Helden aus der eigenen Jugend

Über fünf Jahre ist es her. Am 08.05.2011 hat das letzte Mal ein Spieler aus der eigenen Jugend ein bedeutendes Tor für den FC Augsburg geschossen. Stephan Hain hat damals gegen den FSV Frankfurt den Aufstieg in die erste Bundesliga perfekt gemacht. Ein Moment für die Ewigkeit:

Seit gestern wird wieder über einen Augsburger Nachwuchsspieler gesprochen. Der Name Marco Richter macht die Runde. Noch während der Sommerpause der ersten beiden Ligen hat die U23 des FC Augsburg in der Regionalliga Bayern zu Hause den SV Seligenporten mit 12:0 geschlagen. Marco Richter hat dabei 7 Tore für die Mannschaft von Christian Wörns beigesteuert. Marco Richter ist schon vorher als hoffnungsvolles Talent aufgefallen und Robert Götz hat in der Augsburger Allgemeinen erst vor kurzem im Lokalsport über ihn geschrieben. Nach dem Feuerwerk gegen Seligenporten wird Marco Richter eventuell ein Spieler, über den man bald auch im allgemeinen Sportteil lesen kann. Ob Marco Richter beim FC Augsburg der Durchbruch gelingt, darf dabei allerdings auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre bezweifelt werden.

In dieser Saison liegt die geringe Chance auf Einsatzzeiten zuerst am aufgeblähten Kader der ersten Mannschaft. Hier wird es schon schwierig Jugendspieler ins Training zu integrieren, ohne die Gruppengrößen zu sprengen. Auf der rechten defensiven Außenbahn beispielsweise ist der FCA neben seinem internationalen Topmann Paul Verhaegh mit Daniel Opare und Georg Teigl dreifach besetzt. Chancen für Raphael Framberger, den Rechtsverteidiger der U23, der hoffentlich bald von einer schweren Knieverletzung zurückkehrt, werden sich so nur schwer ergeben. Auf den zentralen offensiven Positionen sieht es ähnlich aus. Deswegen kam es schlussendlich auch zur Gala von Marco Richter, denn zum gleichen Zeitpunkt war die erste Mannschaft auf dem Weg ins Trainingslager. Auf seiner Position als hängende Spitze tümmeln sich Koo, Altintop und Usami. Auch Ji hat hier in der Vergangenheit schon gespielt.

Der letzte hoffnungsvolle Jugendspieler des FC Augsburg hat in der letzten Saison seine Leihe nach Kaiserslautern abgebrochen und ist frühzeitig zum FCA zurückgekehrt. Erik Thommy wurde mittlerweile an Jahn Regensburg verliehen. Die Daumen sind weiterhin gedrückt. Aber insgesamt sind das doch zu wenig Namen, die zu Einsatzzeiten im Profibereich gekommen sind. Zumindest kommt es mir auf Grund der Investitionen in das Nachwuchsleistungszentrum und der U23 in der vierten Spielklasse so vor. Was könnte sich also tun?

  1. Der FC Augsburg könnte seinen Profikader in dieser Transferperiode oder spätestens im Winter weiter ausdünnen, um eigenen Jugendspielern vermehrte Möglichkeiten zu verschaffen, sich im Training zu zeigen.
  2. Jugendspieler könnten früher Profiverträge erhalten, um proaktiv an Teams in der zweiten und dritten Liga verliehen zu werden und dort Spielpraxis auf einem Niveau über der eigenen U23 zu sammeln und sich so weiterzuentwickeln.
  3. Der FC Augsburg könnte bei Kaderentscheidungen vermehrt etwas enger planen, um Jugendspielern auch im Spielbetrieb der Bundesliga eine Chance zu geben.

Zu einer positiven Entwicklung gehören allerdings immer zwei Parteien. So darf man sich ruhigen Gewissens fragen, was aus Stephan Hain geworden wäre, wenn er a) in Augsburg geblieben wäre oder b) anstatt 1860 dem Angebot von Mainz 05 und Thomas Tuchel nachgegeben hätte. Das er jetzt wieder gegen die zweite Mannschaft des FC Augsburg im Dress der SpVgg Unterhaching antreten wird, hängt sicher auch an seinen Entscheidungen in der Vergangenheit. Wenn Marco Richters Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, wird auch ihm eine schwierige Entscheidung ins Haus stehen.

Es kommt immer wieder die Frage auf, ob wir überhaupt Jugendspieler haben, die das Zeug für die Bundesliga mitbringen und bei denen sich diese Fragen stellen. Wenn wir daran nicht glauben, dann können wir die U23 abmelden und uns das Geld sparen. Ansonsten werden wir erst feststellen, ob die Fische schwimmen können, wenn wir sie irgendwann ins Wasser werfen. Dabei haben die Leistungen in der U23 sicher eine Indizwirkung, werden aber nie eindeutig zeigen, ob ein Spieler sich im Profibereich nachhaltig durchsetzen kann.

Die Schnittstelle zwischen U23 und Profiteam ist hierfür entscheidend. Das die Ausbildung von Jugendspielern schwieriger ist, als die Arbeit mit Profis, die über Jahre professionelles Training gewohnt sind, ist keine Frage. Ich hoffe diese Herausforderung war Teil des Anforderungsprofils an Dirk Schuster. Ansonsten sollten wir uns erneut darauf einstellen, dass Einsatzzeiten für eigene Jugendspieler in der Bundesliga sehr rar gesät sein werden. Daran können dann auch sehr gute Leistungen in der Regionalliga nur wenig ändern.

Hinten in der Mitte ist es kompliziert Teil 2

Erst letzte Woche hatte ich mich detailliert mit der Situation in der Innenverteidung beschäftigt. In dieser Woche ist dann einiges passiert, was diese Position für diese Saison beeinflusst.

Am Dienstag hat der FCA verkündet, dass er Gojko Kacar ablösefrei für zwei Jahre verpflichtet. Kacars Vertrag beim HSV war nach der letzten Saison ausgelaufen. In der Pressemitteilung zur Verpflichtung hat der FCA betont, dass Kacar „auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden kann“. Auf dieser Position hatte er sich in Hamburg wieder in den Kader gekämpft, nachdem er vorher schon aussortiert, in die zweite Mannschaft degradiert und verliehen wurde. Kacar passt gut in das Beuteschema des FCA. Immer wieder werden hochveranlagte und erfahrene Profis verpflichtet, die vielleicht noch ein paar gute Jahre im Tank und in Augsburg die Aussicht auf ein ruhigeres Arbeitsumfeld haben. Hoffen wir, dass er in Augsburg im Herbst seiner Karriere erneut aufblüht.

Denn auf Kacar könnte es schon bald in der Innenverteidigung ankommen. Am Mittwoch gab der FCA den Wechsel von Ragnar Klavan nach Liverpool bekannt. Klavan war in den letzten Jahren mit Paul Verhaegh zusammen der verlässlichste Abwehrspieler des FCA. Von Verhaegh hebt ihn zusätzlich ab, dass er nie länger verletzt gefehlt hat. Er hat dauerhaft seine internationale Klasse unter Beweis gestellt und war ein Stützpfeiler, an dem sich andere Spieler orientieren konnten. Bei Offensivpressing von gegnerischen Mannschaften, hat er zusätzliche Aufgaben im Spielaufbau übernommen. Nachdem Jürgen Klopp in Liverpool auch auf Innenverteidiger setzt, die neben solider Abwehrarbeit Stärken in der Spieleröffnung haben, könnte Klavan in Liverpool zu einigen Einsätzen kommen.

Wer beim FC Augsburg zukünftig den Stützpfeiler in der Innenverteidigung bilden wird, ist dabei weit offen. Marvin Friedrich fehlt es an Erfahrung und auch Jeffrey Gouweleeuw hat noch Entwicklungspotential. Christoph Janker traue ich die Rolle nicht zu und bei Jan-Ingwer Callsen-Bracker würde ich mich überhaupt freuen, wenn er nach seiner schweren Verletzung nochmal in der Bundesliga auflaufen kann. Ich will gar nicht sagen, dass es nicht funktioniert. Aber war den Dortmundern auch so mulmig, als auf einmal Hummels und Subotic übernommen haben? Beide waren damals gerade um die 20 Jahre alt. Das der FCA keine fertigen Spieler verpflichten kann, zeigt der Vestergaard Transfer, der für 14 Mio. EUR von Bremen nach Gladbach gegangen ist. In diesen Welten sind wir trotz fortwährender Transfererlöse nicht angekommen.

Trotzdem darf man sich ruhigen Gewissens fragen, ob ein Aushilfsinnenverteidiger wie Kacar oder die anderen Alternativen im Kader einen Mann mit internationaler Klasse wie Klavan dauerhaft ersetzen können. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht mir das nach einem deutlichen sportlichen Verlust aus, der sich nicht in der relativ geringen Ablösesumme ablesen lässt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, dass sich dieser Verlust durch einen Transfer – unter Berücksichtigung unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten – überhaupt auffangen lässt. Eventuell müssen wir unseren jungen Spielern die Entwicklungschance geben und sollten diese nicht durch einen weiteren Transfer verbauen.

Wir in Augsburg behaupten immer wieder, dass wir ein geduldiges Publikum sind. In den letzten Jahren gab es selten Anlass dies über einen längeren Zeitraum nachzuweisen. Nun mit einem neuen Trainer, der sich eingewöhnen muss, und mit einigen Spielertransfers auch auf wichtigen Positionen, könnte die Stunde der Geduld  geschlagen haben. Nach Jahren mit einstelligen Tabellenplätzen und Europapokalteilnahmen hoffe ich, dass uns als Publikum diese Kerneigenschaft nicht abhanden gekommen ist. Langfristig haben wir seit langem zwei junge, hochveranlagte Innenverteidiger, die über mehrere Jahre ein sehr gutes Duo bilden können. Die Reaktion von den Rängen wird bei Fehlern ein Einflussfaktor sein. Haben wir die Geduld und das Vertrauen ihnen ihre Chance zu geben und diese evtl zu verlängern?

Es wird Zeit, dass es wieder losgeht!

Hinten in der Mitte ist es kompliziert

Es ist Sommer und dauert noch mehrere Wochen bevor die ersten Pflichtspiele anstehen. Nachdem der FCA das Training wieder aufgenommen hatte, damit sich der neue Trainer Dirk Schuster einen Überblick über den Kader verschaffen kann, wurden die Spieler auch schon wieder in den Urlaub geschickt, bevor die Mannschaft das Training wieder aufgenommen hat. Die Saison wird lang genug. Wer am Ende zum ersten Pflichtspiel auf dem Platz steht ist dabei in manchen Mannschaftsteilen noch völlig offen. Vor allem in der Innenverteidigung hat es sich vor kurzem noch  gewaltig geballt. Auf zwei Planstellen kamen sechs Bewerber, die sich um die Plätze stritten. Der FC Augsburg hat realistisch Bedarf für maximal 4 Innenverteidiger, wobei ich die vierte Position gerne perspektivisch besetzt sehen würde. Abgänge waren daher unvermeidlich. Nun ist Jeong-Ho Hong nach drei Jahren in Augsburg und mit einem Jahr Vertragsrestlaufzeit nach China gewechselt. Der FC Augsburg erhält eine stattliche Ablöse dafür, dass es Hong nie dauerhaft zum Stammspieler in der Bundesliga gebracht hat. So verbleiben nur noch 5 Spieler, die momentan mehr oder weniger bundesligatauglich sind, auf einer Position, auf der man vor kurzem noch von einem Luxusproblem sprechen konnte.  Lasst uns kurz auf die einzelnen Spieler schauen:

  • Jan-Ingwer Callsen-Bracker

Das Urgestein in der Gruppe. Im Verein seit Januar 2010. 6,5 Jahre in denen er mit dem FC Augsburg viele Höhen erlebt hat. Unvergesslich  sein Elfmeter in Mainz in der ersten Bundesligasaison, der uns den ersten Bundesligasieg beschert hat. Letztes Jahr der Pechvogel, nachdem ihn ein Belgrader Spieler im Sensationsspiel in Belgrad schwer verletzt hat. Mittlerweile 31 Jahre alt und noch mit Vertrag bis 2017. Kann noch nicht wieder am Training teilnehmen, nachdem der Heilungsprozess immer noch Zeit braucht. Fit zumindest ein sehr solider Back Up. Wird Zeit brauchen, bis er auch bzgl. seiner Fitness und Belastbarkeit wieder auf Bundesliganiveau spielen kann. Aber wann wird das wieder der Fall sein? Ein Wechsel scheidet auf Grund der gesundheitlichen Probleme aus.

  • Ragnar Klavan

Der Leistungsträger in der Gruppe. Der einzige Innenverteidiger im Verein, der nachhaltig seine internationale Klasse unter Beweis gestellt hat. Routiniert im Zweikampf und mit zusätzlichen Qualitäten im Spielaufbau. Da er auch schon 30 Jahre alt und mit Vertrag bis 2017 ausgestattet ist, wird gemunkelt, dass sich Klavan seinen Traum von der Premier League noch erfüllen will. Der FCA kann es sich wohl nicht erlauben, ihn nächstes Jahr ablösefrei gehen zu lassen. 140 Spiele in 4 Jahren haben aus ihm allerdings einen Stützpfeiler der Mannschaft gemacht, dessen Abgang eine sportliche Herausforderung darstellen würde. Ich würde ihn gerne mit einem Rentenvertrag in Augsburg sehen, sollte aber meinen Optimismus zügeln.

  • Christoph Janker

Janker kam vor 1,5 Jahren aus Berlin und war von Anfang an als Ersatzmann eingeplant. Mit seinen 31 Jahren wird aus ihm auch kein dauerhafter Stammspieler in der Bundesliga mehr werden. Sein Vertrag wurde im Winter verlängert, nachdem sich Callsen-Bracker schwer verletzt hatte. Die Vertragslaufzeiten von Hong und Klavan spielten dabei sicher auch eine Rolle. Wenn er spielen musste, dann nutzen schon einige Gegner Fehler im Stellungsspiel und seine fehlende Schnelligkeit aus. Für Janker wird es wohl keine Interessenten geben und ein Wechsel scheint unrealistisch. Mir würde es unwohl, wenn er der erste Backup auf der Position wäre.

  • Jeffrey Gouweleeuw

Der goldene Löwe wirkt bisher wie eine Topverpflichtung von Reuter im letzten Winter, die strategisch genau zur richtigen Zeit kam. Gouweleeuw hat gezeigt, dass er das Zeug zum Stammspieler in der Bundesliga hat. Zweikampfstark und körperlich äußerst robust, ist er defensiv verlässlich. Fraglich ist noch, wie sich seine Qualitäten in der Spieleröffnung weiterentwickeln lassen. Hier erwarte ich in der kommenden Saison die nächsten Schritte. Seine Zeit kommt jetzt!

  • Marvin Friedrich

Friedrich kam im Zuge des Weinzierlwechsels im Sommer von Schalke 04. Er ist sehr jung, hat aber bei Schalke schon erste Einsatzminuten in der Bundesliga und international erhalten. Er wird trotzdem noch Zeit brauchen, um sich spielerisch weiterzuentwickeln und körperlich robuster zu werden. In der ersten Saison würde ich von ihm noch nicht zu viel erwarten. Für die Zukunft kann er allerdings ein wichtiger Baustein werden.

Wie soll das enden? Ich weiß es nicht. Es wird sich wahrscheinlich noch etwas bewegen. Ich wünsche mir das Klavan verlängert. Er würde mit Jeffrey Gouweleeuw ein tolles Duo bilden. Wenn Klavan geht, bin ich gespannt, wer sich neben Gouweleeuw durchsetzen kann. Wie hoch wird der Druck auf Friedrich von Anfang an?  Kommt zusätzlich noch jemand, oder sieht Dirk Schuster jemanden wie Dominik Kohr als potentiellen Ersatz in der Innenverteidigung? Friedrich ist mir im Moment noch zu unerfahren, um ihn fest einzuplanen. Wir sollten ihn auch nicht verheizen. Dabei ist defensive Stabilität ein Leitsatz von Dirk Schuster. Die Innenverteidigung ist der Kern. Ich würde diese Position gerne früher als später mit hoher Qualität in die Saison starten sehen.

Was bleibt vom Theater zwischen Schalke und dem FCA?

Dieser Text erschien zuerst in der Kolumne „Einwurf aus der Rosenau Gazette“ bei presse-augsburg.de. 

Als der Wechsel von Markus Weinzierl nach Schalke konkreter wurde, war ich schnell dabei zu fordern, dass der FC Augsburg Markus Weinzierl nicht unter Wert abgeben sollte und dieser sehr hoch wäre. Einen zweistelligen Millionenbetrag hatte Klaus Hofmann letztes Jahr selbst aufgerufen, bei mir wurde daraus der 10. Mio. EUR Mann. 10 Mio. EUR wurden es am Ende nicht, aber ganz ohne Gegenleistung hat der FC Augsburg seinen Erfolgstrainer und dessen Team nicht gehen lassen. Weinzierls eigener Wechsel war dabei wohl nur die erste von drei Transaktionen und die Zusammenhänge werden wohl erst durch ein bisschen Abstand deutlich. Nachdem beide Vereine über Wechselmodalitäten Stillschweigen vereinbart haben, betreibe ich etwas gehobene Kaffeesatzleserei. Genau das Richtige für die Sommerpause bis zum ersten Stadionbier der neuen Saison.

Am 17. Juni 2016 hat der FC Augsburg die Verpflichtung von Marvin Friedrich bekannt gegeben. Der 20jährige Innenverteidiger wechselt fest von Schalke 04 zum FC Augsburg und unterschrieb einen Vertrag über 3 Jahre mit Verlängerungsoption. Stefan Reuter hat Friedrich im Rahmen der Verpflichtung wie folgt beschrieben: „Marvin Friedrich ist ein großes Nachwuchstalent, das auch schon in der deutschen U19- bzw. U20-Nationalmannschaft am Ball war. Wir sind sicher, dass Marvin sich in unserer Mannschaft in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird“. Friedrich kam bei Schalke in der letzten Saison sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League auf erste Einsatzminuten.

Ich rieb mir verwundert die Augen. Marvin Friedrich ist ein Spieler, den Vereine wie Schalke 04 normalerweise ausleihen, um ihm Spielpraxis zu verschaffen. Seine Einsätze für die Jugendnationalmannschaften und auch der Profivertrag bei Schalke 04 sind Indikatoren für sein großes Potential. Früher hätten wir einen Spieler dieses Kalibers ausgeliehen. Wir haben ihn aber fest verpflichtet. Nun ist Marvin Friedrich sicher noch nicht so weit wie Mats Hummels, als ihn Dortmund im Alter von 20 Jahren (erst nach einer Leihe) für 4,2 Millionen EUR fest verpflichtete. Wobei die Ablöse damals schon moderat bemessen war. Allerdings hat auch Neven Subotic in 2008 bei seinem Wechsel von Mainz 05 nach Dortmund im Alter von 19 Jahren schon 4,5 Millionen EUR gekostet. Ablösesummen sind seitdem erheblich gestiegen, was durch den Transfer für Jannik Vestergard für geschätzte 11 Mio. EUR von Bremen nach Mönchengladbach in diesem Sommer eindrucksvoll bestätigt wird. Ich glaube trotzdem nicht, dass der FC Augsburg mehrere Millionen für Marvin Friedrich überweisen muss. Dafür ist das Risiko, dass aus Marvin Friedrich ein Knowledge Musona der Innenverteidigung wird, zu groß und das Geld in Augsburg weiterhin nicht im Überfluss vorhanden. Zudem haben wir den Schalkern ja unseren Erfolgstrainer überlassen.

Rückblick: Am 02. Juni hat der FC Augsburg verkündet, dass Markus Weinzierl den FC Augsburg Richtung Schalke verlassen wird. In der Pressekonferenz in diesem Zusammenhang hat Stefan Reuter deutlich betont, dass die vertragliche Regelung mit Schalke 04 nur Markus Weinzierl selbst, allerdings nicht sein Trainerteam umfasst. Der FCA hat im Gegenzug direkt Dirk Schuster samt Trainerteam von Darmstadt 98 verpflichtet. Schalke 04 hat für Markus Weinzierl eine Ablöse bezahlt, die allerdings wohl nicht den ursprünglichen Forderungen des FC Augsburg entsprach. Es ist wohl auch davon auszugehen, dass die Vereine sich zu diesem Zeitpunkt auch schon über den Wechsel der Assistenztrainer von Markus Weinzierl und den Wechsel von Marvin Friedrich zumindest grundsätzlich einig waren. Am 15. Juni hat der FC Augsburg die Öffentlichkeit darüber informiert, dass die Verträge mit Weinzierls Assistenztrainern Wolfgang Beller und Tobias Zellner aufgelöst wurden. Knapp zwei Wochen nach Weinzierls eigenem Wechsel. Wobei davon auszugehen ist, dass Weinzierl seinen eigenen Wechsel mit dem Wechsel seiner Assistenten verknüpft hat. Trainer arbeiten heutzutage meist in festen Teams und Wechsel in den Teams sind im Erfolgsfall selten.

Warum den Wechsel erst jetzt finalisieren und verkünden? Der FC Augsburg musste sich mit Marvin Friedrich einigen und ihn von einem Wechsel überzeugen. Das kann Zeit in Anspruch genommen haben. Zudem hilft die dazwischenliegende Zeit wohl vor allem Schalke 04, um den Zusammenhang beider Transfers nicht allzu deutlich zu machen. Es scheint, als ob Markus Weinzierl der Wunschkandidat auf Schalke war. Für den FC Augsburg gab es keine Gründe, Weinzierl günstig aus seinem Vertrag zu lassen. Am Ende kann man in Augsburg mit dem Ergebnis wohl leben. Ein Trainer, der evtl. mit der sportlichen Ausrichtung in Augsburg nicht mehr ganz zufrieden war, hat den Verein nach 4 Jahren verlassen. Der Verein hat hierfür wohl eine Rekordablöse kassiert und einen hoch veranlagten Spieler fest verpflichten können. Weinzierls Erfolgsdruck auf Schalke wird nicht zusätzlich durch eine immense Ablösesumme erhöht. So oder so ähnlich, ist das Ganze besser gelaufen, als ich zuerst erwartet hätte. Jetzt muss nur noch aus Dirk Schuster unser neuer Erfolgstrainer werden und Marvin Friedrich spätestens in der übernächsten Saison relevante Spielminuten erhalten. Das Fundament ist durch die Verpflichtung wieder etwas breiter geworden.