fanszene des FC Augsburg eine Entwicklung gibt, die ihm Sorgen bereitet. Nach dem neuerlichen Artikel stellt sich zu allererst die Frage, ob es ihm wohl am meisten Sorgen bereitet, dass er nicht noch öfter im Lichte der Öffentlichkeit glänzen darf.

Der Journalismus der Augsburger Allgemeinen ist dabei vollkommen boulevardesk, denn eine Auseinandersetzung mit harten Fakten findet nicht statt. Wie viele wirklich besorgniserregende Vorfälle gab es denn in diesem Jahr? Wie viele gab es in den Jahren davor? Dabei hat die Zeitung wohl selbstständig erkannt, dass es sich um Behauptungen handelt, die schwer mit handfesten Argumenten belegbar sind. So hatte Bernd Waitzmann im letzten Jahr den FC Augsburg selbst noch in die Verantwortung genommen und sich gewünscht, dass der Verein „auch Verantwortung übernimmt und den Fans klare Grenzen vorgibt.“ Dieses Jahr wurde der Verein mit den Behauptungen wohl gar nicht belästigt bzw. wollte sich dazu evtl. nicht äußern. Verständlicherweise. Denn es war in der Vergangenheit nicht so, dass der FC Augsburg seinen Anhängern alles durchgehen ließ. Der FC Augsburg hatte sich deutlich gegen Spruchbänder ausgesprochen und Konsequenzen gezogen. Untätigkeit in dieser Sache kann man dem Verein nicht vorwerfen.

Dabei sollte man eher der Polizei die kritische Frage stellen, warum man diesen Weg an die Öffentlichkeit sucht. Durch öffentlichen Druck sollen die Fangruppierungen wohl zur Kommunikation mit der Polizei gedrängt werden. Wenn es im letzten Jahr nicht funktioniert hat, dann wird es wohl dieses Jahr auch nicht funktionieren. Es ist doch wohl eher zu befürchten, dass diese öffentlichen Anschuldigungen von Fans als weitere Provokation von Seiten der Polizei angesehen werden und die Situation dadurch eher verschlimmert als verbessert wird. In diesem Zusammenhang will ich gerne eine Passage des offenen Briefs von Walter Seinsch aus 2013 zitieren:

„Da ich in den zwölf Jahren meiner Präsidentschaft hin und wieder mit den Fans zu Auswärtsspielen gefahren bin und im eigenen Stadion oft im Fanblock stehe, kann ich aus eigenem Erfahren berichten, dass das Verhalten des USK (Unterstützungskommando der Polizei, Anm. d. Red.) nicht selten extrem aggressiv, provozierend und damit kontraproduktiv ausfällt“, schreibt Seinsch.

Auch die Polizei trägt oftmals ihren Teil zur Eskalation von Situationen bei. Wenn die Augsburger Allgemeine den schwarzen Peter auf diesem Niveau Richtung Kurve schieben will, dann ist das zwar traurig für den Journalismus in der Region, sollte bei den Anhängern aber nicht zu mehr als einem müdem Lächeln führen. Wenn es viele berichtenswerte Vorfälle gegeben hätte, so hätten Jörg Heinzle und die AZ diese sicher stark-boulevardesk ausgeschlachtet und wir wüssten alle davon. Eine Spaltung der Fanszene ist indes auch nicht zu beobachten. Auf Grund der noch laufenden T-Shirt Aktion bin ich doch mit einigen Fans in Kontakt gekommen und es ist sehr bewundernswert, wie sehr man einig hinter wichtigen Inhalten steht. Dabei muss man nicht immer einer Meinung sein.

Mir tuen in diesem Zusammenhang diejenigen leid, die sich mit dem FCA nur ab und an beschäftigen und sich von dieser Berichterstattung verschrecken lassen. Nachdem die Augsburger Allgemeine zuerst einen Bruch zwischen Verein und Anhängern und ein sinkendes Interesse am FCA beschworen hat, kommt nun also die nächste negative Geschichte, die doch sehr konstruiert ist. Mir geht es in diesem Zusammenhang nicht darum, dass man berechtigte Kritik nicht äußern darf. Ich habe mich zuletzt auch sehr deutlich zum Umgang mit Schorsch Teigl geäußert. Der einzigen Tageszeitung im Umkreis sollte man aber zumindest abverlangen, dass das Pendel zwischen positiv und negativ nicht zu deutlich ausschlägt. Die immer wieder andauernde negative Presse ist dabei schädlich für den FCA. Als Verantwortlicher im Verein würde ich über Konsequenzen gegenüber der Augsburger Allgemeinen zumindest nachdenken. Auch die Pressevertreter haben Privilegien und die AZ ist auf Inhalte durch den FCA angewiesen. Vielleicht haben Verantwortliche und Spieler in Zukunft nicht mehr so viel Zeit für Interviews und Stellungnahmen? Bei den Inhalten wäre es nicht schade, wenn die Abonnentenzahlen weiter sinken würden. Denn das Interesse an der AZ geht belegbar schon seit Jahren zurück, obwohl es nur wenige Alternativen gibt. Mit diesen Inhalten sollte einen dies nicht verwundern.

Last Call: T-Shirts für Simon

Vor zwei Wochen habe ich eine T-Shirt Aktion für Simon gestartet. Einen ersten Zwischenstand habe ich euch letzte Woche gegeben. Seitdem sind zumindest wieder ein paar Bestellungen dazu gekommen. Heute kommt von meiner Seite die letzte Erinnerung an die Aktion. Ein letzter Aufruf. Es geht noch mehr!

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Ich würde mich freuen, wenn viele von euch noch eine Email an kontakt@rosenau-gazette. de schreiben und ein T-Shirt bestellen. Gebt dabei das gewünschte Modell (Lars/Ella), eure Größe und Adresse an. Ich melde mich mit Zahlungsdetails. Ich werde die Bestellfrist um ein paar Tage verlängern. Es zählt der Zahlungseingang bis zum 23. November! Jedes T-Shirt kostet 25 EUR und davon gehen nach Abzug aller Kosten ca. 10 EUR an Simon.

Ein paar Worte zum Kern der Aktion: Warum solltet ihr ein T-Shirt bestellen? Alle Erlöse nach Abzug der Kosten werden an Simon gespendet. Dies sind pro T-Shirt ca. 10 EUR. Umso mehr T-Shirts wir verkaufen, umso höher wird der Gewinn, da wir Mengenrabatt bekommen. Simon zu unterstützen ist mir dabei persönlich wichtig. Simon steckt nach dem Unfall vor über einem Jahr immer noch mitten in den Rehamaßnahmen. Durch den Unfall hat sich Simons Leben stark verändert. Er ist mehr auf die Hilfe anderer angewiesen. Diese Hilfe soll er bekommen. Die Aktion soll zeigen: Augsburg hält zusammen – Wir stehen hinter Dir Simon! Mehr als ein Jahr ist vergangen, wir sind immer noch da.

Die Bestellfrist verlängere ich gerne, da die Aktion im Heimspiel gegen Hertha BSC wohl in den Supporter News beworben werden soll. Danke für diese Unterstützung! Ich hoffe, dass wir so noch viele weitere Unterstützer finden können. Vielleicht finden sich ja auch noch 1-2 Grüppchen die das Heimspiel gegen Hertha nutzen, um eine kleine Sammelbestellung zu organisieren.

Eine Frage ist diese Woche zum Ablauf aufgekommen. Es ging darum, wann die T-Shirts ausgeliefert werden. Nach Ende der Bestellfrist am 23.11. werde ich die finale Bestellung weitergeben. Ich gehe davon aus, dass die T-Shirts innerhalb von 2 Wochen produziert sind. Der Versand wird dann noch 1-2 Tage in Anspruch nehmen, aber die T-Shirts sollten vor Weihnachten bei euch ankommen. Ich gebe mir auf jeden Fall alle Mühe. Bitte beachtet alle Hinweise hierzu im Ursprungsbeitrag.

Mehr fällt mir heute nicht mehr ein. Wie immer wäre es toll, wenn ihr die Aktion auf Facebook, Twitter, Instagram oder wo auch immer teilt und eure Freunde ansprecht. Ich verdiene an der Aktion keinen Cent, aber Simon ist mit jeder einzelnen Bestellung geholfen. Also gebt euch einen Ruck, wenn ihr es nicht schon getan habt!

T-Shirts für Simon – Erster Zwischenstand

Vor einer Woche habe ich die Aktion T-Shirts für Simon gestartet. Die Aktion ist generell auf großes Interesse gestoßen und wurde in den sozialen Netzwerken oft geteilt. Auch presse-augsburg.de hat die Aktion aufgegriffen und verbreitet.  Zusammen mit dem Interview von Jan Morávek über seine Heimat hat dies dazu geführt, dass der Blog in der letzten Woche die meisten Besuche seit seinem Start verbuchen konnte. Darüber und über jede positive Reaktion auf die T-Shirt Aktion (und natürlich auch auf das Interview) freue ich mich und will euch allen dafür danken. Leider hat sich dieses Interesse noch nicht bei den Bestellungen niedergeschlagen. Bisher wurden (erst) 17 T-Shirts bestellt. Ein paar weitere Menschen haben ihre Bestellung angekündigt. Alles in allem bisher überschaubar. Es ist ja auch noch Zeit. Bestellung und Zahlungseingang müssen „erst“ bis zum 20.11. bei mir vorliegen. Trotzdem habe ich die Befürchtung, dass die Aktion etwas in Vergessenheit gerät nach der ersten Welle.

Deshalb heute ein paar weitere Details und Klarstellungen, die vielleicht den ein oder anderen von einer Bestellung überzeugen:

Zum Ziel der Aktion: Das Ziel der Aktion ist ganz klar Simon zu unterstützen. Der Rest ist Mittel zum Zweck. In meinem Ursprungspost habe ich auch kurz dazu geschrieben, was ich mit dem Motiv der T-Shirts verbinde. Dies ist meine persönliche Meinung und Interpretation. Das Motiv sollte für möglichst viele Fans des FC Augsburg auf ihre eigene Weise interpretierbar sein, egal wo man im Stadion steht oder zu wie vielen Spielen man fährt. Es ist kein Ziel von mir mit dem Motiv zusätzlich eine Message in irgendeiner Richtung zu verbreiten.

Warum Simon? Ich wollte gerne den Blog nutzen, um etwas positives zu tun. Bei diesem Blog geht es ausschließlich um den FCA und was läge da näher, als einem bedürftigen Fan und seiner Familie zu helfen? Ich stand kurz dem Unfall noch mit Simon im Block in Gladbach (wobei wir uns persönlich nicht kennen). Ich habe zusätzlich persönlich abgeklärt, ob auch über ein Jahr nach dem Unfall noch Unterstützungsbedarf besteht und dem ist so. Weitere zukünftige Aktionen werden evtl. anderen zu Gute kommen, aber für meine erste Aktion dieser Art war eigentlich recht schnell klar, dass diese Simon zu Gute kommen sollte.

Das Motiv: Mir ist später aufgefallen, dass man auf dem Bild im Ursprungsbeitrag das Motiv recht unscharf sieht. Erst durch einen Klick auf das Bild wird das Motiv deutlicher. Wer also bzgl. des Motivs noch nicht den ganzen Durchblick hatte, kann dies so noch nachholen. Hier das Ganze auch etwas größer:

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Die Farbe und der Herstellungsprozess: Ich persönlich finde, dass der Schriftzug auf schwarz sehr gut aussieht. Der FCA selbst hat außer dem Saisonabschlussshirt gerade keine schwarzen T-Shirts im Angebot. Zudem gibt es außer diesem T-Shirt gerade kein weiteres Angebot, das mir bekannt ist, bei dem die Herstellung und Bedruckung der T-Shirts ausschließlich in Augsburg erfolgt. Natürlich gibt es bei uns auch ein Modell für die Ladies.

Sollten ihr sonst Rückfragen haben, so schreibt mir gerne eine Email. Nachrichten bei Facebook werden mir nicht direkt angezeigt, wenn wir nicht befreundet sind.  Der einzige Bestellweg bleibt weiterhin der schon beschriebene:

Wie funktioniert das Ganze nun, wenn ihr solch ein T-Shirt haben wollt? Die T-Shirts werden pro Stück 25 EUR kosten. Dafür kommen die T-Shirts direkt zu euch nach Hause. Der Versand ist im Preis inklusive. Ihr schreibt einfach eine Email an kontakt@rosenau-gazette.de in der ihr das Model (Ella oder Lars), die gewünschte Größe und eure Lieferadresseangebt. Ihr bekommt daraufhin eine Bestätigungsemail mit der Kontoverbindung für die Überweisung des Betrags. Erst nach Zahlungseingang ist eure Bestellung gesichert. Der Zahlungseingang muss bis 20.11. auf meinem Konto erfolgen, alle weiteren Bestellungen können nicht mehr berücksichtigt werden.

Ich würde mich sehr freuen, wenn bis zum Ende der Aktion noch einige weitere Bestellungen dazu kommen. Wer schon ein T-Shirt bestellt hat, sollte seine Freunde oder Arbeitskollegen fragen, ob sie nicht auch noch eines wollen. Wer in einem Fanclub ist, darf die Aktion gerne an die entsprechende Mailingliste oder WhatsApp-Gruppe weiterleiten. Die Aktion wird ein größerer Erfolg, umso mehr von euch das Ganze verbreiten und sich dann schlussendlich auch dazu entschließen ein T-Shirt zu bestellen. Da geht doch noch was, oder?

Was erwarten wir von Dirk Schuster?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de.

Die Zeit rast und schon wieder ist ein Monat vergangen. Wie gerne würde ich jetzt zusammen mit euch auf die letzten Wochen zurückschauen und mich über eine positive sportliche Entwicklung des FCA freuen. Das wird leider schwierig. Der FCA hat aus den letzten 4 Spielen einen Punkt geholt. Er hat gegen RB Leipzig, in Freiburg und gegen Bayern München verloren. Der Punkt gegen Schalke zu Hause war leistungsgerecht. Mit 8 Punkten findet man sich momentan auf Platz 13 der Tabelle wieder. Dadurch das dem HSV und Ingolstadt nichts gelingen will, sind zumindest die Abstände bis ganz unten ordentlich. Ab Platz 16 wird es dann eng.

Nun bin ich grundsätzlich jemand, der bzgl. des Trainers zu Geduld aufruft. Dirk Schuster hat es nun wirklich nicht leicht. Vor allem in der Offensive fehlen mit Raul Bobadilla, Alfred Finnbogason und Caiuby wichtige Spieler. Nach der Verletzung von Jeffrey Gouweleeuw und mit der zwischenzeitlichen Verletzung von Dominik Kohr war und ist auch der Abwehrverbund geschwächt. Trotzdem ist nun immer wieder Kritik von den Rängen aufgekommen. Die Kritik bezieht sich bisher allerdings größtenteils nicht auf Ergebnisse. Gegen Leipzig und Bayern kann man verlieren. Freiburg ist auf Augenhöhe. Wir standen zu ähnlichen Zeitpunkten schon viel schlechter da. Nach dem neunten Spieltag der letzten Saison waren wir mit 5 Punkten Letzter. Große Sorgen habe zumindest ich mir nicht gemacht.

Das lag in den letzten Jahren, zumindest nach der ersten Hinrunde unter Weinzierl, an der taktischen Entwicklung und Ausrichtung der Mannschaft. Bevorzugte Weinzierl während seiner ersten Zeit noch eine reaktivere Spielweise, so versuchte er später das Spiel offensiv aktiver zu gestalten. Raphael Honigstein hat in einer seiner letzten Kolumnen herausgearbeitet, dass es einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen einer aktiven Spielweise und Erfolg gibt. Vereinfacht formuliert hat er zusammengefasst: „Fußball bleibt ein Sport, der die belohnt, die das Spielgerät beherrschen“. Bei Weinzierl hat man das am Ende gesehen.

Dirk Schusters Spielphilosophie in Darmstadt und nun auch in diesem Jahr in Augsburg weicht hiervon deutlich ab. Laut Honigstein holte er in der letzten Saison mit nur 37 Prozent Ballbesitz 1,12 Punkte pro Spiel. Seine Verpflichtung sollte auch zeigen, dass defensive Stabilität weiterhin höchste Priorität genießt. Weinzierl hatte sich hiervon in seinen letzten beiden Jahren etwas entfernt. In Augsburg scheint es nun gerade so, als ob das hochgelobte und geduldige Publikum diesen Schritt nicht nachvollziehen will. Ich gestehe, dass auch ich manchmal neidvoll nach Freiburg oder Mainz blicke. Auch wenn man in Freiburg gerade erst wieder aus der zweiten Liga aufgestiegen ist, so hat man doch eine klare Fußballphilosophie, die sich nicht nur aufs Verteidigen beschränkt.

Und während sich im Spiel der Mannschaft auch unter Schuster noch deutliches Verbesserungspotential verbirgt, stellt sich doch die Frage, ob das diesen Ansprüchen jemals genügen wird. Auch wenn wir irgendwann besser und schneller Umschalten und mehr Tore durch Konter erzielen werden, so bin ich mir nicht sicher, ob diese Taktik nicht zu durchschaubar ist. Wolfsburg und Schalke haben in dieser Saison schon sehr passiv gegen uns gespielt, in der Hoffnung, dass wir mit Ballbesitz nicht so viel anfangen können. Damit hatten sie leider größtenteils recht. Wenn wie im Spiel gegen Schalke Daniel Baier die gefährlichsten Abschlüsse hat, dann zeigt das, wie wenig die Angriffe im Enddrittel ausgespielt waren. Zudem bereitet die Betrachtung nicht gerade großes visuelles Vergnügen. Ich will sagen: Es ist nicht schön anzusehen.

Und wenn es nun noch kälter wird und wieder Fragen aufkommen, ob das Interesse am FCA abnimmt, dann kann würde ich dies immer noch verneinen. Eine mutige, vorwärtsgewandte Entscheidung in der Trainerfrage im Sommer hätte aber vielleicht dazu geführt, dass man mit der sportlichen Grundausrichtung mehr Menschen erreicht, die nun vielleicht nicht kommen, um sich eine weitere Abwehrschlacht anzuschauen. Dabei hoffe ich immer noch, dass ich mich irre. Wenn ein paar der offensiven Stützen zurückkehren, wird Dirk Schuster vielleicht eine bessere Balance finden. Wenn dann noch Julian Günther-Schmidt als Joker ein paar Tore schießt, könnte man über den Rest ein wenig länger hinwegsehen. Ob wir nach der Weinzierlschen Einführung von mehr aktiver Spielgestaltung als Zuschauer davon je wieder ablassen können? Ich weiß es nicht. Unsere Geduld wird in dieser Hinsicht strapaziert werden und das war abzusehen. Ich werde über die Frage nach unserer sportlichen Identität wohl noch weiter grübeln.

Jan Morávek über seine Heimat

Es ist der Montag vor dem Spiel gegen RB Leipzig. Ich bin in Augsburg, weil mein Bruder tags zuvor seinen 30. Geburtstag gefeiert hatte und hoffe auf einen Interviewtermin mit Jan Morávek. Ob das Interview zustande kommt, hängt vom Trainingsplan ab. Montags ist eigentlich trainingsfrei, doch Dirk Schuster hat ein Einsehen mit mir und beordert seine Spieler auf den Platz. Das nächste Spiel steht schon am Freitag an. Keine Zeit für einen freien Tag. Welch ein Glück. Nachmittags betrete ich die Geschäftsstelle im Stadion und warte geduldig im Pressekonferenzraum, bis Jan für mich Zeit hat. Wir begrüßen uns per Handschlag und ich gratuliere kurz zu seinem Einsatz gegen Bayer 04 Leverkusen. Heute soll es aber nicht um die Geschehnisse auf dem Platz gehen. Jan wirkt ruhig, gut gelaunt und hat sich bereit erklärt mit mir über seine Heimat zu sprechen.

Andreas Riedl (AR): Du kommst aus Prag, korrekt?

Jan Morávek (JM): Stimmt.

AR: Wie nennt sich der Stadtteil aus dem Du kommst? Ist das Prag IV? Was ist das für ein Stadtteil?

JM: Stimmt. Das ist nicht direkt im Zentrum oder bei der Altstadt. Der Stadtteil liegt etwas außerhalb, aber mit der U-Bahn ist man in 10 Minuten auf dem Veticlav Platz. Und wenn man aus Prag rauskommen will, geht das von hier aus auch schnell. Es ist einfach schön da zu wohnen.

AR: Was wohnen dort für Menschen?

JM: Prag VII ist dafür bekannt, dass dort ärmere Menschen wohnen. In Prag IV wohnen ganz normale Prager.

AR: Kneipen, Restaurants, Geschäfte?

JM: Es gibt schon Möglichkeiten gut zu essen, aber wenn man wirklich besonders gut essen will, dann muss man ins Zentrum fahren. Im Viertel gibt es Möglichkeiten zu studieren, es gibt Schulen, ein Gymnasium. Im Prinzip  ist alles da, was man im Alltag benötigt.

AR: Du hast ja in deiner Jugendzeit auch komplett bei Bohemians Prag gespielt. Ist das da in dem Viertel?

JM: Mein Verein liegt in Prag X, aber Prag X liegt direkt neben Prag IV. Es war für mich natürlich praktisch, dass ich mit der Straßenbahn in 15 Minuten im Stadion war. Da habe ich auch das Gymnasium besucht, direkt gegenüber vom Stadion. Ich war vormittags im Gymnasium und nachmittags hatte ich einen individuellen Lernplan. Nachmittags hätte ich eigentlich auch in der Schule sein sollen, aber ich habe nachmittags immer trainiert. Ich bin also einfach nur über die Straße gegangen. Wenn am Vormittag Training war, war ich 2 Stunden bis 10 Uhr in der Schule und um 10 Uhr war ich auf dem Platz. Bei Training am Nachmittag war es umgekehrt. In nicht mal 5 Minuten war ich vom Klassenzimmer aus in der Kabine.

AR: Du hast ja dann auch im Ďolíček Stadion gespielt. Würdest Du dieses Stadion als dein Heimatstadion bezeichnen?

JM: Auf jeden Fall. Bohemians spielt immer noch seine Heimspiele im Ďolíček Stadion. Trotzdem gibt es immer wieder Diskussionen, wem das Stadion gehört. Es geht viel um Geld. Fast jedes Jahr gibt es Theater, ob Bohemians dort spielen darf oder ob sie woanders spielen müssen. Aber diese Saison spielen sie im Ďolíček Stadion. Es ist mein Heimatstadion, auch wenn ich dort nicht so viele Spiele gemacht habe. Vielleicht 30 Spiele, weil ich nur 3 Jahre für die Herrenmannschaft gespielt habe, aber in meiner Jugendzeit war es ein Traum da zu spielen. Mit 6 Jahren habe ich bei Bohemians angefangen, mit 17 habe ich mein erstes Spiel für die Herrenmannschaft gemacht, da bedeutet dieses Stadion viel für mich.

AR: Mit welchem Stadion in Deutschland würdest Du es am ehesten vergleichen?

JM: Poah…

AR: Ich habe Fotos gesehen und es ist schwierig.

JM: Es ist richtig schwierig. Da passen ja nur ca. 7000 Menschen rein, oder so.

AR: Es haben ja früher viel mehr reingepasst. So knappe 20.000. Es sieht ein bisschen wie in Fürth aus, bevor dort die Tribünen aufgestellt wurden, finde ich.

JM: Kann sein, ja ja…

AR: Gut, die weiß-grünen Trikots…

JM: …die passen auch, richtig.

AR: Die Abweichung kommt dann beim Känguru. Was hat es damit auf sich?

JM: Es ist das Symbol des Vereins. Bohemians war in der Vergangenheit, ich weiß nicht genau wann, in Australien. 1905 wurde der Club gegründet und bald danach sind sie zu einem Turnier nach Australien geflogen und dort haben Sie das Känguru von einer australischen Mannschaft geschenkt bekommen (1927, Anm. d. Red.). Seit dieser Zeit ist das Känguru das Wappentier des Vereins.

AR: Bei Bohemians hast Du dann in der Herrenmannschaft gespielt, hattest dann Probetrainings bei Schalke, bevor dich Schalke verpflichtet hat. Was hast Du Dir damals dann gedacht in der ersten Zeit, nachdem Du aus Deinem Umfeld in Prag weggezogen bist, weg von der Heimat im Alter von 19 Jahren?

JM: Es war schon echt schwer. Wenn du da sitzt, und du hast die Möglichkeit bei so einem Verein einen Vertrag zu unterschreiben, ist das schon geil. Aber du hast gar keine Ahnung, was auf dich zukommt. Ich war 19, es ist so ein riesiger Schritt und dann sind die ersten Wochen echt schwer. Es wartet eine komplett neue Welt mit einem riesigen Verein, der für dich fast alles machen würde. Du bekommst ein Auto, bist erst in einem 5 Sterne Hotel, dann in einer Wohnung, Deutschunterricht, komplett neue Kabine, Felix Magath dazu. Du sprichst nicht gut deutsch, aber auch nicht super englisch. Die einfachen Sachen schaffst du schon alleine, aber du musst dich irgendwie organisieren. Man kann sich in der Kabine nur ein bisschen unterhalten. Es ist schon richtig schwer. Die ersten Tage waren mehr ein Erlebnis. In eine Kabine zu kommen, in der Kuranyi, Neuer, Rakitic, Halil (Altintop, Anm. der Red.) sitzen, das war schon ein geiles Gefühl. Aber nach ein paar Wochen, nach einem anstrengenden Trainingslager, wo du unter Magath einfach komplett platt warst, da kommen natürlich Tage, wo du dich fragst: War das ein guter Schritt, das zu machen? Wäre es nicht besser zu Hause mit der Familie, mit deinem Verein, wo sie dich schätzen. Ich habe dort von null angefangen, komplett ohne Namen. Das war schon richtig schwer. Aber es wäre zu einfach, nach einem halben Jahr aufzugeben und zu sagen: Sorry, war vielleicht der falsche Schritt, ich gehe doch wieder nach Hause. Aber ich glaube, so geht es vielen Ausländern, die in ein anderes Land gehen. Sie haben dieses Gefühl, dass sie alleine  sind. Ich hatte wirklich Glück, dass Tereza (seine heutige Frau, Anm. der Red.) die ganze Zeit bei mir war. Das war echt eine sehr große Unterstützung. Sie hat sich um viele Dinge gekümmert, Möbel ausgesucht, gekocht. Ich kann sagen, dass ich es ohne Tereza nicht geschafft hätte.

AR: Sie ist dann auch mitgekommen damals?

JM: Ja.

AR: Felix Magath hat ja auch die Sprachkurse vorangetrieben, wenn ich das richtig gelesen habe. Er hat auch gefordert, dass neue Spieler deutsch lernen?

JM: Ja, wir haben einfach per SMS die Termine bekommen, wann in der Woche Deutschunterricht ist. Zwischen Trainingseinheiten oder nach dem Training war 2 oder 3 mal pro Woche 1 Stunde Unterricht. Erstmal die fußballerischen Begriffe und dann auch ein bisschen Grammatik dazu. Ich kann nur sagen, dass ich regelmäßig hingegangen bin, aber die Südamerikaner, die hatten nicht so viel Bock.

AR: Würdest Du sagen, dass es im Nachhinein wichtig war, sofort mit der Sprache anzufangen jetzt auch für die Zukunft? Du bist ja mittlerweile seit 7 Jahren in Deutschland…

JM: Ja, auf jeden Fall. Wenn ich sehe wie wichtig das mit der Sprache ist, dann war es für mich schon gut, dass ich im Gymnasium schon ein bisschen deutsch gelernt hatte. Aber jeder Deutsche weiß das schon zu schätzen, wenn man es wenigstens probiert. Wenn du längere Zeit in Deutschland bist und immer englisch sprichst, dann bist du schon ein bisschen faul. Es ist auch eine verpasste Chance. eine neue Sprache zu lernen. Es macht nicht riesig Spaß zu Hause ein Heft zu öffnen und zu lernen, aber danach ist es ein schönes Gefühl, wenn Du im Ausland bist und du kannst dich mit den Menschen ganz normal unterhalten.

AR: Als du nach Schalke gekommen bist, bist du sicher auch noch regelmäßig in die Heimat zurückgereist. Hat das jetzt abgenommen und bist du jetzt weniger in der Heimat als früher?

JM: Nein, vielleicht ein bisschen. Am Anfang war das Gefühl, dass ich meine Heimat vermisse, einfach extrem. Es war schon ein bisschen brutal. Wir sind immer 800km mit dem Auto gefahren. Mit Magath war es nicht möglich zu wissen, wann man die freien Tage bekommt. Flüge wären von Düsseldorf nach Prag zu teuer gewesen. Wir sind immer an einem Tag 800km gefahren. Dann waren wir einen ganzen Tag zu Hause und danach sind wir wieder 800km zurückgefahren. Das haben wir am Anfang immer gemacht, wenn ich 2 Tage am Stück frei hatte, ca. einmal in 6 Wochen. Auch jetzt, wenn wir 2 Tage frei haben, fahren wir nach Prag und bleiben 1,5 Tage dort. Aber von hier sind es nur 3,5 Stunden.

AR: Was machst du in Prag? Du bist bei deiner Familie, du triffst Freunde. Was sind die Dinge, die du abseits von Personen nur in Prag machen kannst, weil sie besonders und speziell sind?

JM: Einfach dieses Gefühl zu Hause zu sein mit den Eltern, der Schwester, dem Schwager. Zusammen in Ruhe Essen zu gehen, der Blick auf die Prager Burg. Wenn Bohemians spielt, gehe ich ins Stadion, wenn es zeitlich passt. Und auf jeden Fall ins Kino. Einfach in Ruhe Filme in der Muttersprache genießen. Hier gehen wir auch ab und zu ins Kino, aber es ist schon etwas anderes. Hier musst du dich zwei Stunden auf die Sprache konzentrieren und übersetzen und wir schauen nur einfachere Filme. Bei den Besuchen ist es aber das wichtigste, die Familien zu sehen.

AR: Ich war noch nie in Prag. Was sollte ich mir anschauen?

JM: Auf jeden Fall die Altstadt. Eine gute Kneipe im Zentrum, in der es gutes Bier gibt. Das ist gar kein Problem. Es gibt einen Turm namens Petřín, von dem man einen schönen Blick auf die ganze Stadt hat. Das lohnt sich. Vielleicht zum Eishockey. Fußball kann ich nicht so empfehlen. Es ist nicht so viel Qualität in der Liga, da ist es vielleicht besser zum Eishockey zu gehen.

AR: Gibt es Dinge, die man in Prag meiden sollte?

JM: (Lange Pause)

AR: Es ist ja schön, dass einem zu seiner Heimatstadt nicht sofort etwas einfällt, das man nicht tun sollte.

JM: Man muss echt auf seine eigenen Sachen aufpassen. Handy, Geldbeutel und bisschen teurere Sachen, weil es ab und zu gefährlich ist.

AR: Ist dir das schon mal selber passiert?

JM: Nein, nein. Aber es steht wirklich überall wo du fährst, in der U-Bahn, Straßenbahn. Überall sind die Schilder, dass man auf seine Habseligkeiten aufpassen soll.

AR: Also wie auf dem Oktoberfest?

JM: Ja, ja, ganz genau.

AR: Wenn ich dann abends in eine Kneipe gehe, was muss ich unbedingt essen? Gibt es ein typisches Gericht, das du mit Prag verbindest?

JM: Das geht auch in die Richtung vom Oktoberfest. Ente, Rotkohl und ein typischer Knödel. Bei uns sehen die Knödel etwas anders aus, aber sie sind auch sehr gut.

AR: Was hast Du nach Augsburg importiert von den Sachen, die du aus Prag gerne magst?

JM: Das ist eine gute Frage. Vielleicht nach diesen paar Jahren, dieses Gefühl, dass ich hier auch ein bisschen zu Hause bin. Dieses Gefühl hatte ich in Gelsenkirchen und Lautern nicht gehabt. Aber nach allem, was ich hier in Augsburg erlebt habe, da muss ich schon sagen, wir fühlen uns ein bisschen wie zu Hause. Es ist nicht dieses Gefühl wie in Prag, aber es geht in diese Richtung.

AR: Hast Du bestimmte Orte in Augsburg, außerhalb vom Stadion, wo du dieses Gefühl am meisten hast? Welche Ecken gefallen Dir am besten?

JM: Siebentischwald, Kuhsee. Eher so die Natur. Das Zentrum mag ich aber auch gerne. Wir haben aber auch eine gute bekannte Familie, wo die Frau Tschechin ist und der Mann Deutscher. Er hat Eltern hier, die uns oft einladen und wo wir uns immer nett unterhalten.

AR: Danke für deine Zeit und das Interview.